NFL Combine: Notizzettel zum Abschluss

Die NFL Combine ist zu Ende. Ein paar Notizen zum Abschluss. [Notizen vom Wochenende]

Quarterbacks

Ich werde den Eindruck nicht los, dass Cam Newton medial ganz langsam zum Top-QB gehypt wird. Meine Kinnlade ist bei Newtons Workouts nicht grad in Mitleidenschaft gezogen worden und Newton hat diverse ungute Kommentare (Iwanttobeanentertainerslashicon) abgelassen… und trotzdem ist die Betrachtung rundum positiv? Nicht mehr ausgeschlossen, dass die Buffalo Bills an #3 Cam Newton einkaufen. Die Bills gelten zwar als unberechenbar im Draft, aber der greise Owner Ralph Wilson hat jüngst mehrfach seinen Wunsch nach einem Top-QB geäußert.

Der in den Kommentaren gelobte Joshua Portis ist ein QB von einem aberwitzig kleinen College: Der California University of Pennsylvania. Nicht etwa in Kalifornien gelegen, sondern in California, Pennsylvania. Ein Team der Division II, also nicht mal FCS-Niveau. Portis ist kein prototypischer QB, hat einst an der University of Florida als Tebow-Backup begonnen – und sich wenigstens neben dem Spielfeld einiges NICHT von Tebow abgeschaut.

Ryan Mallett ist auch auf diesem Blog diskutiert worden. Zu all den Spekulationen um Malletts Drogensucht und seinem merkwürdigen Umgang mit den Medien in der Combine kommt ein weiterer Faktor: Malletts College-Coach war Bobby Petrino, dessen QBs nicht gerade im Ruf stehen, in der NFL brilliert zu haben (Ragone, Redman, jüngst Brian Brohm).

Einer meiner Lieblings-QBs im Draft 2011 ist Greg McElroy. Ein ruhiger Mann, ein interessanter QB, dem ich aber an der University of Alabama Unsouveränität in kritischen Momenten vorgeworfen habe. Und: McElroy ist ein intelligenter Bursche: 48 im Wonderlic Test. Achtundvierzig. Ich kann mir vorstellen, dass ein Team wie San Francisco mit einem Coach wie Jim Harbaugh und der Idee einer West Coast Offense sich in Richtung McElroy bewegen könnte. Viel Glück, Mr. McElroy!

Julio Jones

McElroys Top-Receiver an der Uni war Julio Jones, ein physischer, groß gewachsener Mann, über den ich im Jänner geschrieben hatte:

Am Ende des Tages in der Highlight-Show, aber auch drei Drops und fünfmal die Route falsch gelaufen. Schlüsselwort für Scouts: Fokus. Was ihm helfen wird: Jones ist als harter Knochen bekannt, der auch lieber drei Pillen zu viel schluckt und die ganze Woche schlecht schläft, als mal ein Spiel wegen Wehwehchen zu verpassen.

Jones hat die Scouts ob seiner Combine staunend hinterlassen. Fassungslos gemacht hat nun aber der Umstand, dass Jones auch noch mit einer Fraktur im Fuß (!) angetreten ist und absolute Top-Werte erreicht hat. Die Verletzung ist nicht gravierend, aber in NFL-Kreisen dürfte Jones ab sofort als Synonym für toughness eingesetzt werden. Ob das WR-Rennen doch noch einmal eröffnet wird, obwohl ich A.J. Green weiterhin für den explosiveren Mann an der Anspiellinie halte?

Defensive Line

Die Defensive Line gilt nach wie vor als stärkste Position im Draft 2011. Obwohl mit DT Nick Fairley der meist gehypte Mann nicht nur kleiner und leichter als erwartet war, sondern auch noch ziemlich „graue“ Workouts hinlegte, haben laut Mike Mayock satte neun Defensive Ends Erstrundenpotenzial (im Schnitt über die Jahre werden 3 bis 4 Des gezogen). Und der vermeintlich beste Line-Spieler hat noch nicht mitgemacht: Da’quan Bowers.

Wer #1-Defensive Tackle wird, könnte interessant werden: Fairley hatte die beeindruckendere Saison, ist aber aus genannten Gründen vielleicht leicht in Ungnade gefallen. Marcel Dareus ist athletischer gebaut und hatte die bessere Combine, war aber am College etwas weniger dominant und konstant. Auburn (Fairley) gegen Alabama (Dareus) – Iron Bowl im Mini-Format.

Linebackers

Dontay Moch von der University of Nevada (Reno) hat die erwartet überragende 40 Time hingeknallt: 4.44. Moch war angereist mit einer angeblichen 4.19, was für Running Backs sensationell wäre, für einen Defensive End (im College) schlicht exorbitant. Dazu gesellen sich ein paar andere starke athletische Tests. Oakland Raiders, ick hör dir trapsen…

Sicher kein Raider werden wird OLB Von Miller. Über Miller habe ich im Lauf der College-Saison zwar Zweifel an seiner NFL-Kompatibilität gehört. Aber der Mann hat eindrucksvolle Statur und seine Athletik ist beeindruckend. Ich gehe davon aus, dass ein Team ganz oben drin sich an Miller vergreifen wird. Zu einer Zeit, zu der Oakland noch lange keinen Draftpick gesehen hat.

Mark Herzlich, der Mann, der den Krebs besiegte, war weniger Thema als ich gedacht habe. Herzlich hat ordentliche Workouts gemacht, aber nichts Überragendes. Bei ihm bleibt die Aussicht auf einen Leadertypen und die Erwartung, sich weiterhin kontinuierlich an seine körperliche Bestverfassung zurück zu arbeiten. Herzlich gilt als Kandidat für die späteren Runden.

Defensive Backs

Der Mann mit dem klingendsten Namen, Prince Amukamara (Nebraska), hat Top-Sprintzeiten hingeknallt und in den Augen der Scouts seine Voraussetzungen für die langen Routen bewiesen. Amukamara gilt nun als sicherer Top-10 Pick, der spätestens von Dallas (#9) gezogen wird, wenn nicht noch lila Kühe auf dem Campus der Cornhuskers aufkreuzen.

Kleine Brüder

Zwei Spieler sind in der Verlosung 2011, deren Brüder schon am Ziel sind, bzw. fast. Casey Matthews (University of Oregon) läuft ebenso wie Bruder Clay (Superbowl-Champ mit den Packers) mit wehendem Haar durch die Gegend – und spielt ebenso Linebacker. Mike Pouncey ist der kleine Bruder von Steelers-Center Maurkice – und wie dieser Offense Liner. Nicht ausgeschlossen, dass die beiden Brüder im Draft von den jüngsten Erfolgen der großen Brüder profitieren und höher als erwartet genommen werden. Beide gelten aber als nicht so gut wie diese – aber die waren einst auch nicht so hoch angesehen gewesen.

Spiel GM

NFL@Spox veranstaltet einen „Mock Draft“ von Fans für Fans. Die Idee: Jeder kann sich ein verfügbares Team aussuchen und in wie im NFL Draft dafür seinen Favoriten für seine Mannschaft draften, sofern der noch verfügbar ist. Da ich mich für besser als Matt Millen – ich weiß: Kein Qualitätsnachweis – habe ich mich für die Detroit Lions beworben. Es sind noch Mannschaften frei. Wer will, ist herzlich eingeladen, für einen Tag General Manager und Draft-Stratege zu spielen: Hier entlang.

NFL Combine: Notizen vom Wochenende

Paar Notizen von der NFL Combine vom Wochenende.

Quarterbacks

Ich habe gestern Abend nur ganz kurz reingeschaut, da ich die Relevanz des ganzen Workout-Reigens für sehr, sehr begrenzt halte: Nicht nur, dass komplett jegliche Defense oder jeglicher Druck fehlt. Nein, die QBs werfen auch noch zu Receivers, mit denen sie nicht ein einziges Mal zusammengespielt haben.

Cam Newton hat eine 40 Time von 4.59 zugeschrieben bekommen. Das ist IMHO erstaunlich langsam, v.a. im Vergleich zu so manch anderem QB (Gabbert, Ponder). Seine Würfe im Drill waren teilweise arg daneben (vielfach überworfen), aber glaubt man den Experten, hat sich Rohdiamant Newton damit nicht ins Knie geschossen. Brian Billick kritisierte aber das Umfeld Newtons. Alles in allem habe ich immer mehr den Eindruck, dass sich die kompletten Medien-Riege schön langsam in Newton verknallt.

Blaine Gabberts 40 Time von 4.62 hat mich überrascht. Nach dem vom College Gesehenen hätte ich eine deutlichere Differenz zu Newton gesehen.

Jake Locker darf seinen Status nach 4.59 und Lob von WR A.J. Green als steigend ansehen. Locker, der im College z.T. unterirdische Spiele abgeliefert hat.

Ryan Mallett gilt ebenso als sehr positive Erscheinung der Combine. Mallett soll beweglicher sein als angenommen, und vor allem: präziser. Dass der Wurfarm waffenscheinpflichtig ist, wusste man bereits. Was der eigenartige Charakter Mallett in den Vorstellungsgesprächen so alles von sich gegeben hat, ist mir im Moment noch nicht bekannt.

Running Backs

Mark Ingram dürfte sich eher lächerlich gemacht haben. Zuerst kam Ingram stark untergewichtig daher (3-4kg zu wenig), zugunsten mehr Explosivität. Dann legte Ingram eine sehr, sehr maue 4.62 hin. Ingram wird einen starken Pro Day in Alabama brauchen, um nicht ordentlich durchgereicht zu werden.

Ingrams Vorteil: Es hat sich kein RB aufgedrängt. Die Speedster sind allesamt Backs, die maximal für die späteren Runden in Betracht gezogen werden. Aber narrisch wird niemand, der Ingrams athletische Voraussetzungen kennt.

Wide Receivers

Hier beginnen die ersten Kontroversen schon bei den Top 2. Julio Jones, ein physischer Receiver, stach mit einer Top-40 Time heraus: 4.39. Damit hat Jones den großen Konkurrenten A.J. Green deutlich ausgestochen (um 4.50). Green ist IMHO der viel explosivere Mann an der Anspiellinie, etwas, das eine 40 Time niemals wiedergeben kann.

Schwer enttäuscht haben soll Jonathan Baldwin von der University of Pittsburgh. Baldwin ist brutal athletisch gebaut, aber man hatte sich erwartet, dass Baldwin ein Feuerwerk hinknallen würde. Es handelt sich immerhin um einen, dessen Potenzial riesig erscheint, dessen Leistungen bisher aber eher dürftig waren. Solche Leute brauchen gute Workouts. Die lieferte Baldwin noch nicht.

Boise States Titus Young soll seinen Status verbessert haben und gilt insgeheim schon als möglicher Zweitrunden-Pick. Ebenso hat angeblich Oregons Jeff Maehl beeindruckt. Maehl war schon im Recruiting-Prozess völlig untergegangen, hat sich an der Uni dann aber durchgebissen und könnte in der NFL ein wertvoller #3-Receiver werden.

Defense

Stephen Paea kommt offenbar aus dem südpazifischen Raum: Paea zeigte den Haka-Dance. Das, nachdem er mich Lügen gestraft hatte, dass der Bankdrücker-Rekord nicht in Gefahr sein würde: Paea mit sensationellen 49 reps. 49x 102kg gestemmt.

Schlagzeilen ganz anderer Art macht Nick Fairley. Der Mann ist fünf Zentimeter (2 inches) kürzer und 4kg leichter als gedacht und bisher gelistet. Im Prinzip nichts Weltbewegendes, aber Defensive Tackles müssen in der Meinung der Scouts mindestens 300 Pfund wiegen. Fairley gilt nun als 291 Pfunds-Kerlchen und somit als Leichtgewicht.

NFL Combine – Bitte nicht zuviel Grips

Zusätzlich zu den athletischen Tests gibt es in der Combine noch vier weitere wichtige – ich würde sagen, zumindest die ersten drei sind sogar bedeutender geworden als die athletischen Tests – Prüfungen für die NFL-Anwärter: Medizincheck, Vorstellungsgespräch, Drogentest und den Wonderlic-Test.

Medizincheck

Der ursprüngliche Sinn der Combine Anfang der 80er: Alle Teams können mit ihren medizinischen Abteilungen anreisen und die Spieler an Ort und Stelle durchchecken. Mit der Zeit sind 40yds dash usw. wichtig(er) geworden, aber mittlerweile sind Spieler so teuer, dass man in der NFL wieder mehr Wert darauf legt, dass die Spieler, die ja Investitionen sind, auch „ganz“ sind, denn es passiert nur allzu häufig, dass schon aus dem College physische Wracks kommen. Klingt böse, und ist von NFL-Seite auch böse gemeint.

Vorstellungsgespräch

Jede Franchise kann bis zu 60 Spieler in jeweils 15-minütigen Sessionen befragen, um sich einen Eindruck vom Spieler, seiner Liebe zum Spiel und seinem Wissen über das Spiel zu beschaffen. Es gibt davon zwar keine Bilder, aber bei ESPN wird sich Kultfigur Mel Kiper bestimmt wieder darüber auslassen, welche Spieler es nur mit viel Cheaten durch die Uni (bzw. überhaupt durch die High School) geschafft haben und welche Spieler keine Spielzüge lesen können.

Drogentest

Im Prinzip ist es unglaublich, aber kaum ein Jahr, bei dem kein Athlet positiv getestet wird. Man möchte glauben, es ist Combine, du stehst unter Rundum-Beobachtung und es entscheidet sich deine Zukunft – und dann bist du so beknackt und ziehst dir genau AN DIESEM TAG einen Grashalm rein! Gibt’s nicht?

Oh, doch.

Wonderlic Test

Der Test der Tests. Ursprünglich kreiert, um sich ein Bild von Top-Managern zu machen. Berühmt geworden durch die NFL Combine. Der Wonderlic-Persönlichkeitstest gilt als gutes Bewertungs-Kriterium für die Lernfähigkeit eines Spielers bezüglich NFL-Playbook.

Worum geht’s? Die Spieler haben 12 Minuten Zeit, um 50 Fragen zu beantworten. Die Ergebnisse werden nicht offiziell mitgeteilt, aber immer wieder sickern Ergebnisse von Intelligenzbestien durch, oder von Spielern, die so katastrophal abschneiden, dass man sich ernsthaft Sorgen um deren geistigen Zustand machen muss.

Harvard-Studenten schneiden generell top ab. QB Ryan Fitzpatrick (Bills) schaffte einst 48, Punter Pat McInally vor Urzeiten mal gar die 50. McInally glaubt selbst aber, dass sein Top-Ergebnis ihm geschadet hat:

“How did it hurt me in the draft? Coaches and front-office guys don’t like extremes one way or the other, but particularly not on the high side. I think they think guys who are intelligent will challenge authority too much.”

Auch das andere Extrem sorgt für Aufsehen. Als QB Vince Young vor fünf Jahren angeblich im ersten Versuch eine 6- SECHS VON FÜNFZIG FRAGEN – schaffte, wunderte man sich selbst in der auf Dummheit gedrillten NFL, wie der Mann ohne Hilfe überhaupt seinen Namen schreiben konnte.

Wer sein Wonderlic-Ergebnis in den IQ umrechnen möchte: Die Formel lautet über den Daumen gepeilt Wonderlic *2 + 60.

Schaut man sich die durchschnittlichen Wonderlic-Ergebnisse pro Position oder pro Beruf an, kommt Überraschendes zu Tage:

Offensive tackles: 26
Centers: 25
Quarterbacks: 24
Guards: 23
Tight Ends: 22
Safeties: 19
Middle linebackers: 19
Cornerbacks: 18
Wide receivers: 17
Fullbacks: 17
Halfbacks: 16

The average scores in other professions look like this:

Chemist: 31
Programmer: 29
Newswriter: 26
Sales: 24
Bank teller: 22
Clerical Worker: 21
Security Guard: 17
Warehouse: 15

Offense Tackles die besten? Fast so gut wie ein durchschnittlicher Programmierer?

Das Interesse war geweckt – ich schaute mir einen Probetest an. 20 typische Wonderlic-Fragen in fünf Minuten und hochgerechnet auf die 50. Die Fragen sind auf den ersten Blick trivial. Das Problem ist der Zeitdruck – Einteilung ist gefragt.

Freiwillige vor – Hier geht’s zum Selbsttest. [Für die Prüflinge – Achtung: Womöglich wird in den Kommentaren gespoilert.]

45, my ass.

NFL Combine – Wenn Hundertstel über Millionen entscheiden

Die NFL Combine ist, wie wir mittlerweile wissen, ein Präsentierteller: 300 der besten College-Spieler, die in verschiedenen Prüfungen um die Verbesserung ihres Draft-Statuses kämpfen. Heute: Die Tests zur Athletik.

Tom Brady, QB PatriotsLinks im Bild:

QB Tom Brady, ein zierlicher Average Joe und No-Name von der University of Michigan. Das war 2000. Bradys Geschichte ist bekannt. Und bezeichnend. Denn niemand traute ihm überhaupt eine mittelmäßige NFL-Karriere zu.

Diesem Teil der Combine fehlt nur das Knastkärtchen, das die Spieler hinhalten müssen: Sie werden der Öffentlichkeit in Schwimmhosen präsentiert, grimmig dreinblickend, um Größe und Gewicht bestimmen zu können. Nicht jeder ist so zierlich wie Brady. Weil auch Defensive Tackles halbnackt auf die Waage müssen, machte sich vor einem Jahr Terrance Cody zum Gespött der Nation. Wegen solcher Bilder.

Die Messungen sind wichtiger als angenommen, selbst wenn man die Messwerte von der Uni bereits kennt. Kommt ein Spieler zum Beispiel mit Übergewicht daher, wird ihm unter Garantie „lack of work ethic“, also fehlende Grundeinstellung zum Spiel vorgeworfen.

40 Yards Dash

Die Königsdisziplin – und IMHO die meist überschätzte Sichtungskomponente überhaupt – quer durch alle Sportarten: Der Sprint über die 40 Yards. Rennt der Spieler nun 4,46 oder 4,49?

Dabei wissen NFL-Scouts ungefähr, was sie von einem Athleten erwarten können. Und zu 90% bringt der Sprint über die 40yds (also 36,6m) bei der Combine dann auch keine Überraschungen. ABER: Sollte mal ein Spieler einen Ausreißer nach unten oder oben haben (und ich rede von einer Zeitdiskrepanz von maximal +/- 15 Hundertstel), darf als sicher angenommen werden, dass der Spieler in einer anderen Runde als ursprünglich angenommen gedraftet werden wird.

Beispiel: Running Back X, der als Top-15 Spieler gilt und von dem 4,40 Sekunden erwartet werden, schafft nur eine 4,54. Das Theater ist jedes Jahr aufs Neue köstlich, X wird „lack of elite speed“ nachgesagt und X wird womöglich 10-20 Plätze im Draft nach hinten fallen. So sind die Mechanismen im NFL Draft.

Zusätzlich zur Endzeit werden zwei weitere Zeiten abgenommen – nach 10yds und nach 20yds. Beide Zeitnehmungen sollen Aufschluss über die Antrittsschnelligkeit eines Spielers geben. Was an der Zeitnehmung wichtig ist: Der Athlet kann starten, wann er will. Er muss nicht auf den Startschuss warten, also ist bsp. in 4,62s keine Reaktionszeit impliziert.

Der 40yds Dash ist besonders für vier Positionen wichtig: RB, WR, CB und Kick-Coverage. Davon sind die 40 Yards auch ursprünglich abgeleitet: Ein Punt ist im Schnitt 40yds in der Luft, was 4,5 Sekunden im Schnitt dauert. Mittlerweile ist die Zeit zum Großteil nur mehr da, damit sich Medien das Maul fusselig reden können und der eine oder andere Athlet mit künstlich antrainierter 40 Time die eine oder andere Bonus-Million einsacken kann.

Es soll in diesem Jahr einen Linebacker (!) von den Nevada Wolfpack – Dontay Moch – geben, der am College angeblich 4,19s gelaufen ist. Ein Linebacker!! Sollte der Mann in der Combine auch nur irgendwo in diesen Zeitregionen unterwegs sein, hat er ein paar Hunderttausender in weniger als viereinhalb Sekunden verdient: Denn den bisherigen Rekord hält mit 4,24s RB Chris Johnson. Der galt übrigens als zu klein für die NFL – und die 40yds-Zeit hat ihn überhaupt in Runde #1 katapultiert. Also doch noch positives Beispiel für die Wertigkeit der 40 Time.

Cone Drill/Shuttle Run

Zwei Tests, um die Explosivität und Agilität eines Spielers zu testen – etwas, mit dem Barry Sanders seine hellste Freude gehabt haben dürfte. Es handelt sich um nichts anderes als um Tests, bei denen Spielers um Hütchen („Cones“) herum oder zwischen zwei Punkten hin und her laufen (Shuttle Run).

Broad Jump

Der Weitsprung aus dem Stand. Hat im Prinzip nichts mit Football zu tun, ist aber für die Scouts eine Möglichkeit, die Power in den Oberschenkeln zu messen. Denn am Ende muss der Athlet stehen bleiben. Die allerbesten NFL-Spieler kommen heute gefährlich nahe an den Weltrekord (3,71m) heran (Combine-Rekord: 3,37m).

Vertical Jump

Der Hochsprung aus dem Stand – und eine interessante Disziplin. Wenn man bedenkt, dass Basketballprofis, für die es essenziell wäre, Stichwort Dunking, im Schnitt 70-75cm schaffen, und der Combine-Rekord bei sensationellen 1,16m (46inches) liegt, könnte man den einen oder anderen Footballprofi in die NBA transferieren. Football-technisch vor allem für Wide Receivers und Cornerbacks interessant.

Bench press reps

Die Bankdrücker. Nope, es geht nicht um Nachsitzen.

Hier werden 225-Pfund-Gewichte gestemmt – was 102kg entspricht. Offense und Defense Liner sind im Zentrum des Interesses, aber auch Tight Ends und Linebackers. Nur ganz wenige schaffen 35 und mehr Reps (Wiederholungen), und der Rekord liegt bei sensationellen 51reps! 51x 102kg gestemmt – das hat Justin Ernest vor 12 Jahren gepackt. Und wird so schnell nicht übertrumpft werden.

Position-Drills

Dazu gibt es allerhand Übungen für die einzelnen Positionen, z.B. für Quarterbacks, die zeigen müssen, dass sie präzise allerhand verschiedene Routen werfen können (z.B. Slants, Outs, tiefe Bälle). Zusätzlich wird auch ganz gerne mal die Arm strenght gemessen, also wie weit ein Quarterback den Ball das Spielfeld runterfeuern kann.

Es war zwar nicht in der Combine, aber vor ein paar Jahren fiel der Quarterback der Louisiana State University auf die Knie und pfefferte so den Ball 60 Yards durch die Luft. 60 Yards. Kniend. Scouts spielten verrückt. Medienvertreter mussten schon ganz tief in der Kiste mit den Superlativen kramen, um sich gegenseitig noch übertrumpfen zu können. Ein Superstar war geboren. Sein Name: Jamarcus Russell…