NFL 2016, Woche 5 – Date am Donnerstag: Cardinals @ 49ers

Die Color-Rush-Nummer für die Thursday Night Games gefällt mir immer mehr. So kommt sprichwörtlich Farbe in die oft grauen Spiele am Freitagmorgen. Heute spielen aber nur die San Francisco 49ers (1-3) in speziellen tiefschwarzen Uniformen mit knallig roten Nummer. Der Arizona Cardinals (1-3) Color-Rush-Outfit ist ebenso schwarz-rot, daher spielen sie heute im traditionellen Weiß von Schoulder Pad bis Sportschuh. Unabhängig davon umschwirrt die Cards eine große Nervosität. Mangels besserer – beziehungsweiser schlechterer – Alternativen stürzen sich seit Montag die Auguren auf die Cardinals als die große Enttäuschung der Saison, selbst vom Verpassen der Playoffs, gar dem Ende einer Ära wird geraunt und gemeint. Als würden Ws und Ls die Stärke einer Mannschaft besser widerspiegeln als die tatsächliche Leistung und das Einordnen dieser in die bekannten Effizienstatistiken; die Tatsache das höheres Risiko höhere Varianz bedingt; und die oft verdrängten Tatsache, daß manchmal einfach der Fumble zum Falschen fumblet und manchmal auch der Long Snapper einen Touchdown verursachen kann. Anyhow. Weiterlesen

Date am Donnerstag, Week 14: Einen Teddy zum Nachtisch

Thursday Night Game mit den Arizona Cardinals (10-2) und den Minnesota Vikings (8-4) heute ab 2h30 als nominelles Spitzenspiel aus Glendale. Wobei: Bei „Spitzenspiel“ bin ich mir nicht ganz so sicher. Weiterlesen

Sonntagsvorschauer zu Woche 11 mit Carson Palmer

Letzte Woche blieben die Youtube-Streams der CFL-Playoffs trotz vollmundiger Ankündigungen seitens der Liga schwarz. Es wäre überraschend, wenn es heute anders sein sollte, wenn es zu den Semifinals kommt. Trotzdem der Form halber: 19h Ottawa – Hamilton, 22h30 Edmonton – Calgary.

In der NFL ist es ein weiterer Sonntag mit auf dem Papier eher durchwachsenen Ansetzungen, mit Ausnahme des Sunday Night Games. Weiterlesen

Arizona Cardinals in der Sezierstunde

Die Arizona Cardinals waren eine der positiven Überraschungen des abgelaufenen Jahres mit ihrer verdienten 10-6 Bilanz in der knüppelharten NFC West. Sie verpassten die Playoffs aufgrund eben dieser Divisionsstärke, aber sie hinterließen trotzdem einen extrem starken Eindruck, und jede Wette: Es waren fünf oder sechs Teams froh, dass die Cards letztlich nicht in die Post Season kamen… zu mächtig wirkten sie in der Saisonschlussphase.

Die Cardinals waren viele Jahre unter dem Headcoach Ken Whisenhunt berüchtigt dafür gewesen, eine unterirdische Pass-Offense durchschleppen zu müssen, in der sich niemand entscheiden konnte, ob die Qualität des Quarterbacks oder jene der Offensive Line schlechter war. Letztlich wurde Whisenhunt genau deswegen gefeuert und im letzten Winter durch Bruce Arians (ex-OffCoord der Steelers und Colts) ersetzt.

Überblick 2013

Record        10-6
Enge Spiele    5-3
Pythagorean    9.5     9
Power Ranking  0.633   7
Pass-Offense   6.5    10
Pass-Defense   5.5     7
Turnovers       -1

Management

Salary Cap 2014.

Die zweite wichtige Neuerung: QB Carson Palmer wurde aus Oakland geholt. Palmer, ein ehemaliger 1st-Draftpick der Cincinnati Bengals, ist einer der NFL-Profis mit diesen einzigartigen Karriereverläufen, über die du Bücher schreiben könntest. Gekommen als große Hoffnung, die siechenden Bengals zu revitalisieren, und schon im zweiten Jahr als Starter dort ein All-Pro würdiges Kaliber mit dem ersten Playoffeinzug der Mannschaft seit zwei Jahrzehnten. Es ging zuhause gegen den Erzfeind Steelers, und im allerersten Offense-Spielzug brachte Palmer einen 70yds Pass downfield an den Mann. Ein Traumstart… bis die Kamera ins Backfield schwang. Dort lag Palmer mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden. Er war von einem Steeler lang genug am Bein festgehalten worden, dass Palmers Knie sich verdrehte und so ziemlich alle wichtigen Bänder im Knie rissen.

Der Anfang vom Ende Palmers als Superspieler: Er kam zwar zurück, aber er ward nie mehr so gut. Zwei Jahre später musste er seine Sehnen im Wurfarm via Tommy John-Operation flicken lassen. Später zerstritt er sich mit dem Owner Mike Brown in Cincinannti und bestreikte frustriert vom Misserfolg der Bengals-Franchise seine Mannschaft. Wurde für einen behämmerten Tauschhandel nach Oakland verschifft, wo er die Raiders (!) trotz einer Orgie an Interceptions um ein Haar in die Playoffs geführt hätte. Wurde in Oakland rausgeschmissen, und ging in seinem dritten Frühling nach Arizona.

Kein Mensch hält Palmer mehr für einen Elite-QB, aber er ist ein gigantisches Upgrade über alles an Quarterbacks, was die Cards seit dem Karriereende Kurt Warners nach der 2009er Saison so durchschleppen mussten. Palmer warf zwar auch 2013 viele Interceptions (22 an der Zahl), aber im Verlauf der Saison stabilisierte sich die Offense unter seiner Führung immer besser. Palmer warf über den Saisonschnitt nur 23% tiefe Pässe, komplettierte dabei 63% für insgesamt 6.5 NY/A – ein Wert, der für Cards-Verhältnisse Sektkorkenknallen bedeutet.

Palmer ist 34, und eigentlich muss Arizona somit schon mittelfristig an seine Nachfolge denken. Fällt dieses Jahr der richtige Quarterback in den Slot, sollte Arizona im Prinzip schon zugreifen. Wer kann schon garantieren, wie lange Palmer noch halten wird?

Auf der anderen Seite: Auch Headcoach Arians ist kein Jungspund mehr. Mit 62 Lenzen wird Arians auch nimmer so langfristig planen können, will er seinen ganz großen Wurf noch schaffen.

Wenn Arizona kurzfristig denkt, geht es andere Baustellen als Quarterback an. Die allergrößte adressierte man schon in der Free-Agency mit dem Einkauf von LT Jared Veldheer aus Oakland. Veldheer ist erst 26 und gilt als großes Talent, und er konnte dank seiner Verletzung in der letzten Saison auch vergleichsweise billig für 7 Mio/Jahr eingekauft werden.

Veldheer als Anker der linken Seite, und als sein Nebenmann wird LG Jonathan Cooper einrücken. Cooper war vor 12 Monaten der #7-Draftpick des Jahrgangs, gefeiert als eines der größten Talente seit Äonen, aber er erlitt dann einen komplizierten Fußbruch und fiel die ganze Saison aus. Schienbeinbrüche sind für so schwere Jungs wie Cooper (140 Kilo) oft unangenehmer als man denken würde, aber denk mal positiv drüber: Arizonas Monster-Team wird dieses Jahr quasi um einen Gratis-First Rounder verstärkt. Mit Veldheer und Cooper kriegst du zwei potenzielle Ankermänner für die größte Baustelle des Teams.

Der Rest der Offense Line ist mit C Sendlein, RG Sendlein und RT Bobby Massie okay, aber nicht hervorragend besetzt. „Okay“ ist dabei gemessen an den Katastrophen von 2010-2012 ein Kompliment. Vor allem Massie soll auf der rechten Seite enormes Potenzial gezeigt haben. Center und Right Guard könnten aber noch via Draft durch Upgrades ersetzt werden.

Auf Tight End gibt es derzeit in Arizona nicht allzu viel, mit dem man arbeiten kann. TE Rob Housler wird von PFF.com als einer der schlimmsten Stammspieler der NFL beschimpft, aber Fakt ist: Andere sahen schon viel Potenzial in Housler: Noch ein junger Spieler, durchaus athletisch genug, aber noch etwas unreif. Arians liebt vielseitige Tight Ends, die gut fangen und blocken können. Er coachte einst Heath Miller in Pittsburgh, über den er immer wieder in Interviews schwärmt. Er (respektive seine Führungskräfte) draftete in Indianapolis zwei Tight Ends in hohen Positionen – alles andere als auszuschließen, dass Arizona resp. Arians diesmal spätestens in Runde 2 nach einem Tight End á la Jenkins aus Washington greifen.

Nicht direkt eine Schwachstelle für 2014, aber durchaus nicht unheikel mit Blick 2015 und darüber hinaus ist die Situation auf Wide Receiver: Dort schaffte Michael Floyd zuletzt endlich den Durchbruch. 20% der Anspiele des Jahres gingen auf Floyd, 34% davon tief. Floyd häufig Doppeldeckungen, und fing trotzdem 66 Bälle für über 1000yds. Auf Floyd wird man längerfristig bauen können, aber die große WR-Legende in Arizona, Larry Fitzgerald, könnte diesmal ihr letztes Halali in der Wüste sehen. Nicht, dass Fitzgerald großartig abgebaut hätte; er ist immer noch einer der effizientesten Wide Receivers, nur eine Spur unter der absoluten Elite, zu der er selbst auch früher gehörte.

Es ist sein Vertrag. Fitzgeralds Vertrag ist so gebaut, dass es in einem Jahr möglicherweise zur Trennung kommen muss: Fitzgerald wird dann zwar immer noch 14 Mio. dead-money anschreiben, aber das ist vielleicht für Arizona immer noch besser als einen 8-Mio. Roster-Bonus zu zahlen und sich somit auf Jahre hinaus weiter zu kastrieren. Für Fitzgerald selbst hat eine Neustrukturierung auch nicht wirklich viel Sinn – er könnte höchstens auf Gehalt verzichten. Verzichten deswegen, weil er andernorts kaum mehr einen Vertrag der Güteklasse Arizona bekommen wird, und somit auch nach einem samaritanischen Moment immer noch mehr einstecken würde als sonst. Nur: Wie viele NFL-Profis verzichten? Wie viele Menschen verzichten?

So oder so sind die Cards nach dem Abgang von Slot-WR Roberts gezwungen, Nachschub zu draften. WR Ginn aus Carolina ist bestenfalls Durchschnitt und verhindert, dass sich Superstar-CB Peterson weiter in sinnlosen Puntreturns aufreibt, aber Ginn ist keine echte verlässliche Receiver-Waffe.

Selbst wenn du an Ginn, den Wide Receiver, glaubst, ist es mit dem Fitzgerald-Vertrag im Hinterkopf fast ein Muss, hier mittelfristig zu denken und schon den Nachfolger einzulernen.

Aus dem Corp der Runningbacks kam Mendenhall abhanden, der seiner Gesundheit zuliebe mit nur knapp mehr als 27 Jahren zurücktrat. Das erlaubt den Cardinals, künftig stärker auf die Rookie-Sensation RB Andre Ellington zu bauen: Ellington wurde letztes Jahr extrem selten eingesetzt (117 Carries, machte aber als change of pace Back sensationelle 5.6yds/Carry und addierte dazu noch 39 Catches als Multiwaffe.

Ellington ist vielleicht in dieser Konstellation auch am effizientesten, weswegen RB Dwyer aus Pittsburgh geholt wurde. Dazu gibt es den Power-Back Taylor (ex-Stanford Cardinal) und Ryan Williams, zwei Backs, die in den letzten Jahren gedrafet wurden, als Entlastung. Ellington muss also keine 300 Carries sehen, aber no way, dass es wieder nur 117 sein sollten.

Summa summarum würde ich sagen: Tight End ist der große kurzfristige Need, den man angehen sollte. Mindestens ein Wide Receiver, und sei es als Absicherung gegen einen Abgang von Fitzgerald in einem Jahr. Und wenn der richtige Groschen fällt, kannst du schonmal auf Quarterback oder Center/RG denken.

Die Defense der Cardinals war zuletzt fast immer großartig, egal ob unter dem alten DefCoord Horton oder unter dem neuen Todd Bowles. Dieses druckvolle Spiel der 3-4 Cardinals ist immer eine Augenweide. Nun wurden viele Ergänzungsspieler bzw. Backups ziehen gelassen, weil der Kader ansonsten zu teuer geworden wäre, und sie wurden durch billiges Nachrückermaterial ersetzt.

Der Superstar der Front-Seven ist der DE/DT Calais Campbell, der 2013 mal wieder von einer unsympathischen Position aus 11 Sacks und fassungslose 67 Successes (Summe aus Tackles für EPA-Gewinn, Sacks, Fumbles, Interceptions) erzielte. Campbell ist J.J. Watt light, und zählt vorne für zwei. Dank seiner Arbeit können die Cards systemtechnisch die Linebacker etwas gen „andere“ Seite ziehen, wo der alternde Superbowl-Held von 2008, Darnell Dockett, nicht mehr zum Spitzenfeld gehört. Dockett ist nicht „schlecht“, aber er ist kein Campbell. Und Docket ist dank seines Vertrags ein heißer Kandidat, 2014 entlassen zu werden (zählt dann als 33jähriger 9.8 Mio. gegen die Cap, aber würde nur 3 Mio. dead-money anschreiben).

In der Mitte soll sich NT Dan Williams, ein ehemaliger 1st-Rounder, mittlerweile durchgesetzt haben. Als erste Backup-Option wurde Frostee Rucker gehalten; in Alameda Ta’amu gibt es noch einen weiteren jungen ehemaligen Draftpick zum Einlernen.

Die Linebacker hinter dieser sensationellen Anspiellinie verlieren in Brinkley und Dansby ihren beiden Inside-Starter des letzten Jahres. Hier ist die Frage, ob der famose Daryl Washington (einst TCU Horned Frogs) künftig wieder verstärkt Inside-Linebacker spielt. Washington brillierte schon früher häufig in einer Art Weakside-Linebacker Rolle.

Die andere ILB-Rolle ist zu besetzen (Draft?). Auf OLB gibt es John Abraham, eine der positiven Erscheinungen des letzten Jahres, aber Abraham wird mit 35 nicht jünger. Hier könnte für mein Empfinden versucht werden, eine Nachbesserung zu finden.

Man sollte allerdings nicht vergessen, welche Talente die Cards hier in der Hinterhand halten: Ein Kevin Minter, ein Alex Okafor, ein Sam Acho sind alles junge Linebacker, die vor nicht allzu langer Zeit als potenzielle hohe Draftpicks gehandelt wurden. Sie alle haben den Durchbruch noch nicht geschafft, aber mit nur 1-2 Jahren Erfahrung sind sie noch lernfähig. Ein Minter könnte durchaus Grund für die Cards gewesen sein, Dansby ziehen zu lassen. Ein Okafor galt schon oft als potenzieller Star-DE, könnte als OLB eingesetzt werden. Selbst ein Matt Shaughnessy (ehemals Oakland Raiders) konnte schon als Kurzzeit-Starter von der OLB-Position überzeugen und ist noch kein überalterter Routinier.

Es ist halt die Frage, wie viel Vertrauen das Trainerteam in diesen Schwall an noch ungeprüften Jungstars hat.

Das Defensive Backfield genügt durchaus höchsten Ansprüchen: CB Patrick Peterson kannst du nach drei Jahren des Einlernens mittlerweile auf jeden gegnerischen Top-Wideout loslassen, und er wird dir nur wenige Fehler begehen; Peterson ist ein echter Shutdown-Cornerback geworden. Der andere Stamm-CB ist mit Antonio Cromartie ein Neuzugang aus New York, berühmt geworden als Vater von tausend Kindern und Meister der Interceptions. Cromartie ist vielleicht kein Weltmeister mehr, aber als zweiter Mann im Tandem sicher ein massiver Gewinn – und er gibt dir die Chance, einen CB Powers in die Rotation zu schicken.

Als eine Art Freelancer zwischen Slot-CB und Free-Safety wird wieder Tyrann Mathieu agieren, der Honey-Badger, dessen Rookiesaison alle baff hinterließ. Mathieu, dieses wandelnde Drogenproblem, blieb als Rookie clean und glänzte als Playmaker der allerersten Güte. Er riss sich allerdings gegen Saisonende das Kreuzband. Wie fit er zurückkehren wird, bleibt abzuwarten, aber nehmen wir auch hier den guten Fall an, und wir haben einen sehr, sehr jungen Spieler für einen jungen Abwehrkern, der seine beste Zeit wohl erst noch vor sich hat.

Einzig bei der Safety-Combo Johnson/Jefferson würde ich meine Hand noch nicht ins Feuer legen, dass hier Großes kommt. Ich halte es durchaus nicht für ausgeschlossen, dass die Cards Safety als wichtigste Priorität sehen und entsprechend versuchen, schon in Runde 1 einen Safety zu draften.

Insgesamt dank verbesserter Offensive Line und QB Palmer gut aufgestellte Cards-Mannschaft. Sie wird dank Coopers Rückkehr und des eigenen 1st-Rounder im Prinzip durch zwei 1st-Rounder ersetzt. Wenn die größten kurzfristigen Lücken wie TE, OLB oder Safety zur Zufriedenheit gelöst werden, ist man vermutlich auch diesmal ein Spitzenteam. Aber man wird im Hinterkopf schon über 2014 hinaus denken müssen.

Es ist also überraschenderweise auch auf die Arizona Cardinals ein Auge zu werfen.

NFL Notizblock, Week 7: TNF Seattle Seahawks @ Arizona Cardinals

Es ist einfach eine Schande. Seit Jahren schon wird das viele individuelle Talent verschwendet, weil sie sich standhaft weigern, vernünftige Offensive Tackles und einen Quarterback zu verpflichten, der auch mal ein Spiel alleine gewinnen kann. Zu Beginn des siebten Spieltages empfingen diese Arizona Cardinals (3-3) zu Hause die Seattle Seahawks (5-1) und waren zwar Außenseiter, aber mit ihrer großartigen Defense und ein wenig Glück in den Special Teams können sie ihren Angriff gegen jeden Gegner bis zum Schluß im Spiel halten.

In der Offense sind es vor allem die WRs Michael Floyd und Larry Fitzgerald, die unter dem QB-Tackle-Mangel leiden. Beide mußten sich mit der „Legion of Boom“ herumschlagen, Fitzgerald zu allem Überfluß auch noch mit Muskelfaserproblemen. Er wurde dann zwar von Bruce Arians überall aufgestellt, außer an der rechten Seitenlinie, wo Richard Sherman wartet, aber trotzdem fing Fitz nur zwei Bälle. Floyd hatte mehr Erfolg mit sechs catches. Allerdings lief im Paßspiel nur etwas mit screen passes und crossing routes auf dem Level der Linebackers; das Arians-typische downfield passing game war abgemeldet.

Stats / Gamebook

Gamebook Seahawks@Cardinals

Das war der heillos überforderten Offensive Line geschuldet. Left Tackle Bradly Sowell wurde im pass blocking auf alle erdenklichen Weisen naß gemacht. Oft sind Cliff Avril oder Michael Bennett einfach mit speed an ihm vorbeigerannt, manchmal wurde er mit power regelrecht in Carson Palmer reingetragen – butt sack könnte man das vielleicht nennen. Gegen die Mitte der Linie machte ein gewisser Tony McDaniel mächtig Alarm und auf der rechten Seite wurde Tackle Eric Winston sogar mal von einem Defensive Back auf den Rücken geworfen bei einem Laufspielzug.

Überhaupt: das Laufspiel. Fehlanzeige. Die Front Seven der `Hawks ist viel zu stark für die Linie Arizonas. Wenn sie dann doch mal versuchten zu laufen, wurde Richard Mendenhall grün und blau geprügelt (13 Läufe, 22 Yards). Rookie Andre Ellington, der in den letzten Wochen ziemlich heiß aussah, bekam nur drei carries. So lief das den ganzen Abend: kein Laufspiel; keine langen Pässe; Palmer under pressure (sieben Sakcs und gefühlt hundert hits.) Und Palmer trifft schlechte Entscheidungen, wenn er Druck im Gesicht hat. Statt den Ball wegzuwerfen, versucht er in allerkleinste Fenster zu werfen. Er war noch recht glücklich, mit nur zwei Interceptions davonzukommen. Eine davon wurde von Brandon Browner bis an Arizonas 1-Yard-Linie zurückgetragen.

So eine Offense kann auch von einer erstklassigen Defense nicht rausgerissen werden. Schon gar nicht, wenn diese Defense einen schlechten Start hat. In den ersten beiden Drives wurde Arizonas Front Seven völlig auf dem falschen Fuß erwischt: 150 Yards und zwei Touchdown. Für den Rest des Spiels waren es nicht mal mehr 200 Yards, was eine mehr als respektable Leistung gegen einen Angriff von Seattles Kaliber ist.

Nach den ersten beiden Serien war es business as usual für die Cards-D: Calais Campbell hat sein Zelte direkt im Backfield der Offense aufgeschlagen; niemand wirft Richtung Patrick Peterson; und Daryl Washington explodiert in alle Richtungen gegen RBs und QBs. Neben diesen jungen Superstars spielen einige zuverlässige Veteranen wie Karlos Dansby, Darnell Dockett und John Abraham. Nimmt man noch die nicht voll entwickelten Top-Talente wie Tyrann Matthieu und Matt Shaughnessy dazu, hat man einen Kader wie aus dem Bilderbuch.

Die Abraham-Campbell-Shaughnessy pass rush combo hat schließlich noch Russell Wilson zwei Fumbles rausgeschlagen und einen Turnover on Downs produziert. Vorwerfen kann man Arizonas D einzig, wie schon gesagt, die ersten beiden schwachen Drives. Wenn Wilson nicht einige spektakuläre Läufe und Würfe bei eigentlich schon zusammengebrochenen Spielzügen gemacht hätte, wär das Ding auch bis zum Schluß ganz eng geblieben. Wilson hat sich zusammen mit Andrew Luck vorläufig recht deutlich von den anderen beiden QBs der „Big Four“, Colin Kaepernick und Robert Griffin, abgesetzt. Auch wenn er nicht immer die ganz starken Zahlen hat, so ist er doch ein hervorragender Quarterback, der seine Mannschaft bei 3rd Downs und in kritischen Situationen immer im Spiel halten kann.

So schade es vor allem um die Defense Arizonas ist: ich sehe nicht, wie man es mit dieser Offense in die Playoffs schaffen sollte. Schon gar nicht, wenn Bruce Arians dermaßen ängstlich ist: beim Stand von 31-13 an Seattles 3-Yard-Linie ein Field Goal schießen?!? Beim Stand von 34-16 im vierten Viertel punten?!? Verstand verloren? Dachschaden?!? So verdienen sie auch keine Playoffs.

Oakland Raiders in der Sezierstunde

Und die nächste Achterbahnfahrt für die Oakland Raiders. Von Al Davis’ Tod über den Einkauf von Carson Palmer bis zum nächsten Trainerwechsel war wieder alles dabei – nur keine Playoffteilnahme.

Nun ist eine neue sportliche Führung am Werk und ich habe keine Ahnung, was man von GM Reggie McKenzie und HC Dennis Allen erwarten kann. Die beiden können jedoch auf einer Mannschaft mit einigen Bausteinen aufbauen. Weiterlesen

NFL-Wk 12, 2011/12: Mahlzeit

Der heutige NFL-Abschluss des Thanksgiving-Wochenendes fühlt sich eher „lauwarm“ an. Die 19h-Partien sind so wenig prickelnd, dass bei ESPN America der Krisengipfel NY Jets – Buffalo als Livespiel herhalten muss. Dazu hat schon heute Vormittag Herrmann die Einleitung gegeben.

Die restlichen TV-Spiele.

Oakland Raiders – Chicago Bears

22h15 LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Montag, 12h30 Tape bei ESPN America

Im Mittelpunkt stehen für mich die beiden Quarterbacks. Bei den Raiders hat sich der teuer eingekaufte #3 Carson Palmer richtig gut eingelebt und nach ein paar Interceptions zum Warmwerden zuletzt drei großartige Spiele gezeigt. „Großartig“ weniger in den Stats (50/78 für 795yds, 6 TD, 4 INT), aber Palmer soll leichtfüßiger denn je und brutal gute Pässe in brutal enge Deckungen werfen. Zumindest gingen Andy Benoits Beobachtungen im CBS-Podcast in diese Richtung. Und wenn Andy Benoit das behauptet, dann glaube ich das. Einfach so.

Oakland hat nicht schnelle Wide Receivers. Oakland hat Sprinter. Palmer besitzt den Arm für die tiefen Bälle. Wenn Palmer nun auch noch flink genug ist, um der ersten Druckwelle auszuweichen, riecht es gegen die eigenartigen Abwehrschemen der Bears nach mehreren Big Plays.

Die Bears müssen  wochenlang an dem am Daumen verletzten QB Jay Cutler verzichten, weswegen wir hier die Rückkehr des Caleb Hanie erleben werden. Hanie war sowas wie ein moralischer Sieger des NFC-Finals 2010/11, wurde damals in eine tote Mannschaft geworfen, nachdem Cutler mit Knieverletzung und Backup Collins mit Inkompetenz raus waren, und Hanie spielte meiner Erinnerung nach richtig ordentlich, trotz zweier INTs. Unter Hanie lief die Offensivmaschine der Bears in jenem Spiel gegen Green Bay am besten.

Für Hanie werden es entscheidende Wochen: Am Saisonende läuft sein Vertrag aus. Gewinnt er drei der sechs Spiele, könnte Chicago in die Playoffs marschieren und Hanie irgendwo einen teuren Vertrag kassieren. Spielt er schlecht, könnte die Laufbahn zu Ende sein.

Die Bears haben nach der Lions-Niederlage die große Chance, einen Vorsprung herauszuarbeiten, aber man darf skeptisch sein, ob das ausgerechnet bei den aufsteigenden Oakland Raiders passieren wird.

Kansas City Chiefs – Pittsburgh Steelers

02h20 LIVE bei ESPN America und SPORT 1+
Montag, 18h30 Tape bei ESPN America
Mo/Di, 00h00 Tape bei SPORT1+

Auch hier ist ein Quarterback im Fokus: Tyler Palko, der Mann, der in New England nicht katastrophal debütierte, aber unter Druck aussah wie die Hühner im Nachbarsstall. Palko bekam kürzlich mit Kyle Orton den neuen Starter vorgesetzt, nachdem die Matt Cassell diese Saison abschenken wird, aber Orton wird heute kaum eingesetzt werden. Will heißen: Man kann eine druckvolle Steelers-Defense erwarten, die den Linkshänder Palko aus dem Konzept bringen wird. Ich sehe nicht, wie die recht biedere Chiefs-Offense dann noch punkten will. Pittsburgh dürfte also leichtes Spiel haben, sollte eigentlich mit einer grundsoliden Offensivleistung locker durchmarschieren können.

ESPNA: Aufzeichnungen von morgen

  • 10h30: NY Jets – Buffalo
  • 12h30:Oakland -Chicago
  • 14h30: San Diego – Tebow. Duell in der AFC West, was eigentlich per definitionem jegliche weitere Prognose verbietet. Kann Fox auch in San Diego einen Sieg heraustebowtieren?
  • 16h30: Philadelphia – New England. Kurze Einführung habe ich bei Football-Austria geschrieben.
  • 18h30: Sunday Night Game

Mahlzeit.

Gebengalt und geraidert, gepalmert und gecampbellt

Palmer nach Oakland – vier involvierte Parteien, vier Sichtweisen.

Oakland Raiders

Sofern Carson Palmer nicht monatelang auf der Coach vergammelt sein sollte, dürften die Oakland Raiders mit Palmer einen im Vergleich zu Jason Campbell verbesserten Quarterback bekommen, einen, der über den Status des Bürokraten hinauszuwachsen imstande ist und dem Raiders-Angriff mit seinem fantastischen Running Back Darren McFadden eine veritable zweite Dimension verleihen kann. Und Palmer ist erst 31.

Soweit die Kurzsicht. Langfristig sollte man in Oakland hoffen, dass Palmer dann auch einschlägt, da die nächsten Drafts sehr düster aussehen dürften: Im NFL-Draft 2012 müssen die Raiders ohne ihren Erstundenpick (Palmer), Zweirundenpick (nach New England), Drittrundenpick (Terrelle Pryor) und Viertrundenpick (Campbell) auskommen, 2013 fehlt je nach Einschlagen Palmers der Pick in der ersten oder zweiten Runde (die Kondition ist an einen Playoffsieg der Raiders geknüft). Da können eineinhalb Drafts draufgehen – für keine Mannschaft ein Zuckerschlecken.

Des Weiteren ist die Zukunft zweier Quarterbacks ungeklärt, für die man einst Draftpicks verhökerte: Campbell dürfte nochmal Lust haben, sich anderweitig für eine Starterposition zu bewerben, Pryor dagegen ist völlig ungetestet und wird hinter dem teuren Palmer keine Land für schnelle Einsätze sehen.

Cincinnati Bengals

IMHO die großen Gewinner in diesem Deal sind die Bengals, die Palmer zu keinem Zeitpunkt in den letzten neun Monaten für diesen Preis verhökern hätten können: Potenziell zwei Gratis-Picks in der ersten Runde für einen Mann, der nicht mehr für Cincinnati aufgelaufen wäre. Das war man vom starrsinnigen Eigentümer Mike Brown nicht mehr gewohnt, dass er über seinen Schatten springen würde. Aber der Preis war zu hoch selbst für Browns Bockigkeit.

Cincinnati hat den Umbruch bereits eingeleitet und mit QB Andy Dalton ein frisches Gesicht geholt, das 1-2 Jahre Lernzeit bekommen dürfte und bislang so unterirdisch nicht aussieht. Zum vermutlich hohen eigenen Pick 2012 dürfte sich ein weiterer mittelhoher Raiders-Pick gesellen, wodurch durchaus die eine oder andere wertvolle Verstärkung angedacht werden kann (Trent Richardson?).

Carson Palmer

Carson Palmer kriegt unverhofft die Gelegenheit auf eine zweite Karriere, noch dazu für eine Mannschaft, die im Aufschwung begriffen ist und in einer nicht weltbewegenden Division spielt. Palmer war für mich jahrelang ein unterschätzter QB, der im Intrigantenstadel von Cincinnati so lange gehemmt wurde, bis er lieber auf 100 Mio. Vertrags-Dollar schiss als noch Eier für Cincinnati zu werfen.

Allerdings litt Palmer Image bei mir in den letzten beiden Jahren zunehmend. Das begann mit der schaumgebremsten zweiten Saisonhälfte 2009/10, verstärkte sich beim verheerenden Playoff-Aus gegen die New York Jets mit dieser entseelten Offense, ehe der vergangene Herbst bei aller Schlechtig- und Undiszipliniertheit der Bengals auch von immer wieder zu ungünstigen Momenten eingestreuten Palmer-INTs runtergezogen wurde. Dass Palmer im Jänner die Pappm aufriss, konnte ich nachvollziehen. Dass er sich so konsequent einer weiteren Anstellung in Cincinnati verweigerte, überraschte.

Palmer, der einstige Franchise-Hoffnungsträger in Cincinnati, wird in Oakland eine persönliche sportliche Renaissance brauchen, um die Handelsware zu bestätigen.

Jason Campbell

Die bitterste Komponente in diesem Deal: Jason Campbell. Campbell ist eine der tragischen Figuren der letzten Jahre: 2005 als wenig gehypter 1st round pick zu den Washington Redskins gekommen, die mit ihrer Freunderlwirtschaft, einer gänzlich vernachlässigten Offensive Line und einem anspruchsvollen Publikum nicht wirklich der Lieblingsort eines jungen Quarterbacks sind. Campbell verletzte sich meistens im ungünstigsten Zeitpunkt, beispielsweise Wochen vor einem Playoff-Einzug, kam meistens zum ungünstigsten Zeitpunkt wieder zurück, beispielsweise als Jim Zorn Head Coach wurde, entwickelte sich als rikisoscheuer Werfer nie über den Status eines blassen Verwalters hinaus. Oakland war Campbells Chance zur Reanimierung einer in die Ecke getriebenen Karriere, bis zu der Schlüsselbeinverletzung und bis ihm nun ein teurer Quarterback vorgeworfen wurde.

In vielen Interviews habe ich ein exzellentes Bild von Jason Campbell gewonnen: Ein intelligenter, bescheidener Mann, dem ich den Erfolg gegönnt hätte und der für meinen Geschmack einer dieser NFL-Profis war, die das Pech hatten, zu den falschen Momenten an den falschen Ort gekommen zu sein.

Cincinnati Bengals in der Sezierstunde

Es war Thanksgiving und ich machte zwei Nächte lang mit wildesten Zahnschmerzen kaum ein Auge zu. Vorteil der Qual: Viel Football sorgte für die Ablenkung. Das Nachtspiel des Tripleheaders am amerikanischen Erntedank-Donnerstag hieß NY Jets – Cincinnati Bengals. Ich habe einigermaßen fassungslos am TV-Schirm gesessen. So fassungslos, dass ich diesen Beitrag noch in der Nacht geschrieben habe.

Es ist Zeit, alles in Grund und Boden zu stampfen. Die Cincinnati Bengals brauchen einen Neuanfang.

Nun bin ich eigentlich kein Freund von Aktionismus (und das kann man ruhig auch auf die Fußball-Bundesliga übertragen). Aber: Meine Fresse, ich hätte mir spätestens nach diesem Spiel NIEMALS erträumen lassen, dass Marv Lewis heute noch Coach der Bengals ist, OBWOHL sein Vertrag Anfang Jänner ausgelaufen ist UND Lewis die „Frechheit“ besaß, als dead man walking für eine Verlängerung zusätzliche Kompetenzen einzufordern.

So kann man sich täuschen. Lewis hat einen Zweijahresvertrag bekommen, inklusive mehr Involvierung in der Zusammenstellung seines Trainerstabs. Ich hielt Lewis stets für einen Top-Coach, bis Lewis in den Playoffs 2009/10 mit einem inspirationslosen Coaching gegen die Jets (harhar, wieder die Jets) die Saison vergurkte. Und, natürlich, bis Cincinnati mit dem Coach Marv Lewis im letzten Vertragsjahr 2010/11 voll gegen die Wand gefahren ist. Ich hätte keinen Cent mehr darauf gewettet, dass Lewis auch nur einen Funken Chance auf eine Vertragsverlängerung erhalten würde.

Die Probleme

Cincinnati 2010/11 war ein unglaublich schlampiges Team. Strafen zu den dümmsten Zeitpunkten, ein Kollaps des Laufspiels, Zicken² nach Owens-Einkauf, ein unkonstanter Quarterback… Während einer Niederlagenserie von 10 Spielen sorgte in jeder Partie ein anderer Mannschaftsteil (oder Coaching-Fehler oder Individualfehler) für das „L“ im Schedule.

Dabei wäre das Spielermaterial recht brauchbar. Es hakt an der charakterlichen Zusammensetzung. Für Cincinnati ist ein Knastaufenthalt in der Vita ein dickes, fettes Plus.

Carson Palmer QB Bengals, NFL Football

©Wikipedia

Als wäre die ganze Situation nicht schon verfahren genug, kündigte QB Carson Palmer (einst #1-Pick) vor ein paar Wochen an, vor einer Entscheidung zu stehen: Entweder sein Abgang aus Cincinnati. Oder das Karriereende. Palmer hat es satt, als alleiniger Sündenbock für die katastrophale 4-12 Saison hinhalten zu müssen. Jüngst stellte Palmer sogar sein Haus auf den Immobilienmarkt.

Damit der Tiger wieder brüllt…

… müssen massivste Fragezeichen geklärt werden: Ist es Palmer tatsächlich so ernst? Auf der anderen Seite kann ich mir schwer vorstellen, dass Sturkopf Mike Brown Palmer seine Wünsche erfüllen wird – solange Cincinnati nicht ordentlich Entschädigung kriegt. Ich bleibe dabei: Palmer ist ein solider QB. Nicht mehr so überragend wie vor 5-6 Jahren, aber gut genug für die Bengals im Moment. Denn die gravierenderen Probleme sind an anderen Stellen zu verorten.

Sollte Palmer wirklich gehen, kann ich mir kaum vorstellen, dass Cincinnati einen QB draftet. Lewis muss siegen und kann sich keine neuerliche Heranzucht eines QBs leisten. Positiv: Cincinnati 2011/12 wird in der Offense von Jay Gruden gecoacht, einem ehemaligen Arena-League-Trainer, der als QB-freundlich gelten sollte.

Zweite Offense-Baustelle: Das Laufspiel. RB Cedric Benson ist das alleinige Arbeitstier, aber Benson leidet an Fumbleitis und noch mehr unter dem fehlenden Komplementär-Back, der für Rhythmuswechsel sorgen könnte. 3,5yds/Lauf sind keine guten Statistikwerte. Bensons Vertrag läuft aus.

Dritte Baustelle in der Offense: Die Wide Receivers. Selbst das dickste Fell ist irgendwann nicht mehr dick genug und was sich Chad Ochocinco Johnson und Terrell Owens (zusammen 50% der Touchdowns gefangen und fast 50% der Pass-Yards geholt) geleistet haben, schreit nach Rausschmiss. Wenn Lewis einen letzten Rest Selbstachtung besitzt, entsorgt er die beiden Eierköpfe und hätte im Draft an #4 womöglich WR A.J. Green von der University of Georgia auf dem Präsentierteller. Ein Top-Mann.

In der Defense verorte ich vor allem das Fehlen einer soliden Basis für die Lauf-Verteidigung. Auffällig, wie häufig Cincinnati gegen laufstarke Teams verliert. Von daher würde ich eine Verbesserung der Defensive Line (v.a. Tackles) als essenziell ansehen.

Was die Pass-Defense angeht: Cincinnati steht statistisch nicht schlecht da und besitzt mit CB Leon Hall einen Deckungsspieler, der ligaweit als einer der besten seines Fachs eingeschätzt wird. Was mau ist: Der Pass Rush (nur 27 Sacks). Weil der beste Passrusher, DE Antwan Odom, ein verletzungsanfälliger Mann ist, darf man für die #4 auch spekulieren, ob Cincinnati nicht am besten einen Defensive End nehmen sollte.

Ausblick

Cincinnatis wichtigste Personal-Fragen sollten sein:

a) Können wir Palmer zum Bleiben bewegen? Wenn nein, welcher erfahrene QB ist der beste zu akzeptablem Preis?
b) Wiegt der sportliche Verlust CJ/Tos schwerer als die gewonnene Team-Chemie?
c) Frage b) wird auch den Draft beeinflussen, und zwar massiv: Welche Baustelle ist uns wichtiger: Wide Receiver oder Defensive Line?
d) Was machen wir mit RB Cedric Benson?

Schwierig, Cincinnati einzuschätzen. Zu viele Baustellen, zu viele Ungewissheiten. Die Einstellung von OffCoord Jay Gruden deutet auf passlastigeres Spiel hin.

Für Marv Lewis wird es in erster Linie darum gehen, ob er das Team nach der wiederholten verkorksten Saison und dem nicht bedingungslosen Rückhalt durch Owner Mike Brown hinter sich einen kann. Die ersten Schritte sollten die Säuberung des Kaders sein. Lewis dürfte IMHO an der Sideline ruhig etwas aktiver auf das Spiel einwirken. Vor allem sein Instant-Replay-Management hinterlässt mich regelmäßig ratlos.

Dazu kommt die schwere Division mit zwei Titelanwärtern und den Browns, die möglicherweise auf dem aufsteigenden Ast sind.

Das Archiv der „Sezierstunde“ ist hier zu finden – oder per Klick auf den entsprechenden Tag „Sezierstunde“.

In Cincy geht die Sonne unter

In Cincy geht die Sonne unterSonnenuntergang hinter dem Paul Brown Stadium – ©Flickr

Ich bin heute Nacht mit Zahnschmerzen noch einmal aufgewacht. Also hab ich mich noch mal vor den Schirm gesetzt, um die lange Thanksgiving-Footballnacht noch zu verlängern. Zweite Halbzeit Jets – Bengals. Eineinhalb Viertel, dann hatte ich genug gesehen.

Es ist Zeit, alles in Grund und Boden zu stampfen. Die Cincinnati Bengals brauchen einen Neuanfang.

Augenscheinlich wurde das, als Mitte des dritten Viertels, frisch nach einem verschossenen kurzen Field Goal zum möglichen 10-10, die Jets gestoppt und zum Punt gezwungen wurden. Der Punt kullerte in die Red Zone der Bengals, die Bengals drehten ab und plötzlich warf sich ein Jet drauf. Turnover.

An der Seitenlinie ganz cool: Marvin Lewis. Das rote Taschentuch blieb in den Socken stecken, und keine Anstalt, damit zu wedeln oder es noch besser wutentbrannt ins Spielfeld zu feuern. Obwohl in keiner Zeitlupe irgendetwas von einer Bengals-Berührung mit dem Ball zu sehen war.

Das hässliche Entlein

Marvin Lewis kam vor fast genau acht Jahren von den Baltimore Ravens zu den Bengals. Er machte aus dem hässlichen Entlein innerhalb von zwei Jahren einen Superbowl-Anwärter. Gemeinsam mit dem jungen QB Carson Palmer. Stinkstiefel wie RB Corey Dillon wurden gefeuert und sogar der exzentrische WR Chad Johnson konzentrierte sich auf das Spielfeld.

Aus den Fugen geriet die plötzlich heile Bengals-Welt an einem frühen Sonntagnachmittag im Jänner 2006. Erstes Playoffspiel der Bengals seit Äonen. Palmer gleich zu Beginn mit einem langen Pass, als Steelers-DE Von Oelhoffen sämtliche Bänder in Palmers Knie zertrümmerte. Seitdem sind die Bengals nicht mehr die gleichen: Palmer kam zwar zurück und spielte zwei überdurchschnittliche Saisonen, allein, die Mannschaft kam nicht mehr in die Nähe der Playoffs, trotz einer mediokren AFC North.

2008 verletzte sich Palmer erneut schwer, diesmal am Ellenbogen. Die Bengals mit dem Totalabsturz. 4-11-1, wobei das noch geschönt wurde durch drei Siege zum Saisonausklang. Ich hielt Palmer für essentiell für die Mannschaft und hatte trotzdem vage Playoffhoffnungen für 2009. Und siehe da: Die Bengals mit einer formidablen Saison. Allein: Palmer machte trotzdem keinen guten Eindruck. Marv Lewis, das Genie, coachte die Bengals mit einer starken Defense und viel Laufspiel in die Playoffs. Trotz Palmers schwacher Vorstellung. Trotz unglaublich vieler charakterlicher Problemfälle. Trotz eines internen Todesfalls während der Saison.

Erste Playoffrunde gegen die mäßigen Jets. Und Marv Lewis coachte einen derartigen Mist zusammen, dass ich schon Mitte des zweiten Viertels jegliche Sieg-Hoffnungen begraben hatte. Zwei sinnlose Challenges im ersten Viertel, ein völlig uninspirierter Gameplan, eine katastrophale Defense. Es waren Vorboten des jetztigen Herbstes.

Die Bengals haben acht Spiele in Serie verloren. ACHT. U.a. letzte Woche gegen die Bills, wo trotz 21-Punkte-Führung mit 18 Punkten verloren wurde! Auch gegen die Jets war eine legitime Siegchance da. Aber die Mannschaft hat die Scheiße am Fuß, und sie scheint so sehr festzustecken, dass es ohne Neuanfang nicht mehr geht.

Ich brauche frische Luft!

Marv Lewis’ Vertrag läuft am Saisonende aus. Obwohl ich den Coach immer noch schätze und glaube, dass er irgendwann noch einmal eine Mannschaft zu einem Titelanwärter machen wird. In Cincinnati wird das nicht der Fall sein. Es braucht frischen Wind. Carson Palmer? Der Mann ist nicht mehr großartig, aber nicht die Baustelle. Notfalls ginge noch ein Jahr. Aber das steht noch auf einem anderen Blatt – bis der neue Head Coach gefunden ist und klar ist, wohin die Reise geht.

Freilich wäre es mir am liebsten, Mike Brown würde sich aus Cincy verziehen. Der Mann ist nicht nur für den von mir hoch geschätzten Michael Silver einer der übelsten Owner. Brown, der Geizhals, der sich stets in der Opferrolle sieht, der die Liga torpediert und gleichzeitig einen einzigen charakterlichen Sauhaufen an Spielern auf dem eigenen Trainingsplatz hat. Der sich seit Jahren gegen ein neues Trainingszentrum verwehrt und sich weigert, Scouts zu bezahlen. Wenn ein Mann wie Brown einer Franchise dann auch noch als Präsident vorsteht und nichts anderes im Kopf hat, als die finanziellen Nachteile gegenüber Redskins und Cowboys zu beklagen, dann kann das nicht förderlich sein für rosigere Zeiten..

Brown wird die Bengals so schnell aber nicht verkaufen. Ihn in den Ohio zu spülen wäre zwar das Beste für die Bengals, doch wer soll das machen?

Fest steht: Es braucht ein Ausmisten und Frischwind mit neuem Coach (Stanfords Jim Harbaugh?).

So. Ich bin nicht der Bengals-Insider und ich tue es mir auch nicht Woche für Woche an, das Gegurke anzuschauen, aber ich blute innerlich, wenn ich diese wunderbare Franchise so den Bach runtergehen sehe. Daher die paar Cents von meiner Seite.

NFL Week #12 Preview: American Football zum Erntedankfest

Das Wochenende ist prall gefüllt mit herumfliegenden Eiern. Los geht’s am Donnerstagabend mit den Thanksgiving-Spielen in der National Football League. Traditionell spielen um 18h die Detroit Lions und um 21h30 die Dallas Cowboys. Das Nachtspiel bestreiten diesmal Jets und Bengals.

Detroit Lions – New England Patriots

Donnerstag, 18h30 live bei ESPN America

Lange auf dieses Spiel gewartet. Lieblingsteam gegen Lieblingsteam und zum ersten Mal seit einem Jahr mal wieder die Lions im Fernsehen! Und dann fehlt mit QB Matt Stafford der wichtigste Mann mit Schulterverletzung 😦 Man hat es nicht leicht als Lions-Sympathisant. Sprich: Kaum schaut es nach einem Aufschwung aus mit einem jungen, dynamischen Angriffstrio um QB Stafford, RB Best und WR Johnson, kaum sind die Lions selbst gegen starke Teams wie Giants, Packers und Jets fast am Sieg dran, stehen die Löwen schon wieder bei einer deprimierenden 2-8 Bilanz.

Als die Lions Stafford gedraftet haben, fand ich den Move schlecht. Die haben keine Offense Line, und einen jungen QB hinter eine Schweizerkäse-Line zu stellen, grenzt an Selbstzerstörung. Stafford spielte nicht mal übel, bewies einige Male sogar sehr viel Courage. Aber Staffords Schulter hält einfach nicht. Ich sehe eine schwere Zeit auf Detroit zukommen, wenn das so weiter geht.

So bleibt das Thanksgiving-Spiel vorerst die einzige Möglichkeit, Detroit Lions live im TV zu erleben. Dass diese Tradition noch lange erhalten bleibt, gilt als nicht gesichert. Zu erfolglos dümpeln die Lions in den NFL-Niederungen umher, obwohl man seit Jahren haufenweise hohe Draftpicks gesammelt hat, von denen einige absolute Knaller sind. Calvin Johnson oder Ndamukong Suh seien an der Stelle genannt.

Mit den Patriots kommt das exakte Gegenteil der Lions ins Ford Field: Die abgeklärteste Mannschaft, die selbst mit zig Verletzten immer noch NFL-Spitze ist, die eine herausragende Offense Line besitzt, eine Reihe guter, aber scheinbar beliebig ersetzbarer Spieler. Und die Mannschaft, die in Zukunft womöglich den Platz der Lions am Thanksgiving-Spieltag einnehmen könnte. Zumindest gerüchtelt es immer wieder in diese Richtung.

Die Patriots haben nach der stümperhaften Vorstellung in Cleveland zuletzt zwei überzeugende Auftritt hingelegt. Die Pass-Offense um QB Tom Brady ist nicht zu stoppen und sorgt dafür, dass ab Viertel drei sogar das Laufspiel mit den völlig unbekannten RB Green-Ellis und RB Woodhead (beide ungedraftet von der Straße aufgeklaubt) über 100yds und einen Schnitt von über 5yds pro Spielzug macht. Die Patriots dürfen sich im AFC-East-Rennen eine Woche vor dem direkten Duell mit den Jets keine Niederlage erlauben, wenn es um die #1 in der AFC geht.

Allerdings hat QB Brady zwei Tage nicht trainiert. Erfahrungsgemäß wird Brady am Ende trotzdem starten. Der Mann ist so essentiell für diese Mannschaft wie kein anderer Spieler für eine andere Mannschaft. So gut wie heuer hat Brady für meinen Geschmack noch nie gespielt.

Ich sehe keine Möglichkeit für Detroit, das Spiel auch nur eng zu halten. Alles andere als ein klarer Pats-Sieg wäre für mich eine Sensation.

Dallas Cowboys – New Orleans Saints

Donnerstag, 21h30 bei ESPN America

Fast schon traditionell spielen die Cowboys überzeugenden Football am hohen Feiertag. Ein Grund dafür könnte sein, dass der Heimvorteil am Donnerstag stets größer ist als sonntags. Zur ohnehin schon knapp bemessenen Vorbereitungszeit kommen für die Gegner noch die Anreisestrapazen dazu.

Dallas 2010 ist bereits gut dokumentiert. Zuletzt gab es aber zwei Siege unter Coach Jason Garrett und Wandervogel QB Jon Kitna. Vor allem der Auswärtssieg in New York hat aufhorchen lassen.

Die Saints kommen ebenfalls im Aufwind nach Dallas. Zu Beginn der Saison wurde New Orleans in der Dauerschleife übertragen. Dabei glänzte die Mannschaft vor allem durch unrhythmische Offense und sehr wechselhaft spielende Defense. Vor allem die Passverteidigung hatte Probleme. Im Angriff ein altbekanntes Problem: Ohne Laufspiel ist selbst ein QB wie Drew Brees nicht konstant in der Lage, lange Drives hinzulegen. Einige Male konnten die Saints nur durch gelegentliche Big Plays im Spiel bleiben.

Seit dem überzeugenden Sunday-Night-Sieg zu Halloween gegen Pittsburgh ist ein Aufwärtstrend erkennbar: Die Lauf-Statistiken sehen schon viel besser aus mit RB Ivory, und RB Bush könnte morgen bereits wieder spielen. Der Einser-RB Pierre Thomas wird aber wohl mit Oberschenkelproblemen noch ausfallen.

Kleine historische Komponente für das Spiel: Letztes Jahr in den frühen Morgenstunden des Goldenen Sonntags spielten die 13-0 Saints daheim gegen die Cowboys. Dallas kam mit sensationellen Blitz-Packages in den Superdome und führte bereits haushoch. Die Saints kamen am Ende noch heran, verloren aber trotzdem 17-24. Das Ende der Perfect-Season-Hoffnungen. Die Saints verloren auch die letzten beiden Saisonspiele, liefen in den Playoffs aber wieder zur alten Hochform auf.

Dallas ist diesmal eine kleine Wundertüte nach dem Trainerwechsel. Ich würde meine Jetons aber auf die Saints setzen.

New York Jets – Cincinnati Bengals

Do./Fr. 02h00 live bei ESPN America

Für die Cincinnati Bengals ist es die erste Einberufung in ein Thanksgiving-Spiel jemals. Die Bengals spielen eine ganz schwache Saison (2-8), zuletzt mit einem kompletten Kollaps gegen die Buffalo Bills (fünf TDs in Serie kassiert nach 31-14 Vorsprung). Es riecht derzeit dezent nach Endzeitstimmung in Cincinnati. Der von mir bis zu den letzten Playoffs hoch geschätzte Coach Marv Lewis ist bereits dead man walking, wie auch QB Carson Palmer, dessen Stats besser sind als sein Ruf. Palmer hat aber eine Neigung, Würfe einzustreuen, wo man nur noch resigniert seinen Kopf schütteln kann. Der Mann ist sehr unpräzise geworden, nachdem er vor Jahren noch als QB-Sensation gefeiert wurde. Ein Problem ist auch, dass das Laufspiel nicht in die Gänge kommt, Palmer daher überproportional oft werfen muss und dann gerne zum ungünstigsten Zeitpunkt eine schlecht getimte Interception einstreut.

Die Jets scheiden die Geister. Charakterlich wegen ihres selbst promoteten Images der Arroganten. Sportlich, weil man sich nicht einig wird, ob die vielen knappen Siege nun eher Beweis für die Schwäche oder für Nervenstärke sein soll. Ich ginge eher mit letzterem: Die Mannschaft ist auf Abwehrbeton gebaut, der die Spiele eng halten soll. Die Offense ist bestenfalls Mittelmaß, gebaut auf Laufspiel rund um Oldie LaDainian Tomlinson und Youngster Shonn Greene. QB Mark Sanchez soll mit viel Play-Action für wenige Fehler sorgen. Und Sanchez erledigt seine Aufgabe besser als erwartet. Dass Sanchez in der Lage ist, die engen Spiele in den letzten Minuten zugunsten der Jets zu drehen, ist für mit Beweis von Qualität – Qualität, die beispielsweise die Houston Texans nicht besitzen.

Etwas Pep für dieses Spiel wird von Egomanen-WR Terrell Owens herangetragen. Owens beginnt schon wieder, Gegenspieler vor Kickoff zu provozieren. Er bezichtigte CB Darelle Revis des Mittelmaßes. Revis hat in der vergangenen Saison sämtliche Top-Receiver aus dem Spiel genommen. Heuer nach langem Streik und Verletzungsproblemen ist Revis nicht mehr so dominant.

Die Jets besitzen nicht mehr die alles überragende Pass-Defense des Vorjahres. Palmer macht viele Yards und hat mit WR Owens und WR Ochocinco zwei Topmänner an seiner Seite. Palmer muss aber für einmal fehlerlos bleiben, um in New York eine Chance zu haben. Palmer und „fehlerlos“? Hmm…