Bowl Season 2013/14, Großkampftag am Samstag

Bowl-Season heute mit einem Großkampftag. Alle Spiele kommen wieder live im ESPN-Player, und SPORT1 US zeigt heute auch was live, nämlich die Russell Athletic Bowl Miami/FL vs #18 Louisville (mit Teddy Bridgewater!) ab 0h45.

MEZ    BOWL                TEAM 1            TEAM 2
18h    Pinstripe           Notre Dame        Rutgers
21h20  Belk                Cincinnati        North Carolina
00h45  Russell Athletic    Miami/FL          Louisville
04h15  Buffalo Wild Wings  Kansas State      Michigan

Zu den einzelnen Spielen im Detail. Weiterlesen

Bowl-Großkampftag I, 27.12. Preview

Die nächsten Tage sind Großkampftage im College Football. Heute geht es los mit einem „Triple-Header“ an Bowls: Military Bowl aus Washington, Belk Bowl aus Dallas und Holiday Bowl aus San Diego. ESPNA ist überall live dabei.

Military Bowl

San José State Spartans – Bowling Green Falcons

21h LIVE bei ESPN America

Die #24 San José State Spartans (10-2) gehören zu den positiven Überraschungen der Saison: Innerhalb von drei Saisons machte Head Coach Mike McIntyre die Jungs von 1-12 zu 10-2, aber wegen des Dominoeffekts auf der Trainerposition ist McIntyre heute gar nicht mehr an der Seitenlinie (wurde von Colorado angeheuert). Auch auf der Gegenseite steht ein Rebuilding-Genie: Dave Clawson, der Bowling Green innerhalb von drei Saisons von 1-12 in die Bowl Season coachte.

Diesmal sind die Spartans auf dem Papier klarer Favorit: Die Offense ist aufregend mit dem QB David Bales, der als sehr sicherer, fehlerarmer Werfer gilt, und vor allem dem kleinen Wusler WR Noel Grigsby, der aus Kurzpässen gerne mal einen 80yds-Touchdown fabriziert.

Bowling Green (8-4) hat keine gute Offense, aber eine sehr gute Defense mit einem potenziellen Draft-Kandidaten: DT Chris Jones, der genügend Druck macht, um die Secondary im Alleingang zu entlasten. SRS favorisiert San José State mit 13 Punkten, aber aufgrund des Interimscoaches Kent Baer bin ich skeptisch, ob die Spartans das wirklich so klar dominieren werden.

Was ich ebenso nicht erwarte: Gut besetzte Ränge im RKF Stadium von Washington. Keine Militärs, dafür ein Westküstenteam… riecht nach maximal 15.000 Zuschauern.

Belk Bowl

Cincinnati Bearcats – Duke Blue Devils

0h30 LIVE bei ESPN America; Tape morgen 13h30.

Viel Trara wird gemacht um die Qualifikation von Duke (6-6) für die Bowl Season. Man muss sich vor Augen führen, dass Duke eine „Basketball-Universität“ ist, d.h. der Football genießt bei allem großen Namen der Blue Devils nur einen untergeordneten Stellenwert. So war 1994/95 s’letzte Mal, dass Duke sich für eine Bowl qualifizieren konnte. Rühmlich war das ganze nicht (man ist 6-6 und 0-5 gegen Teams, die ebenso „bowl-eligible“ sind), aber immerhin war man nicht mehr das Schlachtopfer auf der Bank. Head Coach David Cutcliffe, der schon Eli Manning groß gemacht hatte, lässt recht lässig werfen, und so gilt die Combo QB Sean Renfree/WR Conner Vernon dann auch als durchaus profikompatibel.

Auf der anderen Seite kommt Cincinnati (9-3) ohne Head Coach daher, nachdem Butch Jones gen Tennessee abgewandert ist und Tommy Tuberville erst im Januar zum Team stoßen wird. Cincy ist mir als explosive Offense in Erinnerung, aber es scheint Knatsch gegeben zu haben, denn der Quarterback mit dem göttlichen Namen, Munchie Legaux, wurde zur Saisonmitte durch Brendan Key ersetzt. Von der Offense weiß man nie, was man erwarten kann: Mal gibt es eine 30/70 Pass/Lauf-Ratio, mal eine 60/40-Ratio. Gegen Duke und sein Sieb in der Defensive Line könnte eine heftige Prise von RB Winn reichen, um drüberzufahren.

Cincinnati ist im SRS mit 10 Punkten favorisiert. Vor drei oder vier Jahren waren die Bearcats in der Sugar Bowl mit Interimscoach angetreten (weil Brian Kelly damals zu Notre Dame gegangen war) und hatten sich abschlachten lassen. Diesmal wieder ohne den richtigen Head Coach. Ich bin gespannt, kann mir einen Sieger Duke mit seiner Defense aber beim besten Willen nicht vorstellen.

Holiday Bowl

Baylor Bears – UCLA Bruins

4h LIVE bei ESPN America; Tape morgen 16h.

Den Freunden gepflegter Defensivarbeit kann ich schon jetzt vom Einschalten abraten, denn wenn Baylor und #17 UCLA im Bärenduell in San Diego aufeinander treffen, wird es vor allem über viele Yards und Punkte gehen.

Die Baylor Bears (7-5) hatten im Jahr eins nach Robert Griffin III zwar diverse kleinere Problemchen, vor allem in der Defense, aber nach einner Niederlagenserie im Oktober (u.a. knapp 63-70 (!) gegen WVU und 50-56 gegen Texas verloren) berappelte man sich und schloss im November mit Siegen über große oder beachtliche Truppen wie K-State, Texas Tech oder Oklahoma State ab. Zu Baylor soviel: Man scort 44.1 Punkte pro Spiel. Man kassiert 38.2 Punkte pro Spiel. ’Nuff said.

Zum neuen Superstar im Angriff ist der RB Lache Seastrunk mutiert, der aus Oregon gekommen war und in den letzten Wochen zur Hochform aufgelaufen ist; aber es gibt auch einen guten QB in Nick Florence und einen WR Terrance Williams, der im NFL-Draft schon als Erstrundenpick gehandelt wird.

Die UCLA Bruins (9-4) auf der anderen Seite gehen bei mir mit ihrer Bilanz durchaus als Sensationsteam durch und dürften die insgesamt komplettere Mannschaft besitzen. Jim Mora jr., dieser Name als Head Coach ist bei mir ja längst verbrannt, aber Mora scheint in Los Angeles gute Arbeit geleistet zu haben, denn von allein gewinnst du eine Division mit Arizona State und USC dann auch nicht.

Star ist RB Jonathan Franklin, der den Angriff quasi im Alleingang trägt und sowohl eine große Anzahl an Carries bekommt, als auch viele Bälle fängt und im Pac-12 Title Game in Stanford fantastische Zahlen ablieferte: 216 Yards in 22 Carries.

Baylor ist im SRS mit 0.5 Punkten favorisiert, und das zeigt uns schon: Hier könnte es knapp zugehen. Lassen wir einfach die Turnovers entscheiden (beide Mannschaften mit über 2 Turnovers/Spiel durch die Defense) und hoffen auf ein Spiel mit viel Hin und Her (und wenigstens etwas Defense…).


Nachtrag: Preview mit dem einen oder anderen Schwerpunkt mehr gibt es bei Allesaussersport.

Black-Friday Preview 2012

Am Tag nach der langen Thanksgiving-Nacht beginnen die Amerikaner in einem weiteren, semi-offiziellen „Nationalfeiertag“, dem Back-Friday, ihre Weihnachtsvorverkäufe – nicht mehr im Konsumrausch von vor wenigen Jahren, aber dafür sind dann auch die Kopfschmerzen danach etwas linder.

Der Black-Friday bildet im College Football für mich seit Jahren den Auftakt zum letzten großen College-Wochenende, dem „Rivalry-Weekend“ mit zahlreichen Klassikern. Heute Abend noch die Soft-Variante. Morgen folgen dann die Kracher, die zum Teil auch die BCS mitentscheiden werden.

Ab 18h bringt ESPNA heute Iowa HawkeyesNebraska Cornhuskers, wo sich die Gäste mit einem Sieg direkt für das BigTen-Finale qualifizieren können, ohne dass Michigan morgen noch eine Chance zum Nachziehen hätte. Das ist dann auch das spannendste, das mir zu diesem Spiel einfällt, nachdem die Big Ten dieses Jahr den Charme eines Buchhalters mit Achselschweißüberproduktion versprüht.

Ab 21h30 aus der SEC: Arkansas RazorbacksLouisiana State Tigers, wo man wenigstens einen Blick auf kommende Draftpicks in der NFL werfen kann. QB Tyler Wilson von den Hogs sagt man eine eher verhaltene Saison nach, was Wilson und seinen Draft-Aktien kurz vor seinem Gang in die NFL gar nicht bekommen sollte. Gegen die bärenstarke Tigers-Defense könnte Wilson noch einmal eine Lebenszeichen geben – oder endgültig absaufen: Arkansas ist nach der schlechtesten Spielzeit seit Ewigkeiten längst aus dem Rennen um selbst die schwächsten Bowls draußen. LSU ist mit 8-2 und bloß knappen Niederlagen gegen die BCS-#2 (Alabama) und BCS-#4 (Florida) zwar praktisch chancenlos auf den BCS-Titel, kann aber unter Umständen noch eine BCS-Bowleinladung bekommen. Zudem gilt es, mehrere Abwehrspieler zu begutachten, namentlich vor allem die Herren DE Montgomery und DE Mingo.

Ab 01h: CincinnatiSouth Florida, wo es sportlich um nicht mehr viel geht und nach dem Karriereende von Bulls-QB B.J. Daniels auch der interessanteste Spieler ausfällt. Die Cincinnati Bearcats haben allerdings ihrerseits einen Quarterback, den es sich anzuschauen (und dessen Namen es sich zu schreiben lohnt) lohnt: QB Munchie Legaux.

Spätnachts oder früh am Morgen dann noch ab 04h das Derby aus der Wüste von Tucson, Arizona WildcatsArizona State Sun Devils („Duel in the desert“). Beide Unis gingen heuer mit neuen, lauten und profilierten Head Coaches in die Saison, und beide zeigten Anzeichen von Brillanz mit ihren neuen Offensivstrategen, hatten aber auch brutale Knockouts.

Arizona mit dem HC Rich Rodriguez (ehemals WVU, Michigan) zum Beispiel schlug USC, hielt sich gegen Stanford bis hinein in die Overtime und hätte um ein Haar Oregon State geschlagen, wurde aber von Oregon und UCLA mit 49 bzw. 56 Punkten Differenz geputzt. Die Arizona State Sun Devils von Todd Graham (ex-Pitt) haben keine richtigen Qualitätssiege vorzuweisen, hielten aber gegen UCLA und Oregon sehr viel besser mit.

Das Duell wird sicher intensiv – die Spiele in den letzten Jahren waren alle sehr spannend und teilweise nur von Fehlkicks in der letzten Sekunde entschieden.

Big East Conference 2012/13 Preview

Die Big East Conference… was im College-Basketball mit Syracuse und March Madness eine ganz große Nummer ist, genießt im College Football mittlerweile keinen allzu hohen Status mehr. Nach etlichen Jahren der Misserfolge und hohen Schlappen der BCS-Vertreter in der Bowl Season und dem drohenden Kollaps nach Abgängen (West Virginia, baldig Pitt und Syracuse) und nicht erfolgten Additionen (TCU) wird in einem Jahr der blanke Wahnsinn ausbrechen, mitsamt Teams aus Texas, Idaho (!) und Südkalifornien (!!!).

Die Zusammensetzung der Football-Liga sieht 2012 so aus:

Cincinnati
Connecticut (UConn)
Louisville
Pittsburgh
Rutgers
South Florida (USF)
Syracuse
Temple

Und im nächsten Sommer – ein durchaus mögliches weiteres Beben mal außer Acht gelassen – werden folgende Universitäten die Footballmeisterschaft unter sich ausspielen (die Navy kommt erst 2015 und jetzt vergessen wir mal, dass Louisville durchaus Big12-würdig sein könnte):

Boise State
Central Florida (UCF)
Cincinnati
Connecticut (UConn)
Houston
Louisville
Memphis
Rutgers
San Diego State
South Florida (USF)
Southern Methodist (SMU)
Temple

Und wenn die Funktionäre dann lange genug zusammensitzen, kommt bestimmt wer auf die Idee, die beiden Divisionen dieser Conference nicht nach geographischen Gesichtspunkten zusammenzusetzen…

Die obere Hälfte des Tabellenplateaus

Eigentlich verbietet es sich, in der Big East Conference von “Favoriten” zu sprechen – zu wenig Konstanz ist da auf Jahr-zu-Jahr-Basis drin. Für dieses Jahr erwarte ich allerdings die Louisville Cardinals aus Kentucky obenauf. Der Chefcoach Charlie Strong war bis zum vergangenen Herbst nur als großer Motivator und Recruiter bekannt gewesen, zeigte dann aber Profil: Feuerte mitten in der Saison nach katastrophalem Saisonstart seinen OffCoord, wechselte QB Terry Bridgewater ein, und schon war die Offense plötzlich potent genug, dass es um ein Haar noch zum Conference-Gewinn gereicht hätte. Der schwarze Strong hat da einen sehr jungen Kader beisammen, der erst in 1-2 Jahren zur Hochform auflaufen dürfte.

Zweiter Kandidat ist ein langjähriges dark horse: Die South Florida Bulls aus Tampa. Ich erinnere mich an meine Worte Mitte/Ende September, vor der furchtbaren Schlappe bei Pitt, die alles Selbstvertrauen aus dem Team zu ziehen schien. Und dann kam auch noch Pech dazu: Ein 5-7 liest sich nie gut, aber wenn du in engen Spielen 1-4 gehst, kannst du das schon mal ein bissl Entschuldigung gelten lassen.

Die Offense ist eigentlich gar nicht übel: Es steht und fällt immer noch alles mit QB B.J. Daniels, der sich aber langsam zum soliden Verwalter entwickelt, und nun mit WR Andre Davis einen künftigen NFL-Star in the making zur Seite bekommen haben soll. Getragen wird USF eh wie immer von der flinken, aggressiven Defense – oder auch nicht: Weil die Abwehr sich halt auch immer den einen oder anderen Lapsus leistet, wird USF wieder zwei oder drei Spiele einfach wegen Konzentrationsschwierigkeiten wegschenken.

Vielleicht ist das die Chance der Rutgers Scarlet Knights, die nach dem überraschenden Abgang vom langjährigen, sehr umtriebigen Head Coach Greg Schiano gen Tampa den Kulturwandel vollzogen und mit dem ruhigen, bedachten Kyle Flood das komplette Gegenteil zum Schreihals Schiano installiert haben. Auch hier gilt: Star ist die Defense, während die Offense weitestgehend indisponiert ist (Laufspiel ist unzuverlässig genug für 0yds-Spiele).

Oder kommen gar noch die Cincinnati Bearcats zum Tragen? Letztes Jahr waren die gar nicht übel, aber es gibt etliche – und berechtigte – Fragezeichen: Wer ersetzt den angehenden Profi RB Isaiah Peed? Wer folgt auf die vier abgewanderten Offensive Liner? Wie soll QB Munchie Legaux (was für ein fassungslos geiler Name übrigens!) hinter solchem Blocking seine Completions Rate von 47% verbessern? Und was passiert mit der Laufdefense, nachdem die größte Stärke – die Defensive Tackles um Derek Wolfe – nach Zillionen Abgängen zum größten Mysterium in der Abwehr geworden ist? Ach ja: In der Historie gab es noch nicht viele Mannschaften (genau: eine), die zwei Jahre hintereinander wie Cincinnati 2011 genau 20 Fumbles freischlagen konnte…

Die untere Hälfte des Tabellenplateaus

Die Pittsburgh Panthers gehören zu den chaotischsten Läden in der FBS. Nach einem wiederholten Trainerwechsel – diesmal mit vielen, vieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeelen bösen Worten und mehr als latent an die Oberfläche gebrachtem Hass gegen Ex-Coach Todd Graham ist nun Paul Chryst, zuletzt höchst erfolgreicher OffCoord bei Wisconsin, der fünfte Head Coach von Pitt in den letzten 18 Monaten! Äh, Wisconsin? War da was? Riecht nach überragender Offensive Line von Tag an. Keine, wirklich keine Preview über Pitt kommt ohne Termini der Güteklasse soon-to-be enormous offensive line aus.

Die Fakten untermauern das schon mal. Also: Durchschnittsgröße 1,99m bei 318 Pfund (144kg). Der Benni unter denen ist 1,94m bei 305 Pfund (138kg). „Enormous“ mögen die Leistungen auch sein, denn QB Tino Sunseri ist nicht nur ein unkonventioneller Werfer, sondern auch fürchterlich unentschlossen: 13.5% der Passversuche enden in Sacks (5 Sacks im Schnitt pro Partie gegen Sunseri!!). Immerhin dürfte der famose RB Ray Graham nach Knieverletzung wieder zu großer Form auflaufen können. Komplett im Dunkeln tappt man nach all den Wechseln bei der Defensiv-Strategie der Panthers. Pornoschnäuzer Dave Wannstedt war 4-3-affin, Graham machte daraus eine 3-4; was wird Chryst da machen?

Schon besser Bescheid um die Defense weiß man bei den Connecticut Huskies: Die ist nämlich wirklich bärenstark, und aus der vergangenen Saison habe ich mir mit dem ungefähr zwanzig Mal pro Spiel gelobten DE Trevardo Williams noch eine wichtige Figur gemerkt. Die Offense liegt zwar zirka drei Meter unter der Erde und QB Chandler Whitmer wurde von HeadCoach Pasqualoni mit einer grundlos in die Länge gezogenen Entscheidung über den Starting-QB (es gab klar ersichtlich keine Alternative) schon sachte enteiert, aber du kannst wenn es gut läuft damit in einer Big East ganz vorne durchkommen…

Syracuse wird das nicht schaffen. Den Orangemen rutschen zwar immer wieder fantastische Spiele oder auch nur Spielviertel aus, aber der Kader hat nicht genügend Qualität, um damit über vier Monate schadlos zu bleiben.

An Qualität wird es auch den Temple Owls mangeln, den Neulingen 2012. Oder besser: Rückkehrern. Temple war vor sieben Jahren aufgrund von sportlichem Siechtum aus der Big East gekickt worden – jetzt sind sie wieder zurück, und kommen frisch von einer Bowl-Season-Teilnahme. Der HeadCoach ist mit Steve Addazio ein kauziger Mann, der humorlosen 60er-Jahre Football spielen lässt: Laufen am besten auch noch bei 3rd und 15 und das wenn möglich auch noch mit Schwarzweißübertragungen, ohne irgendwelchen neumodischen Schnickschnack. Eigentlich dürfte das dieses Jahr nicht reichen. Eigentlich. Aber wir reden hier von der Big East Conference, und deswegen dürfte diese Preview schon in drei Wochen völlig wertlose geworden sein. Die Rechnung für die verschwendete Zeit beim Lesen bitte in die Zentrale von Sideline Reporter schicken. Danke für die Aufmerksamkeit.

Silvester-Bowls im College Football 2011

Achtung: Dieses Jahr finden am morgigen Neujahrstag keine Bowls im College Football statt, da die NFL ihren letzten Spieltag des Grunddurchgangs abhält. Die traditionellen Neujahrsbowls diesmal am Montag, 2.1. Mit dem Appell, nicht verantwortungslos zu feiern, zu den heutigen Silvester-Bowls für die Partymuffel.


Meineke Car Care Bowl of Texas

Texas A&M Aggies – Northwestern Wildcats

Sa, 31.12. 18h LIVE im ESPN-Player
Tape: So, 1.1. 6h30 bei ESPNA

Da sind zwei Teams mit einer Saisonbilanz von 6-6, aber “6-6” fühlt sich bei beiden sehr unterschiedlich an. Texas A&M gehört bekanntlich zu den von mir immer noch hoch angesehenen Teams, ein Kaliber, das nur gegen Oklahoma höher verlor, ansonsten durch allerhand Freak-Einbrüche Führungen und an sich gute Vorstellungen wegwarf und sich seine letzte Saison in der Big 12 Conference zerschoss. HeadCoach Mike Sherman ist dann auch gefeuert worden, doch heute wird nicht der Nachfolger Kevin Sumlin (von Houston gekommen) coachen, sondern DefCoord Tim DeRuyter, der sich dann auch nach der Partie brav nach Fresno State verzieht, wo er der neue Mann am Steuer sein wird. Alles klar?

Die Aggies leben von einem sehr guten Angriff (496yds/Spiel) um QB Ryan Tannehill (3415yds, 28 TD, 14 INT) und den Top-WR Jeff Fuller, aber die beiden starken Running Backs Michael/Gray sind seit Wochen entweder außer Gefecht oder schwer angeschlagen unterwegs. Northwesterns Defense gilt jedoch immer noch nicht als stark genug, um aTm zu einzubremsen.

Texas A&Ms Defense gilt als ordentlich gegen den Lauf, aber anfällig gegen fliegende Bälle. Die Stärken der Northwestern Wildcats passen da dummerweise genau ins Profil: QB Dan Persa muss in Abwesenheit eines ernst zu nehmenden Laufspiels viel und oft werfen und gilt dann auch als sehr akkurater QB.

Excel spuckt die Aggies trotzdem als 15pts-Favorit aus, wobei noch Fragezeichen bezüglich der Motivation bei den Aggies bleiben. Inwiefern lässt sich der Kader nach dem enttäuschenden Saisonverlauf inklusive verheerender Derbyschlappe gegen Texas vom Interimscoach noch genügend motivieren, um sich ein letztes Mal aufzuraffen?


Hyundai Sun Bowl

Georgia Tech Yellow Jackets – Utah Utes

Sa, 31.12. 20h LIVE bei ESPN America

Billigalternative zum Silvester-Menü: Sun Bowl aus dem warmen New Mexico (Albuquerque). Utah war im ersten Jahr als BCS-Team eine dezente Enttäuschung mit 7-5 in der Pac-12, hatte in der Offense nach einigen Verletzungen nicht viel mehr als den RB John White (1404yds, 14 TD) zu bieten, was sich aber noch recht gut trifft, da Georgia Tech eine schwache Front Seven aufbietet.

Georgia Tech ist unter HeadCoach Paul Johnson mit seiner „flexbone-triple option“-Offense immer ein Hingucker, läuft 316,8yds/Spiel, was sich etwas weniger gut trifft, weil Utahs absolut größte Stärke die Lauf-Defense ist. Die Utes haben zwar heuer keine Option-Offense gesehen, jedoch in den vergangenen Jahren gegen Air Force verteidigt. Die Yellow Jackets gelten trotz aller Pitches und Options als eigenartig abhängig von den Wurfkünsten QB Tevin Washingtons, die in der zweiten Saisonhälfte eher ein nervöses Abzugshändchen waren.

IMHO eine der interessantesten Bowls, was Matchups und Aufeinandertreffen von Stärke und Schwäche angeht. Ich vertraue angesichts einer Unmasse an zu erwartenden Laufspielzügen dem Excel-Spread von 2pts zugunsten Utahs nicht wirklich und sage trotz völliger Unwissenheit über den Sieger kein Spiel voraus, das knapp enden wird.


AutoZone Liberty Bowl

Cincinnati Bearcats – Vanderbilt Commodores

Sa, 31.12. um 21h3o LIVE im ESPN-Player
Sa, 31.12. 23h30 LIVE bei ESPN America (Einstieg in die Endphase)

Wenn man über dieses Spiel ein paar Zeilen verliert, kommt man nicht drum herum, den Umschwung an der gebrandmarkten Verlierer-Universität Vanderbilt (aus Nashville/Tennessee) zu thematisieren:  Jahrelang in der SEC verlacht und verspottet, aber seit letztem Winter sitzt dort der glatzköpfige Offensivgeist James Franklin am Ruder, der dann auch gleich in seiner Debütsaison mehr Siege holte als die letzten beiden Jahre zusammen. QB ist mit Jordan Rodgers der Bruder des großen Aaron, und Jordan fügte sich dann nach anfänglichen Problemen auch ordentlich ein, machte mit seiner Beweglichkeit viele Plays. Cincinnati (9-3) wird nun doch mit seinem in Rekordzeit wieder genesenen QB Zach Collaros antreten können, was essenziell sein könnte, da Vanderbilts Pass Rush zwar als aggressiv gilt, aber die Deckung viele Yards aufgibt – der unerfahrene Backup Munchie Legaux wäre hier vermutlich leichter verbrannt worden (Excel-Spread übrigens: 0,0 Punkte).


Kraft Fight Hunger Bowl

Illinois Fighting Illini – UCLA Bruins

So, 1.1. Tape um 9h30 bei ESPN America

Ein Spiel mit Potenzial zur schlechtesten College-Bowl seit Äonen: Illinois nach sechs Niederlagen en suite von 6-0 auf 6-6 gefallen und HeadCoach Ron Zook gefeuert, UCLA nach wechselhaftem Saisonverlauf 6-7 mit haushohen Klatschen gegen USC (null zu fuffzich) und Oregon (31-48) zum Abschluss, Head Coach Rick Neuheisl gefeuert und nur dank einer speziellen Klausel trotz negativer Saison überhaupt qualifiziert. Dazu kommt das ungeliebte Baseball-Stadion AT&T von San Francisco als Austragungsort, wo die beiden Teams an derselben Seitenlinie an der 50yds-Linie voneinander getrennt sein. Zum wenig begeisternden Stuff tragen auch die vielen angeschlagenen Running Backs in Illinois’ Angriff und der Zorn der UCLA-Fans auf den frisch eingestellten HeadCoach für 2012, Jim Mora jr., der heute allerdings noch nicht coachen wird, bei. Bei Illinois wird allerdings bereits die neue Fixlösung, Tim Beckman (von Toledo gekommen), die Spielleitung übernehmen.


Chick fil-A Bowl

#25 Auburn Tigers – Virginia Cavaliers

Sa/So, 31.12./1.1. 01h30 LIVE bei ESPN America
Tape: 1.1. um 12h30 bei ESPN America

Beim Noch-Titelträger Auburn herrscht schlechte Stimmung, weil die Saison in den letzten Wochen noch gegen die Wand gefahren wurde, die Coordinators mittlerweile entlassen oder an anderen Orten Chefcoaches geworden sind (OffCoord Malzahn soll noch dieses letzte Spiel leiten) und die einzige nennenswerte Offensiv-Waffe RB Michael Dyer aus nicht genannten Gründen intern für das Spiel gesperrt wurde. Da hätten wir dann auch gleich unser erstes essenzielles Matchup: Auburns an #104 gerankte Offense ohne seinen besten Mann gegen eine der besten Lauf-Defenses in der FBS.

Virginia, das kleine Virginia, erlebt unter dem leidenschaftlichen Head Coach im zweiten Jahr, Mike London (ein Schwarzer), einen Aufschwung, der sich in einer überraschend starken 8-4 Bilanz widerspiegelt. Im letzten Spiel der Regular Season wurde man zwar von Virginia Tech 38-0 in Grund und Boden gemäht, aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass man hochzufrieden mit der Entwicklung ist. Stärke ist die Offensive Line, hinter der sich ein ordentliches Laufspiel und ein fehlerarmer QB Michael Rocco entfalten können und gegen die tackling-resistente Defense Auburns etliche Yards zurücklegen sollten.

Auburn geht als nur leichter Favorit in diese Bowl mit dem genialsten aller Sponsornamen – Chick fil-A – (3,1pts), aber ein Cavs-Sieg wäre alles andere als ein Upset.