Football am Freitag – Meister gegen Schüler, Original gegen Original

Eine NFL-Notiz voraus: Jets-QB Sam Darnold fällt mit Pfeifferischem Drüsenfieber zumindest für das Monday Night Spiel gegen Cleveland aus – vielleicht länger. Damit wird am Montag QB Trevor Siemian für die Jets starten – damit sind wir eines richtig interessanten Duells zweier Teams, die bereits mit dem Rücken zur Wand stehen, beraubt. Weiterlesen

College Football 2019 Preview: Group of Five Mailbag

Die College Football-Saison steht vor der Tür! Nicht nur setze ich mich auf diesem Blog seit Wochen mit der Geschichte des College-Football auseinander. Heute schauen wir auch erstmals in die Zukunft – vor allem auf die anstehende Saison 2019.

Es geht in dieser ersten Preview um die Mid-Majors, also die Mannschaften, die in einer der kleinen Conferences abseits der Power-5 spielen: Die „Group of Five“. Namentlich geht es dabei um die American Athletic Conference (AAC), die Mountain West Conference (MWC), die Mid-American Conference (MAC), die Conference USA, die Sunbelt Conference sowie die Independents abseits von Notre Dame.

Das Format der Vorschau ist uns schon bekannt: Ich habe die Fragen gestellt. Die beiden College-Experten Christian Schimmel (@Chris5Sh / DerDraft) und Jan Weckwerth (@giannivanzetti / Triple Option Blog) stehen Rede und Antwort. Es geht um einige für mich interessante Teams sowie um einige interessante Coaches und die wichtigsten Quarterbacks zur anstehenden Saison. Weiterlesen

Big 12 Conference | 2015/16 Preview

Die Big 12 Conference wähnte sich letztes Jahr schwer verarscht, als sie am letzten Spieltag ihres sicher geglaubten Platzes im ersten College Football Playoff beraubt wurde. TCU und Baylor, beide nur mit einer Niederlage, wurden in der Abstimmung des Playoff-Komitees außen vor gelassen, wurden hinter Ohio State eingereiht.

Auch wenn Ohio State hinterher als erster Champion des Playoff-Systems seinen Platz sportlich rechtfertigen konnte, bleibt die Entscheidung von damals eine mit fadem Nachgeschmack. Die Big 12 reagierte mit der Idee, ihr Conference-Endspiel zu reanimieren, doch der viel gewichtigere Grund des Ausscheidens von TCU und Baylor dürfte schlicht der zu kleine Name der beiden Universitäten gewesen sein. Weiterlesen

College Football 2013/14, Preview Week 5 am Samstag

Vierter Spieltag am Samstag, und diesmal gibt es die besten Matchups nicht mehr am Freitag, sondern am Samstag. Gleich zu Beginn das TV-Programm bei uns – ich konnte es nicht testen, aber ich schnappte auf, dass SPORT1 US zuletzt die Sendepläne eingehalten hat – diesmal soll es folgender sein:

18h    West Virginia - Oklahoma State
21h30  Minnesota - Iowa
01h    Arkansas - Texas A&M
04h30  Washington State - Stanford
04h    Arizona State - USC

Programm des ESPN-Players dürfte im Tagesverlauf bei Allesaussersport aufschlagen. Ich hab heute keinen Zugriff drauf. Ab 21h30 dürfte Notre Dame-Oklahoma im NBC-Stream zu sehen sein; in den letzten zwei Wochen gab es dort keinen Geoblock. Das Spitzenspiel des Tages, Georgia-LSU ab 21h30, könnte im CBS-Stream zu sehen sein, aber ich wurde informiert, dass der Stream möglicherweise geogeblockt sein wird.

Liveblogging gibt es vermutlich wieder bei DerDraft.de. Weiterlesen

The Countdown, T-minus 57: West Virginia Mountaineers

Die West Virginia Mountaineers gehörten zu den exzentrischsten Teams in der letzten Saison, ihrer Debütsaison in der Big 12 Conference: Mal top mit sensationellen Punktezahlen in der Offense, mal flop mit Debakeln und katastrophalsten Defensiv-Vorstellungen. Ergebnisse wie 70-63, 700yds-Passoffense in einem Spiel, oder 350yds Laufspiel für einen Wide Receiver in einem Spiel? Es war alles dabei, ebenso wie 600 aufgegebene Passyards in der Abwehr.

West Virginia und die Rednecks (das Gros der Big 12 ist in den Rednecks zuhause) haben geographisch aber mal gar nix miteinander zu tun (suche den Ausreißer), aber kulturell passt die Offensivgewalt der Mountaineers wie Arsch auf Eimer in die Big 12. Diese Offense trägt die Handschrift vom Head Coach Dana Holgorsen, einem der kreativsten Köpfe im Football-Business. Holgorsen kommt aus der Air Raid-Offense, und es wurden viele, viele Einträge geschrieben, wie Holgorsen sein System implementiert.

Die kommende Saison wird Holgorsens größter Test: 2012 war mit ihrer 7-6 Bilanz das schlechteste Jahr der Mountaineers seit einem Jahrzehnt, und nun ist auch noch fast alles an Spielermaterial weg, was Rang und Namen hatte: QB Geno Smith, WR Stedman Bailey, WR Tavon Austin. Läuft Holgorsens Offense auch geschmiert, wenn nur noch unbekannte Spieler dabei sind?

Charakteristisch für die Mountaineers ist eine Orgie an schnellen Kurzpässen, die häufig (Schätzungen sind 1/3 der Passversuche) schon hinter der Anspiellinie gefangen werden und dann von schnellen, wendigen kleinen Receivern mit vielen Yards after Catch nach vorne getragen werden. Die Offense ist, wenn sie „klick macht“, super effektiv, aber es hängt vieles an der Offensive Line, die bei mir im Ruf steht, zuviel Auf und Ab zu sein. Werden zu viele Assignments verpasst, werden die Spielzüge zu schnell abgewürgt, und dann kommen eine Woche nach einem Punktefestival plötzlich scheinbar unerklärlicherweise nur mehr 14 Offense-Punkte raus.

Holgorsen steht im Verdacht, sich zu sehr auf seine Kernkompetenzen (er war jahrelang WR-Coach) zu konzentrieren und alles weitere (O-Line, Defense) zu stark zu vernachlässigen. Die Defense muss nicht spektakulär sein, aber sie sollte wenigstens etwas mehr Passrush zustande bringen: 23 Sacks sind bei der Unzahl an Würfen, die die WVU-Defense gegen sich ausgespielt sah, viel zu wenig. Die Hoffnung ist auch, dass die mittlerweile etwas erfahreneren Defensive Backs aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.

Zumindest eine 6-6 Bilanz und die damit einher gehende Qualifikation für die Bowl Season sind aufgrund des Schedules wohl drin – viel mehr könnte aber schon zuviel verlangt sein, wenn die Offense zu stark nachlässt und die Defense zu wenig verbessert auftritt. WVU 2013 = Mittelklasseteam in der Big 12.

Orange Bowl 2012: #15 Clemson Tigers – #23 West Virginia Mountaineers

Heute Nacht, 4./5.1. um 02h LIVE bei ESPN America
Aufzeichnung am 5.1. um 19h30 bei ESPN America

Ein Spiel mit vielen Storylines. Die erste ist die bekannte Schlammschlacht zwischen den beteiligsten Ligen, deren Champs hier antreten: Die Atlantic Coast Conference (ACC) wird von der Big East Conference beschuldigt, für deren schleichenden Niedergang verantwortlich zu sein. Nachdem die ACC vor einem halben Jahrzehnt Miami, Virginia Tech und Boston College abgeworben hatte, folgen in Kürze (2014) mit Pitt und Syracuse zwei weitere namhafte Universitäten. Bei genauerer Betrachtung eine Loose/Loose-Situation: Die Big East ist mittlerweile verzweifelt genug, um in Bälde bis nach Südkalifornien (!) zu expandieren, während die ACC ihrerseits durch die vielen Additionen nicht wirklich an Strahlkraft gewinnen konnte.

So ist die Orange Bowl auch seit Jahren die BCS-Bowl, an der man aus einem Grund meist vorbeisieht: Hier spielt vertraglich gesichert mit dem Meister der ACC meistens eine Mannschaft, die nicht zur Spitze im College Football gezählt wird. Nachfolgend die eingehenden BCS-Rankings des ACC-Champs der letzten Jahre:

2005/06 Florida State      #22
2006/07 Wake Forest        #14
2007/08 Virginia Tech       #3
2008/09 Virginia Tech      #19
2009/10 Georgia Tech        #9 (nachträglich aberkannt)
2010/11 Virginia Tech      #13

2011/12 hat es mit den Clemson Tigers mal wieder eine echte Überraschungsmannschaft geschafft. Ein Kultteam aus einem Kleinstädtchen in South Carolina, seit Jahren berühmt dafür, sein Potenzial nicht ausschöpfen zu können. Jahrelang scheiterte man an einer lendenlahmen Offense. Die heurige Saison galt dann auch als Prüfstein für den im Sommer nicht mehr unumstrittenen Head Coach Dabo Swinney – und angeführt von einer fantastischen Freshman-Klasse explodierte Clemsons Offense (33.6pts/Spiel), während man über die gesamte Saison eine suspekte Defense mit sich schleifen musste. Das führte dazu, dass man lange Zeit ungeschlagen war, dann doch dem Nervenkostüm und den Verletzungen Tribut zollen musste, am Ende ausgepowert zu sein schien, ehe der dann überraschende Kantersieg über Virginia Tech im ACC-Finale folgte, der das Ticket in die Orange Bowl löste.

Als ausgemachter Superstar im Tiger-Angriff gilt Freshman-WR Sammy Watkins, ein Rastaman mit 77 Catches für 1153yds und 11 TD trotz Verletzungsmisere im November, und dazu ein gefährlicher Mann für Reverse-Spielzüge und Returns – mit Nebenleuten wie WR DeAndre Hopkins (871yds, 4 TD) oder den Running Backs Andre Ellington (1062yds, 10 TD) und Mike Bellamy (Freshman, 6.0yds/Carry) gibt es da plötzlich haufenweise passable Skill Players, die man für das Aufblühen des bereits als ewiges Talent abgestempelten QB Tajh Boyd (3578yds, 31 TD, 10 INT plus 5 Rush-TD) verantwortlich macht.

Clemson trifft nun allerdings auf die West Virginia Mountaineers, ein Gegner, der die 3-3-5 Defense spielt, ein System, das Clemson so noch nicht zu Augen bekommen hat. „3-3-5“, das bedeutet: Eine quicke, sehr viel schwerer ausrechenbare Defense. Blitzes können von allen Seiten einschlagen, Offensive Line und Quarterback müssen mehr Denksport als gewohnt betreiben. Wie wird Boyd darauf reagieren und wird man verstärkt auf Laufspiel setzen?

West Virginia hat als Wackel-Champ der in der Spitze schwach besetzten Big East Conference das Orangebowl-Ticket gelöst. Der Weg dahin war eine Achterbahnfahrt, to say the least. Nach der abgelaufenen Saison 2010/11 wurde dem damaligen HeadCoach Bill „Leave No Doubt“ Stewart vom ambitionierten „GM“ Oliver Luck (Andrews Papa) in Offensivgenie Dana Holgorsen ein übernahmebereiter Assistent untergejubelt. Was der lokalpatriotische Stewart nicht verkraftete. Stewart zettelte eine Verschwörung an, streute via Lokalpresse Gerüchte über eine angebliche Alkoholkrankheit Holgorsens, wurde dann jedoch enttarnt und musste nach einer rührenden Schlammschlacht in der Sommerpause seinen Hut nehmen. Holgorsen übernahm den Laden per sofort, und neben Stewards Ruf war auf Lucks Reputation mächtig angekratzt.

Die Erwartungen an Holgorsen aber waren so exorbitant, dass das „9-3“ mit der knapp eingefahrenen Big East-Krone am Ende als leichte Enttäuschung gewertet wurden (hohe Niederlage gegen LSU trotz deutlich mehr erzielter Yards, hohe Niederlage gegen Underdog Syracuse, knappe Niederlage gegen Louisville). Die Offense ist ein Punktesammler (34.9pts/Spiel) und verlässt sich stark auf den Quarterback Geno Smith (3978yds, 25 TD), der trotz vieler Versuche kaum Turnovers produziert (nur 7 INTs in 483 Passversuchen), wird aber gehandicappt von einem schwachen Laufspiel. Gepaart mit einer unterdurchschnittlichen Defense ergibt sich das Gesamtbild einer guten, aber nicht großartigen Mannschaft, was sich im BCS-Ranking von #23 in etwa widerspiegelt.

Für West Virginia ist es das letzte Spiel als Mitglied der Big East, nachdem man bereits 2012/13 fröhlich mit Oklahoma und Texas Tech in der Big 12 Conference gunslingern wird. Eine Prognose fällt schwer, da beide nicht wirklich die nötige Stabilität ausstrahlen und große Aussetzer in beide Qualitätsrichtungen aufweisen. Clemson wird von Excel mit 1,3 Punkten favorisiert, aber das ist so ein Spiel, in dem mich kein Ergebnis in beide Richtungen überraschen würde. Nur so viel: Es wird etliche Punkte geben.

College Football 2011/12 Preview: Big East Conference

Teil 6 der großen Saisonvorschau im College Football features: Big East Conference, die erste der BCS-Conferences, d.h. der Conference-Champ bekommt auf alle Fälle einen Platz in einer der lukrativen BCS-Bowls, unabhängig von seinem Ranking in den Polls. Beheimatet im Nordosten der USA, mit einem ganz großen Ausreißer, der University of South Florida, die ein paar tausend Meilen weiter südlich im Tampa spielt, sieht man die Big East seit Jahren auf dem absteigenden Ast, nachdem Miami, Virginia Tech und Boston College gen ACC abgewandert sind. In anderen Worten: Nicht wenige sind der Meinung, dieser Conference müsste der automatische Startplatz in der BCS-Bowl entzogen werden.

Gegenreaktion: Ab 2012 werden die TCU Horned Frogs dort mitspielen. TCU liegt im fernen Forth Worth (nahe Dallas), dessen Werbeslogan „Where The West Begins“ dann eigentlich in „Where The East Ends“ umgetauft werden müsste.

Ohne TCU wird sich in diesem Herbst ein Trio um den BCS-Bowlplatz balgen. Top-Favorit sind dabei die West Virginia Mountaineers, trotz ihrer turbulenten Offseason inklusive Intrigen und Selbstbereinigung im Trainerstab. Den merkwürdigen Umständen rund um das Mobbing gegen OffCoord Dana Holgorsen habe ich bereits im Juni einen eigenen Blogeintrag spendiert – Dochnichtalki Holgorsen ist nun ein Jahr früher als gedacht Cheftrainer.

Und Holgorsen steht für Offense, bedingungs- und gnadenlos. Wer vor zwei Jahren Houston (College-Variante namens „Cougars“) und letzen Herbst die Oklahoma State Cowboys gesehen hat, weiß, wovon die Rede ist. Hier wird die famose „Air Raid“-Offense rauf und runter gespielt, ein Erbe des zwielichtigen Mike Leach.

„Air Raid“ bedeutet: Konsequentes Spiel aus der Shotgun-Formation, mit 4 WR und 1 RB, zigtausende schnelle, kurze Pässe über die Mitte und noch mehr Yards after Catch. Holgorsen hatte zuletzt in Oklahoma State mit Kendall Hunter einen famosen Running Back, der in West Virginia abgehen wird, wie auch ein monströser Wide Receiver á la Justin Blackmon. Man darf also erwarten, dass hier die Freunde vom Weswelker-Spiel feuchte Höschen bekommen werden – und die Mitte des Spielfeldes besonders liebevoller Platzwart-Pflege bedürfen wird.

Ich bin gespannt, wie sich Offensivgenie Holgorsen als Cheftrainer machen wird, ein Job, der dann doch mehr Qualitäten als simples Play Designing erfordert. Allerdings scheint Holgorsen im ultra-enthusiastischen Morgantown aktuell kritikfreies Objekt zu sein – wir erleben hier den BigEast-Favoriten 2011/12.

Unterhaltsam in Sachen „Trainersessel“ war es auch bei den Pittsburgh Panthers, allerdings noch in der Winterzeit. Der langjährige Coach Dave „Schnäuzer“ Wannstedt wurde trotz ordentlicher Bilanzen wegen zu einschläferndem Spielstil gefeuert und gegen den ambitionierten, aber unkoscheren Mike Haywood ausgetauscht. Haywood war dann ganze 16 Tage Chef, bis er zu Sylvester wegen häuslicher Gewalt (ergo: die Mutter seines Sohnes im Würgegriff gehalten) und zu negativer Presse wieder rausgeworfen wurde. Notnagel, aber immer noch zufriedenstellende Lösung: Todd Graham, der aus Tulsa kommt und nun die ultralangweilige Wannstedt-Offense gegen eine No-Huddle/Spread-Offense eintauschen soll. Welch Überraschung: Sämtliche Vorbereitungsbeobachter sprechen von massiven Timing-Problemen. Als Kollateralschaden der winterlichen Trainerposse könnte sich in einigen Jahren die ausgedünnte Recruiting-Klasse erweisen.

Dritter im Bunde der Favoriten: Die South Florida Bulls mit ihrer leidenschaftlichen black’n’blue-Defense, die keine Knochen verschont lässt. Der Hund liegt in der Offense begraben, wo der inakkurate Scrambler QB B.J. Daniels ein Unsicherheitsfaktor ist und immer wieder Spiele mit zwei oder drei Turnovers einstreut. Persönlich gefiel mir Daniels in der Meineke Car Care Bowl gegen Clemson so übel allerdings nicht (31-26 Sieg). Mit RB Darrell Scott kommt übrigens ein einst brutal gehypter Back frisch aus Colorado. Dort war Scott eine große Enttäuschung.

Star auf der Uni in Tampa ist Head Coach Skip Holtz, der Sohn der Legende Lou, und seit eineinhalb Jahren am Steuer. Holtz könnte die Schlüsselfigur für dieses aufstrebende Programm werden und hat schon bei East Carolina gezeigt, wie man eine Offense innerhalb weniger Jahre titelfähig macht. Einmal Holtz auffm Trainersessel und einmal Notre Dame als Saison-Opener: Gebt mir ESPN mit Lou Holtz in der Pregame-Show!

Abseits der Top 3

In Schlagdistanz könnten sich die Cincinnati Bearcats befinden, deren Ansprüche nach dem sensationellen Aufenthalt von Head Coach Brian Kelly (2007-09, jetzt Notre Dame) in die Höhe geschnellt sind – kuschelige sieben Siege werden nun nicht länger akzeptiert. Butch Jones hatte schon bei Central Michigan Erfahrungen als Kellys Nachfolger gemacht und dort für neue Höhenflüge gesorgt. In Cincinnati gab es eher einen auf’s Maul: 4-8 in der Debütsaison, vor allem dank katastrophaler Defense. Diese sollte heuer erfahrener sein, wie auch QB Zach Collaros, der mit der konservativeren Offense von Davis nicht recht zurechtkommen wollte. Diese Saison gilt noch einmal als Aufbausaison, aber 2012 wird es mit brutalem Schedule Zeit, dass die Bearcats wieder zur Hochform auflaufen.

Wie Cincy hatten auch die Louisville Cardinals vor wenigen Jahren mal eine Blütezeit unter einem großen Coach („groß“ wirklich nur im Sinne von „Coach“, es handelt sich um Windhund Bobby Petrino) und seitdem nur Enttäuschungen. Seit eineinhalb Jahren coacht nun der schwarze Charlie Strong, der so manchem Unipräsidenten bereits öffentlich Rassismus unterstellte, nun aber endlich den verdienten Chefsessel bekam, nachdem er masisiv an Floridas Titelgewinnen beteiligt war. Strongs Mannschaften spielen wie selbiger: knüppelhart. Passend dazu der QB Will Stein, ein ehemaliger Walk-on, ohne auffallende physische Attribute, aber der einnehmende Leadertyp. Strong muss ansonsten auf zig Abgänger verzichten und sich mit einem chaotisch zusammengestellten Kader plagen. Nicht die allerbesten Voraussetzungen.

Titelverteidiger in der Big East ist das Sensationsteam der Connecticut Huskies. UConn, ebenso NCAA-Basketballchamp zur Zeit, erlebte aber im Anschluss an die Fiesta Bowl eine herbe Enttäuschung: Head Coach und Vaterfigur Randy Edsall floh gen Virginia. Wer gedacht hatte, hier sei eine Dynastie am Horizont erkennbar, fühlte sich getäuscht. Der neue Coach ist Paul Pasqualoni, ein Urgestein und einstiger McNabb-Entdecker, und er muss eine tote Offense beleben, deren Top-RB Jordan Todman in die NFL ging.

Pasqualonis Ex-Uni: Syracuse, wo die Orange in ihrer Halle eine Dekade des Siechtums hinter sich haben, zufällig genau seit Pasqualonis Abgang. Unter Offensivgenie Doug Marrone geht es zuletzt wieder aufwärts, aber bizarrerweise genau wegen der DEFENSE, die ganze 164yds/Spiel zulässt. Las man, nur um dann einen Kollaps in der Pinstripe Bowl zu erleben. Quarterback ist mit Ryan Nassib einer, der lieber den Ball in den dritten Rang schmeißt als irgendwo in die Nähe eines Abwehrspielers – wichtige Essenzien für Syracuse, aber ungebräuchlich für eventuelle NFL-Ambitionen.

Und damit zum vermeintlichen Bodensatz der Big East: Rutgers. Vor zwei Jahren hätte das lachhaft gewirkt, die Scarlet Knights aus New Jersey waren unter dem omnipräsenten Greg Schiano schnurgerade auf dem Weg nach oben – und das auch noch mit den zweitbesten Noten im Prüfungssaal landesweit! – aber Abgänge und interne Reibereien haben für sehr niedrige Erwartungen in dieser Saison gesorgt.

Teil 7 morgen: Die letzte non-BCS Conference. Mit zwei mittlerweile sportlichen Schwergewichten und zwei gefährlichen Außenseitern.

It’s Mountaneer pride. Nothing cheap. From the heart.

You stay within the legal limits of the game. It’s Mountaineer Pride. Nothing cheap. From the heart. […] Don’t ever leave your wingman..never, ever bail out on your brother. You help, you strain, and you just FIGHT.

Das ist eine der besten pre game speeches, die ich kenne. Sie stammt von Bill Stewart, 2. Jänner 2008. Eine Rede in den Katakomben von Glendale, vor der Fiesta Bowl der West Virginia Mountaineers gegen Alabama. Stewart war gerade als Interimstrainer nach dem hässlichen Abgang von Rich Rodriguez gen Michigan eingesetzt worden – ein Lebenstraum.

Heute wird Bill Stewart 59. Gestern musste er als Coach der Mountaineers zurücktreten. Eine verworrene Geschichte.

Um kurz auszuholen: Die Mountaineers wollen unter dem Sportdirektor Oliver Luck – Andrews Vater – hoch hinaus und haben deshalb im Winter den genialen Offensive Coordinator Dana Holgorsen geholt, um ihn im Schatten von Stewart ein Jahr lang als Nachfolger aufzubauen. Stewart, ein Lokalpatriot durch und durch, litt darunter wohl ärger als gedacht und zettelte eine beispiellose Schmutzkampagne gegen Holgorsen an, u.a. auch die hier vor ein paar Tagen angesprochene Alkoholsucht Holgorsens. Eine non-existente Alkoholsucht.

Stewart muss nun gehen, sieben Monate früher als gedacht. Und wieder einmal hat sich gezeigt, dass das Konzept coach in waiting nicht so recht funktionieren will. Ralph Friedgen kann ein Liedchen davon singen.

Don’t bail out on your brother, baby.

Huch, zwei Zentner? 34D iss mir doch lieber oder wie NFL-Profis ihre Playbooks lernen

Football ist ein rauer Sport und der Körper muss extrem durchtrainiert sein. Aber der fitteste Profi sieht in der NFL kein Land ohne das Playbook zu kennen. Der Football-Lesebefehl für den heutigen Tag: Wie merken sich NFL-Profis überhaupt die Plays?

Executive summary

Ein hoch spannendes Thema, aus der Schule noch bekannt als „Finde deinen Lerntyp“ heraus. Es gibt den Typ mit dem fotografischen Gedächtnis („Der Nachwuchs der Scutigerella immaculata? Ah ja, stand im Biologiebuch auf Seite 239, linke Spalte, zweiter Absatz, in Kursivdruck!“), oder den assoziativen Typ (der Klassiker TEAM = Toll Ein Anderer Macht’s, oder IBM = immer billige Maschinen, oder FIAT = Fehlerhaft in allen Teilen), den visuellen Typ, den kategorisierenden Typ und so weiter, und so fort. Eine interessante Materie schon zu Schulzeiten.

Und nichts ging darüber, abends um 12 im Bett Lateinvokabeln herunterzulesen. Ich habe sie nicht mal gelernt. Ich habe sie nur laut gelesen. Mich schlafen gelegt. Und am nächsten Morgen wusste ich sie alle. Es geht nichts über eine Prise Schlaf vor einem Test, und es gibt keine bessere Zeit, sich etwas zu merken. Weil das Gehirn im Schlaf weiterdenkt. Soll angeblich auch wissenschaftlich erwiesen sein.

Das war auch die Methode, die Trent Dilfer (Superbowl-Champ mit den Ravens 2000/01) in seiner Karriere angewandt hat. Dilfer war ein mittelmäßiger QB, ein Wandervogel, und Dilfer ist heute einer der unterirdischsten Experten, die im amerikanischen Fernsehen so durch die Gegend laufen. Einer, der den Finger in den Mund steckt, den Wind prüft und sich danach seine Meinung bildet.

Das sei nicht das Thema. Denn Dilfer hat diesmal sogar interessante Sachen zu erzählen. Eine tiefere Ebene als das bloße Merken von Spielzügen ist das Verstehen hinter der Philosophie, nach der die Spielzüge zusammengestellt sind. Dazu gehört die Sprache. Ein und der selbe Spielzug kann in Franchise X „Fett Sack kg 193“ heißen und in Franchise Y „Tussi BH 34D“. Viele Spieler scheitern daran, dass sie nach dem Wechsel von Y nach X weiterhin nur 34 D im Kopf haben. Oder so.

Dieser Wechsel von Offensivsystemen ist nach Dilfers Meinung auch der Grund, warum z.B. San Franciscos Alex Smith mittlerweile völlig chancenlos in der NFL ist. Smith musste in sechs Jahren unter sechs Offensive Coordinators spielen und folglich auch sechsmal neu ein Playbook erlernen. Wohlgemerkt: Playbook, das ist mehr als eine Aneinanderreihung von Spielzügen. Playbook ist als großes Ganzes ein Konzept, das es vor allem für Quarterbacks zu verstehen gilt.

Die Story macht auch anschaulich, warum viele junge Quarterbacks beim ersten Teamwechsel nach 1-2 Jahren verbrannt sind. Sie macht deutlich, wie schwer es für einen Wandervogel überhaupt in der NFL ist. Besonders für Wandervögel wie Trent Dilfer, die sich zusehr in Details verfangen („anal-retentive“ (O-Ton Dilfer), mit besten Grüßen an den lieben Freud), ohne auf das große Ganze zu achten („Ein Playbook ist mehr als die Zusammenstellung der einzelnen Plays“).

Teams beginnen immer mehr, ihre Spieler via eigens programmierter Software Playbooks am Computer erlernen zu lassen. Seit ein paar Jahren existieren Versuche, anhand von KI mit aufgepeppter Madden-Grafik möglichst realistische Simulationen für ihre Spieler zu schaffen, z.B. einen Spielzug und dahinter die Defense, die in zwei Dutzend Aufmachungen daherkommen kann.

My take

Bei lernintensiven Prüfungen sind Schüler schlau: Sie bereiten sich am exaktesten auf die Dinge vor, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit kommen. Die eher unwichtigen Dinge werden außen vor gelassen. Wer erinnert sich?

Interessant an der Geschichte ist auch, dass die NFL überhaupt so komplex denkt. Ein Playbook für eine Sonntagspartie besteht aus schätzungsweise 80 Spielzügen. Nehmen wir an, 45-50 davon sind Basisspielzüge (einfache Slant-Routen, einfache Draws, einfache Counter-Läufe) – und jetzt spricht der Sofa-Footballer: Worin läge der besondere Nachteil, die verbleibenden 30 Plays speziell auf die Partie angepasst auf dem Platz einzutrainieren? Denn ich finde es ziemlich fassungslos und eine massive Zeit- und Energieverschwendung, wenn Derrick Ward erzählt, die Houston Texans hätten 300 Spielzüge im Playbook. 300 Plays. Eine Mannschaft hat in Offense und Defense im Schnitt rund 1100 Plays pro Saison. Man mache die Rechnung.

Zugegeben, etwas simplifiziert.

Danas take

Einen Ansatz zu dieser Idee lieferte vor nicht allzu langer Zeit das Offensiv-Genie Dana Holgorsen (West Virginia, einst Texas Tech und zuletzt bei den passgewaltigen Oklahoma State Cowboys). Holgorsen schmetterte damit, eine Offense in DREI TAGEN installieren zu können. Wir reden hier von keinem Theoretiker. Holgorsen hat in den letzten Jahren reihenweise Rekord-Offenses gebaut, an mehr als einer Handvoll verschiedenen Universitäten, und soll(te) nun Oliver Lucks Streben nach der College-Meisterschaft an der WVU befriedigen. [*]

Holgorsens Ansatz: Jeder Spieler im Roster hat GENAU eine Aufgabe. Ein Slot-WR wird nur im Slot aufgestellt. Ein WR, der einmal außerhalb der Hashmarks zum Einsatz kommt, wird immer und ausnahmslos dort zum Einsatz kommen. Dadurch erreicht Holgorsen einen hohen Grad an Spezialisierung, aber auch einen geringeren Grad an Komplexität für den einzelnen Spieler, der sich nur auf die Aufgaben einer einzelnen Position beschränken kann.

Holgorsen züchtet sich die anti-Harvins heran, sozusagen. Aber bitte selbst lesen, und zwar hier.

[*] Holgorsen erlebt, wie wir seit kurzem wissen, nicht immer die trockensten Zeiten und steht aktuell trotz seiner Genialität vor dem Abschuss, weil er sich im Rausch nicht beherrschen kann. Das geht soweit, dass sogar Oliver Luck (Andrews Vater), ein Schwergewicht im College Football und WVUs Sportdirektor, arg unter Beschuss gekommen ist. Das sei am Rande erwähnt.