Where The East Ends

Die Texas Christian University wird ab Herbst 2012 von der Mountain West Conference in die Big East Conference wechseln. Heute Abend wird eine PK von TCU dazu stattfinden.

Die Big East Conference ist eine der sechs BCS-Conferences – und sie ist die sportlich schwächste und seit einiger Zeit auf der Suche nach einem Upgrade, nachdem Mitte des Jahrzehnts das Boston College und Virginia Tech gen AAC abgesprungen waren. Die Big East möchte sich auf zehn Mannschaften erweitern. Mannschaft #9 ist gefunden. #10 soll Villanova werden, ein FCS-Team (Division I-AA), das mit Ausnahme des Footballprogramms bereits der Big East angehört.

Des einen Freud…

Der Wechsel von TCU in eine Conference mit den Kernmannschaften im Nordosten der USA ist geographisch eher von unorthodoxer Natur. TCU ist in Fort Worth/Texas beheimatet, eine gute Auto-Dreiviertelstunde von Dallas entfernt. Macht schlanke 1000-1200 Meilen Entfernung zum Rest der Big East Conference. Fort Worths Slogan: „Where The West Begins.“ Na denn.

Sportlich stellt der Wechsel aber durchaus eine Win/Win Situation: TCU, seit einigen Jahren sportlich auf Vormarsch und heuer ungeschlagen auf #3 gerankt, kommt in eine BCS-Conference und wäre damit ein AQ, wenn es um Bowl-Einladungen geht. Die Big East bekommt die händeringend gesuchte sportliche Attraktion, um wieder an Relevanz zu gewinnen.

…des anderen Leid

Leid? Willkommen bei einem alten Bekannten: Boise State. Die Broncos hadern aktuell nicht nur sportlich nach der ersten Saisonpleite in Reno/Nevada. Sondern jetzt auch politisch: Ab Herbst 2011 wechselt die Boise State University von der WAC in die Mountain West Conference, mit der Hoffnung auf eine sportlich wertvollere Conference und einhergehend besseren Gegnern. Boise State gab dafür sogar eine TV-Partnerschaft mit ESPN auf. ESPN, das bisher einer der Fürsprecher der Broncos im BCS-Rennen war, da man sein Produkt Broncos hypen wollte. (Die MWC wird nur im College Network von CBS gezeigt, ist also wenig präsent.)

Problem nur: Seit dem Wechsel von Boise State springen der MWC reihenweise die renommierteren Unis ab: Utah wechselt in die Pac-10 Conference, Brigham Young wird Independent, TCU nun in der Big East. Boise State, das mit den Mitstreitern Nevada und Fresno State in die MWC gezogen war, findet dort ab 2012 eine Conference vor, die sportlich nur marginal besser sein dürfte als die aktuelle WAC. Aus der soll nun auch Hawaii überredet werden zu wechseln. Hawaii ist sowohl sportlich, als auch politisch eine attraktive Universität. Aber summa summarum würde eine solche MWC einem WAC-Remaking gleichen, also kein besonderes Upgrade gegenüber dem Status Quo.

Die WAC dürfte in ihre Einzelteile zerfallen. Das sind nicht nur mehr Auflösungserscheinungen.

College Football: Die Ernte ist noch nicht eingefahren

Der Hype war groß, das Kino auch. Das Thanksgiving-Wochenende hat uns neben einigen Überraschungen vor allem einiges Denkwürdiges präsentiert.

Road to Glendale

#1 Oregon hatte mit seiner mächtigen Offense eine Halbzeit lang Probleme mit den tapferen Kätzchen von #21 Arizona. Die Wildcats zeigten keine allzu große Frucht vor Chip Kellys Angriffs-Armada und führten zur Pause gar mit 19-14. QB Nick Foles mit einer starken Vorstellung und nur die unglücklich agierende Referee-Crew brachte den Wildcats-Coach zur Weißglut. Das Spiel war dann aber schnell gedreht, als der völlig unbekannte WR Josh Huff über 85 yds durchbrach. Oregon trieb am Ende den Score auf 48-29 hoch, trotz nicht berauschender Pass-Werte. Arizonas Probleme gegen laufstarke Offenses waren einfach zu groß. Am Samstag müssen die Ducks nach Oregon State. Die Beavers gingen diesmal in Stanford völlig unter, wirkten fast so, als würden sie sich nur noch auf das Grande Finale „Civil War“ vorbereiten.

#2 Auburn dreht eine fantastische Iron Bowl. Nach eineinhalb Vierteln waren die Tiger begraben. Dank zweier sinnloser Fumbles der Crimson Tide lag man nur 7-24 zur Pause zurück. QB McElroy zerlegte gemeinsam mit WR Jones die Secondary nach allen Regeln der Kunst. In Viertel #3 drehte dann allerdings DT Fairley auf und QB Cam Newton konnte nun mit zwei Sekunden mehr Zeit wenigstens die kurzen Yards zum First Down machen. Ein langer Pass von Newton in die Endzone und die Wende war herbeigeführt. Am Ende gingen Alabama sämtliche Offensiv-Optionen flöten (Gehirnerschütterungen usw.), und der finale Drive mit Freshman-QB wurde schnell gestoppt. Auburn muss nun nach Atlanta, ins SEC-Finale gegen South Carolina (mit Coach Steve Spurrier). Die Gamecocks besitzen keine schlechte Defense, allerdings würde Auburn wohl auch eine knappe Niederlage zum Finaleinzug reichen.

#3 TCU ist das dritte verbliebene unbesiegte Team. Die Horned Frogs ließen in der Offense jeden Mann ein paar Mal an den Ball, für 293 Rush Yards. In Halbzeit zwei war die spärliche Gegenwehr von New Mexico gebrochen und der Score wurde auf 66-17 hochgetrieben. TCU wird damit sicher in der Rose Bowl spielen. Für das Finale muss ein kleines Wunder her.

#4 Boise State sorgte für den größten Krimi an dem Abend bzw. eigentlich schon frühen Morgen. 24-7 in Führung, ließen die Navada Wolfpack mit QB Kaepernick in seinem letzten Heimspiel ein Lauf-Feuerwerk los, da blieb mir die Spucke weg. Boise State brachte offensiv keinen Drive mehr zustande, außer einen langen Pass zum zwischenzeitlichen 31-24. Die Defense war wohl die Anstrengungen von 60 Minuten volle Pulle nicht gewohnt und war deutlich angeschlagen. 13 Sekunden vor Schluss Kaepernick mit dem Pass in die Endzone. 31-31. Kurzer Kickoff, neun Sekunden auf der Uhr. QB Kellen Moore mit einem f-a-n-t-a-s-t-i-s-c-h-e-n langen Pass auf WR Titus Young an die 8yds-Line. Kicker Brotzman verschoss, wie danach auch in der Overtime. Das Wolfpack versenkte seinen Versuch und Boise State wird wohl aus den Top 10 fliegen. Eigentlich unglaublich: Hätte Brotzman den Ball ein paar Zentimeter weiter links platziert, würde Boise State zumindest Rose Bowl spielen (18 Mio. ausgeschüttet). So könnte eine 800.000-Dollar-Bowl herhalten müssen. Der bisherigen Erfahrung nach wird BSU am kommenden Wochenende Utah State verheerend niedermachen.

#5 Louisiana State verlor bei #12 Arkansas. Die Hogs machten alles richtig, nahmen kurz vor Schluss ein sehr kurzes Field Goal zum 31-20. LSU mit QB Jefferson mit einem zeitfressenden Drive, der dank Sack sogar noch ein Timeout verbrannte. Trotzdem nur Field Goal. Am Ende gab ein verletzungsbedingtes Ref-Timeout nicht nur Bobby Petrino ausrasten lassen, sondern den Tigers noch ein paar Sekunden mehr Zeit zum Comeback. Das scheiterte aber gleich beim ersten Play. Für die LSU eine verheerende Niederlage, die womöglich eine BCS-Bowleinladung vernichtet.

#6 Stanford mit einem Shutout gegen Oregon State. Stanford hat keine Chance mehr auf den Rose-Bowl-Einzug. Dürfte aber eine sichere BCS-Bowleinladung kriegen.

SEC

Siehe oben. Das SEC-Finale stand bereits seit einer Woche fest: Auburn vs. South Carolina. Letzte Chance für die Tigers, den Finaleinzug zu vergeigen. Den größten Hype wird es mal wieder um QB Newton geben – und um den Umstand des angeblichen Nervenflatterns.

Big Ten

#7 Wisconsin mit einem 70-23 Kantersieg gegen die Northwestern, trotz gemächlichem Schlussviertel. Die Badgers mit 559 yds Offense gegen eine Uni, die kurz zuvor noch Iowa geputzt hatte. Wisconsin dürfte damit den Rose-Bowl-Einzug gesichert haben.

Denn #8 Ohio State spielte zwar Michigan in Grund und Boden (37-7). Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass der Sieg gegen die schwachen Wolverines die Buckeyes genug pushen kann, dass es zum Überholen von Wisconsin reicht.

#10 Michigan State ebenso mit einem Sieg: 28-22 über Joe Paternos Penn State. Trotzdem werden die Spartans keine Chance auf den Big-10-Titel mehr bekommen: Wisconsin und OSU werden nicht mehr im BCS-Ranking überholt. Und das BCS-Ranking muss heuer über den Big-Ten-Gewinn entscheiden.

Big 12

Drama in Stillwater. #9 Oklahoma State Cowboys gegen #13 Oklahoma Sooners. Ins vierte Viertel geht es mit 24-24. Dann drei Sooners-Field Goals in den ersten zehn Minuten des Schlussviertels, ehe es zugeht wie Kraut und Rüben. Drei Minuten vor Schluss gibt es drei Touchdowns in 29 (!) Sekunden: 86yds-Pass, 89yds-Kickreturn, 76yds-Pass. Am Ende siegen die Sooners 47-41 und werden nun aller Wahrscheinlichkeit ins Big12-Finale einziehen: OSU (6-2), OU (6-2) und Texas A&M (6-2) sind alle gleichauf. Das höchste BCS-Ranking entscheidet.

Gegner dort ist #15 Nebraska. Die Cornhuskers spielten Colorado 45-17 in Grund und Boden.

Gespielt wird um den Einzug in die Fiesta Bowl.

AAC

Die #22 Florida State University brach gegen Florida den Bann: Lockerer 31-7 Erfolg, und QB Christian Ponder in seinem letzten Heimspiel mit einer endlich einmal überzeugenden Vorstellung. Für die AAC war das Spiel unbedeutend. Denn die FSU konnte nur warten auf den Spielausgang im College Park/Maryland. Die Terrapins mit einem 38-31 gegen NC State. „38-31“ liest sich enger als es war. Das Wolfpack scorte erst in den Schlussminuten zwei TDs.

Die FSU Seminoles ziehen damit nach Charlotte. Gegner dort ist #14 Virginia Tech. Ausgespielt wird der AAC-Sieger, der in die Orange Bowl einzieht.

Big East

Schon am Donnerstag walzte West Virginia die Pittsburgh Panthers 35-10 im Heinz Field nieder. Beide Unis stehen nun bei 4-2 in der Big East. Trotzdem können es beide nicht mehr aus eigener Kraft schaffen, die Einladung der BCS in eine Big-Bowl zu bekommen. Grund: Das dritte Rädchen, Connectitut, bekam, was es wollte: Eine Niederlage der Panthers. Connecticut (4-2) hält den Tie Breaker und kann mit einem Sieg über das heuer schwache Cincinnati den Big-East-Titel holen.