Divisional Playoffs Preview 2017/18 – Der Sonntag

Heute Teil zwei der Divisional-Playoffs 2017/18 mit den Spielen in Pittsburgh und Minnesota. Eine spoilerfreie Vorschau. Weiterlesen

Pittsburgh Steelers in der Sezierstunde

Ende einer großen Ära in Pittsburgh: 2015 wird das erste Mal seit über einem Jahrzehnt sein, in der die Steelers ohne den legendären DefCoord Dick LeBeau in eine Saison gehen werden. LeBeau, 77 Lenzen auf dem Buckel, trat nach der schlechtesten Saison für eine Steelers-Defense seit minimum 25 Jahren zurück und verabschiedete sich gen Tennessee. Weiterlesen

Pittsburgh Steelers in der Sezierstunde

Die Pittsburgh Steelers sind ein weiteres dieser Teams, das sich seit einigen Jahren in einem Übergangszustand befinden: Zu gut besetzt für einen echten Umbruch, aber zu durchschnittlich, zu alt, um mit den ganz Großen mitzuhalten. Eine der Ursachen war, dass GM Colbert über mehrere Jahre einen klassischen Managementfehler in der NFL beging und seinen Kern aus alten Superbowl-Recken auf Druck zusammenhalten wollte – auf Kosten von verzögerter Verjüngung und resultierend in teuren Verträgen und einer angespannten Cap-Situation.

Das engt die Spielräume der Steelers auf dem Transfermarkt ein, und zwang Colbert die letzten zwei, drei Jahren, vor allem die Defense langsam und unterschwellig zu verjüngen zu versuchen.

Eine der beißenden Fragen für die Steelers-Fans war in den letzten Jahren, wie weit es noch mit der Genialität von DefCoord Dick LeBeau her ist: „Blitzburgh“ war immer weniger zuletzt, und spätestens als man sich von Terrelle Pryor für einen 93yds-TD verarschen ließ, wunderte man sich, ob LeBeau denn überhaupt noch mitkriegt, welche Entwicklung die NFL-Offenses so genommen haben.

Überblick 2013

Record         8-8
Enge Spiele    2-5
Pythagorean    8.2    14
Power Ranking  0.557  12
Pass-Offense   6.4    12
Pass-Defense   5.9    10
Turnovers      -4

Management

Salary Cap 2014.

Die Frage kann man aber auch Richtung Spielermaterial drehen: Wie logisch ist es eigentlich, dass eine einst dominante Defense plötzlich eher mittelmäßig wird, wenn langjährige Recken, ja Superstars, wie NT Hampton, OLB Harrison, ILB Farrior oder OLB Woodley den Laden verlassen? Wenn vom einst besten Linebacker-Corp der Liga nur noch ein einziger Mann – der grundsolide ILB Lawrence Timmons – übrig bleibt?

Die Versuche, die Linebacker-Klasse zu halten, war ja durchaus da: 2013 draftete man zum Beispiel d von der University of Georgia, einen der dominanten Passrusher des Jahrgangs. Bei Jones hatte man aber Bedenken aufgrund seiner Gesundheit, aufgrund seines Körperbaus, aufgrund seiner Fähigkeit, gegen gut gesetzte Blocks zu bestehen. Jones konnte als Rookie keine dieser Bedenken widerlegen. Er hatte nur einen einzigen Sack – und der kam ungeblockt.

OLB Woodley wurde ziehen gelassen. Zumindest OLB Worilds konnte gehalten werden, aber so ganz überzeugend findet niemand eine Combo Jones/Worilds als Vollzeit-Tandem von den Flanken. Innen wurde LB Moats aus Buffalo geholt um Timmons zur Seite zu stehen, aber mit der Kadertiefe ist es bei den Linebackern nicht mehr weit her. Möglich, dass ein neuer Grünschnabel gedraftet wird, oder dass man dem nicht allen koscheren Sean Spence eine Chance gibt sich zu beweisen.

In der Defensive Line gab man das enttäuschende Talent Ziggy Hood endgültig auf. Man scheint auf den aufstrebenden DT/DE Cam Hayward zu bauen, der hervorragende Ansätze zeigte. Hinter Hayward gibt es jedoch kaum Alternativen. Die zweite End-Position in der 3-4 Defense von LeBeau ist noch komplett offen, und NT McLendon ist auch noch nicht annähernd an seinen Vorgänger Hampton hingekommen.

Der brauchbare DT Woods wurde abgegeben, während man mit Cam Thomas aus Pittsburgh immerhin einen mittelprächtigen Ersatz holen konnte. Echte Stützen dürften diese Männer nach aktuellem Kenntnisstand aber kaum werden. Es gilt als geritzt, dass Pittsburgh dort vorne nachbessern muss.

In der Secondary vermisst man prinzipiell ein wirklich starkes Cornerback-Tandem. Man hat zwar in SS Troy Polamalu immer noch eine Safety-Legende im Line-Up, aber Polamalu war zuletzt immer öfter verletzt, und nach mittlerweile elf Jahren im Getümmel der NFL könnte es schneller als erwartet soweit sein, dass sein Körper endgültig „Nope“ sagt. Es ist möglicherweise zu früh, ihn zu ersetzen, und möglicherweise sind die Lücken andernorts zu krass um seinen Nachfolger schon jetzt zu draften, aber man muss das nahende Karriereende bei Polamalu schon im Kopf halten.

Vielleicht steht der Nachfolger aber auch schon im Kader: Shamarko Thomas, gedraftet im letzten Jahr und bisher ohne nennenswerte Einsatzzeit geblieben. Man vertraut Thomas aber wenig genug um Mike Mitchell aus Carolina nicht doch einen 5yrs/25 Mio. Vertrag unterjegubelt zu haben – ein Wahnsinn angesichts der sonst so gezahlten Preise auf dem Markt. Mitchell ist der Mann, der einst von den Oakland Raiders in der zweiten Runde gedraftet wurde, floppte, und später in Carolina wenigstens ein annehmbarer Stammspieler wurde. Aber 5 Mio/Jahr in einem offenen Markt?

Alles in allem war Pittsburghs Defense aber zuletzt trotz des fraglichen Spielermaterials nicht „schlecht“: Sie gab z.B. 2011 nur 4.9 NY/A gegen den Pass auf – ein sensationeller Wert, besser als z.B. die Seahawks dieses Jahr. 2012 hatte man bockstarke 5.3 NY/A, was auch heuer eni Top-5 Wert gewesen wäre. 2013 mit 5.9 NY/A immer noch eine Top-10 Passdefense. Es fehlt halt ein bissl der letzte Punch zur absoluten Dominanz. Und: Seit Jahren werden erstaunlicherweise kaum mehr INTs gefangen – immer unter 2% INT-Quote, was unterirdisch ist, sich aber auch wieder schnell wenden kann.

Immerhin haben die Steelers nach Jahren des Schimpfens mittlerweile eine Offensive Line, die ihren Namen verdient: Es ist keine dominante Line, aber sie ist zumindest keine Sollbruchstelle mehr. LT Beachum kannst du immer upgraden, aber angesichts der notwendigen Blutauffrischung in der Defense wird ein Draften von Offense Tackles in den ersten Runden nur dann passieren, wenn tatsächlich zufällig das richtige Prospect auf dem Tablett liegt. Beachum ist für einen ehemaligen Siebtrundendraftpick (2012er Jahrgang) aber schon jetzt eine sehr gute Geschichte, und er verhindert vor allem, dass der gefloppte Mike Adams den Tackle geben muss.

Dahinter kannst du weiter auf QB Roethlisberger bauen: Ben wirft zwar kaum mehr tief (2013 nur noch 20% tiefe Pässe), aber seine Improvisationskünste sind weiterhin unerreicht. Er scheint sich auch mit OffCoord Haley mittlerweile so gut zu verstehen, dass die allwöchentlichen Clashes in den Lokalmedien rar geworden sind. In WR Antonio Brown hat er einen All-Pro würdigen Go-To Guy, der letztes Jahr sensationelle 29% der Steelers-Anspiele sah und diese zu 110 Catches für 1498yds und 8 TD verwertete – und das ohne echte komplementäre Waffe, die ihn entlasten hätte können.

Zwei seiner Receiver-Kollegen wurden ziehen gelassen: Emmanuel Sanders ging nach Denver, Jerrico Cotchery nach Carolina. Damit bleibt neben Brown nur noch der grundsolide TE Miller als bekannte Anspielstation.

Der sehr junge WR Markus Wheaton hatte als Rookie nur wenig Einsatzzeit, und konnte diese bisher nicht für Eigenwerbung nutzen. Wheaton wird vermutlich ab sofort mehr Spielzeit bekommen, aber nicht überrascht sein, sollte Pittsburgh noch einen jungen Wide Receiver draften. Die eingekauften Lance Moore aus New Orleans und Heyward-Bey aus Indianapolis stehen schließlich nicht für 100%ige Qualität, und beide müssen sich nach Jahren in Domes erst einmal an einen Acker von Spielfeld gewöhnen.

Breit aufgestellt ist Pittsburgh im Backfield, das zuletzt unterirdische Effizienz-Zahlen einfuhr, trotz optisch gar nicht so übler Runningbacks: Le’Veon Bell erwies sich als beweglicher als gedacht und steuerte vor allem auch 45 Catches bei. Bell hatte trotzdem recht maue Statistiken (3.5yds/Carry). Als eine Art neuer Power-Back wurde Blount aus New England geholt – Blount hatte dort ein paar wenige massive Spiele und viel Leerlauf, und wurde entsprechend von Belichick ziehen gelassen. Bell/Blount sollten in Summe aber ein recht wuchtiges Duo abgeben, das maximal noch durch einen Billig-Back ergänzt wird.

Sieht nicht unterirdisch aus für Pittsburgh. Als größte Baustellen sehe ich die Front-Seven: Ein 3-4 Defensive End fehlt, und dann dürfte es gerne noch ein Talent zum 3-4 OLB sein, wenn wir uns schon zwei Wunschspieler aussuchen dürfen.

Auf Cornerback ist man durchaus unterdurchschnittlich besetzt, aber zumindest die Historie zeigt, dass man in Pittsburgh stets eher auf den Passrush/Blitz vertraute und Cornerback maximal als „1B“-Priorität sah. Von zumindest einem neuen Cornerback bin ich aber überzeugt. Man könnte auch Ike Taylor auf seine alten Spielertage zum Safety umschulen und zwei neue Cornerbacks draften.

In der Offense würde ich zu einem Wide Receiver mit Speed tendieren, sofern man nicht voll von Wheaton überzeugt ist. Mit den Steelers ist es wie mit vielen guten, aber nicht hervorragenden Teams: Schlagen zwei oder drei Draftpicks sofort ein, ist das Team per Knopfdruck wieder ein AFC-Titelanwärter (immer durchschnittliches Spielglück angenommen). Aber selbst mit einem bloß durchschnittlichen Draft können die Steelers durchaus qualitativ mit den besseren Teams in der AFC mithalten.

Glaskugel 2012: Pittsburgh Steelers

Eigentlich könnte man für die Pittsburgh Steelers jedes Jahr die gleiche Vorschau schreiben: super Defense, toller Ben, schlechte O-Line – mindestens Playoffs. Die letzte große Veränderung gab es 2006, als der damals 34-jährige Mike Tomlin, vormals DBs Coach der Bucs und DC der Vikings, den Cheftrainerposten vom ewigen Bill Cowher übernahm. Tomlin ist nach Cowher und Chuck Noll erst der dritte Head Coach der Steelers seit 1969. Das wird er auch erstmal bleiben, erst in den letzten Tagen hat Tomlin seinen Vertrag bis 2016 verlängert.

Überhaupt ist die Geschichte der Steelers eine Geschichte der Kontinuität. Seit Jahren und Jahrzehnten ist das personell management wie aus dem Lehrbuch: building through the draft. Gerade die Spieler aus den Runden zwei bis fünf werden in steter Regelmäßigkeit ab ihrem zweiten oder dritten Jahr Stammspieler und Leistungsträger. GM Kevin Colbert schafft es Jahr für Jahr, eine Mannschaft zusammenzustellen, die um den Super Bowl mitspielt.

Defense

In der Defense ist eigentlich alles so wie immer. Die D-Line ist groß, dick und namenlos; die Linebackers sind sehr smart und noch viel aggressiver, manchmal auch andersrum; CB Ike Taylor macht eine Seitenlinie dicht und den Rest übernimmt Safety Troy Polamalu. Orchestriert wird das ganze seit gefühlt 1963 von DC Dick LeBeau.

Einige kleinere personelle Änderungen auf der defensiven Seite gibt es aber doch. Altersbedingt hängen DE Aaron Smith und LB James Farrior ihre Pads für immer in den Spind; leistungsbedingt wurde CB Bryant McFadden vor die Tür gesetzt und geldbedingt hat Nr.2-CB William Gay in Arizona unterschrieben.

Schedule

Wk1 @ DEN (SNF)
Wk2 v NYJ
Wk3 @ OAK
Wk4 BYE
Wk5 v PHI
Wk6 @ TEN (TNF)
Wk7 @ CIN (SNF)
Wk8 v WAS
Wk9 @ NYG
Wk10 v KC (MNF)
Wk11 v BAL (SNF)
Wk12 @ CLE
Wk13 @ BAL
Wk14 v SD
Wk15 @ DAL
Wk16 v CIN
Wk17 v CLE

Für alle vier wurde die Nachfolge aber bereits in-house geregelt – wie das bei den Steelers eben so üblich ist. Um Smiths Nachfolge balgen sich zwei 1st-rd pick: Ziggy Hood (2009) und Cam Heyward (2011). Hood konnte bis jetzt noch nicht sonderlich überzeugen und Heyward hatte nach fehlenden OTAs und richtigem Trainings Camp letztes Jahr auch so seine Schwierigkeiten, sofort durchzustarten. Das sollte aber vor allem im Falle Heyward nicht viel heißen, die meisten jungen Steelers starten nicht sofort voll durch.

So ist man dann in Pittsburgh auch gar nicht so traurig, daß Gay und McFadden nicht mehr dabei sind. Mit Keenan Lewis (3rd-rd 2009), Curtis Brown (3rd-rd 2011) und Cortez Allen (4th-rd 2011) sind drei vielversprechende Jungspunde im Kader, von denen man viel erwartet. Starter neben Taylor soll Lewis werden.

Farrior wird jetzt in Vollzeit von Larry Foote ersetzt, der mit seinem Nebenmann Lawrence Timmons auch die Aufgabe haben wird, den in der dritten Runde gedrafteten Sean Spence einzulernen.

Umgeben sind Foote/Timmons immer noch vom besten OLB-Duo der Welt. Ohne Diskussion. James Harrison und LaMarr Woodley haben hinter sich auch zwei talentierte Nachwuchskräfte, die sich ihre Sporen verdienen wollen. Jason Worilds (2nd-rd pick 2010) und Chris Carter (5th-rd pick 2011) machen sich noch zwei, drei Jahre warm, bis der 34-jährige Harrison dann mal abtritt.

So hat Pittsburgh auf so gut wie allen Positionen talentierte junge Leute, die ganz old-school mäßig erstmal zwei, drei Jahre alles von der Pike auf lernen und dann die Altvorderen ablösen.

Immer wieder taucht das Gerede von “ach-zu-alte-Defense-Pittsburgh” auf, aber wenn man sich das mal genau beguckt, stimmt das gar nicht. In der D-Line kommen Heyward und Hood; dazu noch der diesjährige 4th-rd pick Alameda Ta´amu, der Casey Hampton ablösen wird. Timmons und Woodley wurden erst 2007 gedraftet und für die beiden anderen LB-Spots – die ja erstmal noch hervorragend besetzt sind – sind auch schon Nachfolger im Kader. In der Secondary sind drei sehr junge Cornerbacks, in die viel Vertrauen gesetzt wird. Viel besser geht langfristiges Teambuilding gar nicht.

Offense

In der Offense sind zwei Veränderungen zu beobachten. Zum einen wurde der langjährige Offensive Coordinator Bruce Arians unter mysteriösen Umständen gegangen – sehr zur Verärgerung von QB Ben Roethlisberger. Der muß sich jetzt mit dem im persönlichen Umgang nicht immer sehr einfachen Todd Haley arrangieren. Zum anderen haben sich die Steelers in den letzten zwei, drei Jahren ganz heimlich, still und leise eine junge, talentierte Offensive Line zusammengestellt, die für erhebliche Überraschungen sorgen könnte.

Fangen wir mit der Offensive Line an. Auch hier sieht man deutlich das langfristige Konzept – und vielleicht sogar schon dieses Jahr erste Ergebnisse. Nach Jahren unterirdischer Leistungen von alten, kaputten Männern könnten dieses Jahr vier hungrige Typen in der Linie stehen, die allesamt jünger als 25 Jahre sind und alle 1st- bzw. 2nd-rd picks waren.

In der Mitte snapt Maurkice Pouncey. Der 1st-rd pick 2010 ist zwar nach wie vor overhyped, aber trotzdem ein guter Center. Der letztjährige 2nd-rd pick Marcus Gilbert hat schon als Rookie eine gute Figur als RT gemacht und sollte nur noch besser werden. Der ehemalige RT Willie Colon, der in den letzten beiden Jahren verletzungsbedingt kaum gespielt hat, soll einen Guard geben, während der diesjährige 1st-rd pick David DeCastro die andere Guard-Positionen übernehmen wird. Um den Posten als Left Tackle streiten sich der diesjährige 2nd-rd pick Mike Adams und der altbekannte Max Starks. Als back-ups für die gesamte Linie stehen daneben noch die genauso altbekannten Trai Essex, Doug Legurksy und Ramon Foster bereit.

Insgesamt also eine deutliche Verbesserung gegenüber den letzten Jahren mit noch rosigeren Aussichten für die Zukunft. Die andere Veränderung gibts auf dem Posten des Offensive Coordinators.

Exkurs Todd Haley

Haley, der neue OC, ist ein seltsamer Typ. Er selbst hat nie Football gespielt, sondern Golf – und das auch einigermaßen erfolgreich. Aufgrund einer Rückenverletzung reichte es aber nicht für die PGA Tour. Nun war aber sein Vater, Dick Haley, eine große Nummer in der NFL. 20 Jahre lang war Dick Director of Player Personnel der Pittsburgh Steelers und ab 1991 für 12 Jahre in gleicher Position bei den Jets.

Dort heuerte Todd 1995 im Scouting Department an. 1997 übernahm Bill Parcells die Jets und war vom jungen Haley so begeistert, daß er ihn gleich in seinen Trainerstab übernahm. Haley begann als Quality Control Coach und wurde später Wide Receivers Coach. In beiden Position arbeitete er sehr eng mit Offensive Coordinator Charlie Weis zusammen. (Überhaupt war der Kern der späteren Patriots-Bagage damals unter Parcells zusammen bei den Jets: Bill Belichick, Romeo Crennel, Weis, Eric Mangini, Scott Pioli)

Nach einem dreijährigen Intermezzo als WR-Coach bei den Bears dachte Parcells sofort an seinen jungen Assistenten, als er die Dallas Cowboys übernahm. Dort war Haley von 2004 bis 2006 Passing Game Coordinator und WR Coach, machte aus dem ungedrafteten Tony Romo einen guten Quarterback und mußte die Diven Terrell Owens und Terry Glenn bei Laune halten. Manchmal hat er sie auch einfach öffentlich zusammengestaucht.

So hat er es dann auch 2007 und 2008 als OC der Arizona Cardinals mit Anquan Boldin gemacht. Allerdings so erfolgreich, daß er die Cards-Offense um Kurt Warner, Larry Fitzgerald und Boldin zu einer der aufregendsten der ganzen Liga gemacht hat und sogar ganz kurz vor dem Super-Bowl-Sieg stand.

Arizonas Cheftrainer zu diesem Zeitpunkt war Ken Whisenhunt, der nicht nur Vorgänger von Arians als Pittsburghs OC war, sondern 1991 von Dick Haley als Tight End für die Jets verpflichtet wurde. So ist das in der NFL.

2008 verpflichtete Pioli, nun GM der Kansas City Chiefs, Haley als HC. Schon von Anfang an gab es Spannungen innerhalb der Mannschaft und des Trainerstabes. So wurde OC Chan Gailey noch während des ersten Training Camps entlassen. Sportlich allerdings ging es aufwärts und im zweiten Jahr gar in die Playoffs. 2010 stand schließlich unter keinem guten Stern, als die drei besten Spieler – RB Jamal Charles, TE Tony Moeaki und S Eric Berry – mit schweren Verletzungen das gesamte Jahr über nur zuschauen konnte. Mit einer 5-8-Bilanz und vielen Gerüchten um Egomanie, Hybris und paranoid überall vermuteter Illoyalität mußte Haley gehen.

Passing Game & Running Game

Kurz zusammengefaßt: Haleys Einflüsse als Play Caller umfassen vor allem Parcells, Weis und Whisenhunt. So ist es auch kein Wunder, daß die Chiefs eines der lauflastigsten Teams der Liga waren. Aber ebenso waren die Cards unter Haley eine der paßfreudigsten Offenses. Daß Haley extrem anpassungsfähig ist und seine Offense um die Spieler herum baut, die er hat und nicht andersrum, wird auch immer wieder als seine große Sträke beschrieben.

Mit Mike Wallace, Emmanuel Sanders und Antonio Brown findet Haley nun in Pittsburgh drei starke junge WR und mit Ben Roethlisberger einen QB, der das Ei auch gerne mal über 50 Yards schleudert. Daher sollte es da weitergehen, wo es unter Arians aufgehört hat. Also viele 3-/4-WR-sets, deutliches Übergewicht des Paßspiels und vor allem eine starke vertikale Komponente.

Monsieur Wallace ziert sich zwar derweil noch wenig, unter seinem Restricted Free Agent Tender zu spielen, aber das Problem wird früher oder später auch gelöst werden. Es ist auch auf der WR-Position auf beeindruckende Weise das gute Händchen im Draften zu sehen: Wallace war ein 3rd-rd pick (2009), Sanders ebenso (2010) und Brown ein 6th-rd pick (2010).

Das seit Jahren schon kränkelnde Running Game kränkelt auch weiterhin. Der etatmäßige Top-RB Rashard Mendenhall befindet sich noch für einige Zeit in der Reha, nachdem er sich im Januar das Kreuzband gerissen hat. Seinen Platz wird Isaac “Redzone” Redman übernehmen, der in den letzten Jahren schon erfolgreich als short yardage-back agiert hat. Dazu kommt noch Rookie Chris Rainey, ein verdammt aufregender space player á la Darren Sproles. Rainey könnte ein schönes Spielzeug für Haley werden, der mit Dexter McCluster genau so einen Typen auch schon in Kansas City hatte.

Ausblick

Also eigentlich alles so wie immer in Pittsburgh. Top-D; starkes Paßspiel um Big Ben und seine starken WRs; nur die Offensive Line sollte besser sein, als in den vergangenen Jahren. Es wird vielleicht einige Startschwierigkeiten geben mit der neuen Offense, die Haley installiert. Aber insgesamt müßte es schon mit dem Teufel zugehen, sollten die Steelers nicht um die Krone der AFC mitspielen. Es müßte Wallace bockig bleiben bis zum Sanktnimmerleinstag; es müßte Haley irgendwie eskalieren; es müßten sich Polamalu und Harrison verletzen oder Roethlisberger ausfallen. Wenn nicht, dann same procedure as every year.

Wir lesen (2) – Blood, Sweat and Chalk (Tim Layden)

[Nummer 2 in unserer Buchreihe: Tim Layden: Blood, Sweat and Chalk. Inside Football´s Playbook. How the Great Coaches Built Today´s Game. Sports Illustrated Books: New York 2010. Als Taschenbuch zum Beispiel hier schon ab 12,50€. Teil 1 der Bücherreihe hier.]

Nachdem wir Teil 1 unserer Bücherreihe mit dem strengen Lehrer Pat Kirwan und seinem trockenen, aber hochinformativen „Take your Eyes off the Ball“ begonnen haben, kommen wir heute zu etwas leichterer, aber nicht minder informativer Kost. Tim Layden, seit 1994 bei Sports Illustrated erzählt von der seit mehr als 100 Jahre stetig andauernden Evolution von Strategie und Taktik im American Football. Er macht dies in seinem Buch „Blood, Sweat and Chalk“ in einem angenehmen Plauderton statt in Kirwan´schem Hauptseminarduktus.

SLayden hat dabei trotzdem äußerlich ein ziemlich strenges Gerüst. Er erzählt die Geschichte anhand bestimmter taktischer Neuerungen und innovativen Veränderungen. Dabei bekommt jede Innovation sein eigenes Kapitel. Es beginnt bei der Single Wing Offense, geht über Wishbone, die West Coast Offense, Zone Blocking und der Spread Option bis hin zu defensiven Strategien à la Tampa 2 oder dem „Double A Gap Blitz“. (Inhaltsverzeichnis und Vorwort hier und hier das Kapitel „The Ryan Family Defense“ als Auszug.)

Das Spinnennetz der Geschichte

Jedes Kapitel ist dabei in sich abgeschlossen, auch wenn es manchmal einige Überschneidungen gibt. Schließlich bauen viele neue Strategien auf alten auf oder wurden in direkter Abgrenzung zu ihnen entwickelt. Zu beinahe jedem Kapitel findet Layden tolle Geschichten. Der Kern der Geschichte ist dabei immer ein Coach oder ein bestimmtes Spiel. Von da aus werden erzählerisch Linien gezogen und zurückgeschielt, bei welchen Teams der jeweilige Innovator vorher gespielt hat und unter wem er trainiert hat – also wo und vom wem er beeinflusst wurde. Oder was das jeweilige Team in den letzten Jahren durchgemacht hat und welche Spieler eine bedeutende Rolle spielen.

Auf einer anderen Ebene, die aber erzählerisch damit verbunden ist, wird zur Seite geschaut und beschrieben, was für Systeme und Taktiken zu der bestimmten Zeit gerade en vouge waren. Es wird also in bester Storyteller-Manier ein Netz gesponnen – vertikal (Zeit) und horizontal (Football-Landschaft). So entsteht ein anschauliches Bild davon, wie der Football zu jener Zeit ausgesehen hat und welche Philosophien gerade angesagt waren.

Layden hat dafür Interviews mit mehr als 100 Experten geführt, hauptsächlich (Ex-)Trainer und Spieler. Die Liste reicht von Howard Mudd über Bill Belichick bis hin zum unvermeidlichen Jon Gruden. Für einige Kapitel hat er auch die wichtigen Exponenten getroffen und ausführlich mit ihnen gesprochen. So trifft er beispielsweise Don Coryell (Kapitel 6 „Air Coryell“) in seinem Haus an einem kleinen See in Washington State; Buddy Ryan auf seiner Pferdefarm in Kentucky („The Ryan Family Defense“), Mouse Davis zum Frühstück an seiner Wirkungsstätte Portland State („The Spread Offense“) oder Dick LeBeau beim Trainingscamp der Pittsbugh Steelers („The Zone Blitz“).

Fokus und Muster

Bei der Fülle an Material und dem riesigen zu beackernden Feld – Footballstrategie von Pop Warner um die Zeit der Jahrhundertwende bis zur A-11-Offense im Jahre 2010 – ist es eine mehr als beachtliche Leistung, alles auf knapp 250 gut lesbaren Seiten unterzubringen. Layden schafft das, indem er sich für jede Innovation einen Coach oder eine Mannschaft als Fokus nimmt, um diesen herum seine Geschichte erzählt und an manchen Stellen auf ein tieferes Einsteigen in die (taktische) Materie verzichtet. Das wurde Layden mancherorts vorgeworfen. Es sei nicht tief genug, das Konzept und die Strategie fehlt undsoweiter. Aber das gehört zu Laydens Konzept – und es ist ein gutes Konzept. In seinen eigenen Worten:

Since modern football first began taking shape not long after the turn of the 20th century, hundreds of offenses and defenses have been tried. Fourteen of them, some with variations, are examined in this book. It´s not a comprehensive selection but a representativ one, exalting those systems that have either endured or profoundly impacted the game. Beyond the X´s and O´s though these pages tell the story of the men who held the chalk.“

Wir wollen hier keine umfassende inhaltliche Zusammenfassung geben, lesen muss schon jeder selber. Aber es schälen sich ein paar Muster heraus, die immer wieder auftauchen und bestätigt werden.

  • Innovationen und große Veränderungen sind meist die Folge von fehlendem Talent (Mouse Davis zum Beispiel hatte nur „pissants„, also hat er sich überlegt, wie er die ganzen Zwerge sinnvoll einsetzen kann)
  • jede bestimmte Offense und Defense ist „the product of everyone who has touched it“ – es gibt nicht die West Coast Offense oder die Spread Option
  • Entwicklungen verlaufen zyklisch + niemals geht etwas so ganz (Teile/Überbleibsel bestimmter Systeme überleben in anderen Systemen und werden von ihnen integriert; manche kommen sogar prominent zurück, zum Beispiel die Single Wing-Philosophie in Form der Wildcat)
  • Neuerungen gehen meistens den Weg vom High-School-/Small-College-Level über Division-I hin zur NFL; selten, daß etwas in der NFL erfunden wird
  • Innovation entstehen oft aus  der Motivation, vorherige Innovationen zu kontern (z.B. Tampa Two als Antwort auf West-Coast-Offense oder Zone Blitz als Antwort auf Passing Game der Live Ball Era)

Zwischendrin wird von Zeit zu Zeit alles mit Anekdoten aufgelockert, von denen man auch noch lernt. Wer weiß zum Beispiel, wie die West Coast Offense tatsächlich zu ihrem Namen gekommen ist und was der Dallas Cowboy Bernie Kosar damit zu tun hat. Oder wie Rich Rodriguez zufällig die Spread Option erfunden hat, als sein Quarterback in Glenville State im Training gestolpert ist. Zu Beginn jedes Kapitels gibt es eine taktische Zeichnung auf einer Tafel, die einen typischen Spielzug des jeweiligen Systems  zeigen. Auch das macht Laydens Buch zu einer schönen Geschichtsstunde in Sachen Football. Layden bringt die meisten Dinge so anschaulich und begeisternd rüber, daß man sofort in seinem Archiv stöbern oder das Internet durchsuchen möchte und sich ein Spiel der 70er Oklahoma Soones, der 90er Nebraska Cornhuskers oder der K-Gun Buffalo Bills ansehen. Man lernt eine ganze Menge über Systeme und Taktiken und die Coaches, Spieler und Mannschaften dahinter. Kombiniert mit dem plaudernden Erzählstil ist dieses Buch genau das Richtige für einen Frühlingsnachmittag in der Offseason. Die Schwachpunkte der mangelnden Tiefe und daß die Defense mit nur fünf Kapiteln (von 21) unterrepräsentiert ist, tut dem Vergnügen keinen Abbruch.

NFL Wild Card Weekend 2011/12 – Beobachtungen (Tebow, Steelers, Lions, Bengals, Falcons)

Ohne große Einleitung im Folgenden einige kurze Beobachtungen zu den Spielen vom Wochenende: Pittsburghs Gameplan; undisziplinierte Lions und Bengals; Atlantas Front Seven und New Yorks Lauspiel.

Dick LeBeaus Game Plan war ziemlich simpel: acht oder neun Mann an der Line of Scrimmage, um Denvers Laufspiel zu stoppen; enge Mannverteidigung gegen die WRs, weil Tebow die “accuracy” fehlt, um Würfe gegen diese Deckung zu machen. Die Überlegung dahinter: Laufspiel abwürgen und Denver dazu zwingen, ihr Heil in längen Bällen zu suchen.

Tja, das Ergebnis war letztlich nicht überragend, aber trotzdem war es der richtige Game Plan. Es gab dann am Sonntag Nachmittag nur zwei Probleme. Das kleinere war, daß Pittsburghs Verteidiger einige wenige Fehler gemacht haben. Der größere war, daß Tebow viel besser gespielt und gepaßt hat, als es alle erwartet hatten.

Der entscheidende Fehler war natürlich, daß Backup-Safety Ryan Mundy beim TD in der Verlängerung den Play-Action-Fake glaubt und daraufhin “underneath” seine Verantwortung in der Deckung verpennt. Dazu ist CB Ike Taylor zu langsam und kann den Tackle nicht machen. Aber bis auf einige überaggressive Schritte in die falsche Richtung von Safety Troy Polamalu war das eine gute Leistung der Verteidiung.

Denvers Laufspiel wurde gut in Schach gehalten und machte nur 131 Yards bei 34 Carries (3,9 yds/carry). Aber drei ganz starke Pässe haben zu zwei Touchdowns geführt. Man kann da auch weder LeBeau noch den CBs einen großen Vorwurf machen: perfect pass beats perfect coverage heißt eine der ältesten Footballweisheiten. Ansonsten gabs noch ein FG nach Roethlisberger-INT; ein FG nach Big-Play zu TE Fells, bei dem Polamalu schlecht aussieht; ein FG nach 32-Yard-DPI, die auch nicht jeder Referee so pfeift.

Tebow hat einfach die entscheidenden Plays gemacht. Besser gemacht als die Defense und das spricht nicht gegen Pittsburghs D, sondern für Tebow und den mutigen Game Plan von Denvers OC Mike McCoy. Man sollte nicht versuchen, mit Ausreden wie Verletzungen, zu alte Verteidiger oder blöder Game Plan Tebows Leistung zu schmälern. (Tebow hat übrigens ohne WR Eric Decker gespielt, der in der Regular Season mehr Catches als jeder andere Bronco gemacht hat und auch ohne Chris Kuper, den besten O-Liner Denvers. Wer hat im Januar keine Verletzten?)

Schlechte Defense gabs dagegen bei den Bengals und den Lions zu beobachten. Nicht in Sachen Strategie und Schemes, sondern in Disziplin und Fundamentals. Vergeigte Tackles und schlechte Winkel zum Ballträger en masse. Dazu fürcherliche blown coverages und sichere Interceptions, die einfach fallen gelassen werden. Beide, Bengals und Lions, hätten mit einer disziplinierten Leistung bis zum Schlußpfiff mithalten können. So muß man sich fragen, wie erfahrene und ausgewiesen Verteidigungsexperten wie Marvin Lewis und Mike Zimmer (HC/DC Cincinnati) beziehungsweise Jim Schwartz und Gunther Cunningham (HC/DC Detroit) ihre Spieler trainieren. Oder ob einige Spieler einfach zu schlecht sind. (Vor allem die Safeties waren unterirdisch. Und ich als Patriots-Fan dachte, ich hab schon den Bodensatz dieses Jahr gesehen.)

Fragen muß man sich auch, was mit Atlantas Front Seven los war. Die viel kritisierte Offensive Line und die Running Backs der Giants sahen gegen diese aus wie die sprichwörtlichen “Man among Boys”. Vor allem die hochgelobten DT Corey Peters, DE John Abraham und die LBs Sean Weatherspoon und Curtis Lofton konnten die (hohen) Erwartungen nicht erfüllen, ließen sich ständig rumschubsen oder waren “out of postition”. Wenn New Yorks Laufspiel dieses Niveau auch nächste Woche gegen Green Bay zeigen kann, sollten sie viel Spaß haben. Die Front Seven der Packers ist noch mal ´ne ganze Klasse schlechter als Atlantas. Brian Van Gorder, DC der Falcons, ist gestern übrigens zum Defensive Coordinator der Auburn Tigers ernannt worden. Vielleicht hat er zu viel Zeit in den Bewerbungsprozeß gesteckt, statt seine Defense auf die Playoffs vorzubereiten.

Besser vorbereiten sollen hätte auch OC Mike Mularkey sein Playcalling bei 3rd/4th&short-Situationen. Ein wenig kreativer als “Matt Ryan fällt nach vorne und hofft, daß es reicht” hätte es schon sein müssen. Auch Mularkey bewirbt sich seit einigen Tagen bei anderen Teams und hat die Zeit zwischen Woche 17 und Wild Card Weekend mit Vorstellungsgesprächen anderswo verbracht.

Vorschau Woche 10, SNF Patriots@Jets

Wie in der Früh angekündigt, wird hier in Zukunft Herrmann regelmäßiger Beiträge schreiben. Heute geht es um das Sunday Night Game von heute Nacht.


As the world turns… Als wir uns das letzte Mal dem Klassiker Jets-Patriots gewidmet haben (und man lasse sich nur nicht einreden, das sei gar keine “echte” große Rivalry), hingen die Blätter noch an den Bäumen, die Patriots-Offense war das heißeste Ding seit Erfindung des Geldes und der Schreiberling selbst war noch kein Sidelinereporter an der Seite von korsakoff. Seitdem haben die Jets drei Spiele in Folge gewonnen und teilen sich mit einem 5-3-record den ersten Platz in der AFC East mit den Mannschaften aus New England und Buffalo.

Das soll hier keine Executive Summary werden, sondern wir wollen uns auf einen Punkt konzentrieren: New Englands Offense gegen New Yorks Defense. Das Matchup Pats-D gegen Jets-O soll hier nur ganz kurz und nicht umfassend abgehandelt werden: wenn das Laufspiel New Yorks funktioniert, funktioniert auch der Rest. Wenn nicht, funktioniert gar nichts. Und die Lauf-D der Patriots ist nicht die allerschlechteste.

Die Patriots seit haben dem letzten Spiel gegen den Divisionsrivalen in Woche 5 das große Zittern bekommen, seitdem nicht ein Mal mehr als 20 Punkte gemacht (20 gegen die Cowboys, 17 gegen die Steelers und 20 gegen die Giants) und sahen ihre hochgelobte Offense entzaubert. Am schlimmsten sah der Angriff um Tom Brady gegen Pittsburgh aus und das Überraschendste daran war, daß die Steelers es mit einer anderen taktischen Marschroute geschafft haben als die Jets bei ihrem letztjährigen Playoffsieg.

Die Grundidee beider, der Jets wie der Steelers, war gleich: die WR an den Seitenlinien verteidigt man 1-gegen-1, das reicht aus, weil Branch, Ochocinco, Taylor Price oder auch TE Hernandez vielleicht mal einen oder zwei Bälle fangen, aber uns nicht das Genick brechen werden. Der Unterschied lag in der Defense, die sie zwischen den Seitenlinien gespielt haben.

Pittsburghs Dick LeBeau, gebranntes Kind nach der Klatsche gegen New England letztes Jahr, als Brady genüßlich Zone-Coverage um Zone-Coverage auseinandergenommen hat, versuchte einfach mal was ganz Neues, was sich (seltsamerweise?) bis jetzt noch niemand getraut hat: Mann-Verteidigung mit Bump-and-run an der Line of Scrimmage und als Highlight oben nur einen Safety. Damit waren die Receivers der Pats völlig überfordert und das gewohnte Timing zwischen QB und WR war wie weggeblasen. Weil der zweite Safety – in der Regel ein Herr namens Polamalu – damit “in the box” war, wurde einerseits Bradys beliebte Mitte für die TEs und Welker mit einem Extramann abgedeckt und andererseits hatte auch das Laufspiel einen zusätzlichen Verteidiger gegen sich.

Die Jets hatten einen ähnlichen Ausgangspunkt, haben den Rest aber ein wenig anders gemanaget. Also auch: außen eins gegen eins. Und auch: Mitte zu. Aber Rex Ryans Jungs aus den Meadowlands haben das getan mit Zonenverteidigung. Bis auf zwei Cornerbacks haben alle Spieler der Secondary (die Jets haben hauptsächlich Dime gepielt) im Umkreis der Hash Marks ihre Zonen verteidigt. Und oftmals haben sie nur 3 Pass Rusher aufgeboten und 8 Mann (!) in die Paßverteidigung geschickt. New England hat das diese Saison in Woche 5 mit viel hard-nosed Laufspiel gekontert. Aber wenn die Jets ihre Strategie mit der Steelers-Taktik verbinden, wird auch das wohl nicht funktionieren.

Der Angriff von Belichick, Brady und OC Bill O´Brien braucht eine neue Idee, einen neuen wrinkle. Irgendetwas Neues. Mehr 3-WR- oder 4-WR-Sets vielleicht, ein kreativeres Laufspiel, ein Pärchen Ocho/Brady, das endlich lernt, miteinander zu spielen oder einfach nur einen Deep Threat. Brandon Tate war es nicht, Vielleicht kann es Taylor Price sein,

Ich möchte keinesfalls klingen wie ein “Fan, der vom Gestern lebt” (Uli Hoeneß), aber wo ist der Deep Threat – formerly known as Randy Moss? Es hat schon einen Grund, warum alle guten Mannschaften so einen in ihren Reihen haben und sogar ein Schüler Belichicks wie Thomas Dimitroff  seine Karriere aufs Spiel setzt, um einen Julio Jones zu draften. Das ist kein Plädyer pro Moss, aber von irgendwoher muß er kommen, der schnelle Receiver mit den langen Schritten, der tief gehen kann.

Für die Patriots ist dieses Spiel sehr viel wichtiger als für die Jets. Es könnte das erste Mal seit 2002 werden, daß Bellys Pats drei Spiele in Folge verlieren. Wenn man dazu nimmt, daß New England seine letzten drei Spiele in den Playoffs verloren hat und der letzte Sieg in diesen aus der Saison 2007 datiert, kann man tatsächlich so langsam mit dem Abgesang auf die Patriots der Belly/Brady-Ära beginnen.

Oder, wenn man nochmal den letzten Optimismus zusammenkratzen will, könnte dieses Aufeinandertreffen einen Wendepunkt markieren wie das Spiel in Woche 5 der Saison 2003 (38-30 gegen die Titans), das den Beginn der längsten Siegesseries der NFL-Geschichte einläutete: 21 Spiele in Folge ungeschlagen und Siege in den Super Bowls XXXVIII und XXIX.

Es wird sich zeigen und das Spiel hat als Sunday-Night-Ansetzung auch einen würdigen Platz dafür.

Pittsburgh Steelers in der Sezierstunde

Rashard Mendenhall RB Steelers NFL

Rashard Mendenhall - ©Wikipedia

Es war eine merkwürdige Saison für die Pittsburgh Steelers. Zuerst musste man auf QB Ben Roethlisberger verzichten, dann kam die Offense nicht in Gang, dann floppte die Defense – und am Ende stand man trotz einer heiß/kalten Post Season in der Super Bowl. Die wurde dann verloren. Obwohl sie eigentlich locker „gewinnbar“ gewesen wäre.

Problem der Steelers 2010/11: Sie waren nicht beständig. Sie waren Sekundengenies. Eine Mannschaft, die pro Spiel erst drei Momentum Changes überstehen musste, ehe es am Ende zwei Kilo Eier in Head Coach Mike Tomlins Unterhosen brauchte, um das Spiel zu drehen oder einen Vorsprung über die Zeit zu wursteln.

Die Offense von Bruce Arians

Es ist eine Offense, die nicht Spektakel veranstaltet, sondern rational, effizient arbeiten möchte. Basierend auf Laufspiel möchte man QB Big Ben Roethlisberger Gestaltungsmöglichkeiten im Passspiel geben und Roethlisbergers Fähigkeit zur Improvisation nutzen.

Problem: Dadurch, dass die Offensive Line seit Jahren stiefmütterlich behandelt wird, werden gleich die ersten paar Prozent Effizienz abgezogen. Mit C Maurkice Pouncey hat man die Mitte gestärkt, aber alles drum herum ist und bleibt Stückwerk. Pittsburgh kann IMHO Verstärkungen bei Guards und Tackles brauchen. Treppenwitz wäre natürlich eine Draft-Verpflichtung von G Mike Pouncey, Maurkices Bruder.

Der Running Back heißt Rashard Mendenhall. Er ist als Arbeitstier gedacht. Mendenhall ist allerdings sehr eindimensional und kein guter Fänger. Irgendwann wird ein vielseitigerer Back eingekauft werden müssen. Priorität aber vorerst (noch) nicht allzu hoch.

Die Passempfänger sind gut aufgestellt. Roethlisberger verfügt über einen ausbalancierten Mix aus kräftigen Receivers und Tight Ends sowie pfeilschnellen Leuten und guten Blockern. Von Running-Back-Seite ist Mewelde Moore der Mann, der in Pass-Situationen eingesetzt wird (der aber kein zuverlässiger Rusher ist). Ich sehe den enttäuschenden Limas Sweed kurz vor der Entlassung. Sweeds Bilanz in drei Jahren: 7 Catches, 69yds, 1 Fumble. Auch der eisenharte Hines Ward wird nicht jünger und wird immer häufiger von Wehwehchen gezwickt – Weltsensation, bei so einem Spielstil.

Die Defense von Dick LeBeau

Das Prunkstück der Steelers. Es ist eine Defense, die sich durch gnadenlosen Zug zum Quarterback auszeichnet, vielseitig blitzend und mit einigen der spektakulärsten Spieler auf allen Positionen topp aufgestellt. Auf fast allen.

Die Cornerbacks gelten seit Jahren als nicht höchsten Ansprüchen genügend. Entweder via Draft oder Free Agency wird ein Starting-CB gesucht werden. Steelers-Philosophie hieße „via Draft“.

Dazu könnte die eine oder andere Gelegenheit genützt werden, einen Verjüngungsprozess einzuleiten. NT Casey Hampton wird 34, OLB James Harrison ist auch schon 33 und ILB James Farrior sogar auf dem Sprung zum 36. Geburtstag. Das sind drei Schlüsselspieler, die nicht mehr allzu lange auf höchstem Niveau spielen können. Es riecht nach Frischzellenkur am zweiten oder dritten Tag im Draft. Stichwort: Langsames Heranführen an den Kader.

Ausblick

Die Mannschaft braucht dringend bessere Offensive Line. Für mich liegt darin der Schlüssel für mehr Balance und folglich den Erfolg. Mike Tomlin wird sich gewiss in dieser Hinsicht bewegen. Deswegen wird Pittsburgh auch im Rennen um Divisionssieg und Superbowl bleiben, trotz der aufkommenden divisionsinternen Konkurrenz.