College Football 2011/12: #2 Alabama Crimson Tide – #1 Louisiana State Tigers

[04h52] Die heutigen Ergebnisse machen auch wahrscheinlicher:

  • Arkansas hält tatsächlich sein Schicksal in den eigenen Händen. Heimsiege über Tennessee und Mississippi State vorausgesetzt, kann man mit einem Auswärtssieg gegen LSU tatsächlich das SEC-Finale erreichen.
  • Georgia hat in der SEC East sein Schicksal nun in den eigenen Händen.
  • Oregon vs. Stanford um den Pac-12 Finaleinzug im Norden.
  • Und jetzt Achtung: UCLA (!!!) hat sein Schicksal in der Pac-12 South in eigenen Händen, landete heute einen sensationellen 29-28 Sieg über Arizona State, muss allerdings noch @Utah und @USC (ins Coliseum) und vs. Colorado ran.

Die BCS-Top 5 dürften in etwa so aussehen: #1 LSU, #2 Oklahoma State, #3 Stanford, #4 Alabama, #5 Boise State. 3 und 4 wahlweise auch vertauscht.

[04h48] Endstand Alabama Crimson Tide 6, L.S.U. Tigers 9 (OT)

Jo. Da hat am Ende die Unit, die ich am wenigsten beachtet hatte, das Spiel großteils entschieden: Die Special Teams. Alabama verkickte vier Field Goals und hätte dieses Spiel eigentlich gewinnen müssen. LSU kann sich glücklich schätzen, hier mit dem Sieg nach Hause fahren zu können.

Alabama dürfte in den Polls nicht weit runterfallen. Man wird sich aber grün und blau ärgern können, dieses überlegen geführte Spiel nicht gewonnen zu haben.

Ich fand es ein unterhaltsames Spiel auf hohem Niveau, hätte mir aber irgendwann ab drittes Viertel etwas mehr Offense gewünscht. Da war dann letzten Endes zu wenig Variabilität im Spiel, zu viele uninspirierte Laufspielzüge, die für -2yds auf beiden Seiten abgewürgt wurden. Auch Tight Ends waren kaum im GamePlan.

Trotzdem möchte ich die Offense sehen, die diese beiden Defenses einbremsen kann. Oklahoma State steht bei mir etwas im Ruf der Schönspieler. Stanford sollte den besten Quarterback haben und ein physisches Laufspiel. Oklahoma trotz allem wenigstens genügend Athleten. Und dann ist noch Boise State, denen ich mit ihrer parasitären Underdog-Strategie gegen jede Defense eine Chance gebe.

Overtime

[04h37] Field Goal passt. LSU bleibt ungeschlagen.

[04h35] LSU kann nach einem langen Lauf aus 25yds das Field Goal zum Sieg kicken. Kicker: Drew Alleman.

[04h30] Recht peinlicher Overtime-Drive der Crimson Tide. Erst eine Strafe wegen 12 Mann im Huddle!! Dann lässt sich QB McCarron bei 3rd down sacken und das Field Goal ist mit 53yds natürlich viel zu lang. LSU kann mit seinem guten Kicker nun dreimal laufen und gewinnt das Spiel.

[04h24] LSU gewann den Münzwurf und spielt zuerst Defense. Zur Erklärung: Damit weiß die Offense, was sie mit ihrem Drive erreichen muss. Dies nur als Erklärung der Entscheidung.

4. Viertel

[04h23] Dieses unglaublich intensive Spiel geht in die Overtime. Meine Fresse: In 60min  ganze VIER Field Goals? Alabama war mehrmals sehr nahe dran, verschoss drei Field Goals und hatte an der GoalLine diese unglücklich und womöglich zu Unrecht verhängte Interception.

OT-Regeln für nicht-College-Fans: Jedes Team startet von der 25 einen Drive. Wer mehr Punkte erzielt, gewinnt. Ab der dritten OT müssen die Teams eine 2pts-Conversion spielen.

[04h20] 52sek to go. LSU musste punten. Zum Clock Management Sabans meine Theorie: Saban hatte Angst vor einem Trickspielzug.

[04h12] Alabama kommt dem bei 3rd und 20 und einem quicken Kurzpass auf RB Richardson dem 1st down bedrohlich nahe, muss aber punten. Eine dumme Strafe gegen #7 Mathieu reingerechnet wird LSU nun ganz weit hinten drin beginnen müssen. Der Blick auf die Uhr verrät: 5:00 noch. Schön langsam nähern wir uns der unoffiziellen Variante „Sudden Death“.

[04h04] Unglaubliche Szenen in Tuscaloosa: Die Crimson Tide kommen mit Willen (Maze) und Power (Richardson) wieder in Punktereichweite. Dann folgte ein Wildcat-Spielzug mit tiefem Ball von WR #4 Maze auf den tight End. DB #1 Reid wrestelt dem TE den Ball aus der Hand. INTERCEPTION an der 1yds Line. Eine 50/50 Entscheidung und ich bin mir nicht sicher, ob „INT“ die richtige war.

LSU wird natürlich nach drei Läufen gestoppt, dann stellt Nick Saban den schwer angeschlagenen Maze als Punt Returner auf. Maze kann sich nicht bewegen, keinen Fair Catch machen und verschenkt durch den auskullernden Ball locker 25-30yds Feldposition.

[03h48] Alabama 6, Louisiana State 6/4th, 14:13. As expected.

3. Viertel

[03h45] Nun ist es an Alabama, einen überflüssigen Turnover reinzustreuen: QB McCarron übersieht das ungünstige Duell der 17er: CB Claiborne gegen den vergleichsweise schwerfälligen TE Smelley. Interception und vor allem ordentlich in die RedZone returniert. Dort werden Running Back und Quarterback allerdings nacheinander für Raumverlust gestoppt. Es erwartet und nach dem 3rd down wohl ein Field Goal.

[03h32] Faszinierend, wie sich beide Defenses nichts schenken und jeden Drive, der droht, länger als 30yds zu werden, abwürgen, mittels Blitzes oder einfach nur Hormonschub. Meistens reicht eine Strafe gegen die Offense aus, um eine Angriffsserie zu beenden. Nun startet Alabama an der eigenen 11.

Alabamas Stärke ist aber zweifellos, lange Drives spielen zu können. Und die Crimson Tide haben heute die deutlich souveräner ausschauenden Angriffsserien zustande gebracht – allein: diesmal fehlt WR Maze, der beste Receiver, der draußen humpelt.

[03h25] Alabama 6, Louisiana State 3/3rd, 7:56. Hehe, im ESPN-GameCenter leuchtet allen Ernstes der „Upset“-Alarm auf.

[03h20] QB Jarrett Lee wird reinrotiert, kriegt im ersten Passversuch nichtmal so viel Druck und wirft schon wieder eine INT!! Der Mann zerbröselt die paar Krümel Vertrauen schneller als ich befürchtet hatte.

[03h16] College Football und seine Stats: Houston QB Case Keenum hat gegen UAB aktuell 3 Rushes für -5 Yards und dabei 2 Touchdowns erzielt! Hatte nicht mal Bettis sowas wie 5 Läufe für 1yds und 3 TD?

[03h09] Lt. Les Miles im Halbzeitinterview wird LSU weiterhin die Quarterback durchrotieren. Die dringendere Frage wäre IMHO: Wie kann man Alabamas Passrush stoppen, wenn sie über eine Seite und über die Mitte kommen? Die Pocket wird jedes Mal zerbröselt.

2. Viertel

[02h46] Halbzeit Alabama Crimson Tide 3, L.S.U. Tigers 3.

Exzellentes, intensives Spiel mit aufgeladener Stimmung im Stadion. Ich fühle mich sehr gut unterhalten. Alabama stoppte kurz vor der Pause die Tigers mit einem GoalLine-Stand, als LSU gerade ins Rollen gekommen zu sein schien. Was Zeit wurde: Die Tigers zeigten nicht mehr als Ansätze, wie man diese Defense knacken könnte. Nach der INT wurde QB Lee abgesägt und für den beweglicheren QB Jefferson ersetzt – was den einen oder anderen sicheren Sack verhinderte. Aber Jefferson ist kein Mann, der über lange Sicht mit Pässen Gefahr bringen kann.

Alabama hat zu wenig aus seiner Überlegenheit gemacht und sich insbesondere in Reichweite von Punkten immer wieder selbst ins Knie geschossen. Nicht bloß die Field Goals. Sie wussten, die Kicker sind nicht gut. Aber der Trickspielzug, der Spielzug für -5yds, das alles brachte die eigentlich ordentlich funktionierende Offense in Zugzwang.

Das Spiel bleibt völlig offen. Alabama war optisch überzeugender, scheint den vielversprechenderen Plan zu haben, aber LSU wäre mit der Wundertüte Jefferson um ein Haar mit einer Führung in die Pause gegangen.

[02h22] Alabama 3, Louisiana State 0/2nd, 3:53. Im vierten Versuch (also: vierter FIELDGOAL-Versuch). Diesmal kommt die Offense in die RedZone, diesmal ist das Field Goal lang genug.

LSUs Defense wirkt zwar voller Testosteron, macht heute aber auffällig viele Zuordnungsfehler, vergaß eben RB Richardson auf der simpelsten Pass-Route der Welt völlig, zum zweiten oder dritten Mal heute. Das passierte im ganzen Jahr noch nicht. In der RedZone allerdings wurde wieder gemauert und über die Mitte lief nichts.

[02h16] Ich vergönne den CBS-Kommentatoren Verne Lundqvist/Gary Danielson ja jede Sekunde dieses Spiels von Herzen. Die beiden mussten heuer zu viele langweilige Blowouts kommentieren und hatten ab drittes Viertel meist nicht mehr zu erzählen als die Unterhosengröße der Backup-Defensive Backs.

[02h10] Ich weiß nicht, ob sich Les Miles etwas gutes mit dem QB-Wechsel auf #9 Jordan Jefferson angetan hat, falls er das nun wirklich durchziehen möchte. Schwer vorstellbar, dass sich Alabama von einer simplen Option-Offense über längere Sicht verarschen lässt. Und Jefferson ist ein erwiesen schlechter, unpräziser Werfer.

[02h03] Mal so zurückerinnert: Alabama hat vor fast einem Jahr in der Iron Bowl gegen Auburn auch haufenweise Punkte in der ersten Halbzeit liegen lassen – damals rächte sich das am Ende bitterlich.

[02h00] Field Goal Alabama geblockt. Unglaublich. Nach der INT stürmt RB Richardson unter massiven gebrochenen Tackles über die Mitte, ehe ein missglückter Trickspielzug die Crimson Tide völlig aus dem Konzept bringt. Alabama muss wieder ein 49yds Field Goal kicken und bringt den Spezialisten für die kurzen Kicks. Geblockt. Alabama hat neun Punkte liegen lassen.

1. Viertel

[01h50] Interception gegen #12 Jarrett Lee. Und dann ist es passiert. Schlechter Snap, Lee, der ehemalige „Mr. Interception“, wird nervös und feuert einen unüberlegten Ball in die Secondary – direkt in die Arme von Safety #37 Robert Lester.

[01h47] Und das nächste verschossene Field Goal für Alabama, diesmal aus 50yds. Alabama verschenkt einen recht eindrucksvollen Drive, der an der eigenen 5 gestartet hatte: Langer Ball für WR #4 Marquise Maze, Lauf Richardson, Lauf RB #3 Eddie Lacy. 60yds Drive gegen LSU ohne Punkte beenden dürfte schmerzen.

[01h31] Louisiana State kommt solide auf das Feld, tastet erstmal die Lauf-Defense ab. Nach dem Überkreuzen der Mittellinie schaltet Alabamas Defense dann einen Gang höher, schickt erste dezente Blitzes aus und um den Drive ist es geschehen.

[01h20] LSU setzt im dritten Spielzug ein Statement, als RB #3 Trent Richardson für -5yds gestoppt wird, nach zwei langen Raumgewinnen für Richardson. Dann werden die Schotten dicht gemacht, Alabama muss ein langes Field Goal schießen und verkickt.

[01h08] W.z.e.w. („Wie zu erwarten war“): Pregame-Buildup lässt den Kickoff minutenlang nach hinten rücken. Acht Minuten nach eins und erst der Einlauf der Mannschaften.

[00h45] Das Spiel wurde so stark gehypt („The Armageddon“), dass eigentlich nur fünf Führungswechsel im Schlussviertel und eine vierfache  Overtime mit Statue-of-Liberty-Trickspielzug zur siegbringenden 2pts-Conversion zum 51-49 nach 4th-down-und-35-Hailmary-TD die Erwartungen erfüllen kann. Oder anders: Es kann sie nicht erfüllen. Freuen wir uns also auf spannendes Rasenschach. Das kann man nämlich erwarten.

[00h33] Vor fünf Jahren wurde Ohio State – Michigan in den Himmel gehypt und machte mich auf College Football überhaupt erst aufmerksam. Damals entpuppte sich das vermeintliche „Game of the Century“ als Rohrkrepierer, als Buckeyes und Wolverines in der Bowl Season jeweils jämmerlich verreckten. Es war auch die Zeit, in der die Southeastern Conference (SEC) begann, die Oberhand im College Football zu gewinnen. Fünf Meistertitel gingen seither en suite an die SEC. Heuer wirkt die SEC in der Breite sehr durchschnittlich. Ganz oben aber, in der Spitze, sind die beiden IMHO (und nicht nur IMHO) besten Mannschaften des Jahres und zwar landesweit: #1 LSU und #2 Alabama. Heute das direkte Duell. Um 1h ist Kickoff. Die Vorschau gab es am Freitag.

Faszination College Football IV: Von Rosen zu Bibern – die Bühnen des College Football und ihre Mythen

Einen Tag nach der Meisterschaft und ihren Flauseln die Orte, an denen der Weg dorthin ausgespielt wird: Die Stadien des College Football. Im Gegensatz zur NFL gilt am College eine Arena aus den 90ern noch nicht als veraltet, denn hier wird noch ganz bodenständig in Spielstätten aus der Urzeit gespielt, Arenen, die eher an die römischen Kolosseen erinnern denn an die überdachten Futurismen von heute.

Rose Bowl

Mythisches Stadion: Die Rose Bowl in Pasadena

Ich persönlich liebe diese alten Schüsseln, und am allermeisten die Rose Bowl in Pasadena bei Los Angeles. Für mich ist die Rose Bowl nicht nur Synonym für College Football, sondern auch eines der weltweit schönsten Stadien überhaupt, wunderbar hineingebaut in die hügelige Waldlandschaft von Pasadena. Eröffnet in den 20ern, gehen heute noch knapp über 90.000 rein, aber weil sie dank fehlender Luxus-Suiten nicht mehr allzu rentabel ist, wird die NFL nie mehr hierhin zurückkehren. Also spielen nur mehr die UCLA Bruins dort – allein: Die Rose Bowl steht nicht auf deren Campus, sondern befindet sich in öffentlichem Besitz.

Los Angeles hat downtown auch noch ein „eigenes“ Stadion, das dank zweier Olympischer Spiele auch hierzulande bekannt ist: Das Coliseum, nicht nur Austragungsort der ersten Superbowl, sondern auch aktuell Heimstätte der USC Trojans. Auch das Coliseum ist so eine weite Schale und dank der Fassade so sehr denkmalgeschützt, dass jeder Umbau zur NFL-Tauglichkeit unmöglich gemacht wird.

Das California Memorial Stadium zu Berkeley ist auch so eine runde Schüssel in den Hügeln und Wäldern. Das Coole an ihr: Auf den Hängen unmittelbar hinter den Tribünen sitzen während des Spiels oft ein paar hundert Leute, die gratis und ohne viel Qualitätsverlust das Spiel mitverfolgen können! In dieser Saison wird die Schüssel allerdings renoviert, weswegen Cal/Berkley erstmals seit 1923 nicht im Memorial Stadium spielen wird.

Die berüchtigsten Stadien der Westküste stehen aber etwas weiter nördlich, im Bundesstaat Oregon. Zum einen hätten wir das schnuckelige Reser Stadion der Oregon State University in Corvallis (45.000 Plätze), zum anderen das sagenhaft laute Autzen Stadium der University of Oregon in Eugene. Autzen fasst „nur“ 60.000, ist aber so eng und beheimatet so rabiate Fans, dass der Lärmpegel schon mal Discolautstärke erreichen kann.

Westlich der Rocky Mountains hätte ich noch das LaVell Edwards Stadium der Brigham Young University zu bieten (Bundesstaat Utah), das von sagenhaftem Bergpanorama umgeben ist und vor allem deshalb ein richtiger Hingucker ist, und das abgrundtief hässliche, klitzekleine Bronco Stadium zu Boise, einzigartig aufgrund des stechend königsblauen Spielfelds.

Der mittlere Westen

In den unendlichen Weiten von Nebraska, Texas und Oklahoma gibt es dutzende Kleinststädte, die riesige Football-Tempel beheimaten. Die größte Stadt ist noch die texanische Hauptstadt Austin, wo in Dutzenden Nachtclubs gegroovt wird bis der neue Tag beginnt und die University of Texas daheim ist. Texas spielt im Memorial Stadium, das 100.000 fasst, obwohl eine Endzone sogar offen ist! Ebenso offen ist eine Endzone im Stadion der Texas A&M Aggies, dem Kyle Field. Die restlichen drei Tribünenteile sind unfassbar riesig, und 82.500 gehen rein.

Oklahomas Gaylord Family Stadium hat nicht nur einen lustigen Namen, sondern auch viel, viel Tradition. Und beim Stichwort „Tradition“ ist natürlich auch Nebraskas Memorial Stadium in Lincoln nicht allzu weit weg, wo 81.000 fanatische Fans auch 2min vor Schluss mit drei Touchdowns Rückstand noch wie eine rote Wand hinter den Huskers stehen. Nebraska hatte sein letztes nicht ausverkauftes Stadion im Jahr 1962 und zu manchen Spieltag finden sich 90.000 Leute auf dem Gelände – außerhalb des Stadions…

Keine Heimmannschaft hat aktuell die Cotton Bowl in Dallas. Über 90.000 gehen rein, und die Arena steht bis auf ein paar Konzerte und ein Bowl-Spiel das gesamte Jahr leer!

Der Bible Belt

Die SEC ist aktuell die sportlich dominierende Conference. Und sie hat auch Stadien zu bieten, da bleibt dir die Spucke weg. Wir reisen vom Westen in den Osten, quer durch den Bible Belt, wo f-a-n-a-t-i-s-c-h-e Fans über riesige Tribünen stolzieren. Eines dieser Giganten ist das Tiger Stadium in Baton Rouge, wo die Lousiana State Tigers spielen. Auch hier: 93.000 gehen rein und das Stadion ist immer voll. Die Stimmung ist immer brodelnd und auch wer LSU nicht mag, wird immer wieder erstaunt sein, wie leidenschaftlich es bei Tigers-Heimspielen zugeht.

Ganz speziell wird es bei der University of Mississippi (Ole Miss), die in Oxford irgendwo zwischen den Sümpfen liegt. Oxford hat knapp 16.000 Einwohner. Selbst wenn man die Studenten mitrechnet: Mehr als 35.000 Menschen bringt man nicht zusammen. Das Heimstadion, das Vaught-Hemingway Stadium, fasst aber 60.000 und ist trotzdem immer voll.

bryant denny stadium

Gigant des Südens: Das Bryant-Denny Stadium von Alabama - ©Flickr

Der Staat Alabama hat zwei Monsterstadien zu bieten. Das Jordan Hare Stadium von Auburn (87.000 Plätze) und das riesige Bryant Denny Stadium in Tuscaloosa. Dort spielt die University of Alabama seit kurzem vor regelmäßig sechsstelliger Kulisse. Sowohl Auburn, als auch Tuscaloosa haben deutlich (!) weniger Einwohner, als ihre Stadien Kapazität. Trotzdem sind immer alle Spiele ausverkauft, und wenn die beiden gegeneinander spielen, knistert die Atmosphäre bis in die heimische Stube hinein.

Ein weiterer 100.000er steht in Knoxville/Tennessee: Das Neyland Stadium mit seinen karierten Endzonen, Heimat der Volunteers und ihrer rabiaten Fans, die in den letzten Jahren leider aufgrund sportlicher Misere ruhiger als gewohnt blieben. Was aber zum Stadion gehört wie Süßsenf zur Weißwurst: Der legendäre, inoffizielle Schlachtruf Rocky Top.

South Carolina spielt im Williams-Brice Stadium, eines von zwei Stadien der FBS, das nach einer Frau benannt ist. Hier sind nicht nur rabiate, sondern vor allem treue Fans daheim: Die Gamecocks verloren vor Jahren mal zwei Jahre lang jedes einzelne Spiel. Das Stadion mit seinen mehr als 80.000 war trotzdem ausverkauft. Und zwar immer. Williams-Brice ist auch speziell für Tailgater: Die komplette Szenerie spielt sich in unmittelbarer Nähe zur Arena ab.

Über 90.000 fasst das Sanford Stadium der University of Georgia in Athens, eine Autostunde von Atlanta. Während die Falcons trotz sportlicher Erfolge Probleme haben, ihre Halle zu füllen, bringt Georgia regelmäßig die Hütte voll: Wenn nicht gewonnen wird, ist man eben stolz darauf, dass man die traditionellen SEC-Werte verkörpert: Hartes, bodenständiges Laufspiel und knackige Defense.

Das rabiateste Stadion der SEC steht wohl in Gainesville, Florida: Das Ben Hill Griffin Stadium. Dort spielen die Florida Gators in einer Arena, die vor Jahren der Coach, Steve Spurrier, „The Swamp“ getauft hat. The Swamp – der Sumpf. Alligatoren sind im Sumpf zu Hause. Vor zwei Jahren lagen sich hier weinende Mädchen im Arm, als Tim Tebow zum Sonnenuntergang seine letzten Downs am College spielte. Wenn sich nicht gerade Ikonen verabschieden, geht es auf den Tribünen aber rund und Andersdenkende werden beschimpft wie Maden im Speck.

Einmal Party und zweimal Mythos

„Nur“ 83.000 passen in die Heimstätte der Florida State Seminoles, das Bobby Bowden Field at Doak Campbell Stadium. Das Footballprogramm der Seminoles könnte altersmäßig noch ein paar Dutzend Kilo Tradition vertragen, aber dank ihrer sportlichen Dominanz in den 90ern unter Bobby Bowden haben sich die Seminoles zum Vorzeigeobjekt Floridas entwickelt, und entsprechend ist das Stadion fast jährlich größer geworden, um die Massen tragen zu können. An der FSU hat sich eine ganz eigene Fankultur entwickelt, die für eine sehr spezielle Atmosphäre im Stadion sorgt – vor allem bei Nachtspielen. The Doak gehört zu den berühmtesten Stadien der Staaten, dank unzähliger Schlachten z.B. gegen Florida, Miami und Notre Dame.

Ein paar hundert Meilen nördlich steht in der Kleinstadt Clemson (South Carolina) ein Memorial Stadion mit unglaublich steilen Rängen, das den Beinamen Death Valley bekommen hat. 85.000 passen rein in das Stadion, das in einem Tal liegt und von dessen Rängen man direkt auf einen Friedhof am gegenüberliegenden Hang sehen kann. Furchterregend sind in Clemsons Stadion auch die massiven Haupttribünen und vor jedem Spiel stürmen die Spieler einen Hang hinunter auf das Spielfeld.

Das legendäre Notre Dame Stadium samt "Touchdown Jesus"

Mitten im geographischen Herzen der Big Ten Conference, in South Bend/Indiana, steht das Notre Dame Stadion, das zwar mit schlappen 80.000 Plätzen keines der allergrößten Stadien ist, dafür mythenumrankt wie kein zweites: Das Lambeau Field des College Football, sozusagen. Hinter einer der beiden Endzones ragt ein riesiges Mosaik hervor: Jesus, der die Hände hebt. Touchdown Jesus, einer der überhöhten Mythen des College Football. In Sichtweite des Stadions befindet sich die Basilika der Katholiken-Hochburg Notre Dame.

Die Giganten im Norden

Der Kreis schließt sich mit den drei gewaltigen Stadionbauten in der Big Ten Conference. Dreimal mehr als 100.000, dreimal super-traditionelle Universitäten. Die Ohio State University im Herzen von Ohio, nämlich in der Hauptstadt Columbus, spielt im Ohio Stadium, dessen Form für den Spitznamen The Horseshoe (Pferdhufen) gesorgt hat. Ohio hat mit Browns und Bengals zwei Profimannschaften – aber in Columbus gibt es nur die Buckeyes. 102.000 passen rein – und das Stadion ist praktisch ausnahmslos voll.

Noch größer ist die Heimspielstätte von OSUs größtem Rivalen Michigan. Auch hier: Langweiliger Name (Michigan Stadium), cooler Spitzname (The Big House). Mit einer Kapazität von bis zu 112.000 ist es das größte Stadion der USA und die Luftaufnahme ist einfach köstlich, wenn sich oben in die (zugegeben: langweilige) Schüssel mehr Menschen reinpressen als offiziell erlaubt sind, während ein Stockwerk tiefer immer noch die Massen in die längst überfüllte Schüssel drängen (ich liebe dieses Bild, so war es vor dem jüngsten Umbau). Das Große Haus gilt aber aufgrund seiner sehr flachen Ränge als erstaunlich ruhiges Stadion – der Sound schwebt in den unendlichen Weiten dieser Tribünen einfach hinaus nach Ann Arbor, die Heimatstadt der Uni.

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Schönstes Stadion der Welt: Beaver Stadium in Pennsylvania/Foto:Ballparks.com

 Das Beste zum Schluss: Beaver Stadium in University Park, Pennsylvania. Beaver ist Heimat der Penn State Nittany Lions und mit seinen 107.000 Zuschauern das zweitgrößte Stadion im College Football. Für mich ist dieses Stadion das schönste der Welt und es ist ganz einfach ergreifend, wenn sich dort Hunderttausend bei Nacht reinstellen, alle in Weiß, und an der Seitenlinie die ultimative Trainerlegende, die sich auch nach über 60 Jahren und mit mittlerweile 84 noch den allwöchentlichen Stress antut, vor diesen Massen zu coachen: Joe Paterno.

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