NFL-Franchises im Kurzportrait, #28: Philadelphia Eagles

Keine andere Stadt liebt und hasst ihre eigene Mannschaft so sehr wie Philadelphia, wo das Publikum innerhalb von Minuten von himmelhochjauchzend auf zu Tode betrübt wechseln kann und sogar einige der besten Spieler der Teamgeschichte gnadenlos auspfiff. Weiterlesen

Donovan McNabb

In der Nacht von morgen, Donnerstag auf Freitag, wird Donovan McNabb offiziell im Rahmen des Eagles-Heimspiels gegen Kansas City (rein zufällig coacht dort nun Andy Reid) verabschiedet und zurücktreten. McNabb war einer der prägenden NFL-Profis des vergangenen Jahrzehnts, und einer der größten Spaltpilze. McNabb war von 1999-2009 der Franchise-Quarterback der Philadelphia Eagles, und durchlebte eine der eigenartigsten Karrieren, die man sich vorstellen kann. Stell dir vor, du bist der beste Zehner in der Geschichte des FC Schalke, gehörst jedes Jahr zu den Spielern mit den meisten Assists und den wenigsten Fehlpässen, dein Trainer lässt fast alle Offensivaktionen über dich laufen, du sagst nie ein falsches Wort zur Presse, spielst jedes Jahr um den Titel, und wirst bei jedem Heimspiel ausgepfiffen, weil die Fans statt dir einen bekifften Linksverteidiger mit esoterischen Neigungen sehen wollen. Dann bist du der Donovan McNabb der deutschen Bundesliga.

Ich erlebte McNabb in seiner Blütezeit, neben Brady, Manning und McNair war er der Quarterback schlechthin in den ersten Jahren, in denen ich die NFL verfolgte. Die Eagles waren jedes Jahr auf dem Sprung in die Superbowl, McNabb ihr Anführer. Aber McNabb schaffte es nie, seine Mannschaft zur Vince Lombardi Trophy zu führen. Und alle Auguren, die schon zur Draft-Einberufung 1999 lauthals buhten, weil sie an McNabbs Stelle RB Ricky Williams wollten, krochen Jahr für Jahr aus ihren Löchern, als mal wieder ein „großes Spiel“ verloren wurde.

McNabb verlor alle großen Spiele. Er konnte kein großes Spiel gewinnen, denn ein Spiel, das McNabb gewann, konnte per Definition kein „großes“ sein. Playoff-Kracher gegen Green Bay, gewonnen in der Overtime nach einem wundersamen verwerteten 4th-und-26? Putzig. NFC-Finale 2005? Pffff… Viertelfinal-Auswärtsieg beim amtierenden Superbowl-Champ, im Stadion des Erzrivalen, in bitterbösen Winden (2008/09)? Ick lach mir doch schlapp. McNabb ist ein Loser. Punkt, basta. Ich hab sogar gesehen, wie er im Superbowl 2005 kotzte! Nein, ich kann es nicht beweisen, weil die NFL alles Beweismaterial vernichtet hat. Aber ich habs gesehen! Ich schwöre.

McNabb und Head Coach Andy Reid standen dreimal pro Saison kurz davor, aus der Stadt verjagt zu werden. Vermutlich muss man die sehr spezielle Beziehung der „Philadelphians“ zu ihrem Franchise-QB auch gar nicht verstehen. Vermutlich sind die Leute halt so. Was wurde ihm nicht alles sonst noch vorgeworfen: Zu unpräzise, zu fett, zu viel Weichei, lacht zu viel aufm Feld… Leute, das sind Footballprofis, sie leben ihren und euren Traum und sie haben Spaß an der Sache!

Donnie Mac war einer meiner Lieblingsspieler, weil er jahrelang klaglos dieses wetterwendische Publikum durchlebte und selbst dann nicht aufbegehrte, als er sich Terrell Owens ausgesetzt sah und Teile des Publikums lieber den durchgeknallten Spinner sehen wollten. Weil auch nach Verletzungen wieder aufstand. Ein Knöchelbruch ist für einen Scramble-QB kein Zuckerschlecken. Weil er sich nie in den Mittelpunkt stellte, obwohl er der Mittelpunkt war – von allem: Andy Reids Spielsystem, den Medien, den Fans. Das alles war McNabb – bis, sagen wir, 2007, 2008… 2009?

Der McNabb der letzten Jahre war ein abgehalftertes Alphatier, der Gegenentwurf zur #5 der ersten Tage. Die Einerufung von QB Kevin Kolb (2007/2te Runde) als seinen designierten Nachfolger muss ihn wohl hart getroffen haben. Auf alle Fälle begann McNabb in den letzten Jahren vermehrt, offensiv seine Größe rauszuposaunen. Er war zuletzt nicht mehr „coachable“, er war seine eigene Agenda, er wurde für Rex Grossman (!) und Chris Ponder (!!) auf die Bank gesetzt, degenerierte zum Studiopundit mit manch unnötig brisanter Aussage. McNabb hätte eigentlich das Potenzial, einer der besten Analysten zu werden. Er müsste sie nur nutzen. Aber stattdessen lamentiert sich ein in der Selbstwahrnehmung zu wenig geschätzter Mann um Kopf und Kragen.

Ich befürchte, dass McNabb diese letzten Jahre die Nominierung für die Hall of Fame kosten könnten. Dass er reingehört, steht für mich außer Frage. Er gehörte zu den Top-5 Quarterbacks der 2000er Jahre. Maximal die Nummer 3, denn an Brady und Manning kommt er nicht vorbei. Minimal an Nummer sechs, denn sicher nicht schlechter als Hasselbeck, Favre, Roethlisberger oder McNair. Das Geplärre von Mac ist angesichts der mangelnden Wertschätzung, die er erfahren hat, irgendwo sogar nachvollziehbar. Es muss ihn innerlich unheimlich gewurmt haben. Dass er sein Maul so lange nie aufriss, muss viel Selbstbeherrschung verlangt haben. Es muss sich vieles aufgestaut haben.

Ich wünsche mir, dass McNabb und das Eagles-Umfeld irgendwann Frieden schließen. McNabb mag nie den Superbowl geholt haben, aber das bedeutet nicht, dass er ein Gescheiterter ist. Er war einer der besten, aber es hat halt leeeeider nie ganz gereicht. Aufregend war’s trotzdem. Danke, Donovan.

NFL Free Agency 2011, Tag -2

 

[23h48] N’Abend, Pflichten sind erledigt, daher noch ein schaler Blick auf die Geschehnisse seit 20h MESZ vor der Heia.

Carolina Panthers – Nächster Eigenbauspieler gehalten: LB James Anderson 5 Jahre/22 Mio./8,5M garantiert. Nach internen Re-Signings mit K Olindo Mare eine recht irre Verpflichtung: 4 Jahre, 12 Mio., 4 Mio. Signing Bonus. Bisschen was von „Spucke wegbleiben“. Und gleich noch einer nach: TE Ben Hartsock für zwei Jahre eingekauft. Und die Leier geht weiter: NT Ron Edwards für 3yrs/8,25 Mio. aus Kansas City eingekauft. Die Panthers haben nach meiner Rechnung heute 157 Mio. Dollar für Langzeitverträge ausgegeben – und das inkludiert noch keine Rookies und keinen Ben Hartsock. Dazu soll S/LB Thomas Davis noch eine Vertragsaufbesserung kriegen. Marty Humphrey going crazy, oder so ähnlich.

Washington Redskins – am Nachmittag kursierten wilde Gerüchte ob einer Verpflichtung von WR Holmes. Der Ersatz ist nun WR Jabar Gaffney, der einstige Brady-Buddy aus alten New England-Zeiten. Ein klassischer possession receiver, wird dir keine Defense auseinanderziehen, aber immer den Catch über 7yds bei 2nd und 6 machen. Und gleich noch einer nach: Slot-Receiver Brandon Stokley, der in den letzten Jahren in einem dreiviertel Dutzend NFL-Städten seine Brötchen verdient haben dürfte.

Moss, Stallworth, Gaffney, Stokley plus die Rookies Hankerson/Paul/Robinson – die Redskins brauchen die halben Kaderplätze für Wide Receivers, die in drei Tagen verpflichtet werden.

Houston TexansQB Matt Leinart hat entgegen aller Vorzeichen einen Zweijahresvertrag (5,5 Mio./3,75M garantiert) bekommen. Für Leinart ein nettes Zubrot zur täglichen Party. Zweite Vertragsverlängerung: WR Jacoby Jones. Dritte: OT Rashard Butler, der schwache PFF-Zeugnisse vorweist.

Indianapolis ColtsK Adam Vinatieri wird noch drei Jahre bleiben. Vinatieri wird für seine Kicks immer als Patriots-Hero in Erinnerung bleiben, aber schön langsam ist der Mann länger in Indy als er in New England war, wenn ich mich grob täusche. S Melvin Bullitt ebenso drei Jahre in Indy. Dazu kommt mit QB Nate Davis eine recht mobile Alternative dazu. Davis war vor zwei Jahren ein gehypter Mann frisch aussm College, hat sich aber nirgends durchgesetzt und war bei mir eigentlich schon aus dem Blickfeld.

Tampa Bay Buccs – Salaryfloor-Alarm! LB Quincy Black kricht mal eben Fünfjahresvertrag für 29,5 Mio./11,5 Mio. guaranteed. Die Buccs brauchen händeringend Abnehmer einige Dutzend Millionen, die sie ausgeben müssen.

Buffalo Bills – Salaryfloor-Alarm zum Zweiten: CB Drayton Florence wird für drei Jahre und insgesamt 15 Mio. gehalten. Florences Noten bei PFF sind unterirdisch. Für Buffalo ist aber wichtiger, möglichst schnell Geld in den Kader zu schaufeln.

Cincinnati Bengals – Der Zweijahresvertrag für QB Bruce Gradkowski dürfte angesichts der möglichen Umstellung von Rotschopf Andy Dalton noch wertvoll werden. Cincinnatis Fans werden noch einige Zeit an diesem Kulturschock zu knabbern haben: Palmer/85/Owens zu Gradkowski/Dalton/Green – durchschnaufen, Taschentuch rausholen, aufdiesaisonfreuen.

Gradkowski selbst dürfte der Wechsel gut tun: Wenn ich mich recht erinnere, hat der Mann einst mal unter Jon Gruden gespielt. Cincinnatis Offense Coordinator ist Jay Gruden. Jons kleiner Bruder.

Kansas City Chiefs – Zwei Spieler bleiben: Der Uralt-Center Casey Wiegmann und WR Terrance Copper, beide nicht wirklich Leistungsträger, aber was willst machen, wenn du noch ein, zwei Anspielstationen brauchst und die Redskins die halbe Liga leerkaufen?

Minnesota Vikings – Der Sidney Rice für Kleine ist gefunden: WR Devin Aromashodu von Chicago. Ob es damit getan ist?

New York Giants – Head Coach Tom Coughlin hat eine Verlängerung um ein Jahr bis inklusive 2012/13 bekommen, nicht gerade der Vertrauensbeweis schlechthin. Solche Einjahresverträge sind meistens nur dazu da, um das Gerede in diesem Herbst abzustellen. Coughlin geht aber IMHO bereits angeschlagen in die Saison und MUSS Playoffs vorweisen können.

Detroit Lions – Third Stringer Drew Stanton hat ein weiteres Jahr verlängert. Stafford und seine Schulter und so.

New England PatriotsRB/FB Sammy Morris wird bleiben.

New York JetsWR Braylon Edwards sitzt im Schmollwinkel, nachdem Holmes den Vertrag bekommen hat und die Jets lieber Asomugha einkaufen wollen, als ihn weiterzuverpflichten. In Washington wäre sicher noch ein Platz frei…

San Francisco 49ers – Die Info ist noch unbestätigt, aber anscheinend wurde der horrend teure CB Nate Clements rausgeschmissen (hatte ca. einen 80 Mio.-Vertrag). Ich nehme an, sie kaufen Clements für lau wieder ein.

Baltimore RavensDT Kelly Gregg ist offiziell entlassen worden. Die Ravens und Panthers kriegen die rote Nummers für den Kämpferischstes-Team-Tagespreis.

Und damit: Guade Nocht.

[19h57] Jake Delhomme ist The Guy. Kassierte vor zwei Jahren 12,5 Mio. Signing Bonus on Carolina, wurde ein Jahr später gefeuert. Kassierte letztes Jahr 7 Mio. Signing Bonus von den Browns, wurde vor einer Minute von Cleveland gefeuert. So kann man sein Geld auch verdienen. (Hiermit verabschiede ich mich für 2-3h vom Liveblogging, freiwillige Pflichten rufen)

[19h40] Wieder einiges Neues: Carolina hat RB DeAngelo Williams gehalten. Ein irrer Deal für einen 28-jährigen Running Back mit Verletzungshistorie: Fünf Jahre, 43 Mio. Dollar, davon 21 (!!!) Mio. Dollar Unterschriftenbonus. Wie war datt noch mal mit Salary Cap Floor? Und so nebenbei sieht man schon die erste Auswirkung der Rookie-Gehaltsbeschränkung: Mit einem 50-Millionen-Newton wäre Williams in Carolina unmöglich geworden.

Derweil wird das Ausmaß des Jackson-Vertrags mit Seattle ersichtlich: Zwei Jahre, acht (!) Mio. Dollar. Ich bin ob der Summe irgendwie… perplex. Riecht nicht so gut für Seattles QB Whitehurst.

Jacksonville soll an Baltimores Safety Dawan Landry dran sein, ein potenziell schlechter Move für die Ravens, da Ed Reeds Rücktritt nur mehr wenig entfernt ist und den Ravens die Safetys ausgehen. San Diego zahlt sich auch einen ab für S Weddle: 40 Mio. für 5 Jahre, 13 Mio. Unterschriftenbonus, 19 Mio. guaranteed. Weddle ist damit, man mag es kaum glauben, der bestbezahlte Safety EVER.

Kicker-Markt: Olindo Mare wird Seattle verlassen.

G Robert Gallery geht nach Seattle. Harhar: Hatte ich nicht immer behauptet, Gallery sei ein „Cable-Guy“? Seattles Offense-Line-Coach: Tom Cable.

[19h17] S Eric Weddle wird in San Diego bleiben.

[19h13] Update/Kyle Orton. Lt. Michelle Beisner wird Orton noch vor Mitternacht/MESZ ein Miami Dolphin sein. Tebow-Mania hat John Fox also tatsächlich erfasst.

[18h10] Die Free Agency startet erst übermorgen offiziell – will heißen: Verträge dürfen erst dann unterzeichnet werden – heute schon ist einiges passiert, was Spielerwechsel angeht. Womöglich gibt es morgen Abend „richtiges“ Liveblogging, heute mal ein Überblick, was bisher passiert ist (nicht vergessen, an der Westküste ist es gerade 9h morgens). Ach, und: Ich berufe mich zum größten Teil auf den Twitter-Account von Adam Schefter.

Quarterbacks – Just for the record: Cameron Newton (Pick #1/Panthers) wird ohne Streik seinen Vierjahresvertrag für 22 Mio. unterschreiben.

Größtes D’oh! Bei Donovan McNabb. McNabb ist für einen 6th round-Draftpick nach Minnesota verscheppert worden. McNabb hätte im September einen gigantischen Roster-Bonus erhalten (ergo: wäre mit Sicherheit vorher entlassen worden), aber die geringe Kompensation ist doch überraschend. [6th rounder 2013 ist optional vorgesehen]

Washington hat sich dafür den ehemaligen Jets-QB Kellen Clemens geholt, der einst dank Favre abgesägt worden ist.

Matt Hasselbeck soll angeblich in Tennessee im Wort stehen. Ein Move für die Titans nach dem Motto „Hauptsache, QB Locker wird nicht von Anfang an abgeschossen“. So darf Hasselbeck wohl erstmal seine Glatze hinhalten. Interessant ist der Zusatz „multi year deal“: Hasselbeck ist gepflegte 36, aber Locker wird nachgesagt, mindestens 1-2 Jahre Feinschliff zur NFL-Tauglichkeit zu brauchen.

Seattle hat reagiert und Tavaris Jackson aus Minnesota eingekauft. Jackson ist so ein QB, der dir keine Superlative aussm Hals zieht, aber ich hatte immer das Gefühl, die Vikings hätten ihn mit dem Favre-Geeiere zu früh vor die Hunde geschmissen – siehe Clemens’ Schicksal.

Buffalo hat angeblich Tyler Thigpen, unseren Pistol-QB aus Chiefs-Zeiten, eingekauft. Thigpen hat damals als Rookie unter Chan Gailey ein paar Spiele in der Pistol-Formation gemanagt und IMHO seine Sache so unterirdisch nicht gemacht. Achja: Buffalos Head Coach ist Chan Gailey.

San Francisco hat das letzthin Erwartete gemacht will Alex Smith nun doch behalten. Bengals-Owner Mike Brown bleibt in Sachen Carson Palmer offenbar weiterhin stur: Kein Trade und damit Karriereende.

Zwei Gerüchte: Lt Jason LaCanfora/NFL.com wird Kevin Kolb/Eagles „innerhalb von 48h“ nach Arizona getradet und Kyle Orton/Broncos wird mit einiger Wahrscheinlichkeit nach Miami gehen.

Running Backs – Baltimore soll Willis McGahee gefeuert haben. Überraschungsfrei. Seitens ungedraftete Rookies hat Pittsburgh dem Brecher John Clay (remember Rose Bowl/Wisconsin?) geholt.

Wide ReceiversSantonio Holmes hat in diesen Minuten einen massiven Fünfjahresvertrag mit den Jets ausgehandelt: 50 Mio., 24 Mio. Unterschriftsbonus. Bedeutet a) Braylon Edwards wird wohl gehen, b) die Jets werden irgendwo teure Spieler gehen lassen müssen und c) irgendwo ein paar tausend Kilometer weiter westlich wird ein Vincent Jackson aufmerksam zugehört haben.

Die Redskins haben offenbar Santana Moss weiterverpflichtet (3 Jahre, 15 Mio.) – überraschend, denn Moss ist 32 und hatte 2010/11 ein außergewöhnlich gutes Jahr. Die Redskins haben dem Vernehmen nach auch bei Donte Stallworth zugeschlagen (kommt aus Baltimore) – zwei Spieler, von denen ich aus Madden/NFL-Zeiten im Kopf habe, dass sie wieselflink sind. Stallworth für ein Jahr verpflichtet – wie oft hatten wir das in den letzten Jahren eigentlich schon?

Baltimore wird den älter werdenden Derrick Mason entsorgen.

#Massenexodus_aus_Arizona: Angeblich steht eine Zusage von Steve Breaston für Kansas City kurz bevor. Die Chiefs werden vom ex-Cardinals OffCoord Todd Haley gecoacht.

Tight Ends – Baltimore wird auch Todd Heap entlassen, den famosen Tight End, der gegen die Chiefs in den Playoffs einen Tag vor dem Herrn erlebte und eiskalt die Schnittstelle in der Linebacker-Zone ausnutzte. Randy McMichael bleibt in San Diego.

Offensive Line – Die Ravens scheinen zwar haufenweise Skill Players gehen zu lassen, dafür werden OG Marshal Yanda und OT Jared Gaither gehalten. Vertragsbedingungen sind mir noch nicht bekannt. OT Doug Free wird in Dallas bleiben. Vertrag: 4 Jahre, 32 Mio. Die Bears werden aller Wahrscheinlichkeit nach C Olin Kreutz verlieren (S.F. ist dran, die 49ers haben C David Baas an die Giants verloren).

Defensive Line – Der bisher massivste Deal war schon heute in der Früh bekannt: Die Carolina Panthers haben DE Charles Johnson für sechs Jahre/72 Mio. Dollar behalten. Ein nicht unbedingt erwarteter Move, aber wie angedeutet: Manche Teams müssen auf Druck teure Verträge unterzeichnen und wer eignet sich besser als der beste verfügbare eigene Spieler?

DE Jarvis Moss soll in Oakland bleiben. DT Barry Cofield angeblich (wie von footballissexbaby vor ein paar Tagen prophezeiht) weiterhin bei den Giants – Vertragszahlen sind mir nicht bekannt. Die Giants werden dafür DT Rocky Bernard raus. (Ex-)Wandervogel Damione Lewis bleibt in Houston.

Linebackers – Der nicht gedraftete Rookie OLB Mark Herzlich wird sein Trainingslager mit den New York Giants bestreiten. Herzlich ist der Mann, der nach überstandenem bösartigem Tumor in der vergangenen Saison für Boston College eine starke Saison gespielt hat.

ILB Takeo Spikes geht von San Francisco die Küste runter zu San Diego, ein merkwürdiger und irgendwie unpassender Move von beiden Seiten. OLB Paul Poluszny von Buffalo nach Jacksonville – kleiner Markt zu kleinem Markt, und Buffalos Linebackerschaft wird auch immer dünner…

Defensive Backfield – Die Eagles haben S Quintin Mikell tatsächlich gehen lassen, um genau zu sein nach St Louis. Mikell hat bei PFF seit Jahren Höchstnoten bekommen, ob als Fetisch oder ob wirklich so gut. Auf alle Fälle konsequent als Eagles-Sicht, die seit Jahren nicht davor zurückscheuen, Spieler rauszuwerfen, die die 30 überschritten haben.

Steelers-CB Ike Taylor bleibt in Pittsburgh.

Special Teams – GB behält K Mason Crosby, DET K Dave Rayner.

Eine Anmerkung: Aufgrund der schieren Masse an Informationen werden ich die drei folgenden Einträge zum College-Football auf Anfang nächste Woche verschieben. Ich muss jetzt gleich zu einer Ausschusssitzung und aktuell geht es eh in Sachen NFL ziemlich rund. Wer Anmerkungen zu aktuellen bzw. weiteren Spielerwechseln hat, darf sich natürlich gerne in den Kommentaren melden.

Washington Redskins in der Sezierstunde

Voran meine grandiose Saison-Prognose:

Ich traue Washington 2010 durchaus die Playoffs zu, selbst in der schwierigen NFC East. Wenn Snyder die Klappe hält und seine Coaches machen lässt, wenn die Defense so weiter spielt und die Offense unter Shanahan/McNabb den Erwartungen gerecht wird, sind die Redskins für mich sogar Favorit in dieser Division.

Ich werde mich an der Stelle nicht auf das Wörtchen „wenn“ hinausreden. Die Prognose steht neben meinen Schuhen – so geht es, wenn man aus blanker Not, nachher als Genie dazustehen – den Risikotipp rausposaunt.

Wobei: Im Prinzip war alles gegeben. Neuer Headcoach mit Sachverstand, ein eigenhändig mundtot gemachter Owner und ein hochkarätiger, neuer Quarterback. Sogar die NFC East erwies sich als erwarteter Rohrkrepierer.

Trotzdem war Washington am Ende mit 6-10 Tabellenletzter. Frage: Wie waren die Probleme gelagert?

Antwort: Vielschichtig.

Mike Shanahan

Mike Shanahan - ©Flickr

Mike Shanahan machte von Beginn an einen auf Disziplin-Nazi und vergraulte damit den faulen und überbezahlten DT Albert Haynesworth. Im Lauf der Saison verärgerte Shanahan dann auch noch QB Donovan McNabb, indem er ihn mehrfach öffentlich demontierte.

Sportlich war Washingtons Offense hilfloser als erwartet, weil das Laufspiel schnell kollabierte und McNabb nicht dauerhaft in der Lage war, das Problem zu übertünchen. Das 16-13 (OT) gegen die Packers Anfang Oktober ist mir dabei im Gedächtnis geblieben: Trotz Sieg eine extrem maue Vorstellung, weil das Laufspiel in all seinen Facetten abgewürgt war.

Weil es immer noch schlechter geht, bitteschön – die Defensiv-Statistiken: DVOA #25 overall, #18 Lauf, #27 Pass. In absoluten Zahlen: #31 overall, #26 Lauf, #31 Pass. Schande der Saison war natürlich die desaströse Heimschlappe gegen Vicks Eagles Mitte November (mit 59 kassierten Punkten noch gut bedient).

Was tun?

Zuerst: Eine Umstellung auf eine 3-4 Defense ist bekanntlich nicht einfach, und nachdem Haynesworth sich unfähig zeigte, den Nose Tackle zu spielen, war das System erstmal fürn Arsch. Für Shanahan muss die oberallererste Priorität lauten: Passende Spieler für die Systemumstellung einkaufen. Shanahan scheint auch über diesen Weg seine Defense in den Griff bekommen zu wollen, denn der Trainerstab blieb unangetastet.

Wichtigste Positionen dabei IMHO: Nose Tackle, Pass Rusher (Hey, alle wollen Pass Rusher!), Cornerbacks (aufgrund vieler auslaufender Verträge ist die Position arg dünn besetzt).

Gute Nose Tackles sind schwer zu finden, aber ich glaube kaum, dass der eigensinnige Shanahan nochmal mit Haynesworth probieren wird. Pass Rusher sollte dagegen weniger ein Problem darstellen – der Jahrgang gilt im Draft als reich bestückt. In der Secondary ist mit O.J. Atogwe schon ein guter Safety eingekauft worden, die Cornerbacks (Buchanon, Rogers) sollten nach Bedarf gehalten werden.

Problematischer ist die Offense: QB McNabb ist in Landover vermutlich verbrannt. Ob Shanahan wirklich mit REX GROSSMAN die Saison bestreiten wird? Und: Wo sind die Abnehmer für des Quarterbacks Pässe?

Es könnte auch einen Running Back brauchen – Clinton Portis ist raus. Shanahan war in der Vergangenheit dafür bekannt, No Names zu Top-Running Backs zu machen. Ryan Torain war über Phasen auch so einer. Aber eben nur über Phasen.

Draftpick #10

Die Redskins sind zur Zeit sowas wie das dark horse an der #10 im Draft – gesegnet damit, alle Optionen offen zu haben: Einer der fünftausenvierhundertsechsundsechzig Quarterbacks wird auf alle Fälle frei sein, vermutlich auch einer der beiden Top-WRs (Julio Jones, A.J. Green), die beide den Skins gut zu Gesicht stünden. Ein Trade nach unten sollte ebenso eine Option sein wie ein Trade hinauf.

Der Gedanke, einen QB zu draften, sollte nicht ganz abgewiesen werden. Locker, Gabbert und vor allem Newton – drei mobile Quarterbacks, die den Ball ein paar Dutzend Yards das Spielfeld hinunter jagen können. Wie war datt nochmal mit den Elways, Plummers und Cutlers dieser Welt?

Sollte Washington sein Auge auf einen speziellen der drei werfen, könnte ein Trade in eine bessere Draftposition von Nöten sein. Sollte kein CBA bis zum Draft unterzeichnet werden, kann man allerdings keinen McNabb als Handelsware einsetzen…

Ausblick

Ich bin einigermaßen schockiert über die gezeigten Leistungen der Redskins. Ich hatte die Mannschaft deutlich „runder“ erwartet – aber die Defensivumstellung war wohl ärger als erwartet und wenn dein Laufspiel so abschmiert, ist „6-10“ vorprogrammiert.

Da die Löcher eher breit gestreut sind und aktuell schwer vorhersehbar ist, in welche Richtung die größten Bemühungen angestrengt werden, ist eine Prognose schwierig. Schwer vorstellbar, dass Grossman der QB #1 sein wird oder dass McNabb noch einen Funzen Bock auf Shanahan hat, von daher ist QB in Runde 1 vielleicht wirklich am wahrscheinlichsten.

Cam Newton-Show in Landover?

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