Vorsicht, die Jaguars kommen!

Sports Illustrated hat heute einen Artikel online gestellt, der schon längst hätte online gehen sollen: Den Jacksonville Jaguars Hype Train, einen Artikel von Greg Bishop aus dem Sommer, der nie veröffentlicht wurde, weil die Jaguars die anfangs hohen Erwartungen schlicht nie erfüllen konnten und es mit jeder Woche offensichtlicher wurde, dass die Mannschaft heuer ein komplettes Wrack ist. Bishop hat den Artikel heute mit Kommentaren versehen veröffentlicht.

Starker Job von SI.com auf mehreren Ebenen. Weiterlesen

Der Jahresbericht 2015

Die Elfen von WordPress haben wie jedes Jahr einen Jahresreport zusammengestellt. Die Zusammenfassung sei hier veröffentlicht. Wer es genauer wissen will, ist eingeladen, den Link unten anzuklicken.

Wordpress Jahresbericht

Etwa 8.500.000 Menschen besuchen jedes Jahr das Louvre Museum in Paris. Dieses Blog wurde in 2015 etwa 660.000 mal besucht. Wenn dieses Blog eine Ausstellung im Louvre wäre, würde es etwa 28 Jahre brauchen um auf die gleiche Anzahl von Besuchern zu kommen.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

2015 war ein schwieriges Jahr. Ich hatte bis Weihnachten lange keinen freien Tag mehr. 2016 wird noch schwieriger. Ab morgen bin ich nicht mehr bloß Arbeitnehmer. Ab morgen bin ich auch Arbeitgeber. Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt.

Prost Neujahr, auf dass nächstes Jahr hier jeder wieder in brauchbarem Zustand vorbeischaut. Damit wir in 28 Jahren den Louvre gefüllt haben. Oder etwas früher.

Die dritte Kerze brennt

Es war vor drei Jahren an einem tristen Novembertag. Ich saß an einem Forschungsprojekt, und zappte in der Pause die Wochenend-Tapes vom Festplattenrecorder. Ich schrieb damals NFL-Artikel für SPOX.com, weil ich eben gern schrieb, aber die Software dort war umständlich und ging mir schon längere Zeit gepflegt auf den Senkel. In einer Art Kurzschlussreaktion reaktivierte ich meinen brach liegenden WordPress-Account, mit dem ich ein Jahr zuvor, im Heiligen Jahr 2009, meinen (nicht unumstrittenen) Beitrag zur politischen Selbstbestimmungsdebatte in Südtirol geleistet hatte. Mein altes Blog Die Goldene Mitte blieb geschlossen. Ich öffnete ein neues.

Sein Name sollte mit American Football assoziierbar sein. Ich dachte nicht lange darüber nach. Erin Andrews flimmerte übern Schirm, und mir fiel es wie Schuppen von den Augen: Sideline Reporter, ein im US-Sport bekannter, mehr, meist weniger nützlicher Bestandteil des Spiels, und rein zufällig nebst immanenter Bedeutung „Berichterstattung“. Ich war begeistert, tippte es ein, klickte mich durch die kurze Blog-Registrierungsphase, und wenige Minuten später war der erste Blogeintrag pronto.

Erst im Lauf der nächsten Tage dämmerten mir bessere Titel. Double Coverage zum Beispiel, was sich im wahrsten Sinne des Wortes doppelt angeboten hätte, denn der Fokus liegt hier auf zweierlei: NFL und College Football. Und coverage ist im US-Gebrauch von „Berichten“ auch keine Welten entfernt. Oder Armchair-Quarterback als Vorläufer des Pocasts Sofa-QBs. Oder Mister Irrelevant. Blog Interference. Hash Marker. Oderoderoder. Es war nunmal so. Das Blog war schon bekannt gemacht, von dogfood auf Allesaussersport unter ursprünglichem Namen beworben. Ich konnte eh nix mehr ändern.

Die Besucher konnte ich anfangs trotz allem per Handschlag begrüßen. Ich merkte mir ihre Namen und ihre Gesichter. Der Liveblog zu einem der wichtigsten, besten Footballspiele der letzten zehn Jahre, der Iron Bowl 2010, wurde verfolgt von 226 Hits. Nicht User oder Browser. 226 Hits. Fünf oder sieben Leute, maximal. Mir war es schnuppe. Ich schrieb gern. Und mit der Zeit kamen immer mehr Leute von verschiedenen Quellen.

Das Bloggen erwies sich als sehr praktisch. Das Schreiben gab mir die Möglichkeit mich auszudrücken, mit Leuten einen Sport zu diskutieren, über dessen Existenz bei uns niemand weiß. College Football. Ich bin der einzige Mensch in Südtirol, der bei „West Virginia“ nicht sofort an Discodance und heiße Nächte denkt. (okay, nicht ganz. Unsere beste Sportschützin hält ein Sportstipendium bei WVU. Wir sind also zu zweit)

Bloggen braucht Zeit, aber die halbe Stunde finde ich. Halbe Stunde. Mehr gibt es nicht, mehr habe ich nicht, zumindest meistens. Ich hab mir mehrfach gedacht, porca miseria, lass es sein. Doch dann, ganz unverhofft, du lallst um fünf zur Tür herein, und es fehlt noch eins für den beruhigten Schlaf: Der Zwischenstand College-Football. Man hängt am Sport, trotz allem. Das ist fanatisch, ich weiß. Aber es ist auch praktisch. Am nächsten Tag hast eh alles vergessen. Keine Furcht vor Spoiler.

Schreiben ist Evolution. Am Anfang versuchst du dich an besonders knackigen Formulierungen und witzigen Analogien. Das verliert sich mit der Zeit. Irgendwann bist du’s gewohnt. Das Blog wird täglich Brot. Du entwickelst deinen Stil, und denkst nicht mehr darüber nach. Die Einträge entstehen im Flow, der Blick auf den Schedule, auf die Stats, der Griff zur Tastatur, und fertig ist das Ding. Es ist wie Plaudern aus dem Nähkästchen; der Partner ist der Bildschirm, aber das ist das Los des Footballfans.

Ich suche keine Perfektion, denn Perfektion kostet Zeit, die ich nicht habe. Viel reinpumpen, aber die Basics ignorieren: Tipp- und Satzzeichenfehler gehören zu diesem Blog wie die kruden Zahlen, die manchen Leser mit offenen Armen auf eine andere Seite treiben. Ich hab so manchen Bolzen geschossen. Das ist halt so. Wir scheißen auf Grammatik und Gepflogenheiten einst erlernter Essay-Struktur. Es ist ein Blog. Es gibt kein Geld, es gibt koa Zeit, es gibt nur Meinung.

Sideline Reporter existiert nun seit drei Jahren. Dies ist der 1461te Blogeintrag. Es geht nicht ohne Zahlen, daher wie immer der Zwischenstand, diesmal nach dem dritten Jahr.

STAT                GESAMT   |   3. JAHR      2. JAHR      1. JAHR
Blogeinträge         1.461   |       523          483          455
Seitenaufrufe      810.123   |   395.587      272.313      142.223
Bester Tag           7.869   |     7.869        4.480        3.892
Kommentare           8.217   |     3.530        2.319        2.368
Neue Abos              572   |       487           38           47

Die Reichweite ist noch immer klein, aber das hat sein Gutes: Keine Trolle, nur Freaks und Junkies. Und damit macht das Bloggen Spaß. Auch weiterhin.