Safety First – Bill O’Briens Entscheidung unter der Lupe

Etwas später kommt heute noch das Power-Ranking. Gestern haben wir Sofa-QBs aufgenommen – ich war nach langen Monaten mal wieder dabei. Am Anfang etwas „rusty“, aber es wurde dann besser. Ich bin sowieso froh, nach drei stimmlosen Tagen letzte Woche nun überhaupt wieder reden zu können.

Und damit zum intionalen Safety von Bill O’Brien am Sonntag gegen die Colts.


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Frischzellenkur 2014: Houston Texans

Die Houston Texans waren eine der Mannschaften, die im Draft 2014 kein Feuerwerk an Trades veranstaltet haben, aber sie hatten, wie ich finde, trotzdem ein bemerkenswertes Wochenende, was nicht nur daran lag, dass sie den Draft mit dem Top-Pick eröffneten und mit dem letzten Pick („Mr. Irrelevant“) auch abschlossen. Der neue Head Coach ist Bill O’Brien, aber O’Brien ließ hernach keinen Zweifel, dass der GM Rick Smith die Fäden in der Hand hielt.

Es gilt als offenes Geheimnis, dass die Texans am liebsten ihren Top-Pick verkauft hätten, aber weil sich offenbar kein Abnehmer fand, der ein hinreichend zufriedenstellendes Angebot abgegeben hat, zog man DE Jadeveon Clowney. Man muss nicht weiter über Clowneys Vorzüge schreiben: Gepaart mit einem J.J. Watt ist das eine Traumvorstellung von Defensive Front Seven. Die Hoffnung ist, dass DefCoord Romeo Crennel genügend Ideen im Petto hat, wie er die beiden einsetzen möchte.

Bei den Texans 2013 sagte man: Watt war auf sich allein gestellt. Er sah Doppeldeckungen in jedem Play und war als einziger echter Playmaker in der Front-Seven auf verlorenem Posten. Mit Clowney kriegt Watt nun einen Mitspieler an der Gegenflanke, der ihm Druck wegnehmen wird, um umgekehrt, Watts Präsenz wird auch Druck von Clowney, diesem zu schleifenden Rohdiamanten, nehmen.

Crennel will eine Art hybrides 3-4/4-3 System spielen, analog seiner späten Zeit in New England, wo er durchaus auch schon 4-3 Abwehrformationen einbaute. Crennel gilt allerdings im gleichen Atemzug auch als Verfechter vom 2-gap System in der 3-4 Defense Line – ein System, das Watt zu stark neutralisieren würde. Man muss also aufpassen, dass man sich nicht verzettelt. Als hausgemacht gilt, dass man Clowney tendenziell als 3-4 OLB aufstellen möchte, also als wendigen Edge-Rusher, der ab und an auch Deckungsarbeit wird übernehmen müssen; in entsprechenden Passrush-Situationen wird man Clowney auch als Defensive Tackle einsetzen, um Druck von innen zu erzeugen.

Houston bekam in der dritten Runde noch einen zweiten Mann für die Front-Seven geschenkt, der landesweit bekannt ist: DT Louis Nix III von Notre Dame, der wohl wegen seiner Knieprobleme so weit durchgerutscht ist. Nix ist gewiss keine sichere Tüte, aber es gab Pundits, die ihn in Nähe der ersten Runde verortet hatten, und entsprechend kann man die Personalie Nix mit heutigem Wissensstand erstmal unter „Schnäppchen“ einordnen.

Nix dürfte im Idealfall mit seinen 150kg eine Art Nose Tackle geben können. Nose Tackle wird zwar in der Texans-Defense aufgrund des hohen Anteils an „nickel-Defense“ ein eher begrenzt wichtiger Mann sein, aber für die 30-35% der Spielzüge, die er gebraucht wird, kann Nix sicher erstmal einspringen. Wenn nicht, dann sollte er zumindest für die Rotation bei den Defensive-Interiors zu gebrauchen sein – eine Position des „Needs“ für Houston unabhängig von der gedrafteten Personalie. Später kam übrigens auch noch der mir nicht bekannte DE Jeoff Pagan in der sechsten Runde hinzu.

Nix und Clowney sind zumindest eineinhalb Fixsterne im Umbau der Front-Seven in Houston. Man hat in OLB Whitney Mercilus bereits einen jungen Edge-Rusher, der als ehemaliger 1st-Rounder bisher als Enttäuschung gilt, aber einen Mercilus willst du noch nicht ganz abschreiben. Mercilus könnte an der Flanke des J.J. Watt eingeplant sein, mit dem Gegenüber Clowney. Clowney dürfte dort in der Stammformation Brooks Reed verdrängen; Reed war 2011 ein 2nd-Rounder, der die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Mit ihm hat der Trainerstab aber einige Pläne, wenn man die Pressekonferenzen der Texans-Führung richtig deutet: Es kann gut sein, dass man Reed nach innen zieht, als zweiten ILB neben Brian Cushing, der von seiner schweren Verletzung zurückkommt.

In der Offense ist weniger interessant, was die Texans gemacht haben als das, was sie nicht gemacht haben. Sie blieben gegen Ende der ersten Runde erstaunlich inaktiv. So inaktiv, dass ihnen im allerletzten Abdrücker die Vikings reinrutschten, sich auf #32 hochkauften und QB Teddy Bridgewater vor der Nase wegschnappten. Nun weiß man nicht, ob Houston an #33 wirklich Bridgewater gezogen hätte; O’Brien soll nicht Teddys größter Fan gewesen sein, aber viele glauben, dass Houston doch ganz gerne Bridgewater geholt hätte. Der Preis wäre verkraftbar gewesen: Minnesota gab nur einen zusätzlichen 5th-Rounder auf.

Gegen die These, dass Houston Bridgewater geholt hätte, spricht der Mann, den sie „an seiner Stelle“ später in der vierten Runde holten: QB Tom Savage, den Hünen mit dem Monsterarm von Pitt, bei dem irgendwie alle davon ausgehen, dass er zum Bust wird, weil zu unpräzise. Savage ist ein diametral anderer Spielertyp als Bridgewater, und wenn du einen Savage holst, ist es zumindest nicht der naheliegendste Gedanke, dass du gleich heiß auf einen Bridgewater sein konntest. O’Brien gab hernach zu, dass Savage sich in der Pocket einleben wird müssen und dass er seine Wurfbewegung stabilisieren müsse. O’Brien sprach auch von einem starken (okay), akkuraten (!) Wurfarm, womit er Fragen aufwarf, ob er Savage überhaupt hat einmal spielen sehen.

Gut. O’Brien gilt als QB-Guru. Er hätte Savage als Penn State-Coach letztes Jahr fast rekrutiert. Die Offense hat zwei sehr gute Wide Receiver, einen sehr guten Runningback und eine gute Offensive Line. Für Savage ist das zumindest die bestmögliche Situation, in die er kommen konnte. Wie gut es für Houston ist, bleibt die Frage, denn der Depth-Chart auf QB ist weiterhin eher mau: Rookie Savage, der noch viel lernen muss, Ryan Fitzpatrick, der bis auf ein paar gute Spiele in Buffalo als ewiger Backup gilt, und der wuselige Case Keenum, der letztes Jahr nach ein paar starken Auftaktspielen schnell an seine Grenzen stieß.

Manche vermuten, dass Houston in den nächsten Tagen noch einen Trade für New Englands Backup-QB Ryan Mallett anstreben wird – ein Trade, der nach New Englands Einberufung von Rookie-QB Garroppolo Sinn machen würde. Aber: O’Brien kennt Mallett aus gemeinsamen Zeiten in Foxboro, und er versuchte bisher nicht mit mehr Nachdruck, Mallett zu holen. So 100%ig überzeugt sieht das nicht aus. Und wenn du Mallett holst, hast du mit ihm nächstes Jahr einen Free-Agent. Das dürfte zwar den Trade-Preis drücken, aber potenziell musst du dann einen schweren Vertrag auszahlen. Und: Richtig weit sollen die Transfergespräche noch nicht geführt haben.

Die QB-Situation wurde also eher mit begrenzten Mitteln angegangen, aber dafür hat man in Houston neben der bereits beschriebenen Defense Line auch versucht, in der Offense „up front“ Frischblut zu holen.

Houston zog mit dem Pick #33, mit dem eigentlich alle den Teddy erhofft hatten, OG Xavier Sua‘-Filo, den besten Guard in einer guten Guard-Klasse. Ob das nach Bridgewaters Verschwinden eine Notlösung war oder von Anfang an der Plan war, darüber kann man nur spekulieren. Abwegig ist der Pick jedoch nicht: XSF wird neben dem LT Duane Brown Platz nehmen und die Offense Line, einen der Schwachpunkte 2013, sofort verstärken. Alle bescheinigen ihm, in der Entwicklung schon relativ weit zu sein, deswegen: Ein recht logischer Pick.

In der dritten Runde zog man noch TE C.J. Fiedorowicz, einen kompletten Spieler. Fiedorowicz ist kein Tight End der neuen Schule, sondern eher einer, der erstmal vor allem über das Lauf-Blocking kommen wird. Das riecht ein wenig nach der Rückkehr des Laufspiels bei den Texans (Foster wird wieder fit sein, und Rookie-RB Blue aus der sechste Runde könnte den Backup geben), a) um die vermutlich eher limitierten QBs zu entlasten und b) um wieder ein wenig Physis und Drive in die Offense zu bringen.

Houston Texans in der Sezierstunde

Als Superbowl-Kandidat gestartet, mit dem Top-Draftpick geerdet: Das waren die Houston Texans 2013/14, die dann auch noch stilvollerweise den besten Head Coach der noch jungen Franchise-Geschichte, Gary Kubiak, mitten in der Saisonschlussphase feuerten. Der Move stellte sich letztlich sogar als vorteilhaft für die Texans heraus, die ihren zeitlichen Vorsprung nutzten um sich ihren Wunsch-Nachfolger zu greifen: Bill O’Brien von der Penn State University, einen Mann, der entschieden optimistisch zu Werke geht, ohne den Kraftmeier oder Lautsprecher zu markieren. O’Brien lebt von seinem Bonus der Belichick-Schule, aber er hat genügend Erfahrung auf dem Buckel und hinreichend Positives bei Penn State bewirkt, dass man ihm seine Linie zunächst einmal bedingungslos abnimmt.

O’Brien umgibt eine ganz eigene Aura. Eigentlich ist seine Coaching-Vita eher blass, aber seit er vor einigen Jahren an der Weiterentwicklung jener atemberaubenden Patriots-Offense mitwirkte, ist er ein landesweit bekannter Name geworden. Die Geschichte seines todkranken Sohnes gehört zum Bild O’Briens ebenso wie sein ambitioniertes Anpacken als Paterno-Nachfolger an der (Achtung, Euphemismus) darniederliegenden Penn State University. Ohne jemals vorher ein NFL-Headcoach gewesen zu sein, sind sich alle bei ihm sicher: Er hat es drauf.

Überblick 2013

Record         2-14
Enge Spiele    2-9
Pythagorean    4.1    31
Power Ranking  0.367  25
Pass-Offense   5.6    25
Pass-Defense   6.1    12
Turnovers      -20

Management

Salary Cap 2014.

Die erste Nuss, die O’Brien zu knacken haben wird, ist die Quarterback-Frage. Welchen Typus Quarterback O’Brien bevorzugt, ist nicht genau bekannt, aber es ist in etwa bekannt, welche Vorstellung von Offense er hat: Es ist ein System, das seinen Quarterbacks viel Verantwortung überträgt. Der Quarterback muss im Playbook eintauchen. Er muss die Defense lesen können und ihre Signale schon vor dem Snap interpretieren können – andernfalls ist er zum Scheitern verdammt. Beweglichkeit war zumindest bisher keine überragende Notwendigkeit – nur natürlich die Mutter aller Bewegungen in der NFL-Pocket: Der Schritt nach vorne im rechten Moment um den Blitz zu verbrennen. O’Briens Quarterbacks müssen an der Line-of-Scrimmage arbeiten, die Protection der Blocker und die Routen der Receiver umstellen. O’Brien, der so oft betonte wie sehr er an Brady dessen wahnsinnigen Willen liebte, scheint einen Arbeiter zu bevorzugen.

Die Zeit des blassen Matt Schaub scheint trotzdem vorbei zu sein, denn Schaub besitzt nicht den Wurfarm und die Handlungsschnelligkeit um eine NFL-Offense an ihre Limits zu bringen. Der Lokalhero Case Keenum begeiserte zwar in seinen ersten Auftritten, wurde aber recht schnell ausgespäht und gilt nicht mehr als ernsthafte Option. Die Frage ist demnach: Welcher der potenziellen #1-Quarterbacks im 2014er-Draft überzeugt ihn am meisten? Überzeugt ihn überhaupt ein Quarterback genug um ihn mit dem Top-Pick zum Start seiner Amtszeit zu ziehen?

Eine Frage, die bei Matt Schaub auch mitspielt: Das Geld. Die Texans haben Stand heute in etwa 8 Millionen Cap-Space, was gerade reicht um die Rookie-Klasse unter Vertrag zu bringen. Schaub zählt 14 Mio. gegen die Salary-Cap, aber das bei einem potenziellen dead money (bei Entlassung) von 10.5 Mio! Der GM, der Schaub diesen Vertrag unterjubelte, dürfte mittlerweile unruhige Nächte erleben.

Abseits der QB-Position dürfte die Offense vor allem am überrumpelten RT Newton kranken, der so schnell wie möglich ersetzt werden soll. Wie die Offense Line ihren Shift weg vom Kubiak’schen Zonensystem zu einem Power-orientierten Blocksystem hinkriegt, bleibt abzuwarten. Wird unter Umständen gar noch ein Guard geholt, der das Herz der Line verstärken soll?

Möglich, aber unwahrscheinlich, dass signifikante Investments in die WR-Position gemacht werden, wo hinter dem überragenden, aber nicht mehr jüngsten Andre Johnson und dem als Rookie eher blass gebliebenen DeAndre Hopkins (immerhin 37% tiefe Anspiele, aber nur 52 Catches und nur 2 TD) nicht viel Zählbares im Kader steht.

Mehr Augenmerk kriegt aber die Defense, die sich unter dem neuen DefCoord Romeo Crennel und mehreren neuen Coordinators (u.a. LB-Coach: Mike Vrabel) weg von der sehr aggressiven 3-4 Defense (die fast eine 5-2 Defense war) bewegt. Crennel ist dafür bekannt, nicht viel „1-gap“ Defense spielen zu lassen, sondern seine D-Line eher in „2-gap“ Situationen steckt, was im Fall von J.J. Watt fatal ausschaut: man würde Watt seiner größten Stärke berauben. So ganz kann ich eine ganz krasse Systemumstellung noch nicht glauben, zumindest nicht nachvollziehen. Watt ist neben den Blitzes des oft verletzten ILBs Brian Cushing aktuell auch die einzige nennenswerte Passrush-Waffe der Texans-Defense. Manch einer vermutet, dass Houston Jadeveon Clowney zieht, sollte man von den Quarterbacks nicht vollends begeistert sein.

Ein Clowney in Houston? Clowney und Watt in einer Defense Line? Das klingt unbedingt danach, dass ein Crennel hier ein “2-gap” System installieren sollte um Clowney und Watt 90 Snaps lang gegen Zwei-Mann-Wände anrennen zu lassen…

Ironie-Modus aus: Clowney ist eine Möglichkeit, wenn Houston ein eher hybrides Defensivsystem anpeilt. Clowney ist vor allem deswegen eine Option, weil die letzten höheren Draftpicks der Texans für die „Edge Rusher“ eher gefloppt sind: Mercilus und Brooks Reed konnten sich beide bislang nicht in der NFL durchsetzen. Beide werden dank ihrer Vertragssituation noch eine Chance erhalten, aber sie sind angezählt.

Was in Houston auch noch fehlt: Ein dominanter Nose Tackle, oder, im Fall, dass doch eher traditionell gespielt werden soll, ein Defensive Tackle von Format. Es kann ein Oldie sein, oder ein Prospect aus den späteren Runden, aber man sollte nicht drauf wetten, dass es mit einem Vollzeitstarter McClain in den Herbst geht.

Dass die Texans großes Augenmerk auf die zweite Linebacker-Position neben Cushing oder auf die Safetys werfen werden, glaube ich nicht. Wenn sich eine Option zufällig auftut, kann man schonmal zugreifen, aber insgesamt ist man in Breite und Tiefe dort besser besetzt als auf anderen Schlüsselpositionen. Die Prioritätenliste sollte in etwa so aussehen:

  1. Quarterback: Gibt es einen, wird zugegriffen.
  2. Right Tackle.
  3. Passrush/Edge Rush: Es wird entweder ein Quarterback oder Clowney.
  4. Defensive Tackle
  5. Wide Receiver

O’Brien hat sich selbst als OffCoord installiert. Das Hauptaugenmerk wird also – richtigerweise – dort liegen. Crennel managt die Defense. Personell sind die Texans schon jetzt nicht unterirdisch besetzt. Nicht vergessen: Im Sommer war das ein erweiterter Titelkandidat. Man schmierte zwar auf 2-14 Siege ab, aber man war 2-9 in engen Spielen. Man war nach Play-by-Play Effizienz im Power-Ranking an #25 gerankt – nicht gut, aber viel besser als 2-14. Und man wurde in der volatilsten aller Kategorien abgeschossen: Turnovers. 31 eigenen Turnovers standen ganze 11 von der Defense generierte gegenüber. -20 bei Turnovers, ein Wert, der sich ganz von allein Richtung Mitte bewegen wird, da muss sich O’Brien nicht einmal eine Fingerkuppe dreckig machen.

Houston wird schon diese Saison wieder weit weg von Top-Pick Nähe mitspielen, egal welche Moves O’Brien macht. Das nimmt ihn freilich nicht aus der Verantwortung, die richtigen Moves zu machen.

The Countdown, T-minus 37: Penn State Nittany Lions

Die Penn State Nittany Lions und ihr Umfeld bieten zu viele Storylines, als dass man darüber kurz und knackig eine Mini-Vorschau schreiben könnte. Um kurz die Rahmenbedingungen abzustecken: Die Mannschaft spielt noch für zumindest drei Jahre außer Konkurrenz im College Football mit, da sie nach dem ekelerregenden Sexskandal um den pädophilen ehemaligen Assistenztrainer Jerry Sandusky und die einhergehende Omertá von Trainerlegende Joe Paterno von der NCAA gesperrt wurde. Viele meinen, die Sperre sie ein Unrecht gegenüber den aktuellen Spielern, weil diese am wenigsten dafür könnten für ein Unrecht, dessen Wurzeln schon in den 90ern liegen.

Falsch. Wenn so gravierende Verstöße gegen allgemein anerkannte menschliche Werte getätigt werden, und das von oben herab, von der Universitätsleitung, muss eine harte Strafe her. Wenn wir nicht mehr drauf vertrauen können, dass unsere angebliche Elite in der Lage ist, Menschlichkeit über Kohle zu stellen, muss der Hammer her. Die NCAA ist ein Kartell, das zu sprengen es sich lohnt, und die Strafe kam auf rechtlich wackeligen Beinen daher, aber sie fühlt sich ausnahmsweise mal „richtig“ an, und wenn, dann höchstens zu lasch.

In diese Stimmung mischen sich im Fall Penn State eine riesige Studentenschar und Alumni-Clubs, die viele Jahrzehnte lang mit Stolz bei Penn State studierten und diesen Stolz in die Welt hinaus trugen, weil es eine Uni war, die zumindest nach außen auf ehrenwerte ethische Grundsätze fundierte und diese auch strikt einzuhalten schien. Das wichtigste, einflussreichste Gesicht, Football-Headcoach Joe Paterno, sein Mantra vom Grand-Experiment („Erfolg ist wichtig; Ethik ist wichtiger“) galt als sowas wie eine Institution, eine graue Eminenz, die letzte Bastion des sauberen College-Sports.

Paterno wird in vielen Studentenkreisen noch immer verehrt. Viele glauben noch immer, dass sein Rauswurf drei Spiele vor seinem eh fast sicheren Karriereende unwürdig war. Viele glauben, dass Paterno nach seinem schnellen Tod wenige Wochen danach nicht genügend gewürdigt worden war.

Ein streitbarer Punkt, zu dem es viele Meinungen gibt.

Die massiven Sanktionen gegen Penn State (u.a. 60 Millionen Dollar Geldstrafe über fünf Jahre, Ausschluss von der Bowl-Season, Aberkennung von Sportstipendien in empfindlichem Ausmaß) schwächen auch die Footballmannschaft und führten vor der letzten Saison zu einem Massenexodus etlicher arrivierter Leistungsträger. Umso höher einzuschätzen ist das, was der neue Head Coach Bill O’Brien aus dem Team letztlich machte: Eine 8-4 Bilanz mit Pauken und Trompeten, und ohne Ficken und einen unnötigen Kollaps hätte es locker auch ein 10-2 sein können. Wohlgemerkt mit einer extrem ersatzgeschwächten Mannschaft.

O’Brien blieb entgegen der Unkenrufe auch über seine schwere Debütsaison hinaus an der Uni, und er muss jetzt langsam den Umbruch hinkriegen. Der von ihm aufgebaute Starting-QB Matt McGloin ist mittlerweile ausgeschult, und O’Brien muss sich einen neuen talentlosen Quarterback suchen und ihn zu was Respektablem heranziehen.

Großer Anwärter ist dabei QB Christian Hackenberg, ein Freshman, dem man unendliches Talent nachsagt (u.a. ein „5 Star Recruit“), der aber noch zu viele mentale Fehler begeht. Die einzige andere Alternative ist Tyler Ferguson, der auch keine Erfahrung hat. Ansonsten gibt es nix. Nada. Aber zweifelt jemand ernsthaft dran, dass O’Brien einen der Jungs hinbiegen kann?

Die Offensive Line ist eine absolute Stärke, aber bei den Skill-Players sieht es nach dem Abgangsschwall letztes Jahr zappenduster aus. Aber zweifelt jemand an O’Brien?

Die Defense gilt als extrem stark gegen den Lauf (nie schlecht in der Big Ten), hat aber trotz stabiler Secondary oft Probleme mit dem gegnerischen Passspiel, weil der Passrush vorne nicht wie gewünscht zündet. Ob O’Brien das hinkriegt, steht in den Sternen: Er gilt nicht als Mensch, der sich bisher allzu viel um die Defense geschissen hat.

So sind die Nittany Lions dieses Jahr folgendes: Spielen außer Konkurrenz mit. Haben möglicherweise, wenn sie nicht von Verletzungen arg gebeutelt werden, Potenzial, jeden Gegner zu schlagen. Werden aber nicht jeden schlagen, weil sie dafür nicht breit genug aufgestellt sind und zu wenig Erfahrung auf QB haben. Und müssen nebenbei einen einsamen Kampf um wenigstens eine Linderung der harten NCAA-Strafen führen. Langweilig wird es in State College nicht.


Ja, der Countdown-Artikel zu Penn State bei USA Today ist noch nicht raus, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Antwort auf Myerbergs RätselCurt Warner“ lautet (zweitmeiste Rushing-Yards in der Unigeschichte seit 1977, viermal über 1025yds bei den Seahawks in den 80ern). „Curt Warner“ ist übrigens nicht „Kurt Warner“.