Glaskugel 2013: San Diego Chargers

Nach sechs Jahren Norv Turner ging in San Diego eine Was-wäre-nur-gewesen-wenn-Ära zu Ende wie es nur wenige Was-wäre-nur-gewesen-wenn-Ären gegeben hat. In ehernem Gedenken daher mit einer etwas größeren Ausholbewegung der Griff zur Glaskugel 2013.

Die San Diego Chargers unter Norv Turner haben sich ausgezeichnet durch eine einzigartige Unbeständigkeit. Höhen und Tiefen sind bei jedem NFL-Team normal; hohe Kantersiege und überraschend hohe Schlappen gehören bei jedem Team dazu, einfach weil manchmal sehr wenige (big) plays wie Interceptions oder Special-Teams-Touchdowns schnell aus einem engen Spiel einen scheinbaren blowout machen.

Allein: bei den Chargers umschlich in den letzten Jahren selbst wohlgesonnen Beobachtern manchmal das Gefühl, sie litten unter gefährlichem Konzentrationsmangel infolge zuviel Sonne und einem Überangebot an hübschen Mädchen am Pazifikstrand.

2007 – 2009

Stats 2012

record: 7-9
no playoffs
Pythagorean: 8.0 (16)
DVOA O -10,1% (24)
DVOA D: 2,0% (18)
Sezierstunde korsakoff

Es fing 2007 unter Turner noch richtig stark an: nur die Patriots waren im AFC Championship Game besser. Eine Saison später rieb man sich das erste Mal verwundert die Augen, als Ende November 8 Niederlagen nur 4 Siege gegenüberstehen. Machte aber nix: kurz mal am Riemen gerissen und 160 Punkten in den letzten vier Spielen später war man selbst in den Playoffs und nebenbei Tampas Jon Gruden und Denvers Mike Shanahan in die Arbeitslosigkeit befördert. Mit högschter Konzentration wurden dann sogar Peyton Mannings Colts bezwungen, bevor nur der spätere Super-Bowl-Champion aus Pittsburgh die Sunnyboys in den Schatten stellte.

2009: wieder lausiger Start (2-3), dann aber 11 Siege in Folge mit phantastischer Offense. In den Playoffs folgte aber direkt eine Niederlage gegen die damals noch gefürchtete Rex-Ryan-/Mark-Sanchez-Combo. Es sollte ihr letztes Playoffspiel unter Turner sein

2010 – 2012

Im Jahr darauf stellen Turners Chargers Rekorde für die Ewigkeit auf: Offense und Defense sind nach Yards die besten der Liga – und man verpaßt die Playoffs; die Chargers setzten 74 verschieden Spieler ein; vier Punts werden geblockt und drei Kickoffs läßt man zu Touchdowns zurücktragen.

SD unter Turner

– 2007-2012
– nach erzielten Punkten
immer in den Top5 –
außer 2012 (20.)
– nur einmal negative
Saisonbilanz: 2012

In der Spielzeit 2011 startet San Diego überraschend konzentriert mit vier Siegen in den ersten fünf Spielen – dafür kommt der nächste Sieg dann erst wieder im Dezember, als mit einer 4-7-Bilanz kaum noch Chancen auf die Playoffs bestehen.

Die signature games der letzten Saison waren schließlich das erste Aufeinandertreffen mit den Broncos und das Spiel gegen den späteren Champion aus Baltimore. Gegen Mannings Broncos führt San Diego zur Halbzeit 24-0 – und verliert in der zweiten Hälfte bei sechs Drives fünf Mal den Ball und die Partie 24-35. Baltimore verwandelt kurz vor Schluß einen 4th&29 (in Worten vierter Versuch und neunundzwanwzig Yards zu gehen), rettet sich so in die Verlängerung und gewinnt letztendlich.

What a ride.

Der neue Head Coach Mike McCoy findet nun einen Kader vor, dem es auf wichtigen Positionen in der Offense an Tiefe fehlt; und auf wichtigen Positionen in der Defense an impact players.

Offense

Es ist nur schwer vorstellbar, daß der Angriff besser sein könnte, als letztes Jahr. So madig man auch Quarterback Philip Rivers ob seiner 35 Interceptions in den letzten beiden Jahren machen mag – er kannte Turners Offense aus dem Effeff, fühlte sich in ihr wohl und hatte einige ganz starke Jahre. Jetzt muß er sich in einem neuen System zurechtfinden.

McCoys QBs

2007 Vinny Testaverde
2008 Jake Delhomme
2009 Kyle Orton
2010 Kyle Orton
2011 Tim Tebow
2012 Peyton Manning

Wie das aussehen wird, ist schwer zu prognostizieren. Head Coach McCoy hat lange Jahre unter der Run-First-Old-School-Combo John Fox und Jeff Davidson in Carolina gelernt; dann mit Josh McDaniels aus Kyle Orton einen Quarterback gemacht, der jetzt $5 Millionen als backup verdient; nur kurze Zeit später einen Steinzeitangriff mit Tim Tebow auf die Beine gestellt; bevor Tebow von Peyton Manning ersetzt wurde und McCoy nur noch dessen Assistent war.

Als Offensive Coordinator hat sich McCoy Arizonas Ex-Head-Coach Ken Whisenhunt nach Kalifornien geholt. Die offensive Philosophie wird wohl, vage gesprochen, eher Richtung paßlastig gehen. Zumal das Laufspiel 2012 auch katastrophal war.

Laufspiel und Offensive Line

Der ehemalige 1st-rd pick Ryan Matthews kämpft konstant mit Verletzungs- und Fumblesorgen. Sein backup ist Ronnie “ich-bin-31-Jahre-alt-und-immer-noch-NFL-Running-Back” Brown. Immerhin haben die Chargers jetzt, Jahre zu spät, endlich einen Ersatz für Darren Sproles gefunden. Mit Danny Woodhead kommt aus New England einen quicker space player, der, vielseitig einsetzbar, ein hervorragender 3rd-down-back ist.

Das größte Problem für das Laufspiel war aber die Offensive Line. Hier hat vor allem die Tiefe gefehlt. Die vielen Verletzungen sind natürlich einfach nur großes Pech, aber die backups waren dermaßen unterirdisch, daß Rivers und Matthews wohl keine Krankenversicherung gefunden hätten, die sich dieses Risiko antäte. Aber wenn ein völligst überforderter ungedrafteter Rookie wie Mike Harris der Ersatz des Lazaret-Dauergastes Jared Gaither ist, hat der GM etwas falsch gemacht.

Wie sehr der gesamten Offensive Line Tiefe fehlt, erkennt man daran, daß der nach der Saison 2012 gefeuerte GM A.J. Smith seit 2007 keinen 1st- oder 2nd-rd pick in einen Linienspieler investiert hat und nur einen 3-rd- und einen 4th-rd pick. Diese beiden sind jetzt auch noch weg. Bei Ty Green ist das nicht weiter tragisch, aber Louis Vasquez ist ein Verlust. Auf den Guard-Positionen tummeln sich nur no-Names.

Der diesjährige 1st-rounder wurde in Alabamas Offensive Tackle D.J. Fluker investiert. Er sollte sofort starten, sind doch seine Konkurrenten die unauffälig Handelsreisenden Max Starks (ehemals Pittsburgh) und der riesige, aber recht hüftsteife King Dunlap. Wenn fit, sollten man aus diesen Dreien ein halbwegs taugliches Tackle-Duo machen können. Allerdings sind Dunlap und Starks arbeitslos geworden, weil sie eher selten voll fit waren.

Wide Receivers und Rivers

Einige wahre Juwelen hingegen könnten bei den WRs zu finden sein. Nach vielen Verletzungen hat Danario Alexander ab November auf sich aufmerksam gemacht. Er ist groß und kräftig und hat seine Stärken after the catch. Daneben sorgt Vincent Brown für allerhand vorzeitige Aufregung. Ihm wird enormes Talent nachgesagt; die letzte Saison hat er wegen eines gebrochenen Knöchels gefehlt. Da wird sich Veteran Malcolm Floyd strecken müssen, seinen Stammplatz zu behalten.

Mit dem neuen System von McCoy und Whisenhunt sollte auch Eddie Royal seine Stärken im Slot ausspielen können. Es soll wohl mehr auf kurze, schnelle Pässen gesetzt werden. Richtig groß raus kommen könnte Royal, wenn Tight End Antonio Gates noch eine starke Saison im Tank hätte. Mit zunehmendem Alter (33) und immer mehr Wehwechen ist er nurmehr ein Schatten seiner selbst. 2-Meter-Mann Ladarius Green als Paßfänger und Neuzugang John Philipps als Blocker sollen sich daneben gegenseitig und auch Gates die Snaps streitig machen.

Bleibt noch Quarterback Philip Rivers. Rivers, der den Football wirft wie ein betrunkener Kugelstoßer, war bis mindestens Anfang Saison 2011 unbestritten ein Top-10 Quarterback. Nach 20 INTs 2011 und nichtmal 4000 Yards 2012 ist angeblich nicht einmal ausgeschlossen, daß die Chargers in der nächsten Draft einen neuen QB suchen. Das Talent hat Rivers zweifellos, aber am jetzigen Scheideweg seiner Karriere muß er richtig abbiegen.

Defense

Was Smith bei der Offensive Line falsch gemacht hat, hat er auf der anderen Seite goldrichtig gemacht. Mit Kendall Ryes, Core Liuget (34-DEs) und Cam Thomas (NT) versammelt sich hier eine ganz starke und junge Linie. Wenn Melvin Ingram sich nicht im Frühling das Kreuzband gerissen hätte, wär sogar noch ein passabler pass rusher mit an Board.

Dahinter spielen zwei ebenso junge und talentierte ILB: Donald Butler und Manti Te´o. Bei den OLB finden man dann die ersten Vertreter der Generation Ü25. Dwight Freeney und Jarret Johnson haben als einzige ernsthafte Konkurrenz Denvers ehemaligen 1st-rd bust Larry English im Nacken. Hier ist die Besetzung deutlich zu dünn. Reyes und Liuget sind zwar auch gute pass rusher; aber einen richtigen edge rusher braucht es schon. Das war aber Johnson noch nie und Freeney nicht mehr.

Die Secondary

Schedule

WK1 vs HOU (MNF)
Wk2 @ PHI
Wk3 @ TEN
Wk4 vs DAL
Wk5 @ OAK
Wk6 vs IND (MNF)
Wk7 @ JAX
Wk8 BYE
Wk9 @ WAS
Wk10 vs DEN
Wk11 @ MIA
Wk12 @ KC
Wk13 vs CIN
Wk14 vs NYG
Wk15 @ DEN (TNF)
Wk16 vs OAK
Wk17 vs KC

Eric Weddle, der auch erst 28 ist, führt die Secondary an und wird gemeinhin als bester Free Safety der Liga gepriesen. Neben ihm wird es dann richtig jung. Sophmore Brandon Taylor (3rd-rd pick 2012) wird wahrscheinlich den anderen Safety geben.

Marcus Gilchrist (2nd-rd pick 2011), der im Slot ganz anständig aussah, wird nach den Abgängen der beiden langjährigen Starter an den Seitenlinien Quentin Jammer und Antoine Cason der Nr.1 corner sein. Auf der anderen Seite wird wahrscheinlich der lange Derek Cox spielen, der immerhin vier Jahre Stammspieler war – wenn auch nur in Jacksonville. Um den Platz im Slot streiten sich Shareece Wright (3rd-rd pick 2011) und Johnny Patrick, der ebenfalls 2011 in der dritten Runde gedraftet wurde, aber schon nach zwei Jahren in New Orleans´ secondary keine Zukunft mehr hatte.

San Diegos Defense hat also vor allem viel junges Blut. Wenn ILB Donald Butler, der sehr gute Ansätze gezeigt hat, einen weiteren Schritt nach vorne machen kann und/oder Te´o einschlägt, sind in allen drei levels difference makers am Start. Da John Pagano als Defensive Coordinator gehalten wurde, muß kein neues System einstudiert werden, was der Verteidigung zu Gute kommen sollte.

Ausblick

Den personellen Umbruch, der in den letzten Jahren so mustergültig auf der defensive Seite eingeleitet wurde, hat man auf der anderen Seite leider verschlafen. Sollten die WRs Brown und Alexander richtig steil aus der Kurve kommen, Rivers sich gut zurecht finden in dem neuen System und die Offensive-Tackle-Position nach der katastrophalen letzten Saison stabilisiert werden können, kann der Angriff ganz gut werden.

Und wenn die neuen Cornerbacks nicht baden gehen und Pagano irgendwie auch noch einen vernünftigen Pass Rush herzaubert, sieht auch die Defense gut aus. Einige Wenns sind also dabei. Laufen zwei, drei dieser Wenns falsch, ist das ein 5-11-Team. Andernfalls können die Chargers bis zum Schluß um die Playoffs mitspielen, zumal in einer Division mit Kansas City und Oakland.

Glaskugel 2012: Indianapolis Colts

Hier wird gerade umgebaut. Gehen Sie bitte weiter, es gibt hier nichts zu sehen! Die Colts sind zur Zeit eine einzige Baustelle, auf der zwar noch einige erfahrene Handwerksmeister zugegen sind, aber dies hauptsächlich um die vielen talentierten Stifte anzulernen.

Noch bis 2010 war diese Baustelle das Haus von Peyton Manning. Mit dem Wegbrechen des Fundamentes Manning ist das ganze Haus 2011 einfach eingestürzt. Und was für ein Haus das war! Neun Jahre in Folge mindestens 10 Siege pro Regular Season, neun Mal in Folge in den Playoffs – eine unglaubliche Konstanz, die nicht mal von Belichicks Patriots getoppt werden kann. Daneben hat Peyton noch einige Rekorde aufgestellt, eines der größten Spiele aller Zeiten gemacht (2006 AFC Championship Game) und auch eine Lombardy Trophy in seinen Keller geholt.

Da haben auch immer noch ein paar andere mitgeholfen – Tony Dungy, Marvin Harrison, Reggie Wayne, Tarik Glenn, Dwight Freeney, Bob Sanders, Bill Polian – aber man tut keinem dieser Herren unrecht, wenn man sagt: Peyton Manning war die Colts.

Jetzt ist er es nicht mehr. Nach seiner wieder aufgebrochenen Nacken-/Nervenverletzung und einer ganzen verpaßten Saison mußten die Colts sich entscheiden, ob sie dem 36 Jahre alten Risikopatienten einen $28 Millionen Roster Bonus zahlen oder ob sie nicht lieber das größte Quarterback-Talent seit Peyton Manning (oder wahlweise auch John Elway) draften und um diesen Andrew Luck herum einen neues Haus bauen.

Indy entschied sich für Luck. Auf den Sperrmüll kamen mit dieser Entscheidungen neben Manning auch gleich noch GM Bill Polian, der gesamt Coaching Staff um Jim Caldwell und einige Spieler von Jeff Saturday bis Pierre Garcon. Geblieben von den „großen“ Namen sind nur die DEs Freeney und Robert Mathis sowie WR Wayne.

Neuer Head Coach ist der ehemalige DC der Ravens, Chuck Pagano. Als Coordinators an seine Seite hat sich Pagano Greg Manusky und Bruce Arians geholt. Manusky, ehemals DC der 49ers und Chargers, hat als Linebacker selber noch gegen Peyton Manning gespielt. Arians, stil- und erklärungslos entlassen von den Steelers, hat so seine Erfahrungen mit jungen, talentierten Quarterbacks.

Colts Offense

Der kauzige Mr. Arians began Mitte der 70er Jahre für zwei Dekaden durch die große Assistant-Coaches-Welt in NCAA und NFL zu tingeln. Mississippi State, Temple, Kansas City Chiefs, New Orleans Saints und schließlich 1997 Offensive Coordinator der großen Alabama Crimson Tide. Just 1998 hat dann Jim Mora, HC der Indianapolis Colts, einen guten Mann gesucht, der seinem Rookie-QB eine NFL-Offense näherbringt. Dieser QB, Nr.1 pick selbstverständlich, galt als das größte Talent seit John Elway – Peyton Manning.

Das hat Arians ganz gut gemacht. Nach kurzem Umweg über Cleveland (als OC) landete er dann in Pittsburgh, wo er wieder einen jungen, talentierten QB unter seine Fittiche bekam – Ben Roethlisberger. Das hat auch ganz gut geklappt. Über die Jahre haben Arians/Roethlisberger sich eine sehr schöne Offense installiert, die als eine der wenigen in der NFL noch ein starkes vertikales Element hat. Big Ben war dann auch entsprechend sauer, als er erfuhr, daß er von nun an seinen Weg ohne Arians weitergehen muß, der ihn seine gesamte Karriere über begleitet hat.

Dieser Werdegang prädestiniert Arians dafür, nun auch Andrew Luck den Weg ins NFL-Niveau zu führen. Das witzige an dieser Arians/Luck-Combo ist, daß der heiße College-QB und Fast-Heisman-Gewinner bisher in einem lahmen, euphemistisch „Pro-Style-Offense“ genannten System mit sehr viel 2- und 3-TE-sets gespielt hat, während der ehemalige OC der Pittsburgh Steelers seinen dickarmigen QB am liebsten aus der Shotgun mit 4 WRs quer über das ganze Feld werfen ließ. Man darf gespannt sein, wie die Offense der Colts 2012 aussehen wird.

Schedule

Wk1 @ CHI
Wk2 v MIN
Wk3 v JAX
Wk4 BYE
Wk5 v GB
Wk6 @ NYJ
Wk7 v CLE
Wk8 @ TEN
Wk9 v MIA
Wk10 @ JAX (TNF)
Wk11 @ NE
Wk12 v BUF
Wk13 @ DET
Wk14 v TEN
Wk15 @ HOU
Wk16 @ KC
Wk17 v HOU

Über Luck müssen wir hier nicht mehr viele Worte verlieren. Er ist tatsächlich der „erwachsenste“ College-Quarterback denn ich je gesehen habe. Er hatte alles, aber auch wirklich alles in der Stanford-Offense so souverän unter Kontrolle, daß es wirkte, als hätte der Profi Peyton Manning sich in die Rose Bowl verirrt. Mit einer einmaligen Ruhe und Gelassenheit hat er aus den verschnöselten Cardinal-Jungs einen Bulldozer gemacht.

Talent ist Talent, aber nun ist er in der NFL. Das ist eine andere Welt. Und viel Hilfe wird er neben Arians nicht bekommen. WR Reggie Wayne ist noch da, aber sonst lagen da ab April nur noch Schrott und Ersatzteile rum. Als Ballfänger wären da noch Donnie Avery, ehemals großes Slot-Talent mit drei Catches 2011; die Mensch gewordene Gehirnerschütterung Austin Collie; Blair White, 2011 mit null Catches; und die beiden Rookies T.Y. Hilton und LaVon Brazill.

Der neue GM Ryan Grigson hat sich erstmal dran gemacht, zwei gute Tight Ends für seinen QB zu draften (Dallas Clark und Jacob Tamme sind nicht mehr da). In Runde zwei Lucks alten Stanford-Buddy Coby Fleener und in Runde drei Clemsons Dwayne Allen. Im Backfield lauern noch noch die vom alten Regime hoch gedrafteten RBs Delone Carter und Donald Brown, die beide bis jetzt aber nicht viel reißen konnte.

Offensive Line ist noch schlimmer. Peytons Alter Ego, Center Jeff Saturday ist weg und die anderen vier waren eh unterste Kanone. Die O-Line wurde in den letzten Jahren von Polian sträflich vernachlässigt. Im letzten Jahr immerhin hat man in den ersten beiden Runden zwei Tackles verpflichtet. Anthony Castonzo hatte die ganze Saison über mit einigen Wehwechen zu kämpfen, während Ben Ijalana sich das Kreuzbandriß, sich durch die Reha quälte um sich dann im Trainings Camp erneut das Kreuzband zu zerstören. Daraufhin wurde er entlassen. Sad story.

Als Center wurde Samson Satele verpflichtet, aber wenn man sich die restlichen Namen so anguckt – Winston Justice, Jeff Linkenbach, Joe Reitz, Seth Olsen – da kann sich Luck schon mal ein Schmerztabletten-Abo bestellen.

Colts Defense

Die größte Story in der Defense ist die Umstellung von 4-3 auf das Pagano´sche 3-4, was allenthalben für Kopfschütteln gesorgt hat, weil die beiden besten Spieler, Freeney und Mathis, da scheinbar gar nicht reinpassen. Um das noch mal klarzustellen: für Freeney wird sich nicht viel ändern, er wird einfach die Terrell-Suggs-Rolle spielen, also fast einen klassischen Defensive End. Für Mathis wird es etwas schwieriger. Er muß wohl zumindest in der Base-D die Jarett-Johnson-Rolle übernehmen und den edge setter geben, der keine Läufe über außen zuläßt. Aber da Indys Gegner bei dem horrenden Defensive Backfield wahrscheinlich eh 60 Pässe pro Spiel werfen werden, können die Colts gleich in Nickel- oder Dime-D bleiben und da ist Mathis ein reiner Pass Rusher wie auch zuvor.

Zur Secondary. Antoine Bethea ist ein sehr guter Safety, er bekommt nur leider überhaupt keine Presse. Als Peyton noch da war hat das von vornherein niemanden interessiert und letztes Jahr war Bethea dann verloren zwischen den ganzen Krücken. Neben Bethea wird wahrscheinlich Tom Zbikowski spielen, der jahrelang bei den Ravens von Ed Reed, Rex Ryan und Pagano gelernt hat. Safeties also gut.

Aber die Cornerbacks sind absolut nicht NFL-tauglich. Jerraud Powers ist noch der einzige, der zumindest simple Aufgaben in zone coverage einigermaßen ausfüllen kann. Daneben stehen so Größen wie Justin King, Terrence Johnson, DJ Johnson und Brandon King. Das ist fast schon eine dreiste Frechheit, mit so einer Secondary gegen die Patriots oder Packers antreten zu wollen.

Bei den Linebackers stehen mit Pat Angerer und Kavell Conner zwei junge Typen, die zumindest durchschnittlich gut sind und auch noch besser werden können. Daneben kennt man noch Neuzugang Moise Fokou aus Philadelphia vom „Oh-war-das-schon-wieder-dieser-Fokou-der-da-gerade-gar-nicht-durchgesehen-hat“-sagen. Der Rest sind Rookies und letztjährige Rookies.

Um die Defensive Line komplett zu machen, seien auch noch Fili Moala und Drake Nevis zu erwähnen, beide sehr jung, aber gar nicht sehr gut. Aus Baltimore hat sich Pagano zur Verstärkung die beiden Riesen Brandon McKinney und Cory Redding geholt. Immerhin kennen die das System.

Ausblick Colts

Insgesamt ist das nix in der Defense. Jeweils ein sehr guten Pass Rusher und Saftey umgeben von einem weiteren guten Pass Rusher und zwei, drei anderen mittelmäßigen Spielern, während der Rest deutlich unterdurchschnittlich ist – was soll das werden? Andrew Luck wird wohl den Rekord für die meisten Paßversuche als Rookie aufstellen, weil die Colts so oft großen Rückständen hinterherlaufen müssen. Ganz in Ruhe um- und aufbauen ist angesagt. Die AFC South ist wohl die schwächste Division mit ebenfalls umbauenden Jaguars, mittelmäßigen Titans und geschwächten Texans. Aber trotzdem gibt es nicht die kleinste Hoffnung auf die Playoffs.