Jacksonville Jaguars in der Sezierstunde

Die Jacksonville Jaguars waren eine der großen Enttäuschungen der letzten Saison. Auch wenn es einige Metriken im Vorfeld der Saison gegeben hatte, die diesem Team einen Schritt nach vorne prophezeit hatten, so entwickelte sich die Saison 2018/19 letztlich in die pessimistische Richtung meiner Prognose.

Zwei der wesentlichen Gründe dafür, QB Blake Bortles und OffCoord Nathaniel Hackett, sind nun weg. Andere, wie Headcoach Doug Marrone oder GM Tom Coughlin, durften bleiben. Auch neu da: Superbowl MVP Nick Foles. Weiterlesen

Jacksonville Jaguars in der Sezierstunde

Neuerliche 3-13 Saison für die Jacksonville Jaguars, die damit in den letzten vier Spielzeiten auf ganze 15 Siege kommen. Trotzdem bekommt man langsam das Gefühl, dass sich die Mannschaft Schritt für Schritt von Head Coach Gus Bradley und GM David Caldwell in die richtige Richtung entwickelt. Weiterlesen

Chicago Bears vs Jacksonville Jaguars | Preview, Preseason Week 2

In der Nacht auf den morgigen Himmelfahrtstag: 02h MESZ live bei SPORT1 US das Vorbereitungsspiel Chicago Bears vs Jacksonville Jaguars. Jacksonville gilt auch in dieser Saison als möglicherweise schwächstes Team der Saison. Es gibt einige Rohdiamanten, aber sowohl Spitze wie Breite sehen noch immer sehr suboptimal für ein NFL-Team aus.

Vielleicht wird der Rookie-QB Blake Bortles ein paar Serien spielen. Bortles ist der #3-Pick des vergangenen NFL-Drafts, und viele meinen, er sei zu hoch gegangen. Bortles ist zwar gebaut wie ein klassischer Pocket-Passer, aber er ist trotzdem unkonventionell: Seine Wurftechnik ist äußerst gewöhnungsbedürftig, aber dafür ist er mobil genug um auch mal 60-80yds in einem Spiel im Alleingang zu scrambeln. Er gilt allerdings als noch nicht bereit für die Regular Season.

Chicago ist das Team, das dringend seine Defense aufpolieren muss. Man hat in der Offseason personell einige Umstellungen vorgenommen, einige neue Recken gekauft, und im Draft mehr oder minder alle Ressourcen in die Abwehr gesteckt. Vielleicht gibt das Spiel einige Ideen der neuen Bears-Defense preis. Die Defense-Leistung wird essenziell: Laufen die Bears mit einer brauchbaren auf, sind die im erweiterten Titelkreis.

Frischzellenkur 2014: Jacksonville Jaguars

Die Jacksonville Jaguars haben im Draft 2014 ziemlich genau die Richtung eingeschlagen, die ich schon letzten Oktober im Zuge des Wembley-Spiels diskutiert hatte, allerdings damals mit einem anderen Quarterback im Zentrum.

Sie zogen QB Blake Bortles mit dem dritten Pick overall. Eine große Überraschung, galten die Jaguars doch längst aus dem Rennen um einen Quarterback, weil sie im Vorfeld des Drafts keinen Mucks von sich hören ließen. GM David Caldwell galt mit seiner Truppe als sehr entschlossen, den Advanced-Metrics zu folgen, und da hättest du alles erwartet, nur nicht den riskantesten Quarterback an einer Stelle, an der du noch zwei der „Big-Four“ (WR Sammy Watkins und Edge-Rusher Khalil Mack) hättest bekommen können.

Ein Team wie Jacksonville braucht händeringend Waffen. Es braucht die bestmöglichen Talente. Aber es brauchte eben auch einen QB. Caldwell zog Bortles, und hörte man sich hernach die Begründungen an, so geht es dabei durchaus um Advanced-Metrics: Bortles sei nicht nur der physisch begabteste Quarterback der Draftklasse gewesen, nein, er hätte alle anderen regelrecht pulverisiert, wenn es um seine Effizienz in Downs mit Druck auf die Pocket gab (mit 7.8 NY/A sei er in solchen Fällen fast ein Yard besser gewesen als der nächstbeste).

Der Bortles-Pick wirkt retrospektiv auch angesichts des lauen QB-Rennens in der ersten Runde eher unstet: Manziels Fall durch die Boards beschwor Quotenrekorde, aber fütterte nur die Unkenrufe von wegen schwache QB-Klasse an, Bridgewater ging gerade noch so in der ersten Runde. Bortles ging an #3, und somit an einem Platz, an dem man von ihm Großes erwartet.

Kann er liefern? Man darf spektisch sein. Er ist der Mann, der mehr aussieht wie ein guter QB als er schon einer ist. Er hat eine horrende Wurftechnik, die erstmal zurecht gebogen werden muss. Er wird hinter einer eher suspekten Offensive Line arbeiten müssen. Er wird in eine Mannschaft kommen, die noch immer gröbere Defensiv-Probleme hat. In solchen Situationen sind schon bessere Prospects verbrannt worden.

Immerhin: Jacksonville setzte bedingungslos auf Offense in diesem Draft. Weil das WR-Talent Justin Blackmon immer auf dem Sprung zur nächsten NFL-Sperre ist, holte Jacksonville in der zweiten Runde haufenweise Receiver: Zuerst den soliden, aber unspektakulären Marquise Lee, danach den wuchtigen Allen Robinson.

Bei Lee argumentierte das Front-Office der Jaguars wie folgt: 2012 wäre er ein Super-Prospect gewesen, aber er hatte ein mäßiges Jahr 2013, weil er verletzt war. Dadurch fiel sein Draft-Stock, aber das ist eigentlich ungerecht, denn die Verletzung die er hatte, war zwar eine Knieverletzung, aber keine, die seine mittelfristige Zukunft beeinträchtigen wird. Man ist sich sicher, einen fixen 1st-Rounder an #39 bekommen zu haben, der aus diversen Gründen zum Glück durch das Board fiel. Lee ist kein Burner, er ist kein Riese, aber er ist präzise und gilt als kompletter Spieler.

Bei Robinson soll es vor allem seine Fähigkeit, Kurzpässe zu guten Raumgewinnen zu transformieren, gewesen sein. OffCoord Jedd Fisch lässt in Jacksonville zwar nicht wirklich eine echte Kurzpass-Offense spielen, sondern bevorzugt durchaus auch mal den eher längeren Ball, aber eine Sicherheits-Option ist nie eine schlechte Idee.

Insofern haben die Jaguars ein Jahr nach dem OT Luke Joeckel erneut massiv in die Offense investiert. Wenn diese Jungs einschlagen, hat man vielleicht tatsächlich mal sowas wie einen echten Offense-Kern beisammen.

Man sollte nicht vergessen, dass man mit OG Brandon Linder (3. Runde) und RB Storm Johnson (Bortles-Teamkollege am College) aus der 6. Runde noch weitere Optionen zog, und hernach mit RB Blankenship einen durchaus interessanten Mann vom UDFA-Markt aufkaufte. Das ist neues Frischblut für eine zuletzt extrem leblose Offensive.

Entsprechend euphorisch war die Stimmung in Jacksonville dann auch dieser Tage bei den ersten Sichtungstrainings mit den neuen Jungstars: 6000-8000 Leute sollen zugeschaut haben. Das sind irre Zahlen, die z.B. eine deutsche Nationalmannschaft in den nächsten Tagen im Südtiroler WM-Trainingslager allerhöchstwahrscheinlich nicht annähernd wird erreichen können.

Vom Draft der Jaguars bin ich nicht begeistert, da ich einen Bortles nicht angerührt hätte, aber immerhin stimmt die Richtung: Offense, Offense, Offense. So baust du heute Interesse an einer Mannschaft, die seit minimum sieben Jahren kein Interesse mehr wecken konnte. Dass du mit einigen Routiniers und deinem Defensiv-Spezialisten auf Head Coach (Gus Bradley) versuchst, zumindest anständige Defense hinzubekommen um deinen jungen Angriff nicht zu überstrapazieren, kann nur unterstützt werden.

Jacksonville Jaguars 2014-2016: Ich bin gespannt.

NFL-Draft 2014: Die Franchise-Quarterbacks unter dem Mikroskop

Wie fast jedes Jahr entzündet sich das meiste Feuer im Vorfeld des NFL-Drafts auch diesmal um die Leuchtturm-Position im American Football, die Quarterbacks. Wie immer ist mindestens eine Handvoll Mannschaften auf der Suche nach einem neuen Stamm-Quarterback, was für gewöhnlich ein paar knackige Szenarien schon in der ersten Runde garantiert. In diesem Jahr gilt die Klasse der Quarterbacks als eher durchwachsen, mit einer zwar breit gestreuten Gruppe an guten Talenten, aber das ganz große can’t miss prospect soll fehlen.

Wie sich das Lechzen nach Quarterbacks am nächsten Donnerstag entwickelt, wird die Dramaturgie im Draft massiv beeinflussen. Ein Sturm auf die talentiertesten Jungs in den Top-Ten ist ebenso nicht auszuschließen wie ein Szenario analog dem letzten Jahr, als alle bis auf einen aus der ersten Runde fielen.

Die Quarterback-Vorschau 2014 habe ich aufgrund der Ausführlichkeit in diesem Jahr aufgeteilt. Heute beginne ich mit dem Trio, das die meisten Schlagzeilen kassiert und sich nach landläufiger Meinung als Spitzentrio herauskristallisiert hat.

Der Komplette: Teddy Bridgewater

Teddy Bridgewater - Bild: Wikipedia

Teddy Bridgewater – Bild: Wikipedia

Hätte man vor drei Monaten nach dem favorisierten Quarterback des Drafts 2014 gefragt, die Antwort wäre fast unisono „Teddy Bridgewater“ gewesen. Bridgewater kommt als Quarterback der Louisville Cardinals aus der American Athletic Conference in die NFL. Er war dort der Stamm-QB der letzten zweieinhalb Jahre.

Sein Coming-Out vor nationalem Publikum hatte Bridgewater in der Sugar Bowl 2013, als er die Monster-Defense von Florida im Alleingang und Spielzug für Spielzug blitzsauber auseinander nahm. Er ging als Nummer-1 QB in den vergangenen Herbst und enttäuschte die Erwartungen nicht.

Bridgewater gilt als reifster, komplettester Quarterback im Draft. Er strahlt eine innere Ruhe aus, die selbst in brenzligen Situation in nicht mehr als ein paar Körperzuckungen „ausartet“. Bridgewater kriegt im Angesicht eines Blitzes keine kalten Füße, sondern schmettert den großen Einschlag mit einem leichtfüßigen Schritt ab. Er kennt die NFL-Standardoffense aus dem College, wo er überwiegend West-Coast Prinzipien sah und mit eindrucksvoller Konstanz ausführte.

Bridgewaters größtes Verkaufsargument neben seinem guten Nervenkostüm sein Wissen um die Komplexität des Spiels. Er durfte bzw. musste am College recht viel auf eigene Faust an der Anspiellinie operieren. Er bekam zwar die Spielzüge durchgesagt, aber Anpassungen aufgrund Defensiv-Aufstellungen waren ihm erlaubt. Für viele Coaches am College ist solches Vertrauen in den Quarterback unerhört. Nicht für Louisville. Und Bridgewater zahlte es mit exzellenten Vorstellungen zurück.

Bridgewater ist mobil, aber er ist kein Scrambler. Seine Stärken liegen ganz klar in der Pocket und er wartet notfalls auch bis zum letzten Moment, um einen Pass anzubringen. Er lässt sich vom Druck der Defense nicht nervös machen und beginnt beim Kollabieren der Pocket nicht auf de Passrush zu starren, sondern hält seine Augen stets bei seinen Anspielstationen im Defensive Backfield. Er ist mobil genug um sich den Platz in der Pocket zu verschaffen und er kann Rollout-Spielzüge bis ins Detail präzise ausführen.

Bis zum Saisonende war er der klare QB-Favorit 2014. Erst mit Einsetzen der Scouting-Periode ab Mitte Februar wurden die Zweifel an Bridgewaters Kandidatur lauter. Das offensichtlichste Fragezeichen ist seine Statur: Der Teddy ist mit 1.84m 1.87m kein Zwerg, aber eben auch locker sieben, acht Zentimeter kleiner als der NFL-Prototyp für seine Position. Er ist klein und schmächtig und damit ein Freak in einer Liga, die nach den 1.93m, 115kg schweren Spielmachern lechzt.

Es gibt zwar „kleine“ Quarterbacks, die sich in der NFL durchgebissen haben, aber es sind nicht viele. Brees und Russell Wilson, aber sie sind eher die Ausnahme denn die Regel. Wilson profitierte zudem von einer funktionierenden Mannschaft, die sich erlauben konnte, eine konservativere Offense mit einfachen Packages zu spielen, ein Luxus, den nicht viele Quarterbacks bekommen.

Eine Figur als Hüne hilft in der NFL mit ihren immer größer werdenden Defensive Linern natürlich ungemein. Ein groß gewachsener Spieler sieht mehr, ein groß gewachsener Spieler wird weniger Bälle schon an der Anspiellinie abgefälscht sehen. Obwohl Bridgewater mobil genug ist um sich eine freie Wurfbahn zu verschaffen, bleibt es ein Wettbewerbsnachteil.

Der zweite Knackpunkt bei Bridgewater ist sein tiefer Ball. Bridgewater hat keine Rakete von Wurfarm vom Schlage eines Matt Stafford, aber sein Arm gilt als gut genug um die meisten Pässe sauber zu werfen – bis auf den einen: Den tiefen eben. Bridgewaters tiefe Pässe sind nicht nur unpräzise; sie verlieren nach 30, 40 Yards an Power und hängen merkwürdig kraftlos in der Luft. Ein fehlender tiefer Ball wird dich in der NFL immer verfolgen, weil dir eine der wichtigsten Dimensionen abgeht, und versuchst du es trotzdem, ist jedesmal Gefahr durch Abfangjäger gegeben.

Der Teddy hätte viele dieser Zweifel mit gewaltigen Offseason-Workouts widerlegen können, manövrierte sich dann aber mit schwachen Trainingseinheiten noch weiter in eine Ecke, in der er momentan von der Öffentlichkeit festgenagelt ist: So wirkt Bridgewater mit jeder Woche, die dieser Scouting-Prozess dauert, mehr wie ein zu klein geratener, einen Tick zu blasser Typ mit zu schwachem Arm aus, der auch nicht so unglaublich präzise ist wie ursprünglich angenommen.

Bridgewater, der Mensch, ist als Typ unangreifbar. Er hat sich nie auch nur Kleinigkeiten zu Schulden kommen lassen, sondern galt stets als Führungsspieler und Teamkollege der ersten Kategorie. So wirkt der ganze Blues um Bridgewater noch immer wie ein kleines bisschen wie das alljährliche Spielchen, in denen sich Scouts an ein, zwei Flauseln aufhängen und einen Spieler weiter zerreden als es notwendig ist. Warum fällt Bridgewaters schmächtiges Äußeres erst in der Combine wie Schuppen von den Augen? Wie kann ein einziger schlechter Pro-Day fast drei Jahre einwandfreies Videobeweismaterial vernichten?

Die Stelle, an der Bridgewater nächsten Donnerstag vom Tablett gehen wird, wird finales Zeugnis einer wilden Scouting-Periode sein. Sollte die sicherste Tüte im Draft tatsächlich aus der ersten Runde fallen, wäre das nichts anderes als eine riesige Sensation.

Der Aufsteiger: Blake Bortles

Blake Bortles kommt von der University of Central Florida und ist quasi Phoenix aus der Asche. Er ist der Anti-Teddy. Er war viele Jahre lang nahezu unbekannt, bis er mit einer bärenstarken Performance in der Fiesta-Bowl am Neujahrstag 2014 auf dem Radar der Meute erschien – und seither trotz vieler Unkenrufe nicht wieder verschwand.

Bortles ist ein Hüne mit Zahnpastalächeln, 1.95m groß und 120 kg schwer und damit genau die Statur von Mann, die Konkurrent Teddy abgeht. Bortles ist dabei kein unbeweglicher Zeitgenosse vom Schlage eines Byron Leftwich, sondern ein durchaus mobiler Mann, den man als besseren Scrambler im Vergleich zu Teddy Bridgewater bezeichnen könnte.

Bortles orchestrierte bei UCF eine mit dem read-option Angriff sehr nahe verwandte Offense mit dem Ziel, dem Quarterback möglichst saubere Wurfbahnen zu verschaffen. Rollouts und kurze Scrambles gehörten zu dieser Offense wie Erbsen zum Speck. Bortles erledigte diesen Teil seiner Arbeit ganz zufriedenstellend, aber ist er ein Franchise-QB?

Anfangs dachte ich, oh, Bortles ist ganz praktisch, da er der Journallie einen letztlich chancenlosen Gegenspieler für Bridgewater anbiete. Dann dachte ich, oh, seine Freundin eignet sich für den Boulevard. Dann dachte ich, warum ist er noch immer ein Mitfavorit. Und dann, wie zum Teufel konnte er Bridgewater in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit schier überholen?

Bortles‘ hat genau einmeterfünfundneunzig Vorteile gegenüber einem Bridgewater. Körpergröße ist kein Vorteil, den man negieren sollte, aber man ist versucht, ihn immer und immer wieder zu unterstreichen, wenn es der einzige Vorteil ist.

Denn: Bortles‘ Wurftechnik ist am Arsch. Er wirft die Bälle nicht, er stößt sie so merkwürdig, dass spätestens die längeren Würfe nach 20yds saftlos zu Boden fallen. Mit Passrush im Gesicht bricht Bortles auseinander und wirft viele Pässe praktisch im Rückwärtsfallen. Die Technik ist wohl selbst mit gutem Coaching nicht mehr von Grund auf zu verändern, aber zumindest eine Verbesserung sollte noch drin sein.

Diese Wurfbewegung und seine unkonstanten Leistungen sind die größten Killer bei Bortles, und so bleibt die Frage, wie ein Mann, der nur körperlich einen kleinen Vorteil besitzt, in der öffentlichen Wahrnehmung tatsächlich an einem Bridgewater gefühlt vorbeiziehen kann. Keine drei Jahre nach Gabbert gilt schon wieder ein Mann mit nur wenig Spielerfahrung und suspektem Spielverständnis, mit kaum behebbaren technischen Mängeln und nach nur zwei, drei Heldenspielen als möglicher Top-Quarterback Pick im Draft.

Der Anarch: Johnny Manziel

Johnny Manziel - Bild: Wikipedia

Johnny Manziel – Bild: Wikipedia

Johnny Manziel war der größte Star des College-Football, seit ich selbigen verfolge. Er stellte Tebow in den Schatten und er stellte RG3 in den Schatten. Johnny Football war zwei Jahre lang Quarterback der Texas A&M Aggies, und eigentlich war er mehr als ein Quarterback. Er war die Offense der Aggies, Spielmacher, Playmaker, Zirkuskünstler, Herz, Seele und Lunge einer der besten Offenses des Landes. Er brachte in der defensivstarken Southeastern Conference (SEC) selbst die per Trademark geschützte beste Defense des Landes, Alabama mit Coach Nick Saban, an den Rand der Selbstaufgabe.

Johnny Manziel ist auch mehr als ein Footballspieler. Er ist ein Popstar, dessen Possen Futter für die Yellow-Press von Texas bis New York waren. Er ließ keine Fettnäpfchen aus, von Saufgelagen im Trainingslager über Studentenfeten im Haus des größten Rivalen hin zu zweideutigen Twitter-Publikationen war alles dabei, was ein normaler Mensch sich nicht erlauben sollte, aber Manziel verzieh man alles, ja mehr, man hoffte auf den nächsten… Ausrutscher kann man es nicht nennen… Egotrip dieses Jungen aus reichem Haus.

Manziel ist ein Anarch auf wie neben dem Feld. Er hat durchaus den Arm für das tiefe Spiel, wenn auch seine Wurfbewegung nicht die konventionellste ist. Er ist mit seinen 1.85m 1.90m zirka 1.80m und 95kg nur unwesentlich größer sogar etwas kleiner als ein Bridgewater, aber während dies bei ersterem zum Problem der Nation gestylt wird, schert sich bei Johnny Football kein Mensch um solche Nebensächlichkeiten.

Mit Manziel ist alles möglich. Er hat kein Gefühl für die Pocket, kein Gefühl für Timing, Präzision im Spielzugablauf, also ziemlich genau kein Gefühl für irgendetwas, das einen klassischen NFL-Quarterback erfolgreich macht. Seine absolute Stärke ist das Improvisieren, das Schaffen von sensationellen Highlight-Plays aus dem Gar Nichts, das Entzaubern von disziplinierten Abwehrbollwerken. Manziel ist am besten, wenn das Skript in sich zusammenfällt und er von der Leine gelassen wird.

Er ist ein Messi in einem Sport, der ansonsten versucht, seinen Akteuren jegliche Kreativität soweit es geht auszutreiben. Sein Paradespielzug ist die Pirouette mit dem Defensive End in der Fresse, nein, dem Defensive End ins Leere greifend, die Drehung und der Wurf downfield. Manziel ist kein Quarterback, er ist Playmaker. Er fühlt sich überall auf dem Spielfeld wohl, nur nicht in einer unbedrängten Pocket.

Es ist schwer, sich der Magie von Manziels Footballverständnis zu entziehen, aber die Frage ist wie sich dieses mit der NFL verheiraten lässt. Er wäre der erste Quarterback seit Äonen, der nicht primär von seiner Arbeit in der Pocket lebt. Er ist kein Timing-Spieler. Manziel ist das, was Scouts see it, throw it-Spieler nennen: Der Ball wird dann geworfen, wenn der Receiver offen ist. Antizipation als Fremdwort. Aber genau diese Antizipation ist das, was die heutigen QB-Superstars in der NFL ausmacht – für gewöhnlich.

Manziel ist aber nicht „gewöhnlich“. Kein Team, das sich nicht zumindest in Ansätzen an Manziels Spielweise anpassen will, darf ihn draften. Eine sehr klare Vorstellung, was du mit ihm anfangen willst, ist von Nöten. Du musst ihm eine Spread-Offense geben, die Manziel von der Leine lässt. Eine Einengung seiner Skills á la Michael Vick in Atlanta ist mit Johnny Football ein No Go.

Manziel wird von Mike Mayock als bester Quarterback 2014 gelistet. In der landläufigen Meinung ist er das dark horse unter den Spitzen-QBs. Er ist der Spieler, der vor erst vier, fünf Jahren vermutlich niemals auch nur in der Diskussion für die erste Runde gewesen wäre, aber in einem Jahr 2014, in dem read-option, Spread-Offense und experimentelle Offense mindestens genauso Regel wie Ausnahme sind, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Platz für Manziel in der ersten Runde finden.

Die Frage ist: Wer zieht ihn? Wer zieht sie alle, Bridgewater, Bortles und Manzielwer und wann?

Quarterbacks vor der Combine 2014

Ein paar Zeilen zur Einführung, mit was für Typen wir es bei den Quarterbacks im NFL-Draft 2014 zu tun haben werden, habe ich schon unter der Woche verfasst. Heute mal ein Blick auf die spielerischen Fähigkeiten der Herrschaften, die die neuen Franchise-Gesichter werden sollen – das meiste ungefragt übernommen von Greg Cosell, dessen Podcast bei Sportstalk 790 for Houston mit Lance Zierlein ich unter der Woche gehört habe.

Cosell sagt keinem der Quarterbacks in diesem Jahrgang die „Würdigkeit“ des Top-Draftpicks nach, schiebt aber auch ein, was nicht bedeuten muss, dass kein QB an #1 gezogen wird. Zu wichtig ist die Position. Zu oft wurden schon üblere Prospects ganz hoch oben gezogen, weil sie eben Quarterbacks waren (Paradebeispiel: Mark Sanchez, bei dem auch jeder wusste, dass das maximal ein Durchschnittsspieler war).

So schlimm ist das auch nicht, wenn die QBs nach oben gespült werden; es zeigt schlicht: Der Pass gewinnt in der NFL. Jeder weiß das bzw. sollte das wissen. Und bei 32 Teams ist es nicht möglich, für jede Mannschaft gleichzeitig einen richtig guten QB aufzutreiben, also gehen manche Mannschaften halt mal „all in“ und riskieren einen Griff nach einem potenziellen Flop.

Die Senior-QBs habe ich schon vor einem Monat im Eintrag über die Senior Bowl kurz vorgestellt. Heute der Blick auf drei aussichtsreiche Junior-QBs („Junior“ = erst drei Jahre aus der Highschool, hätte noch ein oder zwei Jahre College Football spielen können).


Johnny Manziel – laut Cosell ist Manziel ein see it, throw it Spielertyp, was nichts anderes heißt, als dass Manziel nicht antizipiert. Die großen QBs der Gegenwart wie Manning, Brady oder Rodgers sind meisterhaft darin, den Wurf schon anzubringen, wenn der Ballfänger noch nicht frei gelaufen ist, weil sie schlicht wissen, wo er im Moment sein wird, in dem der Ball den ihm zugedachten Raum am Spielfeld erreicht. Manziel zeigt diese Tendenz für Cosells Geschmack zu wenig.

Manziel soll zu ungeduldig sein. Sieht er nicht sofort das Bild vor sich, das er sehen möchte, ist er schnell versucht loszuscrambeln. So zumindest Cosells Gefühl nach dem ersten Videostudiums. Persönlich hatte ich im November ein anderes Bild von Manziel:

Schwierig zu sagen, wie die NFL auf Manziel reagiert.
Positiv ist auf alle Fälle, dass er sich vom Druck des Gegners nicht verunsichern lässt und sich sehr “sicher” in der Pocket bewegt. Manziel ist auch kein Scrambler in erster Linie, sondern versucht IMHO schon zuerst, den Ball zu werfen. Augen immer downfield gilt IMHO für Manziel wie für Bridgewater –> sehr positives Zeichen.
Weitere Pluspunkte könnten die enorme Improvisationsstärke sein; wenn Spielzüge zu kollabieren drohen ist Manziel am besten, und er ist zumindest im College-Football gegen die besten Defenses am besten bzw. nicht einzubremsen. Trotz der Tatsache, dass er der Alleinunterhalter seiner Aggies-Offense ist. Und er ist mit 21 extrem jung.
Zweifel wird die NFL sicher wegen der nur 1,80m anbringen. Wurfstil ist durchaus unorthodox, Flugbahnen sind ziemlich “eierig” und im Vergleich zu, sagen wir einem Cutler oder Stafford, richtige Bogenlampen. Das ist gewiss keine NFL-Spitzenklasse.

Keine Ahnung, wie der Mensch Manziel von der NFL aufgenommen wird. Im Team scheint er trotz seiner exponierten Stellung eine herausragende Stellung einzunehmen und beliebt zu sein. Gegen Alabama (?) am Spielfeldrand trieb Manziel seine Jungs z.B. richtig an – das ist ein Bild, das mir von Manziel immer bleiben wird, nachdem man bei einem Mensch mit so vielen Eskapaden eigentlich nicht erwartet, dass er sich 120% ins Zeug legt und auch bei quasi aussichtslosem Spielstand noch volle Tube reinhängt.

Also:
Prototypischer NFL-QB sieht eigentlich anders aus, aber wenn ein Tebow in der ersten Runde gehen konnte…

Cosell bescheinigt Manziel allerdings, dass er die meisten seiner Big-Plays als Werfer aus der Pocket machte, und nicht wie man vielleicht denken würde im Scrambling und Wurf im Lauf.

Cosell merkt allerdings auch an, dass die NFL-Coaches sich gut überlegen müssen, ob Manziels Improvisationsgeschick sich auf die NFL übertragen lässt bzw. in welcher Form. Ist ein Spielsystem mit einem Instinktspieler wie Manziel dauerhaft haltbar? Das Problem bei solchen Spielern war in der Vergangenheit, dass sie sich zu sehr auf ihre individuelle Klasse verließen, versuchten, aus dem System auszubrechen um auf eigene Faust Plays zu generieren – das ging manchmal mit spektakulärsten Plays und Spielen gut, aber auf Dauer war es doch weniger erfolgreich als bei den „langweiligen“ Maschinen wie Brady und Manning. Frag nach bei Michael Vick

Cosell nennt das im Podcast „wide variation“ in Manziels Spielanlage. Wie gesagt: Das erwies sich in den letzten Jahren oft als Problem. Auf der anderen Seite muss Manziel was draufhaben, so wie er quasi im Alleingang die best eingeschätzten Defenses des College-Football, jene aus der SEC, zerlegte.

Manziel wird bei der Combine übrigens nicht werfen.


Blake Bortles – Cosell ist nicht überschwänglich, wenn er über Bortles spricht („The more I watched him the more I thought there were some positives“). Some Positives. Naja. Laut Cosell ist Bortles kein großartiger Werfer, der dich baff hinterlässt und abspritzen lässt. Seine Wurfbewegung gilt als nicht lupenrein, denn Bortles stößt den Ball ein weniger anstatt ihn zu werfen. Das muss nicht unbedingt negativ sein: Philip Rivers hat eine ähnliche Anlage und war in San Diego jahrelang ein phänomenaler QB.

Cosell merkt an, dass Bortles näher am NFL-Prototyp ist als ein Manziel. Er ist ein Pocket-Passer, der aber mobil genug ist um einige rudimentäre Bootleg-Plays auszuführen. Bortles‘ Unerfahrenheit soll sich bemerkbar machen, aber er soll besser antizipieren als Manziel. Seine Fußarbeit soll aber noch sehr ungeschliffen sein und viel Arbeit brauchen – zu häufig wirft er ohne Gleichgewicht.

Das spricht dafür, dass Bortles einen erfahrenen QB-Coach braucht um nicht in hellen Flammen unterzugehen. Wie viele QB-Gurus sitzen in verantwortungsvollen Positionen als OffCoords oder Headcoaches in der NFL und haben aktuell dringendes QB-Need? Tampa Bay mit Jeff Tedford, dem Lehrmeister des Aaron Rodgers, und ansonst?

Klingt jedenfalls nicht völlig überragend für Bortles. Bortles wird in den Combine-Workouts wie Manziel nicht an den Wurftrainings teilnehmen, und es gibt Beobachter, die ihm nachsagen, damit seine Aktien zu verbessern (sic!). Wie gesagt: Noch habe ich Bortles‘ Kandidatur nicht ganz begriffen.


Teddy Bridgewater – für Cosell ist das zweifellos das QB-Prospect, das am weitesten in seiner Entwicklung ist. Er ist mobil genug und wirft einen gepflegten Ball. Sein Gefühl in der Pocket hat Cosell überzeugt. Kann sehr gut antizipieren, hat ein Gefühl, den Pass im rechten Moment anzubringen, traut sich, in enge Deckungen reinzuwerfen. Cosell lobt Bridgewaters pre snap“-Wissen, mit dem er schon am College die gegnerischen Safetys „manipulieren“ konnte. Er erinnert Cosell an Russell Wilson – das wäre eigentlich per Knopfdruck den Top-Pick wert.

Aber: Cosell erwartete, dass Bridgewater in der Combine nicht als größter QB ever gemessen wird, sprach etwas von ca. 1.84m Körperbau, was für einen Quarterback nicht überaus Gardemaß ist. Es muss kein Problem sein, aber gepaart mit seinem fragilen Körperbau und seinem sehr starken, aber nicht epischen Wurfarm könnte das Bridgewater vom Top-Pick runterbuchsieren.

Ich bin kein Scout, aber wenn ich von meiner Laien-Warte aus die Top-Anwärter miteinander vergleiche, ist Bridgewater für mich mit meilenweitem Abstand die sicherste Tüte. Ich schrieb schon oft darüber, dass mit das Selbstverständnis bei Bridgewater, sein Selbstvertrauen, auch tiefe Pässe anzubringen, sehr gefällt. Er lässt sich nicht vom Passrush beeindrucken. Er ist sehr smooth in seinen Bewegungen. Er ist kein Scrambler der ersten Güte, sondern versucht immer, zuerst den Pass anzubringen. Möglicherweise ist Bortles von seinen Bewegungen her sogar der bessere Scrambler als der Schwarze Bridgewater.


Cosell bestätigt diese meine Eindrücke aus den letzten zwei Jahren. Ich bin momentan davon überzeugt, dass es Bullshit wäre, Bortles ernsthaft in Bridgewaters Nähe zu schreiben. Bortles gilt momentan als möglicher Top-10 Pick, aber es gibt in keiner einzigen Beschreibung dieses QBs einen Anhaltspunkt, der dies rechtfertigen würde. Wenn du ihn spielen siehst, siehst du kein Indiz für einen sehr hohen Pick. Aber Bortles hat die Schnitte an seiner Seite, er hat das Grinsen für die Werbung, er taugt womöglich medial zumindest für einige Wochen dazu, als eine Art dark horse Gegenspieler für Teddy Bridgewater aufzubauen.

Oder sehe ich Bortles zu negativ? Als nächstes gilt es, Mike Mayocks Meinungen während der Combine aufzusaugen.