Buffalo Bills in der Sezierstunde

Für die Buffalo Bills war 2013/14 die alte Leier: Mal wieder wurde ein neuer Trainerstab in die Stadt gebracht, mal wieder sprang eine generische 6-10 Saison heraus, die nicht allzu viel Angriffiges hatte. Beginnen soll die Sezierstunde zu den Bills aber mit einem aktuellen Ereignis, das den Endpunkt einer Ära für diese Franchise markiert: Den Tod des Franchise-Gründers und Owners, Ralph Wilson jr., der am Dienstagabend 95-jährig verstarb.

Ralph Wilson jr., ein Weltkriegsveteran und Geschäftsmann aus Detroit, wollte in den 50ern unbedingt eine NFL-Franchise besitzen. Man muss wissen, dass es eine Zeit war, in der es noch keine Superbowl gegeben hatte und in der der Profi-Football noch immer ein Schattendasein fristete. Er kaufte sich als Minderheiteneigentümer bei den Lions ein, aber er sah keine Chance, an der dort übermächtigen Ford-Familie – gerade in der Blütezeit des Automobil-Booms befindlich – vorbeizukommen. Also versuchte er sich gemeinsam mit anderen Kollegen an der Gründung einer neuen Franchise, erst in der NFL, dann, als er keine Chance sah, via Gründung einer neuen Liga, der späteren AFL. Er wollte im sonnigen Miami spielen, zog aber den Kürzeren. Also wandte er sich an Buffalo. Seine Worte im Gründerbrief an den AFL-Gründer sind legendär:

Count me in with Buffalo.

Wilson galt stets als Mann, der die Ligainteressen über die eigenen stellte. Er finanzierte die Raiders und Patriots in schweren Zeiten um deren Fortbestand und damit auch den Fortbestand der jungen AFL zu ermöglichen. Er war stets auch Vertreter der kleinen Märkte, und er galt als sehr verbunden mit der Region um Buffalo, einem der unattraktivsten Märkte der NFL.

Seit vielen Jahren kursierten die Gerüchte, dass Wilson die Bills nach seinem Tod nicht an seine wenig footballbegeisterte Familie überschreiben würde (u.a. wegen der exorbitanten Erbschaftssteuern), aber es war immer klar, dass Wilson die Franchise zu Lebzeiten nicht aus Buffalo abziehen würde, trotz Annäherungen zum Beispiel mit dem Markt Toronto, wo man seit Jahren ein (allerdings wenig ertragreiches) Heimspiel der Regular Season austrägt. (Toronto dürfte sich mittlerweile selbst disqualifiziert haben)

Wilson verlängerte 2012 den Vertrag mit der Stadt Buffalo um zwölf Jahre bis 2023, mit allerdings einer relativ billigen Ausstiegsklausel (28 Mio. Dollar) im Frühjahr 2020. Mit seinem Tod geht die Besitzerschaft der Franchise fürs Erste an eine von ihm gegründete Stiftung. An der Leitung und dem Sportlichen Management wird sich erst einmal nichts ändern. Wie der Verkauf der Franchise von dannen geht, ist noch nicht ganz geklärt. In den letzten Jahren formierte sich rund um den ehemaligen Hall of Fame-QB der Bills, Jim Kelly, ein Konsortium, das die Bills in Buffalo zu halten versuchte; allein: Kelly hat momenten schwer krebskrank andere Sorgen.

Atmosphärisch stimmungsvoll ist der Tribut der Bills an den verstorbenen Owner (H/T Allesaussersport):

Überblick 2013

Record         6-10
Enge Spiele    4-4
Pythagorean    6.7    22
Power Ranking  0.511  17
Pass-Offense   5.4    29
Pass-Defense   5.3     3
Turnovers      +3

Management

Salary Cap 2014.

Sportlich gesehen haben die Bills eine Saison mit sehr starker Defense (u.a. drittbeste Pass-Defense mit 5.3 NY/A) hinter sich, aber die murmeltierähnlichen Offense-Probleme lassen die Mannschaft weiterhin nicht los. Der neue Head Coach Doug Marrone musste um viele Verletzungen und extrem unerfahrene Jungspunde auf Quarterback herum basteln, und es ist angesichts der Umstände ein kleines Wunder, dass diese Offense zeitweise sogar halbwegs rhythmisch aussah. Wenn du ein Saisonviertel auf einen ungedrafteten Rookie wie QB Jeff Tuel (59% Completion-Rate, 5.7 NY/A) bauen musst, darfst du auch keinen Ansturm auf die Divisionsspitze erwarten.

Der mit Pauken und Trompeten in der ersten Runde des Drafts geholte QB E.J. Manuel hatte – bei ihm nichts Ungewöhnliches – mit vielen kleineren und mittelschweren Zipperlein zu kämpfen. Manuel fand in seinem Einstandsjahr in der Liga nie den entsprechenden Groove, ja wirkte zeitweise sogar richtig deplatziert. Manuel ist ein unkonventioneller Spielertyp, beweglich, aber manchmal etwas ungestüm in seiner Wurfbewegung, was an schlechten Tagen so ungewöhnlich aussieht, dass man sich fragt, wieso so ein Mann NFL-QB werden konnte. An guten Tagen lief die vielschichtige und sehr geschwindige Offense der Bills aber rund genug, dass man Marrone und Manuel durchaus noch 1-2 Jahre Chance geben möchte (Manuel hatte nur 5.2 NY/A).

Abseits vom Quarterback ist die Bills-Offense auf den Skill-Players sehr flott besetzt. Das RB-Pärchen Spiller/Jackson gehört zum besten one-two punch der Liga. Spiller konnte wie erwartet nicht an seine furiose 2012er-Saison anschließen, aber mit 4.6 Y/A war er doch wieder effizient genug, während Jackson die Touchdowns in der RedZone abstaubte (9 für Jackson, nur 2 für Spiller).

Bei den Wide Receivern fiel auf, dass Stevie Johnson und der Rookie Robert Woods über 100x angespielt wurden, aber beide relativ niedrige Catch-Rate hatten. Das dürfte in erster Linie von der instabilen QB-Situation gekommen sein und sich bessern. Johnson war dabei der Slot-Mann für die kurzen Pässe, Woods mit 34% tiefen Anspielen eher der Mann für die Mitteldistanzen. Als echtes deep threat wurde – wenig überraschend für den, der den Draftprozess 2013 näher verfolgte – der halbe Leichtathlet Marquise Goodwin (hätte in der US-Olympiastaffel mitlaufen können) implementiert: Goodwin machte zwar nur 9 Saisonspiele, aber mit 53% tiefen Anspielen ganz klar der Mann, dem man die tiefen Bälle zukommen lassen will.

Der Offense fehlt allenfalls eine adäquate Ergänzung von der Tight End-Position, was auch der Grund ist, weswegen so viele für die Bills an der Draftposition #9 in der ersten Runde einen Tight End wie Eric Ebron sehen. Die Logik und die Zahlen würden es hergeben; bleibt halt die Frage, ob Marrone und sein GM Doug Whaley das ähnlich sehen.

Zumal die Bills-Offense den Auguren nach in der Offensive Line durchaus Verstärkung auf der rechten Flanke gebrauchen könnte. In einer Draftklasse, die mehrere exzellente OT-Prospects hat, könnte auch der Griff zu einem Tackle eine gute Wahl sein.

Die Defense der Bills war zuletzt vor allem gegen den Pass erwähnt fantastische Einheit. Trotzdem gibt es etliche Fragezeichen vor dem Start der neuen Saison. Das allergrößte kommt vom Coordinator-Wechsel: Mike Pettine, der Architekt hinter der sehr starken Defense, wurde relativ spät von den Cleveland Browns abgeworben. Als Nachfolger wurde der von den Detroit Lions geschasste Jim Schwartz eingestellt.

Nicht, dass Schwartz ein schlechter Defensive Coordinator wäre: Schwartz hat jahrelange Erfahrung aus seiner Zeit in Tennessee und gilt als echter Guru im Verbessern von Defensive Lines, aber auf der anderen Seite geht seine Vita bis dato fast ausschließlich durch Konzepte von 4-3 Defenses. Die Bills waren im letzten Jahr eher mit 3-4 Konzepten Pettines aufgestellt. Schwartz ließ schon verlauten, adaptiv sein zu wollen. Das eingekaufte Spielermaterial jedenfalls lässt noch keine Rückschlüsse zu, was Buffalo denn nun wirklich spielen wird.

Das zweite große Fragezeichen kommt mit dem Abgang vom FS Jairus Byrd, der nach Jahren des Vertragsstreits zu den Saints ziehen gelassen wurde. Man hätte Byrd – anerkannt einer der besten Free-Safetys – gehaltsmäßig locker halten können, was die Entscheidung suspekt macht. Byrds Abgang reißt jedenfalls eine große Lücke in eine Secondary, zu der man endlich einmal hatte Vertrauen gewinnen können. Mit Williams und Searcy stehen zwei sehr junge Alternativen zur Verfügung, aber beide gelten nicht als Idealbesetzung. Man kann durchaus erwarten, dass die Bills im Draft in der zweiten oder dritten Runde nach einem Nachfolger für Byrd greifen werden.

Auf Cornerback dürfte man gesattelt sein: Stephon Gilmore, der leider eine Saisonhälfte von 2013 verpasste, gehört zu den aufstrebenden Talenten und ist schon ein halber Shutdown Cornerback. Sehr unterschätzter Mann. Seine Positionskollegen wie McKelvin oder der eingekaufte Corey Graham aus Baltimore machen diese Position auch in der Tiefe zu einer, mit der sich arbeiten lässt.

Doch noch einmal zurück zur Front-Seven: Egal, was Schwartz denn nun philosophisch spielen lässt, für die Innen- und Außenseite sind großartige Spieler vorhanden: Innen kannst du auf Leute bauen wie den angehenden Superstar Marcel Dareus, den jahrelang so verkannten Kyle Williams oder den Jungstar Alan Branch. Das sind alles hochklassige Talente, die du allenfalls mit dem einen oder anderen Mann für die Rotation unterstützen möchtest. An den Flanken kannst du einen Mario Williams oder Manny Lawson mit Ergänzungsspieler Jerry Hughes einbauen – auch keine Schlechten ihres Fachs. Gerade Mario Williams steht mit seinem Monstervertrag in diesen Tagen noch einem Stellvertreter für den verzweifelten Versuch des Ralph Wilson, auf dessen alten Tage noch einmal das Schicksal der Franchise zu wenden.

Bei den Linebackers wurden dem sensationellen Rookie-LB Kiko Alonso (105 Successes; Success = entweder Turnover, Tackle für positive EPA) brauchbare Free-Agents wie LB Brandon Spikes (Run-Defender) oder LB Keith Rivers (kam von den Giants, gilt aber als etwas hüftsteif) zur Seite gestellt.

Alles in allem ist die Defense vom Spielermaterial einen Free-Safety davon entfernt, wieder vorne mitzuspielen, sofern die Philosophie-Frage zur Zufriedenheit geklärt wird. Vielleicht wird man keine 4.1% INT-Quote mehr fangen, vielleicht wird man auch keine 5.3 NY/A im Passspiel mehr schaffen, aber die Defense sollte erneut zu den besseren gehören.

Im Prinzip muss Buffalo folgende Stellen im Kader angehen:

  1. Free Safety
  2. Right Tackle
  3. Tight End

Das sind die „Needs“. Wer will aber schon ausschließen, dass die Bills, sagen wir, einen OLB Khalil Mack draften, wenn er zu ihnen runter auf die #9 im Draft fällt? Tight End hin oder her, in solchen Fällen nimmst du das Supertalent auf einer anderen Position und hoffst, mit deinem TE Chandler durchzukommen. Aber das sind Spielchen, die sich im Laufe des Drafts ergeben.

Quarterback dürfte wie schon erörtert erstmal noch mit mittelfristigem Fokus unangetastet bleiben; vielleicht holt sich Buffalo noch einen erfahrenen und routinierten Backup, um im Zweifelsfall nicht mehr auf Tuel angewiesen zu sein. Insgesamt ist die Mannschaft also gut aufgestellt. Vom Head Coach habe ich auch ein eher positives Bild. Zum Durchbruch muss halt der QM Manuel seinen Teil beitragen – und das ist vielleicht der schwierigste Teil.

NFL Notizblock, Week 5: TNF Buffalo Bills @ Cleveland Browns

Buffalo gegen Cleveland, primetime. Puh. Aber, wie auch korsakoff gestern schon geschrieben hat: es braucht gar nicht viel, um sich dieses match-up schönzureden. Die Buffalo Bills (2-2) haben mit Mike Pettine den Adotpivsohn Rex Ryans als Defensive Coordinator. In Verbindung mit einer Linie bestehend aus Kyle Williams, Marcell Dareus, Mario Williams und einem Top-Rookie in LB Kiko Alonso ist einige Unterhaltung garantiert (und wenn später noch Safety Jairus Byrd und Cornerback Stephon Gilmore zurückkehren, ist das Potential unbegrenzt). Auf der anderen Seite des Balles haben sie mit C.J. Spiller und Fred Jackson eines der explosivsten backfields weltweit. Der QB ist ein 1st-rd pick und der HC hat eine unterhaltsame up-tempo offense installiert. So fuhren sie in den Dawg Pound die Factory of Sadness zu den ebenso unterhaltsamen Cleveland Browns (2-2). Weiterlesen

Date am Donnerstag, #6: Cleveland Browns – Buffalo Bills Preview

Es ist Oktober um Oktober ist der Monat des Brustkrebs-Gedenkens. Ab heute wird es also wieder für mehrere Spieltag eine sehr rosarot angehauchte NFL geben. Los geht es heute Nacht ab 02h30 bei SPORT1 US mit einem Spiel zweier Außenseiter. Übertragender Sender ist das NFL Network mit seinen Star-Kommentatoren Brad Nessler und Mike Mayock. Weiterlesen

NFL Notizblock, Week 2: Carolina Panthers @ Buffalo Bills

Und wieder haben die Carolina Panthers ein knappes Spiel verloren. An diesem Sonntag waren aber weder HC Ron Rivera noch QB Cam Newton die Schuldigen. Den entscheidenden Fehler machte der allseits hochgelobte LB Luke Kuechly. 20 Sekunden vor Schluß wirft Bills Rookie Quarterback E.J. Manuel eine Interception – und Kuechly fährt wie ein angetrunkener Proll in der Disko die Schulter gegen den WR aus. Pass Interference, 1st Down Buffalo an Carolinas 11-Yard-Linie. Zwei Spielzüge später will kein DB Stevie Johnson verteidigen, wofür dieser sich mit dem siegbringenden TD bedankt.

Den Drive vorher hat Carolinas Offense fast lehrbuchmäßig durchgezogen. Mit erfolgreichem Laufspiel und den dicken Beinen von Newton nehmen sie fünf Minuten von der Uhr, gehen per Field Goal mit 23-17 in Führung und lassen Manuel & Co. nur 90 Sekunden auf der Uhr und die Aufgabe, die Endzone zu erreichen.

Die gesamt Zeit über war das ein enges Spiel ohne viele Aufreger und Aufregendheiten. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick bleiben Fragen an Carolina. Die nach dem Spiel letzte Woche gegen Seattle so – zu Recht – hoch gelobte Front Seven sah nicht viel Land gegen Buffalos Explosivitätswerk im Backfield. C.J. Spiller und Fred Jackson sprinteten und wuselten sich leichtfüßig durch die Klauen der Panther. Von DT Star Lotulelei war nicht viel zu sehen, auch nicht von den anderen D-Linern. Selbst Kuechly wurde ein-, zweimal auf dem falschen Fuß erwischt. War das nur ein Ausrutscher gegen einen sehr starken Laufangriff?

Das war aber alles zu verschmerzen, weil Rookie Manuel offensichtlich die klare Ansage hatte, um Himmels Willen ja nur jeden Fehler zu vermeiden und nichts Großes zu versuchen. Er machte denn auch nur zwei Fehler – allerdings kostspielige. Kuechly schlich sich zu Beginn des vierten Viertels in Manuels passing lane und schnappte sich dessen Paß. Im Drive vorher verlor Manuel bei einem Sack den Ball an der eigenen 16-Yard-Linie. Buffalos D verhinderte das Schlimmste und hielt Carolina bei jeweils einem Field Goal.

Was direkt zu der zweiten Frage an Carolina, insbesondere OC Mike Shula führt: was denkt ihr euch eigentlich bei diesen game plans? Ratlos bleibt man zurück. Es wird gepaßt und gepaßt und gepaßt. Selbst bei 1st Downs wird geworfen als gäbe es keinen Morgen mehr. Weil das schon länger so ist und sich auch dieses Mal wieder bestätigte, hat vor allem DE Mario Williams immer sofort den Weg zum QB gesucht und sich nicht weiter um die RBs gekümmert. Damit sprangen für Williams 4,5 Sacks heraus. Was Carolina da schon seit längerer Zeit veranstaltet , erinnert an das letzte Jahr von Brian Schottenheimer bei den Jets. Auch da spielte das running game nur noch ein nachgeordnete Rolle und dem mittelmäßigen QB wurde ein Rolle zugedacht, wie man sie vielleicht Rodgers/Manning/Brady übertragen kann, aber nicht einem Newton. Sicherlich: man erwartet viel von Newton und das sollte man auch. Er hat alles Talent der Welt and he can make every throw, wie man so sagt. Aber genau wie Sanchez wirft er die Bälle zu oft ganz plump an seinen Anspielstationen vorbei. Ich weiß nicht, woran das liegt, diese komische Inkonsistenz: manchmal wirft er schwierigste Pässe perfekt, manchmal die einfachsten ins Niemandsland (meistens zu hoch).

Und dann auch noch die sogennante „read option„. Bei Carolina gibt es gar keine Optionen, weil Newton jetzt gegen Buffalo immer an den RB übergeben hat. Nachdem die Bills das spitzgekriegt haben, wurde dieser dann regelmäßig von der Williams-Dareus-Williams-Dampfwalze einbetoniert. Ja, Newton hat auch nix zum Arbeiten neben WR Steve Smith und TE Greg Olsen, aber gerade deshalb sollte sich Shula mehr an seinen personnel begrenzten Möglichkeiten orientieren, als an seinen feuchten Träumen beim Gedanken an Newtons Arm.

Das wird jetzt wahrscheinlich etwas untergehen, weil es so ein knappes Spiel war. Zu Beginn des dritten Viertels hat auch Buffalos D da sehr großen Anteil dran gehabt. Zweimal wurde durch dämlichste Strafen aus einem 3&out jeweils ein neuer 1st Down. Für die Cardiac Cats geht schon wieder genauso schlecht los wie letzte Saison. Und genau wie letzte Saison geht es auch jetzt wieder in Woche 3 gegen die New York Football Giants. Letzte Saison wurde die Panthers da dermaßen verprüfgelt, daß sie fast zwei Monate brauchten, um sich davon zu erholen.

Die Quarterbacks im NFL-Draft 2013

Die Quarterback-Klasse von 2013 gilt als schwächste seit vielen, vielen Jahren. Die Quarterback-Position ist die Leuchtturm-Position der NFL und ergo auch des NFL-Drafts. Durch das Fehlen eines Superstars auf Quarterback hat der Draft 2013 ein merkwürdig gesichtsloses Erscheinen. Es gibt aber auch die andere Seite, die da wäre: Viele unterschiedliche Spielertypen für unterschiedliche Spielsysteme in einer Liga, in der immer noch zumindest drei, vier Teams händeringend nach einer akzeptablen QB-Lösung suchen. Das macht den Draft 2013 aufregend: Es gibt kein Top-Prospect. Es ist völlig in der Schwebe, wann die ersten Quarterbacks vom Board gehen, welche es sein werden, wie viele Quarterbacks überhaupt in der ersten Runde gehen (die Rede ist zwischen eins und vier). Diese Unsicherheit weiß ich noch nie. Und sie ist spannend.

Ebenso spannend, wie die höchst gehandelten Prospects, die nicht so langweilig sind, wie man annehmen würde. Ich stelle sie heute vor im wohl längsten Blogeintrag ever auf Sideline Reporter.

Geno Smith: Der schwarze Schlaks

Geno Smith - Bild: Wikipedia

Geno Smith – Bild: Wikipedia

Geno Smith gilt als komplettestes Paket unter den diesjährigen Quarterbacks. Er ist groß gewachsen, wirft schöne Bälle und kann im Notfall mit seiner geschmeidigen Art auch die 15 Yards zum neuen 1st down selbst zurücklegen. Geno Smith fabrizierte am College bei den West Virginia Mountaineers atemberaubende Zahlen jenseits von Gut und Böse. Man muss dieses Stats aber in den richtigen Kontext setzen. Erstens: Geno Smith spielte erst in der Big East Conference, und dann in der Big 12 Conference. Das sind Ligen, die für ihre Passfeuerwerke bekannt (oder berüchtigt) sind. Zweitens: Geno Smith spielte in den letzten beiden Jahren unter der Aufsicht von Dana Holgorsen, einem der treibenden Köpfe hinter der „Air Raid“-Offense.

„Air Raid“ ist ein Passspektakel, das die breiten Hash Marks am College nutzt, und mit einer gnadenlosen Spread-Aufstellung aus der Shotgun-Formation dem Quarterback relativ leichtes Spiel bietet: Viele offene Räume, wenige richtig schwierige Würfe. So sah auch die Mountaineers-Offense aus, mit ihren Dumpoffs für WR Stedman Bailey und das gelbe Blitzlicht, WR/HB Tavon Austin. Smith musste vergleichsweise wenig beisteuern. Die Yards nach dem Catch machten die Musik.

Ganz zufällig entstanden die fantastischen Zahlen aber auch nicht. Smith wird mit 1,88m und 100kg Kampfgewicht NFL-Gardemaß nachgesagt und der Wurfarm gilt als sehr gut, wenn auch nicht in den Sphären eines Aaron Rodgers oder Matthew Stafford. Hat Smith einen guten Tag und Zeit in der Pocket, nimmt er Defenses problemlos auseinander. Zu beobachten ist auch das gewisse „Etwas“, dieses Selbstvertrauen, auch die schwierigen Pässe in Doppeldeckungen zu werfen, die sich mittelmäßige College-Quarterbacks nicht trauen. Das spricht für eine gesunde Portion Selbstvertrauen bei Smith.

Das komplette Kartenhaus bricht aber in dem Moment zusammen, in dem Gefahr in Verzug ist, oder in Footballsprache: Der Passrush durchzubrechen droht. Es spielt dabei nicht mal eine so große Rolle, ob wirklich gleich alle Blitzes einschlagen; es ist dieser Anflug, dass es gleich auf die Fresse geben könnte. Diese Momente sind diejenigen, bei denen Geno Smith die Angst in die Augen geschrieben steht und er die Contenance verliert. Wo ein Brady zwei Schritte nach vorn macht und den Defensive End ins Leere greifen lässt, gibt Smith den Gabbert-Klone und hühnert drei Meter rückwärts genau in dessen Arme. Das ist der gute Fall. Die schlechten sind Fumbles und Interceptions.

Glaubt man US-Experten wie Mayock oder Cosell ist der gefühlte Druck bei Geno Smith dessen Hauptproblem und erklärt nicht nur viele Sacks, sondern auch, weshalb immer mal wieder ein eigentlich simpel ausschauender Ball auf einen meterweit frei gelaufenen Receiver ins Nichts fliegt: Smith wird technisch unsauber und gibt zuviel Druck in den Wurf. Lochpässe sind im Soccer ein probates Mittel; im Football sind sie ein verschenktes Down.

Smith arbeitete in der Offseason mit einigen anerkannten Quarterback-Gurus zusammen, um seine Technik und das Spielverständnis zu verbessern; in kurzen Hosen auf dem Trainingsplatz waren die Verbesserungen spürbar. In wirklichen Spielsituationen konnte er den Fortschritt freilich nicht beweisen, weil es die nicht mehr gab.

Die Offenses des Dana Holgorsen sind zwar nicht reine one read-Offenses (one read = Quarterback schaut sich nur nach einem ausgemachten Ziel um und läuft los, wenn dieses abgedeckt ist), aber es gilt trotzdem als Konsens, dass Smith nicht die ganz schwierigen Sezier-Aufgaben hatte, wenn es um Verständnis von Intentionen der gegnerischen Defense ging. Scouts wie Cosell machten bei Smith die Tendenz aus, zu lange auf dieses erste Ziel zu starren, und dann den Wurf ebenda hin anzubringen. Das gelingt dir in besagter breiter College-Offense, führt in der NFL aber eher zu fünf Interceptions denn fünf Touchdowns. Problem für Smith: Man ist sich nicht einig, ob diese Tendenz mit Coaching auszumerzen ist.

Es gab im April einen verheerenden Scouting-Report der eigentlich anerkannten US-Zeitschrift Pro Football Weekly, die Smith menschlich auf eine Stufe mit Jamarcus Russell oder Mario Basler stellte – ein Artikel, der Smith in der Öffentlichkeit im Nachhinein eher geholfen als geschadet haben dürfte: Die Fraktion pro Smith – so ziemlich alle außer PFW – reagierte mit Unverständnis und es gilt als ausgemacht, dass Smith ein Arbeitstier ist, der nicht an fehlendem Fleiß scheitern wird.

So haben wir den Frontmann und gleichzeitig das Symbol der Quarterback-Klasse von 2013: Ein beweglicher Mann mit guten Grundvoraussetzungen, der an einigen Stellen im Repertoire eines Quarterbacks noch nicht geschliffen ist und mit Passrush nicht klarkommt, aber nicht auf der faulen Haut liegt, sondern intensiv an seinen Schwächen arbeitet.

Es steht außer Frage, dass Geno Smith in anderen Draftklassen nicht in der ersten Runde einberufen würde, aber 2013 ist ein Ausnahmejahr. Das Verlangen der Teams nach Quarterbacks wird letztendlich dazu führen, dass er irgendwann im Verlauf der Nacht auf Freitag (also in Runde 1) einen Abnehmer finden wird. Und das garantiert uns mehr oder weniger einen Geno Smith, der in Kürze als NFL-Starter auf dem Feld stehen wird.

Ein weiterer schwarzer Quarterback, und ein sympathischer dazu. Forza, Geno.

Matt Barkley: Sonnyboy mit gutem Herzen

Matt Barkley - Bild: Wikipedia

Matt Barkley – Bild: Wikipedia

Matt Barkley ist der komplette Gegenentwurf zu Geno Smith: Weiß, etwas dicklich, Grobmotoriker, aber aufgewachsen in einer „Pro Style“-Offense in einem der medial meistbeachteten Colleges, der University of Southern California. USC hatte sich in den vergangenen zehn Jahren einen Ruf als Ausbildungsstätte von überhypten QB-Prospects erarbeitet, Granaten wie Carson Palmer, Matt Leinart, Matt Cassell, Jon David Booty oder Mark Sanchez sei Dank. Barkley galt als der nächste in der Linie, und hätte er vor einem Jahr den Weg in die NFL gesucht, er wäre mit dem achten Pick zu den Miami Dolphins gegangen.

Tat er nicht. Matt Barkley erlebte am College keine einfache Zeit, sollte als Nachfolger des charmanten Modelgesichts Sanchez in den Tumult geschmissen werden, aber dann kam erst mit Lane Kiffin ein Arschloch als Head Coach, ehe die NCAA mit Strafen auf Verstöße der Uni Mitte der 2000er Jahre reagierte und USC von allen Bowlspielen ausschloss. Barkley spielte eine starke 2011er-Saison gegen einen schwachen Schedule, konnte sich aber nicht mit „seinem“ Bowlspiel verabschieden und entschied sich, am College zu bleiben.

Und weil man bei den Jungs, die an der Uni vier Jahre durchspielen, mehr Zeit hat, die Fehler zu finden, gilt Barkley heute nur mehr als mittelmäßiges Prospect. Der große Werfer für die sensationellen Pässe in Dreifachdeckung war er nie, das hatte nie jemand bestritten, aber in einem Jahr, in dem USC alle Hoffnungen mehr als enttäuschte, konnte auch Barkley nix gegen einen Absturz aus dem Lehrbuch machen. Er ließ sich narrisch machen, warf ungewohnte Pässe in gedeckte Zonen.

Als er sich erfangen hatte, schlug eine Schulterverletzung zu. USC qualifizierte sich für die Bowl Season und durfte diesmal auch mitspielen. USC wurde für die Sun Bowl am Silvesterabend nach Albuquerque (noch mal: Albuquerque) ausgewählt. Albuquerque liegt in der Wüste von New Mexico und ist für die Großstadtjungs aus Los Angeles in etwa so aufregend wie der tägliche Sonnenuntergang.

Insofern kann man drüber streiten, ob Barkley gestraft oder belohnt war, weil er aufgrund besagter Schulterverletzung nicht mitspielen konnte. Jetzt wartest’ vier Jahre auf dieses Spiel und dann ist es erst die Pest und dann biste auch noch verletzt. Scheiße hoch drei.

Das war die Anekdote, aber ärgerlicher war, dass Barkley aufgrund besagter Schulter auch in der Offseason wenige Trainingseinheiten bestreiten konnte und wenige Gelegenheiten hatte, die aufgekommenen Zweifel zu widerlegen. Als sicher gilt: Barkley ist mit seinem sehr präzisen Wurfarm gemacht für eine timing-orientierte Kurzpassoffense. Das ist ein Spielsystem, auf dem viele NFL-Playbooks basieren, aber die meisten OffCoords gehen mittlerweile dahin, ihre System zu öffnen, tiefere Elemente einzubauen, um die Abwehr auseinander zu ziehen. Da macht der Barkley nicht mit.

Persönlich war ich nie von Barkleys Standing, seiner Präsenz in der Pocket, seinem Mut, seiner Antizipation, überzeugt. Barkley ist ein weiterer dieser blassen Jungs, die jedes Jahr in Massen aus dem College kommen, in der NFL wenns gut läuft zwei, drei Jahre spielen, ehe sie ausgeguckt sind, und weil sie nicht den Zauberarm haben, können sie nicht mehr antworten, wenn der Gegner die Gretchenfrage stellt.

Da Barkley ein gutherziger Mann ist, der in seiner Freizeit in Afrika Lehmhütten für das Straßenvolk baut anstatt mit Paris Hilton in Nachtclubs zu tanzen, ist man trotzdem geneigt, dem Mann alles Gute zu wünschen. Vielleicht bricht Barkley ja den Trend. Viele Experten, auf die ich was gebe, sehen in Barkley ein Talent für die dritte oder vierte Runde und verweisen drauf, dass sein „big School“-Status ihn nach oben spüle. Andere sehen ihn als solide Option für die erste oder zweite Runde. Ausgehen kann man Stand heute von letzterem.

Tyler Wilson: Mein Coach ist ein Affe

Prospects 2013

Name                  Rd
Geno Smith            1
Matt Barkley          1-2
EJ Manuel             1-2
Ryan Nassib           1-2
Mike Glennon          2-3
Zac Dysert            2-4
Tyler Bray            2-4
Tyler Wilson          2-4
Matt Scott            2-5
Landry Jones          3-4
Brad Sorensen         5-7
Sean Renfree          5-7
Collin Klein          7
Ryan Griffin          7

Mayocks Top-5

1 - Smith
2 - Manuel
3 - Barkley
4 - Nassib
5 - Bray
5 - Glennon

Wenn Matt Barkley von einem Arschloch gecoacht wurde, was soll dann Tyler Wilson denken? Der musste an der University of Arkansas zwei Jahre hinter dem Suffkopp Ryan Mallett versauern, ehe er von der Leine gelassen wurde und die Offense von Head Coach Bobby Petrino auf ein neues Level hob. Für Bobby Petrino zu spielen ist so ziemlich die zwiespältigste Aufgabe, die man sich vorstellen kann: Auf der einen Seite sind dir großartige Statistiken quasi a priori geschenkt. Auf der anderen murmelst du den ganzen Tag lang „Hurensohn. Arschloch. Vollidiot.“

Die Quarterbacks des Bobby Petrino genießen in der NFL keinen allzu guten Ruf, was daran liegt, dass sie quasi ausnahmslos die Erwartungen enttäuschen. Das liegt daran, dass Petrino ein one read-ähnliches System spielen lässt, das seine Passoffense am College gut aussehen lässt, wenn der Quarterback nur schnell genug den Ball aus der Pocket bekommt. In der NFL geht das nicht, weil der Gegner zu schnell, zu stark, zu schlau ist. Es gibt Spieler, die aus einem one read-ähnlichen-System kommen und es gepackt haben (Cam Newton). Die meisten schaffen es nicht.

Tyler Wilson war nach seinem ersten Jahr als Starter seines Head Coaches beraubt, da Bobby Petrino das machte, was er immer macht: Eine Schweinerei. Petrino fuhr ohne Helm mit dem Motorrad durch die Gegend, eine hübsche Kellnerin im Schlepptau. Es passierte ein Unfall. Petrino versuchte zu vertuschen was noch zu vertuschen war, aber es misslang. Es kam ans Licht, dass die Kellnerin nicht die einzige war, mit der Petrino seine Frau und seine Kinder hintergangen hatte. Petrino wurde gefeuert, Arkansas lag in Trümmern, und Tyler Wilson musste ohne den Lehrmeister die Offense orchestrieren.

Er spielte erwartet schlecht. Der Wilson von 2011 ist ein komplett anderer Quarterback als der Wilson von 2012. Es gilt ähnliches wie bei Barkley: Ein Jahr mehr, um die Schwächen offenzulegen. Diese wären da der etwas limitierte Wurfarm, eine leichte Allergiereaktion auf zu starken Passrush und zu viele forcierte Pässe. Weil Wilsons Hände außergewöhnlich klein sind, ist der eine oder andere Fumble vorprogrammiert.

Was dagegen für Wilson spricht, sind seine Führungsqualitäten und der bedingungslose Einsatz. Im Notfall steht Wilson bis zur allerletzten Sekunde in der Pocket seinen Mann und versucht noch den Pass anzubringen, wenn die ersten beiden Rippen schon knacksen. Das ist Kurt Warner-esk. Auch die Gehirnerschütterungsgefahr ist es. Wilson hatte schon eine heftige, und man kann schon den einen oder anderen künftigen Ausfall vorab eintragen.

In Summe ist Wilson ein nur mäßig eindrucksvolles Prospect, der aber zumindest in 1-2 Jahren seine Chance als Starter bekommen dürfte und im schlimmsten Fall ein sehr guter Backup/Ergäzungsspieler der Kategorie Orton oder Dalton werden kann.

E.J. Manuel: Jimbos Lieblingsschüler

E.J. Manuel ist das typische Kid aus der Highschool, das als „Athlete“ mit viel Tamtam rekrutiert wird um für ein klangvolles College zu spielen, dann aber erstmal auf die harte Tour hinter einem soliden Quarterback lernen muss, einspringt und dabei genügend zeigt, um alle noch mehr zu entzücken, ehe er dann die Zügel wirklich in die Hand bekommt – und nach zwei Jahren alle mit einem Gefühl des Unvollendeten verlässt.

Manuel ist ein bisher nicht eingelöstes Versprechen, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit Florida States Head Coach Jimbo Fisher in die Entwicklung dieses Spielers steckte. Alle sind sich einig, dass der 1,93m-Brocken Manuel mit seiner Beweglichkeit und Wurftechnik NFL-tauglich ist, aber es gibt die typischen Probleme zu vermelden: Reagiert nervös auf Anflüge von Passrush, streut auch ohne Druck immer mal wieder einen völlig vermurksten Ball ein, kennt nur Grundkonzepte einer NFL-Offense.

Da bleibt die Frage, wie entwicklungsfähig Manuel noch ist, nachdem er vier Jahre speziellste Beachtung am College genoss, aber immer noch nicht mehr als Halbfertigware ist. Können ihm NFL-Trainer radikal seine zu hohe Ellbogenpositionierung im Wurf austreiben?

Immerhin: Er kann eine read-option-Offense leiten und dürfte schon mal qua dieses Fakts modern genug für die NFL sein. Manuel ist kein großer Scrambler, aber er ist schnell genug und flink genug, um eine ständige Bedrohung für die 7yds-Scrambles zum neuen 1st down zu sein – ein potenziell gigantisches Asset, weil er sich auch nicht scheut, einen Hit mitzunehmen.

Manuel ist eines der großen Mysterien des Drafts, da man sich nicht einig ist, wo er vom Tablett geht. Ein mutiges Team könnte ihn Ende der ersten Runde holen, aber er könnte auch in die Tiefen der zweiten Runde fallen. Wer ihn zieht, muss wissen, was er bekommt: Ein Riesentalent, das noch viel zu lernen hat. So viel, dass es möglicherweise vor der Reife verbrennt ist.

Tyler Bray: Der Bomber von Knoxville

Tyler Bray ist der Name, den ich häufig aus reiner Gewohnheit als „Brady“ in den Laptop tippe, aber die Unterschiede zu einem gewissen Patriots-Quarterback sind größer als ein Buchstabe. Mehr noch, sie sind so groß, dass wir gerade noch die Position „Quarterback“ als Gemeinsamkeit durchgehen lassen können. Danach wird es murksig, denn während Brady mit einen unheimlichen Willensleistung den Durchbruch schaffte, ist Bray eher das schlampige Genie, das seine von oben herab geschenkten Talente vergeudet, dass es gestraft gehört.

Bray ist vielleicht der Mann mit dem stärksten Arm in der Klasse von 2013, aber das negiert sich zu weiten Teilen, weil er ein hopp-oder-topp-Spieler ist, der sich nicht lange um die Komplexität der Defense schert, sondern einfach mal den Snap nimmt und den Feuerball rauslässt. Entsprechend viele Bälle fallen ins Nichts, wenn die Receiver nicht sensationelle Routen laufen. Bray und Mobilität? Vielleicht haben wir doch noch eine Ähnlichkeit mit Brady gefunden: Beide sind immobil wie eine Scheibe Toastbrot.

Vielleicht war Bray am College in Tennessee ein Opfer der Umstände (zwei Trainerwechsel, rabiates und ungeduldiges Umfeld, das der Vergangenheit nachtrauert). Vielleicht auch nicht, denn wenn wir im Eintrag für Wide Receiver von drei potenziellen Volunteers für die erste Runde lasen, müsste der Supporting Cast doch eigentlich sensationell gewesen sein. Ein weiteres Problem bei Bray: Er entwickelte sich in drei Jahren am College überhaupt nicht. Entwicklung, das ist aber, was er braucht – und zwar zumindest ein Jahr. Daher wäre eine Einberufung in der ersten Runde mit entsprechend einher gehender Erwartungshaltung von Fans und Eigentümer eher kontraproduktiv.

So oder so bleibt die bange Frage, ob Bray überhaupt trainierbar ist. Am College tendierte er dazu, mit Nase auf zweieinhalb Metern über den Campus und am liebsten seinen Coaches beibringen zu wollen, wie das Footballdingens denn überhaupt funktioniert. Die Ohren taub für gute Ratschläge und null Selbsthinterfragung bei offen geübter Kritik? Ick weiß nicht, ick weiß nicht. Bray ist eine Verlockung, die mit dem Apfelbaum des Adams vergleichbar ist. Zu viele dieser QB-Prospects sind in den letzten Jahren auf die Fresse gefallen.

Ryan Nassib: Dougs Zögling

Wenn so viele der bisherigen Quarterbacks mit wilden äußeren Umständen und ständig wechselnden Trainerstäben am College zu kämpfen hatten, ist Ryan Nassib der reinste Langweiler dagegen: Aufgewachsen im gut behüteten Universitätchen Syracuse, vier Jahre Starter unter dem leisen Arbeiter Doug Marrone, einen 25-25 Record eingefahren, ohne Aufruhr in die NFL verabschiedet.

Nassib ist der Montee Ball unter den Quarterbacks: Kann alles ein bisschen, ist nirgendwo sensationell. Beweglich, um dem Passrush auszuweichen, aber kein Sprinter. Viele Seiten des Playbooks bereits intus, aber nicht instinktiv genug, um seine Athletik auszunutzen um dem Passrush intelligent auszuweichen. Guter Arm, aber die tiefen Bälle sind zu langsam, als dass sie konstant zum Erfolg führen. Nassib sieht aus wie einer der souveränsten Backups für die Zukunft: Guter Spieler, kommt auf Dauer mit Passrush nicht zurecht, wird nur mit überragendem Coaching den notwendigen Entwicklungssprung zum Tom Brady 2.0 schaffen.

Doug Marrone, wie geschrieben Nassibs Coach am College, ist mittlerweile Head Coach der Buffalo Bills. Die suchen seit zirka zwei Jahrzehnten einen Quarterback und werden diesmal auch einen draften. Die Buffalo Bills draften an #8 in der ersten und #41 in der zweiten Runde. Viele sehen den Zögling Nassib automatisch mit einem der beiden Picks nach Buffalo gehen. Die Wahl klingt so logisch, dass sie unlogisch klingt. Marrone weiß besser als alle anderen um die Limits des Ryan Nassib. Wird er ihn trotzdem draften?

Der Rest der Klasse von 2013

Mike Glennon von North Carolina State ist Tyler Bray minus Charakterproblem, mit einer fehlenden Prise Selbstwertgefühl. Man könnte den Rest übernehmen: Wunderschöne, hart geworfene Bälle, manchmal etwas unpräzise, aber nur solange der gegnerische Passrush die Pocket mit Samthandschuhen angreift. Wird es schmutzig, kollabiert Glennon unter der eigenen Erwartungshaltung und fabriziert nur noch Fumbles und Bälle auf den zweiten Rang. Sieht aus wie eine sicherere Tüte als Bray, aber mit etwas weniger „Upside“.

Landry Jones von der University of Oklahoma weiß, was hohe Erwartungshaltungen sind, gilt aber als ausgeguckt und stagniert seit Jahren in seiner „Entwicklung“. Jeder weiß, dass Jones nicht den Arm für das vertikale Spiel hat, und jeder weiß, wie farblos sein Spiel werden kann, wenn die Offense Tackles ihm nicht die Zeit geben, wenigstens den zweiten Mann anzuschauen. Landry arbeitete als Vorbereitung auf den Draft mit einem anerkannten Quarterback-Genie (George Whitfield jr.) zusammen, und der jodelte nette Töne über seinen Kunden, aber das Interesse der Teams scheint nicht mal mehr groß genug zu sein, dass sich nationale Medien besonders für den Trainingstag der University of Oklahoma interessierte. Das ist bemerkenswert, denn es gibt wenige Colleges, die von mehr Buzz umgeben sind als Oklahoma. Bei Jones und den Quarterbacks ist das anders. Gilt als gute Option für die dritte oder vierte Runde, mit 2-3 Jahren Einlernzeit an der Seitenlinie.

Ein völlig faszinierender Spieler ist Zac Dysert von der „kleinen“ University of Miami, nämlich jener in Ohio. Es gibt gute Scouts, die vernarrt sind in Dysert, der alles haben soll und am allermeisten ein instinktives Spielgefühl („in nullkommaneun Sekunden ist der Tight End mit der #87 offen, als feuere ich“). Die abschreckenden Parts sind die schwache Conference, in der Dysert spielte und dabei keine weltbewegenden Stats produzierte, sowie eine unangenehm hohe Zahl an schwachen Routine-Würfen in seinen Game-Tapes. Dark horse.

Dark Horse ist auch Matt Scott von Arizona, ein wuseliger Mann mit etwas unkonventioneller Spielweise: Beim Passen liegt der ganze Körper im Wurf, sofern nicht grad wieder Matt-Stafford-like ein Sidearm-Wurf eingebaut wird. Beim Scrambeln sieht das extrem aufgeregt aus, als hätte Scott alles, nur nicht die Ruhe weg. Gilt als Vertreter der „neuen“ QB-Generation mit hohem Kompatibilitätsfaktor für Option-Offenses, aber als längst nicht weit genug, um mit dem Wissensstand von heute eine Einberufung vor der vierten oder fünften Runde zu rechtfertigen.

Greg Cosell und seine Sicht der Dinge: Die Quarterback-Klasse von 2013

Am Wochenende habe ich mir den Podcast von Yahoo mit Doug Farrar und Greg Cosell (NFL Films) angehört. Cosell ist einer der Männer, denen ich nach Mayock mit am meisten abnehme, was Scouting angeht. Für Cosell ist der Scouting-Prozess vor allem darauf beschränkt, sich die physischen Tools der einzelnen Prospects vor Augen zu führen und zu schauen, was sich damit machen lässt: Kann man den Spieler sofort ins Getümmel schmeißen oder musst du 2-3 Jahre Coaching verwenden?

Cosells Grundstimmung ähnelt jener Mike Mayocks: Die QB-Klasse 2013 sieht im Vergleich zu jener des letzten Jahres blass aus, aber es gab schon deutlich schlechtere Jahrgänge in den letzten Jahren. Es sind halt viele Jungs dabei, denen das eine oder andere Feature abgeht und die deswegen noch ein paar Dinge mehr als RG3 lernen müssen.

Cosell und die Quarterbacks

Bei mir verfestigt sich das Bild der QB-Klasse 2013 nach dem Gehörten immer mehr.

Geno Smith – darf endgültig als NFL-Kaliber durchgehen, der alle Würfe draufhat. Smith hat noch einiges zu lernen, was seine Beinarbeit angeht, um sich unter Druck in bessere Wurfposition zu bringen. Unter Druck wird er schnell nervös, aber laut Cosell lässt sich das bei Smith auf kleinere technische Mängel („vertraut seinem Arm noch nicht genug“) zurückführen – ein Problem, das intelligente Coaches beheben können.

Smith hat für Cosell „functional mobility“, d.h. er ist kein Scrambler, aber bewegt sich außerhalb der Pocket sehr smooth. In der Pocket gibt es aber noch Verbesserungsbedarf: Unter Druck muss Smith noch lernen, die zwei Schritte nach vorn zu machen und seine Augen stets downfield zu halten – etwas, das ein Brady meisterhaft beherrscht und sich erlernen lässt.

Matt Barkley – hat zu wenige Würfe drauf um sofort den Starter zu geben, vor allem nicht in einer vertikalen Offense. Barkleys Arm ist enttäuschend schwach, seine Füße zu steif. Diese functional mobility von Smith geht Barkley komplett ab. Cosell gibt Barkley vor allem als „System-QB“ eine Chance: In einer Offense mit extremer Präzision und superbem Timing kann Barkley auftrumpfen, aber dafür muss er an seiner Körperkontrolle arbeiten. Fazit für Cosell: 4th round pick. Cosell weiß, dass das nicht passieren wird, aber allein von den athletischen Voraussetzungen ist Barkley nicht höher einzuschätzen.

Nicht witzlos: Farrar/Cosell diskutieren und kommen zum – für mich nicht überraschenden – Schluss, dass ein anderer ehemaliger USC-Quarterback, Mark Sanchez, einst ein klar besseres Prospect für die NFL war als Barkley heute.

Mike Glennon – Glennon soll den besten Arm haben und immer auf die korrekte Schulter werfen (wichtig, weil WRs damit mehr yards after catch machen können) somit schon mal eine Garantie für spätestens dritte Runde. Davon ab gibt es an Glennon einiges auszusetzen: Unter Druck viel zu langsame Füße, was dazu führt, dass Glennon schnell nervös wird und komplett auf seine Technik vergisst. Cosell ist sich nicht sicher, wie schnell man dies aus Glennon rausbringt, schließlich kriegst du in der NFL fast nie eine saubere Pocket. Ein möglicher Vergleich zum Zeitpunkt des Drafts sei Flacco, aber Cosell ist sich nicht sicher, ob Glennon mit seiner Fußsteifheit überhaupt jemals Flacco-Niveau erreichen kann.

Tyler Wilson – für Cosell eine harte Nuss, weil seine Wurftechnik unkonventionell ist und er häufig in den „Sidearm“-Modus verfällt (Cosell: sidearm slinger). Wilson hat einen guten Arm, viel besser als Barkley, aber es gibt das Problem, das so viele Quarterbacks haben, die am College in einer Offense von Bobby Petrino spielten: Er kriegt kalte Füße, wenn der erste „Read“ (Go To Guy in dem Play) nicht offen ist. Petrinos Offense sind so aufgestellt, dass früh im Spielzug der gewünschte Receiver frei steht – das kriegste in der NFL nicht so einfach hin. Immerhin kann man Wilson ein gutes Gefühl für eine Pocket nachsagen.

Landry Jones – vom Arm her ein Spieler wie Matt Ryan: Kann alle Würfe machen, aber hat nicht diese Wurfstärke für die 180km/h-Bomben. Die größten Fragezeichen sind auch hier: Wie reagiert Jones, wenn du Pocket eine Suppe (Cosell: „muddy“) wird? Wenn du bei Oklahoma in der Big 12 eines nämlich kaum siehst, ist das Pass Rush in deiner Fresse. Jones hat für Cosell so schwere Bleifüße, dass er sich keine Prognose zutrauen würde, ob Jones in zwei Jahren reif zum Starter ist.

Ryan Nassib – sehr athletischer Mann, der dem Passrush ausweichen kann und viele Würfe drauf hat. Der Arm ist nicht gut genug, um kompatibel für jegliche Art von Offense zu sein, aber er kann eine Defense verbrennen, wenn er gegen mauen Passrush eine schnelle Kurzpassoffense aufziehen darf. Cosells zwei wichtigste Fragen stellen sich nach dem System: In welches Korsett willst du ihn stecken? Welche Offense willst du spielen? Essenziell, weil Nassib aufgrund des mäßigen Arms nicht alles können wird. Fazit: Gewiss kein Top-10 Pick.

E.J. Manuel – hat die Statur und die Beweglichkeit, um in der NFL als read option-QB in der Tradition des Colin Kaepernick zu spielen. Für Cosell sind es vor allem die vielen technischen Unsauberkeiten, die Manuels Aktien niedrig halten: Schlampige Fußarbeit, zu hohe Positionierung des Ellbogens im Wurf. Das führt dazu, dass er unter Druck häufig sehr unsaubere Pässe wirft.

Manuel ist kein Super-Scrambler, aber geschmeidig wie ein Cam Newton und als Läufer gefährlich genug, um für gegnerische DefCoords potenziell für schlafraubende Nächte zu sorgen. Weiters positiv an Manuel: Seine stets positive Einstellung, seine Eier, auch unter Druck noch seinen Mann zu stehen, sein starker Arm.

Cosell erinnert noch einmal daran, dass Chip Kelly (jetzt Eagles) einst am College in Oregon mit Nachdruck versuchte, Manuel für seine Mannschaft zu rekrutieren. Manuel sagte nope, ging an die FSU.

Tyler Bray – fantastischer Arm, bei dem du oft nur orgiastisches WOW ausstoßen kannst. Gunslinger-Typ. Aber wenige QBs brechen unter Druck so schnell wie ein Kartenhaus zusammen: Wenn er zum Erkaufen von Zeit gezwungen ist, sind die Messen gelesen. Viele Teams werden ihn lieben, aber Cosell ist sich nicht sicher, ob man so langsame Beine auf NFL-Niveau herantrainieren kann.

Zac Dysertdark horse, ein QB dem der Raketenarm abgeht, der aber viele Würfe machen kann. Ist nicht immer präzise, und es soll wohl an einem für mich nicht nachvollziehbaren Problem liegen, das man nicht einfach rauscoachen kann. Dysert macht vor allem auch Sorgen, weil er viele einfache Routinewürfe auf offene Leute teilweise meterweit verfehlte.

Matt Scott – ein Junge, der am College alles gesehen hat, weil er unter vielen OffCoords spielen musste. Legte nach der Saison an Masse zu und blieb trotzdem beweglich in seiner Beinarbeit. Der Arm ist keine Granate, aber die Wurfbewegung („Release“) ist schnell genug für die NFL und für fast alle Mitteldistanzwürfe aus fast allen Winkeln. Heraus sticht auch seine Furchtlosigkeit: Häufig (zu häufig?) steht er seinen Mann bis zur allerletzten Millisekunde und feuert dann einen 3yds-Pass auf Kosten einer Gehirnerschütterung ab. Für Cosell ist Scott eine großartige Option für gute Coaches, die er deutlich vor der 5. Runde draften würde.


Der geneigte Leser merkt: Das Geschriebene wiederholt sich zum großen Teil. Ich denke, wir sind in Sachen „Tapes“ und Analysieren vom Können der einzelnen Athleten soweit, dass es zwischen den relevanten Experten größtenteils Übereinstimmung gibt. Es hängt nun daran, wie sich die Athleten in den Vorstellungsgesprächen mit den Teams geben und daran, in welchen Systemen die Spieler aufmarschieren sollen.

Die Quarterbacks vor der NFL-Combine 2013

Heute steigen die Quarterbacks (und RBs, WRs) in die Combine ein (Workouts sind dann am Sonntag, 24.2.). Vorausgeschickt sei der Verweis auf die meiner Meinung nach beste Scouting-Seite, was sämtliche Offensiv-Skillpositionen (QB, RB, WR, TE) angeht: Rookie Scouting Portfolio von Matt Waldman. Waldman schreibt nebenher für das Fifth Down Blog der New York Times und die Football Outsiders. Wer sich wirklich en detail über die einzelnen Jungs im Draft informieren will, sollte diesen Link besuchen: The Rookie Scouting Portfolio – 2013 Draft Analysis.


Die Experten sind sich einig, dass die QB-Klasse von 2013 sehr blass gegen jene aus dem letzten Jahr aussieht. Als größtes Talent gilt West Virginias Geno Smith, bei dem ich meine Bedenken ja schon in der Preview für die Pinstripe Bowl kund tat:

Dieser Quarterback ist im WVU-Falle Geno Smith, ein großgewachsener und beweglicher schwarzer Schlaks, der rein zufällig auch als Top-Draftpick 2013 gehandelt wird. Dabei besteht die WVU-Offense im Kern aus extrem quicken Kurzpässen […] Geno Smith, bei dem ich noch einmal die tiefen Bälle sehen möchte, bevor ich mich überzeugen lasse, dass ich den Mann in der ersten Runde vom Tablett gehen lasse.

In jener Pinstripe Bowl unterbot Smith im Schneegestöber der Bronx meine eh schon niedrigen Erwartungen allerdings noch. Smith ist beweglich, aber kein Scrambler. Als Werfer okay, aber nicht superb. Die Mountaineers-Offense der letzten zwei Jahre war eigentlich hauptsächlich viele 2yds-Dumpoffs und die Runningbacks und Slot-Receiver arbeiten lassen. Meine Skepsis Smith gegenüber kann man getrost mit „immens“ beschreiben.

Sideline

Name              Rd 
Geno Smith        1
Matt Barkley      1
Ryan Nassib       1-2
Tyler Wilson      2
Tyler Bray        2
Mike Glennon      2-3
E.J. Manuel       3-4
Landry Jones      3-4
Zac Dysert        4
Sean Renfree      5-6
Matt Scott        5-7
Brad Soerensen    6-7
Collin Klein      7-UFA
Colby Cameron     UFA
MarQueis Gray     UFA
James Vandenberg  UFA

Nebenan in der Sideline habe ich die Combine-QBs gelistet mit einer generellen Einschätzung, wo „man“ (also ein undefinierter Common-Sense) +/- Stand heute die QBs verortet.

Syracuses Ryan Nassib mausert sich zu einem dark horse. Nicht bloß, dass Nassibs College-Coach mittlerweile bei den Buffalo Bills angeheuert hat und die Bills an der achten Position einberufen. Es gerüchtelt, dass Teams wie Kansas City oder Philadelphia gerne Nassib haben möchten, aber ihre hohen Picks nicht opfern wollen und stattdessen hoffen, Nassib per Trade gegen Ende der ersten Runde zu bekommen. Fazit: Nassib kann seine Aktien mit einer guten Combine deutlich verbessern.

Überhaupt ist das Feld bei den Quarterbacks eine ziemliche Suppe. Der Strahlemann Matt Barkley von USC wäre vor einem Jahr ganz hoch gedraftet worden, entschied sich dann aber fürs College und spielte einen schwachen Herbst. Rein optisch wirkte Barkley auf mich nie wie ein prototypischer NFL-Werfer. Vom Gegenteil werden wir unns dieser Tage nicht überzeugen können, denn Barkley wird nach noch nicht ausgeheilter Schulterverletzung kaum die Wurf-Drills mitmachen. Nicht werfen wird auch Zac Dysert (Miami/OH) wegen einer wieder aufgebrochenen Leistenverletzung.

Viel Gutes hört man über den ehemaligen Arkansas-QB Tyler Wilson, der allerdings im Jahr eins nach Arschloch Petrino keinen guten Herbst absolvierte. Petrinos College-Quarterbacks haben zudem keinen guten Ruf als NFL-Spielmacher, aber als Gesamtpaket – Werfer, Standing, Auftreten – ist Wilson für mich die sicherste Tüte in diesem Draft. Der Knackpunkt sollen die viel zu kleinen Hände sein, weswegen bei Wilson der Ball etwas merkwürdig aus der Hand flutscht. Am College soll das schöne Wetter in Arkansas diese Probleme kaschiert haben, ergo dürfen wir uns auf stundenlanges Faseln über drei Millimeter Fingernagellänge einstellen.

Der einzige Junior-QB in der Combine ist Tyler Bray von den Tennessee Vols, der keine Lust hatte, sein Senior-Jahr unter neuem Coaching-Staff zu bestreiten und daher schon heuer Profi wird. Bray wird nachgesagt, über ein Ego zu verfügen, das in keinen 50-Zoller reinpasst und ein ist als Spieler für mich Typ Gabbert: Waffenscheinpflichtiger Arm, aber pro Spiel mit drei hirntoten Pässen die guten Eindrücke kaputt machend. Wir wissen, wie das mit Gabbert gelaufen ist.

Landry Jones aus Oklahoma hat die Zahlen auf seiner Seite, prägte sich aber als extrem blasser Quarterback ein und dürfte IMHO keine Chance haben, vor der zweiten Runde vom Tablett zu gehen. Jones arbeitet allerdings mit einem Trainerguru zusammen, der die letzten beiden Jahre Cam Newton und Luck fit für den Draft machte.

Und als hätten wir nicht schon ausreichend unsichere Situationen, kommt mit Florida States E.J. Manuel der größte X-Faktor noch dazu. Manuel war für mich über Jahre stets mehr Lärm ums Potenzial als erbrachte Leistung, aber selbst als Skeptiker ist es nicht zu übersehen, dass Manuels Beweglichkeit und Körperbau für ein risikofreudiges Front-Office eine ernsthafte Alternative sein wird. Und die gute Performance in der Senior Bowl dürfte Manuel nur entgegen gekommen sein.

Drei weitere Leute mit etwas Thrill: Mike Glennon von NC State ist der Mann, für den sein Trainerstab einst Russell Wilson vom Campus verjagt hat (und in Mayocks top-5 aktuell die #3 unter den QBs). Und Matt Scott soll der Mann sein, an dem sich die Jacksonville Jaguars bzw. deren QB-Coach Scelfo einen Narren gefressen haben. Scott kommt von der University of Arizona und soll eine sensationelle Entwicklung dieses Jahr genommen haben, obwohl er zwischendurch mit klaren Gehirnerschütterungssymptomen (Stichwort: Kotzen im Huddle) spielen musste. Dukes Sean Renfree wird großes Entwicklungspotenzial nachgesagt.

Mit dabei sind auch K-States Collin Klein und Minnesotas MarQueis Gray, beides unkonventionelle Werfer. Klein war ein fantastischer College-QB, aber man sagt ihm bestenfalls das Schicksal eines Kellen Moore nach: Ewiger Backup. Oder Umschulung auf was anderes, z.B. H-Back. Gray ist Joe Webb 2.0.

Nicht in der Combine dabei, aber ein Name zum Vormerken für die nächsten Monate: Ryan Griffin von der kleinen Tulane University, dem Matt Waldman einen durchaus lesenswerten Artikel hinsichtlich „losing/winning-QB“ gewidmet hat:

Tulane’s Ryan Griffin is the example of a talented quarterback lacking the surrounding talent to elevate his draft status. Unlike Jay Cutler, Griffin lacks the mobility to make big plays with his legs or the extraordinary arm talent to make pinpoint throws from corners that defenses paint him into. Griffin is a classic pocket passer.

Some say that the pocket passer is dying in the NFL. I think that’s a melodramatic statement. A truer reality is that the NFL is becoming more open minded to schemes that allow mobile quarterbacks to continue using their skills within a complementary offensive  framework. Pocket passing isn’t dying as much as its monopoly is breaking up.

Griffin may never get the opportunity as a late-round pick to thrive like the marquee names of his 2013 draft class, but I think Griffin – even with his flaws – has shown enough that if he were at USC, Maryland, or Arkansas, “earning a draft pick” wouldn’t be a part of the conversation this late in the process. What Griffin’s game displays that’s as good or better than the likes of Barkley or Glennon is his in-game acumen, pocket presence, maneuverability, and accuracy down field.

Michigans Denard Robinson ist in der Combine mit dabei, allerdings nicht als Quarterback eingeladen, sondern als Wide Receiver.

Champ Sports Bowl 2011 live: Florida State Seminoles – Notre Dame Fighting Irish

[03h04] Für diejenigen mit Koffeinüberschuss gibt es jetzt noch den Gewinner der Heisman Trophy, Robert Griffin III („RG3“). Ich werde noch ein paar Drives zuschauen, aber kein Liveblogging mehr machen.

[03h00] Endstand Florida State 18, Notre Dame 14.

Glanzloser Sieg der Seminoles in einem Spiel, das über weite Strecken enttäuschte. Florida State brauchte bis tief ins dritte Viertel hinein, um ein Rezept gegen Te’o und Konsorten zu finden. Als es gefunden war und QB Manuel den Moment zum Gucken bekam, war es um Notre Dame geschehen. Jo, es halfen tiefe Bomben mit. Aber Notre Dame war auch erstaunlich mittellos gegen einen ruhigeren Manuel hinter halbwegs solider Protection.

Freilich halfen auch die drei INTs kräftig mit, zwei davon in der EndZone (beide gegen Rees), einmal eine sinnlose INT direkt auf den LB Bradham (gegen Hendrix), die den Stimmungsumschwung in dieser Partie brachte.

Lobeshymnen für die Seminoles wären fehl am Platz. Es ist ein Sieg, aber nichts, auf dem aufbauend man eine Mannschaft für nächste Saison in die Top-10 hypen sollte.

As for Notre Dame: Wenn ich mir den Schedule anschaue, wird 2012/13 auch recht heftig für die Irish. Michigan State, Michigan, Oklahoma, Stanford, USC als Gegner. Möglicherweise wird die Saisonbilanz nächstes Jahr erneut nicht viel besser ausschauen, selbst wenn Kelly die QB-Frage lösen kann.

[02h48] Rees riskiert, gleich einen Kopf kürzer gemacht zu werden. Notre Dame startet an der FSU28, hat fünf Minuten, und Rees wirft einen langsamen Ball in Doppeldeckung in die EndZone. Völlig überraschend ist das Resultat die dritte INT, 2:48 vor Schluss. Kelly dreht sich an der Seitenlinie resigniert ab, überlegt noch einen Moment, ob er sich zum Wutausbruch noch abdrehen soll.

[02h39] Brian Kelly staucht QB Rees nicht zum ersten Mal zusammen, nachdem Rees beim langen 3rd down nicht den Killerschlag sucht. Notre Dame spielt weiterhin ohne WR Michael Floyd und sieht in diesem Kontext seinen gefährlichsten verbliebenen Mann, TE Tyler Eifert, von einem Cornerback (#1 Mike Harris) bewacht. Eifert macht Plays, aber ohne Floyd sind die Optionen für Rees doch recht beschränkt. Positiv für Kelly: Der Punt wurde an der 0,1yds Line der Seminoles niedergelegt.

[02h31] Florida State 18, Notre Dame 14/Q4 8:05. Das emotionale Hoch nicht zum TD verwandeln können, weil Manuel beim 3rd down mit zwei Defensive Ends im Gesicht einen Ball in die EndZone 2m überwirft. Gemessen an den letzten Minuten muss Notre Dame sich nun aus einem ganz tiefen mentalen Loch hochziehen.

[02h26] Notre Dames Defense kriegt nun keinen Zugriff mehr auf QB Manuel. Wie vermutet sieht Manuel mit dem Funzen mehr Zeit plötzlich Land und traut sich beim 3rd-and-6 einen ganz tiefen Ball zu. Wieder fängt WR #80 Rashard Greene, diesmal im Nachfassen am Boden liegend, 2cm vor der Auslinie. Aber Respekt, wie locker nun der lange so starke Druck der Fighting Irish im Keim erstickt wird.

[02h11] Florida State 15, Notre Dame 14/Q4 13:18. Nun wirft auch Hendrix eine eher hanebüchene Interception, weil Hendrix den in der Zonendeckung hängenden LB Bradham übersieht und Bradham den Ball direkt auf die Brust serviert. Bradham wälzt sich ein paar Yards beim Return durch, ehe im nächsten Spielzug QB Manuel den WR #80 Greene in einer nicht hautengen Dreifachdeckung zum Touchdown findet. Jimbo Fishers Entscheidung, vorhin auf 2pts Conversion zu gehen, schlägt nun zurück, FSU scheitert zum zweiten Mal und führt nur +1 anstelle der durchaus möglichen +3.

[02h03] Florida State 9, Notre Dame 14/Q4 14:54. Erster Spielzug ist ein Manuel-Ball, der genau zweieinhalb Minuten in der Luft hing, ehe ihn WR Bert Reed runterpflückte zum ersten „Sechser“ für die Seminoles. Plötzlich ist Leben in der Bude.

[01h57] Das dritte Viertel geht in diesen Sekunde zu Ende und die Seminoles zeigen zum ersten Mal etwas Leben in ihrer Offense: Manuel komplettierte dank fantastischem Catch von WR Rashard Greene einen ganz tiefen Ball, kann dann mit etwas Zeit Screen-Pässe komplettieren, scrambeln und sogar erfolgreich die Bälle an die Running Backs übergeben. Man ist an der RedZone, ein zäher Marsch vorwärts, aber die Körpersprache bei den Seminoles ist plötzlich eine ganz andere.

[01h39] Florida State 3, Notre Dame 14/Q3 9:03. Ein langer Kickoff-Return vom flinken FS Joyner, eine gebremste Offense, eine Strafe gegen die Defense = 42yds Field Goal für K Hopkins. Joyner ist für einen Safety erstaunlich schnell, dabei muss man wissen: Joyner wurde als Sprinter für die Cornerbacks rekrutiert, aber aufgrund des schieren Überangebots an athletischen CBs auf Safety umgeschult, da man ihn als zu schade ansah, um draußen zu sitzen. Joyner, ein big hitter bei zirka 1,20m Körpergröße, als Instinktfootballer einer meiner Lieblingsspieler im College Football.

[01h30] Florida State 0, Notre Dame 14/Q3 11:24. Wilder, wilder TD-Spielzug, als QB Rees einen Ball in die EndZone lupft, wo WR Michael Floyd dem Gegenspieler CB Greg Reid überlegen ist, und im sechsten oder siebten Nachfassen einen spektakulären Touchdown fängt, während Reid böse mit dem Helm voraus auf dem Boden aufschlägt, sich aber wie durch ein Wunder nicht Hals und Genick bricht, sondern „nur“ gestützt rausgetragen werden muss. Scary, scary shit.

Notre Dame machte es nun interessant: Nutzte FSUs Undiszipliniertheit aus, wechselte zwischendurch als Tempowechsel den Scrambler QB Hendrix ein und schlug gleich nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Floyd-Bewacher #27 Xavier Rhoades eiskalt zu. Zweifellos gut gemacht von Brian Kelly – nun könnten die Seminoles ohne die beiden besten Deckungsspieler auskommen müssen (Rhoades/Reid).

[01h16] Habe ich das richtig mitgekriegt oder gibt es im College Basketball gerade ein Spiel mit Halbzeitstand „14-9“? In diesem Falle danken wir dem Herrn für diese sieben Punkte in Orlando.

[01h04] Halbzeit Florida State 0, Notre Dame 7.

Fürchterliches Spiel in der ersten Halbzeit. Keine der Offenses kriegt irgendwas auf die Reihe. Notre Dame sieht für meine Verhältnisse fast noch trauriger aus, die Quarterbacks kriegen trotz Zeit ganze 4.3yds/Passversuch zustande. Vierkommadrei, obwohl die Seminoles überhaupt nichts besonderes entgegenwerfen. Björn Werner hatte übrigens einen Sack und um ein Haar einen erzwungenen Fumble.

Florida State sieht nicht ungefährlich aus in den Momenten, in denen QB Manuel einen Moment zum Werfen kriegt. Weil Manuel hinter der taufrischen Offensive Line (angeblich vier Freshmen?) aber zumeist null Zeit zum Schnaufen bekommt und schon im Zurückstapfen unter Druck steht, werden fast alle Drives im Ansatz niedergemacht, Manuel niedergeschlagen. Florida State 0/7 bei 3rd downs, was alles sagt. Dazu ein Laufspiel mit 9yds in 14 Versuchen (vier davon waren allerdings Sacks).

[00h47] Während sich Notre Dame noch an den paar erzielten Punkten hochziehen kann, herrscht an der Seitenlinie der Seminoles blanke Frustration angesichts der schieren Unfähigkeit, den Pass Rush zu stoppen. Und es wäre nicht so, dass Notre Dames Front Seven da aus allen Rohren schießen würde…

[00h38] Während sich Co-Kommentator Gilmore wundert, warum QB Manuel kein Vertrauen in die Protection habe (warum bloß?), probieren die Seminoles einen Punt-Fake, der ein paar Zentimeter zu früh gestoppt wird. Angesichts der Aussichtslosigkeit, auf die traditionelle Weise was zustande zu bekommen, eine gute Entscheidung Fishers.

[00h28] Erstes 1st down der Seminoles durch eine Strafe (late hit gegen #55 Prince Shembo/“dirty“?), aber ansonsten dasselbe Lied: Florida States QB E.J. Manuel kriegt überhaupt keine Luft zum Atmen und wird andauernd niedergeschlagen und gesackt, konnte nur einmal per genialem Scramble dem massiven Druck entweichen. Überhaupt ein schwer anzusehendes, unrhythmisches Spiel mit einigen Strafen und vielen Auszeiten, um Strafen zu verhindern. Wenn ich da an Toledo-Air Force gestern denke…

[00h14] Kelly wechselt für einen Drive den jungen QB Andrew Hendrix ein, der gleich mal eine Auszeit verbrennt. Dann kommt Hendrix aber langsam ins Rollen, u.a. mit einigen NFL-reifen Pässen, deutet auch seine Beweglichkeit an, aber zum Ausklang des ersten Viertels setzt Notre Dames Kicker ein 48yds Field Goal rechts vorbei.

Florida State kommt wieder auf das Feld. Die Versuche, die Protection zu stabilisieren, sind interessant: Mal wird ein Spreading mit 5 WR versucht, dann kommt ein zusätzlicher Tight End, aber so richtig effizient war datt ganze bis dato nicht.

[23h54] Die Offensive Line der Seminoles gibt QB E.J. Manuel in dieser Anfangsphase zum Abschuss frei. Sind es die beiden unerfahrenen Guards? Manuel wird bei jedem Spielzug entweder gesackt oder niedergeschlagen, FSU kommt überhaupt nicht in Tritt und hat noch kein 1st down erzielt. Dagegen fällt bei Notre Dame auf, dass der Pass Rush gezielt durch wohl getimte Blitzes verstärkt wird, wobei sich vor allem #5 Te’o hervortut. Dass Te’o 2012 am College bleibt, sollte Notre Dame nächstes Jahr helfen.

[23h47] Florida State 0, Notre Dame 7/Q1 9:04. Der super-athletische LB #5 Te’o schlägt dem Backup/Backup-RB #8 Devonta Freeman den Ball nach einem Screen-Pass aus der Hand, der Ball wird straight zum Touchdown returniert. Zwei Spielzüge, zwei Turnovers. Geht ja mal gut los.

[23h42] QB Tommy Rees bestätigt gleich mal seinen Ruf, wirft bei 3rd down in die EndZone hinein eine INT: Ball von LB Jones Bradham direkt in die Arme von FS #20 LaMarcus Joyner abgefälscht und Joyner mit einem wilden 25yds-Return mit zig gebrochenen Tackles.

[23h31] Florida State vor dem Spiel: Die Verletzungsprobleme schlagen ziemlich arg durch, sodass in der Offensive Line heute beide Rookies ihren allerersten Einsatz in der Startformation haben werden. Was für das Laufspiel suboptimal ist, zumal dort der gefährlichste Running Back wegen zu schlechter Noten gesperrt ist.

[23h25] Im Vorfeld des Spiels wird der deutsche DE Björn Werner außerordentlich gelobt und als möglicher „high round draftpick“ (O-Ton) bezeichnet. Werner ist heuer Sophomore, wäre frühestens im April 2013 „draft-eligible“.

[22h43] In ca. einer Dreiviertelstunde wird das Reminiszenzenduell FSU – Notre Dame angepfiffen. Ich mache schonmal den Thread fürs Liveblogging auf.

Florida State nach dem geplatzten Titeltraum

Wie erwartet haben die Florida State Seminoles das gehypte Heimspiel gegen #1 Oklahoma verloren, 13-23, und sind damit mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem BCS-Titelrennen rausgefallen.

Es war ein spannendes, intensives Spiel, nicht hochklassig, aber immer wieder eingestreute sensationelle Spielzüge auf beiden Seiten, abgefälschte Interceptions, wundersame 3rd down conversions in Dreifachdeckungen und diese stundenlang in der Luft hängenden 50yds-Bogemlampen von QB Landry Jones auf WR Kenny Stills. Oklahoma sei hier aber nicht das Thema. Für die FSU war es keine vernichtende Niederlage, die Vorstellung eine, auf der sich aufbauen lässt.

„Aufbauen“ aber nur, solange die Offensive Line besser wird, die den Quarterbacks meistens nicht allzu viel Luft zum Atmen gab und das Laufspiel killte: Diese Line wurde innen immer wieder zerbröselt von Defensive Tackles der Sooners, die keine erhöhte Speichelproduktion bei Scouts hervorrufen. Für das Laufspiel war das insofern tödlich, weil die Running Backs der Seminoles recht opportunistisch spielen und meistens nicht mehr Yards machen als es die Blocks zulassen.

Quarterback E.J. Manuel hat mich eher enttäuscht, ein recht unrhythmischer Werfer, der keine fünf Bälle in Serie werfen kann ohne einen fürchterlichen Pass ins Niemandsland zu werfen. Da war der Backup Clint Trickett mit seinem Raketenarm IMHO deutlich überzeugender, wobei Trickett im Vergleich zu Manuel immobil wie eine Scheibe Toastbrot ist – sollte Trickett gegen Clemson hinter dieser Line starten müssen, erleben wir ein Sack- und Fumble-Festival.

Im Passspiel fiel auf, dass den Seminoles bei allen Dutzenden Wide Receivers und Tight Ends eine klare #1 abgeht: Der Freshman Rashard Greene ist gut für gelegentliche spektakuläre Big Plays zwei Kilometer das Feld runter, während Jarrett Haggins zwar für den einen oder anderen artistischen Catch gut ist, aber nicht konstant Drives am Leben erhält. Ein Stoßgebet in den Himmel für WR Kenny Shaw, der in einer brutalen Kollision zwischen zwei Defensive Backs böse ausgeknockt wurde. Und just nach diesem Knockout wirkte der Pass-Angriff hilfloser denn je zuvor.

In der Defense fiel vor allem das Feuer auf, mit der diese Unit spielte – Mark Stoops scheint einen guten Job gemacht haben, die Gruppe auf die Offense von Bruder Bob einzustellen: Eine sehr disziplinierte Vorstellung, teilweise extrem aggressiv wirkend, aber nicht überaggressiv die großen Plays aufgebend.

Die Defensive Line war ganz zu Beginn etwas überrumpelt, nach dem ersten Drive wurde sie aber dominanter, rotierte munter zwischen drei Handvoll Ends und Tackles durch und man kann es ohne Deutschtümelei schreiben: DE Björn Werner war der Auffälligste von allen. Ich maße mir nicht an, der große Defense-Line-Versteher zu sein, aber Werner machte ordentlich Dampf und hatte mehrfach die Schiedsrichter nicht auf seiner Seite (Holding-Strafen!!) – sogar beim Sack gab es Holdings, das im Übrigen von den Refs übersehen wurde. Neben Werners Power erblasste sogar der massiv Buzz kriegende DE Brandon Jenkins, dem einige einen hohen Draftpick zutrauen. In der zweiten Reihe fiel am meisten LB Christian Jones auf, ein schneller, quicker Mann, der kaum einen Tackle verpasst.

Das Backfield fand ich trotz der Big Plays von WR Stills überzeugend. Den #1-Cornerback Mike Harris kannte ich bisher noch gar nicht und Harris machte IMHO einen überragenden Job – sprechen wir hier über den unbekanntesten, aber besten Cornerback der Seminoles?

Die viel mehr gehypten Greg Reid und Xavier Rhoades ließen beide je einen der langen Flugobjekte gen Kenny Stills zu. Der Safety #20 LaMarcus Joyner spielt eine recht aggressive Rolle als Freelancer, ist häufig in der Nähe der Line of Scrimmage und in Blitz-Geschichten involviert, scheint in der Deckung das eine oder andere Mal noch nicht wirklich auf der Höhe zu sein. Ansonsten: Saubere Leistung, nur 199yds gegen Landry Jones’ Armada einzufangen.

Zusammenfassend wirkte Florida State im Angriff etwas halbgar, dafür hat die Defense im Prinzip bis auf wenige Plays rundum überzeugt. Das ist keine LSU-Defense, die in 60 Minuten keinen Fehler macht, aber eine Defense mit Upside, die sich im Verhältnis zum Vorjahr nur noch verhältnismäßig selten verarschen lässt.

Mit ein bisschen mehr Glück bei den Ref-Entscheidungen und vor allem einem richtigen Top-Wide Receiver hätte Florida State dieses Spiel womöglich gewonnen.

College Football 2011/12 Preview: Atlantic Coast Conference (ACC)

FBS-Preview 2011/12, die Achte. Die Atlantic Coast Conference ist im Westen Osten (memo: die Atlantikküste befindet sich im OSTEN) der Staaten beheimatet, quer von Nord nach Süd, beginnend mit Massachusetts (Boston College) bis nach Südflorida (Miami). Trotz einiger ganz großer Namen ist nicht nur die Basketball-Abteilung, sondern vor allem die Football-Abteilung der ACC in den letzten Jahren immer durchwachsener geworden, obwohl sich im hochklassigen Highschool-Sport Floridas die Footballtalente schier auf die Füße treten.

(Für eine abgespeckte Variante bitte zu meinem Spox-Eintrag wechseln)

Atlantic Division – Seminoles vs. World

„Durchwachsen“ war jahrelang das Stichwort, das zu den Florida State Seminoles geführt hat. Seit dem unschönen Abgang von Headcoach-Legede Bobby Bowden ist in Tallahassee aber neuer Schwung eingekehrt, wofür vor allem ein Mann zuständig ist: Jimbo Fisher, jahrelang Bowdens Nachfolger in spe. Fishers Debütsaison 2010/11 war recht vielversprechend.

In der Offense ist mit dem hohen Draftpick Chris Ponder der Quarterback abhanden gekommen, doch so bizarr es klingt: Nachfolger E.J. Manuel, ein Ziehkind Fishers, könnte mit seiner Beweglichkeit gar die bessere Option für diese Offense sein – denn die RedZone-Offense war alles andere als überzeugend (Chick-fil-A Bowl!!).

Positiv für Manuel: Seine Erfahrung von mehreren Einsätzen für den verletzungsanfälligen Ponder, eine erfahrene Offensive Line und ein sehr breit aufgestelltes Laufspiel für verschiedenste Spielsituationen. Allenfalls der 120kg-Brecher fehlt. Ähnliches gilt für das Passspiel: Zwischen Sprintern und possession receivers ist alles dabei – inklusive Erfahrung.

Die Defense lebt in erster Linie von einem aggressiven Pass Rush, der angeführt wird von DE Brandon Jenkins, der 2010/11 aus dem Nichts zur absolut dominanten Waffe explodiert ist und im Winter in Richtung NFL abwandern könnte. Mit sehr guten Starter-Chancen ausgestattet ist DE Björn Werner. Deutsche Verpackung, deutscher Inhalt: Werner ist vor eineinhalb Jahren von den Berliner Adlern über Highschool-Umwege an die FSU gegangen, hat geheiratet und gilt als legitimer Starter.

Neben dem Quarterback zerreißen sich die meisten über die Secondary das Maul, was hauptsächlich an der phänomenalen Rekrutierungsarbeit in den letzten Jahren liegt. Das geht soweit, dass der massivst gehypte LaMarcus Joyner nur Free Safety spielen darf, da die Passdeckung vom aufstrebenden Pärchen CB Xavier Rhodes/Greg Reid gebildet wird. Reid ist nebenher ein brillanter Punt Returner.

Seit Mark Stoops (Bobs Bruder) die Seminoles-Defense coacht, hat diese Uni die Siebenmeilenstiefel in der Entwicklung angezogen, und das erschreckenste: Die meisten Athleten sind entweder noch zwei Jahre spielberechtigt oder aus dem nie versiegenden Talentepool von Floridas High Schools bald ersetzbar.

Die allermeisten sehen Florida State irgendwo in der Nähe des National Titles spielen, trotz des neuen Quarterbacks, und der Schedule hält außerhalb der schwachen ACC-Aufgaben nur zwei echte Prüfsteine bereit. Die haben es allerdings in sich: Woche 3 kommen die womöglich an #1 gerankten Oklahoma Sooners ins Stadion und zu Thanksgiving muss man zu den verhassten Florida Gators. Eine einzige Saisonniederlage könnte aufgrund der schwachen ACC schon zu wenig sein hinsichtlich BCS-Titelambitionen.

Und dann ist da noch jenes beklemmende Gefühl, wenn eine Mannschaft quasi per Reputation aus dem Nichts zum Titel-Kandidaten in der BCS gehypt wird. Ein erfolgreiches Ende einer solchen Mission wäre IMHO eine Weltneuheit.

Der Rest der Atlantic Division sieht sich in der Rolle des Spoilers für Florida State. Die Clemson Tigers zum Beispiel, ein Kultteam daheim in einer Kleinstadt in South Carolina. Stichwort Memorial Stadium, genannt Death Valley, gelegen in einem Tal mit Blick auf einen Friedhof. Clemson war jahrelang gecoacht von Terry Bowden, dem Sohnemann von FSUs Bobby, aber seit drei Jahren ist Dabo Swinney am Werk – und schon schwer unter Druck: Trotz schneller, spektakulärer Defense reißt man wenig, weil die Offensividentität pure Langeweile ist.

Swinney wird in dieser Saison auf die Trumpfkarten „No-Huddle-Offense“ (eine in der ACC kaum bekannte Offensivtaktik) und „Verjüngung“ setzen und kann dabei auf alle Fälle auf eine sensationelle Recruiting-Class verweisen: RB Mike Bellamy z.B. wird gehypt ohne Ende und soll sofort starten. Sollte Swinney gehen müssen – und eine weitere durchwachsene Saison ist angesichts des brutalen Schedule nicht ausgeschlossen – wird er auf alle Fälle einen großartigen Recruiting-Jahrgang hinterlassen.

Die kleine Uni Wake Forest ist unter dem sympathischen Coach Jim Grobe eine Wundertüte, mal ohne Ambitionen zu 8-5 und ACC-Champ, mal als Anwärter 3-9, wie 2010/11, weswegen in diesem Sommer die Erwartungen niedrig sind. Grobe setzt auf eine erfahrene Offense und auf guten Pass Rush in der Defense. Ob das gegen neun Gegner mit Bowl-Ambitionen reichen wird?

Beim innerstaatlichen Rivalen North Carolina State sind die Probleme hausgemacht: 2010/11 war überraschend positiv (9-4), aber in der Offseason schaltete der eigentlich erfahrene Head Coach Tom O’Brien den Selbstzerstörungsmodus ein und mobbte QB Russell Wilson ohne erkenntlichen Grund vom Campus. Nun muss ein unerfahrener Quarterback hinter einer rundumerneuerten Offense Line antreten – O’Brien wird jetzt schon wissen, welche Schlagzeilen ihm im Falle eines Kollapses drohen.

Auch 9-4 schafften die Maryland Terrapins und trotzdem musste der Stratege hinter dem kontinuierlichen Aufstieg der Terps gehen: Ralph Friedgen ist mittlerweile durch UConns Randy Edsall ersetzt. Edsalls Wechsel spricht für dessen Ambitionen: Hätte er dank Fiesta Bowl bei UConn einen gemütlichen Job bis ans Lebensende gehabt, wird das Leben in Maryland etwas turbulenter sein. Ich gehe davon aus, dass Edsall eine ähnlich lauforientierte Offense wie bei UConn spielen lassen wird, wobei der QB Danny O’Brien 2010/11 tolle Zahlen hingelegt hat: 2438yds, 22 TD, 8 INT, und das als Freshman.

Im hohen Norden der ACC kämpfen die Boston College Eagles im Land der Patriots um Aufmerksamkeit und es bestehen ernsthafte Zweifel, ob das Bostoner Urgestein Frank Spaziani sich als Head Coach eignet. Spaziani wird seine ultralangweilige Offense vorgehalten, so was wie die College-Version von Marty Ball – aber bei einem RB wie Montel Harris (über 3600yds in drei Jahren) und einem so unerfahrenen QB wie Chase Rettig sollte man so was nachsehen.

Boston Colleges große Stärke ist die Laufdefense mit LB Luke Kuechly, der sensationell gut sein soll und im Schnitt pro Spiel 14,1 Tackles macht. Über Kuechly schreibt der großartige Paul Myerberg folgendes:

Kuechly is a middle linebacker straight from central casting, a big, tall, tough, nasty, rough, gritty, unstoppable tackling machine – 183 of them a year ago, most in the F.B.S., after ranking second in the nation in that category as a freshman.

Allerdings müssen die Eagles einen verdammt ungünstigen Schedule spielen, inklusive der drei vermeintlichen Topteams aus der anderen Division.

Coastal Division – Hokies vs. World

Die sich da recht sinnfrei „Coastal Division“ nennt. Und während wir in der Atlantic-Version aus dem Süden in den Norden gefahren sind, drehen wir um und beginnen diesmal mit den Virginia Cavaliers, kein sportlicher Topfavorit, aber eine sympathische Uni mit viel Frischwind aus dem Trainerbüro. Head Coach Mike London ist seit 2010 am Werkeln und hat mit seinen drei Grundprinzipien einiges bewegt:

Go to class.
Show class.
Treat people with dignity and respect.

Das muss man bei 90-Mann-Kadern erstmal durchhalten. Das Substanziellste an Londons Arbeit bisher: Trotz 4-8 ist von Malaise nicht mehr viel zu spüren, da die Cavs vor Feuer glühen und sämtliche Gegner mit blauen Flecken aus dem Stadion prügeln. London hat auch trotz unterlegener Ressourcen bisher den Wettbewerb um die besten innerstaatlichen Talente gewonnen.

Und zwar gegen die Virginia Tech Hokies, kein schwacher Gegner auf diesem Gebiet. Die Hokies sind unter Head Coach Frank Beamer (im 25. Jahr in dieser Position) seit Jahren eine Konstante, fast immer irgendwo zwischen 10 und 20 in den verschiedenen Polls vertreten. Der ganze große Wurf ist noch nicht geglückt – und nun ist der Hauptgrund für die starke Mannschaft der Vorsaison weg: QB Tyrod Taylor. Der neue ist das sagenhaft gebaute Mischlingskind Logan Thomas (1,98m, 115kg), ein Mann mit einem Spielstil wie Cameron Newton. Die Defense zeichnet eine starke Front Seven mit großem Zug zum Quarterback aus. Potenzielles Plus im Rennen um das BCS-Endspiel: Ein recht lauwarmer Schedule… bis dann im ACC-Finale womöglich Florida State wartet?

Von Virginia nach Carolina, genauer gesagt: North Carolina, wo sich im Herzen des Bundesstaates vier Unis auf 50km Radius die Kante geben. Wake Forest/NC State aus der Atlantic Division, und dann die beiden Basketball-Universitäten in Durham (Duke) und Chapel Hill (UNC). Zwei verfeindete Unis wie Feuer und Wasser. Die  Duke Blue Devils sind im Football allerdings keine große Nummer, was sich an der Bilanz von Head coach David Cutcliffe ablesen lässt: 12-24 in drei Saisons – eine der besten Footballbilanzen in Dukes Geschichte. Kopfschmerzen macht die katastrophale Defense, während die Offense um den starken RB Desmond Scott über recht gute Bausteine verfügt.

Sehr viel ambitionierter ist das Footballprogramm der University of North Carolina Tar Heels aus Chapel Hill – die Hellblauen fallen Jahr für Jahr mit massiven Recruiting-Bestrebungen auf. So massiv, dass die seit Jahren kochenden Gerüchte um Bestechungsgelder zum Jüngsten Gericht führen könnten: Über UNC schwebt die Death Penalty, die Auflösung des Footballprogramms. Als erste Gegenmaßnahme wurde vor drei Wochen Chefcoach Butch Davis wegen zu großer Toleranz mit seinen korrupten Assistenzcoaches gegangen. Da auch am amerikanischen College die Hiobsbotschaften in Salamitaktik nach außen dringen, werden wir in schönen Abständen bald mehr erfahren – ich kann mir kaum vorstellen, dass die Turbulenzen die sportliche Bilanz nicht beeinträchtigen werden.

Dabei wäre Potenzial vorhanden (harhar, woher denn bloß?), vor allem in der Defense, wo der angehenden Superstar-DE Quinton Coples nach einer Saison als DT-Notnagel nun neben dem angehenden Superstar-DT Donta Moss-Paige für Rabatz sorgen wird. In der Offense sind die Top-Spieler noch höchst unkonstant. WR Dwight Jones fing 2010/11 946yds, die sich so verteilen: 233yds gegen Florida State, 198yds gegen Virginia, 121yds gegen Duke, 394yds gegen die restlichen neun Gegner. Der Schedule ist einfach, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass UNC es bis ins ACC-Finale schaffen kann.

Ihre ganz eigenen Erfahrungen mit NCAA-Auditoren haben die Georgia Tech Yellow Jackets jüngst gemacht (und dabei keine gute Figur abgegeben), doch man scheint mit einer vierjährigen Bewährungsstrafe und 100.000 Dollar Bußgeld und einem nachträglich aberkannten ACC-Titel davonzukommen.

Schlimmer für Headcoach Paul Johnson ist: QB Josh Nesbitts College-Karriere ist zu Ende. Wir sprechen hier von dem Quarterback schlechthin für Johnsons spektakuläre Triple-Option-Offense aus der Flexbone-Formation. Ersatzmann Tevin Washington war zulezt kein adäquater Ersatz und schon kriechen die Stänkerer wieder aus ihren Löchern und werfen Johnson die angeblich antiquierte und gegen schnelle Defense ineffiziente Option-Offense vor. Dabei sähe ich den größten Handlungsbedarf im Defensive Backfield, das reihenweise verbrannt wurde.

Das verblassende U

Und damit ganz tief in den Süden Floridas: Welcome to The U, Welcome to the Miami Hurricanes, dort, wo vor zwei Wochen einer der massivsten Korruptions-Skandale ever im College Football aufgedeckt wurde.

Mitten drin: Ein Booster, der durch Immobilienspekulation in jungen Jahren extrem reich geworden war, und sich mit Geld, Partys, Nutten und allerlei sonstiger Zuwendungen Hurricanes-Spieler als „Freunde“ kaufen wollte. Der Booster – Nevin Shapiro – sitzt mittlerweile seit Dezember wegen illegalem Pyramidensystemspiels („Ponzi“/Schneeballsystem) 20 Jahre im Knast.

Die Tragikomödie: Als Shapiro vergangenen Herbst in Schwierigkeiten geriet, rief er seine „Freunde“, NFL-Superstars wie Andre Johnson/Wilfork/Vilma/Konsorten, an und wunderte sich, dass diese überhaupt kein Interesse an möglichen Hilfestellungen zeigten. Tief enttäuscht packte Shapiro bei Yahoo! aus – den Canes drohen nun massivste Sanktionen, das Damoklesschwert death penalty ist nicht ganz ausgeschlossen.

Treppenwitz: Bei den jüngsten NCAA-Ermittlungen gegen USC war Paul Dee mit weit aufgerissener Klappe („Große Programmen müssen groß bestraft werden“) Chef-Ermittler. Paul Dee, der Direktor der Sport-Abteilung bei den Miami Hurricanes über all die Jahre, in denen Shapiro unbeaufsichtigt mit der halben Mannschaft ins Bett hüpfte.

Fraglich, wie sich die Mannschaft machen wird – immerhin sind mehrere aktuelle Spieler auch im Verdacht, mit Shapiro verbandelt gewesen zu sein. Und dann kommt noch der Fakt, dass die Mannschaft einen neuen Head Coach bekommen hat: Al Golden (aus Temple/Philadelphia gekommen), der den netten, aber glücklosen Randy Shannon, einen (zu?) sehr auf Kontrolle bedachten Schwarzen, ablöst – und für die Hurricanes ein Risiko ist: Golden gilt seit Ewigkeiten als Joe Paternos Nachfolger in Penn State – wenn Golden bei diesen Widrigkeiten halbwegs Erfolg haben wird und Paterno irgendwann in den nächsten 15 Jahren doch mal seinen Job niederlegt… who knows, Golden wird dann wohl weg sein.

Goldens Spezialität ist, Defenses aufzubauen. In Miami findet er eine statistisch hervorragende Mannschaft vor: #1 in der ACC in der Offense, #3 in der ACC in der Defense. Ein Mysterium, dass es nur zu sieben Siegen reichte – Shannons Schwächen im Clock Management waren allerdings legendär.

So findet Golden einen insgesamt höchst talentierten Kader vor, dessen größtes Fragezeichen aber ausgerechnet der Quarterback ist: Jacory Harris, ein Mann mit bei Zeiten fürchterlichen Aussetzern, der ganze Drives und Spiele im Alleingang kaputt machen kann. Harris kann sich mittlerweile seines Platzes nicht mal mehr so sicher sein: In der Hinterhand wartet mit Stephen Morris ein junger Mann. „Jung“, nicht „überzeugend“, ansonsten wäre Harris wohl schon lange abgesägt.

Knackpunkt für Golden neben den möglichen Sperren für die halbe Mannschaft: Weil nach dieser Saison haufenweise Seniors die Uni verlassen werden, müssen parallel zum Saisonablauf massivste Ressourcen ins Recruiting gesteckt werden – Zeit, die in der Entwicklung der Mannschaft fehlen könnte – und in den nächsten Jahren werden viele, sehr viele Stipendien von der NCAA gestrichen werden.

Nur noch vier Conferences übrig? Morgen im neunten Teil wird es nach schwere Rucksäcke voller Tradition geben.