So wird das College Football Playoff in groben Zügen aussehen

Der College Football startet mit der anstehenden Saison bekanntlich in eine neue Ära, in der das neue College Football Playoff-System die umstrittene BCS (“Bowl Championship Series”) nach über 15 Jahren ablöst. Künftig wird dem Endspiel ein Halbfinale zum Jahreswechsel vorgeschaltet. Wir müssen also die Rahmenbedingungen abstecken: Worum geht es in diesem neuen System der Ermittlung des Landesmeisters? Weiterlesen

BCS-Championship 2013/14: #1 Florida State Seminoles – #2 Auburn Tigers live

Ich mache jetzt hier oben zu, damit niemand gespoilert wird, der sich das Spiel noch ansehen möchte. Wer es nicht gesehen hat, sollte es sich anschauen. Es war ein grandioses Endspiel. Hinter der Klick gibt es den Liveblog. Weiterlesen

BCS National Championship 2014 Preview: #1 Florida State Seminoles – #2 Auburn Tigers

Heute Nacht, ab 02h30 (live bei SPORT1 US und im ESPN-Player), findet in der altehrwürdigen Rose Bowl Schüssel in Pasadena (Kalifornien) das letzte BCS National Championship Game ever statt (ab nächstem Jahr: Playoffs, Baby!). Die Ansetzung hat einen gewissen Charme: #1 Florida State Seminoles (13,0 ACC-Champ) vs #2 Auburn Tigers (12-1, SEC-Champ). Sie hat Charme, weil sie relativ unerwartet kommt und sich relativ „neu“ anfühlt.

Es ist für einmal nicht das Duell SEC gegen Pac-12, oder Big 12, oder SEC gegen SEC oder SEC gegen Notre Dame. Die Auburn Tigers kommen zwar aus der alles dominierenden Conference der letzten Jahre, der SEC, und standen zuletzt vor erst drei Jahren im Endspiel (und gewannen), aber das nahm man damals wie heute als eine Art „New York Giants Freak-Lauf“ wahr. Auburns Final-Run diesmal kommt ebenso überraschend.

Dazwischen lagen zwei horrende Jahre für diese Uni, inklusive des Total-Absturzes 2012. In der Folge wurde bei Auburn reiner Tisch gemacht, der Meistercoach von 2010 Gene Chizik entlassen, und mit Gus Malzahn der OffCoord des damaligen Meisterteams als Head Coach zurückgeholt und installiert. Malzahn steht für spread-run option Offense im Angriff, und mit solchem walzte sich seine Mannschaft erst unauffällig, dann als dark horse, dann als „Team of Destiny“ durch die Saison. Im November verbündeten sich die Tigers dann mit Schutzengeln gegen Georgia, und als sei das nicht genug auch noch in der einmaligen, einzigartigen Iron Bowl 2013 gegen die damalige #1 Alabama:

Florida State ist ein anderes Kaliber. Die Seminoles waren in den 80er und 90er Jahren eine absolute Macht im College-Football, aufgebaut von der Trainerlegende Bobby Bowden, aber mit Bowdens zunehmender Vergreisung in den 2000ern versank auch FSU immer weiter im Mittelmaß. Seit 2007 wurde Bowden der dynamische, junge OffCoord Jimbo Fisher als Headcoach in spe zur Seite gestellt, aber Bowden weigerte sich jahrelang beharrlich, seinen Rücktritt einzureichen. So kam es vor vier Jahren zu einer relativ abrupten, offiziell mit „Rücktritt“ überschriebenen Hinauskomplimentierung des Bobby Bowden, und Fisher übernahm das Zepter in Tallahassee.

In Fishers ersten Amtsjahren standen die Noles jahrelang für das Eine: Große Erwartungen, große Enttäuschungen. Nicht, dass FSU eine schwache Mannschaft gestellt hätte, nein, es war vielmehr das Problem „die PS nicht ganz auf den Boden bekommen“: Ein oder zwei Spiele wurden stets verloren. Bis heuer.

Chris B. Brown hat bei Grantland.com einen schönen Artikel geschrieben darüber, wie Jimbo Fisher in den vier Jahren am Ruder die Florida State Seminoles wieder zu einer großen landesweiten Macht gebaut hat:

Darin schildert er die Denke des Jimbo Fisher, der einst als Schüler Nick Sabans dessen Ideen weitergesponnen hat: Recruiting ist wichtig. Hole dir die besten Athleten, und du wirst gewinnen. Fisher als Offensivgeist verfolgt dabei die eher unkonventionelle Methode, in erster Linie Abwehrspieler an die Uni zu holen, im Vertrauen darauf, dass er die Offense mit seinem Coaching hinbiegen wird. Mit wenigen Ausnahmen: Drei bis vier Super-Athleten braucht Fisher für seine Offense. Das ist die Alabama-Methode, und diese Alabama-Methode darf heute nicht gegen das echte Alabama das Endspiel bestreiten, sondern gegen dessen Erzfeind, Auburn.

Florida State Seminoles 2013/14

Alle zur Verfügung stehenden Metriken legen den Schluss nahe, dass wir es bei den Seminoles 2013 mit der vielleicht dominantesten Mannschaft der letzten Jahre zu tun haben, den mehrfachen Titelträger Alabama eingeschlossen. Der Schedule von Florida State ist als ACC-Uni zwar nicht der allerheftigste, aber FSU dominierte ihn deutlich: Der durchschnittliche der 13 Siege beträgt 42 Punkte. Zweiundvierzig. Und es wäre nicht so, dass man gegen eine Sunbelt Conference gespielt hätte.

Das Gesicht, der Superstar, ist der Freshman-QB #5 Jameis Winston, aktueller Gewinner der Heisman-Trophy trotz undurchsichtigen Vergewaltigungsanschuldigungen. Winston stieß letztes Frühjahr schwer gehypt zur Mannschaft, und alle glaubten, er könne dem Buzz nicht standhalten – eine eigentlich „logische“ Annahme. Aber dann passierte, was niemand erwartet hatte, und Winston übertrumpfte die Erwartungen. Er pulverisierte sämtliche Rekorde. Würde Winston in den Draft gehen, er wäre der #1-Pick. Er wirkt für einen 19jährigen Frischling sehr reif, mit seiner Granate von Wurfarm auch mächtig als Waffe für ein tiefes Spiel.

FSUs Offense ist aber nicht bloß Winston. Das RB-Trio Wilder/Freeman/Williams (zusammen 36.5 Rushes/Spiel für 5.7yds/Carry) und der WR/TE-Corp um die künftigen NFL-Picks Benjamin/Shaw/Green/O’Leary (Benjamin/Shaw jeweils mit „nur“ um die 50 Catches für um die 950yds) bürgen für große Tiefe im Kader und dürften gegen die Auburn-Defense durchaus den einen oder anderen Touchdown auf das Tablett bringen.

Die Noles-Defense verlor in den letzten Jahren etliche 1st und 2nd-Round Draftpicks in die NFL (DE Björn Werner, DE Carradine, CB Rhodes…), und gehört diesmal dennoch wieder zu den besten im Lande. Der herausragende Spieler ist DB #20 Lamarcus Joyner, der für manche NFL-Scouts zu klein gewachsen ist um es in der NFL zu schaffen, aber wer Joyner am College spielen sieht, dem dürften die Augen aufgehen.

Das schwierige an der FSU-Defense: Die Schwachstelle ist nicht eindeutig ausfindig zu machen. Nach Advanced-Metrics wie FEI oder S&P von Football Outsiders ist man die #3 in Standard-Downs (z.B. 1st-und-10), die #6 in Pass-Downs (also 2nd/8 oder 3rd/5 oder 4th/5 und schlimmer), und die #5 in Laufspiel-Downs.

Auburn Tigers 2013/14

Eines hat Florida State dieses Jahr aber noch nicht gesehen: Ein Laufspiel wie jenes von Auburn. Die Tigers haben keine Scheu, ihr von Gus Malzahn kreiertes und weiterentwickeltes spread option Offense-System eiskalt durchzuziehen. Sie laufen im Schnitt 52x pro Partie und erzielen pro Lauf 6.5yds. Geworfen wird bei Auburn nur 20x/Spiel. Auch hier liefert Chris B. Brown bei Grantland die hervorragende inhaltliche Tiefe hinter dem Design der Tigers-Defense:

The backbone of Auburn’s current rushing attack has been an amped-up version of the zone-read, which gives Marshall as many as four options: (1) throw a receiver screen, (2) hand it to Mason, (3) keep the ball, or (4) keep the ball and then toss it to a receiver who can sit in an open area of the defense if the man covering him comes up for the run — a form of the quadruple-option.

Quelle: The Making of a Modern-Day Guru (Chris Brown).

Malzahn gilt als einer der markantesten Offensiv-Köpfe Amerikas, schon lange vor seiner Zeit bei Auburn. Man kann sich das wirklich mal gut durchlesen, wenn man weitergehend am American Football interessiert ist. Malzahn ist im Gegensatz zu Jimbo Fisher (Fokus auf Recruiting und perfekte Umsetzung) mehr der Bastler, der sich über sein Offense-Scheme definiert.

Der Motor der Offense ist RB #21 Tre Mason (283 Rushes, 1621yds, 22 TD), ein wendiger, quicker Back, den man allzu lange unterschätzte. Aber der Star ist trotzdem ein anderer: QB #14 Nick Marshall, letztes Jahr noch ein Defensive Back im Kader, der nur aufgrund der akuten QB-Not umgeschult wurde, und heuer als gemachter Mann dasteht: Marshall erlief über 1000yds, und machte 1700 Pass-Yards, und vor allem: Vermeidet die großen Böcke.

Durch die Bank ist Auburn eine eindimensionale Offense: Man ist nach selbiger S&P-Metrik die #3 in Rushing-Downs, aber wenn es mal eng wird und man zum Werfen gezwungen wird, ist man „nur“ die #21 nach Effizienz. Okay, Auburn läuft im Zweifelsfall auch im 3rd-und-10, aber wie erfolgreich das gegen eine der besten Defenses der Saison ist, steht auf einem anderen Blatt.

Auburns Abwehr ist der andere Knackpunkt: Wie gut ist diese Defense wirklich? Sie wurde zuletzt von einem ersatzgeschwächten Georgia und von Mizzou platt gemacht, und auch Alabama klopfte in besagter Iron Bowl immer und immer wieder in der RedZone an. Allein, Auburn konnte mit mehreren Stands antworten.

Wie klar ist Florida State favorisiert?

SRS sagt: „Mit 12.5 Punkten“. Das wäre eine heftigst klare Favoritenstellung pro Seminoles. Die Wettbüros eröffneten ihre Lines bei runden 8.5 Punkten. Wie man es dreht und wendet, alle sehen Florida State vorn. Diese Mannschaft sieht zu dominant, zu komplett aus, als dass man sie gegen ein Auburn verlieren sieht, ein Auburn, das dieses Jahr gleich mehrmals das Schicksal anrufen musste, um überhaupt hierhin zu kommen.

So oder so kann man ein unterhaltsames Spielchen erhoffen: Florida State scheut sich nicht, auch spektakuläre Plays auszupacken, und schon allein dieser unbeschwert aufspielende QB Winston ist immer einen Blick wert. Im Gegensatz ist Auburns Offense-System qua Design ein Hingucker.

Florida State als klarer Favorit, aber Spaziergang dürfte es keiner werden.

Akademische Vierstelstunde 2013, #15: Die Bowl Season steht

Letzer Recap der College-Football Regular Season 2013 vor den Prüfungssessionen („Bowl Season“), und es war noch einmal ein würdiges Wochenende. Talking-Points heute sind die letzten Entscheidungen, kurzer Heisman-Ausblick, BCS-Buster, letztes BCS-Ranking und der Spielplan für die Bowl-Season 2013/14. Der Reihe nach. Weiterlesen

SEC-Finale 2013: #3 Auburn Tigers – #5 Mizzou Tigers

[02h07] In wenigen Minuten wird das ACC-Finale #1 FSU – #20 Duke angepfiffen, und wenige Minuten darauf beginnt das Big Ten Finale #2 Ohio State vs #10 Michigan State.

[02h06] Endstand #3 Auburn Tigers 59, #5 Missouri Tigers 42. Jo. Keine zwei Jahre ist es her, da hat das Volk aus dem Süden die Midlands und West Coast für solche Ergebnisse als Pussys abgetan.

[02h03] Muss ich noch einmal protokollieren, dass ich extrem viele Sympathien für die Missouri Tigers entwickelt habe? Mizzou wird das SEC-Endspiel verlieren, aber die Jungs von Gary Pinkel haben trotzdem ein super-Jahr gespielt. Die Defense ist besser als sie es heute gezeigt hat, aber das Spiel hat sich entwickelt wie es war, und es hatte niemand auf niemanden mehr Zugriff.

Mizzou wird fast sicher kein alljährlicher Contender in der SEC, dafür fehlen einfach die Ressourcen, aber es reicht vielleicht hin und wieder für eine gute Geschichte wie eben dieses Jahr. Einen neuen Fan hat diese Mannschaft dieses Jahr gewonnen.

Zu schade, dass Missouri nun wohl nicht einmal einen „at-large“ Platz in der BCS bekommen wird, da der zweite SEC-Platz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ab Alabama gehen wird (Orange Bowl? oder… oder… Iron Bowl reloaded in der Sugar Bowl?)

[01h59] Hut ab vor den Auburn Tigers, die wirklich eine erstklassige Naturgewalt an Spread-Run Option Offense aufbringen, das von einer mittlerweile gebrochenen Mizzou-Defense nicht mehr in den Griff zu kriegen ist.

Hut ab vor Gus Malzahn, den Architekten des 2010er-BCS Teams, der zurückkehrte und den Scherbenhaufen, den Gene Chizik hinterließ, aufräumte. Die Auburn-Offense würde ich gern gegen FSU sehen. Was ist sie wert? Sie sah gegen die starken Defenses wie Alabama oder LSU recht „normal“ aus, aber wer sieht gegen die schon sensationell aus?

Hut ab vor Malzahn auch wegen seines Muts. Onside Kick ausgespielt, 4th-Down ausgespielt. Die Defense ist natürlich nicht wirklich National Title Kaliber, aber nun gut…

Team of Destiny 2013 wird nun dafür sorgen, dass Ohio State sein B1G-Finale abschenkt, oder?

[01h54] Auburn 59, Mizzou 42/Q4 4:22. 15yds-Lauf Tre Mason. Die Entscheidung: 4th-Down und 1, quicker Pass für WR #15 Green-Beckham, aber incomplete. Der Verteidiger: Chris freaking Davis, der schon letzte Woche das Spiel gegen Alabama entschied. Auburn mit RB Mason übernimmt und Mason schlägt den Sargnagel ein.

[01h51] Im ESPN-Player ist eben das Pac-12 Finale #7 Stanford @ #11 Arizona State gestartet.

[01h50] Punt auch für Auburn. Punt geht an die 3yds Line. Sechseinhalb Minuten to go. Mizzou braucht nun einen TD, oder die Partie ist de facto vorbei.

Selbst wenn: Das völlig unnötig verschwendete Timeout von eingangs Q3 wird dann fehlen.

[01h41] Sack gegen Franklin und Mizzou muss tief aus der eigenen RedZone heraus punten. 49yds-Punt, aber Auburn hat nun 10min vor Ende den ersten Matchball.

[01h33] Auburn 52, Mizzou 42/Q4 11:09. 0.5yds-Sneak für RB Mason. Das sieht natürlich wie die tödliche Führung aus – und vielleicht ist sie das – aber wenn Auburn s’nächste Mal nur ein Field Goal macht…

[01h25] Während wir hier auf ein Big-12 kompatibles Endresultat hinstreben (Punkterekord für SEC-Finals wurde schon gebrochen), ist in der „echten“ Big 12 die Entscheidung gefallen: Baylor kanterte Texas in der zweiten Halbzeit nieder, gewinnt 30-10 und fährt in die Fiesta Bowl, wo allerdings wohl „nur“ UCF warten wird.

Drittes Viertel

[01h22] Ende Q3. Wahnsinniges Spiel, das nun nur noch aus Big-Plays auf beiden Seiten besteht. Auburn hatte nach dem TD nur neun Sekunden im Q3 auf der Uhr, aber das langte für einen weiteren 43yder in die Mizzou-Platzhälfte. Auburn ist damit bei 493 Rush-Yards in 60 Versuchen (8.2 YPC).

[01h18] Auburn 45, Mizzou 42/Q3 0:09. Das Kätzchen zuckt noch: 5yds-TD plus 2pts-Conversion jeweils mit QB-Draws für #1 Franklin. Schlüssel-Play war ein 65yds-Lauf für RB #20 Henry Josey, der eine monströse Lücke nutzte. Josey wurde von S #19 White gen Seitenlinie getrieben und 3yds aus dem Spielfeld in vollem Lauf in den Transportwagen geschubst und schlug voll mit dem Kreuz ein. Ein Play, wäre Suh der Übeltäter gewesen, er wäre zirka eineinhalb Jahre aus dem Verkehr gezogen worden.

[01h14] Auburn 45, Mizzou 34/Q3 0:31. 15yds-TD der Abrissbirne #44 Curtis-Paine. Oregon-artiger Speed von Auburn nun zwischen und nach den Snaps, und es geht immer downhill über die Line drüber. Selbst im Wege stehende Refs sind keine Hinternisse mehr und Missouri wird komplett überrollt. Fast 500 Lauf-Yards von Auburn.

[01h11] Eine relativ klare Fehlentscheidung der Refs im 3rd-Down und 8 kostet Mizzou einen Drive: Anstelle von 3rd-und-3 kriegt Mizzou ein Phantom-False Start angehängt, und hat bei 3rd-und-13 klarerweise keine Chance.

[01h06] Auburn 38, Mizzou 34/Q3 3:21. Counterpunch. 1yds-Lauf für RB #20 Grant. RB Mason killt Missouri weiterhin auf alle erdenklichen Weisen, humpelt dann aber müde und leicht angeschlagen runter. Missouri lässt zum dritten Mal en suite einen DE-Position offen, und exakt dann – als es eigentlich vorhersehbar ist ohne Mason im Line-Up – behält QB Marshall den Ball und kommt an die 1 durch; von dort staubt Grant ab.

[01h00] Auburn 31, Mizzou 34/Q3 5:35. 10yds-Pass für den komplett allein gelassenen RB #6 Murphy. Gewaltiger Mizzou-Drive nun: Erst macht „DBG“ per intelligentem Lauf den großen Raumgewinn, dann hat Franklin in RedZone-Nähe wenig Probleme, Auburn zu zerlegen: WR #21 Sasser war meterweit offen, danach Murphy.

[00h57] Oha, die SEC-Hauskommentatoren Lundqvist/Danielson sorgen für garantierten Ärger, indem sie zugeben „es wäre unfair, wenn wir ein one loss SEC-Team einem ungeschlagenen ACC/Big Ten Team vorzögen“.

Das ist bei Danielson eine völlig neue Sichtweise. Ich staune.

[00h53] Auburn 31, Mizzou 27/Q3 8:22. Missouri spielt nun noch enger an der Line of Scrimmage und stopf die Löcher quasi mit einer „Fünf-Mann-Line“ oder „Sechs-Mann-Line“. Das ist keine klassische Box mehr, sondern alle Mann direkt vor der Offense Line. Auburn versucht es trotzdem über die Mitte – und scheitert. Am Ende muss ein tolles 53yds FG herhalten.

[00h46] Es geht nur ein 1st-Down weit, danach muss nach drei Incompletions (eine in jede Himmelsrichtung) wieder der Punt her. Auburn wird nach kurzem Return von #11 Davis in Mittelliniennähe beginnen.

[00h39] Auburn stoppt sich prinzipiell selbst: Erst ein 12-Mann Hudlle mit 5yds Raumstrafe bestraft, und dann stolpert RB Mason als wäre er tatsächlich in der ersten Halbzeit komplett ermüdet. Dann folgt der Punt an die MIZ-6yds Line.

[00h33] Mizzou muss schon nach eineinhalb Minuten im dritten Viertel ein Timeout ziehen, weil die Defense nicht die richtige Aufstellung durchgesagt bekam. Das kann sich in einem engen Spiel noch bitterböse rächen.

[00h25] Das dauert lange dieses Jahr, bis die SEC mit ihrer zweiten Halbzeit raus kommt. Andere Jahre hatten wir um halb eins MEZ schon die ersten Drives im Q3 ausgespielt.

Zweites Viertel

[00h05] Halbzeit Auburn Tigers 28, Missouri Tigers 27.

Spannendes und sehr gutklassiges SEC-Endspiel, das die hohen Erwartungen auf andere Weise erfüllt als man geglaubt hatte. 55 Punkte in einem SEC-Endspiel? Ok, aber zur Pause?? Das ist doch reichlich eigenartig.

Bei Missouri ist es bedenklich, wie man diese vielen und langen Läufe nicht in den Griff kriegt. RB Mason ist ein Superspieler, aber so einfach wie das für ihn geht, hat er 100 von den 190yds ohne einen Schweißtropfen gemacht.

Immerhin hat Mizzou zuletzt besseren Zugriff auf die gelegentlich eingestreuten Giftpfeile in Form von Marshall-Pässen bekommen. Auburn muss sich fragen, wieso man nur mit einem Punkt führt.

Auf der anderen Seite: Auch Missouris Angriff macht ein sehr, sehr gutes Spiel, ist vielleicht noch variabler und breiter aufgestellt. Aber es sieht halt immer noch dominanter aus, wenn eine Mannschaft über eine andere drüberläuft, als wenn sie 50/50 Pass spielt.

Müsste ich jetzt tippen, würde ich sagen, dass Auburn zumindest die besseren Eindrücke hinterlassen hat und nur wegen der Turnovers nicht deutlicher führt.

[23h59] Auburn 28, Mizzou 27/Q2 0:18. Lupenreiner Anschluss für Missouri: QB Franklin 55yds für den über weite Strecken im zweiten Viertel mit Schulterverletzung draußen sitzenden WR #15 Dorial Green-Beckham. Das war nun aber ein überzeugender Mizzou-Drive: 6 Plays, 92yds und grad noch vor der Pause gescort.

[23h50] Mizzous Offense und Trainerstab mit einer unglücklichen Punt-Entscheidungim 4th-und-1 (generell die Situation nicht allzu gut gehandelt), aber immerhin: Direkt im Anschluss an den starken Punt verteidigt die Defense zwei Screen-Plays gut und zwingt Auburn mehrere Yards für Raumverlust auf. Erstmals seit gefühlten Ewigkeiten kein Score für Auburns Offense.

[23h34] Auburn 28, Mizzou 20/Q2 6:26. 3yds-Run für RB #21 Mason, dessen großer Big-Play schon direkt davor kam (52yds). Mizzou wird da irgendwas dagegen anstellen müssen, denn Mason kannst du nicht weiterhin 21 Carries für 189yds und 2 TD (9.0 YPC) geben.

[23h32] Baylor vs Texas ist übrigens 3-3 in die Halbzeit gegangen. Ein Abwehrfestival in einem eiskalten Stadion, in dem offenbar beide Offenses eingefroren sind.

[23h29] Auburn 21, Mizzou 20/Q2 7:19. Stilistisch nix Neues von Mizzou. Sie bewegen den Ball auch relativ einfach, auch unter Mithilfe von Strafen gegen Auburn, um dann in der RedZone das 36yds-FG nehmen zu müssen.

[23h22] Auburn 21, Mizzou 17/Q2 10:25. 7yds-Lauf für RB #21 Tre Mason. Erneut so ein unaufgeregter, langer Drive, 8 Plays, 75yds. Missouri kriegt einfach zu wenig Zugriff. Wenn es langt, dann war es bisher immer sofort ein Turnover, aber darauf kannst du dich nicht verlassen.

[23h13] Auburn 14, Mizzou 17/Q2 13:11. Dann kommt auch der Fehler von Auburn – und er ist teurer: Marshall mit dem dritten Fumble des Tages (wieder von DE #47 Ealy freigeschlagen), und CB #31 Gaines returniert 11yds zum TD in die EndZone.

[23h07] Kaum gelobt, wirft Franklin zur Freude von CBS eine Interception: CB #9 Whitehead fährt unter den zu kurz geworfenen Ball und macht die INT in der RedZone.

Erstes Viertel

[23h03] Ende von Q1 in einem äußerst unterhaltsamen Footballspiel: Auburn ist die gefühlt etwas bessere Mannschaft. Man ist physischer, und man führt die Run-Option Plays konsequent aus – mit zwei Kritikpunkten allerdings: Fumbles. Für den ersten konnte Marshall nix, aber der zweite geht auf seine Kappe. Beide Male gab es keine Punkte für Auburn. Darüber hinaus aber saubere Auburn-Leistung: Marshall musste erst 2x werfen: 2x complete für Coates, 92yds, TD. Es waren die Big-Plays, die Bill Connelly angesprochen hat.

Missouri ist einen Tick weniger überzeugend, aber die Unterschiede sind marginal. QB Franklin hat wenig Zeit, improvisiert aber gut und hatte einige sehenswerte Plays. Man probiert bei Mizzou mehr, Lauf und kurze wie lange Pässe durchzumischen.

[22h56] Der mutige Call bleibt ohne Konsequenz, weil QB Marshall den Ball fumbelt und dadurch aus einem aussichtsreichen Drive ein langes Field Goal wird, das der Auburn-Kicker aus über 50yds volle Pulle daneben schießt.

[22h50] Eier! Auburns Coach Malzahn sagt wie schon letzte Woche einen Onside-Kick an, und der gelingt! Auburn bleibt also im Ballbesitz.

[22h48] Auburn 14, Mizzou 10/Q1 4:09. Das Offensivspektakel geht weiter: Mizzou erst nicht in der Lage, einen Screenpass für #18 Coates plus seinen 54yds-Lauf danach zu stoppen, und dann kann QB #14 Marshall bei einem einfachen Option-Spielzug in die Endzone traben – 9yds und untouched. Die Wiederholung zeigt dann auch, warum: Auburn hat das sehr souverän gemacht, und alle haben das gleiche gelesen.

[22h44] Die CBS-Crew Lundqvist/Danielson ist auch sehr neutral drauf: Die Tonlage bei Auburn- und Mizzou-TDs hat unverkennbar zwei Aggregatzustände, und dann echauffiert sich Danielson wegen einer kaum bemerkbaren Ballbewegung beim Mizzou-TD eben.

[22h41] Auburn 7, Mizzou 10/Q1 5:40. Prachtvoller 28yds-TD Pass von QB #1 Franklin für WR #15 Dorial Green-Beckham, der seinen halben Meter Größenvorteil gegen den CB #6 Mincey nutzt. Super gelesen von Franklin, dass der Safety beim ersten Playaction-Fake anbiss und sich dahinter das 1-vs-1 aufmachte, bei dem es nur einen Sieger geben konnte.

[22h33] Auburn 7, Mizzou 3/Q1 8:22. Malzahn greift zum ersten Mal in die Trickkiste: QB #14 Nick Marshall versteckt sich mit dem Ball im Backfield, lässt einen heranrauschenden Linebacker aussteigen und geht tief: WR #18 Coates (machte letzte Woche den Ausgleich gegen Alabama) klaubt den Pass sehenswert in der EndZone zum 38yds TD herunter.

[22h23] Auburn 0, Mizzou 3/Q1 10:50. 41yds-FG, nachdem Missouris Offense sogar fast einen TD verschenkt hat, weil QB #1 Franklin einen Pass warf für eine Route, die der WR nicht gelaufen war.

[22h18] Erster Paukenschlag in Atlanta: Mizzou-DT #47 Kony Ealy schlägt Auburns QB #14 Nick Marshall von der „Blind-Side“ den Ball aus der Hand, und ein Mizzou-DL erobert den Ball. Missouri wird damit gleich in exzellenter Feldposition beginnen.

[22h12] Aus der Conference USA: Die kleinen Rice Owls haben ihren ersten Conference-Titel seit fünfeinhalb Jahrzehnten geholt: 41-24 Endspiel-Demontage von Marshall.

[22h03] Auburn gegen Mizzou… nochmal: Im Sommer hatte ich Auburns als „Totalschaden“ und völlig chancenlos bezeichnet; Missouri hatte ich als etwas besser, aber ebenso aussichtslos auf höhere Ehren gesehen. Beide hatte ich nichtmal annähernd mit „BCS-Ranking“ oder „SEC-Endspiel“ in Kontext gesetzt.

[21h56] SPORT1 US ist angeblich vorhin beim Bedlam-Derby eine Minute zu früh ohne Erklärung raus gegangen um eine Konserve von gestern zu zeigen. Pfeifen.

[21h53] Die Punkte, die Bill Connelly in seiner Vorschau anspricht:

  • Es wird viel Laufspiel von Auburn über die Spielfeldmitte gehen. Das ist ein „Stärke gegen Stärke“ Matchup.
  • Obwohl beide Offenses relativ viel „kleinwichsen“, entstehen die Scores meistens dann, wenn es 1-2 Big-Plays im Drive gibt. Mehr als 8-10 Plays bringt keine Offense hintereinander zustande.
  • Mizzou hat fast keine Offense-Spielzüge für Raumverlust, aber Auburns Front-7 gehört zu den besten Units an der Line of Scrimmage.
  • Was wird in den 3rd-und-5 Downs passieren? Laufspiel ist zu erwarten, aber beide Coaches werden die eine oder andere Überraschung auffahren.
  • Missouri ist verletzungsgeplagt, Auburn sehr unerfahren.
  • Hidden Champ: Es kann sein, dass eines der beiden Teams eingeht. Beide sind nicht überaus tief besetzt. Aber keine Ahnung, wer es sein wird.

Bill Connelly ist mein Lieblings-Analyst im College-Football. Er ist auch ein ehemaliger Student der University of Missouri.

[21h37] Liveblogging vom SEC-Finale 2013, #3 Auburn Tigers vs #5 Missouri Tigers. Zum Spiel habe ich schon am Vormittag eine Einleitung nebst kurzer Einschätzung geschrieben. Kickoff ist 22h. Es ist der erste Teil der BCS-Trilogie, die heute Nacht ab 2h mit ACC-Finale (#1 FSU) und B1G-Finale (#2 Ohio State) fortgesetzt wird.

In der Big 12 Conference ist eben die Conference-Entscheidung vertagt worden: #17 Oklahoma schlug #6 Oklahoma State in deren Stadion nach dramatischer Schlussphase mit 33-24 (Schlussphase habe ich in den Kommentaren getickert). Der Underdog Oklahoma spielte wie ein Underdog spielen sollte: Risikoreich, drei 4th-Down ausgespielt, darauf geschissen, dass der Starting-QB vor der Halbzeit verletzt runter musste. Etwas Glück für Oklahoma bei einem Puntreturn-TD und einer haarscharf nicht gegebenen INT gegen die Cowboys, aber: Ich habs am Morgen schon angekündigt: Die Sooners scheinen gegen Oklahoma State immer eine Nummer größer zu spielen als im restlichen Saisonverlauf.

Damit gibt es nun parallel zum SEC-Finale auch die Entscheidung in der Big 12 Conference: #9 Baylor gegen #25 Texas Longhorns aus Waco/TX. Der Sieger spielt in der Fiesta Bowl. Baylor könnte aber als Verlierer des Spiels u.U. noch eine „At-large“ Einladung kriegen, ist aber eher unwahrscheinlich.

College-Football 2013/14, Week 15 Preview: Finale Furioso?

Wir wären um ein Haar auf ein unspektakuläres Saisonende hingesteuert, aber das Thanksgiving-Wochenende hat nicht enttäuscht und mit einigen bizarren Ergebnissen das Feld bereitet für einen letzten Samstag, der es in sich hat. Heute rege ich mich nichtmal darüber auf, dass es keine SEC in Deutschland gibt, denn in England gibt es sie. Aber der Reihe nach, heute etwas ausführlicher als gewohnt. Weiterlesen

Die Akademische Viertelstunde, Week 14: Das unvergessliche Thanksgiving-Wochenende im Rückspiegel

korsakoff hat gestern schon das absolute Highlight des Thanksgiving-Wochenendes aufgearbeitet, den Iron Bowl 2013 zwischen Auburn und Alabama, aber es war auch andernorts viel los an diesem vorletzten Spieltag der Regular Season, einem der besten und spannendsten aller Zeiten, wie es hier alle zu formulieren pflegen. Akademische Viertelstunde zum vorletzten Mal in einem Herbst, in dem am Ende doch alles anders gekommen ist wie man es erwarten durfte. Das war eh klar, denn wir sprechen immer noch über College Football. Weiterlesen

Rivalry-Weekend Preview 2013

Der College-Samstag nach Thanksgiving ist für gewöhnlich einer der spektakulärsten des Jahres: Dutzende klassische Rivalrys werden ausgespielt, und weil gleichzeitig die meisten Entscheidungen oder Vorentscheidungen in den Conferences und National-Rankings fallen, ist eigentlich immer Action bis in die frühen Morgenstunden angesagt.

Iron Bowl 2013: Alabama Crimson Tide – Auburn Tigers

Sportlich wie kulturell ist die Iron Bowl dieses Wochenende das unbestrittene Top-Matchup: #1 Alabama (11-0) gegen #4 Auburn (10-1) entscheidet über den Einzug in das SEC-Finale. Für Alabama geht es zusätzlich natürlich um den höchstmöglichen Preis, die Qualifikation für das BCS-Endspiel, für die man dieses Jahr wohl ungeschlagen durchkommen muss (Auburns Chancen darauf sind eher gering).

Dass es in der Iron Bowl dieses Jahr um so viel geht, gießt nur zusätzliches Öl ins Feuer, das in dieser Rivalität brennt. Alabama gegen Auburn, das ist vielleicht die heftigste Rivalität des College-Football, zwei Provinzstädte im Bundesstaat Alabama gegeneinander. Die Rivalität zwischen Alabama-Tuscaloosa und Auburn ist so heftig, dass in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zwischenzeitlich vier Jahrzehnte lang nicht gegeneinander gespielt wurde – wegen einem läppischen Streit zwischen zwei Studentengruppen. Erst per kommissionellem Einschreiten der Staatsregierung in Alabama wurde das Spiel 1948 nach vier Jahrzehnten wieder eingeführt.

Iron Bowl – der Name rührt nicht von den eisenharten Defensivschlachten, sondern vom einstigen Austragungsort der Partie Crimson Tide vs Tigers: Birmingham/Alabama, die Stadt, die zu jener Zeit ungefährliches neutrales Feld bot und bekannt war für ihre Stahl- und Eisenindustrie. Erst seit Ende der 80er spielt Auburn die Rivalry zuhause, erst seit Ende der 90er spielt Alabama zuhause. Über die weitere Bedeutung habe ich vor drei Jahren schonmal ein paar Absätze zur näheren Erläuterung geschrieben (nach dem einleitenden BCS-Teil).

Das war damals wenige Tage vor dem Spiel der Spiele, Iron Bowl 2010, eine Partie, die mein Herz zerbrach und bereits vor dem Schreckgespenst „Kyle Brotzman“ alle BCS-Titelträume der Boise State Broncos zerbrach. Cam Newton, ich liebe dich, aber ich hasse dich auf ewig für jenes Spiel.

Für Alabama ist es – wir kehren zurück in die Gegenwart – die Chance, auch mal Schlagzeilen zu produzieren: Die Crimson-Jungs von Nick Saban lavieren sich dieses Jahr souverän, aber völlig unspektakulär durch die Saison. Das größte Spiel im September wurde in einem Shootout gegen Texas A&M gewonnen, ehe man im November auch mit LSU kaum Probleme hatte. Alabama 2013 ist nicht mehr so gut wie die Ausgaben von 2011 oder 2012, dafür im Gegensatz zu den Vorgängerversionen ungeschlagen. Man ist wandlungsfähiger geworden: Die Defense ist nicht mehr die Unit, die alles und jeden plättet, zumindest hatte sie dieses Jahr das eine oder andere schlampige Spiel (plus wurde von Manziel überrollt); dafür ist die Offense variantenreicher geworden. QB A.J. McCarron hat durchaus das Potenzial, einen Gegner auf mehr als einem Standardrepertoire von drei Pass-Routen zu schlagen, und bei den Runningbacks gibt es Talente ohne Ende.

Auburn dagegen ist die Sensation des Jahres. Im Sommer hatte ich diese Jungs als „SEC-Bodensatz“ eingestuft, und ihnen nicht den Hauch einer Chance gegeben. Ich kann weiterhin verteidigen, warum: So okay das Recruiting in Auburn die letzten Jahre war, so katastrophal spielten die Tigers in den letzten beiden Jahren. Z.B. wurden sie vor exakt einem Jahr von – eben – Alabama 49-0 geplättet, und das Ergebnis spiegelte nicht im Ansatz die wahren Kräfteverhältnisse wider. Der Coach seither wurde ausgetauscht, aber ich habe nicht erwartet, dass Gus Malzahn so schnell den Turnaround schaffen würde.

Klar, Auburn hatte Glück (s. Verzweiflungspass gegen Georgia), aber sie bestechen dieses Jahr auch durch flüssige Offense und durch die Bank diszipliniertes Spiel. Sie sind eine legitime Spitzenmannschaft, und das macht aus Malzahn IMHO den Coach des Jahres.

So. Leider ist das Spiel als SEC-Topspiel der Woche (des Jahres?) mal wieder Teil des CBS-Pakets, und damit außerhalb allem, was man über offiziellen Weg bei SPORT1 US oder im ESPN-Player hierzulande empfangen kann. (Ich würde ja niemals raten, woanders nach Bewegtbildern zu suchen). Auf alle Fälle: Obwohl Auburn so überraschend stark ist, ist Alabama klarer Favorit, die Partie zu gewinnen, zumal zuhause. SRS favorisiert Bama mit 10 Punkten, eine „Advanced“-Version (Rausrechnen der Gurkengegner aus der FBS und FCS) gar mit 14.

Sendepläne

Es sind die Spieltage, an denen man sich ESPN America zurückwünscht. Bei SPORT1 US kocht Schmalshans Küchenmeister:

18h    Michigan - #3 Ohio State
21h30  Georgia Tech - Georgia

Nachts gibt es nur NBA-Basketball. EUROSPORT 2 mit dem Tape von Indiana – Purdue ab 23h.

Im ESPN-Player werden voraussichtlich folgende FBS-Spiele angeboten:

  • 18h: #2 FSU-Florida, Michigan-#3 Ohio State, UNC-#24 Duke, UConn-Rutgers, Memphis-Temple
  • 18h21: Vanderbilt-Wake Forest
  • 18h30: NC State-Maryland
  • 20h: Colorado State-Air Force, Georgia State-South Alabama,
  • 21h30: TCU-#9 Baylor, #15 Wisconsin-Penn State, Georgia Tech-Georgia, New Mexico State-Idaho, Syracuse-Boston College, Virginia-Virginia Tech
  • 22h: Western Kentucky-Arkansas State
  • 1h: #10 South Carolina-#6 Clemson, Kentucky-Tennessee, ULL-ULM
  • 1h45: #5 Mizzou-#21 Texas A&M
  • 2h: #23 USC-#22 UCLA
  • 4h15: Boise State-New Mexico
  • 4h30: UNLV-San Diego State

Streifzug durch die Klassiker

The Game (18h, SPORT1 US und ESPN-Player) – Besonders einfallsreich waren die Ohio State Buckeyes (11-0) und die Michigan Wolverines (7-4) bei der Benennung ihres alljährlichen Superklassikers nicht, aber das soll uns nicht stören. The Game ist das größte Spiel der Big Ten Conference, die alljährliche Auseinandersetzung zwischen den über die Jahrzehnte dominierenden Unis der Big Ten. Das Spiel ist seit jeher der Abschluss der Regular Season um die Großen Seen und entschied häufig darüber, wer denn nun in die Rose Bowl einziehen würde. Dieses Jahr entscheidet es prinzipiell nicht mehr viel: #3 Ohio State ist bereits für das Big-Ten Finale qualifiziert und braucht schon gewaltige Ausrutscher von Alabama oder FSU, um noch durch die Hintertür ins BCS-Finale zu gelangen, während Michigan sich schwer enttäuschend durchs Jahr kämpft. Ohio State ist ungeschlagen und hat in der nunmehr fast zweijährigen Ägide unter Headcoach Urban Meyer noch kein einziges Spiel verloren, und trotzdem nimmt niemand die Buckeyes wahr. So geht es dir, wenn du erst eine Bowl-Sperre absitzen musst (2012) und dann einen windelweichen Schedule in einer mittelmäßigen Conference (Big Ten 2013) spielst. Ich halte Ohio State nicht für die drittbeste Mannschaft des Landes, aber Top-10 Material sind sie allemal; das SRS sieht die Buckeyes mit ihren Offensivstars QB Braxton Miller und RB Carlos Hyde mittlerweile als #6 im Lande.


Sunshine Showdown (18h, ESPN-Player) – Florida Gators gegen #2 Florida State Seminoles (11-0), keine jahrhundertealte Tradition, aber aufgrund der bestialischen Duelle in den 90ern, in denen fast jedesmal der Landesmeistertitel auf dem Spiel stand, gehört Florida-FSU zu den anerkannt größten Rivalitäten der Staaten. FSU scheint heuer endgültig von den Toten auferstanden zu sein und ist zwei (machbare) Siege vom BCS-Endspiel entfernt.

Florida (4-7) blamierte sich letzten Samstag bis auf die Knochen und kassierte gegen den FCS-Zwerg Georgia Southern (!) im eigenen Stadion (!!) eine 26-20 Pleite (!!!) und das noch nichtmal im typischen „Underdog-Modus“: Keine Zillionen Turnovers und fünf Return-TDs für Georgia Southern, ja noch nichtmal ein einziger komplettierter Pass für die Zwerge (sic!) sondern schlicht 400 Rush-Yards und physische Demonstration. Wer noch daran zweifelte, ob Head Coach Will Muschamp die Saison überleben würde, bekam eine klare Antwort.

Jetzt also in FSU das vermeintlich beste Team des Landes. Bei FSU ist es aufgrund des Wirbels um den wegen sexueller Belästigung (oder Vergewaltigung) am Pranger stehenden QBs Jameis Winston alles andere als ruhig, aber die Noles waren dieses Jahr so dominant, dass Florida den größten Leistungssprung aller Zeiten innerhalb einer Woche braucht, um hier nicht unterzugehen. Oder war Georgia Southern ein Täuschungsmanöver? Verleiht das Lokalderby magische Kräfte? Erleben wir die Sensation des Jahres? Wer sich traut zu wetten, ist mutig.


Clean, Old Fashionated Hate (21h30, SPORT1 US und ESPN-Player) – Das Duell zwischen den beiden größten Footballprogrammen in Georgia: Die University of Georgia aus Athens gegen die Georgia Tech University aus Atlanta. Beide erleben eine enttäuschende Saison, wobei Georgia (7-4), oft dokumentiert, insbesondere durch eine üble Verletzungsmisere runter gezogen wurde. Man hat bereits vier Niederlagen auf dem Konto; ein Sieg über Georgia Tech und seine bildhübsche triple option offense aus der Flexbone-Formation (das Werk des Head Coaches Paul Johnson) würde die Saison wenigstens emotional retten. Allerdings muss man auf den langjährigen QB Aaron Murray verzichten, der sich letzte Woche das Kreuzband riss und nicht mehr für Georgia auflaufen wird.


#10 South Carolina – #6 Clemson (1h) – Für South Carolina (9-2) geht es außer der Ehre um nix mehr, aber Clemson (10-1) kann mit einem überzeugenden Sieg (oder auch nur „mit einem Sieg“) eine hervorragende Ausgangsposition schaffen, um als „at-large“ Kandidat für die BCS-Bowls gehandelt zu werden: Clemson als 11-1 Team wäre eine logische „at-large“ Wahl für die Orange Bowl-Veranstalter (sofern FSU das BCS-Finale erreicht).


Stanford Cardinal vs Notre Dame Fighting Irish (1h, nur für Trüffelschweine) – Zwei der besten akademischen Bildungsanstalten der Vereinigten Staaten in einer Rivalry, die möglicherweise nicht mehr ewig Bestand haben wird, da Notre Dame sich der ACC annähert und immer weniger Platz im Schedule findet. Im Spiel selbst geht es eigentlich nur um die Goldene Ananas: Stanford (9-2) ist aus dem National Title-Rennen, aber zumindest fix für das Pac-12 Finale nächsten Freitag qualifiziert; Notre Dame (8-3) huscht unsichtbar durch die Saison und ist darauf bedacht, nur nirgends mehr Manti Teo-like anzuecken.


#23 USC vs #22 UCLA (2h, ESPN-Player) – das Stadtderby von Los Angeles ist sportlich nicht mehr allzu relevant, außer man findet es spannend, sich über die Mehr- oder Minderwertigkeit von Sun Bowls und Las Vegas Bowls zu unterhalten. Vielmehr geht es im Duell zweier enttäuschter Unis um die Ehre bzw. für Southern Cal (8-3) auch darum, sich baldigst zu entscheiden, welche Richtung man auf der semivakanten Headcoach-Position einschlagen will: Einen Starcoach oder geht man tatsächlich zur Überraschung aller mit Interimslösung Ed Orgeron in die Zukunft (ich würde nicht drauf wetten).

Die anderen relevanten Spiele von heute

North Carolina vs #24 Duke (18h, ESPN-Player) – Duke kann mit Auswärtssieg beim großen Feindbild UNC seinen Platz im ACC-Finale sichern. Aber aufgepasst: So groß der Name Duke (9-2) ist, so klein ist das Footballprogramm, und auch der SRS ist nur irgendwo drunten im Mittelfeld angesiedelt. Leichter Favorit ist UNC (6-5).


TCU – #9 Baylor (21h30, ESPN-Player) – die Neuauflage eines der fünf besten Footballspiele, die ich in meinem Leben je gesehen habe: TCU-Baylor zum Season-Opener 2011, mit dem Coming-Out des damals noch unbekannten Robert Griffin III. Es war das Spiel der Spiele. Diesmal sind die Vorzeichen klar: TCU ist mit 4-7 und einer Orgie an Verletzungen komplett abgekackt und ohne Chance auf die Bowl-Season, während Baylor eine phänomenale Saison spielt, allerdings letzte Woche einen herben Dämpfer erlitt: 17-49 bei Oklahoma State. Baylor (9-1) hat noch Chancen, die Big 12 zu gewinnen und die Fiesta Bowl zu erreichen, muss dabei aber dringend heute und nächste Woche gegen Texas gewinnen, und dann noch auf eine Niederlage von Oklahoma State nächste Woche hoffen.


#5 Missouri vs #21 Texas A&M (1h45, ESPN-Player) – es ist das Duell zwischen den beiden 2012 in die SEC aufgenommenen Unis. Texas A&M war 2012 das sexy-Baby, mit der Rampensau QB Johnny Manziel als Heisman-Sieger und „Face of the University“; dieses Jahr ist es umgekehrt: Gary Pinkels Mizzou Tigers rocken die Liga und haben heute mit einem Heimsieg über die Aggies die große Chance, sich für das SEC-Finale am nächsten Samstag zu qualifizieren. Mizzou ist 10-1 mit einer unglücklichen Overtime-Pleite gegen ebenso bewundernswerte #10 South Carolina Gamecocks – und genau diese Overtime-Pleite würde den Tigers zum Verhängnis, wenn Mizzou heute verliert: Aufgrund des direkten Duells würde Mizzou rausfliegen. Missouri hat eine rundum komplette Mannschaft, keine großen Superstars, und Pinkel kann auf QB wieder auf Starter James Franklin zurückgreifen, wobei manch einer durchaus gerne weiterhin Maty Mauk sehen würde, der als Ersatz richtig gut war.


Duel in the Desert (3h30, nur für Trüffelschweine) – #12 Arizona State Sun Devils gegen Arizona Wildcats. Die Sun Devils von der Party-Uni Arizona State (u.a. mit 45000 Studenten größte staatliche Uni in den Vereinigten Staaten) können sich mit einem Sieg das Heimrecht für das Pac-12 Finale nächste Woche gegen Stanford sichern. Bei Niederlage muss man nächste Woche nach Palo Alto fahren und das Endspiel auswärts bestreiten.


Boise State vs New Mexico (4h15, ESPN-Player) – abhängig vom Ausgang des um 20h ausgetragenen Spiels Utah State-Wyoming (Utah State dabei hoch favorisiert) hat Boise State (7-4) mit einem Heimsieg spätnachts noch die Chance, sich durch die Hintertür doch noch für das MWC-Finale zu qualifizieren. Der Sieg selbst ist gegen die New Mexico Lobos fix eingeplant.

Akademische Viertelstunde vor dem Rivalry-Weekend

Das letzte College-Wochenende vor Thanksgiving hat nicht enttäuscht und standesgemäße Ergebnisse geliefert, die uns ein Thanksgiving-Wochenende bescheren werden, das sich komplett gewaschen hat. Zu den Details mehr im Laufe der Woche. Heute ein Blick zurück auf die Spielwoche 13, aufgeteilt diesmal nach Conferences.

Southeastern Conference (SEC)

#1 Alabama schlafwandelte sich durch ein 49-0 über Chattanooga aus der FCS und verbrauchte dabei in etwa so viel Energie wie Auburn, das am nächsten Wochenende der Gegner in Tuscaloosa sein wird, nämlich gar keine.  Die Iron Bowl wird zum Play-in für das SEC-Finale, und Auburn hat sogar noch Außenseiterchancen auf das BCS-Finale. Wenn mir das einer im Sommer gesagt hätte…

Aber es ist nicht nur Auburn in der SEC, es ist auch #5 Missouri. Mizzou hält sein Schicksal in der anderen SEC-Division (East) weiterhin selbst in der Hand, putzte Ole Miss in einem Spiel mit viel Spoiler-Potenzial souverän 24-10, und kann durch die Bank zufrieden sein: QB James Franklin kehrte wieder zurück, und der Sieg kam in erster Linie durch eine geschlossene Mannschaftsleistung zustande. Mizzou ist damit 6-1 in der SEC-East, South Carolina 6-2, wobei die Gamecocks das direkte Duell gewonnen haben. Mizzou braucht am Samstag immer noch einen Heimsieg gegen Texas A&M.

Dass der nicht ausgeschlossen ist, dafür steht die Leistung der Texas A&M Aggies dieses Wochenende: Ein 10-34 bei den LSU Tigers. LSU ist die einzige Mannschaft im College-Football, die Johnny Manziel zweimal wirklich entzaubern konnte; das schaffte nichtmal Alabama. Manziel mit einer gemessen an seinem Standard grottenschlechten Vorstellung, 16/41 und zwei INTs. Bärenstarke Defense-Leistung dagegen von LSU, das diese Saison bloß etwas zu wechselhaft war; LSU auf der Höhe ist eine Top-5 Mannschaft dank seiner Defense.

Ein krasses Ergebnis haben die Florida Gators anzubieten: Sie verloren zuhause gegen Georgia Southern, ein Mittelklasseteam aus der FCS (!) mit 20-26, und für den eh schon angeknockten Headcoach Muschamp muss die Art und Weise einem Kündigungsschreiben gleichkommen: Georgia Southern komplettierte nicht einen einzigen Pass mit seiner Offense, lief aber mit weit über 400yds über Florida drüber! Am Samstag kommt #2 FSU nach Gainesville; das wird dann entweder das größte Upset der Saison, oder der erste 70-Punkte-Sieg für FSU über den großen Staatsrivalen Florida.

Big 12 Conference

Ich weine um die Baylor Bears, die am Samstag von Oklahoma State komplett platt gemacht wurden und in Stillwater/OK mit 17-49 untergingen. Halb Amerika kriecht nun unter den Sitzen hervor und unterstellt Baylor „Gimmick“ und „not for real“, aber ich weiß nicht, ob das zu kurz greift: Ja, auch ich hatte am Samstag vor lauter Paranoia geschrieben, Baylor könne immer stolpern, aber das ist doch College-Football: Keine Mannschaft ist komplett genug, um per se ohne etwas Glück ungeschlagen durchzukommen. Am Samstag lief alles gegen Baylor: Verletzungsausfällen mehrerer Offense-Stars (u.a. RB Seastrunk) und daraus folglich kein Laufspiel; ein Turnover früh im Spiel an der OSU-1yds Line, ehe die Cowboys mit einem 99yds-TD Drive antworteten, und danach brachen alle Dämme: Drei Ballverluste für Baylor, fast 600yds in der Defense kassiert. Solche Dinge passieren.

Damit ist Oklahoma State in der Pole-Position in der Big 12 Conference: Die Cowboys sind 7-1 conference-intern und können in zwei Wochen mit einem Sieg im Bedlam-Derby gegen die Oklahoma Sooners (6-2) den Conference-Titel „clinchen“. Es wird allerdings wohl einen Sieg brauchen, denn Baylor ist mit 6-1 nicht weit dahinter; Baylor spielt noch gegen Texas und TCU, und wird beide Siege plus eine Pleite von Oklahoma State brauchen, um durch die Hintertür doch noch in die Fiesta Bowl einzuziehen.

Big Ten Conference

Nach den Ergebnissen von Samstag steht die Finalpaarung der Big Ten Conference fest: #3 Ohio State trifft auf #11 Michigan State; OSU fuhr über Indiana drüber, gewann nach 42-0 Führung mit 42-14. Michigan State gewann auch, hatte sogar erstmals seit langer Zeit sowas wie ein brauchbares Offense-Spiel beim 30-6 über Northwestern – jenes Northwestern, das nach seinem 4-0 Start vom September sieben Spiele en suite verloren hat und nun sogar aus der Bowl-Season gefallen ist.

Ohio State hat noch Außenseiterchancen auf die BCS, aber dazu müssten wohl entweder Alabama oder FSU beide verlieren… und das B1G-Finale gegen die Spartans ist auch kein Selbstgänger.

Atlantic Coast Conference

#2 FSU mit einem 80-14 über die Idaho Vandals ist durch und im ACC-Finale; die Noles am Samstag wie oben geschrieben mit einem trap game in Gainesville: Da kannste eigentlich nur verlieren nach dem totalen Abschuss der Gators. Der ACC-Finalgegner ist noch unklar: #24 Duke, das kleine versnobte Duke ist mit 5-2 Conference-Record (9-2 Bilanz overall) in der Front-Position, muss aber am Wochenende noch gegen den größten Rivalen UNC spielen. Ein Sieg reicht für Duke zum ACC-Finale. Verlieren die Blue Devils allerdings, droht blankes Chaos… aber wer will sich schon freiwillig den FSU Seminoles am ersten Dezemberwochenende stellen?

Pac-12 Conference

Oregon ließ sich abschießen wie sonst nur Oregon andere abschießt: 16-42 gegen die Arizona Wildcats, bei Leibe kein Weltklassegegner. Damit ist Oregon im Rennen um die Pac-12 Krone raus und ohne Chance auf die Rose Bowl. QB Mariota mit einer schwachen Vorstellung, eliminierte sich aus dem Heisman-Rennen.

Stanford und die Arizona State Sun Devils (Sieg über UCLA) bestreiten das Pac-12 Finale am Nikolaustag. Arizona State ist für Beobachter des SRS keine allzu große Überraschung: Die Sun Devils sind seit vielen Wochen in der unteren Hälfte der National-Polls gerankt, aber mit dem fünft- oder sechstbesten SRS-Wert landesweit. Diese Jungs sind brandgefährlich, aber zu unkonstant, um wirklich sauber durch die Saison zu kommen. Am Wochenende spielen sie gegen den innerstaatlichen Rivalen Arizona, und mit einem Sieg erspielen sich die Jungs von Todd Graham das Heimrecht im Pac-12 Finale, obwohl man zu Saisonbeginn das erste direkte Duell mit Stanford verloren hatte.

Die anderen Conferences

The AmericanUCF bleibt in der Pole-Position um den Conference-Sieg, der einen AQ für die BCS-Bowls garantiert. Louisville leistet sich zwar seit dem Lapsus gegen eben UCF keine größeren Blöße, aber man braucht Schützenhilfe, um noch irgendwie an UCF vorbei zu ziehen. Und mal ehrlich: Beide gehören qualitativ nicht in die BCS.

Mid-American Conference#14 Northern Illinois bleibt ungeschlagen und ist für das MAC-Finale qualifiziert. NIU ist kein richtig BCS-würdiges Team, ganz offen gesagt, aber die Huskies sind noch immer in der Pole-Position auf den BCS-Spoiler. Solange die Regelung es zulässt, ist das okay. Es ist bloß so, dass die Huskies im Vergleich zu anderen Mid-Major Giganten wie Utah, Boise, Nevada oder TCU zwei Nummern kleiner ist. Der MAC-Endspielgegner wird entweder Bowling Green oder Buffalo sein; beide sind keine unschlagbaren Gegner.

Mountain West Conference#16 Fresno State steht im Conference-Finale; der Gegner steht noch nicht fest, aber er wird dieses Wochenende zwischen Utah State (6-1 Conference) und Boise State (5-2 Conference) entschieden. Utah State hat dabei dank Heimspiel gegen Wyoming die deutlich bessere Position. Aber die Aggies wursteln sich in den letzten Wochen auch schön mit knappen Siegen durch die Saison. Boise verlor seine Spitzenreiter-Position durch eine Overtime-Pleite bei San Diego State. Kurios: Nach SRS sind sowohl Utah State als auch Boise State in einem Endspiel gegen Fresno leicht zu favorisieren.

Das BCS-Bowl Bild sieht damit in etwa so aus (Achtung, ich treffe viele Annahmen):

  • BCS-Title Game: Alabama – Florida State ist die wahrscheinlichste Paarung.
  • Orange Bowl: [at-large] – [at-large] ist am wahrscheinlichsten.
  • Sugar Bowl: Auburn/Mizzou/Alabama – [at-large]
  • Rose Bowl: Ohio State/Michigan State – Stanford/Arizona State
  • Fiesta Bowl: Oklahoma State/Baylor/Texas – [at-large]

Ein At-large Bid geht an den Sieger der The American: UCF wie geschrieben der Favorit, aber Louisville hat noch eine kleine Außenseiterchance. Ein zweiter At-large Bid könnte an einen Mid-Major gehen, wobei NIU favorisiert ist, wenn man ungeschlagen durchkommt; Fresno State könnte bei NIU-Niederlage bereit stehen, hat aber wohl den schwierigeren verbleibenden Schedule.

Weitere Kandidaten für At-large Bids: Wisconsin (2 Niederlagen, davon eine unberechtigte) aus der Big Ten Conference; sollte Ohio State das Conference-Finale verlieren, ist auch Ohio State ein Kandidat, per At-large durch die Hintertür in die BCS zu rutschen (wobei es für Ohio State sehr schnell auch bei entsprechenden Ergebnissen noch hoch ins BCS-Title Game gehen kann). Clemson (1 Niederlage) aus der ACC könnte für die Orange Bowl ein attraktiver, weil geographisch naher Kandidat sein. Oder wird es Duke? Die Blue Devils können sich ja noch per Sieg im Conference-Finale automatisch qualifizieren. Aber eins nach dem anderen: Erstmal muss Duke überhaupt dorthin kommen.

Sugar Bowl: Hier ist noch alles offen. Auburn-Mizzou-South Carolina sind alle noch potenzielle Conference-Champs und könnten Alabama stürzen. Sollte das passieren, könnte es für Auburn/Mizzou aber sogar noch hoch ins BCS-Title Game gehen.

Es ist also noch vieles drin, und genau so soll es vor den letzten beiden Spieltagen sein: Viel zu gewinnen, viel zu verlieren. Dann ist es aufregend. Abschließend wie immer die BCS-Rankings nebst SRS-Werten.

Die BCS-Rankings nach Woche 13

No.  TEAM                W-L     SRS
#1   Alabama            11-0    25.9
#2   Florida State      11-0    31.2
#3   Ohio State         11-0    22.0
#4   Auburn             10-1    17.0
#5   Missouri           10-1    20.9
#6   Clemson            10-1    18.3
#7   Oklahoma State     10-1    22.0
#8   Stanford            9-2    20.5
#9   Baylor              9-1    26.8
#10  South Carolina      9-2    16.2
#11  Michigan State     10-1    13.3
#12  Arizona State       9-2    22.7
#13  Oregon              9-1    24.7
#14  Northern Illinois  11-0     9.5
#15  Wisconsin           9-2    21.0
#16  Fresno State       10-0     7.5
#17  Louisiana State     8-3    17.6
#18  Oklahoma            9-2    11.3
#19  Central Florida     9-1     9.3
#20  Louisville         10-1    10.6
#21  Texas A&M           8-3    14.2
#22  UCLA                8-3    16.2
#23  USC                 9-2    15.1
#24  Duke                9-2     9.7
#25  Notre Dame          8-3     7.1

Die Akademische Viertelstunde, Woche 11: Wir sortieren aus

Der elfte Spieltag hat uns das mögliche BCS-National Championship Game auf den Servierteller gelegt: Die an #3 gerankten Oregon Ducks verloren in Stanford, und #1 Alabama sowie #2 Florida State holten überzeugende Siege. Aus dem Trio der möglichen Superteams 2013 sind nur noch zwei übrig geblieben. Wenn beide ungeschlagen durch die Saison kommen, werden sie zweifellos um die letzte BCS-Kristallkugel Anfang Januar in Pasadena spielen.

#1 Alabama gewann im Spitzenspiel des Samstags mit 38:17 gegen #13 LSU, ein deutlicher Endstand. Aber Achtung, so deutlich war das Spiel nicht. Bis hinein ins dritte Viertel konnte Louisiana State ein 17:17 halten, und hatte dabei zwischenzeitlich sogar wie die bessere Mannschaft ausgesehen. Alabama spielte nicht so großartige Defense wie man es erwartet hatte. Bama machte aber die wichtigen Plays, wie diesen Fumble kurz vor der Endzone, als der Tigers QB Zach Mettenberger hinten ran schon jubelte, während sich ganze Menschenberge auf den frei geschlagenen Ball türmten.

Eigentlich ist ja LSU-Coach Les Miles bekannt für seine verrückten Eingebungen. Aber diesmal hatte ausgerechnet der als langweilig verschrieene Nick Saban von Alabama den Lacher auf seiner Seite, als er im dritten Viertel bei Gleichstand statt eines Punts einen „Punt-Fake“ ansagte, der prompt gelang, und zur großen Wende in diesem Topspiel beitrug. Alabama machte den Touchdown, und walzte in der Folge über einen geschlagenen Gegner zwei weitere Touchdowns drüber.

Fans quer durch die Staaten schreien „We Want Bama!“.

Sie alle wollen den Skalp dieser dominierenden Mannschaft der letzten Jahre. #2 Florida State ist in der besten Position, einen Schuss zu bekommen: Die Seminoles zeigten auch mit Wake Forest keine Gnade und gewannen angeführt von ihrer Defense 59-3. Die Quarterbacks von Wake hatten folgende Statistiken:

Wake Forest Passing Game vs Florida State

Wake Forest Passing Game vs Florida State

FSU ist mit dem Sieg für das ACC-Finale qualifiziert. Der Gegner dort ist offener denn je, denn die Miami Hurricanes verbockten auch das Spiel gegen Virginia Tech, und damit gibt es in der Coastal-Division der ACC nun folgenden Stand: Georgia Tech 5-2, Virginia Tech 4-2, Duke 3-2, Miami-FL 3-2, North Carolina 3-3, Pitt 2-3, Virginia 0-6. Wahrscheinlich ist es eh egal, denn fürchten muss sich FSU vor niemandem.

Das zweite Spitzenspiel des Wochenendes fand bereits am Donnerstag in Eugene, Oregon statt: #3 Oregon Ducks gegen #5 Stanford Cardinal, und ich nahm es in der Einleitung vorweg: Oregon vergeigte. Einen Spielbericht zu schreiben, ist eigentlich überflüssig, denn korsakoffs Vorschau am Donnerstag trat zu 100% ein. Stanford hatte 45 Minuten Ballbesitz und führte im Schlussviertel schon mit 26:0, ehe Oregon doch noch kurz in Schwung kam und am Ende nur einen Onside-Kick von einem dramatischen Finish entfernt war.

Einen genaueren Blick lass uns mal trotzdem wagen: Oregon hat keinen Stanford-Komplex. Die Ducks haben gut gespielt. Sie haben ein 4th Down an der Stanford 4-Yards Line verpasst, sie haben zwei Fumbles in der Redzone von Stanford begangen. Das hab auch ich gelernt: So was passiert.

Trotzdem: Hut ab vor Stanford. Oregon schon wieder geschlagen, und damit ist die Bahn frei für Stanford, wenigstens erneut die schwere Pac-12 Conference zu gewinnen. Nicht vergessen sollte man in all dem Jubel: Oregons QB Marcus Mariota bestritt das Spiel schwer angeschlagen mit kaputten Bändern im Knie.

Das dritte Spitzenspiel war „All Baylor“, auch am Donnerstag: #6 Baylor ließ Oklahoma wie prognostiziert keine Chance und gewann eine dominant geführte Partie. Sollten ganz oben entweder Alabama oder Florida State noch stolpern, sind die Bears der Favorit der Massen, durch die Hintertür ins BCS National Championship Game einzuziehen. Auf alle Fälle rückten die begeisternden Bears erstmal auf #4 in den Rankings vor, und sie bekommen in den letzten Wochen der Saison die Möglichkeit, gegen akzeptable Gegner ihren SOS aufzubessern (Texas zum Beispiel ist seit letzter Woche wieder gerankt).

Tja, und Johnny Manziel hatte sein vielleicht letztes Heimspiel in College Station. Alle erwarten von Johnny Football nun den Gang in die NFL. Die Fans wurden hinterher auch quasi von den Baggern aus dem Stadion gefahren: Das Kyle Field wird nun ausgebaut auf über 100.000 Zuschauer:

Die BCS-Rankings nach Woche 11

No.  TEAM                W-L     SRS
#1   Alabama             9-0    26.7
#2   Florida State       9-0    31.6
#3   Ohio State          9-0    21.1
#4   Stanford            8-1    20.9
#5   Baylor              8-0    30.7
#6   Oregon              8-1    27.3
#7   Auburn              9-1    16.4
#8   Clemson             8-1    17.1
#9   Missouri            9-1    20.8
#10  South Carolina      7-2    14.8
#11  Texas A&M           8-2    16.1
#12  Oklahoma State      8-1    17.0
#13  UCLA                7-2    15.6
#14  Fresno State        9-0     6.4
#15  Northern Illinois   9-0     5.7
#16  Michigan State      8-1    10.7
#17  Central Florida     7-1    10.9
#18  Oklahoma            7-2     8.6
#19  Arizona State       7-2    22.3
#20  Louisville          8-1    13.1
#21  Louisiana State     7-3    15.1
#22  Wisconsin           7-2    19.4
#23  Miami/FL            7-2     8.7
#24  Texas               7-2     9.8
#25  Georgia             6-3    11.9

Schon zwei Mid-Majors in den Top-16. Der beste Champion einer Mid-Major Conference kriegt bekanntlich eine automatische Einladung (AQ) in die BCS, wenn er die Saison in den Top-12 beendet, oder in den Top-16 mit dem Zusatz bei zweiter Option, dass es besser klassiert sein muss als zumindest ein BCS-Conference Champion. Weil sowohl Fresno als auch Northern Illinois im Moment vor dem besten Team der ACC liegen, ist die Chance gut. Beide müssen aber ungeschlagen durchkommen.

Vorne bleibt Ohio State noch knapp vor Baylor, und Ohio State hat entgegen den landläufigen Vermutungen mittlerweile auch einen sehr guten SRS-Wert. Trotzdem wären die Buckeyes gegen #4 Baylor klarer Außenseiter. Oregon fällt nicht weit, auf #6 nämlich, aber die Chancen der Ducks auf den Gewinn der BCS-Kristallkugel haben sich fast zerschlagen. Die Hoffnungen auf die Rose Bowl (also der Gewinn der Pac-12) hängen nun an den Southern Cal Trojans, die nächste Woche Stanford empfangen (Primetime bei ABC).

Bowl-Ausblick

Die Lage der Dinge hat sich ja nun aufgeklart (nicht zu verwechseln mit aufgeklärt). Unten eine BCS-Auflistung mit den momentan wahrscheinlichsten Spot-Belegungen. Wie die BCS-Bowls sich aufteilen, wurde auf diesem Blog auch schon mal erklärt. Ich setze einfach mal Baylor als Big 12 Champion, auch wenn die Bears noch einige kritische Spiele haben. Stanford ist nach dem Sieg gegen Oregon klarer Favorit der Pac-12. Ohio State und Michigan State werden sich wohl im Finale der Big Ten den anderen Rose-Bowl Teilnehmer ausspielen, Sieger nicht absehbar.

Wenn das kleine Fresno State ungeschlagen durch die Regular Season und das MWC-Endspiel kommt, ist es fast sicher unter den Top-16 gerankt, vielleicht sogar in den Top-12 (fast sicher aber vor dem Champion der „The American”), und das reicht dann für einen AQ („Automatic Qualifier“). Aber Fresno muss am ersten Dezemberwochenende noch das MWC-Finale bestreiten und der Gegner könnte nochmal Boise State sein. Jenes Boise, das die Bulldogs schon im September fast besiegte. Auch nach SRS ist Boise State fast auf Augenhöhe.

Geht Fresno baden, stünde in der Hinterhand noch Northern Illinois aus der MAC als zweiter „BCS Buster“ bereit (auch ungeschlagen, aber momentan hinter Fresno gerankt). Northern Illinois war schon letztes Jahr BCS Buster, hatte aber keine Chance im Spiel gegen FSU. Ich war bei dem Spiel (Orange Bowl 2013) im Stadion. So ein Desaster wie alle tun, waren die Huskies sicher nicht! Und sie waren sehr sympathisch.

Der Champion der “The American” kriegt einen Fixplatz egal, wo er gerankt ist: Nach heutigem Stand ist dies entweder Central Florida oder Louisville. UCF ist der Favorit, weil es noch ungeschlagen ist und dank direktem Duell zwei Spiele Vorsprung auf Louisville hat.

Für die anderen „at-large“ Bids ist der erste Favorit natürlich Oregon. Danach kann eine zweite SEC-Uni auf alle Fälle mit einer Einladung rechnen, fast sicher für den Sugar Bowl, der der SEC nahe steht: Auburn oder Missouri (als möglicher SEC Finalteilnehmer) sind die Favoriten; beide müssen aber noch gegen Alabama spielen und Auburn muss nächste Woche auch noch gegen #25 Georgia ran. Es kann nur einer dabei sein, da keine Conference mehr als zwei Geladene stellen darf.

Blieben noch (je nach Verfügbarkeit eines BCS-Busters) 2-3 Plätze frei: Clemson, der Verlierer von Ohio St/Michigan St oder Wisconsin sind Kandidaten. Es sind natürlich noch verworrene Szenarien möglich, bsp. bei einer ACC-Finalniederlage von FSU würde alles durcheinandergewürfelt, der Orange Bowl hätte einen AQ aus der ACC (den ACC-Champion), FSU fiele aus dem BCS-Finale und bekäme nur noch einen at-large Bid. Aber das ist eher unwahrscheinlich (hoffe ich zumindestens).

Die Bowls sind in der Reihenfolge des Wahlrechts gelistet. Der Rose Bowl ist vertraglich an Big Ten und Pac-12 gebunden (oder umgekehrt: Er will nur mit diesen zu tun haben). Die anderen Bowls wählen in determinierter Reihenfolge. Das wird wichtig, wenn neben dem unattraktiven The American-Champ noch ein zweiter möglicherweise „unattraktiver“ BCS-Buster in der BCS spielt: Der (die) Bowl(s) mit dem letzten Wahlrecht (Orange, Fiesta) müssen auf alle Fälle in den sauren Apfel beißen. Baylor (bzw wer die Big 12 auch immer gewinnt) bekommt fast sicher einen Gegner, der abgeschossen wird.

  • BCS-Championship: Alabama – Florida State
  • Sugar Bowl: [SEC-Vertreter] – [At-large]
  • Orange Bowl: [At-large] – [At-large]
  • Rose Bowl: Stanford – Ohio State/Michigan State
  • Fiesta Bowl: Baylor – [At-large]

Auf dass genau jetzt das Chaos ausbricht…

Florida Gators in der Krise

Florida State kann nach landläufiger Meinung nur noch gegen einen Gegner stolpern: Die Florida Gators (4-5 Bilanz), gegen die man am letzten Spieltag der Regular Season zu Thanksgiving auswärts ran muss im „Sunshine Showdown“. Vor der Saison hatte man geglaubt, dass das ein Stolperstein für die Gators werden könnte. Jetzt ist es bestenfalls noch umgekehrt.

Die Stimmung bei den Gators ist am Boden. Gegen Vanderbilt wollte man eigentlich das „Homecoming“ feiern, ein Fest für die ehemaligen Studenten der Uni, das man sich vorstellen kann wie ein Bankett mit Paraden in größerem Umfang. Normalerweise ein besonders feierlicher Spieltag mit besonders gut gefülltem Stadion. Bei Florida sah dies am Samstag zehn Minuten vor Spielbeginn gegen Vandy so aus:

Später sah es immerhin so aus:

Aber das sind niederschmetternde Bilder für die Uni und für den Head Coach Will Muschamp, der in seinem dritten Jahr die Uni coacht und schwer in die Kritik geraten ist. Muschamp hat bisher folgende Bilanzen vorzuweisen: 7-6 im ersten Jahr, 11-2 im zweiten Jahr, 4-5 im dritten. Suche den Ausreißer.

Wer die Denke bei Florida kennt, und so viel anders als bei FSU ist sie nicht, der weiß: Muschamp ist angezählt. Es folgen noch Spiele gegen, eben, FSU und zuvor South Carolina. Wenn Muschamp beide verliert, verpasst Florida die Bowl-Season und ich gebe keine Garantien ab, dass sich im Winter nicht einer der attraktivsten Trainerposten im gesamten College Football aufmacht.

Was wäre das für ein Auflauf: Southern Cal sucht einen Coach. Möglicherweise Texas. Möglicherweise Florida. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass dies die drei anziehendsten Trainerplätze im gesamten College-Football sind, vielleicht noch neben Ohio State.

College-Football 2013/14, Week 11: Die erste Nacht der Entscheidung

Der College-Football biegt in die Zielgerade ein, und wie es der Schedule will, stehen heute Nacht gleich zwei wichtige Spiele zwischen Top-10 Unis auf dem Programm. Keines von beiden wird von SPORT1 US übertragen (es steht auch NFL an), aber eines hat der ESPN-Player im Programm (und SPORT1 US wird am Freitag und Samstag davon Aufzeichnungen bringen).

#6 Baylor Bears – #10 Oklahoma Sooners

1h30, für Trüffelschweine

Der Kracher der Big 12 Conference kommt aus Waco: Die an #6 gerankten Bears von der Baptistenuni Baylor (7-0, 4-0 Conf) treffen auf den Giganten #10 Oklahoma Sooners (7-1, 4-1 Conf) im Spiel der beiden vermeintlich besten Teams der Conference. Das heißt: Es geht zumindest um eine BCS-Bowl; es könnte aber für Baylor sogar noch um das BCS-Finale gehen.

Baylor gegen Oklahoma, da war schon vor zwei Jahren mal was, als Robert Griffin III die Sooners versohlte. Es war damals das erste Mal, dass Baylor auch landesweit großes Aufsehen erregte, und als mehr als bloßes Gimmick-Team wahrgenommen wurde. Seither hat Head Coach Art Briles die Mannschaft stetig weiterentwickelt, obwohl das Supertalent RG3 und dessen Nachfolger QB Nick Florence mittlerweile weg sind.

Briles ist es wurscht, denn seine wahnwitzige Spread-Offense funktioniert auch ohne RG3: Eine mächtige Offense Line, ein fantastischer RB Lache Seastrunk, eine Handvoll Wide Receiver zwei Fuß von der Sideline, und ein QB Bryce Petty, der „nur noch“ seine Stationen bedienen muss. Baylor spielte bisher einen nicht wirklich BCS-würdigen Schedule (Iowa State, Wofford, Buffalo, ULM, WVU daheim, Kansas und K-State auswärts), aber die Resultate lesen sich trotzdem eindrucksvoll: In schöner Regelmäßigkeit werden 70 Punkte aufs Tablett gelegt, das Yards-Duell in der 700-zu-170 Region gewonnen, und ab drittem Viertel die Backups eingewechselt. Angeblich hat Petty dieses Jahr nur 23 Pässe in der zweiten Halbzeit geworfen (und nur eine Completion im vierten Quarter!).

Das ist Boise-like. Allein: Bei Boise wusste man auch, die Broncos haben schon BCS-Granden geschlagen. Baylor kriegt heute erstmals die Chance, und wird im November noch weitere respektable Gegner wie Texas, TCU, Oklahoma State oder Texas Tech sehen.

Wieviel kann die Offense heute scoren? Hält die Defense weiterhin so gut wie bisher? Letztes Jahr konnte man die Baylor-Defense noch mit „inexistent“ abkanzeln, aber diesmal sind die Jungs immerhin soweit, dass man unterklassige Gegner komplett abwürgt. Wie wird das gegen respektable aussehen?

Oklahoma hätte ich vor der Saison höher eingestuft als +9.7 im Simple Ranking System; die Sooners haben noch von der grausigen Vorstellung in der Red-River-Rivalry Mitte Oktober was guzumachen. Damals ließ sich die Defense völlig überlaufen und die Offense kam nur müßig in Gang.

Fazit: Oklahoma ist der große Name. Baylor der Zwerg. Man misstraut Baylor nur allzu gerne. Ich bin zugegebenermaßen gespannt, was Baylor heute aufstecken wird, wenn zum ersten Mal ein „richtiger“ Gegner kommt. Als jemand, der jahrelang Boise verteidigte – und mit gutem Grund verteidigte – sehe ich keinen Grund, Baylor heute nicht eine klare Favoritenrolle zuzugestehen. Es wird vielleicht nicht zwingend ein 23pts-Sieg, aber ich tippe auf Baylor.

(Die Partie wird in den Staaten von FOX übertragen, ergo wäre sie auch in den letzten Jahren nicht bei ESPN America gekommen)

#5 Stanford Cardinal – #3 Oregon Ducks

3h, live im ESPN-Player (Freitag, 16h15 und Samstag, 10h30 Tape bei SPORT1 US)

Die noch wichtigere Partie dürfte Stanford – Oregon sein, wo sich mit hoher Wahrscheinlichkeit das Schicksal der Pac-12 North Division entscheiden wird: Der Sieger wird im Pac-12 Finale antreten, und dort fast sicher Heimvorteil genießen.

Oregons Offense ist bekannt. Die letzten Jahre zeigten vage, wie man diese Offense einbremsen kann, und am besten machte es letztes Jahr… Stanford. Das Mittel damals war Verhindern des Big-Plays um jeden Preis, dichte Schotten in der RedZone und exzellente Special-Teams. Die Blaupause beschränkt sich gegen Oregon aber nicht bloß auf die eigene Defense, sondern auch auf die Offense: Stanford rannte letztes Jahr eine Unzahl an Laufspielzügen, und limitierte somit die Anzahl der Drives (Stanford hatte 38 Minuten den Ball, nur acht Drives für Oregon) – eine Underdog-Strategie.

Das Mittel klingt relativ simpel, ist aber extrem schwer ausführbar, und 60min keine Fehler zu machen, schafft fast niemand. Stanford könnte es schaffen. Die Jungs von Head Coach David Shaw haben die vielleicht beste Defense im Lande. Ich hab schon im Sommer vom unglaublichen Outside Linebacker #93 Trent Murphy erzählt, der IMHO sofort in die NFL gehört, weil in dem Alter schon so komplett. Diese Physis, mit der Stanfords Front-Seven an der Anspiellinie operiert, dürfte für Oregon schwere Kost sein.

Aber alleine Physis und Disziplin reichen nicht; es gibt zwar gute Punter und Returner bei Stanford, aber es gibt keine wirklich gute Lauf-Offense; jedenfalls überzeugt mich nix, was nicht über den QB#8 Kevin Hogan und den Luftweg läuft.

Dürften zwei tolle Spiele werden; zu schade, dass man Baylor im besten Fall am Sonntag auf Youtube sehen wird können. Ich würde tippen, Oregon gewinnt in Stanford. Marcus Mariota wird seine Bewerbung auf die Heisman-Trophy vorantreiben.

Akademische Viertelstunde, Week 10: Ruhe vor dem Sturm

Kaum Überraschungen am 10ten Spieltag der College-Footbal-Saison. Die vor dem Spiel an #3 gerankten Florida State Seminoles gewannen das meistgehypte Spiel des Wochenendes klar gegen die an #7 gerankten Miami Hurricanes: 41-14 der Endstand. Dabei spielte Miami/FL eine Halbzeit lang sogar sehr ordentlich mit; die Canes minimierten dabei ihre Fehler, und QB Stephen Morris mit zwei schönen TD-Pässen, aber nach der Pause drehten die Seminoles mächtig auf und fuhren über Miami drüber.

Die Adjustments von Jimbo Fisher müssen die bestmöglichen gewesen sein, denn FSU rasierte die Canes nach der Pause und ließ keinen Stich mehr zu. QB Jameis Winston hatte mit 21/29 für 325yds, 1 TD und 2 INTs keinen überragenden Tag, aber bitte: Ein Freshman, der im zweitgrößten Spiel des Jahres über 10yds/Pass fabriziert, den nimmste gerne.

Miami/FL ist sicher nicht die bestbesetzte Mannschaft im College-Football, aber Al Golden hat eine Truppe voller hoch gerateter Highschool-Talente unter seinen Fittichen; gegen FSU sah diese Canes-Mannschaft aber wie Schulbuben aus. Die Noles spielen derzeit in einer anderen Liga: Die Offense Line besteht aus völlig unbekannten Namen, aber sie pulverisierte Miamis hochgejazzte D-Line komplett. Das sind Alabama-Dimensionen bei FSU in der Offense Line.

Für FSU war der Sieg auch wichtig, weil die Uni ihre begehrtesten Highschool-Talente für die Recruiting-Klasse 2014 ins Stadion geladen hatte; die Jungs sahen eine insgesamt absolut dominante Mannschaft, in der eigentlich kein einziger FSU-Akteur (Spieler und Trainer) einen schlechten Eindruck hinterließ.

FSU gehört mit solchen Vorstellungen ins BCS-Finale. Die Noles sind momentan an #2 gerankt, werden aber am Saisonende mit hoher Wahrscheinlichkeit hinter Oregon und Alabama zurückfallen, sollten diese beiden ungeschlagen durchkommen. Aber ich wage mich glaube ich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich FSU zur bislang beeindruckendsten Mannschaft des Jahres küre.

Miami landete dagegen in etwa dort, wo man die Canes verortet hatte: Eine bis eineinhalb Klassen unter FSU. Schlimm ist auch die Verletzung von RB Duke Johnson, dem wichtigsten Offensivspieler (Duke fällt für den Rest der Saison aus). Viele Spieler aus Miami würden derzeit bei FSU nicht starten; Johnson wäre vermutlich der einzige, obwohl auch FSU-RB Devonta Freeman einige prächtige Spielzüge hatte (u.a. einen großartigen TD-Lauf-nach-Catch).

Weil Virginia Tech (27-34 Pleite gegen Boston College) anscheinend doch zu schwach für eine ernsthafte Herausforderer-Rolle ist, könnte Miami aber auch mit dieser Niederlage trotzdem die Qualifikation für das ACC-Finale schaffen; dort würde man Anfang Dezember dann erneut auf FSU treffen.

Anderes nennenswertes Ergebnis: Michigan State würgte die Michigan Wolverines komplett ab, noch viel übler als man erwartet hatte; Michigan in der blamablen 6-29 Pleite mit -48yds (MINUS achtundvierzig Yards) Laufspiel (Sacks werden am College als Lauf-Yards gezählt)! Die Spartans mussten nicht viel bewegen und gewannen trotzdem locker; ich fiebere schon einem B1G-Finale Michigan State gegen Ohio State entgegen: Wenn eine B1G-Offense diese Defense knackt, dann traue ich das am ehesten den Buckeyes zu, die in den letzten Wochen gute Stats produzieren.

Die BCS-Rankings nach Woche 10

No.  TEAM                W-L     SRS
#1   Alabama             8-0    25.9
#2   Florida State       8-0    32.5
#3   Oregon              8-0    29.5
#4   Ohio State          9-0    20.4
#5   Stanford            7-1    18.9
#6   Baylor              7-0    30.1
#7   Clemson             8-1    18.3
#8   Missouri            8-1    20.5
#9   Auburn              8-1    14.5
#10  Oklahoma            7-1     9.7
#11  Miami/FL            7-1    12.0
#12  South Carolina      7-2    14.7
#13  Louisiana State     7-2    16.1
#14  Oklahoma State      7-1    16.9
#15  Texas A&M           7-2    16.0
#16  Fresno State        8-0     3.5
#17  Michigan State      8-1    11.1
#18  Northern Illinois   9-0     5.7
#19  UCLA                6-2    15.0
#20  Louisville          7-1    15.4
#21  Central Florida     6-1    11.1
#22  Arizona State       6-2    22.8
#23  Notre Dame          7-2     9.3
#24  Wisconsin           6-2    18.5
#25  Texas Tech          7-2     8.7

Der größte BCS-Busterkandidat Fresno State ist im SRS nur an #51 gerankt, nur 3.5 Punkte besser eingestuft als das durchschnittliche FBS-Team; ich sags mal so: Wenn die Bulldogs wirklich die MWC ungeschlagen gewinnen, werden sie in der entsprechenden BCS-Bowl abgeschossen. Fresno wird das Conference-Finale daheim bestreiten dürfen, aber sollte noch mal Boise State nach Fresno kommen müssen, wären die Broncos – die keine optimale Saison erleben – nach SRS momentan favorisiert, selbst auswärts, und zwar mit 1.5 Punkten.

Arizona State ist ein Freak-Team mit 22.8 Punkten im SRS (#5 in der FBS); die Sun Devils spielen eine hervorragende Offense und können an guten Tagen alles und jeden putzen, aber man traut ihnen so recht trotzdem nicht.

Ganz oben blutet mir das Herz: Wem soll ich die Daumen drücken? Oregon spielt den geilsten Football der Saison, spektakulärer als es jemals unter Chip Kelly war. Baylor spielt den noch geileren geilsten Football mit einer wahnsinnigen Offense; FSU ist das Team des Jahres; Alabama läuft völlig unterm Radar, ist aber Alabama, und hat möglicherweise jetzt noch drei richtig heftige Spiele an der Backe (LSU, Auburn, SEC-Finale). Und selbst Ohio State scheint nach den jüngsten Partien mittlerweile ein ernsthafter Contender zu sein.

Die kommende Woche bringt einen unglaublichen Slate an Topspielen.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag kommen zwei der besten Spiele der Saison: #6 Baylor gegen #10 Oklahoma Sooners (ab 1h30) und ab 3h #5 Stanford – #3 Oregon. SPORT1 US wird das NFL-Donnerstagsspiel Minnesota-Washington zeigen, aber darauf kannste im Angesicht solcher College-Partien getrost pfeifen.

Ich werde noch genauer auf die Dinger eingehen, aber vorab nur soviel: Das kleine Baylor ist nach SRS zuhause mit 23.5 Punkten (!) gegen den Giganten Oklahoma favorisiert. Trotzdem trauen viele den Bears nicht… natürlich ist man nur zu gerne paranoid, aber ich nach allem, was ich von den beiden Teams gesehen habe, droht hier eine echte Klatsche für die überschätzten Sooners. Das Spiel gibt’s aber leider sowieso nicht bei uns legal zu sehen.

StanfordOregon entscheidet den Ausgang in der Pac-12 North Division. Für FSU ist es die größte Hoffnung, Oregon stolpern zu sehen. Letztes Jahr gewann Stanford knapp. Stanford ist sogar daheim nach SRS mit 6.5 Punkten Außenseiter, aber in realiter dürfte die Partie enger zu bewerten sein, da das SRS das defensivstarke Stanford wohl leicht unterschätzt.

Am Samstag folgt mit #1 Alabama#13 LSU (ab 2h) der dritte große Kracher; Bama-LSU ist seit einigen Jahren das, was Real-Barca in der spanischen Liga ist, oder Bayern-Dortmund in der Bundesliga. Es ist Alabamas größter Test der Saison.

Mehr dazu aber, wenn es soweit ist.

College Football, Week 9 Preview

Das erste große Favoritenstolpern war letzte Woche. Dieses Mal sehen die Ansetzungen wie folgt aus (Ranking-Positionen ab sofort dem BCS-Ranking entnommen):

18h       South Florida - #20 Louisville
21h30     Maryland - #9 Clemson
01h       #3 Oregon - #12 UCLA
03h30 (*) #25 Oregon State - #6 Stanford

(*) Achtung: Heute Nacht wird in Europa die Uhr auf Winterzeit umgestellt; die Amerikaner sind damit eine Woche später dran, also werden alle Partien, die ab 3h (Sommerzeit) angepfiffen werden, für eine Woche nur mit 5h Zeitdifferenz in Europa gezeigt.

Potenzielle ESPN-Player Kandidaten wären:

  • 18h: #23 Central Florida-UConn, #7 Miami/FL-Wake Forest, Akron-Ball State, #16 Texas A&M-Vanderbilt, Minnesota – #24 Nebraska, South Florida-#20 Louisville, Rutgers-Houston
  • 18h30: Virginia-Georgia Tech
  • 20h: Ohio-Miami/OH
  • 20h30: Bowling Green-Toledo
  • 21h: Massachussetts-Western Michigan, SMU-Temple
  • 21h30: UNC-Boston College, Kent State-Buffalo, #18 Northern Illinois-Eastern Michigan, Maryland-#9 Clemson, #14 Virginia Tech-Duke, #2 Florida State-NC State, Illinois-Michigan State
  • 22h: Western Kentucky-Troy
  • 0h: Nevada-UNLV
  • 1h: #3 Oregon-#12 UCLA, #5 Missouri-#21 South Carolina, Kansas-Baylor, ULM-Georgia State, Texas State-South Alabama, LSU-Furman
  • 1h30: Ole Miss-Idaho, #11 Auburn-Florida Atlantic
  • 2h: #4 Ohio State-Penn State, New Mexico State-ACU

Vorsicht, der nachfolgende Block ist schon in MEZ (also Winterzeit!) angegeben:

  • 3h30: #25 Oregon State-#6 Stanford, San Diego State-Fresno State

Um 21h30 und offiziell in Europa nicht bekömmlich: #1 Alabama gegen die Tennessee Volunteers. Letztere beenden damit ihre Wochen der Wahrheit mit Gegnern wie Oregon, Georgia oder South Carolina im Schedule. Alabama ist haushoch favorisiert.

Um mal einen Blick auf ein paar “neue” Teams zu richten, ein bissl genauere Einführung in die Nachtspiele.

#3 Oregon Ducks – #12 UCLA Bruins

1h

Das 1h-Spiel bei SPORT1 US ist #3 Oregon Ducks (7-0) gegen die #12 UCLA Bruins (6-1) aus der Pac-12 Conference. Ich möchte nicht behaupten, dass Oregon dieses Jahr auf diesem Blog unter dem Radar fliegt, aber gemessen an anderen Jahren, yup, war ich vielleicht etwas weniger Oregon-lastig. Das liegt daran, dass ich die Ducks in der post-Kelly Ära noch nicht oft gesehen habe.

Dabei scheint der Übergang von Chip auf den neuen Head Coach Mark Helfrich recht reibungslos von statten gegangen zu sein: Die Offense hat noch immer dasselbe Gesicht, ist höchstens eine Spur „zentrierter“ geworden. Etwas wortreicher soll das heißen, dass der Angriff QB-lastiger geworden ist, auf Marcus Mariota, den hawaiianischen Wurfkünstler, der schon letztes Jahr massiv aufgeigte und heuer in seinem zweiten Jahr als Starter Heisman-artige Stats auf den Boden bringt. Mariota soll dem Vernehmen nach auch schon in der NFL Interesse geweckt haben. NFL-kompatibel ist auch der Quarterback beim Gegner: Brett Hundley, ein Jungspund, der allerdings auch schon das dritte Jahr aus der Highschool ist und bei Lust und Laune auch 2014 in die NFL gehen könnte.

#5 Missouri Tigers – #21 Couth Carolina Gamecocks

1h

Parallel dazu dürfte es im ESPN-Player #5 Missouri Tigers (7-0) gegen #21 South Carolina Gamecocks (5-2) zu sehen geben (Kickoffzeit 1h MESZ). South Carolina ist auf diesem Blog mittlerweile ein alter Bekannter, einer konstanten, sehr ordentlichen sportlichen Leistung und Charakterköpfen wie Head Coach Steve Spurrier, (ex-)QB Stephen Garcia oder Spielern wie Jeffery, Lattimore oder Clowney sei Dank. Wenige Teams boten in den letzten Jahren bessere Gelegenheit, über sie zu schreiben.

Anders Mizzou, das zwar auch seine Geschichte geboten hätte, z.B. dank Conference-Wechsel von der Big 12 in die SEC, aber: Mizzou umgibt ein bissl das Image der grauen Maus, bei der man schon letztes Jahr nicht ganz kapierte, warum die SEC ausgerechnet sie als 14tes Team einladen wollte. Der letzte Fetzen Sexyness geht der University of Missouri auf alle Fälle ab, und ich gebe zu, mir geht es nicht anders: Im Sommer überlegte ich Uni für Uni im College-Football Countdown, ob ich ihr einen Blogeintrag spendieren wollte; bei Mizzou fiel die Antwort negativ aus.

Vor einigen Wochen entdeckte ich im Simple Ranking System die Tigers ganz weit oben; es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Außenseiter in den ersten Wochen in einem SRS nach oben gespült wird, aber Mizzou blieb nicht nur oben; Mizzou verbesserte sich jede Woche. Vor zwei Wochen wurde schließlich trotz Verletzung von QB James Franklin der BCS-Contender Georgia auswärts geschlagen und ein damit ein fettes Ausrufezeichen gesetzt. Letzte Woche würgte Mizzou die Florida Gators komplett ab; Georgia und Florida, die beiden Topfavoriten der SEC-East 2013, wurden von den großteils ohne Starting-QB und ohne besten CB E.J. Gaines spielenden Missouri Tigers mit insgesamt 34 Punkten geschlagen!

Die Tigers hatten im Laufe der letzten Jahre immer wieder Superspieler im Kader; Head Coach Gary Pinkel gilt auch als relativ guter Recruiter, der die Midlands entlang des Mississippi nach Rohdiamanten abgrast und immer wieder eine Granate aus dem Ärmel schüttelt. Seit Mizzou 2007 um ein Haar ins BCS-Title Game eingezogen wäre, spielten Granaten wie Aldon Smith, Brad Smith (der Wildcat-Smith der Jets und Bills, ein sagenhafter College-QB), Sean Weatherspoon, Ziggy Hood, Sheldon Richardson oder Blaine Gabbert (vergiss dabei mal seine NFL-Entwicklung) an dieser Uni.

Diesmal ist der Skill Player-Corp die bestbesetzte Uni. WR #15 Dorial Green-Beckham war in der Recruiting-Saison 2011/12 der am höchsten bewertete Highschool-Footballer landesweit. Seiner Pressekonferenz zur Verkündung der glücklichen Uni spendierte ich einst einen eigenen kurzen Blogeintrag. In den eineinhalb Spielzeiten seither entwickelte sich „DGB“ gut, aber nicht überragend; andere Leute im WR-Corp gelten als noch besser.

QB bei Mizzou ist seit einigen Jahren der etwas blässliche James Franklin Quarterback; nach dessen Verletzung wurde einfach der nächste Scrambler eingewechselt, Maty Mauk, eine komplette Unbekannte, und Mauk lieferte seither sensationelle Performances gegen die Abwehrbollwerke von Georgia und Florida ab. Pinkel hat da eine großartig besetzte Offense beisammen.

Wie wird sie gegen die nicht minder großartige Gamecocks-Defense aussehen? Wie wird die Offense gegen den ultimativen gegnerischen DE #7 Jadeveon Clowney eingestellt werden? Haut Pinkel die Eier, mehr als eine Handvoll Plays über Clowneys Seite laufen zu lassen, oder folgt er der Blaupause anderer Coaches, die schlicht und einfach die Mehrzahl der Plays in die Clowney-freie Zone ansagten?

Kansas Jayhawks – #8 Baylor Bears

1h

Bei Kansas Jayhawks gegen #8 Baylor Bears (auch 1h MESZ) gibt es die letzte Chance für Baylor, sich gegen einen „eineinhalbt-klassigen“ Gegner einzuspielen auf die höheren Aufgaben aus der Big 12 Conference, die im November in Form von Oklahoma, Texas, Texas Tech oder TCU kommen werden. Wenn Baylor Bears 6-0 sind, ist man immer gerne skeptisch und schielt verstohlen auf den Schedule, und man sieht dann für dieses Jahr noch keinen echten ernst zu nehmenden Gegner.

Aber, meien Herren: Was die Jungs von Head Coach Art Briles da an Offense-Zahlen auf das Parkett zaubern, habe ich in den letzten Jahren noch nichtmal von Oregon, Oklahoma State oder West Virginia gesehen; das ist selbst gemessen für diesen Schedule nichts anderes als atemberaubend. Dass Baylor die krasseste Spread-Offense ever spielt, habe ich schon im Sommer geschrieben. Dass Baylor aber in einer Beständigkeit das Yardage-Duell mit roundabout 700 zu 150 Yards Offense gewinnt: Alle Achtung.

#25 Oregon State Beavers – #6 Stanford Cardinal

3h30 (Winterzeit!)

Ab 4h15 gibt es noch ein wichtiges Divisionsduell aus der Pac-12 Conference: #25 Oregon State Beavers gegen #7 Stanford Cardinal. Oregon State kam mit einer Pleite gegen ein FCS-Team (Eastern Washington?) desaströs in die Saison, aber seither sind die Jungs von HC Mike Riley durchaus beachtlich in Fahrt gekommen. Stanford auf der anderen Seite muss nach der Pleite bei Utah vor zwei Wochen unbedingt eine weitere Niederlage vermeiden, um sich die Chance zu erhalten, im November die Oregon Ducks eventuell doch noch per Auswärtssieg abzufangen.

Akademische Viertelstunde nach der Rückkehr der Giganten

Kollegin Seminole ist noch immer berauscht vom Kantersieg „ihrer“ Florida State Seminoles beim Schlager der Woche in Clemson (ein 51-14 Sieg), durch den die Noles auf #3 in der Erstausgabe der BCS-Rankings 2013 vorrückten. So berauscht, dass die Akademische Viertelstunde heute ausnahmsweise von mir geschrieben wird.

Recap: Clemson Tigers – Florida State Seminoles

Clemsons Fans wollten einen neuen Rekord für Lautstärke in Footballstadien aufstellen, aber das Death Valley war schon zur Halbzeit selbiges: Tot. FSU führte zur Pause unangefochten 27-7, und nur dank eines späten Touchdowns konnte Clemson das Endergebnis kurz vor Schluss mit 51-14 ein Tüpfelchen erträglicher gestalten. Der Blowout fühlte sich wie ein Klassenunterschied an. Die Tigers wurden gekillt.

Wie schrieb Andy Staples von Sports Illustrated so schön?

An entire generation of college football fans has come of age with no recollection of when Florida State was the baddest team in the universe, when Sanders and Charlie Ward and Warrick Dunn and Peter Warrick and Peter Boulware steamrolled nearly every team they played. It has been 13 years since the Seminoles finished a season ranked in the top five of the AP Poll. Within the ACC, the fear of Florida State dissipated with each random loss to NC State or Wake Forest. People forgot how thoroughly a fully realized Florida State team can destroy a quality opponent. On Saturday, when Florida State receiver Rashad Greene put a finger to his lips when he reached the terminus of a 72-yard second-quarter touchdown pass and the Clemson crowd complied with silence, the memories came flooding back.

Quelle: FSU looks like dominant ‚Noles teams of past in rout of Clemson, Andy Staples|SI.com.

Was bleibt vom Spiel? Ein sensationeller QB #5 Jameis Winston, der nicht nur großartige Stats lieferte, sondern vor in der Königsdisziplin brillierte: Unter Druck. Clemson-DefCoord Venables war schon in Oklahoma für fröhliches Blitzen bekannt und blitzte auch Winston munter, aber Winston verbrannte jeden einzelnen Blitz. Das war eine der besten Vorstellungen, die ich von einem College-QB bisher gesehen habe. Und Winston ist erst Freshman. Scary, scary shit.

Es war nicht nur der künftige Top-Draftpick Winston (444 Passyards) in der Offense: TE O’Leary und WR Greene jeweils mit über 150yds und krassen Yards-nach-dem-Catch Läufen, aber den Catch des Tages hatte mit Kelvin Benjamin ein anderer. Benjamin scorte den ersten TD auf spektakuläre Weise im Eck am Pylon. Dass der Catch in der NFL nicht gezählt hätte, spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Die FSU-Defense war beeindruckend, hielt den hoch gehandelten QB Tajh Boyd bei 17/37 komplettierten Pässen und praktisch null downfield-Passspiel. Gefühlt ging nicht ein einziger Ball über 20yds. Überragender Mann war ein Altbekannter, und ich muss schon wieder in Lobeshymnen verfallen bei einem Mann, den ich für schlicht nicht genügend gewertschätzt halte: Defensive Back-Allrounder #20 Lamarcus Joyner war der Schlüsselspieler, nicht nur wegen der beiden früh forcierten Fumbles, die den Blowout einleiteten und wegen der INT später. Joyner wird praktisch nie als potenziell hoher Draftpick genannt. Das verstehe, wer will. Ich verehre Joyner seit Jahren abgöttisch, und weiß nicht wie oft ich das auf diesem Blog geschrieben habe: Das ist einer der besten Verteidiger, die ich im College-Football kenne. Flexibel, vielseitig, pfeilschnell. Was ist das Problem bei Joyner? Sein Zwergenwuchs?

Jedenfalls hat FSU die erste richtig schwere Aufgabe der Saison mit Bravour gelöst. Es gibt noch große Gegner im Schedule: Die Miami Hurricanes werden am 2. November empfangen, und am 30.11. muss man zu den Florida Gators nach Gainesville fahren – tja, und dann kommt wohl noch das ACC-Finale, wo man erneut Miami/FL vorgesetzt bekommen könnte.

Ein gefährlicher Gegner für FSU ist FSU selbst: Unter Jimbo Fisher vergeigten die Noles noch in jeder Saison ein Spiel gegen einen Kleinen. Den Statement-Sieg haben sie eingefahren. Nun wird es wichtig, gegen die „Jausengegner“ nicht nachzulassen. Nächste Woche kommt NC State. Gegen die verloren die Seminoles letztes Jahr.

Upsets, soweit das Auge reicht

Die Favoriten fielen wie die Fliegen: Fünf Teams aus den Top-10 kassierten Pleiten, insgesamt 8 Pleiten gerankter Teams gegen niedriger eingestufte Gegner. Gehen wir mal die Liste durch (die Nummern in diesem Abschnitt stehen für die AP-Rankings vor Woche 7):

  • #3 Clemson mit besagter 14-51 Klatsche gegen #5 FSU.
  • #6 LSU in letzter Sekunde 24-27 gegen Ole Miss verloren. QB Mettenberger mit 3 INT, und Ole Miss zeigte das, was man von Ole Miss vor der Saison erwartet hatte: Noch nicht gut genug, um eine ganze Saison auf Topniveau durchzuspielen, aber durchaus mit genügend individueller Klasse um ein Topteam an einem guten Tag zu schlagen. Tja, und mit einem fehlerlosen QB Bo Wallace. Das reichte, um per Last-Second Field Goal zu gewinnen.
  • #7 Texas A&M verliert 41-45 gegen Auburn. QB Manziel zwar mit erneut über 500 Total-Yards by himself, aber mit 2 Turnovers und am Ende sogar ausgeknockt. Auburn mit 60 (!) Laufspielzügen und 379 Laufyards und einem RB Tre Mason in Weltklasseform. Ich habe Auburn dieses Jahr noch nie komplett gesehen, aber mehrmals teilweise: Gus Malzahns Jungs sind nicht fehlerfrei, aber sie sind potenziell gut genug, um uns eine eventuell spannende „Iron Bowl“ Ende November gegen Alabama zu bescheren. Auf alle Fälle ist Auburn 6-1 und damit bereits bei doppelt so vielen Siegen wie in der kompletten letzten Saison.
  • #8 Louisville kassierte schon am Freitag eine 38-35 Heimpleite gegen den einzigen halbwegs nennenswerten Gegner im Schedule, Central Florida.
  • #9 UCLA verliert in Stanford 10-24. Dritte Niederlage für UCLA innerhalb von elf Monaten gegen #13 Stanford. Stanfords Pass-Defense machte den Unterschied, hielt den NFL-kompatiblen QB Brett Hundley bei 4.9 NY/A. Ich kann das Duell Stanford @ Oregon nicht erwarten: Da trifft eine der besten Offenses auf die vielleicht beste Defense im College-Football. Bei Stanford ist mir einzig die Offense in manchen Momenten zu pathetisch. UCLA kriegt nächste Woche auswärts das heftigste Los der Saison: @Oregon.
  • #11 South Carolina mit einer 21-23 Pleite in Tennessee dank Field Goal mit auslaufender Uhr. Ich habe das Spiel nicht zur Gänze gesehen, aber der Grund, weswegen die Gamecocks die Partie verloren haben, dürfte in den 2 Turnovers liegen. South Carolina ansonsten in allen statistischen Kategorien etwas besser als Tennessee. QB Shaw wurde ausgeknockt. Für Tennessee natürlich ein geiler, geiler Tag, der erste „Statement-Sieg“ der Ära Butch Jones; die Vols kommen immer besser in Schwung: Teil 1 des brutalen Schedules wurde noch verschissen (u.a. der Abschuss gegen Oregon), aber zuletzt Georgia in die Overtime getrieben und nun South Carolina geschlagen – aller Ehren wert! Bei den Gamecocks spielt übrigens wieder DE Jadeveon Clowney mit, den manche schon abschreiben wollten. Bullshit. Das ist der beste Abwehrspieler nach Suh (und noch klar vor Lamarcus Joyner), den ich im College-Football jemals gesehen habe. Clowney hatte dann zur Krönung auch mal wieder so einen Hit, der in den Highlight-Reels rauf und runter genudelt werden kann.
  • #14 Mizzou#22 Florida (Endergebnis 36-17 pro Mizzou) ist technisch gesehen kein Upset, aber es fühlt sich wie eines an. Mizzou marschierte mit einem komplett unbekannten Backup-QB Maty Mauk an und fuhr über Florida drüber: 500 Offense-Yards. Florida mit sagenhafte schlechtem Output im Angriff: 151 Yards aus 60 Spielzügen (unter 3yds/Spielzug!). Mizzou bleibt ungeschlagen. Das Simple Ranking System sieht Mizzou als eines der drei besten Teams des Jahres.Die Skill-Player in der Offense von Mizzou sind richtige Granaten. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass nicht South Carolina, Georgia oder Florida die SEC-East gewinnen, sondern Mizzou? Sicher höher als zu Saisonbeginn angenommen. Und sowohl Georgia als auch Florida haben die Tigers schon geschlagen. Next Up: Mizzou vs South Carolina, nächsten Samstag.
  • Nächste Pleite für #15 Georgia (27-31 gegen Vanderbilt). Bei Georgia schlagen die extrem vielen Verletzungen für die Schlüsselspieler immer böser durch, und auch die Kadertiefe ist längst nicht mehr die, die ein BCS-Anwärter haben sollte. Georiga führte schon mit 13 Punkten, wurde aber in der zweiten Halbzeit komplett platt gemacht. QB Murray nur mit 14/28 für 114yds/1 INT.
  • #20 Washington, bei denen man sich vor zwei Wochen noch fragte, ob sie „for real“ sind, ging böse, böse bei Arizona State unter: 24-53. Washingtons hoch gelobter Angriff mit -5 (!) Rushing-Yards. Sacks zählen im College als Laufyards, aber trotzdem… Arizona State ist übrigens auch so ein Team wie Ole Miss: Zu unkonstant, zu wenig tief besetzt für eine richtig krasse Saison, aber immer für einen Ausreißer nach oben zu haben und deswegen nie zu unterschätzen.

Weitere Favoriten taten sich schwer: #10 Miami/FL kämpfte schon am Donnerstag mit den bisher so enttäuschenden UNC Tar Heels und kam mit einem blauen Auge davon. #17 Texas Tech tat sich schwer gegen das unberechenbare West Virginia. #4 Ohio State mühte sich gegen Iowa.

Da lobt man sich #1 Alabama (52-0 über Arkansas), #2 Oregon (62-14 gegen Washington State) oder #12 Baylor (71-7 gegen Iowa State), die ihre Pflichtaufgaben ohne Pipapo lösten. Zwei Bemerkungen dazu:

  • Das BCS-Rennen vorne wird zum Knüller: Alabama, Oregon, FSU und Ohio State sind ungeschlagen und derzeit „Front-Runner“ (Ohio St vor allem wg. mauem Schedule). Baylor und Mizzou als ungeschlagene Alternativen, deren Hauptproblem die Akzeptanz ist: Man traut diesen kleinen Unis nicht so recht.
  • Nochmal Baylor: Die Bears sind der absolute Hammer. Klar, die Gegner bisher waren keine „Juggernauts“, aber trotzdem: 69-70-70-73-35-71. Keine Lottozahlen ohne Zusatzzahl, sondern die Punktausbeute der Bears-Offense in den ersten sechs Saisonspielen. Oklahoma und Texas kommen noch, aber Baylor empfängt beide zuhause.

Drama für Wisconsin: Die Badgers stehen bei 5-2 und werden in den Rankings zurückgehalten, weil sie ein Spiel gegen Arizona State wegen eines Referee-Aussetzers verloren. Das ist schade. Wisconsin könnte durchaus höher gerankt sein. Wenn man vergleicht, dass Michigan ähnlich gut eingeschätzt wird… Wisconsin würde ich gegen Michigan mit zwei Touchdowns nehmen.

BCS-Rankings, Erstausgabe 2013

Wie setzt sich das BCS-Ranking zusammen? Wie ich schon in den letzten Jahren schrieb, besteht das sagenumwobene BCS-Ranking aus drei Teilen:

  • Coaches Poll von USA Today: Zirka 60 Headcoaches stimmen dort ab. Hauptkritikpunkt ist der Interessenskonflikt der Coaches, die natürlich nur allzu gerne das eigene Team oder Teams aus der eigenen Conference in die Richtung klassieren, die ihnen selbst am meisten hilft.
  • Harris Poll: Ein Retorten-Poll, das 2005 gegründet wurde, weil das AP-Poll aus der BCS austrat. Im Harris-Poll stimmen einige Experten, Altstars und Journalisten ab. Es gab in den letzten Jahren immer wieder Skandälchen, Stichwort Bias und Zuneigung von Votern für Teams aus ihrer Region, und einige der Voter gaben unumwunden zu, den College-Football so genau eigentlich gar nicht zu verfolgen.
  • Computer-Rankings: Die künstliche, pseudoneutrale Ansammlung von 10 Computer-Algorithmen, bei denen jeweils das beste und das schlechteste Ranking jeder Mannschaft eliminiert wird, und daraus ein Durchschnitt kalkuliert wird. Großer Kritikpunkt dieses Rankings: Es darf keine „Margin of Victory“ (Höhe des Sieges) berücksichtigen. Nicht alle Rankings sind (meiner Erinnerung nach) transparent, es konnten bei den wenigen transparenten in den letzten Jahren immer wieder Rechenfehler bzw. falsche Ergebniseingaben (!) nachgewiesen werden. Als „pseudoneutral“ bezeichne ich diese Rankings deswegen, weil ihre Algorithmen im Laufe der Jahre immer weiter angepasst wurden, um den beiden „menschlichen Polls“ möglichst nahe zu kommen – mit all ihren inherenten Befangenheiten.

Jeweils zu gleichen Teilen (ein Drittel) werden diese Rankings für das umfassende BCS-Ranking verwendet. Die #1 spielt im Jänner gegen die #2 im BCS-Championship Game. Notre Dame kriegt eine garantierte Einladung in eine BCS-Bowl, wenn es in den Top-8 klassiert ist. Der beste Champion einer Mid-Major Conference kriegt eine automatische Einladung in eine BCS-Bowl, wenn er an #12 oder besser klassiert ist bzw. zwischen #12 und #16, wobei er in letzterem Szenario auf jeden Fall besser klassiert sein muss als zumindest ein Champion aus einer BCS-Conference.

Generell bleibt festzuhalten, dass die Ranking-Kriterien schwer zu definieren sind: Du musst Sieg/Niederlagen berücksichtigen, ebenso wie Stärke der Gegner; beeindruckende Siege musst du höher einzustufen als knappe usw. Am Ende hat jeder ein ähnliches, aber kein komplett gleiches Bild der Rankings im Kopf.

Sicher ist ein SRS (Simple Ranking System) näher an der „Wahrheit“ als die Pseudo-Computerrankings, die für die BCS-Liste zählen, weil das SRS die Höhe der Siege berücksichtigt, die ihm erst die Vorhersage-Genauigkeit gibt. Aber: Die BCS-Liste soll nicht in die Zukunft schauen, sondern möglichst die „verdientesten“ Finalteilnehmer aussuchen.

War Notre Dame letztes Jahr eines der zwei besten Teams des Landes? Nein, aber das wussten wir alle schon vor dem BCS-Finale. Trotzdem ging die Finaleinladung gefühlt in Ordnung, weil Notre Dame gegen einen respektablen bis schwierigen Schedule ungeschlagen durchkam. Und darum geht es im Sport: Spiele zu gewinnen. Nicht darum, das Torverhältnis (im Football besser: das Punktverhältnis) über 12 Spiele zu optimieren.

Letzteres kann ein Indikator für die „wahre Stärke“ sein; aber im College-Football wird eben nicht immer der stärkste belohnt, sondern eine derjenigen sieben, acht Mannschaften der Saison, von denen man jede nominieren könnte. College-Football würfelt sich in Ermangelung einer besseren Methode aus sieben, acht würdigen Titel-Kalibern zwei glückliche Finalisten aus, die sich den Meister ausspielen.

Ist der Meister immer der beste? Nein, aber auch der Fußball-Weltmeister ist nicht immer die beste Mannschaft der Welt.

No.  TEAM                W-L     SRS
#1   Alabama             7-0    25.8
#2   Florida State       6-0    34.3
#3   Oregon              7-0    28.4
#4   Ohio State          7-0    15.9
#5   Missouri            7-0    23.0
#6   Stanford            6-1    18.7
#7   Miami/FL            6-0    15.0
#8   Baylor              6-0    30.1
#9   Clemson             6-1    16.5
#10  Texas Tech          7-0    12.7
#11  Auburn              6-1    13.8
#12  UCLA                5-1    16.1
#13  Louisiana State     6-2    18.9
#14  Virginia Tech       6-1    10.3
#15  Oklahoma            6-1     8.6
#16  Texas A&M           5-2    14.6
#17  Fresno State        6-0     3.7
#18  Northern Illinois   7-0     4.9
#19  Oklahoma State      5-1    12.7
#20  Louisville          6-1    15.3
#21  South Carolina      5-2    12.9
#22  Michigan            6-1     9.3
#23  Central Florida     5-1    11.1
#24  Nebraska            5-1     7.5
#25  Oregon State        6-1    11.1

Ich gebe zu, ich bin einigermaßen überrascht, dass die Seminoles dank der Computer-Rankings an Oregon vorbeiziehen, nachdem sie in beiden Polls hinter Oregon zurückliegen. Baylor ist in Coaches- und Harris Poll jeweils an #5 klassiert, aber bei den Computer nur an #12, fällt dadurch auf #8 im BCS-Ranking zurück. Allerdings kriegt Baylor noch gute Gegner in Oklahoma und Texas, und damit Möglichkeiten auf einen besseren SOS. Gefühlt würde ich ganz vorne sagen: FSU > Oregon > Alabama.

Von den Mid-Majors haben im Prinzip nur noch Fresno State und Northern Illinois BCS-Busterchancen. Beide haben allerdings schlechte SRS-Werte. Fresno ist mit seinem Punte-Rating von 3.7 über dem durchschnittlichen FBS-Team nichtmal in den Top-50 des SRS gerankt! Wenn die Bulldogs im MWC-Finale noch einmal auf Boise State treffen, wären sie nach SRS selbst mit Heimvorteil Außenseiter!

Nach SRS sind auch andere Teams in diesem BCS-Ranking überbewertet: Miami/FL und Texas Tech gehören zwar ins Ranking, aber nicht in die Top-10. Oklahoma schaut nicht wie ein Big-12 Favorit aus. Fresno und NIU hatten wir. Michigan und Nebraska sind auch eher untere Kategorie. Dagegen ist das nach SRS sechstbeste Team des College-Football, Arizona State (+19.9), nicht in den ersten BCS-Rankings vertreten (Sun Devils sind 5-2).

Spielerstreik bei Grambling State

Zum Abschluss ein Ausflug weg von der Glitzerwelt der FBS, denn auch in der zweiten und dritten Division wird College-Sport betrieben – und folglich ist auch folgende Geschichte College-Football.

Aus der FCS, der zweiten Ebene des College-Footballs: Die Spieler von Grambling State haben am Wochenende gestreikt. Der Grund liegt lt. Associated Press in den horrenden Bedingungen, unter denen die Spieler arbeiten müssen: Da ist von Schimmel in den Facilities die Rede, von verunreinigter Spiel-Ausrüstung, die zu bakteriellen Infekten in Teilen der Mannschaft führte. Die Sportabteilung ist quasi pleite, die Spieler müssen selbst ihre Ausrüstungen bezahlen, und bekommen keinen Schluck Gatorade mehr gratis. Das Fass zum Überlaufen soll dann die Entlassung vom Head Coach Doug Williams (Ehemaliger der Uni, Superbowl-Champ als erster schwarzer Starting-QB mit Washington) letzte Woche gebracht haben.

Grambling State ist keine unbekannte Uni: Als HBCU (historisch gewachsene Uni für Schwarze) spielt man in der SWAC (Southwestern Athletic Conference) mit, einer Conference, die sich nicht an den FCS-Playoffs beteiligt. Vor zwei Jahren stand Grambling State im SWAC-Finale, wurde bei ESPN America gezeigt. Dieses Jahr war man 0-7, und ist jetzt 0-8, da das bestreikte Spiel gegen Jackson State mit 0-1 gewertet wurde – dem Ergebnis, das im Football als einziges neben „1-1“ technisch unmöglich zu erreichen ist, sobald es angestoßen wird.

Der größte Spiel in der Geschichte der Atlantic Coast Conference: Clemson Tigers gegen Florida State Seminoles

Wie ich höre, ist das Spitzenspiel dieser Woche im College-Football in Deutschland nicht über den offiziellen Weg zu sehen, und das ist sehr schade, denn um 02h (MESZ) findet heute der Showdown der Atlantic Coast Conference statt: #3 Clemson Tigers gegen #5 Florida State Seminoles, das größte Spiel in der Geschichte dieser Conference. Clemson und F.S.U. sind Divisionsrivalen in der Atlantic Division, beide ungeschlagen, und nur der Sieger kann sich weiterhin Hoffnungen auf Conference-Titel und B.C.S.-Finale machen.

Clemson ist nicht der geschichtlich größte Rivale der Seminoles, aber das kann auch daran liegen, dass die Seminoles erst seit den späten 1970er und frühen 1980er Jahren eine Hausmacht im College-Football sind, seit die Coaching-Legende Bobby Bowden die Noles zu einem „Powerhouse“ transformierte. Die Noles spielen ja überhaupt erst seit gut zwei Jahrzehnten in der A.C.C. mit. Das erste bedeutungsvolle Aufeinandertreffen zwischen diesen beiden Mannschaften war erst 1988, und das war gleich ein besonders spektakuläres. Die Ausgangslage war damals ähnlich: Clemson an No. 3 gerankt, Florida State an No. 10.

Dann kamen die Noles mit Deion Sanders:

Und sie kamen mit einem der bekanntesten Trickspielzüge in den Annalen des College-Sports, dem „Puntrooski“:

Der Zufall will es so, dass dieses legendäre Upset (Seminoles gewannen) auf den Tag genau vor 25 Jahren passierte. Deshalb wird es heute auch die eine oder andere Anspielung in den Übertragungen daran geben.

Clemson gegen Florida State, das war vor circa einem Jahrzehnt bis vor wenigen Jahren auch die so genannte „Bowden Bowl“, das direkte Duell zwischen F.S.U.-Coach Bobby und dessen Sohn Terry, der Clemson coachte. Das, und die vielen engen Duelle um die Vorherrschaft in der Atlantic Division, die meistens entweder vom einen oder vom anderen gewonnen wird, machte aus Clemson und Florida State über die Jahre intensive Rivalen.

Heute hat Clemson den Heimvorteil. Die Tigers werden von Dabo Swinney gecoacht, einem eher stillen Mann, der lieber im Hintergrund bleibt und seinen Trainerstab um den heißer als Frittenfett gehandelten Offensive Coordinator Chad Morris und seine hoch talentierten Starspieler machen lässt. Swinney und sein Trainerstab lassen keine überaus spektakuläre Offense spielen, aber der Teufel liegt wohl im Detail und in der Konstanz dieser Mannschaft, denn sie scort sehr viele Punkte.

Quarterback ist mit Tajh Boyd ein Farbiger, der nächstes Jahr in die National Football League wechseln wird. Wide Receiver Sammy Watkins (No. 2) ist der größte Star der Offense, seit er vor zwei Jahren als Freshman die Liga im Sturm eroberte und fast die Heisman Trophy gewann. Und es gibt RB Roderick McDowell, gegen den bislang kein Kraut gewachsen war.

Dem gegenüber steht bei den Seminoles nur ein ganz großer Superstar: QB No. 5 Jameis Winston, auch ein Schwarzer und ein Freshman, bei dem schon diskutiert wird, ob er der beste Quarterback in der Geschichte dieser Universität ist. Nach sechs Spielen! Ob was dran ist oder nicht, „Famous Jameis“ hatte einen überragenden Einstand auf dem Parkett und gehört zu den großen Favoriten auf die Heisman-Trophy 2013. Merken sollte man sich bei den Noles auch andere Namen: RB James Wilder jr, RB Karlos Williams oder WR Kelvin Benjamin, die alle früher oder später Profis sein werden.

Im letzten Jahr gewann Florida State dieses Spiel zuhause mit 49:37 und alle bescheinigten damals den Noles die bessere Offensive Line gehabt zu haben. Um nicht technischer zu werden als ich es beurteilen kann: Alle sagen Clemson nach, keine gute Defensive Line zu haben, oder viel besser, eine, die sich gerne überlaufen lässt. Heute hat Clemson Heimvorteil.

Es dürfte klar sein, wo meine Präferenzen heute Abend liegen, aber hierzulande sind die Sympathien und die Tipps durchaus geteilt. Die Noles genießen immer noch einen landesweit guten Ruf, aber unter dem Head Coach Jimbo Fisher haben sie sich zusätzlich das Bild angelacht, in jeder Saison wenigstens ein „großes“ und ein „kleines“ Spiel zu vergeigen. Das heute ist ein „großes“.

Auf der anderen Seite folgen die Noles mit diesem Ruf ausgerechnet dem heutigen Gegner, denn „Clemsoning“ ist ein inoffiziell anerkanntes amerikanisches Wort dafür, aus riesigem Talentevorrat viel zu wenig zu machen, und das seit vielen Jahrzehnten.

Eine der beiden Mannschaften wird heute Abend ihren Ruf vorübergehend abschütteln, aber die Skeptiker sagen: Nur, weil es heute Abend eine Mannschaften nicht vergeigen kann.

GO NOLES.


Der TV-Plan für SPORT1 US stammt wie immer von korsakoff, und ich übernehme ihn ohne weiteres (alle Zeiten MESZ):

18h    Tennessee - South Carolina
21h30  Stanford - U.C.L.A.

Anstatt von Florida State – Clemson kommt bei SPORT1 US IndyCar Racing League, was verstehen mag wer will.

Edit|Nachtrag (korsakoff): Clemson-FSU kommt natürlich im ESPN-Player ab 2h. Ganzen Schedule des ESPN-Players kann man bei dogfood/Allesaussersport nachlesen. – korsakoff(/Update)

Noch was? Ach ja, die Oregon Ducks setzen heute mal wieder einen Modetrend und werden dem Monat des Brustkrebs-Gedenkens zu Ehren in rosaroten Helmen auflaufen.