College Football, Week 4 Preview: Bruno Mars in Athens

Spieltag vier bietet einen bunten Mischmasch an Elite-Mannschaften und Oberstufen-Duellen bei SPORT1 US, sowie die Chance, eine der großartigsten Marching-Bands Amerikas live zu sehen. Weiterlesen

College Football 2013/14, Week 2 Preview

Heute geht es weiter mit dem zweiten Football-Großkampftag an Amerikas Universitäten. Vor dem Einstieg noch eine kurze Recap zur Woche 1:

  • Alabama mit einem auf dem Papier souveränen 35-10 über Virginia Tech, aber in Wahrheit war das eher mau, mit viel Special Teams. Alabama bleibt die #1.
  • ClemsonGeorgia war ein insgesamt exzellentes Spiel zwischen zwei Mannschaften. QB Tajh Boyd spielte sich in den Kreis möglicher 1st-rd Draftpicks, auch wenn die Vorstellung nicht komplett einwandfrei war. Aber Pässe wie dieser famose lange Wurf rechts runter downfield in die Arme des in die Endzone fallenden Backup-RBs sind allerallerallererste Sahne und werden Scouts aufhorchen lassen. WR Sammy Watkins scheint dieses Jahr auch wieder besser aufgelegt zu sein: Der 77yds-TD zeigte alles, was Scouts sehen möchten: Super Catch, exzellente Physis (ließ 1-2 Linebacker einfach abprallen), Willen, downfield zu starten, sensationelle Beschleunigung und das, was man in den USA „closing speed“ nennt. Großartig. Sofern die Drops bei Watkins nur Unkonzentriertheiten wg. Saisonbeginn waren, sprechen wir da über einen Top-10 Pick.
  • Bei South Carolina fusseln viele über die null-Sack Performance von Superstar-DE Jadeveon Clowney. Ich bin überrascht, dass so viele geschätzte Schreiber in den USA Clowney überhaupt „verteidigen“ müssen; das Spiel zeigte IMHO eindeutig und zu 100%, weshalb Clowney der nächste Top-Pick ist. Er dominierte das Spiel nicht nur. Nein, der Gegner richtete seinen Game-Plan allein nach Clowney. Ein größeres Kompliment kannste nicht kriegen. Die Konditionsprobleme ließen sich übrigens mit Virusinfektion erklären. Angesichts der Umstände einer ständig bedrohten Pocket fand ich übrigens UNC-QB Renners Leistung mehr als akzeptabel.
  • Texas A&M mit lange Zeit Besorgnis erregender Abwehrleistung.
  • Das LSU-Spiel habe ich schon im Liveblog ausführlicher zusammengefasst; beide Teams mit guten Vorstellungen. LSU ist absolut ein BCS-Contender, trotz hammerhartem Schedule.
  • Bei FSU erfüllte Freshman-QB Jameis Winston nicht bloß die hohen Erwartungen, er übertraf sie. Gigantisches Debüt für Winston (25/27 für 356yds, 4 TD; 6 Carries, 34yds, TD/eine nicht gegebene Completion + okay, eine Fast-INT). Pitts Defense ist nicht überragend, aber auch nicht unterirdisch – insofern: Gigantisches Debüt, hatte ich so nicht erwartet. Winston hat übrigens eine etwas bizarre Wurfbewegung, aber die Bälle kommen trotzdem wie Raketen mit Top-Speed raus.
  • Höchste Niederlage für Boise State (6-38 in Washington) in der Ära Chris Petersen. Erstaunlich leblose Offense (u.a. 3.8yds/Passversuch). Hab Youtube-Ausschnitte gesehen: Washington-QB Price sah wie verwechselt aus. Wenn das der neue Price ist, sehen wir den irgendwann in der NFL wieder, zumindest als Backup.

Die ersten AP-Rankings kann man unter diesem Link nachlesen. Damit zum heutigen Spieltag, einem Tag mit nur wenigen Ansetzungen (wenn ich das richtig aufgeschnappt habe, spielen z.B. 35 Mannschaften (!) gegen Gegner aus der FCS/Football Championship Subdivision, der zweiten Ebene im College Football):

Übertragungen

SPORT1 US

18h   Miami - #12 Florida
21h30 Virginia - #2 Oregon
02h   #17 Michigan - #14 Notre Dame

EUROSPORT 2

21h30 Penn State - Eastern Michigan (Tape)

ESPN-Player

18h   Miami/FL-Florida
18h   Michigan State-South Florida
18h   Kentucky-Miami/OH
18h   Tennessee-Western Kentucky
18h   Temple-Houston
18h   Kent State-Bowling Green
18h   Louisville-Eastern Kentucky
18h   Illinois-Cincinnati
18h30 Clemson-South Carolina State
18h30 UNC-Middle Tennessee State
19h   Ball State-Army
19h30 Virginia Tech-Western Carolina
20h   UMass-Maine
21h   Boise State-Tennessee Martin
21h   Central Michigan-New Hampshire
21h30 Mississippi State-Alcorn State
21h30 Oklahoma State-San Diego State
21h30 Virginia-Oregon
21h30 Missouri-Toledo
22h   Maryland-Old Dominion
22h30 Memphis-Duke
22h30 Georgia-South Carolina
00h   NC State-Richmond
00h   Akron-James Madison
01h   Brigham Young-Texas
01h   Louisiana State-UAB
01h   Troy-Savannah State
01h   Texas A&M-Sam Houston State
01h30 Auburn-Arkansas State
01h30 Vanderbilt-Austin Peay
02h   Michigan-Notre Dame
02h   SMU-Montana State
04h   Fresno State-Cal Poly

Miami Hurricanes – #12 Florida Gators

Canes-Gators ist die unspektakulärste der großen Rivalitäten im College-Football Floridas, und es ist ein Duell, dessen Zukunft mal wieder in den Sternen steht. Was an der Ansetzung erstmal überrascht, ist die Zeitansetzung: 12h mittags in Miami! Wie liest man über die mörderische Hitze in South Beach, und das Sunlife Stadium ist keine 20km entfernt! Normalerweise würde man erwarten, dass The U gegen einen Gegner wie Florida ausnahmsweise mal einige tausend Zuschauer ins Stadion bringt, aber bei den Temperaturen…

Zum Sportlichen: Florida ist mir weiterhin ein Rätsel: Die Mannschaft hat keine Offense. Gegen Toledo wurde mit aller Gewalt ein Laufspiel über RB Brown durchgedrückt, aber QB Driskel war bestenfalls unbeständig. Es reichte, weil die Defense einen unterklassigen Gegner komplett abwürgte. Obwohl: So unterklassig ist Toledos Offense eigentlich nicht, und sie machte keinen Stich! Das, obwohl einige der besten Verteidiger fehlten. Miamis Angriff ist noch etwas besser als Toledo, in QB Morris und vor allem RB Duke Johnson gibt es ernst zu nehmende Optionen. Können die Gators erneut so eine Abwehrschlacht liefern? Und wenn ja: Was ist Muschamps Plan, um Johnson zu stoppen?

Oft geschrieben, aber immer noch fehlt mir der Glaube: Ist Florida gut genug? Kann man mit so einer Spielweise wirklich heil durch eine Saison in der SEC kommen? Dieses Spiel wird uns Aufschlüsse gegen, da Miami ein erster Prüfstein von Format ist – zumal zuhause.

#11 Georgia Bulldogs – #6 South Carolina Gamecocks

Das Spiel kommt um 22h30, leider nur im ESPN-Player (edit: scheint leider nicht mehr auf), und es ist in der SEC-East vielleicht schon von vorentscheidender Bedeutung: Eine Niederlage ist kein ganzer Beinbruch hinsichtlich Conference-Ambitionen, aber ein halber. Für Georgia wäre es nach der Auftaktniederlage letzte Woche in Clemson ferner das frühzeitige Ende sämtlicher BCS-Ambitionen.

Das Geile bei jedem Georgia-Heimspiel ist schonmal das riesige Sanford-Stadium in Athens, 92.000 Rabauken und neben den EndZonen wachsen die Hecken (daher auch der oft gehörte Terminus „between the hedges“). Das gibt den Bulldogs ein ganz eigenes Flair.

Sportlich wird sich vieles im Duell von South Carolinas oben beschriebenem superbem DE #7 Clowney gegen die Offense Line entscheiden. Werden die Bulldogs ähnlich wie letzte Woche UNC ihren kompletten Offensiv-Gameplan von Clowney weg konzipieren? Schwierig vorstellbar. OffCoord Mike Bobo ist mir nicht dafür bekannt, sich zu passiv in seiner Ansage zu verhalten. Bobo sucht vielmehr selbst danach, dem Gegner sein Spiel aufzudrücken. Und ganz ehrlich: Georgia hat ganz andere Ressourcen als UNC, um eine Offense gegen einen Superspieler wie Clowney aufzustellen.

Auf der anderen Seite bin ich bei Gamecocks-QB Connor Shaw nicht vollends überzeugt: Erster Mann ist zugedeckt, und Shaw wird nervös, improvisiert sich in einen Strudel schlechter Entscheidungen und muss die Bälle gleich in Serie auf die Tribüne werfen. Andererseits: Physisch war das von South Carolinas O-Line und RB Mike Davis letzte Woche schon sehr beeindruckend.

Ich habe in diesem Spiel keinen Favoriten. Ich weigere mich, Georgia wegen einer knappen Niederlage gegen Clemsons Power-Offense abzuschreiben. Kurzum: Es ist das Spiel an diesem College-Weekend, auf das ich mich am meisten freue.

#17 Michigan Wolverines – #14 Notre Dame Fighting Irish

Michigan und Notre Dame verbindet eine große Rivalität, auch wenn beide Universitäten in ihrer langen Historie vergleichweise erstaunlich selten gegeneinander gespielt haben. Trotzdem kann man sich die Partie schonmal geben, was schon allein am Heimstadion der Wolverines liegt, dem „Big-House“ mit seinen 110.000 Zuschauern – bei Nacht. Nachtspiele in Michigan sind in etwa so zahlreich wie Puffs im Vatikan. Das erste gab es vor zwei Jahren. Gegner damals: Notre Dame. Das Spiel damals: Ein Spektakel allererster Güte, mit einem 35-31 Sieg für Michigan und drei Touchdowns und ebenso vielen Führungswechseln in den letzten 72 Spielsekunden.

Daran wird heute Nacht eher wenig erinnern, denn beide Offenses versuchen verzweifelt, solider, langweiliger zu spielen. Michigans OffCoord arbeitet fieberhaft, die alte I-Formation mit zwei Runningbacks wieder einzuführen. Letzte Woche holten zwar beide Teams Siege, aber die Art und Weise beunruhigte: Beide waren nicht konstant in der Lage, ihre Drives auszuspielen, sondern mussten sich auf Big-Plays verlassen. Beide Defenses waren eher soft.

Ein Knackpunkt heute könnte das Duell der NFL-reifen Defensive Line von Notre Dame gegen eine rundumerneuerte „Interior Offensive Line“ (Center, Guards) bei Michigan sein: Wird Michigan da überpowert, stirbt die I-Formation Offense im Ansatz. Auf der anderen Seite: Notre Dame reist mit QB Tommy Rees als Starter an, was schon qua Rees‘ Standing die Favoritenrolle zu Michigan verschiebt…

Sonstige Spiele im ESPN-Player

Der ESPN-Player hat von den Mittagsspielen nicht unbedingt viele Alternativen zu Canes-Gators zu bieten. Bei #8 Louisville – Eastern Kentucky kann man QB Bridgewater beobachten, aber wie viel lässt sich aus einem Spiel eines Top-Prospects gegen einen bestenfalls drittklassigen Gegner herauslesen? Michigan State South Florida ist insofern interessant, weil der neue USF-Coach Willie Taggert letzte Woche nach einer schwachen Debütvorstellung dermaßen medial auf die Fresse bekam, dass man keinen anderen Eindruck bekommen kann als der Mann coacht ab sofort um seine Zukunft.

IllinoisCincinnati? Cincinnati soll einer der Mitfavoriten in der American Athletic Conference sein, aber interessanter finde ich den Gegner, Illinois. Über zwei Ecken hab ich Verbindungen zu dieser Uni, und ich hege gewisse Sympathien für die Fighting Illini, wie das Team dort heißt. Sportlich waren die letzten eineinhalb Jahre (seit dem 6-0 Start 2011 gab es eine 1-17 Bilanz) katastrophal, und der Anfang 2012 mit viel Tamtam angeheuerte Head Coach Tim Beckman ging schon als lame duck in den Herbst.

Zum Time-Slot der Nachmittagsspiele (ab 21h): Ab 21h Boise State auf dem blue turf gegen das unterklassige Tennessee-Martin. Die Broncos müssen sich nach der verheerenden, weil so ungewohnten hohen Pleite gegen Washington rehabilitieren. Für Abgesänge ist es noch zu früh, aber das Debakel war so krass, dass jedermann die Bronco-Saison bereits als verloren deklariert.

SPORT1 US (plus ESPN-Player) überträgt um 21h30 Virginia#2 Oregon, das eigentlich nicht nach einem Upset riecht. Virginia in Woche 2 zuhause… da hatten wir schonmal was. Kann man mal nen Blick drauf werfen, inwiefern die Oregon-Offense des neuen Headcoaches Mark Helfrich sich von jener des alten Coache Chip Kelly unterscheidet.

Um den Link zwischen Virginia und einem Team des nächsten Spiels, BYU, herzustellen: Die beiden spielten letzte Woche gegeneinander. Virginia und BYU brachten es zustande, eine Partie mit 24 (!) Punts zu generieren. Sensationellerweise gewannen übrigens die Cavs, weswegen BYU heute schon unter Druck steht…

…und zwar um 1h zuhause gegen #15 Texas. BYUs Heimspiele sind schon wegen des Stadionpanoramas stets ein Schmankerl, aber diesmal gibt es durchaus auch Upset-Potenzial. BYU mag letzte Woche katastrophal aufgetreten sein, aber es hat eine hervorragende Front-Seven mit vielen möglichen hohen NFL-Picks, und das schmeckt den nervösen Texas-QBs im Normalfall nicht.

Ab 1h30 AuburnArkansas St. Letzteres Spiel ist das Wiedersehen von Auburn-HC Malzahn mit seiner ehemaligen Uni (Malzahn coachte die Red Wolves 2012). Arkansas St ist keine unterirdische Mannschaft. Auburn wird einen ersten ansatzweisen Test vorgesetzt bekommen. Wie funktioniert die Spread-Offense, bei der man monatelang nicht wusste, wessen Quarterback sie führen soll?

Poinsettia Bowl 2012 Preview

Der Auftakt zur Bowl Season am Samstag ließ sich nicht schlecht an: Arizona – Nevada gehörte trotz lauwarmer Randbedingungen (Blick auf die Tribünen genügte) und erwartet grausam schlechter Defenses zu den Footballspielen, die man sich nach einer harten Woche gerne neben dem Sportschau-Tape am Samstagabend reinzieht. Heute Nacht geht es weiter, und zwar mit der Poinsettia Bowl.

“Poinsettia” = Weihnachtsstern, und damit ist auch schon vieles gesagt: Die Stadt San Diego will mit dieser vor wenigen Jahren aus der Retorte geborenen Bowl den Weihnachtstourismus unter südkalifornischen Palmen ankurbeln. Gelingt zwar halbwegs, aber in den letzten Jahren hat man sich daran gewöhnt, dass das recht geräumige Qualcomm Stadium meistens maximal halbvoll ist.

Diesmal versucht man es mit der Heim-Universität, den San Diego State Aztecs (9-3) aus der MWC. Die sind auch im zweiten Jahr unter Head Coach Rocky Long auf dem Weg nach oben, u.a. mit einem überraschenden Auswärtssieg in Boise, und das trotz des seit vielen Wochen ausgefallenen Quarterbacks Ryan Katz. Die Aztecs switchten auf eine fast völlig lauforientierte Offense um die beiden Tailbacks Adam Muema/Walter Kazee (zusammen weit über 2000yds, 24 TD), und erspielten sich damit einen geteilten Conference-Titel in der MWC.

Gegner sind heute die Brigham Young Cougars (7-5), ein Independent, der fast ausschließlich von seiner Defense lebt. BYUs Front-Seven ist gespickt mit künftigen NFL-Draftpicks, und keiner von ihnen kriegt mehr Hype als der ghanaische Rohdiamant LB Ezelkiel Ansah, genannt „Ziggy“, ein Defensive End, der erst gut zwei Jahre Football spielt und mit seinen athletischen Voraussetzungen NFL-Gardemaß ist (Mock-Drafts sehen ihn schon in der ersten Runde vom Tablett gehen).

Mal unabhängig von Ansah wird man bei BYU verfolgen müssen, wohin die Reise geht: Es ist mittlerweile das achte Jahr der Ägide von Head Coach Bronco Mendenhall, und die letzten drei waren eher… wie soll man sagen… banal. Weiterentwicklung vor allem in der sterilen Offense kaum erkennbar, und immer wenn die besseren Teams (sagen wir, ab Region Top-30 aufwärts) kommen, schmieren die Coogs ab (dieses Jahr: 1-4 gegen Teams mit Winning Record).

Das SRS favorisiert BYU trotz der schwachen Saison mit 5.5 Punkten auf neutralem Feld. Rechnen wir San Diego State als Heimteam, verkleinert sich der Spread auf 3 Punkte.

Spiel kommt heute Nacht live ab 02h bei ESPN America. Morgen um 19h30 gibt es die Aufzeichnung.

Blick in die Kristallkugel: Die Independents vor der Saison im College Football 2012/13

Gestern hatten wir die legendäre University of Notre Dame im Rennen um die Crystal Ball Trophy („Kristall-Trophäe“ für den BCS-Champion) zum Auftakt der Vorschau auf die Saison im College Football 2012/13. Heute folgen im zweiten Teil die anderen drei FBS-Universitäten ohne Conference-Zugehörigkeit (sog. „Independents“): BYU, die US-Army und die US-Navy.

Brigham Young Cougars

Wie Notre Dame ist auch die Brigham Young University aus Provo/Utah eine Bildungsanstalt mit konfessionellem Hintergrund: Diesmal nicht Katholiken, sondern Mormonen. Das Wesen als Independent ist noch relativ neu bei BYU (2012 ist das zweite Jahr als solcher). Man möchte sich als Marke etablieren, inklusive zauberhaftem Stadion (das Bergpanorama bei Heimspielen im LaVell Edwards Stadium in der Dämmerung ist atemberaubend), eigenem TV-Sender und attraktivem Schedule – langfristig hin zu einer Art kleines Notre Dame des Westens. Daran gemessen war die erste Saison in der Unabhängigkeit mit 10-3 Siegen ein relativer Erfolg. Für das Recruiting blieb der erhoffte Schwung dagegen aus.

Möglicherweise mitschuldig daran war das „Chargers-Syndrom“, von dem BYU unter dem Head Coach Bronco Mendenhall befallen zu sein scheint: Man kommt zu Beginn der Saison einfach nicht in die Gänge. Letztes Jahr war man nach drei Wochen und einer bösen, bitterbösen Schlappe gegen Erzfeind Utah bereits abgeschrieben – das danach folgende Aufbäumen bis in die Bowl Season hinein wurde kaum mehr beachtet und lief völlig unterm Radar.

Dabei hätte es Stoff gegeben: Das QB-Talent Jake Heaps wurde nach schwachen Vorstellungen von dessen Vorgänger Riley Nelson ersetzt und transferierte anschließend wie Crist von Notre Dame zu Kansas. Heaps hatte ich noch vor einem Jahr als kommenden Superstar angepriesen. So schnell geht’s manchmal. Nelson ist ein fehlerarmer Werfer und als Scrambler ein ganz schöner Fummler (kein Polygamistenwitz).

Hinter Nelson, einem Senior, werden nun die hoffnungsvollen QB Taysom Hill und der mit viel Boohay gekommene Freshman QB Tanner Mangum herangezüchtet (Mangum arbeitet diesen Sommer wie für Mormonen üblich in der Mission und dürfte dadurch erst in 2-3 Jahren richtig zum Einsatz kommen).

Sollbruchstelle in der Offense sind die fehlenden Big Plays: Der Angriff hat trotz ordentlicher Line kein gutes Laufspiel und ist nicht auf vertikale Pass-Offense ausgelegt, weswegen BYU-Spiele oftmals eine etwas zähe Angelegenheit sind.

Dafür trägt die Defense diese Mannschaft. Die Front Seven ist körperlich massiv gebaut und würgt alles an Laufspiel ab. Die Dreier-Line um die 180kg-Bomber DE Eathyn Manumaleuna und DT Romney Fuga macht allerdings im Pass Rush nicht einmal einen Hauch von Lüftchen. Man hofft, dass das durch einen völlig überraschenden Neuzugang geändert werden kann: Der Ghanaer Ziggy Ansah kann noch nichtmal gscheid Englisch sprechen, wechselte im April aber von der Tartanbahn hinüber auf das Footballfeld und spielte ohne bis dahin jemals Football-Erfahrung gesammelt zu haben gleich mal alles in Grund und Boden – keep an eye on. Pass-Rush ist, damit wir uns richtig verstehen, lebenswichtig für die Cougars, da ohne im Defensive Backfield das blanke Chaos ausbricht.

Fazit: Wie bei Mormonen üblich, ist das eine reife, erfahrene Mannschaft. Knackpunkt wird allerdings der Schedule sein. Der Saisonstart ist für die Langsamstarter nicht einfach – er wäre auch für Schnellstarter gesalzen: Washington State (Passgewalt gegen die lahme Pass-D von BYU!) daheim, und dann noch Auswärtsfahrten zu Utah (passstark) und Boise State (Passgewalt) im September. Später folgen tückische Auswärtstrips zu Notre Dame und Georgia Tech – eine weitere 10-3 Saison scheint unmöglich.

Army Black Knights

Die ersten US-Kadetten in der Vorschauserie, und die sportlich wohl schwächsten. Die Army ist aber immer ein Hingucker, weil sie als eine der wenigen der flexbone triple option offense spielt und mal eben 61.7 Laufspielzüge pro Spiel „einstreut“ (346.5yds Laufspiel pro Partie). Das alles reichte 2011 aber trotz viel Zungenschnalz nur zu 3-9 Siegen – HC Rich Ellerson ist bereits angezählt.

Problenzonen im Angriff sind die unerfahrene Offensive Line und die Abhängigkeit von QB Trent Steelman, der als außergewöhnlich verletzungsanfällig gilt. Ohne Steelman im Line-Up kann die Army gar die vereinzelt notwendigen tiefen Bälle vergessen. Abseits von Steelman liegt das Laufspiel in den Beinen von FB Jared Hassin und dem sich aufdringenden SB Raymon Maples (zuletzt 7.3yds/Carry).

Wer so lauflastig spielt, muss seine Defense entsprechend aufstellen. Was bei der Army dazukommt: Die Militärs erwarten, die anderen Militärs zu schlagen. Ergo ist Armys Defense dafür gebaut, reinstes, blankes Laufspiel der Navy und Air Force einzubremsen. Heißt: Die Anspiellinie wird Down für Down mit acht Mann zugestellt und die Absicherung liegt allein an der tiefstehenden Secondary. Das alleinige Zustellung ist jedoch zumeist nicht richtig effektiv, weil die Spieler zu klein und leichtgewichtig sind (startende Defensive Ends zum Beispiel wiegen 102kg) – Ellerson reagiert häufig mit Variation in den Aufstellungen (4-2-5 und 4-6 kommen ebenso vor wie 2-4-5 in Passsituationen) – alles komprimiert auf die Zone bis 5yds hinter der Line of Scrimmage.

Navy Midshipmen

Flexbone triple option, da ist auch die Navy nie weit, wenn auch seit dem Abgang von Flexbone-Guru Paul Johnson (jetzt Georgia Tech) nicht mehr so hardcoremäßig und in Reinform. Unter dem energiegeladenen „Player’s Coach“ Ken – Achtung, Zungenverschluckgefahr! – Niumatalolo wird durchaus variantenreiches Laufspiel aufgezogen, wie Interessierte dank Chris Brown studieren und nachlesen können. Ein interessanter Punkt bei der Navy wird in dieser Saison der neue Quarterback werden: Nach dem Studienabschluss von Kriss Proctor wird der spritzig wirkende Trey Miller übernehmen, der die Feinheiten der Option-Offense noch nicht drauf haben soll.

Bowl Season 2011/12: Wir nähern uns den großen Bowls

Heute Abend/Nacht finden gleich vier Bowl-Paarungen statt. Die von den Namen hochkarätigste – die Insight Bowl – wird bei ESPN America allerdings erst morgen als Aufzeichnung übertragen.

Bell Helicopters Armed Forces Bowl

BYU Cougars – Tulsa Golden Hurricane

Fr, 30.12. 18h LIVE bei ESPN America

Die Brigham Young University beendet ihre erste Saison als Independent, ein Herbst, der nicht reibungsfrei verlief (u.a. ein arges Debakel gegen Utah, 10-54), aber am Ende mit blauem Auge und 9-3 abgeschlossen wurde, was Head Coach Bronco Mendenhall nun erstmal ein reibungsfreies Arbeiten garantieren sollte.

Story der Saison bei den Coogs war die schnelle Auswechslung vom Quarterback Jake Heaps, der noch im Sommer als großer Hoffnungsträger gegolten hatte, gegen den beweglichen Backup Riley Nelson (61%completion, 16 TD, 5 INT, 376yds Scrambling). Nelson soll immer mehr Sicherheit gewinnen und sich im Team als „tough guy“ einen exzellenten Status erarbeitet haben, während Heaps sich bereits gen University of Kansas verabschiedet hat.

Der Blick auf BYUs Offense verrät eine sehr breit aufgestellte Offense, mit vielen Running Backs, die Carries bekommen und vielen, vielen Leuten, die Touchdowns fangen (10 oder 11). Die Defense verfügt über eine gute Front Seven und würde nicht den ersten Gegner unter seinem Saisondurchschnitt halten.

Tulsa, die Uni mit dieser furchtbar ausgewaschenen goldenen Trikotfarbe, gehört seit längerer Zeit zu den interessanten, wunderschön balanciert spielenden Offenses: 204,6yds Laufspiel und 249,8yds Passspiel im Schnitt (Vgl. 2010: 215yds Lauf, 284yds Pass). Schlüsselfigur im Angriff ist der wuselige QB G.J. („Gary Joe“) Kinne (2876yds Pass, 405yds Rushing, insgesamt 28 TD) und auch ansonsten könnte ich den Text von letztem Jahr hier reinkopieren: Viele Running Backs mit Carries, extrem viele verschiedene Wide Receivers, die die Bälle fangen.

Es ist ein Spiel, in dem ich meine Jetons eher auf BYU setzen würde: Tulsas Defense genießt bei mir trotz vieler Sacks nicht den allerbesten Ruf (#118 gegen den Pass, wenn auch gegen einen passlastigen Schedule) und sah gegen Boise und OSU furchtbar aus. BYU wirkt insgesamt einen Furz reifer. (Rating-System favorisiert allerdings Tulsa mit 2pts)

New Era Pinstripe Bowl

Iowa State Cyclones – Rutgers Scarlet Knights

Fr 30.12. 21h30 LIVE bei ESPN America

Iowa State war in der Big 12 Conference „6-6“, aber sie hätten auch untergehen können und keinen hätte es gekratzt, da die Saison nach dem fantastischen Derbysieg über die Iowa Hawkeyes (dritte Overtime!) gerettet war und dann im November das i-Tüpfelchen mit dem kolossalen Upset über Oklahoma State folgte. Der gerühmte QB Steele Jantz war der Hero in ersterem Krimi, wurde dann aber nach schwachen Vorstellungen auf die Bank gesetzt und durch den laufstarken Backup Jared Barnett (70yds/Spiel) ersetzt. Man kann davon ausgehen, dass Rutgers Probleme mit den vielen Scrambles Barnetts bekommen wird.

Die Rutgers Scarlet Knights des umtriebigen HeadCoaches Greg Schiano bieten einen wetterwindischen Laufangriff (Spiele mit Minus-Yards, 200+yds-Spiele), enteierte Quarterbacks und einen fantastischen WR Mohammed Sanu (109 Catches, 1144yds, 7 TD) auf und müssen a) auf ihre eigenen starke Pass-Defense und b) die schwache Cyclones-Defense hoffen.

Beide kommen auf dem Zahnfleisch daher, das Rating-System spuckt einen Spread von 0.3 Punkten aus, also würde man auf die potenziell motiviertere Mannschaft – Rutgers – setzen, trotz des schwachen Kickers mit dem coolen Namen San San Te (10/28 Kicks danebengesetzt).

Franklin American Mortgage Music City Bowl

Wake Forest Demon Deacons – Mississippi State Bulldogs

Fr/Sa 30./31.12. 0h30 LIVE bei ESPN America
Tape: Sa, 31.12. um 11h bei ESPN America

Zwei Teams, die die Music City Bowl eher als Belastung, denn als Freude empfinden würden. Von Mississippi State hatte man sich nach dem guten Herbst 2010/11 mehr erhofft, doch die Bulldoggs bekamen nie den richtigen Groove in der Offense und der mobile QB Chris Relf wurde sogar mehrmals ausgewechselt. Star des Angriffs ist RB Vick Ballard (1009yds), ein Senior in seinem letzten College-Spiel, der selbigen dann auch meistens im Alleingang tragen musste – gegen Wake Forest ein bewährtes Rezept, denn die Demon Deacons verfügen über eine schwache Lauf-Defense, kassierten in den letzten Wochen regelmäßig klar über 200yds Laufspiel.

Wake Forest mit dem sympathischen HeadCoach Jim Grobe sähe die 6-6 Bilanz eigentlich als zufriedenstellend an, jedoch wurden die meisten Siege zum Saisonbeginn geholt (u.a. über FSU), während man in den letzten zwei Monaten hauptsächlich – und teilweise hohe – Schlappen kassierte. Mitverantwortlich dafür waren Verletzungsproblemen in allen Mannschaftsteilen, aber zwei Männer hielten die Fahne hoch: QB Tanner Price (2803yds, 20 TD, 6 INT) und WR Chris Givens (1276yds).

Wake Forest wurde vor wenigen Wochen von Vanderbilt, das – wer will – man auf Augenhöhe mit Mississippi State sehen kann, abgeschlachtet. Mississippi State hat eine gute Defense. Das Rating-System favorisiert Mississippi State mit acht Punkten. Ich würde mit Dan Mullens Bulldoggs gehen.

Insight Bowl

#14 Oklahoma Sooners – Iowa Hawkeyes

Sa, 31.12. 14h als Tape bei ESPN America
(Live ist die Partie in der Nacht von 30.12. auf 31.12 um 4h MEZ im ESPN-Player zu sehen)

Die Probleme der Oklahoma Sooners habe ich in dieser Saison des Öfteren dokumentiert: Verletzungen mehrerer Schlüsselfiguren und die fehlenden Anpassungen der Defense auf Aufstellungen mit 4-5 WRs. Summa summarum ergibt sich daraus eine blasse 9-3 Bilanz, die als krasse Enttäuschung gewertet wird. In der Offense fielen in der zweiten Saisonhälfte RB Whaley und WR Broyles aus und schwupps brach auch der Gunslinger-QB Landry Jones etwas ein (immer noch 4302yds, 28 TD, 14 INT). Das Gute für die Sooners: Ihre Offense ist immer noch um mächtiges Passspiel gebaut, und Iowa hat eine unterirdische Pass-Defense, die im Ballhagel zu kollabieren pflegt.

Die Hawkeyes spielen selbst einen gepflegten Ball im Angriff, mit dem überraschend starken Stanzi-Nachfolger QB James Valkenburg und vor allem dem Top-WR Marvin McNutt, dessen Zahlen sämtliche Schuldrekorde an der B1G-Uni Iowa sprengten: 78 Catches, 1269yds, 12 TD – ungesehen in der Einöde von Iowa City. Es gab in den letzten Tagen allerdings ordentlich Krach bei den Hawkeyes, nachdem RB Marcus Coker für die Insight Bowl suspendiert worden war und ein weiterer Running Back via Twitter seinen sofortigen Abschied von der Mannschaft erklärte.

Aus Draftsicht dürfte man in Iowas Angriff ein Auge auf den Junior-OT Riley Reiff werfen, dem eine exzellente NFL-Karriere prognostiziert wird. Reiff ist der Eckpunkt der Unit, die als ansonsten anfällig gegen Sacks gilt.

Das Rating-System favorisiert Oklahoma mit 16 Punkten. Wenn die Sooners-Defense nicht erneut so kollabiert wie gegen Baylor und Oklahoma State, wird Oklahoma das Spiel auch gewinnen und dann gespannt auf QB Landry Jones und seine noch immer als offen geltende Entscheidung hinsichtlich Anmeldung zum NFL-Draft blicken.

College Football 2011/12, Woche 3 TV-Guideline

Es steht mal wieder ein langes, nein: laaaaaaaaaaaanges Wochenende im College Football bevor. Eine kleine Einstimmung.

Freitag, 16. September 2011

Michigan State – Florida Atlantic (11h30 bei ESPN America)
Mississippi State – Louisiana State (20h bei ESPN America)

Michigan State – FAU ist noch ein Spiel von vergangener Woche… taugt IMHO höchstens als Einstimmung auf das Livespiel der Spartans gegen Notre Dame am Samstag. #25 Mississippi State gegen #3 Lousiana State könnte dagegen eine höchst interessante Aufzeichnung werden. Die laufstarken, aber eben auch allein auf Lauf-Options bauenden Bulldogs lieferten vergangenes Wochenende einen Klassiker gegen Auburn, verloren am Ende um 10cm das Spiel und kommen daher angeknockt in dieses nicht unwichtige SEC-Spiel, blieben aber haarscharf in den AP- und Coaches-Polls. LSU fidelte in Woche 1 den spektakulären Lauf-Angriff der Oregon Ducks ab, kriegt mit Mississippi State nun den ersten Happen aus der SEC entgegen geworfen, sollte aber favorisiert sein, solange QB Jarrett Lee weiterhin den fehlerlosen Bürokraten gibt.

Samstag, 17. September 2011

Toledo – Boise State (12h30 bei ESPN America)
ESPN College GameDay (15h LIVE bei ESPN America)
Clemson – Auburn (18h LIVE bei ESPN America)
Purdue – Southeast Missouri (18h LIVE bei Eurosport 2)
Florida – Tennessee (21h30 LIVE bei ESPN America)
Florida State – Oklahoma (02h LIVE/18.9. Tape 10h30 bei ESPN America)
Arizona – Stanford (05h30 LIVE/ 18.9. Tape um 13h bei ESPN America)

Zur Einstimmung die Boise State Broncos gegen die Toledo Rockets, die am Samstag die Ohio State Buckeyes dann doch ärger als erwartet ins Schwitzen brachten und mit ihrem unkonventionellen Quarterback Austin Dantin um ein Haar die Jahrhundertsensation geschafft hätten (Ohio State hat nur einmal ein Spiel gegen einen innerstatlichen Rivalen verloren… 1921). Trotzdem darf man nichts anderes als einen klaren Sieg von Boise State auf deren Weg in Richtung BCS-Bowls erwarten, zumal mit zwei Wochen Vorbereitungszeit.

Abend und Nacht sind den großen Universitäten vorbehalten und ein bisschen blutet mir schon das Herz, dass ich vermutlich nichts davon sehen werde. Eines der Mottos des Abends dürfte sein: Die ACC ist auf Promotionstour. Die ACC ist eine Conference, die gefangen in ihrer eigenen Mittelmäßigkeit ist und daraus seit Jahren nicht ausbrechen kann. Nun treten zwei Schwergewichte gegen Schwergewichte an. Es geht um Reputation und vielleicht den Landesmeistertitel.

18h, das Raubkatzenduell Clemson Tigers vs. #21 Auburn Tigers aus dem fantastischen Memorial Stadium („Death Valley“). Bei Clemson weiß noch kein Mensch, wie die Mannschaft nach zwei Siegen gegen Troy und Wofford drauf ist, dafür hat man beim Gegner Auburn ein klareres Bild: Auburn ist fällig. Die Serie an hauchzarten Siegen, die schon vergangenen Herbst begann und sich heuer fortgesetzt hat, hält nicht mehr lange an, zumal ohne die wichtigsten Leistungsträger aus dem letzten Herbst. Heuer ist man 2-0, aber es brauchte die letzten Patronen und Beistände. Gegen Utah State hätte man ohne einen Freak-Onside Kick verloren, gegen Mississippi State rettete ein unglaublicher Goal Line Stand zweimal, beim zweiten Mal um wenige Zentimeter.

Einen traditionellen SEC-Wettkampf gibt es um 21h30 aus den Sümpfen von Florida, wo im Ben Hill Griffin Stadium (Spitzname „The Swamp“) die Florida Gators die Tennessee Volunteers empfangen. Beide mit 2-0 Bilanz, Tennessee durfte man dabei bereits kurz beobachten: QB Tyler Bray scheint ein starkes Standing zu besitzen, dazu überraschte der RB Tauren Poole zuletzt. Gegen Cincinnati brauchten die Vols in Offense und Defense ein paar Drives, um ins Spiel zu kommen, aber irgendwann im zweiten Viertel schaute die Sache dann recht rund aus. Bei den Gators auf der anderen Seite gibt es Hoffnung, dass die Beziehung zwischen dem neuen OffCoord Charlie Weis (ex-Pats, ex-Notre Dame) und dem im vergangenen Herbst so enteierten QB John Brantley „Klick“ macht: Brantley war in den ersten beiden Spielen souverän, die Gegnerschaft allerdings eher aus der unteren Kategorie. Die Vols werden der erste richtige Prüfstein für eine recht unerfahrene Gators-Truppe. Für eine Vorschau auf die SEC bitte hier entlang.

Wer es lieber noch traditioneller hat, kriegt auf Eurosport 2 LIVE den ewigen Klassiker Michigan State Spartans vs. Notre Dame Fighting Irish serviert. Notre Dame steht nach einem ernüchternden Start vor einer 0-3 Bilanz und einer Stimmungs-Implosion. Die Niederlage gegen Michigan hatten so starken Freak-Charakter, dass es schwer ist, hieraus Folgerungen zu schließen – Fakt ist: Die Offense scheint mit QB Tommy Reed langsam auf Trab zu kommen, während es zuletzt in der Defense ärgere Deckungsprobleme als erwartet gab. Michigan State ist noch recht ungetestet, aus dem Vorjahr aber als extrem unspektakuläre, rundum solide und fast immer gefestigt spielende Mannschaft in Erinnerung. Sub-Plot zum Spiel: Vor fast genau auf den Tag vor einem Jahr siegte Michigan State in dieser Partie dramatisch, und nur wenige Stunden nach dem Overtime-Thriller ließ sich Michigan States Head Coach Mark Dantonio mit Schmerzen in der Brust ins Krankenhaus einliefern. Herzinfarkt. Dantonio kehrte erst gegen Saisonende wieder zurück und dürfte am Samstag selbst in Notre Dame ein gefeierter Mann sein.

02h, das Knallerspiel, vielleicht das wichtigste out of conference-Spiel der Saison im College Football, #5 Florida State Seminoles vs. #1 Oklahoma Sooners live aus dem Doak Campbell Stadium, das vermutlich so aufgeladen wie seit zehn Jahren nicht mehr sein wird. Die Seminoles leben heute immer noch von jener Zeit, als sie in den 90ern jahrelang und ohne Unterbrechung Titelkandidaten im College Football waren. Das 2000er-Jahrzehnt war dann allerdings geprägt von Siechtum unter einem immer älter werdenden Head Coach Bobby Bowden, den man letztendlich vor zwei Jahren recht schroff entsorgte, um den dynamischen, offensivorientierten Jimbo Fisher zu befördern. Die Debüt-Saison 2010/11 unter Fisher war eine kleine Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen. Tiefste Tiefe: Ein 17-47 auswärts bei den Oklahoma Sooners.

Nun das Re-Match, und die Seminoles sind basierend primär auf Reputation an #5 gerankt, haben in den ersten beiden Spielen lockere Heimsiege eingefahren und kommen als Unbekannte in dieses Spiel. Kein Mensch kann abschätzen, wie gut die Mannschaft wirklich ist, da sie einem solchen Test wie den Sooners schlicht seit jenem Spiel im Vorjahr nicht ausgesetzt war. Es ist auch ein Spiel, in dem die gesamte ACC auf dem Prüfstand steht. Ein Sieg über die #1 könnte einiges tun, um den Ruf einer vergammelnden Conference wieder aufzupolieren.

Die Sooners ihrerseits spielen in einer auf breiter Basis deutlich ausgeglicheneren, hochwertigeren Big 12 (noch zumindest) und gehören dort unter Head Coach Bob Stoops (seit 2000) Jahr für Jahr ohne Unterbrechung zu den Topteams, sind fast immer irgendwo in der Nähe der Top-10 gerankt. Der Knackpunkt: Nur allzu oft scheitern die Sooners an den Herausforderungen, wenn es um das National Title Game geht, verlieren unmotiviert ein Spiel und fallen aus den Top-2. Dieser Tage werden diese Geister wieder beschwört.

Oklahoma muss bei Florida State diese Dämonen besiegen, um nicht wieder zu fallen. Man ist an #1 gerankt und das Fenster für den Erfolg könnte sich nach dieser Saison schließen, wenn QB Landry Jones, WR Ryan Broyles und der aktuell verletzte Super-LB Travis Lewis die Uni verlassen, und abseits des Feldes Ungewissheit über die zukünftige Conference-Zugehörigkeit der Universität herrscht.

In der Nacht noch die Arizona Wildcats gegen die Stanford Cardinal in Tucson, ein Spiel mit Pac-12-Relevanz, aber nicht eines, das nach viel Spannung riecht: Die Wildcats wurden vergangenes Wochenende von den Oklahoma State Cowboys und ihrem QB Brandon Weeden zerlegt. Weeden ist ein sehr guter Quarterback, aber nun kommt der Quarterback des College Football daher: Andrew Luck, nach allgemeinem Konsensus der #1-Pick im kommenden NFL-Draft und der Mann, für den manche NFL-Owner eine Katastrophensaison hinnehmen würden.

Stanford hat einige Wechsel in der Offseason hinnehmen müssen, inklusive des Abgangs von Trainer Jim Harbaugh, aber man zählt die Mannschaft weiterhin zur Elite, und das einzig dank Luck.

Sonntag, 18. September 2011

TBD (8h00 bei ESPN America)

Um 10h30 und 13h werden die Nachtspiele wiederholt. Das 8h-Spiel ist nicht bekannt – vor ein paar Wochen hatte ESPNA da Nebraska CornhuskersWashington Huskies drin. Falls es dieses Spiel sein sollte, ist es die dritte Begegnung innerhalb eines Jahres zwischen den beiden. Im vergangenen September begann der Stern von QB Jake Locker nach einer verheerenden Vorstellung gegen Nebraska zu sinken. In der Bowl Season gewannen dann überraschend die Huskies, 19-7 und es war ein scheußliches Spiel. Nebraska gilt heuer als verwundbar, vor allem gegen humorloses Laufspiel über die Mitte scheint die Defensive Line arg verwundbar zu sein. Fresno State wäre mit dieser Taktik fast zum Erfolg gekommen. Washington bringt nun mit RB Chris Polk einen der gefährlicheren Running Backs daher…

Dienstag, 20. September 2011

B.Y.U. – Utah (11h bei ESPN America)

Ein religionsaufgeladenes Spiel zweier mormonisch geprägter Universitäten, das The Holy War genannt wird – darüber gab es gestern ein kleines Stück auf diesem Blog zu lesen. Beide Universitäten sind seit ein paar Jahren recht ambitioniert, streben nach Höherem und sind daher aus der kleinen Mountain West Conference ausgetreten. Utah in die Pac-12, eine BCS-Conference, Brigham Young in die Unabhängigkeit, um langfristig ein mormonisches, westliches Gegenstück zur Notre Dame University aufzubauen. Beide haben am vergangenen Wochenende dezente Enttäuschungen gegen ganz große Gegner einstecken müssen.

Utah verlor das emotional wichtige Conference-Duell bei den USC Trojans 14-23, ein kurioses Spiel mit kuriosem Spielende: Bei 14-17 hatte Utah die Chance, per Field Goal auszugleichen. Der Kick wurde geblockt und mit auslaufender Uhr zum Touchdown zurückgetragen – mit Hundertschaften an Trojans, die den Returner Torin Harris auf dem Weg in die Endzone begleiteten. Die Flaggen flogen, und die Medien nahmen an, der TD wäre aberkannt worden – es ist möglich, Scores abzuerkennen, wenn Spieler auf dem Weg in die Endzone mit dem Jubeln beginnen. Nun hat aber ausgerechnet Harris nicht gejubelt, die Flaggen flogen einzig wegen der vielen Studenten auf dem Feld. Um 22h Ortszeit wurde das offizielle Endergebnis von 14-17 auf 14-23 hochgeschraubt, nicht unwesentlich für die Wettbüros: Der Spread hatte ausgerechnet 8,5 Punkte betragen!! Für Utah wurscht, da die erste Belastungsprobe als BCS-Mitglied nicht bestanden wurde und die große Chance, das Monsterprogramm USC zu putzen, verpasst wurde.

BYU dagegen verlor nach einer desaströsen offensiven Laufleistung 16-17 bei einem anderen Giganten, Texas. Hoffnungsschimmer: QB Jake Heaps soll ordentlich gespielt haben, wie auch die Front Seven – und man kann sich wohl auf die Fahnen schreiben, die turbulente Zeit von QB Gilbert in Texas beendet zu haben.

Diesmal geht es zwischen den beiden bei aller konfessionellen Rivalität sportlich primär um Reputation, darum, wer fürs nächste Jahr mit einem Grinsen durch die Weiten von Utah fahren kann. Fleißaufgabe für die TV-Gucker: Impressionen vom wunderschönen Panorama um das BYU’sche LaVell Edwards Stadium erhaschen.

Mittwoch, 21. September 2011

Connecticut – Iowa State (11h30 bei ESPN America)
Iowa – Pittsburgh (14h bei ESPN America)
Miami – Ohio State (16h30 bei ESPN America)

Iowa und Iowa State haben sich vergangenen Samstag im Zuge des „Cy-Hawk-Trophy“-Spiels die Kante gegeben, nun gibt es beide bei ESPN America als Aufzeichnung zu sehen: Iowa State bei UConn, das zuletzt eine ganz böse Schlappe gegen den SEC-Zwerg Vanderbilt kassierte, Iowa gegen Pitt.

Bei den Iowa State Cyclones redet man sich über den neuen QB-Stern Steele Jantz das Maul fusselig, während UConn schon über den neuen Coach Paul Pasqualoni zu diskutieren beginnt. Iowa? Iowa? Für die Hawkeyes war es mal wieder eine unerwartete, bittere Schlappe gegen vermeintlich unterlegene Konkurrenz.

Pitt hat nur ein blaues Auge davongetragen, wäre am Wochenende fast gegen die FCS-Winzlinge von Maine gefallen, kassierte 7 Sacks und 2 INTs, wurstelte sich aber am Ende zum knappen 35-29, bevor Headcoach Todd Graham sich in der PK einen Versprecher gönnte: „Their guys played hard, they’re well coached, and it is one of these games where we played to the level of competition.“ Nicht nett gemeinte Worte für die eigene Mannschaft, ein Schlag auf die Fresse für den Gegner.

Und dann wäre da noch die „Cheater Bowl“, das Spiel zwischen den Miami Hurricanes und den Ohio State Buckeyes. Beiden Programmen flogen in der Offseason die Skandale um die Ohren, an der so sehr auf Konventionalität bedachten Ohio State University wurden der Quarterback Terrelle Pryor und Pinocchio-Headcoach Jim Tressel nach dem Aufkommen etlicher Lügen rausgeschmissen, während der Skandal in Miami alle bisherigen Dimensionen sprengt, was aufgekommene Ungereimtheiten betrifft, inklusive acht Jahre langer Ignoranz eines persönlichkeitsgestörten Boosters bis hin zu Stripclubs und bezahlten Abtreibungen. Fälle, die die NCAA-Moralapostel nach ihrem eigenen bizarren Regelwerk eigentlich nicht ohne Sanktionen aufarbeiten können – trotzdem dürfen beide vorerst weiterhin im nationalen Fernsehen um Punkte und Touchdowns kämpfen. Spötter meinen, eigentlich sollten sich die beiden in den luxuriösen Büros des NCAA-Kartells ins Indianapolis treffen.