College Football 2011/12 Preview: Southeastern Conference (SEC)

Zum Abschluss des Vorschau-Marathons auf die College-Footballsaison heute die Conference der Conferences – die #1 im Sportlichen, die #1 im Folkloristischen, die #1 im TV-Programm von ESPN America. Welcome to the South, Welcome to the SEC mit ihren dieses Jahr wohl sportlich etwas ungleich verteilten beiden Divisions. Wir beginnen mit der schwächeren.

SEC East

Seit der Ankunft von Urban Meyer hatten die Florida Gators die SEC East dominiert. Meyer trat Ende 2009 zum ersten Mal für ein paar Tage zurück, kam dann doch zurück – und hätte es besser sein gelassen. Sagenhaft, wie schlecht vorbereitet Florida im vergangenen Herbst oft wirkte, sagenhaft wie leblos Team und Coach die Spiele bestritten – nirgendwo besser beschrieben als in diesem Absatz von Saturday Down South:

Fans that had been used to the enthusiastic leadership of Tim Tebow and the speed of the many playmakers now were asked to root for a team with a skittish quarterback who was asked to split time with a receiver and a tight end and who apparently could only throw five-yard outs, a running back that sends death threats to his girlfriends, and a coach that not only looked burnt out but disinterested.  It was a mess of a season.

Meyer ist weg, der Anti-Meyer ist da: Will Muschamp, ehemaliger Defensive Coordinator der University of Texas, ein Mann der SEC, Head-Coach-Neuling und Rumpelstilzchen in einer Person.

Muschamp straffte gegenüber dem laxen Meyer die Zügel an, schmiss Studenten, die sich daneben benahmen eiskalt von der Uni und nahm auch keine Rücksicht vor großen Namen (CB Janoris Jenkins, anyone?) und brachte mit OffCoord Charlie Weis einen Mann an Bord, der die fassungslos orientierungslose Offense wieder auf Trab bringen kann.

Florida spielte zuerst, als ob Meyer tatsächlich den fußlahmen QB John Brantley als Tebow-Nachfolger in einer Run-Optionoffense angedacht hatte. Später wurden Wide Receivers oder Tight Ends als Quarterbacks eingesetzt, während Brantley nur in aussichtslosen Situationen reinkam, logischerweise floppte und bei den Fans bereits unten durch ist. Unter Weis sollte der Pocket Passer Brantley trotzdem erstmal die #1 sein, da sämtliche Ersatzleute grün bis hinter die Ohren sind.

Das Laufspiel wird von RB Chris Rainey (der Mann mit den Morddrohungen) und dem verletzungsanfälligen RB Jeff Demps getragen, dazu gibt es den interessanten WR/RB/QB Trey Burton, der aus einer ansonsten gesichtslosen Masse an Ballempfängern herausragt. Problem in der Offense: Die Line wird rundumerneuert. Dafür sollte die Defense unter Muschamp aufleben, trotz der großen Abgänge. DE/OLB Ronald Powell ist so ein Pass Rusher, über den man bisher nur Gutes hört.

Floridas großer historischer Rivale sind die Georgia Bulldogs aus Athens (1h von Atlanta) – man darf sich Allerheiligen für Allerheiligen am großen rivalry game der beiden in Jacksonville erfreuen („World’s Largest Cocktail Party“).

Georgia geht in die Saison mit einem langjährigen Head Coach, der Platz genommen hat auf dem Schleudersitz. Mark Richt gilt als lame duck und kann sich praktisch kaum noch retten. Da nützt auch der womöglich beste Quarterback der SEC wenig: Aaron Murray. Richts Offense ist bei aller Tradition immer noch laufbasierend, was zuletzt überhaupt nicht mehr funktionierte. Mit RB Isaiah Crowell kommt ein Riesentalent frisch aus der Highschool, aber wenn man seine Offense zwei jungen Hüpfern wie Murray/Crowell anvertrauen muss…

Georgia wird das alles ignorierend eine Außenseiterchance auf den Divisionstitel eingeräumt, trotz der mäßigen Defense und der zu erwartenden Probleme im Angriff. Spiel der Saison, zumindest für die Traditionalisten, dürfte aber der out of conference-Opener am Samstag sein, wenn es im Georgia Dome von Atlanta gegen die Neureichen von der Boise State University geht. Vor sechs Jahren gab es das Duell schon mal. Damals prügelte Georgia die Broncos 48-13 nach Hause. Diesmal kommt der Winzling als sportlicher Favorit – für Richt könnte dieses Spiel den Untergang einläuten.

Ihre Probleme mit den Head Coaches hat die University of Tennessee erstmal hinter sich. Jahrelang hatte die Legende Philip Fulmer in Knoxville gecoacht, bis das Großmaul Lane Kiffin kam – und nach einem Jahr wieder gen USC verschwand, inklusive des halben Trainerstabs und der größten Top-Talente. Seit einem Jahr ist daher der bis dato unbekannte Derek Dooley am Kommandostand. Dooleys Rookie-Saison galt dank Siegesserie zum Ende hin als solide und unspektakulär, mit dem einen Moment für die Ewigkeit. Es ist ein Moment, der so fassungslos war, dass ich aus tiefstem Herzen dieses Video empfehle:

Betonfrisur Dooley wird 2011/12 als weiteres Aufbaujahr für die Volunteers benutzen, für den jungen QB Tyler Bray, für die junge Defensive Line, für den gesamten Trainerstab. Man rechnet mit sieben oder acht Siegen.

Ein paar dutzend Kilometer weiter westlich spielen in Nashville die Vanderbilt Commodores, im Gegensatz zum Giganten Tennessee/Knoxville ein ganz kleiner Fisch in der SEC und nach 2-10 und Trainerwechsel mal wieder mit dem Versuch eines Neuaufbaus. Rookie-Head Coach ist James Franklin, nur Vanderbilts zweite Wahl (nach Gus Malzahn), ein Mann, der als Nachfolger von Ralph Friedgen in Maryland übergangen wurde und sich dort Mangini-like unbeliebt machte, als er versuchte, dutzende Trainer gegen den Willen des dortigen Regimes mitzulotsen. Franklin ist ein junger Charismatiker, der als exzellenter Recruiter gilt und dessen Hauptaufgabe es sein wird, die Offense wiederzubeleben.

Um QB Larry Smith wird es wie jedes Jahr Theater geben (sprich: Man wird versuchen, ihn zu ersetzen), und mit Jordan Rodgers hat Franklin auch einen talentierten Mann in der Hinterhand. Quarterback? Rodgers? Rüschtisch. Wir sprechen von Aarons kleinem Bruder.

Wie Vanderbilt sind auch die Kentucky Wildcats ein alljährlich willkommener Gegner in der SEC, oder anders gesagt: Ein sicherer Sieg. Kentucky verliert seit gepflegten 26 Jahren JEDES JAHR gegen den Erzfeind Tennessee, darf aber trotzdem häufig bowlen gehen, und immer nach demselben Schema: 2-6 Bilanz in der SEC und dann würgt man ein 4-0 gegen schwache Gegnerschaft out of conference heraus. Head Coach ist mit Joker Phillips ein fanatischer „Kentucky Man“, doch Phillips sucht nach seiner Debütsaison immer noch nach dem richtigen Abwehrschema. Somit bleibt für Kentucky wie immer das 4-0 OOC, der Sieg über Vanderbilt und ein Überraschungssieg gegen eine andere SEC-Uni, um die nötigen sechs Siege für die Bowl Season zusammenzuklauben.

Einer fehlt noch – der allgemein anerkannte Divisionsfavorit, die University of South Carolina Gamecocks mit ihrem Head Coach Steve Spurrier („Fun’n’Gun“) und ihrem auf und neben dem Spielfeld unterhaltsamen magischen Angriffsdreieck QB Stephen Garcia, RB Marcus Lattimore, WR Alshon Jeffery.

Garcia ist eigentlich eine Knalltüte von einem Charakter, nicht in der Lage, sich länger als drei Monate an konventionelle Verhaltensweisen zu halten, aber Spurrier ist durch Kaderengpässe gezwungen, den Teufelspakt mit Garcia einzugehen. Lattimore ist einer meiner favorisierten Running Backs, für mich ein Favorit auf die Heisman Trophy, wie auch Jeffery, einer meiner Lieblings-Receiver, der immer und ausschließlich in kritischen Situationen angespielt wird – und trotz Doppel- und Dreifachdeckung fast immer mit dem Catch die Angriffsserie am Leben hält.

Ein bisschen Zweifel habe ich ob der Defense, die vor allem im Backfield doch recht leicht auseinanderzunehmen ist, was sich in der SEC aber aufgrund der Lauforientierung vieler Mannschaften nicht allzu schwer auswirken könnte. Gefühlt müsste South Carolina die East-Division gewinnen, solange Garcia nicht wieder Stunk veranstaltet.

SEC West

Kaum jemand bezweifelt, dass die SEC West aktuell die hochwertigste Division im College Football ist. Und das mag ein Understatement sein, denn wir können getrost von „mit Abstand hochwertigst“ sprechen.

Die Leistungsdichte ist so massiv, dass es in der Sechser-Division nicht vermessen ist, die Auburn Tigers als bloß fünftstärkstes Team anzusehen. Zur Einordnung: Wir sprechen hier nur bloß vom SEC-Champ, sondern vom National Champion 2010/11. Auburn hat allerdings einen heftigen Abfluss an Spielertalenten hinnehmen müssen, was sich so liest: Nur 3 Starter in der Offense, und 4 Starter in der Defense kehren für diese Saison zurück. 7/22 der ersten Auswahl vom vergangenen Herbst. Und die Abgänge haben sich auch qualitativ gewaschen: QB Cameron Newton und DT Nick Fairley, beide die essenziellen Bestandteile ihrer Units, ohne die Auburn nicht mal in den Top-25 gerankt gewesen wäre.

Nun vertraut man auf das Offensiv-Genie Gus Malzahn und die ruhige Hand von Head Coach Gene Chizik, der nach dem Meistertitel erstmal von allen Zweifeln befreit ist. In der Offense wird RB Michael Dyer der Dreh- und Angelpunkt sein, den Quarterback wird vorerst Barrett Trotter geben, wobei es in Malzahns QB-freundlichen Angriffssystemen oft wurscht ist, wer denn nun spielt – gute Zahlen produzieren sie alle. Wichtig für Auburn: Der RedZone-Mann TE Phillip Lutzenkirchen ist noch da, was eminent wichtig sein dürfte.

Auburn, und darin sind sich alle einig, muss in dieser Saison die einjährige Vorherrschaft im eigenen Bundesstaat hergeben, denn die Alabama Crimson Tide gelten nicht nur als SEC-Topfavorit, sondern auch als heißer BCS-Kandidat (#2 in den Polls) – für mich ist Alabama der unumstrittene Topfavorit auf den Landesmeistertitel, auch wenn mit QB McElroy, RB Ingram und WR Jones die drei besten Angreifer und mit DT Dareus der beste Abwehrspieler gegangen sind. How that?

Alabama hat mit Nick Saban einen Trainerfuchs, der seine Teams vor allem um eine bärenstarke Defense und eine lauforientierte, fehlerlose Offense baut. Und „bärenstarke Defense“ darf man heuer erwarten, nachdem eine völlig umgekrempelte Unit 2010/11 schon phasenweise wie eine einzige Naturgewalt daherkam.

Es ist eine 3-4 Defense mit einem extrem guten Pass Rusher in DE/OLB Courtney Upshaw, aber der Mann, der sofort ins Auge sticht, ist ein anderer: MLB Dont’a Hightower, ein sensationeller Spieler, pfeilschnell trotz 1,93m und 118kg und ein Leadertyp par excellence. Die Front Seven dürfte die beste im College Football sein. Mit Abstand. Und die Secondary ist um S #4 Mark Barron gebaut, dem sämtliche Gurus eine hohe Position im kommenden NFL-Draft voraussagen.

Die Offense dürfte auf eine sehr gute Line bauen, hinter der RB Trent Richardson seine vielen Yards machen kann. Richardson war nun jahrelang Backup von Mark Ingram, einem Heisman-Trophysieger, wobei ich Richardson stets als besseren, variableren, gefährlicheren Spieler als Ingram ansah. Ich in gespannt, wie sich der Mann nun macht, wenn er die Offense mit einem neuen Quarterback tragen muss – ich sage mal mindestens 1200yds voraus. Bei den Quarterbacks scheint noch nicht klar, ob A.J. McBarron oder der unerfahrene Phillip Sims starten werden – McBarron wurde in der Iron Bowl in einer bitterbösen Situation ins Spiel geworfen und brachte nichts zustande. Ich bezweifle allerdings die Aussagekraft dieser zwei Minuten Einsatzzeit.

Zu guter Letzt ist Alabama on mission. Im Frühjahr wurde die Heimatstadt der Uni, Tuscaloosa, von einem schweren Unwettersturm verwüstet, die Region ächzt immer noch heftig unter den Nachwirkungen, sogar das heimische Bryant Denny Stadium wurde ärger in Mitleidenschaft gezogen – kombiniert mit dem emotionalen Tod eines Mitspielers in der Offseason ist Alabama auch so etwas wie ein sentimentaler Favorit vieler Leute im US-Süden.

Wie las ich diese Woche in der Printausgabe der Los Angeles Times?

Los Angeles Times - Alabama

Die L.A. Times schrieb diese Woche über die Spätfolgen des april'schen Tornados - Bildrechte: Los Angeles Times (Klick auf das Bild führt zum onlinegestellten Artikel)

Will it be tough for Alabama to win the national title this year?

Yes. The Crimson Tide has moved on without quarterback Greg McElroy and running back Mark Ingram — pillars from the 2009 title team.

Will it be tough to root for Alabama to win it all this year?

No.

Alabama football has a divisive component that comes from years of unparalleled success and the self-righteousness that sometimes accompanies it.

Saban is not a drippy, sentimental man who needs a hug. You can barely talk to him at all once the season starts.

Everyone, though, can appreciate Saban’s posttraumatic resolve. Everyone can wrap their arms around Tuscaloosa. No football town in America has been so devoted and destroyed.

Wenn wir von Titelanwärtern mit starken Defenses reden, sollte man nicht an den Louisiana State Tigers vorbeidiskutieren. LSU hatte im Vorjahr seine glücklichen Momente (siehe Video oben), sollte heuer reifer, erfahrener sein und trotz einiger Fragezeichen irgendwo in BCS-Bowlnähe mitmischen können.

Allerdings steht Head Coach Les Miles bei mir nicht im besten Ruf – wenn es haarig wird, hege ich nur wenig Vertrauen in diesen Mann und ich kann nicht erklären, warum. Miles muss in dieser Saison vor allem schauen, dass die Offense hinkommt, nachdem QB Jordan Jefferson nach einer Kneipenkeilerei arge Probleme mit der Justiz hat und vorerst die wandelnde Interception-Maschine QB Jarrett Lee den Angriff führen soll. Dass OffCoord wegen ständig verschlimmernder Parkinson-Erkrankung vor wenigen Wochen zurücktreten musste, macht die Sache auch nicht einfacher.

Ein dark horse, das man gerne vergisst, sind die Arkansas Razorbacks, deren Aushängeschild mit Head Coach Bobby Petrino kein Mann ist, für den man allzu viel Sympathie aufbringen möchte. Dass Petrino aber College für College nach oben führt, kann man nicht wegdiskutieren. Vielleicht nimmt man Arkansas auch deswegen nicht voll ernst, weil sie die Tanz besitzen, die ganz großen Gegner in den ganz wichtigen Spieler knapp nicht besiegen zu können.

Nun ist mit QB Ryan Mallett ein geschichtenträchtiger Anführer weg, der neue Quarterback wäre da #8 Tyler Wilson, ein Mann, der aus einem in der Not geborenen Einsatz im vergangenen Herbst gegen Auburn (ein Spiel, das in der Region 65-43 oder so verloren wurde) in exzellenter Erinnerung geblieben ist. Wilson erwartet keine ganz einfache Aufgabe, denn neben einer rundumerneuerten Offensive Line fallen sämtliche guten Running Backs (beginnend beim Topmann Knile Davis) für diese Saison mit Knieverletzungen aus, während der einzige nennenswerte weitere Back von einer schweren Knieverletzung zurückkommt… Immerhin baut man darauf, dass die zuletzt massiv verbesserte Front Seven in der Defense große Teile der Saison tragen kann – was ganz Neues bei den Hogs.

Zum Abschluss der langen, kräfteraubenden Vorschauserie auf die Saison im College Football geht es noch ab in die Sümpfe von Mississippi, wo mit den Mississippi State Bulldogs eine ganz leise Erfolgsstory zu vermelden ist. Was Headcoach Dan Mullen da aufgebaut hat, ist groß. Mullen kam vor wenigen Jahren von der University of Florida, und er hat eine ähnliche lauflastige Spread Offense auch bei den Bulldogs installiert: Hier wird gnadenlos gelaufen, auch in der RedZone: RB Vick Ballard machte 2010/11 nicht ganz 1000yds, aber 20 Touchdowns.

Auch der Quarterback ist sehr flott bei Fuß: Chris Relf komplettiert keine 60% seiner Pässe, macht aber runde 700yds/Saison im Laufspiel. Der Mann ist aus der vergangenen Gator Bowl in guter Erinnerung, und auch deswegen eingeprägt, weil er früher mit der #36 auffm Rücken munter durch die Gegend scrambelte. Mittlerweile trägt Relf die QB-kompatiblere #14 und macht damit ganze 186yds/Spiel mit Würfen.

Mississippi State wird bei entsprechendem Saisonverlauf durchaus der zweite oder dritte Platz in dieser brutalen SEC West zugetraut – allerdings warten nächste und übernächste Woche Auburn und LSU, zwei richtungsweisende Spiele.

Zu allerletzt noch das vermeintliche sechste Rad am SEC-Westwagen, die University of Mississippi, wo die Mannschaft ganz einfach Ole Miss Rebels genannt wird. Für mich ist diese Uni ein Faszinosum: Sie liegt irgendwo in der Pampa im kleinen Städtchen Oxford (16.000 Einwohner), hat weitere 15.000 Studenten auf dem Campus, die nächste größere Stadt Memphis ist 150km entfernt und liegt im Bundesstaat Tennessee – und Ole Miss’ Heimstadion, das Vaught Hemingway Stadium, ist mit seinen über 60.000 Plätzen trotzdem immer ausverkauft.

Sportlich erlebte die Mannschaft von Coach Houston Nutt im vergangenen Herbst ein Debakel, purzelte in sämtlichen Defensiv-Kategorien lateral durch die Rankings und war in der Offense teilweise hirnamputiert unterwegs: Der Ball, der im Spiel gegen Tennessee an der eigenen 3yds-Line einem fünf Meter freistehenden Gegenspieler direkt in die Hände geworfen wurde, hat sich bei mir eingeprägt. Immerhin hat man mit RB Brandon Bolden einen Angriffsspieler mit Ingredienzien für eine lauforientierte Offense, die es dringend brauchen wird, weil keine Quarterbacks und Wide Receivers in Sichtweite sind. In der Defense hofft man einfach mal auf verbesserten Pass Rush, aber auch dort sind die besten Spieler mittlerweile in die Arbeitswelt eingestiegen.

So. Das war’s. Mit der SEC wäre auch die letzten Conference abgehakt. Ich freue mich auf eine spannende Saison und das beim Schreiben dieses Eintrags nebenbei laufende Spiel Baylor – TCU ist schon das erste großartige Highlight, das eigentlich mehr verdient gehabt hätte als „nebenbei zu laufen“. Spiel des Jahres trifft es eher.

Was nun folgt, sind – endlich – fliegende Eier. Die Vorschau auf alle Mannschaften in College Football und NFL gibt es auf dr entsprechenden Seite bei Sideline Reporter – inklusive (hoffentlich) wöchentlich neuer TV-Guidelines. Viel Spaß.

College Football 2011/12 Preview: Big 12 Conference

Gestern hatten wir die Big Ten mit ihrem Dutzend an Teams, heute ist die “richtige” Big 12 Conference dran – mit 10 Mannschaften. Die Big 12 war vor einem Jahr dank der massiven Expansionsdränge der Pac-10 und der Zicken der University of Texas kurz vor der Implosion – nur um sich am Ende bei ihrem egozentrischsten Mitglied – Texas – für die weitere Existenz bedanken zu müssen. Die nahe Zukunft der Big 12 scheint gesichert, aber es ist ein gesichert mit Sternchen, da auch Texas A&M in unregelmäßigen Abständen mit der SEC flirtet und Texas itself womöglich trotz Longhorn Network irgendwann nach noch Höherem streben wird.

Sportlich dürfte die Verkleinerung trotz Nebraskas Abgang – immerhin eines der Schwergewichte schlechthin – nicht zu schmerzhaft sein, fällt nun immerhin das Championship Game weg, das dank des deutlichen Leistungsgefälle zwischen den beiden Divisionen immer mal wieder einen Überraschungs-Champ produziert hat, Stichwort „Ein Sensationssieg kann jedem mal gelingen“.

Oklahoma Sooners                     

Wenn man von der Big 12 Conference spricht, dann geht es meistens um zwei Footballprogramme, und das erste ist jenes der Oklahoma Sooners, die in den letzten Tagen wieder verstärkt in den Fokus von sportpolitischen Thematiken gerückt sind: Es geht darum, ob die Sooners die Schneid besitzen, vor der drohenden Implosion der Big 12 eigenhändig abzuhauen, oder ob sie bis zum Untergang der Conference warten oder ob sie spekulieren, irgendwie ein Rest-Torso von „Big 12“ halten zu können.

Uns interessiert heute mehr das Sportliche, und die Sooners von Head Coach Bob Stoops sind, geht es nach Journalisten und Coaches, das Favorit #1 auf den BCS-Titel. Hauptgrund dafür: Die Offense, die auch nach dem Weggang von OffCoord Kevin Wilson massivst punkten dürfte. Ein ganz großer Faktor ist dabei QB Landry Jones, ein wurfgewaltiger Mann ganz in der Tradition der großen Sooners-QBs, und Jones machte in der vergangenen Saison mal eben schlappe 4718yds und 38 Touchdowns via Luftweg.

Jones’ kongenialer Anspielpartner ist WR Ryan Broyles (2010: 14 Spiele, 131 Catches, 1622yds, 14 Touchdowns), wozu sich noch zwei Handvoll brauchbarer, diversester Optionen gesellen. Die Defense hat so ihre Probleme mit der Standhaftigkeit der Line und muss zu Saisonbeginn ein paar Wochen auf den großen Leader, MLB Travis Lewis, verzichten – überhaupt scheint es eine nette Verletzungsserie gegeben zu haben. Und Oklahoma spielt nach dem Tod eines Spielers in der Offseason auch mit schwerem Herzen.

Persönlich glaube ich nicht an einen BCS-Champion 2011/12 „Oklahoma Sooners“. Ich bin und bleibe skeptisch immer dann, wenn diese Mannschaft ein bisschen aggressiver von einer Defense angegangen wird – und spätestens im Endspiel dürfte ein SEC-Favorit warten… Außerdem schleppt Stoops trotz eines Titels vor etlichen Jahren das Image des ewigen Zweiten mit sich.

Und selbst der Weg ins Endspiel dürfte nicht einfach sein: Neben dem schweren Big 12 Schedule wartet am 17. September auch noch der Kracher auswärts gegen die gehypten Florida State Seminoles. Vor einem Jahr gewann Oklahoma locker 47-17, aber diesmal ist sämtlichen Prophezeiungen zur Folge ein enges Spiel zu erwarten.

Unglaublich unwichtige Info am Ende: Es gab vor ein paar Tagen eine Dokumentation über die Sooners in der Vorbereitung, in der Stoops in der ersten Trainingseinheit mit den Freshmen einen Spieler in der ersten Reihe fragte, wie viel sein Sport-Stipendium eigentlich wert sei. Der junge Mann wusste darauf nichts zu antworten.

Texas Longhorns

Willkommen beim meistgehassten Team im College Football. Die University of Texas hat in den vergangenen Jahren dank Egotrip, Longhorn Network und diverser weiterer Flauseln nicht nur Nebraska und womöglich Texas A&M aus der Big 12 Conference vertrieben, sondern allem Anschein nach den baldigen Gang in die Unabhängigkeit vorbereitet.

Sportlich war man 2009/10 eine Endspielverletzung von QB Colt McCoy vom National Title entfernt, erlebte dafür im Herbst 2010/11 eine einzige Gruselsaison und verlor sieben von zwölf Partien, fünfmal daheim. Head Coach in Austin ist Mack Brown, ein anerkanntes Recruiting-Genie, aber Browns Teams stehen im Ruf, underachiever zu sein, sprich: Für die Unmasse an Top-Talenten im Kader zu selten die Big 12 zu dominieren. Brown hat für die heurige Saison eine Rundumerneuerung im Trainerstab vorgenommen. Die Offense liegt nun in den Händen vom ehemaligen Boise-State-Mann Byron Harsin, die Defense bei Manny Diaz.

„Byron Harsin“, das bedeutet eine Abkehr von der vertikalen Offense des vergangenen Jahres, hin zu einer Offense mit Power-Running über RB Cody Johnson, der dafür wie gebaut zu sein scheint, und womöglich dem gehypten Highschooler Malcolm Brown. Heiß diskutiert wird die Quarterback-Position: Garrett Gilbert ist in der Anhängerschaft verhasst weil zu fehleranfällig, und es gilt als sicher, dass man Gilbert im Lauf der Saison auswechseln wird – vielleicht für Colts Bruder, den unerfahrenen Case McCoy?

Prunkstück in der Defense sind die Linebackers und kommenden NFL-Spieler Emmanuel Acho und Keenan Robinson, und es wird erwartet, dass Diaz eine brutal blitzfreudige Defense aufstellen wird. Und das heftige an den Longhorns ist: Sie schicken jedes Jahr ein, zwei First Rounder in die NFL, und es kommen trotzdem immer Topspieler aus den Highschools nach. Jeder junge Footballer in texanischen Schulen möchte für Texas/Austin spielen.

Die Geheimfavoriten

Während Texas sportlich als #4 der Big 12 Conference erwartet wird (wobei auch #2 am Ende nicht außer Reichweite sein sollte), gelten zwei andere Teams als extrem heiße Ware für diese Saison. Zum einen hätten wir da die Oklahoma State Cowboys von Head Coach Mike Gunday, vor einem Jahr eine schiere Offensiv-Sensation. Nun ist OffCoord Dana Holgorsen gen West Virginia abgewandert, aber die beiden Haupt-Komponenten sind noch da: QB Brandon Weeden, ein Mann, der jahrelang als Pitcher in den Minor Leagues im Baseball versauerte und nun mit bald 28 Jahren einer der ältesten Spieler im College football sein dürfte. Und WR Justin Blackmon, der im letzten Herbst als sophomore nie unter 100yds und immer mindestens einen Touchdown machte (Stats über die Saison: 111 Catches, 1872yds, 20 Touchdowns in 12 Einsätzen – meine Fresse). Blackmon ist kein Riese (1,85m), aber eine Präsenz als einzelner Receiver ganz draußen am Spielfeldrand – eine ungemeine Bereicherung für die Air Raid-Offense, die normalerweise primär über die Mitte kommt.

Fehlen wird in diesem Jahr allerdings der wichtige RB Kendall Hunter, der dieser Offense mit 1548yds und 17 TD eine zusätzliche Dimension gegeben hat. Der junge Backup Joseph Randle wird gefordert sein. Dass Randle als exzellenter Ballfänger gilt, sollte helfen. Allerdings sollte Oklahoma State gut beraten sein, mehr Laufspiel einzusetzen: Die Offense scort meistens schnell genug, um die Defense lange, viel zu lange auf dem Feld zu lassen und entsprechend zu ermüden. Die Cowboys haben eine insgesamt eher mäßige Defense, die vor einem Jahr das Big-12 Endspiel gekostet hat.

Probleme mit ihrer Defense haben auch die Texas A&M Aggies, die abseits des Spielfelds noch weit mehr Schlagzeilen produzieren: Die Universität wollte so tief aus der innersten Herzkammer ihres Herzens aus der Big 12 fliehen, dass sie dafür sogar die Ungewissheit einer möglicherweise conference-losen Saison 2012 hinnahmen. Zu sehr ist die Hemmung und die Abneigung, die die beiden Reizwörter in der Kombination „Texas Longhorns“ auslösen.

Sportlich hat Mike Sherman (den wir auch von irgendwo her kennen sollten) da möglicherweise ein BCS-Kaliber unter seinen Fittichen. Hauptgrund dafür ist die solide zweite Saisonhälfte von QB Ryan Tannehill, der erst nach einem desaströsen Saisonstart seines Konkurrenten in den Huddle geschmissen wurde und so solide spielte, dass die Offense plötzlich als heißer wie Frittenfett gehandelt wird. Die Offensive Line ist zwar nicht besser als okay, aber jung und entwicklungsfähig, dazu kommen haufenweise gute Wide Receivers und ein gewaltiges Runningback-Duo: Nie was von RB Christine „neinichbinkeinMädel“ Michael und RB Cyrus Gray gehört?

Dann wird es Zeit, den beiden zuzusehen. Hier wird gnadenlos 30x/Spiel um die Offensive Line herum gelaufen, oft mit Raumgewinnen von 10-12yds. Probleme macht dagegen wie angesprochen die Defense, wo mit OLB Von Miller der mit Abstand beste Pass Rusher in die NFL gegangen ist.

Trotzdem tauchen die Aggies häufig in der Diskussion um mögliche National Champions auf – unabhängig davon ist es für College Football-Fans eine Pflicht, wenigstens ein Heimspiel der Aggies mit anzuschauen. Die Stimmung im genialen Kyle Field sorgt auf dem Gänsehautometer regelmäßig für Anschlag.

Seit der Ankunft von Gary Pinkel als Head Coach geht es mit den Missouri Tigers konstant nach oben. Pinkel hat eine Mannschaft aufgebaut, die auch den Verlust von ein, zwei Schlüsselspielern ohne großen Qualitäts-Absturz verkraften kann – ein sehr gutes Zeichen. Diesmal muss man auf QB Blaine Gabbert verzichten und der neue QB ist ein völlig anderer Typ: James Franklin ist mehr der Typ Läufer denn Passer – und hat bizarrerweise den Job gegen Blaines Bruder Tyler gewonnen, der die Nerven weggeschmissen hat und nun nicht mehr in Mizzou studiert. Knackpunkt ist die Defense mit der Sollbruchstelle „Secondary“. Man traut den Tigers trotzdem wieder ca. eine 8-4 Saison zu.

„Geheimfavorit“ ist vielleicht ein bissl zu hoch gegriffen für die Texas Tech Red Raiders, eigentlich die kleinste Nummer des großen texanischen Trios, aber seit den Zeiten unter Mike Leach für pure Offensivgewalt bekannt. Man hoffte, mit dem neuen Coach Tommy Tuberville die Defense in den Griff zu bekommen, was eher nicht funktionierte: Sogar der Zwerg Weber State (FCS) schenkte 459yds Offense ein und die maue Offense Iowas scorte 52 Punkte. Zu viel, weshalb unter dem neuen DefCoord Chad Glasgow ein 4-2-5 für die extrem flinke Secondary gebaut wird. Meistens sind solche Umstellungen aber mit Anpassungsschwierigkeiten verbunden, weswegen man Texas Tech eher wenig zutrauen sollte.

Das Fußvolk

Im Schatten der großen staatlichen Colleges hat sich die kleine texanische Baptistenuni Baylor langsam und leise nach oben gearbeitet. 2010/11 dann der große Knall: Ein Auswärtssieg bei Texas. Nun sind wichtige Komponenten in Offensive (G Danny Watkins) und Defensive (DT Phil Taylor) Line weg, aber QB Robert Griffin III ist eine Konstante: Seit drei Jahren im Systen der Bears, und immer noch erst Junior. Plötzlich ist Enthusiasmus zu spüren.

Zwischen Enthusiasmus und Depression schwankt das Publikum der Iowa State Cyclones, das mindestens zweimal pro Saison zur Furie wird und den Trainer zum Teufel wünscht, aber nach „epischen“ Auswärtssiegen gegen wie jüngst gegen Texas seine Helden in den Himmel jubelt. Seit 2010 coacht Paul Rhoads die Cyclones unnd Rhoads genießt den Ruf des Lokalheros, ein ansteckend positiver, energiegeladener Mann, und in Furzweite zum Stadion aufgewachsen. Rhoads baut auf eine laufintensive Offense mit smash’n’dash (RB Jeff Woody/RB Shontrelle Johnson) und eine (hoffentlich) verbesserte Defensive Line. Dort spielt auch der Mann mit dem genau richtigen Namen: NT Stephen Ruempolhamer.

Wie Iowa State sind auch die beiden Unis in Kansas eher negativ von der Auflösung der Nord/Süd-Divisionen in der Big 12 betroffen. Nun muss man neun Conference-Spiele bestreiten, und öfters als früher gegen die Giganten im Süden spielen. Die Big 12 ist bizarr genug, dass diese Nord-Unis der University of Texas trotzdem zu Füßen liegen: Ohne deren Einlenken hätte jeder dieser Unis die Bedeutungslosigkeit (sprich: Mountain West Conference und Konsorten) gedroht.

Bei den Kansas State Wildcats aus Manhattan (jo, Manhattan) ist der Trainer der Superstar: Der ultimativ bescheidene Bill Snyder, der nur ein einziges Mal ins Rampenlicht getreten ist, als das Stadion der Uni nach ihm benannt wurde, nämlich. Snyder ist mit 72 Jahren eine lebende Legende und coacht ab dieser Saison sogar seinen Enkel Tate, der als Freshman im Kader steht.

Die Offense wird nach dem Abgang von RB Dan Thomas (Miami Dolphins) vom neu erworbenen RB Bryce Brown getragen, der aus Tennessee kommt und dessen Uni-Wechsel recht viel Aufsehen erregte, inklusive gegenseitiger Drohungen und Beschimpfungen. In der Defense muss vor allem der Würgegriff gegen das Laufspiel enger werden, zuletzt war man dort #119 von #120.

Als Bodensatz wird gemeinhein die University of Kansas gehandelt, die nach dem Abgang des eigenartig kultigen Coaches Mark Mangino unter Turner Gill ein horrendes Jahr hinlegte. Von der Jayhawks-Saison 2010/11 bleibt ein verheerendes 7-55 gegen Baylor (!) und ein fast noch katastrophaleres 3-20 gegen Nebraska hängen, als man beide Mal offensiv NICHTS zustande brachte. Und immer noch besteht kein Schimmer, wie man die QB-Situation lösen will. Die Hoffnung bleibt Gills Vergangenheit. Der Mann hat auch den Zwerg Buffalo nach schwachem Debütjahr umgekrempelt und neu aufgestellt.

So – fast abgearbeitet. Vorschau-Finale heute Nachmittag wird die Conference der Conferences dran sein, die neben den meisten Zuschauern auch die meisten sportlichen Erfolge und die meisten Stars in den letzten Jahren vorzuweisen hat. Um welche Conference es sich wohl handeln wird?

College Football 2011/12 Preview: Pac-12 Conference

Drittletzter Teil der langen Vorschauserie. Diesmal geht es um eine Conference, die sich im massiven Aufbruch befindet: Die Pac-12 Conference, die mit dieser Saison mit Utah und Colorado zwei neue Programme willkommen heißt und sogar eine zeitlang mit einer richtigen „Super-Conference“ geliebäugelt hatte. Der Hauptpreis namens „University of Texas“ wurde am Ende aber doch nicht gezogen, wer weiß, vielleicht „noch“ nicht.

Denn: Im neuen, sensationellen TV-Vertrag mit ABC/ESPN und Fox (12 Jahre, 2,7 Milliarden US-Dollar) wurden schon vorsorglich Klauseln für massive Steigerungen eingebaut, sollten Texas und/oder Oklahoma in die Pac-12 wechseln (wenn Texas kommt, kommt wohl auch Texas Tech als staatliche Hochschulen gleich mit). Auf alle Fälle hat Commissioner Larry Scott schon mal eines erreicht: Man spricht über die Pac-12. Und das wird noch mehr gelten, wenn sie in Zukunft anstelle von halb elf Uhr abends in der Primetime (Atlantikküste) spielen werden – auf ABC anstelle von Versus.

Sportlich gesehen hat sich die Pac-10/12 in den letzten Jahren immer mehr gen Osten geöffnet, nachdem man vor Jahren den Ruf hatte, inzestuös unter sich zu bleiben und die out of conference games maximal gegen die MWC anzusetzen.

Northern Division

„Gen Osten geöffnet“, wie das großartige Eröffnungsspiel Oregon vs. LSU, das heute Nacht stattfinden wird. Die Oregon Ducks gelten auch heuer wieder als einer der großen Titelkandidaten, in der Pac-12 Conference sowieso, aber auch im Rennen um den BCS-Titel. Oregon zeichnet unter dem Head Coach Chip Kelly eine fantastisch schnell spielende Offense aus, eine Augenweide, wenn sie ins Rollen kommt, voll mit Option-Laufspielzügen und quicken Pässen.

Kernspieler des Angriffs ist der nicht koschere, aber unglaublich wendige RB LaMichael James, mit seiner Zierlichkeit nicht gerade NFL-Gardemaß, aber für das College ein idealer Running Back mit einem idealen Komplementärspieler in RB Kenyon Barner, der ein paar Kilos mehr wiegt. Dazu gesellt sich mit Darron Thomas ein laufstarker Quarterback, sodass Oregon über 300yds/Spiel erläuft – und Thomas legt dann noch mal über 250yds/Pass drauf!

Die Offense erfordert mit ihrer atemberaubenden Geschwindigkeit (oft keine 20sek zwischen den Spielzugende und Snap des nächsten Spielzugs) aber ein hohes Maß an Konzentration und ist gegen physisch starke Gegner anfällig – und dann kommt noch die Befürchtung dazu, dass nach zwei Jahren irgendwann die Defensive Coordinators dieser Erde wirksame Gegenmittel finden dürften, nachdem simulierte Verletzungen im vergangenen Herbst nur zeitweise halfen.

Oregon muss heuer allerdings weite Teile seiner Offensive Line und Wide Receivers ersetzen. Trotzdem darf man davon ausgehen, dass die Offense immer ein paar Pünktchen mehr scort als die überdurchschnittlich gute Defense zulässt – und dann gibt es noch den großartigen CB/PR Cliff Harris, ein Mann, der allerdings heute Nacht gegen LSU wegen interner Sperre fehlen wird.

Manche sehen in den Stanford Cardinal den großen Gegenspieler Oregons. Das hat trotz des Abgangs von Head Coach Jim Harbaugh einen veritablen Grund, der sich da nennt: QB Andrew Luck. Ich sehe erst die fünfte volle Saison College Football, aber trotz Ryan, Stafford, Tebow oder Bradford gab es dabei keinen Quarterback, über den sich unisono alle Experten und Möchtegernexperten so einig waren. Luck gilt als Superstar und sicherer #1-Draftpick und allein seine Präsenz in dieser Mannschaft macht Stanford zum BCS-Titelanwärter.

Wir sprechen hier in der Tat von einem QB, dem man sein Standings anmerkt, ein extrem cooler Mann auch unter Druck, und ein Mann mit Hirn: Luck verzichtete auf den NFL-Draft, um seinen Architektur-Abschluss machen zu können. Theoretisch ist Luck heuer erst Junior, aber nach dem bereits abgeschlossenen Studium zweifelt niemand mehr daran, dass in diesem Herbst manche NFL-Fans (Buffalo, Washington, Seattle, I’m looking @ you!) auf Niederlagenserien ihrer Teams hoffen, um 2012 Luck an #1 draften zu können.

Der neue Head Coach David Shaw geht in dem Trubel um den QB ganz unter, ist ein recht junger Coach und gilt als sehr gewissenhafter Tüftler in der Spielvorbereitung. In der Defense liegen aber die größeren Probleme, wo mit DefCoord Vic Fangio der Stratege hinter der eigentlichen Erfolgsstory der Cardinal mit Harbaugh ein paar Kilometer weiter zu den 49ers gegangen ist und in der 3-4 Defensive Line nach wichtigen Abgängen nur Leichtgewichte spielen. Stärke ist das Defensive Backfield mit einem sehr guten Duo an Safetys.

Bei Stanford wird der Schedule insbesondere ab Mitte Oktober knackig: Die letzten sechs Spiele gegen gegen Washington, @USC, @Oregon State, Oregon, California und als Abschluss out of conference gegen Notre Dame. So eine Spanne muss eine Mannschaft erst einmal unbeschadet überstehen.

Stanfords traditioneller Erzrivale ist die University of California/Berkley, kurz Cal. Das Programm nennt sich Golden Bears und spielt seit Menschengedenken im Memorial Stadium, wo man auf dem dahinterliegenden Hang sitzend einen Gratisblick auf das Spielgeschehen werfen kann. Beziehungsweise konnte. Cals Stadion wird heuer renoviert, weswegen sie diesen Herbst auswärts in San Franciscos neuem Baseballpark AT&T spielen werden.

Head Coach ist der QB-Entwickler Jeff Tedford, der nach ein paar durchwachsenen Jahren vor der Entlassung steht. Die Offense war zuletzt der Schwachpunkt, u.a. gingen mit Jahvid Best (Detroit) und Shaun Vereen (New England) nacheinander die besten Running Backs flöten. Neuester Trumpf: Der fassungslos explosive WR Keenan Allen. Allein: Wer die Bälle werfen soll, weiß noch kein Mensch. Die Defense wird von einem bekannten Gesicht gecoacht: Clancy Pendergast. In Erinnerung bleibt die gigantische Leistung gegen Oregon, als deren Sensationsoffense gänzlich abgewürgt wurde.

Trotz schwacher, verletzungsgeplagter 2010er-Saison gilt Mike Riley bei den Oregon State Beavers als brillanter Head Coach, ein Name, der bei fast jedem frei gewordenen Trainerposten bei jedem großen Collegeprogramm im Gespräch ist. Riley steht im Ruf, immer dann zu brillieren, wenn alles gegen ihn spricht, und er hat sich in Corvallis ein so schickes Leben aufgebaut, dass er bislang allen Verlockungen standhielt. Krass dazu im Gegensatz steht Rileys NFL-Episode in San Diego. Dazu nur ein Stichwort: Ryan Leaf.

Bei „Ryan Leaf“ ist auch „Washington State“ nicht weit entfernt. Dort erlebte man die besten Jahre eben unter dem Mann, der sich heute mit Jamarcus Russell um… ach, Sie wissen schon. Mittlerweile liest sich eine 2-10 Bilanz im Herbst 2010 als Fortschritt und man riskiert, selbst von den lächerlichen Idaho Vandals ums Eck nass gemacht zu werden. Paul Wulff hat in drei Jahren fünf von 37 Spielen gewonnen und kriegt nun die allerletzte Chance. Trotzdem gilt es als fast hausgemacht, dass Robb Akey im Winter übernehmen wird. „Akey“ wie „Head Coach bei Idaho“.

Dabei hätte Wulff einen herausragenden Quarterback in Jeff Tuel (junior), gepaart mit einem sensationellen Wide Receiver in Marquess Wilson, der als Freshman jüngst über 1000yds machte. Problemzonen wie unterirdisches Laufspiel, Schweizerkäseoffensiveline und Vergammelteschweizerkäsedefensiveline übertünchen die wenigen Stärken.

Den großen Rivalen, die Washington Huskies aus Seattle, freut’s. Die haben zwar mit QB Jake Locker Herz, Seele und Gesicht des Teams verloren, aber der wichtigste Mann ist geblieben: Head Coach Steve Sarkisian, der innerhalb kürzester Zeit einen Trümmerhaufen konkurrenzfähig gemacht hat. Der neue QB Keith Price gefällt als Werfer sogar besser als Locker, ist dafür fußsteif wie Holzkohle. Das Laufen übernimmt dafür Super-Running Back Chris Polk, dessen 177yds in der Bowl gegen Nebraska noch nicht vergessen sind. Gemeinsam mit dem WR Jermaine Kearse hat Sarkisian da womöglich eine Nordwest-Version der Triplets beisammen.

Die Defense Line der Huskies liest sich sehr „hawaiisch“: Ankermann DT Alameda Ta’amu wird flankiert von Namen wie Sione Potoa’e, Semisi Tokolahi, Lawrence Lagafuaina, Hau’oli Jamora. Irgendwelche Fragen, wo hier rekrutiert wurde?

Für Washington wird das dritte Aufeinandertreffen innerhalb eines Jahres gegen Nebraska am 19. September zum Stimmungsbarometer. Obwohl out of conference, kann mit einem Sieg ein ganz wichtiger Schritt zurück zum alten Glanz gemacht werden.

Southern Division

Die Süd-Division gilt als gänzlich offen, was soweit geht, dass manche den Neuling, die Utah Utes, für den Favoriten halten. Die Utes haben sich in den letzten Jahren einen Ruf als BCS-Spoiler gemacht und neun der letzten 11 Spiele gegen BCS-Gegner gewonnen. Nun ist man selbst „BCS“, ein Move, der womöglich unter anderem auch den Verbleib von Head Coach Kyle Wittingham gesichert hat.

Der neue Offensive Coordinator ist der allseits bekannte Norm Chow, und immer wenn Norm Chow am College die Mannschaft wechselt, bedeutet dies Diskussionen über die Abkehr von der Spread Offense hin zu einer „pro style“-Offense, wie man auch immer „pro style“ auffassen will. Auf alle Fälle in Salt Lake City ein neues System für den bisher wenig herausragenden QB Jordan Wynn.

Die Mannschaft besitzt keine herausragenden Stärken und trägt die Last des Newcomers mit sich. Kollateralschaden einer möglicherweise schwachen Saison (sagen wir: 6-6 oder so) könnten Universitäten wie BYU oder Boise State sein, deren wahre Stärken wieder in Frage gestellt würde…

Utah muss beim möglicherweise entscheidenden Divisionsspiel um den Einzug ins Pac-12 Finale auswärts antreten. Gegen die University of Southern California. Die Trojans sind noch in dieser Saison von der Bowl Season ausgeschlossen – eine Spätfolge der unsäglichen Zeit unter Pete Carroll mit massivem ESPN-Hype, gefaketen und nicht gefaketen Landesmeistertiteln, die im Nachhinein wieder aberkannt wurden. Offensive Coordinator damals: Lane Kiffin. Und eben jener Lane Kiffin, auch bekannt geworden als Großmaul bei den Oakland Raiders, ist seit eineinhalb Jahren in Los Angeles am Werkeln. Der Mann, der so leicht zu verabscheuen ist, scheint auch bei USC keinen allzu leichten Stand zu haben und könnte bei entsprechend schwachem Saisonverlauf im kommenden Herbst schon vor dem Rauswurf stehen.

Und Kiffins Trojans riskieren eine ungemütliche Saison. Der Kader ist nicht gerade sonderlich tief besetzt (eine Folge der reduzierten Stipendien?), der RB Mark Tyler ein Stinkstiefel, der #1-WR Robert Woods leidet unter Stimmungsschwankungen (als Spieler) und die Defense war in der vergangenen Saison grottenschlecht, vor allem in der Secondary – eine Monty-Kiffin-Defense!

Der große Superstar ist QB Matt Barkley, der jüngste in einer Reihe an hochkarätigen USC-Quarterbacks in der letzten Dekade. Barkley ist ein Posterboy vor dem Herrn, ein Mann, der für arme Kinder in Mexiko und Südafrika Häuser baute und entsprechende Parallelen zu Tim Tebow aufkommen lässt. Diese beschränken sich aber auf das Leben neben dem Spiefeld. Barkley ist ein Gunslinger-Typ, ein typischer NFL-Quarterback, und fast alle glauben, dass Barkley 2012, ein Jahr zu früh, in die NFL wechseln und ein Top-Pick sein wird.

Die sportliche Variante von „nicht bowl-eligible“ bietet USCs Stadtrivale, die UCLA Bruins, die unter dem – wir bleiben diplomatisch – zweifelhaften „Slick“ Rick Neuheisl Jahr für Jahr schlechter werden und sich per Saisonbilanz selbst aus dem Rennen nehmen werden. Zumindest gehen alle Saisonprognosen dahin. UCLA hat zwar eine recht starke Lauf-Offense und keine zu verachtende Defensive Line, aber ansonsten zwicken mehrere Sorgen, angefangen bei der Grundstimmung im Footballprogramm bis hin zum extrem verletzungsanfälligen QB Kevin Prince Boateng.

Ähnlich schlecht ist die Stimmung beim neben Utah zweiten Neuzugang der Pac-12, den Colorado Buffaloes. Nach Jahren der Kontroversen wurde Head Coach Dan Hawkins abgesägt und mit Jon Embree nun ein neuer Mann – ein Colorado Man – eingestellt. Täuscht es, oder ist die Qualifikation „kennt die Uni und das Umfeld“ immer mehr ein Qualifikationsmerkmal für Head Coaches? Embree hat nicht einmal Erfahrung als Coordinator, trotzdem gilt der Mann als Messias. Es soll eine neue, bodenständige Offense eingeführt werden, ganz klassisch mit Fullback und Quarterback mit Händen am Arsch des Centers, anstelle von Shotgun Spread. Der Angriff soll getragen werden vom Winzling RB Rod Stewart (1,67m, 79kg), der ungeachtet seiner physischen Limits 2010/11 mal eben 1318yds und 10 Touchdowns hinknallte. Da passt auch die Defense ins Bild, die allerorts als undersized angesehen wird und im wahrsten Sinne des Wortes „wachsen“ muss, vor allem wenn ich an die Passgewalt der Gegnerschaft im Schedule denke (QBs wie Barkley, Luck, Foles, Moniz warten).

Von der Einsamkeit der Rocky Mountains in die Wüste von Arizona, dort wo in Tucson die Arizona Wildcats versuchen, den katastrophalen Kollaps von 2010/11 vergessen zu machen (aus 7-1 zum Start wurde 7-6 am Ende). Kein Spiel spiegelte den Saisonverlauf besser wieder als jenes in Oregon, als man eine Halbzeit lang mit spektakulärer Defense und Big Plays in der Offense führte, um in Halbzeit #2 32 Punkte zu kassieren und noch haushoch zu verlieren.

Head Coach ist Mike Stoops, Bruder von Oklahomas Bob, und Quarterback ist Zottelbock Nick Foles, ein Topmann, kein Scrambler, aber extrem agil in der Pocket und wurfgewaltig. Foles und seine Passarmada blasen ihr letztes Halali (allesamt Seniors), und sie müssen es hinter einer zu 100% erneuerten Offensive Line machen.

Arizonas schmerzhaftestes Spiel war jenes zum Abschluss der Regular Season, ein durch unfassbare Special-Teams-Fehler verlorenes Lokalderby gegen die Arizona State Sun Devils aus Tempe. Eben jenes Spiel gab den Sun Devils die Initialzündung zu einem kaum nachvollziehbaren Hype: 2010/11 würgte man sich dank zweier Siege gegen FCS-Gegnerschaft zu einer 6-6 Bilanz. Es sind Bestandteile vorhanden: Die Laufdefense gehört zu den allerbesten – im Vorjahr wurde Washington State folgendermaßen abgewürgt: 65 Carries, -47 (minus siebenundvierzig) Yards. Ein Schnitt von -0,7yds/Carry. Auch wenn am College Sacks als Laufspiel gewertet werden, bleibt dies eindrucksvoll. Anker der Defense ist der monströse LB Vontaze Burfict, ein Bulle und zukünftiger NFL-Profi.

Das bekannteste Gesicht in Tempe ist aber noch Head Coach Dennis Erickson, der seit Ewigkeiten coacht und alles gesehen hat, von College-Höhen (2x National Champ mit Miami) bis hin zu NFL-Tiefen (Seattle, San Francisco) und Ericksons Zeit bei den Sun Devils spiegelt diese Achterbahnfahrt wieder: 10-3 im ersten Jahr, danach auf dem absteigenden Ast und nun wird wieder ein Ausbruch nach oben erwartet.

Gespannt darf man vor allem auf den riesigen, neuen Quarterback Brock Osweiler sein (2,03m), dessen Arme krakeelenartig sind und selbst jene der freakischsten Offense Liner in den Schatten stellen. Arme, die wunderbar in die Spread offense von Arizona State passen. Fragezeichen bleiben hinter RB Deantre Lewis, der in der Offseason niedergeschossen wurde und nicht sicher fit für die Saison werden wird.

Die nächste Conference kommt morgen früh und ist eine Conference, von der man nicht behaupten könnte, dass sie nach außen geschlossen auftritt.

College Football 2011/12 Preview: Big Ten Conference

Wir sind auf die Zielgerade eingebogen, heute im neunten Teil dran: Die Big Ten Conference um die Großen Seen, die älteste und nach eigenem Verständnis „klassischste“ Conference, die schon seit über 100 Jahren in Betrieb ist und nach der Addition der zwölften Mannschaft – Nebraska – ihren Altersschnitt noch einmal um zirka 150 Jahre erhöht haben dürfte. Das Ego der Conference spiegelt sich in den beiden Namen der neu geschaffenen Divisions wider: Gestatten, Leaders Division und Legends Division. Zwei nicht unkontrovers diskutierte Namen für zwei willkürlich verteilte Divisionen, da man sich gegen eine geographische Verteilung entschieden hat, um ein Endspiel Michigan – Ohio State nicht a priori zu verhindern und trotzdem gleichzeitig halbwegs gleichstarke Divisionen zu erhalten.

In der Big Ten sind die alteingesessenen Traditionalisten am Werk und die Uni-Präsidenten noch Ü70 – und hier sind die größten Gegner eines Playoff-Systems zuhause. Man positioniert sich als Terrain für Liebhaber der alten Zeit – um das eigens neu kreierte Endspiel in einer Halle (Indianapolis) auszutragen.

Leaders Division

Favorisiert in der Leaders Division werden die Wisconsin Badgers sein, die zu Neujahr die Rose Bowl knapp, aber verdient gegen TCU verloren. Wisconsin, das bedeutet in allererster Linie: Physis. Keine Übertragung, während der nicht mindestens fünfmal die korpulente Offensive Line erwähnt wird, kein Spiel, in dem nicht primär auf eine Handvoll starker Running Backs vertraut wird – dabei zeigte sich RB Montee Ball als agiler und wendiger, als er mir aus der vergangenen Saison in Erinnerung ist. Der meistdiskutierte Spieler ist der (neue) Quarterback: Russell Wilson, ein solider, beweglicher und wurfstarker Neuankömmling von NC State, wo Wilson ohne ersichtliche Gründe weggemobbt wurde. Dank Wilson sollte die Offense auch in dieser Saison unterdurchschnittlich spektakulär, aber überdurchschnittlich effizient sein.

Die Defense bleibt bis auf den Abgang von DE J.J. Watt (Houston Texans) relativ intakt, muss aber mit einem neuen Coordinator zurecht kommen. Es ist eine Defense, die gerne Druck auf den Quarterback ausübt und sich auch nicht scheut, Defensive Backs auf Blitzes zu schicken – allerdings hat sich bei mir der Eindruck verfestigt, dass Wisconsins Secondary dabei unverhältnismäßig oft entblößt wird. Könnte in dieser Saison allerdings nicht allzu schwer ins Gewicht fallen, da man fast ausschließlich gegen lauforientierte Mannschaften spielt.

Dank aufgeflogener Korruption und NCAA-Ermittlung eine wüste, sehr wüste Zeit hat die Ohio State University hinter sich, und das führte letzten Endes sogar zum Rausschmiss von Pollunder-Chefcoach Jim Tressel und QB Terrelle Pryor, zu selbst auferlegten Sanktionen, um einer harten Bestrafung durch die beliebig dehnbaren NCAA-Regularien zu entgehen. Die Aufregung und der Hass auf Pryor/Tressel waren groß, nun steht die Mannschaft vor einem kleineren Umbruch, mit dem Interims-Coach Luke Fickell, der einen Herbst Zeit hat das Unmögliche (mindestens Rose Bowl) zu schaffen, bevor er von einem ganz großen Namen abgelöst werden soll.

Die Zeit nach Medienstar Pryor wird nun von der Suche nach dem neuen Quarterback geprägt sein. Währenddessen werden die Stars der Offense LT Mike Adams und RB Dan Herron sein – beides Spieler, die im ersten Monat im Zuge der Pryor-Affäre noch gesperrt sind. Noch problematischer ist die Defense, wo nur vier Starter zurückkehren.

Klingt alles erstmal etwas happig, aber Ohio State gehört zu den wenigen Programmen, die prinzipiell nur bei den absoluten Top-Recruits mit irgendwelchen Zuwendungen abseits der Stipendien nachhelfen müssen – der Kader ist sehr breit und sehr tief, da sämtliche größeren Talente aus Ohios Schulen zu den Buckeyes wollen.

Nie mit Korruption in Verbindung gebracht werden die Penn State Nittany Lions, das Programm mit dem Coach schlechthin, Joe Paterno. Der Mann ist ziemlich fassungslos – seit er 1966 Head Coach wurde, hat es in der FBS 880 Trainerwechsel gegeben. Paterno steht immer noch an Penn States Seitenlinie, dieses Mal im 62. Jahr hintereinander, im 46. Jahr als Chef. Paterno ist 84, aber ein Erfolgsrun von 2006-2009 hat die aufkommende Angst der Vergreisung erstmal etwas eingedämpft und Paterno kommuniziert sogar gar zeitgemäß via Skype und Facebook mit seinen Spielern. Trotzdem erzähle man mir nicht, dass man mit 84 noch die Arbeit eines Vierzigjährigen machen kann. Und trotzdem: Joe Paterno ist einfach gut. Gut für Penn State, gut für den College Football. Die große Eminenz, die schlicht abgehen würde.

[Anm. 28. Juli 2012 – Der Sandusky-Skandal rückt die Aussagen über Paterno nachträglich in ein anderes Licht – korsakoff]

Die Nittany Lions gelten nach dem erwartet zähen Herbst 2010/11 wieder als BigTen-Titelkandidat. Es gibt zwar größere Fragezeichen auf der Quarterback-Position, aber die Offense wird allgemein als richtig schön durchgemischt erwartet. In der Defense liegt das Hauptaugenmerk auf dem Pass Rush (von 37 Sacks 2009 auf 17 im letzten Herbst), der allerdings allein qua Rückkehr der Verletzten als deutlich verbessert angenommen wird.

Bleibt der Schedule: Zum Einrollen ein paar mittelmäßige BigTen-Gegner und der Kracher gegen Alabama, ehe es im November nacheinander gegen Nebraska, @Ohio State und @Wisconsin geht.

Dem Rest-Trio werden allenfalls Chancen zum Spoilern für Zwischendurch eingeräumt. Für die Illinois Fighting Illini ein Traumszenario, denn immer wenn Illinois unter dem Head Coach Ron Zook unterschätzt wird, war Illinois zuletzt gefährlich. So 2010/11, als man mit Freshman-QB und nach einer ganz schwachen Vorsaison plötzlich mit der Grundlage eines Top-Laufspiels zur Bowl Season durchstartete. Nun ist RB Leshoure ein paar Meilen weiter nördlich (Detroit Lions) auf der Verletztenliste, aber QB Nathan Scheelhaase ein Jahr erfahrener. Scheelhaase brauchte im letzten Herbst ein paar Spiele Anlaufzeit (4 TD, 7 INT), ehe er in den letzten Wochen sensationell aufgeigte (13 TD, 1 INT) – allein, genau dann kollabierte die Defense. In der Bowl Season fiel Scheelhaase als unpräziser Werfer auf, aber immerhin als einer, der auch bei zusammenbrechender Pocket cool bleibt und lieber ein blaues Auge denn einen sicheren incomplete pass mitnimmt.

Unterschiedlich ist die Stimmung bei den beiden Unis aus dem Bundesstaat Indiana. Die private Purdue University muss nach einer fürchterlichen Schlussphase im vergangenen Herbst (0-6) einen halb abgesägten Coach Danny Hoke mitschleppen, und in der Offense auf den #1-QB Robin Marve nach dessen zweitem Kreuzbandriss verzichten. Weil auch der Einser-RB Ralph Bolden, ein Riesentalent, alle Bänder im Knie kaputt hat, steht und fällt die Offense mit dem von allen anerkannten „Typen“ QB Rob Henry, der flinke Füße besitzt, aber ganz fürchterliche Pässe wirft – dazu gesellen sich eine Handvoll unerfahrener Wide Receivers und eine Defense, die auf den besten Mann DE Ryan Kerrigan verzichten muss. Das Positive zum Schluss: Die Boilermakers („Kesselflicker“) dürften dank einfachem Schedule gut in die Saison kommen – und am Saisonende wartet dann das Lokalderby gegen die größte staatliche Uni…

…die Indiana University aus Bloomington, wo 2010/11 dank einbrechender Defense eine einzige Enttäuschung war – nun ist ein neuer Head Coach da, ein OFFENSIVgenie, Kevin Wilson, der Stratege hinter der spektakulären Offense der Oklahoma Sooners von 2008/09, die sämtliche Rekorde brach. Als DefCoord hat man sich den populären Mike Ekeler aus Nebraska angelacht. Die Grundstimmung in Bloomington soll nach Erzählungen aus erster Hand auch so schlecht nicht sein und man ist auf alle Fälle stolz, zwei so prominente Gesichter wie Wilson/Ekeler angelockt zu haben…

…und dann kam im Juli die Meldung schlechthin: Der an #1 gerankte Quarterback aus den High Schools quer durch die Lande, QB Gunner Kiel, scheint sich für Indiana/Bloomington entschieden zu haben. Man erzähle mir nicht, hinter dieser Entscheidung stünde NICHT Kevin Wilson.

Der harte Teil kommt allerdings noch: Beide Top-WRs müssen ersetzt werden, dazu gibt es keinen überzeugenden Quarterback (Kiel kommt schließlich erst NACH der Saison) und eine Defense, die zuletzt 6,6yds/Play über eine komplette Saison hinweg zuließ.

Legends Division

In der Spitze um einiges breiter aufgestellt wird die Parallel-Division „Legends“ sein, wo der Neuankömmling Nebraska Cornhuskers schon in Jahr eins als Topfavorit gehandelt wird. Nebraska, das Team, das wie die Faust aufs Auge auf die Big 12 Conference gepasst hatte, und das rechtzeitig vor dem nahenden Implosion dieser Conference abgesprungen ist und dafür Jahrtausende alte Traditionen aufgab, namentlich Spiele gegen Colorado, Iowa State oder Kansas.

Die Mannschaft ist eine offensiv wenig spektakuläre. Nachdem der wurforientierte Bill Callahan (der Bill Callahan!) mit Schimpf und Schande verjagt worden war, übernahm mit LSUs Defensive Coordinator Bo Pelini zur Saison 2008/09 wieder ein traditionellerer Coach des Cheftrainersessel. Pelini ist ein Mann, der sofort ins Auge sticht, einer, der fünfmal pro Spiel die Schiris zusammenscheißt und schon mal an der Seitenlinie ausrastet. Das passt im Prinzip nicht zu seiner Offense, die mitunter trotz einiger Sprinter etwas untertemperiert spielt.

Hier wird gelaufen, was das Zeug hält, und der Quarterback passt genau in dieses Schema: QB Tyler Martinez ist ein extrem flinker Mann, kein guter Werfer, aber vor allem einer, der zuletzt mit wachsendem Druck so seine Problemchen hatte. Man gibt Martinez noch einmal eine Chance, aber womöglich scheut man sich in Nebraska nicht, bei stagnierenden Leistungen den Mann zu ersetzen. Was aber eh wurscht ist.

Denn der „Star“ in Nebraska ist die Defense, die trotz vieler Abgänger in den letzten Jahren (Suh, Amukamara, anyone?) jahrein, jahraus ganz weit oben gerankt ist. Wir haben eine dominante Defensive Line und eine Pass-Abwehr, die nur etwas mehr als 150yds/Spiel zulässt und doppelt so viele Interceptions macht wie Touchdowns zulässt. Der herausstechende Mann ist DT Jared Crick, ein Name, den man sich für die NFL vormerken kann.

Auf alle Fälle vormerken: Heimspiele der Cornhuskers. Das Heimstadion ist seit über 50 Jahren dauerausverkauft – und fasst immerhin 85000 Leute (diverse Quellen sprechen davon, dass bei wichtigen Heimspiele zusätzliche 70000 vor dem Stadion Party machen).

Ein Zuschauermagnet wie Nebraska sind auch die Michigan Wolverines, Stichwort The Big House, 111.000 Zuschauer und fast immer sechsstellig besetzt. Die Stimmung in Ann Arbor ist euphorisch wie lange nicht, was hauptsächlich am Trainerwechsel liegt. Der v-e-r-h-a-s-s-t-e Rich Rodriguez, ein Windhund und Offensivgeist, wurde gegen Brady Hoke ausgetauscht. Hokes Haupt-Empfehlung?

„I’m a Michigan man.“

Das wäre LSUs Les Miles auch gewesen, aber Michigans #1-Kandidat wollte nicht.

Der neue Trainerstab wird just in dem Moment installiert, wo die Offense zu klicken begann und der schwarze Flitzer QB Denard Robinson regelmäßig Anzeichen von Brillanz zeigte. Aber Rodriguez‘ Probleme waren hausgemacht: Sich mit überhöhtem Trainingspensum Besuche der NCAA-Moralapostel angelacht und eine spektakuläre Option-Offense unter völliger Missachtung der Defense spielen lassen. Und wer weiß, wie viele Tonnen Tradition Michigans Programm mit sich schleppt, weiß, wie unflexibel man an solcher Stelle auf wenig physische Defenses reagiert – das soll unter Hoke schnellstmöglich abgestellt werden.

Im Stimmungshoch ist man auch bei den Michigan State Spartans in East Lansing, wo man zuletzt trotz grauer statistischer Mittelmäßigkeit eine 11-2 Bilanz hinknallte, allerdings in der Capital One Bowl von Alabama sagenhaft niedergemacht wurde (u.a. minus 49yds rushing, wobei Sacks als Laufspiel gewertet werden). Story der vergangenen Saison war die Wiedergenesung von Head Coach Mark Dantonio, der nach einem Herzinfarkt mitten in der Saison gegen Saisonende zurückkehrte, aber man darf ohne schiefe Blicke daran zweifeln, ob die Spartans noch einmal eine solche Saison hinlegen können.

QB Kirk Cousins ist ein blässlicher Mann ohne Allüren und passt damit wie die Faust aufs Auge auf diese Mannschaft. Die Offense baut auf ein triple headed monster im Laufspiel: Edwin Baker, Le’Veon Bell und Larry Caper, unbekannte Namen, aber an guten Tagen schwer aufzuhalten. Allerdings sorge ich mich um die Defense, die zwar über eine ordentliche Line verfügt, aber mit LB Greg Jones Herz, Seele und Kopf verloren hat und gegen Alabama bloßgestellt wurde.

Ein dark horse ist die akademisch berühmte Northwestern University, dort wo der durch die Lande heiß begehrte Pat Fitzgerald coacht und sich von diversen hochkarätigen Angeboten nicht den Kopf verdrehen lässt. Fitzgerald ist auch nach fünf Jahren Head-Coaching ein blutjunger Mann und eine Legende in Evanston – in den 90ern waren die Northwestern Wildcats zweimal BigTen-Champ mit dem absoluten Leadertypen Fitzgerald als Linebacker.

Einen Star hat die Mannschaft auch 2011/12: QB Dan Persa, der in diversen Heisman-Trophy-Vorauswahlen auftaucht. Persa war in der vergangenen Saison stark, verletzte sich und Northwesterns Saison ging den Bach runter. Persa soll nun wieder fit sein und man darf sich wieder auf Dutzende rattenscharfe Pässe und Scrambles freuen. Persas Scrambling war auch der Grund, weshalb Northwesterns Lauf-Angriff wenigstens halbwegs Zahlen (3.6yds/Carry) vorweisen kann. Anders gesagt: Ohne den Quarterback geht hier nichts. In der Defense wird man sich darauf konzentrieren müssen, den Lauf besser zu stoppen – vergangene Saison machte Illinoir fassungslose 519yds Laufspiel (!!!) in EINEM Spiel gegen die Wildcats.

Die Iowa Hawkeyes waren zuletzt lange Zeit in den Polls ganz vorne dabei, verloren aber seit Mitte November sämtliche Spiele, ihren Star-QB Rick Stanzi und die besten Abwehrspieler DE Clayborn/S Sash an die NFL, Star-RB Adam Robinson ans Polizeirevier und zwischendurch die halbe Mannschaft mit mysteriösem Muskelschwund an die Intensivstation.

Nun ist man nicht gerankt – ein gutes Omen? Unter Head Coach Kirk Ferentz haben die Hawkeyes die Angewohnheit, immer dann in die Rankings zu klettern, wenn sie im Sommer davon ausgeschlossen sind – und analog immer rauszufallen, wenn sie im Sommer als Top-25 Team gelten.

QB James Valkenburg ist der neue Stanzi und mit RB Marcus Coker hat man einen massiven Mann im Kader: In der Insight Bowl pflügte sich Coker in 33 Versuchen (!) über 219yds durch die nicht zu unterschätzende Defense von Mizzou. In der Defense kehrt der geliebte Coordinator Norm Parker nach akutem Diabetes-Problem zurück, muss aber auf seiner Mission nach mehr Speed (also: Geschwindigkeit) in der Defense auf sämtliche in die NFL abgewanderten Top-Leute verzichten. Dank einfachem Schedule bis Mitte November darf man Iowa mit ihrem fantastischen Publikum aber durchaus acht, neun Siege zutrauen.

Keine Chance in diesem Jahr räumt man den Minnesota Golden Gophers ein, wo 2011/12 in den Ordner „Grundlagenarbeit“ gelegt werden kann. Der neue Coach Jerry Kill ist ein Langweiler von einem Typ, ein Mann ohne größere Referenzen, der aber überall Erfolge vorweisen konnte. Anders gesagt: Kein Starcoach, sondern ein Football-Coach. Dazu passt auch die Philosophie des Mannes:

Run the ball, don’t turn it over in the passing game, get to the quarterback and stop the run.

Ein diametraler Gegensatz zum Vorgänger Tim Brewster. Erste Aktion Kills: WR MarQueis Gray wird zum Quarterback umgeschult und soll hinter einer wackeligen Offensive Line auch auf eigene Faust Plays machen. In der Defense wird unter dem Kill-Buddy Tracy Clarey härtestes Hitten erwartet. Allein, heuer darf man nicht mit vielen Siegen rechnen. Die Conference rüstet anderweitig gerade massiv auf und Minnesotas Schedule ist für dieses Mal kaum machbar.

Teil 10 heute Nachmittag, und es wird also doch die offensivgewaltige Conference sein, nach der hier schon mehrmals gekräht wurde – ich habe mich dazu entschieden, doch alles bis morgen Nachmittag abgearbeitet zu haben. Gehört sich einfach so. Also schnell wieder die Fingerchen lockern…

College Football 2011/12 Preview: Atlantic Coast Conference (ACC)

FBS-Preview 2011/12, die Achte. Die Atlantic Coast Conference ist im Westen Osten (memo: die Atlantikküste befindet sich im OSTEN) der Staaten beheimatet, quer von Nord nach Süd, beginnend mit Massachusetts (Boston College) bis nach Südflorida (Miami). Trotz einiger ganz großer Namen ist nicht nur die Basketball-Abteilung, sondern vor allem die Football-Abteilung der ACC in den letzten Jahren immer durchwachsener geworden, obwohl sich im hochklassigen Highschool-Sport Floridas die Footballtalente schier auf die Füße treten.

(Für eine abgespeckte Variante bitte zu meinem Spox-Eintrag wechseln)

Atlantic Division – Seminoles vs. World

„Durchwachsen“ war jahrelang das Stichwort, das zu den Florida State Seminoles geführt hat. Seit dem unschönen Abgang von Headcoach-Legede Bobby Bowden ist in Tallahassee aber neuer Schwung eingekehrt, wofür vor allem ein Mann zuständig ist: Jimbo Fisher, jahrelang Bowdens Nachfolger in spe. Fishers Debütsaison 2010/11 war recht vielversprechend.

In der Offense ist mit dem hohen Draftpick Chris Ponder der Quarterback abhanden gekommen, doch so bizarr es klingt: Nachfolger E.J. Manuel, ein Ziehkind Fishers, könnte mit seiner Beweglichkeit gar die bessere Option für diese Offense sein – denn die RedZone-Offense war alles andere als überzeugend (Chick-fil-A Bowl!!).

Positiv für Manuel: Seine Erfahrung von mehreren Einsätzen für den verletzungsanfälligen Ponder, eine erfahrene Offensive Line und ein sehr breit aufgestelltes Laufspiel für verschiedenste Spielsituationen. Allenfalls der 120kg-Brecher fehlt. Ähnliches gilt für das Passspiel: Zwischen Sprintern und possession receivers ist alles dabei – inklusive Erfahrung.

Die Defense lebt in erster Linie von einem aggressiven Pass Rush, der angeführt wird von DE Brandon Jenkins, der 2010/11 aus dem Nichts zur absolut dominanten Waffe explodiert ist und im Winter in Richtung NFL abwandern könnte. Mit sehr guten Starter-Chancen ausgestattet ist DE Björn Werner. Deutsche Verpackung, deutscher Inhalt: Werner ist vor eineinhalb Jahren von den Berliner Adlern über Highschool-Umwege an die FSU gegangen, hat geheiratet und gilt als legitimer Starter.

Neben dem Quarterback zerreißen sich die meisten über die Secondary das Maul, was hauptsächlich an der phänomenalen Rekrutierungsarbeit in den letzten Jahren liegt. Das geht soweit, dass der massivst gehypte LaMarcus Joyner nur Free Safety spielen darf, da die Passdeckung vom aufstrebenden Pärchen CB Xavier Rhodes/Greg Reid gebildet wird. Reid ist nebenher ein brillanter Punt Returner.

Seit Mark Stoops (Bobs Bruder) die Seminoles-Defense coacht, hat diese Uni die Siebenmeilenstiefel in der Entwicklung angezogen, und das erschreckenste: Die meisten Athleten sind entweder noch zwei Jahre spielberechtigt oder aus dem nie versiegenden Talentepool von Floridas High Schools bald ersetzbar.

Die allermeisten sehen Florida State irgendwo in der Nähe des National Titles spielen, trotz des neuen Quarterbacks, und der Schedule hält außerhalb der schwachen ACC-Aufgaben nur zwei echte Prüfsteine bereit. Die haben es allerdings in sich: Woche 3 kommen die womöglich an #1 gerankten Oklahoma Sooners ins Stadion und zu Thanksgiving muss man zu den verhassten Florida Gators. Eine einzige Saisonniederlage könnte aufgrund der schwachen ACC schon zu wenig sein hinsichtlich BCS-Titelambitionen.

Und dann ist da noch jenes beklemmende Gefühl, wenn eine Mannschaft quasi per Reputation aus dem Nichts zum Titel-Kandidaten in der BCS gehypt wird. Ein erfolgreiches Ende einer solchen Mission wäre IMHO eine Weltneuheit.

Der Rest der Atlantic Division sieht sich in der Rolle des Spoilers für Florida State. Die Clemson Tigers zum Beispiel, ein Kultteam daheim in einer Kleinstadt in South Carolina. Stichwort Memorial Stadium, genannt Death Valley, gelegen in einem Tal mit Blick auf einen Friedhof. Clemson war jahrelang gecoacht von Terry Bowden, dem Sohnemann von FSUs Bobby, aber seit drei Jahren ist Dabo Swinney am Werk – und schon schwer unter Druck: Trotz schneller, spektakulärer Defense reißt man wenig, weil die Offensividentität pure Langeweile ist.

Swinney wird in dieser Saison auf die Trumpfkarten „No-Huddle-Offense“ (eine in der ACC kaum bekannte Offensivtaktik) und „Verjüngung“ setzen und kann dabei auf alle Fälle auf eine sensationelle Recruiting-Class verweisen: RB Mike Bellamy z.B. wird gehypt ohne Ende und soll sofort starten. Sollte Swinney gehen müssen – und eine weitere durchwachsene Saison ist angesichts des brutalen Schedule nicht ausgeschlossen – wird er auf alle Fälle einen großartigen Recruiting-Jahrgang hinterlassen.

Die kleine Uni Wake Forest ist unter dem sympathischen Coach Jim Grobe eine Wundertüte, mal ohne Ambitionen zu 8-5 und ACC-Champ, mal als Anwärter 3-9, wie 2010/11, weswegen in diesem Sommer die Erwartungen niedrig sind. Grobe setzt auf eine erfahrene Offense und auf guten Pass Rush in der Defense. Ob das gegen neun Gegner mit Bowl-Ambitionen reichen wird?

Beim innerstaatlichen Rivalen North Carolina State sind die Probleme hausgemacht: 2010/11 war überraschend positiv (9-4), aber in der Offseason schaltete der eigentlich erfahrene Head Coach Tom O’Brien den Selbstzerstörungsmodus ein und mobbte QB Russell Wilson ohne erkenntlichen Grund vom Campus. Nun muss ein unerfahrener Quarterback hinter einer rundumerneuerten Offense Line antreten – O’Brien wird jetzt schon wissen, welche Schlagzeilen ihm im Falle eines Kollapses drohen.

Auch 9-4 schafften die Maryland Terrapins und trotzdem musste der Stratege hinter dem kontinuierlichen Aufstieg der Terps gehen: Ralph Friedgen ist mittlerweile durch UConns Randy Edsall ersetzt. Edsalls Wechsel spricht für dessen Ambitionen: Hätte er dank Fiesta Bowl bei UConn einen gemütlichen Job bis ans Lebensende gehabt, wird das Leben in Maryland etwas turbulenter sein. Ich gehe davon aus, dass Edsall eine ähnlich lauforientierte Offense wie bei UConn spielen lassen wird, wobei der QB Danny O’Brien 2010/11 tolle Zahlen hingelegt hat: 2438yds, 22 TD, 8 INT, und das als Freshman.

Im hohen Norden der ACC kämpfen die Boston College Eagles im Land der Patriots um Aufmerksamkeit und es bestehen ernsthafte Zweifel, ob das Bostoner Urgestein Frank Spaziani sich als Head Coach eignet. Spaziani wird seine ultralangweilige Offense vorgehalten, so was wie die College-Version von Marty Ball – aber bei einem RB wie Montel Harris (über 3600yds in drei Jahren) und einem so unerfahrenen QB wie Chase Rettig sollte man so was nachsehen.

Boston Colleges große Stärke ist die Laufdefense mit LB Luke Kuechly, der sensationell gut sein soll und im Schnitt pro Spiel 14,1 Tackles macht. Über Kuechly schreibt der großartige Paul Myerberg folgendes:

Kuechly is a middle linebacker straight from central casting, a big, tall, tough, nasty, rough, gritty, unstoppable tackling machine – 183 of them a year ago, most in the F.B.S., after ranking second in the nation in that category as a freshman.

Allerdings müssen die Eagles einen verdammt ungünstigen Schedule spielen, inklusive der drei vermeintlichen Topteams aus der anderen Division.

Coastal Division – Hokies vs. World

Die sich da recht sinnfrei „Coastal Division“ nennt. Und während wir in der Atlantic-Version aus dem Süden in den Norden gefahren sind, drehen wir um und beginnen diesmal mit den Virginia Cavaliers, kein sportlicher Topfavorit, aber eine sympathische Uni mit viel Frischwind aus dem Trainerbüro. Head Coach Mike London ist seit 2010 am Werkeln und hat mit seinen drei Grundprinzipien einiges bewegt:

Go to class.
Show class.
Treat people with dignity and respect.

Das muss man bei 90-Mann-Kadern erstmal durchhalten. Das Substanziellste an Londons Arbeit bisher: Trotz 4-8 ist von Malaise nicht mehr viel zu spüren, da die Cavs vor Feuer glühen und sämtliche Gegner mit blauen Flecken aus dem Stadion prügeln. London hat auch trotz unterlegener Ressourcen bisher den Wettbewerb um die besten innerstaatlichen Talente gewonnen.

Und zwar gegen die Virginia Tech Hokies, kein schwacher Gegner auf diesem Gebiet. Die Hokies sind unter Head Coach Frank Beamer (im 25. Jahr in dieser Position) seit Jahren eine Konstante, fast immer irgendwo zwischen 10 und 20 in den verschiedenen Polls vertreten. Der ganze große Wurf ist noch nicht geglückt – und nun ist der Hauptgrund für die starke Mannschaft der Vorsaison weg: QB Tyrod Taylor. Der neue ist das sagenhaft gebaute Mischlingskind Logan Thomas (1,98m, 115kg), ein Mann mit einem Spielstil wie Cameron Newton. Die Defense zeichnet eine starke Front Seven mit großem Zug zum Quarterback aus. Potenzielles Plus im Rennen um das BCS-Endspiel: Ein recht lauwarmer Schedule… bis dann im ACC-Finale womöglich Florida State wartet?

Von Virginia nach Carolina, genauer gesagt: North Carolina, wo sich im Herzen des Bundesstaates vier Unis auf 50km Radius die Kante geben. Wake Forest/NC State aus der Atlantic Division, und dann die beiden Basketball-Universitäten in Durham (Duke) und Chapel Hill (UNC). Zwei verfeindete Unis wie Feuer und Wasser. Die  Duke Blue Devils sind im Football allerdings keine große Nummer, was sich an der Bilanz von Head coach David Cutcliffe ablesen lässt: 12-24 in drei Saisons – eine der besten Footballbilanzen in Dukes Geschichte. Kopfschmerzen macht die katastrophale Defense, während die Offense um den starken RB Desmond Scott über recht gute Bausteine verfügt.

Sehr viel ambitionierter ist das Footballprogramm der University of North Carolina Tar Heels aus Chapel Hill – die Hellblauen fallen Jahr für Jahr mit massiven Recruiting-Bestrebungen auf. So massiv, dass die seit Jahren kochenden Gerüchte um Bestechungsgelder zum Jüngsten Gericht führen könnten: Über UNC schwebt die Death Penalty, die Auflösung des Footballprogramms. Als erste Gegenmaßnahme wurde vor drei Wochen Chefcoach Butch Davis wegen zu großer Toleranz mit seinen korrupten Assistenzcoaches gegangen. Da auch am amerikanischen College die Hiobsbotschaften in Salamitaktik nach außen dringen, werden wir in schönen Abständen bald mehr erfahren – ich kann mir kaum vorstellen, dass die Turbulenzen die sportliche Bilanz nicht beeinträchtigen werden.

Dabei wäre Potenzial vorhanden (harhar, woher denn bloß?), vor allem in der Defense, wo der angehenden Superstar-DE Quinton Coples nach einer Saison als DT-Notnagel nun neben dem angehenden Superstar-DT Donta Moss-Paige für Rabatz sorgen wird. In der Offense sind die Top-Spieler noch höchst unkonstant. WR Dwight Jones fing 2010/11 946yds, die sich so verteilen: 233yds gegen Florida State, 198yds gegen Virginia, 121yds gegen Duke, 394yds gegen die restlichen neun Gegner. Der Schedule ist einfach, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass UNC es bis ins ACC-Finale schaffen kann.

Ihre ganz eigenen Erfahrungen mit NCAA-Auditoren haben die Georgia Tech Yellow Jackets jüngst gemacht (und dabei keine gute Figur abgegeben), doch man scheint mit einer vierjährigen Bewährungsstrafe und 100.000 Dollar Bußgeld und einem nachträglich aberkannten ACC-Titel davonzukommen.

Schlimmer für Headcoach Paul Johnson ist: QB Josh Nesbitts College-Karriere ist zu Ende. Wir sprechen hier von dem Quarterback schlechthin für Johnsons spektakuläre Triple-Option-Offense aus der Flexbone-Formation. Ersatzmann Tevin Washington war zulezt kein adäquater Ersatz und schon kriechen die Stänkerer wieder aus ihren Löchern und werfen Johnson die angeblich antiquierte und gegen schnelle Defense ineffiziente Option-Offense vor. Dabei sähe ich den größten Handlungsbedarf im Defensive Backfield, das reihenweise verbrannt wurde.

Das verblassende U

Und damit ganz tief in den Süden Floridas: Welcome to The U, Welcome to the Miami Hurricanes, dort, wo vor zwei Wochen einer der massivsten Korruptions-Skandale ever im College Football aufgedeckt wurde.

Mitten drin: Ein Booster, der durch Immobilienspekulation in jungen Jahren extrem reich geworden war, und sich mit Geld, Partys, Nutten und allerlei sonstiger Zuwendungen Hurricanes-Spieler als „Freunde“ kaufen wollte. Der Booster – Nevin Shapiro – sitzt mittlerweile seit Dezember wegen illegalem Pyramidensystemspiels („Ponzi“/Schneeballsystem) 20 Jahre im Knast.

Die Tragikomödie: Als Shapiro vergangenen Herbst in Schwierigkeiten geriet, rief er seine „Freunde“, NFL-Superstars wie Andre Johnson/Wilfork/Vilma/Konsorten, an und wunderte sich, dass diese überhaupt kein Interesse an möglichen Hilfestellungen zeigten. Tief enttäuscht packte Shapiro bei Yahoo! aus – den Canes drohen nun massivste Sanktionen, das Damoklesschwert death penalty ist nicht ganz ausgeschlossen.

Treppenwitz: Bei den jüngsten NCAA-Ermittlungen gegen USC war Paul Dee mit weit aufgerissener Klappe („Große Programmen müssen groß bestraft werden“) Chef-Ermittler. Paul Dee, der Direktor der Sport-Abteilung bei den Miami Hurricanes über all die Jahre, in denen Shapiro unbeaufsichtigt mit der halben Mannschaft ins Bett hüpfte.

Fraglich, wie sich die Mannschaft machen wird – immerhin sind mehrere aktuelle Spieler auch im Verdacht, mit Shapiro verbandelt gewesen zu sein. Und dann kommt noch der Fakt, dass die Mannschaft einen neuen Head Coach bekommen hat: Al Golden (aus Temple/Philadelphia gekommen), der den netten, aber glücklosen Randy Shannon, einen (zu?) sehr auf Kontrolle bedachten Schwarzen, ablöst – und für die Hurricanes ein Risiko ist: Golden gilt seit Ewigkeiten als Joe Paternos Nachfolger in Penn State – wenn Golden bei diesen Widrigkeiten halbwegs Erfolg haben wird und Paterno irgendwann in den nächsten 15 Jahren doch mal seinen Job niederlegt… who knows, Golden wird dann wohl weg sein.

Goldens Spezialität ist, Defenses aufzubauen. In Miami findet er eine statistisch hervorragende Mannschaft vor: #1 in der ACC in der Offense, #3 in der ACC in der Defense. Ein Mysterium, dass es nur zu sieben Siegen reichte – Shannons Schwächen im Clock Management waren allerdings legendär.

So findet Golden einen insgesamt höchst talentierten Kader vor, dessen größtes Fragezeichen aber ausgerechnet der Quarterback ist: Jacory Harris, ein Mann mit bei Zeiten fürchterlichen Aussetzern, der ganze Drives und Spiele im Alleingang kaputt machen kann. Harris kann sich mittlerweile seines Platzes nicht mal mehr so sicher sein: In der Hinterhand wartet mit Stephen Morris ein junger Mann. „Jung“, nicht „überzeugend“, ansonsten wäre Harris wohl schon lange abgesägt.

Knackpunkt für Golden neben den möglichen Sperren für die halbe Mannschaft: Weil nach dieser Saison haufenweise Seniors die Uni verlassen werden, müssen parallel zum Saisonablauf massivste Ressourcen ins Recruiting gesteckt werden – Zeit, die in der Entwicklung der Mannschaft fehlen könnte – und in den nächsten Jahren werden viele, sehr viele Stipendien von der NCAA gestrichen werden.

Nur noch vier Conferences übrig? Morgen im neunten Teil wird es nach schwere Rucksäcke voller Tradition geben.

College Football 2011/12 Preview: Mountain West Conference (MWC)

Die Mountain West Conference ist eine recht junge Conference und aktuell stark im Wandel begriffen. Wenn alle Bewegungen der letzten beiden Jahre mit TCUs Abgang im kommenden Jahr beendet sein werden, wird die MWC 10 Mitglieder zählen und nicht mehr und nicht weniger als eine verbesserte WAC sein.

Trotz dann namhafter Abgänge (Utah, BYU, TCU) dürfte die Conference ab 2012 an sportlicher Attraktivität gewonnen haben: Boise State und Nevada sind Kaliber geworden, Fresno State gehört seit Jahren zu den WAC-Größen und Hawaii ist reinstes Recruiting-Gold.

Kleines Hintertürchen in Sachen „nicht mehr als eine verbesserte WAC“: Mit ein bisschen Kalkulations- und Verhandlungsglück ist es nicht ausgeschlossen, dass die MWC 2013 und 2014 eine BCS-Conference sein wird. Die Chancen stehen tatsächlich wohl eher gering, werden die MWC-Kernmärkte nach dem Abfall des TV-Marktes in Fort Worth/Dallas (TCU) ab 2012 nur noch 6% des TV-Marktes in den USA ausmachen.

Boise State Broncos

Boise Turf Big Bubya

Das Markenzeichen von Boise State: Knallblaues Spielfeld - ©Flickr/Big Bubya

Die Boise State Broncos scheiden zwischen „gnadenlos gut“ und „völlig überschätzt“ die Geister und dürften favorisiert auf den MWC-Titel sein. Das große Ziel ist aber die BCS, wenn möglich das National Championship Game.

Die Boise State University ist eine recht junge, pulsierende Bildungsanstalt, deren rasantem sportlichem Aufstieg selbst die größten Kritiker allerhöchsten Respekt zollen. Was in der Hauptstadt von Idaho trotz limitiertem Recruitings und relativ geringer Budgets innerhalb weniger Jahre aufgestellt wurde, ist sagenhaft – Boise State spielt erst seit 2001 in der obersten Kategorie (FBS) mit und hat sich zu einem alljährlichen BCS-Buster hochgespielt. Haupt-Protagonist der Erfolge: Head Coach Chris Petersen, ein Pokerface und Offensiv-Geist vor dem Herrn.

Die Unaufgeregtheit der Broncos spiegelt sich nicht nur in der stets gleichbleibenden Miene Petersens, sondern auch im unschuldigen Gesicht von QB Kellen Moore, der 38 seiner 40 Spiele am College gewonnen hat (bei einer Niederlage mit einem Punkt und eine Overtime-Niederlage mit drei Punkten. Fassungslos). Moore, Linkshänder, wirkt recht harmlos, ist aber kaum aus der Ruhe zu bringen und wirkt extrem souverän in der Pocket, selbst unter Druck. Trotz nur 1,83m nicht ausgeschlossen, dass wir es mit einem Quarterback für die NFL zu tun haben.

Die Offensive Line muss allerdings umgebaut werden, allein der allgemein als NFL-1st round-Kaliber OT Nate Potter bleibt eine Konstante. Das Laufspiel wird vom untersetzten, kräftigen RB Doug Martin und seiner Handvoll Kollegen getragen, Top-WR dürfte nach den Abgängen von Young/Pettis Kellens Bruder Kirby Moore sein.

Eine harte Nuss beim Boise Viewing: Die Offense. Während Boise State neben dem Spielfeld und vor allem mit seinem Spielfeld (Stichwort: stechend blauer Spieluntergrund) recht peppig daherkommt – man könnte auch sagen: „schreiend“ – will die Philosophie auf dem Spielfeld so gar nicht zu diesem Image passen. Petersens Offense ist extrem punktegewaltig (über 40Pkte/Spiel), aber irgendwie… eigenartig, nicht etwas für die Laufstege dieser Welt.

Jeder Spielzug beginnt mit viiiiel Bewegung an der Line of Scrimmage, Scharen an Leuten laufen durch die Gegend, ehe sich rund um QB Kellen Moore eine Block-Armada aus Offensive Line, Tight Ends und Fullbacks aufstellt. Nach dem Snap meistens der kurze, schnelle Pass – und es ist frappierend auffällig, wie häufig die Defense verarscht wird: End-Arounds, Läufe und Würfe gegen die Laufrichtung der Defense, Fantillionen Tackles ins Nichts.

Die Offense wirkt unglaublich unaufgeregt, spielt mit einer ungesehenen Seelenruhe ihren Stiefel runter, streut zwischendurch immer mal wieder einen Spielzug aus der Trickkiste ein und scort fast in jedem Drive, häufig Touchdowns. Selbst nach großen Raumgewinnen, selbst gegen unterlegene und tote Gegner wird hier nicht der K.o.-Schlag gesucht. Die Offense kehrt immer wieder zu ihrem fast einschläfernden Kleingewichse zurück.

Ich gebe zu, dass ich es nicht recht beschreiben kann: Systemloses System mit System, oder so. Büsschen was Parasitäres, büsschen Trickspielorgie, büsschen Ratlosigkeit meinerseits. Aber es ist eine Offense, zu der ich Vertrauen hege – und die auf alle Fälle sehenswert ist. Ein Problempunkt, der gegen Nevada auffiel: Aufgrund der schieren Dominanz und des Schonens der Starter im Schlussviertel geht den Broncos im Falle eines 60minütigen Grabenkampfs womöglich irgendwann die Puste aus – schneller als bei der Konkurrenz.

Die Defense mit ihrem 4-2-5 ist schwerer von Abgängen gebeutelt. Der beste Pass Rusher DE Ryan Winterswyk ist weg, dazu fehlen die drei besten Defensive Backs: CB Brandyn Thompson (Redskins), SS Jeron Johnson (Seahawks) und S Winston Venable (Bears?) – Venable hatte meistens den Freigeist gegeben und wird nun wohl von Cedric Febis ersetzt.

Boise State hat von der MWC-Führung als Begrüßungsgeschenk das Verbot aufgebrummt bekommen, auf dem heimischen Spielfeld knallblaue Trikots auf knallblauem Untergrund (s. Bild) zu tragen. Könnten also orangene Heimleibchen werden – wie gemacht für unsere holländischen Sportsfreunde in der Mannschaft: Genannter Febis, WR Geraldo Hiwat und DT Ricky Tjong-a-Tjoe bilden unser Oranje-Trio. Eine Story hat ihnen vor Monaten mal Rivals.com gewidmet.

Der Blick wird mal wieder gen BCS-Bowls gehen – wie immer in den letzten Jahren. Zum dritten Mal in Serie wird die Saison gegen einen ganz großen Gegner eröffnet: 2009 putzte man Oregon, 2010 Virginia Tech, diesmal ist auf „neutralem“ Feld Georgia dran. Georgia war schon vor sechs Jahren mal im Schedule, und damals verlor BSU haushoch 13-48. Dass in diesem Jahr mittlerweile der Zwerg BSU gegen den Giganten Georgia beim Spiel in Atlanta favorisiert ist, zeugt von der Verschiebung der Kräfteverhältnisse bzw. der Ehrfurcht, die den kleinen Broncos mittlerweile entgegengebracht wird.

TCU Horned Frogs

Boise State hat Chris Petersen, die TCU Horned Frogs haben Gary Anderson Patterson, ihre Version vom langjährigen, visionären Head Coach, der den Verlockungen der Big Cows widerstanden hat und trotz zahlreicher Angebote immer noch daheim coacht. TCU war in der vergangenen Saison so was wie der heimliche National Champion, durfte aber trotz Ungeschlagenheit nicht im BCS-Finale antreten. Dafür putzte man verdient BigTen-Champ Wisconsin in der Rose Bowl.

Danach allerdings verließen haufenweise Spieler die Universität, angeführt vom großartigen QB Andy Dalton und TCU hat nun eine recht unerfahrene Mannschaft. Daltons Nachfolger QB Chase Pachall ist noch sehr grün, aber die Horned Frogs laufen eh viel lieber als sie werfen und verfügen über Running Backs wie andere über Zahlscheine. Sorgen macht allerdings die Offensive Line, wo 4/5 Uni-Abgänger waren.

Prunkstück von TCU ist aber die Defense, die womöglich landesweit beste. Selten, dass TCU mehr als zehn Punkte kassiert, und das liegt zu großen Teilen am sensationellen Linebacker-Duo: Tank Carder und Tanner Brock dominieren das Spiel, und das merkte man in der Rose Bowl ganz massiv.

2011/12 scheint für TCU ein Übergangsjahr zu sein, ein Aufbaujahr, um dann 2012/13 mit dem Wechsel in die Big East Conference ein richtiger Player im BCS-Wettkampf zu werden. Unterschätzen sollte man die Horned Frogs aber auch in dieser Saison nicht.

Die potenziellen Spoiler

Die Falcons von der US-Air Force aus Colorado gelten als dark horse auf den MWC-Titel. „Air Force“ wie „wir waren seit fünf Jahren stets maximal 117ter von 120 im Passspiel“. Netter ausgedrückt: Hier werden sämtliche Gegner über den Haufen gelaufen, wenn nötig über vier Downs. 2010/11 holte sich die Air Force sogar den Commander-in-Chief’s Cup – die Meisterschaft unter den US-Militärs (Air Force, Navy, Army).

QB Tim Jefferson warf dabei ganze 152 Pässe – der Rest besteht aus knallhartem Laufspiel (letztes Jahr #2 im College Football) über eine Handvoll verschiedener Running Backs und immer wenn es bei 3rd und 4th downs eng wird, werden die Fullbacks ins Getümmel geschmissen. Das Beeindruckende an den Falcons: Sie machen schlicht keine Fehler. Sie werfen dich nicht vom Hocker mit endlosen Laufspielorgien, aber sie spielen ihren Stiefel runter und zwischendurch immer mal wieder ein langer, tödlicher Pass in die Tiefe. Troy Calhoun hat hier einen Anwärter auf höhere Ziele beisammen.

Einen noch gepflegteren Ball spielen die San Diego State Aztecs, lange Zeit unter ferner Liefen, im Vorjahr aber plötzlich in 9-4 Sphären aufgestiegen. Allerdings ist Head Coach Brady Hoke nun gen Michigan abgewandert und es wäre nicht das erste Mal, dass eine Mannschaft nach so schnellem Aufstieg und Trainerwechsel wieder in der Versenkung verschwindet, zumal mit WR Demarco Sampson und WR Vince Brown die beiden besten Anspielstationen abhanden gekommen sind. Noch da sind QB Ryan Lindley und RB Ronnie Hillman (1532yds, 17TD als Freshman), die Hauptprotagonisten einer Offense, die 29 TD via Luft und 28 TD auf Bodenweg gemacht hat – gemeinsam mit einer eingespielten Offense Line schaut das Fundament der Aztecs allerdings so schlecht nicht aus. Die Defense spielt ein 3-3-5, mit einer Secondary aus einem Free Safety („Aztec“) und zwei Stong Safetys („Warriors“) – ein Konzept, das Rocky Long eingeführt hat. Long ist nun Head Coach.

Schon seit Monaten sabbert man in San Diego dem 24. September entgegen. Dann nämlich geht es nach Ann Arbor, zu Michigan, zum Wiedersehen mit dem alten Coach Brady Hoke. Und dann – es ist Woche 4 – werden wir schon einen Eindruck davon haben, wie brutal Hokes Abgang sich auf San Diego State ausgewirkt haben wird.

Bodensatz

Der Rest der Conference dürfte Kanonenfutter sein und die ambitionierte MWC mehr hemmen denn zu einem möglichen BCS-Status beitragen. Die Wyoming Cowboys besitzen einige Ingredienzien, um irgendwann mal wieder nach oben blicken zu können, aber noch hängen die schwache 2010er-Saison und ein tödlicher Autounfall einer Handvoll Spieler nach. Wyomings Offense lebt vom Hoffnungsträger RB Alvester Alexander, der diese Saison erstmals durchspielen soll, aber Head Coach Dave Christensen gilt mehr als Quarterback-Entwickler denn als Fan von Running Backs. Für deutsche Fans interessant: In der Defense spielt mit Oliver Schober ein (nicht so „deutsch“ aussehender) Middle Linebacker, dem hinter einer potenziell starken Defensive Line ein sehr starker Herbst prognostiziert wird.

Wyoming hat 2010 nur einen einzigen Sieg gegen einen Conference-Rivalen gehabt: Ein 44-0 über die noch schlechteren Colorado State Rams, die ihre Blütezeit vor einem Jahrzehnt hatten. Head Coach Steve Fairchield gilt als Eigengewächs, war einst QB für die Rams, und steht daher auch trotz zweier ganz schwacher Spielzeiten zuletzt noch unter Artenschutz.

„Artenschutz“ ist nicht grad das, was Mike Locksley bei New Mexico genießt. Nach zwei Spielzeiten, einer 2-22 Bilanz, Prügelgeschichten gegen Spieler und einem Vergewaltigungsvorwurf ist die verbleibende Anerkennung der Fans in der Wüste eher drei Meter unter der Erde anzusiedeln. Locksley war als Offensivgenie und starker Recruiter bei den Lobos (spanisch für „Wölfe“) angetreten, aber bisher macht eine schwache Offensive Line die Basis jeder Locksley-Offense, das Laufspiel, kaputt. Eine unterirdische Defense tut das ihrige und so kassierte man zuletzt trotz +4 Turnovers eine haushohe Niederlage gegen Wyoming. Der Gestank „Trainerentlassung“ müffelt schon schwer aus der Wüste herauf.

Auch in Las Vegas spielt man College Football: Bei den UNLV Rebels (University of Nevada/Las Vegas). Gestatten, das Looser-Programm der MWC, seit 1996 in der FBS, bisher eine einzige Winning Season (Saison mit über 50% Siegen), und auch unter dem neuen HC Bobby Hauck setzte sich die Misere fort: 2-11 mit 11 glasklaren Niederlagen. Ob man sich daran hochzieht, dass sich die Gegnerschaft recht ordentlich las? (u.a. Wisconsin, Utah, Nevada, West Virginia, TCU, Air Force, San Diego State, Hawaii und BYU) Der kommende Schedule verspricht, keinen Deut einfacher zu werden.

In Teil 8: Die Rückkehr einer Großmacht – oder?

College Football 2011/12 Preview: Big East Conference

Teil 6 der großen Saisonvorschau im College Football features: Big East Conference, die erste der BCS-Conferences, d.h. der Conference-Champ bekommt auf alle Fälle einen Platz in einer der lukrativen BCS-Bowls, unabhängig von seinem Ranking in den Polls. Beheimatet im Nordosten der USA, mit einem ganz großen Ausreißer, der University of South Florida, die ein paar tausend Meilen weiter südlich im Tampa spielt, sieht man die Big East seit Jahren auf dem absteigenden Ast, nachdem Miami, Virginia Tech und Boston College gen ACC abgewandert sind. In anderen Worten: Nicht wenige sind der Meinung, dieser Conference müsste der automatische Startplatz in der BCS-Bowl entzogen werden.

Gegenreaktion: Ab 2012 werden die TCU Horned Frogs dort mitspielen. TCU liegt im fernen Forth Worth (nahe Dallas), dessen Werbeslogan „Where The West Begins“ dann eigentlich in „Where The East Ends“ umgetauft werden müsste.

Ohne TCU wird sich in diesem Herbst ein Trio um den BCS-Bowlplatz balgen. Top-Favorit sind dabei die West Virginia Mountaineers, trotz ihrer turbulenten Offseason inklusive Intrigen und Selbstbereinigung im Trainerstab. Den merkwürdigen Umständen rund um das Mobbing gegen OffCoord Dana Holgorsen habe ich bereits im Juni einen eigenen Blogeintrag spendiert – Dochnichtalki Holgorsen ist nun ein Jahr früher als gedacht Cheftrainer.

Und Holgorsen steht für Offense, bedingungs- und gnadenlos. Wer vor zwei Jahren Houston (College-Variante namens „Cougars“) und letzen Herbst die Oklahoma State Cowboys gesehen hat, weiß, wovon die Rede ist. Hier wird die famose „Air Raid“-Offense rauf und runter gespielt, ein Erbe des zwielichtigen Mike Leach.

„Air Raid“ bedeutet: Konsequentes Spiel aus der Shotgun-Formation, mit 4 WR und 1 RB, zigtausende schnelle, kurze Pässe über die Mitte und noch mehr Yards after Catch. Holgorsen hatte zuletzt in Oklahoma State mit Kendall Hunter einen famosen Running Back, der in West Virginia abgehen wird, wie auch ein monströser Wide Receiver á la Justin Blackmon. Man darf also erwarten, dass hier die Freunde vom Weswelker-Spiel feuchte Höschen bekommen werden – und die Mitte des Spielfeldes besonders liebevoller Platzwart-Pflege bedürfen wird.

Ich bin gespannt, wie sich Offensivgenie Holgorsen als Cheftrainer machen wird, ein Job, der dann doch mehr Qualitäten als simples Play Designing erfordert. Allerdings scheint Holgorsen im ultra-enthusiastischen Morgantown aktuell kritikfreies Objekt zu sein – wir erleben hier den BigEast-Favoriten 2011/12.

Unterhaltsam in Sachen „Trainersessel“ war es auch bei den Pittsburgh Panthers, allerdings noch in der Winterzeit. Der langjährige Coach Dave „Schnäuzer“ Wannstedt wurde trotz ordentlicher Bilanzen wegen zu einschläferndem Spielstil gefeuert und gegen den ambitionierten, aber unkoscheren Mike Haywood ausgetauscht. Haywood war dann ganze 16 Tage Chef, bis er zu Sylvester wegen häuslicher Gewalt (ergo: die Mutter seines Sohnes im Würgegriff gehalten) und zu negativer Presse wieder rausgeworfen wurde. Notnagel, aber immer noch zufriedenstellende Lösung: Todd Graham, der aus Tulsa kommt und nun die ultralangweilige Wannstedt-Offense gegen eine No-Huddle/Spread-Offense eintauschen soll. Welch Überraschung: Sämtliche Vorbereitungsbeobachter sprechen von massiven Timing-Problemen. Als Kollateralschaden der winterlichen Trainerposse könnte sich in einigen Jahren die ausgedünnte Recruiting-Klasse erweisen.

Dritter im Bunde der Favoriten: Die South Florida Bulls mit ihrer leidenschaftlichen black’n’blue-Defense, die keine Knochen verschont lässt. Der Hund liegt in der Offense begraben, wo der inakkurate Scrambler QB B.J. Daniels ein Unsicherheitsfaktor ist und immer wieder Spiele mit zwei oder drei Turnovers einstreut. Persönlich gefiel mir Daniels in der Meineke Car Care Bowl gegen Clemson so übel allerdings nicht (31-26 Sieg). Mit RB Darrell Scott kommt übrigens ein einst brutal gehypter Back frisch aus Colorado. Dort war Scott eine große Enttäuschung.

Star auf der Uni in Tampa ist Head Coach Skip Holtz, der Sohn der Legende Lou, und seit eineinhalb Jahren am Steuer. Holtz könnte die Schlüsselfigur für dieses aufstrebende Programm werden und hat schon bei East Carolina gezeigt, wie man eine Offense innerhalb weniger Jahre titelfähig macht. Einmal Holtz auffm Trainersessel und einmal Notre Dame als Saison-Opener: Gebt mir ESPN mit Lou Holtz in der Pregame-Show!

Abseits der Top 3

In Schlagdistanz könnten sich die Cincinnati Bearcats befinden, deren Ansprüche nach dem sensationellen Aufenthalt von Head Coach Brian Kelly (2007-09, jetzt Notre Dame) in die Höhe geschnellt sind – kuschelige sieben Siege werden nun nicht länger akzeptiert. Butch Jones hatte schon bei Central Michigan Erfahrungen als Kellys Nachfolger gemacht und dort für neue Höhenflüge gesorgt. In Cincinnati gab es eher einen auf’s Maul: 4-8 in der Debütsaison, vor allem dank katastrophaler Defense. Diese sollte heuer erfahrener sein, wie auch QB Zach Collaros, der mit der konservativeren Offense von Davis nicht recht zurechtkommen wollte. Diese Saison gilt noch einmal als Aufbausaison, aber 2012 wird es mit brutalem Schedule Zeit, dass die Bearcats wieder zur Hochform auflaufen.

Wie Cincy hatten auch die Louisville Cardinals vor wenigen Jahren mal eine Blütezeit unter einem großen Coach („groß“ wirklich nur im Sinne von „Coach“, es handelt sich um Windhund Bobby Petrino) und seitdem nur Enttäuschungen. Seit eineinhalb Jahren coacht nun der schwarze Charlie Strong, der so manchem Unipräsidenten bereits öffentlich Rassismus unterstellte, nun aber endlich den verdienten Chefsessel bekam, nachdem er masisiv an Floridas Titelgewinnen beteiligt war. Strongs Mannschaften spielen wie selbiger: knüppelhart. Passend dazu der QB Will Stein, ein ehemaliger Walk-on, ohne auffallende physische Attribute, aber der einnehmende Leadertyp. Strong muss ansonsten auf zig Abgänger verzichten und sich mit einem chaotisch zusammengestellten Kader plagen. Nicht die allerbesten Voraussetzungen.

Titelverteidiger in der Big East ist das Sensationsteam der Connecticut Huskies. UConn, ebenso NCAA-Basketballchamp zur Zeit, erlebte aber im Anschluss an die Fiesta Bowl eine herbe Enttäuschung: Head Coach und Vaterfigur Randy Edsall floh gen Virginia. Wer gedacht hatte, hier sei eine Dynastie am Horizont erkennbar, fühlte sich getäuscht. Der neue Coach ist Paul Pasqualoni, ein Urgestein und einstiger McNabb-Entdecker, und er muss eine tote Offense beleben, deren Top-RB Jordan Todman in die NFL ging.

Pasqualonis Ex-Uni: Syracuse, wo die Orange in ihrer Halle eine Dekade des Siechtums hinter sich haben, zufällig genau seit Pasqualonis Abgang. Unter Offensivgenie Doug Marrone geht es zuletzt wieder aufwärts, aber bizarrerweise genau wegen der DEFENSE, die ganze 164yds/Spiel zulässt. Las man, nur um dann einen Kollaps in der Pinstripe Bowl zu erleben. Quarterback ist mit Ryan Nassib einer, der lieber den Ball in den dritten Rang schmeißt als irgendwo in die Nähe eines Abwehrspielers – wichtige Essenzien für Syracuse, aber ungebräuchlich für eventuelle NFL-Ambitionen.

Und damit zum vermeintlichen Bodensatz der Big East: Rutgers. Vor zwei Jahren hätte das lachhaft gewirkt, die Scarlet Knights aus New Jersey waren unter dem omnipräsenten Greg Schiano schnurgerade auf dem Weg nach oben – und das auch noch mit den zweitbesten Noten im Prüfungssaal landesweit! – aber Abgänge und interne Reibereien haben für sehr niedrige Erwartungen in dieser Saison gesorgt.

Teil 7 morgen: Die letzte non-BCS Conference. Mit zwei mittlerweile sportlichen Schwergewichten und zwei gefährlichen Außenseitern.

College Football Preview 2011/12: Conference USA (C-USA)

Teil V der College-Football-Vorschau vor der Kickoff-Woche an Amerikas Universitäten. Heute dran: Die Conference USA, abjekürzt C-USA, gelegen im Süden der Staaten, sozusagen so was wie die kleine Schwester der SEC, zumindest geographisch. Denn während in der SEC immer noch knackige Defenses dominieren, bietet die Mid-Major-Conference USA atemberaubende Offensivgewalten.

Eastern Division

Erstaunlicherweise ist mit den University of Central Florida Knights das Topteam eher defensivorientiert. UCF spielt John-Fox-Football: Stoppe den Lauf in der Defense, laufe in der Offense und die Welt wird wieder schön. Hier wird noch klassisch mit haufenweise Tight Ends und Fullbacks aufmarschiert, in der Defense kaum ein Play, an dem nicht die Fetzen fliegen oder drei Blitzrouten gen QB geschickt werden. Mit dieser Taktik wurde Georgia in der Liberty Bowl abgewürgt. In der Offseason gab es viel Wirbel um einen Todesfall eines ehemaligen Spielers, der die Uni ein paar Worte der Entschuldigung und 10 Mio. Dollar kostete – die negative Publicity für dieses junge Programm kann nur mit Siegesserien weggewischt werden. Allein: Der Schedule ist brutal.

Ob brutal genug, dass von den Southern Mississippi Golden Eagles Gefahr droht? Southern Miss war einst eine Uni, die von knackiger Defense lebte, aber das letzte Jahrzehnt liest sich so:

278, 282, 293, 309, 355, 356, 361, 398, 428, 478.

Das ist die Punkteentwicklung in der Offense von 2001 bis 2010 – ein deutlicher Trend, der sich in der Sieg/Niederlagen-Bilanz nicht niederschlägt. Head coach Larry Fedora hat nun zwei neue DefCoords eingestellt, deren Systemwechsel den Durchbruch bringen soll. Was in der Bowl gegen Louisville auffiel: Die Defense der Golden Eagles ist unheimlich schnell – und ich meine unheimlich schnell.

Die East Carolina University kann sich damit rühmen, Zuschauerkrösus der C-USA zu sein: 50.000 kommen im Schnitt, und sie kommen, um eine sensationelle Offense rund um QB Dominique Davis zu sehen: Über 4000yds, 37 TDs produzierte Davis, aber die Defense machte alle Werte zunichte, war nach aufgegebenen Yards die #120 von 120 FBS-Mannschaften. Coach Ruffin McNeill möchte die Defense auf 3-4 umstellen, um die Beweglichkeit seiner Abwehrspieler besser zu nutzen, aber ein Nose Tackle fehlt an allen Ecken und Enden. Wenn man gegen die Navy spielen will, muss man den Lauf verteidigen können. 2010/11 rollte die Navy 521 yds Rushing und 76 Punkte über die Pirates – und ist auch 2011/12 wieder im Schedule.

Die University of Alabama/Birmingham ist das Gegenteil von „Zuschauerkrösus“: Im Schnitt verirren sich 18.000 in das Legion Field (über 70.000 Plätze), was auch schon mal sehr trostlos aussieht. Sportlich sind die Blazers etwas unkonstant und schmieren immer dann ab, wenn man eine Serie zu starten scheint. QB ist mit Bryan Ellis ein fußsteifer Gunslinger, das krasse Gegenteil zum Vorgänger Joe Webb, der nun in Minnesota um sein Leben scrambelt.

Die Marshall University ist uns bekannt vom Film We Are Marshall und nach der Rückkehr in die oberste Kategorie war man auch erstmal ein Top-Team mit QBs wie Pennington oder Leftwich und WRs wie Randy Moss. Mittlerweile ist man eher Bodensatz, und hat daher vor einem Jahr John „Doc“ Holliday als neuen Head Coach geholt, den Top-Recruiter hinter den Titeln der Florida Gators. Hauptaugenmerk sollte auf dem Pass Rush liegen.

Nicht „eher Bodensatz“, sondern „100% grottig“ ist das Sportprogramm der Memphis Tigers, die nicht bloß schlecht sind, sondern nicht wettbewerbsfähig. Im vergangenen Herbst nur ein Sieg, und die durchschnittliche Niederlage betrug -30 Punkte und mehr als 500yds/Spiel aufgegeben. Das meist gähnend leere Footballstadion ist auch nicht gerade motivationsfördernd und Coach Larry Porter (hey, der Porter heißt nun wirklich Larry!) steht schon nach einem Jahr vor einem Scherbenhaufen, weil die Spieler das Vertrauen in ihn verloren haben: QB Ryan Williams, ein Hoffnungsträger, verließ die Uni freiwillig. Alles keine guten Vorzeichen um die Fans aus der Basketballhalle zurück ins Footballstadion zu holen.

Western Division

Titelverteidiger in der West-Division sind die SMU Mustangs aus einer Enklave von Dallas, nach langen Jahren des Siechtums in Folge des Death Penalty aus den 80ern erst vor Kurzem wiederauferstanden. Hauptverantwortlich hierfür: Headcoach June Jones, dessen Run’n’shoot-Offense in der NFL nicht funktionierte, dafür am College umso erstaunlichere Offenses hervorgebracht hat: Erst Hawaii und nun die Southern Methodist University, zwei Programme, die Jones von Grund auf umgekrempelt hat. Die College-Variante von winning against the odds. Jones‘ Ruf wird so ehrfürchtig vernommen, dass die Mustangs im heurigen Winter DE Davon Moreland aus Kalifornien trotz Konkurrenz von USC und UCLA nach Dallas holen konnten – Moreland galt als heiße Ware.

Und Moreland kommt in eine Defense, die sich in den letzten drei Saisons um 150yds/Spiel verbesserte – im Schnitt. Die Defense wird auch entscheidend sein, wie weit SMU kommt, nachdem die Offense um QB Kyle Padron und den brachialen RB Zach Line multidimensional ist – allerdings auch, was die Fehleranfälligkeit angeht. Padron warf im Bowlspiel gegen die Army hanebüchene INTs.

Für SMU ist das erste Spiel dieser Saison sehr, sehr wichtig, obwohl es kein Conference-Spiel ist: Es geht gegen Texas A&M, und nachdem A&M in die SEC möchte, lechzt SMU danach, den frei gewordenen Platz in der Big 12 zu bekommen. SMU hat vieles, inklusive einer gehobenen Anhängerschaft (viele Reiche, viele Einflussreiche), den attraktiven Heimmarkt Dallas, allerdings auch die Story mit der Death Penalty. Ein überzeugendes Spiel würde allerdings auch sportlich ein Statement abgegeben und womöglich schafft es SMU sogar, in absehbarer Zeit AQ-Status zu erreichen.

Zur Konkurrenz. Noch krasser ist die Spread Offense der Tulsa Golden Hurricane, die im Vorjahr angeführt von QB G.J. Kinne mal eben 215yds/Spiel durch Laufspiel servierte und oben drauf noch gemütliche 284yds/Spiel via Luftweg legte, und das auf breitester Basis, denn kein Spieler erläuft mehr als 43yds/Spiel. Dem gegenüber steht eine abfangbereite Defense (24 INTs), die sich aber auch allzuoft verspekuliert und 33 TDs via Luftweg kassierte und die #120 gegen das Passspiel ist. Nun muss man nach dem Abgang von Todd Graham (zu Pitt) mit neuem Headcoach Bill Blankenship und einem fassungslosen Auftaktprogramm (@Oklahoma, vs Oklahoma State und @Boise State) antreten, aber in der C-USA könnte man trotzdem vorne dabei bleiben.

Es gibt da allerdings noch einen X-Faktor, der sich Houston Cougars nennt. Cougars 2009/10, das waren KILLER: QB Case Keenum mit 5671yds und 44 TDs in 13 Spielen. Im vergangenen Herbst verletzten sich dann allerdings Keenum und sein Backup in Woche drei und Houston schmierte gnadenlos ab. Keenum hat ein sechstes Jahr Uni zugestanden bekommen und trägt nun alle Hoffnungen auf den schmalen Schultern. Die Cougars haben Potenzial – sie haben sogar Potenzial, zum Team der Stunde in Houston zu werden, nachdem die Misserfolge der Texans (NFL), Rockets/Yao (NBA) und Astros (MLB) für eine neu Krankheit namens HSD (Houston Sports Depression) gesorgt haben.

Ebenso aus Houston: Die Owls von der Elite-Uni Rice, bekannter für ihre Raumfahrt-Programme denn ihre sportlichen Erfolge. 2010 steigerte sich die Defense um 5Pkt/Spiel und kassierte immer noch 36Pkte/Spiel. Am spannensten wird eh die Frage nach dem ersten Kick-Returntouchdown nach 27 Jahren und 296 Spielen sein.

Dahinter die UTEP Miners aus El Paso, die sich in der letzten Saison dank extrem leichtem Schedule zu einer Bowl-Qualifikation schmarotzten um dort ohne Erbarmen von BYU niedergemacht zu werden. Nun muss die komplette Offensive Line umgestellt werden, vermutlich ein Freshman-QB (Nick Lamaison) starten, und mit WR Marlon McClure ist der beste Angriffsspieler eine tickende charakterliche Zeitbombe. Wenigstens hat Head Coach Mike Price Erfahrung mit schwierigen Typen. Price hat einst Ryan Leaf gecoacht.

Keine Division ohne einen ultimativen Bodensatz. Welcome to the Tulane Green Wave aus New Orleans, dort wo man regelmäßig im Schlussviertel einklappt und Coach Bob Toledo nur noch wenige Wochen vor dem Rauswurf steht.

Teil 6 wird die erste Conference aus dem BCS-Kartell behandeln.

College Football Preview 2011/12: Western Athletic Conference (WAC)

Teil 4 der College-Vorschau 2011/12. Die WAC feiert 2012 ihren 50. Geburtstag, und wenn kein Wunder passiert, wird es eine Feier mit nur wenigen Geladenen – oder ein Begräbnis. Die WAC war schon mehrmals in Bedrängnis, aber nach dem Abgang von Boise State in diesem Sommer werden jene von Hawaii, Fresno State und Nevada folgen, was nichts anderes bedeutet als die Bedeutungslosigkeit. Mit der University of Dallas ist immerhin ein ambitioniertes Neumitglied für 2012 angekündigt.

Paul Myerberg hat die verzwickte Situation der WAC auf den Punkt gebracht. Was neben Auflösungserscheinungen bleibt: Eine breit gestreute Conference hinsichtlich Geographie (schlappe 7000km von Louisiana bis Hawaii) und sportlicher Künste (5 Touchdowns von Fresno State bis New Mexico State).

Das Favoriten-Trio

Zum ersten wäre das Nevada Wolfpack zu nennen, das in der abgelaufenen Saison eine sensationelle 13-1 Bilanz eingefahren hat. Nevada wird von Chris Ault gecoacht, einem Hall of Famer und Erfinder der spektakulären Pistol-Offense. In dieser Saison müssen allerdings die Hauptprotagonisten der vergangenen Jahre ersetzt werden: QB Colin Kaepernick und RB Vai Taua – dazu auch noch der WR Brandon Wimberly, der in der Offseason so böse angeschossen wurde, dass er nie wieder wird Football spielen können. Ault möchte offenbar Tyler Lantrip als neuen Quarterback installieren, was verwundert, da Lantrip eher ein Typ aus der Schublade „hüftsteif“ ist. Wie sowas mit der Pistol-Offense kombiniert werden kann, bleib schleierhaft.

Defensiv macht die Passverteidigung Sorgen: Seit Jahren gibt es in dieser Hinsicht leichte Verbesserungen, was sich 2010 aber immer noch so liest: #98 FBS-weit. Und mit OLB Dontay Moch ist der beste Pass Rusher gegangen. Mit Fresno State und Hawaii sind die beiden ärgsten Konkurrenten um den WAC-Titel ganz zufällig sehr passgewaltig. Was in diesem Herbst für Nevada erschwerend hinzu kommt: Der Schedule, der brutal eröffnet wird mit @Oregon, @San Jose State, @Texas Tech und @Boise State. Wenn es dumm läuft, marschiert man mit einer gepflegten 0-4 Bilanz in die conference-interne Saison.

Ebenso einen brutalen out of conference-Schedule haben die Fresno State Bulldogs aus Kalifornien, deren einziges Ziel allerdings der WAC-Titelgewinn sein kann. Gegen die härteren Kaliber verliert man ohnehin immer, weswegen auch niemand die Mannschaft ernst nimmt. Quarterback ist Derek Carr, der Bruder von David Carr, der einst in Fresno State so aufgeigte, dass er zum #1-Pick in der NFL wurde. Coach damals wie heute: Pat Hill. Das größte Problem der letzten Jahre wurde für 2011/12 beseitigt: Die pickelharte Unterlage im eigenen Footballstadion, der der Großteil der unglaublichen Verletzungsserien in den letzten Jahren zugeschrieben wurde.

Persönlich würde ich auf einen WAC-Champion Hawaii tippen. Die Warriors müssen zwar personell schweren Aderlass verkraften, aber eine Konstante bleibt in Honolulu, seit ich denken kann: Rohe Passgewalt, die einst von June Jones dorthin gebracht wurde und seither nicht wieder verschwunden ist. Der neueste QB-Hit nennt sich Bryant Moniz, ein Rastamann von stattlicher Statur in futuristischem Outfit, und ein Gunslinger vor dem Herrn: 5040yds und 39 Touchdowns in der abgelaufenen Saison. Nun fallen die beiden Top-Receiver und der beste Running Back weg, dazu muss die komplette Offensive Line neu gebaut werden, aber Moniz spielte – bis auf den fatalen Hawaii-Bowlauftritt – so relaxt, dass ich nicht an einen Kollaps glaube. Dazu eine Defense mit extrem vielen Turnovers (38).

Der Bodensatz

Hawaii ist das westliche Ende, Louisiana Tech das östliche. Eine Uni, die wohl über kurz oder lang in der C-USA landen wird. Das Footballprogramm nennt sich wie jenes von Fresno State „Bulldogs“ und die Sage, wie es dazu kam, ist recht nett:

Einst, vor über 110 Jahren, kehrten ein paar Studenten nach einer durchzechten Nacht nach Hause, fütterten unterwegs eine alte, streunende Bulldogge, die sich prompt mit den Alumni auf den Heimweg machte. In der Nacht brannte plötzlich die Hütte, die Bulldogge weckte die neu gewonnen Freunde, starb dann aber an Rauchgasvergiftung in einer hinteren Ecke des Hauses. Die Studenten begruben die Bulldogge auf dem Campus und deckten das Grab mit zwei Jacken zu: Eine rot, die andere blau. Die Farben der Universität.

Sportlich hat man ein durchaus durchschlagskräftiges Laufspiel rund um RB Lennon Creer, aber die Defense ist ein Schwachpunkt. Head Coach Sonny Dykes hat unter Mike Leach gelernt, für seine Air Raid-Offense aber noch keinen passenden Quarterback gefunden. Der Schedule ist insofern machbar, als dass sechs Siege für die Bowl-Qualifikation durchaus drin sein dürften.

An der magischen .500-Bilanz wird der Rest der WAC hart zu knabbern haben.

Die Utah State Aggies haben sich zwar mit Gary Andersen einen exzellenten Recruiter als Coach geholt, um gegen die hochkarätige Konkurrenz im Land der Mormonen wenigstens ein paar der Talente abzuschöpfen, aber es hakt an der Umsetzung auf dem Feld. Die Offense kollabiert immer wieder unerklärlich, während die Defense zuletzt so schwach war, dass Andersen sich selbst zum DefCoord befördert hat. Anker der Defense ist der massiv gebaute NT Evan Huahulu.

Die Idaho Vandals aus Moscow/Idaho hatten jahrelang unter der verhassten innerstaatlichen Dominanz von Boise State zu leiden. Head Coach ist der sehr beliebte Robb Akey, der sich im Nordwesten ein akzeptables Recruiting-Netzwerk aufgebaut hat, bei dem aber viele fürchten, dass er bei einem Angebot der ums Ecke liegenden Washington State University womöglich abschieben könnte. Sportlich müssen in dieser Saison QB Nathan Enderle (Bears) und DT S Shiloh Keo (Panthers Texans) ersetzt werden.

Zu den landesweit katastrophalsten FBS-Programmen zählt San Jose State, das vor einem Jahr mal eben sechs Touchdowns IN EINER HALBZEIT von Boise State eingeschenkt bekommen hat, bzw. 640yds von Hawaii. Eine 1-11 Bilanz ist nie ein gutes Zeichen, besonders nicht, wenn der einzige Sieg ein Krimi gegen ein viertklassiges Team war, aber immerhin spielten die Spartans 2010/11 in den letzten Wochen leidenschaftlich trotz Misere.

Probleme, die die New Mexico State Aggies gerne hätten. Head Coach Dewayne Walker droht alle drei Monate wegen fehlender Unterstützung mit dem Abgang, soll aber trotz nur fünf Siegen in zwei Saisons weiter Zeit bekommen. Walker galt zu UCLA-Zeiten als Defensivgenie, aber in der Wüste hat sich kaum etwas davon bemerkbar gemacht und der Abgang von CB Davon House (ging in die NFL) dürfte ein weiterer Schlag ins Gesicht sein. Walker könnte auch wegen des QB-Faktors unter Beschuss kommen: Der mit viel Aufwand aus Hawaii (!) geholte QB Andrew Manley spielte eine horrende erste Saison. Dass 2011/12 der dritte OffCoord in drei Saisons unter Walker am Werkeln sein wird, dürfte ebenso wenig hilfreich sein.

Der fünfte Teil wird sich heute Nachmittag mit einer offensivgewaltigen Conference befassen, deren vermeintlicher Topfavorit die einzige Defensiv-Macht ist.

College Football Preview 2011/12: Mid-American Conference (MAC)

Teil 3 der Conference-Vorschau für die College-Footballsaison 2011/12. Diesmal dran im Ranking von worst to first: Die Mid-American Conference, daheim in der Region um die Großen Seen im Nordosten der Vereinigten Staaten und am bekanntesten dafür, oftmals Zwischenstationen für Trainertalente auf dem Weg nach oben zu bieten (oder aber auch als Conference, in der die meisten Träume ambitionierter Coaches zerstört werden, weil die Unipräsidenten zu ungeduldig sind).

Eastern Division

Die traditionelle „Großmacht“ – die Ohio Bobcats – gelten in dieser Saison nach einigen mäßigen Jahren wieder als Topfavoriten in der Eastern Division. Hoffnung macht vor allem die Offense, deren Umstellung auf No-Huddle zwar alles andere als reibungsfrei verläuft (Stichwort: Quarterback-Kontroverse), aber die a) keine Offense Liner ersetzen muss und b) WR LaVon Brazill zurück heißen kann. Ohne Brazill war man zuletzt nur #102 in der Pass-Offense gewesen. Die Defense kommt bis auf Star-MLB Noah Keller sehr grün und unerfahren daher. Großer Pluspunkt ist der einfache Schedule: Die out of conference games sind so lächerlich, dass eine Bowl sicher eingeplant werden kann und conference-intern kommen die ärgsten Rivalen Temple und Miami/Ohio ins eigene Stadion.

Die University of Miami/Ohio RedHawks, die einst Big Ben Roethlisberger herausgebracht haben und es 2010/11 geschafft haben, innerhalb von einer Saison von 1-11 auf 10-4 zu stellen und sogar die MAC zu gewinnen. Dass HC Mike Haywood weg sein würde, hatte man erwartet – allerdings aufgrund zu vieler Niederlagen. Nun wollte Haywood seine neu gewonnene Reputation in eine BCS-Conference einbringen, was nicht gelang, weil Haywood als frisch gebackener Pitt-Headcoach lieber seine Ehefrau verprügelte und noch vor Jahreswechsel wieder auf der Straße war. Miami hat natürlich einen neuen Coach: Don Treadwell, der mit der exorbitanten Erwartungshaltung zurecht kommen muss – etwas, das fast immer schief geht.

Einen neuen Coach haben auch die Temple Owls aus Philadelphia, nachdem der alte Erfolgstrainer Al Golden gen Miami/Florida abgewandert ist. Die letzten beiden Jahre unter Golden waren ein beispielloser Erfolgsrun mit 9 respektive 8 Siegen, aber der bittere Nachgeschmack der verwehrten Bowl-Teilnahme 2010/11 bleibt hängen. Der neue HC ist Steve Addazio, der zuletzt die Offense von Florida gecoacht und sich dabei eher nicht mit Ruhm bekleckert hatte. Vor allem in der Defense sind die Abgänge in Temple von Gewicht: DT Wilkerson (Jets) und S Jarrett, der gleich von den ums Eck liegenden Eagles gedraftet wurde.

Der Rest der Eastern Division dürfte Kanonenfutter sein. Die Bowling Green Falcons erlebten 2010/11 einen Totalkollaps unter dem eigentlich als Rebuilding-Genie geltenden Dave Clawson: 62,8yds/Partie im Laufspiel mit einem Schnitt von 2.1/yds/Carry!! Die Kent State Golden Flashes demolieren sich seit mehreren Dekaden selbst durch willkürliche Trainerentlassungen und weggeschmissenes Talent (z.B. TE Gates, OLB Harrison, WR Edelman, WR Cribbs). Das neueste Riesentalent: DE Roosevelt Nix, in seinem zweiten Jahr. Der neueste Coach: Darrell Hazell, zuletzt in Ohio State und wohl froh, dort weg zu sein.

Mehrere Jahrzehnte Siechtum sind auch die Buffalo Bulls gewohnt, was sich so ausdrückt: 2010/11 erspielte man sich eine 2-10, die ehrenwert ist allein durch die Tatsache, dass man dank viel Enthusiasmus nur noch wenige Blowouts erleben musste. Hauptschuldig, dass nicht mehr Siege geholt wurden: Die neu installierte No-Huddle-Offense, die nicht funktionierte, weil das Laufspiel böse abschmierte. Noch schlimmer ist es um die Akron Zips bestellt: 1-11 mit meutereiähnlichen Zuständen im Team des neuen Coaches Rob Ianello. Immerhin wurde dann im Saisonfinale gegen Buffalo der einzige Saisonsieg geholt, aber wenn sich die Secondary nicht massiv verbessert, wird dieser Herbst ebenso wieder ein langer werden.

Western Division

Sportlich die qualitativ deutlich bessere Division sollte der Westen bieten, mit drei veritablen Kandidaten für das MAC-Finale. Dabei galten die Northern Illinois Huskies im vergangenen Herbst dank ihrer (bis zur blassen MAC-Finalvorstellung) phänomenalen und Schulrekorde brechenden Offense als MAC-Überflieger, inklusive eines Auswärtssieges bei den Minnesota Golden Gophers. Dumm, dass der Sieg so eindrucksvoll war, dass sich Minnesota dann mal eben dazu entschied, NIUs Head Coach Jerry Kill einen Vertrag anzubieten. Der Neue ist Dave Doeren, über dessen Qualitäten man sich wohl noch nicht ganz einig ist, aber Doerens Wissen um Defensivarbeit sollte helfen, die junge Abwehr auf Trab zu bringen.

Das muss auch schnell passieren, denn die Konkurrenz von der Toledo University scheint unter dem HC Tim Beckman im Aufwind zu sein. Bei den Rockets gilt: Starke und erfahrene Defense, aber Fragezeichen in der Offense. WR Eric Page ist eine fulminante Waffe (181 Catches und 15 TDs in seinen ersten beiden Jahren am College & bester Kickreturner der gesamten FBS), aber die QB-Kontroverse schwebt über allem und könnte dazu führen, dass Beckman eine zweigleisige Offense fährt, mit dem beweglichen Leadertypen QB Austin Dantin und dem hüftsteifen Linkshänder QB Terrance Owens in der Rotation. Ein ganz starkes Tackle-Duo in der Offense Line sollte helfen. Ebenso, dass man fast die gesamte MAC-Konkurrenz zuhause empfängt.

Diesen Luxus genießen die aufstrebenden Western Michigan Broncos nicht: Sie müssen alle ihre Schlüsselspiele auswärts bestreiten. Die Offense gilt nach dem Coming Out von QB Alex Carder (30 TD, 12 INT im ersten Jahr als Starter) als gesattelt, die Defense dagegen muss mehr Pass Rush und bessere Lauf-Abwehr zeigen und wichtige Starter in der Secondary ersetzen. Potenziell traut man WMU sogar 10 Siege zu, vor allem, weil Head Coach Bill Cubit als Kreativkopf gilt.

Eher zum Bodensatz sollte das Rest-Trio gehören. Die Ball State Cardinals kommen mal wieder mit neuem Coach daher, Pete Lembo, der dann auch gleich ankündigte, eine No-Huddle-Offense (he, in der MAC wollen alle No-Huddle!) einführen zu wollen. Erste Saison abschenken, ick hör dir trappsen…

Die Eastern Michigan University ist in Ypsilanti beheimatet und sieht nicht nur deswegen seit Jahren rot. Head Coach Ron English hat nach zwei Jahren 2-22 vorzuweisen und vor allem die schwache Defense macht zu schaffen. English gilt als guter Defensivcoach – wohin Michigans Abwehr nach seinem Abgang gewandert ist, hat man gesehen. Defensivbilanz 2010/11bei Easton Michigan: 32 Pass-TDs zugelassen, 2 INTs gemacht.

Noch schlechter sieht es für Central Michigan aus: Die Chippewas sind seit einigen Jahren im Sinkflug, zuletzt scheiterte die Abkehr von der Spread Offense grandios. Mit QB Ryan Radcliffe ist ein Hoffnungsträger gefunden, allerdings einer mit lockerem Abzugshändchen: 17 INTs im vergangenen Herbst. Die meisten Kopfzerbrechen in der Defense machen die besten Spieler, die allesamt lieber in Kneipen anzutreffen sind und Stunk ohne Ende produzieren.

Morgen morgens im vierten Teil eine Conference, die in Auflösungserscheinungen begriffen ist und 2012/13 mit der Sunbelt Conference um den vorletzten Platz streiten wird.

College Football Preview 2011/12: Sun Belt Conference

Teil 2 der großen Saisonsvorschau auf den College Football, diesmal mit dem Bodensatz, der sportlich graupigen Sunbelt Conference, die hauptsächlich im Süden der USA, von Texas bis Florida, aber auch hinauf bis nach Tennessee und Kentucky, beheimatet ist. Eine Conference, deren Spitze seit jeher dünn gesät ist, dafür reich an fehlender Qualität außerhalb des oberen Leistungsdrittels.

Die Klassenbesten

Als bestes Team gilt dabei jenes der im Herzen der Conference gelegenen Troy Trojans (aus dem Staate Alabama), die seit fünf Jahren immer mindestens Co-Champion sind, wie 2010, als man allein aufgrund eines verlorenen direkten Duells nur die 1B war. Troy, das ist das Lebenswerk von Head Coach Larry Blakeney, der in den letzten zwei Dekaden den Aufstieg von der Division II bis zur Sunbelt-Spitze vorangetrieben hat und dabei immer wieder fantastische Abwehrspieler herausgebracht hat (Osi Umenyiora, Demarcus Ware, Leodis McKelvin – okay, letzterer war bloß ein hoher Draftpick). In der abgelaufenen Saison lebte man von einer starken Offense um den überzeugenden Freshman-QB Corey Robinson, aber heuer muss man auf die fünf besten Wide Receivers verzichten. Die Defense lebt von einer guten Passdeckung und dem alle überragenden DE Jonathan Massaquoi.

Offizieller Sunbelt-Champ 2010/11 waren die Florida International Golden Panthers aus Miami. Eine weltoffene und rasant wachsende Uni – trotz hoher akademischer Standards. Symbolisch dafür steht das junge Footballprogramm, das im vergangenen Herbst erstmals sechs Siege erringen konnte und sogar seine Bowl gewann. Für den Erfolg stehen neben dem lange unterschätzten Head Coach Mario Cristobal auch die beiden neuen Coordinators, vor allem der OffCoord Scott Satterfield, dessen Unit trotz eines fehlerträchtigen QB Wes Carroll mal eben fast 30 Pkt/Spiel hinzauberte. Superstar ist WR T.Y. Hilton, Receiver, Returner und X-Faktor in einer Person.

In dieser Saison muss man erstmals mit höheren Erwartungen zurecht kommen, hat aber den Vorteil, Troy im Heimstadion begrüßen zu können: Im letzten Herbst gewann man gegen die Trojans sogar AUSWÄRTS, 52-35 – der entscheidende Tie-Breaker zum Sunbelt-Titel.

Von Florida in den Norden

Auf Tuchfühlung zur Spitze war auch die Florida Atlantic University vor einigen Jahren. Die Owls sind ein blutjunges Programm (1998 gegründet, seit 2006 FBS) und waren anfangs schnell Senkrechtstarter, angeführt vom schrulligen Howard Schnellenberger, so was wie der Bill Parcells des College Football: Ein Coach, der durch die Lande zieht, mit der Mission, am Boden liegende Programm auf Normalgröße zu züchten und sich dann vom Acker zu machen. Schnellenberger ist auch der Begründer der großen Dynastie der Miami Hurricanes in den 80ern. Der Mann ist mittlerweile 77 und wird im Winter aufhören, nicht ohne wenigstens noch den Stadionbau zu Ende gebracht zu haben. Die Rahmenbedingungen an der FAU stimmen, sportlich wird 2011/12 schwierig: Die beiden Rivalen um den Platz als Quarterback haben in ihrer College-Karriere gemeinsam sieben Pässe (!) geworfen.

Wenn die FAU den Kinderschuhen entwächst, stecken die Western Kentucky Hilltoppers gar noch in Babykleidung. Erst drei Jahre spielt man in der FBS, die Bilanzen bisher: 2-10, 0-12, 2-10. Vier Siege in drei Jahren. Als Head Coach fungiert Willie Taggart, ein Lokalhero. Taggarts Offensiv-Philosophie: RB Bobby Rainey laufen lassen, bis die Beine abgenutzt sind. Rainey zuletzt mit 340 Carries in 12 Spielen (1649yds, 15 TD). Kein anderer interner Angreifer hatte mehr als 32 Carries.

Die Middle Tennessee Blue Raiders waren 2010 bowlen, und trotzdem etwas enttäuscht, da man sich seit Jahren als Sunbelt-Elite ansieht. Da sich aber QB Dwight Dasher so daneben benahm, dass er Teile der Saison suspendiert war, musste man am Ende froh sein, überhaupt sechs Siege zusammengekratzt zu haben. Weitere Probleme 2010: Turnovers und absurd schlechtes Playcalling. Alle Probleme lassen sich vergleichsweise einfach lösen (Coordinators wurden samt und sonders rausgeschmissen) und die Fanbasis ist trotz der jüngsten Rückschläge erfreulich enthusiastisch.

Das Duo in Louisiana

Die ULM Warhawks (Louisiana-Monroe) kann man als Team im Aufbruch sehen. QB Kolton Browning spielte als Freshman stark und Coach Todd Berry hat einiges für seinen Ruf getan, stellte eine kleine, schnelle Defense auf ein 3-3-5 System, was zu bärenstarken Leistungen gegen die Sunbelt-Topteams führte. Dennoch: ULM spielt nun 17 Jahre in der FBS. Positive oder ausgeglichene Saisonbilanzen: Null. 2010/11 schaffte man 5-7, weil man am letzten Spieltag um einen einzigen Zähler verlor: 22-23.

Gegner damals: Die University of Louisiana-Lafayette, der innerstaatliche Rivale und die Uni, die einst Jake Delhomme herausgebracht hat. Die Ragin’ Cajuns gehören ansonsten zu den schwächsten Teams überhaupt. Star ist DefCoord Greg Stewart, der zu Zeiten bei Jacksonville State die FSU und Ole Miss mit genialen Gameplans in ernsthafte Schwierigkeiten gebracht hatte (Ole Miss sogar geputzt). Auf dem Spielfeld hat ULL ein erbärmliches Laufspiel und eine ungelöste QB-Situation.

Das Duo im Westen

Sehr viel weiter nach oben geht der Blick der Arkansas State Red Wolves, die unter Coach Steve Robarts ein Muster an Beständigkeit waren, jahrein, jahraus zwischen 4 und 6 Siege holten. Datt war zuletzt nicht mehr genug und so wurde OffCoord Hugh Freeze zum Cheftrainer befördert, ein exzellenter Recruiter, dessen Rekrutierungsarbeit im Fall von OT Michael Oher so beeindruckend gewesen ist, dass darüber sogar Bücher geschrieben und Filme gedreht wurden (The Blind Side) – okay, Freeze spielt darin nur eine untergeordnete Rolle. Der Mann ist auch ein guter Coach, hauptverantwortlich für die Leistungsexplosion von QB Ryan Aplin im vergangenen Herbst. Freeze muss allerdings für eine Explosion in Sachen „Saisonbilanz“ dringend eine Zauberformel für die Defense Line (Lauf-Verteidigung!) finden. Auf alle Fälle wäre der Schedule günstig: Die vermeintlichen Top-Teams der Conference, Troy und FIU, kommen ins schnuckelige ASU Stadium.

Weitaus weniger optimistisch ist man bei den North Texas Mean Machine Green. Man machte zuletzt zwar meistens mehr Yards als der Gegner, aber auch weniger Punkte. Problempunkt Effizienz – was machen? Ein Umdenken würden die Grünen verlangen und North Texas holte mit Dan McCarney einen neuen Coach. McCarney ist ein Mann, der erst tot gesagt werden muss, bevor er zur Höchstform aufläuft. Mit RB Lance Dunbar hat O-Line-Guru McCarney eine Top-Waffe in der Offense, aber der Pass Rush in der Defense ist so unterirdisch, da hätten sie auch gleich sieben Defensive Backs abstellen können. Hoffnung bringt nun ein Walk-on, Ex-Marinesoldat DE Brandon McCoy.

In Teil 3: Die kleine Confernce im Norden, um die sich kein Mensch einen Schiss macht, außer ein paar karrieregeile Coaches.

Startschuss zum College Football Preview 2011/12: Die Independents und ein allgemeiner Überblick

Die kommenden eineinhalb Wochen werden parallel zur NFL dem College Football, oder besser: der Division I-A (FBS) des College Football gehören. College Football, das Gebiet, das in der entsprechenden Rubrik seine Eintragungen und Erklärungen findet.

Off-Season 2011

Es war keine langweilige Offseason. Wer in geraffter Form die wichtigsten Ereignisse nachlesen will, kann das in deutscher Sprache im Spox-Eintrag von unser aller Liebling Seminole (a.k.a. Sabine) machen, der von Conference-Verschiebung, über Verschiebung im Recruiting bis hin zur Alkoholstory in West Virginia die wichtigsten Dinge abdeckt.

College Football 2011/12 im TV

Bei uns gibt es in diesem Herbst wieder mehrere Möglichkeiten, College Football auf legale Art und Weise zu verfolgen. Zum einen hätten wir ESPN America, das ein recht umfangreiches Programm anbietet, mit ca. einer Handvoll Live-Übertragungen pro Wochenende und noch mehr Tapes/Spieltag. So zähle ich zum Beispiel allein am ersten Spieltag (1. bis 5. September) ein volles Dutzend Partien, das entweder live oder auf Tape gezeigt wird, neun Partien am zweiten Wochenende und mindestens 13 verschiedene Partien für Wochenende #3.

ESPN America bringt ab 26. August 2011 auch eine ganze Latte an Conference-Previewsendungen, die ich hier mal aufliste:

26. August 2011
11h Big East Preview (60min)
12h SEC Preview (60min)

27. August 2011
6h Big Ten Preview (60min)
10h30 Pac-12 Preview (60min)
17h LIVE College GameDay: Season 2011/12 Preview (60min)

28. August 2011
7h Big East Preview (60min)
8h ACC Preview (60min)

29. August 2011
14h Big 12 Preview (60min)
15h Big Ten Preview (60min)

30. August 2011
19h (Tape) College GameDay: Season 2011/12 Preview (60min)
20h BCS Countdown (90min)

31. August 2011
16h Big 12 Preview (60min)
17h Pac-12 Preview (60min)
18h SEC Preview (60min)

1. September 2011
10h30 ACC Preview (60min)

Ich werde rechtzeitig noch eine eigene Rubrik zu den TV-Sendungen in NFL und College Football für diesen kommenden Herbst einrichten.

In Sachen „ESPN“ gibt es natürlich wie immer den „ESPN Player“, der kostenpflichtig ist und in allen europäischen Staaten bis auf Italien – zu dem leider auch das Heimatland des Blogbetreibers gehört – und Russland empfangbar ist. Zur Homepage des ESPN Players bitteschön hier entlang.

Eine interessante Option ist auch wieder Eurosport 2, das pro Woche eine Partie des Big Ten Networks zeigt (ergo ein Heimspiel einer BigTen-Mannschaft) und alle Notre-Dame-Heimspiele. Nicht alle Übertragungen sind allerdings live, oft gibt es „nur“ eine eineinhalbstündige Zusammenfassung am Sonntag. In Woche 1 zum Beispiel bringt Eurosport 2 zwei Spiele:

Penn State – Indiana (So., 4.9. um 8h als einstündiges Tape)
Notre Dame – USF (So., 4.9. um 9h als 90min-Tape)

Damit zur Vorschau auf alle 120 Mannschaften der Football Bowl Subdivision, beginnend heute mit den vier „Freigeistern“ in der obersten Kategorie. Wir haben im Laufe der allgemeinen College-Football-Einführung gelernt, dass die FBS in Conferences eingeteilt ist, aber vier der 120 Teams keiner solchen Conference angehören: Die Independents.

Notre Dame Fighting Irish

(Update 11h49: Quarterbacks)

Die Marke schlechthin im College Football ist Notre Dame, eine Uni, deren Strahlkraft trotz sportlicher Misere immer noch groß genug ist, dass sie innerhalb des BCS-Kartells eine Sonderstellung besitzt. Wir sprechen hier von einer privaten Universität, die vor allem mit dem Einen wirbt: Sie ist katholisch. Und noch immer wollen die meisten der besten katholischen Talente quer durch die USA für Notre Dame spielen.

Die letzten Jahre waren recht grausam und man konnte als relativer Neuling im College-Sport den Krawall um die Fighing Irish nicht nachvollziehen. Nun ist jedoch mit Brian Kelly ein spektakulärer Head Coach am Werk, der bei gegebenen Voraussetzungen eine atemberaubend schnelle Offense spielen lässt, und unter dem die Mannschaft schon im ersten Jahr 2010/11 große Fortschritte machte.

Kelly ist recht flexibel, und weil er seinen Quarterback noch nicht gefunden hat, wird hier erstmal der Gegner überlaufen. Dabei hätte man mit dem Problemcharakter Michael Floyd einen exzellenten Wide Receiver (1,91m groß und einer, der sofort ins Auge sticht), doch die Quarterbacks Crist/Rees sind zu anfällig gegen Turnovers.

[Update: QB Dayne Crist wurde vorerst zum Starting-QB ernannt. Wie lange der verletzungsanfällige Mann den Vorzug vor Tommy Rees erhält, dürfen wir gespannt sein. Crist hat vergangene Saison bis zu seiner Verletzung eher schwach gespielt./Update]

Viel, viel besser – und das ist überraschend – war zuletzt die Defense, die phasenweise ganze Angriffsserien der Gegner im Ansatz niederwalzte und in dieser Saison haufenweise erfahrene Seniors aufwarten kann. Der Schedule von Notre Dame ist stets attraktiv (u.a. USC, Michigan, Michigan State, Air Force, Navy, dieses Jahr sogar Stanford zum Finale) und man darf gewiss nicht ausschließen, dass Notre Dame die kleine Überraschung schafft und schon heuer in die BCS-Bowls zurückkehrt.

Die Heimspiele von Notre Dame werden wie oben angeklungen wieder bei Eurosport 2 übertragen – nicht immer live, aber manchmal. Los geht’s am Sonntag, 4.9. mit einem Tape der “Holtz Bowl”, Notre Dame gegen South Florida, wo mit Skip Holtz der Sohn von Notre Dames Trainerlegende Lou Holtz coacht (um 9h MEZ).

Am 17.9. dann die Live-Übertragung Notre Dame gegen den traditionellen Rivalen Michigan State (ab 21h30 MEZ).

Brigham Young Cougars

Die Mormonen-Uni aus dem US-Bundesstaat Utah ist ein Frischling unter den Independents, wagt mit dieser Saison den Sprung in die Unabhängigkeit. Kein unlogischer Sprung: Brigham Young ist eine Marke. Brigham Young steht für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (ugs. „Mormonen“) und ist einst von einem deutschen Auswanderer gegründet worden. Die Universität besitzt ein gewisses Standing, war 1984 sogar mal National Champion, und verfügt über einen eigenen TV-Sender. Ziel des Ganges in die Unabhängigkeit: Ein Notre Dame des Westens aufzubauen. Passt wie die Faust aufs Auge: Auch hier haben wir es mit einer konfessionellen Universität zu tun, die bis zu einem gewissen Grad „Kult-Status“ genießt, und BYU strebt langfristig einen ähnlichen BCS-Sonderstatus wie Notre Dame an.

Infrastrukturell sind die Heimspiele von BYU eine Augenweide, was an der phänomenalen Lage des heimischen LaVell Edwards Stadiums liegt, das umgeben ist von einem sagenhaften Bergpanorama. Nachtspiele in Provo: Ein Traum.

Sportlich ist man der Erzfeind der staatlichen (aber ebenso mormonisch geprägten) University of Utah, die nun erstmals nicht mehr Conference-Rivale, aber trotzdem im Schedule geblieben ist (17. September).

Head Coach ist immer noch Bronco Mendenhall, aber der Mann, über den sich alle den Mund fusselig reden, ist QB Jake Heaps, der im vergangenen Herbst schneller als erwartet ins Feuer geworfen werden musste und sich nach anfänglichen, argen Problemen gegen Ende nach oben gespielt hatte: Heaps’ Performance in der New Mexico Bowl war herausragend und man wird das Gefühl nicht los, dass man es hier mit einem kommenden Star zu tun hat. Heaps genießt den Luxus, hinter einen ausgewachsenen und erfahrenen Line zu spielen, erfahrene Receiver an seiner Seite zu haben und ein Laufspiel, das auf ca. fuffzehn Schultern verteilt die Spread Offense mehr als bloß entlasten kann.

Zweite Story der vergangenen Saison: Die Defense, die sich von „furchterregend schlecht“ zu „akzeptabel“ entwickelte. Bester Teil hier ist die Defensive Line, die um den 150kg-Koloss Hebron Fangupo gebaut ist und reihenweise Offense Lines dominiert. Manche Experten haben dieser Line schon das Attribut „best in College Football“ verpasst. Die Schwäche der vergangenen Saison, die Secondary, wird hauptsächlich durch Rückkehrer aus der Mission verstärkt.

Knackpunkt in diesem kommenden Herbst wird der Saisonstart sein – und BYU hat sich unter Mendenhall das Image der „Chargers des College Football“ angelacht: Sie kommen meist nur langsam in die Gänge. Und dann warten an den ersten vier Samstagen @Mississippi State, @Texas, vs Utah, vs UCF, also nicht die Konsorten, die man im Vorbeigehen einfach mal mit zwei Touchdowns aus dem Stadion prügelt…

Navy Midshipmen

Zu den Militärs. Die US Navy lebt seit Jahren ihren Traum – zumindest auf dem Footballfeld. Seit den Jahren unter Paul Johnson wird in Annapolis knallharte flexbone triple option offense gespielt – wie auch unter Johnsons Nachfolger. Der nennt sich Ken Niumatalolo – nochmal: Ken Niumatalolo – der erste samoasche (also aus Samoa) Head Coach der FBS. Niumatalolo – ein Players Coach in der Navy – war schon mehrfach im Coaching Staff von Paul Johnson und hat an dessen Ideen einige Stellschrauben verändert, was zu einer weniger imposanten Offense, dafür einer sehr viel besseren Defense geführt hat.

„Weniger imposante Offense“ liest sich 2010/11 immer noch so: 76 Punkte, 591yds total offense, 521yds rushing offense gegen East Carolina. Allerdings wurde auch 6-14 gegen den Rivalen Air Force verloren.

Für diese Saison müssen die Midshipmen auf den Möchtegern-Obama Ricky Dobbs verzichten, der neue QB nennt sich Kriss Proctor, ein sehr laufstarker Mann mit schonmal über 200yds Rushing in einem Spiel. Eine jede triple option braucht einen starken Fullback und die Navy hat einen in FB Alexander Teich, und, nein ich habe keine deutsche Verbindung zum Ur-Texaner Teich gefunden, aber man wird irgendwo in seinen Wurzeln Connections nach Deutschland oder Österreich finden.

Was weiters für eine starke Navy-Offense spricht: Die erfahrene Offensive Line. Allerdings muss man in der Defense acht Starter ersetzen, verfügt über keinen guten Pass Rush, was der eh schon schwachen Secondary nicht gerade hilfreich sein dürfte.

Der Schedule ist eher schwer, aber acht Siege sollten drin sein. Besonderes Augenmerk gilt für die Navy immer Notre Dame, der Air Force und insbesondere der US Army. Gegen die findet wie immer Mitte Dezember das letzte Regular-Season-Spiel in der FBS statt, dieses Jahr im FedEx Field, und nicht nur böse Zungen behaupten, es sei das wichtigste Spiel in der Historie des Redskins-Stadions.

Army Black Knights

Diese US Army wird die vermeintlich schwächste Mannschaft der vier Independents stellen. Die Black Knights sind aber unter dem 2009 geholten Option-Guru Rich Ellerson wieder im Aufwind, nach jahrelanger Stagnation bzw. Regression in den 2000ern – als sei der Football ein Ebenbild sonstiger Geschehnisse im US-Militär. 2010/11 legte man eine überraschende Saison mit positiver 7-6 Bilanz hin – trotz Niederlagen gegen Air Force und die Navy – und auch das Bowlspiel gegen die passgewaltigen SMU Mustangs war typisch: Zur Halbzeit 16-0 geführt und dann trotz zweier Touchdowns langsam die gegnerische Pass-Offense zum 16-14 abgewürgt.

„Star“ der Offense ist der FB Jared Hassin, der über 1000yds rushte und massiv daran beteiligt war, dass die Offensivproduktion innerhalb eines Jahres von 13 TDs (2009) auf 34 TDs (2010) gestiegen ist. QB Trent Steelman wird ebenso von Jahr zu Jahr sicherer, aber Sorgen bereitet die umgebaute Offensive Line, ein wichtiger Baustein in der Option-Offense. Obwohl man keine sieben Siege mehr erwarten darf: Schlachtopfer auf der Bank sind die Army Black Knights auch nicht mehr.

In Teil 2 werden wir mit der ersten Conference starten, und wie es sich standesgemäß gehört, mit dem Bodensatz der Football Bowl Subdivision. Die Leiter nach oben will schließlich langsam und bedächtig erklommen werden.