Endspiel der Rugby-WM 2015: Neuseeland vs Australien | Wer wird Rekordweltmeister?

Eines der Highlights des Sportwochenendes ist das morgige Endspiel der Rugby-WM 2015 im Londoner Twickenham-Stadion. Es ist eine Finalpaarung aus der Südhemisphäre zwischen Neuseeland („All Blacks“) und Australien („Wallabies“). Die beiden zweifachen Titelträger spielen heute den Rekordweltmeister unter sich aus. Weiterlesen

Das orangene Fragezeichen: Niederlande – Australien | Gruppe B

Munteres Spielchen, das von seinen vielen Toren, weniger von der Qualität des Gebotenen lebte. Holland gewann 3:2 nach einem merkwürdigen Spielverlauf, aber es bleiben viele Fragen offen.

Holland hat bereits acht Treffer erzielt, erstaunlich für ein Team mit dieser Spielweise. Spielerisch ist das, was Holland mit seinem gewöhnungsbedürftigen 5-3-2 anbietet, ähnlich blass wie das aspetische 2010er-Team, das es ins Finale schaffte. Geregelter Spielaufbau findet eigentlich nicht statt, viele Bälle werden einfach lang über das Mittelfeld hinweg nach vorne gedroschen, wo die famosen Robben und Van Persie schon was damit machen. Weniger Van Gaal geht für ein Team nicht, das ausgerechnet von Van Gaal gecoacht und eingestellt wird. Wenn dann ein Sneijder auch noch einen gebrauchten Tag erwischt – wie heute – sieht das rein qualitativ schonmal zum Davonlaufen aus.

Wie schießt Holland also seine Tore? Dreierlei: Mit Einzelaktionen, mit Tormannfehlern, mit Stellungsfehlern beim Gegner. OK, viele Mannschaften machen ihre Tore so, aber du kannst im Prinzip jeden der niederländischen Treffer 2014 bisher so einordnen.

Beim 1:0 rennt der Sprinter Robben seinem geistig abwesenden Gegenspieler auf und davon und muss froh sein, den Eigensinn per Treffer belohnt zu bekommen. Beim 2:2 hilft der Verteidiger am rechten unteren Bildrand mit seinen wenig motivierten zwei Schritten nach hinten um die Abseitsfalle aufzuheben – aber trotzdem clever gespielt und trocken abgeschlossen. Beim 3:2 war’s der Tormann.

Es geht mir ähnlich wie nach dem Spanien-Spiel: Holland zeigt bisher zu wenig Variabilität. Heute zeigte Holland sogar noch zu wenig Initiative. Ist es klug, so kraftsparend zu spielen? Vielleicht. Aber wer sagt uns, dass Holland mit seiner unerfahrenen Abwehr und mit seinen Holzhackern im Mittelfeld überhaupt jemals wird mehr anbieten können?

Zu den Australiern: Ehrenwerte Vorstellung. Die Socceroos sind spielerisch natürlich limitiert, aber man wirft viel Einsatz in die Waagschale und schaffte es nun zum zweiten Mal mit relativ einfachen Mitteln, einen scheinbar klar überlegenen Gegner in Bedrängnis zu bringen. Dieser olle Cahill da ganz vorn drin hat zwar einen an der Waffel, sich seinen Arm so zu zerstören, springt aber mit seinen 1,78m in die Sphären eines Cannavaro, und machte beim 1:1 per Direktabnahme eines der Tore des Turniers. Australien wird mit höchster Wahrscheinlichkeit ausscheiden (sollte Spanien hernach nicht gewinnen, ist man raus), aber man scheidet mit erhobenem Kopf aus.

Zum Elfmeter: Typische Situation. Die Armbewegung ist „natürlich“. Der Mensch ist in dieser Bewegung nicht so veranlagt, dass er beide Hände angelegt haben kann. Er kann auch nicht beide Arme nach vorne schmeißen. Es ist eine natürliche Bewegung, aber die Hand blockiert logisch die Flugbahn des Balles – entscheidend, und vom Rumpf des Körpers abgewiesen. Scheiß-Situation. Ein Schiri pfeift Elfer, der andere nicht. Ein Amateur-Ref, der mit mir schaute, meinte, er hätte den Elfer nicht gegeben. Das Ärgernis liegt hier in der in der unklaren Regelauslegung – da sind die Verbände gefragt, eine einheitlichere Lösung zu finden.

WM-Caipirinha 2014: Chile – Australien | Gruppe B

Wirbelwind von Chile in der ersten Halbzeit, die die bislang beste des Turniers war – allerdings nur gegen ein phlegmatisches Australien, das einen fast zufälligen Anschlusstreffer brauchte, um sich ins Spiel zu carven. Eine der Erkenntnisse des Spiels war: Chile kann verdammt überzeugend sein. Chile trat in einem nominell 4-3-3 ähnlichen System auf, mit einem Mittelfeld, das fast in zwei Kategorien einzuteilen ist: Den Ausputzer #21 Diaz, und die vorgeschalteten Aranguiz und #8 Vidal (der nur eine Stunde konnte). Im Sturm war es das von allen erwartete Bild: Von den Flügeln drangen #7 Alexis sowie #11 Vargas rein, während der zentrale #10 Valdivia weniger einen klassischen Mittelstürmer gab, dafür aber immer wieder aus der Tiefe reinstieß. Auf der anderen Seite waren die Außenverteidiger Isla und Mena so offensiv, dass man das System auch eine Art 2-1-4-1-2 taufen kann – Mena und Isla waren häufiger auf Augenhöhe mit einem Vidal als man es als Gegner haben möchte und drängten die australischen Flügelspieler immer ganz tief hinten rein.

Beeindruckend war die Kohärenz im Team in der ersten Halbzeit: Dank extrem hoher Laufbereitschaft und guter Antizipation gab es fast immer minimum zwei, drei Anspielstationen. Folgerichtig war das Spiel auch schnell „entschieden“: Wunderbare Kombination zum 1:0, toller Fernschuss zum 2:0.

Chile war bis zum Anschluss aus dem Nichts locker Herr der Sache, aber danach ließ das Pensum doch stark nach. Australien kämpfte sich ins Spiel rein, konnte natürlich nicht spielerisch überzeugen, dafür ist man zu limitiert, aber man kam zu Chancen und vor allem: Man zwang Chiles Trainerstab zu kleineren taktischen Spielereien um wieder Schwung in die Offense zu bringen. Ein Valdivia wurde zum Beispiel nicht positionsgetreu ausgewechselt.

Am Ende gewann Chile dank Treffer in der Nachspielzeit 3:1. Es hätte mit ein wenig besserer australischer Effizienz in der zweiten Halbzeit auch ein 2:2 werden können, aber das wäre ehrlicherweise nicht verdient gewesen. Australien schlug sich mit seinen Mitteln achtbar, aber Chile schlug sich großteils überzeugend. Ich freue mich wie weiland Weinhamster auf Chile vs Spanien am Mittwoch, 21h MESZ.