Sugar Bowl 2014: #3 Alabama Crimson Tide – #11 Oklahoma Sooners

Zwei ganz, ganz große Nummern im College-Football, die sich die Sugar Bowl für heute, 02h30 (live ESPN-Player und SPORT1 US) als Kontrahenten ausgesucht hat: Alabama (11-1) und Oklahoma (10-2) gehören zu den erfolgreichsten Programmen der letzten 50 Jahren mit den meisten Conference- und National-Titles sowie Heisman-Trophys. Trotzdem ist die Ansetzung heute mit einem Sternchen versehen. Ich bin immer noch sauer, weil man uns des Matchups Alabama vs Oregon beraubt hat und stattdessen die regional näheren (Sugar Bowl findet in New Orleans statt), aber sportlich minderwertigen Oklahoma Sooners bevorzugt hat.

Die Alabama Crimson Tide dürften jedem Leser hier ein Begriff sein. Alabama dominierte den College-Football der letzten Jahre mit seiner straighten, kalten Art und Weise, Football zu spielen. Die Mannschaft war nach dem Ebenbild des Head Coaches Nick Saban gebaut: Gesichtslos, keine großartigen Innovationen aber auch kein großen Mäzchen, die ihren körperlich unterlegenen Jüngelchen keine Chance ließen. Das reichte zu drei Titeln in vier Jahren von 2009-2012, aber diesmal wurde den Crimsons ausgerechnet vom Erzfeind und Lokalrivalen Auburn ein Schnippchen geschlagen in einer „Iron Bowl“, für die man sich schwer tut, adäquate Worte zu finden.

Oklahoma ist das Reich und Werk des Head Coaches Bob Stoops, der in Norman seit über zehn Jahren das Zepter in der Hand hat. Stoops übernahm die Mannschaft Anfang des Jahrtausends, und er coachte sie im ersten oder zweiten Jahr zum ersten National-Title seit vielen Jahren. Das machte Stoops quasi unfeuerbar, aber es schürte auch eine Erwartungshaltung, die Stoops seither nicht mehr ganz erfüllen konnte: Stoops ist seither auf Landesebene titellos. Er gewann haufenweise Conference-Titel in der Big 12, aber die Sooners sind berüchtigt dafür, dass sie jedes Jahr ein oder zwei Spiele als Favorit verlieren und deswegen immer und immer wieder aus dem BCS-Rennen fielen.

Man muss anmerken, dass Stoops dabei einen schwierigeren Job als Saban hat: Er operiert in Oklahoma, wo es keine gescheiten Highschools und nur wenige Talente gibt. Texas ist nahe, aber innerhalb der texanischen Staatsgrenzen gibt es die übermächtige University of Texas – Oklahomas Erzrivale – für die jeder Topspieler spielen möchte, und eine Vielzahl weiterer texanischer Unis. Oklahoma hat ein sehr viel schwierigeres Recruiting als Alabama.

Sportlich ist die Frage, wie motiviert Alabama in das Spiel geht. Vor ein paar Jahren stand Saban schon einmal in der Sugar Bowl (gegen Utah), und dort ließ man sich ohne Gegenwehr abschlachten, nachdem man das große Saisonziel BCS-Titel verpasst hatte.

Immerhin einer hat aber Grund, voll durchzuspielen: QB #10 A.J. McCarron, der sein letztes College-Spiel bestreitet. McCarron geht als einer der großen „Siegertypen“ in die Annalen des College-Football ein (u.a. zwei BCS-Titel), aber seine Draft-Aktien stehen trotzdem nicht brillant. Es gibt hochwertigere Quarterbacks, sagen einige. Andere (wie ich) sehen durchaus einen QB, dem man das Spiel in die Hand drücken kann. McCarrons Vorgänger McElroy war um ein Vielfaches der blässlichere Spielertyp, aber McElroy wurde 2011 trotzdem gedraftet. McCarron sollte minimum dort vom Tablett gehen, wo letztes Jahr Glennon ging; heute hat McCarron noch einmal eine Chance, sich gegen eine gute, aber nicht überragende Defense zu beweisen.

Weitere mögliche Draft-Prospects auf Alabama-Seite: OT Kouandjio (Jr., gilt als Erstrundenkaliber, wenn er sich für den Draft anmeldet), der ewige ILB C.J. Mosley (Sr., erste bis zweite Runde), FS Hasean („Ha-Ha“) Clinton-Dix (Jr., erste bis zweite Runde), OG Steen (rSr., Mid-Round Pick). Bei den extrem jungen Oklahoma Sooners gelten die Talente eher für 2015 und darüber hinaus.

Favorit im Spiel nach SRS: Alabama in einer relativ (nach SRS zumindest) klaren Sache mit 12 Punkten.

The Countdown, T-minus 15: Oklahoma Sooners

The Countdown

#15 Oklahoma Sooners.
Big 12 Conference.
2012: 10-3.

Bei den Oklahoma Sooners wusste man in den letzten Jahren, was man bekommen wird: Eine sehr gute Mannschaft, die zehn, elf Siege in der hochwertigen Big 12 Conference einfahren wird, die zu den BCS-Anwärtern gehört, aber nur bis Ende Oktober, da spätestens dann ein, zwei überflüssige Stolperer eingestreut werden. Das ist das Stigma des Head Coaches Bob Stoops, der in seiner mittlerweile 14jährigen Amtszeit „nur“ einen BCS-Titel holen konnte (zu wenig an der vielleicht erfolgreichsten Football-Uni der letzten 50 Jahre).

Diesmal hat Oklahoma (das große Oklahoma!) etwas von dark horse: Die vergangene Saison war eigenartig steril mit einer windelweichen Defensive-Front-7, und in QB Landry Jones und OT Lane Johnson sind die besten Offensivspieler in die NFL gegangen. Stoops tauschte den halben Trainerstab aus und sieht sich vor einem Herbst, vor dem die Erwartungen für seine Sooners untypisch niedrig sind.

Es liegt vieles im Dunkeln. Wer wird zum Beispiel der Quarterback? Es gibt mit Blake Bell einen zirka zweieinhalb Meter großen und eineinhalb Meter breiten Schrank, der die letzten Jahre unter dem Decknamen „Belldozer“ als short yardage back eingesetzt wurde und dabei brillierte, der aber ganze 20 Passversuche in seiner Vita aufweist. Die Jungs hinter Bell sind noch grüner. Fix ist nur, dass der neue Quarterback sofort von der Leine gelassen werden wird: Stoops schenkt seinen Spielmachern von Beginn an volles Vertrauen und erwartet als Gegenleistung minimum 4000yds und 30 Touchdowns.

Der Trainerstab in Oklahoma verfügt über fassungsloses Wissen im Offense-Bereich, deswegen kann man davon ausgehen, dass die Sooners auch mit unbekanntem Spielermaterial Punkte aufs Scoreboard bringen werden. Wo größere Zweifel angebracht sind, da reden wir vom Gebiet der Verteidigung. Dort muss DefCoord Mike Stoops, Bobs Bruder, nach einem gewaltigen personellen Aderlass in den letzten Jahren mit einem mehr als suspekten Personal arbeiten. Waren bislang zumindest Passrush und Defense Line stets gut genug gewesen, um gemeinsam mit der starken Offense eine wechselhafte „Back-7“ im Sooners-patentierten 4-2-5 System zu kaschieren, so galten letztes Jahr ausgerechnet Lauf-Abwehr und Passrush als riesige Schwachstellen.

Für Stoops wäre es schon ein Erfolg, wenn die Unit nach erneut vielen Abgängen nicht noch weiter auseinander fällt, aber um im BCS- und Conference-Rennen weiter vorne dabei zu bleiben, müsste die Defense sich eigentlich sofort verbessern.

Merkwürdiger Status quo vor diesem Herbst: Oklahoma ist nicht der Big 12-Favorit, und wird selten genannt, wenn es um mögliche BCS-Sieger geht. Die Granden in den Staaten sagen, ein unterschätzter Bob Stoops ist ein gefährlicher Bob Stoops und immer gut genug, um die Footballwelt zu übertölpeln, aber: Nein. Diese Mannschaft kommt nicht ungeschlagen durch. Die Kombination aus Schedule (z.B. out of conference-Spiel gegen Notre Dame), Ausgeglichenheit an der Conference-Spitze und unerfahrenem Spielermaterial ist zu viel „Uphill“ für eine Perfect Season.

Big 12 Conference 2012 Preview – Oklahoma gegen Texas gegen den Rest der Rednecks und darüber hinaus

Die Big 12 Conference war seit der Fusion der Giganten der Midlands, Big 8 und SWC, in den 90ern die große Redneck-Conference in den Vereinigten Staaten gewesen. Das Erdbeben (Stichwort: Conference-Realignment) sorgte zuletzt dafür, dass sich verdiente Universitäten wie Nebraska, Colorado, Mizzou oder Texas A&M verabschiedeten, und dass heuer zwei neue Mitglieder zu begrüßen sind: West Virginia aus der Big East und TCU aus der kleinen MWC – richtig gezählt: Die Big 12 Conference zählt aktuell bloß zehn Mannschaften.

Sportlich hat die Big 12 spektakuläre Passfeuerwerke zu bieten, und zumindest in der abgelaufenen Saison war man qualitativ in der Spitze die vermutlich bestbesetzte Conference, besser als die SEC mit ihren beiden BCS-Finalisten.

Die Preseason-Rankings spiegeln das wider. Sicherlich sind die Ranking-Positionen der Big 12 Conference durch die vielen inzestuösen Passfeuerwerke den Mississippi entlang etwas inflationär, aber zumindest die ersten vier kann man schon mal vertreten.

Mannschaft         Coaches  AP
Oklahoma           #4       #4
West Virginia      #11      #11
Texas              #15      #15
TCU                #17      #20
Oklahoma State     #19      #19
Kansas State       #21      #22

Sechs von zehn Teams in den Top-22, das ist ein massiver, massiver Wert. Meine Excel-Sheets rankten aber in der abgelaufenen Saison sogar sieben Big12-Unis in den Top-19 (Mizzou und Texas A&M reingerechnet, TCU und West Virginia waren außerhalb der Top-20).

Oklahoma Sooners

Die University of Oklahoma ist die unbestrittene Dominatorin der Conference, und trotzdem ist latente Unzufriedenheit zu spüren: Das liegt daran, dass die Mannschaft von Head Coach Bob Stoops zwar immer ganz oben mitspielt, aber es seit über einem Jahrzehnt nicht mehr zum BCS-Titel gereicht hat, weil immer ein oder zwei Spiele scheinbar grundlos verschenkt werden.

Letztes Jahr war es mal wieder die Defense, die in drei Spielen völlig kollabierte; DefCoord Brent Venables wurde danach gegangen, und durch den Bruder von Bob Stoops, Mike Stoops, ersetzt – Mike war bei Arizona nach ein paar wechselhaften Jahren als Head Coach entlassen worden. Warum? Weil die Defense zusammengebrochen war. Nicht irgendwie, sondern in die Top-10 von 120 Mannschaften von hinten.

In der Offense plagen die Sooners etliche Wechsel auf der WR-Position, bis tief in den August herein ändert sich das Bild im Kader fast wöchentlich. Keine leichte Aufgabe für QB Landry Jones, der trotz fabulöser Stats nicht das herausragende Standing seines Vorgängers Bradford (jetzt St Louis Rams) genießt – Jones‘ Spielanlage ist dafür einfach zu blass. Der Mann kann aber auch machen, was er will, er wird immer an Bradfords rekordverdächtigen Zahlen zu knabbern haben.

Gepaart mit dem unspektakulären RB Dominique Whaley können die Sooners aber mit einer runden, auf hohem Niveau ausgeglichen besetzten Truppe aufwarten, die wieder in den Top-10, vielleicht noch weiter vorne, mitmischen wird.

Texas Longhorns

Eine Diskussion der Big 12 kann am großen Erzrivalen Oklahomas, den Texas Longhorns, niemals vorbeigehen. Nicht nur, weil die University of Texas 2010 und 2011 mit ihren Egozicken fast den Kollaps der kompletten Conference heraufbeschwört hätte, nein: Texas ist die Uni im College Football schlechthin, und das liegt nicht nur am dutzende Millionen schweren Longhorns Network.

Denn kein Trainerstab hat es beim Recruiting einfacher als jener von Head Coach Mack Brown: Jeder Nachwuchssportler möchte im Highschool-Talentschuppen Texas für die Longhorns spielen. Sportlich kommt oft zu wenig raus. Die Offense wird vom jungen RB Malcolm Brown getragen werden, und bei den Quarterback wird man wohl auf den jungen David Ash setzen, der letztes Jahr einen Tick besser aussah als Case McCoy (Colts Bruder) – sich ist aber nix, und spätestens nach dem zweiten schlechten Spiel werden die 100.000 in Austin schon wieder nach einem neuen Quarterback rufen.

In der Defense ist der DefCoord der Star: Manny Diaz, ein Pragmatiker vor dem Herrn, der eine ungemein aggressive Spielweise predigt und dessen Unit schon 2011/12 mächtige Fortschritte machte.

TCU Horned Frogs

Der erste von zwei Neulingen – und was für einer. TCU war jahrelang neben Boise State der Mid-Major im College Football schlechthin, bekommt nun die Chance, in einer der großen Conferences zu spielen. Das „Übergangsjahr“ 201/12 wurde mit 10-2 trotz zweier Pleiten zu Beginn halbwegs schadlos überstanden, und man konnte im November sogar knapp die Boise State Broncos schlagen. Dass man am Ende nicht in eine BCS-Bowl eingeladen wurde, grenzte schon wieder an Schiebung.

TCU wird eine 1A-Offense rund um einen Grasliebhaber, QB Casey Pachall, aufbieten können. Pachall ist möglicherweise der beste, gefährlichste Quarterback in der kompletten Conference – und er besitzt eine Menge Waffen um sich herum. Die größte Waffe ist allerdings weg: OffCoord Justin Fuente, ein furchtloser, mutiger PlayCaller, ist in Memphis Head Coach geworden. Was bleibt, ist eine starke Offensive Line und ein grundsolides Laufspiel, das Pachall größtenteils entlasten wird.

Der seit Jahren rastlos am Experiment „BCS-Buster“ werkelnde Head Coach Gary Patterson wird in dieser Saison seine Mannschaft fast nicht wiedererkennen: Seit ein paar Generationen hatte Patterson stets grandiose Defenses gebaut. Just dort, in der Secondary, sind diesmal aber ernsthafte Fragezeichen ob der Tiefe (auch wegen so was wie interner „Dopingsperren“) – nicht gut in einer passlastigen Conference wie der Big 12.

Aber: Die Defense ist jung (nur ein Starter ist Senior). Pachall ist jung. Wenn nicht jetzt, wann dann gilt hier nicht. Gibt noch immer 2013. Aber auch auf das Risiko hin, mich lächerlich zu machen: Ich traue TCU ohne weiteres den Gewinn der Big 12 und eine Platzierung unter den fünf, sechs besten Teams der FBS zu.

West Virginia Mountaineers

Geographisch ist Neuling WVU in der Big 12 Conference ein Ausreißer, aber kulturell passen die Ears wie die Faust aufs Auge in die Big 12: „Air-Raid“-Passfeuerwerke und der markante Head Coach Dana Holgorsen hat sein Handwerk bis vor kurzem hauptsächlich in der Big 12 erlernt. QB Geno Smith macht seine Sache – quicke, kurze Pässe und die Running Backs und Wide Receivers arbeiten lassen – exzellent genug, um famose Yards-Statistiken und kaum Turnovers zu produzieren, aber die Defense ist nach erneuter Systemumstellung ein Fragezeichen.

Bei den Mountaineers sind meistens die Heimspiele vor ausverkauftem Stadion in Morgantown ein echtes Highlight, weil mit viel Pathos und knisternder Atmosphäre aufgeladen. Diese Saison riecht allerdings nach einer leichten Enttäuschung für WVU, die nach einem Orange-Bowl-Kantersieg und nach Jahren in der schwachen Big East Conference nun vermutlich mehr erwarten als die acht oder neun Siege, die sie heuer einfahren werden.

Die Mittelklasse

Nach einer famosen 2011er Saison erwartet man auch Großes von den kleinen Kansas State Wildcats (USA Today #21) von Trainerlegende Bill Snyder – vermutlich auch hier Größeres, als die Mannschaft zu leisten imstande ist. Snyder ist so ein Mann, der am liebsten im Angriff nur laufen lassen würde – und er hat den richtigen QB dazu: Collin Klein ist wurftechnisch eher der Grobmotoriker, berechenbar wie der Sonnenuntergang, aber er scrambelt fantastisch und macht bei den gefühlt eintausend 3rd und 3 Situationen neunhundertfünfundneunzig Mal das 1st down. Problem: Das 10-3 aus dem letzten Jahr liest sich fantastisch, aber man gewann acht Spiele nur haarscharf in richtigen Krimis (8-1 in engen Spielen). Auf solches Glück kann man kein zweites Mal bauen, auch wenn die Wildcats durchaus auch in der Lage waren, mit einem Kaliber wie Oklahoma State mitzuhalten.

Diese Oklahoma State Cowboys sind heuer in den Rankings erstmal an #19 gereiht, aber nach dem Abgang des kompletten Offensivkerns um QB Weeden und WR Blackmon dürfte das heuer für Mike Gandys Jungs eine zähe Geschichte werden. Quarterback wird mit Wes Lunt wohl ein Freshman sein, und in der Defense wird sich das außerordentliche Turnover-Glück aus der letzten Saison kaum wiederholen lassen.

Die Baylor Bears müssen den Abgang von Heisman-Trophy-Sieger Robert Griffin III verkraften und werden mit Sicherheit keine zehn Siege mehr einfahren. Ganz abschreiben sollte man die Bears aber nicht: Die Uni ist viel besser aufgestellt als noch vor 5-10 Jahren, und HC Art Briles hat schon an anderen Orten gezeigt, dass er durchaus aus limitiertem spielerischen Talent mehr rauszuholen vermag als ein durchschnittlicher Coach.

Bodensatz-Gefahr

Die Texas Tech Red Raiders versauten im letzten Herbst Sooners die Saison, dürften aber diesmal wieder nur in der unteren Hälfte mitspielen. Unter dem unglücklichen HC Tommy Tuberville kann man sich einfach für kein Defensivsystem entscheiden, aber im Angriff ist man markant: Zillionen an aneinander gereihten Kurzpässen, nix Explosives, aber immer 4-5yds Raumgewinn.

Die Iowa State Cyclones versauten dagegen den Oklahoma State Cowboys die Chance auf den BCS-Titel. HC Paul Rhoads genießt als Lokalhero einen großartigen Ruf, ein ansteckend positiver, energiegeladener Mann, und in Furzweite zum Stadion aufgewachsen. Rhoads baut auf eine laufintensive Offense mit viel smash’n’dash und zwischendurch dem einen oder anderen tiefen Ball vom Gunslinger-QB Steel Jantz.

Schließlich die Kansas Jayhawks mit ihrem neuen, prominenten Head Coach Charlie Weis (ex-Pats, Chiefs, Notre Dame). Weis macht mit markanten Sprüchen auf sich aufmerksam, aber solange die horrende Defense (43.8pts/Spiel) nicht verbessert wird, kann das ganz schnell nach hinten losgehen, vor allem, wenn Weis seine Dampfplauderei nicht mit entsprechender Siegbilanz untermauern kann. Bei den Quarterbacks scheint sich ein mögliches Problem von allein gelöst zu haben: Weil der von BYU transferierte Jake Heaps ein Jahr aussetzen wird, sollte Dayne Crist den Starter geben und nach turbulenter Zeit in Notre Dame (u.a. auch unter jenem Charlie Weis) noch ein letztes Halali im College Football blasen können.

Baylor – Oklahoma und die Nachwehen

Ich habe jetzt die Aufzeichnung von Baylor vs. Oklahoma gesehen und mal aus Interesse kurz in den Sooners-Foren gestöbert. Man muss nicht allzu weit graben, um den geballten Frust der geschundenen Seelen zu spüren zu bekommen, ja nichtmal der Hass auf Head Coach Bob Stoops und DefCoord Brent Venables ist allzu tief vergraben. Oklahoma, die #1 der Preseason, ist nach einem 38-45 bei Baylor aus allen verbliebenen BCS-Titelträumen gerissen. Es war Oklahomas 21tes Spiel gegen Baylor. Es war Oklahomas erste Niederlage gegen Baylor.

Es hat keinen Sinn, auf der Blassheit von QB Landry Jones oder den Ausfällen von RB Whaley oder WR Broyles herumzureiten, nicht wenn Jones trotz allem 36/51 für 447yds hinlegt und die Offense als ganzes 605yds (!) und 38 Punkte serviert, und auch wenn der uninspirierte Jones wie die Faust aufs Sooner-Auge passt: Weitaus bedenklicher sind die Negativrekorde sprengende Defense (117 Jahre Footballgeschichte, zweites Mal in drei Wochen die meisten Yards der Schulgeschichte aufgegeben) und diese „Marty-Momente“.

Wie sehr die Dinge aus dem Ruder liefen, wusste man zum Halbzeitinterview, als Stoops vor laufender Kamera explodierte und den unglücklich agierenden Safety Javon Harris wort- und gestenreich in den Senkel stellte. Harris hatte sich ein, zweimal von simplen Fakes verarschen lassen. Wer die Sooner-Defense mehr als einmal gesehen hat, der weiß: Oklahoma stellt auch gegen 5WR-Aufstellungen nicht mehr als zwei Cornerbacks ab. Safetys und Linebackers werden in schöner Regelmäßigkeit in hoffnungslose Zonendeckungen geschmissen und für große Raumverluste verbrannt. Das Problem ist seit Jahren bekannt. Und Stoops hatte nicht mehr als einen Zusammenschiss für seinen Free Safety zu bieten.

Dann 51sek vor Schluss: Oklahoma gerade auf 37-38 herangekommen, mit einem nicht zu bremsenden „Rushing“-QB Blake „Belldozer“ Bell. Stoops mit der guten Idee, eine 2pt-Conversion zum Sieg auszuspielen. Und begehen die Sooners ein False Start, müssen den P.A.T. schießen.

Baylor will für die Overtime spielen und schickt den Running Back über die Mitte. Stoops mit der glorreichen Idee, 46sek vor Schluss ein Timeout (!) zu nehmen. Baylors Head Coach Art Briles grinst sich einen, legt den Gedankenhebel um und macht das, was jeder Coach mit einem Quarterback wie Baylors #10 machen sollte: Ihn von der Leine und mal machen lassen.

Das gesagt, hat das Endergebnis trotz allem Freak-Charakter, insbesondere mit dem abgefälschten Zufalls-TD über 87yds für Kendall Wright (VIDEO) im dritten Viertel und der ultrasoften Sooner-Defense im Schlussviertel im Hinterkopf. Das soll die Baylor Bears nicht schmälern. Was an dieser kleinen texanischen Baptistenuni aufgestellt wurde, ist beeindruckend und mit #10 Robert Griffin III (Codename „RG3“) gibt es da besagten fulminanten Quarterback, der plötzlich als potenzieller hoher NFL-Draftpick und dark horse auf die Heisman Trophy gehandelt wird. Griffin ist ein exzellenter Scrambler und bringt auch Bälle unter Druck in guter Deckung an den Mann. Der Sieg-TD war ein brillanter Wurf, der jeden NFL-Scout aufhorchen lassen wird.

Eindrucksvoll fand ich, wie Baylor – respektive Griffin im Alleingang – die Sooner-Defense mit leicht angezogenem Tempo immer wieder in die Einzelbestandteile zerlegen konnte. Es hagelte Big Plays und blitzschnelle TD-Drives, die keine 60 Sekunden reine Spielzeit von der Uhr nahmen (der Sieg-Drive dauerte z.B. 5 Plays für 80yds bei 43 Sekunden Ballbesitz). Griffin mit 22 Completions für 485yds (!).

That said, können die Oklahoma Sooners mit einem Sieg dieses Wochenende über Iowa State und nächste Woche bei Oklahoma State immer noch die Big 12 Conference 2011/12 aus eigener Kraft gewinnen. Ich bezweifle jedoch, ob das irgendjemand als zufriedenstellendes Saisonresultat ansehen würde, nachdem man von Dorfteams wie Texas Tech oder Baylor überrumpelt wurde. Ich meine, 2011/12 war aus Sooner-Sicht das Jahr. Nun dürfte es nach diversen Verlusten im Angriff wieder eine zeitlang dauern, bis das Team wieder selben Leistungsstand erreicht haben wird.

Was die Bears angeht, darf man sich ungeniert schon jetzt auf eine attraktive Bowl-Paarung freuen – wenn möglich gegen einen offensivstarken Gegner bei einem Over/Under von 90 Punkten.

Nachtrag – Die Highlight-Vids bei ESPN.com:

Könige der Heartlands: Vor der „Red River Rivalry“ 2011

Cotton Bowl
Die Cotton Bowl zu Dallas – Heimstätte der Red River Rivalry

Heute am späten Nachmittag, 18h MESZ (live bei ESPN America) findet in der uralten Cotton Bowl zu Dallas das größte College-Footballspiel der Great Plains statt: Die #11 Texas Longhorns treffen in der Red River Rivalry (Aufgabe für heute Nachmittag: zehnmal hintereinander „Red River Rivalry“ aufsagen!) auf die #3 Oklahoma Sooners, in Dallas, das auf halbem Weg zwischen beiden Universitäten (Norman/Oklahoma und Austin/Texas) liegt.

Es ist die intensivste Rivalität in der Region, zurückgehend noch auf die Zeiten, in der beide Unis ihre jeweiligen Stamm-Conferences Big 8 (Sooners) und SWC (Longhorns) anführten, ehe Mitte der 90er im Zuge der Fusion die Big 12 Conference entstand, deren Wohl und Wehe mittlerweile primär am Gehabe von UT und OU hängt.

„Red River Rivalry“, das ist eine Anspielung auf den Red River, der über mehr als 1000km die natürliche Grenze zwischen den beiden Bundesstaaten Texas und Oklahoma bildet, zwei Staaten, in Liebe und Hass miteinander vereint, die beiden Kernländer der Rednecks, der „Heartlands“, wie die Regionen entlang des Mississippi genannt werden.

Red River Rivalry für Eventzuschauer

Und heute treffen die beiden Aushänge-Universitäten beider Staaten aufeinander: Die University of Texas aus der texanischen Hauptstadt Austin und die University of Oklahoma aus dem Kleinstädtchen Norman. Beide Universitäten mit riesigen Anhängerschaften, die liebevoll sämtliche Klischees pflegen: Die arroganten, egozentrischen Cowboys aus dem wirtschaftsstarken Texas gegen die einfältigen Hinterwäldler aus dem ländlicheren Oklahoma.

Für den in Spurenelementen vorhandenen Minderwertigkeitskomplex, der die Oklahomans im täglichen Leben vor dem Texaner automatisch 5cm schrumpfen lässt, gibt es im Footballstadion allerdings keine Begründung. Denn obwohl die Sooners im mehr als hundertjährigen „ewigen Duell“ 41-59-5 zurückliegen, obwohl man in Anbetracht der Größenwahnsinnigen in Austin das Gegenteil annehmen würde: Sooners Football war über die vergangenen fünf Jahrzehnte das deutlich erfolgreichere, konstantere Footballprogramm, während die Longhorns die Aura des ewigen Underachievers umgibt – eine Uni, die trotz paradiesischer Voraussetzungen nur selten den Landesmeistertitel holte.

Ein Reiz des Spiels liegt auch in der Stadionatmosphäre: Die Schüssel der Cotton Bowl ist ein uraltes, ehrwürdiges Stadion, das abseits der Red River Rivalry nicht mehr viele Highlights erlebt, aber 92.000 Zuschauer fasst. Die beiden Fanlager werden an der Mittellinie getrennt, wobei die Südhälfte traditionell von Oklahomas weinrot/weiß dominiert wird, während die Nordhälfte bevorzugt braun/orange/weiß daherkommt – nach jedem Spielzug geht es in einer Hälfte der Schüssel hoch her, während die andere darauf wartet, im nächsten Play zurückschlagen zu können. Das überträgt sich gerne auch auf das Spielfeld, wo die hitzigen Wortgefechte in kleinere Rangeleien und Prügeleien ausarten.

Einen Ausflug in die lange Geschichtes des Duells gibt es bei ESPN.com.

Red River Rivalry für Taktik-Liebhaber

Zum Sportlichen. Das 106te Aufeinandertreffen an diesem heutigen Samstag, 8.11.2011 wartet mit zwei ungeschlagenen Mannschaften auf. Während man bei Oklahoma nichts anderes erwartet hatte – die Sooners galten als Topfavorit auf den BCS-Titelgewinn – hat sich HC Mack Browns Texas nach einer problematischen Saison 2010/11 diesmal mit zwei neuen Coordinators unauffällig zu 4-0 durchgeschmuggelt.

Die vergangenen Duelle haben gezeigt, dass Texas vs. Oklahoma ein Duell vieler Play-Action-Spielzüge ist, was im Umkehrschluss bedeutet, dass es für beide gilt, ihr Laufspiel in die Gänge zu bekommen. „Laufspiel“, das ist eigentlich nicht etwas, bei dem Oklahomas Head Coach Bob Stoops feuchte Träume bekommt, auch wenn er mit RB #4 Dominique Whaley über einen unerwartet gefährlichen Back verfügt.

Stoops liebt es zu werfen. Das lädt die Last auf die Schultern von QB #12 Landry Jones, dessen Stats durch die inzestuösen Passfeuerwerke in der Big 12 prächtig sind, der aber unter Druck des Pass Rush zu hirnlosen Pässen und INTs neigt. Für den neuen, gehypten Longhorns-DefCoord Manny Diaz bedeutet dies: Blitzes bekommen erhöhte Bedeutung. Was spannend ist, da a) Diaz eher im Ruf von bend but don’t break steht, aber b) sich angedeutet hat, dass die Offensive Line der Sooners auf ihrer verwundbaren rechten Seite zum blinden Stürmen förmlich einlädt.

Für die Sooners wird es also essenziell sein, schnell werfen zu können. Weil WR #85 Ryan Broyles und WR #4 Kenny Stills eher die deep threats sind, könnte dabei den dritten und vierten Receivers erhöhte Bedeutung zukommen, auch unter dem Hintergrund, dass Texas zwar über eine phänomenale Linebacker-Crew um #18 Emmanuel Acho verfügt, aber in der Secondary die Starter grün bis hinter die Ohren sind – und deren Backups sollen noch unerfahrener sind.

Auf der anderen Seite ist die Offense der Longhorns im Wandel begriffen. Der neue OffCoord Bryan Harsin (kam von Boise State) steckt noch immer in der Anpassungsphase, aber einige Muster haben sich bereits herauskristallisiert: Texas baut auf hartes Laufspiel rund um den Freshman-RB #28 Malcolm Brown, der allen Vorschusslorbeeren gerecht zu werden scheint und meistens über die Mitte geschickt wird. Browns Backup #2 Foswhitt Whittaker wird dann meistens in der RedZone eingesetzt. Beide machen um die 5,0yds/Carry.

Das viele Laufspiel hat seine Gründe, da nach der überfälligen Enteierung des blassen Garrett Gilbert die beiden reinrotierten und rotierenden Quarterbacks #6 Case McCoy (Colts Bruder) und #14 David Ash noch sehr unerfahren und vermutlich zu wenig cool unter Pass Rush sind. Mit WR #8 Jaxon Shipley (Jordans Bruder) gibt es wenigstens einen großartigen Mann für tiefe Bälle, für den ich Manndeckung fordern würde.

Für Harsin und Texas gilt es auszuloten, inwiefern man die Fünf-Mann-Front der Sooners nach „hinten“ ziehen kann, um den Pass Rush zu mindern und speziell für den sehr mobilen QB Ash auch Räume zum Scrambeln öffnet. Aufzupassen gilt auf MLB #28 Travis Lewis und den S/LB #1 Tony Jefferson, der vergangene Woche gleich drei INTs in einem Spielviertel machte.

Als X-Faktor gelten – natürlich, der Mann kam aus Boise – Harsins Trickspielzüge, die in schöner Regelmäßigkeit eingestreut werden, meistens zum tödlichsten Zeitpunkt, und vergangene Woche gegen Iowa State funktionierte so einer dann auch blendend:

Ausblick

Oklahoma hat mehr zu verlieren, während für Texas alles andere als eine Niederlage mit 1-2 TD kein wirklicher Beinbruch wäre. Als langjähriger Bewunderer der von Harsin mitkreierten fabulösen Boise-Offense glaube ich auch an einige Karnickel, die Harsin aus dem Zylinder zaubern wird und Oklahomas Defense verbrennen werden. Fakt am Rande: Man hörte in den letzten Jahren immer, dass der junge Sooners-DefCoord Brent Venables (nein, nicht Terrys Bruder) sich noch keine Meriten in Sachen „in-Game Adjustments“ erworben hat, was tödlich sein könnte, wenn Harsin völlig überraschende Aufstellungen bringt, beispielweise die bisher kaum gezeigten, aber ebenso charakteristischen Sets mit 4 oder 5 WR.

Ich sehe durchaus Upset-Potenzial, aber prinzipiell würde ich meine Jetons doch eher auf einen Favoritensieg der Oklahoma Sooners setzen, die etwas abgewichster sein dürften (hey, das ich so was über die Sooners mal sagen würde!) und die Landry Jones plus Laufspiel nur den Tick genügend Zeit und Raum verschaffen müssen.

Rose Bowl und Fiesta Bowl 2011: Jetzt wird gemolken. Aber keine Milch

Das Vorspiel ist um. Jetzt gehen die ganze großen Bowls los – die BCS Bowls. Dort, wo in einer Bowl so viel Geld für die Big Cows abgeschöpft wird, wie in allen anderen Bowls zusammen nicht (naja, fast zumindest). Beginnend gleich mit der Mutter aller Bowls, dem Rose Bowl Game in Pasadena. Wer mehr zu den Big Five wissen möchte – hier gibt es eine Übersicht über die BCS-Bowls.

Am Neujahrstag also Rose Bowl und Fiesta Bowl. Und zweimal in der David-gegen-Goliath-Version. Die Rose Bowl aufgrund des Standings der beiden Mannschaften, die Fiesta Bowl aufgrund des eklatanten sportlichen Unterschieds.

Rose Bowl Game

Sa., 1.1.2011 um 23h live bei ESPN America und am 5.1. um 11h30 als Tape

#3 TCU Horned Frogs – #5 Wisconsin Badgers

Die TCU Horned Frogs sind eines von drei ungeschlagenen Teams in der Football Bowl Subdivision. Für das BCS Finale hat es wie erwartet trotzdem nicht gereicht, da Oregon und Auburn als BCS-Teams einen schwereren Spielplan und mehr Reputation genießen. Trotzdem ist die Rose-Bowl-Teilnahme ein schöner Trostpreis für die Texas Christian University, handelt es sich doch um die älteste, prestigeträchtigste Bowl von allen.

Die Veranstalter dagegen werden kotzen. Wir haben es da mit extrem konservativen Leuten zu tun, denen nichts über Tradition geht. Die Rose Bowl ist traditionell das Spiel der Champs aus der Big Ten Conference und der Pac-10 Conference. Weil Oregon als Pac-10 Champ im BCS Finale spielt und TCU als Mid Major die Kriterien für eine automatische Einladung erfüllte, war die Rose Bowl vertraglich dazu gezwungen, anstatt der Stanford Cardinal (Pac-10 #2) die kleinen Horned Frogs zu nehmen.

TCU hat man heuer nur sehr selten begutachten können. Die Horned Frogs von Head Coach Gary Patterson zeichnet eine extrem schnelle Defense aus, die ganz selten mehr als 10 Punkte zulässt und sowohl gegen Pass (125yds/Spiel) und Lauf (89yds/Spiel) extrem gut aufgestellt ist, obwohl da kaum bekanntere Gesichter herumlaufen. Das hat seine Gründe: Die TCU in Fort Worth nahe Dallas hat in ihrer Umgebung mit den ganzen großen Unis um die Talente zu kämpfen: Texas, Texas Tech, Oklahoma. Da bleibt meist „nur“ die zweite Garnitur für die Horned Frogs übrig.

Es ist daher umso höher einzustufen, was Gary Patterson mit der TCU seit Jahren veranstaltet. Vor einem Jahr spielten sie zum ersten Mal in einer BCS Bowl – und durften „nur“ gegen die Boise State Broncos ran (10-17 Niederlage). Heuer folgt endlich die Auseinandersetzung mit einem großen Namen. Dieses Mal sind die Frogs ungeschlagen und sie haben schon explosivere Offenses abgewürgt. SMU oder Utah machten keinen Stich.

Die Offense ist ebenso gut aufgestellt, mit Senior-QB Andy Dalton, dessen Zahlen sich sehen lassen können: 2638yds, 26 TDs, 6 INTs. Dazu gesellt sich ein hartes Laufspiel um die RBs Tucker und Wesley.

Die Wisconsin Badgers sind der Big Ten Champ mit dem besten BCS-Ranking (#5). Bei den Badgers war Coach Bret Bielema nach ein paar durchwachsenen Jahren nicht ganz unumstritten, aber diese Saison hat die Kritiker vorerst verstummen lassen. Trotz vieler Verletzungsprobleme – phasenweise spielte man ohne Top-RB, Top-WR und Top-TE – wurden die ganz Großen niedergemäht: Ohio State, Iowa und Michigan wurden etwa in Grund und Boden gespielt, obwohl der BigTen-Auftakt mit einer Niederlage bei Michigan State gar nicht gut begonnen hatte.

Die Badgers haben schon mehrfach in der Rose Bowl gespielt, aber zuletzt seit Jahren nicht mehr. Zu groß war die interne Konkurrenz um Ohio State oder USC. Die letzte Rose-Bowl-Generation bestand noch aus QB Brooks Bollinger und RB Ron Dayne Ende der 90er.

Die Saison ist für beide schon jetzt ein Erfolg. Ich finde dieses Matchup ein extrem attraktives. Im Gegensatz zum Vorjahr werden heuer keine non-BCS-Teams frech gegeneinander gematcht, um die Fassade nicht zu gefährden: Bei einem Sieg von TCU über die BCS-Mannschaft könnte ein weiterer Stein aus der BCS-Mauer brechen und die non-AQ-Conferences weiteren Aufwind erfahren. Boise State, Utah, Hawaii, TCU: Die Zahl der BCS Buster ist stetig gewachsen. Und TCU hat nur noch dieses und nächstes Jahr zu Chancen zum Spoilern – danach wechseln sie selbst in die Big East – eine BCS Conference…

Fiesta Bowl

Sa./So., 1.1.2011 um 02h30 live bei ESPN America und am 2.1. um 13h als Tape

#7 Oklahoma Sooners – Connecticut Huskers

Es schaut alles nach einem kolossalen Mismatch aus. Die großen Oklahoma Sooners gegen die Connecticut Huskers, die als Champ der schwachen Big East nicht einmal in den Top-25 gerankt sind, aber dank starkem November mit Siegen über Pitt und West Virginia noch die Sensation geschafft haben.

Es wird derzeit ganz gewaltig die Geschichte um CB Jasper Howard gehypt, der vor einem Jahr auf dem heimischen Campus bei einer Siegesfeier niedergestochen wurde und in den Armen von WR Kashif Moore schließlich starb. Howard gilt noch immer als so was wie die Inspiration für die Huskies nach ihrem ganz schwachen Start in die heurige Saison.

Sportlich gesehen hat Connecticut in der Fiesta Bowl nichts zu suchen und es stößt Ärger auf, wenn man bedenkt, dass Michigan State oder Boise State keine Einladungen erhalten haben. Aber es ist immerhin der vorläufige Höhepunkt eines kontinuierlichen Aufstiegs von einem Div.-I-AA Team der 90er zu einem BCS-Bowl-Team. Die Beigeisterung an der UConn ist so gewaltig, dass ganze 4000 von 17.500 verfügbaren Tickets über den Ladentisch gegangen sind. Die Huskies werden angeführt von RB Jordan Todman (1574yds, 14TDs).

Gegner Oklahoma ist eines der ganz großen Schwergewicht, wenn nicht das erfolgreichste Footballprogramm überhaupt. Bowl #44, bei 25 Siegen und seit der Inthronisierung von Head Coach Bob Stoops jedes Jahr bowl-eligible. Unter Stoops haben sich die Sooners aber auch ein FC-Arsenal-Image angelacht: Bombenstark, attraktiv spielend, aber ohne den Killerinstinkt für den ganz großen Triumph. Selbst mt RB Adrian Peterson oder QB Sam Bradford wurden „nur“ gigantische Stats produziert, aber keine Titelgewinne.

Heuer ist man mit Sophomore-QB Landry Jones angetreten. Jones ist ebenso wurfgewaltig wie hüftsteif: 4289yds und 35TDs via Luftweg, aber nicht ein einziger Laufversuch. Wichtigste Anspielstation ist WR Ryan Broyles, der gnadenlos 9 Catches pro Spiel macht – im Schnitt. Resultat: 1452yds, 13TDs. Dazu gesellt sich die Allzweckwaffe RB DeMarco Murray, der überall effizient eingesetzt wird und nur schwer zu verteidigen ist. Die Defense fand ich dagegen eher wenig überzeugend, aber gegen Nebraska spielte sie eine sensationelle zweite Halbzeit. Herausragender Spieler ist OLB Jeremy Beal, der mit Sicherheit in den ersten Runden gedraftet werden wird.

Wenn ich mich an die letzten BCS Bowl-Auftritte der Sooners zurückerinnere… Die unglaubliche Niederlage gegen Boise State vor vier Jahren. Überraschende Niederlage gegen West Virginia vor drei Jahren. BCS Finale gegen Florida – ein eher maues Spiel, und wieder verloren.

Wenn die Sooners diesmal nicht die Niederlagenserie in den großen Bowls durchbrechen, glaube ich nicht mehr an das Gute im Menschen. Sieg mit mindestens drei Touchdowns und wieder aufkeimende Diskussionen über den Status der Big East.

College Football #14 Preview: Tierisches Spektakel

Letztes Wochenende Regular Season im College Football, wenn wir das traditionsreiche Duell zwischen US Army und US Navy am 11. Dezember mal ausklammern. An diesem Samstag entscheidet sich die Besetzung des BCS National Championships Games.

Road to Glendale

Ich habe kein schlechtes Gewissen, das vergangene Wochenende gehypt zu haben. Die Nacht von Freitag auf Samstag war lang (bis 9h) und schmerzhaft, aber vom Spannungsbogen großartiges Kino. Boise State ist aus dem Rennen für das Finale in Glendale, Arizona nach dem sehenswerten 31-34 (OT) in Nevada raus. #3 TCU hat seine zwölf Saisonspiele allesamt gewonnen, muss nun auf eine Niederlage der beiden Top-Gesetzten hoffen. #2 Oregon hat nach wackeliger erster Halbzeit seine ganze Klasse in Halbzeit zwei gegen Arizona aufblitzen lassen. #1 Auburn hat den Abend mit dem größten Comeback seit Led Zeppelin in Iron Bowl Nr. 75 eingeleitet. Der Hype für Samstag wird sich auf Auburn und Oregon begrenzen, auch wenn (leider) schon die ersten Experten dem Worst Case (Niederlage von einem der beiden oder beiden) schon vorbeugen, und Szenarien durchspielen, wie Wisconsin oder Stanford an TCU vorbeirutschen könnten – obwohl alle drei nicht mehr spielen.

Reser Stadium

Der Biberenten-Club

Samstag um 21h30 bricht in Corvallis der Bürgerkrieg aus. Und das sogar mit Grund: Die Oregon Ducks halten Einzug im Reser Stadium (Bild). Zeit für die siebtälteste Rivalität im US-College-Football: Oregon State Beavers gegen Oregon Ducks. Biber gegen Enten. Im Volksmund auch Civil War genannt, ganz einfach aufgrund der großen innerstaatlichen Konkurrenz. Seit 1894 spielen die beiden Unis gegeneinander, abwechselnd in Eugene (Ducks) und Corvallis (Beavers) und früher auch in Portland.

Oregon State und Oregon sind die bei den einzigen FBS-Mannschaften in Oregon und daher ist dieses Spiel auch so etwas wie die Football-Meisterschaft von Oregon. Der Sieger erhält die Platypus Trophy. Eine sehr geile Idee: In unserer schönen deutschen Sprache ist „Platypus“ nix anderes als das Schnabeltier, eine Kreatur mit Entenschnabel und Biberschwanz. Dass das Schnabeltier nur in Australien vorkommt, da kann man schon mal ein Auge zudrücken.

Reizvoll an der Auseinandersetzung ist auch die geringe Distanz zwischen den beiden Unis: Nicht mal eine Autostunde liegen Corvallis und Eugene auseinander. Die beiden Städte liegen im Willamatte Valley, der bevölkerungsreichsten Region im ganzen Staat Oregon. Die Spannung zwischen Ducks- und Beavers-Zuneigung zieht sich quer durch die Familien, wie auch anders bei zwei so großen Unis (je ca. 24.000 Studenten)?

Hooligans und Kloschüsseln

Auseinandersetzungen gab es schon in den Anfangszeiten. Die Rückkehr von einem siegreichen Auswärtstrip beim Rivalen wurde gerne exzessiv gefeiert. 1972 dachten sich die Ducks-Fans, die Feier könnte man doch vorverlegen, und rissen die Torstangen aus der Verankerung. Der Versuch, auch die andere Endzone zu erobern, endete in einer gepflegten Massenschlägerei.

Das anerkannt schlechteste Footballspiel zwischen den beiden fand 1983 statt. Sauwetter im nasskalten Nordwesten der USA, und eine Orgie an Fumbles, Turnovers und verschossenen Field Goals waren für ein 0-0 verantwortlich. Das letzte punktelose Spiel in der Division I – mittlerweile wurden die Remis abgeschafft. Das Spiel wird in den Annalen nur mehr Toilet Bowl genannt. Die Kloschüssel. Da kann man es dann auch runterspülen.

Oregon State und Oregon sind keine landesweiten Footballmächte wie die Pac-10-Mitstreiter USC, Stanford oder Washington. Oftmals spielten da mittelmäßige Footballmannschaften gegeneinander. So auch 1998, als der Bürgerkrieg erstmals verlängert werden musste, zweimal sogar. Letzter Spielzug der ersten OT, das Feld wird gestürmt. Nach gut einer Viertelstunde ist es erst geräumt, um den letzten Play nach Strafe zu wiederholen. Zuletzt ging es aufwärts mit beiden Programmen: Mehrmals wurde um die Pac-10 Meisterschaft gespielt. 2008 stürmten die Ducks in Corvallis zu einem 65-38 und verwehrten den Beavers den Rose-Bowl-Einzug. 2009 gelang den Bibern nicht zu Revanche: Oregon gewann daheim und fuhr nach Pasadena.

Speed-Offense und Charakterköpfe

Am Samstag wird Oregon State im eigenen Stadion versuchen, den Ducks den erstmaligen Einzug ins BCS National Championship Game zu vermasseln. Um so viel ging es noch nie: Nicht nur staatliche, sondern nationale Meisterschaft!

Oregon ist seit einiger Zeit aus diversen Gründen in den Schlagzeilen: Sensationellem Offensiv-Football stehen kriminelle Studenten gegenüber. Der Reihe nach: Chip Kelly ist seit 2009 nicht mehr OffCoord, sondern Head Coach in Eugene. Kellys erstes Spiel fand im September 2009 in Boise statt. Am Spielende prügelte Star-RB Legarrette Blount einem Gegenspieler gegen das Kinn. Blount wurde intern suspendiert. In Kellys Mailordner landete eine Zahlungsaufforderung eines wütenden Fans: Mit Bitte, die vergeudeten $649 für den beschämenden Auswärtstrip zurückzuerhalten. Kelly verlangte vom Fan die Adresse. Tief beeindruckt nahm der Fan seine Zahlungsaufforderung zurück. Kelly hat Klasse. QB Jeremiah Masoli nicht. Masoli wurde beim Diebstahl auf dem Campus erwischt. Kelly schmiss Masoli raus und machte QB Darron Thomas zu dessen Nachfolger. Masoli spielt mittlerweile mäßig erfolgreich für Ole Miss. Dritter Star, drittes Vergehen: RB Lamichael James (Heisman-Kandidat, im Bild) stellte sich im vergangenen Winter als Frauenschläger heraus. James wurde aber nur ein Spiel gesperrt. Zu wichtig ist der Mann für diese Offense.

Chip Kellys OffenseUnd es ist nicht einfach nur eine Offense. Es ist die Offense. Kelly lässt ein Hurry-Up spielen, das siehst du kein zweites Mal. Selten, dass die Playclock auf unter 20 Sekunden tickt. Und das nicht gegen Halbzeitende, sondern konstant. Das Bild ist eine Anspielung auf Kellys Offense: SIX POINTS! Und die halbe Defense ist noch nicht mal an der Line of Scrimmage. Die Ducks laufen mit James und seiner Armada im Schnitt 300yds pro Spiel. Dazu kommen 241,7yds von QB Thomas. Macht sensationelle 541,7yds Offense PRO SPIEL. Oder 50,5 Punkte im Schnitt. Dem gegenüber steht eine ordentliche Defense.

Oregon State erlebt heuer ein Auf und Ab. Mit 5-6 ist man noch nicht bowl-eligible. Da kommt der Rivale grad recht. Am vergangenen Samstag schenkten die Beavers ihr Spiel in Stanford ab (0-38), waren mit den Gedanken wohl schon in Corvallis. Größte defensive Waffe der Beavers ist DT Stephen Paea, der die Triple-Option-Plays um QB Thomas und RB James (ich sage nur: Huffs Touchdown-Lauf) stoppen soll. Statistisch hat OSU keine Chance: Die Lauf-Defense ist trotz Paea unterirdisch und die Offense bestenfalls unterdurchschnittlich.

Trotzdem: Es ist Bürgerkrieg, da werden Kräfte frei. Eigenes Stadion. Vermutliches Scheiß-Wetter. Enges Reser Stadium. Es ist angerichtet.

Gockel und gestreifte Kätzchen

In Oregon herrscht wegen Bibern und Enten also Ausnahmezustand, und zeitlich fast parallel (22h00) und LIVE bei ESPN America matchen sich im Georgia Dome von Atlanta die nächsten zahmen Viecher um eine Trophäe. Nicht um ein bronzenes Schnabeltier, sondern um die SEC-Trophäe. Aufeinandertreffen die #1 Auburn Tigers und die #19 South Carolina Gamecocks. Tiger gegen Kampfhähne.

Über Auburn ist viel geschrieben und gesagt worden. Mit einem Sieg stehen die Tigers sicher im BCS-Finale. Mit einer knappen Niederlage, glaubt man den Experten, wohl auch. Die Tigers werden natürlich weiterhin auf den zwielichtigen QB Cam Newton setzen, dessen spektakuläre Spielweise ebenso Schlagzeilen produziert wie die undurchsichtige Geschichte dahinter. Am heutigen 1. Dezember ist Newton von der NCAA für spielberechtigt erklärt worden.

Auburn ist spätestens seit dem riesigen Iron-Bowl-Comeback der klare Favorit für dieses Spiel. Auch wenn Alabama über weite Strecken die Blaupause dafür geliefert hat, wie man Newtons Big Plays halbwegs eindämmt.

Steve Spurrier - Footballcoach der South Carolina GamecocksSouth Carolina wird seit einigen Jahren von Steve Spurrier (Bild) gecoacht. Spurrier, dessen Fun’n’Gun-Offense die SEC revolutioniert hat, aber in der NFL gescheitert ist. Man rieb sich nach Spurriers Debakel bei den Washington Redskins verwundert die Augen, dass der Star-Coach an die kleine University of South Carolina wechselte. In einer Division mit den Größen Florida (Spurriers Ex-Team), Tennessee und Georgia setzten sich heuer nach einigen durchwachsenen Jahren ausgerechnet Spurriers Kampfhähne durch – dank eines Kantersiegs in Gainesville vor ein paar Wochen.

South Carolina bietet mit QB Stephen Garcia einen Mann auf, der heuer einen Entwicklungssprung gemacht hat. Garcia ist großgewachsen und ein relativ sicherer Pass-Spieler im dritten Uni-Jahr. Ihm zur Seite stehen mit Freshman RB Marcus Lattimore (1114yds, 17 TDs) und WR Alshon Jeffery (zweites Jahr, 1351yds, 8 TDs) zwei hochtalentierte junge Offensivwaffen. Dazu besitzen die Gamecocks einen ganzen Haufen an Ergänzungsspielern auf den RB- und WR-Positionen, sodass die Last schön verteilt wird.

Die Defense ist recht solide, lässt wenige Yards zu und 20,2 Punkte im Schnitt. Nix Überragendes, aber durchaus die Stärke der Gamecocks.

Für South Carolina geht es in dem Spiel nicht nur darum, dem SEC-Rivalen Auburn die BCS-Finalträume zu zerstören, sondern vor allem darum, erstmals den SEC-Titel zu gewinnen. Dann wäre ein Platz in der Sugar Bowl garantiert. Für South Carolina der größte Erfolg ever. Aber Auburn ist eine große Hürde, eine, der die Gamecocks in der Regular Season nicht gewachsen waren: Knappes 27-35 Ende September.

Spektakel ja. Aber kein tierisches

Big-12-Finale zwischen den #9 Oklahoma Sooners und den #13 Nebraska Cornhuskers. Gespielt wird im monströsest möglichen Stadion: Cowboys Arena in Arlington zwischen Fort Worth und Dallas.

Die Oklahoma Sooners sind eines der drei, vier erfolgreichsten Footballprogramme der letzten Jahrzehnte und eine ständige Macht in der Big 12. Dank eines wilden 47-41 über die Oklahoma State University am letzten Samstag rutschten die Sooners im letzten Zacken noch ins Endspiel der Big 12. Ins vorerst letzte Endspiel. Später mehr.

Coach Bob Stoops schafft es seit Jahren, seine Sooners ganz oben zu halten, trotz Abgängen von Spielern wie QB Sam Bradford oder RB Adrian Peterson. Allein: Der ganz große Durchbruch gelang Oklahoma nicht, und auch heuer landete man „nur“ auf Rang neun, nach zwischenzeitlichem Platz 1 im Ranking. Die Sooners sind eine passgewaltige Mannschaft, angeführt von QB Landry Jones, der schon als Freshman sehr, sehr viele Yards und Touchdowns produziert. RB DeMarco Murray ist in seinem letzten Jahr und gilt als möglicher Draftpick für die mittleren Runden.

Nebraska wird zum letzten Mal ein Big-12-Spiel bestreiten. Die Cornhuskers wechseln zur kommende Saison in die Big Ten, die dann eigentlich eine Big Twelve sein sollte. Im Gegensatz dazu wird die Big 12 eher eine Big 10 sein. Wie auch immer, mit den Cornhuskers verlässt die Big 12 eines seiner Zugpferde. Die Maisschäler sind mehrfacher National Champion und Conference-Sieger.

Das Team 2010 spielt sehr defensiven Football. Es werden nicht viele Punkte erzielt, aber eben auch nicht viele zugelassen. „Vorne“ geht die Post am Boden ab: RB Helu und QB Martinez sind sehr laufstark, dafür wird in Nebraska nur sehr wenig gepasst. Die Huskers haben heuer nur zweimal verloren, beide Male gegen texanische Teams, und hätten sie nicht vor zwei Wochen gegen die Aggies 6-9 verloren, sie wären vielleicht in der Position, auch ohne Big-12-Titel eine BCS-Bowleinladung zu bekommen.

Der Sieger spielt in der Fiesta Bowl. Der Verlierer darf in ein paar Wochen wieder nach Arlington fahren, zur Cotton Bowl Classic, die nicht mehr in der Cotton Bowl zu Dallas ausgespielt wird, sondern ebenso im aufgeplusterten Monster der Dallas Cowboys.

Big-12-Championship. In der Nacht von Samstag auf Sonntag, um 2h. Live bei ESPN America.

Der letzte Schrei: Von Indianern und Orangen

ACC-Championship in Charlotte, North Carolina. Die #21 Florida State Seminoles treffen auf die #15 Virginia Tech Hokies (das Spiel wird am Sonntag um 13h auf ESPN America aufgezeichnet). Seminoles (ein Indianerstamm), Hokies (ein Schlachtruf) und der Hauptpreis: Der Platz in der Orange Bowl (Miami).

Die Florida State Seminoles mussten bis zuletzt zittern und auf eine Niederlage von North Carolina State in Maryland hoffen. Das ist „gelungen“, wodurch die FSU im Jahr eins nach Bobby Bowden erstmals seit Jahren wieder im ACC-Finale mitspielt. Der neue Head Coach ist Jimbo Fisher, während Bowden dieser Tage eine US-Truppe im Nahen Osten für ein „Spaß“-Spiel coacht.

Unter Fisher ist vor allem die Defense der Seminoles besser geworden. Richtig viele Punkte wurden nur zweimal abgegeben, und das eher zu Saisonbeginn. Seither sind es meist zwischen 14 und 19 Punkten, ein sehr guter Wert. In der Offense verlässt man sich sehr auf das Laufspiel, das hinter dem dominanten Blocker Rod Hudson mit einer Handvoll guten Running Backs recht erfolgreich ist. Zudem wird QB Christian Ponder sein vorletztes Spiel für Florida State absolvieren. Ponder ist Senior und gilt als NFL-kompatibel, verschob seinen College-Abschied im vergangenen Jahr aber noch einmal. Anfang Jänner ist für Ponder Schluss – und was gäbe es für den Student, der sich von Bodyguards bewachen lässt, Schöneres als einen Abschluss in der Orange Bowl im eigenen Staat Florida, noch dazu im Stadion des Erzfeindes Miami Hurricanes?

Die Hokies haben eine merkwürdige Saison erlebt. Zu Saisonbeginn eine Last-Minute-Niederlage gegen Boise State kassiert und eine Woche später der GAU: Heimniederlage gegen James Madison? Nie gehört? Nicht schlimm: James Madison ist ein FCS-Team (Division I-AA) und selbst dort nur Bodensatz. Die Hokies haben sich von dem Fiasko aber schnell erholt und seitdem nicht mehr verloren. Basis auch hier: Starkes Laufspiel und eine Verteidigung, die wenige Punkte zulässt.

Eigentlich ist Virginia Tech Favorit. Aber wer will ausschließen, dass die durchaus eher mittelmäßigen Seminoles am Ende die von Kopf bis Fuß durch und durch mittelmäßige Atlantic Coast Conference in der Orange Bowl repräsentieren werden?