New Orleans Saints in der Sezierstunde

Nach den beiden tragischen Playoff-Eliminationen der letzten zwei Jahre kann man ohne Umschweife behaupten: Die New Orleans Saints sind die Pechvögel der NFL. Weiterlesen

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New Orleans Saints Draft Recap 2019: Nach Brees kommt das Ende der Welt

Es hat sich schon letztes Jahr angedeutet: Die Saints setzen alles auf die letzten (oder: das letzte?) Jahre von QB Drew Brees. Was danach kommt, interessiert erstmal niemanden. Weiterlesen

NFL Championship Games 2018/19 – Preview

Football!

Heute in der aufwendig gestalteten Collector’s Edition aus dem obersten Regal: Die vier besten Mannschaften des Power Rankings, die vier Mannschaften mit den meisten Punkten – und vor allem vier der besten Head Coaches aktuell (oder ist Andy Reids Clock Management still a thing?)

21.05Uhr: LA Rams (14-3) @ NO Saints (14-3)

00:40Uhr: NE Patriots (12-5) @ KC Chiefs (13-4)

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NFL Power Ranking 2018 – Divisional Playoffs

Das Conference-Championship 2018/19 sorgt für ein Novum: Die besten vier Teams des Jahres spielen im Halbfinale am Sonntag um den Einzug in die Superbowl. Weiterlesen

New Orleans Saints in der Sezierstunde

Die letzten 12 Monate der New Orleans Saints muss man immer unter der Prämisse betrachten, die Lesern dieses Blogs bereits bekannt sein dürften: Die Mannschaft hatte 2014 eine letzte ernsthafte Chance auf einen Superbowl-Ansturm, bevor der Kader auseinanderfliegen würde. Der Grund hierfür ist das schlechte Cap-Management von GM Mickey Loomis in den letzten Jahren. Loomis beging dieselben Fehler, die auch in Pittsburgh gemacht wurden: Er hielt zu lange am alternden Kern der Superbowl-Heroen von 2009/10 fest, und merkte mindestens zwei Jahre zu spät, wie kerzengerade man auf die Wand fuhr. Weiterlesen

NFC Divisional Playoffs Preview: New Orleans Saints @ Seattle Seahawks

Am 2. Dezember waren die New Orleans Saints (12-5) das letzte Mal bei den Seattle Seahawks (13-3) zu Gast. Das Ergebnis war deutlich. Während die Saints ihre versohlten Hintern ins Flugzeug schleppten, feierte Seattle noch den Lautstärkerekord mit allen 12th men im CenturyLink Field. Zu Beginn der Divisional Playoffs gibt es jetzt das rematch. Im Gegensatz zum letzten legendären Playoffspiel der beiden gegeneinander, ist dieses Mal New Orleans bei den Buchmachern der klare underdog.

New Orleans´ sieben Punkte der Offense waren der Negativrekord in dieser Saison. Die 34 kassierten Punkte der Defense ebenfalls Negativrekord; überhaupt war es das einzige Mal, daß die Saints mehr als 30 Punkte zugelassen haben. Das spricht für den starken Job den Rob Ryan in seiner ersten Saison als Defensive Coordinator in New Orleans gemacht hat.

Seahawks Offense vs Saints Defense

Dabei sind die Spieler größtenteils dieselben, die sich 2012 unter Steve Spagnulo regelmäßig der Lächerlichkeit preisgegeben haben. Wichtige Neuzugänge waren CB Keenan Lewis, Rookie-Safety Kenny Vaccaro und OLB Parys Haralson. Alle drei spielten wichtige Rollen: Lewis als recht zuverlässiger Nr.1 CB; Vaccaro als überraschend zuverlässiger Safety und Haralson als einziger in der Front-7, der große Erfahrung mit 3-4-Konzepten hatte (er kam von den 49ers). Blöderweise mußte Vaccaro in Woche 15 auf IR; da ist auch Haralson seit dem Wild-Card-Game und Lewis erschütterte sich das Gehirn und ist questionable für das Spiel in Seattle.

Das ist vor allem blöd, weil im „Hinspiel“ Russel Wilson per Arm um Bein der matchwinner war und nicht das „normale“ Laufspiel um Marshawn „beast mode“ Lynch und Robert Turbin. Beide zusammen kamen nur auf 79 Yards aus 27 Läufen. Ryans Verteidigungen machen zwar immer einen recht „wilden“ Eindruck, aber sie sind sehr diszipliniert und „fundamentally sound“ wenn es ums tackling geht. So haben sie auch letzte Woche die gefürchtete Laufmasche der Eagles sehr gut eingebremst (22 Läufe für 80 Yards). Seit ihrer bye week Mitte Oktober konnten nur vier ihrer elf Gegner mehr als 100 Yards erlaufen.

Genauso diszipliniert und mit sicheren tackles müssen sie dann aber auch dem kleinen Derwisch Russel Wilson gegenübertreten. Viele yards macht der kleine QB mit einfachen Würfen zu meterweit offenen Receivers. Diese „einfachen“ Würfe erabeitet sich Wilson aber mit schwierigsten Zirkuskunststückchen als Entfesselungskünstler. Er befreit sich so geschickt (und manchmal sogar richtiggehend elegant), daß die Übertragung am Sonnabend wieder zum drinking game werden könnte: einen Shot für jede Nennung von „Fran Tarkenton“ und zwei shots für jeden „Whoodini!“.

Hier ist das Herzstück der Saints-D gefragt: die Defensive Linemen Cameron Jordan, Akiem Hicks und OLB/DE Junior Gallette. Als sie vor wenigen Jahren zu den Saints kamen, hat man sich sehr viel von ihnen erwartet; massives Talent hatten alle drei. Doch dann kam kaum etwas. Unter Ryan nun steht Jordan plötzlich auf der shortlist für den DPOY. Hicks, zusammen mit Brodrick Bunkley oder Rookie John Jenkins machen zuverlässig die Mitte gegen den Lauf zu, während Gallette und Jordan ebenso zuverlässig Druck auf den QB machen. Knackpunkt hier ist, daß sie beim pass rush Wilson in der pocket halten und die Fluchtwege über die Außen zumachen und auch in der Mitte nicht blind nach vorne stürzen und ja nicht Wilson ausbrechen lassen, im Idealfall dann noch dem kleinen Mann mit Armen und Händen sein Sichtfeld verdecken.

Der X-Factor in der Offense ist Percy Harvin. Da er aber in dieser Saison keine 20 snaps gespielt hat und auch nicht klar ist, wie fit er tatsächlich ist, ist von Totalausfall bis matchwinner alles im Bereich des Möglichen. Neben den beiden WRs Golden Tate (sehr stark) und Doug Baldwin (stark) sollte man auch immer ein Auge auf Jermaine Kearse werfen. Dieser UDFA fängt in jedem Spiel einen eigentlich unmöglichen Ball.

Es wird hier noch mehr als sonst auf Fehlervermeidung der Saints ankommen, jeder missed tackle kann gegen Typen á la Wilson, Lynch und Tate zum TD führen.

Saints Offense vs Seahawks Defense

Auf der anderen Seite lastet alles auf den Schultern von Sean Payton und Drew Brees, sich einen gameplan zurechtzulegen, der eine Verteidigung knacken kann, die keine Schwachstellen hat.

Ich bin da auch ein bißchen ratlos, welches matchup hier das wichtigste oder spannendste sein wird. Nach der Verletzung des in Paßverteidigung exzellenten Linebackers K.J. Wright ist es vielleicht die Marques Colston-/Jimmy Graham-Combo über die Mitte. Die beiden Riesen können die Mitte attackieren wie kein anderes Duo der NFL. Aber selbst dafür hat Seattle als Antwort noch LB Bobby Wagner und die Safties Kam Chancellor und die one man dome patrol Earl Thomas.

Colsten und Graham können auch tief gehen. In Verbindung mit dem exzessiven screen game um Darren Sproles und Pierre Thomas (dieser allerdings questionable) können sie das Spiel sowohl sehr breit als auch sehr lang (? oder tief?) machen. In Kombination „streßt“ das eine Verteidung ungemein.

Von den individuellen matchups her ist Seattle fast überall im Vorteil. Pass rushers Michael Bennett und Cliff Avril gegen mittelmäßige Offensive Tackles; die „Legion of Boom“ gegen die WRs Robert Meachem, Lance Moore und Kenny Stills; Mount Mebane und Wagner als Anführer gegen das Laufspiel durch die Mitte um Jahri Evans und Brian De la Puente ist das noch das ausgeglichenste.

Die Zauberkünste des Russel Wilson gegen den Hasen, den Sean Payton aus seinem Hut zieht, ist in einem Satz das Faszinierende an diesem Spiel. Nimmt man noch die einzigartige Atmospähre im CenturyLink und die jüngste gemeinsame Geschichte der beiden Mannschaften dazu (blowout in dieser Saison plus der upset in den Playoffs 2011) ist das der perfekte Einstieg in das schönste Wochenende des Jahres.

Vor dem Wild Card Weekend 2013/14 am Samstag: Philadelphia Eagles – New Orleans Saints Preview

Das Nachtspiel heute (ab 02h10 live im Gamepass und bei SPORT1 US) ist ein extremst leckeres für die Verhältnisse eines Wildcard-Weekends: Die Philadelphia Eagles (10-6), Sieger der NFC East, empfangen im Lincoln Financial Field die New Orleans Saints (11-5). Es ist ein Spiel, in dem winterliche Verhältnisse erwartet werden, mit Temperaturen in den Minusgraden (Celsius-Skala) und möglicherweise leichtem Schneefall.

Philadelphia zuhause und Schneefall? Check, das hatten wir schon. New Orleans auswärts? Das ist eine Geschichte, die in den Staaten derweil rauf und runter diskutiert wird. Die Saints sind im eigenen Superdome eine Macht mit einer Offense, die in schöner Regelmäßigkeit 4-5 Touchdowns über den Gegner drüberstreuselt und die Spiele in Blowouts ausarten lässt. Die Saints auswärts haben Mühe, überhaupt ihre Spiele zu gewinnen: Sie sind dieses Jahr 3-5. Zu Hause? 8-0. Dieser Split ist zwar zu krass um uneingeschränkt so stehen gelassen zu werden: Es gab zuhause (Falcons, 49ers, jeweils Siege) wie auswärts (Panthers, Patriots, jeweils Pleiten) jeweils wilde Spiele, die im allerletzten Play entschieden wurden. Lass drei Plays anders ausgehen und die Welt sieht schon anders aus.

Allerdings ist der Home/Away-Split bei den Saints schon real: Zuhause macht die Pass-Offense um die QB-Legende #9 Drew Brees sensationelle 8.3 NY/A im Passspiel, während Brees und Co. auswärts nur 6.2 NY/A zustande bekommen. Das ist ein nennenswerter Unterschied, und bei jeweils über 320 Versuchen auch einer, der dem Zufallstest standhält. Heim und Auswärts sind bei den Saints also real, zumindest in dieser Saison 2013/14, wenn auch wohl gern überschätzt.

Also: Kaltes Wetter, zwei Sensations-Offenses. Zwei tolle Coaches. Wie gemacht für ein Klassespiel.

Wenn die Eagles den Ball halten

Die Eagles sind eine famose Mannschaft. Sie haben die #1-Offense nach meinem Power-Ranking. Sie haben den Übergang vom passfreudigen Head Coach Andy Reid zum Innovator [1][2][3] und Fetischist der Spread-Run Offense Chip Kelly fast nahtlos hin bekommen; es gab einige Spiele, in denen es nicht „lief“, aber sie blieben letztendlich die Ausnahme.

Die Eagles spielen eine äußerst ästhetische Offense, die zumindest bisher nicht als „fraud“ (Blender) enttarnt werden konnte. Gebaut um eine massierte Offense Line, die als wie gemacht fürs Lauf-Blocking aussieht, legen die Eagles-Backs in 500 Versuchen sensationelle 2566yds und 19 Touchdowns am Boden hin (5.1yds/Carry) – bei einer selten gesehenen Success-Rate von 49%. Das heißt: Fast die Hälfte der Laufspielzüge endet in einem „Erfolg“ (Erfolg wird hierbei definiert als „meine erwartete Punktzahl aus dem Drive ist nach Ende des Spielzugs höher als vor dem Snap“). Der Ligaschnitt ist 40.7%. Die Standardabweichung ist 3.9%. Die Eagles-Runningbacks sind 2.16 Standardabweichungen erfolgreicher als der Ligadurchschnitt. Sensationell.

Keine Mannschaft setzt mehr read option ein als Philadelphia: ESPN hat eine Studie veröffentlicht, nach der die Iggles 304 der 500 Run-Plays als read option ausgeführt haben, für 1725yds (5.8yds/Carry). New Orleans kennt dieses Spielsystem fast gar nicht, wurde bei den wenigen Downs dieses Jahr dabei für fast 6yds/Carry überfahren.

Chip Kelly konnte auch sein atemberaubendes Tempo mit in die NFL transferieren: Die Eagles erzielen mit 33yds/Drive die sechstmeisten Yards pro Drives und mit 2.12 Punkten die achtmeisten Punkte der Liga, aber ihr durchschnittlicher Drive konsumiert ganze 2:06 Minuten, mit weitem Abstand die #32 der Liga. Speed, Speed, Speed.

Der Superstar ist RB #25 LeSean McCoy, der wenn er halbwegs Lücken bekommt, jede Defense im offenen Feld auseinander zu nehmen imstande ist. Kriegt McCoy Lücken, ist er nicht zu bremsen. Kriegt er keine, ist er der klassische boom or bust-Back. Die Saints haben eine relativ durchschnittliche Lauf-Defense, was für sie ein Kompliment ist, aber sie haben ein System wie jenes der Iggles noch nicht gesehen.

Der Hidden-Champ bei den Eagles ist der junge QB #9 Nick Foles, ein Mann in seinem erst zweiten Jahr. Lange hatte ich Foles als hüftsteifen Werfer verspottet, aber Foles macht, seit er für den verletzten Michael Vick eingewechselt wurde, einen bockstarken Job und fabrizierte eine Saison zum Speichel ablecken: 64% Completion-Rate, 7.9 NY/A, nur 2 INTs in zehn Spielen (bei 27 TD). INTs sind eine volatile Statistik, aber Foles bewies durchaus die Nerven, unter Druck lieber den Ball ins Aus zu werfen als allzu viele Hochrisiko-Bälle abzufeuern. Das einzige, was Chip Kelly an Foles hassen dürfte, ist seine Tendenz, Sacks zu kassieren: 28 Sacks (8.1% Sack-Quote) sind eher überdurchschnittlich, und dürften bei einem Coach, der alles erlaubt nur keine Spielzüge für Negativ-Yards, nicht auf allzu viel Gegenliebe stoßen.

Was können die Saints dagegen ausrichten? Sie haben sich innerhalb eines Jahr von einer der schlechtesten Pass-Defenses ever zu einer richtig guten Abwehr gewandelt, und lassen nur 5.6 NY/A zu – ein Top-10 Wert in der heutigen NFL. Das kommt, wenn man DefCoord Spagnuolo gegen den aktuellen DefCoord Rob Ryan austauscht. Ryan gilt als aggressiver Coach, der gerne mal verstärkten Druck bringt. Das verlangt von der Secondary zusätzliches Standvermögen. Die Saints hatten das heuer oft… aber jetzt ist mit dem Rookie-Safety Kenny Vaccaro der Schlüsselspieler out for the season. Kelly reibt sich gewiss schon die ganze Woche die Eier, was er mit Vaccaros Backup Roman „wandelnder Deckungsfehler“ Harper anstellen wird.

So sehr man die Saints-Defense zu schätzen gelernt hat: Es wäre eine Überraschung, wenn sie ohne zusätzliche Leute in der Box die massive Eagles-OL und das Laufspiel abwürgen könnte – und das ist notwendig, wenn du nicht gegen den Pass blank stehen willst.

Wenn die Saints den Ball haben

Die Saints von Head Coach Sean Payton sind kein Geheimnis in der Offense: Sie werfen, und zwar viel. Drew Brees überbot mal wieder die 5000er-Marke und beendete die Regular Season mit 650 Passversuchen und 5162yds für 39 TD und nur 12 INTs (7.1 NY/A). So wenige INTs wirft Brees nicht immer; Brees gehörte stets zu den QBs, die gerne mal überziehen und für einen tiefen Raumgewinn schon mal einen Turnover riskierten. Nicht so 2013. Einiges davon könnte allerdings glücklichen Fügungen zugeschrieben werden.

Das Saints-Passspiel ist nicht unbedingt ein sonderlich vertikales (nur 18.6% der Pässe gehen über 15yds von der Anspiellinie), aber es ist tödlichst präzise: 68.6% Completion-Rate für Brees, und das ist für ihn nicht die allerbeste Saison. Die Anspielstationen sind extrem breit gestreut: Der Schlüsselspieler „Tight End“ (eigentlich WR) #80 Jimmy Graham macht 86 Catches für 1215yds und 16 TD. Graham ist kein guter Blocker und ehrlicherweise ein verkappter Wide Receiver. Ein ähnlicher Spielertyp ist #12 Marques Colston, der auch meistens in der Spielfeldmitte operiert (75 Catches, 943yds). Dazu kommen aus dem Backfield die fangstarken RB #23 Thomas (77 Catches, fällt heute aber aus) und der Irrwisch #43 Darron Sproles (71 Catches), der häufiger als Passfänger denn Ballträger eingesetzt wird. Die richtigen Wideouts im Saints-System sind mit Moore, Rookie Stills und Meachem eher austauschbare Leute.

Die Eagles dürften dagegen Probleme haben: Ihre Linebacker gelten als zu langsam, mit Ausnahme der #95 Mychal Kendricks, der viele lichte Momente hat, aber dann immer wieder gern mal überzieht und seine Defense verbrennt. Das Defensive-Backfield ist bestenfalls „unterer Durchschnitt“, wobei das Problem für die Eagles vornehmlich bei den Safetys zu finden ist, wo wohl ein Mann wie Pat Chung heute starten muss.

Allerdings gibt es ein gutes Matchup für die Eagles: Die OLBs #58 Cole und #98 Brandon Graham gegen die Offense Tackles der Saints, die schon das ganze Jahr eine Sollbruchstelle stellen. New Orleans musste vor Saisonbeginn den teuren LT Bushrod ziehen lassen, und hoffte, mit LT Charlie Brown und/oder dem Rookie #71 Armstead wenigstens akzeptablen Ersatz im Kader zu haben – aber beide erwiesen sich als unzuverlässig oder richtiggehend überfordert. Wenn Cole und/oder Graham ihre Matchups dominieren, könnte Brees schneller als gewollt unter Druck kommen.


Die Quoten stehen 2.5pts pro Eagles. Mein Power-Ranking gibt den Eagles zuhause eine 53%-Chance zu gewinnen. Es läuft also auf ein knappes Spiel hinaus. Die Auswärtsschwäche der Saints halte ich aus beschriebenen Gründen für real, wenn auch von vielen überschätzt. Ich traue Brees und Co. aber auch im kalten Philadelphia zu, ihr Kurzpassspiel aufzuziehen und eine schnelle Führung zu erspielen, die die Eagles unter Druck setzt.

Die Eagles sind es gewohnt, mit einer Führung zu spielen; dann können sie ihr Laufspiel geduldig aufziehen. Dann kann Nick Foles seine risikolose Offense spielen. Aber was passiert, wenn die Eagles schneller werfen müssen als gedacht? Es gab in mehreren Phasen dieses Jahr Momente, in denen die Iggle-Offense für 2-3 Drives in der zweiten Halbzeit out of sync war, nix aber auch gar nix zustande brachte. Passiert dir das gegen Arizona, okay. Dann kriegste in der Zwischenzeit vielleicht 3 oder 6 Punkte eingeschenkt. Gegen Brees riskierst du 10-14 Gegenpunkte in solchen Phasen.

Wegen des Heimvorteils und wegen des suspekten Defensive Backfields bei den Saints gebe ich den Philadelphia Eagles trotzdem einen leichten Vorteil.

New Orleans Saints in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         7-9    --
Enge Spiele    4-5 
Pythagorean    8.2   (15)
Power Ranking   .489 (18)
Pass-Offense   7.2    (2)
Pass-Defense   7.4   (32)
Turnover        +2

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Saints haben ein Jahr für die Grütze hinter sich: Bountygate, Rechtsstreit mit dem NFL-Commissioner, Head Coach suspendiert, und dann verpasste man nicht nur die Superbowl im eigenen Stadion: Man war sogar zu keinem Zeitpunkt im Rennen um einen Superbowl-Platz, weil man sich nach vier Spielwochen in ein tiefes 0-4 Loch eingebuddelt hatte. Jetzt soll vieles besser werden: Sean Payton ist zurück mit Headset an der Seitenlinie, und noch viel wichtiger: Es werden einige Stellschrauben in der Defense gedreht.

Diese Defense war so absurd schlecht, dass sie ein Team mit der mitunter potentesten Offense in der kompletten Liga in die Kacke ritt: Das von Steve Spagnuolo gepredigte druckvolle Spiel machte nur Druck auf die eigene Secondary und sorgte für eine der schlechtesten Pass-Verteidigungen, die ich in zehn Jahren NFL gesehen habe. Da waren wir nicht mehr weit weg von den 2009er Lions.

Jetzt soll die Abwehr unter dem neuen DefCoord Rob Ryan hauptsächlich zu einer 3-4 Formation umgemodelt werden. Umstellungen brauchen immer Zeit und nicht selten im Kinderschuh-Status mit einigen Leistungsschwankungen verbunden, aber wenn in New Orleans deine Alternative „weitermachen wie bisher“ ist, macht der Systemwechsel Sinn. Denn tiefer kann man eh nicht fallen.

Das wichtigste Ziel muss sein: Vorne halbwegs gegen den Lauf dicht machen und mehr Wirbel im Passrush zu erzeugen. Ich sehe dabei zwei gewaltige Needs: Nose Tackle und wenigstens einmal Outside Linebacker. Die Saints haben in DT Bunkley, DE Cam Jordan und DE Akiem Hicks brauchbare Leute für die Positionen des Defensive Ends, aber keiner ist groß und schwer genug, um die so wichtige Fettsack-Position direkt in der Fresse des Offensive-Centers zu spielen. Ein fehlender Nose Tackle ist in vielen NFL-Teams der Grund, weswegen die 3-4 Defense nicht bis in die letzte Konsequenz zündet – und auch New Orleans dürfte …..

Dahinter die Linebackers: Vilma ließ seinen Vertrag so umbauen, dass er gehalten werden konnte, und Vilma dürfte das System noch aus seiner Zeit bei den Jets kennen und immer noch athletisch genug dafür sein. Aber Vilma deckt (gemeinsam mit Hawthorne/Lofton) eher die Spielfeldmitte ab denn gewaltigen Druck auf den Quarterback zu erzeugen, und da sind wir beim Punkt: Ich würde nicht drauf wetten, dass Wilson und Galette die einzigen Alternativen für die zweitwichtigste Position in der 3-4 Defense bleiben: Outside Linebacker – die Männer, die pausenlos auf den QB geschickt werden.

Die Secondary bekam am meisten auf die Rübe und wenn eine Passdefense 7.4 NY/A aufgibt, ist es nie gut, aber viele der Deckungsprobleme werden sich in nichts auflösen, wenn erstmal „vorne“ der Druck erzeugt wird. Trotzdem ist es um die Tiefe im Defensive Backfield der Saints nicht am besten bestellt: CB Robinson und S Malcolm Jenkins sind die einzigen Athleten mit Starpotenzial, S Harper ist immerhin auch eine Schachfigur, mit der du arbeiten kannst – aber dahinter wird es schnell dünn.

Fazit: Die Abwehr ist noch eine massive Baustelle. Die drei Prioritäten, die nach einer Salarycap-bedingt ruhigen Free Agency bleiben, sind NT, OLB und Ergänzungsspieler auf Cornerback.

Die Offense

Es gibt nach dem Abgang des LT Jermon Bushrod einen wichtigen „Need“ auf der Blindside des QBs Drew Brees; Bushrod war aber nie ein Mann, dem man Top-Niveau nachsagte und deswegen könnte es sein, dass sich die Saints entweder mit einer Billiglösung oder einem Mann aus den Tiefen des eigenen Kaders behelfen, zumal Brees als spielintelligent genug gilt, um viele Protection-Sorgen zu negieren.

Ansonsten ist alles paletti: Brees hat noch minimum drei, vier Jahre auf höchstem Niveau im Armgelenk und wird den Laden gemeinsam mit dem furchtlosen HC Payton zusammenhalten. Die WR-Crew ist in Spitze und Breite nicht mehr das Kaliber früherer Tage, aber gemeinsam mit dem monströsen TE Graham gut aufgestellt. Ich kann mir vorstellen, dass GM Loomis in den hinteren Draft-Runden aktiv wird und einen billigen role player auf WR einberuft.

Auf Running Back hat man den f-a-m-o-s-e-n Darren Sproles, eine Wunderwaffe auf verschiedensten Wegen und einer der vielseitigsten Spieler in der NFL; man hat Pierre Thomas, nicht den verlässlichsten Mann und zudem ein paar Probleme mit den Bändern im Knie, aber gut gebräuchlich für sieben Carries und zwei Catches im Spiel; man hat immer noch den ultimativen Parasiten RB Ivory. Und man hat Mark Ingram jr., dessen Einberufung die Saints immer mehr bereuen dürften. Ingram ist kein schlechter Mann, aber Ingram fühlt sich in New Orleans wie Luxus an – Luxus ohne viel Zusatznutzen. Ich wette, Loomis würde viel geben um den Pick zurückzuhaben um was Gescheiteres damit anzustellen.

Fazit: Offense ist gut aufgestellt. Es gäbe immer ein paar Kleinigkeiten, an denen man arbeiten könnte, aber weil die Defense eine dermaßen große Baustelle ist, erwarte ich nicht mehr als das Einberufen von Entwicklungs-Prospects in der Offense in den späteren Runden.

MNF #9 Preview: New Orleans Saints – Philadelphia Eagles

Was letztes Jahr noch wie die mögliche NFC-Top-Paarung ausgesehen hätte, ist heute Nacht eine Auseinandersetzung zweier kriselnder Franchises: Die Saints (2-5) und Eagles (3-4) torkeln dieser Tage fast nur noch dem rechnerischen Playoff-Aus entgegen.

Bei den Saints ist der Fall klar: Der gesperrte Head Coach Sean Payton fehlt so sehr, dass sich das Team aus dem mentalen Loch nicht mehr herausgraben kann. Die Defense ist so spektakulär überfordert, dass selbst eine MVP-würdige Vorstellung des QB Drew Brees nicht ausreichen würde, um New Orleans in der NFC-Spitzengruppe zu halten. Es fehlt an Pass Rush, es fehlt an adäquater Deckung, und dann hat man auch wenig Glück im Forcieren von Turnovers.

Seelentherapeuten könnten diesbezüglich die Eagles geben, mit dem Turnover-Spezialisten QB Michael Vick (8 INT, 9 Fumbles) an vorderster Front. Die Eagles kranken aber nicht bloß an dieser – abstellbaren – Fehlerorgie, sondern vor allem an einer merklich unrund laufenden Offense.

Dabei gerät immer wieder das PlayCalling der Herrschaften Reid/Mornhinweg ins Visier der Kritiker, wobei ich persönlich die Eagles eher weniger laufen ließe als bisher. RB LeSean McCoy ist eine unglaubliche Waffe, aber kein Arbeitstier; sprich: An Eagles-Stelle wäre es ratsam, mehr und schneller zu werfen, eventuell mehr tief gehen, und per Passspiel den Lauf vorzubereiten. Die Anspielstationen haben die Eagles: WR #10 Jackson, WR #18 Maclin, TE Celek, selbst McCoy ist ein starker Ballfänger. Der Trend der letzten Wochen zeigte allerdings ein Wegrücken von dieser Strategie, hin zu verschrecktem Kurzpasswichsen – überhaupt nicht das, wofür Philadelphias Angriff gebaut ist.

Insofern könnte die verheerende Secondary der Saints hilfreich sein, solange Vick nicht wieder fünfmal das Ei verschenkt.

Ich halte die Eagles weiterhin für favorisiert, was schon allein daran liegen mag, dass ich noch nicht glauben mag, dass das gewaltige Potenzial in dieser Offense nicht zur Entfaltung kommen mag. Ich bin aber mittlerweile durchaus skeptisch geworden, was den verbleibenden Saisonverlauf der Eagles angeht: Die Moves von Head Coach Andy Reid (Entlassung des DefCoords mitten in der Saison) gehen eher in die Richtung „Bauernopfer“, zumal bei aller Kritik an Castillo die Defense in dieser Saison einen sehr ordentlichen Job gemacht hatte, trotz eines nicht mehr so überzeugenden Pass Rushes und eines teilweise arg überforderten CBs Nnamdi Asomugha.

ESPNA und SPORT1+ werden ab 02h30 live dabei sein. ESPNA wird morgen um 18h30 eine Aufzeichnung bringen.