Scoute die Offensive Line: Pass-Blocking ist einfacher zu prognostizieren als Run-Blocking

Es zeigt sich seit etlichen Jahren: Die Grenzen des traditionellen Scoutings scheinen ausgelotet und erreicht zu sein. Die nächste Stufe in der Evolution des Draft-Scoutings in der NFL ist die Integration von Advanced-Analytics. Diese steckt noch in den Kinderschuhen, doch die ersten Anzeichen stimmen hoffnungsvoll. Weiterlesen

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Die Gesichter des NFL-Drafts 2012 – Die Offense

Ich bin im Normalfall kein allzu großer Freund von Mock-Drafts, aber für heute zwei Verweise: In der Nacht (02h MESZ) wird Draft-Halbgott Mike Mayock wie im letzten Jahr seinen Mock-Draft 2012 präsentieren. Schon veröffentlicht ist der Mock-Draft vom heimlichen Star in der heurigen Vorberichterstattung: Greg Cosell, der Mann von NFL-Films mit Zugang zur All-22 Kamera, der sich im aktuellen Frühjahr mit flockig lesbaren Analysen einen Namen gemacht hat – und nun einen ebenso interessanten wie unkonventionellen Mock-Draft veröffentlicht hat:

Cosell Talks: The Mock Draft.

Sobald der Spox-Userdraft (mit korsakoff! Unbedingt lesen!) online ist, werde ich noch darauf verweisen. Abseits davon gilt: Abwarten und Tee trinken. Es wird nicht zuletzt aufgrund der Gehaltsbegrenzung für Rookies mit etlichen Trades im Laufe des Wochenendes gerechnet. Ein Spielertrade soll noch vor der ersten Runde abgeschlossen werden: Die Eagles versuchen, CB Asante Samuel für einen erstaunlich billigen Preis loszuwerden.


Bevor es losgeht, noch ein Blick auf die Draft-Anwärter 2012. Angereichert mit persönlichen Notizen und dem einen oder anderen Angelesenen. Und natürlich mit den über die Wochen Aufgesaugtem von Mike Mayock, der vorgestern seine finalen Rankings online gestellt hat.

Quarterbacks

Jahr für Jahr nicht zu Unrecht die meistdiskutierte Position sind die Quarterbacks. Schauen wir uns die Klasse von 2012 an, so fällt auf, dass die hüftsteifen Pocket Passer mit Betonklötzen an den Schuhen fehlen. Dafür haben wir viele mobile QBs, die auch mal einen Linebacker aussteigen lassen können. Und wir müssen uns fast überhaupt nicht über die Charakterfrage unterhalten.

Zwei Quarterbacks schweben über allen. Dahinter ist man sich uneins. Mike Mayocks Top-5:

#1 Andrew Luck
#2 Robert Griffin III
#3 Ryan Tannehill
#4 Brandon Weeden
#5 Kirk Cousins

Andrew Luck von der Stanford University und Robert Griffin III von der kleinen Baylor University werden auch die ersten beiden Picks im Draft sein. Die Reihenfolge ist fast 100%ig geklärt: Es ist davon auszugehen, dass die Indianapolis Colts keinen Umfaller mehr haben und ihre Zukunft um Luck herum bauen werden.

Luck, der Sohn des ehemaligen RheinFire-Managers Oliver Luck, gilt als außerordentlich reifer und risikoloser Pick mit unterschätzter Mobilität. Im Vergleich zu RG3 soll der/die/das „Upside“ geringer sein, sprich Lucks Arm besitzt nicht das Attribut „waffenscheinpflichtig“ und Luck ist bei all seiner Athletik nicht der potenzielle Scrambler vom Schlage Griffins (RG3 hätte sich als Hürdensprinter für die Olympischen Sommerspiele qualifizieren können). Auf der Habenseite steht bei Luck ein für Rookies sagenhaftes Spielverständnis und eine ungemeine Coolness. Beiden wird eine exzellente Zukunft vorausgesagt. Und vermutlich passt es auch so am besten: Luck in Indys Offense, RG3 in Shanahans rollout-lastigen, tiefen Angriff.

Das meistdiskutierte dark horse der vergangenen Wochen war Ryan Tannehill von Texas A&M, der in Ermangelung weiterer Gesprächtsthemen nun trotz seiner fehlenden Erfahrung als sicherer Top-10 Pick gilt (die Tendenz geht weg von Cleveland, hin zu Miami). Tannehills Attribute: Schwiegermutterliebling, starker Arm, im worst case auf Wide Receiver umschulbar. Auf der anderen Seite bleibt bei Tannehill die ungute Historie des Quarterbacks, der aus dem quasi-Nichts die Boards emporschießt. Nur in Ausnahmefällen haben sich solche QB-Optionen in der Vergangenheit als erfolgreich gezeigt.

Ein weiterer X-Faktor der letzten Wochen: Arizona States Brock Osweiler, der Hüne mit den Krakeelenarmen und dem Bubigesicht. Osweiler schoss mit einigen geglückten Risikopässen beim Pro Day in den Boards nach oben und wird von einigen Pundits zum möglichen First Round Pick hochgejazzt. Osweiler ist mit seinen 2,03m in einer Größenkategorie wie Derek Anderson, Flacco, Jamarcus Russell und Scott Mitchell, um die erfolgreichsten der QB-Kolosse in der NFL-Geschichte zu nennen (sic!).

Nach Osweiler wären noch Zottelbock Nick Foles/Arizona (wuseliger QB mit Raketenarm), Kirk Cousins/Michigan State (Großtantes Liebling, aber keine herausragenden spielerischen Attribute) und Brandon Weeden/Oklahoma State (28jähriger Spread-QB mit Säufergesicht) nennenswerte Kandidaten für die späte erste oder zweite Runde. Alles dahinter Folgende ist etwas für die Trüffelschweine.

Ein B.J. Coleman galt einst bei den Tennessee Vols („einst“ = bevor er vor Lane Kiffin floh) als Workaholic und machte sich hernach in der FCS bei Chattanooga recht ordentlich. Ein G.J. Kinne/Tulsa gehört mit seiner brachialen Spielweise (kein Scramble endet mit Fuß voraus) sowieso zu meinen Favoriten, gilt jedoch als Grobmotoriker in Sachen Wurftechnik zu denjenigen Quarterbacks, die möglicherweise ungedraftet bleiben. Und ein Russell Wilson/Wisconsin wird trotz flinker Füße kaum vor Samstag gedraftet werden – wenn überhaupt. Selbiges gilt für Darron Thomas aus Oregon.

Eine Unbekannte ist auch Case Keenum/Houston, der NCAA-Passrekordhalter, dem als „System-Quarterback“ mit viel zu geringer Körpergröße maximal eine Karriere als Ergänzungsspieler nachgesagt wird.

Der Fall Moore

Kellen Moore von der Boise State University ist der Quarterback, unter dem die Broncos in vier Jahren ganze drei Spiele verloren haben. Punktdifferenzen dabei: -1, -3 (OT), -1. Zweimal aufgrund verschossener Field Goals gegen Spielende. Moore kommt mit seiner Allerweltsfrisur und seinem stets unbeeindruckten Knabengesicht nicht wie der nächste 25-Millionenmann des Weges, soll jedoch über vorzügliche soziale Fähigkeiten besitzen. Kellen Moores Problem: Er ist mit 1,80m eher klein gewachsen und verfügt über einen für NFL-Verhältnisse absurd schwachen Wurfarm. Moores tiefe 30-40m-Bälle hängen analog jenen Tebows stundenlang und eiernd in der Luft – ein großes Manko in einer Footballliga, in der manche Eigenschaften schon allein als Bedrohungselement (Stichwort: Defensive Backs zum Nachdenken zwingen) gebraucht werden.

Auf der anderen Seite wirft Moore unglaublich präzise Bälle auf den Mitteldistanzrouten und begeisterte zuletzt nicht nur Jon Gruden in dessen QB-Camp:

Nicht jede Offense tritt so wunderschön auf wie jene der Boise State Broncos. Trotzdem könnte Moore im entsprechenden System durchaus einen Franchise-QB geben, gehen wir nach manchen Auguren. Von Runde 2 bis undrafted free agent ist alles drin. Allein: Dann suchen halt auch nicht 25 Franchises jetzt ihren zukünftigen Franchise-QB. Sollten wir von Kellen Moore nach dem Draft nie wieder etwas hören, so lohnt es sich dennoch, wenigstens den Film einmal reinzuziehen.

Running Backs

Eine Position, die – nicht zu Unrecht – in den vergangenen Jahren merklich an Wert verloren hat, auch wenn Cosell widersprechen mag. 2012 sprechen wir wieder von einem eher mäßigen Jahrgang an Running Backs, wobei ein Mann die Ausnahme bildet: Alabamas Trent Richardson bietet ein rundum komplettes Paket. Kräftig und trotzdem wendig, schwer zu tackeln und fangstark, und gewohnt, Verantwortung zu übernehmen: Der Mann ist mit 21 Lenzen bereits Vater von fünf- (!) und dreijährigen Töchtern. Richardson hat als einziger Running Back das Potenzial, in den Top-10 gedraftet zu werden und kommt als offenbar höchst angenehmer Zeitgenosse daher.

Alle weiteren Backs dürften es schwer haben, in der ersten Runde einberufen zu werden. David Wilson (Virginia Tech/Mayock: one-cut downhill runner, not much gimmick) und Lamar Miller (Miami Hurricanes/Mayock: Wilson + breakaway speed – consistency) dürften frühestens morgen Nacht gedraftet werden.

Der brachiale Allrounder Doug Martin (Boise State/Mayock: does nothing great, but everything well; Cosell: Ray Rice für Arme) soll mancherorts höchstes Ansehen als potenzieller später „First Rounder“ genießen, während ein Robert Turbin (Utah State) eher erst morgen oder übermorgen dran sein wird.

Irgendwo zwischen der zweiten und vierten Runde soll der fabulöse LaMichael James aus der atemberaubenden Offense der Oregon Ducks dran sein. James ist mit 1,75m und 87kg ein Fliegengewicht und gilt trotz ein paar antrainierter Kilos als zu leicht zu Boden zu bringen und ungebräuchlich für die Hundertschaften an immer noch ausgespielten Läufen über die Mitte. Die größten Chancen auf eine NFL-Karriere werden James als „change-of-pace“-Back (zu deutsch: sechster Gang) gegeben, als eine Art komplementäre Spielfigur an der Seite eines Michael Turner.

Mayocks Top-5:

#1 Trent Richardson
#2 Doug Martin
#3 David Wilson
#4 Lamichael James
#5 Isaiah Peed

Wide Receivers

Wide Receiver ist generell eine erstaunlich schwierig zu prognostizierende Position. Man möchte meinen, sichere Hände und eine 9,72 über 100m reichen für eine Allstar-Karriere aus, aber Punkt ist: Viele der athletischen Freaks scheitern, weil sie gegen die dichten Deckungen und die Physis der Cornerbacks an der Line of Scrimmage verzweifeln – am College ist man diesbezüglich doch deutlich weniger Schmalz seitens der Defensive Backs gewohnt.

Mike Mayock sieht einen in der Breite starken Jahrgang, dem allerdings in der Spitze die Qualität abgeht. Niemand soll auch nur annähernd die Klasse eines AJ Green oder Julio Jones aus dem letzten Jahr besitzen. Drei 1st rounder, die nächsten 15 als Lotterie. Seine Top-5:

#1 Justin Blackmon
#2 Michael Floyd
#3 Kendall Wright
#4 Stephen Hill
#5 Alshon Jeffery

Blackmon (Oklahoma State/Mayock: athletic freak, but off-field issues, lacks top-end speed) könnte nach jüngsten Entwicklungen gar seinen ursprünglich unangefochtenen Status als Nummer 1 dieses Drafts verlieren und möglicherweise durchgereicht werden, obwohl eine Menge an Teams in den Top-10 einen Wide Receiver suchen. Unsicherheit über sein Durchhaltevermögen und der fehlende Weltklasse-Speed schmälern Blackmons Wert.

Deswegen sehen manche mittlerweile Michael Floyd von Notre Dame vorn. Floyds Aktien sollen rasant im Steigen sein und Floyd gilt als kompletterer Spieler denn Blackmon, allerdings mit einer Vita auf dem Campus, die lustiger gewesen sein soll als es sich ein NFL-Profi eigentlich erlauben kann. Einen interessanten Vergleich zwischen Blackmon und Floyd, eingebaut in einen etwas größeren Kontext (genannt auch: „NFL-Trend“), hat Greg Cosell im Blog von NFL-Films vorgenommen.

Dazu gesellt sich Baylors Kendall Wright, RG3s „Go To-Guy“ am College. Wright ist eher kleingewachsen und hatte problematische Sprintzeiten über 40yds, gilt aber als komplettes Paket, vielseitiger als ein reiner Slot-WR und verfügt über „Football-Speed“ (Mayock: plays faster on tape than on the 40yds dash).

Abseits dieses Trios gehen die Meinungen weit auseinander. Sehr gut ablesen lässt sich dies an South Carolinas Alshon Jeffery, dem fantastische Athletik im Zweikampf mit Cornerbacks nachgesagt wird, der aber zum einen ein laxer Vogel sein soll und zum zweiten nicht die notwendige Gelenkigkeit in den Hüften hat, die für manche der komplizierten Routen insbesondere gegen die Herren Revis oder Bailey notwendig wäre. Zwischen irgendwo in der ersten Runde bis zur dritten Runde sind sämtliche Optionen in der Verlosung.

Eine völlige Unbekannte ist Stephen Hill, der sich nahtlos in die jüngste Riege an großartigen WRs von der Georgia Tech University (Calvin Johnson, Demariyus Thomas) einzureihen scheint und mit seinen 1,95m NFL-Gardemaß ist. Für Hill könnte es zum Nachteil werden, dass er in der Flexbone-Offense von Paul Johnson eine eher atypische Offense am College spielen musste und als Grünling in Sachen Routenlaufen gilt, jedoch sollen die individuellen Workouts und die 40 Time (4.36 sek) hinreichend Speichel in der Scouts Mäuler getrieben haben.

Als eine Art „Hill für die Armen“ sieht Mayock Brian Quick aus der FCS an, dessen Technik noch eher grob gestrickt sein soll, der aber mit ein bis zwei Jahren richtigem Coaching als Schnäppchen durchgehen könnte. Mohamed Sanu von der Rutgers University hatte am College mit absurd schlechten und häufig wechselnden Quarterbacks zu kämpfen und gilt nicht als der höflichste Charakter unter der Sonne, besitzt auf der anderen Seite aber eine der Lieblingsstärken von Coaches: Biss.

Weitere bekannte Namen in dieser Verlosung, in der für jeden etwas dabei sein könnte: B.J. Cunningham und Nick Toon aus der Big Ten Conference, Joe Adams von Arkansas, Tommy Streeter (Riese mit fast 2m) von Miami oder Marvin McNutt von Iowa. Ein etwas tragischer Fall ist jener von Ryan Broyles, dem Rekordmann von der University of Oklahoma, dessen schwere Verletzung im November die Draftposition erheblich geschwächt haben dürfte. Und dann sind da noch die Super-Zwerge T.Y. Hilton/Florida International und Eric Page/Toledo, pfeilschnelle Returner mit zirka 1,20m Körpergröße.

Tight Ends

Eine Position, die seit Gates, Gronkowski und Hernandez für helle Aufregung in der NFL sorgt, aber dieser Jahrgang bietet im Prinzip nur zwei Spieler, für die man einen hohen Pick verwenden möchte: Coby Fleener von Stanford mit seinen 1,97m und Orson Charles von Georgia. Wobei Ersterem nachgesagt wird, eher den Typ Gronkowski geben zu können, und Letzterem, eher ein Hernandez im Kleinen zu sein.

Der eigentlich größte Name Dwayne Allen (Clemson) scheint dagegen nicht so gefragt zu sein und dürfte allenfalls in der zweiten Runde gehen. Der Rest des Jahrgangs wird dann eher mit der englischen Vokabel für „dürftig“ beschrieben und soll, obwohl mehrere Athleten an die 2m groß gewachsen sind, aus eher schlechten Blockern und lausigen Routenläufern bestehen. Mayocks Top-5:

#1 Coby Fleener
#2 Dwayne Allen
#3 Orson Charles
#4 Ladarius Green
#5 James Hanna

Offensive Line

Der offensive Part der Schützengräben war zuletzt generell eine erstaunlich flop-anfällige Position, was an der stets wachsenden Komplexität des Spiels (Stichwort: Blitz-Formationen) liegen mag. Allein rohe Körpergewalt reicht schon lange nicht mehr aus, wo es doch vermehrt auf wendige Füße und Intuition (auch umschrieben mit „Spielintelligenz in Sekundenbruchteilen“) ankommt.

Tackles

Und genau da kommt OT Matt Kalil von USC ins Spiel: Nicht der Mann, dem man die 250kg-Hanteln in die Hand drücken möchte, aber als Leichtgewicht (nur 295 Pfund) ein Mann auf flinken Füßen. Fast alles ging bisher davon aus, dass Kalil an #3 von den Minnesota Vikings einberufen würde. Diese sendeten in den vergangenen Tagen recht deutliche Signale vom Gegenteil aus – ob Ablenkungsmanöver oder Versuch, den dritten Pick teuer zu verkaufen, wird sich zeigen.

Dahinter streiten sich Ohio States Mike Adams (gilt seit Tattoogate als zwielichtige Gestalt und seit einem positiven Drogentest als ernsthafter Risikopick), Riley Reiff (trotz 150kg auf flotten Füßen) und Stanfords Jonathan Martin (für „Power-Block“-Schemata á la Denver Broncos ungeeignet) um den Titel des zweithöchst gedrafteten Offensive Tackles von 2012. Bekannte Namen aus späteren Runden sind OT Nate Potter von Boise State (dürfte von der Anlage gut nach Washington oder Houston passen), Jeff Allen/Illinois und die FSU-Tackles Sanders/Datko sein.

Mayock reiht seine Top-5 Tackles wie folgt, wobei Glenn hier noch als Tackle gelistet wird:

#1 Matt Kalil
#2 Riley Reiff
#3 Cordy Glenn
#4 Jonathan Martin
#5 Jeff Allen

Guards

Die Guards (OG) sind „top-heavy“ besetzt: David DeCastro von Stanford soll ein „100%iger“ sein und in jedem erdenklichen Offensivsystem von der ersten Minute an spielen können, während der einst als Tackle geltende Cordy Glenn (Georgia) mehr der Typ Fettsack (158kg) ist und aufgrund seiner limitierten Beweglichkeit besser als Guard einsetzbar sein soll. Ein dark horse ist Wisconsins (Wisconsin! Offensive Line! Wisconsin!) Kevin Zeitler, dem man die notwendige Athletik zum First Rounder nachsagt. Dahinter gilt die Qualität als recht rapide abfallend.

Mayocks Top-5 Guards:

#1 David DeCastro
#2 Kevin Zeitler
#3 Amini Silatolu
#4 Kelechi Osemele
#5 Brandon Brooks

Center

Auf der Center-Position wird zumindest am Draft-Wochenende niemand an Peter Konz (Wisconsin! Ein Offensive Liner aus Wisconsin!) vorbeikommen, während ansonsten nur Philip Blake (Baylor), Michael Brewster (Ohio State) und Ben Jones (Georgia) als potenzielle Picks in den früheren Runden angesehen werden.

Die besten Center nach Mayock:

#1 Peter Konz
#2 Philip Blake
#3 Ben Jones
#4 David Molk
#5 Quentin Saulsberry

Noch ein Tag. Morgen folgt die Defense.

NFL-Draft 2012 in der Morgendämmerung

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag beginnt die diesjährige Ausgabe des NFL-Drafts, wo die größten Talente des College Football auf die einzelnen Teams aufgeteilt werden. Die Termine in diesem Jahr:

Do/Fr 26./27.4. 02h MESZ erste Runde
Fr/Sa 27./28.4. 00h MESZ 2./3. Runde
Sa        28.4. 18h MESZ 4.-7. Runde

ESPN America scheint heuer nach ein oder zwei Jahren Sendepause wieder live dabei zu sein und überträgt lt. derzeitigem Stand in der Nacht ab Freitag, 02h morgens aus der Radio City Music Hall in New York City.

Ebenso live (und gratis) wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das NFL-Network auf der Homepage NFL.com übertragen; Startzeiten: 1h30 am ersten Tag, 23h30 am zweiten Tag, 18h am dritten Tag. Schlüsselfiguren in der fabulösen NFLN-Übertragung, as always: Der unterhaltsame Moderator Rich Eisen und Mike Mayock, der Mann mit der Nasenstimme, der selbst Schuhgrößen von Sechstrundendraftpicks in Sekundenschnelle aus dem Arm schnackeln kann.


Die Draftniks

Über das gängige Jargon, das jeder Mitgucker des NFL-Drafts beherrschen muss, habe ich bereits vor einem Jahr geschrieben. Das Highlight dieses Jahres stammt von Mike Tanier (Football Outsiders/Fifth Down) mit seiner Analyse der Spezies des „Draftniks“, der in den Wochen und Monaten vor dem großen Tag das Netz mit Analysen und Scheinanalysen unsicher macht:

Draftniks are N.F.L. draft enthusiasts, speculators who prefer gathering information about rookie prospects to watching basketball or hockey or enjoying a more socially acceptable hobby like Dungeons and Dragons. Draftniks fuel a cottage industry of specialized programming, Web sites and magazines, and they helped turn the N.F.L. draft into a combination tailgate party and debutante ball, a late-April mini-Super Bowl without the bothersome game.

Quelle und Lesebefehl: Draftniks: Ever the Experts and Always on the Clock.


Vom Evaluierungsprozess in der NFL

Obwohl wir um die Schamhaarfärbung der besten Long Snapper wissen und mit wie vielen Yards nach dem Catch die Wide Receiver von der Chattanooga-University dem Quarterback B.J. Coleman verhelfen, tendiert der NFL-Draft trotz aller Scouting Reports und Big Boards immer wieder dazu, den einen oder anderen Bust zu produzieren – als Beispiel sei hierfür der wahnsinnig enttäuschende Draft von 2009 angeführt, wo sich Flops als Tops in Runde 1 fast die Waage hielten. Eine richtige Erklärung dafür ist schwer zu finden, aber ich komme immer mehr zum Entschluss, dass die schiere Anzahl an „Freiheitsgraden“ eine noch sehr viel präzisere Evaluierung und Antizipierung der Athleten im American Football unmöglich macht:

  • Spielsysteme. Die naheliegendste Erklärung: In einem Sport, der so hohen Spezialisierungsgrad wie Football hat, können diverse kleine Adjustierungen aus einem enttäuschenden einen mittelmäßigen oder aus einem mittelmäßigen einen großartigen Spieler machen (und vice versa). Selbst die besten Trainerstäbe finden nicht immer für jeden Athleten den richtigen Einsatzpunkt. Und obwohl sich College und NFL immer ähnlicher werden, ist der Football an der Universität doch immer noch deutlich simplifiziert.
  • Scouting. Weil die Statistiken sich im Draftprozess als eher nutzlos erwiesen, werden viele Spieler nach Potenzial gedraftet. Dabei ist kaum vorherzusehen, wie WR Johnson auf plötzlich fingernägelenge Deckung reagiert. Oder wie QB Laserarm seine tiefen Bomben plötzlich in 10cm-Lücken anbringt, wo er am College 30cm Raum hatte.
  • Charakter. Wie in der Mitarbeiterakquisition: Ein paar Vorstellungsgespräche können nicht ins Herz eines Spielers schauen. Viele Karrieren scheitern am letzten Quäntchen fehlenden „inneren Willen“ eines Spielers. Vergleiche hierzu dieses Zitat.
  • Verletzungen. Liegen in der Natur des Sports.
  • Kultur. Ein Running Back aus Sankt Bartholomäh im Südwesten von Idaho kann im Trubel von New Jersey Anpassungsprobleme haben. Gleichwie niemand weiß, wie ein Problemkind auf einen Disziplinnazi im Trainerstab reagieren wird.

Es dürfte weitere Gründe geben, warum Superspieler wie Simeon Rice von den Arizona Cardinals an #3 einberufen werden, schwerst floppen, nach Tampa Bay wechseln und dort plötzlich den Eckpunkt für eine überragende Defense mit Superbowl-Sieg geben. Aber angesichts der schieren Komplexität des Sports dürfte die Trefferquote trotz des möglicherweise immer noch mit rudimentären Mitteln geführten Scouting-Prozesses zufriedenstellend sein.

Das Harvard Sports Analysis Blog hat den erwarteten „Wert“ eines Draft-Prospects angenähert. Die beiden Kernaussagen der Analyse: Teams tendieren dazu, den durchschnittlichen der hohen Draftpicks zu überschätzen, v.a. mit dem Draft Pick Value Chart im Hinterkopf. Auf der anderen Seite wird die erste Runde des Drafts zurecht stark gehypt, da die Aussicht auf einen Superstar doch beträchtlich besser ist, wie auch die die Abweichung vom Durchschnitt sehr viel geringer ist wie in den späteren Runden.


Zwei Probleme, die mir im Evaluierungsprozess von Draft-Anwärtern immer wieder auffallen: Overanalyzing und Versessenheit in herausragende Attribute, und es dürften Probleme sein, die voneinander nicht unabhängig sind. „Overanalyzing“ kommt immer wieder vor, wenn Teams aus Langeweile im April damit beginnen, den Fokus vom Essenziellen auf Kleinigkeiten zu richten, sich in überflüssigen Details verlieren und irgendwann den Wald (Athlet X) vor lauter Bäumen (Ohrwaschtlgröße) nicht mehr finden.

Das zweite Problem dürfte eine Spezialvariante des ersten sein: Scouts fressen sich an einer herausragenden Fähigkeit eines Athleten fest (auf Knien 80m-Bomben zu werfen, in Unterhosen Sprintrekorde aufzustellen oder Tebows „Intangibles“ zu besitzen) und vergessen vor lauter feuchter Träume über die für jedermann sichtbaren Flauseln. Ein Problem, das im Baseball mit Computern eliminiert werden kann, sich jedoch im deutlich schwerer berechenbaren Footballsport in der Murmeltierschleife wiederholt und auch von rationalen Beobachtern nicht völlig ausgeblendet werden kann: Die Vorstellungskraft trübt den Blick aufs Wesentliche. Trainer sind zuversichtlich, aus vereinzelten überragenden Fähigkeiten Footballspieler formen zu können, während sich aus normalen Footballspielern keine famosen Einzelfähigkeiten coachen lassen, Stichwort „you can’t teach speed“.

Die Gewinner sind am Ende häufig die, die die meisten Draftpicks besitzen und sich damit über den einen oder anderen Flop müde hinweglächeln können. Und natürlich sind die Gewinner solche, denen nach fast 200 Picks am Ende der vorletzten Runde Tom Brady in den Schoß fällt.


Draft und Spieltheorien

Strategien gibt es für die Teams viele. Medien sabbern sich die Mäuler fusselig, wer denn nun nach „need“ (Löcher im Kader) oder „best player available“ (bester verbleibender Spieler) draften würde. Im Prinzip dürfte jeder Pick ein Mix aus beidem sein: Ein Spieler, der für eine relative Notwendigkeit den besten Wert erwarten lässt. Ich glaube nicht, dass eine Franchise den besten verfügbaren Spieler nehmen würde, wenn dieser ein Quarterback ist und der eigene Quarterback im Kader ist Philip Rivers. Teams haben gewisse Prioritäten; Teams werden versuchen, diese gewissen Prioritäten mit dem bestmöglichen „Wert“ anzugehen. „Wert maximieren“ heißt dabei auch zu wissen, wie die Konkurrenz die Spieler reiht und gegebenenfalls mit Trades nach unten oder oben einen gewünschten Athleten zu erhalten.

Beispiel: St Louis draftet an #6 und weist auf seinem hypothetischen Draft-Board den CB Stephon Gilmore als besten Spieler aus. Die Rams werden Gilmore nicht an #6 draften, obwohl das Defensive Backfield durchaus eine Problemzone stellen würde und Gilmore gleichzeitig auch „best player available“ wäre. Die Rams würden nach unten traden, weil sie wissen, dass Gilmore bis wenigstens zum 15. Pick nicht vom Board gehen würde.

Für näher Interessierte hat Jonathan Bales (DC Times/Fifth Down) im Februar seine Analyse geschrieben und das Konzept von VORP (value over replacement player) noch einmal unter die Lupe genommen: Reassessing Best Player Available Draft Strategy: Why Teams Should Often Bypass BPA To Maximize Overall Value.

Noch drei Tage.

NFL Combine – Bitte nicht zuviel Grips

Zusätzlich zu den athletischen Tests gibt es in der Combine noch vier weitere wichtige – ich würde sagen, zumindest die ersten drei sind sogar bedeutender geworden als die athletischen Tests – Prüfungen für die NFL-Anwärter: Medizincheck, Vorstellungsgespräch, Drogentest und den Wonderlic-Test.

Medizincheck

Der ursprüngliche Sinn der Combine Anfang der 80er: Alle Teams können mit ihren medizinischen Abteilungen anreisen und die Spieler an Ort und Stelle durchchecken. Mit der Zeit sind 40yds dash usw. wichtig(er) geworden, aber mittlerweile sind Spieler so teuer, dass man in der NFL wieder mehr Wert darauf legt, dass die Spieler, die ja Investitionen sind, auch „ganz“ sind, denn es passiert nur allzu häufig, dass schon aus dem College physische Wracks kommen. Klingt böse, und ist von NFL-Seite auch böse gemeint.

Vorstellungsgespräch

Jede Franchise kann bis zu 60 Spieler in jeweils 15-minütigen Sessionen befragen, um sich einen Eindruck vom Spieler, seiner Liebe zum Spiel und seinem Wissen über das Spiel zu beschaffen. Es gibt davon zwar keine Bilder, aber bei ESPN wird sich Kultfigur Mel Kiper bestimmt wieder darüber auslassen, welche Spieler es nur mit viel Cheaten durch die Uni (bzw. überhaupt durch die High School) geschafft haben und welche Spieler keine Spielzüge lesen können.

Drogentest

Im Prinzip ist es unglaublich, aber kaum ein Jahr, bei dem kein Athlet positiv getestet wird. Man möchte glauben, es ist Combine, du stehst unter Rundum-Beobachtung und es entscheidet sich deine Zukunft – und dann bist du so beknackt und ziehst dir genau AN DIESEM TAG einen Grashalm rein! Gibt’s nicht?

Oh, doch.

Wonderlic Test

Der Test der Tests. Ursprünglich kreiert, um sich ein Bild von Top-Managern zu machen. Berühmt geworden durch die NFL Combine. Der Wonderlic-Persönlichkeitstest gilt als gutes Bewertungs-Kriterium für die Lernfähigkeit eines Spielers bezüglich NFL-Playbook.

Worum geht’s? Die Spieler haben 12 Minuten Zeit, um 50 Fragen zu beantworten. Die Ergebnisse werden nicht offiziell mitgeteilt, aber immer wieder sickern Ergebnisse von Intelligenzbestien durch, oder von Spielern, die so katastrophal abschneiden, dass man sich ernsthaft Sorgen um deren geistigen Zustand machen muss.

Harvard-Studenten schneiden generell top ab. QB Ryan Fitzpatrick (Bills) schaffte einst 48, Punter Pat McInally vor Urzeiten mal gar die 50. McInally glaubt selbst aber, dass sein Top-Ergebnis ihm geschadet hat:

“How did it hurt me in the draft? Coaches and front-office guys don’t like extremes one way or the other, but particularly not on the high side. I think they think guys who are intelligent will challenge authority too much.”

Auch das andere Extrem sorgt für Aufsehen. Als QB Vince Young vor fünf Jahren angeblich im ersten Versuch eine 6- SECHS VON FÜNFZIG FRAGEN – schaffte, wunderte man sich selbst in der auf Dummheit gedrillten NFL, wie der Mann ohne Hilfe überhaupt seinen Namen schreiben konnte.

Wer sein Wonderlic-Ergebnis in den IQ umrechnen möchte: Die Formel lautet über den Daumen gepeilt Wonderlic *2 + 60.

Schaut man sich die durchschnittlichen Wonderlic-Ergebnisse pro Position oder pro Beruf an, kommt Überraschendes zu Tage:

Offensive tackles: 26
Centers: 25
Quarterbacks: 24
Guards: 23
Tight Ends: 22
Safeties: 19
Middle linebackers: 19
Cornerbacks: 18
Wide receivers: 17
Fullbacks: 17
Halfbacks: 16

The average scores in other professions look like this:

Chemist: 31
Programmer: 29
Newswriter: 26
Sales: 24
Bank teller: 22
Clerical Worker: 21
Security Guard: 17
Warehouse: 15

Offense Tackles die besten? Fast so gut wie ein durchschnittlicher Programmierer?

Das Interesse war geweckt – ich schaute mir einen Probetest an. 20 typische Wonderlic-Fragen in fünf Minuten und hochgerechnet auf die 50. Die Fragen sind auf den ersten Blick trivial. Das Problem ist der Zeitdruck – Einteilung ist gefragt.

Freiwillige vor – Hier geht’s zum Selbsttest. [Für die Prüflinge – Achtung: Womöglich wird in den Kommentaren gespoilert.]

45, my ass.

NFL Combine – Wenn Hundertstel über Millionen entscheiden

Die NFL Combine ist, wie wir mittlerweile wissen, ein Präsentierteller: 300 der besten College-Spieler, die in verschiedenen Prüfungen um die Verbesserung ihres Draft-Statuses kämpfen. Heute: Die Tests zur Athletik.

Tom Brady, QB PatriotsLinks im Bild:

QB Tom Brady, ein zierlicher Average Joe und No-Name von der University of Michigan. Das war 2000. Bradys Geschichte ist bekannt. Und bezeichnend. Denn niemand traute ihm überhaupt eine mittelmäßige NFL-Karriere zu.

Diesem Teil der Combine fehlt nur das Knastkärtchen, das die Spieler hinhalten müssen: Sie werden der Öffentlichkeit in Schwimmhosen präsentiert, grimmig dreinblickend, um Größe und Gewicht bestimmen zu können. Nicht jeder ist so zierlich wie Brady. Weil auch Defensive Tackles halbnackt auf die Waage müssen, machte sich vor einem Jahr Terrance Cody zum Gespött der Nation. Wegen solcher Bilder.

Die Messungen sind wichtiger als angenommen, selbst wenn man die Messwerte von der Uni bereits kennt. Kommt ein Spieler zum Beispiel mit Übergewicht daher, wird ihm unter Garantie „lack of work ethic“, also fehlende Grundeinstellung zum Spiel vorgeworfen.

40 Yards Dash

Die Königsdisziplin – und IMHO die meist überschätzte Sichtungskomponente überhaupt – quer durch alle Sportarten: Der Sprint über die 40 Yards. Rennt der Spieler nun 4,46 oder 4,49?

Dabei wissen NFL-Scouts ungefähr, was sie von einem Athleten erwarten können. Und zu 90% bringt der Sprint über die 40yds (also 36,6m) bei der Combine dann auch keine Überraschungen. ABER: Sollte mal ein Spieler einen Ausreißer nach unten oder oben haben (und ich rede von einer Zeitdiskrepanz von maximal +/- 15 Hundertstel), darf als sicher angenommen werden, dass der Spieler in einer anderen Runde als ursprünglich angenommen gedraftet werden wird.

Beispiel: Running Back X, der als Top-15 Spieler gilt und von dem 4,40 Sekunden erwartet werden, schafft nur eine 4,54. Das Theater ist jedes Jahr aufs Neue köstlich, X wird „lack of elite speed“ nachgesagt und X wird womöglich 10-20 Plätze im Draft nach hinten fallen. So sind die Mechanismen im NFL Draft.

Zusätzlich zur Endzeit werden zwei weitere Zeiten abgenommen – nach 10yds und nach 20yds. Beide Zeitnehmungen sollen Aufschluss über die Antrittsschnelligkeit eines Spielers geben. Was an der Zeitnehmung wichtig ist: Der Athlet kann starten, wann er will. Er muss nicht auf den Startschuss warten, also ist bsp. in 4,62s keine Reaktionszeit impliziert.

Der 40yds Dash ist besonders für vier Positionen wichtig: RB, WR, CB und Kick-Coverage. Davon sind die 40 Yards auch ursprünglich abgeleitet: Ein Punt ist im Schnitt 40yds in der Luft, was 4,5 Sekunden im Schnitt dauert. Mittlerweile ist die Zeit zum Großteil nur mehr da, damit sich Medien das Maul fusselig reden können und der eine oder andere Athlet mit künstlich antrainierter 40 Time die eine oder andere Bonus-Million einsacken kann.

Es soll in diesem Jahr einen Linebacker (!) von den Nevada Wolfpack – Dontay Moch – geben, der am College angeblich 4,19s gelaufen ist. Ein Linebacker!! Sollte der Mann in der Combine auch nur irgendwo in diesen Zeitregionen unterwegs sein, hat er ein paar Hunderttausender in weniger als viereinhalb Sekunden verdient: Denn den bisherigen Rekord hält mit 4,24s RB Chris Johnson. Der galt übrigens als zu klein für die NFL – und die 40yds-Zeit hat ihn überhaupt in Runde #1 katapultiert. Also doch noch positives Beispiel für die Wertigkeit der 40 Time.

Cone Drill/Shuttle Run

Zwei Tests, um die Explosivität und Agilität eines Spielers zu testen – etwas, mit dem Barry Sanders seine hellste Freude gehabt haben dürfte. Es handelt sich um nichts anderes als um Tests, bei denen Spielers um Hütchen („Cones“) herum oder zwischen zwei Punkten hin und her laufen (Shuttle Run).

Broad Jump

Der Weitsprung aus dem Stand. Hat im Prinzip nichts mit Football zu tun, ist aber für die Scouts eine Möglichkeit, die Power in den Oberschenkeln zu messen. Denn am Ende muss der Athlet stehen bleiben. Die allerbesten NFL-Spieler kommen heute gefährlich nahe an den Weltrekord (3,71m) heran (Combine-Rekord: 3,37m).

Vertical Jump

Der Hochsprung aus dem Stand – und eine interessante Disziplin. Wenn man bedenkt, dass Basketballprofis, für die es essenziell wäre, Stichwort Dunking, im Schnitt 70-75cm schaffen, und der Combine-Rekord bei sensationellen 1,16m (46inches) liegt, könnte man den einen oder anderen Footballprofi in die NBA transferieren. Football-technisch vor allem für Wide Receivers und Cornerbacks interessant.

Bench press reps

Die Bankdrücker. Nope, es geht nicht um Nachsitzen.

Hier werden 225-Pfund-Gewichte gestemmt – was 102kg entspricht. Offense und Defense Liner sind im Zentrum des Interesses, aber auch Tight Ends und Linebackers. Nur ganz wenige schaffen 35 und mehr Reps (Wiederholungen), und der Rekord liegt bei sensationellen 51reps! 51x 102kg gestemmt – das hat Justin Ernest vor 12 Jahren gepackt. Und wird so schnell nicht übertrumpft werden.

Position-Drills

Dazu gibt es allerhand Übungen für die einzelnen Positionen, z.B. für Quarterbacks, die zeigen müssen, dass sie präzise allerhand verschiedene Routen werfen können (z.B. Slants, Outs, tiefe Bälle). Zusätzlich wird auch ganz gerne mal die Arm strenght gemessen, also wie weit ein Quarterback den Ball das Spielfeld runterfeuern kann.

Es war zwar nicht in der Combine, aber vor ein paar Jahren fiel der Quarterback der Louisiana State University auf die Knie und pfefferte so den Ball 60 Yards durch die Luft. 60 Yards. Kniend. Scouts spielten verrückt. Medienvertreter mussten schon ganz tief in der Kiste mit den Superlativen kramen, um sich gegenseitig noch übertrumpfen zu können. Ein Superstar war geboren. Sein Name: Jamarcus Russell…