Faszination College Football III: FBS, BCS, Bowl Season und National Championship

Stand des Artikels: Sommer 2011. Die Aktualität sieht schon etwas anders aus: 125 Teams, die WAC existiert im Football nicht mehr, BCS wird ab 2014/15 ersetzt durch eine zweite Playoffrunde.


Wir wissen mittlerweile um Joe Paterno und warum die Amerikaner College Football lieben. Teil 3 bringt etwas Licht ins Dunkel, was die oberste Kategorie des College Football – die FBS (Football Bowl Subdivision) angeht – und was es mit der berühmten Bowl Season so auf sich hat.

Die Conferences

Die FBS besteht aktuell aus 120 Universitätsmannschaften, die sich auf 11 Conferences aufteilen – nicht jede ist sportlich ähnlich hochkarätig, aber jede lässt sich ungefähr geographisch einordnen. Die SEC (Southeastern Conference) ist zum Beispiel im Süden der Staaten beheimatet, im erzkonservativen Bible Belt. Die ACC (Atlantic Coast Conference) findet völlig überraschend entlang der Atlantikküste statt. Die traditionsreiche Big Ten Conference ist im Norden rund um die Großen Seen daheim, die Pac-12 Conference in der westlichen Hälfte der Staaten.

Viele der Conferences sind historisch gewachsen und leben von internen Rivalitäten, aber es gibt immer wieder Wechsel und hin und wieder lösen sich Conferences auf oder fusionieren mit anderen. So geschehen Mitte der 90er, als die legendäre Big 8 Conference mit Teilen der aufgelösten Southwest Conference fusionierte und die Großmacht Big 12 Conference in den Rednecks – dem mittleren Westen der Staaten – entstand.

Man muss im Hinterkopf behalten, dass seit einer kartellrechtlichen Klage 1984 gegen die Zentralvermarktung durch den Dachverband NCAA die Conferences selbst den Ligabetrieb nebst Vermarktung organisieren. Seither passiert es auch hin und wieder, dass Conferences sich geographisch aus dem Rahmen fallende Teams holen – juristisch kann man dagegen nicht mehr vorgehen.

Eine jede Universität spielt zwischen 7 und 9 Spiele gegen Teams aus der eigenen Conference, plus so genannte out of conference games, die mit anderen Teams vereinbart werden – jo, jede Uni spielt letztendlich ihren individuellen, selbst ausgehandelten Spielplan runter.

Dazu gibt es Universitäten, die keiner Conference angehören, sogenannte Independents, die sich mehr Medienpräsenz und Geld erwarten, wenn sie alle ihre Spiele inklusive TV-Verträge selbst aushandeln kann. Derzeit gibt es vier Independents in der FBS: Notre Dame, die Army, die Navy und die Mormonen-Uni BYU.

An der Stelle sei auf die FBS-Liste bei ncaa.org verwiesen und noch einmal auf das Wiki-Bild von gestern:

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Die 120 FBS-Universitäten 2011/12; ©Wikipedia (GNU-Lizenz)

Bowl Season

College Football in der FBS verfügt über kein Playoff-System, um am Ende aus 120 Teams, 11 Conferences und 4 Free Riders einen Meister auszuspielen. Dafür gibt es um die Weihnachtstage bis hinein in die Neujahrstage ein nettes Knuddelmuddel, das sich Bowl Season nennt – die Post Season des College Football.

Eine Bowl ist ein Saison-Abschlussspiel, und jede Uni mit winning season (50% gewonnene Spiele) ist daran teilnahmeberechtigt. Die meisten dieser Bowls finden im Süden der Staaten (oder auf Hawaii) statt, wo es sich bei recht milden Temperaturen leichter aushalten lässt. Eine Bowl ist im Prinzip nichts anderes als ein Freundschaftsspiel gegen eine andere Universität – der sportliche Wert hält sich arg in Grenzen und der Reiz besteht hauptsächlich in einer Geschenkorgie für die Amateurfootballer und einer landesweiten TV-Übertragung.

Es gibt große, traditionelle Bowls (Rose Bowl, Sugar Bowl, Cotton Bowl), die seit Äonen ausgetragen werden und bessere TV-Quoten als die NBA-Finals erzielen, aber die überwiegende Mehrheit der Bowls ist aus der Retorte entschlüpft und trägt kalte Namen wie uDrove Humanitarian Bowl, S.D. County Credit Union Poinsettia Bowl, New Era Prinstripe Bowl oderMilitary Bowl Presented By Northrop Grumman Bowl – diese Spiele interessieren dann nur noch eine Randgruppe und die Stadien sind oftmals nicht mal halb gefüllt. Böse Zungen würden soslche Bowls „Corporate Sponsored Exhibition Game“ nennen.

Aus europäischer Sicht ist die Bowl Season aber trotzdem ein Spektakel, weil man viele Teams zum einzigen Mal in der Saison zu Gesicht bekommt und zudem eine ganze Latte unterschiedlicher Spielsysteme beobachten darf. ESPN America zeigt alle Spiele zumindest in der Konserve, und gut zwei Drittel live.

Für jede Bowl gibt es recht komplizierte Zuteilungs-Schlüssel und jede Bowl hat Verträge mit gewissen Conferences, z.B. spielt in der Chick-fil-A Bowl ein Team aus der ACC gegen eines aus der SEC, wobei der Dschungel zwischen „Regel“ und „Ausnahme“ recht undurchschaubar ist.

So charmant die Sache mit den Bowls aussieht, so nett Southern Miss gegen San Diego State anzuschauen ist: Die Bowl Season hat sich in den letzten Jahren immer mehr zu einem Riesenverlustgeschäft entwickelt, da die teilnehmenden Unis gezwungen sind, einen vorgegebenes Kartenkontingent einzukaufen (und oftmals nicht wieder loswerden). Jüngst sind auch noch mehrere Korruptionsskandale aufgekommen, die das System bedrohlich wackeln lassen.

Damit ist immer noch nicht geklärt, wie in der FBS der Meister gekürt wird.

Die Meisterkrönung: BCS und ihre Flauseln

Über die Jahrzehnte besaß die Division I die Eigenart, Woche für Woche via Abstimmungen (AP, Coaches udgl.) ein Ranking der 25 besten Mannschaften zu erstellen, und das letzte Ranking nach Ende der Bowl Season bestimmte über den Landesmeister („National Champion“). Richtich, der Meister wurde per Akklamation bestimmt. Das Geschachere war meist herzhaft und die Streitereien würzig – welch Überraschung.

Das führte ab Ende der 80er immer mehr zu einem Umdenken, und Mitte der 90er trat ein neues System in Kraft, geschaffen von den Universitätspräsidenten der größten US-Colleges. Willkommen beim Reizwort „BCS“, ein Akronym für Bowl Championship Series.

Die BCS ist der Zusammenschluss der sechs größten Conferences/BCS-Conferences (SEC, Big Ten, Big 12, Big East, ACC, Pac-12) plus dem Independent Notre Dame, kreiert, um dem Champion einer jeden Conference einen sicheren Platz in einer der vier lukrativen Bowls (Rose Bowl, Sugar Bowl, Fiesta Bowl, Orange Bowl) zuzuschachern – und aus der Taufe gehoben, um am Ende ein „echtes“ Endspiel zwischen der #1 und der #2 der eigens eingeführten BCS-Rangliste zu haben: Das BCS National Championship Game, erst unter dem Deckmantel einer der vier großen Bowls ausgetragen, seit 2007 eine eigenständige Angelegenheit. Zu schnell gegangen?

Also – die BCS-Bowls:

Rose Bowl in Pasadena: Meister Big Ten vs. Meister Pac-12
Sugar Bowl in New Orleans: Meister SEC vs. At-large
Orange Bowl in Miami: Meister ACC vs. At-large
Fiesta Bowl in Glendale: Meister Big 12 vs. At-large

„At-large“ steht für „ist gleich nicht vertraglich bestimmt“: Es wird ein Team eingeladen, das hinreichend hoch gerankt ist plus der Big-East-Meister, denn die Big East hat keinen fixen Bowl-Vertrag. Wenn Notre Dame in den Top-8 gerankt ist, bekommt der Quoten-Hit Notre Dame eine automatische Einladung. Dazu das National Championship Game, das den Landesmeister kürt und um den 10. Jänner rotierend zwischen Pasadena, New Orleans, Miami und Glendale stattfindet.

BCS National Championship Game: BCS #1 vs. BCS #2

Da es sich bei #1 und #2 fast immer um die Meister einer der sechs BCS-Conferences handelt, werden die restlichen Bowls gerne ordentlich durcheinandergewirbelt. Zur Bowl Season gab es im Dezember bereits einmal einen Eintrag.

BCS-Kontroversen

So kompliziert das System klingt, so viele Polemiken löst es Jahr für Jahr aus. Angefangen mit der pseudo-objektiven BCS-Rangliste – ein computergenerierter, intransparenter Mix aus menschlichen Abstimmungen („human polls“) und haufenweise Statistiken – bis hin zur generellen Skepsis gegenüber kleinen Universitäten und deren einfacherem Spielplan fühlten und fühlen sich immer wieder Universitäten massiv benachteiligt.

Ein Team aus einer der fünf Nicht-BCS-Conferences muss schon sämtliche Gegner in Grund und Boden spielen, um überhaupt für eine BCS-Bowl in Betracht gezogen zu werden, geschweige denn in das National Championship Game zu kommen: Zuletzt wurden beispielsweise mehrfach Utah, TCU und Boise State obwohl ungeschlagen nicht für das Endspiel in Betracht gezogen – und zertrümmerten in der Folge ihre BCS-Gegner in den BCS-Bowls.

Weil fast jedes Jahr hinsichtlich der BCS-Rangliste die Fetzen fliegen, wird die BCS-Rangliste konstant überprüft, verfeinert, erneuert – mit dem bizarren Ziel, die Computer-Ranglisten den „menschlichen“ Ranglisten anzunähern. Ein Fakt, der schon für sich nach Zerschlagung der BCS schreit.

In 13 Ausgaben hat übrigens nur 7x die #1 über die #2 triumphiert, und dies auch nur, wenn man die getürkte USC-Meiterschaft von 2004/05 mit reinrechnet. Da auch American Football ein Sport ist, der auf dem Platz entschieden werden will, kräht auch Sideline Reporter beharrlich nach einem Playoff-System, das zumindest einer größeren Menge als der #1 und #2 die Chance auf den Titel gibt.

Gefühlt wird sich die BCS nicht ewig halten können. Der Druck aus den Medien wird größer und größer, erste kartellrechtliche Sammelklagen werden vorbereitet, und am Wichtigsten: Es wächst eine neue Generation an Sportdirektoren heran, die die alte, verkalkte Generation langsam ablöst und sich zum beträchtlichen Teil durchaus als nicht so engstirnig gezeigt hat.

Alle Einträge über die Themenwoche Faszination College Football finden sich unter den Tags oder im Portal über College Football beim Sideline Reporter. Fragen? Nur zu – was beantwortet werden kann, wird beantwortet.

Bowl Season 2010/11: Das System mit den Schüsseln im Schnelldurchlauf

Die Zeit um den Jahreswechsel naht. Assoziationsspielchen: Jahreswechsel? Bowl Season! Aus gegebenem Anlass krame ich einen sechs Wochen alten Artikel von einem Spox-Projekt hervor: Die Bowl Season. Als kleine Einleitung. Zu den Paarungen wird es nach und nach Previews geben.

Warnung: Sie begeben sich auf Territorium, wo Kraut & Rüben wachsen.

College Football ist nicht bloß Grillparty und Dixie zum Spiel: Größere Universitäten machen mit Football Umsätze wie Bundesliga-Mittelklassevereine. Am Saisonende wird – obwohl lange nicht primäres Anliegen der Unis – ein Meister ermittelt. Bei 120 Teams in der höchsten Stufe („NCAA Division I-A“ oder „FBS“) und nur jeweils 12 oder 13 Saisonspielen ist das Prozedere dabei so obskur, da sind die US-Präsidentschaftswahlen dagegen ein Zuckerschlecken: Statt Playoffs gibt es Abstimmungen und zwischen Weihnachten und Anfang Jänner eine ganze Latte sog. Bowls.

Geh warten’s… Schüsseln?

Erwähnte 120 Unis sind auf elf Gruppen („Conferences“) aufgeteilt, plus einige unabhängige Unis. Jede Uni stellt ihren eigenen Spielplan individuell zusammen. Kriterien sind Gruppengegner, alte Rivalitäten und Verträge mit TV-Stationen.

Der fehlende Quervergleich wird durch wöchentliche Abstimmungen unter Trainern, Journalisten und Experten umgangen. Daher geht es für die Unis nicht nur darum, möglichst jedes Spiel bloß zu gewinnen, sondern möglichst überzeugend zu siegen und am liebsten auch noch gegen starke Gegner, um die Experten zu beeindrucken. Anfang Dezember wird die endgültige Rangliste der BCS („Bowl Championship Series“) verkündet und die Unis werden nach vertraglich festgelegten Abmachungen auf die Saisonabschlussspiele („Bowls“) aufgeteilt.

Teilnahmeberechtigt sind Teams mit min. 50% Siegen (also mindestens eine 6-6 Bilanz). Bowls sind für die Unis wichtige Einnahmequellen, und für die Athleten die (offiziell) einzige Chance, neben einem Stipendium eine zweite Belohnung für ihre Football-Aktivitäten zu erhalten.

Es gibt rund 30 Bowls, die meisten klimatisch bedingt im US-Süden. Einige sind unbedeutende Trostpreise, andere haben große Namen und große Tradition. Und dann gibt es da noch die vier BCS-Bowls – Rose Bowl, Fiesta Bowl, Sugar Bowl & Orange Bowl – die in den ersten Jännertagen ausgespielt werden und reichlich Geldscheine ausgeben.

Das letzte Bowl-Spiel ist das BCS National Championship Game, wo die beiden Erstplatzierten der BCS-Rangliste aufeinander treffen, um den College-Meister auszuspielen. Erst seit der Saison 2006 gibt es dieses Endspiel als eigenständiges Match, vorher haben die Amis den Landesmeister – man mag es kaum glauben – per Abstimmung ernannt!

Das System ist sehr umstritten. Große Unis werden gerne bevorzugt – sie bringen einfach mehr Zuschauer und damit mehr $$$. Immer wieder fühlen sich Unis massiv benachteiligt. Playoffs werden in der Dauerschleife angeregt, aber die Uni-Präsidenten sind immer noch glücklich mit dem Belohnungs-System „Bowls“ und brauchen offenbar keinen unumstrittenen Meister.

So. Lust auf eine kleine Spritztour durch die vier wichtigsten, die sog. „BCS Bowls“, und das Endspiel im College Football?

Rose Bowl Game

Austragungsort: Rose Bowl in Pasadena, Kalifornien
Ausgespielt seit: 1902
Conferences: Big Ten vs. Pac-10

 Rose Bowl Front

©Flickr

Die Mutter aller Bowls oder wie die Amis sagen – The Granddaddy of Them All – ist das Rose Bowl Game. 1902 erstmals ausgespielt und seit 1916 jährlich, ist das Match reichlich umrankt von Geschichte und Geschichten.

Die Rose Bowl wird traditionell am 1. Jänner ausgespielt und nur im Falle eines Sonntags auf den Tag danach verlegt. Vor dem Spiel findet ein fünfeinhalb Meilen langer Neujahrsumzug statt, bei dem rosenbeschmückte Wagen durch Pasadena (Vorort von Los Angeles) gefahren werden.

Seit 1924 findet das Match in der Rose Bowl statt – das Stadion dürfte Fußballfans noch vom unseligen Fußball-WM-Finale 1994 bekannt sein. Die Ränge des riesigen Stadion sind schüsselförmig in die Hügel von Pasadena gelegt, daher der Beiname Bowl. Das Spiel hatte sich bis dahin „Tournament East-West Football Game“ geschimpft, und nun dank neuer Arena den aktuellen Namen Rose Bowl Game übernommen.

Name da, Stadion fertig – zur Berühmtheit fehlte nur noch ein Mythos. 1929 war es auch schon soweit, als Roy Riegels von der Uni California/Berkeley den Ball irrtümlich in die falsche Richtung trug, was zu zwei Punkten für Gegner Georgia führte. Georgia siegte am Ende 8-7, und sowohl Riegels als auch die Rose Bowl waren schlagartig bekannt.

Traditionell spielen in der Rose Bowl die Sieger der beiden Conferences Big 10 und Pac-10 gegeneinander. Eine Ausnahme wird nur dann gemacht, sollte eine Mannschaft an #1 oder #2 des BCS-Rankings stehen: Für die geht es dann in das Endspiel.

Auch anderweitig war die Rose Bowl lange eine konservative Veranstaltung: Erst seit 1998 ziert ein Sponsor das Logo der Veranstaltung – gut eine Dekade nach den ersten Bowls.

Die letzte denkwürdige Rose Bowl erlebten wir am 1. Jänner 2006: Die University of Texas entthronte die University of Southern California in einem sehenswerten Krimi mit 41-38.

Aktueller Titelträger ist die Uni von Ohio State.

Am 1.1.2011 spielen die Wisconsin Badgers als BigTen-Champ gegen die TCU Horned Frogs, die als Mid Major durch ihre ungeschlagene Saison eine Einladung in die Rose Bowl bekamen. Der Pac-10 Champ Oregon spielt im BCS Finale.

Orange Bowl

Austragungsort: Sun Life Stadium in Miami, Florida
Ausgespielt seit: 1935
Conferences: ACC vs. At-large

 Orange Bowl Pregame

©Flickr

Oder besser: Discover Orange Bowl. Die Kommerzialisierung macht auch vor dem Amateursport nicht Halt und so läuft die Orange Bowl seit zwei Jahrzehnten unter dem Namen eines potenten Geldgebers.

Inspiration für die Orange Bowl war der Erfolg der Rose Bowl. Die Touristiker in Miami wollten ihre Region in Zeiten der Großen Depression Anfang der 30er aufpeppen, u.a. mit Hilfe eines Football-Spiels nach Vorbild von Pasadena. „Orange“ war eine Idee eines Radioreporters und der Zusatz „Bowl“ dank Rose Bowl marketingtechnisch prägnant. Ab 1. Jänner 1935 war die Idee Wirklichkeit – Bühne frei für die erste Orange Bowl!

Ab 1938 wechselte man in die Miami Orange Bowl. Die Namensgebung der Arena ist nicht kreativ, aber einprägsam. Ende der 90er war dieses alte Stadion den Machern dann zu marode und sie wechselten in das neue Footballstadion der Miami Dolphins, heute „Sun Life Stadium“. Bitte mit Vorsicht zu genießen: Dieses Stadion wechselt permanent seinen Namen, öfters als die Volkspark/AOL/HSH Nordbank/Imtech Arena in Hamburg.

In der Orange Bowl spielt auf jeden Fall der Sieger der AAC (Atlantic Coast Conference), die zweite Uni wird von der Veranstaltern ausgewählt.

Aktueller Titelträger ist die University of Iowa.

Am 3.1.2011 spielen die Virginia Tech Hokies als ACC-Champ gegen die Stanford Cardinal.

Sugar Bowl

Austragungsort: Louisiana Superdome in New Orleans, Louisiana
Ausgespielt seit: 1935
Conferences: SEC vs. at-large

Louisiana Superdome in New Orleans

©Wikipedia

Wie die Orange Bowl wird auch die Sugar Bowl in Louisiana seit 1. Jänner 1935 ausgespielt. Interessant ist die Sugar Bowl vor allem, weil hier der Meister der sportlich besten Gruppe SEC (Southeastern Conference) spielt. „Leider“ ist der Meister der SEC seit Jahren stets eine der beiden besten Mannschaften des Landes und spielt somit anstatt in der Sugar Bowl im nationalen Endspiel.

„Sugar“ Bowl bezieht sich auf den Zuckerrohr-Anbau in der Region um New Orleans. Nach Vorbild von Pasadena und den Ideen in Miami waren die Leute im Sumpfstaat schnell und realisierten ebenso zum Neujahrstag Anno 35 ihr erstes Bowl-Spiel, ausgetragen im Tulane Stadium.

Eine politische Note bekam die Sugar Bowl 1956, als mit Bobby Grier erstmals ein Afro-Amerikaner ran durfte. Gegner war Georgia Tech, und der Gouverneur von Georgia galt als eingefleischter Rassist. Am Ende durfte Grier spielen, doch ein (ungewollter) Schiedsrichterfehler ausgerechnet gegen Grier entschied das Spiel zu Ungunsten von Griers Uni Pittsburgh.

1975 erfolgte der Umzug in den Superdome, europaweit bekannt geworden durch Hurrikan Katrina im Spätsommer 2005. Nach Katrina gab es keine besonders ansehnlichen Sugar Bowls mehr – zu überlegen war meistens selbst die zweitbeste Equipe aus der SEC.

Aktueller Titelträger ist die University of Florida.

Am 4.1.2011 spielen mit den Arkansas Razorbacks und den Ohio State Buckeyes zwei at-large Teams gegeneinander.

Fiesta Bowl

Austragungsort: University of Phoenix Stadium in Glendale, Arizona
Ausgespielt seit: 1971
Conferences: Big 12 vs. At-large

University of Phoenix Stadium, Glendale

Die jüngste der großen Bowls ist die Fiesta Bowl, die in Glendale, Arizona ausgespielt wird. 1971 ins Leben gerufen, um neben der Rose Bowl ein zweites Bowl-Spiel im US-Westen zu etablieren, entwickelte sich die Fiesta Bowl schnell zu einem sportlich höchst attraktiven Event. Dank fehlender vertraglicher Bindungen konnten die Veranstalter ihre Teams selbst wählen – und sie machten ihre Sache gut. 1986 beispielsweise spielten die beiden besten Mannschaften des Landes in der Fiesta Bowl gegeneinander.

Die Veranstalter waren zuletzt oft mutig und innovativ in ihrer Team-Wahl. 2005 wurde erstmals eine der Unis aus einer kleinen Conference (Utah) eingeladen.

Das Spiel der Spiele fand aber am 1. Jänner 2007 statt, als die Underdogs von der Boise State University den turmhohen Favoriten Oklahoma dank einer zuvor ungesehenen Latte an Trickspielzügen in der Schlussphase mit 43-42 in der Verlängerung putzten. Dieses Spiel gilt als eines besten Footballspiele aller Zeiten und genießt bereits legendären Status – in meiner persönlichen Hitliste gehört es irgendwo in die Kategorie zwischen Barcelona 99 und Interlagos 2008.

Dieses Video mit den Höhepunkten aus Underdog-Sicht (Oh Baby! Oh Wow! Oooooooh Mamma!) ist immer wieder sehenswert – Fünf Minuten zurücklehnen und anschauen!

 

Der Running Back mit der #41 Ian Johnson sprintete nach seinem Siegeslauf direkt zu seiner Freundin, einer Cheerleaderin seiner Uni, und machte ihr vor laufender Kamera einen Heiratsantrag. Sie sagte ja.

Auch aktuell sind die Boise State Broncos Inhaber des Fiesta-Bowl-Titels. Am 1.1.2011 spielen Big12-Champ Oklahoma Sooners und der Sieger der Big East, die Connecticut Huskies, gegeinander.

Genug der Sentimentalitäten, und kommen wir zum Ende.

BCS National Championship Game

Austragungsort: Austragungsort rotiert zwischen Miami, New Orleans, Glendale und Pasadena
Ausgespielt seit: 1999, seit 2007 als eigenständiges Match
Mannschaften: #1 vs. #2 der BCS-Rangliste

Das Chaos bei der Abstimmung, wer denn nun die College-Meisterschaft für sich beanspruchen durfte, war stets schnuckelig, sorgte aber mit der Zeit für immer mehr Kritik. Die sechs größten Conferences schlossen sich deswegen Ende der 90er zur BCS („Bowl Championship Series“) zusammen. Ziel: Eine Rangliste erstellen zu können, die neben den Trainer- und Experten-Abstimmungen auch harte Fakten – u.a. Stärke der Gegner – mit einfließen lässt.

Anfangs der 2000er lief das Endspiel unter dem Deckmantel einer der vier vorhin vorgestellten Bowls ab. Seit 2007 ist das BCS National Championship Game aber eine eigenständige Veranstaltung – die letzte, saisonabschließende Bowl, die im Stadion einer der vier großen Bowls rund eine Woche nach der letzten großen Bowl ausgetragen wird. Aufeinander treffen die #1 und #2 der pseudoobjektiven BCS-Computer-Rangliste.

Es hat seit der Einführung immer wieder heftigste Streitigkeiten gegeben – und nicht nur einmal führte sich das Spiel selbst ad absurdum. Im Jänner 2004 z.B. durfte Oklahoma daran teilnehmen, obwohl es nicht einmal seine Conference gewonnen hatte. Das augenscheinlich beste Team des Jahres, USC, das alle „menschlichen“ Abstimmungen gewonnen hatte, wurde durch die Computer-Rangliste dagegen aussortiert.

In den letzten Jahren wurde die BCS-Rangliste immer wieder modifiziert und verfeinert – trotzdem glänzt sie immer noch durch völlige Intransparenz und klare Benachteiligung kleinerer Unis.

Solange die Big Player aber die Fassade aufrecht erhalten können, wird die Coaches Trophy dem Endspielsieger überreicht. Sie ist nicht die einzige Meister-Trophäe, da die einzelnen Ranglisten weiterhin ihre Sieger separat küren, aber es ist der „offiziellste“ aller Pokale.

Aktueller Champion ist die University of Alabama.

Am 10. Jänner 2011 treffen die Auburn Tigers und die Oregon Ducks in einem Duell zweier offensivstarker Mannschaften aufeinander. Ausgespielt wird der College-Meister der Saison 2010.

Damit wären die fünf BCS-Bowls kurz vorgestellt. Ab morgen gibt es möglichst viele Matchups der laufenden Bowl Season hier bei Sideline Reporter. Hier geht es zur Übersicht der Bowl Season 2010/11.