All-32: Tampa Bay Buccaneers 2021 Vorschau

Die Tampa Bay Buccaneers haben gleich im ersten Jahr nach der Verpflichtung von Quarterback und Chef-Recruiter Tom Brady die Super Bowl gewonnen – und das, obwohl die Mannschaft sich erst zum Ende der Saison raus richtig zu finden schien. Was soll bei der Titelverteidigung also schief gehen?

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Die Coaches von Superbowl 2021

Wir haben in den letzten Tagen über die wichtigsten Spielerfiguren der Kansas City Chiefs und Tampa Bay Buccaneers in Superbowl LV gelernt – und die wesentlichen taktischen Details besprochen und verlinkt. Lass uns heute auf die Personen blicken, die am Seitenrand stehen – hinter Maske und Visor versteckt, mit einem Headset und dickem Play-Sheet in der Hand: Die Coaches.

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2020 NFC Championship Game Preview: Buccaneers @ Packers

[5] Tampa Bay Buccaneers (13-5) @ [1] Green Bay Packers (14-3) 

Der Auftakt zum diesjährigen Championship Weekend ist am Sonntag um 21:05 Uhr der Abo-Bowl: wie immer stehen Tom Brady und/oder Aaron Rodgers in einem Championship Game. Das letzte Championship Weekend ohne Brady oder Rodgers war 2009. 2009!  Die vier Quarterbacks damals: Peyton Manning, Mark Sanchez, Drew Brees und Brett Favre. 

Tom Brady geht heute in sein vierzehntes Championship Game, Rodgers in sein fünftes. Es ist das vierte für What’s Wrong With Aaron Rodgers seit 2014.

Aber nun zum ersten Mal in seiner Starter-Karriere findet das NFC Championship Game im Lambeau Field statt. Die ersten vier waren in Chicago, Seattle, Atlanta und San Francisco.

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Tampa Bay Buccaneers in der Sezierstunde

Absturz auf 5-11 für die Tampa Bay Buccaneers in der letzten Saison – und doch ist dieses Team eines der Dark Horses für die anstehende Saison. Die Gründe liegen auf der Hand, auch wenn das Kader-Management von GM Jason Licht zu den diskutableren in der NFL gehört.

Lass uns zuerst diesen lästigen Punkt abräumen, ehe wir zum dark horse Hype-Train übergehen.

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Quarterback im Fokus: Jameis Winston

(Wir haben den 1. April – doch der folgende Eintrag ist ausdrücklich nicht als Aprilscherz zu verstehen)

An BuccaneersQB Jameis Winston scheiden sich die Geister: Film-Gurus verfluchen ihn als unzuverlässigen Boom-or-Bust QB mit Hang zum Idiotenwurf, doch sein statistisches Profil ist das eines Spielers ganz nah am Durchbruch. Weiterlesen

NFL Vorschau 2014 – Arizona Cardinals

Die Arizona Cardinals haben 2013 eine ganz starke Saison gespielt – leider in der NFC West. Sie waren zwar die einzige Mannschaft, die in Seattle gewinnen konnten, waren aber am Ende mit 10 Siegen nur Dritter der toughest division in football. Weil für die Playoffs auch außerhalb der NFC West mindestens 11 Siege nötig waren, reichte es nichmal für eine Wild Card.

Selbst für die sechs Niederlagen muß sich niemand in der Wüste schämen: New Orleans, Seattle, San Francisco, Philadelphia, St. Louis – vier der fünf Teams waren in den Playoffs, Hawks und Niners sogar im Championship Game. Blöd ist nun, daß Arizona auch 2014 wieder in der NFC West spielt. Weiterlesen

Wer sollte Coach des Jahres 2013/14 werden?

Der Award „Coach des Jahres“ verhält sich in der NFL anders als alle anderen Awards. Denn während der NFL MVP oder Rookie-des-Jahres Preis tatsächlich an den Spieler vergeben werden, der nach common sense die beste Saison hatte (wie auch immer das definiert sein mag), so wird der Coach-Preis für gewöhnlich an den Coach gegeben, der an ihn gehegten Erwartungen vom Sommer am meisten übertrifft.

Die Wildcard gleich zu Beginn geht an John Fox von den Denver Broncos. Fox ist manchmal etwas nervtötend, weil er so konservativ ist, aber man kann ihm eines nicht absprechen: Dass seine Mannschaften nicht souverän spielen. Sie tackeln sicher. Sie begehen zwar Strafen, aber nicht viele Phantom-Tackles. Trotzdem spricht es Bände, dass der Coach, der seine Mannschaft dieses Jahr in die Superbowl geführt hat (Fox schaffte das schon vor zehn Jahren mit den Panthers), eigentlich kaum Presse. Denver wird als Peyton Mannings Team wahrgenommen. Aber allein mit Manning fährst du nicht in die Superbowl. Was Fox allerdings in dieser Liste knapp raus schießt: Er verpasste vier Spiele im November mit Herzproblemen. Klingt makaber, aber es gibt heuer genügend gute Coaching-Leistungen, dass ich das mal als Entschuldigung her ziehe. Ebenso knapp draußen: Sean Payton und Jim Harbaugh. Würde ich eine Top-10 Liste machen, zwei dieser drei hätten sie komplettiert.

#8 Andy Reid (Kansas City Chiefs)

Die Chiefs drehten ihre Bilanz innerhalb eines Jahres von 2-14 und Top-Draftpick auf 11-5 und Playoff-Qualifikation. Sie sind damit das zweite Team in Folge, dem das gelang (2012 schaffte es Indianapolis), und damals gewann der Colts-Headcoach den offiziellen Award. Andy Reid ist einer der Topfavoriten in diesem Jahr. Aber Hand aufs Herz: Reids Job war relativ einfach. Er fand zu seiner Einstellung vor einem Jahr einen Kader mit etlichen Pro Bowlern und vielen ehemals hohen Draftpicks vor, dem nur zwei Dinge abgegangen waren: Quarterback und Coaching. Zufällig sind das die wichtigsten Dinge im Football. Zufällig waren die Chiefs in diesen Bereichen nicht bloß schlecht, sondern unterirdisch.

Reid kam, und musste „nur“ zwei Dinge verändern. Er holte sich QB Alex Smith aus Kansas City. Es war wie erwartet das einflussreichste QB-Upgrade des Jahres. Und natürlich Reid selbst. Die Chiefs waren nicht besonders effizient nach Downs (Power-Ranking: untere Tabellenhälfte), aber weil sie mit der risikolosen Spielweise kaum Turnovers begingen, landeten sie doch bei 6.1 Punkten über Durchschnitt im SRS (#7 der Liga) und bei einem hervorragenden Pythagorean von 11.2 Siegen (#5 der Liga).

#7 Mike McCoy (San Diego Chargers)

Die Auswahl von Mike McCoy ist weniger ergebnisgetrieben als sie nach dem kurzen, aber doch überraschenden Playoff-Lauf aussieht. Ich hatte McCoy schon Ende November ganz weit oben auf meiner Short-List, und ich glaube, dass er einen echt guten Job als Rookie-Coach bei den Chargers gemacht hat.

Das Auffälligste an seinem Wirken war die Revitalisierung einer Chargers-Offense, die zuletzt nichtmal mehr Norv Turner formen konnte. Es war nicht bloß eine „gute“ Chargers-Offense 2013/14. Es war eine fantastische. Eine Offense Line bestehend aus Rookies und längst abgeschriebenen Altstars war gut genug um landesweit Aufmerksamkeit zu erregen. Ein QB Rivers blühte auf. Leute wie RB Mathews, der schon als Bust abgeschrieben war, gehörten plötzlich zu den ligaweit besten auf ihren Positionen. Rookie-WR Keenan Allen kam aus der dritten Runde und war per Knopfdruck einer der besten Wide Receivers in der NFL.

Ich glaube, man kann McCoy nicht daran aufhängen, dass die Defense so lange so absurd war; sie war schließlich unterirdisch besetzt. Es gibt personell keine NFL-Defense, die weniger an Spielermaterial hatte. Der einzige Verteidiger von NFL-Format, OLB Ingram, war fast die ganze Saison auf der Verletztenliste. Trotzdem wurde um dieses Problem herum gewerkelt, und in den letzten Wochen hatte San Diego dann sogar eine zumindest brauchbare Defense, und prompt ging es in die Playoffs.

Ein insgesamt sehr guter Job von McCoy, dessen Mannschaft momentan in den Top-10 des Power-Rankings rangiert. Die nach SRS 2.7 Punkte besser als der Liga-Durchschnitt ist. Der mit einem guten GamePlan auswärts ein Superbowl-Kaliber schlagen konnte (Cincinnati). Der am Ende aber ein Playoffspiel in Denver abschenkte, weil man zu lange zu starr an seinem längst gescheiterten Plan fest hielt.

#6 Bruce Arians (Arizona Cardinals)

Der amtierende Coach des Jahres. Arians gewann 2012 in Indianapolis als Interimscoach, ging aber im Anschluss daran zu den Arizona Cardinals um sich ca. 60jährig doch noch erstmals als Head Coach zu versuchen. Ich geben zu, ich war skeptisch. Aber Arians schaffte das, wofür er geholt wurde: Die Offense um QB Palmer beging zwar viele Turnovers, aber sie war immerhin wettbewerbsfähig genug um den schlafenden Riesen Arizona zu wecken.

Remember: Die Cards-Defense war schon in den letzten Jahren großartig gewesen; Arians‘ Coaching-Stab konnte den Level auch nach Abgang von DefCoord Horton sogar noch eine Stufe höher schrauben. Der Schlüssel aber war die Offense: QB Palmer warf zwar 22 INTs, aber er erlebte zumindest annähernd sowas wie einen dritten Frühling, als dass er Pässe für mehr als 6.5 NY/A an den Mann brachte – ein Wert, der Welten besser ist als alles was die Cards die letzten Jahre hatten.

Arizona war eines der besten und gefürchtetsten Teams der Liga in den letzten Wochen; niemand hätte gerne gegen die Cards in den Playoffs gespielt (sie verpassten diese trotz 11-5 Bilanz in der bockstarken NFC-West). Platz 7 im Power-Ranking, Platz neun im Pythagorean, Platz sechs im SRS: Das war ein komplettes Team.

Er formte WR Michael Floyd zur NFL-Tauglichkeit. Er machte die Offense zumindest glaubwürdig. Allein die viel zu geringe Einsatzzeit für den sensationellen Rookie-RB Ellington sowie ein katastrophales Game-Management (Field Goal bei -18?) gegen Seattle ziehen das Gesamtbild Arians‘ runter.

#5 Marv Lewis (Cincinnati Bengals)

Marv Lewis ist die graue Maus unter den NFL-Coaches: Ein stilles, schwarzes Männlein im leisesten Markt der Liga in Cincinnati, wo sich die eigene Bevölkerung nicht um die Mannschaft schert, weil sie den Owner hasst. Dieser Owner ist Mike Brown, und Mike Brown war vor drei Jahren nach dem Ende eines 4-12 Kollapses und zerbrochener Träume schlau genug um Marv Lewis nicht bloß nicht zu entlassen, sondern ihm sogar eine Vertragsverlängerung mit Kompetenzen-Zuwachs zu verschaffen. Als Resultat gibt es seither bis auf vielleicht Belichick in New England keinen Head Coach in der Liga, der ein breitere Themenfeld abdeckt als Marv.

Marv hatte 2013 sein bisher bestes Produkt auf dem Feld: Die Bengals gewannen mit 11-5 Siegen die AFC North und beendeten die Regular Season an #4 im Power-Ranking. Sie beendeten das Jahr mit nur 305 Gegenpunkten, fünftbester Wert der Liga. Und das, obwohl die beiden wichtigsten Spieler der Abwehr, DT Geno Atkins und CB Leon Hall, sich beide schon in den ersten zwei, drei Wochen verletzt in den Winter verabschiedeten. Einiges an der Defense-Arbeit mag an DefCoord Mike Zimmer liegen, und Zimmer konnte das kürzlich in seinen verdienten ersten Cheftrainerposten (in Minnesota) ummünzen.

Marv Lewis hat sich als quasi-GM einen famosen Kader zusammengestellt – und das ohne echte Free-Agency Aktivität. Er hatte das Team in hohen Höhen trotz eines mittelmäßigen QB um den herum gebastelt werden musste. Schade, dass die Saison letztlich so seelenlos gegen San Diego zu Ende ging.

#4 Chip Kelly (Philadelphia Eagles)

Die größten Befürchtungen erwiesen sich als nicht angebracht, zumindest nicht im ersten Jahr: Chip Kellys Offense hatte einen guten Einstand in der NFL. Er schaffte es, viele Konzepte seiner äußerst ansehnlichen Oregon-Ducks Offense in der NFL erfolgreich zu implementieren, und er schaffte es, obwohl er seinen Quarterback wechseln musste.

Nick Foles hatte ein extrem gutes Jahr als QB-Notnagel und als QB-Typ, der eigentlich alles andere als zum „klassischen“ Chip-QB taugte. Foles hat Limitierungen, die ihn möglicherweise eine Karriere als legitimer Franchise-QB kosten werden, aber Chip baute um ihn herum eine doch sehr ansehnliche Offense. Die Offense wurde nach seinen Vorstellungen zusammengestellt: Draften von massiven Offense Tackles, Draften von groß gewachsenen Tight Ends usw. Das ist Chip-Football par excellence, und es funktionierte.

Die Defense war bestenfalls unteres Mittelmaß, aber Chip musste auch erstmal mit einem Spielermaterial arbeiten, das für eine andere Art von Abwehr (die 4-3 Defense) gebaut war. Via Free-Agency wurden einige bessere Backups wie Sopoaga oder Cary Williams verpflichtet, aber mehr war in einer einzigen Offseason noch nicht drin.

Kellys Eagles sind im Efficiency-Ranking (Power-Ranking) die #5 der Liga. Das SRS ist okay, aber nicht überragend (1.9 Punkte über NFL-Schnitt). Die 10-6 Bilanz in der Regular Season ist es – zumindest gemessen an den Erwartungen, die den Eagles ca. ein 7-9 oder 8-8 prognostiziert hatten. Mische Kellys vergleichsweise aggressives Coaching in 3rd-Downs und 4th-Downs mit rein, wird die Coaching-Leistung noch besser. Verbesserungswürdig ist sein Handling mit der roten Flagge sowie war das eine oder andere Auszeiten-Ziehen suboptimal, aber es reicht locker für einen verdienten vierten Platz – aber nicht zu einer Medaille.

#3 Pete Carroll (Seattle Seahawks)

Pete Carroll hat in Seattle eine Mannschaft nach seinem Antlitz geformt. Das ist bemerkenswert, weil es so wenigen Coaches gelingt. Das geht nicht ohne ein Quäntchen Glück (wie z.B. die Glücksgriffe wie Chancellor oder Sherman, oder aber auch QB Wilson), aber du musst trotzdem eine funktionierende Einheit basteln.

Carrolls Seahawks von 2013 strahlen nicht mehr diesen Begeisterungsfaktor aus, der sie letztes Jahr berühmt machte, aber dafür sind sie insgesamt noch solider, tiefer besetzt und gehen zumindest nicht als Außenseiter in die Super Bowl.

Seattle beendete die Regular Season mit 13-3 Bilanz. Normalerweise ist eine 13-3 Bilanz ohne etwas Glück nicht leicht erreichbar, aber der Pythagorean behauptet, Seattle habe die Performance einer Mannschaft erbracht, die im Schnitt 12.9 Spiele gewinnt. Das ist nur ein Jota unter der schwarzen Zahl. Seattle ist die #1 im Power-Ranking. Seattle ist die #1 im Simple Ranking System mit 13.0 Punkten über NFL-Schnitt.

Die Seahawks waren das dominanteste Team des Jahres, und sie sind nach dem Abbild des ehemaligen Defensive-Backs Coaches Pete Carroll gebaut. Die große Stärke ist die Legion of Boom, die Secondary, in der Carrolls Schützlinge Earl Thomas und Richard Sherman Angst und Schrecken verbreiten.

Carroll hätte zwingend schon im letzten Jahr den Coach-des-Jahres Preis gewinnen müssen. Dieses Jahr gibt es aber zwei Kandidaten, die ich knapp vor Carroll sehe.

#2 Bill Belichick (New England Patriots)

Letzte Woche wurde ich im Podcast bei den Sofa-Quarterbacks um eine Einschätzung zu Bill Belichick gefragt, und ich kann das, was ich dort verzapfte, nur noch einmal wiederholen: Man hat sich an die Größe Bill Belichicks gewöhnt, so sehr, dass eine erneute 12-4 Saison des alten Mannes keine Sensation mehr ist. Es gibt keinen besseren Coach da draußen. Vielleicht gab es noch nie einen so guten Coach da draußen. Vielleicht ist Belichick der beste NFL-Headcoach aller Zeiten. Aber man registriert es gar nicht mehr. Belichick ist ein Opfer seines eigenen Erfolgs geworden.

Drei Superbowl-Siege sind das eine. Viel bemerkenswerter ist die Tatsache, dass es Belichick in einer Ära, in der alles auf Gleichheit getrimmt wird, jedes verdammte einzelne Jahr ein Produkt aufs Feld schickt, das um den Titel mitspielt. Ohne Unterbrechung. Belichick verpasste seit seinem ersten Titel 2001/02 nur zweimal die Playoffs – beide Male mit Winning-Record. Einmal davon mit 11-5 Bilanz und Durchwursteln mit einem Quarterback, von dem nie zuvor jemals jemand was gehört hatte (Matt Cassel war sogar am College nur Backup gewesen).

Belichick erfindet sich jedes Jahr von neuem. Aber 2013 mag sein bisher markantestes gewesen sein. Eine Offense, die nach einer Lawine an schlechten Nachrichten in der Offseason und anfänglichen Schwierigkeiten durchaus wieder phasenweise exzellente Spiele hatte. Eine Defense, die bis zum Zuschlagen des Verletzungsteufels mit einem Male wieder Top-Team würdig war. Ein konstant wandelnder GamePlan, der um diese Probleme herum dokterte.

Am Ende war New England ein Top-10 Team nach Effizienz, was angesichts der Kaderqualität bemerkenswert ist. New England war 5.9 Punkte besser als der Durchschnitt nach SRS (#8der Liga). #8 nach Pythagorean. 12-4 Siege, und es hätten je nach Ausgang einiger Zufalls-Plays in den letzten Sekunden auch 10 oder sogar 14 sein können. Das müsste eigentlich reichen für den COTY, aber…

#1 Ron Rivera (Carolina Panthers)

Ich löse mein Versprechen ein und küre den Coach, der wie kein anderer für die neue Welle an aggressiven (besser: rational richtigen) 4th-Down Calls stand: Riverboat Ron. Ron Rivera ist mehr als die paar 4th-Downs. Ron Rivera war der Hauptgrund, weswegen die Carolina Panthers in der vorangegangenen Saison 2012 so „schlecht“ abschnitten: Wegen seines üblen „in-Game Managements“. Dass Rivera aus einem Schrotthaufen von Mannschaft, die er 2011 übernommen hatte, innerhalb von kürzester Zeit eine titelfähige Mannschaft gebastelt hat, habe ich nie abgestritten; Carolina hatte schon 2012 eine Superbowl-fähige Mannschaft, aber einen Top-Draftpick würdigen Coach.

Rivera war der Hauptgrund, besser: der alleinige Grund, weswegen ich Carolina im Sommer knapp außerhalb der Playoffs gesehen hatte. Bei allem Respekt für seine sicherlich exzellente Trainings- und Vorbereitungsarbeit, aber er hatte sie so oft mit inaktzeptablen in-Game Entscheidungen negiert, dass diese kein Zufall sein konnten. Weil Menschen Gewohnheitstiere sind und sich – wenn überhaupt – nur seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr langsam ändern, hatte ich Rivera bereits als hoffnungslosen Fall abgeschrieben.

Woche 2 gegen Buffalo, und Rivera machte nahtlos weiter mit seinem „Punt in 4th-und-kurz“. Resultat: Zwei Saison-Pleite im zweiten Spiel.

Aber dann muss sich etwas bei Rivera getan haben, denn quasi über Nacht mutierte Rivera vom konservativsten Head Coach der NFL zu einem, der 4th-Down auf 4th-Down auf 4th-Down ausspielen ließ und damit mehr als eine Partie zu Gunsten seiner Mannschaft drehte. Carolina war am Ende 12-4, in etwa die Bilanz, die die Panthers schon 2012 hätten einfahren müssen. Man war ein Top-8 Team nach Effizienz-Stats. Man war die #4 der Liga im SRS mit 9.1 Punkten über Liga-Schnitt. Man stellt mit 11.7 Siegen das drittbeste Team nach Pythagorean.

Und mehr: Die Panthers funktionieren mittlerweile wie eine Mannschaft nach Riveras Vorstellungen: Massive Front-Seven, okayes Defensive Backfield. Rivera und sein Staff machten in der Offseason genau die richtigen Moves um den letztjährigen Underachiever zu upgraden. Das größte Upgrade aber war Rivera selbst – und das verdient ihm den Sideline Reporter Coach oft he Year 2013/14 Award.

NFL Notizblock, Week 7: TNF Seattle Seahawks @ Arizona Cardinals

Es ist einfach eine Schande. Seit Jahren schon wird das viele individuelle Talent verschwendet, weil sie sich standhaft weigern, vernünftige Offensive Tackles und einen Quarterback zu verpflichten, der auch mal ein Spiel alleine gewinnen kann. Zu Beginn des siebten Spieltages empfingen diese Arizona Cardinals (3-3) zu Hause die Seattle Seahawks (5-1) und waren zwar Außenseiter, aber mit ihrer großartigen Defense und ein wenig Glück in den Special Teams können sie ihren Angriff gegen jeden Gegner bis zum Schluß im Spiel halten.

In der Offense sind es vor allem die WRs Michael Floyd und Larry Fitzgerald, die unter dem QB-Tackle-Mangel leiden. Beide mußten sich mit der „Legion of Boom“ herumschlagen, Fitzgerald zu allem Überfluß auch noch mit Muskelfaserproblemen. Er wurde dann zwar von Bruce Arians überall aufgestellt, außer an der rechten Seitenlinie, wo Richard Sherman wartet, aber trotzdem fing Fitz nur zwei Bälle. Floyd hatte mehr Erfolg mit sechs catches. Allerdings lief im Paßspiel nur etwas mit screen passes und crossing routes auf dem Level der Linebackers; das Arians-typische downfield passing game war abgemeldet.

Stats / Gamebook

Gamebook Seahawks@Cardinals

Das war der heillos überforderten Offensive Line geschuldet. Left Tackle Bradly Sowell wurde im pass blocking auf alle erdenklichen Weisen naß gemacht. Oft sind Cliff Avril oder Michael Bennett einfach mit speed an ihm vorbeigerannt, manchmal wurde er mit power regelrecht in Carson Palmer reingetragen – butt sack könnte man das vielleicht nennen. Gegen die Mitte der Linie machte ein gewisser Tony McDaniel mächtig Alarm und auf der rechten Seite wurde Tackle Eric Winston sogar mal von einem Defensive Back auf den Rücken geworfen bei einem Laufspielzug.

Überhaupt: das Laufspiel. Fehlanzeige. Die Front Seven der `Hawks ist viel zu stark für die Linie Arizonas. Wenn sie dann doch mal versuchten zu laufen, wurde Richard Mendenhall grün und blau geprügelt (13 Läufe, 22 Yards). Rookie Andre Ellington, der in den letzten Wochen ziemlich heiß aussah, bekam nur drei carries. So lief das den ganzen Abend: kein Laufspiel; keine langen Pässe; Palmer under pressure (sieben Sakcs und gefühlt hundert hits.) Und Palmer trifft schlechte Entscheidungen, wenn er Druck im Gesicht hat. Statt den Ball wegzuwerfen, versucht er in allerkleinste Fenster zu werfen. Er war noch recht glücklich, mit nur zwei Interceptions davonzukommen. Eine davon wurde von Brandon Browner bis an Arizonas 1-Yard-Linie zurückgetragen.

So eine Offense kann auch von einer erstklassigen Defense nicht rausgerissen werden. Schon gar nicht, wenn diese Defense einen schlechten Start hat. In den ersten beiden Drives wurde Arizonas Front Seven völlig auf dem falschen Fuß erwischt: 150 Yards und zwei Touchdown. Für den Rest des Spiels waren es nicht mal mehr 200 Yards, was eine mehr als respektable Leistung gegen einen Angriff von Seattles Kaliber ist.

Nach den ersten beiden Serien war es business as usual für die Cards-D: Calais Campbell hat sein Zelte direkt im Backfield der Offense aufgeschlagen; niemand wirft Richtung Patrick Peterson; und Daryl Washington explodiert in alle Richtungen gegen RBs und QBs. Neben diesen jungen Superstars spielen einige zuverlässige Veteranen wie Karlos Dansby, Darnell Dockett und John Abraham. Nimmt man noch die nicht voll entwickelten Top-Talente wie Tyrann Matthieu und Matt Shaughnessy dazu, hat man einen Kader wie aus dem Bilderbuch.

Die Abraham-Campbell-Shaughnessy pass rush combo hat schließlich noch Russell Wilson zwei Fumbles rausgeschlagen und einen Turnover on Downs produziert. Vorwerfen kann man Arizonas D einzig, wie schon gesagt, die ersten beiden schwachen Drives. Wenn Wilson nicht einige spektakuläre Läufe und Würfe bei eigentlich schon zusammengebrochenen Spielzügen gemacht hätte, wär das Ding auch bis zum Schluß ganz eng geblieben. Wilson hat sich zusammen mit Andrew Luck vorläufig recht deutlich von den anderen beiden QBs der „Big Four“, Colin Kaepernick und Robert Griffin, abgesetzt. Auch wenn er nicht immer die ganz starken Zahlen hat, so ist er doch ein hervorragender Quarterback, der seine Mannschaft bei 3rd Downs und in kritischen Situationen immer im Spiel halten kann.

So schade es vor allem um die Defense Arizonas ist: ich sehe nicht, wie man es mit dieser Offense in die Playoffs schaffen sollte. Schon gar nicht, wenn Bruce Arians dermaßen ängstlich ist: beim Stand von 31-13 an Seattles 3-Yard-Linie ein Field Goal schießen?!? Beim Stand von 34-16 im vierten Viertel punten?!? Verstand verloren? Dachschaden?!? So verdienen sie auch keine Playoffs.

Arizona Cardinals in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         5-11   --
Enge Spiele    3-4  
Pythagorean    4.8   (27)
Power Ranking   .321 (30)
Pass-Offense   4.5   (32)
Pass-Defense   6.0   (10)
Turnover        -1

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Wenn man sich den Spaß macht, noch mal die Sezierstunden von 2011 und 2012 anzuschauen, wird man schnell auf ein wiederkehrendes Thema zu sprechen kommen: Cardinals brauchen Quarterbacks und Offensive Line. Beides wird auch diesmal wiederkehren.

Die Arizona Cardinals 2012/13 schlossen mit 5-11 Siegen ab, drei Monate, nachdem sie von Studiopundits nach einem sensationellen 4-0 Start bereits in sämtliche Höhen gepusht worden waren. Arizona war mein Playofftipp der NFC West gewesen. Aber es war nach drei Wochen sonnenklar, dass dieses Team im Jänner zuschauen würde, Auftaktsiege hin oder her.

Der Grund: Die schwächste Pass-Offense in der NFL (4.5 NY/A) und die schwächste Lauf-Offense in der NFL (32.7% Erfolgsquote). Es wäre nicht so, dass das Kellerkind „Cardinals-Offense“ nicht vorhersehbar gewesen wäre, deswegen zog auch das Front-Office die Reißleine und schmiss Head Coach Ken Whisenhunt raus. Man hatte höchstens hoffen können, dass die Wurf-Combo um die Herren Skelton, Kolb und Lindley wenigstens irgendetwas aufstellen würde. Geschah nicht.

An den Cardinals kann man das Phänomen „knappe Siege“ (also maximal ein Score Differenz) gut ablesen. 2011 nach einem verheerenden Start von 1-6 (1-4 in engen Spielen) noch überraschend mit einem „Lauf“ von 7-2 Siegen (7-1 in engen Spielen) abgeschlossen und eine Gesamtbilanz von 8-8 erreicht. 2012 trotz schwacher Leistungen mit 4-0 gestartet (3-0 in engen Spielen), und mit 1-11 fortgesetzt (0-4 in engen Spielen), zum 5-11 Abschluss. Noch Fragen?

Whisenhunt ist weg, der Neue ist wie einst Whisenhunt ein Mann aus der Tradition der Pittsburgh Steelers: Bruce Arians, der offizielle NFL-Coach des Jahres. Arians coachte zuletzt die Colts sensationell in die Playoffs und steht für vertikale Offense, dass selbst ein Jürgen Klinsmann feuchte Höschen bekommt. Nicht wenige (mich eingeschlossen) stehen der Verpflichtung von Arians eher reserviert gegenüber.

Arians gilt als exzellenter Kreator von Offenses und bewies vielfach, dass er vor allem junge Quarterbacks entwickeln kann. Als Head Coach beschränkt sich seine Vita auf das halbe Jahr in Indianapolis. Die dortige Playoffqualifikation kam vor allem aufgrund des einfachsten Schedules der Liga und einer unheimlichen Serie an knappen Comebacksiegen zustande. Und: Arians ist kein Jungspund, sondern hat schon 60 Lenzen gesehen. Arians holte sich mit dem alten Buddy Tom Moore (längst nördlich der 70) immerhin einen Fuchs als Zuflüsterer in den Trainerstab.

Die Offense

Erste und wichtigste Aufgaben in der Offseason: Finde deinen Quarterback. Skelton und Lindley dürften auf ewig verbrannt sein, Kolb mit seinen 13.5 Mio., die er gegen die Salary Cap zählt, deutlich zu teuer. Die Cardinals dürften den Free-Agents-Markt gut sondieren, denn einen teuren Rookie-QB willst du hinter einer der löchrigsten Offensive Lines in der Liga nicht verheizen.

Die Line bestand zuletzt aus Third Stringern, weil sich reihenweise Starter (z.B. LT Levi Brown) verletzten, aber selbst diese Starter – wie Brown – hatten über Jahre als unverlässliche Konsorten gegolten. Daran dürfte abzulesen sein, wie dringend Arizona neues Material an der Line braucht. Aufgrund der gut besetzten „trenches“ im NFL-Draft 2013 ist davon auszugehen, dass hier nachgebessert wird.

Das Spielermaterial abseits von Quarterback und Offense Line hat schon NFL-Standard: WR Larry Fitzgerald darf man auch auf seine alten Tage noch zu den Top-5 auf seiner Position zählen und es ist nichts anderes als bewundernswert, dass der Kämpe Fitzgerald bei dem QB-Elend noch nicht lauthals nach einem Trade schreit. Der junge Partner WR Michael Floyd enttäuschte zuletzt als Rookie dezent, aber die Combo Fitzgerald/Floyd bürgt immerhin für solides vertikales Passspiel – Arians! – und mit WR Roberts gibt es einen jungen Slot-WR mit Potenzial.

Tight End ist ein dezentes Need, nachdem Housler maximal als Notnagel für schnelle Ballabgaben taugt. Die Running Backs sollten vorerst passen: Beanie Wells, Stephens-Howling und Ryan Williams haben zwar durch die Bank horrende Stats, die man nach Sichtung der Tapes aber großteils auf besagt schlechte Offense Line schieben kann. Und alle drei sind noch jung, zwei werden schon aufgrund ihres Draftstatuses nicht so schnell aufgegeben (Wells 1. Runde, Williams 2. Runde).

Die Defense

Der „gute“ Mannschaftsteil, auch wenn die Defense in der zweiten Saisonhälfte ebenso leicht abbaute. Der Coordinator ist neu (Todd Bowles/ehemals Cleveland, Dallas, Miami, Philadelphia) und Bowles steht für 4-3 Defense, was ein Paradigmenwechsel in Phoenix wäre, aber das Spielermaterial sollte weitgehend mit sich arbeiten lassen.

Die Defensive Line mit Leuten wie NT Dan Williams, DT Darnell Dockett und DE Calais Campbell gehört zu den anerkannt besten im Lande und bekommt mit dem ehemaligen Carolina-Panthers-Spieler Brentson Buckner einen Positionscoach, der von seiner Superbowlzeit in Carolina weiß, wie es geht. Auch Buckner spielte übrigens lange Jahre in der 4-3.

Die Linebacker haben gestern wie erwartet den zu teuren Stewart Bradley gefeuert gesehen, aber der Rest ist gut aufgestellt: Um den herausragenden Daryl Washington herum lässt sich arbeiten; Washington gehört zu den auffälligsten Linebackers und sollte quick genug sein, um eventuell auch als Outside Linebacker zu spielen.

Sollte es eine Umstellung auf 4-3 geben, dürften allerdings zwei Dinge mit in die Rechnung geworden werden: Die Kadertiefe mit momentan nur sieben Defense Linern wird dann zu gering sein, und so oder so würde ein zweiter guter Defensive End neben Campbell fehlen.

Eine potenzielle Lücke eröffnet sich in der Secondary, wo ein zweiter Klasse-CB neben dem Superstar #21 Patrick Peterson gesucht wird; vermutlich wird man sich des Drafts oder eines mittel-teuren Free Agents bedienen, um die Lücke halbwegs passabel schließen zu können. Die Safetys Wilson/Rhodes werden zwar nicht jünger, aber sie bereits jetzt teuer zu ersetzen, käme Luxus gleich.

Ausblick

Der General Manager wurde mit einer „internen Personalie“ gelöst. Der Trainerwechsel gefällt mir nur mittelmäßig. Quarterback und Offense Line sind riesige Fragezeichen, aber zumindest die Line dürfte sich über den Draft korrigieren lassen. Die Defense hat teilweise fabulös gute Spieler, ist aber Scheme-bedingt erstmal ein Fragezeichen. Die Cards sind so eine Mannschaft, die mit wenigstens anständigem Quarterback-Spiel per sofort in der Verlosung für einen Playoffplatz wären; allein: Man muss dezent skeptisch sein, was die Quarterbacks angeht, nachdem zirka sieben, acht Teams (Seattle, New England, Tennessee, Miami usw.) deutlich bessere Backups besitzen als Arizona Starter.