Divisional Playoffs Preview 2017/18 – Der Sonntag

Heute Teil zwei der Divisional-Playoffs 2017/18 mit den Spielen in Pittsburgh und Minnesota. Eine spoilerfreie Vorschau. Weiterlesen

NFL-Power Ranking 2013, Woche 9: Der beste Spieler der Liga fällt aus

Da waren wieder einige hauchdünne Spiele in Woche 9 dabei. Das faszinierendste war für mich das Donnerstagnachtspiel MiamiCincinnati: Die Dolphins waren nicht die bessere Mannschaft, aber sie waren zeckig und nutzten die fehlerhaften Würfe bei QB Andy Dalton (wir diskutierten schon unter der Woche drüber). Auf der anderen Seite war es eine eindrucksvolle Bengals-Vorstellung, die allerdings ihren DT Atkins mit Kreuzbandriss verloren. Großartige Spielzüge wie Bernards TD-Lauf und ein wuchtiger Sack zum Safety in der Overtime rundeten das Bild einer sehr gut exekutierten, spannenden Partie mit vielen Führungswechseln ab.

Weniger spannend: Die Panthers beim 34-10 gegen Atlanta. QB Newton mit einer für einmal schlechten Vorstellung, brachte keinen Ball downfield an den Mann. Das war aber nicht entscheidend, denn Atlanta schlug sich selbst: Vier Turnovers, kann passieren. Aber zusätzlich fünf geschenkte 1st-Downs für die Panthers durch Falcons-Strafen. My ass. So kannst du deinen Gegner aufbauen. Ganz schwach von Atlanta, das in der Offense so eindimensional geworden ist, dass man die Saison getrost abschreiben kann.

Wer sich letzte Woche aufregte über meine Matt-Stafford-Huldigungen: Bitte. San Diego Chargers. 21-24 Spielstand, 4th-Down und 1yd an der Washington-Goalline mit nur noch ein paar Sekündchen auf der Uhr. Der Chargers-Staff scheißt sich einen in die Hose und lässt kicken. Redskins gewinnen prompt in der Overtime.

New England mit der besten Saisonleistung in einem offensivorientierten Spiel gegen die Pittsburgh Steelers. OK. Wer’s kommen sah. New England mit der mit Abstand besten Offensiv-Vorstellung. In der zweiten Halbzeit funktionierte erstmals seit längerer Zeit auch wieder die pfeilschnelle No-Huddle Offense. TE Gronkowski ist auch Gold wert und wenn WR Dobson nicht drei Drops pro Catch begeht… es mag sein, dass Pittsburghs Defense unter ihrem Alter ächzt, aber nichtdestotrotz: Saubere Vorstellung, Pats.

Ein Gedanke, der mir schon vor ein paar Wochen kam, und im Pats-Spiel wieder: 15yds-Strafe gegen die Defense nach Touchdown. Du darfst von der Mittellinie den Kickoff ausführen. Zahlt es sich aus, einen Onside-Kick zu probieren? Also, keinen offensichtlichen, sondern einen überraschenden? Studien zeigen, dass „surprise onside kicks“ in 60% der Fälle erfolgreich sind; und ein missglückter in diesem Fall wäre kein Weltuntergang. Wie lange dauert es, bis das der erste Coach probiert? Rivera, it’s your turn.

Die Onside-Kicks probiert haben andere Teams. Großartig, was die Tampa Bay Buccaneers in Seattle veranstalteten, mit Onside-Kick, einem kuriosen Trickspielzug zum TD und generell einer mutigen ersten Halbzeit. Die Buccs verloren am Ende trotz 21pts-Führung in Seattle, weil sie mit zunehmendem Spielverlauf mutloser wurden und nur noch hofften, irgendwie mit Turnovers und unendlich Laufspiel die Führung nach Hause zu bringen, aber: Kudos an Greg Schiano. Das hatte ich nicht mehr erwartet, dafür umso mehr begeistert. Und von der Körpersprache sah das auch nicht mehr nach Selbstaufgabe aus. Überlebt Schiano also möglicherweise tatsächlich noch die komplette Saison?

Auch Green Bay im Monday Night Game mit einem interessanten Spiel: QB Rodgers musste früh mit gebrochenem Schlüsselbein raus, und so teuer ein selten eingesetzter Backup-QB ist, so wertvoll wird er in solchen Momenten. Nach Rodgers’ Ausfall ging nicht mehr viel im Passspiel; die RBs um Lacy sorgten zwar für wirklich erstaunlich effizientes Packers-Laufspiel, aber trotzdem brauchte es Zusatzunterstützung, und großartig, dass sich Mike McCarthy an den überraschenden Onside-Kick wagte. McCarthy machte freilich hernach wieder alle guten Eindrücke kaputt, und verschiss zum wiederholten Male mit katastrophalem Auszeiten-Management die Partie.

Auch das Sunday Night Game war wie erwartet ein enges Spiel, in dem sich die Houston Texans am Ende ärgern mussten, 24-27 verloren zu haben. Das Spiel war überwiegend irr genug um damit mehrere Absätze zu füllen: Drei verschossene Field Goals für Houston, ein geblocktes Field Goal gegen Vinatieri, tiefe Bomben, erfolgreiches Comeback der Colts undundund. Es war unterhaltsam, und das auf sehr gutem Niveau. J.J. Watt war mal wieder eine Augenweide, und mittlerweile könnte ich die DefCoord-Wertung auf Watt und Poe herabstreichen, aber so genial Watt ist, so gut fand ich diesmal auch QB Luck in einer kollabierenden Pocket; ein paar Sacks waren nicht zu vermeiden, aber Luck lavierte sich immer wieder gut heraus.

Der heimliche Star des Spiels war aber einer, bei dem ich schon kurz davor bin, den Fanshop der Texans zu räubern: QB Case Keenum. Gemessen an seinem Draft-Status (undrafted) eine erstklassige Vorstellung – die zweite sehr gute Keenum-Vorstellung hintereinander. Alle Welt fusselt sich bestimmt gleich s’Maul voll, wie die NFL Keenums Talent so missachten konnte? Dazu nur drei Stichpunkte: Keenum warf am College nur halb so gute Pässe wie sie die letzten zwei Wochen kamen. Und Keenum musste schwere Verletzungen durchstehen, nach denen man an seinem körperlichen Zustand zweifeln durfte. Und Keenum ist schon 25.

Ist Houston damit 2-6? Ja. Aber im AFC-Wildcardrennen würde ich die Texans noch nicht ganz abschreiben.

Den Moment des Tages lieferte Wade Phillips, der den kollabierten Gary Kubiak (musste zur Pause ins Krankenhaus) vertrat, und in der zweiten Halbzeit während einer Challenge siegessicher einen netten Plausch mit dem Side-Judge hielt. Phillips grinste sich entspannt einen ab, während der Head-Ref das Ergebnis des Video-Reviews verkündete – zu Phillips’ Erstaunen zu ungunsten seiner Texans. Schlagartig versteinerte sich Phillips’ Miene und er würdigte seinem Gesprächspartner keines Blickes mehr.

Das Power-Ranking nach Woche 9.

NFL-Power Ranking 2013, Week 9

NFL-Power Ranking 2013, Week 9

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 9.

Statistiken

Wichtigste Statistik-Inputs

Wichtigste Statistik-Inputs

Kommentarsektion

In der NFL-Spitze sprechen wir momentan über ein Sextett, aus dem kein klares „bestes Team“ auszumachen ist: Seattle behält trotz der erneuten Wackelvorstellung gegen die Gurken-Buccs die Position des Spitzenreiters, aber es ist hauchdünn: Zwei Tausendstelpunkte trennen die Hawks von den Denver Broncos. Knapp dahinter reiht sich das Quartett bestehend aus Saints, 49ers, Bengals und Packers ein. Vor allem die 49ers haben sich mit einem bärenstarken zweiten Saisonviertel wieder zurück ins Rennen gegroovt, und sehen aktuell im Vergleich mit den Seahawks wie die bessere Mannschaft aus.

Ein Wort vielleicht zu Seattle: Ja, momentan ist das wirklich etwas mau, was von dieser Mannschaft als Gesamtes kommt, und die Offense Line ist richtig schwach. Aber: Kann diese leichte Enttäuschung über die Hawks auch damit zu begründen sein, dass wir so hohe Erwartungen an diese Jungs hatten? Ich meine: Letztes Jahr war Seattle zu diesem Zeitpunkt keine .710 wert, aber knapp drunter, und ich hypte die damals noch völlig unbekannte Truppe (Seattle stand damals bei 4-4 und war für viele zu hoch an #6 im Power-Ranking) in die Höhe.

Seattle ist auf alle Fälle das kompletteste Team in den Big-Six, mit dem Trumpf des #1-Passdefense (5.0 NY/A). Denver hat zwar die beste Pass-Offense, aber eine schwache Pass-Defense. Green Bay ist nur Durchschnitt in der Defense, hat aber die ligaweit beste Offense (OK, Modell weiß nix von Rodgers’ Ausfall). Erstaunlich bei den Packers: Sie haben dieses Jahr nur 1.1% INT-Quote – die Packers, die die letzten Jahre stets Zillionen an Pässen abgefangen haben!

Wir können durchaus mal das Gedankenexperiment durchführen: Rodgers. Mit gebrochenem Schlüsselbein „auf unbestimmte Zeit“ draußen. Setzen wir für Rodgers’ Effizienz-Stats eine Liga-Durchschnittswert von 6.3 NY/A im Passspiel ein, fällt Green Bay sofort durch auf #15 (.521). Gehen wir davon aus, dass Wallace (oder Matt Flynn? – in Buffalo entlassen!) schlechter als Durchschnitt sind, z.B. runter auf 5.0 NY/A, sind die Packers per sofort nur noch als 26t-bestes Team der Liga anzusehen (.313). Allein an solchen Zahlenspielereien kann man den Wert des Aaron Rodgers für die Green Bay Packers erahnen: Er ist unbezahlbar.

San Francisco ist mit Colin Kaepernick übrigens auch schon wieder auf 7.1 NY/A im Passspiel, der ligaweit siebtbeste Wert.

Dahinter hat sich ein breites Mittelfeld etabliert. Philadelphia ist ein bissl ein Ausreißer, kletterte mit dem Kantersieg in Oakland (7 TD für Foles!) wieder ein paar Plätze. Detroit und Carolina sind im Ranking fast identisch, und auch im gefühlten Ranking: Beide würde ich in keinem Spiel gegen keinen Gegner als Außenseiter sehen, aber bei beiden weißt du: Sie bauen genügend Böcke, dass sie sich nicht als echte Superbowl-Mitfavoriten anfühlen… und möglicherweise schafft einer von beiden nicht mal die Playoff-Qualifikation.

New England ist der größte Gewinner des Wochenendes: Die Pass-Offense kletterte nach der Monster-Vorstellung gegen Pittsburgh von 5.1 NY/A (vorletzter Platz der Liga) auf immerhin 5.7 NY/A (#23 der Liga), und man nimmt wirklich an, dass es weiter aufwärts gehen wird, wenn diese Herrschaften so weitermachen. Ist New England damit auf einmal wieder ein AFC-Favorit? Vielleicht, denn die Pats sind 7-2, und werden ihre Offense weiter verbessern.

Kansas City rutscht trotz 9-0 Bilanz weiter ab, ist nur noch #16. Gefühlt 3-5 Plätze zu niedrig, aber: Das Glück ist aufgebraucht. Ab sofort werden die Gegner nimmer third stringer sein, sondern Manning, Luck und Rivers.

Update zu den kaum zu bändigenden Jets: Sie sind nach dem Überraschungssieg über New Orleans plötzlich mit 5-4 Siegen wieder ein Player im AFC-Wildcardrennen. Aber: Die Jets haben ein Punkteverhältnis von -62, sind 5-1 in engen Spielen und sind die #27 nach Pythagoreischer Erwartung. Yup, sie haben die Defense, um zwischendurch ein paar Upsets zu landen, aber ansonsten fühlt sich diese Mannschaft meilenweit von den Playoffs entfernt an.

Unten drin zementierte Baltimore mit Flaccos erneut pathetischer Leistung seine Stellung als eher unterdurchschnittliches Team, und für manche Beobachter wird der Absturz der Oakland Raiders auf #31 durchaus überraschend kommen, nachdem man die Raiders bis zum Eagles-Spiel als eher positive Erscheinung wahrgenommen hatte. Oakland ist in allen Belangen weit unterdurchschnittlich: Pass-Offense #24, Pass-Defense #26, Lauf-Offense #26, Lauf-Defense #21, vierthöchste INT-Quote in der Offense usw. „Optisch“ spielt das Team über den Erwartungen, aber vielleicht waren diese Erwartungen ja auch so niedrig, dass dies immer noch nur zu #31 reicht?

Die Buccs sind zwar mit 0-8 Bilanz auch eine Katastrophe, aber bei allem, was schief lief: Es ist eine 0-5 Bilanz in engen Spielen mit Freak-Pleiten gegen Jets und Saints zum Saisonstart sowie einer sehr ordentlichen Vorstellung in Seattle. Und der Schedule ist der bisher schwerste der Liga gewesen.

Im Divisionsvergleich bleibt die NFC West vorne:

  1. NFC West 0.544
  2. NFC North 0.535
  3. NFC East 0.532
  4. AFC West 0.505
  5. NFC South 0.502
  6. AFC North 0.473
  7. AFC East 0.466
  8. AFC South 0.442

Bei den Conferences baute die NFC ihre Führung diese Woche aus:

  • NFC 0.528
  • AFC 0.472

Award-Watch

  • MVP-Watch: Peyton Manning, Drew Brees, Romo, Andrew Luck, Dontari Poe, Calvin Johnson
  • Offense-MVP Watch: P. Manning, Jimmy Graham, Calvin Johnson
  • Defensive-MVP Watch: Poe, J.J. Watt, Ndamukong Suh, Richard Sherman, Justin Houston
  • Rookie of the Year-Watch: Star Lotulelei, Kiko Alonso, DeAndre Hopkins, Sheldon Richardson, Andre Ellington
  • Coach of the Year Watch: Chuck Pagano, Andy Reid, Sean Payton, Ron Rivera

Ich löse mein Versprechen ein: Auch wenn Rivera am Sonntag ein machbares 4th-and-2 nicht mehr ausspielte, so hatte er doch schon deutlich vorher im Spielverlauf, bei viel engerem Spielstand erneut die Eier, ein 4th-und-1 auszuspielen: Statt Field Goal scorte Carolina dabei einen vorentscheidenden Touchdown. Damit steht Rivera auf der Liste. Der nächste klopft schon an: Doug Marrone, der für meinen Geschmack in Buffalo einen mittlerweile guten Job erledigt.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 10

Letzte Woche eine 9-4 Bilanz für das Ranking, das nun den Ausfall des besten Spielers der Liga verkraften muss: Aaron Rodgers. Die Zahlen in Green Bay wurden und werden natürlich nicht für das offizielle Ranking adjustiert. Insgesamt steht das Ranking somit bei momentan 47-22 richtigen Tipps (68.1% richtige Tipps).

HOME                 %   AWAY                  %
Minnesota           43   Washington           57
Atlanta             30   Seattle              70
Chicago             48   Detroit              52
Green Bay           62   Philadelphia         38
Tennessee           85   Jacksonville         15
Indianapolis        82   St Louis             18
NY Giants           80   Oakland              20
Pittsburgh          53   Buffalo              47
Baltimore           23   Cincinnati           77
San Francisco       65   Carolina             35
Arizona             49   Houston              51
San Diego           38   Denver               62
New Orleans         72   Dallas               38
Tampa Bay           35   Miami                65

Der Spread bei ColtsRams ist mir gefühlt zu hoch; die Rams sind keine unterirdische Truppe, und mit QB Clements höher einzustufen als vorher mit Bradford. Ich würde nicht soweit gehen wollen und ein Upset proklamieren, aber Indy in 8 von 10 Fällen zuhause gegen St Louis? Kommt mir zu hoch gegriffen vor.

Ansonsten: Drei Spiele, die quasi auf Münzwurf-Niveau bestritten werden (unter 55%), aber auch mehrere recht klare Angelegenheiten. Ich bin gespannt auf die Wettbüros: Wie wird Packers-Eagles dort bewertet?

NFL-Draftvorschauer 2012 nach dem Stichtag: Quarterbacks

Nach Ende der Bowl Season und dem aktuellen starken Fokus auf das Recruiting im College Football ein schaler Blick voraus auf die angehenden Jungprofis, die heuer in den NFL-Draft wandern werden. Und es wird Zeit, die Trends der letzten Jahre schön langsam ernst zu nehmen, die da wären:

  • Quarterbacks werden schnell ins kalte Wasser geworfen.
  • Running Backs verlieren massiv an Wert.
  • Jedes Team sucht seinen großen #1-Wide Receiver.
  • Tight Ends kommen als Allzweckwaffen immer stärker auf.
  • Offensive Line verliert erstaunlicherweise leicht an Bedeutung, selbst bei Teams mit jungen Quarterbacks.
  • Jedes Team außer den Patriots sucht verzweifelt Pass Rusher.
  • Vielseitige Linebacker mit Deckungsfähigkeiten gegen Tight Ends gewinnen rasant an Wert.
  • Kadertiefe im Defensive Backfield ist bedeutender denn je.

Heute mal ein Blick auf einige Quarterbacks im NFL-Draft 2012, was ich so von ihnen in den letzten Jahren College Football gelernt habe, und wo man sie vor Senior Bowl, Combine und medialer Hype-Maschine einordnen würde.

Quarterbacks

Seit rund eineinhalb Jahren ist jeder Draftguru überzeugt, dass Stanfords QB Andrew Luck der Top-Draftpick sein wird. Luck ist Sohn des ehemaligen Frankfurt-Galaxy-GMs Oliver Luck und ein sehr reif wirkender QB („der reifste seit Peyton Manning“). Das einzige, was man Luck abspricht, ist ein Raketenarm á la Stafford, dafür sagt man ihm den Charakter eines charismatischen Workaholics nach, dessen Horizont nicht an der Seitenauslinie endet und der bereits durchaus in der Lage ist, eine Defense per Audible an der Anspiellinie zu verbrennen.

Bis zum Draft ist allenfalls die Frage noch spannend, ob (oder wann) die mediale Meute verzweifelt genug ist, um Luck eine Konkurrenz aufzuoktroyieren. Heisman Trophy-Sieger Robert Griffin III von der Baylor University würde sich als leise Alternative aufdrängen, ein Instinktquarterback vor dem Herrn, fast so athletisch wie Vick und mit der Gabe, tiefe Bomben in enge Deckungen zu vervollständigen. „RG3“ gilt jedoch noch als suspekt im Entziffern von komplizierteren Abwehrformationen (Stichwort „Zone Blitzes“), hat analog zu Luck noch nicht viele wirklich exzellente Defenses gesehen.

Luck und Griffin dürften die beiden begehrtesten Subjekte sein, nachdem von der einst gehypten Breite in der diesjährigen Auswahl nach den Absagen der Matt Barkleys oder Landry Jones’ der Topf etwas seichter wurde. Als dritte Kraft dürfte sich der riesige Nick „Zottelbock“ Foles von den Arizona Wildcats etablieren, der aufgrund seiner Beweglichkeit recht nervös in der Pocket aussieht und allergisch auf Pass Rush reagiert, aber eine Rakete von einem Wurfarm besitzt. Foles hängt noch immer das Schildchen des Weicheis nach, nachdem er einst bei Michigan State den Konkurrenzkampf gescheut hatte, bekam aber in den letzten beiden Jahren enorm viele Chancen zum Passspiel, da die Wildcats meist defensebedingt schon im zweiten Viertel hoffnungslos in Rückstand Wölfe in die Luft werfen mussten.

Eher als Risikoinvestition sieht man Foles’ „Lokalrivalen“, Arizona States QB Brock Osweiler, an – der Mann, dessen unglaublich lange Arme mich immer wieder an eine Krake erinnern. Osweiler ist ein Monster von einer Statur (2,03m) mit Anlage zum „vertikalen“ Spiel, soll aber charakterlich nicht gefestigt sein und wurde nach seiner Entscheidung, schon als Junior die Uni zu verlassen, geprügelt.

QB Ryan Tannehill von Texas A&M ist auch so ein mobiler Mann, dessen sagenhafter QB-Draw gegen Oklahoma State mir immer noch in Erinnerung ist – da sieht man, warum dieser Mann einst als Wide Receiver am College rekrutiert worden war. Tannehill war letzten Herbst ein großes Thema, als er in einem Verzweiflungsmove von Mike Sherman mitten in der Saison zurück auf Quarterback geschult wurde und innerhalb weniger Wochen die Aggies von Gurken zum Topteam transformierte. Soll ein einfacher Charakter sein, aber seine Aktien dürften von einem momentan gebrochenen Fuß gehindert werden.

Bei „mobil“ wird unweigerlich auch der Name des Russell Wilson (Wisconsin) fallen, ein heuer lange Zeit hochgelobter Mann bei den Badgers, aber mit mickrigen 1,80m wohl zu klein gewachsen für einen hohen NFL-Pick. Ein Schwiegermutter-Traum, aber athletisch wenig herausstechend: QB Kirk Cousins von der Michigan State University, ein grundsolider Charakter, dem man nicht nachsagt, ein Kaliber von einem Franchise-QB werden zu können, dafür aber bedenkenlos als Third Stringer auf die Bank setzen würde. Und dann gibt es da noch den großen Kämpfer G.J. Kinne, einen persönlichen Favoriten von den Tulsa Golden Hurricane – flott bei Fuß und keinen Zentimeter zurückscheuend beim Scrambeln, aber wurftechnisch eher der Grobmotoriker.

Brandneu waren gestern die News vom Einstieg von Oregons QB Darron Thomas in den diesjährigen NFL-Draft. Oregons Quarterbacks der letzten Jahre waren im System von Chip Kelly recht austauschbar und die Offense warf Ergebnisse ab, wurscht, wer denn nun die Bälle servierte. Auch Thomas wurde bisher primär als Produkt des Systems gesehen – daher kommt die Entscheidung, das letzte Jahr College auszulassen, bei Thomas einer Sensation gleich.

Der heurige Mann aus den Niederungen der FCS (Unterstufe der Division-I) ist B.J. Coleman (1,93m), der einst einer der ersten war, der nach der Anheuerung von Großmaul Lane Kiffin bei den Tennessee Vols von Board hüpfte und lieber bei Chattanooga versauerte, als für Kiffin auch nur eine blaue Lippe zu riskieren. Coleman – sentimentaler Favorit 2012?

Die drei großen Unbekannten des NFL-Drafts von 2012 sind drei der erfolgreichsten Quarterbacks im College Football in den letzten Jahren. QB Case Keenum, der Rekordmann von Houston, muss mit dem Makel des „System-Quarterbacks“ leben. Vielleicht zur Erklärung: Keenum ist nicht der erste mit gigantischen Zahlen, spielte aber in einer Offense, die sich auf Kurzpässe verließ und praktisch kaum über die 20yds downfield ging – fehlende Arm Strength wird durch Spielintelligenz ausgeglichen, was am College funktioniert, aber in der NFL keine Chance auf den Status „Franchise-QB“ birgt. Dazu kommt Keenums Knieverletzung aus dem Herbst 2010, die die wenigen verbliebenen Interessenten abschrecken könnte.

Brandon Weeden sieht dagegen durchaus wie ein potenzieller Top-Pick aus, fällt aber wegen seiner bald 29 Lenze aus dem Rahmen – Weeden spielte jahrelang als Baseballprofi bei den Yankees, kehrte schließlich vor Jahren an die Universität zurück und führte die Oklahoma State Cowboys in den letzten beiden Jahren zu bisher ungekannten Höhen. Weeden ist keiner, der das Risiko scheut und für einen fulminanten tiefen Ball auch mal seine Großmutter verkaufen würde, aber ich halte es für eher ausgeschlossen, dass der Mann in der ersten Runde vom Tablett geht.

Zu guter Letzt – natürlich – noch Boise States Kellen Moore, der Quarterback mit den meisten Siegen in der Historie des College Football, der Mann mit dem immer gleichbleibenden unbeeindruckten, jungfräulichen Gesicht. Moore werden mehrere Minuspunkte zur Last gelegt – und das geht von seiner Körpergröße (1,83m) über seine etwas unästhetische Wurfbewegung hin zu dieser bogenlampenförmigen Flugkurve seiner Bälle. Verglichen mit Staffords rasiermesserscharfen Geschossen gelten Moores „Pässe“ (Anführungszeichen extra gesetzt) als leicht abzufangende Objekte für Defensive Backs in der NFL. Kleine Quarterbacks mit schwachem Wurfarm waren in der NFL in den letzten Jahren ausnahmslos chancenlos, zumal gegen die Hünen in der Defensive Line, vor allem auch, weil sie eine Defense weder in die Länge, noch in die Breite zu ziehen vermögen. Vielleicht gibt es trotzdem einen GM, der Moore den Ehrenpick in der zweiten oder dritten Runde verleiht, und vielleicht kommt Moore irgendwann sogar über den Status des ewigen Ersatzmannes hinaus – die Geschichte spricht aber gegen ihn.

College Football Preview 2011/12: Conference USA (C-USA)

Teil V der College-Football-Vorschau vor der Kickoff-Woche an Amerikas Universitäten. Heute dran: Die Conference USA, abjekürzt C-USA, gelegen im Süden der Staaten, sozusagen so was wie die kleine Schwester der SEC, zumindest geographisch. Denn während in der SEC immer noch knackige Defenses dominieren, bietet die Mid-Major-Conference USA atemberaubende Offensivgewalten.

Eastern Division

Erstaunlicherweise ist mit den University of Central Florida Knights das Topteam eher defensivorientiert. UCF spielt John-Fox-Football: Stoppe den Lauf in der Defense, laufe in der Offense und die Welt wird wieder schön. Hier wird noch klassisch mit haufenweise Tight Ends und Fullbacks aufmarschiert, in der Defense kaum ein Play, an dem nicht die Fetzen fliegen oder drei Blitzrouten gen QB geschickt werden. Mit dieser Taktik wurde Georgia in der Liberty Bowl abgewürgt. In der Offseason gab es viel Wirbel um einen Todesfall eines ehemaligen Spielers, der die Uni ein paar Worte der Entschuldigung und 10 Mio. Dollar kostete – die negative Publicity für dieses junge Programm kann nur mit Siegesserien weggewischt werden. Allein: Der Schedule ist brutal.

Ob brutal genug, dass von den Southern Mississippi Golden Eagles Gefahr droht? Southern Miss war einst eine Uni, die von knackiger Defense lebte, aber das letzte Jahrzehnt liest sich so:

278, 282, 293, 309, 355, 356, 361, 398, 428, 478.

Das ist die Punkteentwicklung in der Offense von 2001 bis 2010 – ein deutlicher Trend, der sich in der Sieg/Niederlagen-Bilanz nicht niederschlägt. Head coach Larry Fedora hat nun zwei neue DefCoords eingestellt, deren Systemwechsel den Durchbruch bringen soll. Was in der Bowl gegen Louisville auffiel: Die Defense der Golden Eagles ist unheimlich schnell – und ich meine unheimlich schnell.

Die East Carolina University kann sich damit rühmen, Zuschauerkrösus der C-USA zu sein: 50.000 kommen im Schnitt, und sie kommen, um eine sensationelle Offense rund um QB Dominique Davis zu sehen: Über 4000yds, 37 TDs produzierte Davis, aber die Defense machte alle Werte zunichte, war nach aufgegebenen Yards die #120 von 120 FBS-Mannschaften. Coach Ruffin McNeill möchte die Defense auf 3-4 umstellen, um die Beweglichkeit seiner Abwehrspieler besser zu nutzen, aber ein Nose Tackle fehlt an allen Ecken und Enden. Wenn man gegen die Navy spielen will, muss man den Lauf verteidigen können. 2010/11 rollte die Navy 521 yds Rushing und 76 Punkte über die Pirates – und ist auch 2011/12 wieder im Schedule.

Die University of Alabama/Birmingham ist das Gegenteil von „Zuschauerkrösus“: Im Schnitt verirren sich 18.000 in das Legion Field (über 70.000 Plätze), was auch schon mal sehr trostlos aussieht. Sportlich sind die Blazers etwas unkonstant und schmieren immer dann ab, wenn man eine Serie zu starten scheint. QB ist mit Bryan Ellis ein fußsteifer Gunslinger, das krasse Gegenteil zum Vorgänger Joe Webb, der nun in Minnesota um sein Leben scrambelt.

Die Marshall University ist uns bekannt vom Film We Are Marshall und nach der Rückkehr in die oberste Kategorie war man auch erstmal ein Top-Team mit QBs wie Pennington oder Leftwich und WRs wie Randy Moss. Mittlerweile ist man eher Bodensatz, und hat daher vor einem Jahr John „Doc“ Holliday als neuen Head Coach geholt, den Top-Recruiter hinter den Titeln der Florida Gators. Hauptaugenmerk sollte auf dem Pass Rush liegen.

Nicht „eher Bodensatz“, sondern „100% grottig“ ist das Sportprogramm der Memphis Tigers, die nicht bloß schlecht sind, sondern nicht wettbewerbsfähig. Im vergangenen Herbst nur ein Sieg, und die durchschnittliche Niederlage betrug -30 Punkte und mehr als 500yds/Spiel aufgegeben. Das meist gähnend leere Footballstadion ist auch nicht gerade motivationsfördernd und Coach Larry Porter (hey, der Porter heißt nun wirklich Larry!) steht schon nach einem Jahr vor einem Scherbenhaufen, weil die Spieler das Vertrauen in ihn verloren haben: QB Ryan Williams, ein Hoffnungsträger, verließ die Uni freiwillig. Alles keine guten Vorzeichen um die Fans aus der Basketballhalle zurück ins Footballstadion zu holen.

Western Division

Titelverteidiger in der West-Division sind die SMU Mustangs aus einer Enklave von Dallas, nach langen Jahren des Siechtums in Folge des Death Penalty aus den 80ern erst vor Kurzem wiederauferstanden. Hauptverantwortlich hierfür: Headcoach June Jones, dessen Run’n’shoot-Offense in der NFL nicht funktionierte, dafür am College umso erstaunlichere Offenses hervorgebracht hat: Erst Hawaii und nun die Southern Methodist University, zwei Programme, die Jones von Grund auf umgekrempelt hat. Die College-Variante von winning against the odds. Jones‘ Ruf wird so ehrfürchtig vernommen, dass die Mustangs im heurigen Winter DE Davon Moreland aus Kalifornien trotz Konkurrenz von USC und UCLA nach Dallas holen konnten – Moreland galt als heiße Ware.

Und Moreland kommt in eine Defense, die sich in den letzten drei Saisons um 150yds/Spiel verbesserte – im Schnitt. Die Defense wird auch entscheidend sein, wie weit SMU kommt, nachdem die Offense um QB Kyle Padron und den brachialen RB Zach Line multidimensional ist – allerdings auch, was die Fehleranfälligkeit angeht. Padron warf im Bowlspiel gegen die Army hanebüchene INTs.

Für SMU ist das erste Spiel dieser Saison sehr, sehr wichtig, obwohl es kein Conference-Spiel ist: Es geht gegen Texas A&M, und nachdem A&M in die SEC möchte, lechzt SMU danach, den frei gewordenen Platz in der Big 12 zu bekommen. SMU hat vieles, inklusive einer gehobenen Anhängerschaft (viele Reiche, viele Einflussreiche), den attraktiven Heimmarkt Dallas, allerdings auch die Story mit der Death Penalty. Ein überzeugendes Spiel würde allerdings auch sportlich ein Statement abgegeben und womöglich schafft es SMU sogar, in absehbarer Zeit AQ-Status zu erreichen.

Zur Konkurrenz. Noch krasser ist die Spread Offense der Tulsa Golden Hurricane, die im Vorjahr angeführt von QB G.J. Kinne mal eben 215yds/Spiel durch Laufspiel servierte und oben drauf noch gemütliche 284yds/Spiel via Luftweg legte, und das auf breitester Basis, denn kein Spieler erläuft mehr als 43yds/Spiel. Dem gegenüber steht eine abfangbereite Defense (24 INTs), die sich aber auch allzuoft verspekuliert und 33 TDs via Luftweg kassierte und die #120 gegen das Passspiel ist. Nun muss man nach dem Abgang von Todd Graham (zu Pitt) mit neuem Headcoach Bill Blankenship und einem fassungslosen Auftaktprogramm (@Oklahoma, vs Oklahoma State und @Boise State) antreten, aber in der C-USA könnte man trotzdem vorne dabei bleiben.

Es gibt da allerdings noch einen X-Faktor, der sich Houston Cougars nennt. Cougars 2009/10, das waren KILLER: QB Case Keenum mit 5671yds und 44 TDs in 13 Spielen. Im vergangenen Herbst verletzten sich dann allerdings Keenum und sein Backup in Woche drei und Houston schmierte gnadenlos ab. Keenum hat ein sechstes Jahr Uni zugestanden bekommen und trägt nun alle Hoffnungen auf den schmalen Schultern. Die Cougars haben Potenzial – sie haben sogar Potenzial, zum Team der Stunde in Houston zu werden, nachdem die Misserfolge der Texans (NFL), Rockets/Yao (NBA) und Astros (MLB) für eine neu Krankheit namens HSD (Houston Sports Depression) gesorgt haben.

Ebenso aus Houston: Die Owls von der Elite-Uni Rice, bekannter für ihre Raumfahrt-Programme denn ihre sportlichen Erfolge. 2010 steigerte sich die Defense um 5Pkt/Spiel und kassierte immer noch 36Pkte/Spiel. Am spannensten wird eh die Frage nach dem ersten Kick-Returntouchdown nach 27 Jahren und 296 Spielen sein.

Dahinter die UTEP Miners aus El Paso, die sich in der letzten Saison dank extrem leichtem Schedule zu einer Bowl-Qualifikation schmarotzten um dort ohne Erbarmen von BYU niedergemacht zu werden. Nun muss die komplette Offensive Line umgestellt werden, vermutlich ein Freshman-QB (Nick Lamaison) starten, und mit WR Marlon McClure ist der beste Angriffsspieler eine tickende charakterliche Zeitbombe. Wenigstens hat Head Coach Mike Price Erfahrung mit schwierigen Typen. Price hat einst Ryan Leaf gecoacht.

Keine Division ohne einen ultimativen Bodensatz. Welcome to the Tulane Green Wave aus New Orleans, dort wo man regelmäßig im Schlussviertel einklappt und Coach Bob Toledo nur noch wenige Wochen vor dem Rauswurf steht.

Teil 6 wird die erste Conference aus dem BCS-Kartell behandeln.