College Football 2012, Week 1, Tag 3: Das Eierwerfen geht richtig los

Heute ist der erste „Großkampftag“ der diesjährigen Saison im College Football – und ESPN America bringt angemessenes Programm.

Notre Dame Fighting Irish – Navy Midshipmen

Heute, 15h LIVE bei ESPN America

…und das live aus dem neuen Aviva Stadium in Dublin. Irland… ich werd’ sentimental. Die Weiden. Die Klippen. Die Leute. Das Bier. Ich möchte bitte als Ire wiedergeboren werden.

Nicht zum ersten Mal übrigens gibt es College Football in Irland: Schon vor über 20 Jahren wurden Versuche gestartet, nach Übersee ausgewanderte Iren mit diesem „Trick“ mal wieder zu einer Heimreise zu animieren (u.a. mit dem Boston College). Auch Notre Dame spielte vor 16 Jahren schon mal in Irland gegen die Navy, im Croke Park, vor halbleerem Stadion. Nun also die Neuauflage unter dem Label „Emerald Isle Classic“.

Bei den Notre Dame Fighting Irish kommt natürlich sofort die Frage nach dem Hintergrund des Teamnamens auf. Anders als ich immer vermutet hatte, lief das Footballteam erst ab zirka 1920 herum unter diesem Namen auf – vorher war man unter diversen Bezeichnungen unterwegs gewesen, zur Zeit, als der legendäre Knut Rockne („Football is a game played with arms, legs and shoulders, but mostly from the neck up.“) dort coachte. Die Legenden ob des Ursprungs des Namens sind breit gestreut: Von einem irischen Terrier an der Seitenlinie über Schmährufe der Gegner über Abstammung von Universitätspräsidenten hin bis zur Assoziation von irischen Tugenden mit dem Kampfstil des Notre Damer Footballteams – die blanke Antithese zum Credo Rocknes übrigens – ist alles dabei.

Dabei hatte ich stets unerschütterlich an die Verbindung der sehr römisch-katholisch geprägten Republik Irland mit der landesweit als Katholikenschule bekannten University of Notre Dame geglaubt. Ein Irrglaube.

Sei’s drum. Vorschau zum sportlichen Teil der Veranstaltung für die nicht an Klickfaulheit Erkrankten und Neugierigen gibt es nebenan in der Sideline.

Penn State Nittany Lions – Ohio Bobcats

Heute, 18h LIVE bei ESPN America

Sideline

Penn State.
Ohio.

Fast zehn Monate nach Auffliegen des Sandusky-Skandals und runde siebeneinhalb Monate nach dem Tod von Joe Paterno werden die Pennsylvania State Nittany Lions zum ersten Mal seit 1965 eine Saison ohne einen Head Coach Paterno beginnen. Die möglicherweise nicht allzu lange „Ära“ Bill O’Briens beginnt auch offiziell, und sie beginnt unter keinem guten Stern: Den massiven NCAA-Strafen folgte im August ein Exodus vieler Leistungsträger, und es werden ein paar dürre Jahre in State College aufziehen.

Das Beaver Stadium wird übrigens mit 108.000 Zuschauern ausverkauft sein. Man hat schon erste Stimmen vernommen, dass das Tailgating dieses Jahr noch intensiver sein wird, weil die Spiele danach aufgrund eben jener Abgänge und der eh schon schwach besetzten Offense zu eher zähen Angelegenheiten zu verkommen drohen. Und ich meine auch gelesen zu haben, dass ein berühmter Fighting Song aus dem Programm genommen wurde.

Sportlich gespannter bin ich heute auf die Ohio Bobcats aus der kleinen MAC, denen einige eine fantastische Saison zutrauen und die möglicherweise hier nicht der große Außenseiter sind, den die Teamnamen suggerieren würden.

Nebraska Cornhuskers – Southern Miss Golden Eagles

Heute, 21h30 LIVE bei ESPN America

Nächstes Heimspiel in einer zumeist fantastischen Heimatmosphäre. Aus Omaha/Nebraska dringen immer wieder hymnische Gesänge auf die Fans durch und man erzählte mir, dass sich mal bei einem Heimspiel gegen Texas zu den 85.000 im Stadion noch mal 80.000 auf den Parkplätzen und Straßen um die Arena herum säumten – Zustände, die kriegt man hierzulande kaum beim EM-Halbfinale auf die Beine. In Omaha offenbar nah am Normalzustand.

Sportlich halte ich die Partie für ein Mismatch. Southern Miss hat seine Abwehr-Stärken eindeutig im Defensive Backfield. Dumm, dass Nebraska fast nie wirft, und immer mit dem Doppelkopfmonster QB Martinez/RB Burkhead daherrollt. Auf der anderen Seite darf man gespannt sein, wie die in den letzten zwei, drei Jahren doch arg dezimierte Husker-Defense heuer ausschauen, und heute getestet, wird.

Nebraska ist in den Wettbüros mit 20 Punkten favorisiert.

Michigan Wolverines – Alabama Crimson Tide

Heute Nacht, 02h00 LIVE bei ESPN America
Tape morgen 13h

Sideline

Michigan.
Alabama.

Das Spiel des Wochenendes, auf neutralem Boden live aus dem Cowboys Stadium nahe Dallas. Für Michigan ist es nur das erste von mehreren beinharten Begegnungen, weswegen viele den Wolverines heuer trotz gut ausschauendem Kader noch nicht den Schritt ganz nach oben in die Nähe der BCS-Trophäe zutrauen. Alabama hat aber einen nicht minder heftigen Schedule, kann sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch keine Niederlage leisten, wenn sie den Landesmeistertitel verteidigen wollen.

In der Vergangenheit zeigte sich bei direkten Duellen SEC vs. Big Ten häufig ein eklatanter Geschwindigkeitsunterschied zwischen den Kontrahenten. Während die Boliden aus der Big Ten zwar auch physisch gebaut sind, walzen die SEC-Dampfer gerne komplett drüber und entkräften den Gegner damit schrittweise. In den letzten beiden Jahren würgte Alabama zum Beispiel in der Regular Season komplett die Penn State Nittany Lions ab, und auch das komplett aus dem Ruder gelaufene Bowlspiel gegen Michigan State – auch keine Gurkentruppe – vor zwei Jahren (49-7 Sieg nach sieben Touchdowns in Serie) ist noch ganz tief im Gedächtnis verankert.

Wird für den pfeilschnellen QB Denard Robinson die vermutlich härteste Prüfung seiner bisherigen Karriere. Wenn eine Defense Robinson mit ihrem Speed Paroli bieten kann, ist es jene von Nick Saban. Und: Michigan hat seinen #1-RB Fitzgerald Touissant suspendiert.

Oregon Ducks – Arkansas State Red Wolves

Heute Nacht, 05h LIVE bei ESPN America

Zwei Stichworte dürften eigentlich genügen: Oregons Offense ist am Werkeln und bei Arkansas State gibt Offensivgenie Gus Malzahn sein Debüt. Dürfte sportlich eine eindeutige Sache werden, aber diese beiden Faktoren reichen aus, um das Spiel reinzuziehen. Und natürlich die neuen Trikots der Oregon Ducks – erstmals getragen für die Rose Bowl im Jänner und nun offenbar öfters zum Einsatz gekommen (hoffentlich auch die Helme). Oregon Ducks und ihre Trikots: Der einzige neumodische Kitsch, der wirklich gefällt.

ESPNA-Tapes von heute und morgen: Auftakt zum Labour Day-Weekend

Um 11h30 kommt CFL-Football mit Montreal – BC Lions, das Duell der beiden Divisionsführenden in Ost und West zum Auftakt des soganannten Labour Day Classic-Weekends, wenn stets die Rivals gegeneinander angesetzt werden. Montreals Hauptrivale, Ottawa, besitzt derzeit kein CFL-Team, weswegen man seit ein paar Jahren dann gegen BC spielt, die keinen historisch gewachsenen solchen besitzen. In Kanada spricht man von einer künstlich kreierten „Coast-to-Coast“-Rivalität.

Montreal mit 5-3 Siegen trotz negativer Punktebilanz, und BC mit 6-2 mit bester Defense ligaweit. Das Spiel hat auch deswegen einen Reiz, weil nächste Woche in der CFL alle vier Partien wieder gespielt werden, mit vertauschtem Heimrecht. (morgen abend gibt es dann den ersten großen Klassiker Saskatchewan – Winnipeg am Vorabend des kanadischen Labour-Days).

Die CFL hat dieser Tage auch deswegen ihren Reiz, weil vermehrt aus den NFL-Trainingslagern entlassene Spieler wieder in ihre „Heimat-Teams“ im hohen Norden zurückkehren.

Morgen früh noch um 10h30 als ESPNA-Tape Boston College vs. Miami Hurricanes, ein Spiel, das heute um 21h30 angesetzt war, und von dem ich überrascht bin, dass die Internetwahl der Fans nicht auf diese, sondern auf die Nebraska-Partie gefallen ist. Beide ACC-Unis stehen vor schwierigen Saisons. Boston College, weil die Stimmung am Boden liegt. Miami, weil keine Sau weiß, wann der Hammer der NCAA im Falle „Shapiro“ fallen wird. Und natürlich, weil die Offense mal wieder rundumerneuert wurde.

Alles weitere im Verlauf des Tages und/oder morgen.

College Football 2012/13 Preview: Sun Belt Conference

Der Countdown zum Start der Saison im College Football läuft erbarmungslos. Heute: Die „kleinste Schwester“ der SEC im Süden der Vereinigten Staaten, jahrelang der Bodensatz der FBS, aber in diesem Jahr mit einem goldenen Star – dummerweise genau der verlässt die Sun Belt Conference nach der Saison dann aber auch wieder.

Wechselturbulenzen

In dieser Saison 2012/13 besteht die Footballabteilung Sunbelt Conference aus folgenden Universitäten:

Arkansas State
Florida Atlantic
Florida International
Louisiana-Lafayette
Louisiana-Monroe
Middle Tennessee State
North Texas
South Alabama
Troy
Western Kentucky

Florida International und North Texas werden nach Saisonende in die Conference USA wechseln. Die Football-Abteilunug der Sunbelt Conference bekommt dann im Gegenzug Zuwachs von Texas State aus der WAC und Georgia State aus der Football Championship Subdivision (FCS), der zweiten Ebene im US-amerikanischen College-Sport. Anyhow. Football wird heuer noch mal in alter Besetzung gespielt.

Florida International Golden Panthers

Das Punditentum ist sich einig: Sunbelt 2012/13 wird die Show der FIU Golden Panthers sein. Im vergangenen Herbst schloss das Programm erstmals über .500 ab, und das war schon eine kleine Enttäuschung. Nun gibt es für diese Saison nur einen nennenswerten Abgang: Alleskönner T.Y. Hilton, seines Zeichens der beste Spieler in der Historie von FIU. Das war’s dann aber auch.

Head Coach Mario Cristobal hat über die vergangenen fünf Jahre einen bemerkenswerten Job gemacht und FIU langfristig auf sichere Beine gestellt, was sich für kleine Programme leichter anhört als es ist. Für diese Saison kommt mit Tim Cramsey ein neuer OffCoord mit Hintergrund im Oregon’schen Offensivkonzept, was bedeutet: Angezogenes Tempo, viel „Spread“ in der Aufstellung, viel Laufspiel. Die Schlüsselfigur ist der wendige RB Kendrick Rhodes, der den unerfahrenen QB Jake Medlock entlasten soll.

Prunkstück ist aber nichtsdestotrotz die Defense, die praktisch identisch mit dem letzten Jahr bleibt und mit exzellentem Pass Rush in Erinnerung geblieben ist. FIU 2012/13 – für die Experten bereits der Conference-Champion in spe. Ungeschlagen werden sie nicht durchkommen, aber wir werden sie allerhöchstwahrscheinlich in der Bowl Season wiedersehen und dann nächstes Jahr in der sportlich betuchteren Conference-USA.

Die Verfolger

Die Louisiana Lafayette Ragin’ Cajuns dürften noch immer berauscht von dem fantastischen Bowl-Sieg über San Diego State sein, als der junge, aufstrebende Head Coach Mark Hudspeth druckvollen Football spielen ließ und dann nagelte der Kicker nach zuvor zwei verschossenen P.A.T.s in der Schlusssekunde einen 50yds-Kick ins Glück – eines der besten Spiele der vergangenen Saison vor einer der stimmungsvollsten Kulissen „zuhause“ in New Orleans.

Überhaupt: Die Zuschauer kommen. Die Stimmung auf dem Campus soll großartig sein. Da vergisst man nur allzu schnell, dass ULL seine Bilanz mit relativ vielen sehr engen Siegen (5-1 in den Spielen mit einem Score Differenz) aufmotzte und solche Teams meist schneller dem Phänomen „Regression zur Mitte“ unterliegen als ihnen lieb sein dürfte.

Aber: Es gibt Ingredienzien. QB Blaine Gauthier ist ein intelligenter Scrambler und spielte letztes Jahr erstmals fehlerarm. Der beste Fänger in TE Ladarius Green ist weg, aber die verbliebenen Wide Receivers sollen okay sein. Die Defense ist voll von ehemaligen großartigen Recruits, die an großen Unis aufgrund disziplinarischer Probleme gefeuert wurden. Man kann summa summarum erwarten, dass das Team in der oberen Hälfte des Conference-Tableaus mitspielen wird.

Das erwartet man auch von den Arkansas State Red Wolves, dem Titelverteidiger, wo nach dem Abgang des Senkrechtstarters Hugh Freeze nun ein neuer Head Coach arbeitet. Und was für einer: Gus Malzahn, seines Zeichens einer von den Leuten, über die nun jahrelang jeder, wirklich jeder redete. Malzahn gilt als Offensivgenie, war aber bizarrerweise niemals im Gespräch für einen Cheftrainersessel. Malzahn wollte diesen Job jedoch so sehr, dass er bei Auburn (bei Auburn!) seinen OffCoord-Job kündigte und in die unterklassige Prärie wechselte – langfristig dürfte das Recruiting dabei einen Anschub erfahren: Welcher nicht ganz erstklassige Offensivspieler des Südens wird in Zukunft nicht liebend gerne für den Kreativkopf Malzahn spielen wollen?

Malzahns Offenses haben Wiedererkennungswert: Viel Geschwindigkeit, keine Huddles, fuffzich Ballfänger an der Anspiellinie verteilt und simpel erlernbar für Quarterbacks. Malzahn liebt dual threats als QBs, wir erinnern uns an Cameron Newton. Bei Arkansas State gibt es einen solchen (man sollte ergänzen: „für Arme“) in Ryan Aplin. Die Wide Receivers sollen superb sein.

Bei den Running Backs gibt es aber Lücken. Der fantastische Michael Dyer hätte nach seinem Transfer von Auburn rüber ab 2013 den Einser-Back geben sollen, wurde aber schnell wieder von der Uni gekickt und dürfte in der FBS erstmal keine Chance mehr bekommen. Dyer, meine Fresse. Ein weiteres erstmal völlig verbranntes Talent, das sich an keine Regeln der zivilisierten Gesellschaft (Stichwort Teamworking) halten konnte.

Die Mittelklasse

Jahrelang war die Sunbelt Conference die Domäne der Troy Trojans von Trainerlegende Larry Blakeney. Bis 2011 der Kollaps und eine furchtbare 3-9 Bilanz folgten. Aber Troy ist für das Eine bekannt: Konstanz. Dank weitsichtiger Planung wird die kleine Uni aus Alabama schon bald wieder oben mitspielen. Vielleicht schon heuer, aber dafür sollte QB Corey Robinson weniger Turnovers produzieren (vielleicht so… 1/Spiel weniger?).

Das komplette Gegenteil zu Troy stellen die Western Kentucky Hilltoppers, ein blutjunges FBS-Programm, das nach 0-12 und 2-10-Bilanzen im vergangenen Jahr plötzlich 7-5 herausspielte, jedoch skandalöserweise nicht für die Bowl Season berücksichtigt wurde. Der Superstar ist allerdings auch hier der Coach: Willie Taggert, ein Lokalhero, eine umtriebige Figur mit Nonstop-Recruiting. Aber auch Taggert kann den Abgang des weitaus besten Angreifers – RB Bobby Rainey – nicht so ohne weiteres verkraften und so bleibt die Frage, was aus WKU heuer wird – vor allem mit den vielen zugelassenen Big Plays (mit großem „B“ und sehr großem „P“) über den Luftweg im Hinterkopf.

Nächste Uni, nächster Kulttrainer: Willkommen beim North Texas Mean Green, ein Programm, das auf dem Weg nach oben ist (2013 besagter Wechsel in die C-USA). Besagter Coach ist Dan McCarney, der vor wenigen Jahren noch als verbrannt galt, nun aber wieder heiße Ware ist. McCarney ist ein Raubein, prügelte sich in den 90ern mit seiner Frau (die Frau prügelte zurück) und wird heuer trotz eines Schlaganfalls im Februar coachen (Zitat: Nothing wrong with me that a little Grey Goose (vodka) won’t cure). Ist es unangebracht, von einem Original zu sprechen?

Der Bodensatz

Und dann sind da noch vier Programme, denen man nichts zutraut. Louisiana-Monroe zum Beispiel, wo der Trend der Warhawks wieder nach unten geht und das vergangene Jahr abseits eines Kantersieg über Krösus Troy nicht viel Vorzeigbares hergab. Die Middle Tennessee Blue Raiders haben andere Sorgen: Das eigentlich als geduldig bekannte Publikum wird nach dem nächsten Komplettkollaps langsam ungeduldig und es gibt im dritten Jahr hintereinander jeweils neue Offensive und Defensive Coordinators. Wenigstens QB Logan Kilgore soll soweit sein, endlich die Offense allein tragen zu können.

Ein Umbruch findet bei den Florida Atlantic Owls aus Miami statt. Die Trainerlegende Howard Schnellenberger – der Bill Parcells des College Football – dankte bald 80jährig ab, und er hinterlässt ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist FAU infrastrukturell dank des neuen Stadions bestens ausgestattet, auf der anderen Seite war der Kader zuletzt gerade gut genug, um im allerletzten Spiel der Saison die sieglose Saison abzuwenden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Mannschaft als disziplinlos gilt und die Spieler beim Training nach durchzechten Nächten nur mit Augen auf Halbmast erscheinen.

Da kommt der neue Chefcoach in persona von Carl Pelini, dem Bruder von Nebraskas Bo Pelini, gerade recht. Ein lauter Schreihals, der sich nicht grämt, an der Seitenlinie alles zusammenzuscheißen, was sich ihm in den Weg stellt. Wie Bo eben. Problem ist allein, dass Pelini bereits im ersten Training die Medien aussperrte und es damit mit selbigen erstmal verscherzte. Weil FAU im Großraum Miami, der von King James, den Canes und den Sandstränden dominiert wird, eigentlich alles für Aufmerksamkeit machen sollte, ein eher fragwürdiger Move von Pelini.

FAU dürfte 2012 aber wenigstens ein Team noch hinter sich lassen, denn die University of South Alabama Jaguars (patriotisch abgekürzt mit U.S.A.) sind komplett neu in der FBS. Dabei handelt es sich tatsächlich um ein 2007 aus der Retorte gehobenes Programm, 2009 mit den ersten Spielen und dabei gemächlich aufgebaut: Gegen inferiore Konkurrenz alle Spiele gewonnen, und erst das 20. Spiel ging verloren, gegen NC State aus der ACC, als man eine Halbzeit lang richtig gut mithalten konnte. Der Head Coach ist mit Joey Jones eine Legende in Alabama, und die Defense soll respektabel sein. Die größten Zweifel bestehen ob der Tauglichkeit von QB C.J. Bennett, der zu viele Interceptions wirft, und ob der generellen Tauglichkeit der Mannschaft nach der „Erprobung“ gegen die vielen laschen Gegner aus den Niederungen und Highschools.

Die letzten Tage der Bowl Season 2011/12: Was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern oder Kraut und Rüben in Pittsburghs Trainerstab

Traditionell wenig Beachtung finden die letzten College-Partien zwischen BCS-Bowls und National Championship Game. Hierzulande gibt es vom interessantesten dieser Spiele – der AT&T Cotton Bowl Classic keine TV-Bilder. „Cotton Bowl Classic“ wie „wirmöchtenunbedingteineBCSBowlwerden“, das Spiel, das sogar aus dem angestammten, gleichnamigen Uraltstation in Dallas ausgezogen und in die Cowboys-Arena ausgesiedelt ist, um BCS-Status zu bekommen, das seinen angestammten Platz am Neujahrstag aufgab um rund eine Woche später in der Prime Time spielen zu können – bisher erfolglose Versuche, Thrill in das Event zu bringen. Heuer hätte man mit #6 Arkansas und #8 Kansas State zwei würdige Kaliber, die die BCS aufgrund verzwickter Vertragslage (Hogs) und verkalkter Denke (Wildcats) außen vor ließ.

Da in den Staaten FOX die Partie überträgt, wird weder ESPN America noch der ESPN-Player übertragen. Wir werden auf Gus Johnson verzichten müssen, wie auch auf den interessanten Razorbacks-QB Tyler Wilson und die Trainerlegende der Wildcats, Bill Snyder.

[Update] In den Kommentaren wird zurecht darauf verwiesen, dass Eurosport 2 am Samstag von 11h45 bis 13h15 eine eineinhalbstündige Aufzeichnung des Spiel bringen wird. Allerdings überträgt der Sender vorher ein Tennisspiel, das sich bekanntlich ziehen kann – und ich kann mir schwer vorstellen, dass im Fall der Fälle ES2 Football Tennis vorziehen wird… [/Update]


Am Samstag, 19h MEZ findet in Frisco im Stadion des FC Dallas (“Pizza Hut Park”) das Finale der Football Championship Series (FCS) statt, der “Unterstufe” zur FBS – dort, wo der Meister in einem Playoff ausgetragen wird. Es treffen aufeinander: Die #1 Sam Houston State Bearkats gegen die #2 North Dakota State Bisons. Beide waren zu Hause in den Playoffs eine Macht, wobei North Dakota State noch eine Spur dominantere Ergebnisse einfahren konnte, beide putzten im Verlauf der Saison je einen FBS-Gegner: S.H.S.U. gewann gegen New Mexico in der Overtime, N.D.S.U. gewann auswärts bei den Minnesota Golden Gophers aus der Big Ten Conference 37-24!

Was man so hört, sind alle Beteiligten ziemlich sprachlos über das große Interesse; die Tickets von Sam Houston State gingen weg wie die warmen Semmeln und waren am ersten Tag ausverkauft. Im Stadion von Frisco sollen noch kurzfristig ein paar Hausmütter anrücken und provisorisch mit Schraube und Mutter Sitzschalen anbringen, da die Kapazität angeblich gesprengt wird.

Das Spiel selbst dürfte ein Lauf-Festival werden. Sam Houston State war im Halbfinale vor drei Wochen vor allem über seinen RB Tim Flanders (287yds, wenn ich richtig notiert habe) gefährlich, während bei North Dakota State so ziemlich jeder in der Offense – Quarterback inklusive – um die Wette scrambelten und weit über 300yds im Semifinale erliefen. Die Bisons wirkten im Halbfinale für mein Empfinden mächtiger, ausgeglichener, besser als Sam Houston State – sollte daher auch trotz des niedrigeren Rankings favorisiert sein.

X-Faktor könnte das Wetter im unguten Dallas sein. North Dakota State spielt zuhause in einem Dome (eine übrigens wunderschöne, kleine Halle für 20.000 mit furiosen Fans, die lauter sein sollen als jene der New Orleans Saints), aber viel Laufspiel und die dicke Haut der „Nordstaatler“ sollten helfen. ESPN America bringt am Sonntag, 8.1. um 7h eine Aufzeichnung.


BBVA Compass Bowl

SMU Mustangs – Pittsburgh Panthers

Di, 10.1. um 11h30 Tape bei ESPN America

Die Connections liefern die Cheftrainer – ein flotter Dreier mit der Arizona State University. Aaaalso: Die Arizona State Sun Devils suchten nach dem Rauswurf von Dennis Erickson einen neuen Chefcoach und fragten bei June Jones an, der dann auch bereitwillig schnell rüber nach Tempe zum Vorstellungsgespräch flog. Arizona State war so begeistert, dass man Jones sofort zur Unterzeichnung bringen wollte, aber just in dem Moment, als Jones der Füller in die Hand gedrückt wurde, kaum das „Stop!“ von den Boostern der Universität und Jones musste bedröppelt wieder nach Hause fliegen – an die Southern Methodist University, wo Jones seit vier Jahren auf dem Cheftrainersessel sitzt und sich einige unangenehme Fragen über sein Committment zum Programm anhören musste.

Arizona State drehte seinen Scheinwerfer ein paar Kilometer weiter gen Norden und wurde beim Cheftrainer der Pittsburgh Panthers, Todd Graham, fündig. Problem: Graham war dort erst seit einem Jahr Cheftrainer gewesen und hatte als oberstes Credo seine Verbundenheit zu seinen Spielern ausgegeben. Weil man aber nur das, was man schwarz auf weiß besitzt, getrost nach Hause tragen kann und Graham sich an sein dummes Geschwätz von gestern nicht mehr erinnern wollte, autographierte der Mann die taufrische Vertragsvorlage bei Arizona State – dem Job, der eigentlich June Jones gehören hätte sollen – und verärgerte seine Mannschaft bei Pitt massiv. Die Tweets der Pitt-Spieler als Reaktion auf Grahams Move waren am Rande zur Justiziabilität und deckten von Lügner bis Vollidiot die ganze Bandbreite ab.

So werden die Pittsburgh Panthers verständlicherweise nicht mehr von Graham, sondern vom Interim Keith Patterson gecoacht. Patterson ist damit der fünfte (!!) verschiedene Panthers-Coach seit Dezember 2010. Die Vorgänger: Dave Wannstedt (gefeuert nach 2010/11), Phil Bennett (Interimscoach in der Bowl Season 2010/11), Mike Haywood (angedachter Nachfolger Wannstedts und nach 13 Tagen gefeuert, wg. Randalierens im besoffenen Zustand gegen seine Ehefrau), und Graham. Der HeadCoach für die nächste Saison wird dann übrigens der Offensive Coordinator von Wisconsin, Paul Chryst, sein. (Sehen wir bei Pitt in Zukunft P-U-N-K-T-E?)

Noch was? Jo: Die University of Pittsburgh war einen Schnaps davon entfernt, die Bowl Season zu boykottieren, weil man nicht wie im Vorjahr im baufälligen Legion Field zu von Birmingham/AL die BBVA Compass Bowl bestreiten wollte, musste sich aber letzten Endes der Hausmacht ESPN beugen, deren regionaler Ableger diese Bowl veranstaltet. Wohl bekomm’s, da ist man gespannt, was da unterm Strich für ein Spiel rauskommt.

GoDaddy.com Bowl

Northern Illinois Huskies – Arkansas State Red Wolves

So/Mo 8./9.1. um 3h LIVE bei ESPN America
Tape am 9.1. um 17h bei ESPN America

Das Spiel findet in der Nacht auf Montag, nach Ende der Wildcard-Playoffs in der NFL, statt und bietet die Meister von zwei kleinen Conferences auf: Die Northern Illinois Huskies aus der Mid-American Conference (MAC) und die Arkansas State Red Wolves aus der Sun Belt Conference. Die Eckdaten zum Spiel: NIU ist im Angriff lauforientiert (247.6yds Lauf, 234.2yds Pass) und verlässt sich extrem auf seinen MVP, Quarterback Chandler Harnish (2942yds Passspiel, 26 TD, 5 INT bei zusätzlichen 1382yds Scrambling mit 11 TD), während Arkansas State dann doch eher gepflegt seine Spread Offense einsetzt, um die Schwächen des ebenso auf flotten Beinen stehenden QB Ryan Aplin zu minimieren (Aplin: 18 TD zu 13 INT, aber neun Lauf-TD bei 605yds Scrambling). Arkansas State wird bei mir mit sagenhaften 0.1pts favorisiert.

Eine Geschichte am Spielfeldrand: Die Red Wolves verloren ihren HeadCoach Hugh Freeze schon nach einem Jahr (Freeze ging zu Ole Miss), schafften aber den nicht für möglich gehaltenen Coup und lotsten das Offensivgenie Gus Malzahn von Auburn in die Steppen von Arkansas. Malzahn wird am Sonntag noch nicht coachen, aber bereits seine wachen Augen von der Tribüne auf die Partie richten. Damit haben Arkansas State und die komplette Sunbelt Conference schon mal eines sicher: Presse.

Sunbelt Conference 2011/12 in der Sezierstunde

Bezug nehmend auf die sommerliche Vorschau für die einzelnen Conferences im College Football nun ein Rückblick auf die Performances selbiger. Als ein wichtiges Bewertungssystem dient mit das „Simple Rating System“ (SRS), ein „nach vorne schauendes“ Ranking, das einst von Chase Stuart (Pro-Football-Reference) entwickelt wurde. Es setzt sich zusammen aus der Summe von:

  • MOV (Margin of Victory/Höhe der Siege)
  • SOS (Strenght of Schedule)

Ergo: MOV + SOS = SRS. Ist kein perfektes Mittel, reiht aber auf einfache Weise die Teams in eine ungefähre Reihenfolge.

Die Sunbelt Conference ist wenig überraschend auch 2011/12 Bodensatz. Das höchst gerankte Team, Arkansas State, liegt nur an Platz 54, das durchschnittliche Team ist auf Platz 94,6 platziert.

Rk   Universität         G    MOV     SOS     SRS      W-L
54   Arkansas State      12   13.1    26.0    39.1    10-2
79   FIU                 12    6.6    25.7    32.4     8-4
85   ULL                 12    2.8    27.5    30.3     8-4
89   Western Kentucky    12   -1.1    30.2    29.1     7-5
96   ULM                 12   -0.8    29.0    28.1     4-8
103  North Texas         12   -6.1    32.3    26.2     5-7
112  Troy                12  -10.1    30.1    20.0     3-9
115  Middle Tennessee St 12  -12.7    28.7    15.9     2-10
118  Florida Atlantic    12  -19.5    30.9    11.4     1-11

Die folgende Tabelle vergleicht auf vereinfachte Weise Erwartung und SRS. „EXP“ ist die im Sommer erwartete Platzierung im 120er-Ranking der Mannschaften, „SRS“ die Platzierung nach Abschluss der Regular Season. „+/-„ ist die Differenz zwischen erwartetem und tatsächlichem Abschlussplatzierung, wobei überaus positive Überraschungen grün, negative Überraschungen rot gedruckt sind.

Universität                        EXP   SRS   +/-
Troy Trojans                       68    112   -44
FIU Golden Panthers                70    79    -9
Arkansas State Red Wolves          80    54    +26 
Middle Tennessee St Blue Raiders   91    115   -24
ULM Warhawks                       94    96    -2
North Texas Mean Green             102   103   -1
Florida Atlantic Owls              106   118   -12
Western Kentucky Hilltoppers       109   89    +20
Louisiana-Lafayette Ragin’ Cajuns  117   85    +32

Eine große Enttäuschung war die Mannschaft mit dem flockigsten Namen in der FBS: Die Middle Tennessee State Blue Raiders, deren 2-10 Bilanz selbst die niedrigsten Erwartungen noch unterbot und die überraschend zum Bodensatz gehörten. Als einziger Lichtblick wurde der krankenartige Freishman-DE Shubert Bastien (1,97m) ausgemacht.

Auffällig auch, wie brutal Troy nach zuletzt fünf Conference-Titeln in Serie abschmierte. Die Trojans wurden von ihrer eigenen, windelweichen Defense gekillt, wo der Star-DE Jonathan Massaquoi, eine gute, aber nicht überragende Saison spielte – was zu wenig war. Mal schauen, ob Massaquoi in den Draft geht. Auch die FIU Golden Panthers, zweiter Topfavorit, schmierten ab. FIU um seinen Star-WR T.Y. Hilton war zu Saisonbeginn ein großes Gesprächsthema und nach einem Blitz-Start hatte man ihnen sogar zugetraut, ungeschlagen zu bleiben, aber dann wurde man von ULL überlaufen und war am Ende froh, überhaupt ein 8-4 herausgewürgt zu haben.

FIUs „Lokalrivalen“, die Florida Atlantic Owls, schmierten noch wilder ab, riskierten lange, zum Karriereausklang der 77jährigen Trainerlegende Howard Schnellenberger sieglos zu bleiben. Am Ende wurde es 1-11, aber man ist trotzdem zuversichtlich, wähnt sich mit dem neuen Schmuckkästchen von Campus-Stadion auf dem Weg in eine rosige Zukunft. Dito North Texas, das überraschend fünf Siege gegen einen nicht einfachen Schedule herauswürgte, sein brandneues Stadion eingeweiht hat und nach der gelungenen Debütsaison für Head Coach Dan McCarney den Blick nach oben richtet.

Zu den Top-Teams 2011, und es sind drei überraschende Unis. Western Kentucky schmierte „out of conference“ böse ab, spielte aber trotz limitiertem Passspiels eine starke Saison in der Sunbelt Conference (7-1 Siege), vor allem um den erstaunlich beständigen RB-Zwerg Bobby Rainey (1,72m). Raineys Bilanzen 2010 und 2011:

  • 2010: 340 Carries, 1649yds, 15 TD
  • 2011: 369 Carries, 1689yds, 13 TD

Was ist die englische Vokabel für „verbrennen“? Western Kentucky wurde aber trotz allem nicht in die Bowl Season eingeladen, was man schade finden kann, auch mit dem sympathischen Head Coach Willie Taggert im Hinterkopf, und vor allem im Hinterkopf, dass Western Kentucky eine starke „Senior-Class“ hatte, nun 12 wichtige Starter (u.a. Rainey himself) verliert und aufgrund des jungen Programms händeringend die TV-Übertragung in der Bowl Season benötigt hätte, um Aufmerksamkeit für das Recruiting zu schaffen.

Die ULL Ragin‘ Cajuns sind durchaus die größte Überraschung, allen voran mit dem neuen Coach Mark Hudspeth und dem aus dem Nichts gekommenen QB Blaine Gautier, der ganze fünf INTs warf (drei allerdings in der entscheidenden Niederlage um den Conference-Gewinn). Einen starken Quarterback hatten auch die Arkansas State Red Wolves, Sieger der Sunbelt Conference 2011/12: Ryan Aplin.

Garant für den Titel war allerdings die Defense um den plötzlich begehrten DefCoord Dave Wommack. „Begehrt“ war auch Head Coach Hugh Freeze nach seinem so überraschend verlaufenen Debütjahr: Freeze hat groß abkassiert und wird ein paar Kilometer weiter neuer Headcoach der Ole Miss Rebels in der SEC werden. Arkansas State muss in der Bowl Season nun gegen den MAC-Champ Northern Illinois spielen. „Muss“, weil diese GoDaddy.com Bowl erst am 8.1. stattfindet, wenn sich keine Sau mehr für College-Bowls interessiert (paar Stunden vorher werden dann die Wildcard-Playoffs in der NFL zu Ende gegangen sein und einen Tag später ist das BCS-Title Game).

Arkansas State dürfte die Chance auf einen Bowl-Sieg haben, wie auch FIU (gegen Marshall). Wie ULL gegen San Diego State gewinnen möchte, ist mir noch unklar. ULL spielt aber wenigstens „daheim“ in der New Orleans Bowl am morgigen Samstag.

College Football 2011/12, TV-Guideline für Woche 7: Die Conference-Saison nimmt Fahrt auf

College Football geht schön langsam in die heiße Phase der Conference-Spiele, die nun in immer hemmungsloseren Ansetzungen resultieren wird, nachdem dieses Wochenende die ersten BCS-Standings veröffentlicht werden. Das Programm dieser Woche ist unter diesem Gesichtspunkt interessant, aber auch als „Aufwärmprogramm“ für das, was danach folgen wird, zu betrachten ist.

California Golden Bears – USC Trojans

Freitag, 15h30 Tape bei ESPN America

Zweimal Pac-12, und zweimal Teams, die im Rennen um den Pac-12 Titel keine Rolle spielen werden: Cal, weil die Golden Bears sportlich wohl eine Nummer zu klein sind, USC aufgrund seiner Sperre vom Pac-12 Endspiel. So wird der Thrill primär aus dem Faktor „Rivalität“ gezogen werden, und Cal dürfte eine besondere Motivation besitzen, wurde es doch seit 2003 jedes Jahr von den Trojans abgeschlachtet.

Allerdings dürfte die Erinnerung an die letzte Saison eher schmerzen. Damals stürmte USC zu einem 42-0 zur Pause, mit 372yds Offense in der ersten Hälfte (QB Matt Barkley dabei fünf TD). Dieses Jahr ist USC im Angriff ziemlich passlastig, wobei vor allem WR Rashaun Woods unglaubliche 44% der Passyards fängt, während der tiefreligiöse Sunnyboy Barkley ein Muster an Unbeständigkeit ist. Gegen Cal dürfte es trotzdem reichen, da die Bears über kaum Pass Rush verfügen, weil sie in der Defense dafür gebaut sind, den Lauf zu stoppen.

San José State Spartans – Hawaii Warriors

Samstag, 9h Tape bei ESPN America

Ein Duell aus der WAC, wobei Hawaii (1-0 WAC) favorisiert sein dürfte, aber auch San José State zu den bisher recht positiven Erscheinungen der Saison zählt, trotz 2-4 Bilanz. Hawaii verlässt sich im Angriff fast ausschließlich auf den Rastaman QB Bryant Moniz (1578yds, 15 TD, 1 INT, 4 Lauf-TD), während die Spartans einen deutlich ausgeglicheneren Angriff besitzen, der vor allem weniger Turnovers als die Warriors begeht.

Michigan State Spartans – Michigan Wolverines

Samstag, 18h LIVE bei ESPN America

Das Derby der beiden wichtigsten Football-Universitäten im Staate Michigan, und es liest sich wie ein interessantes Matchup. Die immer noch ungeschlagenen #11 Michigan Wolverines verfügen in dieser Saison nach Jahren endlich mal wieder über eine annehmbare Defense, die zwar viele Yards über den Luftweg zulässt, aber hart genug spielt, um zwei, drei Turnovers/Spiel zu provozieren. Dem werfen die #23 Michigan State Spartans einen eher blassen Angriff entgegen, wo QB Kirk Cousins immer gut ist für die eine oder anderen INT, aber Cousins ist einer der QBs, die einen Angriff mit hoher Completions Rate (68%) immer am Leben halten können. Die Spartans glänzen sowieso primär in der Defense, die ganze 173yds/Spiel zulässt, nur 64yds davon im Laufspiel. Michigans Offense wirft dem allein QB Denard Robinson entgegen, einen fürchterlich unpräzisen Werfer, der immer für 3 INTs/Halbzeit zu haben ist, aber solange er noch auf zwei Beinen laufen kann, auch 200yds Laufspiel machen wird. Robinson wird stets als Heisman-Trophykandidat gehandelt, was IMHO ein Hochjazzen ohne Aussicht auf Erfolg ist, solange Robinson nicht wenigstens halbwegs adäquate Bedrohung als Werfer wird. Vielleicht hilft, wenn Robinson die Wolverines nach drei Jahren Sieglosigkeit über Michigan State mal wieder zu einem vollen Erfolg gegen die Spartans führt.

Texas Longhorns – Oklahoma State Cowboys

Samstag, 21h30 LIVE bei ESPN America

#22 Texas leckt nach der verheerenden Niederlage gegen Oklahoma noch seine Wunden, wurde in allen erdenklichen Matchups einfach niedergemacht. Größter Knackpunkt der Longhorns ist aber das offene Scheunentor in der Secondary mit all seinen blutjungen Spielern. Nun kommt mit #6 Oklahoma State rein zufällig der vielleicht beste Pass-Angriff im College Football daher. Das Zusammenspiel zwischen QB Brandon Weeden und WR Justin Blackmon ist fassungslos, was man an Blackmons Zahlen ablesen kann, die da lauten: Im Schnitt 9 Catches für 107yds und 1,2 TD/Spiel. OSU spielt eine meiner Lieblings-Offenses, setzt auch noch hoch erfolgreich RB John Randle in homöopathischen Dosen ein und wird nur in Hischscoring-Spielen zu bremsen sein.

Es dürfte interessant sein, was Texas mit DefCoord Manny Diaz dem entgegenzuwerfen gedenkt, nachdem Diaz am Samstag in der Red River Rivalry ziemlich pulverisiert wurde. Weil die texanische Abwehr zwar talentiert, aber jung und nicht sondernlich „tief“ besetzt ist, kann man davon ausgehen, dass auch Oklahoma State mit seinen Dutzenden Ballfängern Yards und Punkte aufs Tablett legen wird, wahrscheinlich mehr, als die Longhorns-Offense zustande bringen wird. Für diese dürfte das Motto gelten: RB Malcolm Brown laufen, laufen, laufen lassen, Zeit von der Uhr nehmen und wenn immer möglich in der RedZone Touchdowns scoren, bloß keinen Punkt zuviel liegen lassen.

Ich glaube an einen klaren Sieg für Oklahoma State, selbst im Stadion von Texas.

Pittsburgh Panthers – Utah Utes

Sonntag, 7h30 Tape bei ESPN America

Das Duell der Enttäuschten. Pitt (3-3) war in den letzten Wochen bis auf den klaren Heimsieg gegen die USF Bulls sehr mau unterwegs, wurde zuletzt sogar von den langjährigen Underdogs Rutgers 10-34 niedergemacht und kommt in der Offense trotz des großartigen RB Ray Graham nicht wirklich in die Gänge, dafür wirft QB Tino Sunseri einfach zu wenig kontinuierlich gefährlich. Utah (2-3) dagegen wartet nach seinem überfälligen Wechsel in eine BCS-Conference immer noch auf einen Erfolg in der Pac-12, wurde nacheinander von USC, Washington und zuletzt Arizona State geschlagen, respektive: Hat sich selbst geschlagen. Zehn Turnovers in den letzten beiden Spielen? Meine Fresse, das war man von Utah lange nicht mehr gewohnt. Die Probleme gehen aber darüber hinaus: QB Jordan Wynn ist im Krankenstand, Backup Jon Hays hat sich mit haufenweise Interceptions nicht gerade aufgedrängt. Riecht alles nach einem nicht so schönen Spiel…

Tennessee Volunteers – LSU Tigers

Sonntag, 10h Tape bei ESPN America

Ich hatte es schonmal verlinkt, aber weil es so – mit Verlaub – geil war, hier noch einmal das Video von der Mutter aller dramatischen Spielenden:

Das war vor einem Jahr bei LSU – Tennessee. Dieses Wochenende das 2011er-Match in der Heimat der anderen Mannschaft: Neyland Stadium/Knoxville, wobei die Vorzeichen diesmal andere sind. Im Gegensatz zu 2010 ist LSU nicht mehr “upstart”, sondern als #1 der AP Polls ein allgemein anerkannter Titelanwärter, vor allem aufgrund der bekannt groß aufspielenden Defense mit ihrem phänomenalen CB Tyranne Mathieu, aber in den letzten Wochen kam auch der Angriff besser in Schwung, was nicht nur an der Rückkehr von Kneipenschläger-QB Jordan Jefferson liegt, der in Trickspiel- und Options-Situationen eingewechselt wird.

Tennessee dagegen verfügt eigentlich auch über einen soliden Angriff, musste am Wochenende aber einen Rückschlag hinnehmen, als bekannt wurde, dass mit QB Tyler Bray der große Hoffnungsträger für rund einen Monat verletzt zuschauen wird müssen. Bei mir dominiert irgendwie der Grundgedanke, dass die Vols im Vergleich zum Vorjahr auf der Stelle treten, insgesamt nur eine leicht verbesserte Mannschaft sind.

LSU dürfte einen lockeren Erfolg einfahren, also diesmal kein „Wunder“ zum Erfolg.

Tapes nächste Woche

Iowa Hawkeyes – Northwestern Wildcats, Mo/20h Tape Eurosport 2. Das Duell zweier Enttäuschter in der Big Ten. Iowa ist extrem unbeständig in dieser Saison, verliert mal ein Offensivfeuerwerk gegen Iowa State, gewinnt ein rundum solides Spiel gegen Pitt und verliert dann eine Defensivschlacht gegen Penn State. Die Northwestern vergeigte zuletzt vor „eigenem“ Publikum (Michigans Fans schienen deutlich in der Überzahl) eine klare Führung, ist jedoch deutlich selbstbewusster, seit es wieder auf QB Dan Persa bauen kann. Ich halte es für ein offenes Spiel, da beide Teams enorm viele Gesichter zu haben scheinen.

#24 Auburn Tigers – Florida Gators, Di/11h30 ESPN America. Beide haben in dieser Saison so ihre Probleme aufgrund vieler Spieler- oder Trainerwechsel, mussten streckenweise mit Backup-QBs spielen und werden eher nicht zu den Titelanwärtern in ihren SEC-Divisionen gezählt. Die Gators haben allerdings die Chance, nach zwei K.O.-Schlägen gegen Alabama (10-38) und LSU (11-41) wenigstens teilweise Selbstvertrauen zurückzuholen – dafür muss aber die Lauf-Defense etwas besser funktionieren, nachdem die letzten beiden Wochen diesbezüglich grausam waren.

Ole Miss – #2 Alabama Crimson Tide, Mi/13h30 ESPN America. Ole Miss wird mit seiner lendenlahmen Offense überhaupt kein Land sehen, nicht mal im eigenen Stadion. Für Alabama geht es seit Wochen nur darum, wenigstens halbwegs den Fokus auf die jeweiligen Gegner zu halten, da alles vom vorgezogenen „Endspiel“ um SEC- und Landesmeistertitel spricht: Am 5. November geht es gegen LSU um alles.

#9 Oregon Ducks – #18 Arizona State Sun Devils, Do/16h ESPN America. Wichtiges Spiel im Autzen Stadium, da hier die Divisionsfavoriten im Norden und Süden aufeinander treffen. Für die Ducks könnte ein Sieg essenzieller sein, nachdem die Sun Devils im Süden konkurrenzlos sein dürften: Colorado, Utah und Arizona sind alle noch sieglos in den Conference-Spielen, USC spielt außer Konkurrenz, UCLA… UCLA? Keine Zeit zum Scherzen. Oregon muss allerdings wohl auf RB LaMichael James verzichten, der seit Wochen nur 200yds-Spiele verzeichnet, aber seinen Arm ganz böse ausgerenkt hat, sodass ich mir einen Einsatz angesichts der TV-Bilder kaum vorstellen kann. Oregon hat zwar gute Ersatzleute (RB Barner, RB Thomas), aber James ist gerade für diesen Topspeed-Angriff essenziell.

Das Livespiel unter dem Sonnengürtel

ESPN America zeigt in der Nacht von Dienstag/18.10. auf Mittwoch/19.10. ein Livespiel Arkansas State – Florida International aus der Sunbelt Conference (Wdh. Mi/16h), das allerdings bereits zur Woche 8 gehört. Es ist ein Spiel mit unerwarteten Vorzeichen, nachdem ASU die bessere Saisonbilanz besitzt, FIU jedoch bis vor kurzem eine ungeschlagene Saison zugetraut wurde, ehe die überraschenden Niederlagen gegen ULL (!) und Duke (!!!) folgten. FIU muss gewinnen, will es das Mindestziel „Sunnbelt-Champion“ weiterhin verfolgen. Außerdem dürfte es eine Chance geben, WR T.Y. Hilton (FIU) zu sehen, über den sich im September sämtliche Experten das Maul fusselig redeten, der stets für einen 70yds-Catch’n’Run gut ist.