Vorher / nachher

Natürlich würde ich gerne behaupten, dass ich Mahomes schon immer als #1 hatte. Doch weil schreibe, protokolliere ich. Und weil ich protokolliere, lässt sich Einschätzung mit Eingetroffenem recht gut miteinander vergleichen.

Vor dem Draft ist leicht stinken. Nach dem Draft ist leicht alles gewusst zu haben. Doch lass uns mal das Vorher und Nachher miteinander vergleichen. Nehmen wir zum Beispiel den NFL Draft 2011. Weiterlesen

Minnesota Vikings in der Sezierstunde

Nächste Sezierstunde mit einer Mannschaft, deren Abschmieren im Herbst 2013 man hatte kommen sehen können: Minnesota Vikings, das Aschenputtel des Jahres 2012, das aus dem Gar Nichts heraus um eine atypisch gebaute Offense herum die Playoffs erreicht hatte, aber im letzten Herbst nach vielen Indikatoren doch wieder in das untere Tableau der NFC fiel. Genauer gesagt: Sie waren das 23t-beste Team der Liga, wie es erstaunlich viele Effizienz-Stats aufzeigen. Es folgte der Trainerwechsel. Es wird noch folgen: Ein Quarterback-Wechsel, zumindest sind sich darin alle einig.

Überblick 2013

Record         5-10-1
Enge Spiele    4-4-1
Pythagorean    5.9    23
Power Ranking  0.392  23
Pass-Offense   5.8    22
Pass-Defense   6.7    23
Turnovers      -12

Management

Salary Cap 2014.

Minnesotas geschasster Head Coach Les Frazier war für mich nie ein großer Innovator, und seine Statements über seine Offensiv-Philosophie kommen zirka 30 Jahre zu spät um als zeitgemäß zu gelten, aber trotzdem war der Mann für mich nie ein klarer Kandidat für eine Entlassung. Grund: Seine Teams spielten sauber. Sie spielten am oberen Rand der Leistungsfähigkeit. Frazier hatte zwei Probleme: Er bekam die Secondary nicht mehr gebacken – und ausgerechnet diese galt als sein Spezialgebiet. Das zweite: Der vor drei Jahren als neuer Franchise-QB gedraftete Chris Ponder schaffte nie den Durchbruch und wäre spätestens nach 2012 reif für eine Auswechslung gewesen… aber dann übertünchte der Playoff-Lauf und für die anämische Playoffvorstellung bekam eh Joe Webb auf die Fresse…

Ponder ist ein sympathischer Knabe, einer mit dem du dich gerne abgeben kannst. Er trinkt auch gerne mal ein Bier in der nächsten Kneipe um mit dir über Gott und die Welt zu sinnieren, schleppt vom Spielfeldrand die heißen Schnitten nach Hause ab, ohne aber als Angeber rüber zu kommen und dir nur mit Kinn voraus zu begeben. Nur leider reichen nett und blässlich für die NFL nicht so recht: Der Verwalter Ponder hatte nie den Wurfarm um sich die schweren Pässe zu trauen, um die Doppeldeckungen á la Stafford zu zerschießen, und er hatte nie die Reaktionsschnelligkeit der anderen Monster-QBs. Er blieb in seinen Jahren als Starter stets auf banale Offense beschränkt.

Und Ponder war ein wandelnder Kandidat, mit Schulterverletzungen zwei, drei Wochen krankgeschrieben zu werden. Weil sein Backup Matt Cassel dann auch stets etwas besser spielte, war die Ära Ponder in den Twin-Cities dann auch recht schnell beendet – wie auch die Ära Frazier.

Der neue Trainerstab ist einer mit klingenden Namen: Head Coach wird der ehemalige DefCoord der Cincinnati Bengals, Mike Zimmer, kein Mann von Traurigkeit in seiner Wortwahl im Training, und einer, der seit vielen, vielen Jahren als Headcoach-Kandidat galt, aber jedesmal durch die finalen Bewerbungsgespräche gerasselt war. Zimmer war für mich schon den Jim Johnson der letzten Jahre gewesen – ein hervorragender Defense Coordinator, dessen Upside „Coordinator“ blieb. Für Head Coach eine Nummer zu klein befunden.

Nun kam Zimmer durch, und er holte sich klingende Assistenten in seinen Stab. Der bekanntere der beiden ist sicher OffCoord Norv Turner, bei dem auch immer alle sagen, er sei ein viel besserer Coordinator als Head Coach, aber Turner hat seine Chance als Chef wenigstens bekommen. Norv gilt als Verfechter einer tieferen Offense, im Optimalfall basierend auf einem harten Laufspiel, aber mit einem Quarterback, der ganz gerne mal die langen Pässe auspackt. Norv spielt keine krassen Spread-Offenses, sondern operiert normalerweise aus einer standardmäßigen 2 WR / 1 TE / 2 RB Offense.

Der Blick auf den Kader gibt her: Bis auf den Quarterback sind alle Ingredienzien da. RB Adrian Peterson wird nicht jünger, aber mit 28 ist er noch ein Stückchen vom Abbauen entfernt, und er gehört mit seinem knochentrockenen und doch so explosiven Laufstil durchaus in die Kategorie Backs, die Turner so liebt. Peterson ist nicht der Allerbeständigste, aber er ist eine konstante Gefahr, die langen Läufe zu brechen. Sein Backup wird nach dem Abgang von Turner noch gesucht, und möglicherweise via Draft gefunden: Die Ausschreibung läuft auf einen fangstarken Back hinaus, der in den dritten Downs auch mal kurz einen Blitz aufnehmen kann um dann auf der Option-Route die notwendigen 4yds zur neuen Angriffsserie mitnimmt.

Auf Wide Receiver verfügt Minnesota über drei coole Optionen, die sich auf dem Papier super ergänzen: WR Cordarrelle Patterson ist dabei die Allzweckwaffe, der Mann, der als Rookie zwar nur 28% tief angespielt wurde, der aber mit seinem Explosivität eine Neigung entwickelte, aus mittellangen Bälle großartige Runs nach dem Catch zu generieren. Patterson ist in Topform eine nicht zu bremsende Wucht. Möglich, dass er den hoch riskanten Move des Front Office im letzten Jahr doch wert war – er muss höchstens noch etwas beständiger werden.

Seine Ergänzung ist der wenig aufregende, aber stets verlässliche Routenläufer Greg Jennings, mit dem der Quarterback stets quasi Pro-Day spielen kann: Du weißt, dass Jennings in 2.2 Sekunden auf Position x downfield y stehen wird, und kannst ihm den Standardpass dahin servieren. Der dritte Mann ist Jerome Simpson, der in lichten Momenten immer wieder wie ein angehender Klassemann aussieht, aber dann doch zu trainingsfaul ist um die letzten Schwächen auszumerzen, und so halt in der Region zwischen 40 und 60 Catches als dritter Mann stecken blieb.

Die Tight Ends sind auf Jahre um den Stammspieler Kyle Rudolph gebaut: Kein Gronkowski, kein Hernandez, aber ein Spieler Marke Witten: Verlässlich, macht dir die Catches, wenn die anderen dir die Einzeldeckung überlassen, und bringt so übers Jahr 60 Catches für 600yds auf das Tablett. Rudolph war allerdings letztes Jahr verletzt – ich denke aber nicht, dass Minnesota hier großartig nachbessern wird.

Die Offensive Line der Vikes war in den letzten Jahren stets eine der verlässlicheren: LT Kalil (Draftklasse 2012) gilt als aufstrebendes Talent, und bis auf die LG-Position dürften alle Stammplätze schon vergeben sein: C Sullivan, RG Fusco, RT Loadholt waren in den letzten Jahren immer gute Stützen. Für besagten Left-Guard wurde Ducasse aus New York geholt – nicht unbedingt ein Move, der nach „Starter“ schreit, aber möglicherweise angesichts weiterer Lücken im Kader schon die Lösung für die Vikings 2014.

Zur Defense, die künftig von George Edwards gecoacht wird, dem ehemaligen DefCoord der Buffalo Bills. Welche Strategie Edwards verfolgen wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass die Vikings unter Frazier nur relativ selten mehr als vier Passrusher auf das Spielfeld schickten und somit zu den am wenigsten blitz-freudigsten Teams der Liga gehörten. Vermutlich wird Zimmer das letzte Wort in Sachen Abwehr haben – und Zimmer war auch eher ein Mann, der gerne mit maximal vier Mann die Pocket bestürmte.

Das Herzstück der Defense – die Line – muss den Abgang vom langjährigen Stamm-DT Kevin Williams verkraften. Williams hatte eine große Karriere im lila-Trikot, mutierte nach zwei Einstandsjahren als passrushender 4-3 Under-Tackle mit jeweils 10 und mehr Sacks zu einem der komplettesten Lauf-Tackles, Bestandteil von einigen der besten Run-Defenses aller Zeiten. Seinen Nachfolger drafteten die Vikes schon im letzten Jahr: DT Sharrif Floyd, einen sehr beweglichen Tackle, der als Rookie allerdings noch etwas überfordert gewesen sein soll. Floyd soll sich im Lauf des Jahres aber immer besser in die Mannschaft integriert haben.

Von Floyd erwartet man an die 1000 Snaps für diese Saison. Die Wahrscheinlichkeit, dass sein regelmäßigster Partner der aus New York geholte DT Linval Joseph sein wird, ist hoch; Joseph ist mit 25 Lenzen noch ein sehr junger Spieler, der in seiner Rolle als Rotations-Tackle bei den Giants hervorragende Leistungen gezeigt haben soll – er wird vielleicht kein 1000 Snaps spielen, aber wenn es 600-800 sind, dann passt das schon. Als weitere Ergänzung könnten Fred Evans (bekam einen neuen Vertrag) und Tom Johnson aus New Orleans fungieren.

Die größte Lücke gibt es auf Defensive End: Jared Allen wurde ziehen gelassen, womit der ganz große Knaller als Passrusher von den Ecken abhanden geht. DE Everson Griffen, ein 26jähriger Spieler aus den eigenen Reihen, bekam einen mörderischen Vertrag zugeschachtelt, bei dem nur die Frage offen blieb, wie viel Prozente der Vikes-GM als Provision auf die Vertragssumme in seine eigene Brieftasche stecken darf. Griffen ist kein „schlechter“ Spieler, aber seine bisherige Zeit in der NFL lässt nicht vermuten, dass er sich in einer Reihe mit den besten auf seiner Position befindet.

Der zweite Defensive End ist Brian Robinson, der als Ergänzung zu Allen jahrelang eine recht gute Figur machte, der aber als nicht in der Lage gilt, allein einen Passrush zu entzünden. Die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, dass Minnesota im Laufe der ersten Runden nach einem Defensive End greifen wird, um hier zumindest Tiefe in den Kader zu bringen.

Linebacker galt stets als leichter Schwachpunkt in Minnesota, und mit Jasper Brinkley aus Arizona wurde bisher nur ein echter Linebacker neu geholt, während z.B. Desmond Bishop nach einem verletzungsgeplagten Jahr erstmal keinen neuen Vertrag bekam. Zimmer galt in Cincinnati als Mann, der durchaus wert auf schnelle, wendige Linebackers legt, weswegen auch hier bei entsprechender Lage im Draft durchaus ein neuer Spieler folgen könnte.

In der Secondary sind zwei Positionen fix: FS Harrison Smith, ein exzellenter Mann, gibt den einen Safety, CB Xavier Rhodes gibt den #1-Corner. Smith kehrt von einer schweren Beinverletzung zurück, dürfte aber wieder fit sein, Rhodes sollte als Rookie zuletzt genug gelernt haben um ab sofort als echte Stütze zu taugen.

Weil CB Munnerlyn für recht ansehnliche Kohle aus Carolina geholt wurde, ist davon auszugehen, dass Munnerlyn als zweiter Stamm-CB angedacht ist. CB Sherels und CB Cox könnten für die Tiefe zuständig sein, aber möglicherweise wird auch hier noch nachgebessert.

Zimmers Bengals-Defenses kamen eigentlich alle ohne großartige Safetys aus, aber sie versuchten schon, sehr gute Qualität und Tiefe bei den Cornerbacks zu erreichen. Daher würde ich schon erwarten, dass man zumindest die Augen offenhält, wenn es um das Draft-Board bei Cornerbacks geht.

Größte Lücke ist also Quarterback. Das ist einerseits gut, weil du im Prinzip nur einen Spieler von der Relevanz entfernt bist. Auf der anderen Seite auch wieder nicht gut, weil genau QB die Position ist, auf der alle immer gesattelt sein wollen. Die 2014er-Klasse bekommt mittlerweile einigermaßen laue Kritiken. Wie die Vikings zu den Prospects stehen, ist mir nicht bekannt, aber es ist bekannt, dass Turner sehr gern mit Quarterbacks arbeitet und auch schon so manchen richtig weit gebracht hat. Es ist auch bekannt, dass Minnesota an #8 draftet. Es ist aber offen, ob es einen Sturm auf die QBs zu Beginn des Draft geben wird, oder ob ähnlich wie 2013 abgewartet wird.

Sollte man überzeugt sein von einem Knaben wie Bridgewater und er an #8 auf dem Tablett liegen, ist ein Zupacken der Vikings zu erwarten.

Auf alle Fälle würde ich nebenher versuchen, Defensive Ends und zumindest einen jungen Linebacker zu bekommen. In den mittleren und späten Runden vielleicht einen Cornerback und einen Runnnigback mit Fangqualitäten – so wäre zumindest mein Schlachtplan in diesem Fall.

Nochmal: Ohne besseres Offensiv-Passspiel werden die Vikings in der NFC North erstmal ein Mitläufer bleiben. Mit dem richtigen Quarterback sind sie aber per sofort wieder in der Verlosung um ein Playoffticket in einer engen und gar nicht so einfachen Division.

Date am Donnerstag #10: Washington Redskins @ Minnesota Vikings

Vor der Saison hatten sich das die Spielplanmacher der NFL bestimmt so richtig schön ausgemalt: Washington als das Schwergewicht einer NFC East im Umbruch, mit einem aufregenden Robert Griffin, der zu neuen Höhen aufläuft gegen die Minnesota Vikings, die nach einem easy early schedule (nur ein letztjähriger Playoffteilnehmer) noch voll drin sind im Wild-Card-Rennen, vielleicht sogar noch im Kampf um die NFC North. Adrian Peterson, erneut auf der Jagd nach dem rushing record gegen RGIII, der wie AP ein Jahr zuvor spektakulärer denn je aus der Reha zurückkommt. Aber nun ist es einfach nur grauer Ligaalltag.

Die Minnesota Vikings (1-7) spielen nur noch um die goldenen Ananas. Aber die will Head Coach Lezlie Frazier anscheinend ganz dringend gewinnen: letzten Sonntag, dreieinhalb Minuten vor Schluß beim Stand von 23-20 an Dallas´ 36-Yard-Linie läßt er punten. Natürlich verlieren die Vikes und scouten jetzt schon was das Zeug hält. Vor allem den eigenen Quarterback. Chris Ponder, 1st-rd pick 2011, spielt so schlecht wie letztes Jahr, kam auf die Bank und hat den großen BUST-Stempel am Hals. Dann spielte mal Matt Cassel (der gar das einzige Spiel der Saison gewann) bevor man Josh Freeman von der Straße auflas und ihn ohne jede Vorbereitung sofort den Giants vorwarf, auf daß diese sich endlich mal ein wenig Selbstvertrauen holen.

Und dann war Freeman verletzt und dann dann kam Ponder wieder und jetzt ist Freeman wohl wieder fit und Ponder spielt trotzdem. Daß Ponder nicht der Mann für die Zukunft ist, wissen alle. Ob Freeman das vielleicht sein könnte, sollte man herausfinden, aber da ist wohl niemand dran interessiert in Minnesota. Komischerweise. Allein durch dieses QB-Geeier war die Saison bereits ziemlich früh im Eimer.

Dabei sah es so gut aus im Sommer: gleich drei 1st-rd picks zogen sich die Wikinger! Mit WR/KR Cordarrelle Patterson und DT Sahrrif Floyd sogar zwei Spieler, die bei den meisten pundits vom Talent her Top-10-Kaliber waren. Patterson fiel aufgrund von character concerns, Floyd war in den 20ern dann tatsächlich besser aufgehoben als in den Top-10, wie man jetzt sieht. Der dritte in diesem Bund, CB Xavier Rhodes, sah oftmals ein wenig vertrottelt aus, wenn ich ihn bisher gesehen habe (was aber durchaus üblich ist bei Rookie-CBs).

In Minnys Verteidigung halten zwei unauffällige Spieler den Laden zusammen. Die Linebackers Erin Henderson und Chad Greenway sind so erfahren und solide, wie man sich Männer in der Mitte nur wünschen kann. Durch ihre gute Arbeit in der Paßverteidigung spielen sie auch alle Downs und Minnesota kommt ohne dime personell aus (wofür sie im übrigen auch gar keine fähigen DBs hätten). Für den Zuschauer heißt es bei den Minnesota also: Hobbyscouting der Rookies (und hoffen auf ein, zwei spektakuläre Returns von Patterson) und die Klasse Adrian Petersons bewundern.

Für die Redskins geht es immerhin noch um irgendwas. Mit ihrer 3-5 Bilanz sind sie nur 1,5 Spiele hinter dem Divisionleader aus Dallas (5-4). Es hängt für einen Sieg alles an einer starken Leistung von RGKnee. Mittlerweile läuft er schon wieder besser, aber mit dem Passen hapert es wie eh und je. Letztes Jahr ist das nicht so sonderlich aufgefallen, weil seine WRs oft mutterseeelenallein irgendwo rumstanden. Mittlerweile fallen die Verteidiger nicht mehr auf jeden play fake rein und lassen lieber einen Lauf zu als einen tiefen Paß.

Allein durch das Laufspiel (zweitbester Wert ligaweit nach Yards/attempt) sollte Washington hier einen klaren Vorteil gegen Minny haben. Zumal die große Schwäche der Skins, das peinliche Defensive Backfield (zweitschlechtester Wert nach Y/A), eben nur Ponder gegen sich hat.

Interessanter Nebenaspekt an diesem match-up: Washingtons relative Schwäche rührt auch daher, daß sie so viele (hohe) picks für Girffin eingetauscht haben. Nun fehlen ein zweiter guter WRs, geschätzt sechs gute Defensive Backs und depth auf vielen Positionen. Minnesota hatte in den letzten Jahren diese vielen hohen Draftpicks und trotzdem müssen sie schon an die nächste Saison denken. Was lernen wir daraus? Es gibt verschiedene Strategien einen guten Kader zusammenzustellen. Aber egal, für welche man sich entscheidet: man sollte sich dabei nicht doof anstellen. Oder so.

Washington mit dem Glauben an die Divisionskrone läuft das hier nach Hause.

Herrmann

NFL Notizblock Woche 14 – Pats-D, Shanaclan, Cameron, Jets, Cards-O

Im Monday Night Game war für Houstons Laufspiel vor allem DT Vince Wilfork unüberwindlich. Der dicke Klotz, der schon lange kaum noch Nose Tackle spielt, sondern neben dem mehr als soliden DT Kyle Love die Mitte dicht macht, schien immer genau zu wissen, wo er seine 150kg plazieren muß. Bei diesem Spiel hat sich wieder einmal gezeigt, daß Bill Belichicks Front-7, wie schon seit Jahren, immer noch eine der diszipliniertesten der NFL ist. Es mögen nicht die besten oder athletischsten Spieler, aber ein Jeder macht seinen Job. Gegen zone blocking schemes und auch gegen diese wilden Laufspielzüge á la Washington Redskins haben solche disziplinierte Einheiten viel weniger Probleme als so ungeduldige Typen wie die DEs der Giants zum Beispiel. Nächste Woche kann New England das gleich wieder beweisen, wenn sie das das kreativste Laufspiel der Liga, das der San Francisco 49ers, aufhalten sollen.

Letzte Woche hab ich hier den Shanaclan abgefeiert, weil er so mutige und für den gewöhnlichen NFL-Coach untypische Entscheidungen trifft. Unkonventionelle Entscheidungen erhöhen die Varianz: die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs ist höher; aber auch die Wahrscheinlichkeit eines Katastrophenplays. Der QB-Draw mit Kirk Cousins für die erfolgreiche 2Pt-Conversion war wieder so ein Fall. Ein „gewöhnlicher“ Paß- oder Laufspielzug hätte mit dem Rookie, der kaum gespielt hat, weniger Aussicht auf Erfolg gehabt. Niemand hat damit gerechnet, daß ein typischer „RG-III-Spielzug“ folgt. Andererseits hätten alle auf die Shanahans eingeprügelt, wie man den so blöde sein kann, einen „RG-III-Spielzug“ für einen Kirk Cousins zu callen. Nice. Ich mag die Shanahans immer mehr.

You can fool some people sometime, but you can´t fool all the people all the time. Nun hat auch Baltimore HCs John Harbaugh das mäßige Spiel von Offensive Coordinator Cam Cameron durchschaut und ihn gefeuert. Angeblich freut das QB Joe Flacco. Noch mehr freuen sollte das aber RB Ray Rice, der unter Cameron weniger Läufe bekommen hat als ein Ben-Jarvus Green-Ellis oder ein Shonn Greene. Neuer OC wird nun Quarterbacks Coach Jim Caldwell.

Caldwell hat 2010, als HC der Indianapolis Colts, mit einer 14-0-Bilanz seine erste Mannschaft in Woche 16 gegen die 7-7-Jets geschont. Mit einem Sieg damals (und eine Woche später gegen die Bengals) sind die eigentlich schon sicher ausgeschieden geglaubten Jets unter Rex Ryan dann noch in die Playoffs gerutscht und dort bis ins AFC Championship Game vorgestoßen. Dieses Jahr scheint Gang Green (6-7) noch weiter von den Playoffs entfernt zu sein. Aber nach drei Siegen in den letzten fünf Spielen sind sie nur einen Sieg hinter den Bengals und den Steelers. New York muß seine letzten drei Spiele gewinnen, aber das sind nur matchups mit den Titans, Chargers und Bills, während Steelers und Bengals ein schwierigeres Restprogramm haben. Wie wärs mit einem Wildcard-Game zwischen Peyton Mannings Denver Broncos und Tim Tebows New York Jets?

Tebows Vorgesetzter, Mark Sanchez, kann es bei aller Graupenhaftigkeit sogar schaffen, nicht der schlechteste QB zu werden, der es in die Playoffs schafft. Diese Ehre würde Minnesotas Christian Ponder gebühren. Auch am vergangenen Wochenende hat der letztjährige 1st-rd pick wieder eine unterirdische Leistung abgeliefert: 11/17 für 91 Yards mit einer katastrophal schlechten Interception. Das war das dritte Mal in den letzten sieben Spielen, in denen er unter 100 Passing Yards blieb. Gegen Arizona in Woche 7 schaffte er mit 8/17, 58 Yards, 1TD und 2Int sogar einen negativen (!) Adjusted Yards/Attempt-Wert.

Das alles ist aber noch gar nichts im Vergleich zur sogenannten Offense der Cardinals. Bei 0-58 gegen Seattle haben sie den Hawks ein ums andere Mal die Punkte auf dem Silbertablett serviert oder gleich fast selber gemacht: INT-Return for TD, Fumble Return for TD; drei Sacks; vier verlorene Fumbles und vier Interceptions. Arizonas Angriff ist auf dem absoluten Tiefpunkt angelangt. Sie brauchen im Grunde eine völlig neue Mannschaft: OLine furchtbar, RBs immer angeschlagen und die Quarterbacks wären für die meisten Collegeteams zu schlecht.

NFL 2011/12, Week #7 Preview: Rohe Eier aus England

NFL in Wembley, yaddayadda. Leider fehlt es Sideline Reporter erneut an Zeit und Geld, das alljährliche Europaspiel der NFL gebührend zu würdigen (sprich: zu besuchen). Für nächstes Jahr werde ich eine Spendenhotline für verarmte Studenten und Praktikanten andenken.

Tampa Bay Buccaneers – Chicago Bears

So, 19h LIVE bei ESPN America und Sport1+

Dabei hat es die heurige England-Paarung im Gegensatz zu 2010 durchaus in sich: Die Buccs sind extrem unberechenbar, scheinen aber der Pubertätsphase entwachsen zu sein und trotz gefühlter Unterlegenheit in der Lage, Titelkandidaten wie New Orleans aus dem Weg zu räumen. Hauptgrund neben ein paar wenigen Big Plays RB Earnest Grahams und wohl getimten INTs dafür sind QB Josh Freemans Coolness, nach drei missratenen Würfen im entscheidenden Moment trotzdem den siegbringenden Ball anzubringen, und eine Defensive Line, die schön langsam ernst zu nehmen ist und in dutzenden Formationen des Weges kommt. Man merke sich die Herren Bennett, McCoy, Price, Clayborn.

Die Chicago Bears sind vielleicht ganz froh, diese Woche fernab aller Lokalmedien in England spielen zu können. Denn die heimische Berichterstattung wird trotz der starken Vorstellung gegen Minnesota von einem anderen Thema überlagert, das sich da nennt: QB Jay Cutler und das F-Wort. Der eigentlich besonnene Dan Pompei (auch NFL/Yahoo) hat am Donnerstag in seinem Editorial (Cutler: „F in Leadership“) in der Printausgabe der Chicago Tribune Cutler so dermaßen in den Senkel gestellt, dass sich der ehemalige NFL-Profi Matt Bowen (auch NFP) genötigt sah, am Freitag eine beschwichtigende Kolumne einzuschieben.

Cutler hatte am Sonntag nach dem x-ten Hit an der Seitenlinie seinen Frust an OffCoord Mike Martz abgelassen („Tell Mike Martz I said f*ck him“), was rein zufällig von NFL Films aufgefangen wurde. Dem menefregistischen Cutler wurde in genanntem Editorial von Bear Bryant über Sun Tzu hin zum alten Aristotel alles an klugen Sprüchen über Führungsperönlichkeiten um die Ohren gehauen.

Ein zweite Storyline ist das Wiedersehen von Bears-Headcoach Lovie Smith mit seiner ehemaligen Mannschaft Tampa Bay, wo Smith einst als Linebacker-Coach unter Tony Dungy die Basics der „Cover-2“-Defense erlernte, die er später in St Louis und Chicago zu ganz neuen Höhen getrieben hat. Jene „Cover-2“-Defense, die in den vergangenen Wochen immer lauter kritisiert wurde, auch aufgrund bockiger Safetys wie #31 Meriweather oder #46 Harris, deren undiszipliniertes Spiel für mehrere aufgegebene Big Plays gesorgt hatte, und die nun tatsächlich von den taufrischen Jungspunden Wright/Conte ersetzt werden sollen.

Chicago gegen Tampa. Ein Duell zweier Wundertüten, die mich für eine Prognose ziemlich ratlos hinterlassen.

Da ist es ergiebiger, über die Zukunft der NFL in London zu sprechen, über die vor wenigen Tagen auf dem Herbstmeeting der NFL-Owner abgestimmt wurde. Resultat: Eine Verlängerung des Vertrags bis 2016, mit der Option, ein zweites Europaspiel anzusetzen, falls sich ein entsprechender Abnehmer finden lässt, der die NFL gütlich genug zu entlohnen bereit ist. Interessanter Passus in den offiziellen Statements der Liga: Man gedenkt, eine fixe Heimmannschaft für das London-Spiel zu suchen.

Da ist der Gedanke „Tampa Bay Buccaneers“ nicht fern, zumal die Buccs bereits zum zweiten Mal nach 2009 in England angesetzt werden, ihr heimisches Raymond James Stadium nicht annähernd voll bekommen und die Buccs-Besitzerschaft (Reizwort Glazer) rein zufällig auch Eigner von Manchester United ist. Ob es für die bunte NFL-Anhängerschaft allerdings so reizvoll ist, jedes Jahr die selbe Mannschaft sehen zu dürfen/müssen/können… Abwarten und Tee trinken.

NFL 2011/12 Woche 7, der TV-Rest

Minnesota Vikings – Green Bay Packers (So, 22h LIVE ESPN America, Sport1+ und PULS4): Nach dem Ende der unsäglichen Ära Favre steht in der zuletzt hitzigen Rivalität Packers-Vikings diesmal mit QB Chris Ponder ein Rookie im Mittelpunkt: Minnesota prüft in den kommenden Wochen die Optionen Ponder und „Suck vor Luck“. Mitte November  dürfte die Richtung bekannt sein.

Ponder als Starter bedeutet im Umkehrschluss auch: Minnesota dürfte vor allem zu Beginn des Spiels primär auf RB Adrian Peterson setzen, um Ponder nicht schnell zu verunsichern. Von Green Bays Seiten kann man einen sehr druckvollen GamePlan erwarten, da sich bei Ponder letzte Woche andeutete, dass er bei überhasteten Würfen zu Fehlern neigt.

Tennessee Titans – Houston Texans (Mo, 10h Tape bei ESPN America): Wichtiges Spiel für beide, da es für beide die Playoffs kaum über eine Wildcard geben dürfte und somit der Divisionssieg wichtig wird. Houston ist eigentlich klar favorisiert, aber weil WR Andre Johnson keine Möglichkeit auf einer Schlägerei-Revanche kriegt und die Texans nach zwei unnötigen Niederlagen schon wieder Schlotterknie mitschleifen, darf man Tennessee mit seiner kühlen Spielweise, seiner starken Offensive Line und einer soliden Secondary eine Chance geben.

Detroit Lions – Atlanta Falcons (Mo, 12h Tape bei ESPN America): Die Lions bangen um ihr Laufspiel, nachdem bei RB Harrison ein Hirntumor prognostiziert wurde, der einen Trade für RB Brown negierte, und RB Jahvid Best geraten wurde, aufgrund akuter Gehirnerschütterungsgefahr die Saison vorzeitig zu beenden. Atlanta dagegen schraubt an allen Ecken und Enden, um seine lahme Offense und den blassen QB Matt Ryan in Gang zu bekommen. Dass dabei nun ausgerechnet die mächtige Defensive Line der Lions wartet, dürfte das Unterfangen erschweren.

New Orleans Saints – Indianapolis Colts (Mo, 14h Tape bei ESPN America): Das Superbowl-Rematch, diesmal unter völlig veränderten Vorzeichen, weil die Hauptstrategen von damals fehlen. QB Peyton Manning und Coach Sean Payton, der mit Schienbeinbruch nur limitiertes PlayCalling machen soll. Es bleibt abzuwarten, ob dies die Saints-Offense gegen eine wenigstens beherzt spielende Colts-Defense entscheidend einbremsen wird können. Das Duell LT Bushrod gegen DE Freeney riecht aber wenigstens nach drei Sacks und zwei Fumbles, insofern ist für die Colts nicht alles bereits vor dem Kickoff verloren.

Jacksonville Jaguars – Baltimore Ravens (Mo/Di LIVE bei Sport1+, Di, 14h30 Tape bei ESPN America): Das MNF-Spiel, eher auch kein Augenschmaus. Jacksonvilles Rookie-QB Blaine Gabbert kann sich in seinen Meriten aber vermerken, sich jüngst von Pittsburgh nicht verrückt machen gelassen zu haben (wow, ging das sprachlich denn nicht einfacher?). Allerdings dürfte Baltimores Defense, vor allem in der Front Seven, zurzeit einen Gang höher einzuschätzen sein. Auf der anderen Seite stehen die Jaguars bei mir im Ruf, in Primtetime-Spielen seit Jahren immer mal wieder eine Überraschungsleistung auf das Parkett zu zaubern, als ob sie bloß die nötige Aufmerksamkeit bräuchten.

NFL 2011/12 Woche 7, sonst so

Abseits von Ponders Debüt gibt es auch in Washington (von Grossman zu John Beck), Seattle (vom verletzten Jackson zu Charlie Whitehurst) und – natürlich – in Denver Quarterback-Wechsel. Die Broncos starten heute vor ausverkauftem Haus in Miami die Ära Tim Tebow, der passenderweise vor dem Spiel auch noch für seine 2008er-Titelsaison am College geehrt wird. Gestern im Sportscenter bei ESPN wurde mit Jerry Rice eine interessante Komponente angesprochen: Nicht nur für die Offensive Line, sondern auch für die Wide Receivers bedeutet der Wechsel von einem Rechtshänder (Orton) auf einen Linkshänder (Tebow) eine Umstellung: Der Ball rotiert entgegengesetzt, was erhöhte Konzentration beim Fangen bedeutet (die Flugkurve selbst ist arm-unabhängig).

Völlig unter dem Radar fliegt bei uns das IMHO hochinteressante Duell der New York Jets gegen die San Diego Chargers, die beide in ihren Divisionen unerwartet hartnäckige Konkurrenz bekommen haben und bislang nicht rundum überzeugend aufgetreten sind. Alle Statistiken weisen darauf hin, dass die Jets nur dann eine Chance gegen die giftige Defense der Chargers haben werden, wenn sie konsequent hartes Laufspiel durchziehen können – etwas, das mit RB Shonn Greene schwer möglich werden wird.

Am Boden liegen aktuell die St Louis Rams, bei denen man offenbar bereits in Betracht zieht, Steve Spagnuolo noch vor Saisonende zu rasieren. Heute wird erstmal QB Sam Bradford fehlen. Backup A.J. Feeley gibt den Notnagel gegen Dallas.

Okay. In einer Stunde beginnt das WM-Finale im Rugby. Man sieht sich dann am Abend.