CFL 2013 steht vor der Tür

Heute Nacht beginnt wie jedes Jahr am Wochenende vor dem Canada Day (1. Juli) die Saison 2013 der Canadian Football League (CFL), dem kanadischen Gegenstück zur National Football League. Die CFL ist eine sympathische Liga, die bei mir einen schönen Platz im Herzen genießt: Football im Hochsommer, diese kanadische Mentalität, diese alten Stadien. Alles ist ein bissl ruhiger, Dorfverein-mäßiger, und im Gegensatz zur entrückten NFL kann man in der CFL noch sowas wie Authentizität anhand von ranzigem Fett in der Stadion-Würstlbude riechen.

Canadian-Football hat ein paar Regelunterschiede im Vergleich zur NFL, von denen ich die wichtigsten schon früher erklärte, daher heute nur die wichtigsten noch einmal zur Wiederholung:

  • 12 Spieler pro Team statt elf.
  • Drei Downs statt vier.
  • 150 Yards-Feld statt 120 (110yds + jeweils 20yds Endzone).
  • Torpfosten an der GoalLine.
  • Zusätzliche Score-Möglichkeit: Single/Rogue (1 Punkt): Kick/Puntreturner wird in der EndZone getackelt.
  • Zeitmanagement: Nur 1 Timeout und nur 20sek zwischen Spielzugende und Snap.

Die CFL wäre in den 90er Jahren mit wilden Expansionsplänen runter in die Vereinigten Staaten mal fast pleite gegangen, ist aber mittlerweile nach dem Rückzug nach Kanada mit acht Franchises wieder konsolidiert:

EASTERN DIVISION        WESTERN DIVISION
Toronto Argonauts       B.C. Lions
Montreal Alouettes      Saskatchewan Roughriders
Hamilton Tiger-Cats     Edmonton Eskimos
Winnipeg Blue Bombers   Calgary Stampeders

Im nächsten Jahr wird mit den Ottawa REDHAWKS REDBLACKS (kein Witz: Die Medien sind angehalten, den Teamnamen in Maiuskeln zu schreiben!) ein neuntes Team dazustoßen und um die älteste Trophäe im Footballsport, den Grey Cup, spielen. Dieser wird dieses Jahr zum 101ten Male ausgespielt. Spielort ist Regina, die Heimat der Saskatchewan Roughriders, dem CFL-Pendant zu Green Bay: Einzige Franchise, die dem Volk gehört.

Die Jubiläumsausgabe gewannen im vergangenen November ausgerechnet die Toronto Argonauts in ihrer Heimatstadt. Für einen wirklichen Boom sorgte der überraschende Triumph damals nicht: Die Argos spielen im heimischen Rogers Center zumeist vor leeren Rängen, und sie konnten auch vor dieser Saison kaum Dauerkarten loswerden. Dazu vielleicht nochmal in einem eigenen Beitrag ein paar Worte von einem Lokalaugenschein.

Die großen Storylines betreffen diesmal nicht die Spieler (außer, dass die 40jährige QB-Legende Anthony Calvillo noch ein Jahr in Montreal dranhängt), sondern Stadien und Coaches. Die kleinen Hamilton Tiger-Cats bestreiten diese Saison aufgrund eines Stadionneubaus „auswärts“ im 50km entfernten Guelph, und man befürchtet für die eh schon finanzschwache Franchise eine harzige Saison. Dagegen kann Winnipeg seine neue Arena pünktlich beziehen, und sie bekam gute Kritiken. Bleibt nur abzuwarten, was die heimischen Blue Bombers auf die Reihe kriegen, nachdem die Preseason-Vorstellungen unterirdisch waren.

Bei den Coaches gab den einen spektakulären Wechsel von Montreal-Alouettes-Headcoach Marc Trestman zu den Chicago Bears – ein Move, der auch südlich der kanadischen Grenze viele aus den Socken haute. Ersetzt wird Trestman durch Dan Hawkins. Das ist auch kein Unbekannter: Hawkins ist der Visionär und Vater des Aufstiegs der Boise State Broncos. Er ging vor sieben, acht Jahren allerdings den Weg zur renommierteren University of Colorado, wo er entsetzlich scheiterte und einen einzigen Scherbenhaufen hinterließ, dessen Folgen noch immer nachwirken. Jetzt also die CFL – und Hawkins wurde schon eher skeptisch aufgenommen.

Topfavoriten sind die B.C. Lions aus Vancouver, deren GM Wally Buono als ausgefuchstes Genie gilt und die in Travis Lulay den besten Quarterback ligaweit haben.

ESPN America wird dieses Jahr nix mehr von der CFL übertragen, auch nicht den letzten Monat bis zu seinem Ableben – zumindest gibt der Sendeplan nix diesbezüglich her. Dafür wird es lt. Auskunft des Kundendiensts von TSN wieder die kompletten Spiele on-demand auf der TSN.com-Homepage geben.

Football heute

Labour Day Classic

Bei ESPN America: Um 22h live aus Regina/Saskatchewan: Die größte Rivalität der CFL, Saskatchewan Roughriders vs. Winnipeg Blue Bombers. Eine triste Partie: Nach dem gestrigen Spitzenspiel der beiden Divisionsersten heute die beiden Letzten.

Saskatchewan hat nach 3-0 Start seine letzten fünf Partien allesamt verloren und ist durchgereicht worden. Der GM ist gerade fleißig am Beruhigen, HC Chamblin scheint vorerst auch unangetastet zu bleiben, während die Spieler diese Woche einen „Player-only“-Abend veranstaltet haben, über dessen Inhalt sich alle fleißig ausschweigen. Überhaupt finde ich die Aufregung etwas übertrieben: Vier von fünf Niederlagen waren mit einem einzigen Score Differenz.

Bei Winnipeg sieht es schon anders aus. Der Vorjahresfinalist, bei dem ich bereits ein happiges Jahr angekündigt hatte (*Schulterklopf*) feuerte diese Woche den streitbaren Head Coach Paul LaPolice. Winnipeg ist 2-6 und dabei 2-2 in engen Spielen. Vor drei Wochen habe ich mal ein Viertel von den Bombers gesehen; war absolut nicht grauenhaft und auch die Ergebnisse schrien eigentlich nicht nach „Entlasse! Entlasse!“ – letzte Woche nur knapp gegen den Ligakrösus BC verloren.

College Football Auftaktwochenende continued

Um 5h bitteschön als Tape: Syracuse (ACC) vs. Northwestern (Big Ten). Zweimal Teams mit relativ kleinen Ambitionen in dieser Saison (v.a. Northwestern mit HC Pat Fitzgerald will diesmal eher kleine Brötchen backen). Aber beidesmal Teams mit schönen Trikotfarben: Syracuse und sein Orange, Northwestern und sein elegantes Lila/Violett.

CFL 2012 nach dem Canada Day – Der Osten

Um zum Einstieg dogfood von Allesaussersport zu recyclen:

Ich habe für die CFL einen ganz großen, weichen Fleck in meinem sonst harten Herzen. Das ganze CFL-Ambiente strahlt eine sympatische Kuscheligkeit aus. Das Land Kanada, der Sommer. Der Versuch diese Profiliga mit wenig Resourcen gegen das Monster aus dem Nachbarland NFL aufrecht zu erhalten. Diese leicht freakigen Regeländerungen. Namen, teilweise verbrannte NFL- oder College Football-Talente die wieder auftauchen. Alles andere als glamourös, aber irgendwie freut man sich jedes Jahr darauf, alte Bekannte wieder zu sehen.

Ein Absatz, der genau so unterschrieben werden will, und es seien noch was ergänzt: Diese wunderschönen, uralten Stadien aus den 50ern mit ihren kilometerlangen Haupttribünen. Die völlige Unberechenbarkeit vor jedem Saisonstart. Die Saskatchewan Roughriders mitten aus der kanadischen Tundra, diese „Packers des Nordens“ mit ihrem leidenschaftlichen, allen Wettern trotzdenden Publikum. Das ist Football auf die bodenständige Art.

Eine erklärende Einführung zur Canadian Football League habe ich am Montag gegeben. Die Einträge zur aktuellen Saison werden unter dem Schlagwort „CFL 2012“ zu finden sein. Ich hoffe sehr, die aktuelle Saison etwas stärker begleiten zu können als in den vergangenen Jahren. Zum einen, weil ESPNA wieder eingestiegen ist. Zum anderen, weil die CFL heuer einen Hauch von Aufbruch versprüht, nachdem am Saisonende der einhundertste Grey Cup ausgetragen wird, mit großen, tagelangen Feierlichkeiten rund um den Austragungsort Toronto.

Heute: Die Eastern Division in der Vorstellung. Jene Eastern Division, die über Jahre als Domäne der Montreal Alouettes galt, aber zu Beginn dieser Saison erstmals seit längerer Zeit als wirklich ausgeglichen und dem Westen deutlich überlegen angesehen wird… und dann verloren am vergangenen Wochenende just alle vier Ost-Teams gegen die Konkurrenz im Westen.

Toronto Argonauts

Für die wirtschaftlich schwache CFL sind die Argonauts aus der Millionenmetropole Toronto die Schlüssel-Franchise schlechthin – dumm bloß, dass just jene Argonauts seit Jahren im unteren Mittelfeld kränkeln und mit dem unpopulären Rogers Centre (ehemals „SkyDome“) und einem faulen Publikum (schlechtester Zuschauerschnitt der Liga) zu kämpfen haben. Da man stadtintern wenigstens einmal pro Saison Konkurrenz von den Buffalo Bills aus der NFL hat und die eigenen – zweifelhaften – Werbeaktionen verpuffen, steht die Mannschaft in dieser Saison auch aufgrund des wichtigen Finale dahoam besonders unter Druck.

Dafür hat man nach einer schwachen Saison 2011 (mit 6-12 die zweitschlechteste Bilanz der CFL) in der Offseason mächtig umgestellt. Jim Barker beförderte sich vom Chefcoach/GM zum alleinigen General Manager und kaufte mit dem 38jährigen Scott Milanovich den jungen OffCoord der Montreal Alouettes als Head Coach ein.

Und Milanovich, der Architekt einer der über Jahre besten Angriffe in Montreal, bekam Spielzeug. Die Quarterbacks Lemon/Jyles wurden entsorgt und im Gegenzug in einem viel diskutierten Trade der 32jährige QB Ricky Ray (2x Grey Cup Champ) aus Edmonton geholt, einer der wenigen veritablen „Franchise-Spieler“ in der CFL. Man erwartet, dass die Offense mit Milanovich, Ray und einem ausgeglichenen WR-Corp schnell wiederbelebt werden kann.

Die Defense schaut personell etwas ausgedünnt aus, dürfte aber allein durch die Verpflichtung des schenialischen DefCoords Chris Jones (aus Calgary) ein paar Prozentpunkte an Qualität zulegen können (die Front-7 sah schon mal ganz ordentlich aus).

Toronto ging am letzten Wochenende allerdings ausgerechnet in Edmonton (Rays letzte Station) 15-19 baden, aber nicht aller Tage ist noch Abend: Trotz einer insgesamt horrenden Vorstellung der Offensive Line war wenigstens die zweite Halbzeit von der Offence richtig ansehnlich und machte Hoffnung, aber Milanovich wird nach einer fassungslosen Unzahl an Penalties noch an der Disziplin seiner Truppe arbeiten müssen.

Hamilton Tiger-Cats

Nicht nur die Argonauts treten mit neuem Chefcoach und neuem QB an, sondern auch deren nächster Lokalrivale aus Hamilton (ca. 75km süd-westlich von Toronto), die Tiger-Cats (zum Fachsimpeln bitte: „Ticats“), wo nach drei Jahren Stagnation (9-9, 9-9, 8-10 mit Playoffsieg) zur Komplettrasur angesetzt wurde.

Marcel Bellefeuille wurde durch den neuen Head Coach George Cortez ersetzt und Cortez fackelte nicht lange. Nicht nur der charismatische Oldie QB Henry „Smilin’ Hank“ Burris ist in der Arbeiterstadt Hamilton neu am Werkeln, sondern nach dem Austausch fast aller Skill Players und einiger zentraler Figuren in der Defense eigentlich der komplette Mannschaftskern. Wobei „neu“ bei vielen Einkäufen mit bereits geschehener Vorwahlwechsel (auf die „3“) auch ein fragwürdiger Begriff ist. So viel Umbruch für Hamilton nach dem ersten Playoffsieg seit Äonen!

Burris und Cortez sind alte Bekannte (2008 gewann man gemeinsam mit Calgary den Grey Cup). Burris soll im Spätherbst seiner Karriere noch einmal zünden, weswegen man zusätzlich zu den blutjungen Granaten-WRs Chris Williams & Bakari Grant auch noch eine Ikone aus Saskatchewan eingekauft hat: WR Andy Fantuz. Man erwartet von den Ticats nichts anderes als ein Passfeuerwerk, nachdem das Laufspiel auf den alternden Schultern von RB Avon Cobourne (früher in der NFLE) liegt: Der junge Hoffnungsträger Martell Mallett hat sich jüngst den Knöchel gebrochen. Und sollte Burris nicht zünden, so steht der während der Vorbereitung verpflichtete QB Dan LeFeveaur bereit, den man noch aus College (ehemalige TD-Rekordler) und NFL kennt.

Das Auftaktspiel gegen Saskatchewan bescherte allerdings eine Blamage (16-43 Pleite). Aber auch hier gilt: Vorschnelle Schlüsse sind unangebracht, da das Passspiel durchaus über weite Strecken klickte. Die Probleme lagen mehr in der Abwehr, wo die für ihre harten Hits berüchtigten Linebackers um den neuen Stareinkauf Kevin Eiben zahm wie meine drei Wochen alten Kätzchen blieben.

Montreal Alouettes

Die Als dürfen sich als die sportlich beste Franchise der letzten CFL-Saisons sehen, und ein Mann steht dabei permanent im Mittelpunkt: Der erfolgreichste Quarterback aller Zeiten und schon im vierten Frühling, Anthony Calvillo. Dem Mann, der schon zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs Touchdowns warf, hat Michael Weinreb zum Yards-Rekord im vergangenen Oktober einen faszinierenden Artikel bei Grantland gewidmet – unbedingt lesenswert!

Mit weit über 5000yds in der abgelaufenen Saison, mit 32 TD und nur 7 INTs bei den mit Abstand meisten Passversuchen ligaweit, gehört Calvillo auch mit bald 40 Lenzen immer noch zur Créme de la Créme. Heuer muss er allerdings auf zwei wichtige Kollegen verzichten, den zurückgetretenen WR Kerry Watkins und den OffCoord Milanovich (wie oben geschrieben nun Chefcoach in Toronto).

Das entscheidende Duo neben Calvillo ist aber noch da: GM Jim Popp und der souveräne Head Coach Marc Trestman, unter dem Montreal sich von einem langjährigen Anwärter zu dem dominanten Team schlechthin gewandelt hatte – so dominant, dass das Playoffaus 2011 wie eine Katastrophe bejammert wurde.

Die Offence wird – man lasse sich von der blutleeren Vorstellung bei der hohen Schlappe gegen Calgary am ersten Spieltag nicht täuschen – passen. Dafür bürgen neben Calvillo vor allem eine breit gefächerte Armada um den MVP-Kandidat SB Jamel Richardson und den Rookie-RB Patrick Lavoie – so viel kann der blutjunge OffCoord Marcus Brady da gar nicht falsch machen, dass dieser Angriff nicht wieder über 25pts/Spiel scort.

Aufgabe der Defence um den ebenso neuen DefCoord Jeff Reinebold wird sein, „bend but don’t break“ zu spielen und sich nach einer radikalen Verjüngungskur bis in die Spätphase des Trainingslagers hinein einigermaßen durchzulavieren.

Winnipeg Blue Bombers

(WirsprechennunüberdenGejagtenimOstenindieserSaison) Die Defence war 2011 der wichtigste Faktor hinter dem völlig überraschenden Finaleinzug der Winnipeg Blue Bombers. Ohne Erwartungen in die Saison gestartet, aber dann dank der stolzen „Swaggerville“-Defence mit ihren unglaublich vielen Turnovers durchmarschiert und erst im Grey Cup gestoppt – der eigenwillige Head Coach Paul LaPolice legte 2011 in seinem ersten Jahr die Messlatte gleich mal ganz oben an.

Dass der Erfolg auf schwer wiederholbaren Faktoren (Turnovers!) fußte, könnte für den streitbaren LaPolice durchaus schneller als gedacht zum Problem werden, nachdem in der Abwehr auch noch der beste Pass Rusher, DE Odell Willis, bedenkenlos ziehen gelassen wurde. Überhaupt sieht die Front-7 nach zahlreichen Abgängen und Rücktritten ziemlich ausgedünnt aus, und einzig DB Jovon Johnson bekam einen neuen, teuren Vertrag.

Die Defence muss ihren Level wohl oder übel halten, da sie eine grenzwertige Offence durchschleppen muss. Dort ist mit dem neuen OffCoord Gary Crowton ein Mann am Werkeln, der das Passspiel am liebsten abschaffen würde und deshalb bereits mit Cheffe LaPolice in die Quere gekommen ist.

QB Buck Pierce ist meistens nach nur drei Spielen auf der Verletztenliste (harhar, diesmal schon die ersten Wehwehchen nach dem ersten Spiel), aber dank zahlreicher Kampfspiele und begeisternder „No risk, no fun“-Pässe zum absoluten Fanliebling mutiert. Vor der Auswechslung wegen Knieproblemen am ersten Spieltag produzierte Pierce sagenhafte 3 von 9 für 11yds.

Die Probleme sind nicht allein am QB auszumachen. Die Offence Line machte im Eröffnungsspiel einen verheerenden Eindruck und das Laufspiel liegt in den Beinen des blanken Notnagels Bloi-Die Dorzon (Samstag: 4 Carries für 5yds), nachdem der langjährige RB Reid nach Kreuzbandriss entlassen und dessen junger Nachfolger RB Chris Garrett sich 72h vor Saisonbeginn im Training die Achillessehne riss – out for the season… Mal sehen, ob sich die Wut der ewig Unterschätzten aus Winnipeg in positive Energie auf dem Spielfeld umwandeln lässt.

Back to Business, mit Eiern aus dem Norden und weiblichen Frequenzen aus dem Süden

Das Ende der Fußball-EM markiert gleichzeit das Wiedererwachen des Sideline Reporter-Blogs, der nach selbstauferlegter Sommerpause mit der Footballsaison am Horizont wieder Fahrt aufnehmen wird.

Die ersten Eier fliegen schon

Am vergangenen Freitag hat die CFL-Saison 2012 begonnen. „CFL“ wie „Canadian Football League“, nicht zu verwechseln mit dem US-Pendant. Denn obwohl sich haufenweise ehemalige Studenten aus US-Colleges in der CFL tummeln, sprechen wir bei „CFL“ nicht von American, sondern von Canadian Football. Das heißt: Anstelle von vier Downs nur drei Downs, dafür 12 statt nur 11 Spieler auf dem Platz. Drei Downs bedeutet in Theorie und Praxis: Laufspiel wird im Vergleich zur NFL entwertet, dafür sieht man teilweise richtige Pass-Orgien und viel mehr Risiko, was im Umkehrschluss zu einer Aufwertung von Special Teams führt, die bei den meist kurzen Drives viel häufiger zum Einsatz kommen. Für zusätzliche Action sorgt die Bewegungsfreiheit der Spieler vor dem Snap, weshalb Spielzüge schwer antizipierbar sind und sich an der Anspiellinie oft geselliger Knuddelmuddel abspielt.

12 Spieler statt 11, dafür aber auch ein größeres Spielfeld: 110yds lang plus jeweils 20yds in jeder Endzone, macht eine Gesamtlänge von 150yds. Die Torpfosten stehen in etwa da, wo sie vor Urzeiten auch in der NFL gestanden hatten: Nahe der Goal Line, in der EndZone.

Canadian_football_field CFL

Ausmaße eines CFL-Spielfelds (via Wikipedia)

Gepunktet wird wie in der NFL mit dem Zusatz eines Singles (offiziell bitteschön: rogue), eine Situation, die einem Safety ähnelt mit dem Unterschied, dass beim Safety die Offence snappt, beim Single hingegen die ballführende Mannschaft den Ball von einem Kick/Punt annimmt. Ein Single ist – völlig überraschend – einen Punkt für die verteidigende (bzw. kickende) Mannschaft wert. Die Two-Point-Conversion nach dem Touchdown findet außerhalb der 5yds-Line statt.

Zeitmanagement in der CFL ist ein wichtiger Faktor, da jede Mannschaft nur ein Timeout besitzt und nur 20 Sekunden zwischen den Snaps bekommt, was für einigen optischen Thrill sorgt.

Und dann wäre noch, aufmerksame Leser werden es schon gemerkt haben, die unterschiedliche Schreibweise: Offence und Defence.

Die aktuelle Saison

Die Saison 2012 ist etwas Besonderes, weil am Saisonende der 100te Grey Cup ausgespielt wird. Der Grey Cup ist die älteste Football-Trophäe Amerikas, und wie zur ersten und 50ten Auflage wird der Grey Cup 2012 in Toronto ausgespielt werden. Dumm ist da höchstens, dass in der CFL mit ihren acht Teams sechs Teams die Playoffs erreichen. Das heißt: Nach 18 Spielwochen scheiden erstmal nur zwei Teams aus. Im letzten Jahr waren die heimischen Toronto Argonauts eines von ihnen…

Wo kann ich die CFL sehen?

Nach mehreren Jahren Abstinenz ist ESPN America in der laufenden Saison wieder mit von der Partie (offizielle ESPNA-Seite zur CFL) und wird eine ganze Reihe an Live- und „As live“-Spielen zeigen. Zum Beispiel in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch 3./4.7. die Partien BC-Winnigpeg (02h) und das Eröffnungsspiel Hamilton – Saskatchewan (05h), mit den Roughriders in einer ungewohnten weißen (diese Helme!) Trikotkollektion. Auf offiziellem Wege gibt es weiters die „As live“-Tapes auf der Homepage vom Broadcaster TSN.com. – mehr Bilder, höhere Wahrscheinlichkeit, dass es heuer auf diesem Blog mehr von der CFL als im vergangenen Jahr geben wird.

Mehr zur Canadian Football League und zur neuen Saison auf alle Fälle in Kürze.

Directly from Bloomington, Indiana

ESPN hatte Erin Andrews. NBC hat Alex Flanagan. Unsere neue Sideline Reporterin wird Sabine sein, von der wir unter dem vielsagenden Pseudonym Seminole an dieser Stelle schon das eine oder andere Mal lesen durften.

Seminole ist eine Ehemalige der Florida State University und seit einiger Zeit mit Unterbrechungen arbeitend in Bloomington/Indiana unterwegs, der Heimat der Indiana University und damit auch der geschätzten Kelley School of Business. Seminole wird in homöopathischen Dosen aus den Staaten berichten.

Ein paar Meilen weiter wird in Indianapolis das größte Quarterback-Talent seit Ewigkeiten seinen NFL-Einstand geben, und Seminole ist darüber hinaus stets bestens über College Football und dessen Drumherum (sprich: Death for the BCS) und insbesondere die Florida State Seminoles informiert. Bisherige Einträge ihrerseits gibt es hier.

Der Rest wird bleiben wie gehabt: Meinungsstark. Selbstverliebt. Egozentrisch. Und immer mit dem Herzen für die Underdogs. Für Underdogs wie unseren Freund, den Rhino. (/via Smart Football)

CFL 2011 Overview

Mit wenig Getöse startet heute die Canadian Football League (CFL) in ihre 58. Saison (offiziell ist es Saison #54). Die Canadian Football League ist die kanadische Version der NFL, geschrumpft um ein paar Dimensionen und vor allem: Viel ruhiger und anonymer.

Die Saison zieht sich wie die NFL über fünf Monate, vom Wochenende um den Canada Day (1.7.) bis zum letzten Wochenende im November, wo im Grey Cup der CFL-Champion ausgespielt wird. Grey Cup ist die kanadische Version der Superbowl – und man addiere ein paar Jahrzehnte Tradition: Heuer wird die Trophäe zum 99. Mal ausgespielt.

Canadian Football

Obwohl sich haufenweise ehemalige Studenten aus US-Colleges in der CFL tummeln, sprechen wir bei „CFL“ nicht von American, sondern von Canadian Football. Das heißt: Anstelle von vier Downs nur drei Downs, dafür 12 statt nur 11 Spieler auf dem Platz. Drei Downs heißt: Laufspiel wird im Vergleich zur NFL entwertet, dafür sieht man teilweise richtige Pass-Orgien und viel mehr Risiko, was im Umkehrschluss zu einer Aufwertung von Special Teams führt, die bei den meist kurzen Drives viel häufiger zum Einsatz kommen. Für zusätzliche Action sorgt die Bewegungsfreiheit der Spieler vor dem Snap, weshalb Spielzüge schwer antizipierbar sind und sich an der Anspiellinie oft geselliger Knuddelmuddel abspielt.

12 Spieler statt 11, dafür aber auch ein größeres Spielfeld: 110yds lang plus jeweils 20yds in jeder Endzone, macht eine Gesamtlänge von 150yds. Die Torpfosten stehen wie früher in der NFL in der Endzone, nahe der Goal Line.

Canadian_football_field CFL

Gepunktet wird wie in der NFL mit dem Zusatz eines Singles (offiziell bitteschön: rogue), eine Situation, die einem Safety ähnelt mit dem Unterschied, dass beim Safety die Offence snappt, beim Single hingegen die ballführende Mannschaft den Ball von einem Kick/Punt annimmt. Ein Single ist – völlig überraschend – einen Punkt für die verteidigende (bzw. kickende) Mannschaft wert. Die Two-Point-Conversion nach dem Touchdown findet außerhalb der 5yds-Line statt.

Zeitmanagement in der CFL ist ein wichtiger Faktor, da jede Mannschaft nur ein Timeout besitzt und nur 20 Sekunden zwischen den Snaps bekommt, was für einigen optischen Thrill sorgt.

Und dann wäre noch die unterschiedliche Schreibweise: Offence und Defence.

CFL im TV

Für NFL-Network-Abonnenten: NFLN zeigt pro Woche zwei Spiele live. Einen Sendeplan der ersten Wochen gibt es an dieser Stelle. Ansonsten wird auf ESPN America leider schon seit Jahren nichts mehr gezeigt, dafür kann man auf der Homepage des kanadischen Sportsenders TSN die Spiele in sehr guter Qualität und in voller Länge on demand anschauen – gratis. Meistens stehen die Spiele schon kurz nach Ende online.

CFL – Status neo

Die 4 Regeländerungen auf dem Spielfeld sind auf den ersten Blick recht marginal und beschränken sich auf die seit Jahren praktizierte inkrementelle Erweiterung des Video-Reviews, auf den jedes Jahr ein ganz klein bisschen verbesserten gesundheitlichen Schutz der Spieler und out-of-bounds Punten.

CFL – Status quo

Die Liga verharrt weiterhin in ihrem gemütlichen Dasein, was angesichts der Fast-Pleite nach einer konzeptlosen US-Erweiterung in den 90ern nicht die allerschlechteste Strategie ist. Allerdings schwebt das Damokles-Schwert „NFL in Toronto“ immer noch (und vermutlich noch eine Weile lang) über der CFL. Sollten die Buffalo Bills (oder irgendeine andere NFL-Franchise) in den Kernmarkt der CFL – Toronto – eindringen, wird es für die deutlich weniger strahlkräftige CFL bitter.

Wie klein die CFL finanziell im Vergleich zur NFL ist? Das Salary Cap beläuft sich auf 4,3 Millionen Dollar (Vergleich NFL: ca. 135 Mio. sind im Gespräch). Mindestsalär in der CFL: 44.000 Dollar.

Trotz allem genießt die CFL einen guten Ruf in Kanada, und besonders der Grey Cup genießt sowas wie den Status eines kleinen Nationalfeiertags inklusive Familienausflügen und Voradvents/Pregame-Shoppingtouren.

Man muss wissen, dass die CFL aus nur acht Franchises besteht, die sich auf eine West und eine East Division aufteilen.

Im Osten spielen die traditionsreichen Toronto Argonauts, die Hamilton Tiger-Cats, Winnipeg Blue Bombers und Montreal Alouettes, und ab 2013 wohl endlich auch wieder eine Franchise aus Ottawa.

Die West-Division setzt sich zusammen aus den B.C. Lions (Vancouver), Edmonton Eskimos, Calgary Stampeders und Saskatchewan Roughriders. In 18 Wochen Regular Season werden sechs (!) Playoffteilnehmer ausgespielt – nur logisch, dass dabei immer wieder Teams mit negativer Bilanz in den Playoffs spielen, worüber außerhalb von Seattle in der NFL niemand lachen könnte.

CFL 2011 – Der Osten

Die Montreal Alouettes haben in den letzten beiden Jahren jeweils den Grey Cup gewonnen und dürften auch in dieser Saison mit ihrer explosiven Offense Meisterschaftsanwärter sein. Mit Woche 1 beginnt der Countdown für den CFL-Passrekord nach Yards, den #13 QB Anthony Calvillo seit Jahren jagt. Zirka in Woche 14 oder 15 dürfte die ewige Bestmarke fallen. Montreals Heimspiele finden übrigens in einem sehr netten Ambiente statt, nicht im Betonklotz des Olympiastadions, sondern im schnuckeligen Memorial Stadium bei meist prächtiger Stimmung.

Die Toronto Argonauts kämpfen seit Jahren darum, endlich an Montreal vorbeizuziehen und manche erwarten, dass es heuer passieren wird. Beim jüngsten Roster Cut sorgten die Argonauts mal wieder für Erregung, als sie den hoffnungsvollen kanadischen QB Danny Brannagan aus dem Kader strichen. Ausgerechnet die CFL-Quarterbacks sind keine kanadische Domäne, was seit Jahren für Diskussionen sorgt.

Die Hamilton Tiger-Cats sind der Lokalrivale der Argonauts, aber die Offence um QB Quinton Porter gilt als wenig überzeugend, trotz des Preseason-Erfolgs über Toronto. Winnipeg schließlich wird die rote Laterne im Osten abholen, alles andere käme Sensation gleich. Für die Blue Bombers könnte die neue stadtinterne Konkurrenz der Jets (NHL) zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen und auch in der Preseason wurde bereits munter verloren, was es zu verlieren gab (zwei Spiele, um genau zu sein).

CFL 2011 – Der Westen

Als haushoher Favorit im Westen gelten die Calgary Stampeders, die schon im vergangenen Sommer dominierten, aber das Playoffspiel gegen Saskatchewan fassungslos in den Sand setzten. Allerdings haben die Stampeders nicht grad überzeugende Offence in der Preseason gespielt, weswegen manche glauben, dass die B.C. Lions Chancen auf den Titel im Westen haben. BC genösse heuer Heimvorteil im Grey Cup, der nach Vancouver vergeben wurde und im rundum erneuerten BC Place stattfinden wird.

Mein persönliches Lieblingsteam sind die Saskatchewan Roughriders, so was wie Canada’s Team, eine Franchise, zu der sich auch Granden bis hinauf in die höchsten politischen Ämter bekennen. Die Roughriders haben in ihrer langen Geschichte nur drei Titel geholt (zuletzt 2007) und in den letzten beiden Saisons jeweils den Grey Cup verloren. QB ist der schwarze Darian Durant, der mittlerweile ein erstaunliches Standing genießt und von Saison zu Saison souveräner wirkt, aber Durant muss 2011 auf seine besten Wide Receivers verzichten. Durants Platz als QB ist zementiert: Jüngst haben die Roughriders den ehemaligen Gators-QB Chris Leak (BCS-Champ 2006/07) gefeuert.

Vor ein paar Wochen hat in den Kommentaren im Kontext mit Charity Bowl XIII in Wien ein gewisser Chris Griffing aufgeschlagen. Nach längerem Email-Wechsel durfte ich u.a. erfahren, dass die Familie Griffing lange Football-Tradition besitzt und Chris Griffings Vater, Dean Griffing sr., ein ehemaliger Center und Head Coach der Roughriders war – und sogar in der kanadischen Football Hall of Fame steht! (Ganz nebenbei war der Mann auch noch Chefscout für Papa Bear George Halas und erster General Manager der Denver Broncos.)

Die Edmonton Eskimos schließlich gelten als krasser Außenseiter im Westen. Edmonton hat vor ein paar Wochen den legendären QB der Boise State University, Jared Zabransky, entlassen, womit Zabranskys CFL-Ambitionen wohl auch beendet sind. Die anderen QBs scheinen aber auch nicht höheren Ansprüchen zu genügen.

Als Abschluss: Hier gibt es den CFL-Schedule von 2011, wo Woche für Woche auch die Spiel-Highlights verlinkt werden.