NFL Notizblock, Week 2: MNF Pittsburgh Steelers @ Cincinnati Bengals

Es war das typische AFC-North-Duell, wie man es erwarten konnte: gute Defense, harte Hits und wenig Punkte. Da Steelers/Bengals aber noch lange nicht die Intensität der Steelers-Ravens-Rivalry hat, mangelte es streckenweise an Aufregung. Aber hey: nächste Woche spielt Oakland Monday Night. Also suchen wir mal das Positive.

Noch vor dem ersten Kaffee heute morgen ist sofort Troy Polamaulu aufgefallen. Mr. Hit&Shoulders sticht nicht nur aufgrund seiner Mähne ins Auge, sondern auch weil er eine einmalige Rolle spielt. Vor dem snap ist er überall zu sehen: mal neben den OLBs, mal zwischen den ILBs, mal im slot wenn er einen TE in man coverage nimmt und manchmal gar nicht, wenn er ganz tief auf der Jagd nach Interceptions seine Kreise zieht. Gegen Cincinnati hat er immer mal wieder hier und da ein play gemacht, aber das ganz große Ding war nicht dabei. (Aber fast: einen screen pass hat er so schnell erkannt, daß er beinahe schon in der passing lane war, bevor Dalton denn Ball geworfen hat. Haarscharf am pick six vorbei.)

Stats / Gamebook

Gamebook

Der zweite Spieler, der bei Pittsburghs D immer auffällt, ist Cornerback Ike Taylor. Schon seit Jahren verteidigt er in jedem Spiel den Nr.1 WR der gegnerischen Mannschaft und schon seit Jahren macht er kaum Fehler dabei. Er ist nicht der schnellste Mann unter der Sonne, aber dafür recht groß mit knapp 1,90m und vor allem technisch perfekt und einer der klügsten Defensive Backs diesseits von Darrelle Revis. Gestern hat er A.J. Green verteidigt, stark wie eh und je: 14 targets, nur sechs completions für 41 Yards.

Wie eh und je hat auch die Steelers-D insgesamt verteidigt: sehr diszipliniert, kaum missed tackles, keine blown coverages. Daß ILB Larry Foote verletzt fehlte (für ihn spielten abwechselnd Kion Williams und Vince Williams) und OLB James Harrison nicht mehr da ist (für ihn spielte Rookie Jarvis Jones) fiel nicht unbedingt negativ auf, aber die jungen Ersatzleute machen noch nicht den großen impact. Jede Menge kurze Pässe zu Green und Mo Sanu, kurze Pässe zu den TEs Tyler Eifert und Jermaine Gresham und 30 Läufe von BJGE & Bernard haben immerhin für 20 Punkte gereicht.

Auf der anderen Seite des Balles sah es dagegen sehr un-Steelers-mäßig aus. Der wild scramblende, Verteidiger abschüttelnde, den Ball übers gesamte Spielfeld prügelnde Ben Roethlisberger ist nur noch sehr selten zu sehen. Seine speed guys Antonio Brown und Emmanuel Sanders fangen jetzt ständig screens statt tief zu laufen; TE Heath Miller fehlt an allen Ecken und Enden; der beste OLiner fehlt auch; nur das Laufspiel ist wie immer: 2,8 yards per carry.

Das paßt nicht viel zusammen in Pittsburghs Angriff. Immerhin konnte Cincys DT Geno Atkins ganz gut eingebremst werden, soweit ich das sehen konnte. Spielte er auf der rechten Seite der Offense, kam Guard David DeCastro ganz gut mit ihm klar; stand er links, bekam er so gut wie immer ein double team. DE Michael Johnson hat dafür umso mehr Terror gemacht. Schwächen haben die Bengals immer noch in der Mitte hinter der DLine, wenn in der Nickel-D Ray Maualgua und Vontaz Burfict TEs oder RBs decken müssen.

Cincinnati bleibt unspektakulär, aber wie schon letzte Woche gegen Chicago mehr als solide. OC Jay Gruden ist sehr kreativ mit seinem TE-Duo, und wenn das noch gefährlicher wird (gestern zusammen neun catches, 132 Yards) und Rookie RB Gio Bernard mehr Vertrauen und mehr carries bekommt (neun touches, 65 Yards, TD), kann dieser Angriff nur besser werden. Die Bengals bleiben Favorit auf die AFC-North-Krone. Pittsburgh ist nocht nicht ganz veloren, dafür ist die Defense zu stark. Aber irgendwas müssen sich OC Todd Haley und HC Mike Tomlin überlegen. Nächste Woche spielen sie wieder in prime time, zu Hause gegen Chicago. Bei einem 0-3-Start könnte es sogar in Pittsburgh lautere Unruhe geben.

Glaskugel 2012: Pittsburgh Steelers

Eigentlich könnte man für die Pittsburgh Steelers jedes Jahr die gleiche Vorschau schreiben: super Defense, toller Ben, schlechte O-Line – mindestens Playoffs. Die letzte große Veränderung gab es 2006, als der damals 34-jährige Mike Tomlin, vormals DBs Coach der Bucs und DC der Vikings, den Cheftrainerposten vom ewigen Bill Cowher übernahm. Tomlin ist nach Cowher und Chuck Noll erst der dritte Head Coach der Steelers seit 1969. Das wird er auch erstmal bleiben, erst in den letzten Tagen hat Tomlin seinen Vertrag bis 2016 verlängert.

Überhaupt ist die Geschichte der Steelers eine Geschichte der Kontinuität. Seit Jahren und Jahrzehnten ist das personell management wie aus dem Lehrbuch: building through the draft. Gerade die Spieler aus den Runden zwei bis fünf werden in steter Regelmäßigkeit ab ihrem zweiten oder dritten Jahr Stammspieler und Leistungsträger. GM Kevin Colbert schafft es Jahr für Jahr, eine Mannschaft zusammenzustellen, die um den Super Bowl mitspielt.

Defense

In der Defense ist eigentlich alles so wie immer. Die D-Line ist groß, dick und namenlos; die Linebackers sind sehr smart und noch viel aggressiver, manchmal auch andersrum; CB Ike Taylor macht eine Seitenlinie dicht und den Rest übernimmt Safety Troy Polamalu. Orchestriert wird das ganze seit gefühlt 1963 von DC Dick LeBeau.

Einige kleinere personelle Änderungen auf der defensiven Seite gibt es aber doch. Altersbedingt hängen DE Aaron Smith und LB James Farrior ihre Pads für immer in den Spind; leistungsbedingt wurde CB Bryant McFadden vor die Tür gesetzt und geldbedingt hat Nr.2-CB William Gay in Arizona unterschrieben.

Schedule

Wk1 @ DEN (SNF)
Wk2 v NYJ
Wk3 @ OAK
Wk4 BYE
Wk5 v PHI
Wk6 @ TEN (TNF)
Wk7 @ CIN (SNF)
Wk8 v WAS
Wk9 @ NYG
Wk10 v KC (MNF)
Wk11 v BAL (SNF)
Wk12 @ CLE
Wk13 @ BAL
Wk14 v SD
Wk15 @ DAL
Wk16 v CIN
Wk17 v CLE

Für alle vier wurde die Nachfolge aber bereits in-house geregelt – wie das bei den Steelers eben so üblich ist. Um Smiths Nachfolge balgen sich zwei 1st-rd pick: Ziggy Hood (2009) und Cam Heyward (2011). Hood konnte bis jetzt noch nicht sonderlich überzeugen und Heyward hatte nach fehlenden OTAs und richtigem Trainings Camp letztes Jahr auch so seine Schwierigkeiten, sofort durchzustarten. Das sollte aber vor allem im Falle Heyward nicht viel heißen, die meisten jungen Steelers starten nicht sofort voll durch.

So ist man dann in Pittsburgh auch gar nicht so traurig, daß Gay und McFadden nicht mehr dabei sind. Mit Keenan Lewis (3rd-rd 2009), Curtis Brown (3rd-rd 2011) und Cortez Allen (4th-rd 2011) sind drei vielversprechende Jungspunde im Kader, von denen man viel erwartet. Starter neben Taylor soll Lewis werden.

Farrior wird jetzt in Vollzeit von Larry Foote ersetzt, der mit seinem Nebenmann Lawrence Timmons auch die Aufgabe haben wird, den in der dritten Runde gedrafteten Sean Spence einzulernen.

Umgeben sind Foote/Timmons immer noch vom besten OLB-Duo der Welt. Ohne Diskussion. James Harrison und LaMarr Woodley haben hinter sich auch zwei talentierte Nachwuchskräfte, die sich ihre Sporen verdienen wollen. Jason Worilds (2nd-rd pick 2010) und Chris Carter (5th-rd pick 2011) machen sich noch zwei, drei Jahre warm, bis der 34-jährige Harrison dann mal abtritt.

So hat Pittsburgh auf so gut wie allen Positionen talentierte junge Leute, die ganz old-school mäßig erstmal zwei, drei Jahre alles von der Pike auf lernen und dann die Altvorderen ablösen.

Immer wieder taucht das Gerede von “ach-zu-alte-Defense-Pittsburgh” auf, aber wenn man sich das mal genau beguckt, stimmt das gar nicht. In der D-Line kommen Heyward und Hood; dazu noch der diesjährige 4th-rd pick Alameda Ta´amu, der Casey Hampton ablösen wird. Timmons und Woodley wurden erst 2007 gedraftet und für die beiden anderen LB-Spots – die ja erstmal noch hervorragend besetzt sind – sind auch schon Nachfolger im Kader. In der Secondary sind drei sehr junge Cornerbacks, in die viel Vertrauen gesetzt wird. Viel besser geht langfristiges Teambuilding gar nicht.

Offense

In der Offense sind zwei Veränderungen zu beobachten. Zum einen wurde der langjährige Offensive Coordinator Bruce Arians unter mysteriösen Umständen gegangen – sehr zur Verärgerung von QB Ben Roethlisberger. Der muß sich jetzt mit dem im persönlichen Umgang nicht immer sehr einfachen Todd Haley arrangieren. Zum anderen haben sich die Steelers in den letzten zwei, drei Jahren ganz heimlich, still und leise eine junge, talentierte Offensive Line zusammengestellt, die für erhebliche Überraschungen sorgen könnte.

Fangen wir mit der Offensive Line an. Auch hier sieht man deutlich das langfristige Konzept – und vielleicht sogar schon dieses Jahr erste Ergebnisse. Nach Jahren unterirdischer Leistungen von alten, kaputten Männern könnten dieses Jahr vier hungrige Typen in der Linie stehen, die allesamt jünger als 25 Jahre sind und alle 1st- bzw. 2nd-rd picks waren.

In der Mitte snapt Maurkice Pouncey. Der 1st-rd pick 2010 ist zwar nach wie vor overhyped, aber trotzdem ein guter Center. Der letztjährige 2nd-rd pick Marcus Gilbert hat schon als Rookie eine gute Figur als RT gemacht und sollte nur noch besser werden. Der ehemalige RT Willie Colon, der in den letzten beiden Jahren verletzungsbedingt kaum gespielt hat, soll einen Guard geben, während der diesjährige 1st-rd pick David DeCastro die andere Guard-Positionen übernehmen wird. Um den Posten als Left Tackle streiten sich der diesjährige 2nd-rd pick Mike Adams und der altbekannte Max Starks. Als back-ups für die gesamte Linie stehen daneben noch die genauso altbekannten Trai Essex, Doug Legurksy und Ramon Foster bereit.

Insgesamt also eine deutliche Verbesserung gegenüber den letzten Jahren mit noch rosigeren Aussichten für die Zukunft. Die andere Veränderung gibts auf dem Posten des Offensive Coordinators.

Exkurs Todd Haley

Haley, der neue OC, ist ein seltsamer Typ. Er selbst hat nie Football gespielt, sondern Golf – und das auch einigermaßen erfolgreich. Aufgrund einer Rückenverletzung reichte es aber nicht für die PGA Tour. Nun war aber sein Vater, Dick Haley, eine große Nummer in der NFL. 20 Jahre lang war Dick Director of Player Personnel der Pittsburgh Steelers und ab 1991 für 12 Jahre in gleicher Position bei den Jets.

Dort heuerte Todd 1995 im Scouting Department an. 1997 übernahm Bill Parcells die Jets und war vom jungen Haley so begeistert, daß er ihn gleich in seinen Trainerstab übernahm. Haley begann als Quality Control Coach und wurde später Wide Receivers Coach. In beiden Position arbeitete er sehr eng mit Offensive Coordinator Charlie Weis zusammen. (Überhaupt war der Kern der späteren Patriots-Bagage damals unter Parcells zusammen bei den Jets: Bill Belichick, Romeo Crennel, Weis, Eric Mangini, Scott Pioli)

Nach einem dreijährigen Intermezzo als WR-Coach bei den Bears dachte Parcells sofort an seinen jungen Assistenten, als er die Dallas Cowboys übernahm. Dort war Haley von 2004 bis 2006 Passing Game Coordinator und WR Coach, machte aus dem ungedrafteten Tony Romo einen guten Quarterback und mußte die Diven Terrell Owens und Terry Glenn bei Laune halten. Manchmal hat er sie auch einfach öffentlich zusammengestaucht.

So hat er es dann auch 2007 und 2008 als OC der Arizona Cardinals mit Anquan Boldin gemacht. Allerdings so erfolgreich, daß er die Cards-Offense um Kurt Warner, Larry Fitzgerald und Boldin zu einer der aufregendsten der ganzen Liga gemacht hat und sogar ganz kurz vor dem Super-Bowl-Sieg stand.

Arizonas Cheftrainer zu diesem Zeitpunkt war Ken Whisenhunt, der nicht nur Vorgänger von Arians als Pittsburghs OC war, sondern 1991 von Dick Haley als Tight End für die Jets verpflichtet wurde. So ist das in der NFL.

2008 verpflichtete Pioli, nun GM der Kansas City Chiefs, Haley als HC. Schon von Anfang an gab es Spannungen innerhalb der Mannschaft und des Trainerstabes. So wurde OC Chan Gailey noch während des ersten Training Camps entlassen. Sportlich allerdings ging es aufwärts und im zweiten Jahr gar in die Playoffs. 2010 stand schließlich unter keinem guten Stern, als die drei besten Spieler – RB Jamal Charles, TE Tony Moeaki und S Eric Berry – mit schweren Verletzungen das gesamte Jahr über nur zuschauen konnte. Mit einer 5-8-Bilanz und vielen Gerüchten um Egomanie, Hybris und paranoid überall vermuteter Illoyalität mußte Haley gehen.

Passing Game & Running Game

Kurz zusammengefaßt: Haleys Einflüsse als Play Caller umfassen vor allem Parcells, Weis und Whisenhunt. So ist es auch kein Wunder, daß die Chiefs eines der lauflastigsten Teams der Liga waren. Aber ebenso waren die Cards unter Haley eine der paßfreudigsten Offenses. Daß Haley extrem anpassungsfähig ist und seine Offense um die Spieler herum baut, die er hat und nicht andersrum, wird auch immer wieder als seine große Sträke beschrieben.

Mit Mike Wallace, Emmanuel Sanders und Antonio Brown findet Haley nun in Pittsburgh drei starke junge WR und mit Ben Roethlisberger einen QB, der das Ei auch gerne mal über 50 Yards schleudert. Daher sollte es da weitergehen, wo es unter Arians aufgehört hat. Also viele 3-/4-WR-sets, deutliches Übergewicht des Paßspiels und vor allem eine starke vertikale Komponente.

Monsieur Wallace ziert sich zwar derweil noch wenig, unter seinem Restricted Free Agent Tender zu spielen, aber das Problem wird früher oder später auch gelöst werden. Es ist auch auf der WR-Position auf beeindruckende Weise das gute Händchen im Draften zu sehen: Wallace war ein 3rd-rd pick (2009), Sanders ebenso (2010) und Brown ein 6th-rd pick (2010).

Das seit Jahren schon kränkelnde Running Game kränkelt auch weiterhin. Der etatmäßige Top-RB Rashard Mendenhall befindet sich noch für einige Zeit in der Reha, nachdem er sich im Januar das Kreuzband gerissen hat. Seinen Platz wird Isaac “Redzone” Redman übernehmen, der in den letzten Jahren schon erfolgreich als short yardage-back agiert hat. Dazu kommt noch Rookie Chris Rainey, ein verdammt aufregender space player á la Darren Sproles. Rainey könnte ein schönes Spielzeug für Haley werden, der mit Dexter McCluster genau so einen Typen auch schon in Kansas City hatte.

Ausblick

Also eigentlich alles so wie immer in Pittsburgh. Top-D; starkes Paßspiel um Big Ben und seine starken WRs; nur die Offensive Line sollte besser sein, als in den vergangenen Jahren. Es wird vielleicht einige Startschwierigkeiten geben mit der neuen Offense, die Haley installiert. Aber insgesamt müßte es schon mit dem Teufel zugehen, sollten die Steelers nicht um die Krone der AFC mitspielen. Es müßte Wallace bockig bleiben bis zum Sanktnimmerleinstag; es müßte Haley irgendwie eskalieren; es müßten sich Polamalu und Harrison verletzen oder Roethlisberger ausfallen. Wenn nicht, dann same procedure as every year.

Pittsburgh Steelers in der Frischzellenkur 2012

  • #24 (1) G David DeCastro Stanford
  • #56 (2) OT Mike Adams Ohio State
  • #86 (3) LB Sean Spence Miami (Fl.)
  • #109 (4) DT Alameda Ta´amu Washington
  • #159 (5) RB Chris Rainey Florida
  • #231 (7) WR Tony Clemons Colorado
  • #240 (7) TE David Paulson Oregon
  • #246 (7) CB Terrence Frederick Texas A&M
  • #248 (7) G Kelvin Beachum SMU

Zwei Charakteristika stechen heraus, wenn man sich die Drafts der Pittsburgh Steelers in den letzten Jahren ansieht. 1) In den letzten fünf Drafts hatten die Steelers neun Picks in den ersten zwei Runden, sechs davon haben sie für Linemen genutzt (ein siebenter war LB Lawrence Timmons). 2) Die Steelers gehen den ganz alten Weg und draften Talente mit dem Ziel, ihnen erst im zweiten oder dritten Profijahr tragende Rollen zu geben. Darum sollte man sich für 2012 eigentlich eher auf die letztjährige Draft konzentrieren. Da hat die Mannschaft aus Steeltown beispielsweise zwei Cornerbacks in den Runden drei und vier gedraftet und daher war es auch keine Überraschung, daß man heuer No. 2 Corner William Gay gen Arizona ziehen ließ. Ebenfalls letztes Jahr draftete man in der zweiten Runde einen Offensive Tackle mit Floridas Marcus Gilbert; ein Jahr davor war der erste Pick mit Maurkice Pouncey ein anderer Gator.

Nimmt man die beiden diesjährigen Picks David DeCastro und Mike Adams aus den Runden eins und zwei dazu, könnte die in letzter Zeit schlechte Offensive Line mit vier jungen Talenten aus den obersten Runden auflaufen. Zumindest auf dem Papier Teambuilding wie aus dem Lehrbuch. Stanfords Guard David DeCastro soll den pundits zufolge der beste O-Liner der diesjährigen Draftklasse und sofort NFL-ready sein. Ein 1,97m großer und 150kg schwerer Brocken, der nicht nur ein Fels in Sachen pass protection, sondern auch im Räume reißen für Running Backs bestes Material sein soll.

Tackle Mike Adams wäre wohl auch in der ersten Runde mit einem NFL-Trikot beglückt worden, wenn nicht gewisse character issues in seinem Zeugnis stehen würden. Die Steelers pfeifen – richtigerweise – auf Lappalien wie nicht korrekt bezahlte Tattoos und hoffen mit ihm einen Steal gelandet zu haben.

Der mit 1,80m etwas zu klein geratene LB Sean Spence wird vor allem viel, viel Training und Erfahrung bei einem der besten Linebacking-Corps der Liga bekommen. Eine wichtige Rolle wird er in der kommenden Saison nicht ausfüllen müssen. Aber zumindest mittelfristig wird er entweder als Nachfolger für der mittlerweile schon 37-jährigen ILB James Farrior aufgebaut werden oder mit seiner Athletik und seiner range vielleicht sogar ein moderner Safety/Linebebacker-Hybrid gegen die paßlastigen Offenses werden. (Der Gedanke dahinter: immer mehr Spread-Formationen zwingen zu immer mehr Nickel-/Dime-Defenses, was wiederum zu mehr Platz für Running Plays aus diesen Formationen führt. Ein „moderner“ S/LB-Hybrid sollte ebenso einen Aaron Hernandez beim Paßrouten laufen decken können als auch space players beim Laufen sicher stoppen können.)

Ebenso so ein space player ist auch der winzige Chris Rainey. Der 5th-rd pick aus Florida ist mit seinen 1,75m einer der schnellsten und wendigsten Spieler der diesjährigen Draft. Eine erfolgreiche Karriere als Sprinter in der Leichtathletik stehen ebenso in seinem Lebenslauf wie ein MVP-Award der Gators 2011. Der neue Offensive Coordinator Todd Haley hat mit Dexter McCluster in seiner Zeit bei den Kansas City Chiefs fast einen Klon von Rainey gehabt und sollte ihn bei den Steelers als wichtiges Puzzleteil für explosive Plays in die neue Offense einbauen.

Um NT Alameda Ta´amu in der vierten Runde zu bekommen, haben die Steelers nach oben getradet. Der 160kg schwere Koloß gilt gemeinhin als Steal als 109. Pick, soll aber in eine große Rolle hineinwachsen: NT Casey Hampton, einer der unterschätztesten Spieler der Liga, benötigt ob seiner fast 35 Lenzen dringendst einen Nachfolger.

Von den vier 7th-rd picks ist WR Tony Clemons der interessanteste. Wenn die Steelers einen speedster für die Seitennlinien draften, klingelt nicht nur ein Alarmglöckchen: Wallace, Brown, Sanders, anyone?

Überblick

Wenn man nach dem Erfolgsrezept für den nachhaltigen Erfolg der Steelers sucht, landet man früher oder später immer beim draften. GM Kevin Colbert muß sich hier vor niemandem verstecken. Dieses Jahr mit den zwei Top-Picks die schwache Offensive Line mit Riesentalenten verstärkt. Mit RB/WR/Returner Rainey Offense und Special Teams eine neue Waffe verschafft. Mit Clemons vielleicht den nächsten Emmanuel Sanders oder Antonio Bown gefunden.

In der Defense wurde endlich ein Nachfolger für Hampton gefunden und mit LB Spence vielleicht  sogar ein ganz neuer Spielertyp. Seit 2001 hatten die Steelers nur eine Saison mit negativer Bilanz und nur drei Spielzeiten ohne Playoff-Teilnahme. Der Grund sind Drafts wie diese. Pittsburgh beweist immer wieder, daß man einen guten Kader am Draft-Weekend und nicht in der Free Agency baut.