Samstagsfootball am 19.12.2015 | Heiliger Krieg des College Football – in der Stadt der Sünden

Heute ist Start der Bowl-Season. Eine kleine Einführung nebst Übersicht der einzelnen Partien habe ich vor einigen Tagen zusammengestellt. Die Partien werden alle im ESPN-Player übertragen.


Um 20h New Mexico Bowl mit den New Mexico Lobos gegen die Arizona Wildcats.

Ab 21h30 „Holy War“ mit den beiden verhassten Rivalen #22 Utah Utes vs BYU Cougars. Utah und BYU eint innige Abneigung gegeneinander, und die Religion der Mormonen („Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“) spielt eine große Rolle.

Die Brigham Young University wird von der Mormonenkirche geführt. Für sie gelten strikte Grundsätze wie Verzicht auf Alkohol und Pornos, keine Schwulen und keine Waffen auf dem Campus, dafür vorgeschriebener Messebesuch und kein Vollbärte und ohrlanges Haar. Weiterlesen

Samstagsvorschauer, Week 1 | College Football 2015/16

Donnerstag und Freitag waren gutes Warm-Up auf die Saison im College Football 2015/16. Richtig los geht es heute mit dem Kickoff-Weekend. Früher war das eines meiner Lieblings-Sportwochenenden, aber seit dem Ableben von ESPN America und der etwas eingeschränkteren Berichterstattung hat sich das Thema etwas gelegt.

1ter Spieltag im College Football ist für viele Teams ein leichtes Einrollen gegen unterklassige Gegner, vergleichbar mit Freundschaftsspielen im Preseason-Fußball: Selbstvertrauen tanken und trotzdem ein paar schematische Kniffe probieren, bevor es ab Woche 2 mit dem Ernst des Lebens losgeht.

Es gibt aber immer wieder auch Leuchtturm-Ansetzungen für die großen TV-Anstalten. In diesem Jahr sticht kein „Top-Spiel“ richtig heraus – zumindest keine Partie, die für beide Teams bereits unmittelbare Auswirkungen auf die Playoffs haben wird. Weiterlesen

Bowl-Season 2013/14 Preview: Military, Texas und Kraft Fight Hunger Bowl

Großkampftag der Bowl-Season heute mit drei Bowls quer über die Staaten. Der ESPN-Player hat sie alle in seinem Angebot:

MEZ    BOWL                TEAM 1            TEAM 2
20h30  Military            Marshall          Maryland
00h    Texas               Syracuse          Minnesota
03h30  Kraft Fight Hunger  Washington        Brigham Young

Zu den Geschichten hinter den Spielen. Weiterlesen

College Football 2013/14, Week 11 am Wochenende

Die Wochenend-Vorschau diesmal schon am Freitag, da morgen was aus der Kategorie „completely different“ kommt. Ich bin zwar, wie ich diese Zeilen schreibe, schon im Bilde, wie der Pac-12 Kracher Stanford-Oregon (ich schrieb gestern drüber) verläuft, aber aus Spoilergründen verrate ich nicht allzu viel. Die beiden Spiele, die heute Nacht liefen, haben massive BCS-Implikationen, und es gibt dieses Wochenende noch einen dritten Kracher mit selbigen.

Dieser Kracher ist #1 Alabama Crimson Tide#13 Louisiana State Tigers, in der Nacht von Samstag auf Sonntag, 02h, live… nirgendwo bei uns. Leider. Bama-LSU ist seit einigen Jahren das Spiel des Jahres, die intensivste sportliche Rivalität im College-Football, wenn auch nicht die „historischste“. Es sind die beiden gefürchtetsten SEC-Mannschaften, immer hoch oben in den Polls gerankt, beide aus der gleichen Division (SEC-West), und fast immer um den Einzug ins SEC-Finale spielend.

Diesmal ist es nicht ganz so, da LSU bereits zwei Conference-Niederlagen eingesteckt hat (Alabama ist noch makellos). Dennoch ist es ein wichtiges Spiel, denn was würden LSU und deren Coach Les Miles lieber vollbringen, als Alabama und Nick Saban die Suppe zu versalzen? Zumal Miles und Saban Geschichte verbindet: Saban war Miles‘ Vorgänger als LSU-Headcoach, und Saban hatte dort mit einer BCS-Championship 2003/04 die Grundlage gelegt, dass LSU bis heute eine Spitzenmannschaft geblieben ist. Alabama ist erfolgreicher, aber LSU ist aufregender.

Alabama sehnt sich das Spiel auch deswegen daher, weil diese erfolgreichste Uni der letzten Jahre unter sowas wie dem „Fluch des Kantersiegs“ (für den, der darüber mal seine Diplom-Thesis schreiben möchte) leidet: Bama ist seinen Gegnern seit Jahren so überlegen, dass die heimischen Fans zuletzt das Bryant-Denny Stadium nicht mehr füllten, und sich generell nimmer so enthusiastisch für den Football zeigten, weil eh klar ist: Es wird ein Blowout. Kennst du bereits das Ende vom Film, gehste nimmer so mit. Yup, du kannst die Kunst bestaunen, aber ohne Spannung keine Würze, und ohne Würze keine Emotion. Alabama läuft deswegen trotz #1-Rankings auch in den landesweiten Medien etwas unter dem Radar, weil die Spiele schlicht uninteressant sind.

Gegen LSU kommt zum ersten Mal dieses Jahr eine Top-Defense nach Tuscaloosa. Selbst Bama-Fans hoffen auf ein wenigstens halbwegs spannendes Spiel. Man will wieder mitfiebern, anstatt schon nach zehn Spielminuten 21-0 Blowouts zu verfolgen.

Das Spiel wird mit Sicherheit im Verlauf des Wochenendes in guter Qualität bei Youtube hochgeladen werden, daher auch ein paar spielerische Inputs zu einem erstmal quasi unsichtbaren Spiel: Das Duell zwischen Alabamas landesweit bester Offense Line gegen LSUs Defense Line erachte ich als Duell des Tages. Alabama ist dieses Jahr weniger lauflastig als gewohnt mit nur mehr 55% Ballübergaben, aber Laufspiel ist trotzdem noch die Basis der Offense. Im Passspiel kann man QB McCarron schonmal das Spiel in die Hand drücken, aber es ist noch nicht erwiesen, wie McCarron mit einer für einmal „schmutzigen“ Pocket umgeht. Kriegt LSU jedoch keinen Druck zustande, hat McCarron gute Chancen, mit seinen Einser-Waffen WR Amauri Cooper und TE Howard die unerfahrene LSU-Secondary zu sezieren.

Auf der anderen Seite QB Zach Mettenberger, ein wechselhafter Spieler. Seit Jahren sagt man ihm weggeschmissenes Talent nach, aber seinen Durchbruch hatte Mettenberger ausgerechnet vor einem Jahr gegen Alabama. Heuer habe ich Mettenberger mehrfach zu Saisonbeginn gesehen, und dort sah er wie ein veritabler QB aus, der zwar keine hohe Comp% zustande kriegt, aber durchaus mit seinen WRs vertikales Passspiel aufziehen kann. Gegen Alabama willste aber um jeden Preis längere 3rd-Downs vermeiden, deswegen wird man Mettenberger nicht zuviel Last auferlegen, sondern eine gute Dosis Laufspiel um RB Jeremy Hill aufziehen.

Tipp: Alabama gewinnt.

Das Programm bei SPORT1 US ist diesmal dürftig. Heute Nachmittag, 16h15 immerhin ein Tape von Stanford-Oregon. In der Nacht auf morgen kommt ab 2h30 UConn – #20 Louisville. Ansonsten: Die Saison im College-Hoops geht los, zu sehen ausführlich im ESPN-Player. Aus Zeitgründen von mir keine Vorschau dazu diesmal (vielleicht bringt dogfood von Allesaussersport was). Ich verweise zu einer Einarbeitung auf die stets gut geschriebenen Previews bei Grantland.com (die ACC fehlt noch):

Football am Samstag

College-Football morgen abseits von Bama-LSU? SPORT1 US bringt folgendes Programm:

Ab 18h: #25 Texas TechKansas State Wildcats, ein Duell zweier mittelklassiger Big 12 Teams. Texas Tech spielt unter dem neuen, in der Anhängerschaft schwer verehrten Head Coach Kliff Kingsbury einen wieder einen gepflegten Ball; die „Air Raid“-Offense ist unter Kingsbury zwar lauflastiger als in ihrer reinen Version, aber das Passspiel ist schon sehr ansehnlich.

Ab 21h30: #24 WisconsinBYU ein out of conference-Duell. BYU habe ich gegen Boise State gesehen (37-20 Sieg über Boise). Die Coogs spielen ähnlich wie die letzten Jahre: Risikolose Offense, wenig Gefahr im Passspiel, aber eine Front-Seven vor dem Herrn. Wisconsin dürfte bekannt sein: Weil WR Abbrederis nicht fit ist und wenn, dann nur angeschlagen aufläuft, dürften die Badgers noch mehr laufen als gewohnt. BYU ist übrigens mit seinem 6-2 Record eher eine übersehene Mannschaft. Das SRS stuft BYU mit als Top-15 Mannschaft ein, vor solchen Teams wie LSU, Auburn, Oklahoma oder Georgia. Wisconsin ist samt Heimvorteil nur mit 5 Punkten favorisiert.

Danach steigt SPORT1 US erst wieder ab 4h30 in den Football ein, mit Wyoming vs #16 Fresno State aus der Mountain West Conference. Fresno muss ungeschlagen durch die Saison kommen, um sich als AQ für die BCS-Bowls zu qualifizieren, und Wyoming dürfte dabei eher ein einfaches Los sein. Obwohl: Fresnos Defense ist mir suspekt. Ein totaler Kantersieg würde mich schon überraschen.

Der ESPN-Player hat bessere Spiele anzubieten – potenziell folgende:

  • 18h: Wake Forest-#2 FSU, Kentucky-#8 Mizzou, Tennessee-#9 Auburn, #25 Texas Tech-Kansas State, Florida-Vanderbilt, Minnesota-Penn State, Cincinnati-SMU
  • 18h21: Ole Miss-Arkansas
  • 18h30: Georgia-Appalachian St, UNC-Virginia
  • 19h: Eastern Michigan-Western Michigan
  • 21h30: #24 Wisconsin-BYU, Maryland-Syracuse, Michigan-Nebraska, New Mexico St-Boston College
  • 22h: Duke-NC State
  • 22h30: Memphis-Tennessee Martin
  • 1h: #11 Miami/FL-Virginia Tech, #21 UCF-Houston, ULM-Arkansas St
  • 2h: Pitt-#23 Notre Dame, UNLV-Utah State
  • 4h: Arizona-#19 UCLA
  • 4h15: Wyoming-#16 Fresno State

Ab 1h: Miami/FL vs Virginia Tech kann man sich schon auch geben. Letzte Chance für VT, noch mal zurück ins ACC-Rennen einzusteigen.

College Football 2012/13 vor Woche 4

Keine Zeit heute für große Previews. Notwendig ist es eigentlich auch nicht, denn der Schedule bei SPORT1 US (und wohl auch im ESPN-Player) kommt diesmal aus der unteren Schublade:

18h    Georgia Tech - North Carolina
21h30  Wisconsin - Purdue
01h    Alabama - Colorado State
04h15  Brigham Young - Utah

EUROSPORT2 bringt ab 21h30 Bewegtbilder von Penn StateKent State aus State College, der Heimat des schönsten Footballstadions der Welt.


Der Spieltag gibt so wenig her, dass in den Vereinigten Staaten ESPN seinen berühmten College GameDay (Vorberichterstattung ab drei Stunden vor Kickoff der 18h-Spiele) diesmal von einer Uni aus der zweitklassigen FCS bringt: North Dakota State! Da weißt du, wie du dran bist.

Wer kein Anhäger irgendeiner der Unis ist, die um 18h spielt, wird sich schwer tun, sich anhand diesem Programm einen runterzuholen. #4 Ohio State gegen das unterklassige Florida A&M? #7 Louisville gegen FIU aus der Conference-USA? Okay, kannst du QB Bridgewater begutachten. FIU ist eine der schlechtesten Mannschaften in der FBS. Die ausgeglichenste Ansetzung sollte aus der ACC kommen und Georgia TechUNC sein, und auch die optisch beste: Georgia Tech spielt die mittlerweile fast ausgestorbene flexbone triple option-Offense, eines der letzten reinen Option-Systeme, das fast ausschließlich mit Laufspiel auskommt. Bei UNC gibt es einen QB Bryn Renner, der durchaus NFL-Potenzial hat.

Ein Problem von UNC seit vielen Jahren: Sie kriegen nie Zugriff auf die Offense von Georgia Tech, die nur mit extrem viel Disziplin zu schlagen ist. Das Problem ist allen bekannt, aber niemand in North Carolina konnte es bisher lösen.

Um 21h30 könnte #24 WisconsinPurdue aus der Big Ten Conference im Angebot sein. #24 Wisconsin muss sich von dem Schock der bizarren Pleite bei Arizona State erholen. Ob Joel Stave noch einmal in seiner Karriere abknien wird? Alternativ kann man die Zuschauer bei USC gegen Utah State per Handschlag begrüßen oder sich die dieses Jahr überraschend starken Maryland Terrapins gegen West Virginia geben. Penn StateKent State kommt bei EUROSPORT2: Die Nittany Lions scheinen dieses Jahr spielerisch größere Probleme zu haben als in der überraschend guten Saison 2012. Vielmehr Brauchbares seh ich um die Zeit net.

Beim 1h-Spiel #1 Alabama vs Colorado State spielt Bama gegen seinen ehemaligen Offensive Coordinator, aber wenn das kein Blowout wird, weiß ich auch nicht. Ab 1h45 das Tigerduell #6 LSUAuburn, beide noch ungeschlagen. Auburn hat mit dem QB-Neuling Nick Marshall sein Passspiel wieder gefunden, und wenn LSU dieses Jahr bisher eine kleine Defense-Schwäche angedeutet hat, ist es die Passabwehr. Trotzdem ist LSU haushoher Favorit.

Ab 2h möglicherweise im ESPN-Player (Spiel läuft in den Staaten bei ABC): TexasKansas State. Beide kommen dieses Jahr brutal schwer in die Gänge. K-State verlor sogar gegen ein FCS-Team (allerdings ein gutes, North Dakota State, wo heute besagter GameDay ausgesteahlt wird), Texas hat schon zwei Saisonpleiten, und beide Male über 40 Punkte kassiert.

Schließlich ab 4h15 der „Holy War“ BYUUtah zwischen den beiden untereinander verfeindeten Mormonen-Universitäten aus dem Bundesstaate Utah. Das Spiel ist Teil der inoffiziellen Serie um den Beehive-Boot, den Bienenkorb, der Trophäe für die beste Mannschaft im Bundestaate. Das mögliche Knackpunkt ist die BYU-Offense, die brutal physisch spielt; bei Utah ist unter diesem Blickwinkel genau an der falschen Stelle der falsche Spieler abhanden gekommen – DT Star Lotulelei als Anker der Defense Line ging in die NFL.

Für Trüffelschweine

IMHO in Europa nicht über offizielle Wege zu sehen sind einige der namhafteren Ansetzungen heute: #19 FloridaTennessee und #22 Notre DameMichigan State (die zweitwichtigste Rivalität für Notre Dame nach USC) ab jeweils 21h30, sowie das Duell der zweitbesten Pac-12 Mannschaften in ihren jeweiligen Divisionen #5 Stanford (aus dem Norden) gegen #23 Arizona State (aus dem Süden) ab 1h MEZ.

Dieses letzte Spiel ist auch soweit ich überblicken konnte, das einzige direkte Duell zweier im AP-Poll gerankter Teams. Stanford ist bisher etwas träge in die Saison gekommen, aber Stanford sieht im Augentest immer etwas lahmer aus als es wirklich ist. Man ist favorisiert, aber Vorsicht: Arizona State ist eine dieser Mannschaften, die zwar nicht ohne 3-4 Stolperer durch die Saison kommen, aber jederzeit das Potenzial abrufen können, um für ein Top-10 Team zum unerwarteten Stolperstein zu werden. Und man hat in DL #90 Will Sutton ein Kaliber, das möglicherweise nächstes Jahr im Draftprozess rauf und runter diskutiert wird. Dieses Kaliber reichte allerdings letzte Woche nicht, um nicht trotzdem 8.2yds/Lauf zu kassieren und von Wisconsin überlaufen zu werden. Stanford spielt ähnlich physisch…

The Countdown, T-minus 32: Brigham Young Cougars

The Countdown

#32 BYU Cougars.
Independent.
2012: 8-5.

Die Brigham Young Cougars (BYU) sind die 2013er-Variante eines Teams, bei dem „Regression zur Mitte“ im positiven Sinne zuschlagen sollte: Ein Team, dessen prognostizierter Höhepunkt (2012/13) aufgrund einer 1-4 Bilanz in engen Spielen ruiniert wurde (BYU war am Ende 8-5, also mache bitte die Rechnung), und eines, das nur wenige Abgänge zu verzeichnen hat: Head Coach Bronco Mendenhall mag zwar zuletzt übel kritisiert worden sein, aber die Vorzeichen stehen exzellent, dass es diesmal auch in der Siegbilanz aufwärts geht.

Die absolute Stärke ist die Defense, und – trotz des Abgangs vom viel diskutierten Superstar DE Ziggy Ansah – dort vor allem die Front-Seven. Es ist eine Unit, die auch optisch gut aussieht, weil sie sehr druckvoll spielt: Da wird nicht lange auch den Fehler des Gegners gewartet, da wird aktiv mit blauen Flecken auf den Fehler hingearbeitet. Es gibt den einen oder anderen Verlust, aber es kehren auch Langzeitverletzte zurück – ich erwarte also keinen Leistungseinbruch. Wer übrigens schon für die NFL scouten will: Die Linebacker Kyle Van Noy (Codename KVN) und Spencer Hadley hab ich mir schon notiert, und in manchen Previews wird auch CB Jordan Johnson hoch gelobt. KVN ist ein brutal flotter Passrusher, der allerdings ein bissl Mithilfe von den Defensive Ends vor ihm braucht, weil er nicht immer Lust hat, in jedem Play zwei Blocker aus dem Weg zu räumen.

Ungewisser ist das, was in der Offense abgeht: Die Quarterbacks sind suspekt, to say the least, und spätestens seit sich der mit viel Tamtam geholte QB Tanner Mangum für die nächsten zwei Jahre in die Mission verabschiedete (BYU-Studenten müssen häufig Missionsarbeit leisten; BYU ist eine Mormonenuni) gibt es eine echtes Problem. Den Ersatzmann Taysom Hill hab ich mir aufgrund von zwei guten Einsätzen letztes Jahr notiert, aber die landläufigen Experten halten gar nix von Hill. Immerhin gibt es mit WR Cody Hoffman einen verlässlichen Receiver im Slot (zuletzt 100 Catches für über 1200yds). Fazit: Wenn die Offense nicht merklich an ihren Aufgaben wächst, wird wieder mal alles an der Defense hängen.

Und die Aufgaben werden kommen, denn der Schedule liest sich knüppelhart: BYU ist ein Independent, und kann sich seinen Spielplan selbst zusammenstellen – und die ausgewählten Gegner lassen auf großes Selbstvertrauen im Athletic-Department schließen: Texas, Georgia Tech, Wisconsin, Notre Dame, Boise State sind große Namen und teilweise richtige Kaliber, und selbst das eher unbekannte Utah State spielte letzte Saison richtig gut und hätte sich eine Top-25 Nominierung verdient gehabt. Wenn BYU da mit zehn Siegen durchkommt, dann alle Achtung.

Poinsettia Bowl 2012 Preview

Der Auftakt zur Bowl Season am Samstag ließ sich nicht schlecht an: Arizona – Nevada gehörte trotz lauwarmer Randbedingungen (Blick auf die Tribünen genügte) und erwartet grausam schlechter Defenses zu den Footballspielen, die man sich nach einer harten Woche gerne neben dem Sportschau-Tape am Samstagabend reinzieht. Heute Nacht geht es weiter, und zwar mit der Poinsettia Bowl.

“Poinsettia” = Weihnachtsstern, und damit ist auch schon vieles gesagt: Die Stadt San Diego will mit dieser vor wenigen Jahren aus der Retorte geborenen Bowl den Weihnachtstourismus unter südkalifornischen Palmen ankurbeln. Gelingt zwar halbwegs, aber in den letzten Jahren hat man sich daran gewöhnt, dass das recht geräumige Qualcomm Stadium meistens maximal halbvoll ist.

Diesmal versucht man es mit der Heim-Universität, den San Diego State Aztecs (9-3) aus der MWC. Die sind auch im zweiten Jahr unter Head Coach Rocky Long auf dem Weg nach oben, u.a. mit einem überraschenden Auswärtssieg in Boise, und das trotz des seit vielen Wochen ausgefallenen Quarterbacks Ryan Katz. Die Aztecs switchten auf eine fast völlig lauforientierte Offense um die beiden Tailbacks Adam Muema/Walter Kazee (zusammen weit über 2000yds, 24 TD), und erspielten sich damit einen geteilten Conference-Titel in der MWC.

Gegner sind heute die Brigham Young Cougars (7-5), ein Independent, der fast ausschließlich von seiner Defense lebt. BYUs Front-Seven ist gespickt mit künftigen NFL-Draftpicks, und keiner von ihnen kriegt mehr Hype als der ghanaische Rohdiamant LB Ezelkiel Ansah, genannt „Ziggy“, ein Defensive End, der erst gut zwei Jahre Football spielt und mit seinen athletischen Voraussetzungen NFL-Gardemaß ist (Mock-Drafts sehen ihn schon in der ersten Runde vom Tablett gehen).

Mal unabhängig von Ansah wird man bei BYU verfolgen müssen, wohin die Reise geht: Es ist mittlerweile das achte Jahr der Ägide von Head Coach Bronco Mendenhall, und die letzten drei waren eher… wie soll man sagen… banal. Weiterentwicklung vor allem in der sterilen Offense kaum erkennbar, und immer wenn die besseren Teams (sagen wir, ab Region Top-30 aufwärts) kommen, schmieren die Coogs ab (dieses Jahr: 1-4 gegen Teams mit Winning Record).

Das SRS favorisiert BYU trotz der schwachen Saison mit 5.5 Punkten auf neutralem Feld. Rechnen wir San Diego State als Heimteam, verkleinert sich der Spread auf 3 Punkte.

Spiel kommt heute Nacht live ab 02h bei ESPN America. Morgen um 19h30 gibt es die Aufzeichnung.

College Football 2012, Week 1, Tag 1: Lasset die Eier fliegen

Das letzte Wochenende eines heißen Sommers steht an (harhar, heiß… morgen Nacht soll es schneien), und es ist das Wochenende, an dem die Saison im College Football beginnt. Dieser Auftakt gehört für mich seit Jahren zu den drei oder vier besten Wochenenden des Sportjahres – und ESPN America ist mit adäquatem Programm mit von der Partie.

Ich kündige hiermit auch gleich an, dass ich in diesem Jahr gänzlich auf das Programm im ESPN-Player verzichten werde. Da wo ich wohne, ist der einzige Staat in der EU (glaube ich wenigstens), in der es keinen ESPN-Player gibt. Es sind vielleicht zwei Samstage, an denen ich aus Arbeitsgründen den Zugang hätte, und dann nutze ich ihn meistens. Sonst nicht, und da es für mich keine Möglichkeit gibt, das Programm am Donnerstag oder Freitag zu bekommen (und der ESPN-Player generell erst ganz spät damit aufschlägt), lasse ich es sein.

Woche 1 beginnt auch gleich in der Hurrikan-Saison, die mal wieder den Staate Louisiana erwischt haben soll. Auf alle Fälle stark genug, dass die Partie Louisiana Tech – Texas A&M  auf Mitte Oktober verschoben werden musste. Die Partie wäre ursprünglich für morgen, 11h30 als Tape bei ESPNA gedacht gewesen. Musste nun rausgenommen werden und so wie es gestern Abend aussah, wurde es trotz einer Reihe an weiteren Auftaktpartien heute Nacht durch ein MLB-Spiel ersetzt.

Vanderbilt Commodores – South Carolina Gamecocks

Heute Nacht, 01h LIVE bei ESPN America
Wdh. morgen, 31.8. um 14h

Ein Jahr nach dem bestmöglichen Auftakt, den man sich in eine Footballsaison vorstellen kann (Baylor – TCU war das IMHO beste Footballspiel im kompletten Jahr 2011), wartet ESPN America mit Vandy vs. South Carolina auf, ein Conference-Duell aus der SEC-East auf. Vanderbilt wird diesmal nicht sooo viel zugetraut, aber der Gegner ist interessant, kommt mit einer leicht umgestellten Defense daher und wird hier einen Sieg brauchen, um nicht schon früh im direkten Duell mit Georgia in Verzug zu geraten.

Die beiden ausführlicheren Team-Previews gab es zu beiden gestern.

Brigham Young Cougars – Washington State Cougars

Heute Nacht, 04h15 LIVE bei ESPN America
Wdh. morgen, 31.8. um 16h30

LaVell Edwards Stadium BYU

Das wunderschöne LaVell Edwards Stadium – ©fb3wreath/flickr.com

Das Puma-Duell Cougar gegen Cougars – und ein Spiel, in dem einer der Stars das Stadion sein dürfte: Habe ich schon mal gesagt, dass es wenig spektakulärere Dinge gibt als ein Heimspiel der BYU Cougars in der Abenddämmerung? Bitte: 20h15 Ortszeit, LaVell Edwards Stadium und das wunderschöne Bergpanorama mit dem auch im Sommer leicht verschneitem Mount Timpanogos im Hintergrund.

Es ist auf der anderen Seite auch das Debüt von Mike Leach, jenem Coach, der einst bei Texas Tech für die mitunter passlastigste Super-Offense gesorgt hatte, die ich bis heute gesehen habe. Leach war bei den Red Raiders unter eher zweifelhaften Umständen (soll ein paar Studenten mit etwas zu harter Hand angefasst haben) gegangen worden, kehrt nun nach zwei Jahren Auszeit in den College Football zurück (letztes Jahr war er ESPN-Kommentator), diesmal in die Wälder von Washington, zu den Washington State Cougars. Chris Brown von Smart Football ist einer der größten Leach-Fans, und wer Zeit und Muße findet, dem rate ich dazu, etwas in Browns Artikel über diesen Coach und seine sehr spezielle Offense zu stöbern – kann man vieles über Pass-Offenses und deren Ableitungen lernen.

Alternativ habe ich meine Previews zu BYU und den kurzen Absatz zu den Coogs zu bieten.


Gar alle 124 Teams sind auf 20 Scheiben verteilt unter diesem Link zu finden.

Kuriositätenkabinett College Football: Heiliger Krieg im Mormonenstaat

Der Mormonenstaat Utah tickt generell ein bisschen anders. So auch im College Football, wo es drei Programme in der höchsten Kategorie (Football Bowl Subdivision/Division I-A) gibt: Die Utah Utes (Pac-12), die Utah State Aggies (WAC) und die Brigham Young University (Independent), plus ein FCS-Programm (Weber State).

Die Lokalderbys in Utah sind immer nett. Utah und BYU beweisen, dass der Heilige Krieg auch was Schönes sein kann, ein Footballspiel nämlich: Utah vs BYU wird The Holy War genannt. „War“ ist auch sehr passend für einen Staat, der eine Colt M1911 als „Staatswaffe“ (!) besitzt. Datt „holy“ bezieht sich auf den Kampf von Ultra-Mormonen (BYU) gegen Soft-Mormonen (Utah). Die private BYU in Provo ist von einem konvertierten deutschen Theologen gegründet und nach dem Mormonen-Propheten Brigham Young benannt worden. Die University of Utah in Salt Lake City dagegen ist staatlich, gegründet 1850, mit einer treibenden Kraft im Hintergrund: Brigham Young. Die Feindschaft zwischen beiden Schulen ist abgrundtief.

Utah State gegen BYU dagegen ist The Old Wagon Wheel. Und dann gibt es noch den Bruderkampf, Utah gegen Utah State, genannt The Battle of The Brothers. Weber State „mischt“ nur alle paar Jahre mal mit, ist aber meist hoffnungslos überfordert. Immerhin: 1978 konnten sie mal ein Spiel gegen einen Rivalen gewinnen.

Die Großen 3 spielen regelmäßiger gegeneinander. Wer die meisten Siege holt, bekommt die Trophäe für Utahs bestes College-Footballmannschaft der Saison: The Beehive Boot. „Beehive Boot“ wie Bienenkorb. Die Biene ist im Staate Utah, weil von den Mormonen aufgrund ihres Fleißes dazu erklärt, Staats-Symbol.

Nicht jedes Jahr spielen aber alle Unis gegeneinander (z.B. 2010/11, als Utah vs. Utah State nicht stattfand), weswegen in solchen Fällen die Trophäe per Abstimmung vergeben wird.

2010/11 siegte Utah State mit 14 Punkten gegen BYU, während Utah nur mit +1 gegen die BYU Cougars gewann. Grund genug für die Medienvertreter, Utah State per Akklamation zum Staatsmeister zu küren, zum ersten Mal seit 1997. Utah State hat zum Beispiel sieben Mal die Beehive Boot Trophy gewonnen – dreimal per Abstimmung.

Warum das alles wichtig ist? Dieses Wochenende beginnt der Kampf um den Bienenkorb 2011/12, mit dem Heiligen Krieg zwischen B.Y.U. und Utah – zu sehen bei ESPN America als Tape am nächsten Dienstag, 20. September 2011, um 11h als Aufzeichnung.

Bowl Season, Tag 1: Kältester Ort, heißestes Spiel

Die Bowl Season geht am Samstag, 18. Dezember schon richtig los. Kleine Einstimmung von Sideline Reporter für die ersten drei Spiele.

New Mexico Bowl

Sa., 18.12. um 20h LIVE bei ESPN America

Brigham Young Cougars – University of Texas/El Paso Miners

Kein berauschendes Matchup, um ehrlich zu sein. Beide Mannschaften brachten heuer nur ein 6-6 zustande und das in keinen starken Divisions. UTEP bringt seit Jahren wenig auf die Reihe. Auch heuer spielte man eher durchwachsen. Die Offense um den unbeständigen QB Trevor Vittatoe (Senior) reißt niemanden vom Hocker. Die Defense ist löchrig und lässt viele Punkte zu.

Gegner BYU macht sein letztes Spiel als MWC-Mitglied, bevor die Mormonen-Uni im kommenden Herbst den Weg in die Unabhängigkeit antritt. Die BYU wird seit 2005 von Bronco Mendenhall gecoacht. Mendenhall war vorher Assistenzcoach an der Uni von New Mexico – in jenem Stadion, in dem die New Mexico Bowl stattfindet. Für Mendenhall ist es sozusagen ein Homecoming.

Unter Mendenhall erlebte BYU zuletzt einen Aufschwung, mit einer Serie an Saisons mit minimum zehn Siegen und war Stammgast in den Rankings von AP und BCS. Die ganz großen Zeiten liegen aber schon länger zurück: In den 80ern spielten u.a. QBs wie Jim McMahon und Steve Young für die Mormonen. 1984, ein Jahr nach Youngs Abgang, war man sogar mal National Champion.

Das wird in absehbarer Zeit nicht mehr passieren. Zu durchschnittlich ist die Offense um QB Jake Heaps. In der Spread Offense polierte Heaps erst in den letzten paar Wochen seine Stats auf, die immer noch wenig berauschend sind: 11TDs, 8INTs. Solider ist das Laufspiel, das auf mehrere Schultern verteilt wird. Geschichte der Saison ist aber die Defense: Furchterregend schlecht zu Saisonbeginn, als reihenweise Niederlagen eingefahren wurden. Nach der Blamage gegen Utah State wurde DefCoord Jaime Hill gefeuert und seitdem ging es aufwärts.

Wohl auch aufgrund der verbesserten Defense gilt BYU in den Wettbüros als klarer Favorit. Ich würde auch auf die Cougars tippen.

Humanitarian Bowl

Sa., 18.12 um 23h30. Bei ESPN America als Tape am 19.12. um 9h30

Fresno State Bulldogs – Northern Illinois Huskies

Gleich eine Vorwarnung: Gegen grelles Blau sollte immun sein, wer sich diese Begegnung reinzieht! Gespielt wird nämlich in Boise, Idaho im Bronco Stadium. Das Stadion der Boise State University ist berüchtigt für sein tiefblaues Spielfeld. Die Humanitarian Bowl ist eine der wenigen Cold-Wheater-Bowls.

Den Norther Illinois Huskies wird dies vorerst egal sein. Sie haben andere Probleme. Coach Jerry Kill verschwand vor einigen Tagen wortlos durch die Hintertür in Richtung Minnesota, wo er neuer Golden Gophers Coach werden wird. Kill gab bislang keine Erklärungen dafür ab, weshalb er nicht noch hätte die zwei Wochen abwarten können, bis die Bowl gespielt ist.

Die Huskies haben sich mit einer Siegesserie über mehrere Wochen zuletzt gar in die Rankings gespielt, fielen dort nach der knappen Niederlage gegen Miami (Ohio) um den MAC-Titel wieder heraus. Trotzdem: 10-3 schaut an sich nicht so schwach aus. Die Offense besteht hauptsächlich aus Laufspiel und RB Chad Spann, der 1293yds und 20TDs gemacht hat. Geworfen wird nur, wenn es unbedingt sein muss. Nun geht es ohne Coach in das Bowlspiel.

Gegner Fresno State spielt in der WAC und wird nach dem Spiel in die MWC wechseln. Die Bulldogs bestehen aus einer recht ausgeglichenen Offense und hatten einen schwereren Spielplan als die Huskies. Trotzdem reichte es zu einem 8-4. Im November musste man hintereinander gegen die beiden WAC-Schwergewichte antreten: Während es gegen Nevada um ein Haar zur Sensation gereicht hätte (34-35), wurde gegen Boise State sang- und klanglos verloren (0-51). Gegen laufstarke Mannschaften war Fresno State heuer eher erfolgreich als gegen die passgewaltigen Offenses.

Coach im kalifornischen Fresno ist seit 14 Jahren Pat Hill. Hill steht mit seiner Uni seit Jahren im Schatten von Boise State. Die beste Saison spielte Fresno State 2001 mit QB David Carr. Um ein Haar hätten Hills Jungs damals eine BCS Bowl erreicht. Diese Zeiten sind vorerst vorbei.

In den Wettbüros wird Northern Illinois als hauchdünner Favorit angesehen. Von der Spielweise dürften die Huskies den Bulldogs eher entgegenkommen, von daher tippe ich auf Fresno State. Auf jeden Fall dürfte dieses Spiel das interessanteste von den dreien sein – trotz des kalten Wetters in Boise.

New Orleans Bowl

Sa./So. 18.12 um 03h. Bei ESPN America als Tape am 19.12. um 12h

Troy Trojans – Ohio Bobcats

Viel gibt es nicht zu sagen. Die Trojans besitzen eine passgewaltige Offense um Freshman-QB Corey Robinson. Coach Larry Blakeney ist mittlerweile das 20. Jahr bei den Trojans am Ruder und hat nach dem Wechsel in die FBS vor zehn Jahren eine respektable Mannschaft zusammengestellt, die keinen umwirft, aber offensiv viele Punkte erzielt.

Ohio hat keine schlechte Defense, aber was heißt das schon in der Mid-American Conference? QB Boo Jackson ist unkonstant und wirft mehr INTs als TDs. Head Coach Frank Solich, der einst mit den Nebraska Cornhuskers in den ganz großen Bowls gespielt hat, ist mittlerweile sechs Jahre in Athens am Steuer, aber die ganz großen Erfolge haben sich noch nicht eingestellt und vor allem die Bowls werden in schöner Regelmäßigkeit verloren.

Ohio ist in den Wettbüros ganz leichter 2-pts-Favorit. Ich sehe aufgrund der starken Pass-Offense hier eher Troy etwas vorn.

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