2012 BCS National Championship LIVE

[05h41] Endstand Alabama Crimson Tide 21, LSU Tigers 0.

Der zweite Sieg gehört den Alabama Crimson Tide, die neun Monate nach dem Tornado in der Heimatstadt Tuscaloosa wie 2009/10 BCS-Champion werden. Diesmal in etwas überraschender Manier herausgespielt: QB A.J. McCarron war der Mann, um den die Offense gebaut war – trotz Ausfalls des besten Wide Receivers – und OffCoord Jim McElwain kann sich zum Abschied (wird Chefcoach bei Colorado State) ganz fett hinter die Ohren schreiben, mit seinem GamePlan voll ins Schwarze getroffen zu haben – trotz ganzer 3/14 verwerteter 3rd downs. Der Titel geht jedoch trotzdem zum Großteil auf die Defense, die LSU nicht mal 100yds Offense gestattete. Die Zahlen:

Spielzüge:    ALA 69       LSU 44
Raumgewinn:   ALA 384yds   LSU 92yds
1st downs:    ALA 21       LSU 5
Ballbesitz:   ALA 35:26    LSU 24:34

Dazu kam eine extrem disziplinierte Vorstellung mit dem einzigen Penalty in der Garbage time kurz vor Schluss. Die LSU Tigers enttäuschten für mich – trotz des Außenseiterstatuses – auf ganzer Linie: Die Offensive Line sah gegen drei oder vier Mann der Tide kein Land und gab QB Jefferson null Zeit zum Reagieren. Es gab vor dem Spiel Diskussionen, ob die Associated Press (AP) als ihren National Champion nicht selbst bei einer Finalniederlage „LSU Tigers“ benennen sollte. Weil sich Menschen nicht vom letzten Eindruck lösen können, dürfte der Fall als geschlossen gelten und Alabama beide wichtigsten Polls (Coaches/AP) gewinnen.

[05h23] Alabama 21, LSU 0/Q4 4:36. Der erste Touchdown im achten Viertel von RB #3 Trent Richardson in seinem letzten Spiel für Alabama. Dann ist aber auch gut: Shelley versemmelt den Extrapunkt.

[05h14] Die Entscheidung folgt 6:15min vor Schluss mit Stil: #30 Hightower schlägt Jefferson den Ball beim 4th down frei und Alabama übernimmt. Es könnte übrigens das erste Shutout in der BCS-Geschichte werden, ausgerechnet für die Mannschaft, die den vielleicht eindrucksvollsten Weg ever ins Endspiel zurückgelegt hatte.

[05h10] BREAKING: LSU nach einem Jefferson-Scramble 8:03 vor Schluss zum ersten Mal in der Platzhälfte der Crimson Tide.

[05h09] BREAKING: LSU verwertet 8:22 das erste 3rd down in diesem Spiel.

[05h05] Nachdem QB McCarron beim 3rd down abgeschossen wird, steckt #7 Tyrann Mathieu beim folgenden Punt Return die Strafe auf dem Fuß ein und bezieht von einer Horde an Tacklern Prügel. Schön langsam Zeit, von der letzten Chance für Louisiana State zu sprechen. 9:44 to go.

[05h02] Es wird Zeit, die Abgesänge auf die Louisiana State Tigers anzustimmen. 0/8 bei 3rd downs, selbst ein kurzes 3rd-and-3 wird von der Front Seven im Backfield abgewürgt. Die Körpersprache an der Seitenlinie spricht eine Sprache, das anämische LSU-lastige Heimpublikum im Superdome eine andere. Die Tiger-Offense war noch nicht ein einziges Mal in der Platzhälfte Alabamas!

Drittes Viertel

[04h51] Alabama 15, LSU 0/Q3 0:22. Kaum geschrieben, nagelt Shelley ein 44yds-FG rein. Karrierebestleistung.

[04h47] Alabama sollte wenigstens die 23yds-Line erreichen. Shelley bisher bei Field Goals:

23yds GOOD
34yds GOOD
35yds GOOD
41yds GOOD
41yds missed
42yds missed

23yds-Line bedeutet 40yds-Field Goal – das scheint Smelleys Grenze zu sein.

[04h46] Alabamas Defense dominiert die Partie nach Belieben: LSU erneut mit einem langen dritten Down, zerbröselt die Pocket und sackt Jefferson erneut: LSU ist 0/7 bei 3rd downs. Bisher ganze 27 Plays für LSU für 59yds (!!). Nach einem schwachen Punt beginnt Alabama in LSUs Platzhälfte und man fragt sich, wann die Tiger-Defense angesichts der schieren Masse an Spielzügen für die „Roten“ nachgeben wird.

[04h41] K #90 Smelley diesmal wieder mit einem Fehlkick aus 41yds. Jefferson ist wieder dran, wird vom Publikum, das die INT-Maschine #12 Lee sehen will, ausgebuht.

[04h35] 6:59 im dritten Viertel und der erste ganz große Fehler der lendenlahmen LSU-Offense: QB Jordan Jefferson wird panisch, als der geplante Spielzug bricht, pitcht den Ball an seinem Running Back vorbei direkt in die Arme des dahinter stehenden Defensive Backs #32 CJ Moseley, dem Jefferson beim Tackle fast die Bänder im Knie abreißt. Alabama kriegt den Ball in exzellenter Feldposition.

[04h24] LSU mit dem leisen Versuch, ein tiefes Passspiel aufzuziehen, wird aber nach einem 1st down per Sack (#41 Upshaw) und guter Deckung gestoppt, muss punten und kassiert dort eine etwas harte Personal Foul-Strafe, weil der Punt Returner nach einem halbherzigen „Fair Catch“ physisch angegangen wird.

[04h16] Alabama 12, LSU 0/Q3 12:49. McCarron strahlt mittlerweile ein unglaubliches Selbstbewusstsein aus, findet erst #15 Hanks am linken Seitenrand, dann WR Kenny Bell bei einem intelligenten Screen-Pass inklusive Vorblocker. In der RedZone  stockt die Offense dann wieder, riskiert bei einem abgefälschten Ball die INT und nimmt wieder die drei Punkte mit.

Zweites Viertel

[03h58] LSU-Punter Brad Wing bisher mit fünf Punts für 253yds! Ein Schnitt von 50.6yds/Punt, was noch wichtiger wird, weil WR #4 Marquise Maze – der auch die Punts returniert – an der Seitenlinie so schlimm humpeln soll, dass ein weiterer Einsatz von Beobachtern bei Twitter ausgeschlossen wird.

[03h52] Halbzeit Alabama Crimson Tide 9, LSU Tigers 0.

Nochmal drei Punkte für die Alabama Crimson Tide nach einem für diese Art von MAtchup beeindruckenden Drive über QB #10 AJ McCarron, der diesmal weniger auf die Tight Ends setzt, dafür mehr auf die WR #15 Hanks und #83 Norwood mit richtig sehenswerten Catches.

Ein paar Statistiken zur ersten Halbzeit:

Spielzüge:    ALA 41       LSU 17
Raumgewinn:   ALA 225yds   LSU 43yds
1st downs:    ALA 13       LSU 1
Ballbesitz:   ALA 19:48    LSU 10:12

Einzig die Unfähigkeit, in der RedZone mehr als Field Goals zu schießen, hält bisher das Spiel knapp – für LSU ist jedoch noch nichts verloren. Ein einziges Big Play und die Tigers sind wieder dabei.

[03h40] Louisiana State wird erneut ohne 1st down gestoppt: Ein einziges 1st down für die Tigers, 31yds Offense in der kompletten ersten Halbzeit und schon zwei gefumbelte Snaps für QB #9 Jordan Jefferson. 1:59 vor Halbzeit übernimmt Alabama und wird wohl die Uhr runterlaufen lassen.

[02h32] Alabama 6, LSU 0/Q2 4:21. Einmal Schmunzeln für diese frappiernde Ähnlichkeit mit dem „Hinspiel“: Alabamas Offense ist deutlich erfolgreicher, diesmal auf eine andere Art und Weise (RB #3 Richardson mit 4 für 30yds), setzt häufig auf Läufe über links (OT Jones), aber in der RedZone kommt RB #42 Lacy zum Einsatz und wird gebremst. Wieder nur ein Field Goal.

[03h17] Murmeltiertag in New Orleans: Alabama verpasst mal wieder ein Field Goal – der 42yds-Versuch wird von einem Defensive Liner geblockt! Bis dahin überraschend, wie selten RB Richardson eingesetzt wird, wie gut die Crimson Tide mit ihren Tight Ends zu fahren kommen und weniger überraschend, dass Saban ein 4th-and-4 an der 32 per Fake-FG ausspielen ließ.

Erstes Viertel

[03h04] Mit dem ersten Big Play für die erstaunlich passlastigen Alabama Crimson Tide geht das erste Viertel zu Ende: McCarron mit dem heute bisher erfolgreichen Play-Action-Pass geht tief für #83 Norwood, der sich das Ei mit einem athletischen Sprung über CB #7 Mathieu herunterpflückt. Alabama bewegt den Ball in diesem Viertel deutlich besser als LSU, ist wieder in der Tiger-Platzhälfte.

[02h57] Obwohl die LSU Tigers wieder schnell gestoppt werden, deutet sich eine schnellere No-Huddle-Offense an – und bringt immerhin ein 1st down und gefühlt geht die Defense dann auch ein Spurenelement zögerlicher zu Werke. Beide Teams scheuen bisher auch nur den Versuch, auch nur ansatzweise mal einen tieferen Spielzug zu versuchen.

[02h51] Alabama 3, LSU 0/Q1 5:00. Obwohl ohne einen „richtigen“ Wide Receiver (Maze ist zum Check die Umkleidekabine gehumpelt), lässt Saban munter werfen, setzt seine Tight Ends ein. Beim dritten Down traut sich McCarron sogar einen Pump Fake in der hitzigen Pocket zu – incomplete. Der Kicker versenkt aus kurzer Distanz.

[02h44] Alabamas Defense geht aggressiv gegen die Option-Laufspielzüge der Tigers zu Werke, stoppt LSU nach 2yds Raumgewinn in drei Downs. Der anschließende lange Punt wird von #4 Maze an die LSU26 zurückgetragen, aber Maze – auch ein guter Receiver – humpelt bedenklich unrund raus.

[02h40] Alabama kommt mit quicken, schnellen Pässen auf das Spielfeld und hat mit zwei oder drei 1st downs auch einigen Erfolg. Viel interessanter: Man zwingt damit LSU zu Nickel-Aufstellungen bzw. sogar 5-6 Defensive Backs und kann schon eine ernsthafte Bedrohung durch QB #10 AJ McCarron aufbauen.

[02h33] Überraschung, Überraschung: Three’n’out für die LSU Tigers in ihrer ersten Serie. Aggressive Defense über die Mitte und beim dritten Down fumbelt QB #9 Jordan Jefferson den Snap. Der folgende Punt ist extrem lang, Alabama muss ganz weit hinten drin starten.

[02h25] Gerade laufen zu viel Pathos-Gehabe die Mannschaften ein und die Kommentatoren Musberger/Herbstreit mit wichtigen Worten.

BCS National Championship 2012 Preview: #1 Louisiana State Tigers – #2 Alabama Crimson Tide

Nicht ganz vier Wochen vor der Superbowl spielt heute Nacht die Southeastern Conference College Football im BCS National Championship Game den Meister aus. Über die Ansetzung wurde viel, aber nicht so intensiv wie gewohnt, gestritten: Die #1 Louisiana State Tigers waren nach einer epochalen Saison mit etlichen Qualitätssiegen klar, aber die Geister scheiden sich am Kontrahenten, den #2 Alabama Crimson Tide, ein Gegner, der am 5. November in einem rassigen, punktearmen Overtime-Klassiker eine Heimniederlage gegen eben jenes LSU kassierte, nicht mal seine eigene Division, geschweige denn seine Conference gewann, und nun um den National Title spielen darf.

Die letzten fünf Jahre College Football waren eine Domäne der SEC, angefangen von 2006/07. Ich kann mich noch sehr gut an das Theater erinnern, als die Big Ten Conference als überirdisch galt und ESPNs Pundits die schiere Möglichkeiten, dass Michigan und Ohio State nicht das BCS-Finale bestreiten würden, als gotteslästerlich aufgefasst wurde – das Getöse brachte mich seinerzeit zum College Football. Die Florida Gators aus der SEC schrien weiland laut und lange genug, um im letzten Abdrücker durch die Hintertür das zweite Endspielticket zu bekommen. Sechs Wochen später zertrümmerten die Gators Ohio State nach allen Regeln der Kunst, eine Woche, nachdem Michigan in der Rose Bowl demoliert worden war, und legten den Grundstein für jahrelanges, allgemein anerkanntes Übermenschen-Dasein der SEC.

2011/12 war ähnlich – im Gegensatz zur B1G kam die SEC heuer durch. Wir erleben also Inzucht hoch zwei: LSU – Alabama in einem Endspiel, das die Möglichkeit, dass die SEC nicht mehr die dominante Conference sein könnte, nicht zulässt. Bizarrerweise just nach einer Saison, in der arge Zweifel ob der Qualität in der Breite der SEC wuchsen. Oklahoma State als Champion der vermutlich insgesamt ausgeglichensten und hochwertigsten Conference 2011/12, der Big 12, musste draußen bleiben.

Trotzdem wird nicht mehr so rabiat diskutiert wie einst. Quer durch die Medien, Blogs und Foren zieht sich ein Hauch von Resignation. Alabama ist vermutlich die zweitbeste Mannschaft im College Football und die einzige, die LSU wirklich Paroli bieten kann. Aber BCS-Credo „Every Game Counts“ und Wertigkeit der Conference als Institution werden durch die Selektion arg in Mitleidenschaft gezogen und die scheinbar einzig wahre Wahrheit – dass die SEC allen anderen turmhoch überlegen ist – muss ungeprüft übernommen werden.

Schon in wenigen Monaten könnte sich diese Ansetzung als weiterer eingeschlagener Sargnagel für dieses bizarre System der Meisterfindung erweisen. Dann nämlich, wenn über das Plus One abgestimmt wird, das von einigen abgelehnt wird, weil es als Büchse der Pandora zu erfolgreich sein (sic!) und in absehbarer Zeit weiter ausgeweitet werden könnte.

Heut’ Nacht im Superdome

Anyhow. Die relevanten Informationen zur Ansetzung werde ich nicht noch mal recyceln. Dazu habe ich bereits im November zum „Hinspiel“ fast alles gesagt, was ich sagen wollte und wieder sagen würde:

Seit jener knackigen Defensivpartie ist LSU gefühlt noch ein paar Spurenelemente lauflastiger geworden, setzt nun praktisch ausschließlich nur mehr auf den wenigstens keine INTs produzierenden Scrambler-QB Jordan Jefferson, und wird heute Nacht zu einer gehörigen Portion auf seinen australischen Punter Brad Wing im Kampf um Feldposition vertrauen. Ein Offensivsystem der Güteklasse „keep running and hope you wear them down“ – was gegen diese so tief besetzte Tide-Abwehr zeitintensiv werden könnte.

Alabama ist IMHO weiterhin die bessere, vielseitigere Mannschaft mit den besseren Waffen in Offense (RB Trent Richardson) und Defense (OLB Courtney Upshaw/LB Dont’a Hightower), muss aber die Nachteile in den Special Teams verkraften. Vermutlich wird Saban bis zur 15yds-Line sämtliche 4th downs in Fieldgoal-Reichweite ausspielen lassen um die Nerven seines Kickers etwas zu entzerren. Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass Saban mit seinem OffCoord neue Wege bestreiten, bisher ungesehene Plays einstudieren muss.

Ich glaube, dass Saban gewinnen wird. Statistisch lassen sich keine Mismatches ableiten. Optisch sind sich die beiden Teams ähnlich – Alabama hat die etwas bessere Defense, LSU die zuverlässigeren Special Teams. Es läuft alles auf ein eher punktearmes Spiel (mit Touchdowns!) hinaus, das durch Marginalien entschieden wird. Sieg für Alabama und ein fröhliches Gezeter im Anschluss über den „wahren“ National Champion.

Die letzten Tage der Bowl Season 2011/12: Was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern oder Kraut und Rüben in Pittsburghs Trainerstab

Traditionell wenig Beachtung finden die letzten College-Partien zwischen BCS-Bowls und National Championship Game. Hierzulande gibt es vom interessantesten dieser Spiele – der AT&T Cotton Bowl Classic keine TV-Bilder. „Cotton Bowl Classic“ wie „wirmöchtenunbedingteineBCSBowlwerden“, das Spiel, das sogar aus dem angestammten, gleichnamigen Uraltstation in Dallas ausgezogen und in die Cowboys-Arena ausgesiedelt ist, um BCS-Status zu bekommen, das seinen angestammten Platz am Neujahrstag aufgab um rund eine Woche später in der Prime Time spielen zu können – bisher erfolglose Versuche, Thrill in das Event zu bringen. Heuer hätte man mit #6 Arkansas und #8 Kansas State zwei würdige Kaliber, die die BCS aufgrund verzwickter Vertragslage (Hogs) und verkalkter Denke (Wildcats) außen vor ließ.

Da in den Staaten FOX die Partie überträgt, wird weder ESPN America noch der ESPN-Player übertragen. Wir werden auf Gus Johnson verzichten müssen, wie auch auf den interessanten Razorbacks-QB Tyler Wilson und die Trainerlegende der Wildcats, Bill Snyder.

[Update] In den Kommentaren wird zurecht darauf verwiesen, dass Eurosport 2 am Samstag von 11h45 bis 13h15 eine eineinhalbstündige Aufzeichnung des Spiel bringen wird. Allerdings überträgt der Sender vorher ein Tennisspiel, das sich bekanntlich ziehen kann – und ich kann mir schwer vorstellen, dass im Fall der Fälle ES2 Football Tennis vorziehen wird… [/Update]


Am Samstag, 19h MEZ findet in Frisco im Stadion des FC Dallas (“Pizza Hut Park”) das Finale der Football Championship Series (FCS) statt, der “Unterstufe” zur FBS – dort, wo der Meister in einem Playoff ausgetragen wird. Es treffen aufeinander: Die #1 Sam Houston State Bearkats gegen die #2 North Dakota State Bisons. Beide waren zu Hause in den Playoffs eine Macht, wobei North Dakota State noch eine Spur dominantere Ergebnisse einfahren konnte, beide putzten im Verlauf der Saison je einen FBS-Gegner: S.H.S.U. gewann gegen New Mexico in der Overtime, N.D.S.U. gewann auswärts bei den Minnesota Golden Gophers aus der Big Ten Conference 37-24!

Was man so hört, sind alle Beteiligten ziemlich sprachlos über das große Interesse; die Tickets von Sam Houston State gingen weg wie die warmen Semmeln und waren am ersten Tag ausverkauft. Im Stadion von Frisco sollen noch kurzfristig ein paar Hausmütter anrücken und provisorisch mit Schraube und Mutter Sitzschalen anbringen, da die Kapazität angeblich gesprengt wird.

Das Spiel selbst dürfte ein Lauf-Festival werden. Sam Houston State war im Halbfinale vor drei Wochen vor allem über seinen RB Tim Flanders (287yds, wenn ich richtig notiert habe) gefährlich, während bei North Dakota State so ziemlich jeder in der Offense – Quarterback inklusive – um die Wette scrambelten und weit über 300yds im Semifinale erliefen. Die Bisons wirkten im Halbfinale für mein Empfinden mächtiger, ausgeglichener, besser als Sam Houston State – sollte daher auch trotz des niedrigeren Rankings favorisiert sein.

X-Faktor könnte das Wetter im unguten Dallas sein. North Dakota State spielt zuhause in einem Dome (eine übrigens wunderschöne, kleine Halle für 20.000 mit furiosen Fans, die lauter sein sollen als jene der New Orleans Saints), aber viel Laufspiel und die dicke Haut der „Nordstaatler“ sollten helfen. ESPN America bringt am Sonntag, 8.1. um 7h eine Aufzeichnung.


BBVA Compass Bowl

SMU Mustangs – Pittsburgh Panthers

Di, 10.1. um 11h30 Tape bei ESPN America

Die Connections liefern die Cheftrainer – ein flotter Dreier mit der Arizona State University. Aaaalso: Die Arizona State Sun Devils suchten nach dem Rauswurf von Dennis Erickson einen neuen Chefcoach und fragten bei June Jones an, der dann auch bereitwillig schnell rüber nach Tempe zum Vorstellungsgespräch flog. Arizona State war so begeistert, dass man Jones sofort zur Unterzeichnung bringen wollte, aber just in dem Moment, als Jones der Füller in die Hand gedrückt wurde, kaum das „Stop!“ von den Boostern der Universität und Jones musste bedröppelt wieder nach Hause fliegen – an die Southern Methodist University, wo Jones seit vier Jahren auf dem Cheftrainersessel sitzt und sich einige unangenehme Fragen über sein Committment zum Programm anhören musste.

Arizona State drehte seinen Scheinwerfer ein paar Kilometer weiter gen Norden und wurde beim Cheftrainer der Pittsburgh Panthers, Todd Graham, fündig. Problem: Graham war dort erst seit einem Jahr Cheftrainer gewesen und hatte als oberstes Credo seine Verbundenheit zu seinen Spielern ausgegeben. Weil man aber nur das, was man schwarz auf weiß besitzt, getrost nach Hause tragen kann und Graham sich an sein dummes Geschwätz von gestern nicht mehr erinnern wollte, autographierte der Mann die taufrische Vertragsvorlage bei Arizona State – dem Job, der eigentlich June Jones gehören hätte sollen – und verärgerte seine Mannschaft bei Pitt massiv. Die Tweets der Pitt-Spieler als Reaktion auf Grahams Move waren am Rande zur Justiziabilität und deckten von Lügner bis Vollidiot die ganze Bandbreite ab.

So werden die Pittsburgh Panthers verständlicherweise nicht mehr von Graham, sondern vom Interim Keith Patterson gecoacht. Patterson ist damit der fünfte (!!) verschiedene Panthers-Coach seit Dezember 2010. Die Vorgänger: Dave Wannstedt (gefeuert nach 2010/11), Phil Bennett (Interimscoach in der Bowl Season 2010/11), Mike Haywood (angedachter Nachfolger Wannstedts und nach 13 Tagen gefeuert, wg. Randalierens im besoffenen Zustand gegen seine Ehefrau), und Graham. Der HeadCoach für die nächste Saison wird dann übrigens der Offensive Coordinator von Wisconsin, Paul Chryst, sein. (Sehen wir bei Pitt in Zukunft P-U-N-K-T-E?)

Noch was? Jo: Die University of Pittsburgh war einen Schnaps davon entfernt, die Bowl Season zu boykottieren, weil man nicht wie im Vorjahr im baufälligen Legion Field zu von Birmingham/AL die BBVA Compass Bowl bestreiten wollte, musste sich aber letzten Endes der Hausmacht ESPN beugen, deren regionaler Ableger diese Bowl veranstaltet. Wohl bekomm’s, da ist man gespannt, was da unterm Strich für ein Spiel rauskommt.

GoDaddy.com Bowl

Northern Illinois Huskies – Arkansas State Red Wolves

So/Mo 8./9.1. um 3h LIVE bei ESPN America
Tape am 9.1. um 17h bei ESPN America

Das Spiel findet in der Nacht auf Montag, nach Ende der Wildcard-Playoffs in der NFL, statt und bietet die Meister von zwei kleinen Conferences auf: Die Northern Illinois Huskies aus der Mid-American Conference (MAC) und die Arkansas State Red Wolves aus der Sun Belt Conference. Die Eckdaten zum Spiel: NIU ist im Angriff lauforientiert (247.6yds Lauf, 234.2yds Pass) und verlässt sich extrem auf seinen MVP, Quarterback Chandler Harnish (2942yds Passspiel, 26 TD, 5 INT bei zusätzlichen 1382yds Scrambling mit 11 TD), während Arkansas State dann doch eher gepflegt seine Spread Offense einsetzt, um die Schwächen des ebenso auf flotten Beinen stehenden QB Ryan Aplin zu minimieren (Aplin: 18 TD zu 13 INT, aber neun Lauf-TD bei 605yds Scrambling). Arkansas State wird bei mir mit sagenhaften 0.1pts favorisiert.

Eine Geschichte am Spielfeldrand: Die Red Wolves verloren ihren HeadCoach Hugh Freeze schon nach einem Jahr (Freeze ging zu Ole Miss), schafften aber den nicht für möglich gehaltenen Coup und lotsten das Offensivgenie Gus Malzahn von Auburn in die Steppen von Arkansas. Malzahn wird am Sonntag noch nicht coachen, aber bereits seine wachen Augen von der Tribüne auf die Partie richten. Damit haben Arkansas State und die komplette Sunbelt Conference schon mal eines sicher: Presse.

Orange Bowl 2012: #15 Clemson Tigers – #23 West Virginia Mountaineers

Heute Nacht, 4./5.1. um 02h LIVE bei ESPN America
Aufzeichnung am 5.1. um 19h30 bei ESPN America

Ein Spiel mit vielen Storylines. Die erste ist die bekannte Schlammschlacht zwischen den beteiligsten Ligen, deren Champs hier antreten: Die Atlantic Coast Conference (ACC) wird von der Big East Conference beschuldigt, für deren schleichenden Niedergang verantwortlich zu sein. Nachdem die ACC vor einem halben Jahrzehnt Miami, Virginia Tech und Boston College abgeworben hatte, folgen in Kürze (2014) mit Pitt und Syracuse zwei weitere namhafte Universitäten. Bei genauerer Betrachtung eine Loose/Loose-Situation: Die Big East ist mittlerweile verzweifelt genug, um in Bälde bis nach Südkalifornien (!) zu expandieren, während die ACC ihrerseits durch die vielen Additionen nicht wirklich an Strahlkraft gewinnen konnte.

So ist die Orange Bowl auch seit Jahren die BCS-Bowl, an der man aus einem Grund meist vorbeisieht: Hier spielt vertraglich gesichert mit dem Meister der ACC meistens eine Mannschaft, die nicht zur Spitze im College Football gezählt wird. Nachfolgend die eingehenden BCS-Rankings des ACC-Champs der letzten Jahre:

2005/06 Florida State      #22
2006/07 Wake Forest        #14
2007/08 Virginia Tech       #3
2008/09 Virginia Tech      #19
2009/10 Georgia Tech        #9 (nachträglich aberkannt)
2010/11 Virginia Tech      #13

2011/12 hat es mit den Clemson Tigers mal wieder eine echte Überraschungsmannschaft geschafft. Ein Kultteam aus einem Kleinstädtchen in South Carolina, seit Jahren berühmt dafür, sein Potenzial nicht ausschöpfen zu können. Jahrelang scheiterte man an einer lendenlahmen Offense. Die heurige Saison galt dann auch als Prüfstein für den im Sommer nicht mehr unumstrittenen Head Coach Dabo Swinney – und angeführt von einer fantastischen Freshman-Klasse explodierte Clemsons Offense (33.6pts/Spiel), während man über die gesamte Saison eine suspekte Defense mit sich schleifen musste. Das führte dazu, dass man lange Zeit ungeschlagen war, dann doch dem Nervenkostüm und den Verletzungen Tribut zollen musste, am Ende ausgepowert zu sein schien, ehe der dann überraschende Kantersieg über Virginia Tech im ACC-Finale folgte, der das Ticket in die Orange Bowl löste.

Als ausgemachter Superstar im Tiger-Angriff gilt Freshman-WR Sammy Watkins, ein Rastaman mit 77 Catches für 1153yds und 11 TD trotz Verletzungsmisere im November, und dazu ein gefährlicher Mann für Reverse-Spielzüge und Returns – mit Nebenleuten wie WR DeAndre Hopkins (871yds, 4 TD) oder den Running Backs Andre Ellington (1062yds, 10 TD) und Mike Bellamy (Freshman, 6.0yds/Carry) gibt es da plötzlich haufenweise passable Skill Players, die man für das Aufblühen des bereits als ewiges Talent abgestempelten QB Tajh Boyd (3578yds, 31 TD, 10 INT plus 5 Rush-TD) verantwortlich macht.

Clemson trifft nun allerdings auf die West Virginia Mountaineers, ein Gegner, der die 3-3-5 Defense spielt, ein System, das Clemson so noch nicht zu Augen bekommen hat. „3-3-5“, das bedeutet: Eine quicke, sehr viel schwerer ausrechenbare Defense. Blitzes können von allen Seiten einschlagen, Offensive Line und Quarterback müssen mehr Denksport als gewohnt betreiben. Wie wird Boyd darauf reagieren und wird man verstärkt auf Laufspiel setzen?

West Virginia hat als Wackel-Champ der in der Spitze schwach besetzten Big East Conference das Orangebowl-Ticket gelöst. Der Weg dahin war eine Achterbahnfahrt, to say the least. Nach der abgelaufenen Saison 2010/11 wurde dem damaligen HeadCoach Bill „Leave No Doubt“ Stewart vom ambitionierten „GM“ Oliver Luck (Andrews Papa) in Offensivgenie Dana Holgorsen ein übernahmebereiter Assistent untergejubelt. Was der lokalpatriotische Stewart nicht verkraftete. Stewart zettelte eine Verschwörung an, streute via Lokalpresse Gerüchte über eine angebliche Alkoholkrankheit Holgorsens, wurde dann jedoch enttarnt und musste nach einer rührenden Schlammschlacht in der Sommerpause seinen Hut nehmen. Holgorsen übernahm den Laden per sofort, und neben Stewards Ruf war auf Lucks Reputation mächtig angekratzt.

Die Erwartungen an Holgorsen aber waren so exorbitant, dass das „9-3“ mit der knapp eingefahrenen Big East-Krone am Ende als leichte Enttäuschung gewertet wurden (hohe Niederlage gegen LSU trotz deutlich mehr erzielter Yards, hohe Niederlage gegen Underdog Syracuse, knappe Niederlage gegen Louisville). Die Offense ist ein Punktesammler (34.9pts/Spiel) und verlässt sich stark auf den Quarterback Geno Smith (3978yds, 25 TD), der trotz vieler Versuche kaum Turnovers produziert (nur 7 INTs in 483 Passversuchen), wird aber gehandicappt von einem schwachen Laufspiel. Gepaart mit einer unterdurchschnittlichen Defense ergibt sich das Gesamtbild einer guten, aber nicht großartigen Mannschaft, was sich im BCS-Ranking von #23 in etwa widerspiegelt.

Für West Virginia ist es das letzte Spiel als Mitglied der Big East, nachdem man bereits 2012/13 fröhlich mit Oklahoma und Texas Tech in der Big 12 Conference gunslingern wird. Eine Prognose fällt schwer, da beide nicht wirklich die nötige Stabilität ausstrahlen und große Aussetzer in beide Qualitätsrichtungen aufweisen. Clemson wird von Excel mit 1,3 Punkten favorisiert, aber das ist so ein Spiel, in dem mich kein Ergebnis in beide Richtungen überraschen würde. Nur so viel: Es wird etliche Punkte geben.

Rose Bowl 2012: #5 Oregon Ducks – #10 Wisconsin Badgers

[02h45] Endstand Wisconsin Badgers 38, Oregon Ducks 45.

Wisconsin machte es tatsächlich noch einmal spannend, marschierte in zwei Plays fast in die RedZone der Ducks, aber dann war auch gut. Tolles, spannendes Spiel mit etwas mehr Defense – angenehm, wie ich fand – in der zweiten Halbzeit und am Ende einem verdienten Sieger, da die Oregon Ducks das machten, was sie immer machen: Sie bringen den Gegner irgendwann zum Erliegen. Heute gefühlt weniger durch das Hinuntertreiben der Spielzüge, sondern mehr durch die Flinkheit und Wendigkeit seiner unglaublichen Skill Players, die mehrere massive Big Plays machten und Oregon immer wieder mit Spielzügen um die Line herum verbrannten. Mann des Tages ist schwer auszumachen, aber wenn ein RB De’Anthony Thomas 2 Läufe für 155 Yards und 2 Touchdowns vorweist, könnten wir mal ein Wort drüber verlieren.

Gute Nacht – Fiesta Bowl gebe ich mir morgen als Aufzeichnung und werde meine Gedanken entsprechend in den richtigen Thread reinschreiben.

[02h35] Mal am Rande erwähnt: Wie sehr schmerzt nun das völlig sinnlos verbrannte Timeout vom dritten Viertel (die Touchback-Situation)?

[02h30] 3:55 vor Schluss einer der Männer des Tages, WR/KR/PR Abbrederis, mit dem Fumble nach einer Unkonzentriertheit, nachdem er den Ball für 29yds gefangen hatte. Oregon wird gleich wieder in FG-Reichweite sein, kann die Uhr runterlaufen und wird das Spiel gewinnen.

[02h23] Wisconsin 38, Oregon 45/Q4 6:50. Oregon lässt sich nichtmal von zwei aufeinanderfolgenden Strafen irritieren und spielt mit Eisklöten ein 4th down aus, nur um dann beim nächsten 4th down und 2 an der WIS13 plötzlich die traditionelle Methode anzuwenden und das Field Goal zu schießen. Erstaunlich. Chip Kelly müsste eigentlich realisiert haben, wie waidwund die Badgers bei diesen quicken Option-Pitches um die Offensive Line herum sind.

[02h04] Wisconsin 38, Oregon 42/Q4 14:35. Absehbarer Touchdown, nachdem die Badgers-Defense bei 3rd down einen wichtigen, sehr wichtigen Tackle verpasste und zwei Plays später Thomas den WR mit dem hawaiianisch klingenden Namen Lavasier Tuinei findet. Bizarr, eigentlich hatte es für einen Moment so ausgesehen, als ob Oregon mit dem Ausgleich zufrieden gewesen wäre. Dann kam James RB Thomas bei diesem verpassten Tackle.

[02h00] Ende drittes Viertel – Wisconsin macht pünktlich dazu auch seinen groben Schnitzer. Dritter Versuch und kurz, QB Wilson kommt plötzlich aus der Shotgun-Formation und wirft die INT. Manchmal verstehe ich die PlayCalls der Badgers nicht.

[01h47] Oregon marschiert unaufhaltsam gen EndZone und verbrennt die Badgers ein ums andere Mal, da nutzt Wisconsin bei einem Wurf Freundin Seitenlinie aus und KANN DEN BALL ABFANGEN. Oregon hätte wenigstens per Field Goal ausgleichen können.

[01h40] Wisconsin 38, Oregon 35/Q3 4:44. Nach einem Ducks-Punt und eines starken Returns von PR Abbrederi (der Mann macht heute PLAYS) übernimmt die Offense an der WIS38. Dezente Rhythmuswechsel über RB Ball und RB White, ein Scramble Wilsons gegen unaufmerksame Defense, ein Pass über die Mitte für Ball und ein richtig gut exekutierter Ball in die Ecke der EndZone von Wilson. Wisconsin führt wieder, es war ein Zack-Zack-Drive, da passte alles.

[01h22] Wisconsins Antwort darauf ist dezent enttäuschend: Ein langer Kickreturn von Abbrederis, der sich geschickt mit einem Seitenwechsel den Raum erkauft, an die 37yds Line Oregons, aber nach einer großartigen athletischen Aktion Balls (und kurz nach seinem Ausrutscher) bleibt der Drive an der UO12 stecken und es gibt bloß das Field Goal. Wisconsin 31, Oregon 35.

[01h12] Wisconsin 28, Oregon 35/Q3 14:11. Zweiter Lauf in diesem Spiel für RB De’Anthony Thomas. Thomas hat nun 155yds auf seinem Konto, da dieser zweite Lauf gleich ein 64yds-TD war.

[01h02] Ein Punkt, in dem ich Herbstreit widersprechen möchte: Das Fehlen von DB Cliff Harris dient nur bedingt als Entschuldigung für die Leichtigkeit, mit der Wisconsin hier die Eier bewegt. Klar, im Passspiel hilft das, aber Oregon hat viel bedenklichere Schwierigkeiten, diese simplen Läufe zu stoppen. Diese Offense braucht vermutlich einen ähnlichen „Game-Changer“ wie Wisconsin beim Fumble-Return.

[00h46] Halbzeitstand Wisconsin Badgers 28, Oregon Ducks 28.

Grandioser Shootout, der im Vergleich zu vielen anderen Spielen dieser tristen Tage richtig unterhaltsam ist, auch wenn für meinen Geschmack doch ein bissl mehr Defense sein könnte (Taylor und Nzegwu: bitte weghören!). Oregon begann zuletzt immer stärker, die „Edges“ als Waffen im Laufspiel einzusetzen, also um die Tackles herum zu laufen – im Prinzip das, was Oregon groß macht. Die dazwischen eingestreuten Thomas-Pässe sind fast ausnahmslos gefährlich viel Raumgewinn bringend, da war es überraschend, dass der kurze „Out“-Wurf an der GoalLine 30sek vor Pause zum Ausgleich glückte.

Wir hatten letzte Woche mit Air Force-Toledo und der Alamo Bowl zwei wilde Punktefestivals. Dieses Spiel setzt fast noch einen drauf. Oregon bekommt danach als erstes den Ball (Onside Kick mal nicht in Betracht gezogen – wobei…), kann seine mickrige Possession-Zeit (8:40min) aufmotzen und erstmals in Führung gehen. Hat-Tip: austrianbowl.

[00h27] BIG PLAY. Grade wollte ich mich über die fehlenden Turnovers in dieser Partie auslassen, da wird QB Thomas gesackt, der Ball aus der Hand geschlagen und Louis Nzegwu trägt das Ei zurück zum TD. Wisconsin 28, Oregon 21/Q2 3:26. Wichtig, wichtig für Wisconsin, da die Ducks in der zweiten Halbzeit als erste den Ball kriegen.

[00h17] In diesem Moment – 6:31 sind noch zu spielen in Halbzeit 1 – sind die Zeiten an Ballbesitz fair verteilt: Wisconsin 19:15 min, Oregon 4:14 min.

[00h10] Unglaublicher Shootout in Pasadena: Wisconsin braucht erst 8 Spielzüge für 65yds (darf man dazu dann heute „zäh“ sagen?), ehe RB Montee Ball den TD-Rekord von Barry Sanders einstellt, ehe dann Oregon nach langem Kickreturn einen einzigen Pass für RB Barner über 56yds wieder ausgleicht. Wie meinte Herbstreit? I need a tank of oxygen myself.

[23h52] Wisconsin 14, Oregon 14/Ende erstes Viertel. Mit dem letzten Spielzug im ersten Viertel bricht Oregons RB De’Anthony Thomas durch, 91yds zum Touchdown. Gewaltiges Viertel beider Offenses, die in jeweils drei Drives jeweils zwei Touchdowns bei einem Punt hinknallten.

[23h38] Wisconsin 14, Oregon 7/Q1 5:55. Die magische Zahl ist die Sieben. Dritter Drive zum Touchdown, drittes Mal wurden sieben Spielzüge benötigt. Wisconsin setzt massiv seinen RB Monte Ball ein (bereits 7 Läufe für 73yds und 2 Catches für 37yds, ergo 110 Total-Offensive Yards und noch kein Viertel gespielt), aber zum Abschluss scrambelt diesmal Wilson die paar Yards in die EndZone. Furchterregend, wie wirkungslos bislang jegliche Defense bleibt. Da kann man sich den eigenen Eintrag für jeden Touchdown-Drive schenken, um Platz zu sparen.

[23h26] Wisconsin 7, Oregon 7/Q1 9:41. Auch Oregon kommt standesgemäß zu seinem Touchdown im ersten Drive: 7 Spielzüge, 80yds in grundsoliden 2:07min und abgeschlossen durch das Wiesel, RB LaMichael James.

[23h19] Wisconsin 7, Oregon 0/Q1 11:48. Abbrecadabra! Im Stadion, das erstaunlicherweise mehr „rot“ den „gelbgrün“ aussieht, legen die Ducks einen grundsoliden ersten Drive hin, abgeschlossen mit einem wunderschönen Playaction-Pass QB Russell Wilsons auf Jared Abbrederis (38yds). Da sah Oregons Defense ziemlich überrumpelt aus.

[23h04] #Dingeandenenmansichniesattsehenkann: Feuerwerk bei gleißendem Sonnenschein.

[23h00] Nach einer auf äußerst eigenartige Weise sehens- und empfehlenswerten Outback Bowl Georgia – Michigan State nun rüber zur Mutter aller Bowls nach Pasadena. Heute mal testweise über den ESPN-Player, da heute „auswärts“ ich in der Location kein ESPN America empfangen kann.


[17h22] In wenigen Stunden beginnt in der wunderschönen “Schüssel” zu Pasadena die Rose Bowl 2012 zwischen den Siegern der Pac-12 und der Big Ten Conference. ESPN America wird nach der WinterClassic einsteigen, man kann aufgrund der Verzögerungen von einem Übertragungsbeginn von ca. 23h45-24h ausgehen. Ab 23h LIVE dabei ist der kostenpflichtige ESPN-Player.

Wisconsin gegen Oregon, das ist nicht nur das Duell zweier unterhaltsamer Mannschaften, sondern auch das Duell Adidas gegen Nike – beide heute mit extra designten Trikotsätze. Während erstere den Badgers einen netten, klassischen Look verpassten, kommen die Oregon Ducks mal wieder in futuristischen Scheusalen daher. Unterhaltsamer sind beide Teams ohnehin auf dem Spielfeld.

Die #10 Wisconsin Badgers von HeadCoach Brett Bielema waren lange Zeit mit ihrem neu eingekauften QB Russell Wilson ein heißes Gesprächtsthema, galten als Anwärter für das BCS-Finale, bis zur Saisonmitte zwei Hail Marys hintereinander die Badgers-Saison fast zerstört hätten (gegen Michigan State und Ohio State). Nach dem knappen „Rückspielsieg“ über die Spartans ist Wisconsin nun wie vor einem Jahr in der Rose Bowl.

Einer der Männer des Jahres neben Wilson ist RB Montee Ball mit seinen 38 TD (Rush+Catch). Ball könnte heute den legendären Rekord von Barry Sanders brechen (39TD/1988), wobei angemerkt werden muss, dass Sanders drei Spiele weniger dafür brauchte und seine zusätzlichen 5TDs aus der Bowl Season nicht in den offiziellen Stats mitgezählt werden (erzielte insgesamt 44TD). Ball wird trotzdem kaum beachtet, was einen Grund hat: Der Angriff ist vornehmlich um Wilsons double threat gebaut, zudem vergeht keine Badgers-Übertragung ohne fuffzich Lobeshymnen auf die massive Offensive Line.

Knackpunkt ist die Lauf-Defense: Wisconsin zeigte immer und immer wieder Probleme gegen laufstarke Offensivmaschinen. Die Probleme waren letztendlich nicht hauptverantwortlich für das verpasste Saisonziel „BCS-Finale“, könnten heute aber richtig durchschlagen.

Denn Oregons Offense ist nicht bloß „stark“. Oregons Offense ist „großartig“, gleich ein ästhetischer Genuss wie gnadenlos effizient. Head Coach Chip Kelly sollte jedes Jahr zum Coach des Jahres gewählt werden, allein dafür, so ein kompliziert einzustudierendes Produkt überhaupt auf das Spielfeld zu stellen.

Wir sprechen über ein vornehmlich auf Lauf-Options basierendes System, das in seiner reinsten No-Huddle-Erscheinung in diesen futuristischen Trikots wie aus einer anderen Phalanx daherkommt: QB Darron Thomas nimmt den Snap auf, und täuscht wahlweise drei Ballübergaben an oder scrambelt selbst los oder wirft die tiefe Bombe. Zwischen den einzelnen Snaps vergehen kaum 20-25sek, was Defenses in Serie ermüdet.

Zentrale Figur ist RB #21 LaMichael James (1646yds, 7.4ypc, 17TD in elf Spielen), ein Zwerg von einem Running Back, aber so flink und wendig wie ein Wiesel und an guten Tagen mit 9-10yds/Carry IM SCHNITT. James ist für einen hohen NFL-Draftpick möglicherweise etwas zu klein und grazil gewachsen, wird aber trotzdem nach diesem Spiel zu den Profis wechseln – dem College Football geht zweifellos eine der Attraktionen schlechthin verloren.

Die Backups scharren jedoch bereits: RB #24 Kenjon Barner (909yds, 11 TD) und der Sensations-Freshman RB #5 De’Anthony Thomas (1934yds, 16 TD overall), genannt „The Black Mamba“, bis dato auch stark als Ballfänger in Anspruch genommen.

Nur wenn es Wisconsin mit viel Physis gelingen wird, in Oregons so wichtigem Timing dazwischenzuflunkern, werden die Badgers hier Land sehen. Man kann insgesamt aber von einem punktereichen, flüssigen Spiel ausgehen, aber ich würde nicht gegen die Ducks setzen wollen.

Wiederholung bei ESPN America: Morgen, 3.1. um 15h30 (vermutlich ein komplettes Tape auch mit der Anfangsphase).

Fiesta Bowl 2012: #3 Oklahoma State Cowboys – #4 Stanford Cardinal

Erst Alabama, dann Boise State, dann Oregon, und jetzt Stanford: Die verschossenen Field Goals sind eines der Themen dieser Saison im College Football. Auch die absolut sehenswerte Fiesta Bowl 2012 wurde am Ende durch die Kicker entschieden.

Nicht unwesentlich zur Spannung trugen die beiden Defenses bei, die die Offenses eine zeitlang neutralisieren konnten: Stanford killte das Cowboys-Laufspiel und zwang QB Brandon Weeden zu vielen quicken Pässen, während Oklahoma State aggressive Abwehr spielte, aber anfällig gegen Play-Action und Big Plays war. Was man beiden Defenses nachsagen konnte: Sie verpassten nur sehr wenige Tackles gegen diesen Schwall an kräftigen und/oder wendigen Angriffsspieler auf beiden Seiten.

Ein Mann, der allerdings resistent gegen Tackling war: WR Justin Blackmon, der Mann des Tages in Glendale. Blackmon war überall zu finden, draußen in Seitenlinien-Nähe, drinnen im Slot, in der mittleren Zone, und Blackmon brachte Okie State nach dem holprigen Start überhaupt erst ins Rollen, war ab zweitem Viertel daueranspielbar und machte einen auf inspirativ im Huddle. Finale Stats des Mannes mit der #81: 8 Catches, 186yds, 3 Touchdowns. Und dieses verwertete 4th down gegen Spielende, wo jeder wusste, wer nun angespielt werden würde, und keiner was dagegen machen konnte. Weeden weiß, wo er sich bedanken muss. Ich bin nun auf zwei Dinge gespannt:

  • Wie wird Oklahoma States Spread-Offense ohne Blackmon aussehen? Der Mann war über Jahre eine echte Präsenz als #1-Mann außerhalb der „Hash Marks“, eine zusätzliche Dimension für diese Kurzpass-Offense Gundys, die primär in der Spielfeldmitte operierte.
  • Wie wird sich Blackmon in der NFL schlagen? Der Mann ist schnell, aber kein Weltklassesprinter. Der Mann ist fangstark, aber nicht allzu groß gewachsen (1,85m). Und hoch einberufene Wide Receiver aus der Big 12 haben zuletzt zu oft eher enttäuscht, wenn sie die engen NFL-Deckungen spürten.

Auf der anderen Seite enttäuschte auch QB Andrew Luck nicht. Ich mag diese Coolness in der Pocket selbst bei durchbrechenden Blitzes: Der Mann ist so was wie der Dida des College Football: Man werfe ihm entgegen, was man wolle, aber Luck wirkt stets gleichbleibend unbeeindruckt. Der Freshman versemmelt den zweiten Kick in der letzten Spielsekunde zum Sieg? Der Freshman verschießt das dritte Field Goal in der Overtime? Wurscht, Luck verzieht keine Miene und baut sofort den nächstnahen Mitspieler mit einem Schulterklopfer auf.

Das alles gesagt, war es der Typus Footballspiel, auf den ich stehe: Gute Stadionatmosphäre, intensives Spiel mit nur wenigen gröberen Fehlern auf beiden Seiten in Offense und Defense und ein knisternd spannender Kampf zweier fast gleichwertiger Mannschaften bis zur letzten Sekunde – und entschieden durch die Special Teams in den letzten Augenblicken. Ein Spiel, in dem man keinem die Niederlage vergönnt, auch wenn man Stanfords Trainerstab vielleicht vorwerfen könnte, den kleinen Tick zu mutlos in den letzten Minuten gewesen zu sein.

Stanford und Oklahoma State sind für meinen Geschmack beide einen Tick unter den beiden BCS-Finalisten LSU und Alabama einzuordnen, bilden aber gemeinsam mit Oregon und Boise State die #3 bis #6 – in fast beliebiger Reihenfolge – dieses CollegeFootball-Herbstes.


[12h34] Kleine Info voraus: Ich werde heute Nacht vielleicht hier drin noch das Live-Blogging machen. Später kommt auch die Vorschau für die Rose Bowl, wo ich es ident handhaben werde. Fiesta Bowl 2012 wird um 02h30 MEZ in Glendale/AZ angepfiffen und live bei ESPN America übertragen.

Für viele ist #3 Oklahoma State vs. #4 Stanford die Ansetzung der diesjährigen Bowl Season schlechthin: Zwei gut geölte, wunderbar ausbalancierte Angriffsmaschinen mit knackigen, nicht zu unterschätzenden Defenses, dazu zwei Spieler, die im kommenden NFL-Draft den Auguren zu folgen in den Top-3 vom Tablett gehen könnten. Trotzdem sind beide auch sowas wie „enttäuschte Hoffnungen“.

Oklahoma State genießt bei mir den Ruf der „Gunners“: Klasse Coach, klasse Mannschaft, aber nicht die Eier, ohne Ausrutscher durchzukommen. Heuer passierte es Mitte November gegen den Underdog Iowa State. Der unterschätzte Chefcoach Mike Gundy („Come after me. I’m a man. I’m FORTY!“) hat sich eine interessante Punktemaschine gebastelt: Der 28jährige QB Brandon Weeden (4328yds, 34 TD, 12 INT), der aussieht wie ein schottischer Säufer, den Ball auf haufenweise Wide Receivers verteilt und zwischendurch an den überraschend starken RB Joseph Randle (1193yds, 23 TD) übergibt.

Schlüsselfigur ist trotzdem der 1,85m-Mann WR Justin Blackmon (113 Catches, 1336yds, 15 TD), dessen Präsenz an den Seitenlinien für diese Kurzpassform der„Spread-Offense“ essenziell ist und der Räume für den #2-Mann Josh Cooper öffnet. Insgesamt 15 Spieler mit Catches, neun davon mit TD-Catches. Knackpunkt für Stanfords physische, aber namenlose Defense: Mit der Front Seven genügend Terror veranstalten, um das Laufspiel abzuwürgen. Immer wenn Weeden sich einen Wolf werfen muss, droht INT-Gefahr.

Auf der anderen Seite die Cardinal-Offense: QB Andrew Luck (3170yds, 35 TD, 9 INT) kriegt die Presse und die Lorbeeren, aber es wird zu wenig über die Spieler gesprochen, die Stanford „groß“ machen: Die Offensive Line um den OT Jonathan Martin, die Tight Ends um die TD-Maschine Coby Fleener (10 TD) und die an drei Händen nicht abzählbaren Running Backs. Kräftiger „Power Football“ ist Stanfords Basis, Luck das Sahnehäubchen.

Ein Faktor sind die Turnovers: Die Cowboy-Defense ist mit 42 Stück Balljäger Nummer 1 im College Football, während Stanfords Offense nur 15x den Ball abgeben musste, Luck nur 9 INTs warf. Oklahoma State verfügt über eine gute Defense, die dank Turnovers als „sehr gut“ klassifiziert werden kann.

Beide sollten motiviert sein: Oklahoma State um zu zeigen, dass sie in das Finale gehört hätten. Stanford, um zum Ende der Ära Luck noch einmal Eindruck zu schinden. Alles in allem riecht es jedoch nach einem sehr ausgeglichenen Matchup mit optischen Vorteilen für Oklahoma State.

Wiederholung bei ESPN America: Morgen, 3.1. um 18h30.

Neujahrs-Bowls 2012, Teil I (Update: Sendetermine ESPNA)

[Update: Laut ESPN America/Twitter wird ab 21h die Winter Classic gezeigt und dann später ins laufende Spiel bei der Rose Bowl eingestiegen (dürfte dann so gegen 23h40 sein)]

Heute finden die traditionellen Neujahrsbowls statt, wie immer, wenn Neujahr auf einen Sonntag fällt, am Tag danach. Die beiden BCS-Bowls (Rose Bowl, Fiesta Bowl) werde ich später in zwei gesonderten Blogeinträgen noch abhandeln, weil ich am Abend eventuell Liveblogging veranstalten werde. Wie es übertragungstechnisch bei ESPN America aussehen wird, bleibt noch im Unklaren, weil gestern Abend bekannt gegeben wurde, dass die Winter Classic der NHL (Flyers-Rangers) kurzfristig von 19h MEZ auf 21h MEZ verschoben wurde. Für ESPN America eine ungute Situation, jetzt könnte der Beginn der Rose Bowl (Beginn 23h MEZ) wegfallen. Nachfolgend die vier „Aufwärm-Bowls“, die eventuelle noch folgende Termin-Aktualisierung von ESPN America wird noch eingebaut. Weiterlesen

Silvester-Bowls im College Football 2011

Achtung: Dieses Jahr finden am morgigen Neujahrstag keine Bowls im College Football statt, da die NFL ihren letzten Spieltag des Grunddurchgangs abhält. Die traditionellen Neujahrsbowls diesmal am Montag, 2.1. Mit dem Appell, nicht verantwortungslos zu feiern, zu den heutigen Silvester-Bowls für die Partymuffel.


Meineke Car Care Bowl of Texas

Texas A&M Aggies – Northwestern Wildcats

Sa, 31.12. 18h LIVE im ESPN-Player
Tape: So, 1.1. 6h30 bei ESPNA

Da sind zwei Teams mit einer Saisonbilanz von 6-6, aber “6-6” fühlt sich bei beiden sehr unterschiedlich an. Texas A&M gehört bekanntlich zu den von mir immer noch hoch angesehenen Teams, ein Kaliber, das nur gegen Oklahoma höher verlor, ansonsten durch allerhand Freak-Einbrüche Führungen und an sich gute Vorstellungen wegwarf und sich seine letzte Saison in der Big 12 Conference zerschoss. HeadCoach Mike Sherman ist dann auch gefeuert worden, doch heute wird nicht der Nachfolger Kevin Sumlin (von Houston gekommen) coachen, sondern DefCoord Tim DeRuyter, der sich dann auch nach der Partie brav nach Fresno State verzieht, wo er der neue Mann am Steuer sein wird. Alles klar?

Die Aggies leben von einem sehr guten Angriff (496yds/Spiel) um QB Ryan Tannehill (3415yds, 28 TD, 14 INT) und den Top-WR Jeff Fuller, aber die beiden starken Running Backs Michael/Gray sind seit Wochen entweder außer Gefecht oder schwer angeschlagen unterwegs. Northwesterns Defense gilt jedoch immer noch nicht als stark genug, um aTm zu einzubremsen.

Texas A&Ms Defense gilt als ordentlich gegen den Lauf, aber anfällig gegen fliegende Bälle. Die Stärken der Northwestern Wildcats passen da dummerweise genau ins Profil: QB Dan Persa muss in Abwesenheit eines ernst zu nehmenden Laufspiels viel und oft werfen und gilt dann auch als sehr akkurater QB.

Excel spuckt die Aggies trotzdem als 15pts-Favorit aus, wobei noch Fragezeichen bezüglich der Motivation bei den Aggies bleiben. Inwiefern lässt sich der Kader nach dem enttäuschenden Saisonverlauf inklusive verheerender Derbyschlappe gegen Texas vom Interimscoach noch genügend motivieren, um sich ein letztes Mal aufzuraffen?


Hyundai Sun Bowl

Georgia Tech Yellow Jackets – Utah Utes

Sa, 31.12. 20h LIVE bei ESPN America

Billigalternative zum Silvester-Menü: Sun Bowl aus dem warmen New Mexico (Albuquerque). Utah war im ersten Jahr als BCS-Team eine dezente Enttäuschung mit 7-5 in der Pac-12, hatte in der Offense nach einigen Verletzungen nicht viel mehr als den RB John White (1404yds, 14 TD) zu bieten, was sich aber noch recht gut trifft, da Georgia Tech eine schwache Front Seven aufbietet.

Georgia Tech ist unter HeadCoach Paul Johnson mit seiner „flexbone-triple option“-Offense immer ein Hingucker, läuft 316,8yds/Spiel, was sich etwas weniger gut trifft, weil Utahs absolut größte Stärke die Lauf-Defense ist. Die Utes haben zwar heuer keine Option-Offense gesehen, jedoch in den vergangenen Jahren gegen Air Force verteidigt. Die Yellow Jackets gelten trotz aller Pitches und Options als eigenartig abhängig von den Wurfkünsten QB Tevin Washingtons, die in der zweiten Saisonhälfte eher ein nervöses Abzugshändchen waren.

IMHO eine der interessantesten Bowls, was Matchups und Aufeinandertreffen von Stärke und Schwäche angeht. Ich vertraue angesichts einer Unmasse an zu erwartenden Laufspielzügen dem Excel-Spread von 2pts zugunsten Utahs nicht wirklich und sage trotz völliger Unwissenheit über den Sieger kein Spiel voraus, das knapp enden wird.


AutoZone Liberty Bowl

Cincinnati Bearcats – Vanderbilt Commodores

Sa, 31.12. um 21h3o LIVE im ESPN-Player
Sa, 31.12. 23h30 LIVE bei ESPN America (Einstieg in die Endphase)

Wenn man über dieses Spiel ein paar Zeilen verliert, kommt man nicht drum herum, den Umschwung an der gebrandmarkten Verlierer-Universität Vanderbilt (aus Nashville/Tennessee) zu thematisieren:  Jahrelang in der SEC verlacht und verspottet, aber seit letztem Winter sitzt dort der glatzköpfige Offensivgeist James Franklin am Ruder, der dann auch gleich in seiner Debütsaison mehr Siege holte als die letzten beiden Jahre zusammen. QB ist mit Jordan Rodgers der Bruder des großen Aaron, und Jordan fügte sich dann nach anfänglichen Problemen auch ordentlich ein, machte mit seiner Beweglichkeit viele Plays. Cincinnati (9-3) wird nun doch mit seinem in Rekordzeit wieder genesenen QB Zach Collaros antreten können, was essenziell sein könnte, da Vanderbilts Pass Rush zwar als aggressiv gilt, aber die Deckung viele Yards aufgibt – der unerfahrene Backup Munchie Legaux wäre hier vermutlich leichter verbrannt worden (Excel-Spread übrigens: 0,0 Punkte).


Kraft Fight Hunger Bowl

Illinois Fighting Illini – UCLA Bruins

So, 1.1. Tape um 9h30 bei ESPN America

Ein Spiel mit Potenzial zur schlechtesten College-Bowl seit Äonen: Illinois nach sechs Niederlagen en suite von 6-0 auf 6-6 gefallen und HeadCoach Ron Zook gefeuert, UCLA nach wechselhaftem Saisonverlauf 6-7 mit haushohen Klatschen gegen USC (null zu fuffzich) und Oregon (31-48) zum Abschluss, Head Coach Rick Neuheisl gefeuert und nur dank einer speziellen Klausel trotz negativer Saison überhaupt qualifiziert. Dazu kommt das ungeliebte Baseball-Stadion AT&T von San Francisco als Austragungsort, wo die beiden Teams an derselben Seitenlinie an der 50yds-Linie voneinander getrennt sein. Zum wenig begeisternden Stuff tragen auch die vielen angeschlagenen Running Backs in Illinois’ Angriff und der Zorn der UCLA-Fans auf den frisch eingestellten HeadCoach für 2012, Jim Mora jr., der heute allerdings noch nicht coachen wird, bei. Bei Illinois wird allerdings bereits die neue Fixlösung, Tim Beckman (von Toledo gekommen), die Spielleitung übernehmen.


Chick fil-A Bowl

#25 Auburn Tigers – Virginia Cavaliers

Sa/So, 31.12./1.1. 01h30 LIVE bei ESPN America
Tape: 1.1. um 12h30 bei ESPN America

Beim Noch-Titelträger Auburn herrscht schlechte Stimmung, weil die Saison in den letzten Wochen noch gegen die Wand gefahren wurde, die Coordinators mittlerweile entlassen oder an anderen Orten Chefcoaches geworden sind (OffCoord Malzahn soll noch dieses letzte Spiel leiten) und die einzige nennenswerte Offensiv-Waffe RB Michael Dyer aus nicht genannten Gründen intern für das Spiel gesperrt wurde. Da hätten wir dann auch gleich unser erstes essenzielles Matchup: Auburns an #104 gerankte Offense ohne seinen besten Mann gegen eine der besten Lauf-Defenses in der FBS.

Virginia, das kleine Virginia, erlebt unter dem leidenschaftlichen Head Coach im zweiten Jahr, Mike London (ein Schwarzer), einen Aufschwung, der sich in einer überraschend starken 8-4 Bilanz widerspiegelt. Im letzten Spiel der Regular Season wurde man zwar von Virginia Tech 38-0 in Grund und Boden gemäht, aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass man hochzufrieden mit der Entwicklung ist. Stärke ist die Offensive Line, hinter der sich ein ordentliches Laufspiel und ein fehlerarmer QB Michael Rocco entfalten können und gegen die tackling-resistente Defense Auburns etliche Yards zurücklegen sollten.

Auburn geht als nur leichter Favorit in diese Bowl mit dem genialsten aller Sponsornamen – Chick fil-A – (3,1pts), aber ein Cavs-Sieg wäre alles andere als ein Upset.

Bowl Season 2011/12: Wir nähern uns den großen Bowls

Heute Abend/Nacht finden gleich vier Bowl-Paarungen statt. Die von den Namen hochkarätigste – die Insight Bowl – wird bei ESPN America allerdings erst morgen als Aufzeichnung übertragen.

Bell Helicopters Armed Forces Bowl

BYU Cougars – Tulsa Golden Hurricane

Fr, 30.12. 18h LIVE bei ESPN America

Die Brigham Young University beendet ihre erste Saison als Independent, ein Herbst, der nicht reibungsfrei verlief (u.a. ein arges Debakel gegen Utah, 10-54), aber am Ende mit blauem Auge und 9-3 abgeschlossen wurde, was Head Coach Bronco Mendenhall nun erstmal ein reibungsfreies Arbeiten garantieren sollte.

Story der Saison bei den Coogs war die schnelle Auswechslung vom Quarterback Jake Heaps, der noch im Sommer als großer Hoffnungsträger gegolten hatte, gegen den beweglichen Backup Riley Nelson (61%completion, 16 TD, 5 INT, 376yds Scrambling). Nelson soll immer mehr Sicherheit gewinnen und sich im Team als „tough guy“ einen exzellenten Status erarbeitet haben, während Heaps sich bereits gen University of Kansas verabschiedet hat.

Der Blick auf BYUs Offense verrät eine sehr breit aufgestellte Offense, mit vielen Running Backs, die Carries bekommen und vielen, vielen Leuten, die Touchdowns fangen (10 oder 11). Die Defense verfügt über eine gute Front Seven und würde nicht den ersten Gegner unter seinem Saisondurchschnitt halten.

Tulsa, die Uni mit dieser furchtbar ausgewaschenen goldenen Trikotfarbe, gehört seit längerer Zeit zu den interessanten, wunderschön balanciert spielenden Offenses: 204,6yds Laufspiel und 249,8yds Passspiel im Schnitt (Vgl. 2010: 215yds Lauf, 284yds Pass). Schlüsselfigur im Angriff ist der wuselige QB G.J. („Gary Joe“) Kinne (2876yds Pass, 405yds Rushing, insgesamt 28 TD) und auch ansonsten könnte ich den Text von letztem Jahr hier reinkopieren: Viele Running Backs mit Carries, extrem viele verschiedene Wide Receivers, die die Bälle fangen.

Es ist ein Spiel, in dem ich meine Jetons eher auf BYU setzen würde: Tulsas Defense genießt bei mir trotz vieler Sacks nicht den allerbesten Ruf (#118 gegen den Pass, wenn auch gegen einen passlastigen Schedule) und sah gegen Boise und OSU furchtbar aus. BYU wirkt insgesamt einen Furz reifer. (Rating-System favorisiert allerdings Tulsa mit 2pts)

New Era Pinstripe Bowl

Iowa State Cyclones – Rutgers Scarlet Knights

Fr 30.12. 21h30 LIVE bei ESPN America

Iowa State war in der Big 12 Conference „6-6“, aber sie hätten auch untergehen können und keinen hätte es gekratzt, da die Saison nach dem fantastischen Derbysieg über die Iowa Hawkeyes (dritte Overtime!) gerettet war und dann im November das i-Tüpfelchen mit dem kolossalen Upset über Oklahoma State folgte. Der gerühmte QB Steele Jantz war der Hero in ersterem Krimi, wurde dann aber nach schwachen Vorstellungen auf die Bank gesetzt und durch den laufstarken Backup Jared Barnett (70yds/Spiel) ersetzt. Man kann davon ausgehen, dass Rutgers Probleme mit den vielen Scrambles Barnetts bekommen wird.

Die Rutgers Scarlet Knights des umtriebigen HeadCoaches Greg Schiano bieten einen wetterwindischen Laufangriff (Spiele mit Minus-Yards, 200+yds-Spiele), enteierte Quarterbacks und einen fantastischen WR Mohammed Sanu (109 Catches, 1144yds, 7 TD) auf und müssen a) auf ihre eigenen starke Pass-Defense und b) die schwache Cyclones-Defense hoffen.

Beide kommen auf dem Zahnfleisch daher, das Rating-System spuckt einen Spread von 0.3 Punkten aus, also würde man auf die potenziell motiviertere Mannschaft – Rutgers – setzen, trotz des schwachen Kickers mit dem coolen Namen San San Te (10/28 Kicks danebengesetzt).

Franklin American Mortgage Music City Bowl

Wake Forest Demon Deacons – Mississippi State Bulldogs

Fr/Sa 30./31.12. 0h30 LIVE bei ESPN America
Tape: Sa, 31.12. um 11h bei ESPN America

Zwei Teams, die die Music City Bowl eher als Belastung, denn als Freude empfinden würden. Von Mississippi State hatte man sich nach dem guten Herbst 2010/11 mehr erhofft, doch die Bulldoggs bekamen nie den richtigen Groove in der Offense und der mobile QB Chris Relf wurde sogar mehrmals ausgewechselt. Star des Angriffs ist RB Vick Ballard (1009yds), ein Senior in seinem letzten College-Spiel, der selbigen dann auch meistens im Alleingang tragen musste – gegen Wake Forest ein bewährtes Rezept, denn die Demon Deacons verfügen über eine schwache Lauf-Defense, kassierten in den letzten Wochen regelmäßig klar über 200yds Laufspiel.

Wake Forest mit dem sympathischen HeadCoach Jim Grobe sähe die 6-6 Bilanz eigentlich als zufriedenstellend an, jedoch wurden die meisten Siege zum Saisonbeginn geholt (u.a. über FSU), während man in den letzten zwei Monaten hauptsächlich – und teilweise hohe – Schlappen kassierte. Mitverantwortlich dafür waren Verletzungsproblemen in allen Mannschaftsteilen, aber zwei Männer hielten die Fahne hoch: QB Tanner Price (2803yds, 20 TD, 6 INT) und WR Chris Givens (1276yds).

Wake Forest wurde vor wenigen Wochen von Vanderbilt, das – wer will – man auf Augenhöhe mit Mississippi State sehen kann, abgeschlachtet. Mississippi State hat eine gute Defense. Das Rating-System favorisiert Mississippi State mit acht Punkten. Ich würde mit Dan Mullens Bulldoggs gehen.

Insight Bowl

#14 Oklahoma Sooners – Iowa Hawkeyes

Sa, 31.12. 14h als Tape bei ESPN America
(Live ist die Partie in der Nacht von 30.12. auf 31.12 um 4h MEZ im ESPN-Player zu sehen)

Die Probleme der Oklahoma Sooners habe ich in dieser Saison des Öfteren dokumentiert: Verletzungen mehrerer Schlüsselfiguren und die fehlenden Anpassungen der Defense auf Aufstellungen mit 4-5 WRs. Summa summarum ergibt sich daraus eine blasse 9-3 Bilanz, die als krasse Enttäuschung gewertet wird. In der Offense fielen in der zweiten Saisonhälfte RB Whaley und WR Broyles aus und schwupps brach auch der Gunslinger-QB Landry Jones etwas ein (immer noch 4302yds, 28 TD, 14 INT). Das Gute für die Sooners: Ihre Offense ist immer noch um mächtiges Passspiel gebaut, und Iowa hat eine unterirdische Pass-Defense, die im Ballhagel zu kollabieren pflegt.

Die Hawkeyes spielen selbst einen gepflegten Ball im Angriff, mit dem überraschend starken Stanzi-Nachfolger QB James Valkenburg und vor allem dem Top-WR Marvin McNutt, dessen Zahlen sämtliche Schuldrekorde an der B1G-Uni Iowa sprengten: 78 Catches, 1269yds, 12 TD – ungesehen in der Einöde von Iowa City. Es gab in den letzten Tagen allerdings ordentlich Krach bei den Hawkeyes, nachdem RB Marcus Coker für die Insight Bowl suspendiert worden war und ein weiterer Running Back via Twitter seinen sofortigen Abschied von der Mannschaft erklärte.

Aus Draftsicht dürfte man in Iowas Angriff ein Auge auf den Junior-OT Riley Reiff werfen, dem eine exzellente NFL-Karriere prognostiziert wird. Reiff ist der Eckpunkt der Unit, die als ansonsten anfällig gegen Sacks gilt.

Das Rating-System favorisiert Oklahoma mit 16 Punkten. Wenn die Sooners-Defense nicht erneut so kollabiert wie gegen Baylor und Oklahoma State, wird Oklahoma das Spiel auch gewinnen und dann gespannt auf QB Landry Jones und seine noch immer als offen geltende Entscheidung hinsichtlich Anmeldung zum NFL-Draft blicken.

Champ Sports Bowl 2011 live: Florida State Seminoles – Notre Dame Fighting Irish

[03h04] Für diejenigen mit Koffeinüberschuss gibt es jetzt noch den Gewinner der Heisman Trophy, Robert Griffin III („RG3“). Ich werde noch ein paar Drives zuschauen, aber kein Liveblogging mehr machen.

[03h00] Endstand Florida State 18, Notre Dame 14.

Glanzloser Sieg der Seminoles in einem Spiel, das über weite Strecken enttäuschte. Florida State brauchte bis tief ins dritte Viertel hinein, um ein Rezept gegen Te’o und Konsorten zu finden. Als es gefunden war und QB Manuel den Moment zum Gucken bekam, war es um Notre Dame geschehen. Jo, es halfen tiefe Bomben mit. Aber Notre Dame war auch erstaunlich mittellos gegen einen ruhigeren Manuel hinter halbwegs solider Protection.

Freilich halfen auch die drei INTs kräftig mit, zwei davon in der EndZone (beide gegen Rees), einmal eine sinnlose INT direkt auf den LB Bradham (gegen Hendrix), die den Stimmungsumschwung in dieser Partie brachte.

Lobeshymnen für die Seminoles wären fehl am Platz. Es ist ein Sieg, aber nichts, auf dem aufbauend man eine Mannschaft für nächste Saison in die Top-10 hypen sollte.

As for Notre Dame: Wenn ich mir den Schedule anschaue, wird 2012/13 auch recht heftig für die Irish. Michigan State, Michigan, Oklahoma, Stanford, USC als Gegner. Möglicherweise wird die Saisonbilanz nächstes Jahr erneut nicht viel besser ausschauen, selbst wenn Kelly die QB-Frage lösen kann.

[02h48] Rees riskiert, gleich einen Kopf kürzer gemacht zu werden. Notre Dame startet an der FSU28, hat fünf Minuten, und Rees wirft einen langsamen Ball in Doppeldeckung in die EndZone. Völlig überraschend ist das Resultat die dritte INT, 2:48 vor Schluss. Kelly dreht sich an der Seitenlinie resigniert ab, überlegt noch einen Moment, ob er sich zum Wutausbruch noch abdrehen soll.

[02h39] Brian Kelly staucht QB Rees nicht zum ersten Mal zusammen, nachdem Rees beim langen 3rd down nicht den Killerschlag sucht. Notre Dame spielt weiterhin ohne WR Michael Floyd und sieht in diesem Kontext seinen gefährlichsten verbliebenen Mann, TE Tyler Eifert, von einem Cornerback (#1 Mike Harris) bewacht. Eifert macht Plays, aber ohne Floyd sind die Optionen für Rees doch recht beschränkt. Positiv für Kelly: Der Punt wurde an der 0,1yds Line der Seminoles niedergelegt.

[02h31] Florida State 18, Notre Dame 14/Q4 8:05. Das emotionale Hoch nicht zum TD verwandeln können, weil Manuel beim 3rd down mit zwei Defensive Ends im Gesicht einen Ball in die EndZone 2m überwirft. Gemessen an den letzten Minuten muss Notre Dame sich nun aus einem ganz tiefen mentalen Loch hochziehen.

[02h26] Notre Dames Defense kriegt nun keinen Zugriff mehr auf QB Manuel. Wie vermutet sieht Manuel mit dem Funzen mehr Zeit plötzlich Land und traut sich beim 3rd-and-6 einen ganz tiefen Ball zu. Wieder fängt WR #80 Rashard Greene, diesmal im Nachfassen am Boden liegend, 2cm vor der Auslinie. Aber Respekt, wie locker nun der lange so starke Druck der Fighting Irish im Keim erstickt wird.

[02h11] Florida State 15, Notre Dame 14/Q4 13:18. Nun wirft auch Hendrix eine eher hanebüchene Interception, weil Hendrix den in der Zonendeckung hängenden LB Bradham übersieht und Bradham den Ball direkt auf die Brust serviert. Bradham wälzt sich ein paar Yards beim Return durch, ehe im nächsten Spielzug QB Manuel den WR #80 Greene in einer nicht hautengen Dreifachdeckung zum Touchdown findet. Jimbo Fishers Entscheidung, vorhin auf 2pts Conversion zu gehen, schlägt nun zurück, FSU scheitert zum zweiten Mal und führt nur +1 anstelle der durchaus möglichen +3.

[02h03] Florida State 9, Notre Dame 14/Q4 14:54. Erster Spielzug ist ein Manuel-Ball, der genau zweieinhalb Minuten in der Luft hing, ehe ihn WR Bert Reed runterpflückte zum ersten „Sechser“ für die Seminoles. Plötzlich ist Leben in der Bude.

[01h57] Das dritte Viertel geht in diesen Sekunde zu Ende und die Seminoles zeigen zum ersten Mal etwas Leben in ihrer Offense: Manuel komplettierte dank fantastischem Catch von WR Rashard Greene einen ganz tiefen Ball, kann dann mit etwas Zeit Screen-Pässe komplettieren, scrambeln und sogar erfolgreich die Bälle an die Running Backs übergeben. Man ist an der RedZone, ein zäher Marsch vorwärts, aber die Körpersprache bei den Seminoles ist plötzlich eine ganz andere.

[01h39] Florida State 3, Notre Dame 14/Q3 9:03. Ein langer Kickoff-Return vom flinken FS Joyner, eine gebremste Offense, eine Strafe gegen die Defense = 42yds Field Goal für K Hopkins. Joyner ist für einen Safety erstaunlich schnell, dabei muss man wissen: Joyner wurde als Sprinter für die Cornerbacks rekrutiert, aber aufgrund des schieren Überangebots an athletischen CBs auf Safety umgeschult, da man ihn als zu schade ansah, um draußen zu sitzen. Joyner, ein big hitter bei zirka 1,20m Körpergröße, als Instinktfootballer einer meiner Lieblingsspieler im College Football.

[01h30] Florida State 0, Notre Dame 14/Q3 11:24. Wilder, wilder TD-Spielzug, als QB Rees einen Ball in die EndZone lupft, wo WR Michael Floyd dem Gegenspieler CB Greg Reid überlegen ist, und im sechsten oder siebten Nachfassen einen spektakulären Touchdown fängt, während Reid böse mit dem Helm voraus auf dem Boden aufschlägt, sich aber wie durch ein Wunder nicht Hals und Genick bricht, sondern „nur“ gestützt rausgetragen werden muss. Scary, scary shit.

Notre Dame machte es nun interessant: Nutzte FSUs Undiszipliniertheit aus, wechselte zwischendurch als Tempowechsel den Scrambler QB Hendrix ein und schlug gleich nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Floyd-Bewacher #27 Xavier Rhoades eiskalt zu. Zweifellos gut gemacht von Brian Kelly – nun könnten die Seminoles ohne die beiden besten Deckungsspieler auskommen müssen (Rhoades/Reid).

[01h16] Habe ich das richtig mitgekriegt oder gibt es im College Basketball gerade ein Spiel mit Halbzeitstand „14-9“? In diesem Falle danken wir dem Herrn für diese sieben Punkte in Orlando.

[01h04] Halbzeit Florida State 0, Notre Dame 7.

Fürchterliches Spiel in der ersten Halbzeit. Keine der Offenses kriegt irgendwas auf die Reihe. Notre Dame sieht für meine Verhältnisse fast noch trauriger aus, die Quarterbacks kriegen trotz Zeit ganze 4.3yds/Passversuch zustande. Vierkommadrei, obwohl die Seminoles überhaupt nichts besonderes entgegenwerfen. Björn Werner hatte übrigens einen Sack und um ein Haar einen erzwungenen Fumble.

Florida State sieht nicht ungefährlich aus in den Momenten, in denen QB Manuel einen Moment zum Werfen kriegt. Weil Manuel hinter der taufrischen Offensive Line (angeblich vier Freshmen?) aber zumeist null Zeit zum Schnaufen bekommt und schon im Zurückstapfen unter Druck steht, werden fast alle Drives im Ansatz niedergemacht, Manuel niedergeschlagen. Florida State 0/7 bei 3rd downs, was alles sagt. Dazu ein Laufspiel mit 9yds in 14 Versuchen (vier davon waren allerdings Sacks).

[00h47] Während sich Notre Dame noch an den paar erzielten Punkten hochziehen kann, herrscht an der Seitenlinie der Seminoles blanke Frustration angesichts der schieren Unfähigkeit, den Pass Rush zu stoppen. Und es wäre nicht so, dass Notre Dames Front Seven da aus allen Rohren schießen würde…

[00h38] Während sich Co-Kommentator Gilmore wundert, warum QB Manuel kein Vertrauen in die Protection habe (warum bloß?), probieren die Seminoles einen Punt-Fake, der ein paar Zentimeter zu früh gestoppt wird. Angesichts der Aussichtslosigkeit, auf die traditionelle Weise was zustande zu bekommen, eine gute Entscheidung Fishers.

[00h28] Erstes 1st down der Seminoles durch eine Strafe (late hit gegen #55 Prince Shembo/“dirty“?), aber ansonsten dasselbe Lied: Florida States QB E.J. Manuel kriegt überhaupt keine Luft zum Atmen und wird andauernd niedergeschlagen und gesackt, konnte nur einmal per genialem Scramble dem massiven Druck entweichen. Überhaupt ein schwer anzusehendes, unrhythmisches Spiel mit einigen Strafen und vielen Auszeiten, um Strafen zu verhindern. Wenn ich da an Toledo-Air Force gestern denke…

[00h14] Kelly wechselt für einen Drive den jungen QB Andrew Hendrix ein, der gleich mal eine Auszeit verbrennt. Dann kommt Hendrix aber langsam ins Rollen, u.a. mit einigen NFL-reifen Pässen, deutet auch seine Beweglichkeit an, aber zum Ausklang des ersten Viertels setzt Notre Dames Kicker ein 48yds Field Goal rechts vorbei.

Florida State kommt wieder auf das Feld. Die Versuche, die Protection zu stabilisieren, sind interessant: Mal wird ein Spreading mit 5 WR versucht, dann kommt ein zusätzlicher Tight End, aber so richtig effizient war datt ganze bis dato nicht.

[23h54] Die Offensive Line der Seminoles gibt QB E.J. Manuel in dieser Anfangsphase zum Abschuss frei. Sind es die beiden unerfahrenen Guards? Manuel wird bei jedem Spielzug entweder gesackt oder niedergeschlagen, FSU kommt überhaupt nicht in Tritt und hat noch kein 1st down erzielt. Dagegen fällt bei Notre Dame auf, dass der Pass Rush gezielt durch wohl getimte Blitzes verstärkt wird, wobei sich vor allem #5 Te’o hervortut. Dass Te’o 2012 am College bleibt, sollte Notre Dame nächstes Jahr helfen.

[23h47] Florida State 0, Notre Dame 7/Q1 9:04. Der super-athletische LB #5 Te’o schlägt dem Backup/Backup-RB #8 Devonta Freeman den Ball nach einem Screen-Pass aus der Hand, der Ball wird straight zum Touchdown returniert. Zwei Spielzüge, zwei Turnovers. Geht ja mal gut los.

[23h42] QB Tommy Rees bestätigt gleich mal seinen Ruf, wirft bei 3rd down in die EndZone hinein eine INT: Ball von LB Jones Bradham direkt in die Arme von FS #20 LaMarcus Joyner abgefälscht und Joyner mit einem wilden 25yds-Return mit zig gebrochenen Tackles.

[23h31] Florida State vor dem Spiel: Die Verletzungsprobleme schlagen ziemlich arg durch, sodass in der Offensive Line heute beide Rookies ihren allerersten Einsatz in der Startformation haben werden. Was für das Laufspiel suboptimal ist, zumal dort der gefährlichste Running Back wegen zu schlechter Noten gesperrt ist.

[23h25] Im Vorfeld des Spiels wird der deutsche DE Björn Werner außerordentlich gelobt und als möglicher „high round draftpick“ (O-Ton) bezeichnet. Werner ist heuer Sophomore, wäre frühestens im April 2013 „draft-eligible“.

[22h43] In ca. einer Dreiviertelstunde wird das Reminiszenzenduell FSU – Notre Dame angepfiffen. Ich mache schonmal den Thread fürs Liveblogging auf.

Bowl Season 2011/12: Reminiszenz an eine ruhmreiche Vergangenheit

Kann bei ESPN America bitte jemand nochmal die erste Halbzeit von Toledo-Air Force von heute Nacht als Aufzeichnung senden? Dankeschön. Dies oder wer es sich gespeichert hat: Reinschalten zahlt sich aus. Zum heutigen Bowl-Programm, das nicht schlechter zu werden verspricht.


In den späten 80ern und den frühen 90ern waren Florida State und Notre Dame dominierende Mächte des College Football mit National Title-Ambitionen. Kulminationspunkt: November 1993, als sich die beiden Unis in einem „Game of the Century“ (datt kennen wir ja) trafen: #1 FSU vs #2 Notre Dame. Obwohl Notre Dame gewann, holte sich die Florida State University ein paar Wochen später den Landesmeistertitel, ehe sich nach wenigen weiteren Begegnungen die Wege der beiden etwas trennten: Während Notre Dame seitdem nur noch ein matter Abglanz alter Zeiten ist, blieben die Seminoles unter Trainerlegende Bobby Bowden noch fast ein Jahzehnt an der Spitze. Seit zwei Jahren haben beide Unis neue Head Coaches und neuen Aufschwung – 2011/12 war aber für beide eine Enttäuschung. Trotzdem: Die Mannschaftskerne bleiben in der Offseason intakt – wenn hier einer überzeugend gewinnt, wird er im neuen Jahr viel Presse und ein gutes Preseason-Ranking 2012 bekommen.

Champ Sports Bowl

Florida State Seminoles – Notre Dame Fighting Irish

Do, 29.12. 23h30 LIVE bei ESPN America
Tape: 30./31.12. um 04h morgens auf ESPNA

Florida State war als einer der Favoriten ins Rennen gegangen, wurde nach einer Heimniederlage gegen Oklahoma von Verletzungen auseinandergerissen und schenkte nach den Sooners noch Clemson und Wake Forest en suite ab. Es war kein Freak-Unfall: Mit wiederhergestellter Formation folgte im November eine enttäuschende Pleite gegen Virginia.

Der unerfahrene QB #3 E.J. Manuel gehört zu der Sorte „wechselhaft“, kann dem Angriff an guten Tagen jedoch eine zusätzliche Dimension mit seiner Beweglichkeit verleihen. Der komplette Angriff leidet unter einer nicht immer zuverlässigen Offensive Line, hinter der das Laufspiel nur an guten Tagen in die Gänge kommt, und einem fehlenden federführenden Wide Receiver als Sicherheitsoption. Killt der Gegner FSUs GamePlan, kommen Graupenspiele wie Virginia heraus.

Weil auch die Defense mit Verletzungen und Unbeständigkeit zu kämpfen hatte (CB Rhodes!) und mit DE Brandon Jenkins und FS LaMarcus Joyner nur zwei der vielen Talente eine wirklich gute Saison spielten, verortet man trotz solider Defense-Stats die größte Stärkte der Seminoles in der Special Teams mit einem guten Gespann aus Kicker und Punter und explosiven Leuten für die Returns.

Die Seminoles haben so was wie „Heimvorteil“ dank der in Orlando stattfindenden Partie, aber mit internen Problemen zu kämpfen: Mehrere Spieler, unter anderem der und bekannte Defensive Back Avis Commack, sind nach kleinkriminellen Handlungen in den letzten Wochen gesperrt (Commack z.B. wegen Diebstahls eines i-pods).

Notre Dame kämpft weniger mit dem Gesetz oder seiner Defense – letztere ist um den athletischen LB #5 Manti Te’o wirklich hervorragend, wenn auch nicht spektakulär – als vielmehr mit einem antiseptischen Angriff. Knackpunkt: Der als Offensivgenie bekannte Brian Kelly hat auch im zweiten Jahr noch keinen geeigneten Quarterback gefunden. Tommy Rees zerbröselt augenmaßgeschätzte acht von zehn Drives im Alleingang, während auch der mobile, junge Andrew Hendrix gegen Stanford auf verlorenem Posten war. Das alles, obwohl Notre Dame mit WR Michaely Floyd (95 Catches, 1102yds, 8TD) und TE Tyler Eifert zwei großartige Waffen besessen hätte, die nach der Champ Sports Bowl wohl beide den Weg in die NFL einschlagen werden.

Das Rating-System produziert bislang nicht unterirdische Ergebnisse: Diesmal wird Notre Dame mit +2.5 Punkten favorisiert. Eigenartig, da ich aufgrund der schwachen Offense der Fighting Irish eher auf die Seminoles tippen würde.

Valero Alamo Bowl

#12 Baylor Bears – Washington Huskies

Do/Fr 29./30.12. 03h LIVE bei ESPN America
Tape am Fr, 30.12. um 12h30 bei ESPN America

Hype! Hype! Wir sehen den taufrischen Gewinner der Heisman Trophy, Baylors fabulösen QB Robert Griffin III, Codename “RG3”, der Mann, der die kleine Baptistenuni Baylor auf die Landkarte der Relevanz gebracht hat. Ich bin wirklich nicht so schnell zu begeistern, aber: Ein schwarzer Scrambler vor dem Herrn mit einem Wurfarm vor dem Herrn, ein Sympathieträger und olympiawürdiger Hürdensprinter – Griffin gehört zu der Kategorie Sportler, denen man den Erfolg ja gerne vergönnt: Einst von sämtlichen großen texanischen Universitäten rekrutiert für alle möglichen athletisch herausfordernden Positionen – Defensive Back, Running Back, Wide Receiver – aber nur einer wollte Griffin als Quarterback: Houston Coach Art Briles. Griffin sagte zu. Als Briles kurzfristig im Dezember zu Baylor wechselte, ging im Schlepptau auch Griffin mit nach Waco, um seinen Traum vom College-Quarterback zu erfüllen – ein Traum, der möglicherweise aus Vorbehalten gegenüber dem „schwarzen Quarterback“ an renommierteren Universitäten unmöglich gewesen wäre.

2010 war schon stark, aber 2011/12 war s-p-e-k-t-a-k-u-l-ä-r. Griffin gewann das beste College-Football-Spiel des Jahres zum Saisonauftakt gegen TCU 50-48, u.a. dank eines Griffin-Catches im finalen Drive, und zertrümmerte gegen Saisonschluss mit großartigen Leistungen die Granden Oklahoma und Texas fast im Alleingang. Schlüsselmoment vielleicht dieser Wunder-Spielzug auf WR Kendall Wright gegen die Sooners:

Allein, dass ein Mann von seiner so kleinen Uni wie Baylor die Heisman Trophy gewinnt, sollte die Bedeutung des Mannes unterstreichen – allein: Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Spieler wie RG3, die im Dezember einen Marathon an Ehrungen durchmachen, in der Bowl Season dazu tendieren, ausgelaugt zu sein und die immensen Erwartungen eher etwas zu enttäuschen.

Deshalb sollte man die aufstrebenden Washington Huskies nicht unterschätzen: Auch sie haben einen möglicherweise bald NFL-reifen Quarterback in Keith Price, der den großen Leader Jake Locker (nun Tennessee Titans) nahtlos ersetzte und gemeinsam mit dem brachialen RB Chris Polk und dem heuer etwas enttäuschenden WR Jermaine Kearse ein starkes Offensiv-Trio bildet. Generell wird die Arbeit vom Head Coach Steve Sarkisian sehr gelobt – man muss wissen, dass das Programm der Huskies vor wenigen Jahren noch komplett am Boden lag und eine sieglose Saison durchstehen musste.

Also: Zwei Offensivfeuerwerkskörper gegen jeweils sperrangelweit offene Scheunentore namens „Defense“. Können wir von einem Over/Under von 80 ausgehen?

Bowl Season 2011/12: Nicht Mack Browns letztes Halali

Nach der Poinsettia Bowl fürn Weihnachtstourismus vergangene Woche nun die Holiday Bowl fürn Silvestertourismus von San Diego – und als Aufwärmprogramm eine der interessantesten Mannschaften dieser Footballsaison.

Military Bowl presented by Northrop Grumman

Toledo Rockets – Air Force Falcons

Mi, 28.12. 22h30 LIVE bei ESPN America

Die Toledo Rockets sind ein kleiner Mid-Major aus der MAC mit einer 8-4 Bilanz, der die MAC-East als Zweiter abschloss. Was wenig aufregend klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als durchaus nicht verachtenswert: Toledo hatte Ohio State im September am Rande einer Niederlage (scheiterte erst an der RedZone beim Comeback-Drive) und hätte gegen einen weiteren BCS-Gegner, Syracuse, ohne diesen Phantom-Call der Refs gewonnen:

Im November scheiterten die Rockets dann am späteren MAC-Champ Northern Illinois in einem fassungslosen Shootout (60-63) und verpassten dadurch das MAC-Finale – trotzdem ist die Mannschaft mit ihrer einzigen klaren Niederlage gegen Boise State ein Liebling sämtlicher mathematischer Rankings (bei mir #31). Die Vorstellungen waren dann am Ende auch imposant genug, dass der Stratege dahinter, Head Coach Tim Beckman, gleich von der University of Illinois aus der Big Ten Conference abgeworben wurde. Beckman wird heute nicht mehr coachen.

Toledo zeichnet eine überraschend starke, schön durchbalancierte Offense aus, wo zwei unterschiedliche Spielertypen bei den Quarterbacks durchrotiert werden (der bewegliche Austin Dantin und der fußlahme Terrance Owens), RB Adonis Thomas zuletzt mit über 150yds/Spiel explodierte und WR Eric Page eine grandiose Saison spielt (112 Catches, 1123yds, 10 TD).

Toledos Defense gilt als ebenso grundsolide, aber es gibt das eine Problem: Air Force spielt eine Option-Offense, und das haben die Rockets noch nicht gesehen. Die Falcons treiben das Spielchen mit den Ballübergaben und Pitches nicht so weit wie eine Army oder Navy und wirft etwas regelmäßiger (QB Tim Jefferson durfte heuer 161x werfen!), ist aber mit 320,3yds die #2 der Lauf-Statistiken in dieser Saison.

Die Air Force hat sich bei mir als starke „Bowl-Mannschaft“ eingebrannt, dürfte aber heute Nacht mit ihrer heuer wackeligen Defense Probleme bekommen. Ich halte ein Upset der Rockets also für nicht ausgeschlossen, trotz Interimscoach und möglicher ausgehender Puste. In fact, mein Ranking favorisiert gar Toledo mit sieben Punkten – ist jedoch rein mathematisch erstellt.

Bridgepoint Education Holiday Bowl

#24 Texas Longhorns – California Golden Bears

Mi/Do 28./29.12. 02h LIVE bei ESPN America
Tape: Do, 29.12. um 16h30 bei ESPNA

Die Texas Longhorns waren in den Tagen vor der Holiday Bowl mal wieder fleißig dabei, die Rücktrittsgerüchte um den alternden, vermeintlich etwas amtsmüden Head Coach Mack Brown zu dementieren – der exzellente Recruiter Brown bekam deshalb sogar eine Vertragsverlängerung, damit die Rufe endlich verstummen. Einen Abgang des grauhaarigen Head Coaches (seit 1998 bei UT) würde man nun als Überraschung werten.

Texas’ Probleme im Angriff kann man an den Quarterbacks festmachen: Der ungeliebte QB Gilbert wurde schnell aus der Stadt gejagt, die blutjungen Case McCoy (Colts Bruder) und David Ash übernahmen und spielten wechselhaft, trotz guter Offensive Line und annehmbaren Wide Receivers. So ist der Mann, der die Offense über weite Strecken trug, ein Freshman: RB Malcolm Brown (707yds), der allerdings nicht ganz fit ist. Angesichts der personellen Probleme gilt es immer noch als passables Gesellenstück des jungen OffCoord Bryan Harsin (ex-Boise State), was er da noch herausgeholt hat.

Auch Cal bietet einen passablen Angriff auf, mit dem RB Isi Sofele (1270yds, 9 TD) und dem Passspiel über QB Zach Maynard (2802yds, 17 TD, 11 INT) und den gefährlichen WR Keenan Allen (1261yds, 6 TD), muss aber primär auf einen Kollaps der texanischen Defense hoffen: Die Longhorns gehören potenziell zu den besten Defenses des College Football, klappten aber zwischendurch immer wieder übel gegen mächtigere Angriffsformationen (Oklahoma, Oklahoma State, Baylor) zusammen.

Viele gehen von einem recht spannenden Spiel aus, das möglicherweise erst in den letzten Minuten entschieden werden wird – Texas hätte da als X-Faktor einen K Justin Tucker aufzubieten, der vor wenigen Wochen nach dem Derbysieg über Texas A&M auf Schultern aus dem Stadion getragen wurde. Coin-Flip: Texas sollte leicht favorisiert sein.

Bowl Season 2011/12: Zweimal Offense und zweimal Defense, bitte

Die Meineke Car Care Bowl hatte ihren Platz im Bank of America Stadium der Carolina Panthers. Jetzt ist Meineke Car Care nach Texas umgezogen und wird erst am Freitag ausgespielt. Carolina suchte sich einen neuen Sponsor und so findet heute Nacht die „Belk Bowl“ statt. Alles klar?

Little Caesars Pizza Bowl

Purdue Boilermakers – Western Michigan Broncos

Di, 27.12. 22h30 LIVE bei ESPN America

Ein Duell aus dem US-Norden, mit einem klassischen Team aus der Big Ten Conference (Purdue) und einem aus der kleinen Schwester MAC (Western Michigan). Und ein Spiel der kulturellen Unterschiede. Die kleinen Broncos werfen sich mit ihren mächtigen QB Alex Carder einen Wolf, während Purdue eher schön durchrotiert zwischen Läufen und Pässen.

Kostprobe? Carder war im November ein Freak von einem QB, u.a. mit einem 548yds-Spiel gegen Toledo, macht im Schnitt über die Saison 329yds Passspiel, wobei der #1-WR Jordan White sagenhafte 127 Catches für 1646yds und 16 TDs in nur 12 Spielen produzierte. Purdue verfügt im Gegensatz über eine solide Lauf-Offense, um Carders explosiven Angriff draußen zu halten, allerdings fehlt der beste Running Back Ralph Bolden nach Kreuzbandriss vor drei Wochen.

Ein Faktor, der mehrmals angesprochen werden wird: Western Michigan verfällt in Apathie, wenn es gegen die Big Ten Conference geht. Obwohl mein Rating-System die Broncos mit 2pts favorisieren würde, sähe ich die Boilermakers leicht im Vorteil.

Belk Bowl

North Carolina State Wolfpack – Louisville Cardinals

Di/Mi 27./28.12. um 02h LIVE im ESPN-Player
Tape am 28.12. um 14h30 bei ESPN America

Louisville und NC State kommen beide im Hoch daher, nachdem beiden der Schlussspurt glückte. Louisville ist nach 1-2 Jahren Depritour wieder im Kommen und man scheint hoch zufrieden mit dem vor zwei Jahren geholten Head Coach Charlie Strong zu sein. Strongs wichtigste Kredenzien waren Recruiting und Motivation – und man sagt den Cardinals ein Spiel mit Herz und Leidenschaft nach. Im Angriff wird bevorzugt klassisch der Ball an einen der vielen Running Backs übergeben, um den jungen QB Terry Bridgewater zu entlasten. Die Defense steht statistisch hervorragend da, gilt aber aufgrund qualitativ eher lauwarmer Gegner immer noch als eher unausgetestet. Trotzdem reichte Strongs Fokus auf die Basics am Ende um ein Haar für den Gewinn der Big East Conference und Orange Bowl-Qualifikation geführt hätte.

Im „Trostpreis“ Belk Bowl wird man gut beraten sein, möglichst wenig zu werfen: Das Wolfpack ist INT-hungrig (unglaubliche 24 INTs in 12 Spielen!) und verfügt wie Louisville eine knackige Defense, wo die Schotten dicht gemacht werden.

So könnte der Knackpunkt die Offense des Wolfpacks sein, respektive QB Mike Glennon, der sich immer noch die gleiche Leier anhören muss, dass er nicht Russell Wilson sei. Wilson, mittlerweile Wisconsins Quarterback, und vor Saisonbeginn von Head Coach Tom O’Brien vom Campus gejagen. Selbiger O’Brien wäre folgerichtig bei einer durchwachsenen Saison gefeuert worden, rettete sich aber mit Hurra-Siegen über nicht schlechte Gegner (u.a. Clemson) den Kopf.

Das Spiel dürfte knusprig sein, weil beide Teams gute Defense und grundsolide Offense spielen und nach einem starken November motiviert genug sein dürften, auch das letzte Spiel mit einer Portion Feuer zu bestreiten.

Football am Stephanstag: Marinos Uraltrekord wackelt – eine Woche vor Toreschluss

Pünktlich zum Ende der Weihnachtstage steigen heute Nacht die nächsten BCS-Conferences in die Bowl Season ein. Im Anschluss daran folgt das letzte Monday Night Game der NFL-Saison. „Letztes Mal MNF“ wie „letztes Mal Gruden-Gelaber“ – zumindest für neun Monate. Oder wird this guy doch noch kurzfristig auf Coach zurücksatteln?

Advocare Independence Bowl

Mizzou Tigers – North Carolina Tar Heels

Mo, 26.12. 23h LIVE bei ESPN America
Tape: Di, 27.12. um 12h bei ESPN America

Für Mizzou ist es nicht nur der Abschluss einer Achterbahn-Saison (u.a. Alkofahrt von Head Coach Gary Pinkel), sondern vor allem das letzte Spiel als Mitglied der Big 12 Conference: Bekanntlich folgt zur neuen Saison der Wechsel in die SEC. Zum Abschied stehen die Chancen auf einen Bowl-Sieg nicht schlecht: Die Tigers verfügen über einen sehr guten Angriff, wo double threat QB James Franklin seinen Vorgänger Blaine Gabbert statistisch in den Boden läuft und wirft. Überhaupt ist der mobile Franklin eine repräsentative Figur in Mizzous Angriff, der so daherkommt: 472,4yds Offense pro Spiel, davon exakt 236,2yds Passspiel und 236,2yds Laufspiel. Was ist die englische Vokabel für „perfekte Balance“? UNCs Expertise ist zwar die Lauf-Defense, jedoch zeigte man sich als sehr anfällig gegen laufstarke Gunslinger-Quarterbacks. Franklin kann man dummerweise genau in diese Kategorie zählen. Mein Rating-System würde Mizzou mit acht Punkten favorisieren.

Bei North Carolina spielt ohnehin das Ergebnis weniger eine Rolle als die drohenden Sanktionen seitens der NCAA. Nachdem den Tar Heels im Sommer ein massiver Recruiting-Skandal um die Ohren geflogen und Chefcoach Butch Davis geschmissen worden war, geht man von wenigstens einer zweijährigen Bowl-Sperre für UNC in naher Zukunft aus. Was im Übrigen den künftigen Head Coach Larry Fedora nicht davon abhielt, trotz einiger weiterer interessanter Angebote nach Chapel Hill zu wechseln.

Monday Night Game/NFL

New Orleans Saints – Atlanta Falcons

Mo/Di, 26./27.12. 02h30 LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Tape: Di, 27.12. um 17h30 bei ESPN America

Das NFL-Topspiel der Woche kommt aus der NFC South. Die heimstarken Saints gegen die aufstrebenden Falcons, ein Spiel mit viel Zungenschnalz. Je nach Ausgang des SNF-Spiels aus der vergangenen Nacht (kein Spoiler bitte an dieser Stelle!) sind die Falcons bereits für die Playoffs qualifiziert oder nicht, könnten aber auf alle Fälle noch mit einem Sieg im Big Easy noch den Divisionssieg anpeilen. Auf der anderen Seite brauchen die Saints dringend die Big Points im Kampf um die strategisch wichtige Bye Week (#2-Seed wird aktuell von San Francisco gehalten). Bisschen Thrill bringt auch das mögliche Re-Match in der Wildcard-Runde in zwei Wochen rein, das unabhängig vom Spielausgang heute Nacht passieren könnte: Zeigt man dem Gegner bereits alles?

Die Atlanta Falcons sind mit 9-5 so ein Team, das mächtig Aufwind bekommen hat: Die Mannschaft hatte lange Zeit Probleme mit kleineren Wehwehchen, aber wirklich auf die IR hat sich noch kein essenzieller Spieler verabschiedet. QB Matt Ryan spielt solide und effizient, soll in den vergangenen Monaten immer mehr Verantwortung in der schnellen Falcons-Offense übernommen haben und verfügt neben dem immer noch nicht verbrannten RB Michael Turner mit dem goldenen Trio TE Gonzalez/WR White/WR Jones hinreichend Waffen, um die Saints verladen zu können. Man muss wissen, dass New Orleans’ Defense dazu neigt, gegen kräftige Running Backs arge Probleme zu bekommen und gegen mehrere Wide Receivers in der Aufstellung zu den unterdurchschnittlichen Defenses gehört.

Warum ich trotzdem an einen Heimsieg der Saints glaube? Der Heimvorteil, Baby. Es gibt keine Mannschaft, der ich bedenkenloser gegen einen beliebigen Gegner zuhause vertraue. QB Drew Brees dürfte bei halbwegs normalem Spielverlauf bereits heute Nacht den ewigen Passrekord Dan Marinos (5084yds irgendwann in den 80ern) brechen und zum zweiten Mal (!) in seiner Karriere die 5000yds-Grenze knacken. 220yds fehlen zum Fünftausender, 304yds zum Rekord. 220 oder 304 – respektive „indiskutabel“ oder „unterdurchschnittlich“ für Brees’ Verhältnisse.

Football am Heiligabend: Aloha!

Weil die Amerikaner ihren Hauptfeiertag am Fünfundzwanzigsten haben, werden die NFL-Sonntagssspiele von Woche 15 bis auf das Sunday Night Game heute abgehalten. Für die Seelen, die einschalten werden:

New York Jets – New York Giants

Heiligabend, 19h LIVE bei ESPN America
Tape: Mo, 26.12. um 10h ESPNA

Wichtiges Spiel mit Playoff-Auswirkungen auf beiden Seiten und in beiden Conferences. Über die Stadtrivalität Jets/Giants habe ich bereits gestern geschrieben. Sportlich geht es vielleicht für die Giants bereits um Kopf und Kragen: Falls Dallas später gegen Philadelphia gewinnen sollte, wäre eine Niederlage das Saisonaus. Die Jets können sich eine Niederlage eher leisten, behalten aber nur mit einem Sieg ihr Schicksal mehr oder weniger in den eigenen Händen (Tie-Breaker gegen Cincinnati könnte auf den Strength of Victory hinauslaufen).

Bei beiden herrscht nach jüngsten verheerenden Schlappen schlechte Stimmung: Die Giants begaben sich nach der Pleite gegen Washington in leise Selbstzerfleischung, mit kleineren öffentlichen Scharmützeln (S Rolle), während bei den Jets nach dem Debakel in Philadelphia erstmal kleinlaut auf dieses bevorstehende Stadtderby hingewiesen wurde.

Die beiden QB-Giganten Eli Manning/Mark Sanchez müssen mit sterilem Laufspiel und argen Protection-Problemen leben und erweisen sich immer wieder als unzuverlässig, wenn sie das Heft des Handelns in die Hand gedrückt bekommen – wobei man Manning nach einer grundsoliden ersten Saisonhälfte und aufgrund wetterwindischer Wide Receivers (Manningham!) teilweise freisprechen dürfte. Sanchez dagegen erweist sich mehr und mehr als lernresistenter junger QB, der ohne ein dominantes Laufspiel und Play-Action in lähmende Starre verfällt, wenn die erste Anspielstation abgedeckt ist.

Zum Lotterie-Charakter dieser Partie tragen auch die beiden Defenses bei, die faszinierenderweise in einem Spiel Dominanz pur ausstrahlen, um eine woche später zu kollabieren. Die Giants bringen nicht jede Woche den nötigen Pass Rush auf, um die Schwächen in der „Back Seven“ zu kaschieren, während die Jets am Sonntag von den Philadelphia Eagles mit 45 eingeschenkten Punkten noch gütlich behandelt worden sein sollen.

Dallas Cowboys – Philadelphia Eagles

Heiligabend, 22h15 LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Tape: Mo, 26.12. um 12h ESPNA

Je nach Ausgang des Giants-Stadtderbys wird dieser Partie eine andere Bedeutung zukommen:

  1. Wenn die Giants verlieren, kann Philadelphia mit einem Sieg gegen Dallas die Option „3x 8-8 an der Divisionsspitze“ am Leben erhalten. Dallas dagegen wäre mit einem Sieg dann bereits in den Playoffs.
  2. Wenn die Giants gewinnen, sind die Eagles schon vor Kickoff eliminiert. Für die Cowboys dagegen wäre es das Szenario, in dem Sieg oder Niederlage zur Marginalie verkämen, da sie in diesem Fall ohnehin das letzte Saisonspiel in New York gegen die Giants gewinnen müssten, wenn sie sich nicht auf die unwahrscheinliche Option „Remis“ verlassen wollen.

Sportlich würde ich die Eagles in dieser Partie als haushoch favorisiert sehen. Die Cowboys gehören für mich mittlerweile zu den Enttäuschungen der Saison, sind der Inbegriff für eine mittelmäßige Mannschaft ohne viel „Upside“ geworden, während die Eagles zwar eine horrende Saison erleben, aber seit der Rückkehr des simpel gestrickten QB Michael Vick mächtigst aufgeigen und mittlerweile bei den potenziellen Wildcards-Teams Atlanta/Detroit Ganslrupfn verursachen dürften. Die Mannschaft wirkt an einem guten Tag scarily gefährlich.

Aufzeichnungen bei ESPN America

Morgen zum Christfest um 15h30 das eher sinnfreie Tape von New England – Miami. Die Patriots haben es in der Hand, mit zwei Heimsiegen über Miami und Buffalo mal wieder den #1-Seed zu fixieren.

Um 17h30 das schon um einiges relevantere Duell Detroit – San Diego. Detroit ist nach dem erneuten Comebacksieg in Oakland ganz nahe am Tor zu den Playoffs, während sich die Chargers nach dem Kantersieg über Baltimore keinen Ausrutscher erlauben dürfen und gleichzeitig auf eine Niederlage Tebows zum Weihnachtsfest hoffen müssen. Wenn man sich die Saison der Lions bisher anschaut, merkt man, dass es für die absolute NFL-Elite noch nicht ganz reicht. Gegen Green Bay, San Francisco, New Orleans, Atlanta und Chicago (mit Cutler/Forté) wurde jeweils verloren. Allesamt playoff- und mit oder ohne Abstriche titelwürdige Mannschaften. San Diego würde ich immer noch in letztere Kategorie zählen. Ach, und dann ist da noch das Gunslinger-Duell zwischen Stafford und Rivers mit potenziell 800yds Passspiel.

Hm. Möglicherweise verpassen da mit Philadelphia und San Diego zwei Superbowl-Kaliber die Playoffs, während vergleichsweise mittelmäßige Mannschaften wie Denver, beide New Yorker oder Dallas sich durchlavieren können. Noch ist jedoch nicht aller Tage Abend.


Sheraton Hawai’i Bowl

Nevada Wolf Pack – #21 Southern Miss Golden Eagles

Sa/So, 24./25.12. 02h LIVE bei ESPN America
Tape: So, 25.12. um 12h30 bei ESPN America

Southern Miss gehört durchaus zu den positiveren Erscheinungen dieser Saison, kann sich fett hinter die Ohren schreiben, die gehypten Houston Cougars im Conference-Finale windelweich geprügelt zu haben und war wohl am Ende eine überflüssige Niederlage gegen UAB von einer BCS-Bowl entfernt. Head Coach Larry Fedora wird sein letztes Spiel coachen, bevor er zu UNC in die ACC wechselt. Fedoras wichtigster Mann diese Saison: QB Austin Davis, ein ehemaliger Walk-on (nicht mit Stipendium rekurtiert) und heute Nacht sein letztes Spiel absolvierend.

Nevada bietet eine Trainerlegende auf: Chris Ault, den Erfinder der „Pistol-Offense“. In der Ära nach Kaepernick hat Ault seinen neuen QB noch nicht gefunden (Lantrip/Fajardo wechseln sich driveweise ab), dafür ist der Angriff um den WR Rishard Matthews (1364yds, 8TD in 91 Catches) gebaut, der jedoch gegen die quicke, interceptionfreudige Defense der Golden Eagles Probleme bekommen könnte. Als Champs der Conference-USA gilt Southern Miss als hoher Favorit, doch aufgepasst: Southern Miss hat sich einen Ruf als Wundertüte in der Bowl Season erarbeitet.


Frohes Fest und einen netten Abend wünsch ich Euch allen. Wir hören uns dann morgen. Macht’s gut.