Das Teuflische am NFL Opt-In

Gestern Abend hat Jets-LB C.J. Moseley sein Opt-Out für die Saison 2020 erklärt:

Der Move ist interessanter als ich anfangs dachte. Weiterlesen

Die Linebackers im NFL-Draft 2014

Die klassischen Linebacker-Positionen in der heutigen NFL sind die Inside-Linebacker in einer 3-4 Defense sowie Outisde Linebacker und Middle Linebacker in einer 4-3 Defense. Im Detail sind diese Positionen sehr vielfältig auslegbar, was schon damit beginnt, dass sich eine Defense nach Geographie (Left Side / Right Side) aufstellen lässt, oder aber sich nach der Offense richtet (Strong Side / Weak Side). All diese Details sind im Scouting nützlich, da man in der Draft-Vorbereitung schauen muss, welcher Spielertyp in welches Abwehrschema passt, aber für eine kurze Rundschau würde das den Rahmen sprengen.

Daher sei an dieser Stelle nur die von Cosell vorgeschlagene Aufteilung in die run and chase Linebackers (grob: die kleineren, wendigeren Linebacker) und die klassischeren Inside-Linebackers vorgenommen.

Die Experten sind sich einig: Keine überragende Linebacker-Klasse, aber es gibt durchaus Material, mit dem man arbeiten kann, und Spieler, die situativ sehr schnell ins kalte Wasser geworfen werden können.

Räuber und Gendarm Linebacker

Ryan Shazier ist ein extrem flinker Linebacker mit sprintartigen 40yds-Zeiten. Shazier kommt von der Ohio State University in den Draft, und obwohl er auch schon dort Linebacker spielte, gilt er prinzipiell als verkappter Safety. Er wiegt keine 105kg und wird nicht per sofort als Linebacker für alle drei Downs einsetzbar sein, sondern langsam eingelernt werden. Shazier ist der Spielertyp, der schaut wo sich was bewegt, und wenn sich was bewegt, rennt er los und reißt den Ballträger zu Boden.

So einer ist auch der FSU-Linebacker Telvin Smith, der etwas größer, noch etwas schlanker als Shazier ist, aber ansonsten ein ähnlicher Spielertyp. Smith wie Shazier sind Leute, bei denen du als Coach nicht willst, dass sie sich an der Strongside oder in der Mitte (als MLB) aufstellen um sich in 1-vs-1 gegen Offensive Guards aufzureiben, sondern du willst sie als echte 4-3 Weakside Linebacker aufstellen, damit sie Tackles en masse setzen können. Einige behaupten, ein Telvin Smith müsse noch Gewicht zulegen um für die NFL ein ernsthaftes Prospect zu werden, aber mehr Gewicht heißt halt auch weniger Speed – und wenn in einer heutigen NFL eines wichtig ist, dann ist es der Speed. Nur mit Geschwindigkeit hast du als Linebacker die Chance, ein echter three down linebacker zu werden.

Ein Weakside Linebacker ist auch Chris Borland von der University of Wisconsin, ein Mann, der keine 1,80m groß ist, aber vom Naturell her ein echter Footballer sein soll: Instinktiv, immer drauf auf den Mann, sieht schon mit dem Snap, wohin sich der Spielzug entwickeln wird. Borland ist schnell genug um einen großen Raum am Spielfeld abzudecken, aber die Frage ist, ob seine Statur nicht zu gedrückt ist für einen hohen Pick. Es gilt auch hier: Ja, hat schon sehr, sehr gute kleine Linebacker gegeben, aber du kannst die fast an einer Hand abzählen.

Prospects 2014

Name              Rd
C.J. Moseley      1
Ryan Shazier      1-2
Telvin Smith      2-3
Christian Jones   2-3
Christian Kirksey 3-4
Chris Borland     3-4
Jordan Zumwalt    3-4
Boseko Lokombo    4-7
Preston Brown     4-7
Jordan Tripp      4-7
Avery Williamson  4-

Mayocks Top-5

  1. Donald
  2. Hageman
  3. Jernigan
  4. Nix III
  5. Easley

Shazier gilt als potenzieller 1st-Rounder. Smith und Borland sind möglicherweise zweite oder dritte Runde. Alle anderen dieser flinken ‘Backer sind Material für die hinteren Runden. Ein Jordan Tripp von der kleinen University of Montana ist mit 1.90m groß und ein sehr guter Läufer, aber Tripp gilt als zu wenig physisch um dauerhaft Blocks aufnehmen zu können, und somit ist er erstmal noch eindimensionaler als die drei Erstgenannten auf die Weakside-Rolle beschränkt.

Ein Christian Kirksey von Iowa spielte am College zum Beispiel fast immer Strongside, aber in der NFL wird er das nicht machen, weil ihm die Physis abgeht. Bei einem Bosenko Lokombo von Oregon ist man sich sogar sicher, dass er nie mehr als ein role player sein wird: Lokombo ist extrem schnell, extrem wendig und kann im offenen Feld Plays machen, aber sein Körperbau gibt nicht mehr her als Einsätze für spezielle Packages; wenn Lokombo gegen die schweren Jungs angesetzt wird, wird er zerpflückt.

Die Middle Linebacker

C.J. Moseley von der University of Alabama kriegt nur wenig Presse, aber klammheimlich ist er in der Meinung vieler einschlägig bekannter Draftboards weit nach oben gerauscht und ist für Cosell sogar einer der zehn besten Prospects im kompletten Draft. Ihn macht seine Vielseitigkeit stark. Moseley ist ein kompletter Spieler, der sich in seinem letzten College-Jahr 2013 extrem gut entwickelt hat. Früher war Moseley stets eine Art Rollenspieler hinter den Alabama-Giganten wie Upshaw oder Hightower, aber als er letztes Jahr richtig viel Verantwortung reingedrückt bekam, soll Moseley es mit sensationellen Leistungen zurückgezahlt haben.

Moseley kennt alle erdenklichen Linebacker-Positionen, da er seit Jahren überall einsprang. Er ist ein extrem physischer Spieler, der keine Probleme hat, auch schwierige Blocks aufzunehmen und den dahinter laufenden Ballträger zu attackieren. Moseley ist schnell genug um viele Tightend-Routen abzudecken und aggressiv genug um schnell kompromisslos den Weg Richtung Pocket zu suchen. Er ist allerdings kein herausragender Passrusher, weswegen er möglicherweise „nur“ in der ersten Runde vom Tablett gehen wird, und nicht schon in den Top-10.

Moseley stelle ich mir als tollen 4-3 OLB vor, der bei Not auch in die Mitte wechseln kann. Eine Mannschaft, die ein klares 4-3 spielt wie zum Beispiel Detroit (draftet an #10), könnte durchaus Interesse an so einem Spieler haben und ihn ziehen, auch wenn 4-3 OLB keine Premium-Position in der heutigen NFL mehr ist.

Als ähnlich kompletter Spieler gilt Christian Jones vom Landesmeister Florida State, der wie Moseley alles spielen kann. Jones ist gebaut wie der Linebacker-Prototyp, ist schnell, kennt vom College fast alle Positionen en detail. Es gibt viel Tape, in dem Jones als eine Art klassischer Defensive End mit den Händen im Matsch spielte, was nur zeigt, dass er auch ein guter Passrusher sein kann. Jones geht allerdings die letzte Physis ab, weswegen er kaum vor der zweiten Runde vom Tablett gehen wird. In einer halbwegs funktionierenden Mannschaft soll Jones recht schnell einlernbar sein.

Shane Skov kommt von Stanford und ist wie fast alle Stanford-Abgänger der letzten Jahre in erster Linie ein physischer Spielertyp, hart, kompromisslos. Skov soll allerdings von der Spielanlage her ein ziemliches Zwitterdings sein: Für die Weakside zu langsam, für die Strongside zu wenig physisch. Skov gilt als intelligenter Spieler, und intelligente Spieler werden immer einen Platz zumindest als brauchbare Backups in der NFL finden, aber er wird eher nicht zu einem three down linebacker zu formen sein, und deswegen kaum vor dem dritten Tag (also nicht in den ersten drei Runden) einberufen werden.

Ein Jordan Zumwalt von UCLA gilt da als flexibler wie Skov, aber auch als viel unerfahrener, viel weniger fein geschliffen. Zumwalt ist ein brauchbarer, aber kein wirklich explosiver Passrusher. Avery Williamson von Kentucky gilt als komplett festgenagelt auf die Position des Middle Linebackers. Williamson ist ein Bröckerl mit guter Beweglichkeit, aber er ist nicht schnell genug um mehr zu spielen als MLB – wobei: Wenn du dort deine Aufgaben souverän erledigst und es soweit bringst, dass alle Teamkollegen wissen, welcher Spielzug durchgesagt ist, hast du immer einen Platz in der NFL.

Clowney, Nix und die Defense Front-Seven von 2014

Heute ist Tag der Defensive Front Seven in den Workouts der NFL-Combine 2014 und damit das Einsteigen des Superstars, DE Jadeveon Clowney, der schon eine monströse Sprintzeit angekündigt hat. Ein Blick auf ein paar Prospects. Hauptinformationsquelle: Ein Podcast mit Greg Cosell bei Midday 180.

Jadeveon Clowney – Clowney war schon beim National Signing Day vor drei Jahren ein landesweites Gesprächsthema, weil als once in a lifetime Talent gefeiert. Oft ist es bei solchen Prospects der Fall, dass sie die überhypten Erwartungen nicht erfüllen können, aber Clowney war das Gegenteil: Er übertraf sie sogar noch, zumindest in jener fantastischen Saison 2012 als er alles in Grund und Boden spielte. In seiner letzten College-Saison 2013/14 wurde er aber eher als Enttäuschung gesehen. Er soll nicht voll durchgezogen haben, soll halb verletzt gespielt haben, soll nicht fokussiert genug auf den Sport gewesen sein. Red Flags, wo man hinschaut. Es ist nicht ganz klar, wie viel davon Medienstory ist und wieviel wirklich dran ist.

Cosell sieht wie alle in Clowney erstmal einen hervorragenden Athleten („good size, shows explosion, shows quickness…“ fasel laber), alle Ingrendienzien für einen NFL-Superstar sind da. Aber Cosell warnt davor, dass Clowney nicht „tief“ genug an der Anspiellinie steht und in der Folge zu aufrecht spielt. Das ist am College gegen unterklassige Gegenspieler ein eher marginales Problem, weil die Kraft trotzdem ausreicht um damit durchzukommen, aber in der NFL siehst du fast nur starke Offense Tackles, und da wirst du – so Cosell – gern herumgeschoben. Einige Male soll Clowney das auch schon am College passiert sein.

Das sind so die kleinen technischen Unsauberkeiten, die Cosell bei Clowney beschreibt. Coaches müssen sich fragen, ob man dies aus einem Spieler „herauscoachen“ kann. Auf alle Fälle ist athletisch unbegrenztes Potenzial da, aber der „Football Skill Set“, den Cosell, Mayock und einige andere so oft beschreiben – naja, der müsse sich bei Clowney erst noch offenbaren.

Was Cosell nicht zu beantworten imstande ist: War Clowney ein Freelancer, d.h. hat er sich am College nicht an die Assignments seiner Coaches gehalten, sondern eigenhändig das Big-Play gesucht (etwas, das Coaches hassen / etwas, das einige dem Clowney vorwerfen)? Das wisse nur der Coaching-Staff von South Carolina.

Cosell zweifelt auch ob Clowneys Commitment zum Sport. Dass er verletzt war, zähle für ihn nicht, denn Einsatz musst du auch in halbfittem Zustand bringen. Zum Thema „quält sich nicht genug für unseren Sport“ wird seit gestern auch Clowneys Übungseinheit im Bankdrücken gehören: Clowney hob die Gewichte nur 21 Mal, was ein eher unterirdischer Wert ist.

Festzuhalten bleibt: Clowney war optisch einer der dominierenden Spieler der letzten Jahre. Persönlich stach für mich letztmals Ndamukong Suh in der Defense Line so als Einzelspieler heraus wie Clowney bei South Carolina. Auffällig war in einigen Spielen, wie gegnerische Coaches ihr Spiel von Clowneys Abwehrseite weg konzipierten – ein untrügliches Zeichen, wer hier als die Superwaffe ausgemacht worden war. Wie ist so etwas auf die NFL transferierbar? Wir werden darüber noch vieles hören.

Clowney ist nach Common-Sense momentan nicht mehr der uneingeschränkte Top-Pick, und weil das #2-Team St Louis keinen wirklichen „Need“ in der Defense Line hat, weil das #3-Team Jacksonville und #4-Team Cleveland keine 4-3 Defense spielen und darüber hinaus dringend einen Quarterback brauchen, ist momentan noch nicht abzusehen, wo Clowney vom Tablett gehen wird.


Anthony Barr – Viel Presse bekam in den letzten Monaten OLB Anthony Barr von UCLA, der erst seit kurzem eine OLB-Position im Football spielt. Cosell bescheinigt ihm wie Clowney superbes athletisches Potenzial und einen gewissen, für OLBs ungewöhnliche Speed beim Geradeauslaufen, aber er hat Angst, dass Barr zu wenig flexibel als Passrusher ist. Auch Barr spielt etwas zu aufrecht. Seine technische Arbeit mit den Händen ist teilweise unterirdisch, teilweise aber schon ansehnlich.

Es wird bei ihm offenbar besonders geduldiges Coaching brauchen, eine gewisse Einlernzeit, in der er anfangs nur situativ in 3rd-und-lang oder so eingesetzt wird um Erfolge für die Motivation zu sammeln und sich nicht in der Lauf-Defense aufzureiben. Cosell gibt Barr eine gute Chance, ein Mega-Passrusher zu werden, sieht ihn aber noch als sehr unfertiges Prospect.


C.J. Moseley – weil es (glaube ich wenigstens) auch in der NFL schon einen CJ Mosley gibt, hat man stets das Gefühl, dieser Moseley ist schon tausend Jahre dabei, derweil ist er nur ein Mann, der in Alabama zweieinhalb Jahre als Starter auf dem Feld war. Cosell lobt Moseleys Entwicklung im abgelaufenen Herbst, er soll sich extremst verbessert haben. Moseley ist für ihn ein kompletter Linebacker: Hat die Spritzigkeit, hat den Grundspeed, hat das Gefühl, in die richtigen Gaps reinzuschießen, kann sich horizontal zwischen beiden Seitenlinien bewegen und wird nicht von den schnelleren Tight Ends überlaufen, kann sehr schnell die Richtung ändern, guter Deckungsspieler, und so weiter.

Der Vergleich, der Cosell einfällt, ist monströs: Lavonte David von den Buccs, einer der besten Abwehrspieler der abgelaufenen Saison. Für Cosell wird Moseley mit hoher Wahrscheinlichkeit ein richtig exzellenter Profispieler werden. Er ist sofort einsatzbereit (O-Ton „plug and play“). Er ist allerdings kein überragender Passrusher, und das könnte ihn einen Top-10 Draftpick kosten.


Khalil Mack – Mack ist für Cosell der kompletteste Spieler im Draft, beim Aufzählen seiner Stärken fällt man allerdings schnell in altbekannte Schemen zurück (athleticism, plays fast laber fasel…). Er ist kein Mega-Passrusher, aber weil er so intensiv spielt, so wenige mentale Fehler begeht, immer eingesetzt werden kann, gilt Mack (der von Buffalo aus der MAC kommt) als sicherer Top-10 Pick.

Mayock ließ im Laufe des Wochenendes übrigens sogar verlauten, dass Mack für ihn der beste Spieler im Draft 2014 sei, über Clowney, über Bridgewater, über Sammy Watkins. Was auch immer diese Superlative wert sind, sie zeigen ein gewisses Standing dieses Linebackers. Mack soll Ähnlichkeiten in der Spielanlage mit Von Miller haben, als 3-4 OLB oder als 4-3 SAM (Strongside Linebacker) spielen können.


Cosell diskutierte danach noch kurz den OLB von Georgia Tech, Jeremiah Attaochu, der als reinrassiger Passrusher für die 3-4 OLB gilt. Er soll ein großes Talent sein, aber wenn du ihn einsetzt, musst du dir bewusst sein, dass er eindimensional wie eine Scheibe Toastbrot ist und dich in der Run-Defense verbrennen wird.


Ein Defensive Tackle, bei dem ich sportlich noch nicht viel einzuordnen vermag, der aber definitiv eine Persönlichkeit ist: Louis Nix III von der Notre Dame University. Nix hat einen umtriebigen Twitter-Account. Ganz famos war sein Auftritt auf der Pressekonferenz der Combine – da kann noch ein Manziel mithalten, aber sonst keiner: