Die Hallowe’en Power Rankings: Wir würfeln wieder

Instant Replay…

zerstört die Wunder.

Finishes wie bei DallasNew York Giants gehören zu meinen absoluten Favoriten – nicht nur wegen der Spannung. Der Dez-Bryant-Catch ist so bizarr, weil er die Geschichte eines kompletten Spiels so ungeheuerlich verfälscht, ja verdreht, weil er die Sichtweise von Fans, Pundits und Bloggern so dramatisch zu beeinflussen imstande ist.

Es ist wie ein Lattenschuss in der 92. Minute bei 0:1. Wie sind alle gefangen vom Ergebnis, wir akzeptieren nicht, dass unkontrollierbare Winzigkeiten über Spielausgänge, Meisterschaften, Millionenauszahlungen entscheiden. Wir tun uns schwer einzugestehen, dass zwei Gegner sechzig oder neunzig Minuten lang auf Biegen und Brechen aufeinander losgehen, nur um am Ende den Sieger ausgewürfelt zu bekommen.

„Verdient“ und „unverdient“ werden relativ. Glückspilz und Pechmarie sind die besseren Worte. Nicht immer. Aber oft.

Waren die Giants besser? In diesem Spiel – vielleicht. Langfristig – vielleicht ja. Aber es war für dieses eine Spiel nicht entscheidend. Denn dieses eine Spiel wurde entschieden, weil Dez Bryant am Morgen vergessen hatte, sich die Fingernägel zu schneiden.

Zu den Power-Rankings nach Woche 8 – nein, ich möchte nicht Hallowe’en-like jemanden erschrecken.

Nr.  TEAM              WP     E16    SOS   RK   W-L
#1   Denver           .722   11.6   .508   12   4-3
#2   San Francisco    .713   11.4   .512   10   6-2
#3   Houston          .690   11.0   .480   23   6-1
#4   Carolina         .620    9.9   .533    8   1-6
#5   N.Y. Giants      .617    9.9   .552    4   6-2
#6   Seattle          .610    9.8   .570    1   4-4
#7   Atlanta          .605    9.7   .501   16   7-0
#8   Miami            .588    9.4   .498   20   4-3
#9   Dallas           .578    9.2   .568    2   3-4
#10  Chicago          .573    9.2   .500   17   6-1
#11  Detroit          .569    9.1   .543    7   3-4
#12  New England      .564    9.0   .487   21   5-3
#13  Green Bay        .557    8.9   .504   14   5-3
#14  Philadelphia     .532    8.5   .512   11   3-4
#15  St Louis         .532    8.5   .551    5   3-5
#16  Pittsburgh       .531    8.5   .500   18   4-3
#17  Washington       .523    8.4   .498   19   3-5
#18  Minnesota        .504    8.1   .463   26   5-3
#19  Oakland          .489    7.8   .475   24   3-4
#20  Tampa Bay        .487    7.8   .474   25   3-4
#21  N.Y. Jets        .450    7.2   .554    3   3-5
#22  Baltimore        .450    7.2   .487   22   5-2
#23  Cincinnati       .447    7.1   .446   28   3-4
#24  Arizona          .428    6.8   .551    6   4-4
#25  San Diego        .413    6.6   .430   32   3-4
#26  Indianapolis     .392    6.3   .437   31   4-3
#27  Cleveland        .386    6.2   .458   27   2-6
#28  Buffalo          .364    5.8   .441   29   3-4
#29  Tennessee        .337    5.4   .503   15   3-5
#30  New Orleans      .265    4.2   .505   13   2-5
#31  Jacksonville     .256    4.1   .521    9   1-6
#32  Kansas City      .210    3.4   .439   30   1-6

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rk die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 8.


Carolina Panthers

Ich bin selbst jede Woche wieder baff, wie es die Carolina Panthers mit ihrer 1-6 Bilanz schaffen, so weit oben gerankt zu sein. Um das Ranking kurz zu erläutern: Die Panthers besitzen mit 7.0yds/Pass die fünftbeste Pass-Offense (yup, die von Cameron Newton angeführte Pass-Offense!), sie haben die sechstbeste Lauf-Defense und sind das viertdisziplinierteste Team in der National Football League.

Sie gehören in Sachen Lauf-Offense (#14) und Pass-Defense (#14) irgendwo ins Liga-Mittelmaß und sind einzig in den sehr volatilen Kategorien Turnovers wirklich schlecht. Dazu gleich mehr.

Was das Ranking nicht berücksichtigt: Special Teams. Diese sind nach Football-Outsiders an #26 gerankt und dürften neben den Turnovers mitverantwortlich sein für die horrenden Starting-Feldpositionen der Panthers-Drives sein:

#32 in der Offense (OWN 22.9 YDS line)
#28 in der Defense (OWN 29.6 YDS line)

Carolina hat mit jedem Ballwechsel einen Feldpositionsnachteil allein von 6.8 Yards (zum Vergleich: die in dieser Kategorie führenden Atlanta Falcons haben einen Vorteil von 6.9 Yards!, das sind fast 14 Yards Unterschied pro Drives mit Offense + Defense).

Dazu kommt das Phänomen Cameron Newton: Der gute Mann kriegt trotz guter Stats Woche für Woche auf die Fresse, weil er zu unkonstant spielt. Auf die Fresse kriegen sollte noch mehr jedoch OffCoord Chudzinski, der mit seiner Implementierung von Laufspiel mit Gewalt und einem konservativeren Kurzpassgewichse auf besten Spuren Greg Knapps wandelt; Knapp, Stammlesern ist das bekannt, gehört zu den verhasstesten Coaches auf diesem Blog. Knapp presste einst Michael Vick in Atlanta in ein System, das jenem der Panthers der letzten Wochen zumindest ähnlich sah. Falls der Panther-Staff auf gefühlten öffentlichen Druck („Newton ist an allem schuld. Hängt ihn!“) hin ein „traditionelles“ Offensivsystem basteln, um ihre Köpfe zu retten, gehören Head Coach Ron Rivera und Kumpanen spätestens zu Saisonende gefeuert.

Überhaupt Rivera: An Gespür für Spielsituationen ist der Mann in einer Liga mit Clevelands Pat Shurmur (das ist, falls es Sie interessiert, keine gute Gesellschaft); das Spiel in Atlanta bei den noch ungeschlagenen Falcons wurde komplett hergeschenkt, und ansonsten spielen die Panthers wankelmütig und ohne Plan 4th downs aus, und 4th downs nicht aus. Die Pressekonferenzen zeigen dick und fett: Rivera („We have to implement power running game“ (sic!)) hat keinen Schimmer, wo die wahren Probleme der Panthers liegen (Newton die Shotgun weggenommen, Verletzungen).

Newton ist natürlich nicht ganz freizusprechen, waren es doch ein paar Turnovers zu viel. Diese müssen aber für die Zukunft nicht zwingend ein schlechtes Vorzeichen sein, und außerdem kamen mehrere – zuletzt am Sonntag bei den mächtigen Chicago Bears – zu beschissenen Zeitpunkten.

Fazit: Panthers haben starke Stats gegen einen sehr starken Schedule eingefahren. Sie waren in sechs Spielen mit einem Score Differenz (1-5 Bilanz). Sie haben dabei in kritischen Situationen versagt oder einfach bloß Pech gehabt. Sie hätten wenigstens zwei davon (Atlanta, Chicago) gewinnen müssen – zufällig zwei der Teams, die in den meisten Power-Rankings in den Top-3 gerankt sind. Von daher dürfte die zweite Saisonhälfte in Sachen Sieg/Niederlage Besserung bringen.

Bleibt zu hoffen, dass Rivera bis zu seiner Entlassung im Jänner nicht mehr allzu viele schwierige In-Game-Entscheidungen zu treffen hat, respektive OffCoord Chudzinski bald wieder zur Besinnung kommt.


Die Favoriten errechnet

Natürlich verloren die St Louis Rams letzte Woche in Wembley. Trotzdem prophezeihten die Stats zehn von 14 Siegern richtig (ich war 9-5), und so gibt es nun seit Beginn der Aufzeichnungen in dieser Saison Gleichstand: Excel ist 46-24, ich bin 46-24 seit ich ab Woche 4 mitrechne.

Hier die errechneten Siegwahrscheinlichkeiten des Modells für Woche 9:

HOME              %     AWAY               %
San Diego        78     Kansas City       22
Cincinnati       17     Denver            83
Cleveland        47     Baltimore         53
Green Bay        70     Arizona           30
Tennessee        27     Chicago           73
Indianapolis     31     Miami             69
Washington       41     Carolina          59
Jacksonville     20     Detroit           80
Houston          89     Buffalo           11
Seattle          69     Minnesota         31
Oakland          55     Tampa Bay         45
N.Y. Giants      67     Pittsburgh        33
Atlanta          59     Dallas            41
New Orleans      24     Philadelphia      76

NFL Notizblock Woche 7: Cowboys@Panthers

Die nachlässigen Dallas Cowboys waren am Sonntag bei den nachlässigen Carolina Panthers zu Gast. Für beide Mannschaften ging es darum, mit einer überzeugenden Leistung und einem W  endlich so richtig ins Wild-Card-Rennen einzusteigen, nachdem die Top Dogs in den jeweiligen Divisionen schon weit enteilt sind. Am Ende verlor natürlich die nachlässigere Mannschaft. Wer das war: nach dem Klick.

Die Cowboys präsentieren sich die gesamte Saison über schon sehr dämlich. Überflüssige Strafen, die aus guten Situationen schlechte machen; einfach nur dumme Strafen; Ballverluste aus unkonzentrierter Nachlässigkeit; trotteliges Verhalten in der Redzone; Stolpern und Drops ohne Bedrängnis; mindestens fragwürdiges Clockmanagement ihres Head Coaches. Ohne diesen überflüssigen und eigentlich leicht abstellbaren  Käse, den man ganz leicht abstellen könnte,  wäre Dallas eine Top-Mannschaft und fast mein Geheimtipp für den Super Bowl sein. Aber dann haben sie am Sonntag doch wieder so vertrottelt gespielt.

Stats & more

Gamebook

In Carolina begann das Spiel denn auch symptomatisch: nach dem Kickoff Return bekommt Dez Bryant eine Personal-Foul-Strafe. Im zweiten Drive zerstören QB Tony Romo und TE Jason Witten die Panthers underneath, marschieren in 19 plays über 85 Yards bis zu Carolinas 2-Yard-Linie und bekommen am Ende nur drei Punkte. Den dritten Drive, auch dieser lang und überzeugend, beendet WR Miles Austin mit einem Fumble. Typische erste Halbzeit für Dallas: eigentlich gut gespielt, aber nur drei Punkte auf dem Scoreboard.

Zu ihrem Glück haben sie nun aber gegen die Panthers gespielt, die wohl auch niemals einen Lexikoneintrag unter „abgewichst“ bekommen werden. Ja, zugegeben: die Offensive Line wurde aufgrund der Verletzung von Center Ryan Kalil durcheinandergewirbelt. C, RG und RT haben in dieser Formation noch nie zusammengespielt. Aber warum gerade dann OC Rob Chudzinski 39 Paßspielzüge ansagt und seine RBs nur 15 Carries bekommen, ist absolut unverständlich. Chudzinskis bewegt sich immer mehr in Richtung eines Cam Cameron oder Marty Mornhinweg. Das ist keine gute Richtung. Schon gar nicht, wenn man diesen RBs gerade $50 Millionen garantiert hat. Und schonmal überhaupt gar nicht, wenn man keinen guten Quarterback hat. Cam Newton kann einfach nicht mal über einen gesamten Drive konsistent gute Entscheidungen treffen und genau werfen. Hab ich von ihm noch nie gesehen. Nach jedem Laser-Paß, der wie an der Schnur gezogen sein Ziel findet, kommt wieder ein meterhoch hinter oder über alle möglichen Paßempfängern geworfenes Ei. Kommt die Offense dann doch mal in die Redzone, entblödet Newton sich auch nicht, einfach man direkt in die Arme eines Verteidigers zu werfen. Irgendwas muß sich bei Newton ändern, es ist bei ihm überhaupt keine Weiterentwicklung zu erkennen.

Die Möglichkeiten, gerade auch im Paßspiel, waren gegen Dallas da. Die Defensive Line hat sich auffällig zurückgehalten, um nicht Opfer von Newtons Beinen zu werden. Daneben sah Rookie CB Morris Claiborne in man coverage oft ziemlich schlecht aus und zu Beginn des dritten Viertels hat sich aus der beste Paßverteidiger des LB-Corps, Sean Lee, verletzt verabschiedet.

In der zweiten Halbzeit hat DeMarcus Ware dann genug von der Zurückhaltung und zerstört in gewohnter Zuverlässigkeit alles, was in seine Richtung kommt. Carolina in Q3; punt, 3&out, 3&out. Auch CB Brandon Carr sah meistens sehr überzeugend aus, auch wenn er gegen Steve Smith 1-v-1 verteidigen mußte. Weil aber der Rest der Cowboys-Truppe wieder alles leichtfertig kaputt machen will, steht Carolina im vierten Viertel nach zwei großen Strafen gegen Dallas ganz plötzlich kurz vor Endzone in die dann RB Mike Tolbert zur 14-13-Führung rumpelt.

Weil aber Newton zu viele Chancen liegen läßt und Chudzinksi nun überhaupt keine Lust mehr aufs Laufen hat, kommt nach Dallas´ anschließendem FG zur Führung nur noch ein 3&out und ein Turnover on Downs bei rum. Als Höhepunkt gabs nach dem Spiel eine peinliche Pressekonferenz von Newton, auf der er das bockige Kind gibt, seinem OC die Schuld in die Schuhe schiebt und überhaupt der Meinung ist, daß sich in Carolina irgendwas ganz schnell und ganz dringend ändern müsse (er meint natürlich nicht sich selbst). Am nächsten Tag wurde GM Matt Hurney gefeuert.

Notizblock NFL Woche 10 Bills/Cowboys; Giants/49ers

Buffalo Bills (5-3) @ Dallas Cowboys (4-4) [Gamecenter] [Gamebook]

[ inactives: OT Sam Young, Demetrius Bell; LB Chris Kelsay; CB Reggie Corner, Aaron Williams, K Ryan Lindell (Bills); RB Felix Jones, WR Miles Austin, CB Mike Jenkins (Cowboys)]

Cowboys Offense / Bills Defense

– Q1/12:12: erster Drive der Cowboys endet mit spektakulärem TD-Catch von Dez Bryant; vorher hat WR Jesse Holley, der aus der Michael-Irvin-Show, vorher auch mit großartigem Catch bei einem dritten Versuch  auf sich aufmerksam gemacht

– Q1/3:05: TD WR Laurent Robinson bei 3rd&goal, Romo mit entwischt ganz stark dem Pass Rush und findet dann Robinson in der Endzonenecke; Die Bills-D spielt fast ausschließlich Nickel und Dime und kann das Paßspiel trotzdem nicht stoppen; dazu kommt noch, daß wenn die `Boys mal laufen, RB Murray gar nicht weiß, welche der vielen Lanes er denn nehmen soll; 14-0 Dallas

– Q2: 12:17: erster Spielzug nach Buffalos vergeigtem FG: WR Robinson überläuft ganz locker CB Drayton Florence und ist nach 58 Yards in der Endzone zum 21-0; Romo bis jetzt 11/11, 179Yards, 3TDs; Cowboys 211 Yards, Bills 37 – Buffalos Defense ist einfach zu schlecht, vor allem die CBs und LBs in Paßverteidigung; Romo bringt die ersten 13(!) Bälle an den Mann und Dallas verwandelt die ersten sieben (!) 3rd Downs

– Q2/1:05: vierter TD im vierten Drive für Dallas, 28-7; Buffalo ohne Pass Rush, mit schlechter Zone Coverage und mit Pech, daß Dez Bryant spielt wie ein Top-5 WR

Bills Offense / Cowboys Defense

– 1st snap/drive: niemand blockt OLB DeMarcus Ware, sack; 3&out

– Q2/12:22: die Cowboys verteidigen mit Safeties und LBs sehr gut die Screen-Pässe zu RB Fred Jackson, die Buffalo so gerne spielt; der neue Kicker Rayner verzieht 52-Yd-FG-Versuch – mit drei langen Plays (DPI, Catch TE Chandler, Run RB Jackson) kommt Buffalo bis an DAL3 und von da wirft QB Fitzpatrick den TD-Paß auf WR David Nelson, 21-7; Nelson läuft dann durchs halbe Stadion zu seiner Freundin läuft – die Cheerleader der Cowboys ist

– Buffalo gibt sich aber nicht auf; der erste Drive der zweiten Hälfte bringt sie bis an DAL18 und dort spielen sie einen 4th&2 aus– incomplete; das größte Problem der Offense ist die schwache Protection, Spencer und Ware lassen da öfter mal die Tackles alt aussehen und bei Rob Ryans kreativen Zone-/Overload-Blitzes guckt sich die OLine zu oft fragend an und weiß nicht, wer wen blocken soll

– Q3/2:14: WR Jones kann den Ball nicht festhalten und fälscht ihn direkt zu CB Newman ab; Dallas Ball an BUF23 – FG, 34-7 Dallas, game over

New York Giants (6-2) @ San Francisco 49ers (7-1) [Gamecenter] [Gamebook]

[inactives: RB Ahmad Bradshaw, CB Prince Amukamara (Giants), CB Shawntae Spencer, FB Moran Norris (49ers)]

Giants Offense / 49ers Defense

– erster Drive Giants: gute protection für Eli; langer Drive mit 50/50 pass-run-ratio, werden aber an der 5-Yd-Linie gestoppt; nach 14 plays, 75 Yards in 8:33 Minuten stehen nur drei Punkte bei den Giants

– auch der zweite Drive der Giants ist ein langer, aber auch dieser wird innerhalb der 10-Yd-Linie gestoppt; 6-3 NYG

– es ist jede Woche dasselbe: für jeden tollen Catch, den er macht, macht Victor Cruz auch irgendwas Dummes wie Fumbles oder furchtbare Drops

– Q3/2:25: großartiger Manning-Paß, großartiger Manningham-Catch; wieder ein schöner Drive, dieses Mal mit mehr als einem FG abgeschlossen, 13-12 Giants

– Eli hat im vierten Viertel beim Spielstand 13-20 mal wieder die Chance auf ein 4th-Quarter-Comeback; diese Saison hat er schon fünf Game-Winning-Drives dirigiert und ist der top-rated-QB im letzten Abschnitt: 69% Completions, 8TDs/2Ints, 121,7rating; kaum wird diese Statistik eingeblendet, holt sich CB Carlos Rogers die Interception, weil WR Manningham einfach so seine Route nicht zu Ende läuft

next play: TD RB Kendall Hunter zum 27-13 (Q4/12:21)

– Q4/8:37: dieser TE Jake Ballard fängt schon wieder ein paar ganz starke Bälle und dann wirft Elite Manning einen unglaublich guten Ball zu WR Hakeem Nicks zum 20-27

– H/t to Captain Obvious: LB Patrick Willis spielt wie Ray Lewis zehn Jahr jünger

– im letzten Giants-Drive ist Eli tatsächlich Elite, einige ganz starke Bälle under pressure, zwei verwandelte 4th Downs bevor dann der dritte 4th Down des Drives DE Justin Smith im Weg ist – game over

49ers Defense / Giants Offense

– die Giants spielen konsequent mit 8, manchmal sogar 9 Mann “in the box”; das läßt viel Platz fürs Paßspiel, was Alex Smith auch nutzt, allerdings keine Big Plays, aber immer mal wieder 1st Downs; andererseits läßt er auch viele gute Möglichkeiten liegen

– nach 52-Yd-FG zum 6-6 recovern die 49ers einen Onside Kick; aber weil das Laufspiel gar nicht funktioniert (Frank Gore 6rush, 0 Yards) endet auch diese Serie nur mit FG zum 9-6

– nach Manning-INT Ende der ersten Hälfte hat SF wieder eine gute scoring opportunity und dieses Mal reichts nicht mal für ein FG: Interception, für die WR Ginn die Verantwortung trägt

– RB Frank Gore spielt in der zweiten Halbzeit verletzungsbedingt nicht mehr, so wie er vorher gespielt hat, ist das aber kein großer Verlust

– Q4/13:22: weil die Giants wie immer mit 8 Mann den Lauf verteidigen, hat TE Vernon Davis viel Platz und springt dann in die Endzone; nach einfacher 2pt-Conversion durch WR Crabtree führen die 49ers 20-13

Die Dallas Cowboys an der Hand genommen

Wenn man die Franchise der Dallas Cowboys beschreiben will, genügt in der reduzierten ein einziger Name: Jerry Jones, Owner und General Manager in Personalunion und ein Mann, dessen Hingabe für diese Franchise schier unendlich ist. Diese Hingabe geht so weit, dass Jones hier über eine sehr zentralisierte Organisation herrscht, in der die Fäden nach oben hin zusammenlaufen. Und Jones ist der klassische amerikanische jack of all trades, würde wohl sogar noch für die Spieler die Trikots waschen, bügeln und in der Umkleidekabine verteilen. Wäre ich Cowboys-Fan, würde mir dies allerdings mehr und mehr auf den Keks gehen.

Denn wir sprechen hier über eine Footballmannschaft. Und Footballspieler können Arschlöcher sein, zum Beispiel wenn sie wissen, dass eine letzte Entscheidungsbefugnis nicht beim Headcoach, sondern beim Owner liegt – bei einem Owner, der nicht bedingungslos hinter dem Headcoach steht. Wie anders ist die Laxheit der Cowboys im vergangenen Herbst zu erklären, als man ganz einfach eine Saisonhälfte lang lustlosen Mist zusammenspielte, während in Saisonhälfte zwei mit neuem Coach plötzlich wieder eine feurige Einheit auf dem Feld stand?

Dieser neue Headcoach ist Jason Garrett und er soll ein langjähriger jones’scher Liebling sein. Garretts Mannschaft spielte nach dem Trainerwechsel teilweise richtig ansehnlich – man darf gespannt sein, wie es heuer aussieht, in der Offense, aber vor allem in der Defense, wo mit Rob Ryan ein gemeinhin verkanntes Genie den neuen Defensive Coordinator gibt.

Die Offense

Quarterback, Frauenheld, Medienliebling: Tony Romo ist das bekannteste Gesicht in dieser Offense, ein Mann mit Tendenzen zum Gunslingern, allerdings auch einer, dem ich meine Oma nicht anvertrauen würde, wenn es drum geht, Großmütterchen über den Zebrastreifen einer vielbefahrenen Hauptstraße zu führen. Will heißen: Ich halte Romo für zu oberflächlich, zu schlampig und für nicht in der Lage, die kleinen Dinge dieser Welt im Griff zu haben. Oder auf neudeutsch: Ein Schönwetterquarterback.

Trotzdem produziert der Mann immer wieder ansehnliche Statistiken, was man allerdings auch Dallas‘ traditionell hochkarätigen Ballfängern zuschreiben könnte. Da wäre zum einen der sehr komplette Tight End Jason Witten (94 Catches, 1002yds, 9 TD), gleichermaßen gut als Blocker und Fänger, und da wären die beiden Top-WRs Miles Austin (69/1041/7) und Dez Bryant. Bryant ist charakterlich wohl nicht einwandfrei und anfällig für alle möglichen Blödsinne ernsthafter oder weniger ernsthafter Natur, aber als Spieler gilt Bryant als Naturtalent, als Moss‘ Friedensschluss mit dem einst vergessenen Randy Moss. Und Bryant ist ein fantastischer Punt Returner.

WR Roy Williams wurde nach zweieinhalb „lauten“ Jahren ziehen gelassen, was nachvollziehbar ist, weil Williams viel besser in eine Offense mit tiefen Routen passt, allerdings mit Blick auf die Tiefe im Kader ein riskanter Move – abseits der großen Drei Witten/Austin/Bryant muss schnell Wikipedia als Informationsquelle herhalten.

Immerhin gilt RB Felix Jones als recht guter Ballfänger, aber Jones‘ primäre Aufgabe wird das Laufspiel sein, wo Dallas ein Trio an ordentlichen Running Backs aufwarten kann: Jones, den fleißigen RB Tashard Choice und den jungen DeMarco Murray, der als ehemaliger Oklahoma Sooner das Cowboys Stadium bereits vom Red River Shootout kennen sollte.

Problempunkt ist die Offensive Line, die auf drei Positionen verändert wird und in der der wichtigste Mann, der Left Tackle, ein Rookie ist, von dem keiner so recht weiß, was er in dieser Saison zu leisten vermag. Wir reden vom Grünling Tyron Smith, dem Draftpick #9.

Die Defense

Dallas war 2010/11 eindimensional im Pass Rush, wenig erbaulich in der Laufspielverteidigung und fürchterlich in der Passabwehr, und das, obwohl das Spielerpersonal eigentlich als sehr okay gilt. Die Probleme hier noch mehr als in der Offense: Der Schlendrian. Mit dem neuen Coordinator Rob Ryan soll sich daran einiges geändert haben und man hört nur Gutes über Ryan und seine unkonventionellen Abwehrschemen.

Die Defensive Line wird um den NT Ray Ratliff gebaut sein, bei dem nie unerwähnt bleibt, wie wenig prototypisch er denn eigentlich für diese Position gebaut sei, aber mit zwei dicken DE-Säcken an seiner Seite gilt Ratliff als dominante Waffe und potenzieller All-Pro. Die Line wird gut spielen müssen, um die als schwach gegen den Lauf geltenden Linebackers zu entlasten, und dies ohne den abgewanderten DE Stephen Bowen (zu Erzfeind Washington).

In Sachen Pass Rush vertraut man auf zwei Dinge: OLB DeMarcus Ware, einer der konstant Allerbesten auf diesem Gebiet, und Ryans Kreativität. Man erwartet viele Zone Blitzes und überhaupt Blitzfreudigkeit, was auch dem jungen Anthony Spencer helfen sollte, ein Mann, dem großes Potenzial nachgesagt wird, allerdings auch ein schwer enttäuschendes Vorjahr.

Pass Rush, und zwar vielseitiger Pass Rush, wird wichtig sein, da das Defensive Backfield zuletzt arge Probleme hatte. CB Mike Jenkins ist eine Wundertüte, die mal großartig, mal fürchterlich spielt, CB Terrance Newman wird nicht jünger und die Safetys gelten bis auf Gerald Sansabaugh als zu wenig athletisch.

Ausblick

Ich kenen Rob Ryan kaum. Ich habe Cleveland im Vorjahr nie spielen sehen, aber die Tenöre, die auf den Kleinen Rex gesungen werden, sind hymnisch. Dallas hatte 2009/10 eine sehr dominante Defense, das Personal ist so stark verändert nicht – also gehe ich davon aus, dass der neue Coordinator diese Unit wieder hinkriegt. Die Offense liegt in den Händen eines Mannes, dem ich in kritischen Momenten ungern vertraue (Romo), aber sowohl die drei Running Backs, als auch die drei Top-Anspielstationen gefallen – kritisch dürfte allerdings die Tiefe sein, und wenn die Offense Line zu lange braucht, um eingespielt zu sein…

Der Schedule ist recht ausgeglichen, von der AFC East bis zur NFC West und die Platzierungsspiele gegen Tampa und Detroit:

Wk #1 @Jets (SNF)
Wk #2 @49ers
Wk #3 vs Redskins (MNF)
Wk #4 vs Lions
Wk #5 BYE
Wk #6 @Patriots
Wk #7 vs Rams
Wk #8 @Eagles (SNF)
Wk #9 vs Seahawks
Wk #10 vs Bills
Wk #11 @Redskins
Wk #12 vs Dolphins
Wk #13 @Cardinals
Wk #14 vs Giants (SNF)
Wk #15 @Buccaneers (Donnerstag)
Wk #16 vs Eagles
Wk #17 @Giants

Es ist un-analytisch und es ist gegen den common sense, aber irgendetwas gibt mir das Gefühl, dass wir hier über den NFC East-Champion 2011/12 sprechen. Obwohl ich Sorgen um die Line habe, obwohl mir die geringe Tiefe völlig bewusst ist, obwohl mehrerenorts Fragezeichen dicker als 0,75pts sind: Dallas sollte die Division gewinnen.

Das Zeiteisen verrät: 411 Minuten verbleiben. WordCount nach 20 Teams: 19307.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Dez Bryant, Wide Receiver

Heute dran: Ein Wide Receiver der Dallas Cowboys.

#24 Dez Bryant

Position: Wide Receiver
College:
Oklahoma State University
NFL-Team: Dallas Cowboys

Dez Bryant kann als sowas wie Jerry Jones’ Friedensschluss mit Michael Irvin angesehen werden. Irvin, der herausragende WR der 90er, der mit Dallas drei Superbowls holte, aber sich anschließend so fürchterlich daneben benahm, dass Jones 1998 sogar den schwierigen Charakter Randy Moss scheute.

Wir schreiben 2010 und wir haben mit WR Dez Bryant wieder so einen Rülpel mit allen Talenten dieser Welt, der rücklings durch die Draftboards fällt. An #24 war dann aber genug und Jones holte sich „seinen“ Randy Moss zurück.

Well, Bryant hatte seine lichten Momente. 45 Catches für 561yds, 6 TD und 2 Touchdowns nach Punt Returns, obwohl er nur dreiviertel der Saison wegen Verletzungen bestreiten konnte. Annehmbare Zahlen für einen Rookie. Und trotzdem… irgendwie enttäuschend.

Ich persönlich habe mich stets gefragt, welche Rolle Bryant im Cowboys-Team eigentlich einnahm? Nicht der #1 oder #2 Receiver, nicht der Haupt-PR. Bryant war wohl sowas wie der Joker in dieser Mannschaft, ein Sekundengenie, das nur andeutungsweise großes Potenzial aufblitzen ließ, während Miles Austin und Roy Williams die regulären Starter waren.

Interessant: Williams, der als deep threat gilt, wurde häufig über die Mitteldistanzen geschickt, die Orte, an denen eigentlich Bryant brillieren sollte. Bryant sollte in Zukunft mehr in diesen Zonen zum Einsatz kommen.

Treppenwitz: Als Bryant Leistung brachte, verloren die Cowboys haufenweise Spiele (mag auch am Coaching gelegen haben). Als sich Bryant verletzte, siegte sich Dallas munter einem ordentlichen Saisonschluss entgegen. Zufall?

Nun ist Bryant abseits des Feldes ein Knallkopf, der auch trotz mehrfacher Warnungen gerne mal öffentlich in Einkaufszentren schamlos schlägert und man darf gespannt sein, wie lange sich Jones dies anschaut.