NFL Recaps 2019 – Woche 2

Ein Rückblick auf die ersten Spiele von Woche 2 und den Fitzpatrick-Trade von heute Nacht. Weiterlesen

Pittsburgh Steelers in der Sezierstunde

Die Pittsburgh Steelers gehören zu den besten Mannschaften in der NFL – allein: Sie haben in den letzten Jahren zu wenig Kapital aus ihrer Qualität geschlagen. Der letzte Titelgewinn liegt mittlerweile neun Jahre zurück, die letzte Superbowl-Qualifikation ist auch schon sieben Jahre her. In den Jahren seither qualifizierte man sich zwar fünfmal für die Playoffs – aber man erreichte nur ein einziges Mal das Conference-Finale. Meist war nach guter bis exzellenter Regular Season schon vorher Schluss. Weiterlesen

Vorschau Divisional Playoffs 2015/16: Pittsburgh Steelers @ Denver Broncos

Abschluß der Divisional Playoffs 2015/16: Pittsburgh Steelers (11-6, #6 Seed) @ Denver Broncos (12-4, AFC West Champions, #1 Seed). Kickoff um 22.40Uhr mit Jim Nantz und Phil Simms auf CBS; oder auch bei Sat.1/ran.de und PULS4.

Keine Spoilers hier, die gibt es alle in korsakoffs Liveblogs. Hier die spoilerfreie Vorschau auf Steelers @ Broncos nach dem Klick. Weiterlesen

Vorschau Wild Card Playoffs 2015/16: Pittsburgh Steelers @ Cincinnati Bengals

Runde Zwei am heutigen AFC Wild Card Saturday: Pittsburgh Steelers (10-6, #6 Seed) @ Cincinnati Bengals (12-4, AFC North Champion, #3 Seed), Kickoff: 02.15Uhr. Via NFL Gamepass überträgt CBS mit Jim Nantz und Phil Simms; also sollte man unbedingt eine der deutschsprachigen Übertragungen wählen: PULS4 in Österreich oder Sat.1/ran.de mit Frank Buschman und Patrick Esume. Weiterlesen

NFL Notizblock, Week 2: MNF Pittsburgh Steelers @ Cincinnati Bengals

Es war das typische AFC-North-Duell, wie man es erwarten konnte: gute Defense, harte Hits und wenig Punkte. Da Steelers/Bengals aber noch lange nicht die Intensität der Steelers-Ravens-Rivalry hat, mangelte es streckenweise an Aufregung. Aber hey: nächste Woche spielt Oakland Monday Night. Also suchen wir mal das Positive.

Noch vor dem ersten Kaffee heute morgen ist sofort Troy Polamaulu aufgefallen. Mr. Hit&Shoulders sticht nicht nur aufgrund seiner Mähne ins Auge, sondern auch weil er eine einmalige Rolle spielt. Vor dem snap ist er überall zu sehen: mal neben den OLBs, mal zwischen den ILBs, mal im slot wenn er einen TE in man coverage nimmt und manchmal gar nicht, wenn er ganz tief auf der Jagd nach Interceptions seine Kreise zieht. Gegen Cincinnati hat er immer mal wieder hier und da ein play gemacht, aber das ganz große Ding war nicht dabei. (Aber fast: einen screen pass hat er so schnell erkannt, daß er beinahe schon in der passing lane war, bevor Dalton denn Ball geworfen hat. Haarscharf am pick six vorbei.)

Stats / Gamebook

Gamebook

Der zweite Spieler, der bei Pittsburghs D immer auffällt, ist Cornerback Ike Taylor. Schon seit Jahren verteidigt er in jedem Spiel den Nr.1 WR der gegnerischen Mannschaft und schon seit Jahren macht er kaum Fehler dabei. Er ist nicht der schnellste Mann unter der Sonne, aber dafür recht groß mit knapp 1,90m und vor allem technisch perfekt und einer der klügsten Defensive Backs diesseits von Darrelle Revis. Gestern hat er A.J. Green verteidigt, stark wie eh und je: 14 targets, nur sechs completions für 41 Yards.

Wie eh und je hat auch die Steelers-D insgesamt verteidigt: sehr diszipliniert, kaum missed tackles, keine blown coverages. Daß ILB Larry Foote verletzt fehlte (für ihn spielten abwechselnd Kion Williams und Vince Williams) und OLB James Harrison nicht mehr da ist (für ihn spielte Rookie Jarvis Jones) fiel nicht unbedingt negativ auf, aber die jungen Ersatzleute machen noch nicht den großen impact. Jede Menge kurze Pässe zu Green und Mo Sanu, kurze Pässe zu den TEs Tyler Eifert und Jermaine Gresham und 30 Läufe von BJGE & Bernard haben immerhin für 20 Punkte gereicht.

Auf der anderen Seite des Balles sah es dagegen sehr un-Steelers-mäßig aus. Der wild scramblende, Verteidiger abschüttelnde, den Ball übers gesamte Spielfeld prügelnde Ben Roethlisberger ist nur noch sehr selten zu sehen. Seine speed guys Antonio Brown und Emmanuel Sanders fangen jetzt ständig screens statt tief zu laufen; TE Heath Miller fehlt an allen Ecken und Enden; der beste OLiner fehlt auch; nur das Laufspiel ist wie immer: 2,8 yards per carry.

Das paßt nicht viel zusammen in Pittsburghs Angriff. Immerhin konnte Cincys DT Geno Atkins ganz gut eingebremst werden, soweit ich das sehen konnte. Spielte er auf der rechten Seite der Offense, kam Guard David DeCastro ganz gut mit ihm klar; stand er links, bekam er so gut wie immer ein double team. DE Michael Johnson hat dafür umso mehr Terror gemacht. Schwächen haben die Bengals immer noch in der Mitte hinter der DLine, wenn in der Nickel-D Ray Maualgua und Vontaz Burfict TEs oder RBs decken müssen.

Cincinnati bleibt unspektakulär, aber wie schon letzte Woche gegen Chicago mehr als solide. OC Jay Gruden ist sehr kreativ mit seinem TE-Duo, und wenn das noch gefährlicher wird (gestern zusammen neun catches, 132 Yards) und Rookie RB Gio Bernard mehr Vertrauen und mehr carries bekommt (neun touches, 65 Yards, TD), kann dieser Angriff nur besser werden. Die Bengals bleiben Favorit auf die AFC-North-Krone. Pittsburgh ist nocht nicht ganz veloren, dafür ist die Defense zu stark. Aber irgendwas müssen sich OC Todd Haley und HC Mike Tomlin überlegen. Nächste Woche spielen sie wieder in prime time, zu Hause gegen Chicago. Bei einem 0-3-Start könnte es sogar in Pittsburgh lautere Unruhe geben.

Pittsburgh Steelers in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         8-8    --
Enge Spiele    5-6 
Pythagorean    8.7   (14)
Power Ranking   .530 (12)
Pass-Offense   6.2   (16)
Pass-Defense   5.3    (2)
Turnover       -10

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Bei den Pittsburgh Steelers heißt es langsam Abschied nehmen von den letzten Recken einer erfolgreichen Spielergeneration. Mit den notgedrungenen Verabschiedungen von OLB Harrison oder DT Hampton gehen die beiden letzten Eckpfeiler der einst gefürchteten Steelers-Defense. Wenn die Dynamik in der Defense völlig erlahmt und die Verletztenliste jede Woche länger wird und die Knochen der Strategen auf dem Feld zu ächzen beginnen, weißt du: Das Ende einer Ära ist nah.

Eigentlich fassungslos: Die Steelers standen vor zwei Jahren noch in der Superbowl und waren 2011/12 immer noch eine der besten NFL-Mannschaften bis zu einem Freakviertel gegen Tebow. In der abgelaufenen Saison aber zeigte sich auf einmal in aller Brutalität die Leistungserosion in einem Team mit Alterungserscheinungen.

Es ist für den stillen GM Mike Colbert keine Zeit für Sentimentalitäten: Pittsburgh musste nach Jahren des Hinauszögerns den harten Schnitt wagen und einige der letzten Superbowl-Helden rausschmeißen. Im Hintergrund warten schon einige jüngere Athleten, gut gedraftet, aber bisher zumeist noch mit wenig Erfahrung als Starter.

Steel Curtain

Seit den 70er Jahren die Basis fast jeder Steelers-Mannschaft, und 2012/13 trotz vieler Probleme immer noch halbwegs passabel: Die Defense. Aufgegebene 5.3 NY/A im Passspiel sind der zweitbeste Wert in der Liga, die 58% Erfolgs-Quote gegen den Lauf immer noch #11. Die Steelers waren mit 25.99 Yards/Drive immer noch die zweitbeste Defense, aber es hakte an dem einen: Turnovers. Seit zwei Jahren erzwingen Steelers-Verteidigungen fast keine Turnovers mehr (z.B. sind 1.9% INT-Quote schwach). Glücklicherweise sind just die Turnovers die volatilste Statistik und Regression zur Mitte passiert schneller als man „Fumble“ aussprechen kann.

Und nun der unglückliche Part: Die Steelers haben schwere Probleme im Passrush (OLB Harrison entlassen, OLB Woodley fast nur noch verletzt) und mit CB Ike Taylor ist der beste Deckungsspieler nicht mehr viele Snaps vom Karriereende entfernt. In der Defense Line wurde der zirka siebenundachtzig Jahre alte NT Casey Hampton entsorgt, und zurück bleibt eine Unit von jungen Spielern, denen nicht jeder traut: Ziggy Hood, Alameda Ta’amu, Cam Heyward (plus DE Keisel aufm letzten Halali).

Auf Linebacker braucht Pittsburgh besser heute als morgen junge Passrush-Verstärkung für die „Edges“ (also OLBs), nachdem von der einst gefürchtetsten Unit in der NFL nur noch ILB Lawrence Timmons übrig ist. In der Secondary passt die Safety-Position, wenn Clark und Polamalu einsatzfähig sind; das ist kein „wenn“, an dem man nur locker vorbeischauen sollte, denn insbesondere Polamalu ist seit mehreren Jahren geplagt von Zipperlein – Folgen seiner über Jahre knochenharten Spielweise?

Auf Cornerback wie schon geschrieben: Ein paar Jungstars sind nie von Schaden.

Offense

QB Ben Roethlisberger hatte ein gutes, kein großartiges Jahr, aber Big Ben war auch mehr verletzt oder auf Schmerzmitteln als einem jeden GM lieb sein kann. Es ist ein Nebenprodukt einer seit vielen Jahren einfach nicht in harmonierenden Offensive Line. Ein wichtiger Grund, erraten: Verletzungen. Woran liegt es, dass Pittsburgh seit längerem so viele Verletzungsprobleme hat? Ist es Zufall und Pech? Ist es das Heinz Field, eines der anerkannt schlimmsten Spielfelder in der Liga? Ist es nur das Alter?

In der O-Line tendiere ich dazu zu sagen: Nope, kein Altersproblem. Die OTs Gilchrist und Adams sowie OG DeCastro sind blutjunge Spieler, Rookies oder Jungs im zweiten Jahr, allesamt hoch gedraftet, allesamt mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht, aber sie alle verpassten 2012/13 Großteile der Saison. OT Colon ist weg. Es sind junge Spieler (u.a. auch C Pouncey und die genannten Langzeitverletzten) da, und wenn sie mal gesund bleiben, dürfte das Potenzial nicht das schlechteste sein.

Neu ist im Übrigen O-Line Coach Jack Bicknell jr., der aus Kansas City kommt und dort verantwortlich war für eine sehr gute Blocking-Unit für den Lauf. Das ist was, das Pittsburgh verzweifelt sucht. Die Steelers wollen seit ein paar Jahren zurück zu ihren Wurzeln, weg von der luftigen Offense, hin zu mehr ground’n’pound (scheiß auf alle NFL-Trends!) – mit folgendem Resultat 2012/13: 34% Erfolg-Quote, #31 in der Liga.

Einige Schuld dürfte die Offense Line betroffen haben, aber auch die Backs galten als nicht unbedingt Spitzenklasse: RB Mendenhall ist nun in Arizona, war aber eh meist – yup – verletzt. RB Chris Rainey wurde schon nach einem Jahr aufgegeben und gefeuert. Dywer und Redman wurden gehalten, aber es ist nicht auszuschließen, dass Pittsburgh sich noch einen Back draftet, auch wenn OffCoord Haley mit Backs ähnlich viel anzufangen weiß wie der Papst mit Kondomen.

Haley will Passspiel, wenn auch in teilweise merkwürdiger Verpackung (Roethlisberger fetzte sich öffentlich wegen des PlayCallings). Allerdings musste mit Mike Wallace der Top-WR ziehen gelassen werden – Pittsburgh hat nach Jahren des Alterns Schwierigkeiten mit der Salary Cap. WR Emmanuel Sanders ist als RFA auf dem Spielermarkt für einen 3rd-Rounder zu haben und die Steelers hätten Probleme, gegen einen Vertragsentwurf mit frontloading ihr Vorkaufsrecht zu ziehen. Der einzige Receiver mit Langzeitvertrag ist Antonio Brown, dem ein enttäuschender Herbst nachgesagt wurde. Dafür wurde der einstige Steeler, der verlorene Sohn Plaxico Burress per Einjahresvertrag aus den Rente geholt. Die Tight Ends passen: Miller und Spaeth sind mehr als solide.

Die Backup-QBs wurden auch ausgetauscht: Gradkowski und Wilson für Batch und Leftwich.

Ausblick

Die Probleme sind denke ich aufgezeigt. Trotzdem sind die Steelers immer noch ein Team, das mit einem etwas gesünderen Kader locker in die Playoffs eingezogen wäre. Man putzte auch letzten Herbst viele gute Teams, verschenkte aber unnötig Spiele gegen Gurkenteams wie Tennessee. Man musste wochenlang ohne den Superstar Roethlisberger antreten und wenn der mal spielte, war er unter ärztlich genehmigten Drogen.

Viele der Probleme sind mittelfristiger Natur: Der Kader muss schnellstens verjüngt werden, oder man schmeißt die Jahre 2015-2017 weg. Und der Umbau muss via Draft passieren, bis man finanziell wieder auf so guten Beinen steht, dass man sich teure Verträge wieder leisten kann.

Pittsburgh 2013/14: Die großen Problemzonen sind Passrush und Cornerback sowie Running Back und die Tiefe auf beiden Seiten der trenches (Anspiellinie). Mit etwas weniger Verletzungspech und dem einen oder anderen generierten Turnover in der Abwehr spielen auch alte Steelers wieder vorne mit.

„Jede Menge Können… Und ein bisschen Glück.“

Prolog: Es gibt, wie ich jüngst geschrieben hatte, mittlerweile mehrere lesenswerte deutsche Football-Blogs bei WordPress. Eines davon ist das neue Hardcount-Blog von Flo Zielbauer und Benni Köpfle, wo ich den Lesern rate, mal vorbeizuschauen. Die beiden scheinen vor allem auf Regelkunde und Spielzuganalyse fokussiert. Flo Zielbauer hat heute eine Kostprobe für Sideline Reporter geschrieben.


Monday Night Football in Pittsburgh, PA. Die erste Hälfte neigt sich dem Ende, die Anzeige auf Jon Grudens „This guy“-Zähler nähert sich mit bedenklicher Geschwindigkeit der Dreistelligkeit. Es gießt seit Stunden wie aus Eimern und die Gastgeber liegen 10:3 gegen Kansas City zurück. Moment mal. Gegen die Chiefs? Oh ja, Gegen die Kansas City Chiefs.

Die Steelers sehen sich mit einem 1st & Goal von der Sieben-Yard-Linie konfrontiert. Sie entscheiden sich hier für schweres Personal, Mike Wallace ist der einzige Receiver auf dem Feld und zur Rechten der Formation als Split-End aufgestellt. Die Steelers geben den Chiefs mit ihren Extra-Linemen und der engen Formation einen Run-Look, den die Chiefs auch mit neun Mann in der Box entsprechend respektieren.

line of Scrimmage

@NFL-Gamepass

Der Playcall der Steelers ist trotz des hefitgen Run-Looks ein Passspielzug mit maximaler Protection. Acht Mann kümmern sich ausschließlich um den Schutz von Quarterback Ben Roethlisberger, Tight End Heath Miller und der schon angesprochene Wallace sind die einzigen eingeplanten Anspielstationen. Die Routen sind eine Crossing Route für Miller und ein Double Move für Wallace, der in der allgemeinen Terminologie Post-Corner genannt wird (Route beginnt in Richtung Goalpost, aber es gibt einen zweiten Richtungswechsel richtung Ecke der Endzone). Das Play ist recht simpel und schnell zu lesen, Roethlisberger hat drei Optionen:

  1. Blitzen die Linebacker bestraft er sie mit einem schnellen Wurf zu Miller auf der Shallow-Cross-Route.
  2. Ist dies nicht der Fall, wendet er sich zu Wallace, simuliert einen Wurf auf der Post-Route („Pump Fake“), hofft dass sein Verteidiger sich davon verwirren lässt und wirft zu Wallace in die Ecke der Endzone.
  3. Sollten die Linebacker nicht blitzen und der Cornerback nicht auf den Fake anbeissen, muss Ben den Ball ins Aus werfen, den Spielzug abhaken und zum nächsten übergehen.

Soweit zur Theorie. Wie ist es aber nun in der Praxis abgelaufen? Hier die Situation direkt nach dem Snap:

Snap

@NFL-Gamepass

Ein Blick aus dem Augenwinkel reicht Ben, um zu sehen dass Option 1 gestorben ist, Miller wird links von Corner und Outside Linebacker in die Zange genommen und in der Mitte warten noch zwei Inside Linebacker, die nicht blitzen. In der Mitte schielt Safety Eric Berry ins Backfield auf Running Back Jonathan Dwyer, was Mike Wallace outside ein 1 on 1 gegen Cornerback Brandon Flowers verschafft. Ein Wort zu Flowers: Verdammtnochmalgutundzwarsorichtigwennnichtsogareinerderbestenderliga! Das 1 on 1 auf der rechten Seite ist der optimale Look für den Double Move und so führt Big Ben den Pump Fake aus.

drop-back

@NFL-Gamepass

Brandon Flowers (roter Kreis) hat schon ein paar Double Moves gesehen in seinem Passverteidiger-Leben. Dieser spezielle schafft es sehr zum Unbehagen der Steelers nicht ihn aus der Fassung zu bringen. Er klebt an Wallace wie eine Schmeissfliege an einer Windscheibe und scheint den Pittsburghern den Spielzug mit seiner Aufmerksamkeit versaut zu haben.

Dann kommt dieser Moment. Roethlisberger ist nicht bereit, das Play aufzugeben und er weiss um Wallaces Speed. Und so entscheidet er sich für eine Mischlösung aus Option 2 und 3. Er wirft den Ball eigentlich weg. Er wirft ihn aber an einen Ort an den Wallace mit übermenschlichem Einsatz eventuell erreichen könnte. Und genau von so etwas wurden wir Zeuge Montag Nacht. Der Screenshot unten zeigt das Geschehen kurz nachdem Ben den Ball loslässt. Die rot gestrichelte Linie zeigt die Flugkurve des Balls. Bei genauem Hinsehen erkennt man sogar, dass Wallace zu diesem Zeitpunkt sogar noch hinter Flowers zurücklag auf dem Weg zum Ball.

roethlisberger pass

@NFL-Gamepass

The rest is history – Wallace macht einen un-glaub-lich-en Starting-With-One-Hand-and-ending-between-the-legs-Catch, der den Steelers den Ausgleich kurz vor der Hälfte bringt, und Brandon Flowers bleibt nichts anderes übrig, als ungläubig den Kopf zu schütteln. Der Wurf von Roethlisberger war allererste Sahne und klappt in dieser Form vielleicht in einem von zwanzig Versuchen. Aber was will man machen, wenn sich zu jeder Menge Können auch noch eine gewisse Portion Glück gesellt? – Einfach zuschauen und staunen, Brandon Flowers.

@SBNation.com


As just written, nochmal: Hardcount.wordpress.com.

Recap Week 9: New York Giants – Pittsburgh Steelers

Spoilerwarnung at the top.

Es war vielleicht das beste Saisonspiel der Pittsburgh Steelers, die ihre Partie trotz hektischer Anreise in die Meadowlands 24-20 gewannen und wirklich die rundere, bessere Mannschaft an diesem Tag waren.

Die Steelers gruben sich aus einem psychischen Loch, in das sie in der ersten Halbzeit mit drei, vier fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen geworfen wurden: Zwei Pass Interferences gegen Steelers-DBs waren so lauwarm, dass dagegen das (geschenkte) Personal Foul gegen S #25 Ryan Clark wie eine verständliche Entscheidung der Refs aussieht… Okay: Clarks Hit sah im Realtempo schon sehr heftig aus, und kann insofern wohl entschuldigt werden.

Richtig geschenkt schaute dagegen der Giants-TD zum zwischenzeitlichen 14-7 für New York aus, ein Fumble-Return des LBs Michael Boley: QB Big Ben Roethlisberger hatte den Ball im Wurfversuch verloren. Yup, der Ball kam seeeeehr früh in der Wurfbewegung raus, aber ich hätte doch spätestens nach Instant Replay doch die wohl „richtigere“ Entscheidung – Incomplete Pass – erwartet gehabt.

Sei’s drum. Die Steelers spielten die Giants auch so aus. Hilfe kam von den Special Teams mit mehreren langen Returns, aber spätestens in der zweiten Halbzeit brauchte Pittsburgh nicht mal mehr diese: Roethlisberger machte kein überragendes, aber ein kontrolliertes Spiel und verteilte die Eier entweder auf den heiß laufenden RB #33 Isaac Redman (IMHO die eigentlich bloß zweite oder dritte Option im Steeler-Backfield) oder an die wuseligen Wide Receivers.

Herausragend war dabei vor allem der Touchdown-Lauf des WR #17 Mike Wallace, der sensationellen Speed zeigte und die eigentlich exzellent positionierten Giants-DBs einfach mal so wie Statisten aussteigen ließ – und das im vierten Viertel, in ELIS VIERTEL.

Der angebliche „Clutch“-Eli brachte in Halbzeit zwei kein Bein mehr auf den Boden, kollabierte unter dem doch beträchtlichen Druck der Steelers und fabrizierte zwei oder sogar drei Three’n’Outs en suite, als seine Wunderkräfte als Comebacker am dringendsten benötigt gewesen wären.

Interessant war auch die von Steelers-Chef Mike Tomlin gewohnte Aggressivität. Ein 4th down wurde konventionell ausgespielt. Ein weiteres nicht: Ganz nah an der EndZone versuchte sich Pittsburgh an einem Fake-Fieldgoal, das durch eine bärenstarke Reaktion eines „Blauen“ verhindert werden konnte. Ich meine, als Defense wäre ich bei so kurzen Fieldgoals immer auf einen Fake besonders aufmerksam, weswegen ich eigentlich erwartet hätte, dass die Steelers wenn, dann per Sneak oder kurzen Lauf auf traditionelle Weise den Versuch angehen würden.

War wurscht. Steelers gewinnen. Steelers back in the hunt.

Recap: Titans – Steelers

Es war ein sehr spannendes Spiel im feuerwerkerleuchteten Coliseum zu Nashville, und ein farbenfrohes auch hinter den Mikros bei NFL-Network, wo Brad Nessler und Mike Mayock mit ihren pinken Käppies ein Bild für die Götter abgaben.

Zum Spiel. Für die Titans war es ein relativ glücklicher Sieg gegen verletzungsgeplagte Pittsburgh Steelers, denen neben Polamalu in der Defense eine ganze Reihe an Offensivspielern während der Partie flöten gingen, von RB Mendenhall über RB Redman hin zu den Offensive Linemen Pouncey und Gilbert.

Tennessee konnte überraschenderweise sogar so was wie Laufspiel implementieren, wobei vor allem der viel gescholtene RB Chris Johnson mehrfach über die Mitte (!) acht bis zehn Yards hinlegte. Über die Mitte. Gegen Pittsburgh. CHRIS JOHNSON.

Der wahre Star in der Titans-Offense dürfte allerdings die Offensive Line gewesen sein, die die Pocket für den QB Matt Hasselbeck erstaunlich ruhig halten konnte gegen einen dezent lahmen Druck der Steelers, deren notwendigerweise verjüngte Defense tatsächlich nicht mehr an die Qualität früherer Tage heranreicht.

Hasselbeck selbst darf sich starke Drives zu Spielbeginn, zum Ende der ersten Halbzeit und zweimal im Schlussviertel auf die Stirn heften, aber da waren auch eine ganz üble Interception und eine fast noch üblere gedroppte Interception gegen ihn dabei. Auf der anderen Seite erlebten die WRs #13 Kendall Wright und #18 Kenny Britt wechselhafte Tage, wobei vor allem Britts Drops bzw. fast gedroppter und im zweiten Nachfassen erfolgreicher Touchdown sinnbildlich für das Spiel standen.

Pittsburgh sollte im Angriff nur noch auf QB Ben Roethlisberger setzen: Was Roethlisberger wieder in die Lüfte zauberte, war schon stark, diesmal sogar ohne allzu viele Scrambles, dafür fast ohne Laufspielunterstützung und mit prinzipiell nicht wirklich gut aufgelegten Wide Receivers #84 Brown und #17 Wallace (trotzdem 8.9yds/Passversuch für Big Ben).

Unglücklich für die Steelers waren ein schlecht aufgelegter CB #24 Ike Taylor, ein geblockter Punt, der an die 1yds-Line returniert wurde und schließlich ein gescheitertes 54yds-Fieldgoal in der Crunch Time… okay, so überraschend kommt ein FG-Fehlversuch von K Shaun Suisham nun auch nicht.

Pittsburgh mit 2-3 erstaunlich durchwachsen in die Saison gekommen, und einen Vick-Fumble von einer halben Katastrophe entfernt. Tennessee wie aus dem Computer gespuckt mit dem Heimsieg bei 2-4, aber irgendwo auch keine Bäume ausreißend. Wohltuend ist das Ergebnis für die Divisionen der beiden Teams, die dadurch umso mehr an Thrill gewinnen.

NFL-Woche 1/2012: Denver Broncos – Pittsburgh Steelers im Rückspiegel

Wie schon gestern Abend: Aus Spoilergründen gibt es den Kommentar zum Spiel erst nach dem Sprung.

Das Endergebnis sieht klar aus, aber das Spiel war enger als man annehmen würde. Denver gewann verdient 31-19, aber es war lange Zeit ein offenes Spiel gewesen. Zwei Storylines: Peyton Manning. Und Peyton Manning. (Okay, eine dritte war die fürchterlich übermannte Offensive Line der Steelers)

Manning legte bei seinem Comeback in die NFL ein insgesamt erstklassiges Spiel hin, wirkte aber für meine Begriffe noch nicht 100%ig wie der Alte – die Würfe waren hin und wieder unpräziser als zur Blütezeit. Trotzdem ein insgesamt sauberes Spiel von Manning (9.2yds/Passversuch), ohne größeren Fehler. Mehrere schnelle, kurze Pässe für Slot-WR #14 Brandon Stokley, WR Eric Decker und TE Tamme, und dann der ganz lange Touchdown für WR #88 Demariyus Thomas, der der Steeler-Secondary wie schon im Jänner auf und davon rannte.

Okay. Der Pass war ein kurzer, aber Manning erkannte richtigerweise das Fehlen des Safetys in diesem Spielzug, sodass es für Thomas ein relativ leichtes war, durchzulaufen.

Auf der anderen Seite bezog QB Roethlisberger mächtig Prügel hinter einer auf den Außenpositionen völlig überrumpelten Offensive Line (glaube sogar, dass auch noch OT Gilbert verletzt rausmusste). Was die Defensive Ends und Outside Linebackers um #92 Dumervil und #58 Von Miller da veranstalteten, war allererste Sahne und zwang Roethlisberger immer wieder zur Improvisation.

Roethlisbergers größte Waffe war im Prinzip TE #83 Heath Miller, der vor allem in der zweiten Halbzeit mehr als einmal den Notnagel geben musste und mehrere 3rd downs verwertete.

Laufspiel? Laufspiel? Fehlanzeige. Roethlisberger musste die Steelers komplett alleine tragen, was irgendwann schief gehen musste. CB #22 Tracy Porter sprang bei 25-19 (also durchaus noch offene Partie) in den Schlussminuten wie weiland in der Superbowl in einen Pass und returnierte zur Entscheidung. In den letzten Spielzügen kam Denver mehrmals en suite mit All-Out Blitz und brachte Roethlisberger jedes Mal per Sack zum Fall.

Fazit: Für die Steelers liegt der Schlüssel in der Zukunft in besserer Protection (harhar), Denver kann erstmal aufatmen. Mannings Fitness ist konkurrenzfähig, und auch wenn es insgesamt in der Offense noch durchaus Verbesserungspotenzial gibt, war das erstmal ein sehr geglückter Saisonstart.

Glaskugel 2012: Pittsburgh Steelers

Eigentlich könnte man für die Pittsburgh Steelers jedes Jahr die gleiche Vorschau schreiben: super Defense, toller Ben, schlechte O-Line – mindestens Playoffs. Die letzte große Veränderung gab es 2006, als der damals 34-jährige Mike Tomlin, vormals DBs Coach der Bucs und DC der Vikings, den Cheftrainerposten vom ewigen Bill Cowher übernahm. Tomlin ist nach Cowher und Chuck Noll erst der dritte Head Coach der Steelers seit 1969. Das wird er auch erstmal bleiben, erst in den letzten Tagen hat Tomlin seinen Vertrag bis 2016 verlängert.

Überhaupt ist die Geschichte der Steelers eine Geschichte der Kontinuität. Seit Jahren und Jahrzehnten ist das personell management wie aus dem Lehrbuch: building through the draft. Gerade die Spieler aus den Runden zwei bis fünf werden in steter Regelmäßigkeit ab ihrem zweiten oder dritten Jahr Stammspieler und Leistungsträger. GM Kevin Colbert schafft es Jahr für Jahr, eine Mannschaft zusammenzustellen, die um den Super Bowl mitspielt.

Defense

In der Defense ist eigentlich alles so wie immer. Die D-Line ist groß, dick und namenlos; die Linebackers sind sehr smart und noch viel aggressiver, manchmal auch andersrum; CB Ike Taylor macht eine Seitenlinie dicht und den Rest übernimmt Safety Troy Polamalu. Orchestriert wird das ganze seit gefühlt 1963 von DC Dick LeBeau.

Einige kleinere personelle Änderungen auf der defensiven Seite gibt es aber doch. Altersbedingt hängen DE Aaron Smith und LB James Farrior ihre Pads für immer in den Spind; leistungsbedingt wurde CB Bryant McFadden vor die Tür gesetzt und geldbedingt hat Nr.2-CB William Gay in Arizona unterschrieben.

Schedule

Wk1 @ DEN (SNF)
Wk2 v NYJ
Wk3 @ OAK
Wk4 BYE
Wk5 v PHI
Wk6 @ TEN (TNF)
Wk7 @ CIN (SNF)
Wk8 v WAS
Wk9 @ NYG
Wk10 v KC (MNF)
Wk11 v BAL (SNF)
Wk12 @ CLE
Wk13 @ BAL
Wk14 v SD
Wk15 @ DAL
Wk16 v CIN
Wk17 v CLE

Für alle vier wurde die Nachfolge aber bereits in-house geregelt – wie das bei den Steelers eben so üblich ist. Um Smiths Nachfolge balgen sich zwei 1st-rd pick: Ziggy Hood (2009) und Cam Heyward (2011). Hood konnte bis jetzt noch nicht sonderlich überzeugen und Heyward hatte nach fehlenden OTAs und richtigem Trainings Camp letztes Jahr auch so seine Schwierigkeiten, sofort durchzustarten. Das sollte aber vor allem im Falle Heyward nicht viel heißen, die meisten jungen Steelers starten nicht sofort voll durch.

So ist man dann in Pittsburgh auch gar nicht so traurig, daß Gay und McFadden nicht mehr dabei sind. Mit Keenan Lewis (3rd-rd 2009), Curtis Brown (3rd-rd 2011) und Cortez Allen (4th-rd 2011) sind drei vielversprechende Jungspunde im Kader, von denen man viel erwartet. Starter neben Taylor soll Lewis werden.

Farrior wird jetzt in Vollzeit von Larry Foote ersetzt, der mit seinem Nebenmann Lawrence Timmons auch die Aufgabe haben wird, den in der dritten Runde gedrafteten Sean Spence einzulernen.

Umgeben sind Foote/Timmons immer noch vom besten OLB-Duo der Welt. Ohne Diskussion. James Harrison und LaMarr Woodley haben hinter sich auch zwei talentierte Nachwuchskräfte, die sich ihre Sporen verdienen wollen. Jason Worilds (2nd-rd pick 2010) und Chris Carter (5th-rd pick 2011) machen sich noch zwei, drei Jahre warm, bis der 34-jährige Harrison dann mal abtritt.

So hat Pittsburgh auf so gut wie allen Positionen talentierte junge Leute, die ganz old-school mäßig erstmal zwei, drei Jahre alles von der Pike auf lernen und dann die Altvorderen ablösen.

Immer wieder taucht das Gerede von “ach-zu-alte-Defense-Pittsburgh” auf, aber wenn man sich das mal genau beguckt, stimmt das gar nicht. In der D-Line kommen Heyward und Hood; dazu noch der diesjährige 4th-rd pick Alameda Ta´amu, der Casey Hampton ablösen wird. Timmons und Woodley wurden erst 2007 gedraftet und für die beiden anderen LB-Spots – die ja erstmal noch hervorragend besetzt sind – sind auch schon Nachfolger im Kader. In der Secondary sind drei sehr junge Cornerbacks, in die viel Vertrauen gesetzt wird. Viel besser geht langfristiges Teambuilding gar nicht.

Offense

In der Offense sind zwei Veränderungen zu beobachten. Zum einen wurde der langjährige Offensive Coordinator Bruce Arians unter mysteriösen Umständen gegangen – sehr zur Verärgerung von QB Ben Roethlisberger. Der muß sich jetzt mit dem im persönlichen Umgang nicht immer sehr einfachen Todd Haley arrangieren. Zum anderen haben sich die Steelers in den letzten zwei, drei Jahren ganz heimlich, still und leise eine junge, talentierte Offensive Line zusammengestellt, die für erhebliche Überraschungen sorgen könnte.

Fangen wir mit der Offensive Line an. Auch hier sieht man deutlich das langfristige Konzept – und vielleicht sogar schon dieses Jahr erste Ergebnisse. Nach Jahren unterirdischer Leistungen von alten, kaputten Männern könnten dieses Jahr vier hungrige Typen in der Linie stehen, die allesamt jünger als 25 Jahre sind und alle 1st- bzw. 2nd-rd picks waren.

In der Mitte snapt Maurkice Pouncey. Der 1st-rd pick 2010 ist zwar nach wie vor overhyped, aber trotzdem ein guter Center. Der letztjährige 2nd-rd pick Marcus Gilbert hat schon als Rookie eine gute Figur als RT gemacht und sollte nur noch besser werden. Der ehemalige RT Willie Colon, der in den letzten beiden Jahren verletzungsbedingt kaum gespielt hat, soll einen Guard geben, während der diesjährige 1st-rd pick David DeCastro die andere Guard-Positionen übernehmen wird. Um den Posten als Left Tackle streiten sich der diesjährige 2nd-rd pick Mike Adams und der altbekannte Max Starks. Als back-ups für die gesamte Linie stehen daneben noch die genauso altbekannten Trai Essex, Doug Legurksy und Ramon Foster bereit.

Insgesamt also eine deutliche Verbesserung gegenüber den letzten Jahren mit noch rosigeren Aussichten für die Zukunft. Die andere Veränderung gibts auf dem Posten des Offensive Coordinators.

Exkurs Todd Haley

Haley, der neue OC, ist ein seltsamer Typ. Er selbst hat nie Football gespielt, sondern Golf – und das auch einigermaßen erfolgreich. Aufgrund einer Rückenverletzung reichte es aber nicht für die PGA Tour. Nun war aber sein Vater, Dick Haley, eine große Nummer in der NFL. 20 Jahre lang war Dick Director of Player Personnel der Pittsburgh Steelers und ab 1991 für 12 Jahre in gleicher Position bei den Jets.

Dort heuerte Todd 1995 im Scouting Department an. 1997 übernahm Bill Parcells die Jets und war vom jungen Haley so begeistert, daß er ihn gleich in seinen Trainerstab übernahm. Haley begann als Quality Control Coach und wurde später Wide Receivers Coach. In beiden Position arbeitete er sehr eng mit Offensive Coordinator Charlie Weis zusammen. (Überhaupt war der Kern der späteren Patriots-Bagage damals unter Parcells zusammen bei den Jets: Bill Belichick, Romeo Crennel, Weis, Eric Mangini, Scott Pioli)

Nach einem dreijährigen Intermezzo als WR-Coach bei den Bears dachte Parcells sofort an seinen jungen Assistenten, als er die Dallas Cowboys übernahm. Dort war Haley von 2004 bis 2006 Passing Game Coordinator und WR Coach, machte aus dem ungedrafteten Tony Romo einen guten Quarterback und mußte die Diven Terrell Owens und Terry Glenn bei Laune halten. Manchmal hat er sie auch einfach öffentlich zusammengestaucht.

So hat er es dann auch 2007 und 2008 als OC der Arizona Cardinals mit Anquan Boldin gemacht. Allerdings so erfolgreich, daß er die Cards-Offense um Kurt Warner, Larry Fitzgerald und Boldin zu einer der aufregendsten der ganzen Liga gemacht hat und sogar ganz kurz vor dem Super-Bowl-Sieg stand.

Arizonas Cheftrainer zu diesem Zeitpunkt war Ken Whisenhunt, der nicht nur Vorgänger von Arians als Pittsburghs OC war, sondern 1991 von Dick Haley als Tight End für die Jets verpflichtet wurde. So ist das in der NFL.

2008 verpflichtete Pioli, nun GM der Kansas City Chiefs, Haley als HC. Schon von Anfang an gab es Spannungen innerhalb der Mannschaft und des Trainerstabes. So wurde OC Chan Gailey noch während des ersten Training Camps entlassen. Sportlich allerdings ging es aufwärts und im zweiten Jahr gar in die Playoffs. 2010 stand schließlich unter keinem guten Stern, als die drei besten Spieler – RB Jamal Charles, TE Tony Moeaki und S Eric Berry – mit schweren Verletzungen das gesamte Jahr über nur zuschauen konnte. Mit einer 5-8-Bilanz und vielen Gerüchten um Egomanie, Hybris und paranoid überall vermuteter Illoyalität mußte Haley gehen.

Passing Game & Running Game

Kurz zusammengefaßt: Haleys Einflüsse als Play Caller umfassen vor allem Parcells, Weis und Whisenhunt. So ist es auch kein Wunder, daß die Chiefs eines der lauflastigsten Teams der Liga waren. Aber ebenso waren die Cards unter Haley eine der paßfreudigsten Offenses. Daß Haley extrem anpassungsfähig ist und seine Offense um die Spieler herum baut, die er hat und nicht andersrum, wird auch immer wieder als seine große Sträke beschrieben.

Mit Mike Wallace, Emmanuel Sanders und Antonio Brown findet Haley nun in Pittsburgh drei starke junge WR und mit Ben Roethlisberger einen QB, der das Ei auch gerne mal über 50 Yards schleudert. Daher sollte es da weitergehen, wo es unter Arians aufgehört hat. Also viele 3-/4-WR-sets, deutliches Übergewicht des Paßspiels und vor allem eine starke vertikale Komponente.

Monsieur Wallace ziert sich zwar derweil noch wenig, unter seinem Restricted Free Agent Tender zu spielen, aber das Problem wird früher oder später auch gelöst werden. Es ist auch auf der WR-Position auf beeindruckende Weise das gute Händchen im Draften zu sehen: Wallace war ein 3rd-rd pick (2009), Sanders ebenso (2010) und Brown ein 6th-rd pick (2010).

Das seit Jahren schon kränkelnde Running Game kränkelt auch weiterhin. Der etatmäßige Top-RB Rashard Mendenhall befindet sich noch für einige Zeit in der Reha, nachdem er sich im Januar das Kreuzband gerissen hat. Seinen Platz wird Isaac “Redzone” Redman übernehmen, der in den letzten Jahren schon erfolgreich als short yardage-back agiert hat. Dazu kommt noch Rookie Chris Rainey, ein verdammt aufregender space player á la Darren Sproles. Rainey könnte ein schönes Spielzeug für Haley werden, der mit Dexter McCluster genau so einen Typen auch schon in Kansas City hatte.

Ausblick

Also eigentlich alles so wie immer in Pittsburgh. Top-D; starkes Paßspiel um Big Ben und seine starken WRs; nur die Offensive Line sollte besser sein, als in den vergangenen Jahren. Es wird vielleicht einige Startschwierigkeiten geben mit der neuen Offense, die Haley installiert. Aber insgesamt müßte es schon mit dem Teufel zugehen, sollten die Steelers nicht um die Krone der AFC mitspielen. Es müßte Wallace bockig bleiben bis zum Sanktnimmerleinstag; es müßte Haley irgendwie eskalieren; es müßten sich Polamalu und Harrison verletzen oder Roethlisberger ausfallen. Wenn nicht, dann same procedure as every year.

Think Twice: Nur mit Elite-QB kann eine Mannschaft erfolgreich sein

In der Berichterstattung zur Draft war es wieder überall zu lesen: ohne einen absoluten Top-Quarterback hat heutzutage keine Mannschaft mehr eine Chance, irgendetwas in den Playoffs zu reißen. Eine Mannschaft wird um den Quarterback herum aufgebaut. It´s a passing league. Nie war der QB wichtiger als heute. Man braucht doch gar kein Laufspiel mehr. „Defense wins Championships“ hat als Cliché ausgedient. Undsoweiterundsofort.

Als Begründung dient dann immer die Aufzählung der Quarterbacks, die in den letzten Jahren einen Ring gewonnen haben. Brady, Roethlisberger, die Mannings, Brees und Rodgers. Das sind ganz sicher große Namen und hervorragende QBs – heute. Brad Johnson, QB der Bucs bei ihrem Triumph in Super Bowl XXXVII, gilt immer als das einzige aus der Rolle gefallene Gegenbeispiel. Genauer betrachtet, war er aber gar nicht der einzige caretaker, dessen Job nur darin bestand, nichts kaputt zu machen, was Defense und/oder Laufspiel aufgebaut haben.

Als Tom Brady in der Saison 2001 mit den Patriots seinen ersten Ring gewinnt, war er in seiner zweiten NFL-Saison – und hatte nicht viel mit dem Spieler zu tun, der er heute ist. In 15 Spielen wirft er nicht mal für 3000 Yards, 18 TDs bei 12 INTs und ein Rating von 86,5.

Ben Roethlisberger, nicht der von heute, sondern der Rookie 2005, liefert im Super Bowl gegen die Seattle Seahawks eine der schlechtesten Leistungen aller Zeiten ab: 9 von 21, 123 Yards, kein Touchdown, zwei Interceptions – und gewinnt.

„Mr. Überfordert in Big Apple I“, Eli Manning, gewinnt in der Saison 2007 den Super Bowl, weil Big Blues D die beste Offense aller Zeiten bei 14 Punkten hält. Manning war zu dem Zeitpunkt in Augen der pundits eine größere Gurke als Mark Sanchez heute. In der Regular Season wirft er 20 Interceptions, macht pro Paßspielzug nur 6,3 Yards und hat ein mickriges QB-Rating von 73,9.

Ebenjener „Mr. Überfordert in Big Apple II“, Sanchez, „führt“ seine Jets 2009 und 2010 ins AFC Championship Game. Auch hier ist es die Defense, die die Mannschaft trägt – und nicht der Quarterback. Erlebt diese Verteidigung in der ersten Halbzeit des Championship Games 2009 gegen die Steelers nicht einen der seltsamsten Zusammenbrüche der jüngeren Geschichte, hätte der Sunny Boy sogar im Super Bowl gestanden.

Joe Flacco, auch kein besonders guter Quarterback, schafft es in seinen ersten vier Jahren vier Mal in die Playoffs, zwei Mal sogar ins Championship Game. Immer getragen von einer der besten Verteidigungsreihen der Liga und Rumbling Running Back Ray Rice. In der letzten Saison ist der Mann mit einer Completion Percentage von 57,6, 6,7Yards/Attempt und einem Rating von 80,9 sogar haarscharf an einer Super-Bow-Teilnahme vorbeigeschrammt.

Dort hätte er dann beinahe Alex Smith und seinen 49ers gegenübergestanden. Diese 49ers, ein ground-and-pound Team wie die angesprochenen Jets, wurde von einer bärenstarken Defense ins Finale getacklet. Seltsamerweise hat dieses Ergebnis vielerorts nicht dazu geführt, Smith einen ausgesprochen glücklichen Mann zu nennen, der auf dem Rücken einer derart starken Defense mitschwimmt, sondern zu der Behauptung, er sei jetzt, ganz plötzlich, ein guter Quarterback – schließlich hat er ja sein Team ins Championship Game geführt. Ähnlich war es auch bei Flacco und Sanchez. Die Argumentation sah so aus: QB steht im Championship Game, also ist er ein guter QB. Nimmt man die Behauptung vom Ausgangspunkt – nur mit einem guten QB kann eine Mannschaft erfolgreich sein (hier der Einfachheit halber gemessen am Erreichen von Championship Games/Super Bowls) – dazu, erhält man ein völlig sinnloses Argumentationsgebäude, für das man hochkant aus jedem Logik-Grundkurs fliegen würde:

  • 1) Man braucht einen Top-QB um ins Championship Game zu kommen
  • 2) Ein QB, der es ins Championship Game schafft, ist ein Top-QB

Ich will gar nicht behaupten, daß man mit einem Curtis Painter einen Super Bowl gewinnen könnte. Nur gibt mehrere Wege, eine starke Mannschaft aufzubauen. Und ganz sicher ist der einfachste Weg, einfach Drew Brees oder Aaron Rodgers oder Tom Brady hinter den Center zu stellen. Aber eben nicht der einzige.