Buchsport: American Football – Die größten Legenden (Adrian Franke)

Heute ist Pro-Bowl – das Spiel für die All-Stars der NFL-Saison 2019/20. Die größten Stars der NFL-Geschichte gibt es woanders – z.B. im neuen Buch von Adrian Franke: American Football – Die größten Legenden. Porträts, Geschichten und Skandale der NFL. Ich habe das Buch gelesen. Weiterlesen

NFC Divisional Playoffs 2011/12 – Vorschau Giants/Packers

NFC Divisional Playoffs 2011/12 – New York Giants (10-7) @ Green Bay Packers (15-1)

[Sonntag 22.30Uhr auf ESPN America, Sport1+ und PULS4; kommentiert (über FOX) von Joe Buck, Troy Aikman, Pam Oliver und Chris Myers]

Der Außenseiter New York Giants tritt an einem Sonntagabend im Januar gegen die Green Bay Packers in deren Lambeau Field an. Eli Manning hat mal wieder eine sehr, sagen wir mal “abwechslungsreiche” Saison hinter sich, mit vielen Höhen und Tiefen. Head Coach Tom Coughlin ist zwischenzeitlich von den New Yorker Medien und Fans abgesägt worden, nachdem es lange so aussah, als würden die G-Men die Playoffs verpassen. Am Ende hat Eli glücklicherweise doch noch seine Form gefunden und wurde dabei kräftigst von seinen beiden Top-RBs Ahmad Bradshaw und der Dampfwalze Brandon Jacobs unterstützt. Und auf der anderen Seite des Balles natürlich von der bärenstarken D-Line um Justin Tuck und Osi Umenyiora.

Die Giants können gegen den ligaweiten Quarterback-Liebling der Packers lange mithalten und Head Coach Mike McCarthy findet nicht so recht ein Mittel, um seinen Angriff mal so richtig ins Laufen zu bringen. Außer Donald Driver sind alle WR abgemeldet und RB Ryan Grant rennt mehr rück- und seitwärts als nach vorne. Das Spiel ist tough und eng und geht schließlich bei einem windchill von -33°C in die Overtime.

Dort wirft Green Bays Quarterback, der während der Saison viel weniger Interceptions als sonst geworfen hat, direkt in die Arme von CB Corey Webster. (Die viel kritisierte Secondary der Giants hat ein großartiges Spiel gemacht; wenn man den 90-Yard-Paß zu Driver abzieht, hat Green Bays Rekord-QB nur 146 Pass-Yards auf dem Tacho gehabt.) Kicker Lawrence Tynes verwandelt den FG-Versuch und Big Blue gewinnt.

Diese Interception im NFC Championship Game 2007 war der letzte Paß, den Brett Favre im Trikot der Green Bay Packers geworfen hat. Wenn man Favre durch Aaron Rodgers ersetzt und in der Giants D-Line Michael Strahen gegen Jason Pierre-Paul tauscht, kann man die ersten drei Absätze fast genauso stehen lassen für das Aufeinandertreffen von Cheeseheads und G-Men. Dieses Matchup ist wie ein Vergleich zwischen einem gut geölten schnittigen Sportwagen und einem großen, dreckigen und geländeerprobtem SUV.

Der schicke Sportwagen

Im Gegensatz zu den Patriots und Saints, die ihre explosiven Offenses auf kreativen Taktiken und auf jeden Gegner speziell zugeschnittenen Game Plan aufbauen, basiert der Erfolg des Packers-Angriff um Aaron Rodgers auf perfekter Execution. HC McCarthy bastelt nicht in stundenlanger Kleinarbeit etwas unglaublich Kreatives zusammen, sondern setzt darauf, daß Rodgers seine Lieblingsplays ein ums andere Mal perfekt ausführt und milimeter genaue Pässe wirft. Rodgers erinnert in dem Sinne an Peyton Manning. Bei Manning wissen auch immer alle, was kommt und trotzdem kann man es kaum verteidigen, weil es perfekt ausgeführt wird.

Bei Rodgers und auch Manning sind das vor allem zwei Pässe. Der eine ist der Paß, zwischen 10 und 20 Yards tief an die Seitenlinie, bei dem der WR in Zone Coverage am CB vorbei ist und der Ball in genau dem ganz kleinen Fenster landet, bevor der Safety zum Helfen rübergekommen ist. Ziemlich simpel, aber wenn der Paß perfekt ist, kann man das einfach nicht verteidigen. Der andere Paß ist der Ball über die Mitte zum TE oder Slot-WR, wenn dieser vertikal zwischen LB und S ist. Auch hier gilt: perfect pass beats perfect coverage. Daneben haben die Packers noch viele Drag- und Crossing-Routes im Angebot, bei denen die Wide Receivers auf verschiedenen Höhe parallel zur Line of Scrimmage laufen und Go- bzw. Post-Routes, bei denen die WR die Seitenlinie entlang laufen und dann entweder im 1-v-1 gegen den CB geradeaus weitermarschieren oder zur Spielfeldmitte hin abbiegen und sich den Safety vorknöpfen.

Im Gegensatz zu den einzig beiden anderen Offenses, die in Sachen Produktivität mit Green Bay mithalten können – New England und New Orleans – spielen die RBs und TEs keine besondere Rolle im Spiel der Packers. Mehr als Dumpoffs bekommen die RBs James Starks und Ryan Grant nicht und TE Jermichael Finley ist entgegen allen Erwartungen lange nicht auf dem Niveau eines Rob Gronkowski oder Jimmy Graham. Sondern eher sowas wie ein Vernon Davis light.

Auch das Laufspiel hat mehr die Funktion, Aaron Rodgers´ Arm zu schonen. Mit 3,9 Yards/Carry taugt es nur zum Feigenblatt und kann nicht helfen oder gar mal was rausreißen, wenn das Paßspiel aus welchen Gründen auch immer mal ins Stottern kommt. Es steht und fällt alles mit Rodgers´ execution der Passing Plays. Mit Greg Jennings und Jordy Nelson hat er aber dankenswerterweise eine erstklassige 1-2-Combo und mit James Jones und Donald Driver auch noch gute dritte und vierte Optionen.

Ebenso hübsch und attraktiv wie die Offense ist die Defense – auch wenn diese nicht mehr ganz so sexy ist, wie in den letzten beiden Jahren. Es ist alles schön anzusehen: DC Dom Capers hat tolle Zone Blitzes im Angebot, mit Clay Matthews hat man einen tollen langhaarigen und auffälligen Pass Rusher und mit Charles Woodson einen Playmaker, der überall beliebt ist wie früher Brett Favre. Aber diese Saison hat gezeigt, daß man an der funkelnden Karosse noch lange nicht erkennt, was unter der Motorhaube steckt.

Die Defense war nach Yards tatsächlich noch schlechter als die New Englands, durch die vielen Turnovers – sagenhafte 31 Interceptions – ist man nach Punkten immerhin noch auf Rang 19. Aber wenn man böswillig ist, kann man auch behaupten, daß gerade Woodson seine Interceptions nur noch gegen Rookies oder schlechte Quarterbacks macht. Oder daß Matthews mittlerweile mehr durch seine Haare auffällt, als durch Sacks.

Besonders schwach ist die Front Seven der Packers. Besonders das Spiel gegen den zweiten Anzug der Bears bleibt hier in schlechter Erinnerung. Der Held der letzten Saison, B.J. Raji, zieht hier besonders große Kritik von professionellen Beobachtern wie ProFootballFocus auf sich. Wie dem auch sei, DC Capers weiß offenbar um die individuellen Schwächen seiner Spieler (und um die Stärke der Offense) und läßt daher wohl ganz bewußt eine Boom-or-Bust-Defense spielen. Will heißen: wir wollen den Turnovers und pfeifen auf die Yards. Wenn wir uns statt dem Turnover ein Big Play fangen – so be it. Rodgers kann schneller einen Touchdown machen, als die andere Offense zum Gatorade gegriffen hat. Bekommen wir aber den Turnover, ist das Spiel ganz schnell vorbei. Riskant, aber – noch – erfolgreich.

Der große, dreckige Jeep

Besonders mit der beeindruckenden Leistung der letzten Woche gegen Atlanta im Hinterkopf werden die Giants wohl versuchen, mit ihrem kräftigen Laufspiel die schwache Front Seven der Packers in Grund und Boden zu rammen. Wenn Brandon Jacobs – 1,92m, 120kg – in seinen alten Bulldozer-Modus schaltet, kann er über jeden Verteidiger der Packers hinwegtrampeln. Auch Ahmad Bradshaw kann mit der großen, dicken O-Line vor sich immer wieder Yards und 1st Downs herausholen. Das Ziel der G-Men sollte sein, ihr Laufspiel zu etablieren (3 Euro ins Phrasenschwein), lange Drives am Leben und Rodgers damit an der Seitenlinie zu halten.

Wenn das nicht klappt (oder als zusätzliche Stärke) kann Eli Manning, der spätestens seit dieser Saison jetzt wirklich den Nickname Elite verdient hat, auf zwei grundsolide WR mit Hakeem Nicks und Mario Manningham vertrauen, hat mit Victor Cruz jemanden, der immer für ein Big Play gut ist und in TE Jake Ballard so etwas wie einen Edeljoker – unbekannt, aber zuverlässig und wuchtig wie sonst nur der große, böse Gronk.

Auch die Defense New Yorks ist wenig spektakulär und kreativ, aber grundsolide sowie kratzbürstig, aggressiv und unnachgiebig. (Komischerweise immer nur in den wichtigen Spielen und in den Playoffs, aber die seltsam unmotivierten Novemberauftritte müssen uns ja jetzt nicht mehr kümmern. Bis zum nächsten November.) Die Defensive Line ist mit das Beste, was man in der NFL bestaunen kann. Jason Pierre-Paul, Justin Tuck und Osi Umenyiora können jedem Offensive Tackle im Paß- wie auch Laufspiel das Leben zur Hölle machen und bleiben durch das viele Rotieren auch frisch bis ins letzte Viertel. Die Defensive Tackles Chris Canty, Rocky Bernard und Allzweck-Backup Dave Tollefson komplettieren das Ganze und als Gruppe stehen sie zeitweise der gegnerischen Offensive Line gegenüber wie ein Hummer einem Käfer.

Hinter diesem Prunkstück sieht das LB-Corps etwas rostig aus, steht aber in Sachen Toughness in nichts nach. Spielerisch sind da einige Schwächen, aber außer Jermichael Finley, der nicht gerade Mr. Zuverlässig ist, haben die Packers nicht die Spielertypen (vor allem RBs), die daraus besonders viel Kapital schlagen sollten.

Sollte die D-Line gegen eine mäßige O-Line der Packers mit vier Mann Druck auf Rodgers ausüben können, hat auch die Secondary eine gute Chance, mit weniger als vier Touchdowns davonzukommen. CB Corey Webster hat sich heimlich, still und leise zu einem der besten Cover Guys der Liga gemausert; Aaron Ross (wieder fitt, nachdem er letzte Woche verletzt auf die Bank mußte) ist ein fähiger Nr.2-Corner. Gegen die Packers wird Big Blue wahrscheinlich sehr viel Nickel- und kaum Base-Defense spielen. Rookie Prince Amukamara, der viel schlechter spielt, als alle erwartet haben, wird einige Möglichkeiten als Nickelback bekommen. Und je nachdem, wie er sich da macht, wird Antrel Rolle entweder viel oder sehr viel als NB spielen. Rolle ist ein komischer Spieler, der sehr kräftig ist und stark an der Line of Scrimmage gegen den Lauf spielt. Weil er aber auch einigermaßen passabel im Paßspiel verteidigen kann ist er sowas wie ein Zwitter aus Nickelback, Linebacker und Safety in New Yorks sogenanntem Big-Nickel-Package. [edit 9:45Uhr: in der ersten Version dieses Artikels habe ich Antrell Rolle mit Deon Grant verwechselt. Grant wird die Safety-Position von Rolle im Big-Nickel-Package übernehmen.]

Dieses Spiel ist fraglos ein würdiger Abschluß der Divisional Round am Sonntag abend. Alles in allem treffen die Packers mit ihren starken, aufregenden Spielern, die alles besonders schön machen, auf Spieler, die alles besonder tough machen und durch Willen und Aggressivität ihre Spiele gewinnen. Im Grunde alles so wie damals 2007, an einem der kältesten Januartage aller Zeiten in der Frozen Tundra.

Green Bay Packers in der Sezierstunde

Zum Abschluss des Sezierstunde-Kurses dann noch der Titelverteidiger. Die Green Bay Packers, die mit 10-6 und als #6 der NFC den Titel in der abgelaufenen Saison geholt haben.

Waren die Packers 2010/11 unschlagbar? Nope.

Wird man sich in fünf Jahren schwelgend an die Packers 2010/11 erinnern? Probably not.

Trotzdem beeindruckend, wie nach all den Verletzungsausfällen, seien sie permanent oder temporär gewesen, in der Saisonschlussphase noch einmal der Schalter umgelegt werden konnte und am Ende trotz weiterer Ausfälle in der Superbowl der Titel geholt werden konnte.

Die Huldigung

Die Haupt-Gratulation von meiner Seite geht neben Head Coach Mike McCarthy vor allem an General Manager Ted Thompson, der vor drei Jahren die Eier hatte, die Legende Favre abzusägen und trotz größter Widerstände auf den jungen Aaron Rodgers gesetzt hat. Es ist aus der Ferne schwer nachvollziehbar, wie mutig der Schritt war, aber wenn erst jetzt die letzten Rufe nach Favre am Verstummen sind, kann man die Tragweite der Entscheidung erahnen.

Aaron Rodgers

Rodgers hat nicht die Persönlichkeit, um Leute mitzureißen wie einst ein Brett Favre, und deshalb ist Rodgers wohl lange etwas unterschätzt worden. So richtig in die Top 3 der NFL QBs hätte ich Rodgers ab ziemlich genau Mitte November gewählt. Green Bay war eine eindimensionale Mannschaft und es war fassungslos, wie sich Rodgers hinter einer un-überzeugenden Offensive Line bewegte, wie ruhig er seine Receiver ausguckte. Ab diesen Tagen glaubte ich an die Möglichkeit, dass Rodgers eine Mannschaft zum Titel quarterbacken (ja, tatsächlich handelt es sich hierbei um ein Verb) könnte.

Offensiv den Hebel ansetzen

Trotz Superbowl-Sieg haben die Packers genügend Schwachstellen im Kader, als dass man schon jetzt von einer Dominanz für die kommenden Jahre ausgehen könnte. Eine dieser Schwachstellen ist die Offensive Line, die immer noch ein wunder Punkt ist. Sie war in der abgelaufenen Saison besser als 2009/10. Von Dominanz zu sprechen wäre glatte Übertreibung. Ein Problem ist auch der Alterungsprozess, vor allem bei LT Chad Clifton.

Die Passempfänger dürften durch die Rückkehr von TE Jermichael Finley eine enorme Verbesserung erfahren. Ich halte Finley für die dominanteste Offensiv-Waffen in Green Bay. Mit Finley ist die Offensivmaschine noch einmal eine Einheit geschmierter als sie phasenweise in den Playoffs eh schon lief.

Allerdings könnte mit WR Donald Driver die Beständigkeit in Person zurücktreten. Driver ist 36 geworden und hat 2010/11 erstmals seit Äonen wieder weniger als 1000yds erzielt. Mit WR James Jones ist zudem ein Mann Free Agent. Ich halte Jones für wertvoller als es seine produzierten Stats vermuten ließen (50 Catches, 679yds, 5 TD).

Das Laufspiel lief in den Playoffs unter Rookie James Starks besser als in der Regular Season. RB Ryan Grant wird von einer schweren Oberschenkelverletzung zurückkehren, aber Running Backs tendieren nach schweren Verletzungen schnell verbrannt zu sein. Für Grant ist dies bitter. Er ist nach 2011/12 Free Agent – nun wartet entweder eine verkürzte Saison oder ein Platz als Backup. So kann man Millionen verlieren. RB Brandon Jackson, der in den Playoffs hauptsächlich fangender Back war, ist Free Agent und wird wohl gehen.

Der Publikumsliebling FB John Kuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuhn ist ebenso Free Agent, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Green Bay den Mann ziehen lässt. Alles in allem gilt: Das Laufspiel hat in Green Bay mehr die Funktion eines Ablenkungsmanövers, denn die Funktion, das Offensivspiel im Alleingang zu tragen.

Defensiv den Hebel ansetzen

Die Defense ist trotz allem die bessere Hälfte in dieser Mannschaft. #2 nach DVOA, #1 nach Passspiel, #16 nach Lauf. Die Passverteidigung zeichnet sich vor allem durch sensationelle Deckungsarbeit und variable Blitz-Formationen aus.

Die Defensive Line ist um den jungen NT B.J. Raji gebaut. Der DE Cullen Jenkins wird mit hoher Wahrscheinlichkeit gehen (müssen), weil Green Bay in der ersten Runde an #32 wohl einen frischen Defensive Liner holen wird. Sind schließlich genügend Talente durch die Gegend laufend.

Die Linebacker dürfen den Chef, Nick Barnett, zurück heißen. Barnett ist ILB, doch das Problem liegt eher bei den OLBs. Nicht bei Clay Matthews. Sondern seinem Gegenpart, und in der Tiefe der LB-Gruppe.

Die Secondary ist IMHO das Prunkstück bei den Packers. Es gibt mit CB Charles Woodson einen absolut herausstechend überragenden Mann. Woodson ist ein Alleskönner, deckt zu, was zuzudecken ist und ist ein effizienter Blitzer. Allerdings wird Woodson mit bald 35 nicht jünger. Auf lange Sicht wird Green Bay einen Nachfolger brauchen, obwohl mit den intelligent spielenden CBs Shields und Williams schon gute Leute da sind. Die Safetys sind trotz des Touchdowns in der Superbowl nicht vom Kaliber „Polamalu“, sondern gehobene NFL-Klasse.

Ausblick

Offensive und Defensive Lines müssen verbessert und einige junge Alternativen für die Altstars herangeführt werden. Ansonsten schaut der Kader nicht schlecht besetzt aus. Die Defense ist zu Teilen noch recht jung und sollte unter dem großartigen DefCoord Dom Capers noch nicht alle Leistungsgrenzen ausgelotet haben.

Jetzt kommt der Draft, wo das GM-Genie Thompson auf die Talente dieser Welt losgelassen wird. Green Bay hat in den letzten Jahren außergewöhnlich viele Eigenbauspieler via Draft in die Mannschaft eingebaut. Hält sich der Trend, wird Green Bay langfristig auch in der schweren NFC North vorne dabei bleiben.

Minnesota Vikings in der Sezierstunde

Minneapolis Metrodome kollidiert

Symbolisch und fast schon Tragikomödie - Das Dach des Metrodomes kollabierte ähnlich schlimm wie die Saison der Minnesota Vikings - Foto: Bobak Ha'Eri

Nach dem erneut unsäglichen Theater rund um QB Brett Favre und sein sechshundertsiebenundachtzigstes Comeback waren die Vikings für mich eine Unbekannte und ich war gespannt auf die ersten Auftritte – ESPN war ja zu Saisonbeginn regelmäßig sehr lila gefärbt.

Es war erschreckend: Eine Offense komplett aus dem Rhythmus, eine auf Normalgröße gestutzte Defense und ein weltabgewandter Head Coach an der Seitenlinie. Verletzungen, Uneingespieltheit und teaminterne Reibereien mixten sich mit Favres Schniedel-Fotostory.

Resultat: Ein krasser Fehlstart, den man mit dem spektakulären Trade für Randy Moss zu korrigieren versuchte, was die Spirale in den Abgrund aber nur um ein paar Prozent beschleunigte und schließlich schon nach zwei Drittel der Saison mit der Demission Moss’ und Entlassung Brad Childress’ endete.

Dass im Dezember bei heftigen Schneefällen das eigene Stadiondach kollabierte und man bei zig Minusgraden und ohne Bieraufschank im Freien spielen musste – geschenkt und ein verhältnismäßig kleines Ärgernis (zumal es den seit Jahren nach einer neuen Arena krähenden Vikings vielleicht nicht mal unrecht gewesen sein dürfte).

Umkrempelungen

Die Vikings werden sich in der nächsten Saison rundumerneuert zeigen, und das liegt nicht nur daran, dass Uropa Favre „definitiv“ (hatten wir das nicht schon mal ein paar Mal?) in den Ruhestand geht.

Neuer Mann am Kommandostand wird Head Coach Les Frazier sein, der ein paar Wochen Erfahrung sammeln durfte und das gut genug hingekriegt hat, um den Posten behalten zu dürfen. Frazier hat sich für seinen Stab einen alten Bekannten eingekauft: Mike Singletary. Die beiden haben einst zusammen als Spieler mit den Bears die Superbowl gewonnen (Jänner 1986). Jetzt ist Singletary nach seiner desaströsen Zeit als 49ers-Coach Fraziers Assistent. Auch die Offense ist in neuen Händen: Bill Musgrave ist aus Atlanta gekommen.

Tavaris Jackson

Kein Franchise-QB: Tavaris Jackson

Musgrave steht nach Favres Rücktritt erstmal ohne brauchbaren Quarterback da, denn Tavaris Jackson wird nach fünf wechselhaften Jahren gehen und Joe Webb gilt als noch nicht annähernd bereit für die komplexe NFL. Neben den besten QBs kommt auch der beste Wide Receiver abhanden: Sidney Rice wird seinen Vertrag wohl nicht mehr verlängern.

In der Defense wird der „Williams Wall“ auseinandergerissen. Bestehend aus Kevin Williams und Pat Williams hat das Defensive-Tackle-Duo drogenunterstützt über Jahre jedes Laufspiel im Ansatz erwürgt. In jüngster Vergangenheit war der Williams Wall aber schon löchriger als gewohnt – sicherlich altersbedingt und wohl auch, weil die beiden mit einer bevorstehenden Sperre nicht mehr jedes Mittel bedenkenlos schlucken konnten. Pat Williams hat mit seinen 38 Lenzen auf dem Buckel am Mittwoch bekannt gegeben, dass er die Vikings verlassen wird.

Die Suche nach dem Häuptling

Der Kern der Mannschaft ist auch nach zwei verschwendeten Jahren unter QB Favre noch eher jung – allein: Es fehlt der Franchise-QB. Ein neuer soll nun via Draft gefunden werden, was 2-3 Jahre Entwicklungszeit verlangt. Dadurch wird aber vermutlich die Blütezeit von RB Adrian Peterson verschenkt – ein ähnliches Problem wie vor ein paar Jahren in San Diego mit dem großartigen LaDainian Tomlinson. Und jammerjammerjammerschade.

Die Vikings haben im Draft Pick #12. Der QB-Jahrgang darf ruhig als nicht überschwänglich angesehen werden, und an #12 dürfte einer der vielen QBs zu haben sein: Der Rohdiamant Jake Locker, der fertigere Blaine Gabbert oder Selbstdarsteller Cam Newton. Ich kann noch keine Tendenz erkennen, in welche Richtung von Offense sich Minnesota entscheiden wird. Ich würde aber auch über einen Chris Ponder (2. Runde) nachdenken. Ungeschickt: Bei Lockout könnte man über Monate die Option „Trade für einen QB á la McNabb“ vergessen.

Minnesota hat auch andere Schwachstellen: Ein neuer Defensive Tackle wird händeringend gesucht. Nur leider keiner im Draft, der Williams heißt. Dafür aber gilt der Jahrgang für Defensive Liner als überdurchschnittlich.

Die Secondary war außerordentlich unzuverlässig und immer gut für zugelassene Big Plays. Soweit ich das überblicke, ist nur ein einziger Safety und neben CB Antoine Winfield eine Reihe an namenlosen Cornerbacks unter Vertrag – Verstärkungen höchst erwünscht.

Verstärkungen der Kategorie „Ergänzungsspieler“ braucht es bei den Linebackers, von denen nur fünf Vertrag haben. Geschichte der abgelaufenen Saison war MLB E.J. Henderson, der nach einer fürchterlichen Verletzung ein ganz spezielles Comeback feierte und am Ende sogar Pro Bowl spielen durfte.

In der Offense sollten O-Line und Running Backs (Peterson & Gerhart) passen, aber die Wide Receivers bilden ein Fragezeichen. Rice wird gehen, Percy Harvin hat seit gefühlt 50 Jahren mit Migräne zu kämpfen und abgesehen davon ist wenig Klangvolles da, mit dem sich der geneigte Vikings-Fan hochziehen kann.

Ausblick

2011/12 könnte ein bitteres Jahr werden: Vermutlich wird man mit Rookie-QB spielen und im Falle eines Lockouts nur eine arg beschnittene Vorbereitung bestreiten können. Deswegen – und wegen der wenig überzeugenden Top-Quarterbacks im Draft – würde ich an Vikings-Stelle drüber nachdenken, einen Defensive Tackle in Runde 1 zu nehmen und später Chris Ponder oder Andy Dalton draften. Auf diesen Rat wird Les Frazier aber kaum hören…

Neben dem Sportlichen wird das Front Office der Vikings eine strategische Entscheidung zu treffen haben: Neues Stadion, altes Stadion renovieren oder aus den Twin Cities ausziehen? Die Aktien eines Stadion-Neubaus sollen in den letzten Wochen gestiegen sein, auch wenn man sich in Minneapolis/St. Paul noch nicht einig ist, ob man das Stadion mit Dach versehen soll.

Die bisherigen Sezierstunde-Artikel sind auf der NFL-Überblicksseite (ganz unten) zu finden.

Superbowl XLV: Auf der Suche nach der besten Geschichte

Morgen werden die beiden Superbowl-Teilnehmer ausgespielt – will heißen: Es gibt im Moment noch vier mögliche Matchups und einige massive Storylines für das Endspiel. Welche ist die beste?

Ryan Bowl

Bears vs. Jets. Rex Ryan ist aktuell der Head Coach der New York Jets. Das war nicht immer so: Rex war als Kind Ballbub bei den Chicago Bears, und das nicht ohne Grund: Sein Dad ist der legendäre Buddy Ryan, einst Defensive Coordinator der Bears und Architekt der Bears-Defense Mitte der 80er, die als eine der besten und aufgund vieler Charakterköpfe auch als eine der geschichtsträchtigsten ever gilt und im Jänner 86 maßgeblich am einzigen Superbowl-Championat der Bears beteiligt war. Damit nicht genug: Buddy war als Defensive Coordinator auch am Superbowl-Sieg der Jets (1968) nicht „schuldlos“.

Obama Bowl

Bears vs. Steelers. Die beiden Teams eint trotz ihrer Tradition kaum gemeinsame Geschichte, außer, dass sie seit Äonen in Familienbesitz sind. Interessanter ist da schon der politische Faktor: US-Präsident Barack Obama kommt aus Chicago und ist naturgemäß Bears-Fan. Aber Obama dürfte auch nicht wenig Empathie für die Pittsburgh Steelers empfinden, schließlich war Steelers-Owner Art Rooney einer der ersten, die Obama im Wahlkampf öffentlich unterstützt haben.

Title Bowl

Oder so. Packers vs. Steelers. Der NFL-Rekordchamp Green Bay (13 Titel) gegen den Superbowl-Rekordchamp Pittsburgh (6 Ringe), etwas, wovon die Amerikaner gerne behaupten, das ware ein Matchup for the ages. Zwei Städte, die Football im Wappen tragen müssten. Es gibt noch andere Geschichten nebenbei: Die QBs Roethlisberger und Rodgers, die einst in ihren Drafts 2004 und 2005 übergangen worden sind, die Top-Offense der Packers gegen die Top-Defense der Steelers und ein paar persönliche Verlinkungen: Packers-Coach McCarthy stammt aus der Region um Pittsburgh. Und wer sich den Trainerstab der Packers anschaut, dem fällt der eine Name auf: Kevin Greene, einst testosterongeschwängerter Linebacker und Defensiv-Leader bei den Pittsburgh Steelers.

Favre Bowl oder Green Bowl oder Wild Card Superbowl

Je nachdem, wie man’s nimmt, und das sind nicht die einzigen Geschichtchen. Packers vs. Jets. Ein Superbowl-Matchup, bei dem Claudia Roth ihre hellste Freude haben würde: Die Farbe grün dominiert.

Zweiter Fun Fact: Es wäre eine Superbowl der AFC-#6 Jets gegen die NFC-#6 Packers – ein Novum und angesichts der Playoffgeschichte bis Mitte der 2000er eine Sensation. Es wäre gleichzeitig die erste Superbowl zweier Wildcard-Teams.

Das alles hat aber keine Chance gegen diese eine Geschichte: Im Frühjahr 2008 hatte Ted Thompson genug gesehen. Er jagte die Packers-Legende Brett Favre nach Jahren des Fang-mich-Spielchens vom Hof, um dem aufstrebenden QB Aaron Rodgers eine Chance zu geben. Eine Majestätsbeleidigung und um ein Haar GM-Selbstmord in Green Bay. Favre spielte sein Ego-Theater zum ersten Mal, wechselte beleidigt nach New York und wurde Jets-QB. Im Großen Apfel avancierte Favre erst zum Hero, als die Jets wie die kommenden Champs aussahen, und dann zum Sündenbock, als die Jets mit einer Niederlagenserie noch aus der Playoffzone flogen. Favre wiederholte sein elendiges Spielchen, und ging nach Minnesota, wo er eine Dummheit von der Superbowl entfernt war. Im vergangenen Sommer, 2010, Kapitel [bitte beliebige Zahl x>3 einsetzen], Favre auf dem letzten Halali für den Titelgewinn. Es wurde nichts.

Bei Packers vs. Jets würden Dallas die beiden Teams gegeneinander um den Titel spielen, die einst Favre vor nicht allzu langer Zeit im Streit und egogekränkt verlassen hat. Für mich storyline-mäßig gesehen das Top-Matchup für Superbowl XLV.

BittewählenSiesichihreLieblingsgeschichtefürSuperbowlXLVaus!

NFL 2010, #17 live: 7 for 3

Das Sunday Night Game

[01h31] Ich werde mir das SNG schenken und morgen als Tape reinziehen. Nicht vergessen: Morgen ist Black Monday – es werden eine Menge Trainerstühle durchgesägt werden.

Als Einstimmung auf Seattle – St Louis noch folgendes:

Sehr interessanter Artikel im NY-Times-Blog Fifth Down: Man wünscht sich in Seattle eine Heimniederlage gegen die St Louis Rams. Meistgenannte Gründe: Die vermeintliche Chancenlosigkeit in den Wildcards und der Fall in der Draftposition. Die NFL hat vor ein paar Jahren damit begonnen, alle 12 Playoffteams ans Ende jeder Runde zu setzen. Das würde Seattle 10-12 Plätze kosten und damit die Chance auf local hero QB Jake Locker deutlich verschlechtern.

Max/Master of Disaster weilt gerade in Vancouver, wo die Seahawks NFL-Team #1 sind. Seine Eindrücke aus dem rauen Nordwesten.

Das Playoffbild

[01h20] Vor dem NFC-Westendspiel sieht das Bild folgendermaßen aus:

AFC: #1 Patriots, #2 Steelers, #3 Colts, #4 Chiefs, #5 Ravens, #6 N.Y. Jets
NFC:
#1 Falcons, #2 Bears, #3 Eagles, #4 Rams/Seahawks, #5 Saints, #6 Packers

Die vier Partien vom Wild Card Weekend lauten so, und wie beutelbaerchen in den Kommentaren richtig angemerkt hat: Kein Heimteam hat eine bessere Bilanz als das Auswärtsteam.

AFC
#3 Colts (10-6) – #6 N.Y. Jets (11-5)
#4 Chiefs (10-6) – #5 Ravens (12-4)

NFC
#3 Eagles (10-6) – #6 Packers (10-6)
#4 Rams (8-8)/Seahawks (7-9) – #5 Saints (11-5)

Die genauen Sendetermine stehen noch nicht fest. Die TV-Anstalten müssen sich die Spiele noch zuschachern. Fix ist: Am Samstag überträgt NBC einen Doubleheader, am Sonntag sind Fox (NFC) und CBS (AFC) dran.

Green Bay Packers – Chicago Bears und die 22h15-Spiele

[01h11] Endstand Green Bay 10, Chicago 3. Jo, war eine Schwergeburt für die Packers. Am Ende hat wie vermutet ein Big Play entschieden – auf WR Jennings. Green Bay rutscht damit in die Playoffs in einem Spiel, in dem beide Teams absolut auf Augenhöhe waren.

Respekt an die Bears, dass sie das durchgespielt haben. Für sie ist es um nichts mehr gegangen. Am Ende 2 INTs gegen Cutler. Tampa und N.Y. Giants weinen.

Im Parallelspiel würgen sich die Colts dank Field Goal in der letzten Sekunde zum 23-20, sind AFC #3 und treffen nächste Woche auf die N.Y. Jets. Soll eine grausige Vorstellung der Colts gewesen sein.

[00h50] Lambeau kocht. Dank Punt sind die Bears ganz hinten eingepfercht. Und dann explodiert plötzlich die Defense, mit zwei Sacks bei CB- bzw. LB-Blitzes. Green Bay startet wieder aussichtsreich und kann die Partie eintüten.

[00h41] Die Indianapolis Colts können schon mal für die Playoffs buchen. Jacksonville wird in Houston verlieren, weil sie einfach kein Pass-Spiel haben und Houstons Offense nicht gut genug stoppen können. Colts – Titans ist aktuell unentschieden bei 20. Mit Sieg sind die Colts #3, mit Niederlage #3.

[00h32] Green Bay 10, Chicago 3/12:42min Q4. Die Packers haben überhaupt kein Laufspiel. Diesmal hat HC McCarthy die Traute, die Pässe anzusagen. Erst fängt WR Driver in der Mitte, dann ist WR Jennings dank Safety-Fehlspekulation völlig offen. Aus 1yds ist dann TE Donald Lee meterweit in der Endzone offen. Wie ich vermutete: Irgendwann klappt mal ein langer Ball. 🙂

[00h23] Green Bay 3, Chicago 3/noch 3:26min im dritten Viertel. Na bitte. Starker Pun Return. Im Rausch läuft WR Jennings bis zur 1yds Line durch. Aber die Goal Line Defense der Bears geigt dann gewaltig auf und hält GB trotz merkwürdiger Plays der Packers beim Field Goal.

Anschließender Drive Bears, 3rd and 15. Chicago macht per RB Forte das 1st down, das dank Timeout VON LOVIE SMITH negiert wird. Wiederholung: Sack gegen QB Cutler. Karma schlägt gerade zurück.

[00h09] Es erinnert in Green Bay gerade ein bisschen an einen Schwergewichtskampf. Irgendwann bricht irgendwo eine Abwehr für einen Spielzug ein. Völlig offenes Spiel.

[00h05] Überschlagende Ereignisse? Gunslinger-Cutler ist wieder da. Cutler feuert unter Druck in die Endzone und #26 Peprah pflückt den Ball vor WR #13 Knox aus der Luft. Touchback statt Touchdown. Und Manning hat schnell geantwortet: Die Colts führen schon wieder, 20-13.

[23h58] Gerade überschlagen sich die Ereignisse. Die Giants gehen dank 92yds-Pass auf WR Manningham 17-7 in Führung. Die Titans gleichen in Indianapolis auf 13-13 aus, obwohl das Laufspiel unter aller Sau ist. Und CB Charlie Tillman macht eine artistische INT gegen Rodgers und returniert spektakulär in die RedZone. Ich höre das Pendel ticken.

[23h37] Korrektur: Houston hat mit auslaufender Uhr das 20-17 gemacht.

[23h35] Halbzeit Green Bay 0, Chicago 3. Green Bays Coach-Team wird sich in „Adjustments“ beweisen müssen. Das Problem: Es ist alles zugedeckt und Aaron Rodgers muss öfter mit dem Ball laufen als ihm lieb sein kann. Hier muss an einigen Ecken angesetzt werden…

…und trotzdem läge Green Bay in Führung, hätte WR Greg Jennings allein in Richtung Endzone einen recht einfachen Ball fallen gelassen.

Hoffnung für die Packers: Washington ist eben auf 7-10 gegen die Giants herangekommen.

In der AFC South hat sich einiges getan. Ganz dickes Brett, das Peyton Manning da bohren muss. Aber am Ende der Halbzeit ist es so wie immer: Manning fand seinen Reggie Wayne. Jacksonville lag schon mit 10 Punkten zurück, ist aber dank knallhartem Laufspiel auf 17-17 herangekommen. Es bleibt spannend.

[23h14] Green Bay 0, Chicago 3/4:31min im 2. Viertel noch. Punkte! Wir haben Punkte! Chicago verdient sich das Field Goal mit einer geduldigen Offense, die nicht den ganz langen Ball sucht, sich aber in kleinen Schritten nach vorne arbeitet, mit vielen yards after catch durch WR Davis und RB Forte. Nur ein Energieanfall von DE Walden verhindert den Touchdown.

Green Bays Problem bisher lag darin begründet, dass QB Aaron Rodgers alle WR-Optionen zugedeckt waren. Auf TEs und RBs spielt Rodgers offenbar sehr ungern.

[22h50] Ende erstes Viertel in Green Bay. Atypisches Spiel der Bears in der Offense: Es wird erfolgreich gelaufen, RB Matt Forte hat einen explosiven Tag erwischt. Die Defenses spielen beide mit erhöhtem Testosteronspiegel, und beide QBs haben das schon zu spüren bekommen. Resultat: 0-0. Die Frage ist nur, wie lange Chicago seine Starter im Spiel hält.

[22h37] Chicago spielt bisher ziemlich aggressiv. Erzwingt sogar einen Fumble, von WR Donald Driver. Wann hat Driver seinen letzten Ball verloren? Hat Driver bisher überhaupt schon einmal einen Ball verloren?

[22h17] Um 22h15 spielen:

AFC South
Houston Texans – Jacksonville Jaguars
Indianapolis Colts – Tennessee Titans

AFC West
Denver Broncos – San Diego Chargers

NFC East
Washington Redskins – N.Y. Giants
Philadelphia Eagles – Dallas Cowboys

NFC North
Green Bay Packers – Chicago Bears/CHI beginnt mit der Starting Defense

NFC West
San Francisco 49ers – Arizona Cardinals

New Orleans Saints – Tampa Bay Buccs und die 19h-Spiele

[22h14] Was sich bisher getan hat, ist ziemlich mickrig.

AFC-Seedings: #1 Patriots, #2 Steelers, #3 Chiefs, #4 Colts, #5 Ravens, #6 Jets. Colts und Chiefs können noch Plätze tauschen bzw. Colts können noch aus den Playoffs fliegen. Ersteres ist wahrscheinlich, Letzteres kaum.

NFC-Seedings: #1 Falcons, #2 Bears, #3 Eagles, #4 Rams, #5 Saints, #6 Packers. Die Packers sind mit eigenem Sieg drin, die Giants sind drin, wenn GB bei eigenem Sieg verliert, die Buccs brauchen Niederlagen von GB und NYG.

[22h05] Endstand New Orleans 13, Tampa Bay 23. Die Buccs laufen die Uhr runter. Nur mal nebenbei bemerkt: Wie weh könnte die völlig überflüssige HEIM-Niederlage gegen die Detroit Lions vor 2-3 Wochen tun?

Es braucht zwei Dinge für Tampa: Niederlage Green Bay (gegen Chicago mit vmtl. einigen Backups) und Niederlage Giants (spielen in Washington).

[22h00] New Orleans 13, Tampa Bay 23. Eine zusammengekrachte Coverage – dat war’s. Vier Minuten zu spielen, New Orleans spielt mit einer Reihe an Backups.

Die schlechte Nachricht für die Buccs dürfte von anderen Plätzen kommen: Chicago hat nach Atlantas Sieg keine Chance mehr auf die #1, und wird wohl eher seine wichtigen Leute schonen. Wenn Chicago nicht in Green Bay gewinnt, ist Tampa trotz allem und trotz 10-6 raus.

[21h46] Josh Freeman strapaziert mit einer Hirnlosigkeit die Nerven. Aber weil Payton umgedacht hat und jetzt QB Chase Daniels eingewechselt wird, bleibt der Fehler folgenlos.

[21h37] Die Kansas City Chiefs spielen offenbar lieber gegen Baltimore, denn gegen die New York Jets. Ein Spiel gegen Oakland, in dem (gewollt?) nichts funktioniert: Kein Laufspiel, und QB Matt Cassel bringt fast keinen Ball an den Mann. Resultat: 10-24 und 205yds Rushing hergegeben. Oakland spielt ohne RB McFadden. Wenn Indianapolis gewinnt, fallen die Chiefs an die #4 zurück.

Was vergessen? New Orleans kommt trotz großem Aufwand nur zu drei Punkten gegen Tampa. Grund unter anderem: Die Buccs machten in der RedZone ernst. Die Kurzpässe auf RB Reggie Bush wurden unterbunden und die mittleren Distanzen funktionieren ohne Colston und Shockey nicht halb so gut. 20-13 Buccs.

[21h32] Die Eagles schonen im Heimspiel gegen Dallas die halbe Mannschaft. Nicht dabei sind u.a. RB McCoy, OT Justice, QB Vick, CB Samuel, DE Cole, LB Bradley. Für Philly geht es um nichts mehr – sie stehen fix an Seed #3.

[21h17] New Orleans 10, Tampa Bay 20. Ein unfassbarer Touchdown. Die Buccs spielen ein 4th and 1 an der gegnerischen RedZone aus. Es schaut alles nach Laufspiel aus, als plötzlich der Defense Liner mit der #91 bemerkt, dass Freeman den Ball selber hält. Freeman muss ein paar Tippelschritte nach hinten machen und wirft einen h-o-h-e-n Ball in die Endzone. Dort hält CB #33 Greer WR Mike Williams stundenlang am Jersey… Und Williams pflückt das Ei trotzdem artistisch aus der Luft.

[21h12] Wer noch nicht weiß, warum ich QB Josh Freeman liebe: Dieser Spielzug gibt die Antwort. Die Buccs kommen nach erobertem Fumble aufs Spielfeld, Freeman ist schwer unter Druck, weil ein D-Liner ungeblockt durch die Mitte bricht. Freeman wird am Shirt gezogen, reißt sich los und holt per Scramble über die rechte Seite 10yds und das 1st down.

[21h08] Mann, Mann, Mann. Tony Sparano

Jetzt spielen die Patriots tatsächlich mit Backup Hoyer (thx Coates). Resultat: Langer Drive zum Touchdown. 38-0. ACHTUNDDREISSIG ZU NULL. Und Sparano geriet gerade in den letzten Tagen schwer unter Druck.

[20h59] New Orleans 10, Tampa Bay 13. Langer Return beim Kickoff, aber die Buccs bringen das Ei nicht in die Endzone. Payton will nicht auf Atlantas Resultat informiert sein – aber sie sollten es ihm sagen und die Starter runternehmen.

In Foxboro spielt jetzt doch wieder QB Tom Brady (warum haben die zwischenzeitlich Hoyer eingewechselt?). Resultat: TD-Drive, 31-0.

[20h56] Die Saints gleichen per Field Goal aus, 10-10. Im Grunde könnte bzw. sollte Sean Payton seine Starter vom Feld nehmen. Atlanta spielt Carolina grade gepflegt in Grund und Boden und hat damit den #1 Seed sicher. Für New Orleans geht es um nichts mehr. Es sei denn, sie wollen den Buccs ihre minimale Chance versauen.

[20h44] In der AFC sind die Messen in den wichtigen 19h-Spielen auch schon gelesen. New England hat schon Backup-QB Brian Hoyer eingewechselt, nachdem QB Tom Brady die Pats zu einem 24-0 über Miami geführt hat (Halbzeit).

Pittsburgh dominiert in Cleveland nach Strich und Faden. QB Colt McCoy mal wieder mit 3 INTs, während die Steelers ziemlich fehlerfrei aufspielen. Lange wird Roethlisberger nicht mehr im Spiel sein. Die Steelers sind damit #2 in der AFC, wenn es nicht mit dem Teufel zugeht.

Baltimore ist damit sicher die #5 und die N.Y. Jets nur die #6 in der AFC. Seed #3 und #4 sind noch nicht ganz fix, weil Chiefs, Jaguars und Colts erst um 22h15 spielen.

[20h31] Halbzeit New Orleans 7, Tampa Bay 10. Eine ganz fürchterliche INT von Drew Brees und die Saints schmeißen schon wieder Punkte weg – obwohl die Buccs gerade ziemlich kaputt waren nach Josh Freemans Fumble.

Pregame

[18h45] Ich klinke mich damit für ca. 1,5h aus. Pünktlich zur zweiten Halbzeit der 19h-Spiele werde ich wieder da sein… Hoffe ich.

[18h37] Zum Livespiel Buccs @ Saints. Die New Orleans Saints werden eine Reihe an Startern schonen. WR Colston, RB Thomas und TE Shockey sind inactive. Die Buccs spielen noch voll und bieten alles auf, was einen Namen hat und nicht auf der IR ist, bis auf FB Graham und WR Stroughter. Das Receiver-Set ist damit ziemlich ausgedünnt.

Für Pittsburgh wird Safety Polamalu starten. Da siehst du, wie wichtig den Steelers Seed #2 ist. Polamalu sollte eigentlich bis zu den Playoffs geschont werden.

Jacksonville muss in Houston gewinnen und dabei auf QB David Garrard und RB Maurice Jones-Drew verzichten. Ziemlich bittere Ausfälle.

Die Patriots schonen WR Wes Welker (Houston remembered), WR Deion Branch und TE Aaron Hernandez in der Offense, und DE Banta-Clain in der Defense.

Eine große Karriere geht in Detroit ganz leise zu Ende: QB Brett Favre kann heute nicht spielen und wird vermutlich nie mehr in der NFL spielen.

[18h23] Die Saison 2010 war schwer zu tippen. korsakoffs Bilanz in der Regular Season: 145-95 (0.604). Unter den ESPN-Experten läge ich eher im unteren Mittelfeld. Was auffällt unter den Woche-17-Tipps: Alle ESPN-Experten sehen einen Rams-Sieg in Seattle.

[17h07] Grade die Rushing-Statistiken durchgeschaut. Ich bin grad ziemlich überrascht, wie weit vorne Titans-RB Chris Johnson liegt (#3 mit 1325yds). Johnson wurde allgemein eine sehr enttäuschende Saison attestiert. Wenn man bedenkt, wie schwach die Titans-Offense seit Wochen spielt, sind Johnsons Zahlen umso eindrucksvoller. Johnson spielt heute gegen die Colts, deren Laufdefense traditionell schwach ist, die sich aber in den letzten Wochen ganz stark verbessert gezeigt hat.

[16h45] #Andrew Luck. Die neuesten Gerüchte lassen erahnen, dass Luck umgedacht hat und wohl noch ein Jahr an der Stanford University bleiben wird. Gründe werden in der unsicheren CBA-Sache vermutet – ohne CBA keine Trainings und weniger Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Nach der Orange Bowl (3.1.) könnten wir schlauer sein.

[16h14] Die New England Patriots können einen Rekord aufstellen: Wenigste Turnovers in einer Saison. Sensationelle 9x nur haben sie den Ball hergegeben. Bisheriger Rekord: Chiefs 1982, als wegen Streiks nur 9 Spiele gespielt wurden. Chiefs-Turnovers damals: 12. New England spielt gegen die Dolphins, die nicht wirklich viele Ballverluste erzwingen (#29 in der NFL).

[15h25] Charlie Weis wird aller Voraussicht nach wieder in den College Football wechseln. Gestern kamen massive Gerüchte auf, dass Weis neuer OffCoord an der University ofFlorida werden wird, weil der neue Gators-Coach Will Muschamp einen erfahrenen Mann für diesen Posten sucht.

Das ist natürlich ungut für die Chiefs. Solche Diskussionen in dieser Phase kurz vor dem Playoff-Comeback… Wild wird es bei der Spekulation um die Nachfolge: Josh McDaniels gilt als genialer OffCoord, hat in New England bereits mit QB Matt Cassel zusammengearbeitet und für Cassel einst sogar den Bruch mit Pro Bowl-QB Cutler in Denver riskiert. Die Chiefs haben zuletzt eine ganze Armada an ex-Patriots eingekauft: Weis, DefCoord Crennel, Cassel, TE Vrabel, Sportdirektor Scott Pioli.

Was gegen McDaniels spricht: Der handfeste Krach mit Chiefs-Coach Todd Haley nach einem Spiel in dieser Saison.

[14h58] #Head Coaches. Hier eine Aufstellung meinerseits zum aktuellen Coach-Karussell, das sich schon ordentlich gedreht hat (bisher 5 feststehende Wechsel) und noch mindestens 4-5 zusätzliche erfahren wird.

Aktuelle Updates: Glaubt man den jüngsten Gerüchten, steht auch Tony Sparano in Miami kurz vor dem Abschuss. Sparano werden zwei Sachen vorgeworfen: Fehlende Perspektive auf Weiterentwicklung und Konzeptlosigkeit in der Suche nach dem Franchise-QB.

Für San Franciscos neuen Head Coach hat Jim Mora jr. die Gerüchteküche betreten. Fragt mich nicht, warum. Von Mora halte ich wenig bis gar nichts – Stichwort: Michael Vick.

[14h35] Willkommen beim Live-Blog zum letzten Spieltag der NFL-Saison 2010. Drei von zwölf Playoffplätze sind noch zu vergeben und sieben Teams sind noch in der Verlosung für diese drei Plätze  – mehr dazu in meiner Vorschau zu Woche #17. Ich werde nach und nach ein paar Updates einfügen, die erste Halbzeit des 19h-Spiels aber arbeits-bedingt wahrscheinlich verpassen. Das Gastgewerbe ist gnadenlos.