NFL-Draft Recap 2013: Björn Werner, erster deutscher Erstundenpick ever

Ein Punkt, der heute Nacht auf diesem Blog zu kurz gekommen ist: Mit Björn Werner wurde wie erwartet der erste deutsche Footballspieler in der ersten Runde des NFL-Drafts einberufen. Werner ging mit dem 24ten Draftpick zu den Indianapolis Colts.

Werner ist nicht bloß der Mann, der den Amerikanern das „Ö“ brachte, sondern auch sonst eine ganz gute Geschichte: Spielte mit 14 in Berlin alles in Grund und Boden, ging dann zur Highschool in die Staaten nach Connecticut, ehe er in den College Football wechselte. Die Uni war keine kleine: Florida State, die Heimat der Seminoles, eines der bekanntesten Programme in den Staaten.

Ich bin Björn Werner zum ersten Mal in der Saison 2010 „begegnet“. Werner war damals ein Freshman, der nur partiell eingesetzt wurde, aber in den wenigen Auftritten genügend Aufsehen erregte, dass mir die Nachricht von einem „German Defensive End“ in den Reihen der Seminoles beiläufig auffiel.

Die letzten beiden Jahre war Werner Starter in Tallahassee, und mehr: Er war der wichtigste Abwehrspieler in einer der besten Units in den Staaten, einer Verteidigung mit etlichen aufwändig rekrutierten Super-Athleten wie dem ebenfalls gestern gedrafteten CB Xavier Rhodes oder DT Everett Dawkins oder dem famosen Safety Lamarcus Joyner.

Eines der besten Spiele, das ich von Werner gesehen habe, war der Kracher im September 2011 FSU-Oklahoma, als die Noles zwar verloren, aber Werner eine fantastische Leistung bot und die komplette Anspiellinie fast im Alleingang kontrollierte. Ich schrieb damals sogar einen eigenen Blogeintrag:

DE Björn Werner war der Auffälligste von allen. Ich maße mir nicht an, der große Defense-Line-Versteher zu sein, aber Werner machte ordentlich Dampf und hatte mehrfach die Schiedsrichter nicht auf seiner Seite (Holding-Strafen!!) – sogar beim Sack gab es Holdings, das im Übrigen von den Refs übersehen wurde. Neben Werners Power erblasste sogar der massiv Buzz kriegende DE Brandon Jenkins, dem einige einen hohen Draftpick zutrauen.

Von Brandon Jenkins hat man seither nur noch wenig gehört. Werner aber ist kein one year wonder. Werner ging mit einigem Hype in den vergangenen Herbst 2012/13 und lieferte genügend gute Leistung, um zwischendurch als möglicher Top-10 gehandelt zu werden. Dazu reichte es letztendlich nicht, da er den letzten Tick Wucht und Antrittsschnelligkeit vermissen ließ, aber Werner ist möglicherweise der kompletteste Defense Liner im Draft neben dem UCLA-Prospect Datone Jones, das ein paar Picks später nach Green Bay ging.

Werner wird als Rookie unter dem neuen CBA zwar Millionär werden, aber an der 24ten Stelle wirst du nicht per sofort steinreich. Er wird einen Vierjahresvertrag bekommen (mit teamseitiger Option auf ein fünftes Jahr), der insgesamt in etwa 6.5 Millionen Dollar wert sein wird – zumindest ist das roundabout eine Zahl, die letztes Jahr der Pick #24, G David DeCastro von den Steelers bekam. Und viel Verhandlungsspielraum ist unterm neuen CBA nicht drin.

Was mir mehr Sorgen macht, ist das Einsatzgebiet: Werner galt als eine Art prototypischer Defensive End für ein 4-3 Schema. Indianapolis spielt unter Head Coach Chuck Pagano aber eine klassische 3-4 Defense. Wird Werner dort auch in die Line gestellt, als sog. 5-technique Defensive End? Das würde überraschen und allen Expertenmeinungen der letzten Wochen und Monate widersprechen.

GM Ryan Grigson soll aber schon verlautbart haben, dass Werner als Outside Linebacker gesehen wird:

SAM ist der Strongside Linebacker (also der Linebacker auf der Seite, wo der Tight End steht) und RUSH ist der Linebacker, der bevorzugt auf den Quarterback geschickt wird, wenn ein Pass erwartet wird. Werner dürfte insofern geeignet sein, weil man ihm nachsagt, nicht nur einen sehr schnellen ersten Schritt zu haben, sondern auch extrem diszipliniert in der Verteidigung des Laufspiels zu sein.

Werner wird gute Einsatzzeit bekommen, sofern er sich nicht verletzt. Bei den OLBs ist Robert Mathis in Indianapolis sicherlich gesetzt, aber die beiden anderen Konkurrenten sind Erik Walden und Jerry Hughes. Ich bin eigentlich ein großer von letzterem, aber Hughes scheint sich in der NFL bisher nicht recht durchgesetzt zu haben und gilt eh als bessere Option für den Weakside Linebacker, also dort, wo kein Tight End steht. Werner dürfte einen ordentlichen Batzen an Snaps sehen, und man kann nur hoffen, dass er die ungewohnte Umstellung möglichst schnell hinbekommt.

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Die Defensive Line im NFL-Draft 2013

Die Front-Seven im American Football ist eine hochkomplexe Geschichte, da sie aus so vielen Positionen bestehen kann, dass es schwierig ist, die richtigen Athleten in die richtigen Slots zu stellen. In Kurzfassung: Es gibt zwei Basis-Systeme, die 4-3 Defense und die 3-4 Defense. 4-3 ist das System mit vier Defensive Linern mit Händen im Dreck, bei der 3-4 Defense sind es folgerichtig nur drei, mit vier Linebackers dahinter.

Es gibt im Detail unendlich viel Feintuning, weswegen die Techniker und Coaches unter den Footballern von so fremdelnden Begriffen wie „3-technique“ oder „Gaps“ reden. Das Konzept dahinter: Du spielst gegen die Offense Line. Deine Defense Liner sind für gewisse „Gaps“, also quasi die Zwischenräume zwischen den Offense Linern, verantwortlich (verantwortlich = Assignments). Wo sie den Spielzug beginnen, regelt eine Zahl von 1-9 mit Zusatzcode „technique“, die den Plätzen zugeordnet wird: 0-technique ist zum Beispiel direkt vor der Nase des Centers, von wo dann auch der Terminus des Nose Tackle kommt. Der ist dann unter Umständen für beide A-Gaps verantwortlich usw. Kleines Schema zum besseren Verständnis:

Pos.     TE     T     G     C     G     T     TE
------------------------------------------------
Gap          C     B     A     A     B     C
tech.   987    654   321    0    123   456    789

Häufig ist zum Zeitpunkt des Drafts noch nicht ganz klar, welches Prospect am besten für welche Position ist, und es wird viel rumgerätselt, ob der Spieler besser als 4-3 DE oder 3-4 OLB ist oder ein 4-3 DT oder 3-4 DE. Gemeint sind dabei die Gaps und Assignments, die aber bei vielen Coaches variieren können. Ein 3-4 DE ist zum Beispiel oft ein 5-technique, der in erster Linie für das B-Gap zuständig ist. Ein 3-4 DT ist oft 3-technique, und auch ein 4-3 DT ein 1-technique oder 2-technique. Und ab ins Gewühl.

Defensive Ends

Der deutsche Defense End Björn Werner [unser Scouting Report von Flo Zielbauer] galt lange Zeit als möglicher Top-10 Pick, aber diese hohe Wertschätzung hat sich nicht bis zum Draft gehalten. Zu unspektakulär ist Werner, zu wenig explosiv. Alle halten ihm zugute, ein ehrlicher, fleißiger Arbeiter zu sein, relativ komplett, aber die ganz hohen Picks gehen am Ende des Tages in der NFL nur für die ganz gewaltigen Passrusher weg. Das ist Werner nicht. So bleibt am Donnerstag aber das Label des ersten deutschen 1st round picks, denn niemand sieht, wie Werner aus der ersten Runde fällt. Und ein Fallen im Draft hat auch sein Gutes: Dann kommst du zu einem wahrscheinlich besseren Team.

Trotzdem ist Werner höchst willkommen, da er eine gute Geschichte abgibt: Junge aus Berlin, der in die Staaten ging um an der Highschool in Connecticut zu spielen, der erst mal Englisch lernen musste, dann von FSU rekrutiert wurde, heiratete und die einheimischen Talente das Fürchten lehrte. Jede Wette, dass Mike Mayock dann übermorgen noch den einen oder anderen Fakt aus der Nase zieht.

Prospects 2013

Name                  Rd
Ezekiel Ansah         1
Björn Werner          1
Datone Jones          1-2
Damontre Moore        1-2
Tank Carradine        1-2
Alex Okafor           1-2
Margus Hunt           2
Corey Lemonier        2-3
LaVar Edwards         3-4
Malliciah Goodman     3-4
Sam Montgomery        3-4
Joe Kruger            4-5
David Bass            4-5
Devin Taylor          5-7
William Gholston      5-7

Mayocks Top-5

4-3 DE

1 - Ansah
2 - Werner
3 - Moore
4 - Carradine
5 - Okafor

3-4 DE

1 - Lotulelei
2 - Jones
3 - Hunt
4 - Gholston
5 - Williams

Werners Studienkollege Cornelius Carradine, genannt „Tank“, gilt bei manchen Scouts als mittlerweile besseres Prospect: Etwas kleiner gewachsen, aber wuchtiger, schneller. Carradines größte Fragezeichen rühren von einer verletzungsgeplagten Vergangenheit, und Carradine ist Stand heute so wenig Muskelberg, dass ihn manche Coaches am liebsten erstmal eine Woche zum Kraftbolzen in den Fitnessraum stellen wollten.

Der einstige große Favorit DE Damontre Moore von Texas A&M fiel in der Scouting-Phase jede Woche ein bis zwei Plätze nach hinten und gilt heute „nur“ mehr als 1st round pick, anstelle des möglichen Top-Picks. Die Hauptkritikpunkte: Zu wenig Schmalz in den Schenkeln dies- und jenseits der Hüften, zu wenig explosiv gegen die ganz fetten Säcke. In etwa so schnell wie Moore in der Gunst der Scouts sank, stieg Datone Jones von UCLA nach oben: Noch etwas ungeschliffen gegen Doppeldeckungen („double teams“), aber alle Voraussetzungen um jegliche Position und technique in der D-Line spielen zu können.

Das fünfte Rad am Wagen ist Ezekiel Ansah, genannt Ziggy, ein Ghanaer von der Brigham Young University und eine Wundertüte pax excellence, der klassische Freak, der Scouts abspritzen lässt weil er so prototypisch gebaut ist, aber gleichzeitig den Schweiß auf die Stirn treibt, weil er keine drei Jahre Erfahrung im Football hat. Ansah wollte eigentlich Leichtathlet oder Korbballer werden, verirrte sich dann aber auf der grünen Wiese und spielte alle erfahrenen Teamkollegen gleich mal zum Einstand an die Wand. Ansah ist technisch noch ein sehr unsauberer Spieler und wird etliche Feinheiten erst erlernen müssen. Er ist ein Fall für Parcells‘ Planet Theory: Einen solchen Athleten kriegste nicht jedes Mal, also greif zu. Den Feinschliff sollen die Coaches geben. Ansah gilt mittlerweile als sicherer Pick in den Top Ten.

Werner und Ansah sind die Stars, aber es gibt einen dritten Ausländer mit genügend Buzz für die erste Runde: Margus Hunt, ein Kraftbolzen aus Estland, der bei Southern Methodist spielte und dort mehr als graduellen Fortschritt über die letzten beiden Jahre zeigte. Hunt spielte eine sensationelle Hawaii Bowl und galt in der Scouting-Phase als Workout Warrior, aber seine Senior Bowl war schwach. Zweiter Knackpunkt: Das Alter. Hunt ist bereits 26, eine Phase, in der der Mensch normalerweise physisch am Höhepunkt ist. Man kann also nicht unbedingt von einer massiven Steigerung Hunts ausgehen, im Gegensatz zu den 21jährigen Kids, die sonst in die NFL kommen. Das eine oder andere Team soll an ihm in der ersten Runde interessiert sein, auch wenn sich Hunts Bewerbung nach all meinen bisherigen Erfahrungen klassisch wie „zweite Runde“ anhört.

Irgendwo am Eck rumhängen werden auch Ends wie Alex Okafor von Texas oder Sam Montgomery von LSU. Letzterer galt auch lange Zeit als hoher Pick, aber es gibt Abschreckendes: Zum ersten hat er nicht die Ausdauer für mehr als 25 gleichwertig intensive Snaps. Zum anderen werden die Trainerköpfe von LSU immer noch knallrot und fletschen die Zähne, wenn sie nach Montgomerys (mangelndem) Trainingseinsatz befragt werden.

Defensive Tackles

Prospects 2013

Name                  Rd
Star Lotulelei        1
Sharrif Floyd         1
Sheldon Richardson    1
Jesse Williams        1
Sylvester Williams    1-2
Jonathan Hankins      1-2
Kawann Short          1-2
Jon Jenkins           1-2
Brandon Williams      2-3
Montori Hughes        2-3
Akeem Spence          3-4
Bennie Logan          3-4
Jordan Hill           4-5
Everett Dawkins       4-5

Mayocks Top-5

4-3 DT

1 - Floyd 
2 - Richardson 
3 - Williams 
4 - Short 
5 - Hankins

3-4 DE

1 - Lotulelei 
2 - Jones 
3 - Hunt 
4 - Gholston 
5 - Williams

Diese Position gilt als die bestbesetzte nach den Offense Tackles, und kein Spieler bekam mehr Presse als Floridas Sharrif Floyd, vor wenigen Wochen noch eine komplette Unbekannte. Der Hype beginnt schon auf der Straße. Floyds Geschichte liest sich drehbuchreif, ein kleiner Junge, der im Säuglingsalter den Vater verliert, Mutter spritzt sich eine Piepe nach der anderen rein und Klein-Sharrif schlägt sich unter der Brücke durch. Bekam Hilfe von einem weichherzigen Mann. Ging ans College. Bekam von besagt weichherzigem Mann Kohle und Scooter. Wurde deswegen von der NCAA gesperrt – illegales Boostertum. Zögerte nicht lange und ließ sich von besagtem Mann adoptieren. Und ist heute ein sicherer Top-10 Kandidat. Floyd macht wenige spektakuläre Plays, ist aber feingeschliffen und weiß genau seine Assignments. Floyd ist kein Kraftbolzen, sondern beweglich wie ein End und übertölpelt den gegnerischen Guard mit seiner Beweglichkeit. Alle gehen davon aus, dass er sein Versprechen – sehr, sehr sicherer, guter Tackle – einlösen wird.

Der andere Top-Tackle ist Star Lotulelei von Utah, etwas massiver gebaut und etwas variabler einsetzbar: Während Floyd in erster Linie als Defensive Tackle für 4-3 gilt, kann der 145kg-Bolzen Lotulelei gut und gerne auch in der anspruchsvollen 3-4 Defense mehrere Positionen spielen und gilt am explosivsten dann, wenn er Druck im Passrush ausüben kann. Lotulelei hatte in der Offseason Herzprobleme und könnte deshalb ein Fragezeichen sein; nichtsdestotrotz gilt auch er als recht sicherer Top-10 Kandidat.

Der dritte im Bunde ist mit Mizzous Sheldon Richardson ein Rohdiamant, dessen Ruf vor allem auf der ersten Sekunde nach dem Snap gründet, denn diese gilt als fantastisch, absolut dominierend. Richardson spielte nur zwei Jahre in Missouri, weil seine Schulnoten zuvor zu schlecht gewesen waren um an ein richtiges College zu gehen, und ist daher insgesamt noch etwas grün. Viele Coaches werden aber sagen, gut, dann ist er besser formbar nach unseren Vorstellungen.

Mit dem Australier Jesse Williams gibt es einen zirka ein Meter siebenundzwanzig kleinen anderthalb Zentner schweren Klumpen, dessen Lieblingsposition die des Nose Tackle ist, und der sich schwer tut, sein Lieblingstattoo zu finden, weswegen jede Woche zwei neue Figuren eingestochen werden… die Haut möchte ich nicht sehen, wenn dieser Hulk mal 40 ist. Williams kommt vom Australian Football und Rugby, kann daher auch ganz gut kicken, agierte in Alabama auch als Hobby-Vorblocker und Fullback und gilt heute als 1st round pick. Die Schwächen sind auch schnell beschrieben: Nimmt sich gerne mal ein Päuschen mitten im Spiel, weiß noch nicht, wie man gegen die abgewichstesten Guards und Center spielt. Mit gutem Coaching kann man in drei Jahren von einem australischen All-Pro Tackle ausgehen.

Jon Jenkins aus Georgia ist ein ähnlicher Spielertyp, nur noch zirka dreißig Pfund schwerer als Williams, gewohnt, der Ankermann einer starken SEC-Defense zu sein, aber häufig lustlos, ohne die ganz blütenweiße Weste mit Blick auf den Lebenslauf. Nur mit dem Zusatz „vielleicht“ gilt Jenkins als Erstrundenpick.

Bei so vielen Supertalenten müssen Kawann Short von Purdue und Jonathan Hankins von Ohio State schauen, wo sie bleiben. Beide kriegen einigen Buzz, aber die Mehrzahl der Teams geht wohl davon aus, dass sie am Freitag in der zweiten Runde noch zu haben sein werden.

Die Front Seven vor der NFL-Combine 2013

Sideline

(Auswahl)

Inside Linebacker

Name             Rd
Alec Ogletree    1
Manti Te’o       1-2
Kevin Minter     1-2
Jonathan Bostic  2-4
Kevin Riddick    4
A.J. Klein       5

Outside Linebacker

Name             Rd
Jarvis Jones     1
Arthur Brown     1-2
Khaseem Greene   2
Kiko Alonso      3
Sean Porter      3-4
Chase Thomas     4-5
Michael Mauti    5

Heute ist der Tag, an dem die Defensive Front-Seven in die Combine 2013 einsteigt. Es ist die Gruppe, die neben den Quarterbacks das meiste Boohay entflammt, und das liegt vornehmlich an dem einen Mann: Manti Te’o, Linebacker von Notre Dame und sorgender Lebensabschnittsgefährte. Te’o war schon seit Jahren so was wie der Ray Lewis des College Football gewesen (minus Mordanschuldigungen): Ein Captain, dessen Euphorie und Führungsqualitäten die Mitspieler hellauf in Begeisterung versetzen können. Diese Saison war Te’o Heisman-Trophy Kandidat. Zum einen, weil Notre Dame von knappem Sieg zu knappem Sieg eilte und ungeschlagen durch die Saison kam. Zum anderen wegen der persönlichen Note bei Te’o, dessen Oma und Freundin im September innerhalb von 24h (oder wahlweise auch innerhalb bis zu einer Woche) verstorben waren – sensationell für die Produktivität von Tränendrüsen.

Krux: Die Freundin war erfunden. Ich verweise diesbezüglich noch einmal auf den wirklich fantastischen Recherche-Artikel vom Klatschblog Deadspin: Manti Te’o’s Dead Girlfriend, The Most Heartbreaking And Inspirational Story Of The College Football Season, Is A Hoax. Die Umstände sind immer noch nicht ganz geklärt. Te’o gab mittlerweile zu Protokoll, anfangs wirklich der Geleimte gewesen zu sein, musste aber gestehen, nach dem Auffliegen die Story noch wochenlang mitgespielt zu haben, weil… weil… äh, ja, Publicity? Als „Hauptschuldigen“ hat man mittlerweile einen von Te’os Freunden aus der Schulzeit ausgemacht, der wohl etwas mehr als platonische Gefühle für Te’o fühlte und diese mit diesem Schwindel verarbeiten wollte. Auf alle Fälle dürften die Interviews, die Manti Te’o an diesem Wochenende mit den NFL-Abordnungen führen muss (oder darf?) mit das Spannendste an dieser Combine. Weil Te’o auch sportlich nicht über den allerletzten Zweifel erhaben ist und die Inside-Linebacker-Position nicht mehr die gefragteste der NFL ist, wird diese Combine für Te’os Kandidatur für einen Erstrundenpick ein ganz wichtiger Meilenstein.

In der Sideline führe ich heute nur eine Auswahl an Geladenen, weil es sonst den Rahmen sprengen würde. Neben Te’o sind die beiden aussichtsreichsten Middle Linebackers die beiden SEC-Kaliber Alec Ogletree (Georgia) und Kev Minter (LSU), beide Juniors. Am College war Ogletree, wenn er denn mal nicht gesperrt war, der deutlich auffälligere: Groß gewachsen, extrem explosiv, aber technisch noch ungeschliffen. Ogletree geht als gelernter Safety gerne mit der Schulter voraus zum Mann (hitten statt tackeln) und könnte deswegen tiefer fallen als gedacht. Einen Bärendienst erwies sich Ogletree just letzte Woche, als er besoffen am Steuer erwischt wurde. Minter galt in der LSU-Defense als Leader und für einen Linebacker extrem agil, gilt aber als etwas klein gewachsen.

Bei den in der Combine als Linebackers gelisteten Kandidaten für die Outside Linebackers gilt Georgias Jarvis Jones als unbestritten potenteste Waffe. Wer Jones auf der Höhe seiner Schaffenskraft sehen will, sollte die Bulldogs-Spiele gegen Florida und gegen Alabama (ja, das SEC-Finale) aus der abgelaufenen Saison anschauen. Der Knackpunkt bei Jones wird die Gesundheit sein: Ihm wurde vor Jahren eine leichte Wirbelsäulenverengung (für die Mediziner unter den Lesern: „Spinale Stenose“) diagnostiziert.

Defensive Line

Sideline

Defensive Tackle

Name                Rd
Star Lotulelei      1
Sh. Richardson      1
John Jenkins        1
John Hankins        1
Jesse Williams      1-2
Sylvester Williams  1-2
Shariff Floyd       1-2
Kawann Short        2
Bennie Logan        2-3
Akeem Spence        2-3
Everett Dawkins     3-4

Defensive Ends

Name                Rd
Björn Werner        1
Damontre Moore      1
Barkevious Mingo    1
Sam Montgomery      1
Ezekiel Ansah       1-2
Dion Jordan         1-2
Alex Okafor         1-2
Cornelius Carradine 2
Datone Jones        2
Margus Hunt         2-3
Malliciah Goodman   3
William Gholston    3-5
Brandon Jenkins     4-7

Allgemeiner Tenor: Die vielleicht am besten besetzte Position in dieser Draftklasse. Zwischen sieben und neun potenzielle 1st Rounder, und jede Menge Tiefe dahinter. Als „Star“ gilt Star Lotulelei (kein Scherz) von der University of Utah, ein Mann, über den ich im Sommer schrieb:

Der wahren Grund für das Stimmungshoch ist aber die Defense, die sensationell druckvoll in der Front-7 spielt und auf einen der ganz großen Stars des NFL-Drafts 2013 bauen kann: DT Starlite „Star“ Lotulelei, dem kein OffCoord weniger als zwei Guards aufhalst und der nur wegen zu schlechter Noten andernorts überhaupt bei Utah untergekommen ist.

Hinter dem runden Paket Lotulelei gibt es einen Mr. X: Eigentlich noch talentiert, kräftiger, monströser. Aber mehr mit der Freak-Aura, nur eine einzige wirklich gute Saison an der Uni gespielt zu haben. Die Rede ist von Mizzous Sheldon Richardson, der im Sommer Flacco-like („I’m elite!“) von sich reden machte, dann aber auf die Spötter – wie Flacco – mit ordentlichen Leistungen antwortete.

Bekannt ist mir auch der australische Nose Tackle Jesse Williams, ein Tier von Mann: Untersetzt gebaut, aber ein Kandidat für die 45 bench presses und für Seymours Nachfolge: Williams fungierte häufig als „Lead-Vorblocker“ im Laufspiel. Bisschen bedenklich dürfte sein, dass sogar die SEC-Marktschreier Lundqvist/Danielson bei CBS hin und wieder Williams’ mangelndes Feintuning beim Tackeln kritisierten.

Vielleicht noch mehr Hype kriegt NT John Jenkins von Georgia, der eh schon renommiert noch ein fantastisches Bewerbungsschreiben im SEC-Finale gegen Georgia ablieferte: Fettsack mit 350 Pfund und zumindest körperlich das, was Coaches für die 3-4 Defense suchen.

Sharrif Floyd von der University of Florida war mir ehrlich kein geläufiger Name, aber Mayock sieht in Floyd aktuell den #1-DT. Floyd scheint exzellente Berater zu haben, gilt als aufsteigender Stern allerorts, ohne dass wirklich jemand Substanzielles zu diesem Prospect beitragen könnte… fast. Roman John von Der andere Footballblog hat sich Floyd angeschaut:

Zu Beginn gab es einige Plays, in denen er gute Penetration zeigte. Ich dachte schon, dass ich jetzt sehen würde, warum er so hoch gehandelt wird. Und dann wird er bei einem Rollout von Manziel von einem Tight End (!) komplett aus dem Spiel geblockt! Er wird von einem Tight End überpowert! Als Defensive Tackle! Kann nicht, sollte nicht, darf nicht passieren.

Viel „Star-Power“ auch bei den Defensive Ends. Der Mann mit den besten Kritiken ist bisher tatsächlich der deutsche Defensive End von Florida State, Björn Werner, dem man zutraut, spätestens an der fünften Stelle schon vom Tablett zu sein. Zu Werner haben wir dank Flo Zielbauer schon unseren eigenen Scouting-Report:

Manche sehen in Damontre Moore von den Texas A&M Aggies eine „Gefahr“ für Werners Status als Erstgedrafteten auf seiner Position, aber die Meinungen bisher gehen bei Moore deutlich weiter auseinander als bei Werner. Matt Waldman hat beide (auch anhand von vielen verlinkten Tapes) miteinander verglichen und kommt zum Schluss: Werner ist 1st rounder, Moore eher 2nd/3rd Rounder.

Eine völlige Unbekannte ist Ezekiel Ansah von der Brigham Young University. Über Ansah schrieb ich in der BYU-Saisonvorschau im August:

Man hofft, dass das durch einen völlig überraschenden Neuzugang geändert werden kann: Der Ghanaer Ziggy Ansah kann noch nichtmal gscheid Englisch sprechen, wechselte im April aber von der Tartanbahn hinüber auf das Footballfeld und spielte ohne bis dahin jemals Football-Erfahrung gesammelt zu haben gleich mal alles in Grund und Boden – keep an eye on. Pass-Rush ist, damit wir uns richtig verstehen, lebenswichtig für die Cougars, da ohne im Defensive Backfield das blanke Chaos ausbricht.

Ansah deutete wohl hinreichend Potenzial an, dass die Vergleiche mit Pierre-Paul von den Giants nur so aus dem Boden sprießen. Pierre-Paul war auch als solches one trick pony vom College gekommen und war innerhalb von zwei Jahren der wichtigste Passrusher eines Superbowl-Champs. So unsauber wie Ansah spielt, wundern mich die Vergleiche. Immerhin: Alles andere als rekordnahe Combine-Werte bei Ansah wären eine Überraschung.

Passrush im Doppelpack bieten die LSU Tigers in Sam Montgomery und Barkevious „Keke“ Mingo auf. Zwei Teamkollegen Björn Werners von der FSU sind auch im Mix: Cornellius Carradine und Brandon Jenkins, wobei letzterer bis zu seiner schweren Verletzung als noch größeres Talent als Werner gegolten hatte.

Werner ist übrigens nicht der einzige europäische Defensive End: Margus Hunt von Southern Methodist gilt als Kraftpaket mit Chancen auf die 2te oder 3te Runde. Ich habe Hunt in der Hawaii Bowl gesehen, und es war ein gigantisches Statement: Der Mann spielte „seinen“ Offensive Tackle in Grund und Boden und ist Hauptgrund für das kolossales Upset dort gewesen; dieser Tackle war allerdings auch ein unerfahrener Freshman. Potenzial scheint bei Hunt trotzdem zuhauf da zu sein.

Allein: Mayock hält die Defensive Ends für durch die Bank überschätzt und präferiert die Defensive Tackles, die wirklich großartig besetzt seien.

Der erste deutsche NFL-Superstar? Defensive End Björn Werner. Ein Scouting-Report

Heute gibt es wieder einen Gastbeitrag von Flo Zielbauer/Hardcount Blog zu Björn Werner, der großen deutschen NFL-Hoffnung für 2013.


Wer ist Björn Werner? Björn Werner ist ein 1,93 m großer und 116 kg (6‘4, 255lbs) schwerer Defensive End, der die letzten drei Jahre für die Florida State Seminoles spielte und ursprünglich aus Berlin stammt. Im Gegensatz zu den anderen beiden Deutschen in der NFL, Markus Kuhn und Sebastian Vollmer, besuchte er auch eine amerikanische Highschool. Wie ein deutscher Junge an eine amerikanische Highschool kam, um dort Football zu spielen, beschreibt Werner im Interview bei SPOX.com. In diesem Rahmen will ich mich auf das Sportliche beschränken.

College-Karriere

In seinem ersten Jahr an der Florida State sah Werner das Feld ausschließlich als Backup. Ab seiner zweiten (der „Sophomore-“) Saison startete er für die Noles als linker Defensive End. In dieser gelangen ihm 37 Tackles, davon elf für Raumverlust und sieben Quarterback-Sacks. In der nun gerade abgelaufenen, seiner Junior-Saison, gelang ihm der endgültige Durchbruch. Er sammelte 42 Tackles, davon 18 für Raumverlust und es gelangen ihm 13 Sacks. Keinem Spieler im ganzen Land gelangen mehr. Obwohl er noch ein Jahr am College hätte bleiben können, entschloss er sich dazu, sich für den NFL-Draft zur Verfügung zu stellen. Dies scheint vor allen Dingen für seine finanzielle Zukunft eine sehr gute Entscheidung zu sein.

Analyse: Auf dem Feld

Werners Zahlen lesen sich bombastisch. Zahlen sind auch schön und gut. Im Football können manche Zahlen allerdings auch recht einfach täuschen. Deswegen ist es für die Evaluation von Spielern unverzichtbar, sich die Performance auf dem Feld genau anzuschauen, also das von Pundits und Scouts viel beschworene „Tape“ anzusehen, um einen Eindruck für Stärken und Schwächen eines Spielers zu erhalten, den einem die nackten Zahlen nicht liefern können.

Leider ist mir keine Möglichkeit für Otto-Normal-Fans bekannt, an All-22-Gametape für College Spiele zu kommen (Aufzeichnungen von Spielen, bei denen alle Spielzüge aus zwei verschiedenen, sehr weiten Blickwinkeln gefilmt sind. Diese werden von den „richtigen“ Scouts und den Teams verwendet). Daher mussten für meine Evaluation die regulären TV-Bilder herhalten. Ich möchte hierzu noch anmerken, dass ich es im Zuge der Recherche für diesen Artikel absichtlich vermieden habe, zu lesen was Scouts und Draft-Experten bereits über ihn gesagt haben, um meine unverfälschte Meinung über seine Fähigkeiten darzustellen. Es kann also durchaus sein, dass es große Unterschiede zwischen meiner Analyse und der der Profis gibt, sie ist am Ende des Tages auch nur eine Meinung unter vielen.

Die Aufgaben eines Defensive Ends lassen sich in zwei große Untergebiete unterteilen, den Pass Rush und die Laufverteidigung. Beide Gebiete verlangen teilweise recht unterschiedliche Skillsets. Wie sich Werner jeweils anstellt, will ich im Folgenden analysieren.

Pass Rush

Werner ist ein Pass Rusher, der vor allen Dingen von seinem schnellen ersten Schritt profitiert. Er schafft es regelmäßig, Tackles mit Schnelligkeit zu überrumpeln. Oft schlägt er sie mit Hilfe dieser Schnelligkeit über aussen, mit einem klassischen „Speed-Rush“ (verlässt sich dabei auf sein schnelles Wegkommen aus dem Stand). Wenn die Gegner gegen seine Geschwindigkeit überkompensieren, also zu schnell und mit zu großen

Schritten zurückgehen, um ihm zuvorzukommen, nutzt er dies mit einem harten Cut (oder „Dip“, also Absenken seines Körpers um den Lineman zu überraschen) nach innen aus und attackiert die Innenschulter des Gegners auf dem direktem Weg zum Quarterback.

Von dieser Kombination aus Move und Gegenmove lebt Werner größenteils, denn andere Pass Rush Moves sucht man bei ihm vergebens. Das von mir gesehene Tape zeigte ihn keinen Spin-Move oder Swim-Move benutzen. Ab und zu setzt er einen Bullrush ein (mit purer Kraft den Gegner nach hinten schieben), der, weiter ausgebaut, zu einer mächtigen Waffe in seinem Arsenal werden könnte. An dieser Stelle gibt es aber definitiv noch etwas zu verbessern. Er sollte in der NFL sein Arsenal an verschiedenen Moves verbreitern, damit NFL-Tackles kein zu leichtes Spiel mit ihm haben werden.

Werner ist ein sehr aufmerksamer Pass Rusher, der nicht mit „Scheuklappen“ spielt, sondern stets mit einer unerwarteten Entwicklung rechnet, wie zum Beispiel einem Screenpass oder einem Draw-Spielzug durch die Offense. Beide sind Mittel, die unaufmerksame Verteidiger sofort aus dem Spiel nehmen können. Beide Tricks der Offense diagnostiziert Werner zuverlässig und fällt nur selten auf sie herein. Auch ist er ein disziplinierter Rusher, der in den meisten Fällen auf der Außenschulter des Quarterbacks bleibt (von immenser Wichtigkeit für einen Defensive End in einer 4-3) und es ihm so schwer macht aus der Pocket zu flüchten. Sein oben erwähnter bevorzugter Counter-Move, der Inside-Dip könnte ihm aber hier Probleme bereiten, da er die Defense vor allen Dingen gegen mobile Quarterbacks der Kaepernick/Griffin/Wilson-Sparte über außen angreifbar macht.

Das Sahnehäubchen auf Werners guten Pass Rush-Fähigkeiten ist aber sein Gespür dafür, in die Luft zu springen und Bälle an der Linie herunterzuschlagen. Er besitzt ein gutes Näschen für den richtigen Zeitpunkt, den Rush abzubrechen und in die Luft zu springen. In der vergangenen College-Saison gelang ihm dies acht Mal, in der vorletzten Saison sogar neun Mal. Es gibt für einen Quarterback kaum etwas deprimierenderes, als einen Defensive Lineman, der die Completion schon verhindert bevor der Ball überhaupt in Richtung Receiver unterwegs ist. In der NFL beweist Texans-Defensive Lineman J.J. Watt seit Kurzem wie wertvoll diese Fähigkeit für eine Defensive sein kann.

Alles in Allem ist Werner ein dominanter Pass Rusher mit guten Instinkten, der aber noch an seinen Pass Rush-Moves arbeiten sollte, um unberechenbarer zu werden.

Laufverteidigung

Der mit Abstand wichtigste Job eines 4-3 Defensive Ends in der Laufverteidigung ist es, die Außenseite dicht zu machen („Outside Contain“). Diese Aufgabe erfüllt Werner diszipliniert und mit dem richtigen Verhältnis zwischen Attackieren und Abwarten. Er platziert seine Hände exzellent und kontrolliert Blocker dadurch, dass er ihre Arme nie in seine Körpermitte kommen lässt. Besonders sauer wird er, wenn er sich am Point of Attack eines Laufes nach außen befindet. Ich habe ihn in Spielen schon Blocker zehn Yards durch die Gegend schieben und somit mit „Penetration“ die Pläne der Offense komplett durchkreuzen sehen.

Auch gegen Double Teams sah er besser aus, als die meisten College-Defensive Ends, an die ich mich in letzter Zeit erinnern kann. Es scheint, als sei seine Laufverteidigung als Ganzes um einiges aufpolierter und ausgereift als sein Pass Rush. Er erweist sich als sehr sicherer Tackler, der nicht unbedingt durch harte Hits, sondern eher durch einen sehr starken Griff auffällt. Wenn er auch nur einen Knöchel oder eine Hand des Ballträgers erwischt, so kann man sich sicher sein, dass er diesen auch zu Boden bringt. Sollte er tatsächlich Mal von einem Blocker aus dem Play herausgeschoben werden, so setzt Werners Stolz ein; er dreht auf und verfolgt den Ballträger bis dieser auf dem Boden ist.

Welches Team draftet ihn und wann?

Oder: In was für eine Defense passt Werner?

Das ist die erste Frage, die man sich stellen muss, wenn man Vermutungen darüber anstellen will, wo Werner in der NFL-Saison 2013 spielen wird. Er spielte bei Florida State den linken Defensive End in einer klassischen Vierer-Front, was ihn rein auf dem Papier in der NFL für die selbe Position in einer Vierer-Line oder einen Outside Linebacker in einer 3-4-Defense qualifiziert. Ob Werner sich aber als Linebacker in der 3-4 genau so gut machen würde wie als End in der 4-3 wage ich zu bezweifeln. Zumindest nicht ohne eine Umgewöhnungs-Phase.

In der 3-4 muss er zumindest einmal in der Lage dazu sein, in Coverage zurückzudroppen und Tight Ends oder crossende Receiver zu decken, eine Tätigkeit, die er bei Florida State nicht ausübte. Es kommt aber auch auf das System an. In einer attackierenden 3-4 wie zum Beispiel der von Wade Phillips in Houston (die eher eine „verkleidete“ 4-3 ist) könnte Werner sich gut machen. Einfacher wäre die Umstellung auf die NFL aber definitiv, wenn ihn ein 4-3 Team nehmen würde. Teams wie Philadelphia und Detroit erscheinen mir als die logischsten „Fits“, da beide ihre Defensive Ends von sehr weit außen rushen lassen (wird „Wide-9“ genannt) und Werner dies auch bei den Seminoles bereits kennenlernte.

Wie früh wird Werner genommen werden?

Im Gegensatz zu Markus Kuhn letztes Jahr, der bis zur letzten Sekunde zittern musste, überhaupt gedraftet zu werden wird Werner nach Ansicht der Experten wahrscheinlich früh in der ersten Runde vom Board gehen. Vorausgesetzt, seine „measureables“, also Zahlen und Werte beim Scouting Combine Ende Februar werden wie erwartet sein. Besonders wichtig wird seine Zeit beim Sprint sein, speziell auf den ersten 10 Yards des 40-Yard-Dashs, die seinen explosiven ersten Schritt belegen sollen.

Werners exzellente Laufverteidigung macht ihn zu einem wertvollen Spieler für Teams, die in letzter Zeit oft (auch in der ersten Runde) Pass Rusher drafteten, die sie in offensichtlichen Laufsituationen vom Feld nehmen mussten, weil ihre Laufverteidigung ihren Pass Rush-Fähigkeiten weit hinterherhinkte. Bestes Beispiel hierführ ist der Seahawk und letztjährige Erstrundenpick Bruce Irvin, der Seattle in Passing-Situationen gute Dienste erwies. Als er aber durch die Verletzung eines Mitspielers spät in der Saison auch in Laufsituationen auf dem Platz stand, rieben sich Gegner die Hände und liefen jedes Down über seine Seite mit beachtenswertem Erfolg. Dies wird Werner nicht passieren. Er ist ein NFL-Starter und „every down player“ vom ersten Tag an.

Mit seiner persönlichen Geschichte wird Werner darüber hinaus NFL-Teams beeindrucken. Ein Junge aus Übersee, der sich komplett dem Football verschreibt und in ein fremdes Land geht, kaum der Landessprache mächtig? American Dream anyone? Werner ist ausserdem bereits verheiratet (Nein, nicht mit Lennay Kekua) und wirkt auch generell wie der perfekte Schwiegersohn, fern von einem wilden Hund mit „character issues“, mit denen sich Teams jedes Jahr zuhauf auseinandersetzen müssen. Auch die Tatsache, dass er vor seiner letzten College-Saison 15 Pfund abnahm, um ein besserer, schnellerer Spieler zu werden unterstreicht seine Selbstdisziplin und wird bei NFL-Teams gut ankommen.

Was heißt das nun konkret?

Auf den Gesamtranglisten der Draft-Experten streitet sich Werner im Moment mit Texas A&Ms Ausnahme-Pass Rusher Damontre Moore und Georgias OLB Jarvis Jones um den Platz des zweitbesten Spielers im gesamten Draft. Allerdings ist die Defensive End/OLB-Konkurrenz stark und gute/schlechte Performances/Interviews beim Scouting Combine werden mit Sicherheit noch einige Spieler fallen und steigen lassen.

Müsste ich raten, wären Jacksonville an Nummer 2 oder Detroit an Nummer 5 meine (zugegeben optimistischen) Tipps. Allerdings steht vor dem Draft auch noch die Free Agency-Phase aus, durch die sich naturgemäß noch viele Verschiebungen der Team-Needs ergeben, weswegen wir uns auf extrem spekulativen Grund bewegen.

Was allerdings sicher scheint, ist dass Björn Werner die Chance hat der erste deutsche NFL-Superstar zu werden. Anders als der ebenfalls auf hohem Niveau spielende Sebastian Vollmer spielt Werner eine Position mit echter „Starpower“ und geht als einer der besten verfügbaren Spieler überhaupt in diese Offseason.

„Ick freu mir!“, sagt der Berliner glaube ich.


Nochmal die Empfehlung: Das Hardcount Blog, das von taktischen Analysen über Regelkunde ein breites Spektrum über Football abarbeitet. Vorbeischauen, wer es noch nicht kennt.

College Football 2012/13: TV-Guideline für Week 4

Disclaimer: Die Ihnen vorliegende Vorschau wurde am Sonntag geschrieben ging per Autopilot online. Sendetermine bei ESPN America daher ohne Gewähr.

Recap Woche 3

Nächstes upset-lastiges Wochenende. Ohne das Spiel gesehen zu haben: USCs Niederlage bei Stanford kommt einer großen Überraschung gleich. Der Hype um USC war mir bekanntlich ohnehin zu groß gewesen, aber gegen die dezimierten Stanford Cardinal hatte ich doch keine Pleite erwartet. Stanford kann mithalten? Okay. Aber eine USC-Pleite mit einem derart unrhythmischen Angriff (QB Barkley mit unter 50% Completion Rate)? Unerwartet.

Zweites auffälliges Ergebnis: #20 Notre Dame putzt auswärts die #10 Michigan State Spartans, und das nicht zu knapp: 20-3. Eindrücke bestätigt: Notre Dame wird dieses Jahr vermutlich tatsächlich unterschätzt, trotz der weiterhin nicht überzeugenden Offense (14/32 Passspiel, 1/14 3rd downs), Michigan State zwar mit großer Defense, aber völlig eindimensionalem Angriff um „Hürdensprinter“ Le’Veon Bell.. Mal sehen, ob das für die Big Ten Conference reicht.

Und zum Dritten: #13 Virginia Tech geht bei den Pittsburgh Panthers 17-35 unter! Pittsburgh, das so verheerend in die Saison und die Zeit des neuen Chefcoaches Paul Chryst gestartet war.

Das Spitzenfeld dagegen gab sich keine Blöße: #1 Alabama mit einem 52-0 Kantersieg über die Wilson-losen Arkansas Razorbacks, #2 LSU/#4 Oregon jeweils mit 63-14 Siegen über inferiore Konkurrenz, #5 FSU mit einem nicht minder beeindruckenden 52-0 über Wake Forest (letztes Jahr hatte man dort noch verloren). Auch Georgia, South Carolina und West Virginia hielten sich schadlos.

Mehr Probleme als erwartet hatte #12 Ohio State zuhause gegen Cal, wobei Cal die Buckeyes im dritten Viertel komplett abgewürgt hatte und am Ende recht unglücklich verlor. #15 Kansas State auch mit einem eher happigen Spiel, entfleuchte der kleinen North Texas University erst im vierten Viertel.

Bemerkenswert sind auch die kleinen Louisiana-Monroe Warhawks, die eine Woche nach dem Upset über Arkansas auch die Auburn Tigers ärgerten und erst in der Overtime verloren. ULM hatte eigentlich als potenzieller Bodensatz in der kompletten FBS gegolten.

#25 BYU verlor knapp bei Utah (Ergebnis von Donnerstagnacht gegen Boise ist mir noch nicht bekannt). Boise State fuhr über Miami/OH drüber und gewann 39-12. Ach, und Penn State hat seinen ersten Saisonsieg (34-7 über die Navy).

Diese Woche bei ESPN America

Wie geschrieben: Sendeplan ist bei ESPNs Volatilität vielleicht mit Vorsicht zu genießen.

LIVE

    22.9.2012  15h    College GameDay
    22.9.2012  18h    TCU - Virginia
    22.9.2012  21h30  South Carolina - Mizzou
22./23.9.2012  02h    Florida State - Clemson
    23.9.2012  05h    Oregon - Arizona

TAPES

    23.9.2012  12h00  Florida State - Clemson
    26.9.2012  13h00  Georgia - Vanderbilt
    26.9.2012  15h30  UCLA - Oregon State
    27.9.2012  10h30  Auburn - Louisiana State
    27.9.2012  13h00  Oregon - Arizona

TCU ist ohne großes Tamtam in die Big12-Saison gestartet (lockeres 20-6 über Underdog Kansas), während Virginia eher zu den schlechteren Teams der heurigen Saison gehören dürfte: Penn State mit seiner anämischen Offense nur dank etlicher Fehlkicks geschlagen, und am vergangenen Wochenende haushoch gegen Georgia Tech untergegangen. Für TCU sollte das nicht mehr als Einrollen auf die wirklich happigen Aufgaben in der Big 12 Conference der nächsten Wochen sein.

Aus der SEC-East: South CarolinaMissouri dürfte wichtig für die Gamecocks sein: Georgia hat Mizzou bereits geschlagen, South Carolina muss nachziehen, auch mit den wiedererstarkten Florida Gators im Hinterkopf.

Das Nachtspiel könnte bereits eine Vorentscheidung im Kampf um die ACC-Atlantic Division bringen: Florida State gegen Clemson. Beide noch nicht wirklich getestet. FSU gilt als klarer Favorit, aber das war schon letztes Jahr so… und Clemson-WR Sammy Watkins ist wieder da.

Bei FSU ist ein Auge auf den allen Auguren nach sensationellen deutschen DE Björn Werner zu werfen. Werner wird seit Wochen in höchsten Tönen gelobt und hat nun den „Vorteil“, dass der anderen große Defensive End der Noles, Brandon Jenkins, für den Rest der Saison ausfallen wird. Besteht Werner, winkt ein sehr hoher Draftpick 2013.

Das Spätnachtspiel OregonArizona könnte ein Offensivspektakel par excellence werden. Oregon mit HC Chip Kelly gegen Arizona mit HC Rich Rodriguez. Arizona ist stark genug gestartet, um bereits in den Polls gerankt zu sein. Oregon bis jetzt ohne wirklichen Test, könnte hier zum ersten Mal zumindest bis in die zweite Halbzeit hinein getestet werden. (und bitte zählen, wie viele 60+ Yards-Touchdowns WR/HB/KR/PR #6 De’anthony Thomas erzielen wird).

Die Tapes von nächster Woche sind SEC- und Pac-12-lastig. Aufschlussreich könnte der Blick auf die UCLA Bruins werden: UCLA ist unter HC Jim Mora jr. besser gestartet, als man es prognostiziert hatte (u.a. vor halbleerem Stadion Nebraska geschlagen).

Nicht bei ESPN America zu sehen: #6 Oklahoma – #15 Kansas State, das in den USA von FOX übertragen wird. Oklahoma dürfte haushoher Favorit sein, auch wenn den Kansas State Wildcats ein bis dato kampfstarke Saison nachgesagt wird. Ebenso nicht zu sehen: #11 Notre Dame gegen #18 Michigan, ein Klassiker im College Football, der von der aktuellen ACC-Annäherung Notre Dames bedrohnt sein könnte.


			

Florida State Seminoles 2012/13 Preview

Die Florida State Seminoles sind keines der ganz traditionellen Programme im College Football, aber dank einer glanzvollen jahrzehntelangen Zeit unter dem Head Coach Bobby Bowden (inklusive 14jährigem ununterbrochenem Lauf an Top-5 Rankings!) und einer szenereichen Fanszene in der Hauptstadt von Florida, Tallahassee, einer der ganz großen Namen. Und FSU ist das Äquivalent zum FC Arsenal im Fußball: Ein Versprechen jahrein-, jahraus, nur um in schönster Regelmäßigkeit zum Saisonende als gescheitert erklärt und für die Zukunft als gigantischer „Sleeper“ gefeiert zu werden. Ein Kreislauf seit Jahren, und besonders wahr seit der Machtübernahme von Jimbo Fisher nach Ende der Bowden-Ära.

2011/12 war typisch: Viel Buzz, große Leistungen, aber am Ende mit vier knappen Niederlagen enttäuschend auf 9-4 abgestürzt. Das soll aber nicht zu viel täuschen: Gegen Oklahoma kann man immer mal verlieren und alle anderen Pleiten waren fünf Punkte und weniger. Man werfe den Mixer an und gebe richtiggehende  richtige Verletzungsserien auf Quarterback, Offensive Line und Defensive Backfield dazu, und schwupps ist da ein BCS-Kandidat in the making.

Bevor ich es eben von der Festplatte gelöscht hab, hatte ich mir nochmal Ausschnitte aus den Partien gegen Oklahoma und Notre Dame durchgespult. Fazit: Die Offense war unkonstant, die Defense – mit einem Deutschen! – faszinierend.


Die ganz große Problemzone der Seminoles ist trotz unisono gelobert Line-Coaches die Offensive Line, wo zuletzt wegen Krankenständen teilweise bessere Highschool-Auswahlen auflaufen mussten. Nach den Abgängen der Tackles Sanders/Datko wird das Problem eher ver– denn entschärft, aber vielleicht ist das wenigstens ein Pluspunkt für einen der „Unsrigen“: Mit Daniel Glauser wurde ein Offensive Tackle aus der Schweiz rekrutiert.

Hinter der unzuverlässigen Protection wird es aber hochklassiger: Mit QB E.J. Manuel wird ein ganz großes Talent wöchentlich abgeschossen; Manuel wird heuer bereits Senior sein und kriegt die letzte Chance, um den seit Jahren bestehenden Hype um seine Person zu rechtfertigen. Guter, groß gewachsener Athlet mit intelligentem Scrambling, aber das Passspiel ist nicht wirklich konstant akkurat. Zugegebenerweise hatte Manuel auch nicht wirklich die großartigen Ballfänger (wenigstens nicht abseits von WR Rashard Green) und noch weniger die Laufspielentlastung durch die Running Backs (3.3yds/Carry), aber auch wenn das Highend-Talent in der Spitze fehlt, ist der Block an Skill Players wenigstens ausgeglichen und breit gestreut (und hinter Manuel gibt es in Clint Trickett einen ruhigen Lokalmatador als verlässlichen Backup).

Die größten Hoffnungsträger hören auf die Namen WR Kelvin Benjamin und RB Devonta Freeman, die ausgezeichnete Kritiken kriegen und, sofern sie die entsprechend Blocks und Pässe genießen, vor dem Durchbruch stehen sollen. Dazu gesellen sich der von Verletzungen genesene WR Willie Haulstead und WR Rodney Smith (beide für je 40 Catches gut).


Der stärkere Mannschaftsteil im Vergleich zum Sekundengenie „Offense“ ist in Tallahassee die Defense. Die hat den wichtigsten Mann gehalten: DefCoord Mike Stoops, der intensiv mit Auburn geflirtet hatte. Unter Stoops stellen die Seminoles eine – und ich muss mich da nach Analyse der Datenlage selbst korrigieren – wirklich überzeugende Defense.

Unisono gelobt wird die Defensive Line, in der der deutsche DE Björn Werner herausragt und im Laufe der nächsten Monate zum Erstrundendraftpick für 2013 hochgejazzt werden könnte. Werners Gegenstück ist mit DE Brandon Jenkins der Mann, der den Durchbruch bereits hinter sich hat (2010 mit 13.5 Sacks). Dahinter stehen mit DE Cornellius Carnigan, NT Tim Jernigan und dem FreshmanDT Mario Edwards quer durch die Lande gejagte ehemalige oder aktuelle Super-Recruits im Fokus – und dann gesellt sich mit DT Everett Dawkins noch der athletische Ankermann der Line dazu.

FSU verfügt mit dieser Line über eine herausragende Lauf-Abwehr und, gemessen an den Eindrücken v.a. gegen Notre Dame und Oklahoma, damit auch über eine exzellente Basis gegen den Pass, nachdem sich in der Secondary weitere Supertalente die Hand geben und sogar konstantere Leistungen boten: CB Xavier Rhoades, SS Karlos Williams oder FS Lamarcus Joyner standen bei mir alle im Ruf, für große Hits Großmütter zu opfern, schienen zuletzt aber die Schotten besser dicht gemacht zu haben. Da kann man den Rauswurf von Einser-CB Greg Reid wegen Marihuanabesitzes schon mal verschmerzen – Jimbo Fisher ist diesbezüglich deutlich weniger schmerzfrei als es Bobby Bowden je war.


Im Prinzip wird 2012/13 ein „Make or Break“ für die Noles. Nicht, weil hinter den Seniors keine Grundlage für die Zukunft existierte, sondern aus Gründen der Glaubwürdigkeit. Eine weitere Durchschnittssaison würde den Ruf Fishers langsam beginnen, anzukratzen. Der Schedule ist diesmal günstig gestaltet: Die größeren Hürden Clemson und Florida empfängt man daheim, während die schwersten Auswärtsspiele @USF, @Virginia Tech und @Miami gegen Gegner erfolgen, die nicht über jeden Zweifel erhaben sind.

FSU ist an #7 im Coaches-Poll gerankt. Die Pundits betreiben fleißig Oralsex mit den Seminoles. Aber im Gegensatz zu manch anderer ehemaliger Großmacht ist Florida State wohl wirklich über kürzer oder länger „back“. 11-1 und das Ticket für das ACC-Finale dürften drin sein – vielleicht sogar die Ungeschlagenheit (und nun wird FSU mit 7-5 antworten).

Florida State nach dem geplatzten Titeltraum

Wie erwartet haben die Florida State Seminoles das gehypte Heimspiel gegen #1 Oklahoma verloren, 13-23, und sind damit mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem BCS-Titelrennen rausgefallen.

Es war ein spannendes, intensives Spiel, nicht hochklassig, aber immer wieder eingestreute sensationelle Spielzüge auf beiden Seiten, abgefälschte Interceptions, wundersame 3rd down conversions in Dreifachdeckungen und diese stundenlang in der Luft hängenden 50yds-Bogemlampen von QB Landry Jones auf WR Kenny Stills. Oklahoma sei hier aber nicht das Thema. Für die FSU war es keine vernichtende Niederlage, die Vorstellung eine, auf der sich aufbauen lässt.

„Aufbauen“ aber nur, solange die Offensive Line besser wird, die den Quarterbacks meistens nicht allzu viel Luft zum Atmen gab und das Laufspiel killte: Diese Line wurde innen immer wieder zerbröselt von Defensive Tackles der Sooners, die keine erhöhte Speichelproduktion bei Scouts hervorrufen. Für das Laufspiel war das insofern tödlich, weil die Running Backs der Seminoles recht opportunistisch spielen und meistens nicht mehr Yards machen als es die Blocks zulassen.

Quarterback E.J. Manuel hat mich eher enttäuscht, ein recht unrhythmischer Werfer, der keine fünf Bälle in Serie werfen kann ohne einen fürchterlichen Pass ins Niemandsland zu werfen. Da war der Backup Clint Trickett mit seinem Raketenarm IMHO deutlich überzeugender, wobei Trickett im Vergleich zu Manuel immobil wie eine Scheibe Toastbrot ist – sollte Trickett gegen Clemson hinter dieser Line starten müssen, erleben wir ein Sack- und Fumble-Festival.

Im Passspiel fiel auf, dass den Seminoles bei allen Dutzenden Wide Receivers und Tight Ends eine klare #1 abgeht: Der Freshman Rashard Greene ist gut für gelegentliche spektakuläre Big Plays zwei Kilometer das Feld runter, während Jarrett Haggins zwar für den einen oder anderen artistischen Catch gut ist, aber nicht konstant Drives am Leben erhält. Ein Stoßgebet in den Himmel für WR Kenny Shaw, der in einer brutalen Kollision zwischen zwei Defensive Backs böse ausgeknockt wurde. Und just nach diesem Knockout wirkte der Pass-Angriff hilfloser denn je zuvor.

In der Defense fiel vor allem das Feuer auf, mit der diese Unit spielte – Mark Stoops scheint einen guten Job gemacht haben, die Gruppe auf die Offense von Bruder Bob einzustellen: Eine sehr disziplinierte Vorstellung, teilweise extrem aggressiv wirkend, aber nicht überaggressiv die großen Plays aufgebend.

Die Defensive Line war ganz zu Beginn etwas überrumpelt, nach dem ersten Drive wurde sie aber dominanter, rotierte munter zwischen drei Handvoll Ends und Tackles durch und man kann es ohne Deutschtümelei schreiben: DE Björn Werner war der Auffälligste von allen. Ich maße mir nicht an, der große Defense-Line-Versteher zu sein, aber Werner machte ordentlich Dampf und hatte mehrfach die Schiedsrichter nicht auf seiner Seite (Holding-Strafen!!) – sogar beim Sack gab es Holdings, das im Übrigen von den Refs übersehen wurde. Neben Werners Power erblasste sogar der massiv Buzz kriegende DE Brandon Jenkins, dem einige einen hohen Draftpick zutrauen. In der zweiten Reihe fiel am meisten LB Christian Jones auf, ein schneller, quicker Mann, der kaum einen Tackle verpasst.

Das Backfield fand ich trotz der Big Plays von WR Stills überzeugend. Den #1-Cornerback Mike Harris kannte ich bisher noch gar nicht und Harris machte IMHO einen überragenden Job – sprechen wir hier über den unbekanntesten, aber besten Cornerback der Seminoles?

Die viel mehr gehypten Greg Reid und Xavier Rhoades ließen beide je einen der langen Flugobjekte gen Kenny Stills zu. Der Safety #20 LaMarcus Joyner spielt eine recht aggressive Rolle als Freelancer, ist häufig in der Nähe der Line of Scrimmage und in Blitz-Geschichten involviert, scheint in der Deckung das eine oder andere Mal noch nicht wirklich auf der Höhe zu sein. Ansonsten: Saubere Leistung, nur 199yds gegen Landry Jones’ Armada einzufangen.

Zusammenfassend wirkte Florida State im Angriff etwas halbgar, dafür hat die Defense im Prinzip bis auf wenige Plays rundum überzeugt. Das ist keine LSU-Defense, die in 60 Minuten keinen Fehler macht, aber eine Defense mit Upside, die sich im Verhältnis zum Vorjahr nur noch verhältnismäßig selten verarschen lässt.

Mit ein bisschen mehr Glück bei den Ref-Entscheidungen und vor allem einem richtigen Top-Wide Receiver hätte Florida State dieses Spiel womöglich gewonnen.

College Football 2011/12 Preview: Atlantic Coast Conference (ACC)

FBS-Preview 2011/12, die Achte. Die Atlantic Coast Conference ist im Westen Osten (memo: die Atlantikküste befindet sich im OSTEN) der Staaten beheimatet, quer von Nord nach Süd, beginnend mit Massachusetts (Boston College) bis nach Südflorida (Miami). Trotz einiger ganz großer Namen ist nicht nur die Basketball-Abteilung, sondern vor allem die Football-Abteilung der ACC in den letzten Jahren immer durchwachsener geworden, obwohl sich im hochklassigen Highschool-Sport Floridas die Footballtalente schier auf die Füße treten.

(Für eine abgespeckte Variante bitte zu meinem Spox-Eintrag wechseln)

Atlantic Division – Seminoles vs. World

„Durchwachsen“ war jahrelang das Stichwort, das zu den Florida State Seminoles geführt hat. Seit dem unschönen Abgang von Headcoach-Legede Bobby Bowden ist in Tallahassee aber neuer Schwung eingekehrt, wofür vor allem ein Mann zuständig ist: Jimbo Fisher, jahrelang Bowdens Nachfolger in spe. Fishers Debütsaison 2010/11 war recht vielversprechend.

In der Offense ist mit dem hohen Draftpick Chris Ponder der Quarterback abhanden gekommen, doch so bizarr es klingt: Nachfolger E.J. Manuel, ein Ziehkind Fishers, könnte mit seiner Beweglichkeit gar die bessere Option für diese Offense sein – denn die RedZone-Offense war alles andere als überzeugend (Chick-fil-A Bowl!!).

Positiv für Manuel: Seine Erfahrung von mehreren Einsätzen für den verletzungsanfälligen Ponder, eine erfahrene Offensive Line und ein sehr breit aufgestelltes Laufspiel für verschiedenste Spielsituationen. Allenfalls der 120kg-Brecher fehlt. Ähnliches gilt für das Passspiel: Zwischen Sprintern und possession receivers ist alles dabei – inklusive Erfahrung.

Die Defense lebt in erster Linie von einem aggressiven Pass Rush, der angeführt wird von DE Brandon Jenkins, der 2010/11 aus dem Nichts zur absolut dominanten Waffe explodiert ist und im Winter in Richtung NFL abwandern könnte. Mit sehr guten Starter-Chancen ausgestattet ist DE Björn Werner. Deutsche Verpackung, deutscher Inhalt: Werner ist vor eineinhalb Jahren von den Berliner Adlern über Highschool-Umwege an die FSU gegangen, hat geheiratet und gilt als legitimer Starter.

Neben dem Quarterback zerreißen sich die meisten über die Secondary das Maul, was hauptsächlich an der phänomenalen Rekrutierungsarbeit in den letzten Jahren liegt. Das geht soweit, dass der massivst gehypte LaMarcus Joyner nur Free Safety spielen darf, da die Passdeckung vom aufstrebenden Pärchen CB Xavier Rhodes/Greg Reid gebildet wird. Reid ist nebenher ein brillanter Punt Returner.

Seit Mark Stoops (Bobs Bruder) die Seminoles-Defense coacht, hat diese Uni die Siebenmeilenstiefel in der Entwicklung angezogen, und das erschreckenste: Die meisten Athleten sind entweder noch zwei Jahre spielberechtigt oder aus dem nie versiegenden Talentepool von Floridas High Schools bald ersetzbar.

Die allermeisten sehen Florida State irgendwo in der Nähe des National Titles spielen, trotz des neuen Quarterbacks, und der Schedule hält außerhalb der schwachen ACC-Aufgaben nur zwei echte Prüfsteine bereit. Die haben es allerdings in sich: Woche 3 kommen die womöglich an #1 gerankten Oklahoma Sooners ins Stadion und zu Thanksgiving muss man zu den verhassten Florida Gators. Eine einzige Saisonniederlage könnte aufgrund der schwachen ACC schon zu wenig sein hinsichtlich BCS-Titelambitionen.

Und dann ist da noch jenes beklemmende Gefühl, wenn eine Mannschaft quasi per Reputation aus dem Nichts zum Titel-Kandidaten in der BCS gehypt wird. Ein erfolgreiches Ende einer solchen Mission wäre IMHO eine Weltneuheit.

Der Rest der Atlantic Division sieht sich in der Rolle des Spoilers für Florida State. Die Clemson Tigers zum Beispiel, ein Kultteam daheim in einer Kleinstadt in South Carolina. Stichwort Memorial Stadium, genannt Death Valley, gelegen in einem Tal mit Blick auf einen Friedhof. Clemson war jahrelang gecoacht von Terry Bowden, dem Sohnemann von FSUs Bobby, aber seit drei Jahren ist Dabo Swinney am Werk – und schon schwer unter Druck: Trotz schneller, spektakulärer Defense reißt man wenig, weil die Offensividentität pure Langeweile ist.

Swinney wird in dieser Saison auf die Trumpfkarten „No-Huddle-Offense“ (eine in der ACC kaum bekannte Offensivtaktik) und „Verjüngung“ setzen und kann dabei auf alle Fälle auf eine sensationelle Recruiting-Class verweisen: RB Mike Bellamy z.B. wird gehypt ohne Ende und soll sofort starten. Sollte Swinney gehen müssen – und eine weitere durchwachsene Saison ist angesichts des brutalen Schedule nicht ausgeschlossen – wird er auf alle Fälle einen großartigen Recruiting-Jahrgang hinterlassen.

Die kleine Uni Wake Forest ist unter dem sympathischen Coach Jim Grobe eine Wundertüte, mal ohne Ambitionen zu 8-5 und ACC-Champ, mal als Anwärter 3-9, wie 2010/11, weswegen in diesem Sommer die Erwartungen niedrig sind. Grobe setzt auf eine erfahrene Offense und auf guten Pass Rush in der Defense. Ob das gegen neun Gegner mit Bowl-Ambitionen reichen wird?

Beim innerstaatlichen Rivalen North Carolina State sind die Probleme hausgemacht: 2010/11 war überraschend positiv (9-4), aber in der Offseason schaltete der eigentlich erfahrene Head Coach Tom O’Brien den Selbstzerstörungsmodus ein und mobbte QB Russell Wilson ohne erkenntlichen Grund vom Campus. Nun muss ein unerfahrener Quarterback hinter einer rundumerneuerten Offense Line antreten – O’Brien wird jetzt schon wissen, welche Schlagzeilen ihm im Falle eines Kollapses drohen.

Auch 9-4 schafften die Maryland Terrapins und trotzdem musste der Stratege hinter dem kontinuierlichen Aufstieg der Terps gehen: Ralph Friedgen ist mittlerweile durch UConns Randy Edsall ersetzt. Edsalls Wechsel spricht für dessen Ambitionen: Hätte er dank Fiesta Bowl bei UConn einen gemütlichen Job bis ans Lebensende gehabt, wird das Leben in Maryland etwas turbulenter sein. Ich gehe davon aus, dass Edsall eine ähnlich lauforientierte Offense wie bei UConn spielen lassen wird, wobei der QB Danny O’Brien 2010/11 tolle Zahlen hingelegt hat: 2438yds, 22 TD, 8 INT, und das als Freshman.

Im hohen Norden der ACC kämpfen die Boston College Eagles im Land der Patriots um Aufmerksamkeit und es bestehen ernsthafte Zweifel, ob das Bostoner Urgestein Frank Spaziani sich als Head Coach eignet. Spaziani wird seine ultralangweilige Offense vorgehalten, so was wie die College-Version von Marty Ball – aber bei einem RB wie Montel Harris (über 3600yds in drei Jahren) und einem so unerfahrenen QB wie Chase Rettig sollte man so was nachsehen.

Boston Colleges große Stärke ist die Laufdefense mit LB Luke Kuechly, der sensationell gut sein soll und im Schnitt pro Spiel 14,1 Tackles macht. Über Kuechly schreibt der großartige Paul Myerberg folgendes:

Kuechly is a middle linebacker straight from central casting, a big, tall, tough, nasty, rough, gritty, unstoppable tackling machine – 183 of them a year ago, most in the F.B.S., after ranking second in the nation in that category as a freshman.

Allerdings müssen die Eagles einen verdammt ungünstigen Schedule spielen, inklusive der drei vermeintlichen Topteams aus der anderen Division.

Coastal Division – Hokies vs. World

Die sich da recht sinnfrei „Coastal Division“ nennt. Und während wir in der Atlantic-Version aus dem Süden in den Norden gefahren sind, drehen wir um und beginnen diesmal mit den Virginia Cavaliers, kein sportlicher Topfavorit, aber eine sympathische Uni mit viel Frischwind aus dem Trainerbüro. Head Coach Mike London ist seit 2010 am Werkeln und hat mit seinen drei Grundprinzipien einiges bewegt:

Go to class.
Show class.
Treat people with dignity and respect.

Das muss man bei 90-Mann-Kadern erstmal durchhalten. Das Substanziellste an Londons Arbeit bisher: Trotz 4-8 ist von Malaise nicht mehr viel zu spüren, da die Cavs vor Feuer glühen und sämtliche Gegner mit blauen Flecken aus dem Stadion prügeln. London hat auch trotz unterlegener Ressourcen bisher den Wettbewerb um die besten innerstaatlichen Talente gewonnen.

Und zwar gegen die Virginia Tech Hokies, kein schwacher Gegner auf diesem Gebiet. Die Hokies sind unter Head Coach Frank Beamer (im 25. Jahr in dieser Position) seit Jahren eine Konstante, fast immer irgendwo zwischen 10 und 20 in den verschiedenen Polls vertreten. Der ganze große Wurf ist noch nicht geglückt – und nun ist der Hauptgrund für die starke Mannschaft der Vorsaison weg: QB Tyrod Taylor. Der neue ist das sagenhaft gebaute Mischlingskind Logan Thomas (1,98m, 115kg), ein Mann mit einem Spielstil wie Cameron Newton. Die Defense zeichnet eine starke Front Seven mit großem Zug zum Quarterback aus. Potenzielles Plus im Rennen um das BCS-Endspiel: Ein recht lauwarmer Schedule… bis dann im ACC-Finale womöglich Florida State wartet?

Von Virginia nach Carolina, genauer gesagt: North Carolina, wo sich im Herzen des Bundesstaates vier Unis auf 50km Radius die Kante geben. Wake Forest/NC State aus der Atlantic Division, und dann die beiden Basketball-Universitäten in Durham (Duke) und Chapel Hill (UNC). Zwei verfeindete Unis wie Feuer und Wasser. Die  Duke Blue Devils sind im Football allerdings keine große Nummer, was sich an der Bilanz von Head coach David Cutcliffe ablesen lässt: 12-24 in drei Saisons – eine der besten Footballbilanzen in Dukes Geschichte. Kopfschmerzen macht die katastrophale Defense, während die Offense um den starken RB Desmond Scott über recht gute Bausteine verfügt.

Sehr viel ambitionierter ist das Footballprogramm der University of North Carolina Tar Heels aus Chapel Hill – die Hellblauen fallen Jahr für Jahr mit massiven Recruiting-Bestrebungen auf. So massiv, dass die seit Jahren kochenden Gerüchte um Bestechungsgelder zum Jüngsten Gericht führen könnten: Über UNC schwebt die Death Penalty, die Auflösung des Footballprogramms. Als erste Gegenmaßnahme wurde vor drei Wochen Chefcoach Butch Davis wegen zu großer Toleranz mit seinen korrupten Assistenzcoaches gegangen. Da auch am amerikanischen College die Hiobsbotschaften in Salamitaktik nach außen dringen, werden wir in schönen Abständen bald mehr erfahren – ich kann mir kaum vorstellen, dass die Turbulenzen die sportliche Bilanz nicht beeinträchtigen werden.

Dabei wäre Potenzial vorhanden (harhar, woher denn bloß?), vor allem in der Defense, wo der angehenden Superstar-DE Quinton Coples nach einer Saison als DT-Notnagel nun neben dem angehenden Superstar-DT Donta Moss-Paige für Rabatz sorgen wird. In der Offense sind die Top-Spieler noch höchst unkonstant. WR Dwight Jones fing 2010/11 946yds, die sich so verteilen: 233yds gegen Florida State, 198yds gegen Virginia, 121yds gegen Duke, 394yds gegen die restlichen neun Gegner. Der Schedule ist einfach, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass UNC es bis ins ACC-Finale schaffen kann.

Ihre ganz eigenen Erfahrungen mit NCAA-Auditoren haben die Georgia Tech Yellow Jackets jüngst gemacht (und dabei keine gute Figur abgegeben), doch man scheint mit einer vierjährigen Bewährungsstrafe und 100.000 Dollar Bußgeld und einem nachträglich aberkannten ACC-Titel davonzukommen.

Schlimmer für Headcoach Paul Johnson ist: QB Josh Nesbitts College-Karriere ist zu Ende. Wir sprechen hier von dem Quarterback schlechthin für Johnsons spektakuläre Triple-Option-Offense aus der Flexbone-Formation. Ersatzmann Tevin Washington war zulezt kein adäquater Ersatz und schon kriechen die Stänkerer wieder aus ihren Löchern und werfen Johnson die angeblich antiquierte und gegen schnelle Defense ineffiziente Option-Offense vor. Dabei sähe ich den größten Handlungsbedarf im Defensive Backfield, das reihenweise verbrannt wurde.

Das verblassende U

Und damit ganz tief in den Süden Floridas: Welcome to The U, Welcome to the Miami Hurricanes, dort, wo vor zwei Wochen einer der massivsten Korruptions-Skandale ever im College Football aufgedeckt wurde.

Mitten drin: Ein Booster, der durch Immobilienspekulation in jungen Jahren extrem reich geworden war, und sich mit Geld, Partys, Nutten und allerlei sonstiger Zuwendungen Hurricanes-Spieler als „Freunde“ kaufen wollte. Der Booster – Nevin Shapiro – sitzt mittlerweile seit Dezember wegen illegalem Pyramidensystemspiels („Ponzi“/Schneeballsystem) 20 Jahre im Knast.

Die Tragikomödie: Als Shapiro vergangenen Herbst in Schwierigkeiten geriet, rief er seine „Freunde“, NFL-Superstars wie Andre Johnson/Wilfork/Vilma/Konsorten, an und wunderte sich, dass diese überhaupt kein Interesse an möglichen Hilfestellungen zeigten. Tief enttäuscht packte Shapiro bei Yahoo! aus – den Canes drohen nun massivste Sanktionen, das Damoklesschwert death penalty ist nicht ganz ausgeschlossen.

Treppenwitz: Bei den jüngsten NCAA-Ermittlungen gegen USC war Paul Dee mit weit aufgerissener Klappe („Große Programmen müssen groß bestraft werden“) Chef-Ermittler. Paul Dee, der Direktor der Sport-Abteilung bei den Miami Hurricanes über all die Jahre, in denen Shapiro unbeaufsichtigt mit der halben Mannschaft ins Bett hüpfte.

Fraglich, wie sich die Mannschaft machen wird – immerhin sind mehrere aktuelle Spieler auch im Verdacht, mit Shapiro verbandelt gewesen zu sein. Und dann kommt noch der Fakt, dass die Mannschaft einen neuen Head Coach bekommen hat: Al Golden (aus Temple/Philadelphia gekommen), der den netten, aber glücklosen Randy Shannon, einen (zu?) sehr auf Kontrolle bedachten Schwarzen, ablöst – und für die Hurricanes ein Risiko ist: Golden gilt seit Ewigkeiten als Joe Paternos Nachfolger in Penn State – wenn Golden bei diesen Widrigkeiten halbwegs Erfolg haben wird und Paterno irgendwann in den nächsten 15 Jahren doch mal seinen Job niederlegt… who knows, Golden wird dann wohl weg sein.

Goldens Spezialität ist, Defenses aufzubauen. In Miami findet er eine statistisch hervorragende Mannschaft vor: #1 in der ACC in der Offense, #3 in der ACC in der Defense. Ein Mysterium, dass es nur zu sieben Siegen reichte – Shannons Schwächen im Clock Management waren allerdings legendär.

So findet Golden einen insgesamt höchst talentierten Kader vor, dessen größtes Fragezeichen aber ausgerechnet der Quarterback ist: Jacory Harris, ein Mann mit bei Zeiten fürchterlichen Aussetzern, der ganze Drives und Spiele im Alleingang kaputt machen kann. Harris kann sich mittlerweile seines Platzes nicht mal mehr so sicher sein: In der Hinterhand wartet mit Stephen Morris ein junger Mann. „Jung“, nicht „überzeugend“, ansonsten wäre Harris wohl schon lange abgesägt.

Knackpunkt für Golden neben den möglichen Sperren für die halbe Mannschaft: Weil nach dieser Saison haufenweise Seniors die Uni verlassen werden, müssen parallel zum Saisonablauf massivste Ressourcen ins Recruiting gesteckt werden – Zeit, die in der Entwicklung der Mannschaft fehlen könnte – und in den nächsten Jahren werden viele, sehr viele Stipendien von der NCAA gestrichen werden.

Nur noch vier Conferences übrig? Morgen im neunten Teil wird es nach schwere Rucksäcke voller Tradition geben.