Statt Pro Bowl – Das All-Pro Team 2012

In guter alter Tradition wird die Spaßveranstaltung heute abend hier geflissentlich ignoriert. Stattdessen kommt nach den Awards von Seminole und korsakoff heute mein All-Pro-Team mit den Spielern, die mir in der Saison 2012/13 am besten gefallen haben. (Das All-Pro Team 2011/12 gibts hier.)

Offense

QB – Tom Brady (Patriots): Brady hat 2012 noch einmal deutlich gemacht, warum man manchmal davon spricht, daß ein Quarterback seine Offense „orchestriert“. Der Golden Boy hat den Term „no-huddle Offense“ auf ein neues Niveau gehoben. Auch die vielen Verletzungen von Spielern wie Gronkowski, Hernandez, Edelman oder Woodhead konnten Brady nicht einbremsen.

RB – Adrian Peterson (Vikings): Es macht einfach Spaß, Purple Jesus laufen zu sehen. Am Ende hat er den Rekord zwar nicht gekriegt, aber mit seiner großen Saison nach einem Kreuzbandriß dafür gesorgt, daß RBs wieder Kandidaten für die MVP-Trophäe werden können.

LT – Trent Williams (Redskins): Williams war mal 4th overall pick. Und das ist erst drei Jahre her. Trotzdem ist er kaum bekannt. In seinen ersten beiden NFL-Jahren hatte er unter Verletzungen und Sperren zu leiden. Aber dieses Jahr konnte auch der gemeine Fernsehzuschauer sehen, was der Shanaclan in ihm gesehen hat, als sie ihn anno 2010 zu ihrem ersten Draftpick in Washington gemacht haben. Die Königsdisziplin für Offensive Tackles ist immer noch das pass blocking, aber wie Williams im Laufspiel mit so großer Sicherheit den richtigen Gegner zum blocken gefunden hat, schnell mit seinen Füßen da war und sein Opfer mal eben umgestellt hat wie ein paar Legosteine, läßt pass blocking-Maschinen wie Jake Long vergessen.

LG – Mike Iupati (49ers): Iupati bildet mit seinem Nebenmann Joe Staley die beste linke Seite der Liga. Einen derart athletischen Spieler mit seinen körperlichen Ausmaßen (1,97m, 150kg) findet man sonst nur in Baltimores Haloti Ngata.

C – N.N. Den Center in meinem Team muß ich weglassen, weil mir niemand besonders aufgefallen ist. Die meisten pundits sagen, daß Minnesota John Sullivan am stärksten war. Aber wer kann das bei einem Center schon ernsthaft vom Fernseher aus entscheiden? (Warum wird das All-Pro Team eigentlich nicht von den Coaches gewählt, sondern nur von Journalisten, deren Argumention zwischen „TebowOMFG“ und „AsomughaÍstDerBesteCornerbackDerWeltDasSchreibtSchließlichJederVonJedemAb“ oszilliert?)

RG – Alex Boone (49es): Ich hab keine Ahnung, wo dieser Boone plötzlich hergekommen ist. Aber er spielt, als hätte er nie etwas anderes getan als in einer sehr komplexen Laufoffense erfahrene Profis vom Kaliber eines Vince Wilfork oder 400kg-Typen wie B.J. Raji aus dem Weg zu räumen.

RT – Sebastian Vollmer (Patriots): Vollmer ist hier nicht, weil er Deutscher ist, sondern weil er tatsächlich der beste Right Tackle der Saison 2012. Er ist auch einer der wenigen Offensive Tackles, die sowohl im pass- als auch im run blocking überragend sind. Vollmer ist in diesem Sommer Free Agent und wird sich ein Konto suchen müssen, daß auch achtstellige Beträge zuläßt.

TE – Rob Gronkowski (Patriots): Über Gronkowski muß man nicht viel sagen. Er hat Tight End zur neuen „in“-Position gemacht. Nur werden die anderen Mannschaften merken, daß 2,00m-Typen, die blocken können wie ein Offensive Lineman und Pässe fangen können wie ein WR, nicht mal eben im Supermarkt zu kaufen sind.

WR – Calvin Johnson (Lions): No brainer. Mit Abstand das Beste, was man in Sachen Receiving im Football bewundern darf.

WR – Vincent Jackson (Buccaneers): Jackson hat in seiner ersten Saison in Tampa gezeigt, daß er einer der wenigen WRs, die mit jedem QB gut aussehen.

WR – Reggie Wayne (Colts): Reggie Wayne ist das Beste, was Andrew Luck jemals passieren konnte. Beeindrucken an Waynes Leistung 2012 war vor allem, daß er mit Mitte 30 nochmal eine ganz neue Rolle gelernt hat. Unter Peyton Manning war er immer an der Seitenlinie angekettet, nun wurde er von OC Bruce Arians über das gesamte Feld geschickt und sah rechts, links, im Slot und auch überall anders aus wie neugeboren.

Defense

DE – Cameron Wake (Dolphins): Wake ist ein wenig untergangen, weil Miami keine großen Spiele hatte und auch keine Storylines produzierte. Aber Cameron Wake, der 2009 aus der CFL kam, muß sich spätestens nach dieser Saison vor keinem anderen Defensive End mehr verstecken.

DT – J.J. Watt (Texans): Spätestens wenn Watt, wie zu erwarten steht, nicht MVP der Saison 2012 wird, ist dieser MVP-Titel absolut wertlos. Watt hat eine dermaßen einzigartige Saison in einer unglaublichen Konstanz gespielt, daß er nicht nur DPOY und MVP werden sollte, sondern Sportler des Jahres. Weltweit. Ich habe noch nie einen Verteidiger in der NFL so dominieren sehen wie Watt 2012.

DT – Geno Atkins (Bengals): In den meisten anderen Spielzeiten wäre Atkins klarer Favorit auf den Title DPOY. Dieses Jahr reicht es nur für einen Platz im All-Pro Team. Atkins sieht aus wie ein typischer Defensive Tackle, hat aber eine quickness in den Füßen (und im Kopf), die sonst eher Slot Receivers an den Tag legen.

DE – Calais Campbell (Cardinals): Arizonas Campbell wird manchmal als J.J. Watt für Arme bezeichnet. Das ist Quatsch. Richtiger wär es zu sagen, Watt ist unbezahlbar und Campbell der Watt für die Warren Buffets. Oder so ähnlich. Was Campbell in dieser Saison mit seinen Mitleid verdienenden Gegenspielern gemacht hat, erinnerte an Puppentheater, wobei er die Fäden zog. Der Anker der Cardinals-Linie ist der Spieler, der mit seiner Kombination aus purer Kraft, tänzermäßigen Füßen und perfekter Technik am ehesten an Watt heranreicht.

OLB – Von Miller (Broncos): Miller wäre wie auch Campbell und Atkins locker DPOY geworden, wenn nicht Watt seine Saison von einem anderen Stern gespielt hätte (und natürlich Atkins und Campbell selber nicht so überragend gewesen wären). Was Miller neben der spielerischen Stärke an sich auszeichnet, ist seine Vielseitigkeit. Er gibt einen erstklassigen 43-OLB in Denvers Base-D und er gibt einen ebenso erstklassigen Pass Rusher als DE in Nickel- und Dime-Formationen.

MLB – Daryl Washington (Cardinals): Während anderswo noch darüber diskutiert wird, ob Bowman oder Willis der beste Linebacker der NFL ist, hat Arizonas 34-ILB Daryl Washington gespielt, als würde er vor jedem Spiel zwei Kilo Koks ziehen und meistens trotzdem kühlen Kopf bewahren. Falls das möglich ist. Zeitweise sieht er mit seiner Explosivität und seiner Aggressivität aus wie Ray Lewis zu seinen besten Zeiten. Manchmal sieht er auch einfach aus wie ein Irrer und rennt mit 200km/h in das falsche Loch. Aber wenn er wie in 95% aller Plays den richtigen Riecher hat, dann: Hals- und Beinbruch!

LB – NaVorro Bowman/Patrick Willis (49ers): Sie sind beide überragend. Ich könnte mich nicht für einen entscheiden, wenn ich es müßte. Was Bowman und Willis vor allem auszeichnet, sind ihre Fähigkeiten in pass coverage. Sie sind zwei der wenigen Verteidiger, die es auch mit den „neuen“ Tight Ends aufnehmen können.

CB – Antonio Cromartie (Jets): Der großmäulige Störenfried Antonio Cromartie stand fürchterlich unter Druck nachdem Darelle Revis auf IR gewandert ist. Zur großen Überraschung hat er dann aber tatsächlich gespielt wie ein waschechter franchise corner. Er ist auch ein Grund dafür, daß Trottelgesicht Owner Woody Johnson gerne Revis traden würde.

CB – Richard Sherman (Seahawks): Aus dem Nichts kam letztes Jahr der 5th-rd pick auf die Bühne und hat die etablierten WRs respektlos gegängelt.Der größte Trash Talker, den Stanford je hervorgebracht hat, ist mit seinem großen massigen Körper und seinem extrem physischen Stil ein Unikat in der NFL. Seit dieser Saison kann er es mit Jedem aufnehmen und auch sein selbst gewählter Spitzname Optimus Prime paßt wie die Faust aufs Auge, nachdem er Megatron bei drei Catches halten konnte.

S – Earl Thomas (Seahawks): Während Sherman und sein Gegenüber Brandon Browner immer eng am Mann sind und Verfolgungsarbeiten übernehmen, zieht Thomas in der Tiefe des Feldes seine Kreise und schlägt blitzschnell und instinktsicher zu, wenn mal ein Ball tief geworfen wird. Ein echter Seeadler eben. Wenn Thomas sich so weiter entwickelt, könnte er der legitime Erbe der aktuellen großen Safety-Generation sein. Er sollte sich dann aber bitte weniger häufig verletzen als Ed Reed, Troy Polamalu und Bob Sanders.

S – Ryan Clark (Steelers): Während Troy Polamalu mal wieder ständig verletzt war, hat sein Nebenmann Clark die Führung der secondary übernommen. Der unscheinbare Safety macht Sonntag für Sonntag das, was ein Safety eben so machen sollte: für Sicherheit sorgen. Die Pass-D Pittsburgh war nach NY/A die Nr. 2 im Land und ein großer Grund dafür war Clark.

Es sind sicherlich einige Spieler rausgefallen, einfach weil ich sie nicht oft genug gesehen hab. Es kann durchaus sein, daß beispielsweise Clevelands CB Joe Haden, Buffalos Safety Jairus Byrd oder irgendwer von Kansas City auch herausragend gespielt hat. Das hab ich aber leider nicht oft genug gesehen, weil – wer guckt schon Spiele von Cleveland, Kansas City oder Buffalo?

Glaskugel 2012: New York Jets

 

Beinahe jedes Jahr gibt es während der Offseason einen riesigen Medienhype um die Footballteams in New York. Dieses Jahr ist es ganz besonders schlimm. Und das hat mit einem Mann zu tun. Nein, es ist nicht Tom Coughlin, der seine Blue Men Group zum zweiten Super Bowl in fünf Jahren geführt hat und einen Bill Belichick mittlerweile locker zum Frühstück verspeist.

Nein, dieses Jahr ist es auch nicht Eli Manning, der nach unglaublichen Leistungen im Dezember und mehr noch in den Playoffs zusammen mit Drew Brees und Aaron Roders das Top-Trio der NFL-Quarterbacks bildet und besser spielt als Tom Brady.

Dieses Jahr geht es um die Jets und um den Mann, der Gang Green wieder zur größten Nummer der Stadt machen soll. Menschlich spaltet er die Massen; auch footballtechnisch hält die Hälfte ihn jetzt schon für eine Legende während ihn die andere Hälfte für fürchterlich überbewertet hält; er ist aufregend, er kann spektakulär sein, er kann immer wieder etwas Neues aus dem Ärmel schütteln und darum hat er auch schon gezeigt, daß er in den Playoffs gewinnen kann. Zu allem Überfluß ist er in diesem Sommer auch körperlich in der besten Form seines Lebens. ESPN macht sogar Sondersendungen über die Jets und das muß mit ihm zu tun haben. Wir reden von – natürlich: Rex Ryan.

Rex Ryan geht mittlerweile in sein viertes Jahr als Head Coach der New York Jets. In seinen ersten beiden Jahren hat er sie jeweils ins AFC Championship Game geführt. Letztes Jahr reichte es nur für einen 8-8-Rekord, weil die Offense – wie eigentlich immer in den letzten drei Jahren – alles vertrottelt hat.

Legende ist schon jetzt das Spiel gegen Baltimore in Woche 4, als die Defense nur einen Touchdown zugelassen hat und am Ende trotzdem eine 34 für die Ravens auf dem Scoreboard stand. Eine Woche später verlor NY knapp gegen die Patriots und schon stand man mit mit drei Niederlagen aus fünf Spielen mit dem Rücken zur Wand. Anschließend hat die Defense erstklassig gespielt wie immer und Anfang Dezember, mit 8-5-Rekord, war man dann doch mittendrin im Playoffrennen.

Dann ist aber der gesamte offensive Teil der Mannschaft völlig in sich zusammengebrochen. Das sagt der Star-WR, daß der Offensive Coordinator stinkt; irgendwer sagt, daß die O-Line stinkt; alle sagen, daß der QB stinkt; die OLine sagt, der QB stinkt nur, weil die WRs nichts fangen und die RBs nicht laufen können und die Fans sagen, daß alle stinken undsoweiterundsofort… und natürlich – schließlich sind wir in New York – steht das auch alles in der Zeitung.

Zehn Turnovers in den letzten drei Spielen später lacht die ganze Welt über die Jets. Playoffs verpaßt, Chaos im Locker Room, noch mehr gegenseitige Anschuldigungen aller Orten, Trottelheimer entlassen und zu allem Überfluß gewinnt auch noch ausgerechnet der Stadtrivale die Lombardi Trophy.

Aber last year is last year sagt man zu Recht. Die Defense ist immer noch erstklassig und für die Offense hat man sich einen neuen Mann geholt, der alles auf den Kopf stellen soll. Zu ihm später mehr, erstmal arbeiten wir pflichtschuldigst Ryans Prunkstück ab.

Defense Jets

Rex Ryan und seine Defense haben wir hier schon oft abgefeiert, darum halten wir uns kurz. Sione Pouha ist einer der besten Nose Tackles der Liga, Kendrick Ellis ist ein guter Backup. Mike DeVito ist einer der besten DEs der Liga und der junge Mu Wilkerson ist nur einen Schritt dahinter. ILBs David Harris und Bart Scott sind zwei sehr spielintelligente Kämpfer, genau die richtigen Typen für das System von Ryan und Mike Pettine. Außen spielen Calvin Pace und Bryan Thomas, die man auch gefahrlos anbieten kann.

Durch die vielen wilden Fronts und die immer wieder überraschend paßgenauen Gameplanes sehen alle zusammen als Einheit noch mal ein Stück besser aus. Mit Rookie Quinton Coples, der aussieht wie Julius Peppers, haben Ryan/Pettine nun noch ein neues Spielzeug bekommen. Der ehemalige 1st-rd bust Aaron Maybin hat sich zu einem starken Quarterbackjäger in passing situations gemausert und auch die Backups sehen nicht verloren aus, wenn sie mal spielen müssen.

Schedule

Wk1 v BUF
Wk2 @ PIT
Wk3 @ MIA
Wk4 v SF
Wk5 v HOU (MNF)
Wk6 v IND
Wk7 @ NE
Wk8 v MIA
Wk9 BYE
Wk10 @ SEA
Wk11 @ StL
Wk12 v NE (SNF)
Wk13 v ARI
Wk14 @ JAX
Wk15 @ TEN (MNF)
Wk16 v SD (SNF)
Wk17 @ BUF

Cornerback Darrelle Revis zählt für zwei. Revis Island erlaubt es Ryan/Pettine, vorne und auf einer Seite ganz wilde Sachen zu machen und die andere Seite einfach in seine Hände zu geben. Da brennt nichts an. Gegenüber spielt Antonio Cromartie, der nun zwar kein Superstar ist, aber doch besser als meist über ihn geredet wird. Im Slot hat sich jetzt endgültig Kyle Wilson eingenistet, der 1st-rd pick aus dem Jahre 2010. Wilson ist nicht so steil durch die Decke gegangen, wie man es sich im Big Apple erhofft hat, aber sich in den vielen Nickel-, Dime- & Dollar-Sets ganz wohlfühlt.

Richtig umgebaut haben die Jets nur auf der Safety-Position, was auch dringend nötig war. Kapitän und Publikumsliebling Jimmy Leonhard wurde nach der zweiten verletzungsbedingt beendeten Saison in Folge nicht gehalten und versucht sich nun in Denver. Und da auch Eric Smith nicht mehr in der Startformation auflaufen sollte, wurden die beiden Free Agents LaRon Landry und Yeremiah Bell verpflichtet. Bell ist mit seinen 34 Jahren nicht mehr Jüngste, aber mit seiner Erfahrung und seinem Spielverständnis soll er die Leonhard-Rolle übernehmen. Landry wurde aufgrund seines Hulk-ähnlichen Körpers und seiner Trainingsbesessenheit anno 2007 von den Redskins in Runde eine als sechster Spieler gedraftet. Sollte er fit bleiben ist so ein Monster genau das, was Ryan noch gefehlt hat als Strong Safety an der Line of Scrimmage.

Offense Jets

Der Mann, der alles auf den Kopf stellen soll, hat schon mal eine Gurkentruppe in die Playoffs geführt und dabei die Patriots hinter sich gelassen. Warum sollte ihm das nicht wieder gelingen. Er ist ein Oldschool-Footballer. Lieber laufen als werfen. Erstklassiges Quarterback-Play hat er gar nicht nötig. Dieses ganze fancy, wilde New-School-Zeug ist nichts für ihn, Wildcat und Running-QB steht ihm auf der Stirn tätowiert. Wir reden von, sie ahnen es: Tony Sparano.

Sparano hat früher selber in der Offensive Line gespielt, ist dann O-Line Coach geworden und hat mehrere Jahre unter Bill Parcells gearbeitet. Das Harter-Hund-Image kommt also nicht von ungefähr und ist auch mehr als nur Image. (Die Sonnenbrille trägt er übrigens nicht, weil er sich so furchtbar cool vorkommt, sondern infolge eines Unfalles mit einer Friteuse, während er als Jugendlicher in einem Fast Food Restaurant gearbeitet hat.)

Nun kommt also dieser neue OC, der den Jets wieder ein energiegeladenes Ground-and-Pound-Game eintrichtern soll und findet einen Trümmerhaufen vor. Diese Jets wollten unter Ryan immer ein starkes Laufspiel haben und 2011 hatten sie stattdessen 106 Yards pro Spiel und 3,8 Yards pro Carry.

Das hatte mit dem, ähem, “mittelmäßigen” Offensive Coordinator Brian Schottenheimer zu tun, mit den mittelmäßigen RBs Shonn Green, LaDanian Tomlinson und Joe McKnight zu tun und auch mit der O-Line, die eher Richtung finesse denn Dampfwalze tendiert.

Suchen wir Lichtblicke finden wir Center Nick Mangold und RG Brandon Moore. Beide haben die Power und die Füße, um in aller Regelmäßigkeit Teile der gegnerischen Front Seven aus dem Weg zu räumen für die eigenen RBs. Als Left Tackle läuft D´Brickashaw Ferguson auf. Ferguson bekommt auch stets gute Kritiken und im Paßspiel ist er auch mehr als solide, aber im Laufspiel fehlt ihm oftmals Kraft und Masse um große Löcher zu reißen. Dann gehts schon mal eine Klasse abwärts: LG Matt Slauson ist bestenfalls mittelmaß. An einigen Tage sogar nicht mal das.

Und dann ist da schließlich noch der Mann, über den alle reden, wenn es um die Jets geht. Wer könnte dieser Mann sein, wenn nicht Wayne Hunter? Wayne Hunter war letztes Jahr der schlechteste Starter der ganzen NFL – egal, auf welcher Position. korsakoff wär ein besserer Right Tackle. Weil Hunter das auch in dieser Preseason sofort wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, hatten alle Beteiligten ein Einsehen. Jetzt hat Austin Howard den Stammplatz und Hunter genießt seine $3 Millionen auf der Bank. Howard wurde nicht gedraftet, wurde dafür in seiner jungen Karriere aber schon von den Ravens und den Eagles gecuttet. Viel Glück.

Mit Sparanos harter Hand könnte das aber zumindest eine gute Unit um Ferguson, Mangold und Moore werden. Wenn Greene und McKnight ein bißchen besser werden und vielleicht auch Rookie Terrance Ganaway ab und zu Mal einen raushauen kann, ist das schon OK, wenn mit dieser Defense oft auch mal 14 oder 17 Punkte zum Sieg reichen.

Dem Laufspiel helfen sollten auch die Wildcat Plays, die Sparano auf seinem Play Calling Sheet hat. Dafür haben die Jets jetzt auch QB Brad Smith zurückgeholt, der das mit der Wild Cat ganz gut kann und als ausgebildeter QB auch mal für einen guten Paß zu haben ist.

Das richtige Paßspiel dagegen kann man getrost vergessen. Mark Sanchez wird einfach nicht besser. Und gute WRs hat er auch nicht. Problemkind Santonio Holmes kann ein richtig Guter sein, er kann aber auch der unmotivierte Stinkstiefel sein. Slotman Jeremy Kerley ist bestenfalls Mittelmaß. Free Agent Chaz Schilens und Rookie Stephen Hill haben bis jetzt noch gar nicht gut ausgesehen. Vielleicht könnte Hill mit seinem 1,92m-Körper immerhin eine gute Red-Zone-Waffe werden und mit seinem massigen Körper auch im Laufspiel helfen. Zur Not hilft auch immer noch TE Dustin Keller aus.

Und manchmal, ganz manchmal nur, aber manchmal eben schon, bekommt auch Mark Sanchez mal zwei gute Drives in Folge auf die Reihe.

Ausblick Jets

Das sieht alles nicht rosig aus im Angriff, aber mit dieser Defense ist das auch gar nicht so schlimm. Diese sollte Top-3 Kaliber sein und es der Offense einigermaßen einfach machen, einige Spiele zu gewinnen. Die AFC East ist ziemlich hart und auch die Wild Cards dürften in der AFC hart umkämpft sein, aber Gang Green sollte bis zum Schluß im Rennen um die Playoffplätze bleiben und dort können Ryan/Pettine mit dieser Defense jeden Angriff von Peyton Manning bis Tom Brady einbremsen, das haben sie schon bewiesen. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, daß man mit dieser Offense ernsthaft um den Super Bowl mitspielt. Eine witzige Saison wird´s mit den J-E-T-S allemal.

Die zweite Reihe: Jim Leonhard

[In der Serie „Die zweite Reihe“ wollen wir Spieler, Assistant Coaches und auch Spielzüge vorstellen, die für den Erfolg einer Mannschaft essentiell sind, aber nicht im Rampenlicht stehen. Sondern in der zweiten Reihe. Den Anfang macht heute Jim Leonhard, Safety der New York Jets. 29 Jahre alt; 1,72m; 85kg. College: Wisconsin. Draft: 2005, nicht gedraftet; NFL-Erfahrung: 7 Saisons.]

Leonhard with the Ravens.
Der kleine Jimmy Leonhard – Image via Wikipedia

Man mag ja von Rex Ryan halten, was man will. Aber von Defenses in der NFL versteht er mehr als die meisten anderen. Umso aufmerksamer hätte man aufhorchen müssen, als Ryan und sein Defensive Coordinator Mike Pettine immer und immer wieder wiederholt haben, was für ein schwerwiegender Verlust die Verletzung von Jimmy Leonhard für die Jets-D bedeutet. Und Verletzungen haben leider die beiden vergangenen Spielzeiten für den mit einem extrem hohen “Football-IQ” ausgestatteten Safety jeweils im Dezember beendet.

Leonhard spielt auch nicht zufällig bei den New York Jets. Als Ryan seinen Posten als DC in Baltimore nach der Saison 2008 für die Stelle des Head Coaches der Jets aufgegeben hat, wollte er zwei Spieler unbedingt mitnehmen: Linebacker Bart Scott und eben Safety Jimmy Leonhard. Das spricht Bände für die Wertschätzung, die der große Lautsprecher für beide hat.

In der öffentlichen Wahrnehmung geht der kleine Safety oftmals unter, weil einerseits Ryan und andererseits Stars wie Darrelle Revis und “Typen” à la Antonio Cromartie die ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dabei ist Leonhard der Quarterback der Jets-D, eine Rolle die in den meisten anderen Teams ein Linebacker übernimmt. Er macht alle Calls, er darf auch “audiblen” (den Spielzug/Coverage ändern) und ist verantwortlich für die Kommunikation untereinander und dass jeder weiß, was er zu tun hat und wo seine Verantwortlichkeiten liegen.

Aber mangelnde Wertschätzung ist für Leonhard nichts neues, sie begleitet ihn seit Beginn seiner Karriere. Nach seinem Abgang von der High School hat er von keinem Division-I-Colleges ein Stipendium angeboten bekommen. Er schrieb sich in Wisconsin ein und schaffte dort sogleich als walk-on den Sprung ins Team. Schon in seiner zweiten Saison war er Stammspieler als Safety und einer der erfolgreichsten Punt Returner in der Geschichte der Big Ten. Seine Qualitäten als Safety wurden duch drei Nominierungen ins All-Big-Ten-Team unterstrichen.

Vor allem wegen seiner football-untypischen physischen Voraussetzungen – 1,72m, 85kg – wurde er auch nach seiner College-Karriere 2005 übergangen und nicht gedraftet. Die Buffalo Bills erbarmten sich schließlich und gaben ihm einen Roster Spot. Im Trainings Camp 2006 war seine Karriere fast schon wieder vorbei. Aber eine Woche nach seiner Entlassung verletzte sich Troy Vincent und die Bills erinnerten sich seiner und er bekam eine neue Chance und machte in den folgenden zwei Saison 28 Spiele, von denen er sieben startete.

Den großen Durchbruch schaffte Leonhard mit seinem Wechsel zu den Baltimore Ravens vor der Saison 2008. Hier war er von Anfang an Stammspieler und bildete zusammen mit Ed Reed eines der besten Safety-Duos der letzten Jahre. Seine Leistung steigerte er dann sogar noch in den Playoffs, als er mit Sacks, erzwungenen Fumbles und Interceptions großen Anteil daran hatte, daß die Ravens in ihren drei Playoff-Spielen gegen Miami, Tennessee und Pittsburgh nur 41 Punkte zuließen. Damit hatte Ryan genug gesehen und überredete ihn, den er erst ein Jahr lang kannte und trainierte, den Weg nach New York gemeinsam anzutreten und ein entscheidendes Puzzleteil seiner neuen Mannschaft zu werden.

Das wurde er dann auch und spielte heuer besser denn je. Bis er am 11. Dezember einen Paß von Kansas Citys Quarterback Tyler Palko abfing und sich beim Return die Patellarsehne verletzte. Da die Verletzung eine Operation erzwang, landete er erneut auf IR. Damit fehlte Gang Green das Hirn der Defense. Neben seiner Spielintelligenz zeichnen Leonhard seine Qualität als Tackler, seine Quickness und Beweglichkeit sowie seine sicheren Instinkte aus – da wo der Ball ist, ist auch Leonhard nicht weit.

Leonhard ist derzeit Free Agent. Seine Verbindung mit Rex Ryan im Hinterkopf, ist es kaum vorstellbar, daß die Jets ihn ziehen lassen werden. Falls doch, wird er sich unter vielen Interessenten seinen nächsten Arbeitgeber aussuchen können.

New York Jets in der Sezierstunde

Mark Sanchez

Wohl und Wehe der Jets hängen an Mark Sanchez - ©Wikipedia

Zum zweiten Mal en suite sind die Jets im AFC-Finale gescheitert. Diesmal nicht aufgrund fehlender Variabilität in der Offense, sondern aufgrund ihrer Schnarchnasigkeit. Gegen eine lockere schlagbare Steelers-Truppe wurde mal eben so lange gepennt, bis es 0-24 stand. Am Ende hätte es trotzdem fast noch gereicht.

Ich selbst lag durchaus lange daneben in der Einschätzung der Jets. Erst hielt ich sie für überschätzt (Resultat: sie starteten 5-1), dann für sehr mächtig, weil sie massiv enge Spiele entschieden (schwache drittes Saisonviertel), dann wegen eben dieser Pleiten wieder für überschätzt (sie wurden wieder dominanter). In den Playoffs habe ich dreimal gegen die Jets gesetzt. Erst beim dritten Mal zurecht, und rückwirkend betrachtet hätten sie selbst dieses Spiel gewinnen müssen.

Der Quarterback ist das Problem

Jo, ich weiß. QB Mark Sanchez gilt als heiße Ware und als Komet am NFL-Firmament. Sanchez hat auch erkennbare Fortschritte gemacht. Aber die Jets sind dafür gebaut, JETZT zu gewinnen und nicht erst in 2-3 Jahren. Wie anders sollte die massive Shopping-Tour der letzten Jahre interpretiert werden?

Nun ist Sanchez zwar ein sehr effizienter Spieler, wenn er Play-Action spielen kann. ABER: In dem Moment, in dem das Laufspiel aus dem Spiel genommen wird, sind die Jets auf verlorenem Posten, weil die Mannschaft zwar eine herausragende Basis besitzt, aber ausgerechnet auf der wichtigsten Position, dem Quarterback, nicht optimal besetzt ist. Ein ähnliches Problem wie beim Stadtrivalen Giants. Weil Sanchez aber einen teuren Vertrag hat und noch jung ist, wird man ihn nicht absägen (können).

Die Offense

Ich will Sanchez nicht schlechter machen, als er ist. Bei gegebenen Umständen gefällt der Mann mir sogar ausgesprochen gut (eben Play-Action). Die Jets werden also die Rahmenbedingungen verbessern müssen. Heißt: Die Offensive Line nach dem Abgang Damien Woodys verbessern. Bessere Offense Line à besseres Laufspiel à deutlich besserer Mark Sanchez.

Zweite Baustelle: Die Wide Receivers. Mit WR Holmes und WR Edwards haben gleich zwei keinen Vertrag. Es gilt als sicher, dass nur einer von beiden bleiben wird. Für die Offense (und Sanchez) wäre das eine erhebliche Schwächung. Dazu ist auch der X-Faktor Brad Smith vertragslos. Smith kann so ziemlich alles ein bisschen: Kick returnen (28.6yds/Return, 2 Touchdowns), End Arounds (7,9yds/Lauf, 1 TD), Bälle fangen (1 TD) und Bälle werfen (1 TD).

Die Defense

Wir haben es bei den Jets mit einer herausragenden Defense zu tun. Das geballte Wissen, das seit Jahren aus Baltimore auf die Liga verteilt wird, hat mit Rex Ryan und Mike Pettine nun auch in New York Einzug gehalten. Die Defense gehört zu den besten, nur ist sie nicht die allerkonstanteste. Aber sie kommt in vielen Variationen daher: Zu Saisonbeginn wurde viel und erfolgreich geblitzt, später wurde mehr auf Coverage gesetzt.

Mit NT Kris Jenkins wurde nun der Anker entlassen. Jenkins war allerdings eh die meiste Zeit verletzt. DE Shaun Ellis wird nicht jünger und daher gilt es als ausgemacht, dass die Defensive Line verbessert werden muss.

Die Expertenriege fordert für die Jets dazu ganz vehement einen Pass-Rush-Linebacker. Für mich sind die Jets aber durchaus in der Lage, mit vorhandenem Potenzial und ohne allzu reichhaltige Blitz-Packungen großen Druck zu entfachen. Der Ruf nach einem OLB wird vermutlich auch daher laut, weil sich der gehypte Vernon Gholston als komplette Grütze erwiesen hat. Die Jets werden einen Pass Rusher in Runde eins draften. Darin sind sich alle überraschend einig.

Die Secondary wird aller Voraussicht CB Cromartie verlieren. CB Darrelle Revis war in dieser Saison verletzungsbedingt nicht voll auf der Höhe und CB Kyle Wilson (Boise State!) hatte noch Anpassungsschwierigkeiten. Sollte Cromartie gehen, bräuchten die Jets auch einen Cornerback. Man stelle sich nun vor, Asomugha käme aus Oakland… Aber die Jets werden kaum einen weiteren zweistelligen Millionenbetrag in die Secondary spucken.

Die Special Teams

Viele Fragezeichen. KR Brad Smith wie gesagt ohne Vertrag. Dazu könnte auch der PR Holmes gehen. Das größte Problem stellt aber Kicker Nick Folk dar, zu dem Rex Ryan ganz offen keinen Funken Vertrauen hegt. Unter diesen Umständen ist an einen Verbleib Folks nur schwer zu denken.

Ausblick

Jets Head Coach Rex Ryan

Rex Ryan - Foto: Flickr

Die Jets haben das Personal für ganz oben. Rex Ryan hat mich vom Coaching mittlerweile auch überzeugen können, auch wenn seine sonstige Art so gar nicht meinen Geschmack trifft. Hätten die Jets einen überzeugenderen Quarterback, ich würde schon mal einen leisen Superbowl-Tipp abgeben.

So reicht es erstmal „nur“ zum Zweikampf mit den Patriots um die Divisionskrone.

Weitere „Sezierstunden“ gibt es hier oder unter dem Tag Sezierstunde.

NFL Divisional Playoffs 2010/11: This ass[beeeeep]. F*ck him!

Der Playoff-Auftakt am Wochenende war sehr verheißungsvoll. Zwei sehr schöne Spiele und eine sehr große Überraschung. Dieses Wochenende geht es weiter mit den Divisional Playoffs – und es sind zumindest in der AFC Intradivisional Playoffs mit zwei divisionsinternen Spielen. Hat es das schon mal gegeben?

Chicago Bears – Seattle Seahawks

So., 19h live bei ESPN America und Sport 1+
Aufzeichnung am Mo., 12h bei ESPN America

Für die Chicago Bears ist der NFC North Titelgewinn eine kleine Überraschung. Die Bears waren seit Jahren im Begriff des schleichenden Niedergangs und Head Coach Lovie Smith galt als kurz vor dem Abschuss. Seit zwei Jahren hat man aber wieder begonnen, seine Puzzleteile zusammenzustellen. 2009 wurde QB Jay Cutler aus Denver losgeeist, 2010 nahm man in Chicago die Spendierhosen mit und ging auf Einkaufstour: DE Julius Peppers, RB Chester Taylor, TE Brandon Manumaleuna wurden eingekauft – und der wichtigste Mann: OffCoord Mike Martz.

Ich hatte ehrlich nicht gedacht, dass Martz’ Offense in Chicago funktionieren würde. Ein ungenau werfender Gunslinger wie Cutler hinter einer löchrigen Offensive Line – für die langen Routen eines Mike Martz und den damit verbundenen zeitlichen Aufwand in der Spielzugentwicklung sah das eher trüb aus. Aber die Bears haben das mit der Zeit immer besser in den Griff gekriegt, und zugegeben auch einiges Glück gehabt: Immer wieder auf Gegner mit Backup-QBs getroffen, die grad einen Tiefschlag nach dem anderen hinnehmen mussten.

Dieses Glück haben die Bears offenbar gepachtet: Jetzt kommen die Seattle Seahawks ins Soldier Field. Die Seahawks, die trotz des Sensationssieges gegen New Orleans immer noch eine 8-9 Bilanz aufweisen und damit eine negative Bilanz haben!

Ich möchte die Seahawks nicht weiter madig machen: Diese Performance am letzten Samstag war inspirierend, die Stimmung elektrisierend und das begann beim aufgeheizten Publikum, weiter über den emotionalisierten Head Coach Pete Carroll bis hinunter auf das Spielfeld, wo testosterongeschwängerte Verteidiger die Saints-Offense verprügelten, dass den Saints Hören und Sehen verging. Der Sensationslauf von RB Marshawn Lynch nur als Höhepunkt eines fassungslosen Spiels.

Trotzdem: Seattle ist auswärts zwei Nummern kleiner als es eh schon ist. Die Bears sind daheim schwer zu schlagen und dass die Seahawks erneut eine solche Energieleistung bringen können, glaube ich nicht.

Klarer Sieg für Chicago.

New England Patriots – New York Jets

So. 22h30 live bei ESPN America, Sport 1+ und Puls 4
Aufzeichnungen am Di., 12h und am Fr., 17h bei ESPN America

Gillette Stadium in Foxboro

Gillette Stadium - ©Flickr

Ein Spiel, das man unendlich aufladen kann mit dem ganzen Thrill zwischen den Pats und den Jets. Die beiden Franchises sind beide AFL-Gründungsmitglieder und verbindet in den letzten Jahre heiße Geschichte.

Executive summary:

Die Rivalität zwischen den Jets und den Patriots ist seit einigen Jahren eine der schärferen der NFL. Es ist eine Rivalität, die historisch begründet ist (beide Gründungsmitglieder der AFL und seither Divisionsrivalen), kulturell (die Rivalität zwischen dem spektakulären, weltoffenen Big Apple und dem langweiligen, elitären Boston ist legendär), aber auch sportlich und in den letzten Jahren vor allem durch eine Reihe von direkten Wechseln von Charakterköpfen zwischen den beiden Teams.

Als da wäre Bill Parcells, der 1993 vom mehrfachen Superbowl-Champ New York Giants (*pling*) nach Boston kam. Parcells brachte die Patriots im Jänner 1997 in die Superbowl, um anschließend trotz gültigem Vertrag bei den Pats zu den Jets abzuhauen. Die Pats fochten den Wechsel an, bekamen aber nur einen Draftpick, und keinen Parcells zurück. 1998 mussten die Pats auch ihren Franchise-RB Curtis Martin zu den Jets abwandern lassen.

Parcells blieb drei durchwachsene Jahre Head Coach bei den Jets, ehe kam, was immer geschieht, wenn Bill Parcells irgendwo den Head Coach gibt: Er trat vor Vertragsende zurück, machte sich zum General Manager und Bill Belichick zum Nachfolger.

Nun erlebte die NFL ein Déjà-vu, aber in die andere Richtung: Belichick trat auf der Pressekonferenz, auf der er als neuer Jets-Head Coach vorgestellt werden sollte, zurück und wechselte ein paar Tage später nach New England. Kompensation, nach wenig freundlichen Worten: Draftpick in der 1. Runde.

23. September 2001 im Foxboro Stadium: Patriots QB Drew Bledsoe wird von Jets LB Mo Lewis schwer verletzt, fällt wochenlang aus. Bledsoes Ersatzmann kommt rein: QB Tom Brady, mit dessen Einwechslung die Pats vom Mitläufer- zum Siegerteam mutieren und drei der nächsten vier Superbowls gewinnen, während sich die Jets bei ihren wenigen Playoffauftritten meist selbst ins Knie schossen.

2006 wurde dann Belichicks Assistent Eric Mangini neuer Jets-Coach und schaffte sich einen Feind fürs Leben, als er dem allmächtigen Pats-Coach dessen Assistenten vom Trainingsplatz wegschnappen wollte – was teils gelang. Belichick verweigerte Mangini nach einer Niederlage den Handschlag, und ein Jahr später ließ Mangini zum Saisonauftakt Belichicks Spionageaffäre auffliegen.

Die Pats antworteten auf ihre Weise, mit einer fulminanten 16-0 Saison, verloren aber die Superbowl – gegen den Jets-Stadtrivalen Giants…

Rex maledicendi

Mangini ist weg. Der neue Mann am Ruder in New York: Rex Ryan. Ryan hat seit seinem Amtsantritt und noch mehr seit dem glücklichen Playoff-Run vor einem Jahr eine dicke Lippe nach der anderen riskiert und mit seinem großen Mundwerk die Jets in eine Liebe-sie-oder-hasse-sie-Ecke getrieben. Große Einkaufstour, TV-Show imm Trainingslager, Beleidigung von gegnerischen Spielern und Coaches und ein angekündigter Sturm auf den AFC-East-Thron haben den netten Jungs von nebenan, den Jets, ein spaltendes Image verliehen.

Sportliches Ergebnis: Bilanz 11-5, und kein Divisionssieg. Schuld daran war der Knackpunkt in der Jets-Saison: Eine verheerende 45-3 Schlappe bei den Patriots Anfang Dezember, trotz 11 Tagen Vorbereitungszeit. Eingegangen wie ein Wollpullover, der mit 30 Grad zu viel gewaschen wird. Oder noch schlimmer.

Nun haben die Jets auch in dieser Woche viel über den Gegner geredet. Entweder dem QB Brady das Schildchen mit der Aufschrift „überschätzt“ anhängen oder dem QB Brady mangelnde Klasse nachsagen wollen. Auf Nachfrage konnten die Herren DE Ellis und Co. dann kein Beispiel nennen. Höhepunkt der Saga ist CB Antonio Cromarties nicht druckreifes Interview. Debakel, ick hör dir trapsen… Wenn jemand aus solchen Provokationen Motivation wie Zucker aus dem Honig herauszuziehen vermag, dann sind es die Patriots und Tom Brady.

Die Kampfgnome

Die Jets haben am vergangenen Wochenende ein starkes Spiel gegen die WR der Colts gemacht. CB Darelle Revis schaltete mit Reggie Wayne die große Waffe der Colts aus und um Mannings Armada war es geschehen. Nun kommt allerdings New England daher, mit seinen WR-Winzlingen Wes Welker (1,75m, 86 Catches, 848yds, 7 TDs) und Deion Branch (1,75m, 74 Catches, 705yds, 5 TDs) sowie Allzweckwaffe Danny Woodhead (1,70m, insgesamt 826yds, 6 TDs) – Spieler, die andernorts nicht gewollt waren, im Patriots-System aber essentiell sind. Problem für die Jets, für Cromartie und Revis: Du weißt nicht, wen von den Jungs du covern musst. Klare #1 gibt es seit dem Rausschmiss von Randy Moss keine mehr. Dafür werden die Bälle auf dieses Trio, auf die Rookie-TE Aaron Hernandez (45 Catches, 563yds, 6 TDs) und Ron Gronkowski (42 Catches, 542yds, 10 TDs) und Rookie-Returner Brandon Tate verteilt.

Stichwort Danny Woodhead. Ein kleiner, flinker, untersetzter Mann, beweglich und schwer zu tackeln. Aus einem Division-II College (!) gekommen und vor der Saison von seinem NFL-Team vor die Tür gesetzt. Die New England Patriots klaubten Woodhead von der Straße auf, schmissen ihn nach der Moss-Saga ins kalte Wasser. Resultat: Woodhead entwickelte sich zum Welker-Double und Publikumsliebling. Nun trifft Woodhead auf das Team, das ihn vor ein paar Monaten rausgeschmissen hatte: Die Jets. ESPN über Woodheads Geschichte – vom kleinen Dorf am verlängerten Rücken der Welt in die NFL.

Anfang Dezember kam die Jets-Offense einfach nicht in Gang. Und das, obwohl New Englands Passverteidigung durchaus Yards zulässt. Viele sogar, die drittmeisten der NFL. Dafür machen sie auch viele INTs. Die Jets kamen aber auch auf dem Laufweg nicht voran und ein Drive nach dem anderen wurde abgewürgt. Die guten Ansätze zu Spielbeginn, als man zwischen den Plays nicht viel Zeit ließ, haben die Jets unverständlich schnell aufgegeben und ab Beginn zweites Viertel nichts mehr zustande gebracht.

Die Ruhe weg
Tom Brady

Tom Brady - ©Flickr

Die Patriots dagegen scheißen sich um nix, gehen raus und werfen einen Pass nach dem anderen. QB Tom Brady genießt hinter der sensationellen Offense Line alle Zeit der Welt, wirft mit den Bällen nur so um sich. Keine langen Bälle zwei Kilometer vertikal das Spielfeld runter, sondern über die kurzen Distanzen, links, rechts, über die Mitte. Und es ist nie berechenbar. Dazu zwischendurch immer mal wieder ein, zwei Laufspielzüge eingestreut, um die Balance zu halten. Die Laufarbeit übernehmen mit Woodhead und RB Benjarvus Green-Ellis zwei Leute, die nicht mal gedraftet worden sind und die in keiner anderen NFL-Mannschaften starten würden. In New England sieht das dann so aus: Das Duo mit 326 Läufen für 1555yds (4,8yds im Schnitt) und 7 Touchdowns.

Brady selbst mit einer traumwandlerischen Saison: 3900yds, 36 Touchdowns, 4 (VIER!) Interceptions. Keine spektakulären Spiele, aber spektakuläre Zahlen. So fehlerlos hat noch kein Quarterback in der NFL-Geschichte gespielt. Es ist das Rezept der großen Patriots-Mannschaften von 2003/2004: Sich nicht um den Gegner scheren, eigene Fehler vermeiden und parasitär jeden kleinen Schnitzer der anderen Mannschaft ausnutzen. Die Drives sind nicht spektakulär, aber sie werden häufig mit Touchdowns und Field Goals abgeschlossen.

Nun ist die Jets-Defense an sich auch keine schlechte. #6 gegen den Lauf, #3 gegen den Pass, #3 insgesamt. Aber gegen die Pats im Dezember war sie so derart neben der Spur, da fror dir die Spucke ein – und das nicht nur, weil es bitterkalt war.

Die Patriots sind die Favoriten. Ich traue den Jets zwar zu, in dem Spiel lange drin zu bleiben. Aber Trash Talk ist etwas, mit dem du Belichick nicht beikommen kannst. Ich traue Bill Belichick zu, dass er ein paar nette Überraschungen vorbereiten wird und früh im Spiel 4th downs ausspielen lässt, mit neuen Kreationen verwertet und schnell Punkte zwischen sich und Jets legt, um QB Mark Sanchez dazu zu zwingen zu werfen. Und dann ist es um die Jets geschehen.