CFL 2012 – Recap Week 2

(Vorsicht: Nachdem ESPN America noch nicht alle Spiele gezeigt hat, könnte der Artikel für manchen die Ergebnisse des Wochenendes spoilern)

Die bisherige CFL-Saison ist die Show der Returnspieler mit ihren auffällig vielen langen Returns. Das Gesetz der Serie besagt, dass sich der Trend nicht allzu lange fortsetzen wird, aber immerhin: Die Special Teams sorgen bisher für Wirbel und richtig, richtig ansehnliche Partien mit vielen Punkten in den ersten zwei Wochen CFL 2012.

Toronto Argonauts – Calgary Stampeders 39-36

Ich mag ja die Heimspiele der Toronto Argonauts nicht wirklich… Diese brutal tiefe Kameraposition, diese Anonymität durch die meterhohen Werbebanden hinter der Seitenlinie, und wenn die Kamera dann mal in die blauen Ränge schwenkt meist gähnende Leere auf den Tribünen. Aber dieses Spiel war dann doch Spektakel. Toronto war im Prinzip die über weite Strecken bessere Mannschaft mit der runder wirkenden Offence, während Calgary nach dem Ausfall vom Stamm-QB Tate im ersten Viertel Probleme hatte. QB Glenn erwies sich als nicht allerpräzisester Werfer unter der Sonne und neigte vor allem unter Druck dazu, die Eier die entscheidenden 15cm zu hoch für die Catches zu werfen. Toronto dominierte, erzwang mit seiner Defence auch die Turnovers, blieb aber immer und immer wieder tief in der gegnerischen Platzhälfte stecken und war zum Fieldgoalschießen gezwungen. Extravagant wurde es eingangs des Schlussviertels, als K Prefontaine ein Fieldgoal aus der Mitteldistanz (ca. 35yds) links neben den Pfosten setzte und #2 Larry Taylor das Ei in der eigenen EndZone aufnahm. Gefühlte zweieinhalb Stunden Slalomlauf und 125yds später hatte Taylor den Ball zum Ausgleichs-TD (29-29) zurückgetragen.

Was folgte, war fantastischer Football, von beiden Seiten mit viel Herz und zittrigen Knien gespielt. Fehler sind nicht selten die Grundlage für ein spektakuläres Spiel, und dieses war ein extrem spektakuläres. Zwei Plays nach dem Ausgleich warf Torontos QB Ricky Ray mit einer verteidigenden Klette am Wurfarm eine INT direkt in die Arme eines Abwehrspielers. Die durchaus mögliche Challange wurde von Torontos unerfahrenem, weil jungem, HeadCoach Scott Milanovich verschlafen, aber direkt im nächsten Play der zurückeroberte Ball nach einem Fumble des Calgary-QB Glenn. Toronto an der 10. Gegessene Sache?

Nope. Ein harter Hit an der GoalLine gegen den extra eingewechselten „Goal Line QB“ #12 Jackson und Turnover on Downs. Unter dem Eindruck von vieeeeeeeel Adrenalin zwei Plays später: QB Glenn noch beim Ausrichten seiner Receiver zu seiner Linken, und dann wird an der eigenen 5yds-Line der Ball zu früh gesnappt – Fumble und pures Glück, dass das kullernde Ei nicht vom Gegner aufgenommen wurde.

Toronto antwortete mit einem souveränen Drive, abgeschlossen von QB Ray mit einem famosen, gefühlvollen „Heber“ am Biergarten hinter der Seitenlinie vorbei in die EndZone, wo sich der Rookie #11 Inman mächtig streckte und artistisch die 36-29 Führung herbeicatchte. Vorbei war noch lange nix. 1:30 vor Schluss Punt für die Argonauts und erneut PR #2 Larry Taylor, diesmal 64yds in die Redzone, und ein Pass später der Ausgleich. Am Ende wurde K Prefontaine trotzdem zum Held, mit seinem sechsten Field Goal im achten Versuch an diesem Tag, mit auslaufender Uhr zum Sieg für Toronto.

Die Argonauts 2012 sind eine sehr gute Mannschaft. Die größten Schwachpunkte sind in der RedZone zu finden, aber immerhin: Sie gelangen bis dorthin, und zwar in fast jedem Drive. Die Stamps dagegen werden nun um ihren Stamm-QB Tate bangen. Es sah nach Schulterverletzung aus und es sah nicht danach aus, als könnte Tate schon kommendes Wochenende wieder zum Einsatz kommen.

Saskatchewan Roughriders – Edmonton Eskimos 17-1

Ein über weite Strecken unansehnliches Spiel von beiden Offenses, aber geprägt von einer feurigen Rider-Defense. Edmontons QB Jyles sah hinter einer schwachen Protection der Eskimos kein Land und war meist schon am Boden, bevor er überhaupt seinen Hals nach einem offenen Mann ausstrecken konnte. Aber Jyles ist auch nicht der Mann, der aus Nix was Produktives machen kann. Am vergangenen Freitag hatte ich spekuliert, wie lange es brauchen würde, bis Jyles gebencht wird. Antwort: Eineinhalb Spiele. In der zweiten Halbzeit kam der alte Mann, QB Kerry Joseph (ehemaliger Safety der Seattle Seahakws und als QB Greycup-Champ mit Saskatchewan), brachte letzten Endes aber auch nicht viel mehr zustande. Die Roughriders waren in der Offense allerdings auch recht blutleer und QB Durant mit vielen sehr ungenauen Würfen. So kam die Entscheidung erst im Schlussviertel mit zehn Punkten für Saskatchewan.

Montreal Alouettes – Winnipeg Blue Bombers 41-30

Für beide Teams war es eine Steigerung gegenüber der ersten Woche. Montreals Offence bestand primär aus dem SB Whittaker (98yds Rushing, 137yds Receiving, 3 TD), während bei Winnipeg insbesondere der gescholtene, weit verletzungsanfällig QB Buck Pierce einen Aufwärtstrend erkennen ließ und keinen Scramble scheute. Am Ende setzte sich die reifere Mannschaft durch.

BC Lions – Hamilton Tiger-Cats 39-36

Ein Spiel der Serien: Erst fuhr BC über die Ticats drüber und führte schon 33-14, dann kam Hamilton zurück und wäre das Spiel noch zwei Minuten länger gegangen, BC hätte das glatt noch verloren. Hamilton galt nach vielen teuren Einkäufen als großes Versprechen für dieses Jahr, und im Gegensatz zur insgesamt enttäuschenden Vorstellung gegen Saskatchewan war das diesmal eine vergleichsweise bombenstarke Leistung. Die Defence würgte BC mit ihrem Super-QB Lulay komplett ab (Lulay mit keinen 50% Completion Rate), war allerdings weich wie warme Butter gegen den Lauf (serienweise 10yds-Runs für BC). Im Angriff sahen wir einen deutlich sicherer wirkenden QB Henry Burris und das eine oder andere Big Play. Insgesamt wirkten beide Teams auf Augenhöhe.

Noch nicht allzu aussagekräftige Zwischenstände in den Tabellen:

Osten

Toronto  1-1
Montreal 1-1
Winnipeg 0-2
Hamilton 0-2

Westen

Saskatchewan 2-0
BC Lions 2-0
Edmonton 1-1
Calgary 1-1

CFL 2012 nach dem Canada Day – Der Westen

Nach dem Osten am gestrigen Donnerstag heute der Blick auf die West-Division, nicht ohne einen Verweis auf die heutige Liveübertragung bei ESPN America: BC Lions gegen die Hamilton Tigers (Fr/Sa 6./7.7. um 4h). In der Nacht von Samstag auf Sonntag (7./8.7. um 5h) wird es ein Tape von Montreal – Winnipeg geben, am Sonntag, 10h30 ein Tape von Toronto – Calgary. Und damit wir den kompletten Schwung vom kommenden Wochenende abgearbeitet hätten, folgt am Donnerstag, 20h Saskatchewan – Edmonton als ESPNA-Tape. Lieber in tabellarischer Form? Bitte:

Fr/Sa 7./ 8.7.  04h   LIVE BC Lions - Hamilton
Sa/So 8./ 9.7.  05h   Tape Montreal - Winnipeg
So        9.7.  10h30 Tape Toronto - Calgary
Do       12.7.  20h   LIVE Saskatchewan - Edmonton

Und damit zur Vorstellung der Western Division, jener Division, die man eigentlich deutlich schwächer als den Osten eingeschätzt hatte, der aber am Kickoff-Wochenende vier von vier Partien holte – will noch nicht viel heißen, war aber mal ne Ansage.

Saskatchewan Roughriders

Die Saskatchewan Roughriders sind das möglicherweise populärste CFL-Team, die Green Bay Packers des Nordens, weil sie als einzige CFL-Franchise wie das Pendant aus Wisconsin noch ihren Fans gehören. Ein eigenartig sympathischer Verein, mit einem frenetischen Publikum („Rider Nation“) auf zwei riesigen Haupttribünen im Heimstation, bis zur Trikotüberholung zur Saison 2012 in einem Outfit aus den 80ern (des 18ten Jahrhunderts) angetreten – allein, diese wunderschönen weißen Helme vom Eröffnungsspiel scheinen in Zukunft wieder bloß zu besonderen Anlässen getragen zu werden.

Besondere Anlässe gab es in der ewigen Historie der über 100 Jahre alten Roughriders, des gesamtem Stolzes dieses Bundesstaates, nur wenige: Nur drei Grey Cups wurden gewonnen, aber seit 2007 war man dreimal im Endspiel (ein Sieg). 2011 waren die Riders aber wieder Divisionsschlusslicht mit 5-13 Saisonsiegen und zwei Trainerwechseln.

Zur neuen Saison steht mit Corey Chamblin ein junger, schwarzer neuer Head Coach in den Startlöchern, und Chamblin machte sich gleich unbeliebt, als er die Fans von zwei Trainingssessionen aussperrte – ein Unding in einer Liga, die mit dem Slogan „This is Our League“ wirbt und ein Team, das noch immer den Fans gehört.

Es war nicht Chamblins einziger Move: Der populäre, weil kanadische, WR Andy Fantuz wurde gen Hamilton ziehen gelassen und die Offensive Line wurde komplett umgebaut. Auf der Habenseite holte man sich mit DE Odell Willis vom Erzfeind Winnipeg („Banjo Bowl“) einen gefährlichen Mann. „Gefährlich“ auf dem Feld, aber eben auch im Nachtleben. Willis soll einen lendenlahmen Passrush verstärken.

In der Offense setzt Chamblin weiterhin auf den markanten QB Darian Durant. Nicht gebaut wie ein prototypischer Quarterback (Österreicher würden sagen „a Bröckerl“), besitzt Durant eine Granate von Wurfarm und scheut vor keinem Scramble zurück, ist aber anfällig gegen hirnlose Würfe in Doppeldeckungen und an schlechten Tagen (wie so häufig 2011) gut für eine Handvoll Interceptions. Durants #1-Waffe wird der ehemalige Superbowl-Champ WR Sinorice Moss (ex-Giants) sein, ein Mann, der in Kanada noch nicht allzu viele Leute überzeugt hat.

Edmonton Eskimos

Die Fragezeichen in Edmonton richteten sich vor dem Saisonstart auf die QB-Position, wo mit Ricky Ray der langjährige Franchise-QB und Grey-Cup MVP für Draftpicks und den durchschnittlichen QB Steve Jyles verhökert wurde. Der schlechten Stimmung arbeitete am letzten Wochenende dann just ein Heimsieg über Rays neues Team, die Argonauts, entgegen, und GM Eric Tillman ist vorerst aus dem Schneider.

Jyles ist ein double threat mit viel „double“ und mäßig viel „threat“, und könnte mit dem ehemaligen Superstar-QB Kerry Joseph im Nacken schneller als erwartet in alte Verhaltensmuster zurückfallen und Fumbles und INTs produzieren. Jyles wird dazu der Erfahrung nach Hilfe der aufgejazzten Wide Receivers und der Defence brauchen.

Calgary Stampeders

In Calgary ist mit John Hufnagel ein alter Bekannter aus der NFL am Kommandostand (Gm und Head Coach in Personalunion). Hufnagel hatte gemischte NFL-Aufenthalte, gilt in Kanada allerdings als Koryphäe, ist mit Calgary jedes Jahr einer der Topfavoriten, und gilt als durchaus mutiger Coach (u.a. den 1st round pick 2012 sofort nach der Einstellung wieder entlassen).

2011 sägte Hufnagel den populären QB Henry Burris – immerhin ein Grey Cup Sieger unter Hufnagel 2008 – ab und übergab an den jungen Drew Tate, der prompt einschlug und kaum Anpassungsschwierigkeiten zeigte. Tate (spielte am College in Iowa) hat einen beliebten, weil sehr kanadisch, geprägten WR-Corp zur Verfügung. Fragezeichen hinterlässt allerdings die Defence, deren Pass Rush nicht überzeugend ist.

BC Lions

Der Titelverteidiger. 2011 war eine famose Saison von Seiten der BC Lions aus Vancouver, die sich von einem bodenlosen Saisonstart (0-5 mit vier Niederlagen innerhalb eines Scores) nicht verrückt machen ließen, das Schicksal drehten und am Ende neun von zehn Spielen zum Playoffeinzug inklusive „Heimsieg“ im Grey Cup gewannen.

Als Konsequenz trat der italokanadische Chefcoach Pasquale „Wally“ Buono nach dem Finale zurück und konzentriert sich nun nach neun Jahren Doppelfunktion auf seinen Posten als General Manager. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Sportlich auf dem Thron abmarschiert und nun mit dem neu renovierten „BC Place“ ein fantastisches neues Heimstadion am Start.

Mit Mike Benevides ist nun Buonos Lieblingsschüler neuer Cheftrainer und unter Benevides wird selbige Erfolgsstrategie wie in den letzten Jahren fortgefahren: Passspiel, Passspiel, Passspiel. Im vergangenen Sommer schoss QB Travis Lulay aus dem Nichts hervor und sorgte mit ästhetisch wunderschönem Spiel für offene Mäuler. Lulays Top-Waffe ist der steinalte WR Geroy Simon, seit vergangenem Wochenende der „Jerry Rice der CFL“ als neuer ewiger Bester der Yards-Liste.

In der Defense riskierte man den Abgang einiger Schlüsselspieler gen NFL, konnte sich am Ende aber relativ schadlos halten (nur LB Elimimian ging nach Minnesota) und erreichte das erklärte Ziel, das Defensive Backfield physisch zu verbessern (1cm mehr Durchschnittsgröße, 2kg mehr Hüftspeck).