The Countdown, T-minus 32: Brigham Young Cougars

The Countdown

#32 BYU Cougars.
Independent.
2012: 8-5.

Die Brigham Young Cougars (BYU) sind die 2013er-Variante eines Teams, bei dem „Regression zur Mitte“ im positiven Sinne zuschlagen sollte: Ein Team, dessen prognostizierter Höhepunkt (2012/13) aufgrund einer 1-4 Bilanz in engen Spielen ruiniert wurde (BYU war am Ende 8-5, also mache bitte die Rechnung), und eines, das nur wenige Abgänge zu verzeichnen hat: Head Coach Bronco Mendenhall mag zwar zuletzt übel kritisiert worden sein, aber die Vorzeichen stehen exzellent, dass es diesmal auch in der Siegbilanz aufwärts geht.

Die absolute Stärke ist die Defense, und – trotz des Abgangs vom viel diskutierten Superstar DE Ziggy Ansah – dort vor allem die Front-Seven. Es ist eine Unit, die auch optisch gut aussieht, weil sie sehr druckvoll spielt: Da wird nicht lange auch den Fehler des Gegners gewartet, da wird aktiv mit blauen Flecken auf den Fehler hingearbeitet. Es gibt den einen oder anderen Verlust, aber es kehren auch Langzeitverletzte zurück – ich erwarte also keinen Leistungseinbruch. Wer übrigens schon für die NFL scouten will: Die Linebacker Kyle Van Noy (Codename KVN) und Spencer Hadley hab ich mir schon notiert, und in manchen Previews wird auch CB Jordan Johnson hoch gelobt. KVN ist ein brutal flotter Passrusher, der allerdings ein bissl Mithilfe von den Defensive Ends vor ihm braucht, weil er nicht immer Lust hat, in jedem Play zwei Blocker aus dem Weg zu räumen.

Ungewisser ist das, was in der Offense abgeht: Die Quarterbacks sind suspekt, to say the least, und spätestens seit sich der mit viel Tamtam geholte QB Tanner Mangum für die nächsten zwei Jahre in die Mission verabschiedete (BYU-Studenten müssen häufig Missionsarbeit leisten; BYU ist eine Mormonenuni) gibt es eine echtes Problem. Den Ersatzmann Taysom Hill hab ich mir aufgrund von zwei guten Einsätzen letztes Jahr notiert, aber die landläufigen Experten halten gar nix von Hill. Immerhin gibt es mit WR Cody Hoffman einen verlässlichen Receiver im Slot (zuletzt 100 Catches für über 1200yds). Fazit: Wenn die Offense nicht merklich an ihren Aufgaben wächst, wird wieder mal alles an der Defense hängen.

Und die Aufgaben werden kommen, denn der Schedule liest sich knüppelhart: BYU ist ein Independent, und kann sich seinen Spielplan selbst zusammenstellen – und die ausgewählten Gegner lassen auf großes Selbstvertrauen im Athletic-Department schließen: Texas, Georgia Tech, Wisconsin, Notre Dame, Boise State sind große Namen und teilweise richtige Kaliber, und selbst das eher unbekannte Utah State spielte letzte Saison richtig gut und hätte sich eine Top-25 Nominierung verdient gehabt. Wenn BYU da mit zehn Siegen durchkommt, dann alle Achtung.

Bowl Season, Tag 1: Kältester Ort, heißestes Spiel

Die Bowl Season geht am Samstag, 18. Dezember schon richtig los. Kleine Einstimmung von Sideline Reporter für die ersten drei Spiele.

New Mexico Bowl

Sa., 18.12. um 20h LIVE bei ESPN America

Brigham Young Cougars – University of Texas/El Paso Miners

Kein berauschendes Matchup, um ehrlich zu sein. Beide Mannschaften brachten heuer nur ein 6-6 zustande und das in keinen starken Divisions. UTEP bringt seit Jahren wenig auf die Reihe. Auch heuer spielte man eher durchwachsen. Die Offense um den unbeständigen QB Trevor Vittatoe (Senior) reißt niemanden vom Hocker. Die Defense ist löchrig und lässt viele Punkte zu.

Gegner BYU macht sein letztes Spiel als MWC-Mitglied, bevor die Mormonen-Uni im kommenden Herbst den Weg in die Unabhängigkeit antritt. Die BYU wird seit 2005 von Bronco Mendenhall gecoacht. Mendenhall war vorher Assistenzcoach an der Uni von New Mexico – in jenem Stadion, in dem die New Mexico Bowl stattfindet. Für Mendenhall ist es sozusagen ein Homecoming.

Unter Mendenhall erlebte BYU zuletzt einen Aufschwung, mit einer Serie an Saisons mit minimum zehn Siegen und war Stammgast in den Rankings von AP und BCS. Die ganz großen Zeiten liegen aber schon länger zurück: In den 80ern spielten u.a. QBs wie Jim McMahon und Steve Young für die Mormonen. 1984, ein Jahr nach Youngs Abgang, war man sogar mal National Champion.

Das wird in absehbarer Zeit nicht mehr passieren. Zu durchschnittlich ist die Offense um QB Jake Heaps. In der Spread Offense polierte Heaps erst in den letzten paar Wochen seine Stats auf, die immer noch wenig berauschend sind: 11TDs, 8INTs. Solider ist das Laufspiel, das auf mehrere Schultern verteilt wird. Geschichte der Saison ist aber die Defense: Furchterregend schlecht zu Saisonbeginn, als reihenweise Niederlagen eingefahren wurden. Nach der Blamage gegen Utah State wurde DefCoord Jaime Hill gefeuert und seitdem ging es aufwärts.

Wohl auch aufgrund der verbesserten Defense gilt BYU in den Wettbüros als klarer Favorit. Ich würde auch auf die Cougars tippen.

Humanitarian Bowl

Sa., 18.12 um 23h30. Bei ESPN America als Tape am 19.12. um 9h30

Fresno State Bulldogs – Northern Illinois Huskies

Gleich eine Vorwarnung: Gegen grelles Blau sollte immun sein, wer sich diese Begegnung reinzieht! Gespielt wird nämlich in Boise, Idaho im Bronco Stadium. Das Stadion der Boise State University ist berüchtigt für sein tiefblaues Spielfeld. Die Humanitarian Bowl ist eine der wenigen Cold-Wheater-Bowls.

Den Norther Illinois Huskies wird dies vorerst egal sein. Sie haben andere Probleme. Coach Jerry Kill verschwand vor einigen Tagen wortlos durch die Hintertür in Richtung Minnesota, wo er neuer Golden Gophers Coach werden wird. Kill gab bislang keine Erklärungen dafür ab, weshalb er nicht noch hätte die zwei Wochen abwarten können, bis die Bowl gespielt ist.

Die Huskies haben sich mit einer Siegesserie über mehrere Wochen zuletzt gar in die Rankings gespielt, fielen dort nach der knappen Niederlage gegen Miami (Ohio) um den MAC-Titel wieder heraus. Trotzdem: 10-3 schaut an sich nicht so schwach aus. Die Offense besteht hauptsächlich aus Laufspiel und RB Chad Spann, der 1293yds und 20TDs gemacht hat. Geworfen wird nur, wenn es unbedingt sein muss. Nun geht es ohne Coach in das Bowlspiel.

Gegner Fresno State spielt in der WAC und wird nach dem Spiel in die MWC wechseln. Die Bulldogs bestehen aus einer recht ausgeglichenen Offense und hatten einen schwereren Spielplan als die Huskies. Trotzdem reichte es zu einem 8-4. Im November musste man hintereinander gegen die beiden WAC-Schwergewichte antreten: Während es gegen Nevada um ein Haar zur Sensation gereicht hätte (34-35), wurde gegen Boise State sang- und klanglos verloren (0-51). Gegen laufstarke Mannschaften war Fresno State heuer eher erfolgreich als gegen die passgewaltigen Offenses.

Coach im kalifornischen Fresno ist seit 14 Jahren Pat Hill. Hill steht mit seiner Uni seit Jahren im Schatten von Boise State. Die beste Saison spielte Fresno State 2001 mit QB David Carr. Um ein Haar hätten Hills Jungs damals eine BCS Bowl erreicht. Diese Zeiten sind vorerst vorbei.

In den Wettbüros wird Northern Illinois als hauchdünner Favorit angesehen. Von der Spielweise dürften die Huskies den Bulldogs eher entgegenkommen, von daher tippe ich auf Fresno State. Auf jeden Fall dürfte dieses Spiel das interessanteste von den dreien sein – trotz des kalten Wetters in Boise.

New Orleans Bowl

Sa./So. 18.12 um 03h. Bei ESPN America als Tape am 19.12. um 12h

Troy Trojans – Ohio Bobcats

Viel gibt es nicht zu sagen. Die Trojans besitzen eine passgewaltige Offense um Freshman-QB Corey Robinson. Coach Larry Blakeney ist mittlerweile das 20. Jahr bei den Trojans am Ruder und hat nach dem Wechsel in die FBS vor zehn Jahren eine respektable Mannschaft zusammengestellt, die keinen umwirft, aber offensiv viele Punkte erzielt.

Ohio hat keine schlechte Defense, aber was heißt das schon in der Mid-American Conference? QB Boo Jackson ist unkonstant und wirft mehr INTs als TDs. Head Coach Frank Solich, der einst mit den Nebraska Cornhuskers in den ganz großen Bowls gespielt hat, ist mittlerweile sechs Jahre in Athens am Steuer, aber die ganz großen Erfolge haben sich noch nicht eingestellt und vor allem die Bowls werden in schöner Regelmäßigkeit verloren.

Ohio ist in den Wettbüros ganz leichter 2-pts-Favorit. Ich sehe aufgrund der starken Pass-Offense hier eher Troy etwas vorn.

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