Ein Blick auf das Trainerkarussell im College Football 2019/20

Ich hatte es schon am Vormittag angekündigt: Kurzer Blick auf ein paar Trainersituationen im College Football. Weiterlesen

Washington Huskies 2018 Preview: Die beste Defense der Westküste

Die in Seattle beheimateten Washington Huskies aus der Pac-12 Conference sind eines der wenigen Großstadt-Teams im College Football. Sie gehen als Mitfavorit auf den Landesmeistertitel ins diesjährige Rennen.

Die Huskies sind nicht das Programm mit dem größten Namen in den USA, aber als geteilter Landesmeister 1991 sowie als das Team mit einer der brillantesten HeimspielatmosphärenBilder wie diese vermitteln einen guten Eindruck – genießt das Footballteam der Uni durchaus einen guten Ruf. Weiterlesen

Samstagsvorschauer: Großes Coaching-Duell in der Fiesta Bowl

Vorletzter Tag dieses Jahres und vorletzter Tag der Bowl-Season 2017/18. Heute gibt es einige Blickpunkte, für die man sich die Eier reiben kann. Wir sehen unter anderem zwei New Year’s Six Bowls, zudem eine wunderschöne Mid-Major Offense – und natürlich den Hauptpreis: Die beiden fulminantesten Offensivspieler im College Football – QB Lamar Jackson und RB Saquon Barkley.

Vorschau auf die großen Semifinals vom Neujahrstag habe ich schon gestern geschrieben. Verweisen möchte ich auch auf den Sportradio360-Podcast mit Christian Schimmel, Jan Weckwerth und Nicolas Martin zur Bowl-Season. Weil wir schon beim Thema sind: Christian Schimmel hat sich natürlich auch wieder heute meinen Fragen gestellt. Weiterlesen

Peach Bowl 2016 Preview: #1 Alabama Crimson Tide – #4 Washington Huskies

Morgen ist Silvester und wie schon vor einem Jahr spielt der College Football seine Halbfinals am letzten Tag des Jahres aus. Den Auftakt macht um 21h MEZ, live zu sehen bei SPORT1 US, die Peach Bowl aus dem Georgia Dome von Atlanta, #1 Alabama Crimson Tide (13-0) vs #4 Washington Huskies (12-1), der SEC-Champ gegen den Pac-12 Champ. Weiterlesen

College Football 2016 – Conference Finals, Teil 1

Auftakt heute zum letzten Spieltag der Regular Season im College Football 2016, an dem noch die Conference-Finals und eine Handvoll letzter „Round Robin“ Punkterundenspiele ausgetragen werden. Die Playoff-Implikationen haben wir schon unter der Woche diskutiert. Heute der Auftakt mit den Endspielen in MAC und Pac-12. Weiterlesen

Freitagsvorschauer, Week 1

Teil 2 im Kickoff-Weekend mit insgesamt drei Teams aus den Top-25, die heute in die College-Football Saison einsteigen. SPORT1 US ist heute nicht dabei, dafür gibt es Partien im ESPN-Player.  Weiterlesen

Washington Huskies | Vorschau 2014/15

Der springende Punkt an den Washington Huskies in diesem Herbst wird der neue Head Coach Chris Petersen sein, der letzten Dezember von den Boise State Broncos abgeworben werden konnte. Petersen ist eine der Figuren im American Football, für die allein es sich lohnt, das Interesse mal einen Moment weg von der National Football League oder den großen Universitäten zu wenden, hin zu den kleinen Geschichten des College-Football. Weiterlesen

Ode an Chris Petersen

Chris Petersen im Spiel der Spiele: Fiesta Bowl 2007

Chris Petersen im Spiel der Spiele: Fiesta Bowl 2007

Der Trainerwechsel des Jahres fand Ende letzter Woche statt: Chris Petersen verlässt die Boise State University und wird neuer Head Coach der Washington Huskies. Es war ein Paukenschlag, den man schon nicht mehr erwartet hätte, und er markierte auch irgendwie symbolisch das Ende der BCS-Ära: Denn Boise State war unter Chris Petersen zu einem der tragenden Figuren der Bowl Championship Series gewesen.

Die Boise State Broncos waren eines der Hauptthemen auf diesem Blog, und ihr Maskottchen ist noch immer das kleine Blogbildchen von Sideline Reporter. Eng damit verknüpft war Chris Petersen – „Coach Pete“ – der Architekt und Ingenieur hinter dem sensationellen Erfolg dieses Winzlings aus den Wäldern Idahos, der die eingestandenen Granden Jahr für Jahr das Fürchten lehrte. Es reichte nie für das BCS-Finale, auch wenn es zumindest in der Saison 2010/11 verdient gewesen wäre, aber das ist nicht der Punkt.

Es ist unmöglich über das Pokerface Chris Petersen zu schreiben, ohne nicht zumindest das Spiel der Spiele anzusprechen, Fiesta Bowl 2007, das Duell mit den Oklahoma Sooners, in dem Petersen die ganz dicken Eier mit ins Stadion nach Glendale schleppte und in der Crunchtime eine vorher wie nachher ungesehene Latte an Trickspielzügen ansagte, um das Mega-Upset perfekt zu machen:

Ich glaube, ohne dieses Spiel hätte ich das Interesse am American Football längst verloren. Aber ich weiß noch, wie ich mich nach diesem Spiel gefühlt habe. Ich war waschelnass. Ich möchte mich immer wieder so fühlen. Diese Rückhand-Ballübergabe ist der geilste Sportmoment, den ich je erlebt habe.

Freilich sorgte das auch dafür, dass Boise fortan für „Gimmick“ verschrieen war, assoziiert mit den Trick-Plays, aber nicht für voll genommen. Dabei entwickelten sich die Broncos zu einem der besten Teams des Landes: Im „Schläger zu Boise“-Spiel 2009 wurden die Oregon Ducks von Chip Kelly so dermaßen windelweich geprügelt, dass es zumindest für einen Tag kein Morgen mehr gab. Ein Jahr später ein dramatischer „Auswärtssieg“ gegen Virginia Tech, und ein weiteres Jahr später die vielleicht beste Broncos-Leistung ever, bei der 35-21 Demolition der Georgia Bulldogs im Herzen der SEC, im Georgia Dome.

Boise State spielte die zweitschönste Offense des Landes nach Oregon. Die Details wurden einst bei Smart Football in einem sensationellen Blogeintrag erklärt, und es ist nach wie vor das Protokoll einer Mannschaft, die wie keine andere für den „Underdog“ im Sport steht, das kleine Pferdchen, das selbst mit seiner Spielweise alle Komponenten eines echten Davids in sich vereinte:

Freilich reichte es nie fürs BCS-Championship. 2006 noch nicht für voll genommen, 2009 chancenlos gegen die klangvolle Super-Ansetzung Alabama gegen Texas, 2010 zerstört von einem unglaublichen Colin Kaepernick in einer magischen Nacht in Reno, in der Petersens Kicker Kyle Brotzman in der Crunchtime zwei „Chip-Shots“ daneben semmelte. Das Thema Kicker verfolgte Pete auch ein Jahr später, als man zuhause gegen TCU mit einem Punkt verlor – wieder versagte der Kicker in der letzten Sekunde.

Nun ist Chris Petersen also tatsächlich gewechselt. Seit Jahren wurde sein Name bei jedem sich öffnenden Top-Trainerplatz gehandelt, aber seit Jahren verteilte er Absagen. Petersen wusste, dass er sich bei UCLA, USC oder Florida nicht wohlfühlen würde. In Boise erbaute man ihm zwar derweil kein Monument, aber dafür einen Sportkomplex, der mittlerweile mit jenen der besseren Universitäten der Staaten mithalten kann.

Dann kam der Ruf der University of Washington – kein Riesenprogramm im Universum College-Football, aber eines der großen. In den 90ern war man dort mal National-Champion, und jüngst wurde für mehrere hundert Millionen Dollar eines der stimmungsvollsten Stadien (atmosphärisch auf und neben den Rängen) in den USA renoviert.

Petersen sagte zu. Damit zerstörte er zwar die Illusion, dass ein Mann von seinem Profil allen Verlockungen widerstreben könnte, aber mal ehrlich: Diese Illusion war selbiges: Eine Illusion. Washington passt wie Arsch auf Eimer zu Petersen, als große, aber nicht medial allzu chaotische Uni. Man spielt in der Pac-12 Conference, dort wo Petersen als Oregon-Jünger einst herkam, und er ersetzt mit dem zu USC abgewanderten Steve Sarkisian einen Mann mit ähnlicher Denke. Für Washington ist die ganze Situation ein Gewinn: Man ersetzt den abwanderungswilligen Sarkisian durch einen – zumindest ist das heute die Wahrnehmung – besseren Head Coach, einen, der erstmal 2-3 Jahre unangreifbar sein wird.

So sehr ich traurig bin, dass damit das beste Kapitel, das der College-Football geschrieben hat, seit ich ihn verfolgte, so sehr ist der Wechsel logisch. Die Pac-12 Conference kriegt damit in Washington wohl einen weiteren Contender, und wenn nein, dann zumindest ein weiteres „Team to Watch“. Boise State wird eine Lösung finden, aber es müsste schon großes Glück haben, um eine ähnlich gute Lösung zu finden. Ich werde dieser Uni auch weiterhin die Daumen drücken.

Aber ich weiß nun auch, wo mein neuer Favorit in der Pac-12 Conference zuhause ist. Man sieht sich dann zum Season-Opener 2015, Boise State Broncos vs Washington Huskies.

The Countdown, T-minus 9: Boise State Broncos

Boise steht für Offense, aber die Defense ist der heimliche Superstar der Broncos - Bild: Wikipedia.

Boise steht für Offense, aber die Defense ist der heimliche Superstar der Broncos – Bild: Wikipedia.

The Countdown

#9 Boise State Broncos.
Mountain West Conference.
2012: 11-2.

Für die, die es noch nicht gemerkt haben: College-Football glänzt in erster Linie mit Schwadronieren über äonische Geschichte, über viele Generationen gewachsene Bindung von Alumni und endlosen Schwällen an Klatschgeschichten („damals, als anno 53 die Huskers gegen die Longhorns spielten, hatten deine Omi ich das erste Mal…“).

Nichts davon trifft auf die Boise State Broncos zu, die kaum älter sind als du und ich. Die Boise State University existiert als solche erst seit den späten 60er Jahren, und auf höchstem Level Football gespielt wird noch kein ganzes vollständiges Jahrzehnt. Angesichts der kaum existenten Tradition und der Standortnachteile (Boise liegt am Arsch der Welt hinter den Rocky Mountains, aber immer noch hunderte Meilen vom Pazifik) ist es nichts anderes als bemerkenswert, was an dieser Uni an Football-Power aufgebaut wurde. Boise State ist der Inbegriff des „BCS-Busters“, des Emporkömmlings, der dem Establishment gehörig auf die Pelle rückt und das BCS-Kartell Kratzer für Kratzer einzureißen half.

Boise State spielte letzten Herbst eine 11-2 Saison, was insofern bemerkenswert ist, weil es die mit Abstand schlechteste Saison seit langem war. Der „Einbruch“ war vorherzusehen, nachdem innerhalb von zwei Offseasons der komplette Mannschaftskern flöten gegangen war, in Form von etlichen hohen Draftpicks in die NFL (plus zwei OffCoords en suite).

Kratzt Head Coach Chris Petersen, ein Pokerface vor dem Herrn, der stets dreinschaut als hätte er Sodbrennen, kein Jota. Boises Mannschaft war sichtbar schwächer als die Vorgängerversionen, aber sie zeigte Biss und Lernfähigkeit, und sie hat Potenzial: QB Joe Southwick, dessen erste Wochen unrund waren, erfing sich und wichste spätestens nach vier, fünf Wochen eine Kurzpassorgie das Spielfeld runter, dem einzig der letzte Zapfen Explosivität abging. Knüpft Southwick an seine Form der letzten Wochen an, ist klar, wohin die Reise geht: Nach oben. Der extrem agile RB Jay Ajayi (6.7yds/Lauf) flutscht durch die Abwehrreihen wie Zäpfchen. Ajayi ist ein künftiger Topmann, wenn er sich nicht verletzt. Der komplette WR-Corp ist gut aufgestellt und sieht keinen einzigen Abgang.

Heimlicher Star in Boise ist – und war stets – die unterschätzte Defense. Die ist in der Spitze exzellent besetzt, sieht aber hinter den Stützen wie DE Demarcus Lawrence oder DT Tjong-a-Tjoe wenig Kadertiefe, was spätestens in engen Spielen zum Problem im Schlussviertel werden könnte. Im Defensive Backfield müssen die beide besten Cornerbacks (u.a. NFL-Zweitrundenpick Jamar Taylor) ersetzt werden, und glaubt man Insidern, ist der so wichtige Nickelback, der in Boise wegen der 4-2-5 Aufstellung ein besonders physischer Mann sein muss, noch nicht gefunden.

Der Schedule ist dieses Jahr wirklich nix Großartiges. Der größte Kniff ist die Tatsache, dass die beiden namhaftesten Gegner Auswärtsspiele sind (Washington zum Saisonauftakt und BYU). Das sind keine Selbstgänger und könnten eine perfect season verhindern. Weil Boise State aber immer noch keine wirklich tief besetzte Mannschaft auffährt und zumindest die obere Hälfte des Conference-Tableaus in der Mountain West Conference nicht zu unterschätzen ist, sollte man nicht qua Status der Broncos von einer perfect season ausgehen. Die Mannschaft ist gut, sie ist sogar exzellent für Mid-Major-Verhältnisse, aber gemessen am selbst erschaffenen Standard ist sie eine Nummer kleiner als die Broncos von 2009-2011.

College Football, Week 1, Tag 2: Vor Boise State Broncos @ Michigan State Spartans

Wann: Heute Nacht, 31.8./1.9. um 02h LIVE bei ESPN America aus East Lansing

Über die Boise State Broncos (AP-Rank #24) und die Michigan State Spartans (AP #13) habe ich das meiste eigentlich bereits gesagt. Heute Nacht treffen die beiden gleich mal aufeinander, und vor allem für Boise State ist es das einzige nennenswerte Spiel gegen einen landesweit bekannten Gegner. Ein Sieg, und die Jungs von Chris Petersen haben trotz des Austausches der halben Mannschaft eine legitime Chance, mit 12-0 oder 11-1 durch die Saison zu kommen. Eine Niederlage, und die Saison ist schon wieder vorbei, wird in der Anonymität der Mountain West Conference völlig untergehen und in zirka der Las Vegas Bowl enden. Bei Boise gilt es ein Auge auf den neuen QB Joe Southwick zu werfen, der sein Debüt als Einser-Quarterback gibt: Wie wird die Bronco-Offense im Spiel eins nach Kellen Moore aussehen? Ich nehme an, nicht viel anders. Wir werden den gleichen unaufgeregten Kick wie immer bekommen.

Bei den Michigan State Spartans ist die Lage ebenso nicht unspannend. Michigan State spielt in der Legends Division der Big Ten Conference und wird noch den einen oder anderen Prüfstein sehen. Aber: Das Team bietet eine Defense auf, die stark genug ist, dass die Spartans trotz des Abgangs vom Quarterback Kirk Cousins um den Titel in der Big Ten Conference mitspielen könnten, und auch der Schedule ist wesentlich weniger schmattig als jener vom engsten Divisionskonkurrent Michigan. Soll am heutigen Freitagabend kein Thema sein. Aber ein guter Start in die Saison inklusive „Prestigesieg“ über Boise State wäre für Michigan State im heimischen Stadion schon ein sehr, sehr fettes Ausrufezeichen.

Ein nicht zu vergessender Faktor sollte Chris Petersen sein. Der ist der Head Coach von den Broncos und hat sich in den vergangenen Jahren den Ruf des Workaholics angelacht, der mit sieben Monaten Zeit zur Vorbereitung wahre Wunderdinge ausrichten kann. In den letzten Jahren wurden sämtliche BCS-Kaliber am Opening Weekend geputzt: 2009 Oregon wahrlich zertrümmert, 2010 Virginia Tech per Comeback geschlagen, 2011 Georgia förmlich abgewürgt.

Trotzdem ist Michigan State für mich heute Nacht der Favorit. Ich fürchte, Magier Petersens Schemen reichen nicht aus, um mit all den neuen Spielern diese potente Spartans-Defense zu knacken.

Das Gute: Wir werden es sehen. Vielleicht sogar im Liveblog.

College Football 2011/12 Preview: Mountain West Conference (MWC)

Die Mountain West Conference ist eine recht junge Conference und aktuell stark im Wandel begriffen. Wenn alle Bewegungen der letzten beiden Jahre mit TCUs Abgang im kommenden Jahr beendet sein werden, wird die MWC 10 Mitglieder zählen und nicht mehr und nicht weniger als eine verbesserte WAC sein.

Trotz dann namhafter Abgänge (Utah, BYU, TCU) dürfte die Conference ab 2012 an sportlicher Attraktivität gewonnen haben: Boise State und Nevada sind Kaliber geworden, Fresno State gehört seit Jahren zu den WAC-Größen und Hawaii ist reinstes Recruiting-Gold.

Kleines Hintertürchen in Sachen „nicht mehr als eine verbesserte WAC“: Mit ein bisschen Kalkulations- und Verhandlungsglück ist es nicht ausgeschlossen, dass die MWC 2013 und 2014 eine BCS-Conference sein wird. Die Chancen stehen tatsächlich wohl eher gering, werden die MWC-Kernmärkte nach dem Abfall des TV-Marktes in Fort Worth/Dallas (TCU) ab 2012 nur noch 6% des TV-Marktes in den USA ausmachen.

Boise State Broncos

Boise Turf Big Bubya

Das Markenzeichen von Boise State: Knallblaues Spielfeld - ©Flickr/Big Bubya

Die Boise State Broncos scheiden zwischen „gnadenlos gut“ und „völlig überschätzt“ die Geister und dürften favorisiert auf den MWC-Titel sein. Das große Ziel ist aber die BCS, wenn möglich das National Championship Game.

Die Boise State University ist eine recht junge, pulsierende Bildungsanstalt, deren rasantem sportlichem Aufstieg selbst die größten Kritiker allerhöchsten Respekt zollen. Was in der Hauptstadt von Idaho trotz limitiertem Recruitings und relativ geringer Budgets innerhalb weniger Jahre aufgestellt wurde, ist sagenhaft – Boise State spielt erst seit 2001 in der obersten Kategorie (FBS) mit und hat sich zu einem alljährlichen BCS-Buster hochgespielt. Haupt-Protagonist der Erfolge: Head Coach Chris Petersen, ein Pokerface und Offensiv-Geist vor dem Herrn.

Die Unaufgeregtheit der Broncos spiegelt sich nicht nur in der stets gleichbleibenden Miene Petersens, sondern auch im unschuldigen Gesicht von QB Kellen Moore, der 38 seiner 40 Spiele am College gewonnen hat (bei einer Niederlage mit einem Punkt und eine Overtime-Niederlage mit drei Punkten. Fassungslos). Moore, Linkshänder, wirkt recht harmlos, ist aber kaum aus der Ruhe zu bringen und wirkt extrem souverän in der Pocket, selbst unter Druck. Trotz nur 1,83m nicht ausgeschlossen, dass wir es mit einem Quarterback für die NFL zu tun haben.

Die Offensive Line muss allerdings umgebaut werden, allein der allgemein als NFL-1st round-Kaliber OT Nate Potter bleibt eine Konstante. Das Laufspiel wird vom untersetzten, kräftigen RB Doug Martin und seiner Handvoll Kollegen getragen, Top-WR dürfte nach den Abgängen von Young/Pettis Kellens Bruder Kirby Moore sein.

Eine harte Nuss beim Boise Viewing: Die Offense. Während Boise State neben dem Spielfeld und vor allem mit seinem Spielfeld (Stichwort: stechend blauer Spieluntergrund) recht peppig daherkommt – man könnte auch sagen: „schreiend“ – will die Philosophie auf dem Spielfeld so gar nicht zu diesem Image passen. Petersens Offense ist extrem punktegewaltig (über 40Pkte/Spiel), aber irgendwie… eigenartig, nicht etwas für die Laufstege dieser Welt.

Jeder Spielzug beginnt mit viiiiel Bewegung an der Line of Scrimmage, Scharen an Leuten laufen durch die Gegend, ehe sich rund um QB Kellen Moore eine Block-Armada aus Offensive Line, Tight Ends und Fullbacks aufstellt. Nach dem Snap meistens der kurze, schnelle Pass – und es ist frappierend auffällig, wie häufig die Defense verarscht wird: End-Arounds, Läufe und Würfe gegen die Laufrichtung der Defense, Fantillionen Tackles ins Nichts.

Die Offense wirkt unglaublich unaufgeregt, spielt mit einer ungesehenen Seelenruhe ihren Stiefel runter, streut zwischendurch immer mal wieder einen Spielzug aus der Trickkiste ein und scort fast in jedem Drive, häufig Touchdowns. Selbst nach großen Raumgewinnen, selbst gegen unterlegene und tote Gegner wird hier nicht der K.o.-Schlag gesucht. Die Offense kehrt immer wieder zu ihrem fast einschläfernden Kleingewichse zurück.

Ich gebe zu, dass ich es nicht recht beschreiben kann: Systemloses System mit System, oder so. Büsschen was Parasitäres, büsschen Trickspielorgie, büsschen Ratlosigkeit meinerseits. Aber es ist eine Offense, zu der ich Vertrauen hege – und die auf alle Fälle sehenswert ist. Ein Problempunkt, der gegen Nevada auffiel: Aufgrund der schieren Dominanz und des Schonens der Starter im Schlussviertel geht den Broncos im Falle eines 60minütigen Grabenkampfs womöglich irgendwann die Puste aus – schneller als bei der Konkurrenz.

Die Defense mit ihrem 4-2-5 ist schwerer von Abgängen gebeutelt. Der beste Pass Rusher DE Ryan Winterswyk ist weg, dazu fehlen die drei besten Defensive Backs: CB Brandyn Thompson (Redskins), SS Jeron Johnson (Seahawks) und S Winston Venable (Bears?) – Venable hatte meistens den Freigeist gegeben und wird nun wohl von Cedric Febis ersetzt.

Boise State hat von der MWC-Führung als Begrüßungsgeschenk das Verbot aufgebrummt bekommen, auf dem heimischen Spielfeld knallblaue Trikots auf knallblauem Untergrund (s. Bild) zu tragen. Könnten also orangene Heimleibchen werden – wie gemacht für unsere holländischen Sportsfreunde in der Mannschaft: Genannter Febis, WR Geraldo Hiwat und DT Ricky Tjong-a-Tjoe bilden unser Oranje-Trio. Eine Story hat ihnen vor Monaten mal Rivals.com gewidmet.

Der Blick wird mal wieder gen BCS-Bowls gehen – wie immer in den letzten Jahren. Zum dritten Mal in Serie wird die Saison gegen einen ganz großen Gegner eröffnet: 2009 putzte man Oregon, 2010 Virginia Tech, diesmal ist auf „neutralem“ Feld Georgia dran. Georgia war schon vor sechs Jahren mal im Schedule, und damals verlor BSU haushoch 13-48. Dass in diesem Jahr mittlerweile der Zwerg BSU gegen den Giganten Georgia beim Spiel in Atlanta favorisiert ist, zeugt von der Verschiebung der Kräfteverhältnisse bzw. der Ehrfurcht, die den kleinen Broncos mittlerweile entgegengebracht wird.

TCU Horned Frogs

Boise State hat Chris Petersen, die TCU Horned Frogs haben Gary Anderson Patterson, ihre Version vom langjährigen, visionären Head Coach, der den Verlockungen der Big Cows widerstanden hat und trotz zahlreicher Angebote immer noch daheim coacht. TCU war in der vergangenen Saison so was wie der heimliche National Champion, durfte aber trotz Ungeschlagenheit nicht im BCS-Finale antreten. Dafür putzte man verdient BigTen-Champ Wisconsin in der Rose Bowl.

Danach allerdings verließen haufenweise Spieler die Universität, angeführt vom großartigen QB Andy Dalton und TCU hat nun eine recht unerfahrene Mannschaft. Daltons Nachfolger QB Chase Pachall ist noch sehr grün, aber die Horned Frogs laufen eh viel lieber als sie werfen und verfügen über Running Backs wie andere über Zahlscheine. Sorgen macht allerdings die Offensive Line, wo 4/5 Uni-Abgänger waren.

Prunkstück von TCU ist aber die Defense, die womöglich landesweit beste. Selten, dass TCU mehr als zehn Punkte kassiert, und das liegt zu großen Teilen am sensationellen Linebacker-Duo: Tank Carder und Tanner Brock dominieren das Spiel, und das merkte man in der Rose Bowl ganz massiv.

2011/12 scheint für TCU ein Übergangsjahr zu sein, ein Aufbaujahr, um dann 2012/13 mit dem Wechsel in die Big East Conference ein richtiger Player im BCS-Wettkampf zu werden. Unterschätzen sollte man die Horned Frogs aber auch in dieser Saison nicht.

Die potenziellen Spoiler

Die Falcons von der US-Air Force aus Colorado gelten als dark horse auf den MWC-Titel. „Air Force“ wie „wir waren seit fünf Jahren stets maximal 117ter von 120 im Passspiel“. Netter ausgedrückt: Hier werden sämtliche Gegner über den Haufen gelaufen, wenn nötig über vier Downs. 2010/11 holte sich die Air Force sogar den Commander-in-Chief’s Cup – die Meisterschaft unter den US-Militärs (Air Force, Navy, Army).

QB Tim Jefferson warf dabei ganze 152 Pässe – der Rest besteht aus knallhartem Laufspiel (letztes Jahr #2 im College Football) über eine Handvoll verschiedener Running Backs und immer wenn es bei 3rd und 4th downs eng wird, werden die Fullbacks ins Getümmel geschmissen. Das Beeindruckende an den Falcons: Sie machen schlicht keine Fehler. Sie werfen dich nicht vom Hocker mit endlosen Laufspielorgien, aber sie spielen ihren Stiefel runter und zwischendurch immer mal wieder ein langer, tödlicher Pass in die Tiefe. Troy Calhoun hat hier einen Anwärter auf höhere Ziele beisammen.

Einen noch gepflegteren Ball spielen die San Diego State Aztecs, lange Zeit unter ferner Liefen, im Vorjahr aber plötzlich in 9-4 Sphären aufgestiegen. Allerdings ist Head Coach Brady Hoke nun gen Michigan abgewandert und es wäre nicht das erste Mal, dass eine Mannschaft nach so schnellem Aufstieg und Trainerwechsel wieder in der Versenkung verschwindet, zumal mit WR Demarco Sampson und WR Vince Brown die beiden besten Anspielstationen abhanden gekommen sind. Noch da sind QB Ryan Lindley und RB Ronnie Hillman (1532yds, 17TD als Freshman), die Hauptprotagonisten einer Offense, die 29 TD via Luft und 28 TD auf Bodenweg gemacht hat – gemeinsam mit einer eingespielten Offense Line schaut das Fundament der Aztecs allerdings so schlecht nicht aus. Die Defense spielt ein 3-3-5, mit einer Secondary aus einem Free Safety („Aztec“) und zwei Stong Safetys („Warriors“) – ein Konzept, das Rocky Long eingeführt hat. Long ist nun Head Coach.

Schon seit Monaten sabbert man in San Diego dem 24. September entgegen. Dann nämlich geht es nach Ann Arbor, zu Michigan, zum Wiedersehen mit dem alten Coach Brady Hoke. Und dann – es ist Woche 4 – werden wir schon einen Eindruck davon haben, wie brutal Hokes Abgang sich auf San Diego State ausgewirkt haben wird.

Bodensatz

Der Rest der Conference dürfte Kanonenfutter sein und die ambitionierte MWC mehr hemmen denn zu einem möglichen BCS-Status beitragen. Die Wyoming Cowboys besitzen einige Ingredienzien, um irgendwann mal wieder nach oben blicken zu können, aber noch hängen die schwache 2010er-Saison und ein tödlicher Autounfall einer Handvoll Spieler nach. Wyomings Offense lebt vom Hoffnungsträger RB Alvester Alexander, der diese Saison erstmals durchspielen soll, aber Head Coach Dave Christensen gilt mehr als Quarterback-Entwickler denn als Fan von Running Backs. Für deutsche Fans interessant: In der Defense spielt mit Oliver Schober ein (nicht so „deutsch“ aussehender) Middle Linebacker, dem hinter einer potenziell starken Defensive Line ein sehr starker Herbst prognostiziert wird.

Wyoming hat 2010 nur einen einzigen Sieg gegen einen Conference-Rivalen gehabt: Ein 44-0 über die noch schlechteren Colorado State Rams, die ihre Blütezeit vor einem Jahrzehnt hatten. Head Coach Steve Fairchield gilt als Eigengewächs, war einst QB für die Rams, und steht daher auch trotz zweier ganz schwacher Spielzeiten zuletzt noch unter Artenschutz.

„Artenschutz“ ist nicht grad das, was Mike Locksley bei New Mexico genießt. Nach zwei Spielzeiten, einer 2-22 Bilanz, Prügelgeschichten gegen Spieler und einem Vergewaltigungsvorwurf ist die verbleibende Anerkennung der Fans in der Wüste eher drei Meter unter der Erde anzusiedeln. Locksley war als Offensivgenie und starker Recruiter bei den Lobos (spanisch für „Wölfe“) angetreten, aber bisher macht eine schwache Offensive Line die Basis jeder Locksley-Offense, das Laufspiel, kaputt. Eine unterirdische Defense tut das ihrige und so kassierte man zuletzt trotz +4 Turnovers eine haushohe Niederlage gegen Wyoming. Der Gestank „Trainerentlassung“ müffelt schon schwer aus der Wüste herauf.

Auch in Las Vegas spielt man College Football: Bei den UNLV Rebels (University of Nevada/Las Vegas). Gestatten, das Looser-Programm der MWC, seit 1996 in der FBS, bisher eine einzige Winning Season (Saison mit über 50% Siegen), und auch unter dem neuen HC Bobby Hauck setzte sich die Misere fort: 2-11 mit 11 glasklaren Niederlagen. Ob man sich daran hochzieht, dass sich die Gegnerschaft recht ordentlich las? (u.a. Wisconsin, Utah, Nevada, West Virginia, TCU, Air Force, San Diego State, Hawaii und BYU) Der kommende Schedule verspricht, keinen Deut einfacher zu werden.

In Teil 8: Die Rückkehr einer Großmacht – oder?

Bowl Season, Tag 3: Von Polygamie und Communities

Dritter Spieltag der Bowl-Season. Auf dem Programm steht ein sportlich hochwertiges Duell.

Las Vegas Bowl

Mi./Do., 22.12. um 02h LIVE bei ESPN America und am Donnerstag, 23.12. um 19h30 als Tape

Boise State Broncos – Utah Utes

Seit 1992 in der Glücksspiel-Zentrale ausgetragen, matchen sich heuer die Boise State Broncos und die Utah Utes um die Las Vegas Bowl. Spieltag: Nacht auf den 23. Dezember, 02h00. Zugegeben, mitten unter der Woche kein günstiger Termin… Aber das ist ein Matchup, das gehört zum allerfeinsten und ist meiner Meinung nach eines, das locker mit einer BCS Bowl mithalten kann.

Wir haben zum einen die Boise State Broncos, kommend aus dem Bundesstaat Idaho. Die Boise State University ist noch ein recht junges College, gegründet 1932, aber erst seit Anfang der 70er im staatlichen Hochschulsystem eingegliedert. Das Football-Programm war lange Zeit recht grau, da konnte auch das beißend blaue Spielfeld im Bronco Stadium nichts dagegen machen. Erst seit Ende der 90er ist man in der Division I-A (FBS) dabei. Vor diesem Hintergrund muss man allerhöchste Achtung haben vor dem raketenartigen Aufstieg der kleinen Broncos. Hauptverantwortlich dafür: Head Coach Chris Peterson.

Jung, dynamisch & ein Pokerface allererster Güte. Die Broncos schafften es 2007 in eine BCS-Bowl, und nach Petersons schon legendärem Playcalling in den letzten Minuten der Fiesta Bowl gewannen die Broncos gegen den turmhohen Favoriten Oklahoma sensationell 43-42 OT.

Dieses Spiel ist für mich immer noch das spektakulärste, was die Schweinehaut-Strategen in Übersee so zusammengezaubert haben. Emporkömmling gegen Establishment, zwei Riesen-Comebacks, eins pro Team, und am Ende ein unglaublicher Underdog-Sieg dank einer zuvor ungesehenen Latte an Trickspielzügen. Mitten drin: RB Ian Johnson und QB Jared Zabransky, mein Lieblings-Footballspieler. Beide haben den Sprung in die NFL nicht geschafft.

Boise State gewann auch 2010 die Fiesta Bowl. Im heurigen Herbst waren die Mannen um Linkshänder-QB Kellen Moore lange Zeit die tragischen Figuren, die Woche für Woche jeden Gegner platt machten, ohne realistische Chance auf das BCS Finale. Dann wurden auch noch die Rose-Bowl-Hoffnungen durch die unglaublichen Fehlkicks von Kyle Brotzman kaputt gemacht. So bleibt die kleine Las Vegas Bowl als nicht tröstlicher Trostpreis. Immerhin zählt die Facebook-Gruppe THE BRONCOS NATION LOVES KYLE BROTZMAN mittlerweile schon 45.000 Mitglieder. Ein tragischer Held! Ich liebe sowas.

Gegner Utah hat sein Sportprogramm nach einem Indianerstamm benannt: Den Utes. Wir haben es hier mit einer Mormonen-Uni zu tun, gegründet vom Propheten Brigham Young, der die Polygamie lehrte und selbst wohl rund 56 Ehefrauen und 57 Sprösslinge hatte. Auch viele Athleten an The U sind Mormonen und schon als Teens verheiratet und/oder Väter.

Utah ist eine Top-Uni für Medizinstudenten, und inzwischen auch für ambitionierte Footballer. Seit 10-15 Jahren geht es aufwärts. 2003 heuerte Urban Meyer in Salt Lake City an und coachte die Utes mit seiner Spread Offense und QB Alex Smith 2004 als erste non-BCS-Mannschaft in eine BCS Bowl. Dort wurde Pitt niedergemacht. Smith ist mittlerweile als Problemfall in San Francisco bekannt, und das Leben in Utah ging auch ohne ihn weiter: 2009 wurde man in die Sugar Bowl eingeladen, wo man Alabama wegputzte. Heuer war Utah lange Zeit in den Top-5 gerankt, ehe zwei Niederlagen gegen TCU und Notre Dame alle Hoffnungen zunichte machten.

Utah wechselt nach diesem Spiel in die Pac-12, verabschiedet sich also vom Mid-Majortum. Mit einem Sieg? Gegen DEN Mid Major?