Die große Klasse der Wide Receiver im NFL-Draft 2014

Wide Receiver ist eine ungebremst gefragte Position in der NFL, im Jahre 2014 vielleicht mehr denn je. Das überrascht nicht, wenn man sich die Entwicklung der Liga in den letzten Jahren ansieht: Immer mehr Passspielzüge mit immer mehr Ballempfängern in der Aufstellung verlangen nach immer mehr Spielern.

Wide Receivers sind die Jungs, deren primäre Aufgabe es ist, den Ball zu fangen und danach Yards zu machen. Es ist aber eine kompliziertere Position als bloß zu laufen und das Ei runterzupflücken: Die Jungs müssen genaue und präzise designte Routen teilweise im Vollsprint laufen können, sich aus hautenger Deckung befreien und dann häufig nicht einfach geworfene Bälle fangen. Der „Catch“ verlangt dabei extrem sichere Fanghände und ist nur die Ernte; die richtige Arbeit war schon vorher. Deswegen ist bei Receivern wichtig zu schauen, ob sie überhaupt flink oder stark genug sind um einer Deckung zu entfleuchen oder sich physisch gegen einen Cornerback durchzusetzen. Wichtigste „Nebenaufgabe“ ist Physis, für das Laufspiel zu blocken.

Es gibt eine Vielzahl an Receiver-Typen: Den Wideout, der idealerweise an die 1,95m groß und sprungstark ist oder den Slot-WR, der häufig kleiner gewachsen, dafür extrem flink ist, um von Linebackers nicht verfolgt zu werden, aber es gibt auf die Slot-Bolzen der Güteklasse Boldin oder Colston, die in der Spielfeldmitte vor allem mit Physis operieren.

Receiver können Typus speedster (Hauptsache gradeaus laufen klappt) oder Typus possession receiver (wichtig ist nicht die Geschwindigkeit, sondern den Ball auf Mitteldistanzen in enger Deckung fangen zu können) sein. Viele Wege führen zum Ziel, aber am Ende finden trotzdem längst nicht alle Bälle ihr Ziel. Wide Receiver ist eine der schwierigsten Positionen geworden.

Die Große Klasse von 2014

Die Klasse von 2014 gilt als so tief besetzt, dass es historische Ausmaße annimmt. Es gibt mehr als eine Handvoll Receiver, die in der ersten Runde vom Tablett gehen könnten, und dahinter schwärmt man von unzähligen Receivern, die in anderen Jahren 1st-Rounder wären, aber heuer nur in den mittleren Runden gehen werden. Es sind so viele, dass Philadelphia-Eagles‘ Film Room gleich zwei Segmente zu den Receivern geschnitten hat: Die Topstars und die Day 2/Day 3 Prospects.

Der Draft spendierte den Receivern auch schon ein langes Segment: Draftcast zu den WR.

Der Superstar

Sammy Watkins - © Parker Anderson

Sammy Watkins – © Parker Anderson

Man sagt, es gibt drei Dinge, die notwendig sind um Manndeckung in der NFL zu schlagen: Größe, Geschwindigkeit und Präzision im Routenlaufen. Sammy Watkins von der Clemson University ist mit 1,84m zwar nicht wirklich „groß“, aber alle anderen Facetten in seinem Spiel sind so ausgereift, dass er als unumstrittener Top-WR in diesem Mega-Draft gilt. Watkins wird von den meisten Experten auf einer Stufe mit einem A.J. Green gesehen, der vor drei Jahren an #4 gedraftet wurde uns sich quasi über Nacht zu einem Elite-Spieler entwickelte.

Watkins ist noch keine 21 und schon ein nahezu komplettes Paket: Er hat die Power um Linebacker und Safetys abprallen zu lassen, er ist schnell und sprungstark genug um Cornerbacks auf und davon zu laufen, er kann blocken, er hat sensationelle Fanghände und die Koordination, auch die ganz schwierigen Catches zu machen.

Beim Studium der Clemson-Aufzeichnungen fällt auf, wie wichtig Watkins für den oft unpräzisen Tadj Boyd ist, wie oft er auf engstem Raum Adjustments macht um einen überworfenen Ball noch unter Kontrolle zu bekommen. Watkins kann im vollen Lauf die Bälle fangen und hernach noch einmal den Nachbrenner zünden um durchzulaufen. Watkins läuft saubere Routen und getraut sich, in die dicht bemannten Zonen zu gehen um auch die schwierigen Dinger runterzupflücken.

Schon vor drei Jahren sprach halb Amerika über seine Vorzüge, als er – damals Freshman – frisch aus der Highschool kommend sofort ein Anwärter auf die Heisman-Trophy war. In seinem zweiten Jahr hatte Watkins Probleme mit der Justiz, als er wegen illegalem Drogenbesitz suspendiert wurde, aber er konnte die Zeit hinter sich lassen, kam im abgelaufenen Herbst stärker denn je zurück und pulverisierte ganze Abwehrreihen im Alleingang.

Auf der anderen Seite wird Watkins in der NFL nicht nahezu die Hälfte seiner Pässe in Form von bubble screens annehmen können und dann haufenweise Yards nach dem Catch generieren. Er wird häufiger in die schwierigen Routen geschickt werden und man wird von ihm verlangen, regelmäßig Manndeckung zu schlagen. Da bleibt aufgrund seiner vergleichsweise eher geringen Körpergröße die Frage, wie hoch seine Leistungsdecke („Ceiling“) sein kann.

Auf alle Fälle ist er ein spannender Spieler, der richtungsweisend für kommende Receiver-Generation sein kann.

Die Hünen

Größe, Geschwindigkeit und Präzision sind die drei primären Eigenschaften. Beginnen wir mit den Hünen, den Receiver-Anwärtern über 1.90m. Der weiße WR Mike Evans von der Texas A&M University ist mit seinen 1.96m und 102kg der am höchsten eingestufte dieser großen Ballfänger. Evans wird wegen seiner Hautfarbe gerne unterschätzt, aber er ist schon ein sehr guter Athlet. Evans kennt eine Menge vertikaler Routen (tiefes Spiel), aber ist noch eher ungeschliffen auf den kurzen Dingern.

Evans ist ein guter Springer, der in Kombination mit seiner Körpergröße auch sehr, sehr hoch eingespielt werden kann. Er ist schnell, aber kein Weltklassesprinter (4.53sek über 40yds). Er ist nicht so physisch wie Watkins im Zweikampf, aber ein sehr, sehr guter Vorblocker. Problematisch an Evans ist sein hitziges Gemüt, das in nur zwei Jahren am College mehrfach zu Schubserein und dummen Penaltys führte – etwas, was man in der NFL hasst wie die Pest. Evans ist in Summe aber vermutlich nach Watkins der zweite Receiver, der gedraftet werden wird.

Auch Kelvin Benjamin, der BCS-Matchwinner der Florida State Seminoles, definiert sich vor allem über seine 1.95m und für seine schlaksige Statur überraschen mich seine 110kg Kampfgewicht doch etwas. Benjamin ist vielleicht noch quicker als Evans, noch dynamischer, aber er war am College auch viel volatiler, hatte neben seinen lichten Momenten auch immer wieder ganze Spielabschnitte, in denen er abtauchte. Benjamin hat noch kein ganzes, konstant gutes Jahr als Footballer vorzuweisen und das wird ihn eher runterziehen in die zweite Runde. Aber klar: Groß, kampfstark – das ist eine wichtige Voraussetzung um NFL-Manndeckungen zu schlagen, und die hat Benjamin.

Ein ganz heißer Name in den letzten Wochen war der von Cody Latimer, ein bis dato nahezu unbekannter Mann. Latimer ist ein groß gewachsener, enorm kräftiger Spielertyp, aber er spielte bei den Indiana Hoosiers, die kaum nationale Presse im Football kriegen, und er war bei der Combine verletzt. Er versuchte sich dann noch immer noch 100%ig fit an seinem Pro-Day und fuhr sensationelle Werte ein.

Latimer ist ein Spieler, der erst fünf Jahre Footballerfahrung hat. Er ist noch ein sehr ungeschliffener Routenläufer und vertraut bisweilen zu stark auf seine Sprungkraft und seine Power um der Deckung des Cornerbacks zu entkommen. Er begeht noch technische Fehler wie Tippelschritte, die ihm ein hartnäckiger Positionscoach erst ausmerzen muss. Auf das Habenseite stehen bei Latimer aber neben seinen körperlichen Grundvoraussetzungen auf phänomenale Fähigkeiten als Blocker. Latimer könnte in der ersten Runde gehen. Er wird kein extrem hoher Pick sein, weil er dafür noch zu viele technische Mängel hat, aber zwischen 25 und 45 könnte er tatsächlich einberufen werden.

Devonte Adams von Fresno State ist auch so ein Typ für die mittleren Runden, kein wirklich pfeilschneller Mann, aber einer mit extrem sicheren Fanghänden. Adams ist dann am besten, wenn er den Ball in den Händen hat. Er ist ein exzellentes Prospect für eine Offense, die gerne mit kürzeren Pässen und Bubble-Screens operiert, denn dann kann Adams im Lauf nach dem Catch seinen Körper einsetzen.

Allen Robinson von Penn State gilt als noch geschmeidiger im Vergleich zu Adams. Robinson ist ein Spezialist für die ganz spektakulären Plays, hat ein extrem eindrucksvolles Highlight-Tape vorzuweisen. Cosell betonte mehrfach, dass er Robinson für einen Spieler mit viel Upside hält.

Martavius Bryant ist der Teamkollege von Sammy Watkins bei Clemson, mit 1.94m und 215 Pfund eine furchteinflößende Gestalt. Bryant gilt als noch sehr ungeschliffen in seiner Technik und als etwas grobmotorisch in seinen Bewegungen, aber er ist schnell und deshalb für risikofreudige Trainerstäbe sicher einen mittleren Draftpick wert.

Mississippis Donte Moncrief ist unter 1.90m, aber sprungstark und von seiner Spielanlage ein intelligenter Mann, von dem ein Greg Cosell immer wieder schwärmte.

Jordan Matthews von Vanderbilt ist ein sehr bekannter Name, weil er in der SEC spielte und Vanderbilt in den letzten Jahren viel und gute Presse bekam. Matthews hat eine hohe Zahl an Catches über die letzten Jahre vorzuzeigen, aber bei genauem Hinsehen kamen diese überwiegend durch kurzes Screenpass-Spiel zustande. Manndeckung bekam Matthews selten gut; er wurde gar von drittklassigen Cornerbacks pulverisiert. Einige sehen in ihm wegen seiner einsneunzig trotzdem guten Value als Draftpick, aber man muss bei solchen Spielern durchaus vorsichtig sein.

Ein Kevin Norwood von den Alabama Crimson Tide bewies immer wieder sagenhafte Sprungkraft und sehr sichere Hände, aber er ist vielleicht den Tick zu langsam. Cosell wunderte sich oft, weswegen Norwood kaum Presse kriegt. Norwood sei ein smarter Spieler, der in der NFL ein langes Leben als Slot-Bolzen á la Boldin führen könne.

Brandon Coleman von Rutgers ist mit 1.98m vermutlich der größte der 2014er-WRs im Draft. Coleman ist aber nach einem sehr schwachen Herbst 2013 mittlerweile in der Gunst der Scouts unten durch. Er gilt maximal als Pick für die späten Runden.

Die Sprinter

Wer nicht um die 1.90m ist und trotzdem NFL-Receiver spielen will, der sollte lieber mal flott auf den Füßen sein. Brandin Cooks ist dieses Jahr vielleicht das Paradebeispiel für den kleinen Receiver mit Sprinterqualitäten, der es in die hohen Runden des NFL-Drafts schaffen kann. Cooks kommt von den Oregon State Beavers und definiert sich in erster Linie über seine Geschwindigkeit. Cooks ist aber trotz seiner nur 1.76m ein harter Knochen. Er hat keine Scheu, im Gewühl schwierige Bälle zu fangen. Am College spielte er eher mit Schrotflinten denn Präzisionsgewehren auf Quarterback, und entsprechend viel Beweismaterial gibt es für Cooks‘ Fähigkeit, sich an Eierwürfe aller Art anzupassen.

In der Combine lief Cooks eine 4.33sek über 40yds, was zu den besten Zeiten gehört. Seine Trumpfkarte ist das Geradeaus-Laufen nach einem schnellen Move an der Line-of-Scrimmage. Damit kann er Defenses im Optimalfall auseinander ziehen. Wenn ein Team glaubt, hier eine Art neuen DeSean Jackson heranziehen zu können, wird Cooks in der ersten Runde gedraftet werden. Im schlimmsten Fall wird er gut genug sein um im Slot zu operieren und einige Puntreturns gefährlich zurückzutragen.

Auch Colorados Paul Richardson ist so ein Knabe, der am liebsten geradeaus läuft. Von Richardson gibt es hinreichend Beweise, dass seine sehr gute Combine-Zeit (4.40sek) auch im laufenden Spiel zu spüren ist. Er ist ein typisches deep threat, kann Cornerbacks aber auch an der Line-of-Scrimmage verarschen um frei zu werden. Sein bestes Verkaufsargument ist dietiefe Wheel-Route, wo der Receiver im Slot aufgestellt erst ca. 45° nach außen oder innen läuft und nach einigen Metern vertikal abbiegt und geradeaus gen EndZone läuft. Hier rauscht Richardson allen davon.

Was Richardson nicht kann, ist horizontale Tänze aufzuführen und fünf Leute aussteigen zu lassen. Er gehört zur Sorte der Spieler, die gerne mal ihre Fokus verlieren und scheinbar einfache Bälle durch die Hände gleiten lassen. Auf der anderen Seite zaubert Richardson dir in lichten Momenten sensationelle Catches für die Wochenshow aufs Feld. In Summe dürfte Richardson in dieser guten Receiver-Draftklasse eher später als früher gedraftet werden. Typ vierte Runde.

Ein Jalen Saunders von Oklahoma wiegt nur ganze 77kg, was für Footballerverhältnisse Fliegengewichtsklasse ist. Saunders ist so klein, dass er nur im Slot operieren kann, weil die Outside-CBs für ihn zu groß gewachsen sind. Das ist ein Manko. Dafür ist Saunders so beweglich, dass er auf kurzen Distanzen im Slot allen durchfluscht. Serviere ihm den Ball auf einer kurzen Route und Saunders wird dir mit exzellenten Yards nach dem Catch danken. Ist im schlimmsten Fall ein brauchbarer Puntreturner.

Ein Bruce Ellington von South Carolina ist mit 1.75m und keinen 90kg eher wie ein schmächtiger Runningback denn ein Wide Receiver gebaut. Ellington ist ein wuseliger Slot-Receiver mit hoher Motivation als Vorblocker. Er wurde am College sogar als Tight End aufgestellt, was bei einem Zwerg seiner Güte bizarr aussieht. In der NFL wird er vermutlich nur im Slot spielen. Ellington ist ein vielseitig begabter Sportler, spielt auch Basketball (als 1.75er!) und dürfte als recht guter Werfer auch eine Option für Trickspielzüge in der NFL sein.

Wyomings Robert Herron ist für seine nur 1.77m Körpergröße ein richtiges Bröckerl. Herron ist ein Klassesprinter und sehr beweglich auf engstem Raum. Er hat viel Erfahrung in Spread-Offenses und gilt nicht als Spieler, der aufgibt, wenn mal ein Ball nicht optimal geworfen ist. Herron wird in diesen Fällen kämpfen, aus einer fast sicheren Incompletion doch noch einen Catch zu machen. Seine Schwäche ist eindeutig sein Start, der zu langsam kommt. Er hat zudem schon eine Geschichte mit Gehirnerschütterungen und wird deswegen eher nicht vor dem dritten Tag, sprich ab vierte Runde, gedraftet werden.

Tevin Reese von Baylor war in der Spread-Offense von Baylor eine Superwaffe. Er kann vertikale Routen laufen, aber für die NFL wohl ohne viele Zusatzschichten erstmal nicht mehr. Reese ist auch so ein Spielertyp, dem einige eine DeSean-Jackson Rolle zutrauen, aber die meisten sehen ihn eher als Entwicklungsspieler für die späten Runden.

Jeff Janis kommt von einem abartig kleinen College: Saginaw Valley State. Janis hat körperlich prächtige Voraussetzungen, aber die Tapes aus den unteren Ebenen des College-Football sind praktisch wertlos. Bei ihm stützt man sich auf eine sehr gute Performance in der Senior Bowl, wo er sich empfehlen konnte. Es ist immer schwierig, Spieler von so kleinen Unis für den Draft einzuschätzen, aber Janis trauen einige zu, dass er vor der siebten Runde gedraftet wird.

Und, gestern hatten wir ihn schon bei den Runningbacks: Dri Archer von Kent State. Archer wird vermutlich eine Art Zwitterrolle zwischen Back und Receiver geben, aber vielleicht ist er, der College-RB, in der NFL in der Receiver-Rolle sogar besser. Archer ist mit 4.26sek über 40yds ein Mann, der um ein Haar den Combine-Rekord aufgestellt hätte. Er hat einige spektakuläre Moves drauf, die ihn zum Hingucker machen.

Die Possession Receiver

„Possession Receiver“ ist ein oft etwas despektierlich gebrauchter Begriff für Receiver, die gut, aber nicht großartig sind. Denen das gewisse Etwas beim Zuschauen fehlt. Die aber oft als sehr gute zweite Anspielstationen gelten. Cosell taufte diese Kategorie grob die „Präzisionstypen“, die, die das Route-Running besonders präzise erledigen und sich hierüber den Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Marquise Lee - Bild: Neon Tommy

Marquise Lee – Bild: Neon Tommy

Marquise Lee von der University of Southern California gilt als Parade-Receiver dieser Güteklasse. Lee fuhr in der Westcoast-artigen Offense der Trojans teilweise extreme Statistiken ein, die ihm in der Saison 2012 fast die Heisman-Trophy gebracht hätten. Im letzten Herbst ließ er es etwas gemütlicher angehen, wobei auch die Quarterback-Situation instabil genug war, dass keine 2000yds mehr drin waren.

Lee passt eigentlich perfekt in die Überschrift: Er kann nix herausragend, ist aber vielseitig. Er wurde bei USC in allen erdenklichen Positionen eingesetzt und konnte überall überwiegend überzeugen. Seine Bewegungen sind sehr flüssig, er kennt alle Routen. Er ist antrittsschnell und kann Cornerbacks überlaufen. Die Frage ist aber, ob er eine einwandfreie Nummer 1 geben kann oder für immer darauf angewiesen sein wird, dass er zumindest einen richtig starken Mitspieler hat, der die Aufmerksamkeit der Defense auf sich zieht und Lee entlastet.

Lee gilt als relativ sicherer 1st-Rounder. Die beiden LSU-Receiver Odell Beckham und Jarvis Landry sind Wackelkandidaten, die je nach Verlauf in die zweite oder dritte Runde fallen könnten.

Beckham gilt dabei als der richtige Wide-Out, der vor allem außen operiert. Landry ist eher der Typ, der im Slot operiert. Landry ist ein harter Hund, der sich während des Catch-Prozesses nicht von Hits und anderweitigen Fummeleien von Gegenspielern beeindrucken lässt. Er ist körperlich stark und zieht dir den Nerv, wenn er zum dritten Mal im Spiel ein 3rd-Down über die Spielfeldmitte trotz guter Deckung verwertet.

Ein toller Spieler, dem man gerne Erfolg wünscht, ist auch Wisconsins Jared Abbrederis. Abbrederis ist mit 1.85m so mittlere Größe. Er definiert sich vor allem über seine feine Klinge im Route-Running. Er weiß, wie man die verschiedenen Techniken einsetzt um Cornerbacks für die entscheidenden Zehntel in die Irre zu führen. Er versteht alles über seien Routen und wird somit als wertvolle Ergänzung als zweiter oder dritter Mann in einer Pass-Offense wahrgenommen. Damit dürfte Abbrederis spätestens in der dritten Runde vom Tablett sein.

Die Running Backs im NFL-Draft 2014

Der Running Back war einst der größte Star einer Footballmannschaft. Er war noch vor wenigen Jahren die Nummer 2 hinter den Quarterbacks, und der Topkandidat auf den Publikumslieblings-Preis in fast jeder Footballmannschaft. Heute ist der Running Back in vielen Mannschaften zu einem Rollenspieler verkommen. Es gibt nur noch sehr wenige Mannschaften, die wirklich um ihr hartes Laufspiel gebaut sind. Es gibt nur noch wenige klassische Arbeitstiere, die durchschnittlich 20 Carries pro Spiel bekommen. Dafür ist die Runningback-Position viel variabler geworden: Skills im Pass-Blocking zählen heute ebenso wie die Möglichkeit, Bälle zu fangen, und die Möglichkeit, verschiedene Systeme zu laufen.

Viele Mannschaften setzen heute eine Runningback-Rotation mit zwei oder drei verschiedenen Optionen ein. Das hat den Vorteil, dass man variable Spielertypen im Kader halten und einsetzen kann. Der größte Vorteil ist aber der Preis: Man kann durchaus argumentieren, dass der langsame Schritt weg von den Jamal Lewis, den Tomlinsons, den Shaun Alexanders, den Larry Johnsons hin zu den RB-Rotationen vor allem gekommen ist um den Preis der Backs zu drücken. Das scheint gelungen: In der heurigen Free-Agency zum Beispiel lag der Wert von Runningbacks nur noch marginal über jenen der Kicker.

Aber es gibt auch noch die Teams mit lauflastiger Offense. Rein zufällig sind zwei der besten Mannschaften der letzten Jahre um Power-Laufspiel gebaut: Seattle und San Francisco. Das kann Erfolg haben, aber es braucht dafür auch den entsprechenden Quarterback und eine entsprechende Offensive Line. Und darin liegt oft die Krux in der Bewertung von Backs: Wie kann man ihren Wert von jenem der Offense Line trennen?

Running Backs bewerten

Prospects 2014

Name                Rd
Carlos Hyde         1-2
Bishop Sankey       2-3
Jeremy Hill         2-3
Tre Mason           2-3
Charles Sims        2-4
Lache Seastrunk     2-4
Ka’Deem Carey       2-4
Andre Williams      3-4
Terrance West       4-7
Dri Archer          4-7
De’Anthony Thomas   4-7
Storm Johnson       4-7
James White         4-7
Devonta Freeman     4-7
Marion Grice        4-7
Jerick McKinnon     4-7
James Wilder Jr.    7
Ben Malena          7
Henry Josey         7

Links

Mayock Top-5

  1. Sankey
  2. Hyde
  3. Hill
  4. Mason
  5. Williams

Die erste Zahl, auf die man beim Runningback verlockt ist zu schauen, ist natürlich die 40yard-Sprintzeit aus der NFL-Combine, dabei sagt diese Zahl bei Runningbacks vergleichsweise gar nichts aus. Wichtig für den Runningback der Gegenwart ist die Beweglichkeit auf der horizontalen Achse des Spielfeldes, sprich parallel zur Line-of-Scrimmage (LOS = Anspiellinie), und die Explosivität. Sprintqualitäten sind brauchbar, wenn du häufig im offenen Spielfeld operierst um 60yds-TD zu erzielen, aber du hast nur in 2-3% der Plays die Chance, überhaupt solche langen Läufe zu scoren – yup, Speed ist ein Skill, aber nicht der wichtigste.

Du musst als Runningback den Blick für deine Vorblocker haben („wo wird sich gleich die Lücke öffnen“) und dann entschlossen (!) diese Lücke attackieren. Das ist für die Scouts jedoch gar nicht so einfach zu bewerten, da viele Backs am College diesbezüglich überhaupt nicht getestet werden: Sie kriegen richtige Waale frei geblockt und sehen erst in der Linebacker-Zone den ersten Gegenspieler.

Was heute auch immer wichtiger wird: Qualitäten als Ballfänger, damit du zumindest eine glaubwürdige Alternative für Pässe z.B. bei 3rd-Downs bist, und wenigstens minimale Qualitäten und Einsatzbereitschaft im Pass-Blocking – Aufnehmen von Blitzes als Paradebeispiel.

Die klassischen Arbeitstiere sind wie schon erwähnt nicht mehr so stark gefragt. Selbst Scouts der alten Schule haben eingesehen, dass die Tendenz gen vielseitige Backs geht. Das heißt natürlich nicht, dass die Backs der Güteklasse Peterson oder Lynch, diese alten Arbeitstiere mit ihrer Power in der Spielfeldmitte, komplett aus der Mode sind.

Greg Cosell spricht in seinen Podcasts oft von foundational backs, wenn er über die Arbeitstiere spricht. „Foundational“ im Sinne von „kann ich einen wichtigen Teil meiner Offense-Philosophie um die Laufspielqualitäten meines Runningbacks bauen?“. Und so einen richtigen system-schaffenden Back gibt es im Draft 2014 nicht. Viele Backs sind ziemlich durchschnittlich oder echte „Systemspieler“, die man am besten in ein vordefiniertes System steckt, zum Beispiel eine Spread-Offense.

Die Arbeitstiere

Carlos Hyde von der Ohio State University gilt am ehesten als potenzielles Arbeitstier, dem man permanent um die 20 Carries geben kann. Hyde ist nicht der ganz große Speedster, kann Gegner nicht so mir nichts, dir nichts aussteigen lassen. Er hat aber gute Beschleunigung, gute Körperbalance und ist ein harter Knochen. Er gilt als Spielertyp mit sehr leichtfüßigen Bewegungen und soll auf engstem Raum eine Art explosiverer Eddie Lacy sein – das läse sich nach einer eher guten Stellenbeschreibung. Allerdings ist Hyde kein wirklich guter Receiver, und sein Pass-Blocking gilt als extrem ausbaufähig, um es vorsichtig zu beschreiben.

Aufgrund seines Körperbaus könnte auch noch Jeremy Hill von Louisiana State als potenzieller foundation back durchgehen: Hill ist wie Hyde über 105kg schwer und gilt für einen so gewichtigen Back als erstaunlich wendig. Hill hat den Vorteil, dass LSU in den letzten Jahren schon eine sehr NFL-nahe Offense gespielt hat (u.a. weil dort zuletzt Cam Cameron Offense-Coordinator war), inklusive der auch in der NFL oft verwendeten I-Formation.

Hill ist auch noch kein verbrauchter Back: Er hatte nie die ganz große Arbeitslast zu tragen, weil er nicht immer spielberechtigt war… und da sind wir beim großen Fragezeichen: Was ist Hill für ein Typ? Am College wurde er zweimal eingebuchtet (ein Sexualvergehen, eine Schlägerei) und bereitete dem Trainerstab immer wieder Kopfzerbrechen („wie viel negative Presse kriegen wir, wenn wir den Typ schon diese Woche wieder aufstellen?“). Hill soll sich schon proaktiv an die 32 NFL-Teams gewandt haben um sich zu erklären, aber das ändert die Faktenlage nicht.

Eine Art Hyde/Hill für Arme soll der Rekord-RB von Boston College sein, Andre Williams, der im abgelaufenen Herbst über 2100yds und 18 Touchdowns machte. Williams ist ein sehr eigener Typ, ein nachdenklicher Knabe, für den es auch neben dem Footballfeld eine Welt gibt. Auf dem Feld sieht man das nicht immer: Dort ist Williams meistens sehr straight downhill orientiert. Kein langes Fackeln, sondern sofortiges Abbiegen gen Süden. Williams ist allerdings weder explosiv genug für einen richtig hohen Pick, noch hat er die nötige Geduld. Man geht davon aus, dass er bestenfalls in den mittleren Runden gedraftet wird.

Terrance West von der kleinen Towson University soll ein dark horse in den letzten Runden für ein mutiges Team sein: Ein eher kleiner, kompakt gebauter Back. Er sieht lustig aus, weil sein Körperschwerpunkt nur zirka 10 Zentimeter überm Spielfeld liegt. Nachteil bei solchen Jungs: Sie sind nicht die beweglichsten. Weil West aber genug Geschick angedeutet haben soll und zumindest die Eier bewiesen hat, immer wieder das eine oder andere Yard zwischen den Menschenbergen in der Spielfeldmitte herauszuwringen, gilt West NFL-gebräuchlicher Spielertyp.

3rd-Down Backs

Ein 3rd-Down Back ist in Kurzbeschreibung das, womit man die eher fangstarken Runningback-Typen bezeichnet: In 3rd-Downs ist es häufig für die Quarterbacks wichtig, eine Art Sicherheitsoption zu haben, und das ist oft der fangstarke Back. Ein Charles Sims (West Virginia) oder Marion Grice (Arizona State) gelten als solche Backs, die auch mal Bälle via Reception über die gelbe Linie tragen können. Beide sind nicht explosiv genug um wirkliche zentrale Bausteine einer Offense zu werden, aber sie sollen als Ballträger intelligent genug sein um hin und wieder das eine Extrayard am Ende des Spielzugs herauszuwürgen und somit in 150 Carries pro Jahr vielleicht 70, 80 Yards mehr zu machen als der komplett durchschnittliche Back.

Ein interessanter Spieler, dem man anfangs seiner NFL-Zeit eine Rolle als 3rd-Down Back zutraut, ist Storm Johnson von der University of Central Florida. Das ist die Uni, von der auch der gehypte Quarterback-Prospect Blake Bortles kommt. Es hat sich zum gängigen Witz unter Draft-Scouts entwickelt, dass sie sagen „wir wollten uns Bortles anschauen, aber beeindruckt hat uns bei UCF Storm Johnson“.

Alle sagen: Johnson ist gut, aber du siehst es erst, wenn du ihn dir tausendmal angeschaut hast. Johnson ist weder super gebaut noch superschnell noch ein superstark, aber er spielt intelligent, kann Bälle fangen und sollte zum Beginn seiner Karriere zumindest in dieser Rolle eingesetzt werden können.

Die Kampfzwerge

Tre Mason ist jedem Fan des College Football, der die abgelaufene Saison mit mehr als einem halbwachen Auge verfolgt hat, ein Begriff: Mason war der Mann, um den die Auburn Tigers ihre sensationelle Saison gebaut haben, die um ein Haar zum unbegreiflichsten BCS-Titel ever geführt hätte. Mason ist kein großer Spieler. Er ist nur zirka 1.73m und 94kg. Das sind normalerweise nicht Maße, mit denen du in der NFL bei 300 Carries durchstehst.

Mason kennt aber eine solche Workload: Er hatte in der abgelaufenen Saison in nur 14 Spielen 317 Carries. Es gab vor allem gegen Saisonende Partien, in denen Auburns Trainerstab Mason 30 Mal, ja 40 Mal den Ball tragen ließ. Und Mason war effizient: Fast 2000 Yards holte er in der SEC, er verglühte gegen eigentlich starke Defenses wie Alabama, Mizzou oder Florida State fast vor lauter Energie.

Bei so vielen Carries siehst du auch recht viele unterschiedliche Spielzugdesigns: Mason kennt sie alle. Er kennt Power-Runs, er kennt den Jet-Sweep, er kennt das Counter-Play, er kennt natürlich die Zonen-Offense, und sein Output war überall gleichermaßen positiv.

Mason hat einen sehr markanten Laufstil: Sein Körperschwerpunkt ist sehr „bodenständig“ und er nimmt nicht viele harte Hits. Er schafft es, mit simplen Moves dem großen Knall soweit auszuweichen, dass er noch 1-2 Gratis-Yards am Ende des Laufes mitnimmt, was sich über die Zeit summiert. Mason ist kein überaus geduldiger Back: Er guckt sich zwar schon die Lücke bei den Vorblockern aus, aber bricht dann schnell entschlossen durch, was bei funktionierender Offensive Line wie ein Wunder der Natur aussieht.

Mason ist trotz der vielen Carries 2013 nicht überarbeitet, denn 2013 war sein erstes Jahr als Stammspieler. Negativer sind da schon seine fehlende Erfahrung als Ballfänger und Pass-Blocker, denn – es wurde schon bei Greg Robinson im Eintrag der Tackles diskutiert – Auburn und Passspiel war wie Puff und Vatikan. Mason dürfte für einige Teams ein sehr attraktiver Back sein, und er wird möglicherweise spätestens Ende zweite Runde vom Tablett sein.

Für viele ein noch NFL-reiferer Back ist Ka’Deem Carey von Arizona, wie Mason ein eher kleiner Back. Carey ist ein extrem harter Knochen, der in jedem Spielzug den Kontakt sucht und trotz seines ranken Äußeren lieber über den Gegner drüberläuft als drumherum. Er ist ein Mann, der sich im Pass-Blocking nicht scheut, mit der Schulter voran den Blitz abzuwehren – technisch arg verbesserungswürdig, aber Zeugnis seines Enthusiasmus für den Footballsport der alten Schule.

Bei Scouts hat die Kombination aus Careys Körperbau und seiner Workload Skepsis hervorgerufen: Carey bekam in den letzten zwei Jahren über 700 Carries und steckte entsprechend viele Hits ein. Für große, schwere Spieler ist das vielleicht noch tragbar, aber Careys Kampfgewicht ist weit unter 90kg. Er hat sich nach der Saison rund 10kg angefressen um die Scouts zu beeindrucken, aber die ließen sich dann nicht blenden und sehen in Carey keinen 210-Pfund Bolzen.

Spielerisch ist er unumstritten und dank seiner Erfahrung als Ballfänger flexibel, aber weil man ihm aufgrund der fehlenden realen Kilos nicht zutraut, eine richtig tragende Rolle zu übernehmen, wird Carey wohl eine Runde weiter fallen als gedacht – zumindest in die dritte, glaubt man den Auguren.

Mindestens dorthin fallen wird auch James White von Wisconsin. White war dort super-effizient in einem lateral angelegten Zonensystem. Er teilte sich viele Jahre mit Montee Ball die Carries auf, hatte aber stets bessere Effizienz-Stats als Ball, der letztes Jahr in den mittleren Runden von Denver gedraftet wurde. White wird Probleme haben, sich gegen die RB-Konkurrenz 2014 zu erwehren, weil es viele ähnliche Backs gibt, die etwas schneller, etwas explosiver sind, aber White hat ein großes Plus: Er ist ein famoser Pass-Blocker. Er killte die Linebacker am College gleich reihenweise.

Guter Blocker ist auch Devonta Freeman von der Florida State University, ein Back, der jahrelang in der Rotation der Seminoles mitspielte, aber immer im Schatten vom Teamkollegen James Wilder jr. (ebenso ein Prospect 2014) stand – bis zu den letzten Wochen der letzten Saison, wo Freeman seinen Durchbruch hatte. Er ist zwar nur 1.72m groß, aber mit seinem kompakten Körperbau gilt er als sehr schwer zu Boden zu bringen. Freeman ist kein „Stratege“ im Play, der visionär arbeitet und sich die Lücken ausguckt; Freeman ist eher der Brecher, der seinen Gegner mit Physis zu überlaufen versucht. Er ist ein kompletter Spieler, aber er ist fumble-anfällig. Die Frage ist, ob ein paar Spiele „Breakout“ mehrere Jahre des Ergänzungsspielers übertünchen können.

Die Spread-Runningbacks

Bishop Sankey von der University of Washington ist in vielen Big-Boards ganz weit oben gereiht, aber der Kampfgnom Sankey ist bei genauerem Hinsehen ein ziemliches one trick pony, das zum Überleben viel Platz braucht. Sankey wurde in den letzten beiden Jahren in Washington als echtes Arbeitstier mit über 600 Carries eingespannt und machte dabei fast 5.5yds/Carry, aber es waren fast alles Läufe, die nicht in das klassische NFL-Schema über die Spielfeldmitte passen.

Sankey ähnelt dabei stark dem Baylor-Runningback Lache Seastrunk, auch so ein 1.75m-Wurstler. Seastrunk kennt zwar die inside-Läufe besser als Sankey, ist aber auch kein Back, den du als Arbeitstier einspannen kannst. Sankey und Seastrunk gelten beide als explosiv und recht gute Ballempfänger. Beide werden keine effizienten Inside-Power Läufer sein, aber sie werden im offenen Feld einigen Schaden anrichten. Damit passen beide in eine Spread-Offense – und weil sie dort hohes Potenzial haben, könnte es durchaus das eine oder andere NFL-Team geben, das einen der beiden in den hohen Runden zieht.

Die Irrwisch-Fraktion

Zum Abschluss zwei Irrwische, die nur mit sehr weitgefasster Definition als „Running Backs“ durchgehen. Der eine ist The Black Mamba, De’Anthony Thomas von der University of Oregon, der uns am College viele schöne Stunden mit seinen spektakulären Plays bereitete. Thomas war eine Art Universalwaffe im System der Ducks: Change-of-Pace Back, Slot-WR, Empfänger von Jet-Sweeps, Kickreturner, Puntreturner, deep threat-WR. Oregons Trainerstäbe hatten ihre hellsten Freuden mit diesem schmächtigen, nur 79kg schweren 1.74m-Stäbchen.

Thomas ist eine Art Tavon Austin für Arme. Er hat bis an die Grenzen des guten menschlichen Geschmacks drehbare Hüften, eine extreme Beschleunigung aus dem Stand, und kann schonmal zwei, drei Linebacker aussteigen lassen. Thomas gilt nicht als kontaktscheu, wird sich aber in der NFL mit seinem stiff arm eher selten durchsetzen.

Die Negativen bei ihm sind seine erstaunlich langsame 4.60 Zeit im 40yds-Sprint, die Fragen ob seiner Sprinterfähigkeiten aufwarfen, sowie sein Durchhaltevermögen: Thomas hatte praktisch nie mehr als 11, 12 Ballberührungen pro Spiel. Die aber hatten es in sich.

Ein ähnlicher Spielertyp ist Dri Archer von Kent State, dessen Verkaufsschlager am College der Jet-Sweep war, eine Art Trickspsielzug, die versucht, einen sehr schnellen Offensivspieler ums Eck (Defensive End) zu schicken, wo viel grünes Gras wartet. Einen berühmten Jet-Sweep hatte Percy Harvin zum Beispiel zu Beginn der Superbowl gegen Denver. Archer ist so ein schneller Mann, für den dieser Typ Spielzug wie gemacht ist.

Archer ist wie Thomas und einige andere schon Aufgezählte ein Mann, der nur im offenen Feld erfolgreich sein wird. Er wird in einer horizontal angelegten Offense spielen müssen und den Ball schon in Bewegung aufnehmen müssen um seinen Output zu maximieren, denn Archer kann nicht so gut beschleunigen wie Thomas. Archer ist aber Ballfänger genug, dass ich ihn morgen vielleicht noch einmal unter die Lupe nehmen werde… bei den Wide Receivern.

Offensive Guard und Center im NFL-Draft 2014

Wenn wir gestern bei den Tackles schon die Anonymität hatten, was soll man dann noch über Guard und Center schreiben? Center als Mittelmann der Offensive Line, und als der Mann, der alle paar Spiele mal einen Snap vergeigt geht ja gerade noch, aber die Guards sind schon kaum mehr zu bewerten. Lass uns doch mal einen genaueren Blick auf die beiden Top-Guards des Jahrgangs werfen.

Nach common sense wird entweder David Yankey von der Stanford University oder Xavier Su’a-Filo (abgekürzt mit XSF) von den UCLA Bruins als erster Guard vom Tablett gehen. Beide sind grundverschiedene Spielertypen, und wir können hier unseren gestrigen Diskurs von „Player“ und „Prospect“ fortführen, wenn wir wollen. Hauptquelle meiner Recherche sei natürlich auch genannt: Mike Tanier, Ultimate Guard Showdown: XSF vs. Yankey. Im Prinzip sagen die Expertenquellen aber alle mehr oder wenige ähnliche Sachen.

Prospects 2014

Name                Rd
XSF                 2-3
David Yankey        2-3
Gabe Jackson        2-3
Brandon Thomas      3-5
Trai Turner         3-5
Cyril Richardson    4-7
Chris Watt          4-7
Ryan Groy           4-7

Links

Mayock Top-5

  1. Yankey
  2. Su’a-Filo
  3. Thomas
  4. Trai Turner
  5. Jackson

Yankey ist dabei eher der „Spieler“, XSF das „Prospect“, aber so klar wie gestern sind die Rollen nicht mehr verteilt. Das liegt schon daran, dass die Guard-Position im Vergleich zu Offensive Tackle sehr viel schemen-neutraler ist. Es ist zwar nicht komplett das gleiche, ob du Power-Offense oder Zonen-Offense spielst, aber im Vergleich zum Tackle hast du weniger Nuancen, die anders gespielt werden – sagen die Auguren.

Beide sind fast gleich groß und gleich schwer. XSF gilt als beweglicher und stärker, hat aber weniger Erfahrung, weil er mehr als eine Saison verpasste als er in Florida und Süd-Alabama Missionsarbeit leistete: XSF kommt aus Utah und ist Mormone, und viele mormonische Studenten leisten Missionsarbeit und kommen entsprechend als etwas ältere Semester in die Liga.

XSF gewinnt dafür eine Reihe an direkten Vergleichen. Er ist der flexiblere der beiden Spieler. Er hält seinen Körperschwerpunkt meistens so niedrig, dass ihm mit purer Gewalt nicht beizukommen ist. Mit seiner Power kann XSF in guten Momenten unwachsame Gegner zum Pfannkuchen plätten.

XSF gilt auch als variabler in seiner Einsatzbarkeit, weil er besser horizontal blocken kann als Yankey: Es sind nicht nur die „Pull“-Blocks (pulling guard), die er besser kann, es sind auch die klassischen Zone-Plays, die XSF besser drauf haben soll. Yankey gilt eher als der Typ, der fast nur straight geradeaus kennt, und sich im offenen Feld überhaupt nicht auskennt. Manche Scouts wollen ihn schon als one trick pony ausgemacht haben.

Aber: Yankey gilt als der bessere Pass-Blocker von beiden, was nicht zuletzt von seiner Erfahrung als Left-Tackle kommt, den er vor Jahren bei Stanford aushilfsweise gab. Bei XSF zeigt sich in Pass-Situationen manchmal seine Unreife, wenn er mal wieder einen Blitz verpasst, den andere Guards mit der Mütze genommen hätten. XSF kann solche Fehler in lichten Momenten mit seiner rohen Kraft wettmachen, aber besser ist natürlich, wenn du wie Yankey die brenzligen Momente erst gar nicht aufkommen lässt.

XSF gilt in fast allen Kreisen als superiore Option im Vergleich zu Yankey. Nichtsdestotrotz ist Yankey als möglicher später 1st-Rounder oder 2nd-Rounder nur ein weiterer dieser erstklassigen Offense Liner, die die Stanford University in den letzten Jahren in den Draft geschickt hat. Nicht alle seiner Vorgänger konnten bisher in der Liga einschlagen, aber allein die schiere Masse an Blockern und sehr guten, vielseitigen Tight Ends von Stanford ist bemerkenswert.

Lange Zeit hielt sich bei mir im Hinterkopf auch der Name von Baylors Cyril Richardson im Hinterkopf: Richardson war mit seinen 330 Pfund Kampfgewicht als prototyischer Guard in den Scouting-Prozess gegangen, soll sich aber mittlerweile mit seiner Hüftsteifheit und seiner katastrophalen Senior Bowl selbst etwas disqualifiziert haben. Richardson gilt als gebräuchliche Option für ein Power-Laufsystem wie zum Beispiel Seattle, aber das war’s dann auch. Die Legende sagt, dass ein Richardson in allem, was nicht bloß geradeaus laufen kennt, verloren ist.

Center

Prospects 2014

Name                Rd
Weston Richburg     2-3
Travis Swanson      2-4
Marcus Martin       3-4
Tyler Larsen        4-7
Gabe Ikard          4-7

Mayock Top-5

  1. Martin
  2. Richburg
  3. Swanson
  4. Bryan Stork
  5. Ikard

Bei den Centern gibt es keinen klaren Favoriten dieses Jahr. Der bekannteste Name ist Travis Swanson, der seit vielen Jahren Stammspieler bei den Arkansas Razorbacks ist und dort zuletzt von einem O-Line Guru gecoacht wurde: Bret Bielema, der von der *****PLLLINGGGG it’s OLine Time!***** University of Wisconsin nach Arkansas gewechselt war.

Der Rest auf Center ist… nun ja. Die Auguren sprechen von einer Latte an möglichen 4th-Roundern und 5th-Roundern und vielen Allgemeinplätzen, über die es sich nicht lohnt, viele Zeilen zu verlieren.

Die Offensive Tackles im NFL-Draft 2014

Die Offensive Line ist die anonymste Position im American Football, weil sie mit dem Spielgerät, der Schweinehaut, quasi gar nie in Berührung kommt, weil ihr Einfluss statistisch schwierig zu erfassen ist. Die wichtigste Aufgabe der Offensive Line, der Schutz des Quarterbacks, ist dann auch noch eine eher „defensive Aufgabe“ im Sinne von Abwehren von des Gegners Ansturm. Trotzdem ist eine gute Offensive Line die Basis für eine jede funktionierende Offense im American Football. Nur wenige Teams überleben mit wackeliger Protection.

Die am ehesten noch glorifizierte Position in der Offensive Line ist diejenige des Offensive Tackles, und wenn wir ehrlich sind, dann auch nur die des Left Tackles, des Mannes an der linken Flanke der Line. Die linke Seite ist die „Blind-Side“ (blinde Seite) des rechtshändigen Quarterbacks.

Was den Tackles an öffentlicher Wahrnehmung abgeht, kompensieren diese Männer mit dem Gehaltszettel: Left-Tackles gehören zu den bestbezahlten Footballspielern, und ihre Gegenüber, die Right Tackles, liegen mittlerweile nicht mehr allzu weit hinten.

Prospects 2014

Name                Rd
Greg Robinson       1
Jake Matthews       1
Taylor Lewan        1
Zack Martin         1-2
Cyrus Kouandjio     1-2
Morgan Moses        2-3
Cameron Fleming     2-3
Antonio Richardson  2-4
Jawuan James        3-4
Brandon Thomas      4-7
Seantrel Henderson  4-7
Joel Bitonio        4-7
Cornelius Lucas     4-7

Links

Mayock Top-5

  1. Robinson
  2. Matthews
  3. Lewan
  4. Martin
  5. Bitonio

Es gibt mittlerweile Indizien, dass es sowieso zu einer Verschmelzung der beiden Positionen kommt. Defensive Coordinators haben in den letzten Jahren immer stärker versucht, von allen Seiten Druck auf die Pocket auszuüben, weswegen es für eine Mannschaft nicht mehr bloß reicht, die linke Seite zu schützen. Das mindert den Wert des linken Tackles, aber es tendenziell bleibt er der Ankermann der Line, und sei es bloß aus Matchup-Gründen: Hast du an den Flanken einen Mann, den du 1-vs-1 allein gegen den Passrush des Gegners stellen kannst, kannst du der anderen Seite zusätzliche Unterstützung in Form eines Tight Ends zur Seite stellen. Auf beiden Seiten Zusatzblocker hinstellen? Du hast nur 11 Spieler zum Arbeiten. Irgendwann gehen die die Anspielstationen flöten.

Was den Wert des Right Tackles angeht: Er gewinnt durch die neuen Einflüsse der Zone-Runs und Read-Option etwas an Wert, weil diese Läufe ergonomisch bedingt tendenziell eher über die rechte designt werden.

Die Klasse von 2014

Die Experten sind sich einig: Sehr guter Jahrgang für Offensive Tackles. Es gibt high end-Talent, und sehr gute Tiefe für die mittleren Runden im Draft. Ausführlich diskutiert werden die Tackles im DraftCast von Roman John und Christian Schimmel, wo sie auf mehr als zwei Handvoll Tackles eingehen.

Visuell untermauert gibt es in der famosen Videodatenbank von Philadelphia Eagles.com den „Film Room“ zur Offensive Line mit Greg Cosell und Bo Wulf.

Kulturkampf: Spieler gegen Prospect

In den Beiträgen von Greg Cosell bin ich auf einen interessanten Diskussionspunkt gestoßen: Player vs Prospect. Cosell betitelt damit mehrfach den Vergleich zwischen den beiden nach landläufiger Meinung besten Offensive Tackles im Draft-2014: Greg Robinson von der Auburn University und Jake Matthews von Texas A&M. Beide gelten als relativ sichere Top-10 Draftpicks, aber ihre Ausgangssituationen könnten nicht viel verschiedener sein.

Matthews ist der „Spieler“. Er kommt als ausgesprochen kompletter Draft-Anwärter in die NFL. Matthews ist der Sohn eines Hall-of-Fame Offensive Tackles (Bruce Matthews), der zirka zwanzig Jahre lang bei den Houston Oilers und Tennessee Titans die Blocks gesetzt hat. In diesem Kontext muss man sich die Kindheit von Jake extrem spannend vorstellen: Wo andere Fußbälle gegen die Stadeltüren knallte oder sich gegenseitig Basebälle um die Ohren fetzten, durfte Jake Kniebeuge-Übungen machen.

Immerhin war es nicht umsonst: Matthews gilt nach mehreren Jahren als Stammspieler bei Texas A&M als technisch extrem reifer Offensive Tackle. Er auch schon Blitzes richtig einschätzen und erkennt intuitiv viele Intentionen der Defense. Prinzipiell gibt es laut Cosell keine fertigen Draft-Anwärter, aber Matthews kommt dem Ideal des schnell einsatzbereiten Spielers schon sehr nahe. Soll von Woche 1 an einsetzbar sein, und sowohl links als auch rechts auflaufen können.

Matthews ist 30 Pfund leichter als der Mann, den Cosell das „Prospect“ nennt, das Talent, das der weniger fertige Spieler ist, aber das mehr Potenzial als Matthews hat: Wir wären da bei Greg Robinson. Während man Matthews schon sehr weit in der Entwicklung sieht (und somit auch weniger Entwicklungspotenzial), gilt Robinson als spannender Kandidat. Robinson ist für seine 1.96m und 151kg fassungslos leichtfüßig, wie man sofort in den Videoclips (siehe Film Room) erkennt. Robinson ist in gewissen Belangen schon sehr weit, aber er hat auch etliche Fragezeichen, bei denen man sich fragt, wie einfach oder schwierig es für die Coaches wird, ihm diese Flauseln auszutreiben.

Punkt Nummer 1: Robinson kennt vom College fast ausschließlich Lauf-Offense. In dieser Hinsicht war er eine Wucht, schob Gegner teilweise meterweit über das Spielfeld und räumt seinen extrem erfolgreichen Runningbacks alles aus dem Weg. Im Passspiel dagegen ist Robinson ziemlich unbeleckt. Spiele mit, sagen wir 14 Pässen, waren bei Auburn schon passlastige Dinger – aber von denen waren die Hälfte designte Rollouts für den QB Nick Marshall. Entsprechend verloren sah Robinson in manchen Pass-Drills dann auch aus.

Punkt Nummer 2: Unabhängig von seiner Unerfahrenheit im Pass-Blocking begeht Robinson von Zeit zu Zeit mentale Fehler, weil er Blitzes oder anderweitige Abwehr-Tricks nicht richtig einschätzen kann. Am College konnte er dies manchmal mit seiner schnellen Fußarbeit noch kaschieren, aber in einer NFL führen Denkfehler schnell zu Fumbles, Negativ-Läufen und Sacks.

Punkt Nummer 3: Im verlinkten DraftCast wird eine technische Schwäche bei Robinson angesprochen: Overextending. Für gewöhnlich wollen Offense Tackles immer vor dem Gegner bleiben, aber bei Unachtsamkeiten kann der Gegner schon mal zu schnell sein und vorbeirauschen. In diesem Fall hilft dem Tackle nur das Hinauslehnen nach links oder rechts, was zu Körperstreckung (extending) und in der Folge häufig zum Gleichgewichtsverlust führt. Punkt 3 dürfte bei Robinson relativ eng mit Punkt 2 zusammen hängen.

Wir können zusammenfassen: Matthews ist der komplettere Spieler für die kurzfristige Zukunft. Robinson ist der Mann, mit dem man in drei Jahren möglicherweise schematisch mehr anfangen kann, aber Robinson ist risikobehafteter. Grundsätzlich willst du in der heutigen NFL in erster Linie mal einen grundsoliden Passblocker haben. Trotzdem sehen momentan fast alle Robinson als den Tackle, der als erster vom Tablett geht.

Die 1B-Alternativen

Hinter dem Top-Duo hat sich eine Art Trio herauskristallisiert, das ebenso in der ersten Runde vom Board gehen könnte. Der bekannteste der drei „1B“-Optionen ist Taylor Lewan von der University of Michigan. Lewan ist dort seit Jahren eine Art Kultfigur wegen einem seiner mittlerweile vielen Tattoos. Zuletzt schrieb er aber auch anderweitige Schlagzeilen, die in den Fließtexten mit „Schlägerei“ und „angedrohten Körperverletzungen“ näher ausgeführt wurden. Was genau dran ist, ist nicht ganz klar.

Sache ist: Lewan wäre letztes Jahr möglicherweise als Nummer 1 gedraftet worden, aber er entschied sich damals, am College zu bleiben. Lewan ließ dann aber ein eher enttäuschendes letztes Jahr am College folgen und fiel in der Gunst der Scouts etwas nach unten.

Lewan ist zuallererst und vor allem anderen Dingen dieser Welt eines: Wuchtiger Körperbau. 140 Kilo verteilt auf 2.03m und Vollkörpertätowierung, das ist schon einschüchternd qua Erscheinung. Aber es steckt auch was dahinter bei Lewan: Er gilt als Kraftlackel, der es sich auf die Stirn geschrieben hat, möglichst viele Gegenspieler bis zum Spielzugende zu quälen. Motto: Bloß keine Zehntelsekunde zu früh abbrechen. Wenn der Gegner unverletzt rauskommt, okay. Wenn nicht, auch gut. Das sind Eigenschaften – so makaber es klingt – die ein Footballcoach schätzt.

In seiner Beweglichkeit soll er fast wie ein Tight End aufgestellt sein, relativ leichte Füße haben. Das macht ihn zu einer exzellenten Option für Power-Schemes, aber fast noch mehr für Zonen-Blocksysteme, die etwas horizontaler angelegt sind, zum Beispiel alles, was mit entfernt mit „Gary Kubiak“ zu tun hat.

Die anderen 1B-Optionen sind laut Cosell leicht blasse Farbkopien der beiden Top-Draftees. Cyrus Kouandjio von Alabama spielt dabei eher den Prospect-Part, gilt als extrem talentierter Tackle, der in lichten Momenten alles pulverisiert, aber viel zu viele Aussetzer hat – mehr as Robinson – um in der NFL ernsthaft als Top-Pick vom Tablett zu gehen.

Kouandjio kannst du aufgrund dieser Bedenken möglicherweise noch nicht als Left-Tackle aufstellen, aber du kannst ihn Tyron-Smith like auf der rechten Seite einlernen und hoffen, in zwei Jahren deinen Left-Tackle zu haben.

Zack Martin von Notre Dame spielt eher den Part der Mathews-Kopie, gilt in seiner Entwicklung auch schon als sehr weit. Martin kennt NFL-artige Spielsysteme vom College und brilliert vor allem durch dauerhafte, fast fehlerfreie Spielzugausführung. Das erzwingt aktuell keine nassen Höschen bei Scouts, aber die Trainer lieben solche Spieler.

Die Fettsäcke

Hinter diesen sehr guten Toptalenten bietet der Draft-2014 eine große Anzahl an Jungs, denen man aus verschiedenen Gründen den Durchbruch früher oder später zutraut. Ein Quartett soll sich dabei vor allem über seinen Körperbau definieren: Größe und Gewicht. Größe und Gewicht sind wichtig für Offensive Tackles, denn je schwerer, desto schwieriger bist du durch die Gegend zu schieben. Ein 150kg-Bolzen mit einigermaßen beweglichen Füßen muss nicht der Filigrantechniker sein, denn an ihm kommen die Defensive Ends schon allein wegen der Höhe und Breite nicht vorbei, und so einfach schiebste den auch nicht zwei Meter zurück ins Backfield.

Morgan Moses von Virginia, Antonio Richardson und Jawuan James (beide Tennessee) gelten als solche Spieler. Alle drei sind schon aufgrund ihrer Masse sofort einsetzbare Right Tackles, wo sie noch nicht so viel Pass-Blocking betreiben müssen, aber schon allein durch ihre Wucht als gute Lauf-Blocker aufmarschieren können. Vor allem James soll ein sehr guter Lauf-Blocker auf der Strong-Side sein – also dort, wo ihm ganz gerne auch mal ein Tight End mithilft.

Richardson gilt als eher umstrittenes Prospect: Er soll sich zu häufig und zu schnell auf seine Kraft verlassen und dabei ganz gerne mal die Körperspannung verlieren. Seine Fußarbeit lässt zu wünschen übrig, seine langen Arme werden ihn nicht immer aus der Scheiße reiten. Richardson soll sich zudem 2013 zurückentwickelt haben, was bei Scouts nie gut ankommt.

Cornelius Lucas von der Kansas State University ist auch groß und breit, aber er ist eine Spur anders gelagert: Er kennt vom College fast nur Lauf-Offense, soll aber seine Stärken zu allererst im Pass-Blocking haben. Er ist ein sehr unfertiger Spieler, der erst in den späten Runden vom Board gehen wird, aber weil er zirka dreieinhalb Meter Armspannweite hat und sich in den letzten Jahren exzellent entwickelte, wird ein geduldiges Team hier wahrscheinlich wenigstens einen wertvollen Ergänzungsspieler haben – im besten Fall einen neuen Stamm-LT.

Die Techniker

Brandon Thomas von Clemson gilt als Spielertyp, den man erst zu schätzen lernt, wenn man erstmal alle Spiele der Tigers durchgespult hat: Macht kaum Fehler, aber ist mit unter 1,90m eher klein gebaut – zu klein für die NFL? Fakt ist, dass es am College gerade reichte, weil er über sehr solide Technik verfügt. Er ist kompakt gebaut und hat einen niedrigen Körperschwerpunkt, was bei Thomas dafür spricht, dass er, falls es zum Tackle nicht reichen sollte, möglicherweise eher früher als später zum Guard umgeschult wird.

Thomas kann für seine Bewerbung aber ganz dick auftragen, dass er als einer von wenigen Offense Tackles den sensationellen DE Jadeveon Clowney im Alleingang unter Kontrolle hatte. Wenn du böse bist, sagst du, na gut, Clowney war nicht motiviert. Aber beeindruckend ist das allemal, denn auch ein demotivierter Clowney machte viele andere Tackles nass.

Ein Mann, den Mike Mayock sehr hoch einschätzt: Joel Bitonio von Nevada. Bitonio ist auch eher ein Mann mit schmächtigem Körperbau, aber er macht mit viel Einsatz und bereits relativ guter Technik vieles wett. Bitonio spielte mit Nevada im letzten Jahre unter anderem gegen UCLA und Boise State, und er machte sich dabei gegen zwei der meist gehypten Pass Rusher sehr gut: Barr von UCLA und Lawrence von Boise, die beide in einem eigenen Eintrag noch unter die Lupe genommen werden.

Die Tight Ends im NFL-Draft 2014

Keine zwei Wochen mehr bis zum Highlight der NFL-Offseason, dem NFL-Draft 2014, und entsprechend Zeit, mit der ausführlichen Einstimmung zu beginnen. Bis vor wenigen Tagen war ich noch fast komplett unbeleckt von der Draftmaterie dieses Jahr, aber ich habe mich mittlerweile eingearbeitet in die Thematik. Das Feld ist bereitet für zwei Wochen Groove, oder wie es Mike Tanier nannte: Draftathon. Draft-Vorfeld ist gekennzeichnet von einer ganzen Latte an Stereotypen, die im Falle eines jeden Drinking-Games zum unvermeidlichen Vollrausch führen.

Abseits von Mock-Drafts und Gemeinplätzchen ist der NFL-Draft aber immer wieder eine sehr gute Gelegenheit, über spielerische Trends in der NFL zu sinnieren und einen neuen Jahrgang an Spielern, sprich Individualisten, kennenzulernen.

Let’s begin mit einer der Positionen, die sich in den letzten Jahren am meisten gewandelt hat: Tight End. Ich schrieb schon im Februar über die neuen Trends auf dieser Position und verlinkte auf dieses sehr schöne Video von Philadelphia Eagles.com, das die neue Bedeutung der Tight Ends ganz gut zusammenfasst.

Der Wandel in der Bedeutung des Tight Ends

Früher war der Tight End ein – eben – tight end, am Rande der Offensive Line aufgestellt, mit der Hauptaufgabe als Blockunterstützung zu wirken und gelegentlich mal als Ballfänger in Aktion zu treten. Das waren die 115kg schweren, 1.93m großen Bolzen, gebaut wie etwas athletischere Offensive Tackles. Schwere Jungs, die gegen Linebacker gegenhalten konnten. Sie haben fraglos auch heute noch ihren Platz im Footballsport, aber der Hauptfokus auf dieser Position hat sich über die letzten Jahre hin zu den fangstärkeren TE gewendet – Leute, die gerne mal auch in klassischen, früher ausnahmslos Wide Receivern vorbehaltenen Plätzen aufgestellt werden.

Prospects 2014

Name                 Rd
Eric Ebron           1
Jace Amaro           1-2
A. Seferian-Jenkins  2-3
Troy Niklas          2-3
C.J. Fiedorowicz     2-4
Arthur Lynch         3-5
Crockett Gillmore    3-5
A.C. Leonard         3-5
Richard Rodgers      4-6
Trey Burton          5-7

Links

Mayock Top Five

  1. Ebron
  2. Seferian-Jenkins
  3. Amaro
  4. Niklas
  5. Fiedorowicz

Leute wie Tony Gonzalez, Antonio Gates, Jimmy Graham oder Rob Gronkowski sind in erster Linie große, schlaksige Athleten, die Bälle wie ein Wide Receiver fangen können, aber zeitgleich noch gut genug als Blocker sind um damit ein Upgrade über jeden konventionellen Wide Receiver zu sein. Blocken ist immer noch für die meisten Tight Ends eine wichtige Aufgabe, die sitzen muss, aber in der Pass-Liga NFL ist die Eigenschaft des Fangens mittlerweile höher eingestuft als die des Blockens.

Wie man einen jungen, groß gewachsenen Tight End mit guten Fanhänden einsetzen kann, zeigt das Video anhand des jungen Eagles-TE #86 Zach Ertz: Ein Mann, der zu groß ist für einen Safety oder Cornerback und zu schnell für einen Linebacker. Das sind genau die Mismatches, die die Coaches von heute suchen – nicht, dass der Mann zwangsläufig jedes Spiel zehn Catches für 150yds machen muss, nein: Er muss „nur“ eine zusätzliche Option stellen, für die der gegnerische Coaching-Staff wertvolle Vorbereitungszeit investieren und im laufenden Spiel im einen oder anderen Play einen zusätzlichen Mann abstellen muss.

Ein fangstarker Tight End mit einigermaßen brauchbaren Block-Skills hat heutzutage eine gute Chance, in der ersten oder zweiten Runde gedraftet zu werden. Ein bockstarker Blocking-TE mit mäßigen Fanghänden geht dagegen garantiert nicht mehr vor der dritten oder vierten Runde vom Tablett.

Die Klasse von 2014

Der NFL-Draft 2014 hat von allen Sorten ein paar Optionen zu bieten. Der Jahrgang gilt nicht als überragend besetzt, aber die besten fünf, sechs Optionen sollen schon recht sichere Tüten mit Pro-Bowl Potenzial sein. In der sehenswerten Film-Room Session von Philadelphia Eagles.com diskutierten Bo Wulf und Greg Cosell in einem knackigen 10min-Video über die Vorzüge und Unsicherheiten der heurigen Klasse.

New Generation

Beginnen wir mit der Sorte „neue Tight Ends“, also denen, die sich in erster Linie über das Pass-Fangen definieren. Als Star des Jahrgangs gilt North Carolinas Eric Ebron, der bei den Tar Heels am College häufig als verkappter Wide Receiver aufgestellt wurde. Als Fachbegriff für Ebron könnte man detached Tight End einführen, also eine Art Spielertyp, der losgelöst von der klassischen Tight End-Positionierung am Rand der Offense Line operierte – meistens im Slot zwischen Line und Hash Marks.

Ebron sieht auf den ersten Blick auch aus wie ein klassischer, richtig monströs gebauter Wide Receiver. Er ist pfeilschnell und in der Lage, auch einem Cornerback auf und davon zu laufen. Ebron gilt noch als eher schlampiger Routenläufer, aber er ist mit seiner Statur, seinem Speed und seiner Physis in der Lage, Safetys zu schlagen, und mit gutem Coaching traut man ihm auf alle Fälle auch zu, die schwierigeren Routen, die von Cornerbacks verteidigt werden, zu laufen.

Ebron gilt als durchaus unterschätzter Vorblocker. Er wurde nicht oft für das Blocken einsetzt, soll aber in den wenigen Szenen sehr brauchbar ausgesehen haben und nur ein paar Feinheiten davon entfernt sein, zumindest ein „brauchbar“ für NFL-Verhältnisse auf diesem Feld ins Zeugnis geschrieben zu bekommen.

Gelegentlich schlampiger ist Ebron in seiner eigentlichen Paradedisziplin, dem Fangen. Von Zeit zu Zeit hat Ebron Aussetzer, lässt simple Bälle durch die Finger flutschen. Er streut oft genug die sensationellen Catches ein, dass man als Coach geneigt ist, diese Unssauberkeiten als Konzentrationsschwierigkeiten abzutun, aber in der Tat ist eine der großen Fragen, wie einfach man Ebron diese Flauseln austreiben kann.

Eine der weiteren Fragen bei Ebron wird sein, wie man ihn an der Anspiellinie attackiert: Am College wurde er nur selten mit einem jam (Wikipedia) angegangen, weil keine ausreichend kräftigen Gegenspieler gab und er sie überlaufen hätte. In der NFL hat mittlerweile fast jede Mannschaft Linebacker, die diesbezüglich zumindest temporären Schaden bei einem gegnerischen Tight End anrichten können und das Timing im Passspielzug empfindlich stören können.

Kommt Ebron sauber in die Route und fängt den Ball, ist er konkurrenzlos mit Hinblick auf die Klasse von 2014: So schnelle, fluide Bewegungen macht sonst kein Tight End, und er ist in vollem Lauf nur schwer zu Boden zu bringen.

In Summe ergibt das den Tight End mit dem höchsten „Ceiling“, also dem größten Potenzial, des Jahrgangs. Die geschilderten Fragezeichen und einige nur bedingt erbauliche Offseason-Workouts verhindern möglicherweise, das Ebron als sicherer Top-10 Pick in den Draft geht, aber er wird mit hoher Wahrscheinlichkeit bis spätestens Mitte-Ende der ersten Runde vom Tablett gegangen sein.

Als zweiter möglicher 1st-Rounder gilt Jace Amaro von der Texas Tech University. Amaro war in der teilweise kompromisslosen Pass-Offense der Red Raiders noch häufiger als ein Ebron als Wide Receiver unterwegs, und es gab Spiele, in denen Amaro die TE-Position nur vom Hörensagen kannte. Er operierte phasenweise als echter Slot-WR der Güteklasse Boldin. Von seiner Spielweise ist Amaro aber weniger mit einem Ebron vergleichbar, sondern mehr mit einem Jason Witten von den Cowboys: Er ist nicht überaus explosiv, sondern mehr der Techniker, der einfach seinen Job präzise erledigt und nicht versucht, mehr aus dem Play zu machen als es das Playbook vorschreibt – das mögen Coaches für gewöhnlich.

Amaro wird aber trotz dieser Eigenschaften und trotz seiner 1,95m von den meisten Experten aber als inferiore Option im Vergleich zu Ebron angesehen, weil er schlicht keine Erfahrung als Blocker an der Line of Scrimmage hat. Er wird das in der NFL lernen müssen, und das wird einige Zeit brauchen.

Auch so ein sehr stark auf seine Rolle des Fängers festzunagelnder Spieler ist Richard Rodgers von Cal: Groß gewachsen und somit ein Mismatch für sowohl Linebacker als auch Cornerback. Rodgers gilt als schwacher Blocker, aber als durchaus lernfähiger TE mit mittelfristigem Fokus. Man sagt, er geht irgendwann zwischen der dritten und fünften Runde vom Tablett.

Die Vielseitigen

Austin Seferian-Jenkins von der University of Washington sieht mit seinen 1,96m und 270 Pfund wie ein abgeschlankter Left-Tackle aus, und dürfte eine furchterregende Erscheinung sein. Er ist zwar ein guter Routenläufer und Ballfänger, der schon Cornerbacks geschlagen hat, aber seine wahre Stärke ist seine Vielseitigkeit: Seferian-Jenkins sagt man nach, ein ähnlicher Spielertyp wie letztes Jahr Zach Ertz (wurde an #36 gedraftet) zu sein, einer, der den Lauf-Blocker, Mitteldistanz-Ballfänger für die RedZone und die massige Statur für die GoalLine Offense in sich vereint.

Er wird kaum vor einem Ebron oder Amaro vom Board gehen, aber Seferian-Jenkins dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit als dritter oder vierter Tight End gedraftet werden.

In etwa die gleiche Region wie Seferian-Jenkins ist Troy Niklas von Notre Dame. Niklas ist auch so ein Hüne. Er sieht auf den ersten Blick ziemlich hüftsteif aus und bewegt sich längst nicht so grazil wie andere Artgenossen, aber bei genauerem Hinsehen gilt er als beweglicher als angenommen. Niklas‘ große Stärke ist die Zone in der Spielfeldmitte: Downfield kann er mit seiner Größe Safetys schlagen. Er gilt noch als entwicklungsfähig, wird zumindest ein oder zwei Jahre brauchen um sein Potenzial erschöpfen zu können.

Als sehr spannende Option gilt der schwer aussprechbare C.J. Fiedorowicz von Iowa, den der konservative Trainerstab um Kirk Ferentz dort nur sehr widerwillig als Pass-Catcher einsetzte, und wenn, dann meistens auf sehr kurzen Routen, wo nicht viel schief gehen kann. Fiedorowicz soll allerdings – und da wird es heiß – bei den wenigen längeren Spielzügen gigantisch ausgesehen haben. Die Frage ist hier Zufall oder Methode? Kannst du aus einer sehr kleinen Stichprobe an Tapes darauf schließen, dass Fiedoroqicz tatsächlich eine Art 360° Spielertalent ist?

Cosell meinte in einem seiner Podcasts, Fiedorowicz habe in seinen Bewegungen etwas Gronkowski-mäßiges. Sein Blockspiel ist kompromisslos, sein Fangen wie gesagt gut, aber schwierig zu bewerten. Viele glauben, dass er in der zweiten oder dritten Runde vom Tablett geht, aber ein mutiger Trainerstab könnte ihn auch schon früher ziehen.

Weniger Upside, dafür ein grundsoliderer Spieler ist Georgias Arthur Lynch. Bei ihm ist es ähnlich wie Fiedorowicz: Man vermutet viel unausgelotetes Potenzial im Spiel als Ballfänger. Lynch wurde nur für wenige wirklich spektakuläre Passspielzüge in Szene gesetzt, hatte überwiegend traditionelle TE-Übungen zu absolvieren. Das machte er wunderbar. Gilt als Option für die mittleren Draftrunden.

Ein komplettes dark horse ist der fürchterlich tätowierte Colt Lyerla, ein spielerisch unumstrittener, aber menschlich schwieriger Mann von der University of Oregon, oder besser: Von keiner Universität. Lyerla wurde in Oregon wegen wiederholter Drogenprobleme halb geschasst, halb ging er aus freien Stücken. Zurück blieb üble Nachrede von wegen Weichei und kaum zu kontrollierender Typ.

Rein von den sportlichen Voraussetzungen wäre Lyerla vermutlich der beste Tight End neben Ebron. Er ist ein 1.96m großer Hüne, der sich bewegt wie ein Einssiebziger. Diese Kombination aus Beweglichkeit und körperlicher Überlegenheit macht gewöhnlich einen 1st-Rounder auf dieser Position, aber nur, wenn es ein astreiner Charakter ist.

Für ein Team, das glaubt, ihn unter Kontrolle zu haben, wird er einen Draftpick wert sein. Lyerla kann per sofort als Waffe in der RedZone eingesetzt werden. Alles weitere muss man sehen: Da er 2013 kaum oder keinen Football spielte, hat er noch einiges in seiner Entwicklung nachzuholen.

Schließlich gibt es noch den schwer einzuschätzenden Trey Burton von Florida. Burton wurde bei den Gators hauptsächlich als „X-Faktor“ eingesetzt, sprich als positionsübergreifendes Asset in der Offense. Mal war er der Runningback, der die Pässe aus dem Backfield entgegen nahm. Mal war er der klassische Slot-Bolzen. Mal war er ein echter Tight End. In der Combine war er der TE-Gruppe zugewiesen, also bleibe ich hier mal bei dieser Einschätzung. In Wahrheit dürfte er eher das sein, was früher Chris Cooley in Washington war: Ein H-Back. Burton gilt aufgrund seiner undefinierten Position als Kandidat für einen mittleren Draftpick so um die vierte oder fünfte Runde.