NFL Notizblock, Week 2: Carolina Panthers @ Buffalo Bills

Und wieder haben die Carolina Panthers ein knappes Spiel verloren. An diesem Sonntag waren aber weder HC Ron Rivera noch QB Cam Newton die Schuldigen. Den entscheidenden Fehler machte der allseits hochgelobte LB Luke Kuechly. 20 Sekunden vor Schluß wirft Bills Rookie Quarterback E.J. Manuel eine Interception – und Kuechly fährt wie ein angetrunkener Proll in der Disko die Schulter gegen den WR aus. Pass Interference, 1st Down Buffalo an Carolinas 11-Yard-Linie. Zwei Spielzüge später will kein DB Stevie Johnson verteidigen, wofür dieser sich mit dem siegbringenden TD bedankt.

Den Drive vorher hat Carolinas Offense fast lehrbuchmäßig durchgezogen. Mit erfolgreichem Laufspiel und den dicken Beinen von Newton nehmen sie fünf Minuten von der Uhr, gehen per Field Goal mit 23-17 in Führung und lassen Manuel & Co. nur 90 Sekunden auf der Uhr und die Aufgabe, die Endzone zu erreichen.

Die gesamt Zeit über war das ein enges Spiel ohne viele Aufreger und Aufregendheiten. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick bleiben Fragen an Carolina. Die nach dem Spiel letzte Woche gegen Seattle so – zu Recht – hoch gelobte Front Seven sah nicht viel Land gegen Buffalos Explosivitätswerk im Backfield. C.J. Spiller und Fred Jackson sprinteten und wuselten sich leichtfüßig durch die Klauen der Panther. Von DT Star Lotulelei war nicht viel zu sehen, auch nicht von den anderen D-Linern. Selbst Kuechly wurde ein-, zweimal auf dem falschen Fuß erwischt. War das nur ein Ausrutscher gegen einen sehr starken Laufangriff?

Das war aber alles zu verschmerzen, weil Rookie Manuel offensichtlich die klare Ansage hatte, um Himmels Willen ja nur jeden Fehler zu vermeiden und nichts Großes zu versuchen. Er machte denn auch nur zwei Fehler – allerdings kostspielige. Kuechly schlich sich zu Beginn des vierten Viertels in Manuels passing lane und schnappte sich dessen Paß. Im Drive vorher verlor Manuel bei einem Sack den Ball an der eigenen 16-Yard-Linie. Buffalos D verhinderte das Schlimmste und hielt Carolina bei jeweils einem Field Goal.

Was direkt zu der zweiten Frage an Carolina, insbesondere OC Mike Shula führt: was denkt ihr euch eigentlich bei diesen game plans? Ratlos bleibt man zurück. Es wird gepaßt und gepaßt und gepaßt. Selbst bei 1st Downs wird geworfen als gäbe es keinen Morgen mehr. Weil das schon länger so ist und sich auch dieses Mal wieder bestätigte, hat vor allem DE Mario Williams immer sofort den Weg zum QB gesucht und sich nicht weiter um die RBs gekümmert. Damit sprangen für Williams 4,5 Sacks heraus. Was Carolina da schon seit längerer Zeit veranstaltet , erinnert an das letzte Jahr von Brian Schottenheimer bei den Jets. Auch da spielte das running game nur noch ein nachgeordnete Rolle und dem mittelmäßigen QB wurde ein Rolle zugedacht, wie man sie vielleicht Rodgers/Manning/Brady übertragen kann, aber nicht einem Newton. Sicherlich: man erwartet viel von Newton und das sollte man auch. Er hat alles Talent der Welt and he can make every throw, wie man so sagt. Aber genau wie Sanchez wirft er die Bälle zu oft ganz plump an seinen Anspielstationen vorbei. Ich weiß nicht, woran das liegt, diese komische Inkonsistenz: manchmal wirft er schwierigste Pässe perfekt, manchmal die einfachsten ins Niemandsland (meistens zu hoch).

Und dann auch noch die sogennante „read option„. Bei Carolina gibt es gar keine Optionen, weil Newton jetzt gegen Buffalo immer an den RB übergeben hat. Nachdem die Bills das spitzgekriegt haben, wurde dieser dann regelmäßig von der Williams-Dareus-Williams-Dampfwalze einbetoniert. Ja, Newton hat auch nix zum Arbeiten neben WR Steve Smith und TE Greg Olsen, aber gerade deshalb sollte sich Shula mehr an seinen personnel begrenzten Möglichkeiten orientieren, als an seinen feuchten Träumen beim Gedanken an Newtons Arm.

Das wird jetzt wahrscheinlich etwas untergehen, weil es so ein knappes Spiel war. Zu Beginn des dritten Viertels hat auch Buffalos D da sehr großen Anteil dran gehabt. Zweimal wurde durch dämlichste Strafen aus einem 3&out jeweils ein neuer 1st Down. Für die Cardiac Cats geht schon wieder genauso schlecht los wie letzte Saison. Und genau wie letzte Saison geht es auch jetzt wieder in Woche 3 gegen die New York Football Giants. Letzte Saison wurde die Panthers da dermaßen verprüfgelt, daß sie fast zwei Monate brauchten, um sich davon zu erholen.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: C.J. Spiller, Running Back

Position: Running Back
College:
Clemson University
NFL-Team: Buffalo Bills

Die Sturköpfe in Buffalo sind berüchtigt dafür, gegen den common sense immer wieder Spieler zu holen für Positionen, die sie eigentlich ordentlich besetzt haben, oder Spieler, die andere Teams erst DEUTLICH später einberufen hätten.

Spiller gehört zur ersten Kategorie. Buffalo hatte die Backs Marshawn Lynch und Fred Jackson im Kader. Ersterer ist zwar nicht besser als Mittelmaß, Letzterer immerhin ein sehr zuverlässiger Mann. Spiller war also kein Need.

Und weil Spiller ein one trick pony ist, macht der Pick auch rückwirkend nur bedingt Sinn. Sicher, Spiller gilt als explosiver Back und als recht fangsicher. Aber Spiller ist auch ein Back, der dir keine yards after contact macht. Will heißen: Der Mann kann nicht über die Mitte laufen, solange die Offensive Line nicht großartig spielt (was sie völlig überraschend in Buffalo nicht macht).

Defenses hatten also leichtes Spiel: Spiller im Backfield, das heißt: OLBs in Alarmbereitschaft versetzen. Denn es war gewiss: Spiller würde um die Line herumlaufen. So gewiss wie verdorbene Trauben im Glühwein.

Resultat: Buffalo hat nun wieder zwei mittelmäßige Backs und haufenweise Lücken im Kader. Ich bin auch ehrlich nicht sicher, ob Spiller den Durchbruch schaffen wird. Ich mag Backs nicht, die sich NUR über Speed definieren und kann mir nicht vorstellen, dass der Mann ohne Offense Line überhaupt länger als zwei-drei Jahre überlebt.

Und nur mal so by the way: Wie viele Running Backs will Buffalo eigentlich noch draften? Sie hatten vor Jahren Travis Henry, der solide gespielt hat. Und holten in Runde 1 den verletzungsanfälligen Willis McGahee, der sich ein-zwei Saisonen zu einem Topmann entwickelte, um dann von Lynch (ebenso hoher 1st rounder) ersetzt zu werden, der von Jackson ersetzt wurde und so weiter und so on. Ist Spiller der nächste – außer, dass er niemals #1-Back sein wird?