Ein paar Zentimeter sind die Welt

Bei Grantland schreibt Robert Mays derzeit über einige versteckte Superstars in der NFL. Letzte Woche war DE Cameron Wake von den Miami Dolphins dran. Der Artikel schildert ausführlich Wakes unkonventionellen Weg in die National Football League. Ich hatte zum Beispiel nicht gewusst, dass Cam Wake eigentlich „Derek“ heißt und von allen Jugendfreunden noch immer so genannt wird; „Cameron“ ist nur der zweite Vorname, der nur durch Zufall „offiziell“ wurde. Wake war ein ungedrafteter Rookie aus dem College von Penn State, der über verschiedene Tryouts in die CFL zu den B.C. Lions aus Vancouver kam, und seit 2009 in Miami die NFL aufmischt.

Die beste, interessanteste Botschaft des Artikels  ist die Schilderung, wie der Coach der Lions, Wally Buono, aus dem bereits abgeschriebenen 4-3 OLB Wake, der sich fast schon damit abgefunden hatte, sein Leben als Kleinunternehmer zu verbringen, einen Defensive End machte, der heute zu den besten in der NFL gehört und von PFF.com zum achtbesten Spieler der Saison 2012/13 gewählt wurde:

In talking about his choice to move Wake to defensive end, Buono uses some variation of „explosion“ four times. „He just explodes out of his stance,“ Buono says. „It was just so evident. I think his vertical [was measured at] like 46 inches.“ That’s not an exaggeration. At the NFL combine, Wake’s standing vertical was 45.5 inches. As an outside linebacker in a 4-3, a player forced to move both backward and laterally, the advantages of that explosion are lost. „The instincts of a linebacker and the instincts of a defensive end are completely different,“ Buono says. „If you take a fish out of water, he can’t swim.“ The analogy is a cliché, but it’s apt. As a rusher, Wake resembles a shark gliding through the shallows. It looks like what he was born to do.

Wake war zum Passrushen geboren. Deckung gehörte nie zu seinen Stärken, weshalb er in der Von-Miller-Rolle als 4-3 OLB nicht funktionierte. Es brauchte den CFL-Coach Buono, der Wakes optimale Position fand, ein paar Zentimeter weiter „vorne“ in der Defensiv-Front, teilweise mit einer Hand im Schlamm. Defensive End mit Fokus Passrush. Ein paar Zentimeter, die die Welt ausmachen, aus einem unterdurchschnittlichen Gescheiterten einen der besten Spieler der NFL.

Die Wake-Geschichte ist auch eine Geschichte des Zufalls. Wake hatte Riesenglück. Auch Buono hatte Glück. Aber es ist auch eine Geschichte, die zeigt, wie häufig absolute Kleinigkeiten den großen Unterschied ausmachen können. Jede Wette, dass da draußen viele potenzielle Pro Bowler verbrannt werden oder im dritten Platz im Depth-Chart gefangen sind, weil die kleine Nuancierung, das kleine Adjustment für sie noch nicht gefunden wurde. Bei den meisten wird es nie gefunden. Einige, wie Wake, haben Glück.

Statt Pro Bowl – Das All-Pro Team 2012

In guter alter Tradition wird die Spaßveranstaltung heute abend hier geflissentlich ignoriert. Stattdessen kommt nach den Awards von Seminole und korsakoff heute mein All-Pro-Team mit den Spielern, die mir in der Saison 2012/13 am besten gefallen haben. (Das All-Pro Team 2011/12 gibts hier.)

Offense

QB – Tom Brady (Patriots): Brady hat 2012 noch einmal deutlich gemacht, warum man manchmal davon spricht, daß ein Quarterback seine Offense „orchestriert“. Der Golden Boy hat den Term „no-huddle Offense“ auf ein neues Niveau gehoben. Auch die vielen Verletzungen von Spielern wie Gronkowski, Hernandez, Edelman oder Woodhead konnten Brady nicht einbremsen.

RB – Adrian Peterson (Vikings): Es macht einfach Spaß, Purple Jesus laufen zu sehen. Am Ende hat er den Rekord zwar nicht gekriegt, aber mit seiner großen Saison nach einem Kreuzbandriß dafür gesorgt, daß RBs wieder Kandidaten für die MVP-Trophäe werden können.

LT – Trent Williams (Redskins): Williams war mal 4th overall pick. Und das ist erst drei Jahre her. Trotzdem ist er kaum bekannt. In seinen ersten beiden NFL-Jahren hatte er unter Verletzungen und Sperren zu leiden. Aber dieses Jahr konnte auch der gemeine Fernsehzuschauer sehen, was der Shanaclan in ihm gesehen hat, als sie ihn anno 2010 zu ihrem ersten Draftpick in Washington gemacht haben. Die Königsdisziplin für Offensive Tackles ist immer noch das pass blocking, aber wie Williams im Laufspiel mit so großer Sicherheit den richtigen Gegner zum blocken gefunden hat, schnell mit seinen Füßen da war und sein Opfer mal eben umgestellt hat wie ein paar Legosteine, läßt pass blocking-Maschinen wie Jake Long vergessen.

LG – Mike Iupati (49ers): Iupati bildet mit seinem Nebenmann Joe Staley die beste linke Seite der Liga. Einen derart athletischen Spieler mit seinen körperlichen Ausmaßen (1,97m, 150kg) findet man sonst nur in Baltimores Haloti Ngata.

C – N.N. Den Center in meinem Team muß ich weglassen, weil mir niemand besonders aufgefallen ist. Die meisten pundits sagen, daß Minnesota John Sullivan am stärksten war. Aber wer kann das bei einem Center schon ernsthaft vom Fernseher aus entscheiden? (Warum wird das All-Pro Team eigentlich nicht von den Coaches gewählt, sondern nur von Journalisten, deren Argumention zwischen „TebowOMFG“ und „AsomughaÍstDerBesteCornerbackDerWeltDasSchreibtSchließlichJederVonJedemAb“ oszilliert?)

RG – Alex Boone (49es): Ich hab keine Ahnung, wo dieser Boone plötzlich hergekommen ist. Aber er spielt, als hätte er nie etwas anderes getan als in einer sehr komplexen Laufoffense erfahrene Profis vom Kaliber eines Vince Wilfork oder 400kg-Typen wie B.J. Raji aus dem Weg zu räumen.

RT – Sebastian Vollmer (Patriots): Vollmer ist hier nicht, weil er Deutscher ist, sondern weil er tatsächlich der beste Right Tackle der Saison 2012. Er ist auch einer der wenigen Offensive Tackles, die sowohl im pass- als auch im run blocking überragend sind. Vollmer ist in diesem Sommer Free Agent und wird sich ein Konto suchen müssen, daß auch achtstellige Beträge zuläßt.

TE – Rob Gronkowski (Patriots): Über Gronkowski muß man nicht viel sagen. Er hat Tight End zur neuen „in“-Position gemacht. Nur werden die anderen Mannschaften merken, daß 2,00m-Typen, die blocken können wie ein Offensive Lineman und Pässe fangen können wie ein WR, nicht mal eben im Supermarkt zu kaufen sind.

WR – Calvin Johnson (Lions): No brainer. Mit Abstand das Beste, was man in Sachen Receiving im Football bewundern darf.

WR – Vincent Jackson (Buccaneers): Jackson hat in seiner ersten Saison in Tampa gezeigt, daß er einer der wenigen WRs, die mit jedem QB gut aussehen.

WR – Reggie Wayne (Colts): Reggie Wayne ist das Beste, was Andrew Luck jemals passieren konnte. Beeindrucken an Waynes Leistung 2012 war vor allem, daß er mit Mitte 30 nochmal eine ganz neue Rolle gelernt hat. Unter Peyton Manning war er immer an der Seitenlinie angekettet, nun wurde er von OC Bruce Arians über das gesamte Feld geschickt und sah rechts, links, im Slot und auch überall anders aus wie neugeboren.

Defense

DE – Cameron Wake (Dolphins): Wake ist ein wenig untergangen, weil Miami keine großen Spiele hatte und auch keine Storylines produzierte. Aber Cameron Wake, der 2009 aus der CFL kam, muß sich spätestens nach dieser Saison vor keinem anderen Defensive End mehr verstecken.

DT – J.J. Watt (Texans): Spätestens wenn Watt, wie zu erwarten steht, nicht MVP der Saison 2012 wird, ist dieser MVP-Titel absolut wertlos. Watt hat eine dermaßen einzigartige Saison in einer unglaublichen Konstanz gespielt, daß er nicht nur DPOY und MVP werden sollte, sondern Sportler des Jahres. Weltweit. Ich habe noch nie einen Verteidiger in der NFL so dominieren sehen wie Watt 2012.

DT – Geno Atkins (Bengals): In den meisten anderen Spielzeiten wäre Atkins klarer Favorit auf den Title DPOY. Dieses Jahr reicht es nur für einen Platz im All-Pro Team. Atkins sieht aus wie ein typischer Defensive Tackle, hat aber eine quickness in den Füßen (und im Kopf), die sonst eher Slot Receivers an den Tag legen.

DE – Calais Campbell (Cardinals): Arizonas Campbell wird manchmal als J.J. Watt für Arme bezeichnet. Das ist Quatsch. Richtiger wär es zu sagen, Watt ist unbezahlbar und Campbell der Watt für die Warren Buffets. Oder so ähnlich. Was Campbell in dieser Saison mit seinen Mitleid verdienenden Gegenspielern gemacht hat, erinnerte an Puppentheater, wobei er die Fäden zog. Der Anker der Cardinals-Linie ist der Spieler, der mit seiner Kombination aus purer Kraft, tänzermäßigen Füßen und perfekter Technik am ehesten an Watt heranreicht.

OLB – Von Miller (Broncos): Miller wäre wie auch Campbell und Atkins locker DPOY geworden, wenn nicht Watt seine Saison von einem anderen Stern gespielt hätte (und natürlich Atkins und Campbell selber nicht so überragend gewesen wären). Was Miller neben der spielerischen Stärke an sich auszeichnet, ist seine Vielseitigkeit. Er gibt einen erstklassigen 43-OLB in Denvers Base-D und er gibt einen ebenso erstklassigen Pass Rusher als DE in Nickel- und Dime-Formationen.

MLB – Daryl Washington (Cardinals): Während anderswo noch darüber diskutiert wird, ob Bowman oder Willis der beste Linebacker der NFL ist, hat Arizonas 34-ILB Daryl Washington gespielt, als würde er vor jedem Spiel zwei Kilo Koks ziehen und meistens trotzdem kühlen Kopf bewahren. Falls das möglich ist. Zeitweise sieht er mit seiner Explosivität und seiner Aggressivität aus wie Ray Lewis zu seinen besten Zeiten. Manchmal sieht er auch einfach aus wie ein Irrer und rennt mit 200km/h in das falsche Loch. Aber wenn er wie in 95% aller Plays den richtigen Riecher hat, dann: Hals- und Beinbruch!

LB – NaVorro Bowman/Patrick Willis (49ers): Sie sind beide überragend. Ich könnte mich nicht für einen entscheiden, wenn ich es müßte. Was Bowman und Willis vor allem auszeichnet, sind ihre Fähigkeiten in pass coverage. Sie sind zwei der wenigen Verteidiger, die es auch mit den „neuen“ Tight Ends aufnehmen können.

CB – Antonio Cromartie (Jets): Der großmäulige Störenfried Antonio Cromartie stand fürchterlich unter Druck nachdem Darelle Revis auf IR gewandert ist. Zur großen Überraschung hat er dann aber tatsächlich gespielt wie ein waschechter franchise corner. Er ist auch ein Grund dafür, daß Trottelgesicht Owner Woody Johnson gerne Revis traden würde.

CB – Richard Sherman (Seahawks): Aus dem Nichts kam letztes Jahr der 5th-rd pick auf die Bühne und hat die etablierten WRs respektlos gegängelt.Der größte Trash Talker, den Stanford je hervorgebracht hat, ist mit seinem großen massigen Körper und seinem extrem physischen Stil ein Unikat in der NFL. Seit dieser Saison kann er es mit Jedem aufnehmen und auch sein selbst gewählter Spitzname Optimus Prime paßt wie die Faust aufs Auge, nachdem er Megatron bei drei Catches halten konnte.

S – Earl Thomas (Seahawks): Während Sherman und sein Gegenüber Brandon Browner immer eng am Mann sind und Verfolgungsarbeiten übernehmen, zieht Thomas in der Tiefe des Feldes seine Kreise und schlägt blitzschnell und instinktsicher zu, wenn mal ein Ball tief geworfen wird. Ein echter Seeadler eben. Wenn Thomas sich so weiter entwickelt, könnte er der legitime Erbe der aktuellen großen Safety-Generation sein. Er sollte sich dann aber bitte weniger häufig verletzen als Ed Reed, Troy Polamalu und Bob Sanders.

S – Ryan Clark (Steelers): Während Troy Polamalu mal wieder ständig verletzt war, hat sein Nebenmann Clark die Führung der secondary übernommen. Der unscheinbare Safety macht Sonntag für Sonntag das, was ein Safety eben so machen sollte: für Sicherheit sorgen. Die Pass-D Pittsburgh war nach NY/A die Nr. 2 im Land und ein großer Grund dafür war Clark.

Es sind sicherlich einige Spieler rausgefallen, einfach weil ich sie nicht oft genug gesehen hab. Es kann durchaus sein, daß beispielsweise Clevelands CB Joe Haden, Buffalos Safety Jairus Byrd oder irgendwer von Kansas City auch herausragend gespielt hat. Das hab ich aber leider nicht oft genug gesehen, weil – wer guckt schon Spiele von Cleveland, Kansas City oder Buffalo?

Glaskugel 2012: Miami Dolphins

Manchmal ist man einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Die umbrüchigen Miami Dolphins sind 2012 in der AFC East. Nicht gut. Für die Dolphins.

Sie sind in einer Division mit den Patriots, bei denen ob ihrer vergangenen Leistungen und ihres Talents tatsächlich mancherorts wieder von einer 16-0-Saison geredet wird. Sie sind in einer Division mit den Jets, die immer noch eine der besten Verteidigungsreihen der Liga haben und deren Angriff besser geworden sein sollte. Und sie sind in einer Division mit den Bills, die sich das erste Mal seit Äonen heftig in der Free Agency verstärkt haben. Nachdem sie letztes Jahr fünf der ersten sieben Spiele gewonnen haben und danach viel Verletzungspech hatten.

In dieser AFC East stehen nun die Dolphins mit einem durchaus talentierten Kader – aber einem neuen Coaching Staff, einem (oder auch zwei) neuen Quarterback und einigen Löchern im Kader. Dazu kommt auch noch heftige Konkurrenz um die Wild-Card-Plätze: Steelers/Ravens; Broncos/Chargers/Chiefs. Schade eigentlich, aber so kann man sich in Ruhe für 2013 aufstellen.

Offense

In der Offense wird alles überschattet vom Duell um den Job als Starting-QB. Wir haben dort: 1) Ryan Tannehill, Nr. 8 overall pick 2012. Rookie, zu hoch gedraftet, braucht noch viel Zeit. 2) Matt Moore. War letztes Jahr schon in Miami und hat dort, wie auch vorher in Carolina, als ins kalte Wasser geworfener Backup gezeigt, daß er gut ist. Nicht großartig, aber gut. 3) David Garrard. Der Mensch gewordene sprichwörtliche “Caretaker”, der auf jeden Fall mindestens zweitbester Backup-QB (nach Dallas´ Kyle Orten) der Liga ist. Auch als Starter macht er nicht viel kaputt, kann aber auch keine “Offense tragen”, wie man so sagt.

Schedule

Wk1 @ HOU
Wk2 v OAK
Wk3 v NYJ
Wk4 @ ARI
Wk5 @ CIn
Wk6 v StL
Wk7 BYE
Wk8 @ NYJ
Wk9 @ IND
Wk10 v TEN
Wk11 @ BUF (TNF)
Wk12 v SEA
Wk13 v NE
Wk14 @ SF
Wk15 v JAX
Wk16 v BUF
Wk17 @ NE

Wer den Ball nun ihn die Hand nehmen wird, entscheidet Head Coach Joe Philbin. Philbin hat sich einen Namen gemacht als Offensive Coordinator der Green Bay Packers um Aaron Rodgers. Seit 2007 hat er unter Head Coach Mike McCarthy erst Brett Favres (vorvorletztes) Halali und dann Rodgers´ Aufstieg nach ganz oben orchestriert. Wenn auch nicht als erste Geige, denn die spielte immer McCarthy.

OC unter Philbin in Miami ist nun Mike Sherman. Sherman war die letzten Jahre Head Coach der Texas A&M Aggies – mit dem QB Tannehill. Zu Anfang des Jahrtausends war Sherman HC der Packers. Dort hat er das von Mike Holmgren, Steve Mariucci und Jon Gruden und all den anderen alten Bill-Walsh-Schülern weit entwickeltes System der West Coast Offense weitergeführt.

Tannehill kennt dieses zwar auch aus seiner Zeit bei den Aggies unter Sherman, aber es sollte schon mit dem Teufel zugehen, wenn Garrard mit all seiner Erfahrung nicht den Stammplatz in dieser auf schnelle Entscheidungen, timing patterns und accuracy auf kurzen Routen getrimmten Offense bekommen sollte.

Quarterback ist trotz dem Dreikampf auch gar nicht das Problem dieses Angriffs. Das sind die WRs. Chad Ochojohnson soll mit aller Macht seinen zweiten Frühling als Nr.1 WR haben, nicht weil er immer noch so gut ist, sondern weil sonst niemand da ist. An der anderen Seitenlinien spielt dann Brian Hartline oder Legedu Nanee oder Roberto Wallace oder wer sich sonst im Training Camp am wenigsten dämlich anstellt. Zumindest für den Slot hat man in Miami mit Davone Bess einen Mann, auf den man einigermaßen vertrauen kann.

Tight End spielt der alte mittelmäßige Recke Anthony Fasano oder vielleicht auch 1,95m-Rookie Michael Egnew. Beide sind nicht schlecht, aber vor allem nicht besonders gut.

Im Backfield haben die Dolphins den zweiten Frühling von Reggie Bush; die eventuelle Breakout-Season des ehemaligen 1st-rd pick Daniel Thomas und den heißen Rookie der University of Miami Lamar Miller. Alles nicht schlecht, aber eben: in dieser AFC East nicht gut genug.

Auch die Offensive Line ist ganz anständig. Für die Blind Side haben wir den Prototypen des Elite-Left Tackle in Jake Long. Als Center einen guten Mann mit Mike Pouncey. Als RT den ehemaligen Personenschützer Andrew Lucks. Und die Guards sind zumindest OK. Insgesamt wirklich gut – aber in dieser AFC East. Zu wenig. Es fehlt in der Offense der eine Mann, der alles auf ein anderes Level hebt. In der NFC West würde man damit richtig gut aussehen, aber eben nicht hier. Wrong time, wrong place.

Defense

Die Defense ist sogar noch besser. Cameron Wake ist einer der besten Pass Rusher der Liga. Karlos Dansby einer der besten ILBs. Mit Kevin Burnett und Koa Misi auch noch zwei weitere talentierte LBs, die wild darauf sind, sich zu beweisen.

Mit Sean Smith von Vontae Davis finden wir auch zwei gute Cornerbacks in der Tiefe. Und mit Paul Soilai einen wirklich guten NT; mit Randy Starks einen gute 34-DE; und mit dem 24jährigen Jared Odrick ein Riesentalt in der D-Line.

Letztes Jahr war das nicht zufällig eine Top-10-Defense. Leider ist Defensive Coordinator Mike Nolan (einer unserer Lieblinge) nicht mehr dabei und der neue DC Kevin Coyle, der keine Coordinator-Erfahrung hat, will den Laden von 3-4 auf 4-3 umkrempeln. Immer eine blöde Situation für kurzfristigen Erfolg.

Das sieht insgesamt auch in der Defense gut aus – aber eben nicht sehr gut. Systemwechsel, kein herausragender Safety, wer spielt Nickelback? Auch hier: Talent ist da, gute Leute sind da, aber es wird eben gerade umgebaut.

Ausblick

In einer schwächeren Division könnten die Miami Dolphins ein Breakout-Kandidat sein. Mit dieser Konkurrenz in der AFC East kann man sich aber ganz in Ruhe und ohne großen Druck umbauen. Allerdings sollten schon in dieser Saison erste Ergebnisse zu sehen sein, damit man voll motiviert und mit großen Erwartungen 2013 entegegenblicken kann. In der NFL dauert es nicht lange, bis das erste Stuhlbein des Cheftrainers angesägt wird und um den Stuhl einigermaßen kalt zu halten, sollten schon 6 Siege drin sein. Aber Wunder werden nicht erwartet.

Miami Dolphins in der Sezierstunde

Ein dark fish seit Jahren, sind die Miami Dolphins für mich über Jahre ein klassischer „underachiever“ für NFL-Verhältnisse geworden. Ein Team, das fast alle Bauteile für Dominanz beisammen hat, aber es mit ein bis zwei eklatanten Schwachpunkten immer wieder zustande bringt, die Playoffs zu verpassen. 2011/12 war keine Ausnahme: Obwohl das Punkteverhältnis 8.5 Siege hätte erwarten lassen, holte man nur ein 6-10, mit einer Bilanz von 2-5 in den engen Spielen. Rauswurf des ungeliebten HeadCoaches Tony Sparano inklusive.

Der neue Mann für die von Owner Steve Ross chaotisch geführte Franchise: Weiterlesen

Mit den Miami Dolphins in die neue Woche

Die vielleicht krasseste Offseason der NFL hat in Miami stattgefunden. Head Coach Tony Sparano sollte durch Jim Harbaugh ersetzt werden, Quarterback Chad Henne durch Kyle Orton. Beide Moves scheiterten – die beiden wichtigsten Protagonisten der Dolphins sind nun lame ducks, die so richtig keiner mehr haben will und auf die man trotz allem bauen muss. Eine bizarre Situation, aber nicht unerwartet.

Denn Owner Stephen Ross versucht verzweifelt, der Franchise und ihren Fans Leben einzuhauchen – etwas, das kaum gelingt mit langweiligem Offensivspiel aus den 80ern und was auch nicht geht mit einer so eklatanten Heimschwäche: Miami gewann zuletzt eines von acht Heimspielen.

Offense

Wichtigste Änderung nach dem geplatzten Quarterback-Putsch: OffCoord Dan Henning ist weg, Brian Daboll ist da. Daboll war zuletzt in Cleveland für die Offense zuständig, was eher nicht so gut geklappt hat. Die Dolphins verfügen aber über eine recht gute Basis: Left Tackle Jake Long gilt als ligaweiter Benchmark für diese Position, und die eher schwache innere Seite der Line soll durch den gehypten Rookie Mike Pouncey Verstärkung erhalten.

Das Laufspiel soll anscheinend um den Rookie-RB Daniel Thomas gebaut werden, ein Back, der in der Pinstripe Bowl durch hartes Laufspiel und haufenweise Touchdowns über die Mitte aufgefallen ist (und Kansas State spielte BTW auch Wildcat-Offense. Wildcat! Offense! Und! Nun! Die! Dolphins!). Thomas geht aber neben seinem Backup völlig ein: RB Reggie Bush ist der Neueinkauf der Saison, ein Mann wie geschaffen für Ross’ Star-Affinität. Bush sollte ähnlich wie in New Orleans eingesetzt werden und vor allem für sich selbst verkaufende Tickets sorgen (spinn’ ich oder lief Bush in den Preseason-Spielen tatsächlich mit #22 durch die Gegend?).

Die Wide Receivers sind IMHO recht breit aufgestellt: Davone Bess gilt als Welker-Typ für die Slot-Routen, Brandon Marshall ist bei aller Kritik immer noch ein sehr guter possession receiver für die kurzen Routen und machte zuletzt immerhin 86 Catches für über 1000yds, gilt allerdings als glamouröser und im Privatleben nicht immer koscherer Typ, der sich von der Präsenz eines Dwayne Wade oder LeBron James leicht ablenken lässt. Und dann haben wir noch eine Handvoll junger, quicker Spieler – wie gut mir die Idee mit deep threat Ed Gates gefällt, habe ich bereits in der Draft-Analyse geschrieben – plus Tight End Tony Fasano.

Nun stellt sich allerdings die Frage, wie es nach drei schwachen Saisons inklusive der jüngsten Enteierung um das Selbstvertrauen von QB Chad Henne bestellt ist. Henne besitzt einen waffenscheinpflichtigen Wurfarm und soll immer dann gut sein, wenn möglichst viele Wide Receiver auf dem Feld stehen – Miami verzichtete zuletzt gänzlich auf diese Art von Offense. Bleibt die Frage, ob Daboll eine Handvoll Spielzüge für Henne kreieren kann, mit denen der Mann umgehen kann, denn der Backup Matt Moore gilt ebenso als QB, der längst durchschaut worden ist.

Defense

Wir sprechen über eine der herausragenden Defenses der NFL – und keiner kennt sie. Seit DefCoord Mike Nolan aus Denver gekommen ist, haben die Dolphins eine der dominanteren Units beisammen – gegen Lauf und Pass. Es beginnt alles in der Defensive Line, wo mit Paul Soliali ein richtig guter Nose Tackle spielt – und Soliali wird mit dem von einer Verletzung zurückgekehrten hoch gedrafteten Jared Odrick in dieser Saison einen neuen Nebenmann bekommen. Ein völlig unterschätzter Mann soll der halbe Nose Tackle Randy Starks sein.

Diese Line hält einer sehr gefährlichen Linebacker-Unit den Rücken frei. OLB Cameron Wake gilt nach 14 Sacks in der abgelaufenen Saison als sensationeller Pass Rusher, wobei die PFF-Stats in Wake sogar eher noch einen Lauf-Verteidiger vermuten ließen – sprechen wir hier über ein dark horse auf den nächsten Defensive-MVP-Award? Für die OLBs haben die Dolphins auch noch Jason Taylor zum x-ten Mal zurückgeholt, wobei kein Mensch zu sagen vermag, was der olle J.T. noch drauf hat. Ein weiteres Prunkstück ist das Herz der Defense, die Inside Linebackers um den feurigen Leader Karlos Dansby und den Neuzugang Kevin Burnett aus San Diego.

In der Secondary scheinen die Dolphins vor allem auf CB Vontae Davis und dessen Deckungskünste gegen gegnerische #1-Wide Receivers zu vertrauen.

Ausblick

Die Offseason war vom psychologischen Standpunkt an Idiotie kaum zu überbieten, aber die Dolphins sollten auch in der Zeit nach Brown/Williams einen soliden Kader beisammen haben. Vielleicht gelingt mit Daboll die benötigte Feinjustierung in der Offense, sodass QB Henne sein coming out erlebt. Wenn das Passspiel der Dolphins turnoverarm in die Gänge kommen sollte, sprechen wir von einem Playoff-Kandidaten, selbst in engen AFC East.

Bei diesem Schedule…

Wk #1 vs Patriots (MNF)
Wk #2 vs Texans
Wk #3 @Browns
Wk #4 @Chargers
Wk #5 BYE
Wk #6 @Jets (MNF)
Wk #7 vs Broncos
Wk #8 @Giants
Wk #9 @Chiefs
Wk #10 vs Redskins
Wk #11 vs Bills
Wk #12 @Cowboys
Wk #13 vs Raiders
Wk #14 vs Eagles
Wk #15 @Bills
Wk #16 @Patriots
Wk #17 vs Jets

… und mit einer weiterhin so uninspirativen Offense ist ein weiteres, dunkelgraues 7-9 hingegen ebenso nicht weit weg. Ob man sich dann um einen der Top-QBs aus dem Draft 2012 bemühen würde?

Das Zeiteisen verrät: 519 Minuten verbleiben. WordCount nach 17 Teams: 16032.