Free Agency 2019 – Tag 3: Earl Thomas unterschreibt in Baltimore

Das neue Liga-Jahr ist seit gestern Abend 22h00 offiziell eröffnet. Die in den letzten Tagen diskutierten und verabschiedeten Deals werden damit auch offiziell durchgewunken. Gestern ist auch der letzte Top-Free Agent über den Tisch gegangen. Weiterlesen

Super Bowl XLVIII preview – Denver Broncos Offense v Seattle Seahawks Defense

Das Matchup ist bekannt: eine der besten Defenses ever – ever, ever – trifft auf die beste Offense seit Erfindung der Hosenträger. Sheriff Peyton Manning und seine vier Broncos Demariyus Thomas, Eric Decker, Thou Shall Not Be Named Former Patriots Guy Wes Welker und Julius Thomas müssen sich mit Seattles “Legion of Boom!” um Earl Thomas, Richard Sherman, Kam Chancellor, Byron Maxwell und Walter Thurmond rumschlagen. Denver Broncos (15-3) Offense vs Seattle Seahawks (15-3) Defense. Super Bowl XLVIII.

Es gibt derzeit wohl keine bessere receiver combo als Thomas-Decker-Welker-Thomas. Demariyus Thomas ist der Nr.1 WR aus dem Lehrbuch; Decker ein kräftiger WR, der sich aber gerne in der Mitte des Spielfeldes rumtreibt (ein wenig wie Saint Marques Colsten); Welker der Typ, für den die Charaktersierung “a Welker-type of guy” erfunden wurde; und Julius Thomas das neueste Vorzeigemodell aus der Serie matchup nightmare von Tight Ends Inc.

Früher, bei den Indianapolis Colts und zu Beginn seiner Zeit bei den Broncos war Peytons playbook vergleichsweise dünn. Er stand fast durchweg mit drei WRs, einem TE und einem RB auf dem Feld. Die Anzahl der Spielzüge war auch überschaubar. [Chris Brown ausführlich über diese Offense.]

Es gab trotzdem nur selten eine Verteidigung, die diesen Angriff stoppen konnte. Einerseits kann Manning Verteidigungskonzepte schon vor dem snap lesen wie niemand sonst und sich folglich darauf einstellen. Andererseits hat er die perfekten körperlichen Voraussetzungen für einen Quarterback: 1,95m groß, 100kg schwer und einen sehr anständigen Arm. Jeder wußte, was kommen wird, trotzdem konnte es niemand stoppen. Manning weiß immer genau, wer wo offen sein wird und kann dann den perfekten Paß werfen.

Das mit dem Spielverständnis stimmt mehr denn. Allein: körperlich ist er nicht mehr der Alte – weil er körperlich mittlerweile sehr alt ist (und seine Nacken-/Nervenverltzung deutliche Spuren hinterlassen hat). Darum hat er “sein” System mit Hilfe von Offensive Coordinator Adam Gase weiterentwickelt. Es ist jetzt – vor allem in den Formationen – viel variabler und er wirft noch mehr als früher vermehrt über die Mitte. So ist er weniger angewiesen auch milimetergenaue Pässe in kleinste “windows” und vor allem weniger abhängig von Würfen, die viel arm strength verlangen: vor allem deep outs. So nutzt er perfekt die Stärken seiner Wide Receivers. Diese bekommen von Manning den Ball über viele crossing und drag routes in der Mitte des Feldes. Weil Manning diese kurzen Bälle immer noch sehr genau wirft und alle WRs viele yards after the catch (YAC) machen können. Der tiefe Ball bereitet ihm Schwierigkeiten (wenn nicht gerade ein WRs seinen Deckungsspieler überlaufen hat und “oben” keine Hilfte von den Safeties in Sicht ist).


Seattles Defense nun ist das Spiegelbild des alten Mannings. Sie haben ein sehr dünnes playbook – jeder weiß, was kommen wird – und sie haben körperlich die besten Voraussetzungen, um jedem Wide Receiver die Lust am Weiterspielen zu nehmen.

Die Seahawks spielen größtenteils Cover-1 und Cover-3 (und auch immer mal wieder Cover-2, bei denen die Cornerbacks dann nicht tief sinken, sondern plötzlich in der flat zone „sitzenbleiben“ und in kurze Pässe reinspringen) wobei die Cornerbacks press man coverage spielen, ihrem Gegenüber also direkt an der Line of Scrimmage gegenüberstehen und die diese im Idealfall erstmal ordentlich durchrütteln, bevor sie ihre geplante Route laufen können. Sherman mit 1,91m und Maxwell mit 1,85m sind wie gemalt für diese Aufgaben. Der potentielle Schwachpunkt liegt hierbei natürlich in den langen Routen. Wenn die WRs an den CBs vorbeikommen und diese nicht schnell genug aufholen, hat der Quarterback oft eine Chance, den tiefen Ball zu werfen. Es sei denn, irgendwo “in der Tiefe des Feldes” läuft jemand wie Earl Thomas rum.

Der Safety der Seahawks streunt oft scheinbar unbeteiligt im tiefen Nichts umher, aber durch seine Explosivität und seinen speed, wenn er ins Laufen gekommen ist, kann er jeden Receiver, der scheinbar offen ist, erreichen bevor der Ball da ist.

Diese Möglichkeiten für tiefe Bälle sind auch nur vorhanden, wenn der QB Zeit hat. Diese Zeit wird Manning gegen Seattle aber meisten nicht haben. Seattle hat ein scheinbar unendliches Reservoir an starken pass rushers: Cliff Avril, Bruce Irvin, Chris Clemons außen, Michael Bennett und Brandon Mebane meist von den inneren Positionen aus können noch jede Offensive Line zerlegen. Wie wird Denvers Offensive Line dem standhalten können? Wird Peyton regelmäßig einen Running Back oder gar einen Tight End zum Blocken statt auf eine Paßroute schicken?


Das Allerblödeste an pressure im Gesicht in Kombination mit der press man coverage ist aber, daß sie das timing bei den viele kurzen Routen kaputtmacht. Das weiß Manning natürlich und hat passenderweise sein playbook um Spielzüge ergänzt, die just die sich immer weiter ausbreitende Mannverteidigung vor große Probleme stellt. Viele trips formations gehören beispielsweise dazu, bei denen drei WRs so eng beieinander stehen, daß gar nicht jedem ein CB direkt gegenübertreten kann. Zusätzlich spielt gerade Denver unglaublich viele pick plays. Dabei laufen zwei WR aufeinander abgestimmte Routen, bei denen durch das Kreuzen und das Mitziehen der Verteidiger wie beim Basketball ein Block gesetzt (“pick”) wird. Und drittens hat Peyton Manning den screen pass für sich entdeckt wie niemals zuvor. Die Thomas-Thomas-Welker-Combo ist sehr stark im Blocken für Laufspielzüge, und nichts anderes sind screen passes von ihrem Wesen her – nur eben weit weg von den vielen dicken Defensive Linemen. (Und als Schmankerl hat er offenbar Tim Tebows playbook im Keller gefunden und Aufstellungen mit vier WRs auf einer Seite übernommen. Diese komische Formation hab ich bisher nur bei den Denver Tebows 2011 gesehen. Da waren Adam Gase und dessen Vorgänger Mike McCoy übrigens auch schon in Denver, unter Josh McDaniels.)

Aber um mal auf den entscheidenden Punkt zu kommen: auch das alles ist gegen Seattle nur semi-aussichtsreich. Einmal sind die CBs durch press man eben schon sehr nah an der Line of Scrimmage. Aber weil man Sherman oft alleine lassen kann und Thomas so viel Raum alleine abdecken kann, spielt Safety Kam Chancellor oftmals wie ein vierter Linebacker. Bonuspunkte für Chancellor: er sieht auch aus und tacklet wie ein Linebacker. Das bedeutet noch weniger Platz für das unvermeidliche Kurzpaßgestammel. Da sollte man am Sonntag mal drauf achten: es wird einige Spielzüge geben, bei denen zehn (!) Verteidiger Seattles nicht weiter als fünf Yards von der Line of Scrimmage entfernt sind.


Ich würde Seattle hier empfehlen, was ich schon im Championship Game für einen guten Plan der Patriots gehalten hab: gib Manning doch die tiefen Würfe! Im Gegensatz zu den Pats sind die Hawks dafür perfekt aufgestellt.

  • starker pass rush mit nur vier Mann, ohne blitz? Check.
  • ein Cornerback, den man alleine lassen kann? Check.
  • ein Safety, der jedes big play verhindert? Check.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr sehe ich den Vorteil bei Seattles Defense.

Jedenfalls ist das ein wunderbares matchup, das dem Super Bowl zur größten Ehre gereicht. Ich freue mich mehr auf diesen Super Bowl als auf jeden anderen seit der Saison 2007.

Wo wir gerade dabei sind: hat Denver die beste Offense aller Zeiten? Kann gut sein. Aber zum Abschluß noch das:

“Beste Offense aller Zeiten”, Punkterekord, 7,8 net yards/pass attempt, 4,1 yards/rush; gegen New York. Februar 2008.
“Beste Offense aller Zeiten”, Punkterekord, 7,8 net yards/pass attempt, 4,1 yards/rush; in New York. Februar 2014.

Ergebnis? Auf jeden Fall ein großartiges Spiel.

GFWTC, Rd 6 und 7: Sechs Runden, sechs Jungs vom Big Board. Jetzt ist es leer.

Die GFWTC macht weiterhin Spaß, ja eigentlich beginnt der rechte Spaß erst jetzt, ab Runde sieben, acht, wenn die allergrößten Namen, die eh jeder kennt, vom Tablett sind, und die Superstar-Kategorie „1B“ ins Spiel kommt, Jungs, die nicht jedes Jahr ins All-Pro Team gewählt werden, aber sagen wir, einmal alle zwei bis drei Jahre oder Kandidaten für das Second All-Pro Team.

Pick #59: FS Earl Thomas

Gehen wir noch einmal mit dem, was wir wissen: Ich hatte nach dem Draftpick #59 auch den Draftpick #62, und ich hatte mir das am Mittwochvormittag so schön zusammengerichtet gehabt: Ich würde versuchen, die beiden besten verbliebenen Safetys einzuberufen: Jairus Byrd von den Buffalo Bills und Earl Thomas von den Seattle Seahawks.

Die Safety-Position ist, wie ich einst schon schrieb, in meinen Augen keine „Premium-Position“ im Sinne von „ohne gute Besetzung biste eh verloren“ wie zum Beispiel Quarterback, Defensive Line oder Cornerback, aber Safety ist die Position, die dich bei adäquater personeller Besetzung a) sehr flexibel macht und b) von grundsolide auf spektakulär heben kann.

Eric Weddle war bereits vom Tablett – der Knabe gilt als bester Safety in der Liga, wenn wir strikt nach Pro Football Focus gehen. Es gibt nicht so viele richtig überragende Safetys, Byrd und Thomas sind die letzten beiden verbliebenen Kombinationen aus „Elite“ und „jungem Alter“; es gibt viele weitere Hoffnungsträger, aber außer den beiden niemanden, der diese beiden – für mein Team wichtigen – Attribute vereint.

Wupps, wurde mir Byrd vor der Nase weg geschnappt. So blieb mir einzig Earl Thomas von den Seahawks, der Hawk mit der #29. Earl Thomas gehört zu meinen Lieblingsspielern in der NFL, weil er der würdige Nachfolger des besten ever, Ed Reed, ist: Ein Freelancer vor dem Herrn, dynamisch, harter Hitter, kann Zonen- und Manndeckung spielen und hat in der Box keine Scheu, den Running Back zu fällen. Seine PFF-Noten sind nicht die besten, aber die Note allein ist nicht alles; ähnlich wichtig ist das, was man mit dem Spielertyp überhaupt alles anfangen kann, selbst wenn der eine oder andere Bock in der Umsetzung dabei ist.

Thomas war mein #1-Safety am Board, und er gibt meinen Abwehrschemata extrem hohe Flexibilität. Mein DefCoord darf die Defense nicht in ein festes Korsett stecken, sondern muss um eine Idee herum basteln: Der Lauf muss annehmbar gestoppt werden können, und der Pass muss abgewürgt werden. Ein Safety wie Earl Thomas, der zugleich einen halber Cornerback und einen halben Linebacker geben kann, ist schonmal qua Statur und Standing ein Spieler, den der Gegner in jedem Spielzug auf dem Schirm haben muss.

Thomas war auch die #20 in meinem Big-Board, und er war der letzte verbliebene Spieler von diesem Board, der noch zu haben war. Damit kann ich ruhigen Gewissens mein Big Board posten, und die von mir gedrafteten Spieler in fett markieren. Sechs Runden Draft, sechs Spieler von meinem Top-20 Big Board! Das hatte ich ehrlicherweise nicht erwartet gehabt. Ich habe bisher dreimal den besten Spieler in meinem Positional-Ranking (QB, DE, S), einmal den zweitbesten (DT) und zweimal den drittbesten (WR, CB) bekommen – alles „Premium-Positionen“ plus die für das Gesicht der Abwehr wichtige Safety-Position.

Erste Runde

  1. Rodgers
  2. Luck
  3. J.J. Watt
  4. Von Miller
  5. Revis
  6. Geno Atkins
  7. Wake
  8. McCoy
  9. Pierre-Paul
  10. Calvin Johnson

Zweite Runde

  1. Suh
  2. Justin Smith
  3. Clay Matthews
  4. Richard Sherman
  5. RG3
  6. A.J. Green
  7. Willis
  8. Julio Jones
  9. Patrick Peterson
  10. Earl Thomas

Ich habe immer noch Gewissensbisse ob der Entscheidung pro Rodgers und gegen J.J. Watt und ich hätte n’Bier verschenkt um Miller oder Revis zu bekommen, aber gut: Lassen wir das. Die Problematiken mit dem Big-Board allgemein werde ich vielleicht später mal in einem gesonderten Blogeintrag behandeln.

Pick #62: DB Devin McCourty

Dieser Siebtrundenpick war mein bisher schwierigster, weil es extrem viele Optionen dafür gab, und ich mehr als eine Handvoll spannende Prospects übergehen musste. Ich hatte zwei spektakuläre Möglichkeiten in Betracht gezogen, die ich an dieser Stelle noch nicht diskutieren kann, aber gewiss wird sich in einigen Tagen Gelegenheit dafür finden – dann nämlich, wenn ich vielleicht bereuen werde, diese Optionen nicht gezogen zu haben. Es geht auch hier um „Value“, und ich bin erstmal gespannt, ob einer der Mitspieler ähnlich denkt bzw. sich getraut, eine davon zu ziehen.

Die Wahl fiel am Ende auf den Defensive Back Devin McCourty von den New England Patriots, und sie ist ein Tribut an die famose Spielerdatenbank von Pro Football Focus. McCourty ist seit seiner Einberufung in die Liga vor drei Jahren einer der Lieblinge der PFF-Database und vor kurzem wurde McCourty zum 27-besten Spieler der NFL-Saison 2012/13 gewählt. Nummer 27! Ich bin Autodidakt und nicht der lernfleißigste Schüler vor dem All-22 Tape, aber wenn man sich das eine oder andere Defense-Tape der Pats reinzieht, ist diese Platzierung nicht sofort nachvollziehbar.

Lt. PFF zeichnet sich McCourty durch folgende Attribute aus:

  • Er ist vielseitig einsetzbar, auf seiner Stamm-Position Cornerback, aber auch als Free Safety, und hat keine Probleme, dutzende Snaps pro Partie zu spielen.
  • Er ist ein exzellenter Lauf-Verteidiger für DB-Standards.
  • Gegnerische Quarterbacks hatten 2012/13 ein QB-Rating von 78, wenn sie McCourty als CB anspielten, und von *bitte festhalten* 10.1 (!) wenn in Richtung McCourty als Free Safety geworfen wurde. Das sind fabelhafte Werte.

Nun will ich nicht alles von PFF auf die Goldwaage legen, und es gibt tatsächlich Spieler, die mir bevorzugt behandelt scheinen (z.B. G Evan Mathis von den Eagles), aber McCourty muss einiges drauf haben. Lt. PFF ist seine größte „Schwäche“ das Fehlen von highlight-trächtigen Big Plays, die ihn zum nationalen Star machen würden. Und auch die generell eher softe Patriots-Defense trägt ihren Senf bei, dass McCourty, der nicht als großer Hitter bekannt ist, als eher unspektakulärer Spieler wahrgenommen wird.

Ich vertraue diesmal PFF. McCourty ist vieles: Kriegt gute Noten (2011 war es eher schlecht, aber 2012 war super), ist jung, kann Safety und Cornerback spielen und passt damit wie die Faust aufs Auge in mein oben beschriebenes flexibles Abwehrsystem. Ich mag vielseitige Spieler, und ich mag vor allem junge Spieler. McCourty hat die richtigen Eigenschaften, und ich denke, die siebte Runde ist in groben Zügen die richtige Region, um diesen „1B“-Spieler zu ziehen. Damit habe ich drei Defensive Backs im Kader, die insgesamt vier Positionen (plus Kick/Punt-Return) spielen können.

Zwischenstand

Die Zwischenstatistik kurz vor Ende der siebten Runde (Stand: gestern spätnachmittags) sieht wie folgt aus:

OFFENSE  35    DEFENSE  34
  QB      8      DE      6
  RB      4      DT      8
  WR      9      OLB     5
  TE      4      ILB     3
  OT      7      CB      9
  OG      1      S       3
  C       2

Minimales Übergewicht bisher für die Abwehr, aber auch nur, weil die siebte Runde davon dominiert wurde; es gibt Spieler, die (wie ich) erst zwei Offensivspieler gezogen haben, aber auch welche (Ron) mit erst einem einzigen gedrafteten Abwehrspieler. Der überraschendste Fakt ist für mich bisher, dass so viele Defensive Tackles gezogen wurden; in der amerikanischen Version von Matt Waldman und Kollegen war die Grundstimmung sehr eindeutig DE>DT, aber das könnte bei uns jetzt auch dran liegen, dass nur zehn Spieler mitmachen und es bei den Defensive Ends das von mir schon beschriebene Patt nach den wenigen Superstars gibt, sodass sich die „Value“-Denke etwas verschiebt.

Die „Value“-Denke ist nun übrigens auch bei den Quarterbacks eine ähnliche, nachdem nur noch zwei Starter (sic!) gebracht werden und noch 6-7 gute Optionen verfügbar sind (Newton, Romo, Ryan, Stafford, Freeman, Roethlisberger, Rivers)…

… oder? Niemand da, der ähnlich fiese Hintergedanken hat?

Team korsakoff Tracker

OFFENSE                      DEFENSE
---------------------------------------------------
QB   Aaron Rodgers           DE   Jason Pierre-Paul
RB                           DT   Gerald McCoy
WR   Julio Jones             DE    
WR                           OLB  
TE                           ILB
OT                           OLB
OG                           CB   Patrick Peterson
C                            CB   Devin McCourty
OG                           S    Earl Thomas
OT                           S
Opt                          Opt
Opt                          Opt
Opt                          Opt

Die anderen Mannschaften kann man an dieser Stelle begutachten. Jetzt ist erstmal abwarten auf der Tagesordnung; die nächsten Picks sind für mich #79 und #82.

Frischzellenkur rewind: Der Seahawks-Draft von 2010

Die Wurzeln des Seahawks-Aufstiegs sind Ende der Saison 2009/10 zu finden, als der Besitzer der Seahawks, Paul Allen, den Head Coach Jim Mora jr., der schon in Atlanta einen schlechten Job gemacht hatte, und GM Tim Ruskell rauswarf und sich anschickte, die seit Jahren dümpelnden Hawks wieder auf Vordermann zu bringen. Allen installierte den neuen GM John Schneider aus dem Personalbüro der Green Bay Packers, und holte Pete Carroll zurück vom College in die NFL. Für Carroll war das damals nicht bloß die Chance, es nach einer nur mäßig erfolgreichen Zeit in den 90ern noch einmal der NFL zu beweisen, sondern auch willkommene Gelegenheit, die University of Southern California rechtzeitig zu verlassen, bevor ein halbes Jahr später der Hammer der NCAA im Fall Reggie Bush zuschlug.

Erster großer Auftritt der neuen Seahawks-Leitung war der NFL-Draft 2010 – und drei Jahre später kann man ein exzellentes Zeugnis für diese Draftklasse ausstellen. Zugegeben, mit dem ersten Erstrundenpick (Pick #6) konnte Seattle damals nix falsch machen. Die Mannschaft war ein Scherbenhaufen, es gab keine „würdigen“ Quarterbacks (obwohl Tebow aufm Tablett war) und Seattle holte sich den Muskelberg LT Russell Okung von der Oklahoma State University. Die Tackle-Klasse von 2010 hatte als massiv gut besetzt gegolten, und Okung war auf den meisten Boards der höchstbewertete Tackle gewesen; als Washington an #4 OT Trent Williams zog, war eigentlich allen klar: Seattle würde in der Lotterie Okung ziehen. Es war ein einfacher Pick, den jeder Holzkopf geschafft hätte, und alle konnten die Logik nachvollziehen. Okung hatte in der NFL zwar viele Zipperlein, weil immer wieder Muskeln rissen und die Wade zwickte, gilt aber unisono anerkannt als einer der besten seiner Zunft.

Wenn du eine Draftklasse von Prädikat ganz groß haben willst, musst du auch ein wenig Glück haben. Seattle hatte das in Form eines letzten Geschenks des alten Regimes, das anno 2009 via Trade mit dem grünschnäbeligen Head Coach Josh McDaniels (Denver Broncos) einen Erstrundenpick für einen Zweitrundenpick generieren konnte! So durften die Hawks 2010 auch noch an #14 picken – und sie schlugen zu: S Earl Thomas von der University of Texas ist heute ein dynamischer Playmaker, einer meiner Lieblingsspieler, der an die besten Zeiten des besten Safetys ever, Ed Reed, erinnert. Thomas ist ein Freelancer und begeht als solcher naturgemäß viele Fehler – gescheiterte Blitzes, schlechte Coverage – macht das aber mit dem wett, was Scouts range nennen: Der Mann ist so schnell, so flink, dass er vom Gegner als ständige Bedrohung wahrgenommen wird, der man extra Aufmerksamkeit in der Vorbereitung schenken muss.

Der Thomas-Pick war seinerzeit nicht ohne Nebengeräusche, da alle Welt von Carroll erwartet hatte, dass er „seinen“ Schützling vom College, S Taylor Mays, mit diesem Pick holen würde. Das ist so ein gängiges Gerede vor dem Draft: Coach X holt Spieler Y, weil er den am College unter seinen Fittichen gehabt hatte. Stimmt manchmal, oft aber nicht: Carroll kannte die Schwächen des undisziplinierten Mays und überging die Sentimentalitäten. Es ist eine vergleichbare Situation mit der Nassib/Marrone-Geschichte bei den Bills dieses Jahr. Mays ging dann übrigens in der zweiten Runde nach Cincinnati, wo man seither versucht, ihn irgendwie ins System einzubauen.

Mit dem Zweitrundenpick (#60) bekamen die Seahawks WR Golden Tate, dessen berühmteste Szene bisher sicher der Freak-Touchdown bei der Hail Mary gegen Green Bay war. Niemand hält Tate heute für den besten Receiver der Liga, aber in einem kompletten WR-Corp ist Tate durchaus ein wertvoller Baustein, ein Spieler, für den es sich lohnt, einen so hohen Draftpick zu investieren.

Was beim Blick auf die Seahawks-Klasse von 2010 auffällt, ist, dass sie viele Trades machten: Nur der Okung-Pick war einer, der ursprünglich den Hawks gehört hatte; alle anderen wurden entweder gegen andere Picks eingetauscht oder von der NFL in Form von Compensatory Picks geschenkt. So hatte Seattle keinen Drittrundenpick, was in der Retrospektive nicht übel ist, da die dritte Runde von 2010 nur wenige wirklich herausragende Spieler produzierte (LB Bowman und TE Graham sind die mit Abstand besten).

Der dritte Tag des Drafts 2010, also ab vierte Runde, tut in der Rücksicht etwas weh, da die Seahawks Granaten wie DT Geno Atkins oder TE Aaron Hernandez verpassten, obwohl beide Positionen als große Needs gegolten hatten. Gerade ein Hernandez hätte wunderbar in die Carroll-Philosophie gepasst, Spieler zu holen, die alles Potenzial der Welt hatten, aber charakterliche Zeitbomben sind. Man lasse sich heute nicht davon täuschen: Hernandez war ein Knallkopf, der allerhand Probleme mit der Justiz hatte und sich mehr als einmal die Woche die Birne zukiffte. Aber er hatte auch als fantastisches sportliches Prospect gegolten, fiel dann aber wohl wegen der Bedenken in die vierte Runde. New England sagte danke. Seattle holte seinen Tight End erst in der sechsten Runde in Form von TE Anthony McCoy, und der war ein Carroll-Schützling vom College; McCoy ist kein Mann, um den du deine Offense baust, aber das verlangt von einem Sechstrundenpick auch niemand.

Seattle verpasste Hernandez also in der vierten Runde, und das gleich zweimal (Seattle hatte zwei 4th-Rounder). Mit dem ersten Viertrundenpick holte das Front-Office CB Walter Thurmond, der auch ins Schema des Carroll passte: Eigentlich ein Talent für die höheren Runden, aber ein großes Verletzungsfragezeichen nach einer horrenden Knieverletzung mit mehreren Bänderrissen. Thurmond ist drei Jahre später ein wertvoller Cornerback für die Rotation. Starter ist er keiner, da die Hawks ein Jahr später Browner und Sherman vom Schrotthaufen aufklaubten, und bei den Jungs muss sich keiner grämen, wenn er nicht dran vorbei kommt. Der andere Viertrundenpick der Seahawks war DE E.J. Wilson, ein längst vergessener Mann.

Die Klasse ist bisher schon sehr gut, aber das Kronjuwel fehlt noch: SS Kam Chancellor, der in der fünften Runde mit dem 133ten Pick kam und im Grunde eine Markt-Ineffizienz offen legte. Die NFL war zu dieser Zeit gefangen in ihren immergleichen Deckungssystemen, und Chancellor war so ein Spieler, der nirgendwo richtig reinpasste: Zu klein für einen Linebacker, zu groß für einen Safety, zu wenig Spezialist, zu viel Generalist. Der Typ Spieler, den du in den letzten Runden draftest eben. Oder auch nicht.

Es mag Zufall sein, und vielleicht waren Carroll und DefCoord Gus Bradley überrascht, dass Chancellor so gewaltig einschlug, aber es ist schwierig zu leugnen, dass Carroll/Bradley einen Plan für ihre Defense hatten. Der Plan legte wert auf Aggressivität und Physis an der Anspiellinie. Aggressivität, Physis und superbe Lauf-Defense sind die größten Assets des Kam Chancellor, der gern auch mal über die Strenge schlägt und nicht weit davon entfernt ist, das Label des nächsten großen Hard Hitters übergestülpt zu bekommen. Für den Gedanken, dass sie einen Plan hatten, steht auch die Einberufung von CB Richard Sherman ein Jahr später: Sherman war ein ähnlicher Spielertyp und kam in der fünften Runde.

Chancellor war also in gewissem Sinne auch ein Trendsetter. Heute, nur drei Jahren später, werden solche Spielertypen in der zweiten und dritten Runde gedraftet, sind also sehr viel teurer. Die Pioniere profitierten noch vom ineffizienten Markt.

(Man muss an der Stelle allerdings auch anmerken, dass die überwiegende Mehrzahl der Pioniere mit ihren unkonventionellen Ideen scheitert und nur die paar wenigen gelungenen Neuerungen wie eben Chancellor am Ende herausragen. Der Draft 2010 hatte auch ein bekanntes Negativbeispiel: Tim Tebow)

Statt Pro Bowl – Das All-Pro Team 2012

In guter alter Tradition wird die Spaßveranstaltung heute abend hier geflissentlich ignoriert. Stattdessen kommt nach den Awards von Seminole und korsakoff heute mein All-Pro-Team mit den Spielern, die mir in der Saison 2012/13 am besten gefallen haben. (Das All-Pro Team 2011/12 gibts hier.)

Offense

QB – Tom Brady (Patriots): Brady hat 2012 noch einmal deutlich gemacht, warum man manchmal davon spricht, daß ein Quarterback seine Offense „orchestriert“. Der Golden Boy hat den Term „no-huddle Offense“ auf ein neues Niveau gehoben. Auch die vielen Verletzungen von Spielern wie Gronkowski, Hernandez, Edelman oder Woodhead konnten Brady nicht einbremsen.

RB – Adrian Peterson (Vikings): Es macht einfach Spaß, Purple Jesus laufen zu sehen. Am Ende hat er den Rekord zwar nicht gekriegt, aber mit seiner großen Saison nach einem Kreuzbandriß dafür gesorgt, daß RBs wieder Kandidaten für die MVP-Trophäe werden können.

LT – Trent Williams (Redskins): Williams war mal 4th overall pick. Und das ist erst drei Jahre her. Trotzdem ist er kaum bekannt. In seinen ersten beiden NFL-Jahren hatte er unter Verletzungen und Sperren zu leiden. Aber dieses Jahr konnte auch der gemeine Fernsehzuschauer sehen, was der Shanaclan in ihm gesehen hat, als sie ihn anno 2010 zu ihrem ersten Draftpick in Washington gemacht haben. Die Königsdisziplin für Offensive Tackles ist immer noch das pass blocking, aber wie Williams im Laufspiel mit so großer Sicherheit den richtigen Gegner zum blocken gefunden hat, schnell mit seinen Füßen da war und sein Opfer mal eben umgestellt hat wie ein paar Legosteine, läßt pass blocking-Maschinen wie Jake Long vergessen.

LG – Mike Iupati (49ers): Iupati bildet mit seinem Nebenmann Joe Staley die beste linke Seite der Liga. Einen derart athletischen Spieler mit seinen körperlichen Ausmaßen (1,97m, 150kg) findet man sonst nur in Baltimores Haloti Ngata.

C – N.N. Den Center in meinem Team muß ich weglassen, weil mir niemand besonders aufgefallen ist. Die meisten pundits sagen, daß Minnesota John Sullivan am stärksten war. Aber wer kann das bei einem Center schon ernsthaft vom Fernseher aus entscheiden? (Warum wird das All-Pro Team eigentlich nicht von den Coaches gewählt, sondern nur von Journalisten, deren Argumention zwischen „TebowOMFG“ und „AsomughaÍstDerBesteCornerbackDerWeltDasSchreibtSchließlichJederVonJedemAb“ oszilliert?)

RG – Alex Boone (49es): Ich hab keine Ahnung, wo dieser Boone plötzlich hergekommen ist. Aber er spielt, als hätte er nie etwas anderes getan als in einer sehr komplexen Laufoffense erfahrene Profis vom Kaliber eines Vince Wilfork oder 400kg-Typen wie B.J. Raji aus dem Weg zu räumen.

RT – Sebastian Vollmer (Patriots): Vollmer ist hier nicht, weil er Deutscher ist, sondern weil er tatsächlich der beste Right Tackle der Saison 2012. Er ist auch einer der wenigen Offensive Tackles, die sowohl im pass- als auch im run blocking überragend sind. Vollmer ist in diesem Sommer Free Agent und wird sich ein Konto suchen müssen, daß auch achtstellige Beträge zuläßt.

TE – Rob Gronkowski (Patriots): Über Gronkowski muß man nicht viel sagen. Er hat Tight End zur neuen „in“-Position gemacht. Nur werden die anderen Mannschaften merken, daß 2,00m-Typen, die blocken können wie ein Offensive Lineman und Pässe fangen können wie ein WR, nicht mal eben im Supermarkt zu kaufen sind.

WR – Calvin Johnson (Lions): No brainer. Mit Abstand das Beste, was man in Sachen Receiving im Football bewundern darf.

WR – Vincent Jackson (Buccaneers): Jackson hat in seiner ersten Saison in Tampa gezeigt, daß er einer der wenigen WRs, die mit jedem QB gut aussehen.

WR – Reggie Wayne (Colts): Reggie Wayne ist das Beste, was Andrew Luck jemals passieren konnte. Beeindrucken an Waynes Leistung 2012 war vor allem, daß er mit Mitte 30 nochmal eine ganz neue Rolle gelernt hat. Unter Peyton Manning war er immer an der Seitenlinie angekettet, nun wurde er von OC Bruce Arians über das gesamte Feld geschickt und sah rechts, links, im Slot und auch überall anders aus wie neugeboren.

Defense

DE – Cameron Wake (Dolphins): Wake ist ein wenig untergangen, weil Miami keine großen Spiele hatte und auch keine Storylines produzierte. Aber Cameron Wake, der 2009 aus der CFL kam, muß sich spätestens nach dieser Saison vor keinem anderen Defensive End mehr verstecken.

DT – J.J. Watt (Texans): Spätestens wenn Watt, wie zu erwarten steht, nicht MVP der Saison 2012 wird, ist dieser MVP-Titel absolut wertlos. Watt hat eine dermaßen einzigartige Saison in einer unglaublichen Konstanz gespielt, daß er nicht nur DPOY und MVP werden sollte, sondern Sportler des Jahres. Weltweit. Ich habe noch nie einen Verteidiger in der NFL so dominieren sehen wie Watt 2012.

DT – Geno Atkins (Bengals): In den meisten anderen Spielzeiten wäre Atkins klarer Favorit auf den Title DPOY. Dieses Jahr reicht es nur für einen Platz im All-Pro Team. Atkins sieht aus wie ein typischer Defensive Tackle, hat aber eine quickness in den Füßen (und im Kopf), die sonst eher Slot Receivers an den Tag legen.

DE – Calais Campbell (Cardinals): Arizonas Campbell wird manchmal als J.J. Watt für Arme bezeichnet. Das ist Quatsch. Richtiger wär es zu sagen, Watt ist unbezahlbar und Campbell der Watt für die Warren Buffets. Oder so ähnlich. Was Campbell in dieser Saison mit seinen Mitleid verdienenden Gegenspielern gemacht hat, erinnerte an Puppentheater, wobei er die Fäden zog. Der Anker der Cardinals-Linie ist der Spieler, der mit seiner Kombination aus purer Kraft, tänzermäßigen Füßen und perfekter Technik am ehesten an Watt heranreicht.

OLB – Von Miller (Broncos): Miller wäre wie auch Campbell und Atkins locker DPOY geworden, wenn nicht Watt seine Saison von einem anderen Stern gespielt hätte (und natürlich Atkins und Campbell selber nicht so überragend gewesen wären). Was Miller neben der spielerischen Stärke an sich auszeichnet, ist seine Vielseitigkeit. Er gibt einen erstklassigen 43-OLB in Denvers Base-D und er gibt einen ebenso erstklassigen Pass Rusher als DE in Nickel- und Dime-Formationen.

MLB – Daryl Washington (Cardinals): Während anderswo noch darüber diskutiert wird, ob Bowman oder Willis der beste Linebacker der NFL ist, hat Arizonas 34-ILB Daryl Washington gespielt, als würde er vor jedem Spiel zwei Kilo Koks ziehen und meistens trotzdem kühlen Kopf bewahren. Falls das möglich ist. Zeitweise sieht er mit seiner Explosivität und seiner Aggressivität aus wie Ray Lewis zu seinen besten Zeiten. Manchmal sieht er auch einfach aus wie ein Irrer und rennt mit 200km/h in das falsche Loch. Aber wenn er wie in 95% aller Plays den richtigen Riecher hat, dann: Hals- und Beinbruch!

LB – NaVorro Bowman/Patrick Willis (49ers): Sie sind beide überragend. Ich könnte mich nicht für einen entscheiden, wenn ich es müßte. Was Bowman und Willis vor allem auszeichnet, sind ihre Fähigkeiten in pass coverage. Sie sind zwei der wenigen Verteidiger, die es auch mit den „neuen“ Tight Ends aufnehmen können.

CB – Antonio Cromartie (Jets): Der großmäulige Störenfried Antonio Cromartie stand fürchterlich unter Druck nachdem Darelle Revis auf IR gewandert ist. Zur großen Überraschung hat er dann aber tatsächlich gespielt wie ein waschechter franchise corner. Er ist auch ein Grund dafür, daß Trottelgesicht Owner Woody Johnson gerne Revis traden würde.

CB – Richard Sherman (Seahawks): Aus dem Nichts kam letztes Jahr der 5th-rd pick auf die Bühne und hat die etablierten WRs respektlos gegängelt.Der größte Trash Talker, den Stanford je hervorgebracht hat, ist mit seinem großen massigen Körper und seinem extrem physischen Stil ein Unikat in der NFL. Seit dieser Saison kann er es mit Jedem aufnehmen und auch sein selbst gewählter Spitzname Optimus Prime paßt wie die Faust aufs Auge, nachdem er Megatron bei drei Catches halten konnte.

S – Earl Thomas (Seahawks): Während Sherman und sein Gegenüber Brandon Browner immer eng am Mann sind und Verfolgungsarbeiten übernehmen, zieht Thomas in der Tiefe des Feldes seine Kreise und schlägt blitzschnell und instinktsicher zu, wenn mal ein Ball tief geworfen wird. Ein echter Seeadler eben. Wenn Thomas sich so weiter entwickelt, könnte er der legitime Erbe der aktuellen großen Safety-Generation sein. Er sollte sich dann aber bitte weniger häufig verletzen als Ed Reed, Troy Polamalu und Bob Sanders.

S – Ryan Clark (Steelers): Während Troy Polamalu mal wieder ständig verletzt war, hat sein Nebenmann Clark die Führung der secondary übernommen. Der unscheinbare Safety macht Sonntag für Sonntag das, was ein Safety eben so machen sollte: für Sicherheit sorgen. Die Pass-D Pittsburgh war nach NY/A die Nr. 2 im Land und ein großer Grund dafür war Clark.

Es sind sicherlich einige Spieler rausgefallen, einfach weil ich sie nicht oft genug gesehen hab. Es kann durchaus sein, daß beispielsweise Clevelands CB Joe Haden, Buffalos Safety Jairus Byrd oder irgendwer von Kansas City auch herausragend gespielt hat. Das hab ich aber leider nicht oft genug gesehen, weil – wer guckt schon Spiele von Cleveland, Kansas City oder Buffalo?

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Die Gesichtslosen

In dieser Ausgabe nehme ich mich mal einer Handvoll Picks in den Teens an. Allesamt Leute, die ich nicht explizit auf meinem Notizzettel hatte, zu denen ich mir nichts verzeichnet habe, aber um kurz ein Stimmungsbild abzugeben…

Pick #11 Anthony Davis wurde bereits gestern zum potenziellen Bust deklariert, aber G Mike Iupati, der Pick #17 – und wie Davis zu den San Francisco 49ers – bekommt erstaunlich euphorische Kritiken. Während Davis nach seiner horrenden Performance in Woche 3 gegen Kansas City (Gegenspieler Hali hatte dort gegen Davis 14x (!!) die Hand am QB) unten durch war, soll Iupati trotz seiner 150kg sehr geschmeidig und trotzdem eisenhart sein.

Pick #13 sah Michigans DE Brandon Graham nach Philadelphia gehen. Graham machte in 13 Spielen 3 Sacks, soll ein solider Pass Rusher sein, aber sehr disziplinlos, wenn der Gegner mit dem Dampfhammer daherrollt.

Pick #14 S Earl Thomas? Muss athletisch fantastische Voraussetzungen haben, nicht anders ist zu erklären, dass an der University of Texas spielte und hoch einberufen wurde. Leute wie Thomas, die in Texas suboptimales Coaching bekommen, tun sich in der NFL oftmals schwer. Und Thomas beging viele Leichtsinnsfehler und war besonders in der Deckung nicht der zuverlässigste. Weil er sehr variabel eingesetzt wurde, darf man Thomas aber auf alle Fälle Ansammlung von Erfahrungsschatz zuschreiben – und immerhin war er der Schuldloseste am Passfeuerwerk der Saints im Playoffsieg: Nur 12yds wurden direkt gegen ihn gefangen.

Interessant war der Giants-Pick an #15, DE Jason Pierre-Paul (USF Bulls). Obwohl DLine-Freak Spagnuolo nicht mehr in New York coacht, wurde Pierre-Paul clever eingesetzt, immer wieder als Pass Rusher in Situationen für Pass Rush gebracht. Muss man ja auch mal loben, wenn Coaches Spieler mit Hirn aufbauen. Die Defense Line der Giants: Meine #1 in der NFL – und Pierre-Pauls Ansätze als Pass Rusher waren gut (4.5 Sacks), wobei die Angst bleibt, dass der Mann aus Haiti eindimensional wie eine Scheibe Schüttelbrot bleiben wird.

Zwar ist auch die Testmenge an Snaps bei DE Derrick Morgan (Pick #16 zu Tennessee) arg begrenzt, aber dies aus Verletzungsgründen. In Spiel 4 rissen die Kreuzbänder. Bis dahin ließen die Titans Morgan überall in der Defensive Line fröhlich probieren, wobei er besonders gegen die Giants glänzen konnte.

Pick #19 LB Sean Weatherspoon erlebte auch einiges als Rookie: Katastrophales Debüt, dann sich zum Starter hinaufgearbeitet, dann durch eine Verletzung einbremst, ehe der stärker spielende Stephen Nicholas eine Rückkehr in die Startaufstellung verhinderte. Weatherspoon ist aber quick genug, um immer und immer wieder in klaren Pass-Situationen auf das Feld geschickt zu werden, was für einen Linebacker zumindest vom körperlichen Standpunkt nie ein schlechtes Zeichen ist.