College Football 2019 Preview: ACC-Mailbag

Bevor wir heute Nachmittag die NFL Sezierstunde-Serie 2019 abschließen, gibt es einen  weiteren ausführlichen College-Football Mailbag zu den wichtigsten Teams, Draft-Prospects und Trainer-Anstellungen der Atlantic Coast Conference (ACC), der Heimat vom regierenden National Champion Clemson.

Wie so oft sind dafür wieder Christian Schimmel (@Chris5Sh / DerDraft) und Jan Weckwerth (@giannivanzetti / Triple Option Blog) Rede und Anwort gestanden. Ja, eine Frage zu den Miami Hurricanes ist auch dabei – sie haben bereits heute Nacht gespielt. Aber dazu gibt es keine Spoiler. Weiterlesen

College Football 2019 Preview: Die Atlantic Coast Conference (ACC)

Die Atlantic Coast Conference (ACC) ist eine eigentlich wenig glamouröse Conference entlang der Atlantikküste. An Aufmerksamkeit wird sie deutlich von den westlich angrenzenden Big Ten Conference und der Southeastern Conference (SEC) in den Schatten gestellt. Weiterlesen

College Football Preview 2017: Atlantic Coast Conference

Die SEC ist die prägende Conference im College Football unserer Zeit, aber im abgelaufenen Herbst, 2016/17, wurde ihr für ein Jahr der Rang abgelaufen von der kleinen, farblosen Cousine, der Atlantic Coast Conference (ACC) entlang der US-Ostküste. Weiterlesen

Atlantic Coast Conference | College Football 2015/16 Preview

Die Atlantic Coast Conference (ACC) gilt im heutigen Verständnis als zirka viert- oder fünfbeste Liga im College Football: Im US-Süden ist man relativ klar nur die zweite Geige hinter der SEC, und im Vergleich zur Pac-12 und Big 12 Conference schneidet man eine Spur zu blass in der Tiefe ab. Trotzdem konnte die ACC in den letzten Jahren an Selbstvertrauen tanken, und 2013/14 mit den Florida State Seminoles nach langer Zeit auch mal wieder den Landesmeister stellen. Weiterlesen

Der größte Spiel in der Geschichte der Atlantic Coast Conference: Clemson Tigers gegen Florida State Seminoles

Wie ich höre, ist das Spitzenspiel dieser Woche im College-Football in Deutschland nicht über den offiziellen Weg zu sehen, und das ist sehr schade, denn um 02h (MESZ) findet heute der Showdown der Atlantic Coast Conference statt: #3 Clemson Tigers gegen #5 Florida State Seminoles, das größte Spiel in der Geschichte dieser Conference. Clemson und F.S.U. sind Divisionsrivalen in der Atlantic Division, beide ungeschlagen, und nur der Sieger kann sich weiterhin Hoffnungen auf Conference-Titel und B.C.S.-Finale machen.

Clemson ist nicht der geschichtlich größte Rivale der Seminoles, aber das kann auch daran liegen, dass die Seminoles erst seit den späten 1970er und frühen 1980er Jahren eine Hausmacht im College-Football sind, seit die Coaching-Legende Bobby Bowden die Noles zu einem „Powerhouse“ transformierte. Die Noles spielen ja überhaupt erst seit gut zwei Jahrzehnten in der A.C.C. mit. Das erste bedeutungsvolle Aufeinandertreffen zwischen diesen beiden Mannschaften war erst 1988, und das war gleich ein besonders spektakuläres. Die Ausgangslage war damals ähnlich: Clemson an No. 3 gerankt, Florida State an No. 10.

Dann kamen die Noles mit Deion Sanders:

Und sie kamen mit einem der bekanntesten Trickspielzüge in den Annalen des College-Sports, dem „Puntrooski“:

Der Zufall will es so, dass dieses legendäre Upset (Seminoles gewannen) auf den Tag genau vor 25 Jahren passierte. Deshalb wird es heute auch die eine oder andere Anspielung in den Übertragungen daran geben.

Clemson gegen Florida State, das war vor circa einem Jahrzehnt bis vor wenigen Jahren auch die so genannte „Bowden Bowl“, das direkte Duell zwischen F.S.U.-Coach Bobby und dessen Sohn Terry, der Clemson coachte. Das, und die vielen engen Duelle um die Vorherrschaft in der Atlantic Division, die meistens entweder vom einen oder vom anderen gewonnen wird, machte aus Clemson und Florida State über die Jahre intensive Rivalen.

Heute hat Clemson den Heimvorteil. Die Tigers werden von Dabo Swinney gecoacht, einem eher stillen Mann, der lieber im Hintergrund bleibt und seinen Trainerstab um den heißer als Frittenfett gehandelten Offensive Coordinator Chad Morris und seine hoch talentierten Starspieler machen lässt. Swinney und sein Trainerstab lassen keine überaus spektakuläre Offense spielen, aber der Teufel liegt wohl im Detail und in der Konstanz dieser Mannschaft, denn sie scort sehr viele Punkte.

Quarterback ist mit Tajh Boyd ein Farbiger, der nächstes Jahr in die National Football League wechseln wird. Wide Receiver Sammy Watkins (No. 2) ist der größte Star der Offense, seit er vor zwei Jahren als Freshman die Liga im Sturm eroberte und fast die Heisman Trophy gewann. Und es gibt RB Roderick McDowell, gegen den bislang kein Kraut gewachsen war.

Dem gegenüber steht bei den Seminoles nur ein ganz großer Superstar: QB No. 5 Jameis Winston, auch ein Schwarzer und ein Freshman, bei dem schon diskutiert wird, ob er der beste Quarterback in der Geschichte dieser Universität ist. Nach sechs Spielen! Ob was dran ist oder nicht, „Famous Jameis“ hatte einen überragenden Einstand auf dem Parkett und gehört zu den großen Favoriten auf die Heisman-Trophy 2013. Merken sollte man sich bei den Noles auch andere Namen: RB James Wilder jr, RB Karlos Williams oder WR Kelvin Benjamin, die alle früher oder später Profis sein werden.

Im letzten Jahr gewann Florida State dieses Spiel zuhause mit 49:37 und alle bescheinigten damals den Noles die bessere Offensive Line gehabt zu haben. Um nicht technischer zu werden als ich es beurteilen kann: Alle sagen Clemson nach, keine gute Defensive Line zu haben, oder viel besser, eine, die sich gerne überlaufen lässt. Heute hat Clemson Heimvorteil.

Es dürfte klar sein, wo meine Präferenzen heute Abend liegen, aber hierzulande sind die Sympathien und die Tipps durchaus geteilt. Die Noles genießen immer noch einen landesweit guten Ruf, aber unter dem Head Coach Jimbo Fisher haben sie sich zusätzlich das Bild angelacht, in jeder Saison wenigstens ein „großes“ und ein „kleines“ Spiel zu vergeigen. Das heute ist ein „großes“.

Auf der anderen Seite folgen die Noles mit diesem Ruf ausgerechnet dem heutigen Gegner, denn „Clemsoning“ ist ein inoffiziell anerkanntes amerikanisches Wort dafür, aus riesigem Talentevorrat viel zu wenig zu machen, und das seit vielen Jahrzehnten.

Eine der beiden Mannschaften wird heute Abend ihren Ruf vorübergehend abschütteln, aber die Skeptiker sagen: Nur, weil es heute Abend eine Mannschaften nicht vergeigen kann.

GO NOLES.


Der TV-Plan für SPORT1 US stammt wie immer von korsakoff, und ich übernehme ihn ohne weiteres (alle Zeiten MESZ):

18h    Tennessee - South Carolina
21h30  Stanford - U.C.L.A.

Anstatt von Florida State – Clemson kommt bei SPORT1 US IndyCar Racing League, was verstehen mag wer will.

Edit|Nachtrag (korsakoff): Clemson-FSU kommt natürlich im ESPN-Player ab 2h. Ganzen Schedule des ESPN-Players kann man bei dogfood/Allesaussersport nachlesen. – korsakoff(/Update)

Noch was? Ach ja, die Oregon Ducks setzen heute mal wieder einen Modetrend und werden dem Monat des Brustkrebs-Gedenkens zu Ehren in rosaroten Helmen auflaufen.

The Countdown, T-minus 10: Clemson Tigers

Clemsons Memorial Stadium fasst 82.000 und wird "Death Valley" genannt - Bild: Wikipedia.

Clemsons Memorial Stadium fasst 82.000 und wird „Death Valley“ genannt – Bild: Wikipedia.

The Countdown

#10 Clemson Tigers.
ACC, Atlantic Division.
2012: 11-2.

Die Clemson Tigers gehören zu den “Kult”-Teams (sorry ‘bout that) im College Football. Sie kommen aus einer Kleinstadt in South Carolina, spielen in einem markanten 80.000er-Stadion mit Spitznamen „Death Valley“, haben sich den Ruf des ewigen Verlierers in der Crunch-Time erarbeitet, und trotzdem Anfang der 80er mal einen Landesmeistertitel geholt. Clemson gehört zur Folklore im College-Football wie, sagen wir, Kaiserslautern in den deutschen Fußball. Minus Fritz Walter, minus ewiges Verweisen auf die WM-Helden aus den frühen 50ern. Clemson ist Provinz, Tradition und Moderne, und somit Sinnbild für die Welt des College-Football.

Das klassische Clemson-Syndrom konnte auch unter Head Coach Dabo Swinney (seit 2009 im Amt) nicht ganz abgelegt werden: Mal krankte die Offense, dann explodierte diese zeitgleich mit der Implosion der Defense. Vor zwei Jahren gewann Clemson zwar die ACC, aber völlig unnötige Pleiten trübten auch damals das Gesamtbild und verstärkten den Eindruck des Teams, das sein gigantisches Potenzial nie gänzlich auszunutzen weiß. Clemson hat Potenzial für die Top-3, beendet die Saison aber klassischer Weise zwischen #10 und #15. So war es schon immer. Wird es auch immer so sein?

Diese Saison stehen die Vorzeichen nicht schlecht: Der Schedule ist machbar. In der ACC dürfte man mit Florida State durchaus auf Augenhöhe sein, aber out of conference warten zwei heikle Spiele gegen Georgia (zuhause) und @South Carolina. Ein ungeschlagenes Durchkommen ist nicht ganz außer Frage, aber es würde doch… irgendwie überraschen. Als „Trostpreis“ ist aber zumindest der ACC-Gewinn realistisch.

Clemson dürfte in erster Linie dank seiner Offensiv-Power optisch ein Hochgenuss sein. Der schwarze QB Tajh Boyd hat eine erstaunliche Entwicklung genommen, und mittlerweile halte ich es nicht mehr für ausgeschlossen, dass Boyd nächsten April ganz weit vorn im Draft gezogen wird. Boyds Statur ist eher gedrückt (1,81m), aber ein wendiger Mann für Scrambles und die Pässe, Baby: Der Wurfstil ist nicht der konventionellste, aber diese Furchtlosigkeit vor Würfen in engste Deckung – das ist NFL-reif vom Selbstvertrauen und von der Präzision. Boyd ist mit seinem rücksichtslosen Spielstil (u.a. 155 Scrambles 2012) aber auch ein permanentes Verletzungsrisiko.

In WR Hopkins und RB Ellington gingen zwar zwei Leistungsträger in die NFL, aber dafür bleibt WR Sammy Watkins, mittlerweile Junior und nach einem enttäuschenden Jahr 2012 geläutert. „Enttäuschend“ liest sich für Watkins noch immer wie ein gutes Jahr für einen durchschnittlichen Receiver (57 Catches für 708yds, 14 Rushes für 97yds, 13 Returns für 257yds), aber Watkins ist kein Durchschnittsmann, war vor zwei Jahren als Freshman eine Offenbarung: Ein Rastaman, der unbekümmert zum Einstand alles in Grund und Boden spielte was sich ihm in den Weg stellte. Watkins soll nun in der Form seines Lebens sein. Tja, und dann sind da noch der RB Rod McDowell und WR Martavis Bryant (letztes Jahr 30yds/Catch!). Hehe, und OffCoord Chad Morris, der spätestens im Winter einen Headcoach-Posten angeboten bekommen wird.

In der Defense ist Brent Venables der Coordinator. Venables steht bei mir seit seiner Zeit bei Oklahoma in einem etwas zwielichtigen Ruf, weil er seine Secondary auch gegen 5WR-Sets häufig blank stehen lässt. Die Secondary ist in Clemson der schwächste Mannschaftspart, wogegen in der Front-Seven außer dem besten Passrusher DE Malliciah Goodman (7 Sacks) alle wichtigen Spieler zurückehren.

Der Schedule für Clemson ist nicht ungünstig: Florida State als schwerster ACC-Gegner muss nach Clemson kommen, und die beiden „anderen“ richtig schwierigen Gegner Georgia und @South Carolina sind wie gesagt out of conference. Clemson hat gute Chancen, die ACC zu gewinnen, aber BCS-Titelchancen gebe ich den Tigers keine.

The Countdown, T-minus 28: Miami Hurricanes

The Countdown

#28 Miami Hurricanes.
ACC, Coastal Division.
2012: 7-5.

Weiter geht es im College Football Countdown mit einem der bekanntesten Footballteams in den Vereinigten Staaten, den Miami Hurricanes. Der Ruf der Canes gründet in erster Linie auf der sehr erfolgreichen und „lauten“ Zeit in den 80ern und Anfang der 90er Jahre, aber seit zirka zehn Jahren ist es recht leise um „The U“ geworden. Die letzte BCS-Bowl war Anfang 2003 das National Championship Game, seither wurstelt man sich mit mittelmäßigen 7-5 und 8-4 Saisons durch und machte nur mehr durch einen riesigen Booster-Skandal auf sich aufmerksam. Die TV-Ratings sind zwar nach wie vor gut, weil Miami extrem viele Fans quer über die Staaten verteilt besitzt, aber im seelenlosen Sunlife Stadium spielt man zumeist vor leeren Tribünen, es sei denn, die Florida State Seminoles sind im Anmarsch.

Ein Merkmal bei Miami ist das immer noch extrem gute Recruiting. Das Highschool-System in Florida ist das landesweit zweitbeste hinter Texas, und noch immer wollen viele Supertalente für die Hurricanes auflaufen. In den letzten Jahren lagen die Probleme eher beim schlechten Coaching oder zu vielen Kneipenschlägereien als am fehlenden sportlichen Niveau. Der Head Coach Al Golden ist seit zwei Jahren dabei, diese Baustellen zu schließen. Golden gilt als weitsichtiger Stratege und vor allem auch als guter operativer „In-Game“-Manager mit guten Playcalls und gutem Clock-Management.

Das reichte in den ersten beiden Jahren für schnelle sportliche Konsolidierung: 6-6 und 7-5, wobei vor allem in der zweiten Saisonhälfte letztes Jahr die Offense den Durchbruch schaffte. Sie muss nun ohne den abgewanderten OffCoord Jedd Fisch (Jacksonville Jaguars) auskommen, aber dafür konnte der Offensive Coordinator vom großen Rivalen FSU gewonnen werden. Superstar im Angriff ist der extrem explosive RB Duke Johnson, erst ein Sophomore, der letztes Jahr in nur 139 Carries 947yds (6.8 Y/A) und 10 Touchdowns fabrizierte. Johnson ist übrigens auch ein famoser Kick-Returner (2 TD in nur 27 Returnversuchen), und explosiv, Baby:

Johnson ist der Superstar, aber Miami hat auch eine Offense Line, die sich gewaschen hat, bzw. die in Kürze Prospects wie RG Brandon Linder oder RT Seantrel Henderson in den Draft schicken wird. Es ist dank des Super-Backs zu erwarten, dass Miamis Offense stärker lauforientiert sein wird, auch wenn der QB Stephen Morris mit seinem rattenscharfen Wurfarm auch keine unterirdische Option ist. Morris hat halt nicht den großen Support-Cast an Skill-Players; dafür kann er auf die Line vertrauen, die ihm selbst auf tiefen Passrouten ausreichend Zeit verschafft (Sack-Rate 3.5%).

Kopfzerbrechen bereitet die Defense, die unter Golden einfach nicht in Fahrt kommt. Hauptkritikpunkt: Mangelnder Passrush. Der angedachte Superstar ist DE/DT Anthony Chickillo, der seit ich denken kann hoch gehypt wird, aber nie mehr als 4 Sacks produziert. Hoffnung macht man sich dieses Jahr u.a., weil Chickillos Nebenmann ein Neuer sein wird: DE Gilbert, der aus Wisconsin kommt; Gilbert wollte es mit dem Football eigentlich seinem Fuß zuliebe sein lassen, aber er probiert es nun ein letztes Mal in seiner Heimatstadt Miami. Bleibt der Mann halbwegs gesund, besteht kein Zweifel, dass die Front-Seven der Canes gut aufgestellt sein wird. Dass sollte sie auch besser, denn in der Secondary geht man hauptsächlich mit Spielern im ersten oder zweiten Jahr ins Rennen.

Oben angesprochener Booster-Skandal trägt den Codenamen „Nevin Shapiro“ (der Mann, der die Nutten zahlte und sich im Knast an seinen ehemaligen „Freunden“ rächte). Das übelste an dem Fall für Miami: Die NCAA wartet schon fast zwei Jahre zu mit den Strafen. Niemand weiß Stand heute, ob Miami im Winter überhaupt spielberechtigt für die Bowl-Season sein wird. Schlägt der Hammer zu: Nein. Aber gehen wir jetzt mal zum Zweck dieses Blogeintrags davon aus, dass die Canes spielberechtigt sein werden.

Dann haben sie gute Chancen, das ACC-Finale zu erreichen. Miami spielt in der schwächeren Coastal-Conference, und hat bis auf das heikle Auswärtsspiel bei Florida State und ein 50/50-Spiel in North Carolina einen machbaren Schedule. Es gibt sogar gleich am zweiten Spieltag zuhause gegen die Florida Gators die Chance, einen fetten out of conference-Sieg einzufahren, mit dessen Hilfe man Schwung in die Saison aufnimmt. Für Al Golden und seine Jungs könnte das Jahr tatsächlich so was wie die Rückkehr in höhere Sphären des College-Football werden.

Die Akademische Viertelstunde: Atlantic Coast Conference (ACC) im Sommer 2013

Die A.C.C. durchlebte in den vergangenen 15 Jahren einen schleichenden Niedergang und lebte lange Zeit nur noch von ihrem Ruf früherer Tage. In den letzten paar Jahren nicht mal mehr davon: Sie wird mittlerweile nur noch als mittelmäßig wahrgenommen, obwohl sich einige der bekanntesten Footballmannschaften des Landes (Florida State, Miami, Clemson, North Carolina) darin tummeln. Aber die letzten TV-Verhandlungen haben der Liga die Augen geöffnet: Sie fielen mit 150 Mio./Jahr um fast die Hälfte schlechter aus als jene in vergleichbaren Ligen wie der Big Ten.

Die Reaktion war die Hereinnahme von zwei Universitäten aus der Big East Conference: Pitt und Syracuse. Beide haben nicht den größten Sex-Appeal, aber sie sind wenigstens sehr gute Basketball-Unis, was in einer Conference, die sich rühmt, auch im Basketball gut sein zu wollen (immerhin sind Duke und North Carolina zwei der erfolgreichsten BB-Programme), nie von Nachteil ist.

Sportlich befürchten viele eine Verwässerung. Andere halten das Feld eh schon für so verwässert, dass da nix mehr schief gehen kann. Und im nächsten Jahr wird Maryland abspringen und dafür das attraktivere Louisville dazustoßen. Louisville wollte aber eigentlich immer mit aller Gewalt in die Big 12 Conference, musste sich dann aber mit dem „Trostpreis“ ACC zufrieden geben. Damit ist der Status der ACC auch am besten beschrieben.

Und seine Hand ins Feuer legen will noch niemand, ob Florida State, Miami und Clemson wirklich dauerhaft in dieser Conference bleiben wollen. Immerhin: Die nächsten zwei, drei Jahre wird es Stillhalten geben.

Sehen wir’s sportlich: Der korsakoff-Take

Dachterrasse: Florida State, Clemson
Zweiter Stock: Virginia Tech, UNC, Pitt
Erdgeschoss: Miami/FL, Georgia Tech, NC State, Syracuse, Duke
Kellerkinder: Boston College, Wake Forest, Virginia, Maryland

BCS-Titelkandidaten: keine.

Bei der ACC ist, wie wir mittlerweile wissen, der Name größer als die Qualität. Selbst die beiden Favoriten FSU und Clemson haben viele Fragezeichen, weil inmitten oder kurz vor einem Umbruch. Beide dürften 2013 chancenlos in Sachen BCS-Titel sein, denn dafür reicht wohl noch nicht einmal eine ungeschlagene Saison.

Es gibt ein extrem dünnes Verfolgerfeld, dafür aber sehr viele schwächelnde Teams in den unteren Ebenen, bei denen viele vor einer ungewissen Zukunft stehen. Virginia Tech und UNC sind immerhin wieder auf dem Weg nach oben, und bei den quasi toten Miami Hurricanes rührt sich zumindest irgendwas, aber im Prinzip ist 2013 die halbe Liga sportlich nicht ernst zu nehmen und wird nur 5-6 Siege zusammenkratzen, weil irgendjemand in der ACC ja die Spiele gewinnen muss. Ach, und: Miami und UNC könnten aufgrund diverser aufgedeckter Skandale noch eins auf die Fresse bekommen; der NCAA-Hammer ist da relativ unberechenbar.

Atlantic Coast Conference 2012/13 Preview

Nächste Conference, die in Unsicherheit lebt. Da sind zum einen die drohenden Schwerter über den Footballprogrammen von North Carolina und Miami, zum anderen die von anderen Conferences bezirzten Attraktionen Clemson und Florida State, deren Verbleib nicht sicher ist.

Atlantic Division

Florida State und seine BCS-Ambitionen hatte ich bereits unter der Lupe, und sie sind der fraglose Favorit in Division und Conference. Aber auch die Clemson Tigers schlafen nicht und sind immer für eine Überraschung gut – so wie 2011, als sie nach Jahren der Anämie plötzlich eine sensationelle Offense rund um QB Tajh Boyd und den genialen Freshman-WR Sammy Watkins auffuhren. Gemeinsam mit dem superben RB Andre Ellington boten die knallorangenen Tigers richtiges Spektakel, aber waren halt auch brutal unkonstant: Kantersiegen über Virginia Tech folgten Schlappen gegen NC State und in der Orange Bowl ein 33-70 (!) gegen West Virginia.

Völlig unerwarteterweise brach 2011 aber die jahrelang so starke Defense ein, und selbst der Superstar, LB Stephone Anthony, ist so ein Mann, der in einem Play dem Gegner den Kopf ausreißt und im nächsten einen 50yds-Lauf aufgibt. Nun ist mit DefCoord Brent Venables aus Oklahoma ein neuer Mann da, den durchaus nicht alle – mich eingeschlossen – mit offenen Armen empfangen würden. Wer will aus so einer Mannschaft schlau werden? Prädikat: Leverkusen des Colleges Football. Kann potenziell jeden putzen, aber auf dem Weg zur Meisterschaft wird gewiss irgend ein überflüssiger Bock geschossen.

Dem Rest der Division ist nicht allzu viel zuzutrauen. Das NC State Wolfpack des stets grantig dreinschauenden Chefcoachs Tom O’Brien spielt eine bizarre Offense, läuft extrem viel, obwohl das Laufspiel die absolute Schwäche im Kader ist, querbeet durch alle Running Backs hindurch. QB Mike Glennon ist dagegen ein Grünling, aber nach allen Datenbankeinträgen nicht der schlechteste. Schon langsam die Hype-Maschine anwerfen können wir bei CB David Amerson, der im nächsten NFL-Draft schon als potenzieller Top-Pick gehandelt wird.

Bei Wake Forest sind die beiden Stars der sympathische Head Coach Jim Grobe und QB Tanner Price, der eine fabulöse Saison spielte und mit WR Michael Campanaro über einen exzellenten neuen Wide Receiver verfügen soll. Die Defense der Demon Deacons ist nicht die härteste im Tackling, nicht die überzeugendste gegen das Laufspiel, aber schaut sehr flink und wendig im Backfield aus… ach, und einen habe ich noch. Der Noseguard (auch: Nose Tackle) heißt Godspower Offor. Godspower. Offor. Was für ein geiler Name.

Die Maryland Terrapins (Terrapin = Schildkröte) sind dagegen nach einem Jahr in schlichtweg bizarrer Ausrüstung und mit einer komplett kollabierten sportlichen Bilanz (auf 2-10) erstmal auf Wiedergutmachung aus. Head Coach Randy Edsall ist nach nur einem Jahr verhasst wie Furunkel im Intimbereich und steht bereits mächtig unter Zugzwang: Gleich mehrere Schlüsselspieler hauten in der Offseason ab und dann wurden auch noch beide Coordinators geschasst.

Schlechter – respektive: resignierter – ist die Stimmung nur noch bei den Boston College Eagles, wo das Präsidium bereits in den Modus der Verzweiflungsrhetorik geschaltet hat, inklusive gebetsmühlenartiger Lippenbekenntnisse zu HC Frank Spaziani. Was ist das Problem? Ich habe Verbindungen in den Studentenkörper von Boston College und was man so hört, ist es:

  1. Stillstand.
  2. Stillstand.
  3. Stillstand.

Jedes Jahr dieselbe Leier. 8-4 auf 8-4 auf 8-4 auf 8-4 Saison. Zwischendurch ein Ausreißer nach unten. Aber keiner nach oben. Man hat die Schnauze voll von den Sun Bowls und Belt Bowls und Music City Bowls dieser Erde. Nun ist der beste Abwehrspieler in LB Luke Kuechly in die NFL gegangen und der beste Offensivspieler in RB Montrel Harris zu Temple gewechselt, und im Angriff der vierte OffCoord in zwei Jahren (!) installiert – ob’s hilft?

Für deutsche Fans dürfte das Boston College aber auf alle Fälle sehenswert sein, weil dort mit DE Kasim Edebali (müsste ein 89er Jahrgang sein) ein Landsmann mitwirkt – Edebali ist Hamburger und seit 2007 in den Staaten. Wenn mich meine Game-Logs nicht täuschen, hat er letztes Jahr minimum zwei Starts gehabt.

Coastal Division

In der Paralleldivision “Coastal” gibt es diesmal keinen eindeutigen Favoriten. Das liegt in erster Linie daran, dass beim langjährigen Zugpferd, den Virginia Tech Hokies, viele Fragezeichen aufgetaucht sind: Drei Viertel der Offense müssen ersetzt werden, das Defensive Backfield ist ein Torso und der Schedule auch nicht ganz einfach.

Hoffnungsträger im Angriff sind der monströse QB Logan Thomas, dessen Einstandsjahr 2011 ganz ordentlich war – ein mobiler 2m-Hüne, gute Wurftechnik, insgesamt noch ausbaufähige Vorstellungen. Man hofft, dass der Head Coach Frank Beamer endlich seinen extremen Konservativismus aufgibt und um Thomas herum eine aufregendere Offense spielen lässt, aber wenn ich so lese, dass sich Beamer beim Gedanken an die neue Freshman-Granate, RB Michael Holmes, fast einen runterholt, bin ich da nicht so zuversichtlich…

Auf der anderen Seite kontern die Georgia Tech Yellow Jackets von Paul Johnson halt auch nur mit einer wenn auch ausgefallenen Triple-Option-Offense aus der Flexbone-Formation. Zugegeben: Das ist eine der spektakulärsten Mannschaften zum Einschalten an einem Donnerstagabend, wenn 80x/Spiel gelaufen wird, mit drei eingestreuten tiefen Bomben. Dumm ist da höchstens, dass mit WR Stephen Hill der möglicherweise entscheidende Mann mittlerweile NFL-Profi ist. Weil auch die Defense Fragezeichen hat, dürfte es als Überraschung zu werten sein, sollte Georgia Tech wirklich den Hokies Paroli bieten können.

Aber wer sonst? Die sympathischen Virginia Cavaliers waren mit ihrem 8-5 Record zuletzt schon heilfroh und verschwiegen wissend, dass der nur aufgrund einer 5-1 Bilanz in Spielen mit einem Score Differenz zustande gekommen war. Und in der Secondary muss der komplette Starting-Lineup ersetzt werden.

Die einstigen Giganten von der University of Miami, die Hurricanes („Canes“) sind nach dem großen Shapiro-Skandal (Kurzform: Booster/Fan spendierte den Spielern Geld, Autos und Nutten und packte Jahre später – 2011 – im Knast zwei Journalisten alles aus, was er auf der Seele hatte) in Erwartung richtig ernsthafter NCAA-Sanktionen. Der Head Coach Al Golden ist in der schwierigen Situation, eine Mannschaft für die Zukunft zu bauen, ohne zu wissen, wohin sie die oftmals unberechenbaren NCAA-Regelhüter überhaupt führen werden. Dazu kommt, dass Golden mit seinen undurchsichtigen persönlichen Verbindungen jetzt schon selbst ins Visier der Ermittler geraten ist.

Sportlich war das letztes Jahr gar nicht so übel: Eine 6-6 Siegbilanz mit einer 2-6 Bilanz in den engen Spielen zeigt: Miami ist keine Lichtjahre von der Spitze entfernt. Die Offense ist zwar brutal unerfahren, aber der RB Randy „Duke“ Johnson ist ein fantastisch explosiver Spieler, und in der Defense baut die bärenstarke Front-7 um den DE Anthony Chickillo, der in vier ESPNA-Übertragungen bei mir mit neun Datenbank-Nennungen aufschlägt – heißt: Der Mann ist auffällig. Schwierigkeiten soll die fehlende Tiefe bereiten, weswegen es essenziell sein könnte, dass S Ray-Ray Armstrong nach wochenlangem Gerichtsstreit mit der NCAA nun möglicherweise doch seine Spielberechtigung erstritten hat.

Die Duke Blue Devils dagegen sind mit Sicherheit kein Kandidat. Duke ist eine Basketballmacht und im Football schon froh, wenn sie vier Spiele pro Saison gewonnen haben. Und die North Carolina Tar Heels, die sportlich was auf dem Kasten hätten, sind wegen eines Booster-Skandals in diesem Jahr von der Bowl Season ausgeschlossen und spielen deshalb nur außer Konkurrenz mit. Trotzdem lohnt es sich, UNC zuzuschauen: Hier ist mit Larry Fedora ein neuer Head Coach am Werk, der zuletzt bei Southern Miss großartige Arbeit geleistet hat und auch eine durchaus unterhaltsame „Bend-but-don’t-break“-Defense hatte spielen lassen. Fedora ist aber primär offensivorientiert und sollte bei UNC mit QB Bryn Renner und RB Gio Bernard zwei Super-Athleten zum kreativen Arbeiten vorfinden.

College Football 2011/12 Preview: Atlantic Coast Conference (ACC)

FBS-Preview 2011/12, die Achte. Die Atlantic Coast Conference ist im Westen Osten (memo: die Atlantikküste befindet sich im OSTEN) der Staaten beheimatet, quer von Nord nach Süd, beginnend mit Massachusetts (Boston College) bis nach Südflorida (Miami). Trotz einiger ganz großer Namen ist nicht nur die Basketball-Abteilung, sondern vor allem die Football-Abteilung der ACC in den letzten Jahren immer durchwachsener geworden, obwohl sich im hochklassigen Highschool-Sport Floridas die Footballtalente schier auf die Füße treten.

(Für eine abgespeckte Variante bitte zu meinem Spox-Eintrag wechseln)

Atlantic Division – Seminoles vs. World

„Durchwachsen“ war jahrelang das Stichwort, das zu den Florida State Seminoles geführt hat. Seit dem unschönen Abgang von Headcoach-Legede Bobby Bowden ist in Tallahassee aber neuer Schwung eingekehrt, wofür vor allem ein Mann zuständig ist: Jimbo Fisher, jahrelang Bowdens Nachfolger in spe. Fishers Debütsaison 2010/11 war recht vielversprechend.

In der Offense ist mit dem hohen Draftpick Chris Ponder der Quarterback abhanden gekommen, doch so bizarr es klingt: Nachfolger E.J. Manuel, ein Ziehkind Fishers, könnte mit seiner Beweglichkeit gar die bessere Option für diese Offense sein – denn die RedZone-Offense war alles andere als überzeugend (Chick-fil-A Bowl!!).

Positiv für Manuel: Seine Erfahrung von mehreren Einsätzen für den verletzungsanfälligen Ponder, eine erfahrene Offensive Line und ein sehr breit aufgestelltes Laufspiel für verschiedenste Spielsituationen. Allenfalls der 120kg-Brecher fehlt. Ähnliches gilt für das Passspiel: Zwischen Sprintern und possession receivers ist alles dabei – inklusive Erfahrung.

Die Defense lebt in erster Linie von einem aggressiven Pass Rush, der angeführt wird von DE Brandon Jenkins, der 2010/11 aus dem Nichts zur absolut dominanten Waffe explodiert ist und im Winter in Richtung NFL abwandern könnte. Mit sehr guten Starter-Chancen ausgestattet ist DE Björn Werner. Deutsche Verpackung, deutscher Inhalt: Werner ist vor eineinhalb Jahren von den Berliner Adlern über Highschool-Umwege an die FSU gegangen, hat geheiratet und gilt als legitimer Starter.

Neben dem Quarterback zerreißen sich die meisten über die Secondary das Maul, was hauptsächlich an der phänomenalen Rekrutierungsarbeit in den letzten Jahren liegt. Das geht soweit, dass der massivst gehypte LaMarcus Joyner nur Free Safety spielen darf, da die Passdeckung vom aufstrebenden Pärchen CB Xavier Rhodes/Greg Reid gebildet wird. Reid ist nebenher ein brillanter Punt Returner.

Seit Mark Stoops (Bobs Bruder) die Seminoles-Defense coacht, hat diese Uni die Siebenmeilenstiefel in der Entwicklung angezogen, und das erschreckenste: Die meisten Athleten sind entweder noch zwei Jahre spielberechtigt oder aus dem nie versiegenden Talentepool von Floridas High Schools bald ersetzbar.

Die allermeisten sehen Florida State irgendwo in der Nähe des National Titles spielen, trotz des neuen Quarterbacks, und der Schedule hält außerhalb der schwachen ACC-Aufgaben nur zwei echte Prüfsteine bereit. Die haben es allerdings in sich: Woche 3 kommen die womöglich an #1 gerankten Oklahoma Sooners ins Stadion und zu Thanksgiving muss man zu den verhassten Florida Gators. Eine einzige Saisonniederlage könnte aufgrund der schwachen ACC schon zu wenig sein hinsichtlich BCS-Titelambitionen.

Und dann ist da noch jenes beklemmende Gefühl, wenn eine Mannschaft quasi per Reputation aus dem Nichts zum Titel-Kandidaten in der BCS gehypt wird. Ein erfolgreiches Ende einer solchen Mission wäre IMHO eine Weltneuheit.

Der Rest der Atlantic Division sieht sich in der Rolle des Spoilers für Florida State. Die Clemson Tigers zum Beispiel, ein Kultteam daheim in einer Kleinstadt in South Carolina. Stichwort Memorial Stadium, genannt Death Valley, gelegen in einem Tal mit Blick auf einen Friedhof. Clemson war jahrelang gecoacht von Terry Bowden, dem Sohnemann von FSUs Bobby, aber seit drei Jahren ist Dabo Swinney am Werk – und schon schwer unter Druck: Trotz schneller, spektakulärer Defense reißt man wenig, weil die Offensividentität pure Langeweile ist.

Swinney wird in dieser Saison auf die Trumpfkarten „No-Huddle-Offense“ (eine in der ACC kaum bekannte Offensivtaktik) und „Verjüngung“ setzen und kann dabei auf alle Fälle auf eine sensationelle Recruiting-Class verweisen: RB Mike Bellamy z.B. wird gehypt ohne Ende und soll sofort starten. Sollte Swinney gehen müssen – und eine weitere durchwachsene Saison ist angesichts des brutalen Schedule nicht ausgeschlossen – wird er auf alle Fälle einen großartigen Recruiting-Jahrgang hinterlassen.

Die kleine Uni Wake Forest ist unter dem sympathischen Coach Jim Grobe eine Wundertüte, mal ohne Ambitionen zu 8-5 und ACC-Champ, mal als Anwärter 3-9, wie 2010/11, weswegen in diesem Sommer die Erwartungen niedrig sind. Grobe setzt auf eine erfahrene Offense und auf guten Pass Rush in der Defense. Ob das gegen neun Gegner mit Bowl-Ambitionen reichen wird?

Beim innerstaatlichen Rivalen North Carolina State sind die Probleme hausgemacht: 2010/11 war überraschend positiv (9-4), aber in der Offseason schaltete der eigentlich erfahrene Head Coach Tom O’Brien den Selbstzerstörungsmodus ein und mobbte QB Russell Wilson ohne erkenntlichen Grund vom Campus. Nun muss ein unerfahrener Quarterback hinter einer rundumerneuerten Offense Line antreten – O’Brien wird jetzt schon wissen, welche Schlagzeilen ihm im Falle eines Kollapses drohen.

Auch 9-4 schafften die Maryland Terrapins und trotzdem musste der Stratege hinter dem kontinuierlichen Aufstieg der Terps gehen: Ralph Friedgen ist mittlerweile durch UConns Randy Edsall ersetzt. Edsalls Wechsel spricht für dessen Ambitionen: Hätte er dank Fiesta Bowl bei UConn einen gemütlichen Job bis ans Lebensende gehabt, wird das Leben in Maryland etwas turbulenter sein. Ich gehe davon aus, dass Edsall eine ähnlich lauforientierte Offense wie bei UConn spielen lassen wird, wobei der QB Danny O’Brien 2010/11 tolle Zahlen hingelegt hat: 2438yds, 22 TD, 8 INT, und das als Freshman.

Im hohen Norden der ACC kämpfen die Boston College Eagles im Land der Patriots um Aufmerksamkeit und es bestehen ernsthafte Zweifel, ob das Bostoner Urgestein Frank Spaziani sich als Head Coach eignet. Spaziani wird seine ultralangweilige Offense vorgehalten, so was wie die College-Version von Marty Ball – aber bei einem RB wie Montel Harris (über 3600yds in drei Jahren) und einem so unerfahrenen QB wie Chase Rettig sollte man so was nachsehen.

Boston Colleges große Stärke ist die Laufdefense mit LB Luke Kuechly, der sensationell gut sein soll und im Schnitt pro Spiel 14,1 Tackles macht. Über Kuechly schreibt der großartige Paul Myerberg folgendes:

Kuechly is a middle linebacker straight from central casting, a big, tall, tough, nasty, rough, gritty, unstoppable tackling machine – 183 of them a year ago, most in the F.B.S., after ranking second in the nation in that category as a freshman.

Allerdings müssen die Eagles einen verdammt ungünstigen Schedule spielen, inklusive der drei vermeintlichen Topteams aus der anderen Division.

Coastal Division – Hokies vs. World

Die sich da recht sinnfrei „Coastal Division“ nennt. Und während wir in der Atlantic-Version aus dem Süden in den Norden gefahren sind, drehen wir um und beginnen diesmal mit den Virginia Cavaliers, kein sportlicher Topfavorit, aber eine sympathische Uni mit viel Frischwind aus dem Trainerbüro. Head Coach Mike London ist seit 2010 am Werkeln und hat mit seinen drei Grundprinzipien einiges bewegt:

Go to class.
Show class.
Treat people with dignity and respect.

Das muss man bei 90-Mann-Kadern erstmal durchhalten. Das Substanziellste an Londons Arbeit bisher: Trotz 4-8 ist von Malaise nicht mehr viel zu spüren, da die Cavs vor Feuer glühen und sämtliche Gegner mit blauen Flecken aus dem Stadion prügeln. London hat auch trotz unterlegener Ressourcen bisher den Wettbewerb um die besten innerstaatlichen Talente gewonnen.

Und zwar gegen die Virginia Tech Hokies, kein schwacher Gegner auf diesem Gebiet. Die Hokies sind unter Head Coach Frank Beamer (im 25. Jahr in dieser Position) seit Jahren eine Konstante, fast immer irgendwo zwischen 10 und 20 in den verschiedenen Polls vertreten. Der ganze große Wurf ist noch nicht geglückt – und nun ist der Hauptgrund für die starke Mannschaft der Vorsaison weg: QB Tyrod Taylor. Der neue ist das sagenhaft gebaute Mischlingskind Logan Thomas (1,98m, 115kg), ein Mann mit einem Spielstil wie Cameron Newton. Die Defense zeichnet eine starke Front Seven mit großem Zug zum Quarterback aus. Potenzielles Plus im Rennen um das BCS-Endspiel: Ein recht lauwarmer Schedule… bis dann im ACC-Finale womöglich Florida State wartet?

Von Virginia nach Carolina, genauer gesagt: North Carolina, wo sich im Herzen des Bundesstaates vier Unis auf 50km Radius die Kante geben. Wake Forest/NC State aus der Atlantic Division, und dann die beiden Basketball-Universitäten in Durham (Duke) und Chapel Hill (UNC). Zwei verfeindete Unis wie Feuer und Wasser. Die  Duke Blue Devils sind im Football allerdings keine große Nummer, was sich an der Bilanz von Head coach David Cutcliffe ablesen lässt: 12-24 in drei Saisons – eine der besten Footballbilanzen in Dukes Geschichte. Kopfschmerzen macht die katastrophale Defense, während die Offense um den starken RB Desmond Scott über recht gute Bausteine verfügt.

Sehr viel ambitionierter ist das Footballprogramm der University of North Carolina Tar Heels aus Chapel Hill – die Hellblauen fallen Jahr für Jahr mit massiven Recruiting-Bestrebungen auf. So massiv, dass die seit Jahren kochenden Gerüchte um Bestechungsgelder zum Jüngsten Gericht führen könnten: Über UNC schwebt die Death Penalty, die Auflösung des Footballprogramms. Als erste Gegenmaßnahme wurde vor drei Wochen Chefcoach Butch Davis wegen zu großer Toleranz mit seinen korrupten Assistenzcoaches gegangen. Da auch am amerikanischen College die Hiobsbotschaften in Salamitaktik nach außen dringen, werden wir in schönen Abständen bald mehr erfahren – ich kann mir kaum vorstellen, dass die Turbulenzen die sportliche Bilanz nicht beeinträchtigen werden.

Dabei wäre Potenzial vorhanden (harhar, woher denn bloß?), vor allem in der Defense, wo der angehenden Superstar-DE Quinton Coples nach einer Saison als DT-Notnagel nun neben dem angehenden Superstar-DT Donta Moss-Paige für Rabatz sorgen wird. In der Offense sind die Top-Spieler noch höchst unkonstant. WR Dwight Jones fing 2010/11 946yds, die sich so verteilen: 233yds gegen Florida State, 198yds gegen Virginia, 121yds gegen Duke, 394yds gegen die restlichen neun Gegner. Der Schedule ist einfach, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass UNC es bis ins ACC-Finale schaffen kann.

Ihre ganz eigenen Erfahrungen mit NCAA-Auditoren haben die Georgia Tech Yellow Jackets jüngst gemacht (und dabei keine gute Figur abgegeben), doch man scheint mit einer vierjährigen Bewährungsstrafe und 100.000 Dollar Bußgeld und einem nachträglich aberkannten ACC-Titel davonzukommen.

Schlimmer für Headcoach Paul Johnson ist: QB Josh Nesbitts College-Karriere ist zu Ende. Wir sprechen hier von dem Quarterback schlechthin für Johnsons spektakuläre Triple-Option-Offense aus der Flexbone-Formation. Ersatzmann Tevin Washington war zulezt kein adäquater Ersatz und schon kriechen die Stänkerer wieder aus ihren Löchern und werfen Johnson die angeblich antiquierte und gegen schnelle Defense ineffiziente Option-Offense vor. Dabei sähe ich den größten Handlungsbedarf im Defensive Backfield, das reihenweise verbrannt wurde.

Das verblassende U

Und damit ganz tief in den Süden Floridas: Welcome to The U, Welcome to the Miami Hurricanes, dort, wo vor zwei Wochen einer der massivsten Korruptions-Skandale ever im College Football aufgedeckt wurde.

Mitten drin: Ein Booster, der durch Immobilienspekulation in jungen Jahren extrem reich geworden war, und sich mit Geld, Partys, Nutten und allerlei sonstiger Zuwendungen Hurricanes-Spieler als „Freunde“ kaufen wollte. Der Booster – Nevin Shapiro – sitzt mittlerweile seit Dezember wegen illegalem Pyramidensystemspiels („Ponzi“/Schneeballsystem) 20 Jahre im Knast.

Die Tragikomödie: Als Shapiro vergangenen Herbst in Schwierigkeiten geriet, rief er seine „Freunde“, NFL-Superstars wie Andre Johnson/Wilfork/Vilma/Konsorten, an und wunderte sich, dass diese überhaupt kein Interesse an möglichen Hilfestellungen zeigten. Tief enttäuscht packte Shapiro bei Yahoo! aus – den Canes drohen nun massivste Sanktionen, das Damoklesschwert death penalty ist nicht ganz ausgeschlossen.

Treppenwitz: Bei den jüngsten NCAA-Ermittlungen gegen USC war Paul Dee mit weit aufgerissener Klappe („Große Programmen müssen groß bestraft werden“) Chef-Ermittler. Paul Dee, der Direktor der Sport-Abteilung bei den Miami Hurricanes über all die Jahre, in denen Shapiro unbeaufsichtigt mit der halben Mannschaft ins Bett hüpfte.

Fraglich, wie sich die Mannschaft machen wird – immerhin sind mehrere aktuelle Spieler auch im Verdacht, mit Shapiro verbandelt gewesen zu sein. Und dann kommt noch der Fakt, dass die Mannschaft einen neuen Head Coach bekommen hat: Al Golden (aus Temple/Philadelphia gekommen), der den netten, aber glücklosen Randy Shannon, einen (zu?) sehr auf Kontrolle bedachten Schwarzen, ablöst – und für die Hurricanes ein Risiko ist: Golden gilt seit Ewigkeiten als Joe Paternos Nachfolger in Penn State – wenn Golden bei diesen Widrigkeiten halbwegs Erfolg haben wird und Paterno irgendwann in den nächsten 15 Jahren doch mal seinen Job niederlegt… who knows, Golden wird dann wohl weg sein.

Goldens Spezialität ist, Defenses aufzubauen. In Miami findet er eine statistisch hervorragende Mannschaft vor: #1 in der ACC in der Offense, #3 in der ACC in der Defense. Ein Mysterium, dass es nur zu sieben Siegen reichte – Shannons Schwächen im Clock Management waren allerdings legendär.

So findet Golden einen insgesamt höchst talentierten Kader vor, dessen größtes Fragezeichen aber ausgerechnet der Quarterback ist: Jacory Harris, ein Mann mit bei Zeiten fürchterlichen Aussetzern, der ganze Drives und Spiele im Alleingang kaputt machen kann. Harris kann sich mittlerweile seines Platzes nicht mal mehr so sicher sein: In der Hinterhand wartet mit Stephen Morris ein junger Mann. „Jung“, nicht „überzeugend“, ansonsten wäre Harris wohl schon lange abgesägt.

Knackpunkt für Golden neben den möglichen Sperren für die halbe Mannschaft: Weil nach dieser Saison haufenweise Seniors die Uni verlassen werden, müssen parallel zum Saisonablauf massivste Ressourcen ins Recruiting gesteckt werden – Zeit, die in der Entwicklung der Mannschaft fehlen könnte – und in den nächsten Jahren werden viele, sehr viele Stipendien von der NCAA gestrichen werden.

Nur noch vier Conferences übrig? Morgen im neunten Teil wird es nach schwere Rucksäcke voller Tradition geben.