Die akademische Viertelstunde: American Athletic Conference (ex-Big East) im Sommer 2013

Man könnte ein ganzes Buch über die Entwicklung und Degradierung dieser Conference schreiben. Ich versuche es mal möglichst simpel nachzumalen. Also: Die Big East Conference wurde Ende der 70er Jahre als Basketball-Conference gegründet, und wurde im Football erst in den 90ern relevant. Schon damals häuften sich die Mahner, dass man damit nicht nur die Seele der Liga verkaufen, sondern langfristig die Existenz riskieren würde. Aber weil Mitglieder wie Miami (Florida) oder Virginia Tech super erfolgreich waren (BCS Titel und BCS Finals), blieben die Kritiker lange einsame Rufer im Walde.

Erst mit dem logischen Abgang von Miami und Virginia Tech 2004 setzte der rasante Niedergang ein. Die Big East konnte sportlich nicht mehr auf höchstem Niveau mithalten und wurde auch für die BCS immer mehr ein Dorn im Auge. Die wenigen Top-Unis liebäugelten mit einem Wechsel in die richtigen Power-Conferences.

Mit dem Re-Alignment Wahnsinn ab 2010 wurden aus den Rissen richtige Waale: Im Football gingen die letzten verbliebenen Zugpferde West Virginia, Pitt oder Syracuse, und weil man lange nicht wusste, ob die als Ersatz aus den kleineren Conferences verpflichteten Teams (zum Beispiel T.C.U., Boise oder Houston) auch wirklich in die Big East wechseln würden, wurden die TV-Verhandlungen mit ESPN zum Alptraum. Hätte man vor drei Jahren noch zumindest 150 Millionen pro Jahr abkassieren können (die Mitglieder lehnten das Angebot ab), so waren die letzten Angebote vor wenigen Monaten nur noch bei mickrigen 60 Millionen.

Das hatte zur Folge, dass die reinen Basketball-Unis (Slang: „Catholic-7“) eine eigene Liga gründeten und aus der Conference austraten. Die Liga war tot. Die Catholic-7 kauften den Namen „Big East Conference“, und die Nachfolge-Footballliga wurde in den wahnsinnig spannenden Codename „American Athletic Conference“ umbenannt. Die A.A.C. ist die offizielle Nachfolgerin der Big East, während die jetztige Big East eine neu geborene Conference ist, die nur noch im Basketball existiert – wie einst die originale Big East, deren Niedergang genau dann einsetzte, als sie über den Basketball hinaus expandierte.

Diese Liga – nennen wir sie Big East oder A.A.C. – ist die größte Verliererin im College-Football in den letzten Jahren. Und wenn ab 2014 das größte verbliebene Zugpferd Louisville (stark im Football und sehr stark im Basketball) in die Atlantic Coast Conference geht, droht erneut die Implosion.

Sehen wir’s sportlich: Der korsakoff-Take

Dachterrasse: Louisville
Zweiter Stock: Cincinnati, Rutgers
Erdgeschoss: Houston, Central Florida, South Florida
Kellerkinder: UConn, Temple, SMU, Memphis

BCS-Titelkandidaten: keine.

Weil viel Fluktuation drin ist, muss man erst schauen, wie sich die Liga dieses Jahr entwickelt (Fluktuation 2014: more to come…). Louisville hat sicher das kompletteste Paket und auch genügend Hype, dass eine perfect season ins BCS-Finale führen könnte. Ein sehr konjunktiviger Konjunktiv, denn es ist nicht schwer, beim Thema Louisville zu argumentieren „mehr Buzz als Substanz“: Gute Mannschaft, fraglos, aber Elite? No way.

Cincinnati und Rutgers würde ich nicht unterschätzen. USF ist seit Jahren ein underachiever, der mehr aus seinen Möglichkeiten machen könnte. Houston ist zwei Jahre nach dem Fast-Durchmarsch in die BCS eine komplette Unbekannte. UCF hätte alle Voraussetzungen, zumindest ein gutklassiges AAC-Team zu werden, aber es gibt immer wieder interne Querelen im Athletic-Department, die die Knights zurückhalten.

Im Keller ist es dunkel und ich traue mir keine richtige Prognose zu, was UConn, Temple und SMU angeht. Memphis wird, wenn alles seine Wege geht, Letzter, aber die Tigers haben einen exzellenten Head Coach, der gerade im zweiten Jahr ist und schon einiges bewegt hat.

Big East’n’West

Die Big East Conference hat ihre Divisionsaufteilung ab der kommenden Saison 2013/14 bekannt gegeben. Zur Erinnerung: Die Big East ist diejenige BCS-Conference, die sich nach zahlreichen Abgängen (West Virginia, Pitt, Syracuse) bzw. Nicht-Eintritten (TCU) und sportlicher Irrelevanz in den letzten Jahren immer bedrohlicher an den Abgrund gespielt hatte, bis sie schließlich letzten Sommer zum großen Rettungsschlag ausgeholt hatte und in einem Verzweiflungsmove landauf, landab alles an akzeptablen Mid-Majors aufgesaugt hatte, was bei drei nicht auffm Baum war.

Houston. SMU. Memphis. Boise State (!). San Diego State (!!!).

San Diego State. Klingt immer noch schräg – ein Team aus dem südlichsten Südwesten der Vereinigten Staaten für eine College-Conference mit Wurzeln und Kerngebiet im Nordosten.

Nun also die Aufteilung ab 2013:

Big East, East Division

Central Florida (UCF)
Cincinnati (UConn)
Connecticut
Louisville
Rutgers
South Florida (USF)

Big East, West Division

Boise State
Houston
Memphis
San Diego State
SMU
Temple

Temple als fast östlichstes Team dürfte in die West-Division gerutscht sein, weil es als innerstädtische Uni in Philadelphia ohne eigenes Stadion über wenig Reputation genießt und die Big East Conference sich wenigstens die Option halten möchte, die beiden aktuell stärkten, „renommiertesten“ Programme Louisville und Boise nicht in eine Division zu stecken (das Miami/FSU-Problem bzw. das Michigan/Ohio State-Problem).

Das Conference-Endspiel wird analog der Pac-12 im Heimatstadion desjenigen Divisionssiegers mit dem besseren Record ausgetragen werden.

Im Zuge des neuen Bowl-Geschachers hat die Big East Conference sich vorerst auch mal in Stellung gebracht für eine automatische Einladung in eine der sechs Big-Bowls: Ein Platz aus den kleinen Conferences ist vertraglich fixiert, und im Regelfall dürfte es sich um ein Team aus der Big East handeln.

Verhandelt wird immer noch der TV-Vertrag mit ESPN, der sich irgendwo in der Region von 60 bis 130 Mio. Dollar pro Jahr befinden soll, was auf alle Fälle ein Upgrade gegenüber dem aktuellen Vertrag darstellt, aber bei weitem unter dem anderer Cash-Cows wie SEC oder Pac-12 liegt.

Die komplette Neuaufteilung dürfte vorerst übrigens temporär sein. 2015 wird die US-Navy aus dem Bundestaat Maryland dazustoßen, während sich die Conference in nächster Zeit auf die Suche nach einem weiteren Programm im Westen machen wird. Kandidaten gibt es aber nicht viele: Utah State, Nevada/Reno oder Fresno State werden manchmal genannt, aber die attraktivsten möglichen Partner dürfte das erst letztes Jahr in die Unabhängigkeit gegangene BYU und die Air Force aus der MWC sein.

Auf alle Fälle sind den Big-East-Teams vor allem aussm Westen Flugstundenrekorde sicher.

Quelle: SI.com/ESPN.

College Football 11/12: Biggest East, Kadetten, Heisman Trophy und Playoff-Football

The East Just Got Bigger

Also doch. Die Big East Conference expandiert nun auch offiziell gen Westen. Die Neuen lesen sich bizarr: University of Houston, Southern Methodist University, Boise State University, San Diego State University (!!!), dazu die University of Central Florida aus dem sonnigen Orlando. Conferences organisieren sich dank einer kartellrechtlichen Gerichtsentscheidung gegen die NCAA seit fast 30 Jahren selbst und müssen keine Rücksicht mehr auf geographische Gegebenheiten richten, aber so weit hat es noch keine Conference getrieben. Treibende Kraft hinter dieser Expansion: Der drohende Kollaps der Big East und der mögliche – nicht unverdiente – Entzug des AQ-Status in Sachen BCS, ein Thema, das im März 2012 diskutiert werden wird (möglicherweise fallen sämtliche AQs).

Mal kurz einen Blick auf die Additionen geworfen: Houston bringt einen großen TV-Markt mit sich. Ditto SMU (liegt in einer Enklave von Dallas). UCF liegt in Florida, einem anerkannt großartigen Gebiet für Recruiting, und UCF pfeffert seit Jahren sagenhafte Summen in sein Footballprogramm (brandneues Stadion, teure Facilities). Boise State hat sich innerhalb weniger Jahre zu einer großen Sache entwickelt, zieht als der Underdog schlechthin große Massen vor die TV-Schirme und sollte auch sportlich ein Faktor bleiben: Head Coach Chris Petersen wird gehalten. Bleibt San Diego State am Arsch der Welt Big East, aus dem Südwesten (!) der Staaten. Bei allen über Bord geworfenen Logiken: Hier könnte das solide Recruiting-Gebiet Südkaliforniens mitgespielt haben (USC greift die besten Talente ab, rekrutiert ansonsten aber traditionell landesweit).

Es sollen noch zwei weitere Universitäten aufgenommen werden, um den Mitgliederstand im Football auf 12 zu bringen und ein Championship-Game abhalten zu können (im Gespräch: das neue Yankee-Stadium). Air Force und BYU sollen jedoch bereits abgesagt haben. Nur am Rande: Die Big East Conference möchte auch in Zukunft Big East Conference heißen.

Die kleinen Boise State Broncos werden erst 2013 wechseln, gliedern ihre anderen Sportabteilungen dann zurück in die WAC: Das Basketball-Team der Broncos ist beispielweise eine ganze Nummer zu klein für die Big East-Giganten. Interessant sind die vielen Klauseln im Vertrag der Broncos: Ausstiegsklausel für $ 5 Mio., die sich verkleinert, sollte der TV-Vertrag niedriger als erwartet ausfallen, der AQ-Status fallen, und, sollten keine weiteren Mitglieder in westlichen Gefilden gefunden werden, sogar entfällt (!).


Militärderby

Heute Abend, 20h30 MESZ (live bei ESPN America), findet der traditionelle Abschluss der Regular Season im College Football statt, mit dem ewigen Klassiker Army Black Knights – Navy Midshipmen, heuer aus dem FedEx Field zu Landover, wobei beide bereits ihre Bowl-Teilnahme verspielt haben. Army-Navy, das heißt auch Unmassen Militärs und patriotischer Overkill für den TV-Zuseher. Kann beklemmend wirken, aber die sehr „amerikanische“ Inszenierung lässt sich mit etwas Abstand auch bewundernd bestaunen und wenn in einem 90.000er Stadion dreißigtausend Uniformierte hocken, hat das auch was. Sportlich dürften wir ein paar tausend rushing yards erleben, nachdem beide traditionell die Option-Offense spielen, die Navy sogar die famose Flexbone-Triple Option unter dem Coach Ken Niumatalolo.

Stat des Tages: Die Army wirft pro Spiel 8 Pässe und komplettiert davon 36% für 48yds. Wie gesagt: Im Schnitt PRO SPIEL. Die Navy ist etwas wurffreudiger im Angriff, lässt aber 74% Completions in der Defense zu. Könnte für die Army-Receiver ein Freudentag für die nächsten drei Jahre werden.


Griffin for Heisman

Später um 02h nachts: Die Verleihung der Heisman Trophy 2011/12. Der ethische Wert dieser Trophäe leidet seit Jahren massiv (Stichworte Bush, Newton), „Heisman“ wird jedoch so schwer gehypt, dass sich unmöglich eine Saison Uni-Sport ohne verfolgen lässt. Die Kandidaten 2011:

  • Andrew Luck, QB Stanford. Luck galt als der haushohe Favorit in der Preseason und ließ sich auch nicht allzu viel zu Schulden kommen. Auf der anderen Seite fehlte Luck der Moment, und Luck schmierte im entscheidenden Kracher gegen Oregon eher ab, sodass man gemeinhin nicht mehr von einem Heisman-Sieger Luck ausgeht.
  • Tyrann Mathieu, CB LSU. Der Anti-Luck, Spitzname „The Honey Badger“. Als völlige Unbekannte in die Saison gestartet und abseits des Spielfelds als Kiffer aufgefallen, war Mathieu die „Big Play“-Waffe schlechthin, mit fassungslos vielen INTs/TD-Return und Puntreturn-TDs. Mathieus Nachteil: Neben seiner Sperre ist er Defensivspieler, die traditionell kaum Chancen in Sachen „Heisman“ besitzen.
  • Montee Ball, RB Wisconsin. Steht bei 38 Touchdowns und könnte in der Bowl Season den ewigen Rekord von Barry Sanders knacken (annodazumal 39 in zwei Spielen weniger). Balls Nachteil: Seine eigene Universität hypte über Monate den QB Russell Wilson, wechselte zu spät das Lager auf Ball.
  • Trent Richardson, RB Alabama. Ein aussichtsreicher Kandidat: Hatte nun über Monate den Hype auf seiner Seite und mit 1910yds Offense und 22 TDs auch entsprechende Stats. Ah, und spielt im BCS National Championship Game. Richardson könnte aber unter dem einen irrationalen Faktor leiden: Dass vor zwei Jahren mit Ingram ein anderer Running Back der Alabama Crimson Tide schonmal die Trophäe gewann.
  • Robert Griffin III, QB Baylor. Deswegen gilt es als nicht ausgeschlossen, dass der famose Robert Griffin zum Sensationssieger gewählt wird. Codename „RG3“, ein wuseliger Sprinter mit adäquater Wurftechnik, der sich möglicherweise nebenher als Hürdensprinter für die Olympischen Spiele qualifizieren könnte. Ein Charakter, der sich nichts zu Schulden hat kommen lassen, freakische Stats (267/369 für 3.998yds, 36 TD, 6 INTs, 123 Carries für 644yds, 9 TD), und, am wichtigsten: Fulminante Siege in Eigenregie zu den wichtigsten Zeitpunkten: Am Saisonbeginn Friday Night gegen TCU, dann im November über Oklahoma und letzte Woche gegen Texas.

Zwei Lesetipps:

Zu sehen gibt es die Verleihung der Trophäe ab 02h LIVE, heute Nacht bei ESPN America.


Football aus den Niederungen

Sonst noch so: Die Playoffs in der „Unterstufe“ (FCS/Football Championship Subdivision) neigen sich dem Ende zu. ESPN America heute und morgen mit zwei Viertelfinal-Aufzeichnungen, plus dem Finale der SWAC:

  • 10.12./10h:  #4 Montana – #5 Northern Iowa
  • 11.12./6h30:  #1 Sam Houston State – Montana State
  • 11.12./9h30: SWAC-Finale Alabama A&M – Grambling State

SWAC – Whudat? Die Southwestern Athletic Conference aus dem Bible Belt beteiligt sich nicht an den FCS-Playoffs, sondern spielt ihre eigene Meisterschaft aus, was politisch/historische Gründe hat: Es handelt sich hier um „schwarze Unis“, gegründet nach den Bürgerkriegen im 19. Jhd., will damit ihre Eigenständigkeit bewahren (wer das Endspiel Alabama A&M – Grambling State live sehen will: heute, 19h LIVE im kostenpflichtigen ESPN-Player).

Der ESPN-Player zeigt dieses Wochenende auch die anderen Viertelfinals der FCS sowie Halbfinalpartien aus der Division II und Division III.

Von „Where The West Begins“ zu „Where The East Ends“ und wieder zurück?

Die Conferences geben keine Ruhe. Heute hat die Texas Christian University von der Big 12 Conference eine Einladung bekommen, Verhandlungen über die Aufnahme als zehntes Team der Conference aufzunehmen. Nicht uninteressant, denn TCU hat vor nicht mal einem Jahr seinen Wechsel von der MWC in die Big East für 2012 bekannt gegeben (damaliger Blogeintrag: hier) – und soll nun in die Big 12? Die Gerüchteküche spricht von einer Big East Conference, die „prepared“ sei, dass TCU die Uni vor dem ersten Kickoff schon wieder verlassen haben würde. Als „Ablöse“ sind fünf Millionen Dollar im Gespräch.

Fest steht auch: Die Big 12 Conference wäre für TCU eindeutig attraktiver, geographisch und finanziell – instabil sind beide Gebilde Big 12 und Big East sowieso. Und TCU, einst wie Texas, Baylor oder Texas Tech Mitglied der Southwest Conference (SWC), wäre mit den großen Rivalen wiedervereint.

TCU ist in den vergangenen Jahren unter dem genialen Defensivstrategen Gary Patterson zu einem echten BCS-Spoilter geworden, putzte zuletzt Wisconsin in einer hochinteressanten Rose Bowl und ist gerade dabei, sein Heimstadion in Fort Worth (Amon G. Carter Stadium) auf über 50.000 Plätze zu erweitern.

Ein interessantes Detail am Rande: Die Universität Missouri („Mizzou“) hat an der Abstimmung über die Aufnahme einer zehnten Uni nicht teilgenommen, was man durchaus als Zeichen über Abwanderungsgedanken gen SEC werten darf. Die SEC sucht nach der Einspeisung von Texas A&M noch eine 14. Uni, Mizzou gilt seit Wochen als favorisierter, wenn auch nicht weltbewegend anziehender Kandidat.

College Football 2011/12 Preview: Big East Conference

Teil 6 der großen Saisonvorschau im College Football features: Big East Conference, die erste der BCS-Conferences, d.h. der Conference-Champ bekommt auf alle Fälle einen Platz in einer der lukrativen BCS-Bowls, unabhängig von seinem Ranking in den Polls. Beheimatet im Nordosten der USA, mit einem ganz großen Ausreißer, der University of South Florida, die ein paar tausend Meilen weiter südlich im Tampa spielt, sieht man die Big East seit Jahren auf dem absteigenden Ast, nachdem Miami, Virginia Tech und Boston College gen ACC abgewandert sind. In anderen Worten: Nicht wenige sind der Meinung, dieser Conference müsste der automatische Startplatz in der BCS-Bowl entzogen werden.

Gegenreaktion: Ab 2012 werden die TCU Horned Frogs dort mitspielen. TCU liegt im fernen Forth Worth (nahe Dallas), dessen Werbeslogan „Where The West Begins“ dann eigentlich in „Where The East Ends“ umgetauft werden müsste.

Ohne TCU wird sich in diesem Herbst ein Trio um den BCS-Bowlplatz balgen. Top-Favorit sind dabei die West Virginia Mountaineers, trotz ihrer turbulenten Offseason inklusive Intrigen und Selbstbereinigung im Trainerstab. Den merkwürdigen Umständen rund um das Mobbing gegen OffCoord Dana Holgorsen habe ich bereits im Juni einen eigenen Blogeintrag spendiert – Dochnichtalki Holgorsen ist nun ein Jahr früher als gedacht Cheftrainer.

Und Holgorsen steht für Offense, bedingungs- und gnadenlos. Wer vor zwei Jahren Houston (College-Variante namens „Cougars“) und letzen Herbst die Oklahoma State Cowboys gesehen hat, weiß, wovon die Rede ist. Hier wird die famose „Air Raid“-Offense rauf und runter gespielt, ein Erbe des zwielichtigen Mike Leach.

„Air Raid“ bedeutet: Konsequentes Spiel aus der Shotgun-Formation, mit 4 WR und 1 RB, zigtausende schnelle, kurze Pässe über die Mitte und noch mehr Yards after Catch. Holgorsen hatte zuletzt in Oklahoma State mit Kendall Hunter einen famosen Running Back, der in West Virginia abgehen wird, wie auch ein monströser Wide Receiver á la Justin Blackmon. Man darf also erwarten, dass hier die Freunde vom Weswelker-Spiel feuchte Höschen bekommen werden – und die Mitte des Spielfeldes besonders liebevoller Platzwart-Pflege bedürfen wird.

Ich bin gespannt, wie sich Offensivgenie Holgorsen als Cheftrainer machen wird, ein Job, der dann doch mehr Qualitäten als simples Play Designing erfordert. Allerdings scheint Holgorsen im ultra-enthusiastischen Morgantown aktuell kritikfreies Objekt zu sein – wir erleben hier den BigEast-Favoriten 2011/12.

Unterhaltsam in Sachen „Trainersessel“ war es auch bei den Pittsburgh Panthers, allerdings noch in der Winterzeit. Der langjährige Coach Dave „Schnäuzer“ Wannstedt wurde trotz ordentlicher Bilanzen wegen zu einschläferndem Spielstil gefeuert und gegen den ambitionierten, aber unkoscheren Mike Haywood ausgetauscht. Haywood war dann ganze 16 Tage Chef, bis er zu Sylvester wegen häuslicher Gewalt (ergo: die Mutter seines Sohnes im Würgegriff gehalten) und zu negativer Presse wieder rausgeworfen wurde. Notnagel, aber immer noch zufriedenstellende Lösung: Todd Graham, der aus Tulsa kommt und nun die ultralangweilige Wannstedt-Offense gegen eine No-Huddle/Spread-Offense eintauschen soll. Welch Überraschung: Sämtliche Vorbereitungsbeobachter sprechen von massiven Timing-Problemen. Als Kollateralschaden der winterlichen Trainerposse könnte sich in einigen Jahren die ausgedünnte Recruiting-Klasse erweisen.

Dritter im Bunde der Favoriten: Die South Florida Bulls mit ihrer leidenschaftlichen black’n’blue-Defense, die keine Knochen verschont lässt. Der Hund liegt in der Offense begraben, wo der inakkurate Scrambler QB B.J. Daniels ein Unsicherheitsfaktor ist und immer wieder Spiele mit zwei oder drei Turnovers einstreut. Persönlich gefiel mir Daniels in der Meineke Car Care Bowl gegen Clemson so übel allerdings nicht (31-26 Sieg). Mit RB Darrell Scott kommt übrigens ein einst brutal gehypter Back frisch aus Colorado. Dort war Scott eine große Enttäuschung.

Star auf der Uni in Tampa ist Head Coach Skip Holtz, der Sohn der Legende Lou, und seit eineinhalb Jahren am Steuer. Holtz könnte die Schlüsselfigur für dieses aufstrebende Programm werden und hat schon bei East Carolina gezeigt, wie man eine Offense innerhalb weniger Jahre titelfähig macht. Einmal Holtz auffm Trainersessel und einmal Notre Dame als Saison-Opener: Gebt mir ESPN mit Lou Holtz in der Pregame-Show!

Abseits der Top 3

In Schlagdistanz könnten sich die Cincinnati Bearcats befinden, deren Ansprüche nach dem sensationellen Aufenthalt von Head Coach Brian Kelly (2007-09, jetzt Notre Dame) in die Höhe geschnellt sind – kuschelige sieben Siege werden nun nicht länger akzeptiert. Butch Jones hatte schon bei Central Michigan Erfahrungen als Kellys Nachfolger gemacht und dort für neue Höhenflüge gesorgt. In Cincinnati gab es eher einen auf’s Maul: 4-8 in der Debütsaison, vor allem dank katastrophaler Defense. Diese sollte heuer erfahrener sein, wie auch QB Zach Collaros, der mit der konservativeren Offense von Davis nicht recht zurechtkommen wollte. Diese Saison gilt noch einmal als Aufbausaison, aber 2012 wird es mit brutalem Schedule Zeit, dass die Bearcats wieder zur Hochform auflaufen.

Wie Cincy hatten auch die Louisville Cardinals vor wenigen Jahren mal eine Blütezeit unter einem großen Coach („groß“ wirklich nur im Sinne von „Coach“, es handelt sich um Windhund Bobby Petrino) und seitdem nur Enttäuschungen. Seit eineinhalb Jahren coacht nun der schwarze Charlie Strong, der so manchem Unipräsidenten bereits öffentlich Rassismus unterstellte, nun aber endlich den verdienten Chefsessel bekam, nachdem er masisiv an Floridas Titelgewinnen beteiligt war. Strongs Mannschaften spielen wie selbiger: knüppelhart. Passend dazu der QB Will Stein, ein ehemaliger Walk-on, ohne auffallende physische Attribute, aber der einnehmende Leadertyp. Strong muss ansonsten auf zig Abgänger verzichten und sich mit einem chaotisch zusammengestellten Kader plagen. Nicht die allerbesten Voraussetzungen.

Titelverteidiger in der Big East ist das Sensationsteam der Connecticut Huskies. UConn, ebenso NCAA-Basketballchamp zur Zeit, erlebte aber im Anschluss an die Fiesta Bowl eine herbe Enttäuschung: Head Coach und Vaterfigur Randy Edsall floh gen Virginia. Wer gedacht hatte, hier sei eine Dynastie am Horizont erkennbar, fühlte sich getäuscht. Der neue Coach ist Paul Pasqualoni, ein Urgestein und einstiger McNabb-Entdecker, und er muss eine tote Offense beleben, deren Top-RB Jordan Todman in die NFL ging.

Pasqualonis Ex-Uni: Syracuse, wo die Orange in ihrer Halle eine Dekade des Siechtums hinter sich haben, zufällig genau seit Pasqualonis Abgang. Unter Offensivgenie Doug Marrone geht es zuletzt wieder aufwärts, aber bizarrerweise genau wegen der DEFENSE, die ganze 164yds/Spiel zulässt. Las man, nur um dann einen Kollaps in der Pinstripe Bowl zu erleben. Quarterback ist mit Ryan Nassib einer, der lieber den Ball in den dritten Rang schmeißt als irgendwo in die Nähe eines Abwehrspielers – wichtige Essenzien für Syracuse, aber ungebräuchlich für eventuelle NFL-Ambitionen.

Und damit zum vermeintlichen Bodensatz der Big East: Rutgers. Vor zwei Jahren hätte das lachhaft gewirkt, die Scarlet Knights aus New Jersey waren unter dem omnipräsenten Greg Schiano schnurgerade auf dem Weg nach oben – und das auch noch mit den zweitbesten Noten im Prüfungssaal landesweit! – aber Abgänge und interne Reibereien haben für sehr niedrige Erwartungen in dieser Saison gesorgt.

Teil 7 morgen: Die letzte non-BCS Conference. Mit zwei mittlerweile sportlichen Schwergewichten und zwei gefährlichen Außenseitern.