Sonntagsvorschauer mit Nebengeräuschen – Woche 11

Guten Morgen. Der heutige Spieltag bietet ein paar leckere Matchups, doch mit der bizarren Storyline um das Kaepernick-Sichtungstraining und dem NFL-Ausschluss von Cleveland-Browns DE Myles Garrett gibt es ein paar weitere dominierende Themen am heutigen Sonntag. Weiterlesen

Sofa-Quarterbacks, 49ers zum Sieg, Playoff-Bild, Kaepernick

Guten Morgen. Vor der Tür liegt ein halber Meter Schnee, was sich prächtig macht, denn eines der Themen in diesem Blogeintrag ist das Playoff-Bild in AFC und NFC. Playoffs! Der Winter ist nicht mehr weit.

Während gestern die ersten Flocken gefallen sind, habe ich mich mit den Kollegen bei Sportradio360 ins die kuschelige Couch gesetzt und über die NFL gesprochen: Sofa-Quarterbacks mit der Nachbesprechung von NFL-Woche 10 – gemeinsam mit Jan Weckwerth (Triple Option Blog) und Franz Büchner (SPORT1), moderiert von Nicolas Martin (GFL TV):

Es war eine intensive, ca. 90-minütige Diskussion über die Situation in fast allen Mannschaften. Eine der Themen, die mich dabei am meisten beschäftigt haben, war das Game-Management der 49ers in der Overtime im Monday Night Game gegen Seattle. Weiterlesen

Kaepernick zwingt NFL in die Knie

Die NFL hat sich im Streitfall ob geheimer Absprachen zur absichtlichen Ausgrenzung der beiden Hymnen-Protestler QB Colin Kaepernick und Safety Eric Reid (der mittlerweile wieder einen Job hat) außergerichtlich mit den beiden Spieler geeinigt – ein Move, der als Schuldeingeständnis gewertet wird.
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NFL-Start 2018 für den Gelegenheitszuschauer

Heute Nacht startet die 99te NFL-Saison mit der Partie Philadelphia Eagles – Atlanta Falcons (ab 02h20). Für die einen geht es um die Titelverteidigung, für die anderen um den Grundstein zur Qualifikation für eine etwaige Heim-Superbowl: Das Endspiel dieser Spielzeit findet am 3. Februar 2019 im Mercedez Benz Dome in Atlanta statt. Weiterlesen

San Francisco 49ers in der Sezierstunde

Drei Jahre Jim Harbaugh, drei Jahre „eine Hand an der Trophäe“, dreimal knapp gescheitert – das sind die San Francisco 49ers dieser Tage. Eine Franchise, die ganz nahe dran ist, den Ruhm der glorreichen 80er wiederherzustellen, aber bisher jedesmal knapp vor der Erfüllung aller Träume gescheitert ist. Vor zwei Jahren zerstörten zwei Fumbles des Ersatz-Returners den Endspieltraum, und dieses und letztes Jahr scheiterte man jeweils in der Schlussminute von Semifinale und Finale mit einem Pass in die Endzone hinein. In anderen Worten: Die 49ers sind „dran“, aber sie konnten sich noch nicht belohnen. Viel schlimmer: Belohnt hat sich in der Zwischenzeit der lange Zeit nahezu völlig unbekannte Erzrivale, die Seattle Seahawks.

Da passt es doch wie angegossen, dass man sich GM Trent Baalke nach der Saison erstmal in einen Vertragsstreit mit Harbaugh begab, der zumindest Gespräche über einen möglichen Abgang Harbaughs entfachte. Wie viel an den Trade-Gerüchten „Harbaugh nach Cleveland“ dran war, ist nicht ganz klar, aber allein der Gedanke ist verrückt. Die Crux ist: Baalke will Harbaugh erst dann wie einen Superbowl-Coach bezahlen, wenn er eine gewonnen hat. Die alte Leier der Management-Fehler.

Trotzdem ist das Potenzial der 49ers da, und es ist sogar ziemlich gut: Für 2014 ist der Salary-Cap Raum zwar recht begrenzt, aber viel muss man auch nicht mehr bewegen, und ab 2015 hat man wieder einige Cap-Flexibilität. Baalke hat hier einen sehr guten Job gemacht – das neue CBA half ihm bei Leuten wie QB Colin Kaepernick natürlich, aber Baalke hat bislang seine Topspieler auch unabhängig vom CBA nicht mit horrende Verträgen beglückt.

Es gibt zwar auch junge, begabte Spieler mit auslaufenden Verträgen wie OLB Smith, WR Crabtree, OG Iupati, Kaepernick, aber das sind dann auch schon die meisten der Stützen. Die meisten anderen Free-Agents betreffen Mittelklassespieler wie DT Dorsey oder Altstars wie RB Gore. Dazu kommt, dass die 49ers mal wieder extremst viele Draftpicks für 2014 zur Verfügung haben – vor allem jene in der Zone, wo die Draftklasse 2014 am besten ist: Zwischen den Picks #20 und #70. San Francisco hat zwischen #30 und #100 gleich sechs Draftpicks im Sacko, und insgesamt 12 Stück.

Zur Kaderschau.

Überblick 2013

Record        12-4    CC
Enge Spiele    3-2
Pythagorean   11.6     4
Power Ranking  0.645   6
Pass-Offense   6.5    11
Pass-Defense   5.8     9
Turnovers      +12

Management

Salary Cap 2014.

Die 49ers-Offense der letzten Saison krankte über viele Wochen an einem zu wechselhaften Passspiel. Das lag zum Teil am mangelhaften Spielermaterial, zum Teil an Verletzungen, zum Teil an einer anfangs schwachen Offensive Line, aber es lag wohl auch am generellen Spielzugdesign und der Unerfahrenheit des jungen QBs Colin Kaepernick, 2012 wie Phoenix aus der Asche gestiegen, der 2013 aber doch einiges Lehrgeld zahlte.

Einvakuumiert lesen sich Kaepernicks Zahlen nicht völlig neben den Schuhen: 6.5 NY/A ist ein sehr anständiger Wert für eine Pass-Offense, nicht überragend, aber überdurchschnittlich für die starken Defenses, die San Francisco sah. Kaepernick hatte auch bloß 11 Interceptions in der Regular Season, insgesamt eine 2.2% INT-Quote – auch dies ist besser als der Durchschnitt, und für den Hopp-oder-Topp Stil der Niners sogar anständig.

Aber da sind auch nur 58% Completion-Rate und Kaepernick kassierte in 543 Passversuchen üble 45 Sacks, und es waren einige sehr sterile Performances von Kaepernicks Offenses mit dabei. Waren es die Wehwehchen des Lernenden? Viel Erfahrung hat Kaepernick ja nicht gerade. Auf alle Fälle war es eine zeitlang mau genug, dass San Francisco sich noch nicht traut, Kaepernick die geforderte 20 Mio/Jahr Vertragsverlängerung unterzujubeln.

Zu verlieren hat man nicht allzu viel: Ob Kaepernick auftrumpft oder nicht, viel teurer wird er in einem Jahr nicht sein. Kollabieren seine Leistungen, kriegt man ihn sogar billiger oder kann sich nach Alternativen umschauen. Hat er weiter Probleme mit fickfreudigen Sternchen, kann man über seine Nachfolge nachdenken.

Für das kommende Jahr steht Kaepernick, diese Naturgewalt, erstmal unter Beobachtung. Er zeigte letzten Herbst Ansätze, dass er auch Geduld in der Pocket entwickeln kann und auch mal 3sek auf seine Anspielstation warten kann – manchmal zu lange (die vielen Sacks!). Er ist in einer Findungsphase.

Man sollte sich darauf konzentrieren, ihm kurz- und mittelfristig einen besseren Receiving-Corp zur Seite zu stellen, der auch mal den Ausfall eines Leistungsträgers aushält.

WR Michael Crabtree wird kommenden Herbst fitter sein: Er verpasste den Großteil des letzten Jahres mit Achillessehnenriss und humpelte hernach auch mehr herum als er sprintete. Trotzdem war er nach seiner Rückkehr mit 30% tiefen Anspielen und 34 Catches wieder der Mann für die schwierigen Plays. Man kann ihn fast als Neuzugang werten, und ein Crabtree in 2012er-Form wäre einer der besten Receiver der Liga, plus er spielt um einen neuen Vertrag.

Zuletzt noch wertvoller als Crabtree war der Oldie-Bolzen WR Anquan Boldin, ein Brocken von Mann für die Spielfeldmitte, der die Offense fast eine halbe Saison lang allein auf seinen Schultern trug und unendlich viele kritische Plays hatte. Boldin geht auf die Mitte 30 zu und man sollte nicht drauf wetten, dass seine Leistungskurve stabil bleibt, aber vielleicht hat er noch ein gutes Jahr im Tank.

Dazu kommt der sehr komplette TE Vernon Davis, der fantastische Mann, der in der wenig passfreudigen Offense der 49ers 98x angespielt wurde, in 36% der Fälle davon tief über die Spielfeldmitte für 57 Catches, 904yds und 15 TD. Allein, bei Davis ist oft die Frage, wie motiviert er auftritt. Er hatte Bombenjahre, aber er hatte auch magere Jahre.

Hinter diesem Trio ist wenig, mit dem man arbeiten kann. Der junge WR Quinton Patton hat im Trainerstab noch was gut, weil er sich sofort nach dem Draft als Motivationsbündel allererster Güte erwies und mit seinem Trainingsfleiß alle mitriss, aber am Ende des Tages sprangen in 6 Einsätzen nur 7 Anspiele und 5 Catches bei raus. Patton wird sich verbessern müssen. WR Baldwin ist als Flop abgestempelt, und WR Manningham wurde zu den Giants zurückgeschickt – es ist also Platz da für den einen oder anderen Neuzugang für ein Team mit viel Holz zum Arbeiten in einer Draftklasse mit vielen WR-Talenten.

Bei den Ballträgern hatte man zuletzt ein eher schwaches Jahr: San Franciscos Offense ist immer noch um ein sehr variantenreiches Laufspiel aufgebaut, aber man war mit nur noch 40% Erfolgsquote bei Lauf-Downs nur noch unterdurchschnittlich (#20), und wenn man die Scrambles von Kaepernick rausrechnet, war man nur noch #24 der Liga nach Laufspieleffizienz – schwache Werte. RB Frank Gore wird nicht jünger, bekam aber zuletzt immer noch 324 Carries. Gore ist kein guter Ballfänger, aber er ist stark darin, sofort downfield abzubiegen und die notwendigen Yards herauszupressen.

Er ist nächstes Jahr wie eingangs beschrieben Free-Agent, und ob man dann mit einem 30jährigen noch verlängern will – who knows? Seine Backups sind alle junge Spieler: Kendall Hunter ist Draftklasse 2011, hat aber nie richtig überzeugen können, obwohl er 2012 sehr gute Ansätze hatte. Lamichael James ist Draftklasse 2012 und hätte eigentlich letztes Jahr eine größere Rolle bekommen sollen, aber es scheint mittlerweile so zu sein, dass ihn der Trainerstab aufgegeben hat und ihn verkaufen will. Und dann wäre da noch Marcus Lattimore, Draftklasse 2013, den sich die 49ers vor einem Jahr als Art Luxus leisten konnten; Lattimore, der schon einige schwere Verletzungen am College erlitt, galt immer schon als Mega-Back, und er war auch einer meiner Lieblingsspieler am College. Er ist wieder fit, und dürfte dieses Jahr sein NFL-Debüt geben. Vom Talent her wäre er ohne Verletzungen ein 1st-Rounder gewesen, eine Rarität in der heutigen NFL.

Tja, und Offensive Line: Hier wurde jahrelang geklotzt in San Francisco. Immer und immer wieder wurden 1st-Rounder ausgegeben, aber erst 2012 wirkte die Line zum ersten Mal richtig massiv. Letztes Jahr gab es einige Probleme mit Pass- und Lauf-Blocking, aber mit zunehmendem Spielverlauf kam immer besserer Drive in diese Unit. Vom Spielermaterial her ist man auf allen Positionen außer Center (Goodwin ist 35 und bekam noch keine Vertragsverlängerung) exzellent besetzt. Als Ergänzung für die Tackle-Positionen wurde Jonathan Martin aus Miami geholt, ein Harbaugh-Schützling am College, und das Mobbing-Opfer Martin soll sich in San Francisco wohler fühlen als im Haifischbecken bei den Delfinen.

Auch die Defense hatte letztes Jahr anfängliche Schwierigkeiten, sah mehrere Wochen lang wie es ist, wenn sich Schlüsselspieler mit Verletzungen plagen. Gebaut ist sie um ihre aufgeblasene Front-Seven, die eine zumeist suspekte Secondary übertünchen kann, weil der Passrush extrem ist und Laufspiel nicht zu machen ist. 5.8 NY/A gegen den Pass sind ein starker Wert, aber es war auch schon mal besser in San Francisco.

Stichwort Passrush, wo die Frage der Fragen OLB Aldon Smith betrifft: Smith ist wenn fit einer der besten, wuchtigsten Passrusher in der NFL. Er kann locker 15-20 Sacks fabrizieren und für endlosen Terror im gegnerischen Backfield sorgen, aber er ist auf der anderen Seite ein Mann, der noch nicht begriffen hat, dass die Pubertät vorbei ist. Er hatte in den letzten Monaten von Alkohol- über Drogenprobleme über nervliche Probleme hin zu Gewaltausbrüchen so ziemlich alle Phasen, die eine Bilderbuchkarriere des stereotypischen Ghettoproblemkinds ausmachen, und die 49ers scheinen mittlerweile die Geduld mit ihm zu verlieren. Sein Vertrag läuft nächstes Jahr aus; unter dem neuen CBA haben NFL-Teams die Chance, eine Option auf ein fünftes Profijahr zu ziehen, und die Niners werden es möglicherweise bei Aldon nicht ziehen – und wenn schon, dann gilt es aktuell als wahrscheinlich, dass er getradet wird.

Es wird also Passrush von den Flanken brauchen – vielleicht via Draft. „innen“ ist man 100%ig gesattelt, wenn ILB Navorro Bowman nach seinem ganz üblen Kreuzbandriss aus dem NFC-Finale fit sein sollte; ein Backup-Plan für Bowman schadet vielleicht nicht, aber das Trainerteam wird darüber mehr Bescheid wissen. Bowmans Nebenmann ist der universellste Inside-LB, den man sich ausmalen kann: Patrick Willis.

In der Defensive Line ist nicht mehr alles nur um den famosen Altstar DE Justin Smith konzipiert. Justin ist mit 34 auch nimmer die körperliche Wucht vergangener Tage, aber er wird weiterhin ein wertvoller Spieler für die Rotation sein. Er bekommt für dieses Jahr einen neuen Schützling zum Einlernen zur Seite gestellt: DE Tank Carradine, Björn Werners Teamkollege am College, den San Francisco letztes Jahr ähnlich wie Lattimore als eine Art „Redshirt“-Rookie draftete. Carradine war ein 2nd-Round Pick, der sicher ganz weit vorne gedraftet worden wäre, hätte er sich nicht schwer am Knie verletzt. Carradine wird dieses Jahr fit sein, und er gilt als extrem gutes Talent. Er ist quasi ein weiterer Gratis-1st Rounder, den San Francisco in den Kader zu integrieren versucht.

Die weitere Genossen in der Line sind der DT/DE Glenn Dorsey, der letztes Jahr teilweise Nose-Tackle spielte, und DE Ray McDonald, dessen 2013er Saison hymnisch besungen wird. McDonald hatte irgendwie nie jemand über den Weg getraut, aber er scheint sich zu einem kompletten Spieler entwickelt zu haben.

Kurzum: „Da vorne“ in der Niners-Defense ist geballte Wucht vorhanden. Die Frage ist eher: Ist die Tiefe da, oder soll man mit dem einen oder anderen Pick nachladen? (Eher ja)

In der immer schon eher schwachen Secondary muss man gleich drei „Leistungsträger“ ziehen lassen: CB Brown, CB Rogers und S Whitner gingen, hinterlassen aber keine nicht zu schließende Lücke. S Bethea wurde aus Indianapolis geholt und dürfte mit seiner grundsoliden Spielweise eh ein Upgrade gegenüber Whitner sein, und auf Cornerback brauchst du in dieser Defense nur so gut sein, dass du nicht nach 1.5sek blank stehst. Den Rest macht der Passrush.

Der homophobe CB Culliver und CB Brock gelten aktuell als Stamm-CBs, während der zuletzt in Detroit und Tampa stets schnell gefeuerte CB Eric Wright auch eine Vertragsverlängerung sah und zumindest mehrere hundert Snaps Spielzeit sehen könnte. Hier könnte es angebracht sein, mit mittelfristigem Fokus auch mal einen der höheren Picks zu investieren.

Viele Lücken gibt es in San Francisco nicht. Der Kader ist relativ komplett. Auf den Positionen, auf denen man mit alternden Spielern besetzt ist, hat man schon die jungen Talente im Käfig. Für meine Begriffe sollte man sich nach einem Passrush-Talent umsehen. Aldon Smith scheint keine sichere Tüte zu sein und möglicherweise eher früher als später im Knast schmoren. Und so dominant die Front-Seven mit ihm ist: Ohne Aldons Skills ist das statt Lamborghini hat schnell nur noch Ford Focus – sehr gute Leistung, aber kein geraubter Atem mehr.

Dazu Wide Receiver/Tight End, Cornerback und für die Tiefe ein Defensive Liner – so zumindest könnte man die „Baustellen“ für 2014 bezeichnen. Bleibt aus Niners-Sicht zu hoffen, dass Kaepernick den „richtigen“ Druchbruch, also den Sprung in die QB-Elite, schafft. Oder sich zumindest als 1B-Klasse herausstellt – dann bleibt dieses Team auch nach den ersten schweren Vertragsverlängerungen für die noch immer billigen Jungstars ein Titelkandidat auf 2-3 Jahre hinaus.

NFC Championship Preview: San Francisco 49ers @ Seattle Seahawks

Der Sonntag beginnt mit der alten Rivalry der vielen alten abgebrühten Männer. Man sieht dunkle Gestalten vor sich, die vor großen Tischen und Tafeln in einem dunklen Raum stehen und überall wirre Zeichen hinmalen. Die ganze Magie spielt sich im Kopf ab. Der eine frißt sich in das Hirn des anderen hinein; der andere liest die geheimen Tagebücher des einen aus der Grundschulzeit um noch mehr über dessen Gedankengänge zu erfahren. Manchmal geht einer zur Zelluloidwand vorm Projektor mit der Filmrolle und zeigt seinen Mitverschwörern, wie der andere in dieser einen Situation sich immer genau zweimal mit dem rechten Ringfinger an das linke Ohr faßt. Die Mystik liegt in dem Undurchschaubaren. Wir können leider nicht ihre Gedanken erraten. Und selbst wenn wir es könnten – wir würden sie ja doch nicht verstehen.

Drei Stunden später: draußen vor dem Bunker schreit plötzlich ein Halbstarker „auf´s Maul!“. Im Nu sind zwei große Gruppen testosterongeschwängerter Kraftprotze aufmarschiert, die sich um die Vorherrschaft in ihrem Kiez kloppen wollen. Die Aggressivität ist mit Händen zu greifen. Die unglaubliche Lautstärke der Platzhirsche läßt gar kein klares Bild zu. Alles geht wild durcheinander. Es ist ein fairer Kampf, Mann gegen Mann, keine Waffen. Aber die fremden San Francisco 49ers (14-4) sind alleine gekommen, nur ihren Mut und ihren unbändigen Willen haben sie dabei. Die ansässigen Seattle Seahawks (14-3) haben ihre ganze Stadt und den Glauben an den großen Triumph im Rücken.

49ers Offense vs Seahawks Defense

Wieviele Punkte kann San Franciscos Offense machen? Das ist die alles entscheidende Frage in diesem Spiel. Wahrscheinlich würden schon 20 Punkte genügen, um wiederholt in den Super Bowl einzuziehen. Nur wer soll diese Punkte machen?

In den letzten vier Spielen gegen die Hawks haben die Niners 19 Punkte (Woche 14 in SF), 3 Punkte (Woche 2 in Seattle), 13 (Woche 16 2012 in Seattle) und 13 (Woche 7 2012 in SF) gemacht. 49 Punkte in vier Spielen, gerade mal 12 Punkte pro Spiel. Und es spricht wenig dafür, daß es dieses Mal mehr werden.

Die größte Schwachstelle im Angriff der 49ers ist der Quarterback Colin Kaepernick. Sein größtes Manko ist das “Lesen” von Verteidigungen. Er braucht zu viel Zeit, um zu erkennen, welcher seiner WR frei ist oder gar frei sein wird, nachdem er den Ball geworfen hat. Gute QBs werfen bei vielen Routen bereits, bevor der Ballempfänger überhaupt Richtung Ball guckt, weil sie wissen, wann sein Mann wo frei sein wird. Er wartet also oft zu lange und kann nicht antizipieren. Darüber hinaus wird er auch zu schnell in der pocket unruhig. Er versucht oft sehr früh im Spielzug irgendwie den vielen Körpern um sich herum zu entkommen, selbst wenn sie keine direkte Gefahr für ihn darstellen. Sieht er in der Linie eine Lücke, macht er den kick down und zischt ab. (Andy Benoit hat das nochmal anhand zweier Spielzüge diese Woche sehr schön illustriert.)

Das ist seine große Stärke, die oft seine Schwächen verdeckt. Allein: es braucht eine undisziplinierte Defense, um damit ein Spiel zu gewinnen. Und undiszipliniert ist Seattles Defense nun wahrlich nicht.


In seinen drei bisherigen Spielen gegen die Seahawks (im ersten Aufeinandertreffen 2012 war noch Alex Smith der starter), waren seine Läufe (attempts, yards, longest run) 7/31 (8), 9/87 (28), 9/31 (9). Er kann auch durchaus gegen Seattles D mal für ein 1st Down laufen. Nur wird das nicht reichen. Seattles “box defenders” um LB Bobby Wagner und Kam Chancellor sind zu sicher im tackling und werden vor allem von ihren Coaches die ganze Woche lang von morgens bis abends eingebläut bekommen haben, um Himmels willen big plays von Kaep zu verhindern. Soll er doch für vier, sechs oder auch mal acht Yards laufen. Dann stoppen wir sie eben im nächsten Spielzug. Stattdessen: bringt euch eine gute Position, macht eure eigene Seite zu und vertraut auf euren Nebenmann, daß er seine zumacht und macht einen sicheren textbook tackle. Zum Einschlafen gabs jede Nacht noch Videos von Kaepernick, wie er einem Packer wegrennt, der den Helden spielen wollte.

San Franciscos Angriff wird getragen vom Laufspiel. Das ist nicht mehr das alles zertrampelnde Monster der letzten beide Jahre, aber immer noch sehr gut. Die fünf dicken Jungs (von links nach rechts) Joe Staley, Mike Iupati, Jonathan Goodwin, Alex Boone und Anthony Davis können es in Sachen Abstimmung und Gleichklang mit jeder hart gedrillten chinesischen Synchromschwimmermannschaft aufnehmen. Kräftig ist jeder von ihnen wie fünf normale Menschen zusammen. Dazu kommt das schöne play design von OC Greg Roman, der von klassischen Power-O runs über Spielzüge mit sechs Linienspielern, weit ausschweifenden sweep plays hinter dem langbeinigen Staley und immer wieder auch mal option plays und Wildcat-Formationen alles auspackt, was eine Defense sonst so im Laufe einer ganzen Saison zu sehen bekommt.

Seattle kennt das alles und hat auch gute Laufverteidiger in der Linie wie Brandon Mebane, Red Bryant und Tony McDaniel. Aber ganz stoppen werden sie RB Frank Gore und Kendall Hunter nicht.


San Francisco braucht ein Paßspiel. Und Seattle hat die Legion of Boom (in der CB Byron Maxwell den gesperrten Brandon Browner gut ersetzt). Doof.

Ein Mittel wird sein, Vernon Davis irgendwie in Situation gegen die LBs oder Chancellor zu bringen. Weil hinten aber immer Earl Thomas aufpaßt wie ein Schießhund, wird dieser seine große Stärke, die tiefen Routen, nicht ausspielen können.

Es hilft nicht: Es müssen Michael Crabtree und Anquan Boldin in 1-v-1 Situationen gegen die starken CBs angespielt werden. So schwer diese Duelle dann auch für sie zu gewinnen sein werden, Kaepernick muß diese Risiken eingehen und Harbaugh/Roman müssen ihm das auch einige Male zutrauen. Zumal Kaepernicks Problem ja nicht das Werfen an sich ist, das kann er ganz gut. Er kann Bälle mit viel “zip” recht genau werfen. Und am Ende gilt immer noch: perfect pass beats perfect coverage.

Diese perfect coverage wird der junge QB oft zu sehen bekommen. Über Richard Sherman muß hier nicht mehr viel gesagt werden. Aber er ist nicht unfehlbar. Man muß Maxwell „testen“, der nur wenig Spielerfahrung hat. Wenn San Francisco etwas reißen will, brauchen sie zwei, drei Pässe von Kaepernick, die einem dem Mund offen stehen lassen.

Seahawks Offense vs 49ers Defense

Ich tue mich schwer damit, Seattles Angriff einzuordnen. Es gibt natürlich die eine jedem bekannten Komponente: Marshawn Lynch bekommt den Ball und läuft für sechs Yards. Obwohl die Offensive Line nicht besonders gut ist, macht er das oft. Wenn er mal in den beast mode schaltet, müssen sogar seine Linienspieler aufpassen, nicht von ihm verletzt zu werden.

Die andere Komponente ist aber irgendwie strange. Das Paßspiel ist ein wilder Mix aus allen möglichen Konzepten. Ich kann bei OC Darrell Bevell da keine richtige Linie oder “ein System” erkennen. Es gibt natürlich klassisches Zeug wie 11 personnel mit zwei WRs an den Seitenlinien, einem Tight End und einem slot receiver. Und auch klassisches Zeug mit trips formations (drei WRs vertikal versetzt nebeneinander). Und stack formations (zwei WR vertikel versetzt hintereinander). Und drei WRs auf einer Seite mit jeweils großem Abstand zueinander. Und Aufstellungen mit vier WRs. Und empty sets aus der shotgun. Die Bandbreite an Spielzügen reicht dabei von bubble screens über four verticals, von isolation routes (die WR spielen einzig gegen “ihren” Gegenspieler und müssen ihn schlagen mit out routes, comebacks, go routes, fades und sowas) bis zu streng getimeten (furchtbar eingedeutscht, “zeitlich aufeinander abgestimmt” trifft´s gestelzt etwas besser) Routenkombinationen der WRs (die Dinge, bei denen die Kommentatoren in der Wiederholung immer die vielen gelben Striche auf den Monitor malen und zeigen, wie der slot receiver den Safety “okkupiert”, der WR den CB tief mitzieht und so der Tight End dann gemütlich in einer leeren Zone Platz nimmt, plump gesagt).

Das playbook der Seahawks muß eines der dicksten der ganzen Liga sein. Aber mei, wenn´s funktioniert…Ich hoffe schwer darauf, daß einer üblichen Verdächtigen wie Doug Farrar bei SI, Andy Benoit bei MMQB oder Greg Cossel in einem Podcast auf irgendeiner obskuren kleinen Radiostation das bis Sonntag nochmal aufdröseln. Sehr zu empfehlen sei den Taktikfreunden mit dem Gamepass auch NFL Playbook auf NFL Network, aber selbst da ist mir aus dieser Saison nichts zum Paßspiel der Hawks im Gedächntnis geblieben.


Aber zurück zum Spiel. Es wirkt alles irgendwie willkürlich im Paßspiel und dieser Eindruck wird massiv verstärkt durch Entfesselungskünstler Russel Wilson. Meistens sind seine WR einfach offen, weil er so lange in der pocket Pirouetten gedreht hat. Irgendwann ist dann zwangsläufig einer frei. Und dann können die auch alle fangen. Vor allem Doug Baldwin und Golden Tate fallen dabei immer wieder positiv auf. Daneben sei vor allem Jermaine Kearse genannt. Der hat zwar erst 23 Bälle in dieser Spielzeit gefangen, aber viele davon waren 1A-Wow!-Catches.

Tight End Zach Miller dagegen ist die arme Sau. Er wird sich den ganzen Abend mit NaVorro Bowman, Patrick Willis, Eric Reid und Donte Hitner rumschlagen. Das einzige was Mitte Januar weniger Spaß macht, ist kiloweise Kohlen aus dem Keller in den fünften Stock zu schleppen.

Meistens funktioniert das Paßspiel irgendwie (nach NY/A war SEA die sechstbeste Mannschaft 2013). Die secondary der 49ers ist passenderweise auch einigermaßen suspekt. Aber, das große Aber: SF hat einen starken pass rush und SEA eine schwache pass protection.

Seit Aldon Smith aus der Reha zurück ist – nach Alkoholproblemen, glaub ich. Oder war das was anderes? Wieso ist das eigentlich keine riesige Story? Jede Einnahme von Adderall, jede von einem Stripper auf den Kopf bekommene Champagnerflasche und jetzt sogar die Hosen von John Harbaugh bekommen mehr Aufmerksamkeit als Smiths Zeit in der Klinik – nachdem er eines morgens betrunken im Auto statt im meeting room gefunden wurde, no less. Naja, seitdem er zurück ist jedenfalls und auch gar keine Strafe bekommen hat, weder von Team noch von NFL! Manchmal versteh ich die NFL wirklich nicht.


Sorry, nochmal. Seit Aldon Smith wieder mitspielt, ist er der pass rush der 49ers wieder in Ordnung. Er ist der Spiritus für das kleine Feuer, das seine Ersatzleute Corey Lemonier und Dan Skuta sowie auf der anderen Seite OLB Ahmad Brooks und der gute Blizer NaVorro Bowman am Leben erhalten haben.

Der pass rush – wie immer natürlich auch am Sonntag unterstütz durch den starken Justin Smith in der Mitte – wird durchkommen, oft. Der Knackpunkt ist hier: können die 49ers Russel Wilson dann auch über längere Zeit unter Druck setzen und ihn nicht so lange rumwirbeln lassen, bis er in Ruhe downfield schauen kann? Die Linebackers und die edge players müssen diszipliniert sein, sehr schnell die jeweilige Situation erkennen können und dann immer und immer wieder und immer noch verdammt diszilpliniert sein.

San Frans Front-7 ist dafür richtig gut aufgestellt. Brooks mit seinem Spielverständnis und seiner Disziplin ist sowas wie ein besserer Rob Ninkovich. (Ich würde wetten, daß Brooks Bill Belichicks Lieblingsspieler der 49ers ist.) Smith ist explosiv, verdammt „quick“ und macht auch kaum taktische Fehler. Bowman und Patrick Willis werden ganz zu recht überall in den Olymp gehoben. Die meisten anderen Mannschaften benötigen drei Linebackers für die Aufgaben hinter der Line of Scrimmage, die Willis/Bowman alleine Woche für Woche erledigen. Wenn SF hier gewinnen will, dann muß die Defense jedes big play verhindern. Kann man gegen einen starken Angriff jedes big play verhindern? Eigentlich nicht. Es reicht ja, wenn nur ein Spieler bei 65 plays einen Fehler macht. Aber manchmal passieren im Football komische Sachen…


Ich traue Seattles Offense gegen San Frans Defense etwas mehr zu, als umgekehrt San Frans Offense gegen Seattles Defense. Trotzdem sind beide Mannschaften ganz eng beieinander. Darum wird es noch mehr als sonst auf Ballverluste und big plays ankommen. Jedes einzelne kann in einem Spiel, bei dem kaum jemand mehr als 40 Punkte von beiden Mannschaften zusammen erwartet, den Ausschlag geben. Der zweite kleine Vorteil ist der Heimvorteil in Verbindung mit dem desaströsen clock management von Harbaugh und Kaepernick. Darauf wird am Wochenende korsakoff genauer eingehen.

NFC Wild Card Sonntag Preview: San Francisco 49ers @ Carolina Panthers

Wie auch die New England Patriots spielen die San Francisco 49ers (13-4) um den dritten Einzug ins Championship Game in Folge. Im Weg stehen ihnen jetzt noch die Carolina Panthers (12-4). Die Panthers haben sich im dritten Jahr unter „Riverboat“ Ron Rivera zum Spiegelbild der 49ers entwickelt. Beide Mannschaften leben von der bärenstarken Defense. Die Offense ist bei beiden um das Laufspiel herum gebaut und die jeweiligen QBs sind jung, inkonsistent, limitiert – aber sehr gut zu Fuß.

Linebackers vs Tight Ends

Das Herzstück beider Verteidigungsreihen ist ein hervorragendes Linebacker-Duo. Man kann sich lange streiten, ob NaVorro Bowman/Patrick Willis oder Thomas Davis/Luke Kuechly besser sind. Man kann allerdings auch einfach genießen, daß am Sonntag abend alle vier ununterbrochen in action zu sehen sein werden. Da aller vier sehr gut potentielle Paßempfänger decken können, spielen sie in der Regel fast durch und werden auch in „langen“ downs nicht durch einen Defensive Back ersetzt.

Sowohl Niners als auch Panthers haben spiegelbildlich einen fangsicheren Tight End. Greg Olsen ist keine große Hausnummer, hilft aber seinem QB immer wieder aus brenzligen Situationen. Allerdings hat er in der Regel aber keine Gegenspieler wie Willis/Bowman. Im ersten Aufeinandertreffen der beiden im November hat er nur einen Ball gefangen. Im Gegensatz zu Vernon Davis auf der anderen Seite, ist der bullige Olsen auch nicht gerade eine Gefahr mit tiefen Paßrouten. Der Modellathlet hat wahrscheinlich das größte mismatch gegen die beiden Safeties Mike Mitchell und Quintin Mikell, wenn er tief geht – und das kann er wie kaum ein Zweiter. Da zusätzlich Kuechly „im Raum“ manchmal die Orientierung oder seinen Gegenspieler verliert: leichter Vorteil SF.

Front Four vs Laufspiel

San Franciscos erstklassiges Laufspiel trifft hier auf einen ebenbürtigen Gegner. Neben Davis und Kuechly, die beide ganz hervorragend hilflose RBs unangespitzt in den Boden rammen, sind vor allem die beiden Rookies in der Mitte der Linie für den Leistungssprung verantwortlich. Star Lotulelei und Kawann Short haben im Handumdrehen aus einer großen Schwäche eine Stärke gemacht. Auch die Defensive Ends Greg Hardy und Charles Johnson sind keine Schwachpunkte. Bekannt sind sie zwar hauptsächlich als sack artists, aber vor allem Hardy reißt im backfield auch oftmals RBs um. Die gesamte Front-7 sollte zwar alle Hände voll zu tun haben mit dem vielfältigen und kreativen Laufspiel San Franciscos, aber sie werden dem standhalten.

Andersrum ist San Frans erste Verteidigungslinie nicht mehr über jeden Zweifel erhaben. DE Justin Smith ist mittlerweile schon recht alt und spielt eigentlich immer mehr oder weniger körperlich angeschlagen; Glenn Dorsey ist nicht gebaut, um Nose Tackle zu spielen, stellt sich dafür aber erstaunlich kompetent an; DE Ray McDonald ist einer der unauffälligen, aber extrem zuverlässigen Linienspieler wie sie ein Bill Belichick oder Tom Coughlin lieben. Das ist insgesamt immer noch Top-10 Niveau, aber nicht mehr das unüberwindbare Bollwerk der letzten beiden Jahre.

Die Cardiac Cats auf der offensive Seite sind auch Top-10 Niveau, aber auch nicht wirklich so stark, wie es die name drop machine DeAngelo Williams (nicht mal 1000 Yards diese Saison), Jonathan Stewart (immer angeschlagen, auch für Sonntag „questionable“), Mike Tolbert (zu wenig genutzt?) und natürlich Mr. Escape&Scramble himself, Cam Newton, erwarten läßt.

Beim Laufspiel wird viel davon abhängen, welche neuen und kreativen Ideen die beiden OCs Mike Shula und Greg Roman aus dem Ärmel schütteln können. Alles, was die Verteidigungen kennen, können sie auch verteidigen. Was es aber noch nicht „auf Tape“ zu sehen gibt, könnte für die ein oder andere Verwirrung oder gar für ein big play reichen. Aber wie wahrscheinlich ist es, daß zwei Verteidungen die jeden Tag im Training von read option bis Power-O mit nur einem WRs auf dem Feld alles geboten bekommen? Weil die D-Line mehr überzeugt: leichter Vorteil Carolina.

QBs vs Pass Rush

Beide Teams scheuchen jeden gegnerischen QB stundenlang durch die Gegend. Carolina macht es recht klassisch: sie haben einfach zwei hervorragende Quarterbackjäger in Greg Hardy und Charles Johnson. Aber DC Sean McDermott hat unter dem großen Jimmy Johnson in Philadelphia gelernt und bekommt seitdem den double a gap blitz nicht mehr aus seinem Kopf. Beim double a gap blitz attackieren zwei LBs die „gaps“ zwischen dem Center und den Guards. So stellt die Defense nicht nur eine Überzahlsituation her (4 DL + 2 LBs vs 5 OLs), sondern die blitzenden LBs haben theoretisch auch den kürzesten Weg zum QB – nämlich straight ahead. Regel Nr. 1 in pass protection: wir „verteidigen“ von innen nach außen. Wer über „innen“ (innerhalb der Offensive Tackles) Druck machen will, wird auf jeden Fall aufgenommen – weil eben dieser Weg der kürzeste und damit schnellste zum QB ist. So sind denn Guards, Center und meistens noch ein RB verantwortlich für die zwei LBs und die beiden Defensive Tackles – und Hardy und Johnson sind in 1-gegen-1-Situationen. Viel Spaß, liebe Offensive Tackles!

Oftmals kommen die beiden LBs gar nicht zum Blitz, manchmal nur einer und manchmal passiert noch etwas ganz anderes, aber: das Ziel ist, den drei inneren Offensive Linemen und einem potentiellen RB Angst zu machen und sie davon abzuhalten, den Offensive Tackles zu helfen. Klappt meistens.

Was den Panthers die Variationen des double a gap blitzes sind, sind den 49ers alle erdenklichen Variationen an stunts und twists. Dabei kreuzen zwei Linienspieler (oder OLB) ihre Wege und verursachen Konfusion bei den Offensive Linemen. Einfachstes Beispiel ist der bei den 49ers extrem beliebte E-T-Stunt. Dabei stürzt Defensive Tackle („T“) Justin Smith nach außen und hat dabei an einem Arm den Guard und an dem anderen Arm den Offensive Tackle; unterdessen „schleicht“ sich der Defensive End („E“) Aldon Smith hintenrum und hat entweder niemanden oder nur den Center mit Anlauf gegen sich. Das kann man in vielen verschiedenen Variationen machen (Tackle und Tackle, Tackle und End auf gegenüberliegenden Seiten usw.). Die Idee dahinter ist, den OLinemen den eindeutigen Gegenspieler zu nehmen und Verwirrung beim „Übernehmen“ von Spielern oder beim Aushelfen zu schaffen. Als wildcard hat die Defense von Vic Fangio in diesem Jahr entdeckt, daß LB Bowman ein ganz ausgezeichneter blitzer ist. Und außerdem kann Aldon Smith jeden Offensive Tackle auseinandernehmen. Weil die Offensive Line der 49ers besser ist: Vorteil San Fran.

Das Paßspiel und die Secondaries

Weil ich faul bin, kopier ich hier einfach nochmal rein, was ich schon letzte Woche über Colin Kaepernick geschrieben habe:

Kaepernick ist ein sehr limitierter Quarterback. Es gibt einige Dinge, die er kann: genaue harte Würfen und für 1st Downs scramblen zum Beispiel. Es gibt aber auch viele Dinge, die er nicht kann: das „ganze Spielfeld sehen“; in einer unruhigen pocket nicht selbst unruhig werden und seine WRs nach und nach durchgehen; und sich nicht von Deckungsformationen verwirren lassen, die nach dem Snap anders aussehen als vorher. Zu einem gewissen Grade ist das auch ganz normal, schließlich ist das am Sonntag erst sein 27. Start in der NFL.

Und es ist auch gar nicht schlimm, denn mit HC Jim Harbaugh und OC Greg Roman hat er die zwei besten Coaches, die er sich nur wünschen kann. Sie geben ihm per play design viele einfache entweder-oder Entscheidungen. So gibt es viele rollouts und moving pockets, bei denen Kaep nur eine Spielfeldseite im Auge behalten muß, dort muß er dann meistens nur die Entscheidung treffen, ob er den tiefen Mann (WR oder TE Davis) nimmt oder den nahen (RB oder TE in flat), das heißt, er hat beide potentiellen Paßempfänger auf einer Sichtachse und muß nicht stehen bleiben, Kopf drehen und rumgucken. Oder durch bestimmte Paßroutenkombinationen wird sichergestellt, daß ein gewünschter WR (Boldin, Crabtree) oder TE Davis mit Sicherheit in eine 1-gegen-1 Situation kommen in der Hoffung, daß sie diese gewinnen. Oder es gibt klassische shot plays: sieben Mann in pass protection und nur drei Mann laufen Paßrouten, so bekommt Kaepernick viel Zeit. Wie gesagt, das Werfen an sich ist nicht das Problem bei ihm, sondern das schnelle treffen von richtigen Entscheidungen. Roman und Harbaugh nehmen ihm die schwierigen Entscheidungen ab. Der Nachteil dabei ist, daß es weniger Optionen gibt. Ein Rodgers, Brees oder Manning hat immer vier und meistens gar fünf Optionen im Paßspiel, SF oft nur zwei oder drei.

Cam Newton ist ähnlich. Nur hat er noch mehr Aussetzer in seinem Spiel. Er ist immer noch „inconsistent„. Oft wirft er meterweit über den Kopf eines WRs. Auf der anderen Seite schafft er es immer besser, in der pocket die Ruhe zu bewahren und mehrere Optionen durchzugehen. Am Sonntag wird sein größter Schwachpunkt aber sein, daß Steve Smith immer noch mindestens angeschlagen ist (Knie). Die beiden anderen WRs, Brandon LaFell und Ted Gin, wären in den meisten anderen NFL-Teams nicht die Nr.2 und 3 Receivers. Auch wenn sie hin und wieder einen Ball fangen, sollte man das nicht vergessen. Ich habe in den letzten beiden Spielzeiten oft rumgepöbelt, daß Carolinas Offense zu simpel, eintönig und vorhersehbar ist, aber mittlerweile hat OC Mike Shula ein richtig komplexes System installiert – und Newton versteht das und kann darin spielen. Er wird tatsächlich besser.

Gegen San Frans secondary wird es aber sehr schwer, Überraschungen oder Verwirrung hervorzurufen. Die CBs Tarrell Brown und Tramaine Brock machen einen sehr soliden Job. Nur sollte besser auch Carlos Rogers für den slot fit sein (hamstring injury), denn sonst muß SF schon tief in den Kader greifen. Perish Cox will man auch gegen das schwache receiving corps Carolinas nicht spielen lassen. Aber zur Not können immer noch die sehr guten Safeties Donte Hitner und Rookie Eric Reid (selten einen Rookie so gut Safety spielen gesehen) die Paßrouten kaputt machen.

Carolinas secondary ist Marke Resterampe. Die beiden bereits angesprochenen Safeties Mitchell & Mikell sehen gerne mal nicht durch. Und die CBs sind der endlich durchstartende Captain Munnerlyn, UDFA Melvin White und der alte Mann Drayton Florence. Schwer zu sagen, ob sie wirklich so gut sind, wie sie meistens aussehen, weil sie tatschlich so gut sind, oder ob sie wirklich so immens von der starken Front Seven profitieren.

Da nicht nur Carolinas secondary immer noch suspekt ist, sondern auch WRs Michael Crabtree und Anquan Boldin besser sind als ein angeschlagener Smith plus LaFell und Ginn: Vorteil San Fran.

Insgesamt ist das ein sehr ausgeglichenes matchup. Beide Teams begegnen sich auf der sprichwörtlichen Augenhöhe. Beide Mannschaften leben von ihren starken Verteidigungsreihen. Noch mehr als sonst wird hier alles auf zwei, drei big plays hinauslaufen – wer bei diesen auf der „falschen Seite“ steht, wird verlieren.

NFC Wild Card Preview: San Francisco 49ers @ Green Bay Packers

Rematch, Rache, Rodgers.  Der Hintergrund dieser alten, jüngst aufs Spektakulärste neugeborenen Rivalität dürfte bekannt sein. Die einschlägigen Publikationen und Schreiberlinge haben diese Geschichten bereits nett verpackt und überall hingeschrieben (und bessere Alliterationen haben sie bestimmt auch!). Darum geht´s hier direkt zum den Dingen auf dem Spielfeld.

Packers Offense v 49ers Defense

Peyton Manning hat Rekorde gebrochen, Tom Brady erspielt ein Freilos mit no-names und Drew Brees hat mal wieder mehr als 5000 Yards erworfen, darum ist es vielleicht etwas untergegangen – aber es gibt kein Vertun: Aaron Rodgers ist der beste Quarterback der NFL.

Und Rodgers ist der beste QB ohne, daß er einen echten Superstar-WR hat, ohne einen furchteinflößenden Tight End, hinter einer mäßigen Offensive Line und ohne ein Genie wie Sean Payton als Offensive Coordinator. Er macht es einfach mit perfect execution. Rodgers hat alles: einen starken Arm, er trifft die richtigen Entscheidungen, er wirft ungemein genau und er verliert auch in zusammenbrechenden pockets nicht die Nerven. Wegen eines Schlüsselbeinbruchs hat er zwar einige Wochen gefehlt und letzte Woche gegen Chicago nur wie einer der besten und nicht wie der beste QB ausgesehen, aber man kann erwarten, daß er nach dem warm-up game und einer weiteren Woche Training wieder „der Alte“ ist.

Die 49ers stehen vor einer blöden Entscheidung. Verteidigen sie hauptsächlich mit ihrer base 3-4 defense oder tauschen sie einen Defensive Liner gegen einen zusätzlichen Defensive Back aus? Kein Team spielt häufiger in Base-D als die 49ers. Sie können das tun, weil sie mit NaVorro Bowman und Patrick Willis ein LB-Duo haben, die beide mindestens so gut gegen den Paß verteidigen können wie die meisten Safeties.

Green Bay spielt am liebsten mit 11-personnel, das heißt mit einem RB, einem TE und drei WRs. Mit fünf Defensive Backs und dem guten pass rush um OLB Aldon Smith bietet es sich für SF natürlich an, in Nickel-D zu spielen wie in Woche 1 dieser Saison. Aber: auch da hat GB trotz zweier Ballverluste 28 Punkte gemacht und mittlerweile haben die Packers ein richtiges Laufspiel entwickelt. Man mag es kaum glauben, aber die Cheeseheads können jetzt tatsächlich den Ball einigermaßen erfolgreich laufen!

Workhorse Eddie Lacey kann auch ganz gut ohne FB und nur mit einem TE laufen. Die Yards an sich wären dabei gar nicht so schlimm. Aber das letzte was San Francisco will, ist Aaron Rodgers in einem kurzen 2nd Down. Rodgers mit Jordy Nelson, Randall Cobb, James Jones und/oder Jarrett Boykin bei 2nd&2? Tödlich.

Randall Cobb war auch lange verletzt, hat aber in seinem ersten Einsatz nach der Rückkehr von IR zwei TDs gemacht im NFC North Championship Game. Jones ist der gute Allrounder (59-817-3), Boykin der unbekannte junge Typ (49-681-3) und Jordy Nelson (85-1314-8) der Mann mit den Magnethänden. Der fängt alles. Einfach alles. Und weil er sich zudem auch noch blind mit Rodgers versteht, sind die beiden mittlerweile das am schönsten anzusehene QB-WR-Duo der Liga.

So richtig ein entscheidendes matchup sehe ich hier gar nicht. Vielleicht Aldon Smith gegen Rookie-LT Bakthiari. Aber am Ende sollte San Fran versuchen, die Packers bei unter 30 Punkten zu halten und hoffen, daß der eigene Angriff mehr macht.

49ers Offense v Packers Defense

San Francisco lebt vom Laufspiel. Sie laufen und laufen und laufen und sie machen das so kreativ wie niemand sonst. Aus verschiedensten Formationen heraus, under center oder shotgun, mit read-option oder ohne und manchmal auch direkt mit dem Quarterback. Und die Spieler passen auf das System wie Arsch auf Eimer. Die linke Seite der Offensive Line mit Joe Staley und Mike Iupati sticht dabei besonders heraus. RB Frank Gore ist trotz Überschreitens der gefürchteten 30-Jahre-Schallmauer immer noch ein kompletter RB und hat mit Kendall Hunter einen zuverlässigen sidekick. Das paßt alles so gut zusammen, daß niemand in der ganzen weiten NFL weniger Pässe wirft als die 49ers – Peyton Manning hatte mehr vollständige Pässe als die Niners Paßversuche!

Und nun haben die Packers gerade einem funktionieren Laufspiel so gut wie gar nichts entgegenzusetzen, zumal auch noch Clay Matthews verletzt ausfällt. Ihre Spieler sind einfach schlechter als die gegnerischen Spieler. Was kann man da machen als Defensive Coordinator? Hmm. Den Lauf blitzen bis die Hölle einfriert? Immer mit acht Mann an der Anspiellinie rumstehen? Sie einfach laufen lassen und sich nur darauf konzentrieren, big plays zu verhindern? Hier kann DC Dom Capers mit einem guten Plan zeigen, daß er noch so gut ist wie sein Ruf.

So wird wahrscheinlich nicht allzu viel Druck auf QB Colin Karpernick lasten. Kaepernick ist ein sehr limitierter Quarterback. Es gibt einige Dinge, die er kann: genaue harte Würfen und für 1st Downs scramblen zum Beispiel. Es gibt aber auch viele Dinge, die er nicht kann: das „ganze Spielfeld sehen“; in einer unruhigen pocket nicht selbst unruhig werden und seine WRs nach und nach durchgehen; und sich nicht von Deckungsformationen verwirren lassen, die nach dem Snap anders aussehen als vorher. Zu einem gewissen Grade ist das auch ganz normal, schließlich ist das am Sonntag erst sein 27. Start in der NFL.

Und es ist auch gar nicht schlimm, denn mit HC Jim Harbaugh und OC Greg Roman hat er die zwei besten Coaches, die er sich nur wünschen kann. Sie geben ihm per play design viele einfache entweder-oder Entscheidungen. So gibt es viele rollouts und moving pockets, bei denen Kaep nur eine Spielfeldseite im Auge behalten muß, dort muß er dann meistens nur die Entscheidung treffen, ob er den tiefen Mann (WR oder TE Davis) nimmt oder den nahen (RB oder TE in flat), das heißt, er hat beide potentiellen Paßempfänger auf einer Sichtachse und muß nicht stehen bleiben, Kopf drehen und rumgucken. Oder durch bestimmte Paßroutenkombinationen wird sichergestellt, daß ein gewünschter WR (Boldin, Crabtree) oder TE Davis mit Sicherheit in eine 1-gegen-1 Situation kommen in der Hoffung, daß sie diese gewinnen. Oder es gibt klassische shot plays: sieben Mann in pass protection und nur drei Mann laufen Paßrouten, so bekommt Kaepernick viel Zeit. Wie gesagt, das Werfen an sich ist nicht das Problem bei ihm, sondern das schnelle treffen von richtigen Entscheidungen. Roman und Harbaugh nehmen ihm die schwierigen Entscheidungen ab. Der Nachteil dabei ist, daß es weniger Optionen gibt. Ein Rodgers, Brees oder Manning hat immer vier und meistens gar fünf Optionen im Paßspiel, SF oft nur zwei oder drei.

[Nebenbei: so sollte man idealerweise auch einen QB an die NFL heranführen. Kaepernick hat einen bequemen Brutkasten, in dem er sich langsam entwickeln kann; QBs wie Brandon Weeden oder Blaine Gabbert wurden schutzlos in ein Haifischbecken geworfen, während sie vom Beckenrand hören mußten: „du bist doch 1st-rd pick, Du machst das schon!“]

Trotz Laufspiel und play design wird Kaepernick aber am Ende doch gefordert sein. In der red zone rückt alles dichter zusammen und die Secondary hat viel weniger Platz zu verteidigen als außerhalb der redzone. San Fran wird das Spiel über seine Yards machen und den Ball bewegen, die Frage wird sein, ob sie daraus am Ende Touchdowns oder Field Goals machen. In der redzone wird Packers DC Dom Capers die zone blitzes nur so um San Frans Ohren werfen.

Dann wäre da noch das Wetter. Es soll so kalt werden, daß „frozen tundra“ zum Eupehmismus werden könnte, -20°C und kälter. Bei diesen Temperaturen wird das Werfen schwieriger, aber es ist nicht so schlimm wie Regen. Wie sich derart absurde Temperaturen auf das Spiel auswirken werden, kann man nur schwer abschätzen. Wir werden es sehen am Sonntag abend.

Vor dem Wild Card Weekend 2013/14 am Sonntag: Green Bay Packers – San Francisco 49ers Preview

Den Abschluss des Wildcard-Weekends machen ab 22h30 die Green Bay Packers (8-7-1, Sieger NFC North) und die San Francisco 49ers (12-4, Zweiter NFC West). Zu sehen ist das Spiel live bei SPORT1 US und im Gamepass, und in Österreich auch bei PULS4.

Großer Wirbel wird vor dieser Partie naturgemäß um den Umstand gemacht, dass die 49ers die letzten drei direkten Aufeinandertreffen zwischen diesen beiden Mannschaften gewonnen haben… nein, dominiert haben. Und die 49ers haben es auf verschiedene Weisen hingekriegt: 2012 im Season-Opener wurde mit roher physischer Gewalt und QB Alex Smith 30-22 in Green Bay gewonnen, und man erinnert sich zurück, dass das Endergebnis die Kräfteverhältnisse nicht annähernd widerspiegelte. Dann der berühmte 323yds-Laufspieltag für Colin Kaepernick (machte allein 181yds) und seine 49ers letztes Jahr in den Playoffs. Schließlich zum Season-Opener 2013 ein 34-28 Sieg mit weit über 400 Passing-Yards für Kaepernick.

Green Bay und sein DefCoord Dom Capers antworteten stets auf Fragen, die Jim Harbaugh im jeweils letzten Treffen gestellt hatte. Harbaugh hatte aber jedes Mal zum nächsten Aufeinandertreffen die Fragen geändert. Wie wird es diesmal sein?

Wenn die 49ers den Ball haben

Erste Hoffnung für die Packers: Der 412yds-Tag Kaepernicks im ersten Spiel war Kaepernicks einziger nennenswert hervorragender Tag der Saison. Ansonsten quälte sich die 49ers-Offense durch die Saison; sie sind nicht extrem ineffizient, aber ihr wurden die Limits aufgezeigt:

  • WR #15 Anquan Boldin als Alleinunterhalter, sah 129 Anspiele (31% der Anspiele), dabei 85 Catches für 1179yds, 7 TD.
  • TE #85 Vernon Davis als RedZone-Waffe, 84 Anspiele (20%), dabei 52 Catches für 850yds und 13 TD.
  • Dahinter: Nicht mehr viel. WR #15 Crabtree machte nur fünf Spiele, fing dabei 19 Pässe, und alle sagen ihm nach, der Heilsbringer zu sein. Aber er half nur, die Offense ein wenig auf Trab zu bekommen.

Wie viel an Kaepernick liegt, ist schwierig zu sagen. Der Offense gingen über weite Strecken ernsthafte Skill-Player ab. Kaepernick hatte unter einer wechselhaften Offense Line zu leiden, kassierte trotz seiner Mobilität 39 Sacks, warf aber nur 8 INT. Trotz risikoreichem Spiel mit vielen tiefen Bomben in gute Deckung wenige Turnovers. Aber nur 58% Completion-Rate für Kaepernick bei recht durchschnittlichen 6.5 NY/A.

Green Bay hat keine wirklich gute Defense. Der wichtigste OLB #52 Clay Matthews fehlt verletzt, und er ist nicht der einzige Stammspieler im Krankenstand. Slot-CB #37 Hayward fehlt schon das ganze Jahr, und dann ist auch DL Worthy draußen. Der hoch gelobte Rookie-DL Datone Jones hatte einen eher schwachen Einstand, konnte nur als situativer Passrusher überzeugen, gilt als absoluter Schwachpunkt gegen den Lauf.

Mit einer zahnlosen Front-Seven wird das für Green Bays Secondary ein langer Tag selbst gegen den nicht immer überzeugenden Pass-Angriff der 49ers. San Francisco versucht aber ohnehin weiterhin, viel und geduldig zu laufen. Dabei fährt man nur durchschnittliche Zahlen ein (41% Success-Rate, 4.4yds/Carry), aber OffCoord Greg Roman gibt es nicht auf. Green Bays Lauf-Defense? Schwach. Mit nur 52% Success-Rate gehört sie zu den fünf schlechtesten im Lande, und man gibt 4.7yds/Carry ab.

Wenn die Packers den Ball halten

Der Mann, der alles zusammenhält, ist klar: QB #12 Aaron Rodgers. Rodgers hatte sein Comeback gegen Chicago, und auch wenn nicht alles reibungslos klappte, so machte er doch den Unterschied. Rodgers muss wie Kaepernick mit vielen Verletzungen in der Offense auskommen (u.a. TE Finley und LT Bulaga auf der IR). Die Offense Line ist ein Sieb. Auf alles scheißend bringt Rodgers in seinem phänomenalen Kurzpassspiel wieder exakt zwei Drittel der Pässe an den Mann, für 7.8 NY/A.

Die WRs Nelson, Jones und Cobb dürften für das suspekte Defensive Backfield der 49ers mit den Herrschaften Hitner, CB Brown und CB Rogers (questionable) ein ganz schwieriges Matchup sein. Da macht Green Bay vermutlich trotz der üblen Nachteile um die Anspiellinie herum seine Punkte.

Helfen könnte auch der Lombardi Sweep, ein berühmter Laufspielzug, den die Packers wieder ausgegraben haben. Chris B. Brown schreibt bei Grantland darüber, und er schreibt auch, dass RB #27 Eddie Lacy und nun erstmals seit Jahren wieder ein glaubwürdiges Packers-Laufspiel auf die Beine gestellt haben, das denjenigen bestraft, der es ignoriert:

The Packers aren’t suddenly a run-first team, and this isn’t Lacy’s offense. But thanks to the rookie’s presence in the backfield and the renaissance of the Packers Sweep, Green Bay has forced its opponents to at least respect the run.

Lacy ist zwar noch leicht angeschlagen, aber er wird spielen. Es braucht alle Hilfe, damit Green Bay im Spiel bleibt.


San Francisco fühlt sich wie ein leichter Favorit an (Las Vegas sagt 2.5 Punkte), aber es gibt durchaus genügend Punkte in der Schwebe, die dieses Spiel umgeben und eine präzise Vorschau unmöglich machen:

  • Welche Offense wird Harbaugh diesmal spielen? Wird Capers auf die richtigen Fragen antworten?
  • Was passiert, wenn Green Bay schnell in Führung geht? Dann ist San Francisco bald zu eindimensionalerem Passspiel gezwungen – das bekommt den Niners nicht.
  • Ein Punkt, den die 49ers gegen Green Bay nie überwinden mussten: Mehrere Turnovers. Turnovers können dir immer passieren.
  • Das Wetter: Es wird angeblich bockkalt. Bis zu -16°C sind für den Kickoff vorhergesagt („+6 Fahrenheit“). Das ist kalt genug, dass Green Bay bis zuletzt Probleme hatte, sein Stadion vollzubekommen. Green Bay. Ein Heim-Playoffspiel. Da ist es also wirklich kalt. Aber die vor wenigen Tagen vorhergesagten arktischen Temperaturen, die in die Nähe des NFL-Rekordes gekommen wäre, scheinen den Spielern „erspart“ zu bleiben. Trotzdem: Wie reagieren die Offenses auf die Kälte? Wenn sich der Ball nicht so einfach festhalten lässt und dir die Griffel abfrieren.

Für die 49ers spricht ein enormer Vorteil in Sachen Coaching. Harbaugh nehme ich 10/10 Fällen gegen Mike McCarthy. Das Wetter könnte auch eher für die lauforientierte Offense der 49ers sprechen und vor allem: Gegen allzu viel Luftwaffe bei Green Bay. Um die Anspiellinie hat San Francisco in Offense und Defense Vorteile.

Ein Packers-Upset würde mich nicht schocken, aber alle Faktoren zusammengerechnet schauen mir die San Francisco 49ers hier wie die Favoriten aus.


Ankündigung: Am Nachmittag wird Herrmann in einem eigenen Blogeintrag noch eine dezidiertere Analyse dieses Matchups schreiben.

Monday Night Preview, #12: Washington Redskins – San Francisco 49ers

Den Abschluss von NFL-Woche 12 macht heute Nacht das Monday Night Game (ach was?) zwischen Washington Redskins (3-7) und den San Francisco 49ers (6-4). Die Ansetzung ist reizvoll, nicht nur wegen zwei der spektakulärsten Quarterbacks in der NFL, sondern auch wegen der Umstände: Für Washington ist es das Spiel der letzten Chance. Für San Francisco noch nicht, aber die 49ers brauchen dennoch dringend die Big-Points, um im hochklassigen Wildcard-Rennen der NFC nicht ins Hintertreffen zu geraten. Und schließlich auf Match-Up Ebene: Der strauchelnde Pass-Angriff der Niners gegen die schlechteste Secondary der Liga (WAS mit 7.5 NY/A die #32) – wenn nicht heute, wann dann gibt es die Chance zur Renaissance für Colin Kaepernick und seine Jungs?

Offen gestanden: Mit einer Einschätzung, ob diese Renaissance heute gelingen wird, schieße ich ins Dunkle. Ich habe keine Ahnung. Ich habe im Power-Ranking von letzter Woche beschrieben, weswegen mich die Offense der Niners perplex hinterlässt: Kaepernick ist Kaepernick. Granaten-Wurfarm, Super-Scrambler, schlampig „pre-snap“ (viele verbrannte Timeouts) und ungestüm nach dem Snap. Hatten wir alles 2012. Haben wir alles 2013.

Zwei Dinge, die allerdings diesmal anders sind: Das downfield-Element. Das geht den Niners komplett ab. Boldin ist per Definition eine Mitteldistanzwaffe. Vernon Davis ist offensichtlich nicht fit genug für die markanten tiefen Routen durch die Spielfeldmitte, die 2012/13 so großartig funktionierten. Heute soll WR Crabtree sein Comeback feiern. Ich würde nicht drauf wetten, dass ein von Achillessehnenriss kurierter Crabtree sofort massiven Impact hat, aber es gibt zumindest die Hoffnung.

Das zweite Element: Kaepernick kassiert viel mehr Sacks als letztes Jahr (fast um 50% höhere Sack-Rate). Ich würde rein den optischen Eindrücken nach vieles davon auf beschriebenes mangelndes downfield-Element schieben; Kaep muss einfach zu oft den Ball halten. Aber Kaep dürfte nicht komplett freizusprechen sein: Ein mobiler QB sollte hinter einer so guten Offense Line nicht so viele Sacks einstecken.

Der Gegenüber Robert Griffin III erlebt aktuell, wie das NFL-Leben ohne reibungsloses Laufspiel aussieht. RG3 ist nicht horrend, aber es geht alles einen Zapfen unrunder als letztes Jahr. Die Scrambles sind zögerlicher, die Würfe eine Spur unpräziser, und weil Washington mit seiner katastrophalen Defense häufig Rückständen hinterher läuft, ist RG3 noch öfter gefragt, per den Gegner per Wurfarm zu attackieren. RG3 hat alle Tools, aber die nutzt er dieses Jahr zu ineffizient. Er hat auch nicht die optimale Unterstützung durch die Skill-Players, und er ist noch blutjung, insofern würde ich nicht zu viele Abgesänge anstimmen. Wäre RG3 letztes Jahr nicht so sensationell gewesen, würden wir ihm keinen Strick aus einem okayen, aber nicht großartigen zweiten Profijahr (zumal nach schwerer Verletzung) drehen.

Personell ist San Francisco vor allem in der Defense den Redskins haushoch überlegen besetzt. Es bräuchte schon einen unvorhergesehenen kompletten Zusammenbruch der Niners-Defense, damit ich Washington eine reelle Siegchance gebe. Tipp: 49ers gewinnen und Mike Shanahan kann beginnen, sich gedanklich auf einen neuen Arbeitgeber für 2014 einzustellen.

NFL-Power Ranking 2013, Week 11: Den Geschmacksnerv getroffen

Das Monday Night Game Carolina PanthersNew England Patriots traf meine Geschmacksnerven am süßlichen Ort. Es gehörte zu den Spielen dieser Regular Season, die mich am meisten begeisterten: Knappes Spiel, gute Ausführung, knisternde Atmosphäre. Carolina, dieser heimliche Riese, der seit über einem Jahr massiv unterschätzt wird, weil er keine knappen Spiele gewinnen kann, holte sich die zweite hautenge Partie en suite: 24-20 gegen einen AFC-Favoriten New England, der nicht schlechter war, aber ein bissl unglücklicher.

Man kann sich an der Referee-Entscheidung aufhängen oder nicht. Ich kann die Aufregung nachvollziehen, aber ich kann ebenso nachvollziehen, weswegen die geworfene Flagge am Ende wieder eingesteckt wurde: Der Kontakt kam reichlich spät, als der Ball bereits deutlich unterworfen war; Gronkowski bewegte sich bereits vom Ball weg und „uncatchable“ fand ich beim zweiten Hinschauen für ein adäquates Bewertungsmaß. Um über weitere Penalty-Möglichkeiten wie Defense-Holding urteilen zu können, fehlt mir die Detail-Regelkenntnis. Festzuhalten bleibt allerdings eins: #59 Luke Kuechly, dieser famose Abwehrchef der Panthers, riskierte mit dem unnötigen Körperkontakt die Partie.

Fakt ist: Das Spiel war geil. Wenige Drives, aber lange Drives. Fast immer endeten sie in Punkten. Nur drei Punts. Beide Offenses mussten sich gehörig in die Waagschale legen, um die Yards zu erkämpfen, da beide Defenses hielten. Es gab nur vier Spielzüge, die weiter als 20yds gingen – und es störte kein Jota. Dafür hohe Verwertungsraten in dritten Downs. Ein QB Cameron Newton mit einem der spektakulärsten broken play-Rettungen des Jahres. Überhaupt waren beide Quarterbacks gut drauf und hatten hohe Completion-Rate auf ihren kurzen Routen.

Es gab 12 Strafen? Sie fielen nichtmal so ins Gewicht; vielleicht sind wir in der heutigen NFL mit ihren restriktiven Regeln für besseren Gesundheitsschutz einfach mehr gewohnt. Talib gegen Steve Smith war erwartet unterhaltsam, u.a. mit einer zünftigen Schlägerei. Die Panthers sprangen nicht nur im letzten Play von der Schippe, sondern schon in der ersten Halbzeit: Im ersten oder zweiten Pats-Drive verlängerten sie zweimal in 3rd-Downs mit Penaltys den Drive, eroberten aber in der RedZone einen Fumble und blieben unbeschadet.

New England muss sich nicht wegen der Leistung grämen, aber hätte im vierten Viertel von der CAR 8yds Line bei 17-17 Zwischenstand mit 6:35 auf der Uhr ein 4th-und-1 ausspielen können; Belichick ließ zur Führung kicken. Der 4th-Down Calculator ist nicht so eindeutig wie es mein Gefühl vermuten ließ (61% Break-Even, allgemeine Verwertungsrate 68%), aber ausspielen wäre definitiv die wünschenswerte Alternative gewesen, vor allem mit dem besten Sneak-QB der NFL-Geschichte in Brady.

Du kickst von der gegnerischen 8yds-Line und endest mit einem Verzweiflungs-Play von der gegnerischen 18yds Line – so geht es oft in der NFL. Ich hätte ausgespielt. Immer mehr Coaches folgen derzeit dem Mathletics-Beispiel, aber noch nicht alle. Belichick, dieser Guru und auch in Sachen Advanced-Stats einer der Vorreiter, zog es diesmal vor zu kicken.

Das Power-Ranking nach Woche 11.

NFL-Power Ranking 2013, Week 11

NFL-Power Ranking 2013, Week 11

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 11.

Statistik-Tabelle

Wichtigste Statistik-Inputs für Power-Ranking #11, 2013

Wichtigste Statistik-Inputs für Power-Ranking #11, 2013

Kommentarsektion

Führungswechsel ganz oben: Die Saints gewannen zwar nur knapp gegen die 49ers, aber hinter dem Endergebnis von 23-20 steckt eine dominante Performance, die sich die Saints mit einer Latte an überflüssigen Turnovers zwischenzeitlich selbst kaputt zu machen drohten.

Die 49ers auf der anderen Seite fallen nach einer weiteren pathetischen Offense-Vorstellung auf #9 zurück. Die Offense ist nach kurzem Strohfeuer im Oktober nun wieder auf 6.1 NY/A und Liga-Mittelmaß im Passspiel zurückgefallen. QB Colin Kaepernick hat weiterhin in Boldin und Davis nur zwei Anspielstationen, brachte am Sonntag gegen die stark verbesserte, aber noch nicht wirklich hochklassige Saints-Defense katastrophale 3.7 NY/A an den Mann.

Auffällig: San Francisco hat kein vertikales Element mehr im Spiel. Der Bolzen Boldin ist per Definition eine Mitteldistanzwaffe, und Davis wohl nicht fit genug um öfters downfield zu gehen, und dahinter gibt es nix. Manningham und Baldwin waren auch am Sonntag Ausfälle. Kaepernick muss Teil des Problems sein, denn die Coaches scheinen ihm nicht mehr so viel vom Spiel in die Hände legen zu wollen, aber ich tue mir schwer, Unterschiede zwischen Kaepernick 2012 und Kaepernick 2013 herauszuarbeiten: Der Mann wirft weiterhin relative Raketen, und gelegentlich überzogen hat er letztes Jahr auch. Ich bin momentan geneigt, viele der Niners-Probleme an den Skill-Positionen festzumachen. WR Crabtree kann nicht schnell genug zurückkommen, aber nach Achillessehnenriss wird er kaum sofort bei 100% sein. Und genau diese 100% bräuchte San Francisco händeringend.

Philadelphia ist offiziell das alljährliche Ausreißerteam, Ausgabe 2013. Die Eagles machten die Washington Redskins dreieinhalb Viertel lang komplett nieder, gewannen am Ende aufgrund eines aufgelackerten Comebacks viel zu knapp 24-16. Ich finde genug Dinge, die mich bei den Iggles skeptisch machen, aber Fakt ist auch: Sie halten sich quasi von Beginn des Power-Rankings vor sechs Wochen dort oben fest. Und die Defense schaute gegen RG3 lange Zeit total dominant aus. Philly mit 7.5 NY/A die viertbeste Pass-Offense plus eine mittelmäßige Defense, und das gegen einen Schedule, der schwerer ist als jener der anderen Topteams dort oben.

Cincinnati bleibt weiterhin in den Top-5, aber ich zweifle nach der katastrophalen Offensiv-Vorstellung gegen Cleveland (dass Cincinnati 41 Punkte machte, ist Wahnwitz) deutlicher als je zuvor an der Qualität des QBs Dalton. Verrückter Gedanke: Sollte ein Team wie Atlanta (also eines ohne echten QB-Need) den Top-Pick erhalten, würde ich an Bengals-Stelle darüber nachdenken, „all in“ zu gehen und mir mit Nachdruck einen Freischuss auf ein Top-QB Prospect erkaufen… ok, ich denk noch mal drüber nach, aber die Idee schleppe ich seit 2-3 Wochen mit mir herum und wollte ich mal dokumentiert haben.

Cleveland rutscht übrigens auf #14 hoch! Die Browns verloren zwar besagt 20-41 in Cincinnati, aber: TD-Drives der Bengals waren 22, 38 und 52yds, also alle aus exzellenter Feldposition. Die Browns-Defense ist kein Problem, sie ist vielmehr nach den Metriken dieser Power-Rankings die drittbeste der NFL (u.a. #3 Passdefense mit 5.1 NY/A und #4 Laufspiel). Die beste? Cincinnati: 5.0 NY/A Passspiel als #2, und neuntbeste Lauf-Defense.

Muss ich über das Sunday Night Game schreiben? Ja, kurz. Beide Teams haben ziemlich genau das Erwartete gezeigt: Broncos mit 8.1 NY/A Passspiel fast genau im Saison-Soll, die Chiefs waren mit dem erwartet schnellen Rückstand erwartet überfordet. QB Smith mit unter 50% Completion-Rate und nur 4/13 Rate bei 3rd-Downs, und vor allem: War schnell zum Scrambeln gezwungen. So mobil Smith ist: Das ist nicht seine gewohnte Methode. Ausgangs des dritten Viertels schlug sich die Dominanz der Broncos auch in Punkten nieder. Kansas City ist womöglich besser einzustufen als #17 im Power-Ranking, aber ich tue mir trotzdem hart, diese Mannschaft als, sagen wir, 12-4 Kaliber einzustufen.

Zum Bodensatz: Tampa arbeitet sich hoch. Die Buccs grooven! Ich sitze mit heller Begeisterung vorm PC und staune über die mutigen PlayCalls des Head Coaches Schiano. Schiano ist dead man walking und wird der Rasur im Jänner kaum enfliehen, aber diese letzten Wochen waren trotzdem fantastisch. Am Sonntag muss man Detroit, und völlig chancenlos ordne ich die Buccs nicht ein. Das direkte Duell CB Revis gegen WR Calvin Johnson dürfte eine Augenweide werden.

Ein Wort noch zu Detroit: Ich schrieb schon im Liveblog, dass die Schwartz’sche Entscheidung zum Fieldgoal-Fake keine ökonomische Entscheidung im rationalen Sinne war, aber ich war trotzdem angenehm angetan von der Entscheidung: Zu oft habe ich einen zu ängstlichen Schwartz in den letzten Jahren gesehen. Da hab ich ehrlich lieber mal ein schlecht kalkuliertes Risiko als noch dreimal den eingezogenen Schwanz… und ganz nebenher: Solche FG-Fakes sind häufig weniger mathematisches Produkt, sondern die Tatsache, dass man im Videostudio eine Schwachstelle beim Gegner entlarvt hat. Der Spielstand war 27-23 pro Lions, ein TD hätte die Partie quasi entschieden. Ich kann mit der Entscheidung gut leben, trotz allem.

Der Conference-Vergleich sieht die AFC (.464) diese Woche eine Spur auf die NFC (.536) aufholen. Bei den Divisionen sieht das Power-Ranking weiterhin alle vier NFC-Divisionen auf den ersten vier Plätzen; der Spitzenreiter bleibt die West-Division mit durchschnittlicher Qualität von .568; das Schlusslicht ist noch immer die South-Division mit .402.

Award Watch

  • MVP-Watch: Peyton Manning, Drew Brees, Romo, Andrew Luck, Dontari Poe, Calvin Johnson
  • Offensiv-MVP: Manning, Jimmy Graham, Calvin Johnson, LeSean McCoy
  • Defensiv-MVP: J.J. Watt, Poe, Justin Houston, Ndamukong Suh, Richard Sherman, Luke Kuechly
  • Rookie-Watch: Sheldon Richardson, Star Lotulelei, Kiko Alonso, Andre Ellington, Eddie Lacy, Keenan Allen, Larry Warford
  • Coach-Watch: Sean Payton, Andy Reid, Ron Rivera

Ich entschließe mich nach PFF-Lektüre, den Lions-OG #75 Larry Warford in die Watchlist für den Rookie-Preis aufzunehmen. Zugegeben, qualitativ kann ich nicht viel in der Diskussion beitragen, aber die verfügbaren Metriken lassen auf eine bockstarke Lions-Line „interior“ schließen – und das fällt auch auf Warford zurück. Sehr guter Mann.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 12

Woche 11 glückte mir im persönlichen Bauchgefühl-Tippen so gut (12-3 korrekt), dass ich bei NFL-Crush die zwischenzeitlich verlorene Führung zurückerobern konnte. Ich weiß: Sie hält nicht lange an, deswegen mach ich mal ein Bier drauf auf. Das Power-Ranking war eine Spur weniger präzise, krankt vor sich hin: 9-6 gewonnene Tipps (62-36, 63.2%). Die Tipps für Woche 12 schauen so aus:

HOME                 %   AWAY                  %
Atlanta             20   New Orleans          80
Cleveland           62   Pittsburgh           38
Detroit             79   Tampa Bay            21
Green Bay           83   Minnesota            17
Kansas City         55   San Diego            45
St Louis            38   Chicago              62
Miami               39   Carolina             61
Baltimore           47   NY Jets              53
Houston             87   Jacksonville         13
Oakland             34   Tennessee            66
Arizona             65   Indianapolis         35
NY Giants           63   Dallas               37
New England         40   Denver               60
Washington          39   San Francisco        61

New England ist nach diesem Modell +/- 4pts-Außenseiter zuhause gegen Denver. Das mag erstaunen oder nicht. Aber Denver ist mit seiner Pass-Offense weiterhin eines der NFL-Spitzenteams. Im zweiten großen Primetime-Spiel ist San Francisco ähnlich klarer Favorit in Washington; wenn die 49ers gegen die inexistente Secondary der Redskins nicht punkten, wann dann?

Klarster Favorit des Tages ist Houston, das gegen Jacksonville ran darf. Das Modell gibt den Texans dabei einen zusätzlichen Boost durch den Heimspielvorteil, aber wer das letzte Spiel der Texans im Reliant Stadium sah, fragt sich ob des gellenden Pfeifkonzerts, ob das ein Vorteil ist. Wen Head Coach Kubiak diesmal benchen wird?

Das 9-1 Team Kansas City ist nur dank Heimspiel leichter Favorit gegen San Diego. Auf der anderen Seite werden die Ravens mittlerweile so negativ angesehen, dass sie schon nichtmal mehr gegen die Jets als Favorit im eigenen Stadion gelten. Wie auch? Die Jets sind Week-to-Week W-L-W-L-W-L-W-L-W-L… was wohl diesmal folgen wird?

NFL Notizblock, Week 4: TNF 49ers @ Rams

Sowohl die San Francisco 49ers als auch die St. Louis Rams gingen mit einer 1-2-Bilanz in dieses Spiel. So wie die Seattle Seahawks sich präsentiert haben, geht es für Rams wie `Niners jetzt erstmal nur darum, um Platz zwei in der NFC West zu spielen. Beide Mannschaften waren mit großen Erwartungen in die Saison gestartet, hatten aber erstmal einige Fragezeichen produziert: San Francisco mit zwei deutlichen Niederlagen gegen Seahawks und Indianapolis Colts; die Rams mit zwei deutlichen Niederlagen gegen Falcons und Cowboys. Für San Francisco kamen noch die vielen verletzten (und versoffenen) Spieler auf der defensive Seite des Balles hinzu: OLB Aldon Smith, NT Ian Williams, CB Nnamdi Asomugha und LB Patrick Willis.

San Franciscos Defense hatte Glück: die Offense der Rams hat gespielt, wie man das seit Jahren von ihnen kennt – nur ohne das Laufspiel. In altbekannter Manier hat Offensive Coordinator Brian Schottenheimer ein wahres Paßfeuerwerk abgefackelt. Nur lehnt man sich mittlerweile nicht weit aus dem Fenster, wenn man behauptet, daß Bradford kein besserer Quarterback ist als Mark Sanchez. Bradford wirft teilweise sehr schlechte Pässe; trifft immer mal wieder ganz schlechte Entscheidungen und wird geradezu unbrauchbar, wenn er es in der pocket mit pressure zu tun bekommt. Am Ende waren es dann wieder fast 50 Paßspielzüge für Bradford, damit hält er seinen Schnitt von 47 Pässen pro Spiel.

Stats / Gamebooks

Gamebook 49ers@Rams

Wobei man hier wohl Schottenheimer auch mal den benefit of doubt zustehen sollte: diese Offensive Line und diese Running Backs – Daryl Richardson und ein gewisser Benny Cunnningham – sind einfach nicht dafür gemacht, gegen eine `Niners-Defense zu laufen. 16 Versuche für 22 Yards – gegen eine Defense, die drei Stammspieler der Front Seven ersetzen mußte.

Paßspiel nicht gut, Laufspiel schlecht, damit man trotzdem irgendwie vorwärts kommt, haben die Rams ihren top-ten pick in eine blitzschnelle Allzweckwaffe investiert. Aber warum waren eigentlich alle so scharf auf Tavon Austin? Im Angriff spielt er überhaupt keine Rolle und auch als Punt Returner sieht er schlecht bis mittelmäßig aus.

Die besten Spieler bei San Fran waren DE Justin Smith, der ganz gemütlich die OLine durch die Gegend geschoben hat; und vor allem LB NaVorro Bowman mit etlichen Tackles, zwei Sacks, einem abgefälschten Paß und dem erzwungenen Fumble von Bradford beim Stand von 3-21 tief in der Rams-Hälfte.

So war das Spiel auch enger, als es das Endergebnis vermuten läßt. San Franciscos Offense war über weite Strecken des Spiels alles andere als überzeugend. Vor allem Colin Kaepernick sieht nun aus wie ein Rookie und nicht mehr wie die heißeste Erfindung seit der Dampfmaschine. Er hat vor allem das Problem, daß er sich immer an seinem first read festklammert und diesen dann manchmal so lange anstarrt, bis auch der letzte Bratwurstverkäufer im Stadion gemerkt hat, zum wem er werfen will. Nur knapp entging er so zwei Interceptions. Kaepernick muß von seinem Offensive Coordinator Greg Roman regelrecht gepampert werden mit einfachen reads: viel play-action, designed rollouts oder durchs Spielzugdesign kreierte 1-gegen-1-Situationen von WR Anquan Boldin und TE Vernon Davis gegen körperlich unterlegene Gegenspieler.

Das funktioniert auch alles, solange Kaepernick nicht das Spiel auf seinen Schultern tragen muß. Gegen eine erschreckend schwächliche Laufverteidigung der Rams sind Frank Gore und Kendall Hunter hinter einer endlich mal wieder bärenstarken Offensive Line für mehr als 200 Yards gelaufen. Aber, wie gesagt: es stand bis zu Bradfords Fumble im vierten Viertel nur 21-3 und nicht gegen jeden Angriff werden die 49ers defensiv so glänzen können wie gestern.