All Hail Megatron

Gestern Peyton Manning, heute der nächste angehende Hall of Famer: WR Calvin Johnson von den Detroit Lions verkündete nach neun Jahren NFL heute seinen Rücktritt vom professionellen Football. Weiterlesen

NFL-Week 8 am Nachmittag live: Detroit Lions – Dallas Cowboys

Zur Vorschau

  • DET-DAL.
  • NE-MIA.
  • KC-CLE.
  • NO-BUF.
  • PHI-NYG.
  • JAC-SF.

[21h32] Endstand Detroit Lions 31, Dallas Cowboys 30.

Man muss zu den Lions nicht mehr sagen: Diese Mannschaft kann jede Mannschaft schlagen, inklusive sich selbst. Das heutige Spiel war Mikrokosmos der Lions par excellence: Eigentlich eine dominante Vorstellung, aber das dominante Element schlug sich nicht im Ergebnis nieder, weil: Turnovers (-4), Strafen (61yds) und ein Gegner, der erst zwei 53yds-Kicks rein nagelt und danach plötzlich im vierten Viertel eine unglaubliche Explosion zeigt, für die es drei Viertel lang keine Anzeichen gab.

Auf Cowboys-Seite wird es Zeit, dem D-Line Trainerstab um Rod Marinelli ein Kompliment zu machen: Diese Unit kriecht auf dem Zahnfleisch daher, aber Marinelli kriegt aus Hatcher und einer Handvoll Unbekannter extrem viel raus. Wichtigster Mannschaftsteil der Cowboys heute, neben einem Sean Lee, der heute gleich bei drei oder vier Turnovers seine Hände im Spiel hatte (wenigstens eine war aber sehr glücklich).

Von meiner Warte aus das beste, spannendste, nervenaufreibenste Spiel der Saison. Es gibt einen Grund, weswegen ich bei dieser Mannschaft niemals vor der letzten Sekunde wegschalte.

Detroit damit 5-3, Dallas 4-4.

[21h24] Detroit 31, Dallas 30/Q4 0:12. Völlig irre, was da in Detroit abläuft: Stafford mit drei Bomben en suite für Pettigrew, Durham und Johnson (an die 0,5yds Line).

Stafford rennt mit 26sek und laufender Uhr wie von der Tarantel gestochen das Spielfeld runter und anstelle eines Spikes macht Stafford den QB-Sneak zum TD 12sek auf der Uhr. Ohne Timeouts.

Wenn der Coaching-Staff es nicht auf die Reihe bekommt, muss es der junge Quarterback machen. Ganz groß von Stafford.

… und bei den Cowboys wird man sich über einen völlig überflüssigen Holding-Call ärgern, der mit hoher Wahrscheinlichkeit das Spiel kostete.

(12 Sekunden noch auf der Uhr. Dallas mit zwei Timeouts)

[21h19] Detroit 24, Dallas 30/Q4 1:02. Holding-Strafe gegen einen Cowboy im dritten Down, die Dallas etliche Sekunden kostet, die sie ansonsten von der Uhr nehmen hätten können.

[21h14] 4th-Down, Stafford muss einen Verzweiflungspass werfen. INT wird nicht gegeben, was für Dallas aus Fieldposition-Sicht eh gut ist.

Sehr gut eignet sich das 3rd-Down zu Pettigrew, um das „almost“ im Lions-Spiel zu beschreiben. Und natürlich:

[21h09] Zwei Läufe plus im dritten Down Romo ins Aus: 2:24 für Detroit. 2 Timeouts.

[21h07] New England wird heute im „alten“ Patriots-Style gewinnen: Maximal solide Offense, Defense, die den Gegner zu sich herunterzieht, und drei opportunistische Turnovers erzwungen (INT gegen Tannehill war ein fantastisches Play vom gescholtenen McCourty und Cole).

[21h02] Detroit 24, Dallas 27/Q4 3:33. Beide Offenses sind mittlerweile „on fire“ und beenden nun auch die Drives. QB Stafford mit einem beherzten Scramble, RB Bush vollendet. Angesichts der Schlechtigkeit der Lions-Defense in den letzten Drives bin ich nun gespannt ob einer möglichen Variante „Onside Kick“ in Schwartz‘ Playbook.

[20h52] Detroit 17, Dallas 27/Q4 6:45. Langer Kickreturn #17 Harris. Dann 2nd-Down: Pass links raus für Bryant, der den direkten Gegenspieler abschüttelt und 50yds durchläuft. Wie gesagt: Erinnert an 2012, das Ganze.

[20h47] Detroit 17, Dallas 20/Q4 7:38. Nach zirka zwei Stunden wieder ein abgeschlossener Drive der Lions: 7 Plays, 80 Yards. Mit dabei waren schöne Pässe für Johnson und Bush sowie ein Super-Lauf von RB #35 Joique Bell, der improvisierte. Mit dabei war auch eine Pass-Interference gegen die DAL #32, und ich bin mir alles andere als sicher, ob dies ein richtiger Call war. Mike Pereira sieht kein Foul.

[20h41] Wie man’s besser macht, zeigt Belichick in New England: Drittes Down und 5, Patriots laufen, weil sie eh wissen, wir kicken nicht in den Wind, sondern spielen aus. Brady scrambelt im 4th-Down für die notwendigen Yards, und kurz danach ist New England in der EndZone. Diese Patriots, die so katastrophal in der ersten Halbzeit aussahen, führen mittlerweile 27-17 gegen Miami.

[20h37] Detroit 10, Dallas 20/Q4 11:32. WR Terrance Williams 71yds zum TD. Kurzpass, viele Yards nach dem Catch. Sag ich doch: Spiel aus!

[20h32] Detroit 10, Dallas 13/Q4 13:13. Johnson ist mitterlweile bei 9 Catches für 221yds, aber am Ende kickt Jim Schwartz das Fieldgoal von der 2yds-Line (19yds-FG). #Calldieichnieverstehenwerde

4th-Down Caculator rät zum Ausspielen, wenn du glaubst, auch nur 32% von 3rd-und-Goal von der 2 zu schaffen.

[20h30] Kurzes Update aus Foxboro: New England führt mittlerweile 20-17, nach einem hart erkämpften 37yds-Drive in acht Plays. Gostkowski nagelte ihn aus 48yds rein.

[20h18] Detroit 7, Dallas 13/Q3 3:02. Das ist der Unterschied: Auch Romos Pass wird abgefälscht, fliegt aber dem Safety um wenige Zentimeter zu weit links vorbei für eine INT. Dallas kriegt offensiv weiter nix zustande, muss mit einem weiteren 53yds Kick Vorlieb nehmen.

[20h17] SF 28, JAX 10/Q3. Der von mir unter der Woche gelobte WR Mike Brown macht den ersten Jaguars-TD, ein 29yds Catch.

[20h15] Seufz… und der nächste: Vierter Lions-Turnovers. Diesmal ist es ausgerechnet QB Calvin Johnson nach einem ca. 20yds-Pass. LB Lee mausert sich zum Matchwinner, forcierte auch diesen Fumble! (Johnson konnte man schon Mitschuld am ersten Turnover geben)

[20h09] Tony Romo kriegt heute aber auch nichts zustande: Wieder drittes Down, wieder nada. Dallas-Passspiel bisher trotz nicht allzu gutem Druck der Lions: 3.7 NY/A. Lions nehmen weiterhin das tiefe Spiel komplett weg. Sie lassen CB #23 Chris Houston so gut es geht von WR #88 Dez Bryant weg, was bei Houstons Geschichte gegen große, physische Gegenspieler eine gute Idee ist. Hätte Dallas nicht +3 Turnovers, könnten sie zusammenpacken.

[20h01] Turnover-Update von den Lions: Jetzt fumbelt RB Reggie Bush den Ball weg. Dritter Turnover der Lions in einem Spiel, das immer frappierender an die 2012er-Saison erinnert: Dominantes Spiel weggeschmissen mit Penaltys und Turnovers.

[20h00] Verletzungs-Updates von den Lions: DE Ziggy Ansah, WR Ryan Broyles und CB Bentley sind für den Rest des Spiels wohl „out“.

[19h57] Quick-Strike Pats: Fumble Tannehill, 3 Plays und 13 Yards später sind die Patriots über RB #38 Brandon Bolden in der Endzone. NE 17, MIA 17.

[19h55] Erstklassige Pass-Defense von CB #23 Chris Houston im dritten Down – Punt der Cowboys zum Start der zweiten Halbzeit.

[19h50] NE 10, MIA 17/Q3. Antwort der Pats nach dem verschossenen Field Goal: 23yds Lauf Ridley, 23yds Pass für Gronkowski, 17yds-Pass für Dobson, und Touchdown. Das ging zackzackzack, 5 Plays, 64yds, und Spiel wieder offen.

[19h44] Miami mit einem eigentlich gut aussehenden Drive, aber dann schickt Belichick im dritten Down einen „Inside-Blitz“, bei dem LB #54 Hightower im zweiten Nachfassen QB Tannehill zu greifen bekommt. Sack ist gerade lang genug, um das Field Goal für K Sturgis zu lang zu machen: Sturigs kickt aus über 40yds an die Stange. Miami führt weiterhin 17-3.

[19h42] Q3 in Foxboro beginnt. Eben war ein Bildausschnitt zu sehen, in dem man deutkich sehen konnte, wie stark Bradys rechte Hand geschwollen ist. Der Mann hat heute auch physische Probleme, keine Frage.

Halbzeitreports

[19h38] New England 3, Miami 17. New England mit 25 Offense-Passyards! In der Defense ist heute CB McCourty die Schwachstelle; McCourty ließ sich schon mehrfach von RB Clay im Slot schlagen.

Detroit 7, Dallas 10. Der Halbzeitstand ist eigentlich ein Treppenwitz, weil Detroit die bessere Mannschaft stellte. Allerdings ist die Pass-Offense weiterhin zu abhängig von Johnson. Das Play-Calling von Linehan finde ich weiterhin mickrig: Diese ganzen Runs im 1st-Down schaden bloß, die Screenpässe sind schön langsam auch vorhersehbar. Zu den INTs: Die erste war einfach Pech. Die zweite ein Play, das Dallas wohl gut gescoutet hat, denn Lee sprang fast schon vor dem Pass in die Wurfbahn.

Dallas-Offense kommt nicht in Schwung: 8/17 Pässe von Romo für 66yds (3.9 NY/A) gegen teilweise sehr gute Deckung der Lions. Auch beim TD brauchte es einen exzellenten Bryant-Catch.

San Francisco 28, Jacksonville 3. 49ers-Dampfwalze war einfach zu viel für die Jaguars, die immerhin für die Briten ein bissl Fußball einbauten und noch vor der Pause ein Fieldgoal kickten. In der Jags-Defense sieht heute der jüngst von mir gelobte S Jonathan Cyprien ganz schlecht aus.

Philadelphia 0, New York Giants 12. Vick scheint mittlerweile aus dem Spiel zu sein, nachdem man im ersten Viertel Gespräche zwischen Vick und seinen Doktoren sehen konnte; Barkley ist drin, aber die Eagles-Offense sieht heute kein Land. Giants-Offense heute mit vielen 6yds, 8yds Raumgewinnen im ersten Down. Das reicht dann meistens zu langen Drives – allein: NYG konnte diese gleich viermal nicht zum TD, sondern nur zum FG verwerten.

[19h30] Detroit 7, Dallas 10/Q2 0:46. WR Dez Bryant mit dem „Jump-Ball“ gegen CB Slay. Kein einfacher Catch für Bryant gegen gute Deckung. Romos Wurf war eher schlecht.

[19h27] INT für #50 Sean Lee, der genau in der Pass-Route (Slant-Route) steht, in den Pass springt und an die 4yds-Line returniert.

[19h23] 49ers müssen im fünften Drives das erste Mal punten: Ein Holding-Call gegen RB Hunter (?) war zu viel für die Offense.

[19h13] San Francisco in Wembley: 4 in 4.

Drives bisher (Plays/Yards): 8/76, 8/80, 10/72, 6/63. 28-0, und noch ist nichtmal Halbzeit.

[19h11] Detroit 7, Dallas 3/Q2 5:44. 53yds-FG Dan Bailey. Dallas bekommt seine Offense nicht in Gang: Detroit mit einem sehr guten GamePlan, nimmt Romo das tiefe Spiel weg, und im dritten Down wird TE Witten gnadenlos abgedeckt.

[19h00] Breaking: Sebastian Vollmer down in New England. Vollmer wird aus dem Stadion gefahren; sieht übel aus, möglicherweise ein Beinbruch.

[18h59] San Francisco scort gegen Jacksonville wie gestern die FSU Seminoles gegen NC State: Dritter Drive, dritter TD. Durch das Wembley-Stadium schwappt schon die Laola.

[18h52] Miami geht zwar 14-0 in Führung, aber die schlechte Nachricht folgt sogleich:

[18h50] INT LB #50 Sean Lee gegen Stafford nach einem abgefälschten Ball (Johnson ließ abprallen, Lee fiel der Ball in den Schoß).

[18h47] Romo mit drei Incompletions en suite – Punt und gute Starting-Fieldposition für Detroit.

In Kansas City geht das Spiel genau so, wie sich die Chiefs das erhofft haben: Sie würgen die Browns-Offense mit Backup-QB Campbell komplett ab, während die eigene Offense lange Drives durchzieht: Dreimal 9 oder mehr Plays, 13-0 Mitte Q2.

[18h44] 49ers gehen 14-0 gegen Jacksonville in Führung: QB Kaepernick zeigt hinter einer soliden Offense Line, warum er letztes Jahr die NFL im Sturm nahm, nämlich durch überragende Scrambles. 80yds in 8 Plays, obwohl die Kommentatoren sich gerade über die Qualität des Wembley-Spielfelds beklagen („das rutschige Feld macht es schwer für Runningbacks, ihren Grip zu halten“).

[18h35] Detroit 7, Dallas 0/Q1 0:54. Der Schlüsselspielzug war ein 87yds-Pass für Calvin Johnson auf einem quicken Slant: CB Carr ohne Safety-Hilfe, da sich der Safety vom Play-Action Move verarschen ließ. Johnson zündet den Nachbrenner, kommt aber um 3yds nicht in die Endzone. Den holt sich Johnson drei Plays später im 4th-Down: Lions spielen von der 2yds-Line aus (YES!), Johnson fällt mit dem TD in die Endzone.

[18h31] Jaguars kommen in London nicht in Schwung: Zwar gewinnen sie durch einen 14yds-Pass von Henne für Shorts + einem Defensive-Holding mehrere 1st-Downs, müssen dann aber doch wieder schnell punten.

[18h29] Beobachtung aus New England: Tom Brady ist IMHO heute durch diverse Dinge behindert. Auf der Bank wird er am rechten Arm verbunden. Auf dem Spielfeld starrt er bei der INT seinen Gronkowski so lange an, dass man bei einem Jüngling von einem „Rookie-Fehler“ sprechen würde.

[18h22] Erster Drive der Patriots gegen Miami: Interception gegen QB Brady. Miami übernimmt an der gegnerischen 40yds Line, und in 11 Plays walzt sich die Offense durch zum TD (QB Tannehill für WR Gibson, 4yds). Alarmierend bei den Patriots war schonmal, wie hoffnungslos der PFF-Liebling CB #32 Devin McCourty gegen den gegnerischen RB Clay aussah.

[18h18] SF 7, JAX 0/Q1. Lockerer Drive der 49ers, spielten einen 4th Down aus und in der Redzone sägt RB #21 Frank Gore sich durch. Große Lücken, die den Niners da aufgeblockt wurden; kaum Gegenwehr bei den Jags.

[18h16] Romo wird beim ersten tiefen Passversuch von DT #98 Fairley abgeschossen; Ball wird von WR #83 Williams erst aus dem Spielfeld gefangen – Punt.

[18h13] In Wembley hat das Wetter erstmal keine Auswirkungen; der Kickoff der 49ers wäre fast zum Debakel mutiert, als #10 Kyle Williams fumbelte, aber schnell selbst recoverte.

[18h07] Erster Drive der Lions scheitert an einem False-Start und anschließend überworfenem Stafford-Pass für #81 Calvin Johnson, der von CB #39 Carr gedeckt wurde.

[18h03] Kurz zu meinem Fahrplan: Detroit-Dallas ist erstmal mein persönliches Hauptspiel, nicht nur aus Gründen persönlicher Präferenzen, sondern auch, weil es eines der wichtigsten Spiele des Tages ist: Zwei mittelklassige NFC-Teams, die am Rande der Playoffs mitspielen. Mögliche Nebenspiele meinerseits könnten das Wembley-Spiel und das Pats-Dolphins Spiel sein.

[17h50] Guten Abend. Kurzes Essensintermezzo wird noch folgen, aber vorab wie immer die beiden Links als Einstimmung auf den NFL-Abend:

Statt Pro Bowl – Das All-Pro Team 2012

In guter alter Tradition wird die Spaßveranstaltung heute abend hier geflissentlich ignoriert. Stattdessen kommt nach den Awards von Seminole und korsakoff heute mein All-Pro-Team mit den Spielern, die mir in der Saison 2012/13 am besten gefallen haben. (Das All-Pro Team 2011/12 gibts hier.)

Offense

QB – Tom Brady (Patriots): Brady hat 2012 noch einmal deutlich gemacht, warum man manchmal davon spricht, daß ein Quarterback seine Offense „orchestriert“. Der Golden Boy hat den Term „no-huddle Offense“ auf ein neues Niveau gehoben. Auch die vielen Verletzungen von Spielern wie Gronkowski, Hernandez, Edelman oder Woodhead konnten Brady nicht einbremsen.

RB – Adrian Peterson (Vikings): Es macht einfach Spaß, Purple Jesus laufen zu sehen. Am Ende hat er den Rekord zwar nicht gekriegt, aber mit seiner großen Saison nach einem Kreuzbandriß dafür gesorgt, daß RBs wieder Kandidaten für die MVP-Trophäe werden können.

LT – Trent Williams (Redskins): Williams war mal 4th overall pick. Und das ist erst drei Jahre her. Trotzdem ist er kaum bekannt. In seinen ersten beiden NFL-Jahren hatte er unter Verletzungen und Sperren zu leiden. Aber dieses Jahr konnte auch der gemeine Fernsehzuschauer sehen, was der Shanaclan in ihm gesehen hat, als sie ihn anno 2010 zu ihrem ersten Draftpick in Washington gemacht haben. Die Königsdisziplin für Offensive Tackles ist immer noch das pass blocking, aber wie Williams im Laufspiel mit so großer Sicherheit den richtigen Gegner zum blocken gefunden hat, schnell mit seinen Füßen da war und sein Opfer mal eben umgestellt hat wie ein paar Legosteine, läßt pass blocking-Maschinen wie Jake Long vergessen.

LG – Mike Iupati (49ers): Iupati bildet mit seinem Nebenmann Joe Staley die beste linke Seite der Liga. Einen derart athletischen Spieler mit seinen körperlichen Ausmaßen (1,97m, 150kg) findet man sonst nur in Baltimores Haloti Ngata.

C – N.N. Den Center in meinem Team muß ich weglassen, weil mir niemand besonders aufgefallen ist. Die meisten pundits sagen, daß Minnesota John Sullivan am stärksten war. Aber wer kann das bei einem Center schon ernsthaft vom Fernseher aus entscheiden? (Warum wird das All-Pro Team eigentlich nicht von den Coaches gewählt, sondern nur von Journalisten, deren Argumention zwischen „TebowOMFG“ und „AsomughaÍstDerBesteCornerbackDerWeltDasSchreibtSchließlichJederVonJedemAb“ oszilliert?)

RG – Alex Boone (49es): Ich hab keine Ahnung, wo dieser Boone plötzlich hergekommen ist. Aber er spielt, als hätte er nie etwas anderes getan als in einer sehr komplexen Laufoffense erfahrene Profis vom Kaliber eines Vince Wilfork oder 400kg-Typen wie B.J. Raji aus dem Weg zu räumen.

RT – Sebastian Vollmer (Patriots): Vollmer ist hier nicht, weil er Deutscher ist, sondern weil er tatsächlich der beste Right Tackle der Saison 2012. Er ist auch einer der wenigen Offensive Tackles, die sowohl im pass- als auch im run blocking überragend sind. Vollmer ist in diesem Sommer Free Agent und wird sich ein Konto suchen müssen, daß auch achtstellige Beträge zuläßt.

TE – Rob Gronkowski (Patriots): Über Gronkowski muß man nicht viel sagen. Er hat Tight End zur neuen „in“-Position gemacht. Nur werden die anderen Mannschaften merken, daß 2,00m-Typen, die blocken können wie ein Offensive Lineman und Pässe fangen können wie ein WR, nicht mal eben im Supermarkt zu kaufen sind.

WR – Calvin Johnson (Lions): No brainer. Mit Abstand das Beste, was man in Sachen Receiving im Football bewundern darf.

WR – Vincent Jackson (Buccaneers): Jackson hat in seiner ersten Saison in Tampa gezeigt, daß er einer der wenigen WRs, die mit jedem QB gut aussehen.

WR – Reggie Wayne (Colts): Reggie Wayne ist das Beste, was Andrew Luck jemals passieren konnte. Beeindrucken an Waynes Leistung 2012 war vor allem, daß er mit Mitte 30 nochmal eine ganz neue Rolle gelernt hat. Unter Peyton Manning war er immer an der Seitenlinie angekettet, nun wurde er von OC Bruce Arians über das gesamte Feld geschickt und sah rechts, links, im Slot und auch überall anders aus wie neugeboren.

Defense

DE – Cameron Wake (Dolphins): Wake ist ein wenig untergangen, weil Miami keine großen Spiele hatte und auch keine Storylines produzierte. Aber Cameron Wake, der 2009 aus der CFL kam, muß sich spätestens nach dieser Saison vor keinem anderen Defensive End mehr verstecken.

DT – J.J. Watt (Texans): Spätestens wenn Watt, wie zu erwarten steht, nicht MVP der Saison 2012 wird, ist dieser MVP-Titel absolut wertlos. Watt hat eine dermaßen einzigartige Saison in einer unglaublichen Konstanz gespielt, daß er nicht nur DPOY und MVP werden sollte, sondern Sportler des Jahres. Weltweit. Ich habe noch nie einen Verteidiger in der NFL so dominieren sehen wie Watt 2012.

DT – Geno Atkins (Bengals): In den meisten anderen Spielzeiten wäre Atkins klarer Favorit auf den Title DPOY. Dieses Jahr reicht es nur für einen Platz im All-Pro Team. Atkins sieht aus wie ein typischer Defensive Tackle, hat aber eine quickness in den Füßen (und im Kopf), die sonst eher Slot Receivers an den Tag legen.

DE – Calais Campbell (Cardinals): Arizonas Campbell wird manchmal als J.J. Watt für Arme bezeichnet. Das ist Quatsch. Richtiger wär es zu sagen, Watt ist unbezahlbar und Campbell der Watt für die Warren Buffets. Oder so ähnlich. Was Campbell in dieser Saison mit seinen Mitleid verdienenden Gegenspielern gemacht hat, erinnerte an Puppentheater, wobei er die Fäden zog. Der Anker der Cardinals-Linie ist der Spieler, der mit seiner Kombination aus purer Kraft, tänzermäßigen Füßen und perfekter Technik am ehesten an Watt heranreicht.

OLB – Von Miller (Broncos): Miller wäre wie auch Campbell und Atkins locker DPOY geworden, wenn nicht Watt seine Saison von einem anderen Stern gespielt hätte (und natürlich Atkins und Campbell selber nicht so überragend gewesen wären). Was Miller neben der spielerischen Stärke an sich auszeichnet, ist seine Vielseitigkeit. Er gibt einen erstklassigen 43-OLB in Denvers Base-D und er gibt einen ebenso erstklassigen Pass Rusher als DE in Nickel- und Dime-Formationen.

MLB – Daryl Washington (Cardinals): Während anderswo noch darüber diskutiert wird, ob Bowman oder Willis der beste Linebacker der NFL ist, hat Arizonas 34-ILB Daryl Washington gespielt, als würde er vor jedem Spiel zwei Kilo Koks ziehen und meistens trotzdem kühlen Kopf bewahren. Falls das möglich ist. Zeitweise sieht er mit seiner Explosivität und seiner Aggressivität aus wie Ray Lewis zu seinen besten Zeiten. Manchmal sieht er auch einfach aus wie ein Irrer und rennt mit 200km/h in das falsche Loch. Aber wenn er wie in 95% aller Plays den richtigen Riecher hat, dann: Hals- und Beinbruch!

LB – NaVorro Bowman/Patrick Willis (49ers): Sie sind beide überragend. Ich könnte mich nicht für einen entscheiden, wenn ich es müßte. Was Bowman und Willis vor allem auszeichnet, sind ihre Fähigkeiten in pass coverage. Sie sind zwei der wenigen Verteidiger, die es auch mit den „neuen“ Tight Ends aufnehmen können.

CB – Antonio Cromartie (Jets): Der großmäulige Störenfried Antonio Cromartie stand fürchterlich unter Druck nachdem Darelle Revis auf IR gewandert ist. Zur großen Überraschung hat er dann aber tatsächlich gespielt wie ein waschechter franchise corner. Er ist auch ein Grund dafür, daß Trottelgesicht Owner Woody Johnson gerne Revis traden würde.

CB – Richard Sherman (Seahawks): Aus dem Nichts kam letztes Jahr der 5th-rd pick auf die Bühne und hat die etablierten WRs respektlos gegängelt.Der größte Trash Talker, den Stanford je hervorgebracht hat, ist mit seinem großen massigen Körper und seinem extrem physischen Stil ein Unikat in der NFL. Seit dieser Saison kann er es mit Jedem aufnehmen und auch sein selbst gewählter Spitzname Optimus Prime paßt wie die Faust aufs Auge, nachdem er Megatron bei drei Catches halten konnte.

S – Earl Thomas (Seahawks): Während Sherman und sein Gegenüber Brandon Browner immer eng am Mann sind und Verfolgungsarbeiten übernehmen, zieht Thomas in der Tiefe des Feldes seine Kreise und schlägt blitzschnell und instinktsicher zu, wenn mal ein Ball tief geworfen wird. Ein echter Seeadler eben. Wenn Thomas sich so weiter entwickelt, könnte er der legitime Erbe der aktuellen großen Safety-Generation sein. Er sollte sich dann aber bitte weniger häufig verletzen als Ed Reed, Troy Polamalu und Bob Sanders.

S – Ryan Clark (Steelers): Während Troy Polamalu mal wieder ständig verletzt war, hat sein Nebenmann Clark die Führung der secondary übernommen. Der unscheinbare Safety macht Sonntag für Sonntag das, was ein Safety eben so machen sollte: für Sicherheit sorgen. Die Pass-D Pittsburgh war nach NY/A die Nr. 2 im Land und ein großer Grund dafür war Clark.

Es sind sicherlich einige Spieler rausgefallen, einfach weil ich sie nicht oft genug gesehen hab. Es kann durchaus sein, daß beispielsweise Clevelands CB Joe Haden, Buffalos Safety Jairus Byrd oder irgendwer von Kansas City auch herausragend gespielt hat. Das hab ich aber leider nicht oft genug gesehen, weil – wer guckt schon Spiele von Cleveland, Kansas City oder Buffalo?

NFL Notizblock Woche 16 – Falcons@Lions

Wie immer zur Weihnachtszeit fand das letzte Monday Night Game der Saison 2012 an einem Sonnabend statt. Die Atlanta Falcons (12-2) wollten den Nr. 1 seed der NFC ein für allemal eintüten. Für die Hausherren der Detroit Lions (4-10) ging es nur noch darum, ob ihr Superstar Megatron den Rekord für Receiving Yards in einer Saison dem ewigen Jerry Rice entwinden kann. Was davon geklappt hat, nach dem Klick.

Um es kurz zu machen: es ist beides aufgegangen. Die Falcons gewannen und haben den no.1 seed sicher. Währenddessen brach Detroits Calvin Johnson schon eine Woche vor Toreschluß den Rekord aus der Saison 1995 und geht nun in Woche 17 auf die Jagd nach der ersten 2000-Yard-Saison eines WR.

Nicht nur wegen Megatrons 225 Yards hatte man gestern den Eindruck, daß diese Detroit Lions das beste 4-und-11-Team aller Zeiten sind. Wie so oft in dieser Saison konnte Detroit relativ problemlos mit einer der besten Mannschaften der Liga mithalten. Und das obwohl die Offense ohne die WRs Nr.2, 3 und 4 sowie ohne TE Brandon Pettigrew antreten mußten während auch die Secondary aufgrund von Verletzungen kräftig durchgeschüttelt wurde.

Die Schwachstellen der Lions waren mal wieder in der Redzone und bei den Ballverlusten zu finden. Fast 200 Yards betrug der Vorsprung in Sachen Raumgewinn; aber durch zwei Fumbles, eine Interception und nur Field Goals in der Redzone hatte Detroit in der einzigen wirklich wichtigen Statistik das Nachsehen: Falcons 31 Punkte, Lions 18.

Atlantas QB Matt Ryan auf der anderen Seite hat nochmal versucht, sich ins Gespräch um die MVP-Trophäe zu bringen. In ersten Halbzeit spielte der nahezu fehlerfrei und vervollständigte 15 von 16 Paßversuchen für 184 Yards und drei TDs. Die WRs Roody White und Julio Jones unterstützen Ryan dabei nach Kräften und sollten spätestens nach dieser Vorstellung allen potentiellen Playoff-Gegnern schlaflose Nächste bereiten.

Es gibt überhaupt kaum Mannschaften, die diesen Falcons überlegen sind. Die Mannschaft von HC Mike Smith wird trotz 13 Siegen nicht so recht ernst genommen von den pundits – zu Unrecht meiner Meinung nach. Die Defense ist grundsolide, hat einen sehr guten, erfahrenen und kreativen DC in Mike Nolan und playmakers on all levels.

Auf der offensiven Seite gibt es nur eine Schwachstelle, die auch gegen Detroit wieder zu Tage trat: das mäßige Laufspiel. Wenn man aber einen der besten QBs der Liga hat, zwei der besten WRs und Tony Gonzalezzzzzz, muß man vor niemandem Angst haben. Dazu jetzt noch der Heimvorteil in den Playoffs und der ganz große Durchbruch für Smith und Ryan liegt in Reichweite – sie müssen jetzt nur noch zugreifen.

Thanksgiving-Preview 2012

Das amerikanische Erntedankfest „Thanksgiving“ gehört zu den drei landesweit größten Feiertagen und zum Fest gehört seit Jahrzehnten auch American Football aus der NFL, respektive aus Detroit um die Mittagszeit und aus Dallas am frühen oder späten Nachmittag, je nach Ortslage. Seit einigen Jahren gehört ein drittes Spiel zur Primetime mit dazu, und in diesem Jahr erstmals auf einem großen Network, bei NBC.

Detroit Lions – Houston Texans

Ab 18h30 LIVE bei ESPN America und SPORT1+. Tape ESPNA morgen, 10h.

Der sportliche Wert eines interconference games ist für gewöhnlich mit „beschränkt“ einzuordnen, aber weil CBS (überträgt die Auswärtsspiele von AFC-Teams) per Vertrag eines der beiden Erntedankspiele bekommen muss, braucht es jedes Jahr wenigstens ein AFC-Auswärtsteam. Diesmal also die Houston Texans (9-1), die Mannschaft mit dem besten Record in der AFC, und nur ein weiterer Trupp in einem beinharten Spielplan, den die Detroit Lions in dieser Saison spielen müssen.

Die Detroit Lions (4-6) wirken auf Beobachter wie eine massive Enttäuschung, und es wäre gelogen, wenn ich nicht auch ein klein wenig mehr erhofft gehabt hätte. Stattdessen erlebt man als liebender und leidender Anhänger dieser Mannschaft eine Saison wie im Fegefeuer. Nicht Himmel, nicht Hölle. Aber du weißt nicht, was du erwarten kannst.

Die Lions 2012 sind eine Mannschaft, die in der Lage ist, Giganten wie Green Bay zu kontrollieren (wie am Sonntag, ich widerspreche dabei Kai Pahl vehement) und gleichzeitig beherrschte Spiele doch wieder herzuschenken imstande sind (wie am Sonntag).

Die Mannschaft ist nicht viel besser oder schlechter als in der vergangenen Saison, als sie ebenso monströse Comebacks und glückliche Fügungen brauchte, um Truppen wie Minnesota, Dallas oder Oakland noch einzufangen. In diesem Jahr wenden sich die Fügungen eher gegen Detroit. Die Freak-Show in Tennessee. Die Turnover gegen Chicago. Der Schiedsrichterfehlentscheid vom Sonntag. Fünf von acht Spielen innerhalb eines Scores verloren.

Es ginge trotzdem besser, aber u.a. Verletzungsprobleme sorgen seit Wochen dafür, dass die Kadertiefe nicht bloß bedenklich ausgedünnt wurde: Weil mit RB Best, WR Burleson, LT Backus oder S Delmas erfahrene Eckpunkte in wichtigen Mannschaftsteilen angeschlagen sind oder längere Zeit schon ausfallen, müssen die Youngsters ran – und die Youngsters sind noch nicht alle bereit (gell, Mr. Young sr.?).

Das soll QB Matthew Stafford nicht völlig in Schutz nehmen. Stafford spielt bei eigentlich guter Protection eine Achterbahnsaison mit zu großer Unkonstanz und zu vielen Würfen ins Leere, als dass man ihm eine wirklich gute Saison nachsagen könnte.

So hängt der Angriff – ich wiederhole mich – allein am Tropf des WRs Calvin Johnson, der erneut eine starke Saison spielt (65 Catches, 1117yds in 10 Spielen, Madden-Fluch harhar), aber der nicht alles im Alleingang zu tragen imstande sein kann. Die Jungspunde WR Young, WR Broyles und vor allem TE Pettigrew zeigen Ansätze, aber nicht mehr; man darf gespannt sein, wie lange sich das Front-Office dies anschauen wird. Young wird nach wiederholten disziplinären Problemen heute fehlen, und gilt als sportlich nicht allzu herber Verlust.

Für die schnellen 130kg-Bolzen in der Front Seven der Texans dürfte die Lions-Offense konzeptionell ein gefundenes Fressen sein: Man entsende dem DE J.J. Watt noch einen oder zwei Blitzer aus der zweiten Reihe hinterher, und Stafford muss schneller werfen, als dass Johnson 30m tief gelaufen sein kann oder einer der vielen Rohdiamanten um Broyles oder Pettigrew sich von seinem Gegenspieler gelöst haben kann.

Auf der anderen Seite bieten die Houston Texans eine Offense auf, die ästhetisch nicht mit Stafford/Johnson mithalten kann, aber dank des fehlerarmen QBs Matt Schaub und der seit Jahren hochgelobten Offensive Line methodisch wie der schleichende Tod über eine Defense drüberzufahren imstande ist.

Man sagt den Blockern im System von Head Coach Gary Kubiak nach, sehr intelligent zu spielen, was gegen die häufig stupiden Naturgewalten Suh, Fairley oder Avril nach etlichen ins Leere laufenden Pass Rushern und zwei, drei 20yds-Läufen für RB Arian Foster riecht. Und dann musst du im Backfield immer noch den „anderen“ WR Johnson, Andre Johnson, abdecken.

Klingt alles nicht gut für Detroit – aber: Die Defense ist diese Saison ein eher kleines Problem, hielt Detroit selbst gegen starke Angriffe meistens lange im Spiel.

Dennoch: Ich bin etwas besorgt. Nicht wegen einer potenziell weiteren Niederlage – die Playoffs hatte ich dieses Jahr von den Lions ebenso wenig „erwartet“ wie eine 11-5 Bilanz. Aber die Stimmung in Mannschaft, Trainerstab und auf den Rängen müffelt bereits dezent angefäult; die merkwürdigen, unpragmatischen Moves von Jim Schwartz in den letzten Wochen haben mich aufhorchen lassen. Irgendwo durch die riesigen Gläser des Ford Fields dämmert schon fin de siécle-Atmosphäre.

Ich hänge an Mannschaft wie Trainer genug, dass ich lieber ein weiteres Jahr mit Schwartz in den Abgrund fahre, als bereits diesen Winter eine erneute Generalüberholung in dieser Franchise zu sehen.

Also. In den letzten Wochen war die Halbwertszeit zwischen Opening Kickoff und ersten Buhrufen im Ford Field keine drei Spielminuten. Eine weitere Pleite wird in dieser eh schon verfallenden Stadt Detroit kein gutes Gegengift sein…

Houston mit 10.

Dallas Cowboys – Washington Redskins

Über die Rivalität

Cowboys-Redskins.
Redskins.

Ab 21h LIVE bei ESPN America und SPORT1+. Tape ESPNA morgen, 12h30.

Im zweiten Spiel des Abends sind zwei Franchises aus der traditionsreichen NFC East schon im Verzweiflungsmodus: Dallas (5-5) und Washington (4-6) kämpfen um den Abschluss in einer wie fast jedes Jahr engen Division – und beide sind nicht gerade Muster an Beständigkeit.

Bei den Dallas Cowboys nix Neues, mischt sich doch bei QB Tony Romo seit Jahren auf drei spektakuläre Augenausreißer ein hirntoter Moment – häufig genug in knappen Spielen, sodass Romo für die Massen bereits unverrückbar stigmatisiert bleiben wird. In dieser Saison hatte Romo auch schon seine „Romo“-Momente, allein: Es sind schon verdammt viele gedroppte Pässe und falsch gelaufene Routen von Seiten der Herrschaften WR Dez Bryant, WR Ogletree oder WR Austin mit im Spiel, die zu unnötigen Incompletions und Interceptions führen.

Die großartige Entlastung durch die Running Backs scheint Romo auch nicht zu bekommen, und selbst die in der Vergangenheit ordentlich Protection wackelte heuer mehrfach gehörig. Wird spannend, was Redskins-DefCoord Haslett an Druck Richtung Romo schicken wird – Haslett tendierte heuer häufig dazu, richtige Unwetter zu veranstalten. Verbrannt hat er dabei häufig bloß das eigene Scheunentor (a.k.a. Secondary).

Auf der anderen Seite gruben sich die Redskins nach einem verletzungsbedingten Zwischentief zuletzt wieder gut genug aus der Affäre, um sich in den Power-Rankings mittlerweile in der oberen Hälfte eingenistet zu haben (WAS war eine zeitlang #32 gewesen). Hauptverantwortlich dafür ist vor allem die stabilisierte Defense. Die Offense war immer schon gut.

Es ist jede Woche interessant mit anzuschauen, wie die Shanahans ihre hellste Freude daran haben, jede Woche ein paar neue atypische Plays für ihr Spielzeug, QB Robert Griffin III, zu auszuprobieren. Diese immer noch sehr college-affine Offense ist nicht bloß die hellste Freude zum Anschauen (ich kann mich am Pass für Santana Moss einfach nicht satt sehen), sie ist auch effektiv. Und die Redskins erleben dieser Tage auch das Phänomen „scrambelnder Quarterback macht die Running Backs effektiver“: RB Alfred Morris kann sich phasenweise durch wirklich große Löcher fräsen.

Ich habe am Montag mit einem Cowboys-Fan gesprochen, der überzeugt war, dass die OLBs Ware/Spencer gegen die Offensive Tackles der Skins bestehen können und gleichzeitig das Laufspiel abzuwürgen imstande sind. Voraussetzung: Einer der Inside Linebackers müssen RG3 vom Scrambeln abhalten.

Die Sache hat einen Haken: Mit „Inside Linebacker“ war Ernie Sims gemeint, was Geister der Vergangenheit ruft. Ernie Sims ist ein phantastischer Athlet, aber auch einer, der instinktiv sehr aggressiv auf simple Moves reagiert… missed tackle, ick hör da was trappsen.

Schließlich wird über das Duell Griffin vs. Dallas-Secondary zu reden sein; Dallas’ Defense spielt eine IMHO nicht so üble Saison, aber wenn Ware und Konsorten zu spät durchkommen oder Griffin zu schnell aus der Pocket entfleuchen kann, rieche ich die eine oder andere tiefe Bombe, die aus dieser Partie eine Wundertüte machen könnte.

Dallas trotzdem mit 3.

New York Jets – New England Patriots

Über die Rivalität

Jets – Patriots.

Ab 02h LIVE bei ESPN America und SPORT1+. Tape ESPNA morgen 15h.

Das in der Vergangenheit dem NFL-Network gehörende Thanksgiving-Nachtspiel wird diesmal erstmals von NBC übertragen, und es soll tatsächlich der olle John Madden im Intro die Teams einführen, sowie eine Madden-Trophy für den Spieler des Spiels reaktiviert werden.

Der sportliche Thrill zieht sich bei diesen beiden Teams diesmal insbesondere aus der Tatsache, dass die Jets mit ihren sehr lauten Head Coach Rex Ryan in der Vergangenheit fast immer in der Lage waren, gegen New England über ihre Verhältnisse zu spielen und das Derby eng zu halten.

So auch vor fünf oder sechs Wochen, als die Gang Green ihr womöglich bestes Saisonspiel lieferte und um ein Haar ein kolossales Upset aus Foxboro mitgenommen hätten. Rezept damals: QB Mark Sanchez (!) mal machen lassen – gegen die altbekannten Abwehrprobleme der Pats ein probates Mittel.

Nun haben die Patriots seither den Hünen CB Aqib Talib aus Tampa eingekauft, um mit dessen Manndeckerqualitäten eine aggressivere Defense inklusive Blitzeinschlägen aus der zweiten Reihe spielen zu können – und wenn Sanchez eines nicht leiden kann, ist es eine unruhige Pocket. Sanchez neigt dann schnell dazu, jeden Pass zu überwerfen, respektive seine Tight Ends zu suchen, egal wie gut die Herren Keller und Co. gedeckt sind.

New Englands Angriff ist primär deswegen im Fokus, weil er ohne die beiden Tight Ends Gronkowski/Hernandez antreten muss (Gronkowski verletzte sich am Sonntag beim Blocken für einen Extrapoint – Sachen gibt’s!). Insofern für die Patriots ein Problem, weil sie zwar den Ausfall eines der beiden kennen, aber ewig nicht mehr ohne beide angetreten sind.

Da wird viel Kurzpass-Stuff auf die Herrschaften Welker/Woodhead/Edelmann zukommen, plus eine wenigstens halbwegs adäquate Vorstellung von WR Brandon Lloyd auf den Abwegen ins Herz der Secondary hinein gefragt sein.

Das ganze spielt den Jets natürlich in die Karten, und bei allen Sorgen, die man in New York derzeit hat, so waren Ryan und seine Coordinators doch häufig in der Lage, QB Tom Brady mit wilden Aufstellungen mehr unter Druck zu bringen, als ihm lieb war.

Für New England kommt es also darauf an, die schnellen Pässe früh im Spiel an den Mann zu bringen, um ihre jungen Running Backs ins Spiel zu bringen, und somit noch im ersten Viertel eine glaubwürdige, methodische Offense aufbieten zu können, um die Jets vorsichtiger werden zu lassen.

New England mit 7.

Was verdient ein NFL-Spieler? Oder: warum man tatsächlich immer das Kleingedruckte lesen sollte

Michael Vick unterschreibt 100-Millionen-Dollar Vertrag! Calvin Johnson verlängert für 8 Jahre! Mark Sanchez bekommt $41Millionen für drei Jahre! Das waren die wildesten Headlines in den letzten beiden Free-Agency-Perioden. Weiterlesen

Sezierstunde II: Detroit Lions 2012

Der erste Part der Offseason 2012, die Free Agency, war jahrelang eines der Hauptprobleme der Detroit Lions. Zu häufig wurden wichtige Spieler aus Gründen der Geiz ist geil-Mentalität von dannen geschickt. Nicht so dieses Mal. Vor einem Monat schrieb ich:

[…] dürfte diese Offseason für GM Mayhew die Meisterprüfung darstellen. Sofern die sportliche Leitung der Lions nicht völlig ins Klo greift, werden die Lions auf Jahre ein Thema bleiben.

Der Klogriff blieb aus. Die Lions setzten DE Cliff Avril die Franchise Tag auf und stopften somit vorsorglich ein potenzielles Loch. Für den/die/das Draft ist das insofern von Bedeutung, weil damit der Fokus von der Defensive Line weggerichtet werden kann.

Die zweite wichtige Vertragsverlängerung war jene von MLB Tulloch, der erstaunlicherweise null Beachtung auf dem Transfermarkt bekam. Womit die beiden wichtigsten Puzzleteile in der Defense geklärt wären – CB Wright unterschrieb in Tampa für einen horrend teuren Vertrag; Detroit hatte nie eine Chance (wollten sie überhaupt?).

In der Offense wurde der erfahrene Recke LT Jeff Backus gehalten, obwohl aus San Diego LT McNeill geholt wurde. Ein völliger Paradigmenwechsel für Detroit, das noch vor kurzem den soliden Backus ziehen lassen hätte, um den billigeren McNeill als Ersatz auflaufen lassen zu können. Dabei liest sich Backus’ Bewertung von Pro Football Focus, wenn fit, exzellent, wie das Blog The Lions in Winter herausarbeitete.

Heimlich, still und leise unter Dach und Fach gebracht: Backup-QB Shaun Hill (2010/11 ein verlässlicher Mann) gehalten. Und ein weiteres potenzielles Loch stopfte sich vorerst von allein: RB Best bekam von den Doktoren einen Freifahrtschein, es trotz aller Gehirnerschütterungen noch einmal probieren zu dürfen; Bests Historie besagt jedoch: a) aus gesundheitlicher Sicht wäre ein Rücktritt wohl trotzdem die bessere Entscheidung; b) Best wird ohnehin in Kürze wieder eine Gehirnerschütterung erleiden.

Spektakulärste und wichtigste Aktion war die Vertragsverlängerung von WR Calvin Johnson (8yrs, 132M, 60M guaranteed). Womit zwei Fliegen auf einen Schlag abgeklatscht worden wären: Die wichtigste Figur in der Offense auf Jahre gebunden und ein potenzielles Störfeuer für die kommenden Saison frühzeitig ausgetreten (Johnson wäre 2013 Free Agent geworden und unter der Franchise Tag mindestens 28M teuer geworden). Calvin Johnson ist charakterlich wie sportlich das Aushängeschild der Lions. Ein Wide Receiver als absoluter Superstar des Teams und das ohne die Zicken eines Moss oder Owens.

Die Lions hätten erstmals seit längerer Zeit einen Rückschritt machen können; das passierte bislang nicht. Die wichtigsten Figuren wurden behalten. Für den Draft bedeutet dies: Es könnte tatsächlich ein Defensive Back wie Jenkins oder Gilmore in Runde #1 werden.

Detroit Lions in der Sezierstunde

Für die Detroit Lions war 2011/12 trotz einiger Turbulenzen ein sehr gutes, weiteres Jahr des Aufbaus. Mit 10-6 Siegen und einem Ranking im oberen NFL-Drittel in fast allen wichtigen Statistiken zeigt der Trend ein weiteres Jahr steil nach oben, und nach einigen knappen Niederlagen gegen die NFL-Elite brach man im Wildcard-Spiel bei den extrem heimstarken New Orleans Saints erst im Schlussviertel einer auf mehreren Ebenen unglücklich verlaufenen Partie ein. Konzeptionell ist die Mannschaft 1A zusammengebaut: Via Draft, mit einigen ergänzenden Einkäufen vom Transfermarkt. Ohne die vielen Nebengeräusche abseits des Spielfelds wären die Lions ein gigantischer Sleeper.

Obwohl ein Running Back nach dem anderen auf die Injuried Reserve wanderte und die Offensive Line weiterhin nicht überzeugend aussieht, scorte die Offense 502 Punkte. QB Matthew Stafford ist erst vor wenigen Wochen 24 geworden, spielt aber trotz einiger etwas holpriger Phasen über diese Saison abgewichster als man es von einem Grünschnabel seiner Kategorie erwarten würde und sorgt ästhetisch mit für die ansprechendsten Pässe, die derzeit in der NFL geworfen werden. Ein Tribut geht an den atemberaubenden WR Calvin Johnson (inklusive Playoffs 108 Catches, 1892yds, 18 TD), dessen Touchdown in Dreifachdeckung gegen Dallas einer der Spielzüge der Saison war.

Stafford und Johnson bilden, wenn in Hochform, das Kernstück eines ansonsten auf wackeligen Beinen stehenden Angriffs, der so fokussiert auf zwei Starspieler ist wie kaum ein anderer ligaweit. Die Offensive Line müffelt auch im Jahr drei der Regentschaft Schwartz/Mayhew nach Schweizer Käse und bietet nicht mehr als den nötigsten Schutz; weil zudem die langjährigen Recken Backus und Raiola schön langsam in die Jahre kommen, wird man an einer baldig anstehenden Firschzellenkur nicht mehr lange vorbeidiskutieren können.

Die Armada an Wide Receivers und Tight Ends liest sich abseits Johnsons und vielleicht noch TE Brandon Pettigrews etwas suspekt. Der junge WR Titus Young von Boise State ist fähig zu großartiger Artistik, gewinnt jedoch auf physischem Weg keinen Zweikampf mit einem Backup-Defensive Back. Ersatz-TE Tony Scheffler und die Konsorten der Güteklasse Burleson sind zwar jederzeit zu Catches in der Lage, profitieren jedoch optisch nur allzu schwer von der Bündelung der Abwehrkräfte auf Johnson.

Das alles passiert in Detroits Angriff ohne Laufspiel. Der junge RB Mikel LeShoure kommt frisch von der IR, während der als Notnagel verpflichtete Kevin Smith ansprechende Ansätze zeigte, jedoch letzten Endes ohne nachhaltigen Eindruck blieb. Ein herzerweichender Fall ist jener vom ehemaligen Erstrundenpick Jahvid Best: Best ist kein besonders effizienter Ballträger, jedoch eine famose Waffe für Big Plays in Situationen mit Kurzpässen auf den Running Back. Nach der jüngsten schweren Gehirnerschütterung steht Best allerdings schon nach zwei NFL-Saisonen vor dem Karriereende, womit der Lions-Offense eine wertvolle zusätzliche Dimension abhanden käme.

Trotz aller Probleme erinnert diese Offense, wie ich mehrfach schrieb, an eine „light“-Version der Saints. Um annähernd diese Produktivität an den Tag legen zu können, müssen sich mit dem aktuellen Personal jedoch alle einzelnen Bausteine an ihrer Leistungsgrenze bewegen.


Ambivalenter, aber auf solideren Beinen stehend, sieht die Defense aus, die getreu der Lebensphilosophie von Schwartz/Cunningham auf einer mächtigen Defensive Line (Kosenamen „Silver-Crush“) fußt. Prunkstück ist dabei der Defensive Tackle mit dem Ruf einer Horde Cholerablasen, Ndamukong Suh, dessen aggressives und recht spekulativer Spielstil Aufsehen zur Genüge erregt. Wenn auf der Höhe, dominiert Suh mit Nebenleuten wie Williams oder Fairley sämtliche Innenseiten von Offensive Lines.

Die Knackpunkte liegen bei den Ends: Avril möchte als Free Agent den Vertrag seines Lebens. Weil man Avril aber zu einem gewissen Grad nachsagt, Produkt des Systems zu sein, könnten sich die Verhandlungen schwierig gestalten und am Ende zwei Parteien als Verlierer auseinander gehen.

Avrils Backups, Lawrence Jackson und der reine Rusher Willie Young, gelten als gefährlich, aber nicht ausreichend durchhaltevermögend. Und dann ist da noch der Eckpunkt „Roughing the quarterback“ Vandenbosch, der die gelben Flaggen anzuziehen scheint. Vandenbosch wird nicht mehr allzu lange spielen und musste trotz lichter Momente zuletzt immer mehr Kritik einstecken. Ist es möglich, dass die Lions tatsächlich ein weiteres Mal gezwungen sind, einen Defensive Liner in der ersten Runde zu draften?

Nicht ausgeschlossen. Denn obwohl die Secondary äußerst suspektes Tackling zeigt und zudem mit Wright, McDonald und Harris drei „Stützen“ auslaufende Verträge haben, wurde Schwartz bisher noch nicht dabei gesichtet, sich beim Gedanken an einen Defensive Back einen runterzuholen. Die Tendenz geht eher dahin, die wichtigsten Free Agents zu halten, und die immer noch jungen Athleten um S Delmas, CB Houston und CB Smith zu entwickeln.

Von der „Schlüsselposition“ zur „Friss-oder-stirb“-Position wird die Deckung erst dann, wenn tatsächlich mehrere Spieler abwandern. In diesem Falle gewänne ein potenzieller Neueinkauf und mit seiner grenzwertigen Spielweise durchaus in diese Mannschaft passender Schwartz-Spezl wie CB Cortland Finnegan automatisch an „Lieferantenmacht“ im Vertragspoker.

Nicht minder wertvoll als ein kleines qualitatives Upgrade in der Secondary dürfte die Weiterverpflichtung vom MLB Stephen Tulloch sein, dem die Lions im Sommer miserable Vertragsbedingungen aufoktroyieren konnten. Tulloch wird eine exzellente Saison 2011/12 nachgesagt und gewinnt noch mehr an Wert, weil die Defensive Line durch ihren Fokus auf Pass Rush durchaus nicht die sicherste gegen Draws und überhaupt Laufspiel ist.


Da abseits des Glamours durchaus auch der auslaufende Vertrag des Backup-QBs Hill ein Thema wird und die Lions nicht über den allergrößten Spielraum in Sachen Salary Cap verfügen, dürfte diese Offseason für GM Mayhew die Meisterprüfung darstellen. Sofern die sportliche Leitung der Lions nicht völlig ins Klo greift, werden die Lions auf Jahre ein Thema bleiben.

Weitere unkontrollierbare Faktoren wie Verletzungspech mal außer Acht gelassen, scheinen mir die Detroit Lions darüber hinaus bloß ein oder zwei Draft- oder Transfercoups davon entfernt zu sein, zu den ganz heißen NFC-Superbowlfavoriten zu zählen.

Business as usual

(Achtung, Spoiler!)

Neben Denver und Arizona gibt es in dieser Saison noch eine dritte Mannschaft, die still, heimlich und leise Krimi für Krimi für sich entscheidet und eine Serie an großen Comebacks lanciert. Die Rede ist von den Detroit Lions. Viertes Viertel in Oakland, die Offense nach ordentlichem Beginn schon seit einer Handvoll Drives völlig aus dem Rhythmus und QB Matthew Stafford mit „misfire“ auf „misfire“ auf „misfire“. Die Raiders gehen nach einem 2yds-Fumblereturn durch OLB Aaron Curry 26-14 in Führung, ehe Raiders-Coach Hue Jackson bizarrerweise auf die logische 2pts-Conversion verzichtet (Coach-Fehler der Woche?) und den P.A.T. kicken lässt.

Die Lions marschieren strafenunterstützt (exzessives Feier, PI) in knapp zwei Minuten das Feld runter, weil die Raiders TE Pettigrew und WR Calvin Johnson nur halbherzig abdecken. 5:36, 4th and 2 nahe der GoalLine. Stafford mit einem Scramble, lässt einen sehr passiven Linebacker aussteigen und taucht mit Kopf voraus zum 1st down. Der fußlahme QB Stafford lässt einen Linebacker aussteigen! Ein Play später der TD auf einer simplen „Out“-Route für WR #16 Titus Young. Nur noch 27-21.

Oakland füttert mit immerhin zwei 1st downs die Uhr, riskiert 2:32 vor Schluss die tiefe Bombe auf WR Chad Schilenz. Der Ball fällt zu Boden. Oakland mit dem Punt an die DET 2yds-Line! Es folgt die CalvinJohnson-Freakshow. Fassungslos, wie der prototypisch gebaute Wide Receiver Johnson in der Raiders-Secondary immer wieder allein auf weiter Flur ist. Johnson macht auch die hochwertigen Catches. Ein 21yds-Catch an der linken Seitenlinie zum Beispiel. Danach folgen: 48yds Catch in der Mitte unter Begleitschutz von CB, S und LB. 17yds-Pass Interference gegen Johnson. Und 0:43 vor Schluss der TD nach einer 6yds-Bombe („Bombe“ ist ruhig wörtlich zu nehmen) über die Spielfeldmitte, wobei die Wiederholungen jeweils chaotische Zustände im Defensive Backfield der Raiders vermuten lassen.

Es sind die Momente, in denen die Raiders zudem zu kapieren beginnen, welche Chance da mit der nicht versuchten 2pts-Conversion verpasst wurde. Oakland nimmt den Ball mit zwei Timeouts auf und bewegt den Ball. 0:21 vor Schluss reißt DE Cliff Avril Palmer fast den Wurfarm aus. Es ist die Aktion des Spiels, dass Palmer dabei – im Gegensatz zu Stafford bei besagtem Fumble-TD – den Ball festhalten kann.

Oaklands Wunderkicker Janikowski mit dem 65yds-Rekordversuch bei auslaufender Uhr. DT Ndamukong Suh blockt, Game over, Lions mit 9-5 nur noch einen Steinwurf von den Playoffs entfernt.


Keine Zweifel: Nach Jahren des Niedergangs und der immer noch tieferen Tiefpunkte eine geradezu bewundernswerte Mentalität, selbst im aussichtslosen Moment nicht aufzustecken und den Sarg mit besten Dankesgrüßen zurückzuschicken. Es war das vierte Comeback der Lions in diesem Jahr nach mindestens 13pts-Rückstand, ein Jahr nach den so zahlreichen engen Niederlagen und trotz der toastbrotartigen Eindimensionalität in der laufspielresistenten Offense mit ihren fuffzich Shotgun-Pässen für Stafford pro Spiel.

Trotzdem kommen wir nicht umhin, das Thema „Glück“ zu thematisieren. Die Football Outsiders definieren prinzipiell drei Kategorien unter „Glück“:

  1. Spiele in Spielen mit einem Score Differenz
  2. Fumbles
  3. Pythagoreische Erwartung

Die Lions 2010/11 waren „unglücklich“. Sie nahmen zwar 50% der kullernden Bälle (auch „Fumbles“ genannt) auf, verloren aber sieben von elf Spielen mit einem Score Differenz (die vier Siege waren jene Siegesserie zum Ende der Saison, die das angebliche „Momentum“ für 2011/12 brachten) und lagen mit ihrer 6-10 Bilanz sagenhafte 1,8 Spiele unter der pythagoreischen Erwartung (diese war 7,8 Siege).

Die Lions 2011/12 haben mit 58,5% etwas mehr „Fumble-Glück“, aber die wichtigeren Stats sind: Fünf von sieben Spiele mit einem Score Differenz gewonnen (nur gegen San Francisco und Atlanta) verloren und aktuell 0,46 Spiele über ihrer pythagoreischen Erwartung. Man mische die vielen unwahrscheinlichen und zumindest in zwei Fällen vom Gegner mitunterstützten Comebacks rein und enthalte sich einer Prognose für die letzten beiden Spiele gegen die aufkommenden San Diego Chargers und die Green Bay Packers.

Die Playoffs sind zum Greifen, aber sie sind noch nicht eingetütet.

Kurzer Prozess: Wenn Catch nicht gleich Catch ist

Die Medien konzentrierten sich auf die Rangelei der Coaches, aber eine bedeutendere Geschichte des gestrigen Spiels Lions – 49ers war der Touchdown Nate Burlesons zum zwischenzeitlichen 19-15.

Video bei NFL.com.

Ein Catch, der frappierend an den mittlerweile berühmt-berüchtigten Catch Calvin Johnsons vor einem Jahr in Chicago erinnerte:

Dass gestern im Unterschied zum vergangenen Jahr der Touchdown gegeben wurde, lässt die Frage aufkommen, was denn nun ein Catch ist und was keiner. Die „finishing the process of the catch“-Regel ist in Extremfällen wie diesen beiden Beispielen Glückssache in der Regelauslegung.

Denn der einzige nennenswerte Unterschied zwischen Johnson und Burleson: Während Johnson den Ball auf den Boden legte, verursachte bei Burleson das Abfangnetz der Fieldgoal-Stangen die zuerst angenommene Incompletion. Hat dies die Lions in diesem Moment gerettet?

Die Regel gehört abgeschafft. ASAP auf die Streichliste.

Monday Night Football, #5/2011 Preview: Detroit Lions – Chicago Bears

Zu den Eigenheiten der NFL-Saison 2011/12 gehört bislang auch, dass im hohen Norden der Vereinigten Staaten das einst zahme Schnurren eines Bettvorlegers zu wildem Gebrüll mutiert ist. Es wird bereits von der Reinkarnation der Cardiac Cats gesprochen. Was in der Woche nach dem sensationellen Comebacksieg in Dallas die Detroit Lions umgibt, ist BUZZZZZ mit mindestens fünf „z“.

Nach zweieindrittel Vierteln im Cowboys Stadium wähnte ich die Lions dreieinhalb Meter tief unter der Erde, regungslos und bereits deutlich streng riechend. Die Sargnägel waren schon eingeschlagen und der Privatjet zum Detroiter Zentralfriedhof bereits gechartert. Aber die Lions zuckten noch. Völlig faszinierend, wie aus der anämischen Mannschaft der ersten Halbzeit plötzlich ein Team wurde, das die harten Nippel rausstellte, sich selbst von hirnamputierten Strafen wie Suh nicht einschüchtern ließ und wie weiland Lazarus zurückkam, nicht zuletzt dank der diesmal mehr als zwei obligatorischen Bolzen Tony Romos. Das war mental eine Riesenleistung. Respekt und Kompliment. Dadurch sollte das Ego hinsichtlich der Chicago Bears nochmal ordentlich aufgepeppt worden sein, falls dies nach dem ersten 3-0 Start seit sich „Jimmy’s World“ Heroinpfeifen in seine Spindelarme jagte, überhaupt noch möglich war.

Nun wartet mit Monday Night Football eine noch größere Bühne, eine Bühne, die dem Großteil der jungen Mannschaft noch nicht geläufig ist – und Achtung: die Geschichte ist voll von Mannschaften, denen das Lampenfieber in solchen Momenten einen Streich spielte.

Wenn Detroit die Eier bewegt

Bisschen zittrige Finger schien zumindest QB Matt Stafford bereits am letzten Sonntag bei seinem Homecoming nach Dallas zu haben, feuerte einige sehr deplatzierte Bälle links und rechts und über seine Receiver drüber. Als eine zweite Entschuldigung kann die schwache Protection für Stafford herhalten, die meistens wenig Zeit zum Überlegen und Werfen gab. Das lag großteils an der übermannten Offensive Line.

Jetzt kommt um DE Julius Peppers mit Chicagos Front Four eine Schönspiel-Truppe daher, die je nach Windrichtung ein Feuerwerk abbrennt oder blass wie holländischer Käse bleibt, zuletzt gegen Carolina in der Geschmacksrichtung „farblos“. Was man diesmal vorgeworfen bekommt, weiß man nicht: Detroit spielt in einem Dome. Dort weht kein Wind.

Die Offense dürfte nicht allzu schwer lesbar sein: Laufspiel wird es von Lions-Seite nicht viel geben, die Pass-Stafetten sind bekannt, mal kurz auf TE Brandon Pettigrew, mal über die Mitte auf WR Titus Young oder WR Nate Burleson, bei 3rd down und in der RedZone und immer wenn ein entscheidender Spielzug ansteht auf WR Calvin Johnson. Die Probleme sind eher natürlicher Art: Detroits Ballfänger sind physischer Wunder, ungemein schwer zu verteidigen. Ein Johnson beispielsweise pflückt selbst diese stundenlang in der Luft hängenden Bälle (vulgo: „jump balls“) mit zwei Kletten am Hals herunter, da hätte jeder Apfelbauer seine hellste Freude daran.

Chicago wird dem Lovie Smiths „Cover-2“-Deckung entgegenschmeißen, ein gegen Play-Action anfälliges Schema, das auf die Deckungskünste seiner Linebackers (Urlacher: Check, Briggs: Check) und quicke, sehr disziplinierte Safetys baut. Brandon Meriweather – „disziplinierter Safety“? My ass.

Wenn Chicago die Eier bewegt

Mike Martz hat sich in den letzten eineinhalb Jahren als launische Diva beim Playcalling erwiesen: Die Saisons stets mit Passorgien begonnen, dann die Notwendigkeit von Entlastung erkannt – und am vergangenen Sonntach gegen Carolina 17 Pässe angesagt. Ganze siebzehn Passspielzüge? Man könnte insistieren, dass Carolinas Abwehr förmlich zum Drüberlaufen einlädt, aber diesen Schachzug hatte ich Martz nicht mehr zugetraut.

Wenn man sich vor Augen hält, dass Martz mit der fürchterlichen Offensive Line mit einem nicht zu unterschätzenden Problem leben muss, riecht die Strategie für das Spiel heute Nacht auch ganz dufte nach einem bevorzugten Einsetzen von RB Matt Forté, zumal Detroits Defensive Line trotz der schwachen Vorstellung in Dallas als eine der dominanteren im Verlangen nach QB-Hits gilt – und putzigerweise dabei immer wieder auf Handoffs zu Running Backs vergisst. Wird Martz an dieser Einladung gepflegt vorbeicoachen? Ich glaube nicht, nicht nach dem Panthers-Spiel. Draw play und counter running, ick hör euch trappsen.

Und wenn wir bei Forté sind: Gegen aggressive Defensive Lines bietet sich nichts mehr an als quicke Swing-Pässe lateral raus zum Running Back. Nicht zufällig eine der großen Stärken Fortés. Martz wäre fahrlässig, diese Option zu meiden.

QB Jay Cutler dürfte für die ganz tiefen Bälle nicht genügend Zeit bekommen, weswegen ich trotz „Big Arm“ Cutler eher an ein Stakkato an schnellen Würfen kombiniert mit recht viel Laufspiel über Forté/Barber glaube, was bei erfolgreicher Implementierung früher oder später per se die Gelegenheit bieten wird, ein oder zwei ganze tiefe Bälle in das Herz der Secondary zu pfeffern.

Ausblick

Ein Spiel mit dem look’n’feel einer Coming Out Party der Detroit Lions, die auf ein lautes, aufgeregtes Ford Field bauen werden und hoffen müssen, nicht allzu stark vom Hype übermannt zu werden. Es sieht eigentlich vieles gut aus, inklusive der Hoffnung, dass Mike Martz’ Ego im Spiel gegen seine alte Mannschaft in ein paar hirnlosen Playcalls resultieren könnte.

Andererseits sind die Chicago Bears immer noch eine gefährliche Mannschaft, die bei entsprechend enthemmter Defensivleistung, vor allem der Front Four, jederzeit imstande sein sollte, Detroits Offensivspiel abzuwürgen und mit dem Ball in den eigenen Händen mit langen Drives die Halle zum Abkühlen bringen könnten.

Ich halte Chicago für prädestiniert, Detroit Schwächen in Angriff und Verteidigung offenzulegen, solange nur die Line um DE Peppers endlich in Schwung kommt und RB Forté intelligent eingesetzt wird. Leichter Vorteil Chicago in diesem Spiel.

Megatron

Detroits WR Calvin Johnson gehört zu den besten und leisesten aktiven NFL-Profis, Wiedererkennungswert trotz Spitzname „Megatron“ abseits des Spielfeldes gleich null. Das erstaunt: Top-WR der jüngeren Vergangenheit – Güteklasse Owens/Ochocinco/Keyshawn – waren fast durch die Bank gleichzeitig selbstverliebte Egozentriker, deren Eigeninszenierung teilweise sämtliche Grenzen des guten Geschmacks sprengte. Calvin Johnson ist nicht so. Vermutlich würde man Calvin Johnson auf der Straße nicht mal erkennen, sondern für irgendeinen etwas größer gewachsenen jungen Mann halten. Damit ist der Mann auch so einer meiner teamunabhängigen persönlichen Favoriten: Gesegnet mit allen Talenten dieser Erde, Performer in der obersten Schublade und trotzdem bescheiden wie ein Bergbauernmütterchen auf 1730m Höhe.

Grantland mit einer Würdigung des besten Spielers der Detroit Lions: „All Hail Megatron – The Rise of Calvin Johnson“.

Mit den Detroit Lions die Sonne anlachen

Matthew Stafford Detroit Lions NFL 2011/12

Wenn die Hoffnungen auf einer Schulter ruhen... Matthew Stafford - ©Flickr/Hawk Eyes

Für die morgendliche Lektüre am heutigen Samstag halten die Detroit Lions her, das Team, das nun jahrelang wie kein zweites für die Niederungen der NFL stand. Statt König der Tiere eher der Bettvorleger. Seit dem Tiefpunkt der sieglosen Saison 2008/09 ist allerdings ein radikaler Schnitt gemacht worden, die Besitzer-Familie Ford hat sich dazu durchgerungen, dem neuen GM Martin Mayhew, einem aus dem eigenen Haus, das Vertrauen zu schenken – und Mayhew entzückt mit seiner Arbeitsweise immer besser.

Erste Amtshandlung war die Einstellung von Head Coach Jim Schwartz aus Tennessee. Schwartz gefällt mir als Pragmatiker außerordentlich, ein Mann, der gnadenlos seinen Glauben an die Macht von Zahlen und Statistiken lebt und danach handelt – und sich mit Scott Linehan und Gunther Cunningham zwei erfahrene Coordinators an seine Seite geholt hat.

Und Schwartz hat die größte Herkules-Aufgabe bereits gemeistert: In Detroit herrscht nicht mehr Depression, sondern Aufbruchstimmung. In diesem Sommer ist die Stimmung nach zahlreichen geglückten personellen Transaktionen plötzlich so enthusiastisch wie ich es bisher noch nicht gesehen habe. Enthusiasmus basierend auf einer Unzahl an jungen, hohen und eigenen Draftpicks in den letzten Jahren – und einigen klugen Einkäufen.

Die Offense hängt an Staffords Schulter

Vor zwei Jahren wurde unter Linehans Aufsicht damit begonnen, eine nicht nur in Spuren vertikale Offense aufzuziehen – und dafür wurden neben dem vorhandenen Personal nach und nach die passenden Spieler geholt.

Recht unangetastet blieb die Offensive Line, die nicht zu den besten der NFL gehört, aber ihre Sache gerade gut genug macht, um nicht als größtes Sorgenkind durchzugehen. LT Jeff Backus oder C Dominic Raiola sind Spieler, denen man nichts anderes als vollste Bewunderung entgegenbringen kann. Beide spielen seit Äonen in dieser Stadt und haben alle Niederungen durchgemacht und trotzdem immer nach Möglichkeit ihre Leistung geliefert. Das ist schwerer als man glaubt und diese wenigen Zeilen an Anerkennung von Herzen verdienend.

Knackpunkt in der Offense ist der Quarterback. „Vertikale Offense“ bedeutet: Der QB muss über einen starken Arm verfügen. Den hat der junge Matt Stafford, Top-Pick von 2009, der brillante Ansätze gezeigt hat und in der Lage ist, eine Offense blitzschnell mit kilometerlangen Pässen das Feld hinunterzutreiben. Allein: Stafford verbrachte bisher mehr Zeit im Krankenstand und es bestehen ernsthafte Zweifel, ob die Schulter im Wurfarm überhaupt halten wird.

Backup Shaun Hill zeigte bemerkenswerte Courage und hielt die Lions als Third Stringer oft genug im Spiel, aber mit Hill spielt die Offense um einiges blasser.

Die Anspielstationen sind breit gestreut: Der „Megatron“ genannte WR Calvin Johnson ist der athletische Idealtyp eines Wide Receivers und ein deep threat vor dem Herrn. Zu Superstar Johnson gesellen sich Nate Burleson und der quicke slot receiver Titus Young, ein Rookie. Für die Mitteldistanzen hat sich zuletzt TE Brandon Pettigrew nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten angeboten. Insgesamt eine ordentliche Pass-Armada, der vielleicht etwas die nötige Tiefe (im Sinne von Kadertiefe) abgeht.

Im April sorgte das Front Office mit der Einberufung von RB Mikel LeShoure für Augenbrauenrunzeln. Der zweite Gedanke war dann aber: Geil! LeShoure ist ein brachialer Back, der gerne mit dem Kopf durch die Wand (sprich: über die Mitte des Spielfelds) rennt, während der im Vorjahr hoch gedraftete RB Jahvid Best, ein ungeduldiger Running Back, mehr der burner ist. Solche grundverschiedenen Angriffsoptionen bieten oft nicht nur ästhetischen Genuss beim Zuschauen, sondern aufgrund ihrer Variabilität auch viel Erfolgspotenzial.

Weil wir hier aber über die Detroit Lions sprechen, müssen wir an dieser Stelle das Sternchen einfügen: LeShoure fällt für die komplette Saison mit Verletzung aus, ein ernsthafter Schuss vor den Bug – zu gut hätte LeShoure in diese Offense gepasst. Nun ist mit Mike Bell und dem Dreispielewunder von Cleveland, Jerome Harrison, halbwegs annehmbarer, händeringend gesuchter Ersatz gefunden.

Die Wucht steckt in den Schützengräben

Größter Problempunkt war in Detroit aber jahrelang nicht die Offense, sondern die Abwehr, was auch Matt Millens krankem Verlangen nach Wide Receivers geschuldet war. Unter dem Defensiv-Genie Schwartz setzte naturgemäß ein Umdenken ein.

Hauptaugenmerk gilt der Defensive Line, in die die größten Ressourcen gesteckt werden. 2010 wurde Nebraskas Freak DT Ndamukong Suh geholt, dessen schiere Präsenz nicht nur Blockern Schrecken einjagt, sondern im vormals oft mucksmäuschenstillen Ford Field die amerikanische Version des Ruuuuuuuuuuuudi Völler-UUUUUUs heraufbeschwört hat.

Suh gilt als vorbildlicher Charakter und Mentor-Typ für den jüngsten Top-Pick DT Nick Fairley, ein potenziell dominanter Pass Rusher, aber auch für seine Auszeiten mitten im Spiel und seine oftmals unfaire Spielweise bekannt, und in der Vorbereitung mit diversen Wehwehchen gehandicapt (remember the Lions). Suh und Fairley werden flankiert von starken Defensive Ends wie Kyle Vandenbosch und Cliff Avril, und für die von Schwartz gepredigte Rotation können abwechselnd der aufstrebende DE Lawrence Jackson und der solide DT Corey Williams in die Schützengräben geworfen werden.

Auch wenn ich das Flop-Potenzial eines Nick Fairley für erhöht halte: Eine dominante Defensive Line ist meistens der wichtigste Baustein für eine auf Jahre hinaus starke Defense. Die Sollbruchstellen bei den Lions sind weiter „hinten“ zu finden.

Bei den Linebackers zum Beispiel, wo aber mit dem starken Lauf-Verteidiger Justin Durant und vor allem mit Schwartz-Liebling MLB Stephen Tulloch vor wenigen Wochen zwei möglicherweise lebenswichtige Bestandteile eingekauft wurden. Interessant an Tullochs Verpflichtung: Die Lions konnten es sich leisten, Tulloch einen Vertrag ihres Geschmacks aufzuoktroyieren – undenkbar noch im vergangenen Sommer.

Die Probleme in der Secondary sind großteils auf mangelnde Erfahrung zu schieben. Die meisten Defensive Backs sind noch recht grün hinter den Ohren und der erfahrenste Mann, CB Nate Vasher, hat seine besten Zeiten hinter sich. Dass man die Top-WR dieser Welt den Cornerbacks Alphonso Smith, Eric Wright oder Chris Houston anvertrauen möchte, erstaunt. Der Top-Defensive Back ist FS Louis Delmas, ein aufstrebender Mann im dritten Jahr.

Die wenig speziellen Special Teams

P Nick Harris und K Jason Hanson sind seit Ewigkeiten im Kader und waren stets verlässliche Sportskameraden. Mit dem jungen K Dave Rayner steht womöglich ein Generationswechsel an. Return-Mann ist Stefan Logan, 2010 mit einem TD und ansonsten ansehnlichen Zahlen (12,1yds/Puntreturn, 26,3yds/Kickreturn).

Ausblick

Wie jedes Jahr ist es schwierig, eine Prognose bezüglich der Detroit Lions abzugeben. Es sind Ingredienzien für den Durchbruch da, Kader und Trainerstab sind mit etwas Optimismus – kein Scherz – superbowlfähig. Trotzdem handelt es sich immer noch um die Detroit Lions und der wichtigste Bestandteil, der Quarterback, hat nicht zu verachtende Verletzungssorgen und verfügt immer noch über recht wenig Erfahrung.

Dazu kommt dieser, gemessen an 2010/11, viertschwerste Schedule der NFL:

Wk #1 @Buccs
Wk #2 vs Chiefs
Wk #3 @Vikings
Wk #4 @Cowboys
Wk #5 vs Bears (MNF)
Wk #6 vs 49ers
Wk #7 vs Falcons
Wk #8 @Broncos
Wk #9 BYE
Wk #10 @Bears
Wk #11 vs Panthers
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Dieser Sommer ist etwas anders. Dieser Sommer gibt erstmals in meiner Vita als glühender und vor allem mit Liebe leidender Anhänger der Detroit Lions Grund, auf bald kommende Erfolge zu hoffen. Weil es sich aber immer noch um die Lions handelt, bin ich noch hin- und hergerissen zwischen gerechtfertigtem Optimismus und der prinzipiellen Skepsis gegenüber dieser Franchise.

Das Zeiteisen verrät: 447 Minuten verbleiben. WordCount nach 19 Teams: 18298.

(Dem einen oder anderen werden Teile des Eintrags bekannt vorkommen. Vor ein paar Wochen ist die Vorschau etwas abgespeckt bei Spox erschienen, mit der Unsinns-Behauptung, Detroit spiele „Run and Shoot“ – ich weiß nicht, wie ich in der Eile „Downfield attack“ oder „vertikales Spiel“ mit June Jones‘ Lieblingsspielzeug verwechseln konnte. An dieser Stelle: Sorry, hochnotpeinlich und ich vergräme mich in Schamesröte, dass mir dieser eklatante Fehler erst beim Überarbeiten des Artikels für Sideline Reporter aufgefallen ist.)

Detroit Lions in der Sezierstunde

Matthew Stafford NFL-Lions Quarterback

©Flickr

Einleitend das Geständnis: Ich bin Detroit-Lions-Fan. Es ist kein einfaches Dasein als Lions-Anhänger. Zum einen, weil sie ganz einfach zu selten bei uns gezeigt werden (nur zu Thanksgiving). Das ist der Preis für die jahrelange Erfolglosigkeit. Zum anderen, weil man seit Jahren denkt, Mensch, jetzt bauen sie die richtigen Puzzleteile ein, jetzt geht’s aufwärts! Und dann verletzt sich zum ungünstigsten Zeitpunkt ein Quarterback oder fallen drei Defensive Backs aus und die Saison ist wieder den Bach runter.

2010/11 hat uns ein 6-10 beschert. Es passiert nur in Detroit, dass „6-10“ mit gutem Gewissen in das Regal mit dem Aufkleber „Erfolg“ eingelegt werden kann.

2010/11 waren die Lions ein deutlich wettbewerbsfähiger Haufen als in den letzten 2-3 Jahren. Die Schwachstellen sind teilweise eklatant, aber sie haben meist voll durchgespielt und mit ihrem Sieg über Tampa in Woche 15 sogar dem Superbowl-Champ Green Bay überhaupt erst die Playoff-Teilnahme ermöglicht!

Die zehn Saisonniederlagen lesen sich so: -5 gegen Chicago, -3 gegen Philadelphia, -14 gegen Minnesota, -2 gegen Green Bay, -8 gegen die Giants, -3 (OT) gegen die Jets, -2 gegen Buffalo, -14 gegen Dallas, -21 gegen New England (als die jeden Gegner in Grund und Boden gespielt haben) und -4 gegen Chicago. Vier Siege im Dezember, unter anderem gegen Green Bay und Tampa Bay, die beide voll im Saft um die Playoffs waren. Und man bedenke: Über weite Strecken wurde mit Backup-QB und sogar Third Stringer und Backup-RB gespielt. Trotzdem hat z.B. ein Calvin Johnson wieder über 1000yds und 12TDs gefangen.

Wo hakt’s?

Das unbeschreibbare Wort „Siegermentalität“ ist zwar nicht so meins. Aber so oft wie die Lions diese Saison an einem Sieg dran waren und trotzdem noch vergeigt haben… Wenn ich an Leute wie C Raiola denke, die seit ungefähr drei Jahrzehnten nur losing seasons erleben mussten, ist das auch kein Wunder. Die wissen gar nicht, wie man das macht, selbst wenn einem mal ein starkes Spiel ausrutscht.

Größtes Problem in der Offense: Zahlreiche Verletzungen. QB Matthew Stafford ist ein mutiges Kind, ein harter Knochen, aber er ist zu oft verletzt, als dass seine guten Ansätze in Siegesserien umgemünzt werden könnten: 13 Spiele hat Stafford in zwei Jahren bestritten. Heuer hat er nur 3x gespielt: 6 TDs, 1 INT, Rating 91,3. Das sind erstaunliche Zahlen, die Stafford da fabriziert, angesichts der Unerfahrenheit und der wenigen Spielzeit. Nun ist die rechte Schulter (Wurfarm) mal wieder operiert worden.

Ich war vor zwei Jahren ein Gegner, Stafford an der #1 zu draften. Nicht dass Stafford ein Flop wäre. Aber wenn du keine Offensive Line hast, dann stellst du nicht einen teuren und rohen Franchise-QB ins Tollhaus „Pocket“. Mit zahlreichen Verletzungen zahlen die Lions jetzt den Preis. Daher würde ich dringend empfehlen, in Runde 1 oder 2 einen Offensive Tackle einzuberufen. Oder zwei. Das bietet keine Garantien, erhöht aber die Chance, Stafford mal über längere Zeit gesund zu halten. Dass Stafford sich wohl fühlt, zeigen die Zahlen.

Die Defense hat ebenso eine gewaltige Problemzone, nachdem die Defensive Line mit dem sensationellen Rookie Ndamukong Suh und Kyle Vanderbosch zwei Spieler wenigstens für den Pass Rush eingekauft hat. Das Laufspiel darf aber ruhig noch härter abgewürgt werden, auch von DT Suh.

Richtig der Wurm drin ist in der Secondary. Es hat weh getan, so wie Detroit an Thanksgiving auseinandergenommen worden ist. Jeder Pass eine Completion, am besten für 25yds und jeder Drive mit Touchdown abgeschlossen.

Ich schrieb damals:

Als die Patriots mit Smith die Schwachstelle ausgemacht hatten und die Offense Line Brady den Tick mehr Zeit geben konnte, war das gegessen. Drei Touchdowns in Serie und es gab nie etwas, was die Lions zum Entgegensetzen hatten.

Man kann es an CB Alphonso Smith festmachen. Oder an seinen Nebenleuten. Punkt ist: Das Material genügt nicht höheren Ansprüchen. Oder ist noch zu grün hinter den Ohren. Dumm, dass der Draftpool für Defensive Backs nicht als allertiefster gilt.

Early Draftstrategie: Defensive Back mit dem 1st round pick, Offense Line mit den zwei-drei folgenden Picks. Bitte keine TEs und RBs draften. Detroit hat genügend gute Skill Players. Die Löcher sind anderswo.

Auf dass sie mal wieder brüllen

Es geht eindeutig aufwärts. Gegen die Patriots sind sogar eine ganze Weile lang die Zuschauer im Ford Field richtig mitgegangen. Das hatten wir lange nicht. Die vertragslosen Spieler wäre allesamt keine übermäßig schmerzhaften Verluste. Wenn die Prioritäten

a) Schutz für Stafford/Offensive Line
b) Pass-Deckung/Defensive Backs
c) Laufspiel-Verteidigung/Defensive Tackle & Linebacker

in der Reihenfolge angegangen werden, bin ich zuversichtlich. Genügend gute bis exzellente Draftpicks wurden in den letzten Jahren gehortet. 1-2 erfahrene Free Agents für die Defense (DBs, LBs) würden auch nicht schaden. Da ich Vertrauen in Jim Schwartz habe, werden die Playoff-Träume in absehbarer Zeit ja vielleicht wirklich mal erfüllt.

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