Die Ansetzungen der Bowl-Season 2015/16 stehen fest

Die Bowl-Season für den Jahreswechsel 2015/16 steht. 40 Bowls plus das Landesmeisterschaftsfinale in der Nacht von 11. auf 12. Jänner 2016 werden ausgespielt. Ein Überblick. Weiterlesen

So wird das College Football Playoff in groben Zügen aussehen

Der College Football startet mit der anstehenden Saison bekanntlich in eine neue Ära, in der das neue College Football Playoff-System die umstrittene BCS (“Bowl Championship Series”) nach über 15 Jahren ablöst. Künftig wird dem Endspiel ein Halbfinale zum Jahreswechsel vorgeschaltet. Wir müssen also die Rahmenbedingungen abstecken: Worum geht es in diesem neuen System der Ermittlung des Landesmeisters? Weiterlesen

Silvester-Bowls im College Football 2011

Achtung: Dieses Jahr finden am morgigen Neujahrstag keine Bowls im College Football statt, da die NFL ihren letzten Spieltag des Grunddurchgangs abhält. Die traditionellen Neujahrsbowls diesmal am Montag, 2.1. Mit dem Appell, nicht verantwortungslos zu feiern, zu den heutigen Silvester-Bowls für die Partymuffel.


Meineke Car Care Bowl of Texas

Texas A&M Aggies – Northwestern Wildcats

Sa, 31.12. 18h LIVE im ESPN-Player
Tape: So, 1.1. 6h30 bei ESPNA

Da sind zwei Teams mit einer Saisonbilanz von 6-6, aber “6-6” fühlt sich bei beiden sehr unterschiedlich an. Texas A&M gehört bekanntlich zu den von mir immer noch hoch angesehenen Teams, ein Kaliber, das nur gegen Oklahoma höher verlor, ansonsten durch allerhand Freak-Einbrüche Führungen und an sich gute Vorstellungen wegwarf und sich seine letzte Saison in der Big 12 Conference zerschoss. HeadCoach Mike Sherman ist dann auch gefeuert worden, doch heute wird nicht der Nachfolger Kevin Sumlin (von Houston gekommen) coachen, sondern DefCoord Tim DeRuyter, der sich dann auch nach der Partie brav nach Fresno State verzieht, wo er der neue Mann am Steuer sein wird. Alles klar?

Die Aggies leben von einem sehr guten Angriff (496yds/Spiel) um QB Ryan Tannehill (3415yds, 28 TD, 14 INT) und den Top-WR Jeff Fuller, aber die beiden starken Running Backs Michael/Gray sind seit Wochen entweder außer Gefecht oder schwer angeschlagen unterwegs. Northwesterns Defense gilt jedoch immer noch nicht als stark genug, um aTm zu einzubremsen.

Texas A&Ms Defense gilt als ordentlich gegen den Lauf, aber anfällig gegen fliegende Bälle. Die Stärken der Northwestern Wildcats passen da dummerweise genau ins Profil: QB Dan Persa muss in Abwesenheit eines ernst zu nehmenden Laufspiels viel und oft werfen und gilt dann auch als sehr akkurater QB.

Excel spuckt die Aggies trotzdem als 15pts-Favorit aus, wobei noch Fragezeichen bezüglich der Motivation bei den Aggies bleiben. Inwiefern lässt sich der Kader nach dem enttäuschenden Saisonverlauf inklusive verheerender Derbyschlappe gegen Texas vom Interimscoach noch genügend motivieren, um sich ein letztes Mal aufzuraffen?


Hyundai Sun Bowl

Georgia Tech Yellow Jackets – Utah Utes

Sa, 31.12. 20h LIVE bei ESPN America

Billigalternative zum Silvester-Menü: Sun Bowl aus dem warmen New Mexico (Albuquerque). Utah war im ersten Jahr als BCS-Team eine dezente Enttäuschung mit 7-5 in der Pac-12, hatte in der Offense nach einigen Verletzungen nicht viel mehr als den RB John White (1404yds, 14 TD) zu bieten, was sich aber noch recht gut trifft, da Georgia Tech eine schwache Front Seven aufbietet.

Georgia Tech ist unter HeadCoach Paul Johnson mit seiner „flexbone-triple option“-Offense immer ein Hingucker, läuft 316,8yds/Spiel, was sich etwas weniger gut trifft, weil Utahs absolut größte Stärke die Lauf-Defense ist. Die Utes haben zwar heuer keine Option-Offense gesehen, jedoch in den vergangenen Jahren gegen Air Force verteidigt. Die Yellow Jackets gelten trotz aller Pitches und Options als eigenartig abhängig von den Wurfkünsten QB Tevin Washingtons, die in der zweiten Saisonhälfte eher ein nervöses Abzugshändchen waren.

IMHO eine der interessantesten Bowls, was Matchups und Aufeinandertreffen von Stärke und Schwäche angeht. Ich vertraue angesichts einer Unmasse an zu erwartenden Laufspielzügen dem Excel-Spread von 2pts zugunsten Utahs nicht wirklich und sage trotz völliger Unwissenheit über den Sieger kein Spiel voraus, das knapp enden wird.


AutoZone Liberty Bowl

Cincinnati Bearcats – Vanderbilt Commodores

Sa, 31.12. um 21h3o LIVE im ESPN-Player
Sa, 31.12. 23h30 LIVE bei ESPN America (Einstieg in die Endphase)

Wenn man über dieses Spiel ein paar Zeilen verliert, kommt man nicht drum herum, den Umschwung an der gebrandmarkten Verlierer-Universität Vanderbilt (aus Nashville/Tennessee) zu thematisieren:  Jahrelang in der SEC verlacht und verspottet, aber seit letztem Winter sitzt dort der glatzköpfige Offensivgeist James Franklin am Ruder, der dann auch gleich in seiner Debütsaison mehr Siege holte als die letzten beiden Jahre zusammen. QB ist mit Jordan Rodgers der Bruder des großen Aaron, und Jordan fügte sich dann nach anfänglichen Problemen auch ordentlich ein, machte mit seiner Beweglichkeit viele Plays. Cincinnati (9-3) wird nun doch mit seinem in Rekordzeit wieder genesenen QB Zach Collaros antreten können, was essenziell sein könnte, da Vanderbilts Pass Rush zwar als aggressiv gilt, aber die Deckung viele Yards aufgibt – der unerfahrene Backup Munchie Legaux wäre hier vermutlich leichter verbrannt worden (Excel-Spread übrigens: 0,0 Punkte).


Kraft Fight Hunger Bowl

Illinois Fighting Illini – UCLA Bruins

So, 1.1. Tape um 9h30 bei ESPN America

Ein Spiel mit Potenzial zur schlechtesten College-Bowl seit Äonen: Illinois nach sechs Niederlagen en suite von 6-0 auf 6-6 gefallen und HeadCoach Ron Zook gefeuert, UCLA nach wechselhaftem Saisonverlauf 6-7 mit haushohen Klatschen gegen USC (null zu fuffzich) und Oregon (31-48) zum Abschluss, Head Coach Rick Neuheisl gefeuert und nur dank einer speziellen Klausel trotz negativer Saison überhaupt qualifiziert. Dazu kommt das ungeliebte Baseball-Stadion AT&T von San Francisco als Austragungsort, wo die beiden Teams an derselben Seitenlinie an der 50yds-Linie voneinander getrennt sein. Zum wenig begeisternden Stuff tragen auch die vielen angeschlagenen Running Backs in Illinois’ Angriff und der Zorn der UCLA-Fans auf den frisch eingestellten HeadCoach für 2012, Jim Mora jr., der heute allerdings noch nicht coachen wird, bei. Bei Illinois wird allerdings bereits die neue Fixlösung, Tim Beckman (von Toledo gekommen), die Spielleitung übernehmen.


Chick fil-A Bowl

#25 Auburn Tigers – Virginia Cavaliers

Sa/So, 31.12./1.1. 01h30 LIVE bei ESPN America
Tape: 1.1. um 12h30 bei ESPN America

Beim Noch-Titelträger Auburn herrscht schlechte Stimmung, weil die Saison in den letzten Wochen noch gegen die Wand gefahren wurde, die Coordinators mittlerweile entlassen oder an anderen Orten Chefcoaches geworden sind (OffCoord Malzahn soll noch dieses letzte Spiel leiten) und die einzige nennenswerte Offensiv-Waffe RB Michael Dyer aus nicht genannten Gründen intern für das Spiel gesperrt wurde. Da hätten wir dann auch gleich unser erstes essenzielles Matchup: Auburns an #104 gerankte Offense ohne seinen besten Mann gegen eine der besten Lauf-Defenses in der FBS.

Virginia, das kleine Virginia, erlebt unter dem leidenschaftlichen Head Coach im zweiten Jahr, Mike London (ein Schwarzer), einen Aufschwung, der sich in einer überraschend starken 8-4 Bilanz widerspiegelt. Im letzten Spiel der Regular Season wurde man zwar von Virginia Tech 38-0 in Grund und Boden gemäht, aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass man hochzufrieden mit der Entwicklung ist. Stärke ist die Offensive Line, hinter der sich ein ordentliches Laufspiel und ein fehlerarmer QB Michael Rocco entfalten können und gegen die tackling-resistente Defense Auburns etliche Yards zurücklegen sollten.

Auburn geht als nur leichter Favorit in diese Bowl mit dem genialsten aller Sponsornamen – Chick fil-A – (3,1pts), aber ein Cavs-Sieg wäre alles andere als ein Upset.

Bowl Season 2011/12: Nicht Mack Browns letztes Halali

Nach der Poinsettia Bowl fürn Weihnachtstourismus vergangene Woche nun die Holiday Bowl fürn Silvestertourismus von San Diego – und als Aufwärmprogramm eine der interessantesten Mannschaften dieser Footballsaison.

Military Bowl presented by Northrop Grumman

Toledo Rockets – Air Force Falcons

Mi, 28.12. 22h30 LIVE bei ESPN America

Die Toledo Rockets sind ein kleiner Mid-Major aus der MAC mit einer 8-4 Bilanz, der die MAC-East als Zweiter abschloss. Was wenig aufregend klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als durchaus nicht verachtenswert: Toledo hatte Ohio State im September am Rande einer Niederlage (scheiterte erst an der RedZone beim Comeback-Drive) und hätte gegen einen weiteren BCS-Gegner, Syracuse, ohne diesen Phantom-Call der Refs gewonnen:

Im November scheiterten die Rockets dann am späteren MAC-Champ Northern Illinois in einem fassungslosen Shootout (60-63) und verpassten dadurch das MAC-Finale – trotzdem ist die Mannschaft mit ihrer einzigen klaren Niederlage gegen Boise State ein Liebling sämtlicher mathematischer Rankings (bei mir #31). Die Vorstellungen waren dann am Ende auch imposant genug, dass der Stratege dahinter, Head Coach Tim Beckman, gleich von der University of Illinois aus der Big Ten Conference abgeworben wurde. Beckman wird heute nicht mehr coachen.

Toledo zeichnet eine überraschend starke, schön durchbalancierte Offense aus, wo zwei unterschiedliche Spielertypen bei den Quarterbacks durchrotiert werden (der bewegliche Austin Dantin und der fußlahme Terrance Owens), RB Adonis Thomas zuletzt mit über 150yds/Spiel explodierte und WR Eric Page eine grandiose Saison spielt (112 Catches, 1123yds, 10 TD).

Toledos Defense gilt als ebenso grundsolide, aber es gibt das eine Problem: Air Force spielt eine Option-Offense, und das haben die Rockets noch nicht gesehen. Die Falcons treiben das Spielchen mit den Ballübergaben und Pitches nicht so weit wie eine Army oder Navy und wirft etwas regelmäßiger (QB Tim Jefferson durfte heuer 161x werfen!), ist aber mit 320,3yds die #2 der Lauf-Statistiken in dieser Saison.

Die Air Force hat sich bei mir als starke „Bowl-Mannschaft“ eingebrannt, dürfte aber heute Nacht mit ihrer heuer wackeligen Defense Probleme bekommen. Ich halte ein Upset der Rockets also für nicht ausgeschlossen, trotz Interimscoach und möglicher ausgehender Puste. In fact, mein Ranking favorisiert gar Toledo mit sieben Punkten – ist jedoch rein mathematisch erstellt.

Bridgepoint Education Holiday Bowl

#24 Texas Longhorns – California Golden Bears

Mi/Do 28./29.12. 02h LIVE bei ESPN America
Tape: Do, 29.12. um 16h30 bei ESPNA

Die Texas Longhorns waren in den Tagen vor der Holiday Bowl mal wieder fleißig dabei, die Rücktrittsgerüchte um den alternden, vermeintlich etwas amtsmüden Head Coach Mack Brown zu dementieren – der exzellente Recruiter Brown bekam deshalb sogar eine Vertragsverlängerung, damit die Rufe endlich verstummen. Einen Abgang des grauhaarigen Head Coaches (seit 1998 bei UT) würde man nun als Überraschung werten.

Texas’ Probleme im Angriff kann man an den Quarterbacks festmachen: Der ungeliebte QB Gilbert wurde schnell aus der Stadt gejagt, die blutjungen Case McCoy (Colts Bruder) und David Ash übernahmen und spielten wechselhaft, trotz guter Offensive Line und annehmbaren Wide Receivers. So ist der Mann, der die Offense über weite Strecken trug, ein Freshman: RB Malcolm Brown (707yds), der allerdings nicht ganz fit ist. Angesichts der personellen Probleme gilt es immer noch als passables Gesellenstück des jungen OffCoord Bryan Harsin (ex-Boise State), was er da noch herausgeholt hat.

Auch Cal bietet einen passablen Angriff auf, mit dem RB Isi Sofele (1270yds, 9 TD) und dem Passspiel über QB Zach Maynard (2802yds, 17 TD, 11 INT) und den gefährlichen WR Keenan Allen (1261yds, 6 TD), muss aber primär auf einen Kollaps der texanischen Defense hoffen: Die Longhorns gehören potenziell zu den besten Defenses des College Football, klappten aber zwischendurch immer wieder übel gegen mächtigere Angriffsformationen (Oklahoma, Oklahoma State, Baylor) zusammen.

Viele gehen von einem recht spannenden Spiel aus, das möglicherweise erst in den letzten Minuten entschieden werden wird – Texas hätte da als X-Faktor einen K Justin Tucker aufzubieten, der vor wenigen Wochen nach dem Derbysieg über Texas A&M auf Schultern aus dem Stadion getragen wurde. Coin-Flip: Texas sollte leicht favorisiert sein.

Eier im Advent

Es ist der 1. Dezember und die Footballsaison hat Aufstellung auf der Zielgeraden genommen. Der Dezember wird uns neben wunderschöner Musik und hoffentlich nicht allzu viel Stress auch massig fliegende Eier bescheren.

In der NFL bahnt sich mit den Green Bay Packers womöglich eine historische dritte „Perfect Season“ an, wenn man sich das Restprogramm der Packers ansieht: @Giants, Raiders, @Chiefs, Bears, Lions. In AFC und NFC bahnt sich zudem ein famoses Wildcard-Gerangel an, wobei sich in Sachen Playoff-Tickets insbesondere in der AFC West ein Freak-Rennen um den Divisionssieg eröffnet hat.

NFL-Spiele, die ich einfach mal jetzt schon auf den Radar nehmen würde:

  • New Orleans – Detroit am 4.12.
  • Cincinnati – Houston am 11.12.
  • Dallas – NY Giants am 11.12.
  • San Diego – Baltimore am 18.12.
  • NY Jets – NY Giants am 24.12.
  • Detroit – San Diego am 24.12.
  • Green Bay – Chicago am 25.12.
  • New Orleans – Atlanta am 26.12.

Das New Yorker „Derby“ findet ja auch wunderschön praktisch am Heileigabend um 19h MEZ statt. Kann man schon mal der Familie Goodbye sagen… Woche 17 dann am Neujahrstag, also schon mal vorab die Warnung: Zu brutal sollte nicht gefeiert werden, es sei denn, man möchte korsakoffs Fehler der letzten Jahre unbedingt wiederholen.

College Football bietet uns dieses Wochenende die Conference-Finals in großen Conferences wie SEC, Pac-12, Big Ten oder ACC, sowie in kleinen wie der C-USA oder der MAC, plus ein großes Derby Oklahoma State – Oklahoma, ehe bis Montag die Paarungen für die Bowl Season 2011/12 feststehen sollten.

Am zweiten Dezemberwochenende dann der ewige Klassiker Army-Navy und die Verleihung der Heisman Trophy. Am dritten Wochenende startet dann das besondere Schmankerl „Bowl Season“, ein mehr als dreiwöchiges Spektakel von 34 Freundschaftsspielen plus ein Titelspiel (9.1.) – beginnend mit ein paar kleinen Universitäten, mit dem Höhepunkt der ganz großen, traditionellen Bowls um den Jahreswechsel. Die BCS-Bowls starten heuer am Montag, 2.1.2012.

Die Bowl Season ist, so ärgerlich sie politisch und wirtschaftlich auch sein mag, für Freunde des Footballsports wie er auf dem Feld gespielt wird, eine wunderbare Chance, verschiedenste Kulturen aufeinandertreffen zu sehen. Die Stadien sind zwar meistens halbleer, aber wenn sich Tulsa und UTEP in Hinterbuxwalde mit 180 die Kante geben, sollte man zugeschaut haben.

Bowl Season 2010/11, Tag 8: Die Enttäuschten im Doppelpack

Tag 8 der Bowl Season 2010/11. Diesmal mit zwei live übertragenen Spielen. Es geht schön langsam in Richtung wichtigere Bowls.

Champ Sports Bowl

Di./Mi., 28.12. um 0h30 live bei ESPN America, am 29.12. um 12h30 als Tape (s. Kommentar)

#22 West Virginia Mountaineers – North Carolina State Wolfpack

Die Champ Sports Bowl wird in Orlando ausgetragen. Orlando? Citrus Bowl? Richtig, Citrus Bowl, aber nur das Stadion, in dem annodazumal auch ein paar Spiele der Fußball-WM 1994 ausgetragen wurden. Die Champ Sports Bowl ist jedoch nicht die Nachfolgerin des ehemaligen Citrus-Bowl-Spiels. Dieses findet in am Neujahrstag im gleichen Stadion statt – unter dem Namen Capital One Bowl.

Die Champ Sports Bowl haben sie ursprünglich unter einem anderen Namen in Miami gegründet, 1990, um das damals neue Stadion der Dolphins zu pushen. Mittlerweile ist dort die Orange Bowl beheimatet. Seit 2000 wird dieses Spiel ein paar Tage nach Weihnachten in Orlando ausgespielt.

Wir hätten da zum Einen die #22 West Virginia Mountaineers, Zweite in der Big East. Die Mountaineers haben rein von den Ergebnissen kein ganz schlechtes Jahr gespielt, 9-3, und eine recht knackige Defense, vor allem gegen den Lauf, präsentiert. Offensiv war das jedoch trotz des soliden QB Geno Smith sehr mau. Und vor allem: Ende Oktober wurde in der Overtime gegen Connecticut verloren. UConn hat dadurch eine Einladung in die Fiesta Bowl bekommen, während die von allen Experten als besser angesehenen Mountaineers trotz des starken Schlussspurts nach Orlando „müssen“.

Dass man in Morgantown nicht zufrieden ist, wäre eine Untertreibung. Der Sportdirektor Oliver Luck (Vater von Stanford-QB und möglichem #1-Pick Andrew Luck) setzte Head Coach Bill Stewart vor ein paar Tagen das Messer in den Rücken und kaufte den Offensive Coordinator der Oklahoma State Cowboys ein, Dana Holgorsen. Holgorsen hat bei den Cowboys eine passgewaltige Offense zusammengezimmert. In Morgantown wird er zunächst ein Jahr als OffCoord arbeiten, ehe er 2012 Stewart beerben wird. Eine merkwürdige Strategie. Aber Luck hat offenbar Ambitionen auf den Gewinn des National Championship.

Stewart wird in einem Jahr im Management mitarbeiten. Die Coach-Karriere ist damit nicht die längste gewesen: Vor drei Jahren war Stewart als Nachfolger für Kotzbrocken Rich Rodriguez kurz vor der Fiesta Bowl in den Sessel gerutscht.

Noch mehr als bei West Virginia liegt bei Gegner N.C. State der Fokus in der Offense auf dem Pass-Spiel. QB Russell Wilson hat über 3000yds geworfen und 26TDs, aber am Ende hat es nicht zum ACC-Finaleinzug gereicht. Das Wolfpack versagte gegen die Terps zum Ende der Regular Season. Wilson ist auch ein recht mobiler Mann, der 9 TDs via Scrambles erzielt hat. Gelaufen wird bei NC State kaum.

WVU gilt als leichter Favorit. Von der Spielweise her müsste aber die Passgewalt des Wolfpacks eher prädestiniert dafür sein, den Abwehrriegel der Mountaineers zu knacken. Bin gespannt.

Insight Bowl

Di./Mi., 28.12. um 05h30 Live-Einstieg oder zeitversetztes Tape bei ESPN America, am 29.12. um 15h als Tape (s. Kommentar)

#12 Missouri Tigers – Iowa Hawkeyes

Beide Mannschaften gehen mit unterschiedlicher Gefühlswelt in dieses Spiel. Die #12 Tigers haben unter Coach Gary Pinkel mal wieder eine sehr solide Saison abgelegt (10-2 in der Big 12), u.a. mit einem Sieg über die damals an #1 gerankten Oklahoma Sooners im Oktober. Mizzou lebte über weite Strecken von einer souveränen Defense, die selbst bessere Offenses abgewürgt hat. Im Angriff ist man sehr balanciert unterwegs, mit dem wenig fehleranfälligen QB Blaine Gebbart, der vielleicht irgendwann NFL spielen wird, und trotz der Suspendierung von RB Washington.

Die Tigers werden einzig den beiden nicht nötigen Niederlagen in Nebraska und Texas Tech nachweinen. Andernfalls hätte das durchaus eine noch erfolgreichere Saison werden können.

Gegner Iowa kommt am Boden liegend daher. Da wäre zum Einen der komplette Kollaps gegen Saisonende hin, als in der Big Ten eiskalt die drei letzten Spiele verloren wurden. Alles knappe Niederlagen, gegen die Northwestern, Ohio State und Minnesota. Aber eben Niederlagen, die für eine 7-5 Saison zuständig sind und daher inakzeptabel für die stolzen Hawkeyes.

Jetzt hat man noch an der Enttäuschung zu knabbern, da kommen noch ganz andere Probleme dazu. WR Derrell Johnson-Koulianos ist vorerst rausgeschmissen. Der Mann war die beste Offensivwaffe der Hawkeyes, naschte aber ein wenig zu viel am weißen Pulver, rauchte ein wenig zu viel Gras, futterte ein paar Pillen zu viel und hat sich womöglich eine NFL-Karriere damit kaputt gemacht. DJK ist Senior. Aber nicht der einzige auf der Blacklist von Head Coach Kirk Ferentz. RB Adam Robinson kümmerten die mannschaftsinternen Regeln nicht. Ergebnis: Rausschmiss.

QB der Hawkyes ist Ricky Stanzi, ein Senior, der heuer sehr fehlerlos gespielt hat. 25TDs, 4 INTs, aber Stanzi muss mit geschwächtem Laufspiel und ohne Top-Receiver auskommen. Positiv für Iowa: Auch die eigene Defense genügt gehobeneren Ansprüchen, allen voran dank DE Adrian Clayborn, ein Mann für die NFL. Clayborns Saison war nicht so gut wie erhofft, aber gut genug, um reihenweise Offense Lines in Angst und Schrecken zu versetzen. Rasta-Man Clayborn wird sich nach dem Spiel gen Profifootball verabschieden.

Missouri ist leichter Favorit, vor allem auch aufgrund der mannschaftsinternen Probleme in Iowa. Ich denke aber, die Hawkeyes werden ganz froh sein über die wochenlange Pause nach dem Einbruch gegen Saisonende und halte dieses Spiel trotz allem für absolut offen.

Die Insight Bowl wird im Übrigen u.a. von Matt Millen kommentiert/analysiert. Millen, der beim NFL Network die Donnerstagsspiele an der Seite von Bob Papa und Joe Theisman begleitet – und nicht gerade für Begeisterungsstürme dabei sorgt.

Bowl Season 2010/11: Für den Durchblick

Liebe Freunde der gepflegten ovalen Schweinehaut,

dem Football-Fan fällt beim Thema Jahreswechsel nicht nur Sekt!, Champagner! und Lange Nacht! ein. Der Football-Fan weiß sich neben Besinnlichkeit und Party auch noch anderweitig zu „unterhalten“ – und zwar vor der Glotze. Weihnachtszeit und Silvester, das sind die Tage der Bowls im amerikanischen Universitätssport.

Universitätssport? Für die kleine Einführung hier klicken.

Bowls – what? Nein, es geht nicht um Kegel, Boccia und/oder Kochnäpfe.

Fast jeden Tag finden irgendwelche Bowl-Spiele statt. Weil die Athleten zwar Amateure sind, Unis und TV-Anstalten jedoch ordentlich abkassieren wollen, tragen diese dann so putzige Namen wie uDrove Humanitarian Bowl, S.D. County Credit Union Poinsettia Bowl, Military Bowl Presented By Northrop Grumman Bowl, Kraft Fight Hunger Bowl oder Tostitos Fiesta Bowl.

Die herzallerliebste BCS hat sich ihre Bowls zusammengeschachert und auch das komplette Gerippe rundherum steht bereits. 35 Bowls, und hier die Termine – und aus Rücksicht auf die Leserlichkeit werde ich die leidigen Sponsoren-Namen so gut es geht weglassen:

18.12. New Mexico Bowl: Brigham Young – UT/El Paso
18.12. Humanitarian Bowl: Fresno State – Northern Illinois
18.12. New Orleans Bowl: Troy – Ohio

21.12. St. Petersburg Bowl: Louisville – Southern Mississippi

22.12. Las Vegas Bowl: Utah – Boise State [SPIELBERICHT]

23.12. Poinsettia Bowl: San Diego State – Navy

24.12. Sheraton Hawaii Bowl: Tulsa – Hawaii

26.12. Little Caesars Bowl: Toledo – Florida International

27.12. Independence Bowl: Georgia Tech – Air Force

28.12. Champ Sports Bowl: West Virginia – North Carolina State
28.12. Insight Bowl: Missouri – Iowa

29.12. Military Bowl: Maryland – East Carolina
29.12. Texas Bowl: Baylor – Illinois
29.12. Alamo Bowl: Oklahoma State – Arizona

30.12. Armed Forces Bowl: Southern Methodist University – Army
30.12. Pinstripe Bowl: Kansas State – Syracuse
30.12. Music City Bowl: North Carolina – Tennessee
30.12. Holiday Bowl: Nebraska – Washington

31.12. Meineke Car Care Bowl: Clemson – South Florida
31.12. Sun Bowl: Miami/Florida – Notre Dame
31.12. Liberty Bowl: Central Florida – Georgia
31.12. Chick-fil-A Bowl: Florida State – South Carolina

01.01. TicketCity Bowl: Texas Tech – Northwestern
01.01. Outback Bowl: Penn State – Florida
01.01. Capital One Bowl: Michigan State – Alabama
01.01. Gator Bowl: Mississippi State – Michigan

01.01. Rose Bowl: Wisconsin – TCU
01.01. Fiesta Bowl: Oklahoma – Connecticut

03.01. Orange Bowl: Virginia Tech – Stanford

04.01. Sugar Bowl: Arkansas – Ohio State

06.01. GoDaddy.com Bowl: Miami/Ohio – Middle Tennessee
07.01. Cotton Bowl: Texas A&M – Louisiana State
08.01. BBVA Compass Bowl: Pittsburgh – Kentucky
09.01. Kraft Fight Hunger Bowl: Boston College – Nevada

10.01. BCS National Championship Game: Auburn – Oregon [SPIELBERICHT]

Ich habe mal einen Sendeplan von ESPN America zusammengestellt [UPDATE]. Die letzten vier Bowls liegen mir allerdings noch nicht vor.

Der sportliche Wert des Großteils der Bowls ist sehr begrenzt. Bowls sind lediglich Saisonabschlussspiele für Mannschaften, die mindestens eine 6-6 Saison abgelegt haben. Es ist ein ganz netter Ausflug in eine meist schöne Feriendestination im Süden, wo es ein paar Geschenke für die Spieler gibt.

Selbst die BCS-Bowls finde ich heuer eher lauwarm. Das Rose Bowl Game ist mit BigTen-Champ #5 Wisconsin und dem ungeschlagenen Underdog von der #3 Texas Christian University noch sehr attraktiv. Die Sugar Bowl bietet mit #8 Arkansas und #6 Ohio State zwei ganz große Schwergewichte des College Football auf. In der Orange Bowl spielt mit QB Andrew Luck der mögliche #1-Draftpick und mit Stanfords Coach Jim Harbaugh ein möglicher NFL-Head Coach. Die Fiesta Bowl ist allerdings ein gigantisches mismatch, wie Amerikaner zu sagen pflegen.

Das BCS-Finale bietet mit Auburn und Oregon zwei feurige Offensivmaschinen auf. Ich habe immer wieder Kritik geübt am BCS-System. Doch: Beide haben es verdient, im Finale zu stehen. Sie haben auch unter Druck bestanden und fahren zu Recht nach Glendale. Das BCS-Finale ist die einzige Bowl, die auch sportlichen Wert besitzt.

Von den nahmhaften Teams fehlen heuer gar einige: Die Texas Longhorns (im Vorjahr #2), die Cincinnati Bearcats (2009 #5), die California Golden Bears, die Oregon State Beavers, die Ole Miss Rebels und die UCLA Bruins waren sportlich zu schwach. Sportlich qualifiziert, aber wg. Reggie-Bush-Story ausgeschlossen: Die USC Trojans.

Trotzdem gibt es natürlich viele Geschichten zu erzählen: Penn States Coach Joe Paterno in seinem was-weiß-ich-wie-vielten Bowlspiel gegen Floridas Coach Urban Meyer, der am Donnerstag seinen Rücktritt erklärte, die laufintensive Geschichte zwischen Georgia Tech und der Air Force (deren Namen angesichts der Statistiken wie glatter Hohn klingt), Boston Colleges Linebacker Mark Herzlich und sein gewonnener Kampf gegen einen seltenen Knochenkrebs.

Los geht’s am Samstag, 18.12. mit der New Mexico Bowl zwischen der Mormonen-Uni Brigham Young und der Uni von Texas/El Paso. Im Zentrum steht die Rückkehr von BYU Cougars-Coach Bronco Mendenhall an seine alte Wirkungsstätte: Die Bowl findet in Albuquerque, NM statt. Das dortige Footballteam betreute Mendenhall jahrelang als Assistenzcoach.

Einiges zum Erzählen da. Werde ich so gut es geht machen. Ab morgen.

Bowl Season 2010/11: Das System mit den Schüsseln im Schnelldurchlauf

Die Zeit um den Jahreswechsel naht. Assoziationsspielchen: Jahreswechsel? Bowl Season! Aus gegebenem Anlass krame ich einen sechs Wochen alten Artikel von einem Spox-Projekt hervor: Die Bowl Season. Als kleine Einleitung. Zu den Paarungen wird es nach und nach Previews geben.

Warnung: Sie begeben sich auf Territorium, wo Kraut & Rüben wachsen.

College Football ist nicht bloß Grillparty und Dixie zum Spiel: Größere Universitäten machen mit Football Umsätze wie Bundesliga-Mittelklassevereine. Am Saisonende wird – obwohl lange nicht primäres Anliegen der Unis – ein Meister ermittelt. Bei 120 Teams in der höchsten Stufe („NCAA Division I-A“ oder „FBS“) und nur jeweils 12 oder 13 Saisonspielen ist das Prozedere dabei so obskur, da sind die US-Präsidentschaftswahlen dagegen ein Zuckerschlecken: Statt Playoffs gibt es Abstimmungen und zwischen Weihnachten und Anfang Jänner eine ganze Latte sog. Bowls.

Geh warten’s… Schüsseln?

Erwähnte 120 Unis sind auf elf Gruppen („Conferences“) aufgeteilt, plus einige unabhängige Unis. Jede Uni stellt ihren eigenen Spielplan individuell zusammen. Kriterien sind Gruppengegner, alte Rivalitäten und Verträge mit TV-Stationen.

Der fehlende Quervergleich wird durch wöchentliche Abstimmungen unter Trainern, Journalisten und Experten umgangen. Daher geht es für die Unis nicht nur darum, möglichst jedes Spiel bloß zu gewinnen, sondern möglichst überzeugend zu siegen und am liebsten auch noch gegen starke Gegner, um die Experten zu beeindrucken. Anfang Dezember wird die endgültige Rangliste der BCS („Bowl Championship Series“) verkündet und die Unis werden nach vertraglich festgelegten Abmachungen auf die Saisonabschlussspiele („Bowls“) aufgeteilt.

Teilnahmeberechtigt sind Teams mit min. 50% Siegen (also mindestens eine 6-6 Bilanz). Bowls sind für die Unis wichtige Einnahmequellen, und für die Athleten die (offiziell) einzige Chance, neben einem Stipendium eine zweite Belohnung für ihre Football-Aktivitäten zu erhalten.

Es gibt rund 30 Bowls, die meisten klimatisch bedingt im US-Süden. Einige sind unbedeutende Trostpreise, andere haben große Namen und große Tradition. Und dann gibt es da noch die vier BCS-Bowls – Rose Bowl, Fiesta Bowl, Sugar Bowl & Orange Bowl – die in den ersten Jännertagen ausgespielt werden und reichlich Geldscheine ausgeben.

Das letzte Bowl-Spiel ist das BCS National Championship Game, wo die beiden Erstplatzierten der BCS-Rangliste aufeinander treffen, um den College-Meister auszuspielen. Erst seit der Saison 2006 gibt es dieses Endspiel als eigenständiges Match, vorher haben die Amis den Landesmeister – man mag es kaum glauben – per Abstimmung ernannt!

Das System ist sehr umstritten. Große Unis werden gerne bevorzugt – sie bringen einfach mehr Zuschauer und damit mehr $$$. Immer wieder fühlen sich Unis massiv benachteiligt. Playoffs werden in der Dauerschleife angeregt, aber die Uni-Präsidenten sind immer noch glücklich mit dem Belohnungs-System „Bowls“ und brauchen offenbar keinen unumstrittenen Meister.

So. Lust auf eine kleine Spritztour durch die vier wichtigsten, die sog. „BCS Bowls“, und das Endspiel im College Football?

Rose Bowl Game

Austragungsort: Rose Bowl in Pasadena, Kalifornien
Ausgespielt seit: 1902
Conferences: Big Ten vs. Pac-10

 Rose Bowl Front

©Flickr

Die Mutter aller Bowls oder wie die Amis sagen – The Granddaddy of Them All – ist das Rose Bowl Game. 1902 erstmals ausgespielt und seit 1916 jährlich, ist das Match reichlich umrankt von Geschichte und Geschichten.

Die Rose Bowl wird traditionell am 1. Jänner ausgespielt und nur im Falle eines Sonntags auf den Tag danach verlegt. Vor dem Spiel findet ein fünfeinhalb Meilen langer Neujahrsumzug statt, bei dem rosenbeschmückte Wagen durch Pasadena (Vorort von Los Angeles) gefahren werden.

Seit 1924 findet das Match in der Rose Bowl statt – das Stadion dürfte Fußballfans noch vom unseligen Fußball-WM-Finale 1994 bekannt sein. Die Ränge des riesigen Stadion sind schüsselförmig in die Hügel von Pasadena gelegt, daher der Beiname Bowl. Das Spiel hatte sich bis dahin „Tournament East-West Football Game“ geschimpft, und nun dank neuer Arena den aktuellen Namen Rose Bowl Game übernommen.

Name da, Stadion fertig – zur Berühmtheit fehlte nur noch ein Mythos. 1929 war es auch schon soweit, als Roy Riegels von der Uni California/Berkeley den Ball irrtümlich in die falsche Richtung trug, was zu zwei Punkten für Gegner Georgia führte. Georgia siegte am Ende 8-7, und sowohl Riegels als auch die Rose Bowl waren schlagartig bekannt.

Traditionell spielen in der Rose Bowl die Sieger der beiden Conferences Big 10 und Pac-10 gegeneinander. Eine Ausnahme wird nur dann gemacht, sollte eine Mannschaft an #1 oder #2 des BCS-Rankings stehen: Für die geht es dann in das Endspiel.

Auch anderweitig war die Rose Bowl lange eine konservative Veranstaltung: Erst seit 1998 ziert ein Sponsor das Logo der Veranstaltung – gut eine Dekade nach den ersten Bowls.

Die letzte denkwürdige Rose Bowl erlebten wir am 1. Jänner 2006: Die University of Texas entthronte die University of Southern California in einem sehenswerten Krimi mit 41-38.

Aktueller Titelträger ist die Uni von Ohio State.

Am 1.1.2011 spielen die Wisconsin Badgers als BigTen-Champ gegen die TCU Horned Frogs, die als Mid Major durch ihre ungeschlagene Saison eine Einladung in die Rose Bowl bekamen. Der Pac-10 Champ Oregon spielt im BCS Finale.

Orange Bowl

Austragungsort: Sun Life Stadium in Miami, Florida
Ausgespielt seit: 1935
Conferences: ACC vs. At-large

 Orange Bowl Pregame

©Flickr

Oder besser: Discover Orange Bowl. Die Kommerzialisierung macht auch vor dem Amateursport nicht Halt und so läuft die Orange Bowl seit zwei Jahrzehnten unter dem Namen eines potenten Geldgebers.

Inspiration für die Orange Bowl war der Erfolg der Rose Bowl. Die Touristiker in Miami wollten ihre Region in Zeiten der Großen Depression Anfang der 30er aufpeppen, u.a. mit Hilfe eines Football-Spiels nach Vorbild von Pasadena. „Orange“ war eine Idee eines Radioreporters und der Zusatz „Bowl“ dank Rose Bowl marketingtechnisch prägnant. Ab 1. Jänner 1935 war die Idee Wirklichkeit – Bühne frei für die erste Orange Bowl!

Ab 1938 wechselte man in die Miami Orange Bowl. Die Namensgebung der Arena ist nicht kreativ, aber einprägsam. Ende der 90er war dieses alte Stadion den Machern dann zu marode und sie wechselten in das neue Footballstadion der Miami Dolphins, heute „Sun Life Stadium“. Bitte mit Vorsicht zu genießen: Dieses Stadion wechselt permanent seinen Namen, öfters als die Volkspark/AOL/HSH Nordbank/Imtech Arena in Hamburg.

In der Orange Bowl spielt auf jeden Fall der Sieger der AAC (Atlantic Coast Conference), die zweite Uni wird von der Veranstaltern ausgewählt.

Aktueller Titelträger ist die University of Iowa.

Am 3.1.2011 spielen die Virginia Tech Hokies als ACC-Champ gegen die Stanford Cardinal.

Sugar Bowl

Austragungsort: Louisiana Superdome in New Orleans, Louisiana
Ausgespielt seit: 1935
Conferences: SEC vs. at-large

Louisiana Superdome in New Orleans

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Wie die Orange Bowl wird auch die Sugar Bowl in Louisiana seit 1. Jänner 1935 ausgespielt. Interessant ist die Sugar Bowl vor allem, weil hier der Meister der sportlich besten Gruppe SEC (Southeastern Conference) spielt. „Leider“ ist der Meister der SEC seit Jahren stets eine der beiden besten Mannschaften des Landes und spielt somit anstatt in der Sugar Bowl im nationalen Endspiel.

„Sugar“ Bowl bezieht sich auf den Zuckerrohr-Anbau in der Region um New Orleans. Nach Vorbild von Pasadena und den Ideen in Miami waren die Leute im Sumpfstaat schnell und realisierten ebenso zum Neujahrstag Anno 35 ihr erstes Bowl-Spiel, ausgetragen im Tulane Stadium.

Eine politische Note bekam die Sugar Bowl 1956, als mit Bobby Grier erstmals ein Afro-Amerikaner ran durfte. Gegner war Georgia Tech, und der Gouverneur von Georgia galt als eingefleischter Rassist. Am Ende durfte Grier spielen, doch ein (ungewollter) Schiedsrichterfehler ausgerechnet gegen Grier entschied das Spiel zu Ungunsten von Griers Uni Pittsburgh.

1975 erfolgte der Umzug in den Superdome, europaweit bekannt geworden durch Hurrikan Katrina im Spätsommer 2005. Nach Katrina gab es keine besonders ansehnlichen Sugar Bowls mehr – zu überlegen war meistens selbst die zweitbeste Equipe aus der SEC.

Aktueller Titelträger ist die University of Florida.

Am 4.1.2011 spielen mit den Arkansas Razorbacks und den Ohio State Buckeyes zwei at-large Teams gegeneinander.

Fiesta Bowl

Austragungsort: University of Phoenix Stadium in Glendale, Arizona
Ausgespielt seit: 1971
Conferences: Big 12 vs. At-large

University of Phoenix Stadium, Glendale

Die jüngste der großen Bowls ist die Fiesta Bowl, die in Glendale, Arizona ausgespielt wird. 1971 ins Leben gerufen, um neben der Rose Bowl ein zweites Bowl-Spiel im US-Westen zu etablieren, entwickelte sich die Fiesta Bowl schnell zu einem sportlich höchst attraktiven Event. Dank fehlender vertraglicher Bindungen konnten die Veranstalter ihre Teams selbst wählen – und sie machten ihre Sache gut. 1986 beispielsweise spielten die beiden besten Mannschaften des Landes in der Fiesta Bowl gegeneinander.

Die Veranstalter waren zuletzt oft mutig und innovativ in ihrer Team-Wahl. 2005 wurde erstmals eine der Unis aus einer kleinen Conference (Utah) eingeladen.

Das Spiel der Spiele fand aber am 1. Jänner 2007 statt, als die Underdogs von der Boise State University den turmhohen Favoriten Oklahoma dank einer zuvor ungesehenen Latte an Trickspielzügen in der Schlussphase mit 43-42 in der Verlängerung putzten. Dieses Spiel gilt als eines besten Footballspiele aller Zeiten und genießt bereits legendären Status – in meiner persönlichen Hitliste gehört es irgendwo in die Kategorie zwischen Barcelona 99 und Interlagos 2008.

Dieses Video mit den Höhepunkten aus Underdog-Sicht (Oh Baby! Oh Wow! Oooooooh Mamma!) ist immer wieder sehenswert – Fünf Minuten zurücklehnen und anschauen!

 

Der Running Back mit der #41 Ian Johnson sprintete nach seinem Siegeslauf direkt zu seiner Freundin, einer Cheerleaderin seiner Uni, und machte ihr vor laufender Kamera einen Heiratsantrag. Sie sagte ja.

Auch aktuell sind die Boise State Broncos Inhaber des Fiesta-Bowl-Titels. Am 1.1.2011 spielen Big12-Champ Oklahoma Sooners und der Sieger der Big East, die Connecticut Huskies, gegeinander.

Genug der Sentimentalitäten, und kommen wir zum Ende.

BCS National Championship Game

Austragungsort: Austragungsort rotiert zwischen Miami, New Orleans, Glendale und Pasadena
Ausgespielt seit: 1999, seit 2007 als eigenständiges Match
Mannschaften: #1 vs. #2 der BCS-Rangliste

Das Chaos bei der Abstimmung, wer denn nun die College-Meisterschaft für sich beanspruchen durfte, war stets schnuckelig, sorgte aber mit der Zeit für immer mehr Kritik. Die sechs größten Conferences schlossen sich deswegen Ende der 90er zur BCS („Bowl Championship Series“) zusammen. Ziel: Eine Rangliste erstellen zu können, die neben den Trainer- und Experten-Abstimmungen auch harte Fakten – u.a. Stärke der Gegner – mit einfließen lässt.

Anfangs der 2000er lief das Endspiel unter dem Deckmantel einer der vier vorhin vorgestellten Bowls ab. Seit 2007 ist das BCS National Championship Game aber eine eigenständige Veranstaltung – die letzte, saisonabschließende Bowl, die im Stadion einer der vier großen Bowls rund eine Woche nach der letzten großen Bowl ausgetragen wird. Aufeinander treffen die #1 und #2 der pseudoobjektiven BCS-Computer-Rangliste.

Es hat seit der Einführung immer wieder heftigste Streitigkeiten gegeben – und nicht nur einmal führte sich das Spiel selbst ad absurdum. Im Jänner 2004 z.B. durfte Oklahoma daran teilnehmen, obwohl es nicht einmal seine Conference gewonnen hatte. Das augenscheinlich beste Team des Jahres, USC, das alle „menschlichen“ Abstimmungen gewonnen hatte, wurde durch die Computer-Rangliste dagegen aussortiert.

In den letzten Jahren wurde die BCS-Rangliste immer wieder modifiziert und verfeinert – trotzdem glänzt sie immer noch durch völlige Intransparenz und klare Benachteiligung kleinerer Unis.

Solange die Big Player aber die Fassade aufrecht erhalten können, wird die Coaches Trophy dem Endspielsieger überreicht. Sie ist nicht die einzige Meister-Trophäe, da die einzelnen Ranglisten weiterhin ihre Sieger separat küren, aber es ist der „offiziellste“ aller Pokale.

Aktueller Champion ist die University of Alabama.

Am 10. Jänner 2011 treffen die Auburn Tigers und die Oregon Ducks in einem Duell zweier offensivstarker Mannschaften aufeinander. Ausgespielt wird der College-Meister der Saison 2010.

Damit wären die fünf BCS-Bowls kurz vorgestellt. Ab morgen gibt es möglichst viele Matchups der laufenden Bowl Season hier bei Sideline Reporter. Hier geht es zur Übersicht der Bowl Season 2010/11.