Eine tiefe Cornerback-Rotation ist erstrebenswert – doch niemanden interessiert’s

Heute eine Vertiefung zur wichtigsten Footballerkenntnis der letzten eineinhalb Jahren, wenn wir über Defense sprechen: Coverage ist wichtiger als Pass-Rush. Weiterlesen

NFL-Draft Vorschau 2020: Defensive Backs vor der Combine

Letzter Combine-Tag 2020 mit den Workouts der Secondary.

Je tiefer Analytics in die Materie eintaucht, umso offensichtlicher wird: Defensive Backs sind die wichtigste Position der Defense. Weiterlesen

Defensive Backfield im NFL-Draft 2019

Defensive Backfield ist vielleicht die schwierigste Position zu scouten, da es kaum All-22 Tape zum Studieren gibt und die Defensive Backs in der regulären Fernsehübertragung nur selten im Bild sind. Vor allem nicht die Safetys. Weiterlesen

NFL-Weisheiten auf dem Prüfstand, oder: Coverage ist wichtiger als Pass-Rush

Die alten Weisheiten zum NFL-Football sind bekannt:

  1. Offense wins games, defense wins championships.
  2. Pass to score, run to win.
  3. Build through the trenches.

Es wurde oft bewiesen, dass Passspiel wesentlich wichtiger ist als das fast zu ignorierende Laufspiel und auch, dass Offense wichtiger ist als Defense, wird kaum mehr bestritten. Die dritte große Weisheit, die dieser Tage und Wochen via Twitter auf den Prüfstand gestellt wird und bedrohlich wackeltBau dein Team über Offense und Defense Line – ist eine, die noch tieferer Analyse bedarf. Weiterlesen

Defensive Backs in der Combine 2019

Die Cornerback-Klasse von 2019 sieht einige Top-Prospects. Man ist sich noch nicht sicher, wie es mit der Tiefe aussieht. Normalerweise ist die Combine für Cornerbacks wichtig, denn sehr starke oder sehr schwache Zeiten in Sprint und Richtungswechsel ändern manchmal den Draft-Status von Prospects drastisch. Weiterlesen

Die Cornerbacks im NFL-Draft 2013

Cornerback ist eine knüppelharte Position zu spielen und zu bewerten: Du musst schnell und antrittsschnell sein, physisch an der Anspiellinie, musste dich gegen häufig größer gewachsene Wide Receivers durchsetzen können, musst in vollem Sprint erkennen, wohin der Ball fliegt, während dein Gegenspieler das weiß. Du solltest blitzen können und im Notfall Tackles gegen schwerere Jungs machen. Die Bewertung der Leistungserbringung ist eine ähnliche: Sind deine Mitspieler schwach, attackiert der Gegner diese, und du schaust besser aus als du unter Umständen bist. Bei lauem Passrush siehst du unter Umständen schlechter aus als du bist, weil kein Mensch einen Calvin Johnson sieben, acht Sekunden im Zaum halten kann.

Zur Klasse von 2013, die trotz des Fehlen des „einen“ epochalen Talents sehr gelobt wird: Mehr als eine Handvoll Spieler, die in die erste Runde gehören und dahinter viel Tiefe, aber weil es so viele sind, können sich einige Teams möglicherweise den Luxus leisten, zu warten und ihre CBs erst in der zweiten und dritten Runde holen. Was wiederum hieße, dass es vielleicht doch nur zwei oder drei Erstrunden-Cornerbacks werden.

Prospects 2013

Name                  Rd
DeMarcus Milliner     1
Xavier Rhodes         1
Desmond Trufant       1
D.J. Hayden           1-2
Jamar Taylor          1-2
Blidi Wreh-Wilson     2
Darius Slay           2
Johnthan Banks        2
David Amerson         2-3
Robert Alford         2-3
Jordan Poyer          2-3
Logan Ryan            2-3
Dwayne Gratz          2-3
B.W. Webb             3
Leon McFadden         3
Sanders Commings      3-4
Tyrann Mathieu        4-7

Mayocks Top-5

1 - Hayden
2 - Milliner
3 - Rhodes
4 - Trufant
5 - Banks

Als solidester Cornerback gilt dieses Jahr DeMarcus „Dee“ Milliner aus Alabama. Milliner hatte dort gute Mitspieler, und er spielte in einer reibungsfreien Defense mit starkem Passrush. Milliner gilt als kompletter Spieler, der in keiner Kategorie die Weltklasse-Noten bekommt, aber insgesamt durchaus in einer Tradition mit Leuten wie zuletzt Patrick Peterson oder Morris Claiborne mithalten kann. Der einzige Knackpunkt sind die (fehlenden) Interceptions. Milliner galt lange Zeit als möglicher Top-10 Pick und erster gedrafteter Cornerback, aber seit letzter Woche ist aus dem quasi-Nichts ein ernst zu nehmender Konkurrent aufgetaucht.

Und der wäre D.J. Hayden aus Houston. Der kann eigentlich dem lieben Gott danken, dass noch da ist, und geht mit etwas Glück Donnerstagnacht als Top-10 Pick nach Hause. Für uns ist Hayden ein weiteres dark horse, völlig unberechenbar. Warum? Weil er im letzten November fast das Zeitliche gesegnet hätte. Hayden wurde im Training beim Versuch, seinen besten Kumpel zu tackeln, wildest schwer verletzt, als eine lebenswichtige Vene zum Herzen riss. Erst eine Notoperation rettete ihm das Leben, und über die Monate war sein Genesungsprozess ein gut gehütetes Geheimnis.

Bis vor wenigen Tagen grünes Licht kam: Der Trainingsunfall wird von den Ärzten als once in trillion (oder so) eingestuft. Die Wahrscheinlichkeit, dass sowas nochmal passiert, ist verschwindend gering, und es gibt keine Langzeitschäden. Also ist Hayden fürn Draft frei gegeben und draftable. Wäre er erst nach dem Draft frei gegeben worden, hätte ihn vermutlich niemand gedraftet, oder ein Team in der siebten Runde.

Hayden, der Spieler, ist sensationell. Greg Cosell und Mayock sehen ihn als besten Cornerback im Draft: Super beweglich an der Anspiellinie, klebt wie eine Klette am Receiver, stets gefährlich für einen Turnover. Der plötzliche Hype um Hayden machte mich neugierig. Die Highlight-Tapes sind großartig, aber das ist bei jedem Spieler so. Was mir bei Hayden extrem gut gefiel: Er steckt nie auf, kämpft. Geht der Spielzug nicht in seine Richtung, lässt er nicht locker, sondern rennt dem Mitspieler zu Hilfe. Er setzt sich voll gegen den Lauf ein. Verfolgt Gegenspieler von hinten. Das ist selten bei Cornerbacks, die häufig in den Trabmodus verfallen, sobald sich der Spielzug auf die andere Seite des Feldes entwickelt. Es ist noch seltener bei hoch talentierten Jungs wie Hayden. Das spricht für ihn und seine Moral.

Zweifel sind aufgrund der schwachen Konkurrenz am College angebracht (Hayden spielte in der Conference-USA bei den Houston Cougars). Noch größere Zweifel bringt der Kopf, die mentale Seite: Ärzte sagen, das Risiko einer erneuten solchen Verletzung ist gleich groß wie bei allen anderen Athleten, also nahe null. Aber kann man das wirklich ganz ausschalten? In manchen Plays sicher, aber in jedem? Wie reagiert Hayden, wenn der nächste große Hit droht?

Alles in allem dürfte Hayden ein Spieler sein, der in der ersten Runde geht, aber nicht vor Milliner. Welches Kaliber von Spieler er sein wird, wissen wir freilich noch nicht. Aber eine der besten Geschichten, die sich um den Draft 2013 spannen lassen, ist D.J. Hayden allemal.

Es gibt weitere Spieler mit Potenzial, das für die erste Runde reicht. Xavier Rhodes von Florida State ist vielleicht etwas zu hüftsteif um in den Top-10 zu gehen, aber allemal physisch genug, um an der Anspiellinie eine Zecke gegen die kräftigsten Receiver zu sein. Desmond Trufant von Washington punktet mit Spielintelligenz und ausreichend Vielseitigkeit, um auf allen CB-Positionen auf dem Spielfeld antreten zu können. Jamar Taylor von Boise State kriegt auch seinen Hype, gilt als enorm beweglich und physisch genug, um auch große Kaliber auszuschalten. Taylor genoss in Boise einen extrem guten Ruf und wird als herber Verlust auf und neben dem Feld empfunden, auch wenn er nicht immer verletzungsfrei blieb.

Ein interessanter Spieler ist NC States groß gewachsener David Amerson, der noch im letzten Sommer als potenzieller Top-Draftpick gehandelt worden war. Damals war Amerson frisch von einer legendären Saison mit 13 Interceptions (!) gekommen. Das ließ sich nicht wiederholen, und so fiel Amerson in der Gunst der Scouts weit unten durch. Amerson ist ein reaktiver Spieler, der nicht in physische Grabenkämpfe an der Anspiellinie verfällt, sondern wartet, den Spieler nur gut genug abdeckt und dann im rechten Moment versucht, die Interception zu fangen. Cosell vergleicht ihn mit Asante Samuel. Im Notfall soll Amerson immer auf Safety umschulbar sein; ich wäre nicht überrascht, wenn Amerson ist der ersten Runde geht.

Für die zweite und dritte Runde werden viele weitere Leute in den Mischtopf geworfen: Jonathan Banks und Darius Slay von Mississippi State zum Beispiel. Banks war dort der #1-Mann, aber viele Scouts halten Slay für die bessere, weil physischere Option, während Banks möglicherweise besser als Safety geeignet ist. Weitere Namen, die man vernimmt: Sanders Commings, Leon McFadden und den, den man nie vergisst: Blidi Wreh-Wilson von UConn.

Irgendwo in den mittleren oder späten Runden wird auch Tyrann Mathieu einberufen werden – der Honey Badger, der den College Football vor eineinhalb Jahren in Entzücken versetzte, als er haufenweise Big Plays, Returns, Interceptions, Fumbles produzierte. Wenige Monate später war Mathieu verschwunden, eingebuchtet in einer Entzugsklinik, halb zerfressen von seiner Marihuana-Sucht. Es rumort, dass Mathieu bei „mindestens zehn“ Drogentests positiv getestet worden war. Jetzt soll er clean sein, aber auch nur seit einem halben Jahr.

Auf dem Feld ist Mathieu auch nicht von allem Zweifeln befreit: Er ist ein hopp-oder-topp Spieler, vergisst in manchen Momenten in seiner Gier nach dem Knockout-Punch seine Assignments und kassiert einen unnötigen 30yds-Pass im Slot. Weil Mathieu klein gewachsen ist, wird er kaum auf den Flanken eingesetzt werden, sondern wohl hauptsächlich im Slot spielen müssen, wo der typische Gegenspieler eher der kleine Flitzer ist – nur einen statt zwei Köpfe größer als Mathieu.

NFL-Bazar 2011: Defensive Backfield

Letzter Teil des Quadrupelheaders zur Free Agency: Die Deckungsspieler.

Cornerbacks

Vielleicht die bestbesetzte Position in der Free Agency – und wenn man sich mal vor Augen führt, wie schwer Teams auf der Suche nach ordentlichen Pass-Abwehrspielern sind, können sich grad einige dieser Männer bereits auf viel Sahne freuen.

Über Oaklands CB Nnamdi Asomugha zerreißen sich die meisten das Maul. Alle Statistiken weisen darauf hin, dass fast alle gegnerischen Offenses schon gar nicht mehr in Betracht ziehen, gezielt auf Asomughas Gegenspieler zu werfen. Das geht so weit, dass man mit etwas Humor behaupten könnte, Asomugha sei ein Segen für gegnerische (vor allem junge) Quarterbacks, da es das Lesen von Defenses erleichtere: Anstelle von vier Anspielstationen und vier möglichen Fehlerquellen nur mehr drei.

Asomughas Dilemma: Er möchte nach Jahren des Siechtums in Oakland endlich zu einem Titelkandidaten, wogegen er in wenig attraktiven Teams wie Buffalo oder Jacksonville aufgrund des Salary Cap Floors doppelt und dreifaches Geld einstreichen könnte. Als Favorit gilt derzeit Philadelphia, wobei ich es zu gerne sehen würde, wie Belichick/Brady gegen eine Secondary mit Revis/Asomugha auftreten würden – was angesichts der hohen Payroll in New York allerdings unwahrscheinlich scheint.

Zweitgrößter Name: Antonio Cromartie, teurer Jets-CB und seit Menschengedenken von einer speziellen Aura umgeben. Woher die kommt? Vielleicht, weil Cromartie einst bei Florida State spielte und dann in den Anfangsjahren in der NFL als meisterhafter Interceptor (oder so) glänzte. Mittlerweile mehr im Rampenlicht durch seine kuriose familiäre Situation (hat sieben Kinder von sechs Frauen in sechs Bundesstaaten) und durch spektakuläre Big Plays, von ihm oder gegen ihn. Asante Samuels reloaded, sozusagen. Dritter im Bunde: Jonathan Joseph, Cincinnatis starker, aber sehr verletzungsanfälliger Deckungsspieler. Joseph sollte in Cincinnati bleiben.

In der AFC North sind noch drei weitere Cornerbacks Free Agents: Die beiden Ravens Josh Wilson und Chris Carr – beide noch recht jung – und Steelers-CB Ike Taylor, der laut eines Schreiberlings in Pittsburgh ein „deutlich“ besserer Spieler als Asomugha ist. Taylor würgte in den Playoffs nacheinander Boldin und Holmes ab.

Paar weitere Namen: Atlantas Brent Grimes und Kansas Citys Brandon Carr – und beide haben mit rasanten Entwicklungssprüngen zuletzt auf sich aufmerksam gemacht. Beide sollten in ihren jeweiligen Mannschaften bleiben dürfen/müssen – beide sind RFAs.

Dazu kommt der Sprintertyp Philip Buchanon, der immer noch über einen guten Ruf verfügt – warum auch immer. Am Montag durfte man beobachten, wie Buchanon vor Jahren im MNF-Spiel gegen Oakland aufs Übelste verdroschen wurde – das war 2003 und Buchanon war damals grad eineinhalb Jahre in der NFL.

Safetys

Den Namen nach konkurrieren die Safetys mit den Cornerbacks um die beste „Free Agent Position“. Top-Mann ist mit Sicherheit Philadelphias Quintin Mikell, der nicht jünger wird (mittlerweile 30), aber in der abgelaufenen Saison lt. PFF einsame Spitze war und sämtliche Positionskonkurrenten in Grund und Boden gespielt hat. Die Eagles waren in jüngerer Vergangenheit recht schmerzlos im Umgang im älteren Spielern – ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass Mikell abwandern wird.

Roman Harper hat ein anderes Problem: Seine Vorstellung gegen die Seahawks in den Playoffs war so unterirdisch, dass man sich wunderte, wie der Mann noch in der Halbzeit auf der Payroll stehen konnte. Darf ansonsten als souveräner Safety durchgehen. Wie auch Oakland Michael Huff, der immer noch darunter leidet, als draft reach zu gelten – ein Problem, das genauso auf Buffalos Donte Whitner zutrifft.

Baltimore hat erstaunlich viele potenzielle Free Agents – auch bei den Safetys ist ein Mann dabei: Dawan Landry. Mit dem ständig schwebenden Damokles-Schwert namens „Ed Reeds Rücktritt“ im Hinterkopf könnte Landrys Weiterverpflichtung für die Ravens zur Pflichtaufgabe werden.

Weitere bekannte Namen: Eric Weddle (San Diego), Danieal Manning (Chicago) und Gerald Sensabough (Dallas) – alles interessante Namen in einer Liga, die nicht gerade Safetys im Überfluss zu bieten hat. Bei Weddle könnte erschwerend hinzu kommen, dass die Chargers im März die wandelnde Verletzung Bob Sanders eingekauft haben. Sanders galt noch vor kurzem als potenziell ligaweit bester auf seiner Position.