BCS National Championship Game 2011

Die Bowl Season 2010/11 ist fast rum. Fehlt nur noch eins – das Beste! Das BCS National Championship Game, seit der Einführung der Bowl Championship Series (BCS) das sportlich einzig wichtige Bowl-Spiel. Hier wird im Kampf um die Coaches Trophy der (inoffizielle) Meister ausgespielt. Inoffiziell deswegen, weil die BCS kein richtiger Teil der NCAA ist. Aber es hat sich so eingebürgert, dass der Sieger des BCS-Finals in den finalen Abstimmungen an die #1 gesetzt wird – und bis auf einmal (2003) haben sich die Voter auch daran gehalten.

Das National Championship Game (von mir im Folgenden auch „BCS-Finale“ genannt) – keine Traditionsveranstaltung, sondern ein seit der Saison 1998 neu geschaffenes Event, in dem die #1 gegen die #2 des BCS Ranking antritt. Ein paar Jahre lang wurde abwechselnd eine der vier großen Bowls, der BCS Bowls, zum BCS-Finale umfunktioniert. Seit der Saison 2006 läuft das Spiel aber als eigenständiges Event ab – als fünfte und letzte BCS Bowl zum Saisonabschluss.

Die fünf BCS Bowl lauten demnach:

  • Rose Bowl
  • Fiesta Bowl
  • Orange Bowl
  • Sugar Bowl
  • BCS National Championship Game

Alles klar? University of Phoenix Stadium

Das National Championship Game 2011 wird in Glendale bei Phoenix ausgetragen. Nicht, wie etwa das Rose Bowl Game in einem dieser herrlichen, alten, maroden Schüsseln. Sondern im University of Phoenix Stadium, Heimstätte der Arizona Cardinals und der Fiesta Bowl, ein Stadion, das vor fünf Jahren in die Wüste von Arizona gestampft und ganz trendy mit verschiebbarem Dach ausgestattet wurde. Unter anderem war es Austragungsort der grandiosen Superbowl 42 und der noch grandioseren Fiesta Bowl 2007.

Nun also das Grande Finale 2011. Angesichts der beiden Mannschaften – Auburn Tigers und Oregon Ducks – wäre ich fast versucht, vom Tigerenten-Club zu sprechen. Dumm, dass die Frösche fehlen. Diese – die TCU Horned Frogs – haben vor ein paar Tagen in der Rose Bowl gespielt, und die Wisconsin Badgers in einem fantastischen Spiel 21-19 besiegt. Ein historischer Sieg, denn die Horned Frogs gehören keiner BCS-Conference an.

BCS-Conference – Pardon?

Warnung: Es folgt ein Exkurs, der erklärt, wie es zum BCS National Championship Game denn überhaupt gekommen ist.

College Football ist in drei, eigentlich vier, Kategorien eingeteilt. Da hätten wir zum ersten die Division I, dann die Division II und dann die Division III. Die Division I ist aber seit den späten 70ern noch mal aufgesplittet worden. Früher hieß das dann ganz elegant Division I-A und Division I-AA.

Heute klingt es rockiger: Football Bowl Subdivision (FBS) und Football Championship Subdivision (FCS). Alles, was wir vom College Football hierzulande zu sehen bekommen, und alles, worüber wir geschrieben haben, geht die FBS an – die Königsklasse im College Football. Dort, wo die 120 besten Teams spielen. Einige traditionelle Universitäten haben sich vor einiger Zeit entschlossen, den Wahnsinn nicht mitzugehen, und sind lieber in der schnuckeligen FCS geblieben: Harvard, Yale, Princeton.

Aber auch in der FBS gibt es größere und kleinere Unis, traditionellere Sportprogramme und weniger traditionelle. Die 120 Mannschaften sind auf aktuell 11 Conferences aufgeteilt. Diese Conferences schimpfen sich z.B. Big Ten Conference oder Pac-10 Conference oder SEC (Southeastern Conference) oder Western Athletic Conference, plus gibt es drei (ab 2011 vier) unabhängige Universitäten, sogenannte Independents. Diese sind aktuell Notre Dame, Army und Navy.

Nun haben sich Mitte der 90er sechs Conferences – SEC, Big Ten, Pac-10, Big 12, Big East und AAC – in mehreren Schritten zur BCS (eben dieser Bowl Championship Series) zusammengeschlossen.

Ziel #1: Einen Meister ermitteln zu können, der auch in einem Spiel ermittelt wird und nicht, wie vorher, rein in einer Abstimmung.

Ziel #2: Ein sportlich und finanziell attraktives Bowl-Spiel für den Meister jeder BCS-Conference garantieren zu können.

Die BCS ist jedoch äußerst umstritten, bevorzugt sie schließlich ganz klar die Mannschaften aus den BCS-Conferences. Teams von außerhalb, z.B. Boise State, Utah oder eben die TCU Horned Frogs haben es schwer, Einladungen in eine der großen Bowls zu bekommen.

Die Horned Frogs haben es heuer dorthin geschafft, als #3 der Rangliste und als ungeschlagenes Team. Sie haben auch noch Wisconsin geputzt, den Meister der Big Ten Conference. Eine Einladung ins BCS-Finale war aber nicht drin: Auburn und Oregon sind an #1 und #2 platziert, weil sie

a) den schwierigeren Spielplan haben und
b) den Bonus der BCS-Conference genießen.

Von daher war der Sieg der Horned Frogs von hoher Bedeutung für die kleinen Universitäten und Conferences. Schritt für Schritt werden sie ernster genommen und mit zunehmendem Druck durch Medien und Politik sowie einer Portion Glück und Einsicht von Seiten der Etablierten könnte es in absehbarer Zeit (sprich: 7-8 Jahren) vielleicht sogar Playoffs geben, um den Meister im College Football zu ermitteln.

Bis dahin gibt es eben nur das BCS-Finale. Und das wird in der Nacht von Montag, 10. Jänner, auf Dienstag, 11. Jänner, um 02h30 ausgespielt. Gegenüber stehen sich zwei Mannschaften, die nicht zu den traditionellen Schwergewichten im College Football zählen.

Die Auburn Tigers aus der SEC und die Oregon Ducks aus der Pac-10 Conference, als BCS-Mannschaften tatsächlich im gemeinsamen Kampf gegen die Frösche. Den Kampf haben sie gewonnen, die Tigerenten.

Erin Andrews
Erin Andrews – ©Flickr

Jetzt folgt der Kampf untereinander. Einer wird baden gehen müssen. Tiger gegen Enten. Ohne Pamela Großer und Katharina Gast. Dafür mit Brent Musburger, Kirk Herbstreit, Tom Rinaldi und der netten Dame im Bild, Erin Andrews, die nach überstandenen Morddrohungen wieder für ESPN auf Interviewjagd gehen wird.

So viel als Heißmacher.

Spotlight für den ersten Finalisten, die #1 der BCS-Rangliste.

Auburn Tigers

Gene, Gus und die Religion

Auburn ist ein kleines Städtchen im Bundesstaat Alabama. Kaum 60.000 Einwohner, aber eine der bekanntesten Universitäten der USA. Grund hierfür: Das traditionsreiche Footballprogramm der Auburn University, deren Campusgelände samt Stadion man sich auf diesem Luftbild zu Gemüte führen kann. Ein Campus für ca. 25.000 Studenten, die stolz sein dürfen, Alabamas beste Universität, und in diesem Fall spreche ich nicht von Sport, besuchen zu dürfen. Auburn University Campus

Im Bible Belt, der Region östlich des Mississippi im tiefen Süden der Vereinigten Staaten, wird College Football ebenso gelebt wie die evangelische Kirche und die immer noch latente Abneigung gegenüber Schwarzen. Und das Jordan Hare Stadium ist ebenso Kathedrale wie der Dom von Birmingham. Dort – nicht im Dom – spielen die Tigers, und das Stadion ist mit seinen 87.000 Plätzen dauerausverkauft.

Die Tigers waren in den 50ern mal National Champion. Ein Vergleich mit Schalke 04 würde hinken, aber: Seitdem sind sie oft in der Elite dabei gewesen, zum Durchbruch fehlte immer ein kleines Stück. Trotz Superstars wie RB Bo Jackson oder RB Cadillac Williams. Trotzdem gehört das Publikum zum loyalsten landesweit. Und die Tigers – sorry, denn jetzt stirbt irgendwo eine seltene Kriechtierart aus – sind Kult.

Im Jänner 2009 hat das Sportpräsidium in Auburn mit der Verpflichtung von Head Coach Gene Chizik für Aufregung gesorgt. Chiziks Referenzpapiere hatten eine äußerst dürftige 5-19 Bilanz an der University of Iowa vorzuweisen. Fünf Siege in 24 Spielen. Das Risiko zahlte sich aber aus. Chizik holte sich den kreativen Offensive Coordinator Gus Malzahn in seine Mannschaft. Gemeinsam haben sie das dahinsiechende Programm aufgepeppt. 8-5 im ersten Jahr, und dann kam der Herbst 2010…

Watch As He Accelerates. Right…… NOW!!! Oh My Gosh.

Wir schreiben den 23. Oktober 2010. Durchzechte Nacht und lange Seminartagung hinter mir und die Augen nur noch auf Sparflamme geschaltet, aber noch mit Kampfgeist. Kampfgeist, dieses eine Spiel durchzuhalten. Auburn gegen Lousiana State. Das Duell Tiger gegen Tiger. Wir sind im zweiten Viertel…

…und das passiert das:

 

In dem Moment wird klar, dass wir es hier mit einem speziellen Spieler zu tun haben: QB Cameron Newton.

Down goes… Not Auburn

Die Auburn Tigers gewannen in dieser Saison alle ihre 13 Saisonspiele. 13 Siege großteils nach demselben Schema: Anfängliche Probleme, Rückstand, Comeback in Halbzeit zwei.

Irgendwann hatte man den Gegner mürbe und lief ihn in Grund und Boden. Ab Mitte Oktober begann auch die breitere Öffentlichkeit, die Tigers als ernsthaften Titelkandidaten wahrzunehmen, nach einem 65-43 gegen Arkansas und eben jenem Spiel gegen die LSU Tigers. Ende November der große Showdown, Iron Bowl gegen den Erzfeind Alabama.

Ein Spiel for the ages. Hatte man nach einer fassungslosen ersten Halbzeit schon die Briefmarken auf die Mitleidskärtchen in Richtung Auburn geklebt, sorgten Cam Newton, die Defense und eine Reihe glücklicher Fügungen am Ende für die Sensation: Aus 0-24 mal eben so ein 28-27 gezaubert. Es wird mit Sicherheit als eine der denkwürdigsten Iron Bowls in die Geschichte eingehen.

Eine Woche später im Finale der SEC war es nicht lange spannend. South Carolina wurde mal eben so dank sechs (!) Newton-Touchdowns nach Hause geschickt.

Cam Newton

Who Cares ’Bout Morale?

Es macht keinen Sinn, die Offense der Tigers näher unter die Lupe zu nehmen. Es reicht ein einziger Name: Cameron Newton. Der Quarterback spielt eine herausragende Saison und er ist der Grund, warum Auburn nicht an #[bitte setzen Sie eine Zahl ihrer Wahl zwischen 20 und 25 ein], sondern an #1 gerankt ist. Punkt.

Was Newton und Auburn unangenehm erscheinen lässt: Die Affäre um die verbotenen verdeckten Zahlungen. Der fadenscheinige Freispruch der NCAA, der faktisch die Zahlungen legitimiert. Solange nur der Spieler nichts weiß, dürfen auf dessen Konto eimerweise Moneten geschaufelt werden. Selbst wenn der eigene Vater den Deal eingefädelt hat.

Unter diesem Gesichtspunkt ist Newtons Auszeichnung mit der Heisman Trophy eine moralische Bankrotterklärung der prestigeträchtigsten MVP-Trophäe im Football. Heisman schreibt ausdrücklich auch persönliche Integrität als Qualifikationsmerkmal für den Sieger aus. Daher wird der Preis von mir ab sofort nicht mehr für voll genommen.

Secondary? Never heard.

Faustregel der Tigers: Vorne auf Newtons Lauf- und Wurfkünste vertrauen. Hinten die dominante Defensive Line um Star-DT Nick Fairley mal machen lassen. Fairley gilt als Top-10 Draftpick, macht am Montag sein letztes Spiel für Auburn. Der Lauf wird u.a. dank Fairley recht solide verteidigt. Es hakt an einem anderen Punkt: Auburn hat keinen Schimmer, wie man gegen den Pass verteidigt.

Gegen Offenses mit dominanteren WRs gab die Secondary ein Bild ab in etwa wie, wie… Angela Merkel beim Fußballspielen? Sie war schlicht non-existent. WRs wie Julio Jones (Alabama), A.J. Green (Georgia) oder South Carolinas Alshon Jeffery verbrannten die Defensive Backs phasenweise ganz böse.

Weil Oregon zwar auf Laufspiel aufbaut, aber dank No-Huddle-Offense auch ein mächtiges Pass-Spiel besitzt, ist diese Abwehr durchaus ein Punkt, der Auburn angreifbar macht.

Oregon Ducks

So, wir hatten die Auburn Tigers in der Sezierstunde. Wir kennen nun Cam Newton, Gene Chizik und wissen, was es mit dem Bible Belt so auf sich hat. Wenden wir uns anderen Dingen zu. Heutiges Thema: Die Gegner der Tigers um die Coaches Trophy: Die Oregon Ducks.

Entenhausen im Nordwesten

University of Oregon

Die University of Oregon genießt in Forschungskreisen durchaus einen anerkannten Namen. Physik-Genie Doug Hofstadter etwa ist ein Ehemaliger. Die Universität liegt nicht etwa in Portland daheim, sondern in einem kleinen Städtchen namens Eugene im Willamette Valley. Dort, wo die meisten Menschen im spärlich besiedelten Oregon wohnen und die grünen und gelben Farben dominieren – die Farben der University of Oregon. Bekanntestes Gesicht der Uni ist trotz aller Footballer und Forscher das Maskottchen: Der Oregon Duck, angelehnt an den Superstar unter den Enten: Donald Duck.

Who Cares ’Bout Manieren?

Star der Oregon Ducks ist Head Coach Chip Kelly, wie Gegenüber Gene Chizik seit 2009 hauptverantwortlicher Mann. Kellys zweijährige Amtszeit ist geprägt von zwei Dingen: Viiiiiele Yards und Punkte in der Offense und viiiiiele disziplinarische Probleme mit seinen Spielern. Eine Chronologie.

Chip Kelly
©Spox.com

Boise State 2009. Kellys erstes Spiel als Head Coach, und was ein furchtbares. Zuerst würgte Boise State die Offense ab und dominierte die Ducks nach Strich und Faden, gewann 19-8. Und dann sorgte Star-RB Legarrette Blount nach dem Spiel für den Kollateralschaden: Einen Boise-Verteidiger mit der rechten Gerade niedergestreckt. Kelly suspendierte Blount für fast die komplette Saison und Blount musste sich statt als hochbezahlter 1st-Round-Pick als Free Agent in der NFL durchschlagen, ist mittlerweile spektakulärer Running Back in Tampa Bay.

Kelly sorgte anderweitig für Emotionen. Gleich nach der Heimkehr aus Boise lag eine Zahlungsaufforderung in seinem Postfach. Ein Fan wollte die $439 rückerstattet haben. Kelly fackelte nicht lange und ließ sich die Adresse von diesem Fan besorgen, um eigenhändig die Kohle auszubezahlen. Der Fan war schwer beeindruckt, zog seine Forderung zurück und stellte Kelly einen persönlichen Schuldfreipass für alle Zeiten aus. Kelly coachte Oregon trotz des denkbar schlechten Saisonstarts noch in die Rose Bowl – erstmals nach langen Jahren wieder.

Winter 2010. Top-RB LaMichael James stellte sich als Frauenschläger heraus und wurde ein Spiel suspendiert. Noch schlimmer QB Jeremiah Masoli, der als Junkie und Computer-Dieb Schlagzeilen machte und vom Campus gejagt wurde (spielt jetzt für Ole Miss). Kelly machte einen Neuen zum QB: Darron Thomas, ein Schwarzer, als Persönlichkeit blass, aber als Spieler… Baby.

Kelly besitzt also menschliche Klasse. Auch als Coach hat er einiges auf dem Kasten…

Ey, Was Geht Ab?

Und, nein, sie feiern nicht die ganze Nacht. Vielmehr wird unter Chip Kelly knallhart gearbeitet. Die Trainingseinheiten sind kurz, aber brutal intensiv und darauf abgezielt, die Spieler auf vollste Konzentration und Fokussierung zu trimmen. Das ist auch notwendig, denn Chip Kellys Offense ist nicht einfach nur eine Offense.

Es ist die Offense schlechthin. Ich kenne keine Offense, die schneller spielt und den Ball das Feld hinunter treibt. Wer Oregons Offense kennt, für den gewinnt „No Huddle“ eine neue Bedeutung. Die Playclock tickt selten unter 20 Sekunden runter, und schon ist der nächste Snap da. Für eine Defense bleibt fast keine Zeit für Erholung und Auswechslungen. Konfusion ist vorprogrammiert.

Man muss sich das mal vorstellen. Die Offense um den fantastischen RB LaMichael James erläuft 303yds pro Spiel. Dazu packt QB Darron Thomas noch mal gepflegte 234yds im Passspiel drauf. Macht 537yds pro Spiel, für 50 Punkte. Pro Spiel. Im Schnitt. In der Pac-10.

Nur einmal war es knapp

Zu Saisonbeginn wurden ein paar lausige Gegner mit Kantersiegen und ca. 70 Punkten/Spiel in Grund um Boden gespielt. Das erste Ausrufezeichen war ein 52-31 über Stanford und Andrew Luck. Von da an galt Oregon als Anwärter auf den Finaleinzug und spielte munter weiter drauflos: Über 50 Punkte gegen USC, UCLA und Washington. Vor allem im mächtigen und extrem lauten heimischen Autzen Stadium präsentierten sich die Ducks als absolut unantastbar.

  Autzen Stadium, Oregon Ducks Nur bei den California Golden Bears musste lange gezittert werden. Das knappe 15-13 war nicht wirklich ein glanzvoller Auftritt, aber entscheidend für den Finaleinzug. Denn der Civil War beim heißen Rivalen Oregon State, das war noch nicht mal eine Kneipenschlägerei. Zu dominant die Ducks, gegen deren Waffen die Beavers nicht im Ansatz ein Mittel hatten.

 Für Oregon gilt Ähnliches wie für Finalgegner Auburn: Auch hier wird viel in der zweiten Halbzeit gescort. Die Ducks spielen knallhartes Laufspiel über RB James (Dritter im Heisman-Voting – man beachte auch hier den Aspekt „Moral“), mit immer wieder eingestreuten langen Pässen von QB Thomas. Ein Kuriosum der Ducks-Offense: Egal, mir welchem Quarterback Chip Kelly gespielt hat, ob Masoli oder Thomas oder Nate Costa: Erfolg hatte er immer. So auch mit dem beweglichen und laufstarken Thomas.

Wie auch immer das Spiel für die Ducks endet: Für die University of Oregon ist es auf jeden Fall das bisher größte sportliche Ereignis. Bisher stand man meist im Schatten der großen Pac-10 Mächte USC, UCLA oder Washington. Es werden haufenweise Ducks-Fans nach Glendale, Arizona pilgern und für Volksfeststimmung sorgen. Und das Beste für Oregon: Viele Leistungsträger haben noch ein oder zwei Jahre vor sich. LaMichael James hat schon angekündigt, mindestens ein weiteres Jahr an der Uni zu bleiben.

Blieben die Essgewohnheiten

Ich glaube nicht, dass Enten Tiger zum Frühstück verspachteln. Ich weiß nicht, ob Tiger mit Enten-Braten ihre Freude hätten. Ich weiß aber, dass wir mit dem Aufgetischten unseren Spaß haben werden – und wenn es eine Nacht auf den Dienstag ist, und wenn es nach einem langen Wild Card Weekend in der NFL ist: Hier treffen zwei Punktejäger aufeinander. Der beste Footballspieler im College gegen die beste jemals gesehene Offense. Ein Spiel, das mit einem Over/Under von 74 (!) auf der Wettbörse angeboten wird. Ich will nicht zum Zocken animieren, aber… *hust* 74 Punkte halte ich für durchaus nicht unwahrscheinlich. Ein Spiel mit einem Wermutstropfen. Die ungeschlagenen TCU Horned Frogs sind als vielleicht bestes Team des Jahres nicht dabei.

BCS National Championship Game 2011. Mo./Di. 02h30 aus Glendale. Live bei ESPN America.

Eine Menge Musik drin gewesen

Jo, das war dann mal eine spannende Nacht. In der Music City Bowl war ordentlich Rock’n’Roll dabei, aber auch die anderen Bowls hatten was zu bieten. Und jetzt eine Warnung vor Spoiler.

Music City Bowl

Ich hatte es in meiner Vorschau geschrieben: Die Vorgeschichte von beiden war nicht ohne. Das Spiel indes auch nicht. Lange Zeit ein Spiel zweier wackeliger Offenses, mit allerdings sehenswerten Touchdowns: RB Shaun Draughn zündete im zweiten Drive den Turbo und lief der kompletten Defense der Volunnteers auf und davon. Der Konter im zweiten Viertel: QB Tylor Bray nach Play-Action mit einem ganz tiefen Ball genau auf die Brust von WR Da’Rick Rogers. Letzte Sekunden der ersten Halbzeit, und nun war North Carolina dran. QB T.J. Yates unter Druck, entweicht nach rechts draußen und aus vollem Lauf mit dem rechten Arm (!) einen perfekten Ball in die Hände von WR Highsmith geworfen, der zum 17-14 in die Endzone trottet. Tennessee hatte immer wieder Probleme, weil QB Bray zum ungünstigen Zeitpunkt eine Interception einstreute. Nach einigem Gewürge in der zweiten Halbzeit nahm das Spiel zum Ende wieder Fahrt auf. Tennessee dank TD-Bombe mitten in die Endzone hinein wieder in Führung – und verschoss den P.A.T.! Nur 20-17.

Letzter Drive und die Tar Heels 16 Sekunden vor Schluss in Field Goal Range. Spike. Dann ein Irrsinnscall – ohne Timeouts ein Lauf durch die Mitte? Entschuldigung, Butch Davis, aber WTF? Auf dem Spielfeld wird es wild. Während der Ball wieder zurückgelegt wird, rennen die hellblauen Tar Heels wie wild geworden über das Spielfeld, die halbe Field Goal Unit ist schon auf dem Platz, ehe Yates erneut einen Spike macht. Uhr ausgelaufen, die Gatorade-Dusche schon gemacht und die Trainer beim Handschlag, da bringen die Refs Farbe ins Spiel. Flagge gegen North Carolina – zu viele Männer auf dem Platz (klar, war ja eine Mixtour aus FG-Unit und Offense) und die Uhr auf eine Sekunde zurückgesetzt. Kicker Casey Barth kommt auf das Spielfeld und verwandelt zum 20-20.

Erste Overtime. North Carolina kommt mehr mit Strafen als mit Offense zum ersten Touchdown. Tennessee kontert per 20yds-Pass.

Zweite Overtime. Tennessee steht wieder kurz vor dem Touchdown. Dann QB Bray mit einer hirnlosen Interception, genau in die Arme eines Verteidigers, der in die Wurfroute hineinläuft. North Carolina hat ein Leichtes, per erneutem Field Goal das Spiel zu entscheiden. 30-27 und eine Music City Bowl, in der ordentlich Musik drinnen war.

Holiday Bowl

Unglaublich, wie unvorbereitet Nebraska in San Diego aufkreuzte. Die Cornhuskers glänzten durch Turnovers, Penalties und löchrige Offense Line. Die Defense wurde gnadenlos überlaufen und spätestens nach der Verletzung von QB Martinez (nach Sack) war die Suppe gegessen. Backup-QB Green machte furchtbare Würfe, ich glaube nur drei oder vier Completions.

Auf der anderen Seiten kam Washington mit QB Jake Locker daher. Lockers schleichender Abstieg hatte im September gegen Nebraska begonnen und auch diesmal wurde Locker kaum als Quarterback gebraucht. Das Pass-Spiel der Huskies war ziemlich inexistent und Locker hatte am Ende ganze fünf Completions.

Trotzdem war Locker spielentscheidend. Im zweiten Viertel in die Zange genommen und benommen vom Spielfeld gewankt, aber nach der Pause wieder voll da: Play-Action an der NEB 25 und dann den Turbo gezündet. Locker walzte sich durch zwei Tackles und raste in die Endzone. Überhaupt arbeitete Washington viel mit Play-Action und Läufen über Locker und RB Chris Polk (über 30 Carries für fast 200yds). Nebraska war darauf schlecht vorbereitet. Ergebnis: 19-7 Washington. Ein sehr verdienter Sieg.

Armed Forces Bowl

Turnovers kill teams. Die Mustangs mit vielen, vielen Yards durch QB Kyle Padron und RB Zack Line, aber eben auch mit Turnovers zum ungünstigsten Zeitpunkt. Gleich zu Beginn warf Padron tief (45yds), aber ein Play später der Fumble zum Touchdown zurückgetragen. Die Army spielte eiskalt ihre Option-Laufspielzüge runter, und SMU fand dagegen kein Mittel – und holte sich vor allem keine Turnovers.

16-0 zur Pause, in Halbzeit zwei kam SMU langsam auf, obwohl Padron immer wieder sinnlose INTs einstreute. Zwei sehenswerte Touchdown-Pässe Padrons, aber vier Minuten vor Schluss setzte der Kicker den Ball aus 47yds links vorbei. Die Army lief die Uhr runter. Der entscheidende Spielzug war am Ende ausgerechnet ein Pass durch QB Steelman – seine zweite Completion. Die zweite. Steelman warf 7x, 2x complete für 30yds. Army mit einem nicht unbedingt erwarteten Sieg.

Bowl Season 2010/11, Tag 12: Die Schüsseln werden größer – Das Vorabendprogramm zu Neujahr

Neujahrstag ist Großkampftag im College Football. Nicht weniger als sechs Bowls werden veranstaltet. Vorab ein kleiner Überblick über das Geschehen:

TicketCity Bowl: Texas Tech – Northwestern, 18h
Outback Bowl: Penn State – Florida, 19h
Capital One Bowl: #9 Michigan State – #16 Alabama, 19h
Gator Bowl: #21 Mississippi State – Michigan, 19h30
Rose Bowl: #3 TCU – #5 Wisconsin, 23h live bei ESPN America
Fiesta Bowl: #7 Oklahoma – Connecticut, 02h30 live bei ESPN America

Sechs Bowls, und nur zwei sind live bei ESPN America?

Nun, ich habe dafür ausnahmsweise Verständnis: In der NHL findet um 19h die „Winter Classic“ statt. Das allein ist Grund genug für eine Live-Übertragung von Eishockey. Was es einen no brainer macht: Es ist Pittsburgh Penguins – Washington Capitals angesagt. Crosby vs. Ovechkin. Ich erinnere an das fantastische Spiel vom letztjährigen Superbowl-Aufwärmprogramm und an das ebenso sehenswerte Spiel vom vergangenen Donnerstag.

Die beiden Live-Bowls sind auch gleich die ersten BCS Bowls. Dazu in einem eigenen Blogeintrag mehr. Vorab der erste Viererpack an Bowls in der Vorstellung, beginnend wieder mit Seminole, die über die Outback-Bowl schreibt – mit Florida States großem Rivalen Florida.

Outback Bowl

Sa., 1.1.2011 um 19h. Als Tape bei ESPN America am Sonntag, 2.1. um 10h30

Florida Gators – Penn State Nittany Lions

Gestern gings um gefüllte Hühner. Heute wechseln wir von der Hühnerfabrik ins Steakhaus. Welcome to the Outback Bowl! Outback ist eine Imbiss-Kette, serviert in gekünstelt urig gehaltenen Restaurants auf. Und Outback kommt aus Tampa. Dort wird der Outback Bowl auch ausgespielt. Heuer garniert mit ganz großen Namen. Auf der einen Seite die Pennsylvania State University mit Coach Joe Paterno. Auf der anderen Seite die University of Florida, wo ein anderer ganz großer Trainer seinen letzten Weg geht: Urban Meyer.

Florida ist nicht gleich Florida State. Die Übersetzer der Simpsons sind nicht imstande, Florida State und Florida zu unterscheiden. Dabei handelt es sich um zwei sehr rivalisierte Unis. Die Florida Gators sind auf dem FSU-Campus *hust* nicht die beliebteste Footballmannschaft, wenn ich das so sagen darf.

Tschüss, Urban! In den letzten Jahren waren sie uns deutlich überlegen, eben auch dank Urban Meyer, dem jungen Mann im Bild. Und dank Tim Tebow. Ich erinnere mich mit Grauen an das Heimdebakel vor zwei Jahren gegen die Gators. Tebow ist weg, und schon sind die Gators nur noch die Hälfte wert. Jetzt ist auch noch Meyer zurückgetreten, aus einem Mix aus gesundheitlichen Problemen und Burnout. Meyer coacht die Outback Bowl, sagt dann aber Tschüss und auf Nimmerwiedersehen. Es ist nur Meyer und seiner Bescheidenheit zu verdanken, dass ich einen Funzen Zuneigung für Florida empfinde. Der Neue wird dann Will Muschamp sein, Defensivcoach in Texas. Muschamp ist einer der besten Kumpels vom Seminoles-Coach Jimbo Fisher. Die Welt ist klein.

Keep on, Joe! Auf der anderen Seite läuft der steinalte Joe Paterno an der Seitenlinie entlang. Als Paterno jung war, hat Fred Feuerstein noch seine Wilma durch die Gegend gekarrt, haben Spechte einen auf Disc Jockey gemacht und statt Hausfrauen Mammuts die Wohnung gesaugt. Paterno ist seit Dienstag 84. Dieses Spiel ist sein 37. Bowl. 24 hat er bisher gewonnen, mehr als jeder andere Coach. Wer mehr wissen will: korsakoff hat ihn vor Zeiten mal durchleuchtet.

JoePa und seine Frau mit dem klingenden Nick SuePa sind sowas wie die grauen Eminenzen, die lebendem Beweise, dass auch in der Urzeit bereits Football gespielt wurde und es auch mal ohne Totalvermarktung Sport gegeben hat. Ein ganz, ganz großer Trainer, den man für seine Energie einfach nur bewundern kann. Und ein Trainer, der im Gegensatz zu Meyer viel, sehr viel Wert darauf legt, dass seine Jungs sich gebildet verhalten und dass seine Jungs sich schulisch bilden.

Für die kulturell Interessierten. Während meines Highschool-Auslandssemesters hat mich der Host Daddy mal auf den Campus der Penn State mitgenommen. Ein schönes, weitläufiges Gelände. Florida State und Florida können da nicht mithalten. Wer mal in die Nähe von University Park kommt und wem was an amerikanische Uni-Campi (?) liegt, der darf sich das schon mal anschauen.

Prognose: Am 1. Jänner – Penn State Nittany Lions gegen Florida Gators. Berglöwen gegen Krokodile. Es dürfte klar sein, wo meine Präferenzen liegen. Aber auch ohne Daumendrücken sollte Penn State das Spiel eigentlich gewinnen.

Ich lasse das mal so stehen. Zu den anderen drei Bowls, die alle auf die Tage nach Neujahr verteilt bei ESPN America aufgezeichnet werden.

TicketCity Bowl

4.1. um 10h30 als Tape bei ESPN America

Texas Tech Red Raiders – Northwestern Wildcats

Eine neu geschaffene Bowl und das aus einem Grund: Die Cotton Bowl Classic ist aus Dallas nach Arlington in das monströse Cowboys-Stadium abgewandert. Die altehrwürdge Cotton Bowl (WM-Stadion 94, u.a. Deutschland-Südkorea) hat sich nach Ersatz umgesehen und die TicketCity Bowl eingeführt. Sie findet um 11h Ortszeit statt.

Die Texas Tech Red Raiders (Big 12) treffen auf die Northwestern Wildcats (Big Ten). Die Northwestern ist eine der akademisch am höchsten angesehenen Unis. Das Footballprogramm dümpelt seit Jahrzehnten vor sich hin. Seit dem Rose-Bowl-Sieg von 1949 hat man nur mehr selten Bowls gespielt und keine einzige davon gewonnen. Heuer war es eigentlich eine ganz ansprechende Saison, bis sich QB Dan Persa verletzte. Die Ersatzmänner sind sehr unerfahren und die Offense Line nicht prall. Das Laufspiel wird komplett dezimiert sein: Verletzungen und Spielerabgänge führen dazu, dass 1227 von 1798 rushing yards nicht einsatzfähig sein werden.

Texas Tech hat andere Sorgen. Nach dem elegant gelösten Theater um Mike Leach vor einem Jahr stand Nachfolge-Coach Tom Tuberville lange Zeit vor dem Absprung Richtung Miami. Tuberville bleibt, aber die Defense ist extrem löchrig und fängt sich extrem viele Yards und Punkte ein. Zum Glück ist die Wildcats- Offense sehr ausgedünnt. Offensiv sind die Red Raiders passgewaltig (QB Taylor Potts 3357yds, 31 TDs, 9 INTs). Ich tippe auf einen klaren Sieg von Texas Tech im „Heim-Bowl“ (der Campus ist 6 Autostunden vom Stadion entfernt).

Capital One Bowl

2.1. um 8h als Tape bei ESPN America

#9 Michigan State Spartans – #16 Alabama Crimson Tide

Die Nachfolgerin der Citrus Bowl – und ausgespielt in der Citrus Bowl in Orlando (remember: Champ Sports Bowl vor einer Woche). Sportlich ist es ein hochwertiges Duell. Alabama hat „nur“ eine 9-3 Saison in der SEC gespielt und über weite Strecken nicht sooooo überzeugend. Niederlagen gegen South Carolina und Lousiana State machten die BCS-Hoffnungen zunichts. Aber nichts war bitterer als die fassungslose 27-28 Schlappe gegen Auburn in der gehypten „Iron Bowl“ – eine unglaubliche Niederlage vor allem wegen der 24pt-Führung und der erdrückenden Dominanz.

Alabama ist für mich besser als #16. Das Laufspiel um die RBs Mark Ingram (Heisman Trophy 2009) und Trent Richardson ist durchaus stark, das Passspiel ist dazu nur die Ergänzung. QB Greg McElroy ist einer, von dem ich nicht weiß, was ich davon halten soll. Mal spielt er sehr blass, mal wieder recht souverän, aber insgesamt halte ich nicht allzu große Stücke auf McElroy. Auf jeden Fall ist er einer, der lieber den riskanten Pass scheut als eine INT zu werfen. Top-WR ist Superstar Julio Jones (75 Catches, 1084yds, 7 TDs), den wir unter Garantie ganz weit vorne im NFL Draft sehen werden, vielleicht in den Top 10. Eine große Stärke der Offense: Sie gibt den Ball nur selten her. Es sei denn, sie spielt gegen Auburn. Die Defense der Crimson Tide ist knackig, angeführt vom DT Marcel Dareus, auch so ein zukünftiger hoher Draftpick. Stärke der Defense: Sie macht viele INTs und ist eine einzige Mauer gegen den Lauf. Es sei denn, sie spielt gegen Auburn.

Michigan State hat die Big Ten punktegleich mit Ohio State und Wisconsin gewonnen, spielt aber als einzige Uni des Trios nicht in einer BCS Bowl. Grund: BCS #9 war zu wenig! Die Spartans werden angeführt von QB Kirk Cousins, eigentlich ein solider Mann, aber gegen Saisonende doch eher fehleranfällig. Gegen die hungrige Bama-Defense sollte der Mann aufpassen, zumal der Top-Receiver ausfällt. Für Michigan gilt Ähnliches wie für Alabama: Gutes Laufspiel, gute Defense, angeführt vom MLB Greg Jones.

Viele Gregs und Jones’ laufen da by the way herum…

Interessante Komponente: Alabamas Coach Nick Saban war vor 15 Jahren Head Coach an der Michigan State University. Sabans Assistent damals: Mark Dantonio. Heutiger Head Coach der Spartans: Mark Dantonio. Dantonio hatte anfangs der Saison einen Herzinfarkt. Die Spartans haben sich davon nicht abschrecken lassen und danach Vollgas gegeben, u.a. mit Siegen über Wisconsin, Michigan und Penn State. Einzig die ärgerliche Niederlage gegen Iowa machte alle Rosebowl-Hoffnungen zunichte.

#9 gegen #16. Ich sehe Alabama trotzdem als Sieger aus dem Spiel hervorgehen, und zwar nicht mal besonders knapp.

Gator Bowl

3.1. um 11h als Tape bei ESPN America

#21 Mississippi State Bulldogs – Michigan Wolverines

Nach Michigan State auch noch Michigan. Die Wolverines sind ein traditionelles und sehr populäres Team. In den letzten Jahren aber auch zu erfolglos und verstrickt in interne Zwistigkeiten und Affären rund um Head Coach Rich Rodriguez (Stichwort: knallharte Trainings und Überschreitungen der maximalen Trainingszeit). Auf mich wirkt es, als ob Michigan Rodriguez lieber heute als morgen los wäre. Rodriguez ist bei den Spielern allem Anschein nach auch nicht der Beliebteste und es ist nicht ausgeschlossen, dass dieses Spiel Einfluss auf die Jobaussichten von Rich Rodriguez hat…

Auf der anderen Seiten haben die Bulldogs einen Coach, der überall begehrt ist: Dan Mullen, der jüngst auch bei den Florida Gators als HC im Gespräch war.

Die Bulldogs werden in dem Spiel Acht geben müssen auf den explosiven QB der Wolverines, Denard Robinson. Robinson spielte zu Saisonbeginn gewaltig auf, ist ein Sprinter mit Wurfarm, aber insgesamt ist Robinson (noch) zu unkonstant und lauf-fokussiert. Robinson ist vor allem unglaublich wendig und stolpert nur selten, obwohl der Mann stets mit offenen Schuhlitzen spielt.

Mississippi State hat schon gegen Cam Newton gespielt – und Newton damals im September halbwegs ordentlich unter Kontrolle gehalten. Aber Robinson ist athletisch noch einmal eine Kategorie höher anzusiedeln, wenn auch nicht ganz so souverän im Einsetzen seiner Lauf-Fähigkeiten.

Ich bin mir ob des Spielausgangs nicht sicher. Michigan ist offensiv nur Denard Robinson und hat in der Defense arge Probleme offenbart. Die Bulldogs kenne ich viel zu wenig. Ich würde eher auf einen Bulldogs-Sieg tippen.

Bowl Season 2010/11, Tag 11: Seminoles, Baby.

Silvesterabend, halb zwei Uhr: Die Florida State Seminoles spielen. Footballfan mit weiblichen Schwingungen Seminole, im Leben außerhalb von Bits und Bytes einfach nur die Sabine, ist eine ehemalige FSU-Studentin. Ihr Senf zum Thema „Football an Silvester“.

Chick-fil-A Bowl

Fr./Sa., 31.12. um 01h30 live bei ESPN America

#23 Florida State Seminoles – #20 South Carolina Gamecocks

Das Neueste zuerst: Mädchen shoppen gerne! Hierzulande und übern Teich, überall dasselbe. Auch in Tallahassee, Floridas Hauptstadt und Heimat der Florida State University. So war die Mall am Governor’s Square, 2km vom Campus, immerzu ein attraktiver Ort… An so einer Mall darf in Amiland kein Schnellimbiss fehlen. Willkommen bei Chick-fil-A. Dort, wo sie dir die Hühnchen nachschmeißen, dass McDonalds vor Neid erblasst.

Ein paar Kilometer weiter nördlich, in Atlanta, hat Chick-fil-A seine Zentrale. Atlanta ist auch der Ort, wo seit den 60ern der Peach Bowl ausgespielt wurde. Peach wie der gute alte Pfirsich. Vor ein paar Jahren kaufte sich Chick-fil-A den Namen des Pfirsich-Bowls und so läuft er jetzt nicht mehr unter Steinobst, sondern unter „Gefülltes Huhn ohne Champignons“.

Chick-fil-A Bowl: s’Hühnchen rupfen!

Ich könnte kotzen. Nicht bloß, weil ich das Zeug nicht gemocht habe. Sondern wegen der Terminansetzung. Silvesternacht um halb zwei. Wer schaut sich um die Zeit ein Footballspiel an? Obwohl die FSU spielt: Da hülft nur das nette Tape.

Die Köpfe: Die FSU wird Quarterback Chris Ponder verabschieden. Er geht in die NFL. Der neue Coach Jimbo Fisher hat schon den Nachfolger gefunden: EJ Manuel wird uns in Zukunft führen.

Sicher nicht in die NFL wird Avis Commack gehen, obwohl ich es mir wünschen tät. Ich hab Avis bei einer kleinen Soiree kennengelernt. Avis war damals Freshman und eigentlich Hürdensprinter. Obwohl er High-School-Champion in Florida war, ging bei ihm trotzdem nix über Football. Avis, Wide Receiver und mit Stipendium ausgestattet. Gespielt hat er nicht wirklich oft, Bälle hat er kaum welche gesehen. Mittlerweile ist er zum Cornerback umfunktioniert. Heuer hatte er einige Probleme – im Winter brach er sich beim Sprinten den Oberschenkel. Ich hoffe mal auf ein paar Plays Einsatz. Avis, lauf soweit dich deine Beine tragen!

Die Geschichte: Auf alle Fälle geht es wieder aufwärts mit den Noles. Die ganz große Zeit war in den 80ern und 90ern unter Trainerlegende Bobby Bowden. Die FSU war damals das dominante Team im College Football, und das landesweit. In den letzten Jahren haben die ganz großen Erfolge gefehlt, und deswegen nahm Bobby Bowden im letzten Jahr auch seinen Hut, mehr gezwungen, denn freiwillig. Unter Jimbo Fisher ist es heuer wieder aufwärts gegangen. Das Doak Campbell Stadium ist wieder dauerausverkauft und der Sound im Stadion wieder gefürchtet. Dieser Bowl kann trotz Chris Ponders Abschied nur Zwischenstation sein.

Die Anderen: Was vergessen? Gegner der Noles wird South Carolina sein. NFL-Fans werden Steve Spurrier kennen. Spurrier hat in den 90ern mit Offensivspektakel für viel Action bei den Florida Gators gesorgt und eine Handvoll legendäre Spiele gegen die FSU gespielt. In der NFL ging als Redskins-Trainer aber gar nichts. Jetzt ist Spurrier seit ein paar Jahren mäßig erfolgreich bei South Carolina. Heuer schaffte er es ins SEC-Finale, aber Cam Newton war dort dann doch zu gut. Für die Noles wird es ein Wiedersehen mit Spurrier und die Erinnerung an die Glanzzeiten.

Die Hühnchen: Ah ja – die Footballer von South Carolina schimpfen sich übrigends Gamecocks. Gamecock wie Hahn. Was tischt Chick-fil-A noch mal auf?

Genau die richtige Bowl für die Seminoles, die Hühnchen zu rupfen… Vorwärts, Seminoles!

So weit Sabines Geschichten. Zum Sportlichen:

Florida State hat mich heuer nicht überzeugt, und trotzdem stimme ich dem Punkt „Aufwärtstrend“ zu. Die Defense ist kein Vergleich zum Vorjahr, wenn auch noch verbesserungswürdig gegen den Lauf. In der Offense wird trotz eines QBs wie Chris Ponder gelaufen. Viel gelaufen. Ponder hat Probleme mit seinem Ellbogen und wird gegen die Gamecocks vielleicht gar nicht spielen – man will seine Zukunft in der NFL nicht aufs Spiel setzen. Meines Ermessens größte Stärke der Seminoles: Die Offense Line. Guard Rod Hudson wurde von ESPN ins All-America Team verufen.

South Carolinas Offense ist recht sexy. QB Steve Garcia ist großgewachsen und wurfstark, aber diese Aussetzer immer wieder… Kein konstanter QB und für mich nichts für die NFL. RB Marcus Lattimore ist der Meistbeschäftigte in der Offense mit 1198yds und 17TDs. Star der Offense ist aber WR Alshon Jeffery (1387yds, 9TDs), der für die Hälfte aller Passyards zuständig ist. Ein Receiver, den wir garantiert in der NFL sehen werden, aber frühestens 2012. Jeffery ist Sophomore – ein erschreckender Gedanke.

Ich würde die Theorie des Grillfestes nicht unterstützen. Für mich ist South Carolina recht eindeutig favorisiert.

Die anderen Bowls zu Silvester

Silvester heißt im Hause korsakoff: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Das Gastgewerbe ist gnadenlos und lässt keine Feier zu – nicht bis zwei Uhr nachts. Von daher für mich doppelt kein großer Bowl-Abend. Ein paar Notizen zum restlichen Geschehen im College Football an dem Abend.

Meineke Car Care Bowl, 31.12. um 18h live bei ESPN America. Die Clemson Tigers (ACC) spielen gegen die South Florida Bulls (Big East). Ein Duell zweier schlechter Offenses. Dafür treffen hier bombige Defenses aufeinander. Stärke der Tigers-Defense: Schnelligkeit und Flinkheit. Angeführt werden sie von DE Da’Quan Bowers, der in den Top 10 gedraftet werden wird. Die Bulls gelten als Defense des Typs „Ravens“: Gnadenlose Hits, viele blaue Flecken. Kickoff um 18h MEZ – könnte sich also für Dinner for One in der Halbzeit ausgehen…

Hyundai Sun Bowl, um 20h, aber bei uns erst am Neujahrstag um 14h30 in der ESPNA-Aufzeichnung zu sehen. Zwei ganz große Namen treffen aufeinander: Die Miami Hurricanes und die Notre Dame Fighting Irish. College-Football-Glamour, aber leider nur Glamour vergangener Tage. Miami spielte trotz guter Recruitings in den letzten Jahren eine ganz schwache Saison (7-5 mit einem Debakel gegen die FSU), schmiss daher den schwarzen Head Coach Randy Shannon raus. Der Neue ist Al Golden, dessen Vita die Umkrempelung von Temple ausweist. Miami läuft viel, scort aber wenige Punkte. Emotionale Komponente: Vor ein paar Tagen starb die Mutter von RB Mike James bei einem Autounfall.

Notre Dame hat nach den unseligen Jahren unter Charlie Weis den ehemaligen Cincinnati-Coach Brian Kelly eingestellt. Kelly lässt ein extrem schnelle Offense spielen, aber die Resultate waren heuer eher durchwachsen. 7-5. Einige gute Spiele waren dabei: Nur knappe Niederlage gegen Michigan State, Sieg gegen Utah. Insgesamt aber trotz vieler Pass-Yards zu wenige Punkte. Positiv: QB Nate Montana (der Sohn von Joe) hat seine Football-Karriere hingeschmissen. Montanas Pässe waren einfach grausam.

Mein Favorit ist Miami.

AutoZone Liberty Bowl, 21h30 live bei ESPN America. Die Central Florida Knights haben die Conference USA gewonnen und sind noch ein recht junges Programm in der FBS, bisher noch kein Bowl-Spiel gewonnen. Die Georgia Bulldogs sind ein sehr großes Programm, aber seit dem Abgang von QB Matt Stafford etwas in der Krise – und mit einem Coach Mark Richt, der als dead man walking gilt. Das wichtigste Duell in diesem Spiel: UCFs Laufspiel (#25) gegen die miserable Lauf-Defense der Bulldogs.

Bowl Season 2010/11, Tag 5: Aloha!

Für die Eiskalten, die sich selbst an Heiligabend Football reinziehen. Herumfliegende Eier auf Hawaii.

Sheraton Hawai’i Bowl

Fr../Sa.., 24.12. um 02h live bei ESPN America und am 25.12., 22h30 als Tape

Hawaii Warriors – Tulsa Golden Hurricane

Welcher Sponsor könnte zur Ferieninsel besser passen als Sheraton? Und welche Mannschaft könnte auf Hawaii eher Fans ins Stadion bringen, als die heimischen Warriors? Die Hawaii Bowl ist ein sehr junges Spiel, erst zum neunten Mal ausgetragen, nachdem frühere Bowls auf Hawaii abgewandert oder gecrasht sind.

Zum sechsten Mal sind die Hawaii Warriors dabei, die automatisch für diese Bowl qualifiziert sind, sollten sie sechs Siege haben und nicht wie 2007 in die Sugar Bowl einziehen. Die Warriors sind für die Veranstalter auch eine Garantie, dass wenigstens drei Viertel des Aloha Stadiums gefüllt werden. Als letztes Jahr der beliebte June Jones nach Hawaii zurückkehrte, waren es insgesamt nur mickrige 30.000, die zuschauen kamen.

Heuer sind die Warriors wieder dabei. Und sie sind nach zwei schwachen Jahren wieder auf Vordermarsch. Unter Jones-Nachfolger Greg McMackin ist die Philosophie die gleiche geblieben: Pass first, think later. McMackin ist zwar eher der defensivorientierte Coach, aber unter OffCoord Nick Rolovich funktioniert heuer die Offense wieder blendend.

Hauptverantwortlich dafür ist QB Bryant Moniz mit 4629yds (!) durch die Luft, 36TDs und 12 INTs. Die Warriors haben zwei WRs mit mehr als 1300yds, der bessere ist Greg Salas (1675yds, 12TDs), der so was wie den Wes Welker gibt – Notnagel auf der kurzen Route mit vielen Yards nach dem Catch. Hawaii hat heuer 10-3 Siege eingefahren. Niederlagen gab es nur gegen die USC, in Colorado und bei Boise State. Das Spiel gegen die Broncos sticht in die Stats sofort heraus: Hawaiis Super-Offense wurde damals komplett abgewürgt: Ganze 127 Pass Yards, knapp ein Drittel des Schnitts!

Auf der anderen Seite kommt Tulsa (Conference USA, 9-3) daher, eine Uni fast so klein wie die meinige (ganze 4000 Studierende), aber ein stark offensivorientiertes Team in einer Spread Offense. 284 Yards durch die Luft stehen 215 am Boden gegenüber. Dabei fällt auf, dass die Lasten auf extrem viele Schultern verteilt sind. QB G.J. Kinne wirft viel (3300yds, 28TDs), aber kein Receiver hat mehr als 771 Yards gefangen. Dafür haben acht Receiver mehr als 200yds. Ähnlich beim Laufspiel: Kinne ist #1 mit 557yds, danach folgen fast zwei Handvoll Running Backs mit ein paar hundert Yards.

Beide Teams werfen viel und das birgt Gefahren. Die Defenses sind nicht grad als undurchdringlich bekannt, fangen aber viele Bälle ab: Hawaii im Schnitt zwei pro Spiel, Tulsa hatte immerhin 19 in der Saison.

Hawaii ist 11pt-Favorit. Wäre ich eine Spielernatur, ich würde die Wette annehmen.

Zur Bowl-Season-Übersicht geht es hier entlang.

Las Vegas Bowl 2010 in der Nachbetrachtung

Ich warne vor Spoiler.

 

 

Der Zeitpunkt der Spielansetzung war für europäische Zustände unchristlich, aber ich habe mir die Las Vegas Bowl trotzdem live gegeben. Es hat sich nur bedingt gelohnt. Die spielerische Klasse war definitiv nicht da. Die Spannung auch nicht. Der Unterhaltungswert der Las Vegas Bowl 2010 zog sich aus einer Orgie von Pleiten, Pech und Pannen und einigen Schlägereien nach ein paar unglücklichen Pregame-Statement via Mikro und Twitter.

Vorausgeschickt: Respekt an die Defense der Utah Utes. Kyle Whittinghams Jungs haben mit diszipliniertem Pass Rush und aggressivem Draufgehen auf die Ballträger die Offense der Boise State Broncos vergleichsweise gut unter Kontrolle gehalten. QB Kellen Moore musste vor allem zu Beginn des Spiels einige sehr überhastete Bälle werfen, von denen einige sehr gefährlich in die Nähe der Defensive Backs flogen und einer ganz abgefangen wurde.

Die Broncos kamen lange Zeit offensiv einfach nicht in Gang. Erst Mitte des zweiten Viertels sorgte ein toller Lauf von RB Doug Martin für die Wende. Boise State bis dahin mit drei Ballverlusten, aus denen die Utes nur drei Punkte schlagen konnten. Der Lauf über 84yds war so was wie der Knackpunkt. In Viertel #2 überrollten die Broncos Utah plötzlich. Bei einem Pass in die Endzone auf WR Titus Young hatten die Utes noch mal Glück, als Young mit einem Zeh auf der weißen Linie war. Sonst hätte der Halbzeitstand trüber ausgesehen als 16-3.

Die Utes spielten ohne ihren etatmäßigen QB Jordan Wynn, und der Backup Terrance Cain brachte nur sehr wenig zustande. Die Utes versauten meist schon das 1st down. Nicht nur einmal wurde Cain bei den einfallslosen Option-Spielzügen mit -10yds bestraft. Vor allem der Safety der Broncos, #17 Winston Venable, hat mir auf seinen Blitz-Routen gefallen. Starker Mann, aggressiv und kein Tackle verpassend. Lieber NFL-Scout, hoffentlich haben Sie zugeschaut.

Utah oft mit 2nd und plusminus 20, daraus folgenden langen dritten Versuchen und vielen Drives, die daher praktisch keinen verwerteten 3rd downs. Zwei von 13, um genau zu sein. Eine unterirdische Quote, aber bei Betrachten nicht verwunderlich. Boise States Defense machte die Drives fast immer schon beim First Down zunichte.

Auf der anderen Seite wurden die Broncos offensiv immer dominanter, obwohl es nicht „rund“ wirkte. Immer wieder stießen die Broncos in die Redzone vor. Ergebnis: Ein einziger Touchdown (WR Austin Pettis) und ein Field Goal. Weitere Scores wurden eigenverschuldet zunichte gemacht. Einmal lief Pettis nach herrlichem Slant-Pass in die Endzone, aber an der 2yds Line wurde der Ball aus der Hand geschlagen. Young griff sich das herumkullernde Ei, aber um wenige Zentimeter aus dem Spielfeld – Touchback.

Ein kurzes Field Goal Brotzmans geblockt. Bei einem Punt-Fake den Ball obwohl meilenweit allein auf weiter Flur den Ball fallengelassen. Auf der anderen Seite machten sich die Utes Drives auch selbst kaputt. Fumble, Holding beim Touchdown-Pass, verkicktes Field Goal aus 36yds.

Es war kein gutes Spiel, aber unterhaltsam, weil beide Mannschaften keinen Wert drauf legten, das Ei zu beschützen. 6-7 Fumbles, eine Serie an verpassten Möglichkeiten, eine Serie von Strafen zur Unzeit, vor allem auf Utahs Seite. Am Ende ein hochverdientes 26-3 für Boise State, aber man muss klar sagen: Mit dieser Vorstellung hätten die Broncos auch nicht in eine BCS Bowl gehört. Trotzdem machte BSU 543yds Offense und 23 First Downs.

Utah wird nun in die Pac-12 wechseln. Die Utes sollten froh sein, dass QB Wynn Sophomore ist. Cain hat sich nicht wirklich als Alternative aufgedrängt. Aber die Defense hat insgesamt ordentliche Arbeit geleistet.

Für Boise State wird es bitterer. Vor allem in der Defense wird es einen Aderlass geben. In der Offense werden beide Top-WR, Young und Pettis, die Mannschaft verlassen. Aber schlimmer: Aufgrund der völlig unnötigen Niederlage gegen Nevada wird die Mannschaft auch in der kommenden Saison mit Argusaugen betrachtet werden. Jede Wette. Diese verschossenen Field Goals hängen noch lange nach. Und die Recruitings schauen bisher nicht sooo überragend aus.

Spieler der Saison in Boise ist für mich QB Kellen Moore. Extrem gelassener Mann, mit präzisen Würfen und der Möglichkeit, auch rattenscharfe tiefe Bälle zu werfen (ich erinnere an die Bombe gegen Nevada mit neun Sekunden auf der Uhr!). Moore sollte NFL-kompatibel sein, mit Sicherheit NFL-kompatibler als Vorgänger QB Jared Zabransky. Die Kommentatoren sprechen Moore eine solide Backup-Karriere in der NFL zu. Wenn ein Daniel McCoy in Cleveland starten kann, warum nicht Moore an einem besseren Ort? Aber erstmal sollte Moore noch sein Senior-Jahr spielen.

So long. Boise State, auf ein Neues 2011.

Bowl Season 2010/11, Tag 4: Im Zeichen des Weihnachtssterns

Am vierten Spieltag der Bowl Season zeigt der Weihnachtsstern nach Südkalifornien. San Diego ist dran…

San Diego County Credit Union Poinsettia Bowl

Do./Fr., 23.12. um 02h, bei ESPN America nur als Tape: Am 24.12. um 10h30

San Diego State Aztecs – Navy Midshipmen

Es ist ein Bowl-Spiel, das eigentlich keiner braucht. Außer San Diegos Tourismus-Strategen. San Diego besitzt bereits eine Bowl – die Holiday-Bowl, die einen Tag vor Silvester ausgespielt wird. Im Bemühen, so was wie „Festwochen“ aufzuziehen und den Tourismus anzukurbeln, haben die Südkalifornier 2005 erstmals die Poinsettia Bowl ausgerufen.

„Poinsettia“ wie „Weihnachtsstern“. Die Bowl wird einen Tag vor Heiligabend ausgespielt, und keiner geht hin. Das riesige Qualcomm Stadium ist nie mehr als halb gefüllt: Der Zuschauerrekord steht bei knapp 40.000. Trotzdem setzt die Stadt durch die Bowl ca. 11 Millionen Dollar um. Einmal machte sie von sich reden, 2008, als sie mit #9 Boise State und #11 TCU beide Teilnehmer höher gerankt hatte als die große Orange Bowl.

Heuer sind wir von solchen Größen meilenweit entfernt. Es treffen aufeinander die San Diego State Aztecs und die Navy Midshipmen. Bei der Navy weiß man, wie man dran ist: Knallharte Triple-Option und Laufspiel bis zum Abwinken. Dreh- und Angelpunkt dabei: QB Ricky Dobbs, der in der kompletten Saison ganze 74 Pässe komplettiert hat, aber dabei 1380yds und 12 TDs gemacht hat. Dobbs ist auch der Mann mit den meisten rush yards bei der Navy (860yds, 13 TDs). Die Navy erzielt insgesamt 288yds am Boden pro Spiel, #5 landesweit.

Heuer hat sie erstmals die Chance, zweimal in Folge mit 10 Siegen abzuschließen. Insgesamt war der Spielplan aber recht mau.

San Diego State war jahrelang eines der schlechteren Footballprogramme, bis vor zwei Jahren Brady Hoke von der Ball State University nach San Diego kam. Hoke verbesserte ein dahinsiechendes Programm schlagartig in der Defense und so kommt es, dass die Aztecs zu den besseren Lauf-Verteidigungen gehören.

Auch offensiv hat SD State einiges zu bieten. QB Ryan Lindley hat ein starkes Junior-Jahr gespielt, 26TDs und weit über 3000yds. Lindleys zwei Top-Receiver heißen DeMarco Simpson (65 Catches, 1175yds, 8TDs) und Vince Brown (61 Catches, 1187yds, 9 TDs) und haben fast identische Statistiken. Brown gilt als zukünftiger NFL-Spieler. Zum passgewaltigen Angriff gesellt sich mit dem Freshman-RB Ronnie Hillman ein aufstrebender Läufer (1304yds, 14TDs).

San Diego State kann man durchaus als eine der Überraschungen der Saison sehen. 8-4 in der Mountain West Conference ist durchaus respektabel. Was auffällt: Sogar gegen die Big Players wurde ordentlich mitgehalten. Missouri gewann erst durch einen langen Touchdown-Pass in der letzten Minute, Brigham Young nur mit drei Punkten, #19 Utah mit vier, #3 TCU mit fünf Punkten.

Ich bin überrascht, dass die Aztecs nur als 4pt-Favorit gehandelt werden. Mit dieser Offense, dieser Laufdefense und dem Heimvorteil im Rücken sollte es ein klarer Erfolg für San Diego State werden.

Gespannt darf man auch sein, wie viele Zuschauer kommen. Die Poinsetta Bowl ist wie gesagt eher schwach besucht, und auch die Aztecs, die im Qualcomm Stadion daheim sind, bringen dort im Schnitt kaum mehr als 30.000 Leute rein…

UPDATE: Die Umgebung des Stadions ist ziemlich überflutet. 24h Zeit, um die Wassermassen abzusaugen und wenn ich mir das so anschaue, könnte eine nicht allzu große Zuschauermenge schon hilfreich sein.

Die anderen Bowls sind im Übersichtsblog zu finden.

Bowl Season, Tag 2: Battle of Birds I

Nein, es geht nicht um Steaks oder den Patriots-QB, wenn man von Beef ‚O’ Brady Bowl spricht. Es geht hier schlicht um den Sponsor der St. Petersburg Bowl. Beef ‚O’ Brady, was ein göttlicher Name für eine Restaurant-Kette. Was ein herrlicher Name für diese junge, sehr „künstlich“ wirkende Bowl:

Beef ‚O’ Brady’s Bowl St. Petersburg

Di./Mi., 21.12. um 02h, bei ESPN America am Mittwoch, 22.12. um 16h30 als Tape

Louisville Cardinals – Southern Mississippi Golden Eagles

Gespielt wird auf dem ungeliebten Tropicana Field, ein Baseball-Zelt der Tampa Bay Rays. Die Rays kriegen die Halle selbst in erfolgreichen Spielzeiten kaum halb gefüllt. Nun also Universitätsfootball zwischen zwei zwar mittelmäßigen Mannschaften. Aber es gibt Reize: Die gemeinsame Geschichte und die Gegensätzlichkeiten.

Da wären auf der einen Seite die Louisville Cardinals aus der Big East, die mit ihrer 6-6 Bilanz daherkommen. Louisville hatte vor ein paar Jahren unter Kotzbrocken Bobby Petrino eine höchst erfolgreiche Zeit, die Ende 2006 fast im BCS-Finale geendet hätte. Am Ende wurde es „nur“ die Orange Bowl, wo in einem merkwürdigen Matchup Wake Forest aus dem Dolphins Stadium geprügelt wurde. Petrino verabschiedete sich nach diesem Spiel Richtung Atlanta und mit ihm der Erfolg (der nicht mit nach Atlanta zog).

Im vergangenen Winter machten sich die Verantwortlichen in Kentucky nach Jahren des Niedergangs auf die Suche nach einem neuen Coach. Fündig wurde man in Gainesville, Florida. Ein schwarzer Coach, ein Defensivgenie und ein Mann, der sich offen getraute, seine Rasse als Problem anzusprechen. Obwohl Charlie Strong eine weiße Frau geheiratet hat, wurde er jahrelang nicht als Coach verpflichtet. Louisville gab ihm die Chance, und Strong baute bei den Cardinals sofort eine dominante Defense, die nur sehr wenige Punkte zulässt: Knapp 19 pro Spiel, #15 landesweit.

Dafür ist die Offensive ganz schwach. Und das bei einer Uni, die QB Johnny Unitas und WR Deion Branch herausgebracht hat! Einzig das Laufspiel um RB Bilal Powell ist annehmbar: 1330yds, 10TDs. Powell fängt mit seinen Butterfingern aber keine Bälle. Die QB-Aufgabe teilen sich zwei Männer: Adam Froman und Justin Burke. Beide mit durchschnittlichen Stats. Alle drei sind Seniors. Strong wird eine neue Offense bauen müssen.

Die zweite Vogelart an Floridas Westküste werden die Golden Eagles von der University of Southern Mississippi sein. Die fliegen durch die Conference USA, und zwar richtig: 263 Pass yds pro Spiel plus noch mal 203yds Rushing. QB Austin Davis ist aber auch flott auf den Beinen, 10 weitere Touchdowns am Boden.

Die USM hat heuer eine 8-4 Bilanz. Zwei Spiele wurden mit einem Punkt verloren, ein weiteres mit drei. Die Golden Eagles scoren Punkte. Aber Achtung: Louisville hat gegen Connecticut (immerhin Fiesta-Bowl-Teilnehmer) punktelos gehalten und 26-0 aus dem Stadion gefegt.

Beide Unis vereint Geschichte. Das geht zurück bis zu Brett Favres Universitätszeiten, also SEHR lange her. 🙂

1989 verpasste Louisville neun Sekunden vor Schluss in einem Kyle-Brotzman-Moment ein Fieldgoal beim Spielstand von 10-10. Und dann passierte Folgendes…

Zehn Jahre später zerstörte Southern Miss durch einen Fake Punt mit Pass zum QB Louisvilles Conference-Titelhoffnungen.

Diesmal also ein Treffen der beiden in einer Bowl. Louisville ist komischerweise Favorit. Ich würde eher den Eagles den Vorteil geben, aufgrund der zu schwachen Offense der Cardinals.

Bowl Season 2010/11: Das Programm steht

Die Bowl Season 2010/11 steht. Bei ESPN.com sind die 35 Bowl-Paarungen aufgelistet.

Es gibt auf den ersten Blick schon die eine oder andere sehr attraktive Paarung. Auf diesem Blog wird es in den nächsten Wochen möglichst viele Bowls vorgestellt geben.

Bowls? Gemach. Kommt alles noch, nach und nach. Für’s Erste ein Verweis hierauf.

Der Sendeplan von ESPN America steht. Zumindest bis zum 7. Jänner 2011. Hier zusammengefasst.