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NFL Power Ranking 2019 – Woche 17

Ende der Regular Season – wie jedes Jahr die Chance zurückzublicken auf die Saison. Weiterlesen

Die Baltimore Orioles haben es nicht geschafft,

sich für die Playoffs zu qualifizieren. Ein Jahr nach dem sensationellen 93-69 Lauf inklusive Playoff-Quali stürzten di O’s auf 85-77 ab und verpassten die MLB-Playoffs deutlich. Wie viel schlechter waren die O’s?

Nun, nehmen wir die Pythagoreische Erwartung her: Nach dieser verbesserten sich die O’s von letztem Jahr auf dieses Jahr, und zwar von 82-80 (2012) auf 85-77 (2013). Woran lag der Absturz also? Batting-Probleme? Schwache Nerven? Ein leerer Medizinschrank?

Nope. Die Antwort lautet: One-Score Games, oder besser: One-Point Games. Ein Jahr nach der sensationellen 29-9 Bilanz in Spielen mit einem Punkt Differenz, der besten solchen Bilanz in der mehr als 100jährigen MLB-Geschichte, stürzten die “Clutch”-O’s auf den 28ten von 30 Plätzen in der “Clutch”-Rangliste ab und gingen 20-31 in Spielen mit einem Punkt Differenz.

Das ist der Unterschied. In einer Sportart wie Baseball, in der jedes einzelne Spiel fast ein Münzwurf ist, viel mehr noch als in der NFL, gleichen sich Glück und Pech oft über 162 Saisonspiele in etwa aus. Aber nicht immer. Die O’s 2012 und 2013 sind ein weiteres Indiz dafür, wie viel Zufall generell im Sport und insbesondere in den recht „sozialistisch“ aufgebauten US-Profisportligen herrscht. Du kannst deine Mannschaft danach zusammen- und aufstellen, dass sie möglichst viele Hits und Runs macht und möglichst wenige kassiert, aber du kannst dich nicht darauf verlassen, dass die Runs immer im rechten Moment gemacht oder verhindert werden.

NFL Close Win Percentage: Würfelspiel

Ich habe oft darüber geschrieben, wie viel Zufall im Ausgang eines NFL-Spiels und einer NFL-Saison stecken. Dieser Anteil Zufall an ersterem erklärt sich größtenteils so: Die Qualitätsunterschiede zwischen den NFL-Franchises sind zwar existent, aber relativ gering, weswegen die meisten Spiele über lange Zeit sehr eng bleiben. Das führt oft dazu, dass überwiegend schwer kontrollierbare Dinger wie Fumbles, Interceptions oder ein langer Return zur rechten Zeit Spiele zwischen zwei gleich guten Teams entscheiden. Der Zufall über die Saison ist dann ein Produkt der wenigen Spiele: 16 pro Team. Das ist wahnsinnig wenig für eine Liga, in der dann drei, vier geglückte Spielzüge zur rechten Zeit aus einem 5-11 Team mit Top-10 Draftpick ein 9-7 Team für die Playoffs machen kann.

Es hat sich gezeigt, dass zwischen 40% und 50% einer Saisonbilanz eines NFL-Teams mit Zufall erklärt werden können, vom richtigen Hüpfer des Eies im rechten Moment. Es hängt vielleicht nicht direkt damit zusammen, aber rein zufällig sind in jedem der letzten elf Jahre NFL (seit die NFL mit 32 Teams spielt) zwischen 45% (in absoluten Zahlen: 117) und 53% (absolut: 136) Spiele mit maximal einem einzigen Score Differenz (also 8 Punkte) entschieden worden.

Diese knappen Spiele sorgen auf diesem und anderen Blogs immer wieder für kontroverse Diskussionen. Die eine Fraktion hält die dicken Eier in der Crunch Time für eine herausragende Qualität, die nur wenige haben; die andere hält den Ausgang dieser knappen Spiele für überwiegend zufällig. Schauen wir uns alle Bilanzen aller Franchise in diesen engen Spielen über die letzten elf Spielzeiten an (zum Vergrößern bitte klicken):

NFL Close Win Index 2002-2012. "Anzahl" beschreibt die Summe aller engen Spiele jeder Franchise über den Zeitraum 2002-2012; OVR ist die Gesamtbilanz 2002-2012; CW% ist die Close-Win Percentage.

NFL Close Win Index 2002-2012. „Anzahl“ beschreibt die Summe aller engen Spiele jeder Franchise über den Zeitraum 2002-2012; OVR ist die Gesamtbilanz 2002-2012; CW% ist die Close-Win Percentage.

Korrelieren wir nun alle Bilanzen einer Franchise aus einer Saison (n) mit der jeweiligen Nachfolgesaison (n+1), also Arizonas 2002 mit 2003, Arizonas 2003 mit 2004 usw. für alle Teams, erhalten wir bei den 320 Pärchen eine Korrelation von 0.04; das ist quasi Münzwurfniveau. Ein Team, das in einer Saison, sagen wir, 8-0 in engen Spielen war, von dem würde man erwarten, in der zweiten Saison eben doch nur wieder 4-4 darin zu sein. Ebenso bei einem 0-8 Team: Von dem erwartet man sich in der nächsten Saison eben auch wieder ein 4-4.

Das bedeutet (Achtung, Annäherung): Ein Team, das in der ersten Saison eine Standardabweichung über der erwarteten Close-Win-% von .500 ist, ist in der zweiten Saison trotzdem nur wieder 0.04 Standardabweichungen darüber zu erwarten, also quasi wieder genau bei .500. Das ist Regression zur Mitte par excellence. Das ist, wenn die Korrelation fast genau null ist.

Das legt den Schluss nahe, dass der Ausgang von engen Spielen in einer von Parität regierten Liga wie der NFL unkontrollierbar ist. Dass der Record in engen Spielen von fast allen Teams auf lange Sicht gen .500 tendiert, bestätigt diese Annahme.

Die Ausnahmen

Teams wie New England unter Belichick/Brady oder Indianapolis unter Peyton Manning haben erstaunlich hohe Win-%. Sie könnten besonders „Clutch“ sein, aber auf der anderen Seite sind ihre Power-Ranking-Werte durch die Bank weit überdurchschnittlich, sodass man auch argumentieren kann: Sie gewinnen mehr enge Spiele, weil sie bessere Teams sind und damit per se die höhere Chance auf den Sieg haben. Umgekehrtes ist bei den Buffalo Bills zu beobachten: Sie haben eine unterirdische Bilanz. Kann das daran liegen, dass die Bills seit vielen, vielen Jahren stets im unteren Viertel der Advanced-Stat Sheets liegen? Dass sie einfach stets ein schlechtes Team hatten und daher für sie ein „knappes Spiel zu bestreiten“ per se schon als Erfolg zu werten war? Letztere Erklärung scheint mir in beiden die Fällen die plausiblere zu sein.

Zahlen zum Tage: Close Game Index 2012, Week 13

Das Wiederaufleben des Close Game Index als Reminiszenz an die Tebow-artigen Comeback-Drives von Colts-Rookiequarterback Andrew Luck, der am Sonntag in Detroit mal wieder in der Schlusssekunde den Sieg-Touchdown einschenkte (und an die anderen 11 (!) knappen Spiele am letzten Wochenende).

Close Game Index – whudibidat? Weil sich Spiele mit maximal einem Score Differenz in ihrem Ausgang in der NFL sehr zufällig zu verhalten tendieren, gab der amerikanische Mathlet Jim Glass schon vor Jahren den Input, Spiele mit maximal 8 Punkten (ein Drive plus 2pts-Conversion) als „Tie“, also als Unentschieden, zu werten, und entsprechend zu listen.

Die Könige des Close Win Index sind die St Louis Rams von 1999/2000, die 13-3 gingen: 13 Blowout-Siege, 3 knappe Niederlagen, machte 14.5 Siege. Das „schafften“ selbst die legendären Patriots von 2007/08 nicht (12 Blowouts, 4 knappe Siege, machte einen Score von 14.0).

Wie Aaron Schatz/Footballoutsiders.com zu bedenken gibt, darf sich ein Team ruhig an der Tatsache, viele knappe Spiele gewonnen zu haben, hochziehen, Stichwort Eier in engen Momenten. Es sollte bloß nicht übermütig werden und seine „wahre Stärke“ überschätzen, denn eine Bilanz wie jene der Colts ist durch zahlreiche enge Spiele massiv geschönt. Ein Front Office, das sein Glück in engen Spielen in der Offseason überschätzt, wird mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit im nächsten Jahr eine Enttäuschung erleben.

Nachfolgend die Tabelle (man vergleiche auch die (erwartet ähnliche) pythagoreische Erwartung):

Übersicht über Pythagoreische Erwartung und Close Win Index nach 13 Spielwochen 2012/13

Übersicht über Pythagoreische Erwartung und Close Win Index nach 13 Spielwochen 2012/13

Kurz als Legende: W = Wins, L = Losses, PF = gescorte Punkte, PA = kassierte Punkte, E13 = pythagoreische Siege nach 13 Spielen, E16 = Hochrechnung Pythagoreische Erwartung auf die generische volle Saison, Spread = Differenz (Siege – pythagoreische Erwartung), One Score = Bilanz von Teams in Spielen mit maximal 8 Punkten Differenz, CWI = Close Win Index (Spiele innerhalb 8pts werden als hypothetisches Remis gewertet), Spread = Differenz (Siege – CWI).